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  • Das Märchen vom bösen Salz

    Salzarm essen: Gesundheitsbewussten kommt das selbstverständlich vor. Denn Salz, so heißt es, erhöhe das Risiko für Nierenschäden, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall. Entsprechend strikt beraten Ärzte, entsprechend fad müssen sich Insassen von Krankenhäusern, Altenheimen, Pflegeeinrichtungen bekochen lassen. In Wahrheit ist es viel leichter und gefährlicher, zuwenig Salz zu sich zu nehmen als zuviel. Im übrigen: Salz ist nicht gleich Salz - die Qualität entscheidet. Ein medizinischer Mythos kostet Abermillionen ihre Vitalität. „Erst Salz, dann Sense“: So martialisch betitelte eine Heidelberger Allgemeinmedizinerin einen Beitrag im Infoportal doccheck – so als sei der Salzstreuer ein bevorzugtes Tatwerkzeug von Gevatter Tod. Schließlich sei ja „bekannt, dass ein zu hoher täglicher Salzkonsum ein erheblicher Risikofaktor für Bluthochdruck ist und damit auch für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, insbesondere Schlafanfall“. Die Bangemache der Ärztin folgt gängiger Lehrmeinung. Diese entsprang ein paar unkontrollierten Fallberichten aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts, die voreilig Eingang in Lehrbücher fanden. Schier unausrottbar hält sie sich seither. In der Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), täglich höchstens 6 Gramm Salz zu sich zu nehmen, spiegelt sie sich ebenso wie in der Obergrenze von 5 Gramm, für die sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausspricht. Dabei gäbe die Studienlage längst Anlass, das Dogma zu hinterfragen. Schon Mitte des vorigen Jahrhunderts hatte eine Auswertung aller bis dahin vorliegenden Forschungsergebnisse gezeigt: Die Beweislage war mitnichten eindeutig. (1) „Da Natrium und Chlorid praktisch die Grundbausteine der biochemischen Struktur von Säugetieren sind“, so kommentierten die Autoren seinerzeit, „ist es kaum verwunderlich, dass der Verzicht auf diese Stoffe in der Ernährung letztendlich zu unerwünschten oder sogar katastrophalen Folgen führt.“ Und daran änderte sich anschließend nichts: Im Jahr 2018 ergab eine systematische Übersicht über neun hochwertige Studien, dass es weiterhin keine handfesten Belege gibt, die eindeutig für eine natriumarme Ernährung sprechen. Lehrbuchweisheit widerlegt – die SODIUM-HF-Studie Für Klarheit sorgen sollte die großangelegte SODIUM-HF-Studie, deren Ergebnisse im April 2022 publik wurden. (2) An ihr beteiligt waren 806 erwachsene Patienten an 26 Standorten in sechs Ländern. Im Schnitt 66 Jahre alt, litten sie an chronischer Herzinsuffizienz im Stadium II bis III gemäß Einteilung der New York Heart Association (NYHA), d.h. mit leichten bis starken Einschränkungen der Belastbarkeit, aber noch mit Beschwerdefreiheit in Ruhe. Medikamentös waren sie allesamt leitlinienkonform versorgt. Aus diesen Probanden wurden zwei gleich große Gruppen gebildet: Die eine erhielt bloß allgemeine Ratschläge zur Natriumzufuhr in der Ernährung; die andere sollte eine strikt natriumarme Diät von möglichst nicht mehr als 1500 mg täglich einhalten. Sechs Jahre lang beobachteten Kardiologen, wie sich diese Vorgaben gesundheitlich auswirkten. Im ersten Jahr nach Studienbeginn sank in der Diätgruppe die durchschnittliche Natriumaufnahme von 2.286 mg pro Tag auf 1.658 mg, in der Kontrollgruppe von 2.119 auf 2.073 mg. Wie wirkte sich diese Differenz bis zum Ende des sechsjährigen Beobachtungszeitraums aus? Bis dahin mussten sich 15 % der natriumarmen Gruppe und 17 % der Kontrollgruppe kardiovaskulär bedingt ins Krankenhaus einweisen lassen, suchten deswegen die Notaufnahme auf oder verstarben - ein Unterschied in puncto Inzidenz, der statistisch bedeutungslos war. Erstaunlicherweise lag die Gesamtsterblichkeit in der Diätgruppe mit 6 % sogar leicht höher als in der Kontrollgruppe mit 4 %. Und so schlossen die Autoren kurz und bündig: „Bei ambulanten Patienten mit Herzinsuffizienz führte eine diätetische Intervention, um die Natriumaufnahme zu reduzieren, nicht zu einer Verringerung der klinischen Ereignisse." Ein Manko der Studie könnte die Ergebnisse verfälscht haben: der Umstand, dass auch die Kontrollgruppe keine besonders hohen Salzmengen zu sich nahm. In dieser Hinsicht unterschieden sich die beiden Gruppen nur um 415 mg pro Tag. Ein erwachsener Deutscher konsumiert im Schnitt 8 bis 10 Gramm Salz pro Tag, ein US-Amerikaner 9,6 Gramm, so dass die Kontrollgruppe nicht wirklich eine Bevölkerung repräsentiert, die einem typisch westlichen (Fehl-)Ernährungsstil frönt. Ein weiterer Kritikpunkt lautet: Die einbezogenen Patienten könnten nicht krank genug gewesen sein, um von einer natriumarmen Ernährung zu profitieren. Womöglich hätte sich ein Nutzen ergeben, wenn auch Patienten mit schwerster Herzinsuffizienz – im Stadium IV – teilgenommen hätten. Diese Unzulänglichkeiten entwerten die Ergebnisse aber keineswegs. In seiner Analyse für das Infoportal Medscape stellt der Elektrophysiologe Dr. John Mandrola fest: "SODIUM-HF (…) hat gezeigt, dass bei einer typischen Herzinsuffizienz-Kohorte die Empfehlung einer strengeren natriumarmen Diät im Vergleich zu allgemeinen Ratschlägen keinen Unterschied bei den Behandlungsergebnissen ausmacht ... Mein Fazit ist, dass wir keine Zeit und Energie darauf verwenden müssen, die Patienten zu einer extrem natriumarmen Ernährung zu bewegen." Entwarnung gibt auch der Heidelberger Ernährungsmediziner und Präventionsarzt Dr. Gregor Dornschneider , der in den Therapiecamps  meiner Stiftung AUSWEGE  mitwirkt:  „Menschen mit normalem Blutdruck – bei Werten von 120/80 bis 130/85 mmHg - sind zu etwa 80 % nicht salzsensitiv; das heißt, selbst bei erhöhtem Salzkonsum bleibt ihr Blutdruck davon unbeeindruckt. Auch unter den sogenannten Prä-Hypertonikern - mit "hochnormalen" Blutdruckwerten bis 140/90 mmHg - reagieren ca. 75 % wenig bis gar nicht auf vermehrte Salz-Zufuhr.“ (3) Selbst unter „manifesten“ Hypertonikern – mit dauerhaft höheren Werten als 140/90 mmHG – steigert bei jedem Zweiten Salz nicht  den Blutdruck. Ein weitaus größeres Problem: Salzmangel In Wahrheit ist es ziemlich schwierig, sich schädliche Mengen an Natrium einzuverleiben – jedoch leicht, zuwenig davon zu sich zu nehmen. Entsprechend große Mühe sollten sich Ärzte geben, ihre Patienten auf die extremen Gefahren einer allzu salzarmen Ernährung hinzuweisen, statt ihnen eine Heidenangst vor Salz einzujagen. Als Elektrolyt - eine Substanz, die Elektrizität leitet - trägt Natrium dazu bei, die Wassermenge in und um die Zellen zu regulieren, wie auch den Blutdruck. Wessen Salzgehalt zu niedrig ist, der kann chronisch dehydriert werden. Werte unter 125 mmol/l können Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Verwirrtheit auslösen. Natriumwerte unter 115 mmol/l sind lebensbedrohlich, sie erfordern sofortige intensivmedizinische Behandlung. Dann kommt es zu einer verstärkten Wasserverschiebung ins Zellinnere, mit Funktionsstörungen verschiedener Organe – etwa einer Nierenschwäche – und der Gefahr einer Hirnschwellung, die zu Bewusstseinsstörungen bis hin zu Krämpfen und Koma führt. Ein Natriumwert von unter 110 mmol/l, der nicht schleunigst behoben wird, kann tödlich enden. Wie eine Studie in 181 Ländern ergab, ist die Lebenserwartung überall dort niedriger, wo weniger Salz konsumiert wird. Sogar schon eine leichte Hyponatriämie - ein zu niedriger Natriumspiegel – erhöht das Sterberisiko signifikant. (4) Noch weit entfernt von Lebensgefahr provoziert eine andauernde Unterversorgung mit Salz, heraufbeschworen durch eine natriumarme Ernährung, eine Fülle von hartnäckigen Beschwerden, welche die Lebensqualität enorm beeinträchtigen können. Sie reichen von Müdigkeit und Schlaflosigkeit über Übelkeit und Erbrechen, Kopf- und Muskelschmerzen bis hin zu erektiler Dysfunktion, Konzentrationsstörungen und Verwirrtheitszuständen. Dass zuwenig Salz das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöht , belegte im Jahr 2014 die PURE-Studie mit rund 102.000 Teilnehmern aus 19 Ländern. Weitere Untersuchungen bestätigten sie. Thomas Lüscher, Leiter des Zentrums für Molekulare Kardiologie an der Uniklinik Zürich, sieht den Grund darin, dass der Organismus bei sehr niedrigem Salzkonsum Hormone ausschüttet, die den Blutdruck hochtreiben. "Das ist ähnlich wie mit dem Blutzucker bei Diabetikern", erklärt er, "zuviel ist gefährlich, zuwenig aber auch." (5) Unser Blutdruck sinkt tatsächlich, wenn wir unseren Salzkonsum drastisch reduzieren – in  der Regel allerdings um weniger als 1 % . Leider verschlechtert sich dabei das Verhältnis von Gesamtcholesterin zum „guten“, schützenden High-Density-Lipoprotein (HDL), das ein viel zuverlässigerer Prädiktor für Herzkrankheiten ist als das „böse“, Gefäßwände schädigende Low-Density-Lipoprotein (LDL). Auch Triglycerid- und Insulinspiegel sind erhöht. Somit steigt  das Risiko für Herzkrankheiten eher, als dass es sinkt, auch wenn die Blutdruckwerte besser erscheinen. Schlimmer noch: Salzmangel erhöht auch das Risiko, eine Insulinresistenz zu entwickeln, da der Körper Salz unter anderem durch einen Anstieg des Insulinspiegels konserviert. Ein höherer Insulinspiegel hilft den Nieren, mehr Salz zurückzuhalten. Insulinresistenz wiederum ist ein Merkmal nicht nur von Herzkrankheiten, sondern der meisten chronischen Erkrankungen. Unser Salzstatus wirkt sich auch unmittelbar auf unseren Magnesium- und Kalziumspiegel aus. Wenn wir nicht genügend Salz zu uns nehmen, so beginnt unser Körper nicht nur, sich Natrium aus dem Skelett zu holen - er entzieht den Knochen auch Magnesium und Kalzium, um einen normalen Natriumspiegel aufrechtzuerhalten. Zum selben Zweck verringert er die über den Schweiß verlorene Natriummenge,  stattdessen scheidet er Magnesium und Kalzium aus. Außerdem erhöht ein niedriger Natriumspiegel das Aldosteron, ein natriumbindendes Hormon, das ebenfalls Magnesium reduziert, indem es dafür sorgt, dass das lebenswichtige Mineral über den Urin ausgeschieden wird. Eine rigoros natriumarme Ernährung zählt demnach zum Übelsten, was wir unserer Gesundheit antun können - insbesondere dem Zustand unserer Knochen und unseres Herzens. Viele Patienten mit Bluthochdruck bekommen Diuretika verschrieben: harntreibende Mittel, welche die Situation noch verschlimmern können. Auch den Kaffeekonsum berücksichtigen Empfehlungen eines niedrigen Salzgehalts nur selten - obwohl Kaffeetrinken die Salzspeicher zügig leert. Wer vier Tassen Kaffee an einem Tag trinkt, kann innerhalb von vier Stunden leicht mehr als 1 Teelöffel Salz - etwa 5 g - mit dem Urin ausscheiden. Dennoch legen ihm Ärzte ans Herz, höchstens 1 Teelöffel Salz pro Tag zu sich zu nehmen. Wer sich als Kaffeetrinker an diesen Ratschlag hält, kann innerhalb weniger Tage einen erheblichen Natriummangel erleiden, da sein Körper große Mengen an Salz verliert. Noch gefährdeter ist der Kaffeetrinker, wenn er intensiv Sport betreibt, regelmäßig die Sauna besucht oder körperlich anstrengende Tätigkeiten erledigt. Denn auch mit dem Schweiß scheidet sein Körper Natrium aus: 700 bis 2000 mg pro Liter. Wer also viel schwitzt, wird möglicherweise mehr Salz los, als er sich bei einer salzarmen Diät wieder zuführt. Pflichtlektüre für alle Salzphobiker im weißen Kittel Einst lag die Salzzufuhr zehn Mal höher Auch historisch und interkulturell betrachtet ist die allgemeine Empfehlung, die Salzzufuhr einzuschränken, nicht sonderlich sinnvoll, wie der Kardiologe James DiNicolantonio vom Saint Luke´s Mid America Heart Institute in Kansas City in einem lesenswerten Buch darlegt. (6) In Wahrheit schluckten Menschen jahrtausendelang erheblich mehr Salz als unsereins – allerdings bei Mahlzeiten, die ausnahmslos boten, was die Natur hergab, ohne künstliche Zusätze. An die WHO-Empfehlung – maximal 5 g pro Tag – hielten sich unsere Vorfahren bloß im allerfrühesten Abschnitt der Menschheitsgeschichte, in der Steinzeit, die vor etwa 2,5 Millionen Jahren begann und, je nach Region, zwischen 3000 und 2000 vor Christus endete. Der tägliche Salzkonsum damaliger Jäger und Sammler wird auf ein halbes bis ganzes Gramm geschätzt , aufgenommen ausschließlich aus natürlichen Lebensmitteln wie Fleisch, Blut und Pflanzen. In  der Antike wurde Salz zum wichtigsten Konservierungsmittel und blieb es zwei Jahrtausende lang. Soldaten erhielten ihren Lohn teilweise in Salz – daher stammt das Wort salarium , “Salär”. Die alten Römer nahmen pro Tag 7 bis 12 g zu sich. Im Mittelalter bis weit ins 19. Jahrhundert hinein war es schon doppelt so viel, zumindest in Europa. (7) Die tägliche Salzaufnahme stieg auf 15 bis 30 Gramm, denn Fleisch, Fisch, Käse pflegte man zu pökeln, zu räuchern und einzusalzen. Das übertrifft die 8 bis 10 Gramm, die der heutige Deutsche pro Tag laut DGE zu sich nimmt, um das Dreifache. (Erst 1876 erfand Carl von Linde die erste industriell nutzbare Kältemaschine – sie revolutionierte  Kühlhäuser, Brauereien und die Fleischindustrie –, 1913 ließ Fred Wolf den ersten elektrischen Haushaltskühlschrank folgen.) Der Spitzenreiter, ein typischer Schwede des 16. Jahrhunderts, soll Schätzungen zufolge sogar durchschnittlich 100 Gramm Salz pro Tag konsumiert haben. Aber kamen infolgedessen einst Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle, Nierenversagen, Osteoporose, Magenkrebs, Ödeme, Autoimmunerkrankungen und Demenz um ein Vielfaches häufiger vor? Chinesen und Japaner, deren Lebenserwartung zu den stattlichsten der Welt gehört, konsumieren zugleich die höchsten Salzmengen : im Schnitt 13,4 bzw. 11,7 Gramm pro Tag. Warum ignorieren Salzpanikmacher, dass Patienten im Krankenhaus routinemäßig große Mengen an 0,9%-iger Natriumchloridlösung intravenös verabreicht bekommen? Dabei erhalten sie häufig das Zehnfache der empfohlenen Tagesdosis an Natriumchlorid – trotzdem steigt ihr Blutdruck oft kaum an. Spätestens an diesem Punkt muss jedem halbwegs wachen Geist ein Licht aufgehen: An der Rufmordkampagne gegen das Salz ist etwas oberfaul. Die fixe Idee, die Salzaufnahme korreliere mit dem Blutdruck, gewann durch die 1999 veröffentlichte DASH-Studie ( Dietary Approaches to Stop Hypertension ) an Popularität. Tatsächlich schränkt die DASH-Diät die Salzaufnahme ein – zugleich aber auch den Konsum von zuckerhaltigen und verarbeiteten Lebensmitteln, die den Blutdruck weitaus stärker beeinflussen können als Salz. Womöglich ist beim vorherrschenden westlichen Ernährungsstil also gar nicht so sehr das Salz das Problem, sondern die Qualität der salzhaltigen Lebensmittel, die man zu sich nimmt – insbesondere wenn es sich um Industrieprodukte handelt. Pro 100 Gramm stecken in Salzstangen und Chips 2,5 bis 4 g Salz, in Schmelzkäse und Fertigsuppen 3 bis 5 g, in Wurstwaren 2,5 bis 4,5 g – mit Salami am oberen Ende -, in Fertigsoßen bis zu 15 g, in Brühwürfeln und Bouillonpulver gar bis zu 60 g. Am meisten Salz, 75 bis 90 % , nimmt der deutsche  Durchschnittsesser heutzutage aus verarbeiteten Lebensmitteln auf. Ja, diese Produkte machen auf Dauer krank. Aber tun sie es wegen ihres Salzgehalts – oder vielmehr wegen alledem, was man sich ansonsten mit ihnen einverleibt? Sie liefern zuviel Zucker, zuviele minderwertige gesättigte Fette, zuviele Kalorien, zuviele Konservierungs-, Farbstoffe und Aromen, Emulgatoren, Stabilisatoren, modifizierte Stärken und andere technisch veränderte Zutaten - aber zuwenig Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe, zuwenig sekundäre Pflanzenstoffe. Eine derart einseitige Ernährung fördert Übergewicht – und dies  ist der hauptverantwortliche Faktor bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Von diesem eigentlichen Gesundheitsskandal lenkt uns die Salzdebatte fatal ab. Galileo-Grafik: https://cms-api.galileo.tv/app/uploads/2020/05/grafik_salz.png Hier wird zur Kategorie „natürliches Salz“ anscheinend auch industrielles Pseudosalz gezählt – von einem Wissenschaftsmagazin erwartet man etwas mehr Differenzierungsvermögen. Hören wir besser auf unseren Körper als auf fragwürdige Experten Kurzum: Es gibt keinen schwerwiegenden Grund, sich über zuviel Salz in der Ernährung Sorgen zu machen. Wie eine Studie aus dem Jahr 2017 bestätigt (8), behält ein gesunder Körper stets ein relativ konstantes Natriumgleichgewicht bei , erstaunlich unabhängig davon, wie viel er aufnimmt. Gesunde Nieren kriegen es ohne weiteres hin, überschüssige Salzmengen auszuscheiden und den Blutdruck stabil zu halten. Laut DiNicolantonio kann eine Person mit intakten Nieren mindestens 86 Gramm Salz pro Tag zu sich nehmen. Außerdem verfügt unser Organismus über einen eingebauten "Salzthermostaten", der uns die benötigte Menge anzeigt, indem er unser Verlangen nach Salzigem reguliert . Wer zuviel Salz zu sich genommen hat, wird durstig und trinkt Wasser; dabei verdünnt er sein Blut ausreichend, um die richtige Natriumkonzentration aufrechtzuerhalten . Lernen wir also, auf unseren Körper zu hören. Und denken wir daran, dass wir bei starkem Schwitzen und reichlich Kaffeegenuss automatisch mehr Salz benötigen als sonst. Viel wichtiger: das Natrium-Kalium-Verhältnis Während Salz als Ursache für Bluthochdruck und Herzkrankheiten weiterhin verteufelt wird, zeigen Forschungsergebnisse: Der wahre Schlüssel zur Normalisierung des Blutdrucks ist das Verhältnis von Natrium und Kalium - und nicht die Natriumzufuhr allein. (7) Wie Salz, so ist auch Kalium ein Elektrolyt. Doch während sich das Kalium größtenteils in den Zellen befindet, schwimmt das Natrium überwiegend außerhalb. Kalium sorgt dafür, dass sich unsere Arterienwände entspannen, unsere Muskeln nicht verkrampfen und unser Blutdruck sinkt. (8) Als Faustregel gilt: Wir sollten fünf Mal mehr Kalium als Natrium zu uns nehmen. Wer eine westliche Standardernährung mit verarbeiteten Lebensmitteln bevorzugt, der verleibt sich wahrscheinlich doppelt so viel Natrium wie Kalium ein. Wie fatal sich eine solche Fehlernährung auswirken kann, führen Forschungsergebnisse vor Augen, auf welche die eingangs zitierte doccheck -Autorin ihren Sensenhorror stützt. Sie verweist auf eine Anfang August 2022 im European Heart Journal veröffentlichte Studie , in die Gesundheitsdaten von 501.379 Personen eingingen. Zu Beginn gaben die Probanden unter anderem an,ob und wie häufig sie fertige Speisen bei Tisch nachsalzen – ein ungefähres Maß dafür, wie groß die individuelle Vorliebe für salzig schmeckende Lebensmittel und die gewöhnliche Salzzufuhr ist. Mehr als die Hälfte, 277.931, gan zu Protokoll, nie oder nur sehr selten nachzusalzen; weitere 140.618 Personen taten dies nach eigenen Angaben „manchmal“, 58.399 „für gewöhnlich“, 24.431 „immer“. Am Ende des neunjährigen Studienzeitraums war es unter den Teilnehmern zu 18.474 Todesfällen gekommen. Bei gelegentlichen Nachsalzern ergab sich eine mäßig über dem Durchschnitt liegende Mortalität, bei ständigen ein um enorme 28 % erhöhtes Sterberisiko. Allerdings lässt Team Salzphobie einen entscheidenden Aspekt dieser Studie unter den Tisch fallen:  Der regelmäßige Verzehr von Obst und Gemüse machte den signifikanten statistischen Zusammenhang zwischen Nachsalzen und Mortalität zunichte. Wieso? Weil Obst und Gemüse reichlich Kalium liefern. (Besonders ergiebig sind Bananen und Aprikosen, wie auch Karotten, Avovcado, Tomaten, Kohlrabi, Kartoffeln, Rosenkohl, Paprika, Champignons. Auch Nüsse, Zartbitterschokolade und bestimmte Mehlsorten punkten als Kaliumlieferanten .) Daraus folgt: Der ausgiebige Griff zum Salzstreuer schadet in erster Linie jenen, die keinen Wert auf gesunde, vollwertige Ernährung legen. Follow the Money – auf einen Holzweg Wie kann die Schulmedizin bloß so beharrlich einen Irrweg beschreiten? Follow the Money : Sie will Geld verdienen. Allen Menschen Angst vor Salz einzujagen, ist „ein Eckpfeiler zur Festigung des Blutdruckmarkts“, ätzt ein systemkritischer US-Arzt, der weiterhin unbehelligt  praktizieren will, weshalb er sich hinter dem Autorennamen „ A Midwestern Doctor “ versteckt. Inwiefern? Indem man Salz zum Hauptschuldigen für Bluthochdruck erklärt, benennt man einen scheinbar klaren, einfachen Risikofaktor. Das schafft Angst – auch bei Gesunden – und fördert: die Bereitschaft zur „ Vorsorge “, nicht im Sinne von echtem Vorbeugen, sondern von Überprüfen gewisser Messwerte; folglich regelmäßige Blutdruckkontrollen; die Verschreibung von Medikamenten schon bei leicht erhöhten Werten; eine verstärkte Gesundheitsüberwachung mit regelmäßigen Check-ups. Hypertonie, echte wie vermeintliche, ist ein milliardenschweres Business – es beschert der Pharmaindustrie einen globalen Jahresumsatz von rund 25 Milliarden Dollar. Blutdrucksenker wie ACE-Hemmer, Betablocker, Diuretika und Sartane zählen zu den meistverkauften Arzneimitteln. Die Behandlung ist langfristig und dauerhaft lukrativ. Wenn sich viele Menschen einreden lassen, ihr Blutdruck sei „behandlungsbedürftig“ , entsteht ein riesiger Markt für Pharmaunternehmen. Und je mehr Menschen man durch Angst - „Salz ist gefährlich!“ - in die Vorsorge und Therapie bringt, desto stärker wächst dieser Markt. Wie überall in unserem profitgetriebenen Gesundheitssystem, so lebt auch hier das Geschäft mit der Prävention entscheidend von Angstmarketing: Salz = Risiko = Krankheit = Behandlung. Diese Logik folgt einem typischen Schema: -          Definiere ein ubiquitäres Verhalten wie „Salzkonsum“ als problematisch. -           Betone mögliche Gefahren – dramatisiere das Risiko von Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall. -          Erzeuge Verunsicherung -  durch mediale Alarmmeldungen, durch hirngewaschene Ärzte. -           Biete Lösungen an: frühe Diagnose („Prä-Hypertonie“) gemäß niedrigeren Schwellenwerten; Frühbehandeln mit Pharmaprodukten. So wird aus einem natürlichen Mineral ein medizinökonomischer Hebel: Salz wird zum Sündenbock gemacht, um ein lukratives medizinisches Dauer-Abo zu rechtfertigen. Auf dem Friedhof entsorgter Ernährungsmythen Wie stets im Leben gilt es, auch beim Salz einen Mittelweg zu finden: zwischen Verteufelung und Exzess. Dabei helfen kann es, sich die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu vergegenwärtigen, die moderner, vermeintlich wissenschaftlich felsenfest abgesegneter Ernährungsforschung seit eh und je anhaftet. Welche Essensvorliebe hat sie nicht schon als ungesund, ja lebensbedrohlich entlarvt? Wie oft hat sie unsinnigen, oft sogar kontraproduktiven Verzicht auf guten Geschmack gepredigt? Zumeist bloß für begrenzte Zeit – bis sich irgendwann zeigte, dass zum Beispiel Eier nicht unbedingt den Cholesterinspiegel ankurbeln und damit Arterienverkalkung und Herz-Kreislauferkrankungen hervorrufen ; oder dass vegane Ernährung keineswegs Mangelernährung sein muss. Ebenfalls auf dem Friedhof entsorgter Ernährungsmythen befinden sich mittlerweile:  „Fett macht fett“,  „Fünf Mahlzeiten am Tag sind ideal“,  „Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages",  „Zucker ist nur wegen der Kalorien problematisch", „Light-Produkte helfen beim Abnehmen", „Alle Kalorien sind gleich", „Milch ist ein Muss für starke Knochen", „Gluten ist nur für Zöliakie-Patienten relevant".   Viele Ratschläge zur „richtigen“ Ernährungsweise „fallen unter die Rubrik Religionsfreiheit“, meint Prof. Volker Schusdziara von der TU München. „Das sind Glaubensbekenntnisse, die jeder haben darf. Aber sie sind nicht medizinisch und naturwissenschaftlich untermauert." Leider verhält es sich mit Askese-Geboten so ähnlich wie mit Gerüchten und genetisch modifizierten Organismen: Einmal in die Welt gesetzt, sind sie kaum leichter wieder einzufangen als Aladdins Geist aus der Flasche. Im Streit ums Salz herrscht auf beiden Seiten ein Tunnelblick vor. Man dürfe sich nicht bloß darauf konzentrieren, mahnt Joachim Hoyer, Nephrologe an der Uni-Klinik Marburg.  "Viel besser belegt ist, dass Übergewicht, Rauchen oder zu wenig körperliche Bewegung das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen. Statt sich mühsam das Salzen zu verkneifen, sollte man sich vielleicht lieber öfter an der frischen Luft bewegen." Ernährungsmediziner Dr. Gregor Dornschneider stellt klar: „Der weitaus größere Feind unserer Gesundheit ist ein völlig anderes kristallines Produkt, nämlich der industriell-gefertigte weiße Haushaltszucker.“  Salz ist nicht gleich Salz Im übrigen: Salz ist nicht gleich Salz - die Qualität entscheidet. Um seine physiologischen Vorzüge zu nutzen, sollten wir darauf achten, dass es nicht raffiniert und möglichst wenig verarbeitet ist. Das spricht beispielsweise für das rosagetönte Himalaya-Salz; es ist reich an natürlich vorkommenden Spurenelementen, die für gesunde Knochen, den Flüssigkeitshaushalt und die allgemeine Gesundheit benötigt werden. Eine weitere gute Wahl sind andere rohe Steinsalze, naturbelassene Meersalze, Kristallsalze oder das erlesene Fleur de Sel. Von billigem, industriell hergestelltem Kochsalz hingegen sollten wir aus mehreren Gründen die Finger lassen. Bis zu 99,9 % besteht es aus Natriumchlorid – wertvolle Mikronährstoffe, die unser Körper nicht selber herstellen kann, sind vollständig ausgewaschen. Hinzu kommen künstlich hergestellte Chemikalien wie Feuchtigkeitsabsorber und Rieselhilfen, darunter Aluminiumoxid. In Kochsalz für Wurstwaren steckt darüber hinaus krebsförderndes Natriumnitrit. Auch geringe Mengen von synthetischer Jod und Fluorid können zugesetzt sein – obwohl wir unseren Bedarf an diesen Spurenelementen auf gesündere Weise anderweitig decken könnten. Zudem ist rund 90 % des Speisesalzes mit Mikroplastik verunreinigt. Hinzu kommt, dass die industrielle Verarbeitung auch die chemische Struktur des Salzes radikal verändert. Übrig bleibt „ein totes Würzmittel“, bemängelt Gregor Dornschneider. Naturbelassenes Salz hingegen enthält in der Regel, neben 84 % NaCl, auch 16 % natürlich vorkommende Mineralstoffe wie Kalium, Calcium, Magnesium, Phosphor und Schwefel. Diese tragen wesentlich dazu bei, ein ausgewogenes Säure-Basen-Verhältnis aufrechtzuerhalten und eine ordnungsgemäße Reizleitung in Nerven- und Muskelzellen sicherzustellen.  Auch ist Salz unentbehrlich, um Nährstoffe im Körper zu transportieren, sie in Zellen aufzunehmen, Abfallstoffe abzuleiten. Darüber hinaus erfüllen  wertvolle Spurenelemente im Salz - darunter Selen, Eisen, Zink, Silizium, Kupfer, Mangan und Vanadium - vielerlei Aufgaben bei zahlreichen Stoffwechselprozessen: vom Zellschutz vor oxidativem Stress über die Energiegewinnung in Mitochondrien bis hin zur Wundheilung, Blutbildung, Hormonregulierung und dem Aufbau von Gewebe. (Eine ausgewogene Ernährung mit Vollkorn, Nüssen, Samen, Hülsenfrüchten, Gemüse, Fisch und Fleisch liefert allerdings deutlich mehr dieser Stoffe, als naturbelassenes Salz es tut.) Viele Menschen stellen verblüfft fest, wie sich ihre Gesundheit dramatisch verbessert, sobald sie beginnen, gesunde Salze zu sich zu nehmen. Plötzlich spüren sie mehr Energie und geistige Klarheit. Erst jetzt geht ihnen ein Licht auf: Hinter dem Kampf gegen das Salz verbirgt sich ein medizinischer Mythos, der Abermillionen ihre Vitalität kostet. Langen  Textes kurzer Sinn: Für eine optimale Gesundheit benötigen wir unbedingt Salz – aber nicht jedes. Was unser Körper braucht, ist naturbelassenes, unraffiniertes Salz, ohne Zusatz von Chemikalien. Bis der Sensenmann auch den letzten Salzverzichtsdogmatiker heimgesucht hat, dürfte es allerdings noch ein Weilchen dauern. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1) Justin A. Ezekovitz u.a..: Reduction of dietary sodium to less than 100 mmol in heart failure (SODIUM-HF): an international, open-label, randomised, controlled trial. Lancet, 2.4.2022. DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(22)00359-5) (2) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3041211/ ; https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3064042/ (3) Zit. nach https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/ernaehrung-schadet-zu-viel-salz-im-essen-wirklich-a-1020274.html (4) James DiNicolantonio: The Salt Fix: Why the Experts Got It All Wrong - and How Eating More Might Save Your Life , New York 2017 (5) Cardiology Review September-October 1999; 7(5): 284-288 , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11208239/ . Weitere Studien, die für eine Reduzierung der Salzzufuhr zur Vorbeugung von Bluthochdruck zu sprechen scheinen, werden hier zusammengefasst. (6) Journal of Clinical Investigation 2017;127(5):1944–1959 , https://doi.org/10.1172/JCI88532 ; New York Times May 8, 2017 , https://www.nytimes.com/2017/05/08/health/salt-health-effects.html (7) Advances in Nutrition, 2014; 5:712 , http://advances.nutrition.org/content/5/6/712.full (8) Harvard Health Publications, January 23, 2017 , http://www.health.harvard.edu/heart-health/potassium-lowers-blood-pressure ; Journal of the American Medical Association 1997;277(20):1624 , https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9168293 ; Journal of Human Hypertension 2003; 17(7):471 , https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12821954 ; British Medical Journal 2013; 346:f1378 , http://www.bmj.com/content/346/bmj.f1378 (9) https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29507099/ , zusammengefasst hier (10) Zit. nach https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/ernaehrung-schadet-zu-viel-salz-im-essen-wirklich-a-1020274.html

  • „Unheilbar“ – Wenn ein Wort zum Hammer wird

    Manchmal genügt ein einziges Wort, um ein Gegenüber mit der Wucht eines Vorschlaghammers zu treffen. Die ärztliche Einschätzung, eine Heilung sei unmöglich, zählt dazu. Sie ist verantwortungslos – und allzu oft voreilig. Falls mir ein Arzt eines Tages eröffnet, meine Erkrankung sei „unheilbar“: Wie ginge ich damit um? Verharre ich in Schockstarre? Falle ich psychisch ins Bodenlose? Gebe ich auf? Statt zu verzweifeln, würde ich seine Äußerung hinterfragen. Er sagt: Er kenne keine effektive Behandlungsweise mehr, seine Mittel reichen nicht aus. Aber wie steht es mit anderen? „Da kann ich Ihnen leider keine Hoffnung machen“, erwidert er vermutlich. „Die Möglichkeiten der Medizin sind in Ihrem Fall ausgeschöpft.“ Welche Medizin meint er? Die konventionelle, die er sich während seines Studiums angeeignet hat? Sie kennt 30'000 Krankheiten, aber nur einem Drittel davon kommt sie vollständig bei oder kann sie zumindest lindern. An Grenzen – ihre Grenzen – stößt sie, trotz eines immer gigantischeren technischen und finanziellen Aufwands, bei einer Vielzahl von chronischen Leiden, mit denen Expertenschätzungen zufolge etwa 40 %  der Gesamtbevölkerung leben müssen – das entspricht rund 33 Millionen Menschen allein in Deutschland. Ungeheilt ist nicht unheilbar Aber ungeheilt ist nicht unheilbar. Was bei vermeintlich „behandlungsresistenten“, wenn nicht gar „austherapierten“ Patienten noch möglich ist, belegen verblüffende Genesungsverläufe in den Therapiecamps  meiner Stiftung Auswege  ebenso wie in den Praxen von Therapeuten, die dem “Auswege”-Netzwerk  (IVH) angehören: sei es bei Multipler Sklerose oder fortgeschrittenem Krebs , bei Allergien , bei Tinnitus , bei Stoffwechselstörungen, bei Epilepsie  oder Fibromyalgie , bei rheumatischen Leiden, bei fortschreitenden Lähmungen wie der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS)  und anderen körperlichen Behinderungen, bei Alzheimer , bei schweren psychischen Erkrankungen wie chronischen Depressionen , Ängsten , Autismus . Und noch in jedem der 42 „Auswege“-Therapiecamps seit 2007  ließ sich aus nächster Nähe mitverfolgen, wie segensreich ganzheitliche, spirituelle, energetische Ansätze gerade in vermeintlich „ausweglosen“ Fällen wirken können. Aus Erfahrung wissen wir: Es gibt keine unheilbaren Krankheiten – nur unheilbare Patienten. Aber ist weniger als Heilung nie genug? Auch bei „Auswege“-Therapeuten werden die wenigsten Hilfesuchenden vollständig symptomfrei. Doch erstaunlich häufig lassen hartnäckige, teilweise jahrzehntelange Beschwerden nach; verbessern sich psychische Verfassung, Allgemeinbefinden und Lebensqualität; werden Medikamente und belastende Therapien besser vertragen; wachsen Fähigkeit und Bereitschaft, die eigene Erkrankung anzunehmen: als Signal, als Lektion, als Weg, als Chance. Ist es für einen Schwerkranken „vernünftig“, zu resignieren? Ein Arzt, der mich für „unheilbar krank“ erklärt, meint darüber hinaus in der Regel: „Ich kann nichts mehr für Sie tun.“ Doch selbst wenn seine fragwürdige Prognose zuträfe, Heilung oder auch nur eine Besserung sei in meinem Fall ein für allemal ausgeschlossen, läge er mit einer solchen Bemerkung falsch. Auch für Sterbenskranke, für Todgeweihte könnte ein Arzt durchaus immer etwas tun – mit etwas Empathie und der Bereitschaft, sich Zeit zu nehmen. Gerade dann, wenn das kurative Potenzial aller verfügbaren Therapien ausgeschöpft ist, beginnen einige der anspruchsvollsten ärztlichen Aufgaben: die Fürsorge, das Vermitteln von Sinn, die liebevolle Zuwendung, das einfühlsame Begleiten bis zum letzten Atemzug. Auch insofern handeln viele „Auswege“-Therapeuten vorbildlich – sie machen die Humanmedizin humaner. Wie human verfährt andererseits ein Arzt, der Schwerkranke nötigen will, in seinem Sinne „vernünftig“ zu sein? "Damit müssen Sie sich abfinden", so bekommen Betroffene dann zu hören; bei einer lebensbedrohlichen Erkrankung wird ihnen, statistisch sauber und menschlich unterkühlt, sogar vorgerechnet, "wieviel Zeit Ihnen noch bleibt". Solche entmutigenden Äußerungen, zumal aus dem Mund von Ärzten, sind verantwortungslos. Sie deprimieren, rauben jegliche Hoffnung, zerstören Lebensqualität. Bei Betroffenen richten sie oft schlimmeren seelischen Schaden an, als es ihrer Erkrankung je gelänge. Der ärgste Schmerz, die fürchterlichste Entstellung, die schwerste Behinderung kann immer noch leichter zu ertragen sein als der Verlust jeglicher Zuversicht, es könnte eines Tages doch noch eine Wende zum Besseren eintreten. So werden medizinische Prognosen letztlich zu Prophezeiungen, die sich selbst erfüllen, ähnlich der Unfallvision des Wahrsagers oder der Warnung des Charttechnikers vor "Widerständen" bei Aktienkursentwicklungen. "Hoffnung", so meinte der Philosoph Arthur Schopenhauer einst aufklärerisch, sei "die Verwechslung des Wunsches nach einer Begebenheit mit ihrer Wahrscheinlichkeit" - und verkannte dabei, dass Begebenheiten um so wahrscheinlicher werden, je beharrlicher sich Hoffnung auf sie richtet. Ist es nicht besser, eine Kerze anzuzünden, als bloß zu konstatieren, wie dunkel es ist? Unbeirrbarer Optimismus ist eine weithin unterschätzte therapeutische Größe, die mitentscheidet, welchen Verlauf eine Erkrankung nimmt. Wer um seine Gesundheit kämpft, kann verlieren, zugegeben. Doch wer nicht kämpft, hat schon verloren. Dem Münchner Komiker Karl Valentin wird das Bonmot zugeschrieben: „Prognosen sind immer heikel – besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“ Wenn ein Arzt sich zur Vorhersage hinreißen lässt, für mich gebe es keinen therapeutischen Ausweg mehr, versagt er mehrfach: Er entmutigt. Er verweigert sich. Und er verschweigt Chancen, um die er wissen müsste. Das Phänomen der „Spontanremission“ legt nahe: Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist. Die Statistik des „Wunders“ Als "Spontanremission" bezeichnen Mediziner eine Genesung (lat. remittere = sich erholen) ohne erkennbare äußere Ursache, insbesondere ohne dass eine anerkannte Therapie stattfand - sozusagen von selbst. (Das lateinische Wort sponte bedeutet wörtlich "aus eigenem Willen", "von innen heraus".) Obwohl von Ärzten seit über einem Jahrhundert dokumentiert (1), waren Spontanremissionen in der Medizin bis vor kurzem ein Tabuthema: Weil vorherrschende Lehrmeinungen sie nicht erklären konnten, wurden sie schlichtweg als Phantom abgetan, als Produkt unseriöser Sensationsmeldungen, und auf Fehleinschätzungen der Patienten oder Diagnoseirrtümer der behandelnden Ärzte zurückgeführt. Einen Stimmungsumschwung in Fachkreisen leitete erst das Jahr 1974 ein: mit einer ersten wissenschaftlichen Konferenz über Spontanheilungen bei Krebs in Baltimore, USA. Seither haben sich größere Forschungsprojekte des Phänomens angenommen. Übereinstimmend gelangten sie zum Ergebnis, dass es in der Unmenge von berichteten Spontanheilungen tatsächlich einen harten Kern gibt, an dessen Echtheit und Glaubwürdigkeit kein vernünftiger Zweifel besteht. Pionierarbeit leistete dabei die amerikanische Biochemikerin Caryle Hirshberg vom Institute of Noetic Sciences in Kalifornien: Gemeinsam mit ihrem Kollegen Brendan O´Regan - er starb bald darauf an einem malignen Melanom, bösartigem Hautkrebs - durchforstete sie nahezu die gesamte medizinische Weltliteratur der vorangegangenen 120 Jahre nach medizinisch unerklärbaren Heilungen. Dabei stieß sie auf rund 4000 Fälle aus 20 Ländern, davon 1051 Spontanremissionen bei Krebs. (2) (Fünfzig besonders überzeugende Fälle stellte sie in ihrem Buch "Unerwartete Genesungen" vor.) (3) Als die Deutsche Krebsgesellschaft im April 1997 zu einem vielbeachteten Symposium über "Spontanremissionen bei Krebserkrankungen" nach Heidelberg lud, gehörte Caryle Hirshberg zu den Stargästen. Bei derselben Veranstaltung machte eine deutsche Forschergruppe um Professor Dr. Walter Gallmeier und dem Oberarzt Dr. Herbert Kappauf auf sich aufmerksam, die am Klinikum Nürnberg seit 1990 unerwartete Heilungen bei Krebspatienten erforschte. (4) "Unser wichtigstes Anliegen ist zu zeigen, dass diese Phä­nomene real sind", erklärte Kappauf. Aus seiner stattlichen Fallsammlung stellte er 20 gutdokumentierte Beispiele vor, für welche die Schulmedizin keine plausible Erklärung anbot. Doch auf eine Spontanheilung zu hoffen, so der Tenor des Heidelberger Symposiums, sei für Betroffene müßig. Denn allenfalls bei einem unter 60.000 bis 100.000  Krebspatienten trete eine solche Remission auf. Das wären gerade mal 0,001 Prozent. Nicht von Prozentzahlen entmutigen lassen Auf Hilfesuchende wirken solche Statistiken niederschmetternd: Bedeuten sie nicht, dass unter mehreren zehntausend Tumorpatienten, die schwerkrank und von Ärzten aufgegeben in „alternative“ Heilweisen ihre letzte Hoffnung setzen, am Ende bloß ein einziger nicht enttäuscht wird? Wenn beispielsweise alle 340’000 Deutschen, die jedes Jahr neu an Krebs erkranken, einen Heiler aufsuchen würden - fänden dann gerade mal drei bis vier von ihnen durchschlagende Hilfe? Und steht nicht zu befürchten, dass die Erfolgsbilanzen „alternativer“ Therapeuten bei anderen Erkrankungen kaum besser ausfallen, sobald ihnen mit wissenschaftlicher Akribie auf den Grund gegangen wird? Man kann Patienten gar nicht eindringlich genug davor warnen, sich davon entmutigen zu lassen. Um die Datenbasis von Schwarzsehern ist es nämlich nicht besser bestellt als um die von Optimisten. Ja, um überzeugende Schilderungen von Spontanremissionen zu zählen, die pro Jahr in den wichtigsten medizinischen Fachzeitschriften auftauchen, genügen meist schon die Finger beider Hände. Doch wieviele rätselhafte Remissionen bleiben unpubliziert - etwa weil der behandelnde Arzt sie nicht dokumentierte; weil er keine Redaktion fand, die seinen Bericht haben wollte; weil ihm die Zeit zur Auswertung und Veröffentlichung fehlte; oder weil sich der Patient außerhalb ärztlicher Aufsicht und Aufmerksamkeit erholte? Hinterfragen sollten Patienten vor allem die angelegten Maßstäbe: Inwieweit taugen sie als Entscheidungshilfen? Als "spontan" erkennen Mediziner eine Heilung nur an, wenn sie durch eine aktuelle Diagnose gesichert ist und sich innerhalb eines Zeitraums ereignete, in dem keinerlei therapeutische Maßnahmen stattfanden, die nach gegenwärtigem medizinischem Erkenntnisstand wirksam sein könnten. Solche Kriterien benötigt die Forschung, um "reine" Fälle zu isolieren - aber benötigt sie der Patient? Für seine Urteilsbildung sind sie unrealistisch streng: Denn bei einem Großteil derer, die bei Geistheilern Hilfe suchen, liegt die letzte ärztliche Untersuchung schon Monate, wenn nicht Jahre zurück. Und vernünftigerweise schlägt kaum einer von ihnen, während er sich geistig behandeln lässt, jegliche sonstigen therapeutischen Chancen aus. Die bisherige Spontanremissionsforschung gleicht dem Fischer, der kaum etwas fängt: nicht weil es, wie er glaubt, zuwenig Fische gibt, sondern weil er Netze mit fehldimensionierter Maschengröße durchs Meer zieht. Verdienen etwa nur „Wunder“ Anerkennung? In einem vergleichbaren Zustand befindet sich die Medizinforschung über die "Wunder"heilungen von Lourdes. Unter den drei bis vier Millionen Pilgern, die jedes Jahr in den berühmten Marienwallfahrtsort am Fuße der französischen Pyrenäen pilgern, vermuten Experten 30’000 bis 60’000 Kranke. Lächerlich gering scheint demgegenüber jene Zahl von rund 70 "Wunderheilungen" zu wiegen, die von der Kirche bislang offiziell abgesegnet wurden, nachdem ein internationales, aus dreißig Ärzten bestehendes Komitee sie gründlich durchleuchtet hat. Um Anerkennung zu finden, muss ein Fall strengsten Anforderungen genügen, die schon 1734 von Kardinal Lambertini, dem späteren Papst Benedikt XIV., in einem Kanon festgelegt wurden: Die Heilung muss plötzlich, unvorhersehbar, vollständig und ohne Rückfall erfolgt sein; das Leiden muss lebensbedrohlich und organischen Ursprungs gewesen sein; es muss gänzlich ausgeschlossen werden können, dass es nicht ärztliche Behandlung war, die zum Erfolg führte. Die Heilung muss "die Kräfte der Natur übersteigen, eine Umkeh­rung der Naturgesetze bedeuten und wissenschaftlich unerklärbar sein". Kranke Pilger stützen ihre Hoffnungen zurecht auf andere Zahlen und Kriterien: In der Geschichte von Lourdes sind dem örtlichen Bureau Medical immerhin über 6’000 Heilungen gemeldet und dort registriert worden. Dass ihnen die Anerkennung letztlich versagt blieb, spricht nicht unbedingt gegen ihre Glaubwürdigkeit. Denn wieso soll sich ein "Wunder" nicht auch langsam, bloß teilweise, bei Leiden ohne erkennbare organische Ursache und von Rückfällen begleitet vollziehen? Warum soll es unangebracht sein, auch dann von einem "Wunder" zu sprechen, solange ein Leben nicht akut bedroht ist? Wieso, wundern sich Gläubige, sollten Spontanremissionen nicht auf nachvollziehbaren biologischen Vorgängen beruhen und Naturgesetzen folgen dürfen? Erweist sich die Macht Gottes denn erst in Verstößen gegen die Weltordnung, die er schuf? Viele Kranke melden in Lourdes eine positive Wende gar nicht erst, zumal dann nicht, wenn sich diese - und das ist die Regel - erst längere Zeit nach ihrer Rückkehr abzeichnet: sei es aus Bequemlichkeit, aus dem entmutigenden Wissen um die strengen ärztlichen Prüfungskriterien oder in der (möglicherweise irrigen) Meinung, eine vorausgegangene oder begleitende Therapie habe die Besserung herbeigeführt. Solange die Medizinforschung nicht mit brauchbareren Entscheidungshilfen aufwarten kann, orientieren sich Patienten besser an Patienten: an persönlichen Eindrücken und Erfahrungen, welche Betroffene selbst sammelten, nachdem sie sich auf die „andere“ Medizin eingelassen haben. Zu finden sind sie beispielsweise unter jenen Tausenden von Hilfesuchenden, denen die Stiftung Auswege seit ihrer Gründung 2005 erfahrene, seriöse Therapeuten vermittelte oder in ihre Therapiecamps einlud. „Ob ich wieder gesund werde, weiß ich nicht“, sagte uns ein Campteilnehmer beim Abschied. „Aber ich weiß endlich wieder, dass ich eine Chance habe.“ Mit der Wucht des Hammers, der mit der „Unheilbar“-Prognose seines Arztes auf ihn niederging, reißt er die Mauer der Ausweglosigkeit ein. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, heißt es – völlig zurecht. Zuversichtlich bleiben, sich den Glauben an eine Besserung zu bewahren, trägt gerade bei Schwerkranken ganz entscheidend dazu bei, dass Leiden erträglich bleibt. Dadurch bewahrt sie ein letztes Stück Lebensqualität. Die Hoffnung mag sich letztlich als Illusion erweisen. Doch muss sie schulmedizinisch unterkühlt zerstört werden, bevor es so weit ist? „Wir müssen zwischen Leiden und Verzweifeln unterscheiden“, schrieb der österreichische Psychiater Viktor Frankl. „Ein Leiden mag unheilbar sein, aber der Patient verzweifelt erst dann, wenn er im Leiden keinen Sinn mehr sehen kann.“ ( Harald Wiesendanger ) Dieser Beitrag ist die überarbeitete Fassung eines Kapitels aus dem Buch von Harald Wiesendanger: Auswege – Kranken anders helfen (2015). Anmerkungen (1) Schon im Jahre 1918 beschrieb Rohdenburg 185 beobachtete Spontanremissionen („Fluctuations in the growth energy of tumors in man, with especial reference to spontaneous recession“,  Journal of Cancer Research  3/1918, S.193-225); Fauvet berichtete über 202 Fälle zwischen 1960–1964 („Spontaneous cancer cures and regressions“, Revue du Practicien  14/1964, S. 2177–2180); Boyd stellte 1966 über 98 Fälle vor ( The spontaneous regression of cancer , Springfield Ill. 1966); Cole und Everson berichten von 176 Fällen im Zeitraum von 1900–1960 (W.H. Cole: „Spontaneous regression of cancer and the importance of finding its cause“, National Cancer Institute Monographies  44/1976, S. 5-9; W.H. Cole/T.C. Everson: Spontaneous Regression of Cancer , Philadelphia, PA. 1966; „Spontaneous Regres­sion of Cancer: Preliminary Report“, Annals of Surgery  144/1956, S. 366–380); Challis präsentierte 489 Fälle aus den Jahren 1900-1987 („The spontaneous regression of cancer. A review of cases from 1900 to 1987“, Acta Oncologica  29/1990, S. 545–550). (2) Brendan O´Regan/Caryle Hirshberg: Spontaneous Remission - An Annotated Bibliography , Institute of Noetic Sciences, Sauso­lito 1993; darin berichten sie über 1385 Spontanremissionen bei Krebs im Zeitraum zwischen 1900 und 1987. (3) Caryle Hirshberg/Marc Ian Barasch: Unerwartete Genesung - Die Kraft zur Hei­lung kommt aus uns selbst , München 1995. (4) Zwischenergebnisse veröffentlichten Walter Gallmeier und Herbert Kappauf 1995 in ihrem Buch Nach der Diagnose Krebs - Leben ist eine Alternative , Freiburg 1995; s. auch Herbert Kappauf: Wunder sind möglich - Spontanheilung bei Krebs . Freiburg 2003; Manfred E. Heim/Reinhold Schwarz (Hrsg.): Spontanremissionen in der Onkologie , Stuttgart 1998.

  • Zucker verblödet.

    Der Durchschnittsdeutsche konsumiert heutzutage fünf Mal mehr Zucker als Anfang des 20. Jahrhunderts. Spätestens seit ihn Trash-TV und TikTok, Coronoia, Klimahysterie und Genderitis gepackt haben, wird man den bösen Verdacht nicht los: Im selben Maße ist er blöder geworden. Der Zusammenhang wäre keineswegs ganz zufällig. Denn Zucker macht tatsächlich dumm – und wie. Zucker verführt. Überall gilt er als Stimmungsaufheller, als Seelentröster, als Energiespender, der das Leben versüßt. In allen Kulturkreisen, in jedem Alter. Sobald ein Baby lächeln kann, tut es das unwillkürlich, wenn man ihm ein paar Tropfen Zuckerlösung auf die Zunge träufelt. Und Zucker macht süchtig. Im Gehirn aktiviert er das dopaminerge Belohnungssystem – ähnlich wie Drogen – und sorgt für einen schnellen Glücks- und Energieschub. Mit der Zeit stumpfen die Dopaminrezeptoren ab. Die Folge: Man braucht immer mehr Zucker, um denselben Effekt zu spüren. Mehr Zucker, weniger Hochgefühl, mehr Verlangen, noch weniger Kontrolle – ein Teufelskreis. Dieses Wechselspiel aus Belohnung, Toleranz, Entzugssymptomen und Heißhunger macht Zucker zu einer biochemischen Suchtfalle. Diese Sucht sichert der Lebensmittelindustrie ein Bombengeschäft. Damit wir ihre Produkte kaufen, setzt sie ihnen reichlich Zucker zu. Damit verpasst sie uns einen Glücksschub, sobald wir sie zu uns nehmen, und fördert unsere Bereitschaft, mehr davon in den Einkaufswagen zu legen. 80 % aller industriell hergestellten Nahrungsmittel enthalten versteckten Zucker, teilweise in Unmengen, selbst wenn sie gar nicht süß schmecken. Denn Zucker ist für Hersteller ein idealer Zusatz: Spottbillig verbessert er Geschmack und Haltbarkeit. In der Zutatenliste verbirgt sich Zucker hinter Bezeichnungen wie Glukose, Fruktose, Saccharose, Maltodextrin, Sirup, Süßmolkenpulver, Fruchtsüße, Invertzuckersirup. Pro 100 Gramm kann sein Anteil im Wurstaufschnitt bei 4 g liegen, im Weißbrot und Senf bei 6 g, in mariniertem Fleisch bei 8 g, im Eistee bei 9 g. In Chicken Wings oder einer Portion Fertig-Tomatensuppe stecken bis zu 10 g Zucker, in einem Glas Gewürzgurken rund 15 bis 20 g, in einem Becher Fruchtjoghurt 12 bis 16 g. Manche Knuspermüslis bestehen zu einem Viertel aus Zucker, Ketchup zu einem Fünftel. In vermeintlich gesunden „Kindertees“ steckt fast nur Zucker mit Aromen – bis zu 94 %. Und so nimmt der Durchschnittsdeutsche 95 Gramm Zucker pro Tag zu sich – nahezu vier Mal mehr, als die WHO empfiehlt . Das entspricht 32 handelsüblichen Zuckerwürfeln. „So schlimm kann das ja nicht sein“, meint Otto Normalversteher. „Sonst wäre es ja verboten.“ Der Preis der Sucht Die Sucht hat ihren Preis. Dass Industriezucker für schwere Erkrankungen wie Adipositas und Bluthochdruck, Fettleber und Diabetes verantwortlich ist, hat sich inzwischen herumgesprochen. Er macht dick, schlapp und morbid. Aber immer noch weithin unbekannt ist, was das weiße Gift mit unserem Gehirn anstellt. Welche massiven Schäden kann es dort anrichten? Wie stellt es das an? Welche gesundheitlichen Folgen hat dies für uns, körperlich wie auch psychisch? Welche Schlüsse sollten wir daraus ziehen, was unsere Ernährung betrifft? Fest steht: Wer dauerhaft zuviel Zucker isst, kann schlechter denken. In Tierversuchen hat sich dies längst bestätigt. Dabei erwies sich der Hippocampus – das Zentrum für Lernen und Gedächtnis – als besonders anfällig für die süßen Attacken. In einer Studie der University of California in Los Angeles aus dem Jahr 2012 ließ man Ratten über sechs Wochen lang eine 15%-ige Fruktoselösung trinken, versetzt mit dem Zucker aus Softdrinks, Müsliriegeln und Fruchtjoghurts. Ergebnis: Die Tiere verloren deutlich an Lernfähigkeit und Raumorientierung; den Ausweg aus einem Labyrinth, den sie zuvor kannten, fanden sie nun nicht mehr. Die synaptische Aktivität im Gehirn war erheblich reduziert. (2) „Zucker beeinflusst die Fähigkeit des Gehirns, Informationen zu verarbeiten und zu speichern“, sagt Studienleiter Dr. Fernando Gomez-Pinilla. Bezeichnend: Die negativen Effekte ließen sich nicht etwa auf Übergewicht oder Diabetes zurückführen – sondern traten direkt durch den Zucker auf, selbst bei normalgewichtigen Ratten. Besonders empfindlich für kognitive Störungen waren dabei jüngere Tiere . Kalorienfreie Süßstoffe erwiesen sich als nicht minder heikel. In einer Studie der University of Southern California 2022 wurden jugendliche Ratten mit Saccharin, ACE-K oder Stevia gefüttert. Auch sie zeigten langfristige Gedächtnisbeeinträchtigungen, bei verändertem Glukosestoffwechsel. Neurowissenschaftler der Princeton University konnten bei zuckersüchtigen Ratten ähnliche Hirnveränderungen nachweisen wie bei Morphin-Abhängigen: Abbau von Dopamin-Rezeptoren, Entzugserscheinungen, Kontrollverlust. IQ-Vernichter: Zucker verblödet nicht bloß die Labormaus Aber lassen sich Ergebnisse von Tierversuchen ohne weiteres auf unsereins übertragen? Dutzende Humanstudien bestätigen mittlerweile: Auch beim Menschen führt übermäßiger Zuckerkonsum zu neuroinflammation , oxidativem Stress, erhöhter Anfälligkeit für kognitive und psychische Störungen. (2) Wie 2023 eine Meta-Analyse von 77 Humanstudien mit insgesamt über 17.000 Teilnehmern ergab, stießen ausnahmslos alle  auf einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von zugesetztem Zucker und einem erhöhten Risiko für kognitive Beeinträchtigungen: Es litten Kurz- und Langzeitgedächtnis, Aufmerksamkeit, geistige Flexibilität, Konzentrationsfähigkeit, räumliche Navigation und sogenannte „exekutive Funktionen“: Planen, Organisieren sowie das Befolgen von Prozessen und Anweisungen. Als besonders negativ erwies sich langfristig hoher Zuckerkonsum in der Schwangerschaft – für das Kind noch mehr als für die Mutter. Die „neuronale Plastizität“ des Gehirns war vermindert : seine Fähigkeit, sich strukturell und funktionell anzupassen. Gerade Lernprozesse und Entwicklung werden dadurch gestört. Besonders betroffen ist auch bei Menschen das Gedächtnisareal im Gehirn – der Hippocampus - sowie die Fähigkeit zur Reizverarbeitung und Anpassung im präfrontalen Cortex, nicht zuletzt bei Senioren, aber auch in allen vorherigen Altersklassen. In einer vielbeachteten Langzeitstudie analysierten Forscher das Essverhalten von mehr als 1.000 Kindern. Kinder mit hohem Zuckerkonsum – vor allem in Form von Softdrinks – schnitten in Intelligenztests signifikant schlechter ab. Geradezu dramatisch: Die berühmte " Whitehall-II-Studie " mit über 10.000 britischen Beamten zeigte, dass Menschen mit dem höchsten Zuckerkonsum ein um bis zu 23 Prozent höheres Risiko für Demenz hatten – unabhängig von ihrem Körpergewicht. Schon bei leicht erhöhten Blutzuckerwerten ist die Gedächtnisleistung vermindert , die Glukoseverwertung in Hirnzellen gestört; der Hippocampus schrumpft. Eine Harvard- Studie ergab: Menschen mit dauerhaft hohem Blutzucker hatten messbar schlechtere Gedächtnisleistungen – lange bevor sie Symptome eines Diabetes entwickelten. MRT-Untersuchungen zeigten verminderte Durchblutung und strukturelle Veränderungen im Gehirn. Eine 2023 publizierte Studie aus China belegte einen direkten Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum, Insulinresistenz im Gehirn und dem Verlust grauer Substanz. Mehrere Untersuchungen ergaben übereinstimmend: Hoher Zuckerkonsum mindert die kognitive Leistungsfähigkeit, beschwört den berüchtigten Brain Fog  herauf – mit Konzentrations-, Gedächtnisstörungen und dem Gefühl, wie benommen, im Kopf „benebelt“ zu sein. Was für ein „Diät-Tipp“ aus den 60-er Jahren: „Iss viel Zucker – das hilft beim Abnehmen, weil es den Hunger dämpft“. Wessen Gehirn ist da wohl zuckergeschädigter: dasjenige des Werbetexters – oder des Verbrauchers, der darauf hereinfällt? Der zuckersüße Weg zum Alzheimerhirn Nicht bloß lächerlich, sondern geradezu infam ist es, Insassen von Seniorenheimen einzuschärfen, sie könnten und sollten einer Demenz vorbeugen, indem sie „geistig aktiv“ bleiben (3), sich beispielsweise Brettspielen hingeben (4), Kreuzworträtsel lösen (5) und sonstigen Denksport treiben, Gleichzeitig packt man ihr Essenstablett mit verstecktem Zucker voll, von Weißmehlbrot und Wurstaufschnitt über farbiges Süßwasser mit Obstaroma bis zu Keksen, Fruchtjoghurts und  Puddings. Mit Verlaub, solch kostenoptimierter Fraß läuft auf kulinarische Verblödungs- und Sterbehilfe hinaus ­– und das für monatlich über 3000 Euro Eigenanteil pro Heimplatz. Wer so etwas verantwortet, leistet letztlich Beihilfe zur Zerstörung geistiger Gesundheit. (Psychopharmaka und andere verabreichte Medikamente – im Schnitt 9,3 pro Pflegeheimbewohner – tun ein übriges.) Jede Heimleitung sollte wissen: Hoher Zuckerkonsum kann auf mehreren Wegen Prozesse fördern, die das Risiko für Alzheimer und andere Demenzformen erhöhen. (6) Dabei geht es nicht nur um „leere Kalorien“, sondern um tiefgreifende Effekte auf Blutzucker, Insulin, Blutgefäße, Entzündungen und Nervenzellen (7): 1.      Im Gehirn entsteht eine Insulinresistenz („Typ-3-Diabetes“). Dauerhaft hoher Zuckerkonsum lässt die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin produzieren, worauf auch die Hirnzellen immer schlechter reagieren. Insulin ist nicht nur für den Zuckerstoffwechsel zuständig, sondern auch wichtig für Signalübertragung zwischen Neuronen und Gedächtnisbildung. Wird das Gehirn insulinresistent, können Nervenzellen schlechter Energie nutzen – sie „verhungern“, obwohl genug Zucker da ist. 2.      Vermehrt bilden sich in Gehirnmembranen freie Radikale: hochreaktive Moleküle, die für oxidativen Stress sorgen. Sie greifen Fette an, aus denen auch die Membranen von Nervenzellen bestehen. Das verlangsamt deren Kommunikation, kann sie sogar gänzlich blockieren.    3.      Zuviel Zucker trägt dazu bei, dass sich vermehrt Beta-Amyloid und Tau-Proteine bilden und anhäufen – beides typische Kennzeichen von Alzheimer. Tierstudien zeigen: Ratten auf zuckerreicher Diät hatten mehr Amyloid-Plaques und Gedächtnisprobleme. 4.      Zuckerreiche Ernährung begünstigt Arteriosklerose und Mikroangiopathien: Schäden an kleinen Blutgefäßen. Das Gehirn wird schlechter durchblutet, Nervenzellen bekommen weniger Sauerstoff und Nährstoffe. Gefäßbedingte Schädigungen verstärken Alzheimer-Symptome und beschleunigen den Verlauf. 5.      Es bilden sich mehr AGEs ( Advanced Glycation Endproducts ): schädliche Stoffe, die entstehen, wenn Zuckermoleküle sich dauerhaft an Eiweiße, Fette oder Erbgut binden. AGEs lagern sich in Geweben an, machen diese unelastisch, aktivieren das Immunsystem und verursachen niedriggradige Dauerentzündungen, die im Gehirn den Abbau von Nervenzellen fördern. 6.      Zuckerüberschuss kann die „Kraftwerke“ der Zellen schädigen: die Mitochondrien. Nervenzellen sind besonders abhängig von einer stabilen Energieversorgung - mitochondrialer Stress beschleunigt Funktionsverlust. Zucker: Der heimtückische Psychoterrorist Zucker manipuliert nicht nur Denkprozesse – er beeinflusst auch unsere Emotionen. Studien zeigen, dass übermäßiger Zuckerkonsum langfristig zu schlechterer Laune führt, gereizt macht - und mit einem erhöhten Risiko für Depression, Angstzuständen und Aggressivität verbunden ist. (8) Eine groß angelegte Längsschnittstudie, das EU-geförderte Projekt MOODFOOD , an über 10.000 Personen ergab: Männer, die mehr als 67 g Zucker täglich konsumierten – so viel steckt in zwei Dosen Cola –, haben ein um 23% höheres Risiko, innerhalb von fünf Jahren eine psychische Erkrankung wie Depression zu entwickeln. Dass bestehende Depressionen umgekehrt zu mehr Zuckerkonsum führten, schloss die Studie aus. Er geht uns auf den Geist Zucker ist kein harmloser Genuss, sondern ein schleichender Saboteur unserer geistigen Gesundheit. Während er unserer Zunge schmeichelt, ruiniert er unser Hirn. Der Kinderarzt und Neuroendokrinologe Robert Lustig, Professor an der University of California in San Francisco und einer der weltweit bekanntesten Zucker-Kritiker, bringt es auf den Punkt: „Zucker ist nicht nur ein Kalorienlieferant – er ist ein endokriner Disruptor, ein Neurotoxin und ein Suchtmittel.“ Wie ungesund das süße Gift ist, scheint den meisten Verbrauchern durchaus klar. Nur 4,7 % bewerten Haushaltszucker als gesund. 86 % der Befragten halten den Zuckereinsatz in der heutigen Ernährung für zu hoch.  Die Kluft zwischen Wissen und Handeln ist erschreckend. Damit sich Verhalten ändert, bedarf es eben mehr als reiner Information – erst recht bei Junkies. Eine regelrechte Mafia von inkompetenten politisch Verantwortlichen, von skrupellosen Industriebossen, ihren Lobbyisten und PR-Profis, von käuflichen Wissenschaftlern, Ärzten und Medienschaffenden sorgt indes dafür, dass die nötige Aufklärung weitgehend unterbleibt. Denn nur Kranke nützen der Gesundheitswirtschaft, sie allein sichern Wachstumsmärkte. (9) Lässt sich angerichteter Schaden beheben? Einige Schäden, die Zucker im Gehirn anrichtet, lassen sich nachweislich teilweise rückgängig machen, insbesondere wenn man den Konsum rechtzeitig reduziert und allgemein gesunde Lebensgewohnheiten einhält. Die erstaunliche „neuronale Plastizität“ des Gehirns erlaubt Anpassungen von Synapsen und sogar die Regeneration von geschädigten Hirnzellen in bestimmten Regionen, vor allem im Hippocampus, sobald der schädigende Einfluss verschwindet. (10) Bereits eine achtwöchige Ernährungsumstellung kann die neuronalen Schaltkreise verändern und die Belohnungszentren im Gehirn normalisieren. (11) Schwieriger wird es, falls das Diabetesrisiko bereits deutlich erhöht ist oder Funktionsverluste wie bei Demenz schon ausgeprägt sind: Hier sind manche Schäden - vaskuläre Ablagerungen, fortgeschrittene Neurodegeneration - nicht mehr voll reversibel. Dennoch kann auch hier eine Zuckerreduktion das Fortschreiten verlangsamen und einzelne Hirnfunktionen stabilisieren. (12) „Auf Null reduzieren“? So viel steht fest: Wer seinem Gehirn etwas Gutes tun will, lässt Zucker willensstark dort, wo er verführerisch lockt – in der Auslage der Konditorei, im Supermarktregal. Nicht im Frühstück, nicht im Joghurt, nicht in der Leber, nicht im Blut – und erst recht nicht im Denkorgan.  „Wie stark sollten wir unseren Zuckerkonsum senken?“, wurde der Neurologe Dale Bredesen, ein weltweit angesehener Alzheimer-Experte, kürzlich in einem Interview gefragt. „Wie viel ist noch unbedenklich?“ Bredesens Auskunft fiel kompromisslos aus: „Reduzieren wir ihn auf Null. Denn wir brauchen ihn nicht.“ Nicht ganz so eng sieht das Robert Lustig: „Ein wenig davon ist kein Problem.“ Er selbst nascht „immer mal wieder“ dunkle Schokolade, gönnt sich „zwei Mal im Jahr ein Dessert nach dem Essen“, auch mal ein Stück Käsekuchen. Das war´s dann aber auch schon für ihn. Denn „viel davon tötet – langsam“. (13) Damit meint er das reinweiße Kristallpulver der Lebensmittelbranche: Zucker pur. Die Natur kennt ihn nicht. Aber wie steht es mit Zucker, den sie uns selbst liefert: in Obst, in Gemüse, in Milch und Milchprodukten? Pro 100 Gramm enthalten Äpfel und Birnen 10 bis 12 g, Bananen 12 bis 17 g, Weintrauben 16 bis 18 g, frische Datteln bis zu 35 g. Erbsen, Karotten, rote Bete, Zwiebeln 3 bis 7 g, Naturjoghurt, Kefir, Kuhmilch immerhin noch 3 bis 4 g. „Natürlich“ bedeutet nicht „zuckerarm“ – aber in der Natur tritt Zucker durchweg in wertvoller Begleitung auf: gemeinsam mit Ballaststoffen, Bitterstoffen, Enzymen, Vitaminen, Polyphenolen. Und darauf sollten wir nicht verzichten – wohl aber klug dosieren. Denn in Humanstudien beeinflussten natürliche Fruktosequellen aus Obst die Kognition teilweise sogar positiv. Die „Matrix“ aus Fasern und Nährstoffen bewirkt, dass unser Körper Fruktose langsamer verstoffwechselt und nicht, wie isolierten Industriezucker, sofort in der Leber verarbeitet. Dies verhindert negative Effekte auf Gehirn und Kognition. Epidemiologische Studien deuten darauf hin, dass ein hoher Obst- und Gemüseverzehr sogar mit einer verringerten Alzheimer-Inzidenz und besserer kognitiver Gesundheit einhergeht. (14) Zucker pauschal zu verteufeln, zeugt demnach von krassen Wissenslücken. Im Laufe der Evolution konnte sich unser Gehirn nur so komplex entwickeln, weil ihm die Natur mit Zucker einen extrem effektiven Brennstoff zur Verfügung stellte. Als reinster aller Energielieferanten nützt Zucker unserem Körper bei vielerlei Stoffwechselprozessen. Und so endet dieser Artikel mit Good News: Nicht gänzlich zuckerabstinent, sondern mit den richtigen Zuckern - direkt geliefert von Naturgewächsen oder durch Kochen aufgeschlossen -, stoppen wir die Zellalterung, schützen die Gefäße, schalten die Fettverbrennung an und halten unser Gehirn fit. (15) Ein weises Sprichwort aus China sagt: „Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, war vor zwanzig Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt.“ Es ist nie zu spät, so zu werden, wie man hätte sein können. Gesünder beispielsweise.  ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1)   https://www.uclahealth.org/news/release/high-fructose-diet-sabotages-learning-memory?utm_ ; https://www.livescience.com/20329-sugar-stupid.html?utm_ (2)   https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9323357/ , https://www.health.harvard.edu/blog/nutritional-psychiatry-your-brain-on-food-201511168626 , https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9471313/   (3)   Weltgesundheitsorganisation (2019): “ Risk reduction of cognitive decline and dementia: WHO guidelines ”; G. Livingston u.a.: „ Dementia prevention, intervention, and care: 2020 report of the Lancet Commission “, The Lancet  396/2020, S. 413-446; NHS: „ How to reduce your risk of dementia “. (4)   National Institute on Aging: „Preventing Alzheimer’s Disease: What Do We Know? “ (5)   https://www.medicalnewstoday.com/articles/do-reading-puzzles-and-similar-activities-really-stave-off-dementia ; https://www.scinexx.de/news/biowissen/kreuzwortraetsel-verlangsamen-gedaechtnisverlust/ (6)   S.M. de la Monte/J.R. Wands, J. R. (2008): „ Alzheimer’s disease is type 3 diabetes–evidence reviewed “, Journal of Diabetes Science and Technology  (6), 1101–1113; P.K. Crane u.a. (2013): „ Glucose levels and risk of dementia “, New England Journal of Medicine , 369, 540–548; S.E.Arnold u.a. (2018): „Brain insulin resistance in type 2 diabetes and Alzheimer disease“, Alzheimer’s & Dementia , 14(7), 801–815, https://doi.org/10.1016/j.jalz.2018.01.011 ; https://menschen-mit-diabetes.de/ratgeber/diabetes-typ-3 (7)   https://www.brain-effect.com/magazin/zucker-leistungsfaehigkeit ; https://www.ukr.de/newsroom/detail/ist-weniger-zucker-besser-fuer-unser-gehirn ; https://www.mpg.de/20023125/0320-neur-suessigkeiten-veraendern-unser-gehirn-153735-x ; https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Studie-zeigt-Zucker-und-Fette-veraendern-das-Gehirn,zucker684.html ; https://www.tagesschau.de/wissen/gesundheit/zucker-gehirn-100.html (8)   https://www.helmholtz.de/newsroom/artikel/loest-zucker-depressionen-aus/ ; https://www.zentrum-der-gesundheit.de/news/gesundheit/allgemein-gesundheit/zucker-depressionen (9)   Hans-Ulrich Grimm: Garantiert gesundheitsgefährdend – Wie uns die Zucker-Mafia krank macht , München 2013. (10)  https://www.ukr.de/newsroom/detail/ist-weniger-zucker-besser-fuer-unser-gehirn ; https://hirnstiftung.org/2025/04/zu-viel-zucker-versalzt-die-hirngesundheit/ ; https://www.deutschlandfunk.de/zucker-adipositas-diabetes-zuckersteuer-100.html ; https://www.sf.mpg.de/2078461/Wie-beeinflusst-Zucker-unser-Gehirn ; https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Studie-zeigt-Zucker-und-Fette-veraendern-das-Gehirn,zucker684.html (11)  https://www.sf.mpg.de/2078461/Wie-beeinflusst-Zucker-unser-Gehirn , https://www.mpg.de/20023125/0320-neur-suessigkeiten-veraendern-unser-gehirn-153735-x (12)   https://www.dgn.org/artikel/world-brain-day-2024-zu-viel-zucker-versalzt-die-hirngesundheit ; https://hirnstiftung.org/2025/04/zu-viel-zucker-versalzt-die-hirngesundheit/ (13) Zit. nach Hans-Ulrich Grimm: Garantiert gesundheitsgefährdend, a.a.O., S. 11, 13. Zu bestellen bei Ihrem örtlichen Buchhändler – um zu überleben, ist er auf Sie als Kunde dringender angewiesen als Amazon. (14) TF Hughes u.a.: „ Midlife fruit and vegetable consumption and risk of dementia in later life in Swedish twins “, American Journal of Geriatric Psychiatry  18 (5) 2010, S. 413-420, doi:10.1097/JGP.0b013e3181c65250; Paul T. Williams: „ Lower Risk of Alzheimer’s Disease Mortality with Exercise, Statin, and Fruit Intake “, Journal of Alzheimer's Disease 44 (4) 2015, S. 1121 – 1129. (15) Siehe Johannes Coy: Fit mit Zucker (2019), zu bestellen bei Ihrem örtlichen Buchhändler – um zu überleben, ist er auf Sie als Kunde dringender angewiesen als Amazon.   Sehenswerte Dokumentarfilme über die Gefahren von Zuckerkonsum: ARTE-Doku: „ Macht Zucker dumm? “  (27 Min.) Voll verzuckert - That Sugar Film  (2014)  Filmemacher Damon Gameau macht sich selbst zum Versuchskaninchen und dokumentiert 60 Tage lang die Auswirkungen einer zuckerreichen Ernährung – vor allem durch vermeintlich „gesunde“ Lebensmittel mit verstecktem Zucker. Der Film zeigt eindrücklich, wie Zucker entzündliche Prozesse und psychische Symptome fördert, ohne dass man unbedingt mehr Kalorien zu sich nimmt. Hugh Jackman und Stephen Fry geben spannende Einblicke in die Geschichte und Wissenschaft des Zuckers. Fed Up  (2014)  Dieser Film, produziert von der Macherin von „An Inconvenient Truth“, legt den Fokus auf die Zuckerindustrie und wie sie Gesundheitsprobleme wie Fettleibigkeit und Diabetes verschleiert. Er zeigt die verheerende Wirkung von Zucker auf Kinder und beleuchtet die politischen und wirtschaftlichen Hintergründe der Zuckerverwendung in Lebensmitteln.  Sugar Coated  (2015)  Ein kanadischer Dokumentarfilm, der die Geschichte der Zuckerindustrie und deren taktische Methoden zur Verharmlosung der Gesundheitsrisiken beleuchtet. Dr. Robert Lustig, ein prominenter Kritiker des Zuckerkonsums, kommt ausführlich zu Wort. The Secrets of Sugar  (2014) Eine investigative Doku, die aufdeckt, wie Zucker unsere Gesundheit schädigt und warum die Industrie Warnungen über die Risiken so lange unterdrücken konnte.

  • Unheil.

    Was ist bloß aus dem Geistigen Heilen geworden? Auf den Boom der 90-er Jahre folgte ein kläglicher Niedergang. Schuld daran sind: zuviele Möchtegerns, Vereinsmeierei, Verschulung, eine verhängnisvolle Gesetzesänderung und eine radikal veränderte Medienlandschaft. Ein wehmütiger Abgesang auf das deutsche Heilerwesen – in 11 Strophen. Die wohl umstrittenste, am übelsten beleumundete Variante der Alternativmedizin ist zugleich eine der faszinierendsten: Geistiges Heilen – der Versuch, Krankheit mittels eines nichtphysischen Etwas zu lindern oder zu beseitigen, nämlich durch das Bewusstsein des Behandlers. (1) Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte dieser uralte Ansatz, den wohl schon ein gewisser Jesus Christus praktizierte, ein extremes Auf und Ab, zwischen staatlich verfolgter Scharlatanerie und massenmedial gefeierter Wunderproduktion. Unter dem Strich steht ein kläglicher Niedergang – mit wenig Aussicht auf Besserung, womöglich unheilbar. 1. Die Entfesselung.   Ab 1873 besteht im gesamten Deutschen Reich eine nahezu grenzenlose "Kurierfreiheit" auch für nichtärztliche Heilkundige. Daraufhin kommt es zu einem sprunghaften Anstieg von hauptberuflichen Laienbehandlern. Ärztliche Standesvertretungen laufen beharrlich Sturm gegen den Wildwuchs - und setzen sich schließlich durch: 2. Die HPG-Depression.   Im Februar 1939 verabschiedet der Deutsche Reichstag das "Heilpraktikergesetz" (HPG). Nach Kriegsende übernimmt es die Bundesrepublik unverändert - und folgt dem Naziregime im Bemühen, Heiler in die Illegalität zu zwingen. In den folgenden Jahrzehnten sorgen Gerichtsurteile sogar noch für eine verschärfte Anwendung: Nach der sogenannten "Eindruckstheorie" macht sich ein Heiler unabhängig von seinen Intentionen, seiner Gesinnung, seinen Erfolgen, der Unschädlichkeit seines Tuns allein schon dadurch strafbar, dass Hilfesuchende den subjektiven Eindruck  gewinnen können, er führe an ihnen eine Heilbehandlung durch. 3. Das Gröning-Zwischenhoch.  In den fünfziger Jahren macht Bruno Grönings Wirken das Geistige Heilen eine Zeitlang zu einem öffentlichen Faszinosum: Zehntausende suchen seine Hilfe, Presse und Rundfunk schlachten das Phänomen aus. Als Gröning, verbittert und zermürbt von einer Prozessflut sowie  Anfeindungen durch die Interessenvertretungen anerkannter Heilberufe, 53-jährig 1959 stirbt, lässt auch das allgemeine Interesse an der Heilweise nach, für die er damals wie kein zweiter stand. 4. Der Edwards-Impuls.  Inspiriert von der englischen Heilerbewegung um Harry Edwards, entstehen in den sechziger Jahren auch in Deutschland die ersten Heilervereine: die "Deutsche Vereinigung für Geistheilung" (DVGH), bald darauf die "Gemeinschaft für geistige Entfaltung". Sie führen Menschen zusammen, die zuvor sozial isoliert und im Verborgenen praktiziert hatten - doch mehr als ein geselliges Miteinander bringen sie kaum zuwege. 5. Die Esoterisierung.   Von der zweiten Hälfte der sechziger Jahre an bricht eine neue "Esoterikwelle" von anderen Kulturkreisen aus über Deutschlands alternative Gesundheitsszene herein - und erfasst rasch auch das Heilerwesen. Neue, exotische Behandlungsformen mit publikumswirksamen Vertretern tauchen auf: von philippinischen "Logurgen" über Schamanen aus Afrika, Amerika, Zentralasien und Ozeanien bis hin zu Qi-Gong-Meistern aus China, Propagandisten von Reiki, Prana-Heilen, Chakratherapie und anderen “energetischen" Behandlungsformen. (3) Sie alle teilen die Vision eines New Age voller spirituell entfalteter, ihr unermessliches geistiges Potential freisetzender Individuen, das die Verheißung einschließt: In jedem von uns steckt ein Heiler, der bloß darauf wartet, erweckt zu werden. Zuvor waren in Deutschland vermutlich nur wenige hundert Geistheiler tätig, neben Besprechern und ein paar Exorzisten vor allem christliche Handaufleger und Gebetsheiler. Es überwogen schlichte, bodenständige Gemüter mit geringer Bildung aus mittleren und unteren sozialen Schichten. (4) Ein Großteil wirkte zurückgezogen in ländlicher Gegend, und sie halfen vornehmlich aus zutiefst empfundener Berufung. Vollprofis fanden sich kaum darunter: Die meisten übten Geistiges Heilen nebenbei aus, an Feierabenden und Wochenenden - nicht in regelrechten "Praxen", sondern in Wohnzimmern und Küchen; ihren Lebensunterhalt sicherten sie anderweitig. Kommerziell insofern nicht von Heilerhonoraren abhängig, arbeiteten sie vorwiegend unentgeltlich, allenfalls Spenden wurden angenommen. (5) Weil Geistheilung selten ein Geschäft war, wurde kaum je Werbung dafür getrieben; ihren Heiler fanden Hilfesuchende überwiegend durch Mundpropaganda, auf Empfehlung von Verwandten und Kollegen, Freunden und Bekannten. Unter solchen Umständen hielten sich Heiler nur, wenn sie in bemerkenswert vielen Fällen tatsächlich etwas therapeutisch Außergewöhnliches, aus ärztlicher Sicht Unerwartetes zustande brachten; andernfalls blieben ihre Stuben leer. (Kein Markt selektiert härter als einer, der auf mündlich kolportierten "Geheimtipps" beruht, in denen Konsumenten ihre persönlichen Erfahrungen mit gewissen Produkten weitergeben.) Daher überwogen ältere Heiler mit jahre-, oft jahrzehntelanger Erfahrung. (Mehrere Studien stimmen darin überein, dass vor Einsetzen der Esoterikwelle die Mehrzahl der befragten bzw. aktenkundig gewordenen Gesundbeter, Besprecher und sonstiger “magischer” Heiler zwischen 66 und 77 Jahre alt war. (6) Ihre Heilbegabung war fast immer schon in der Kindheit oder Jugend zum Vorschein gekommen. Keiner hatte zuvor eine regelrechte "Schule" durchlaufen, denn es gab keine. Die typische Heilerkarriere begann vielmehr in einer privaten, mehr oder minder intensiven Zweierbeziehung mit einem erfahrenen, bewunderten Vorbild - etwa der Mutter, dem Großvater, dem Nachbarn, dem Bekannten -, das begabte Nacheiferer meist über einen längeren Zeitraum beaufsichtigte und anleitete; oder Heilfähigkeiten stellten sich unvermittelt ein: etwa nach Eingebungen in Träumen, unter dem Eindruck einer Vision, von einer inneren Stimme angesprochen, auf dem Höhepunkt einer lebensbedrohlichen Erkrankung oder nach einem schweren Unfall; oder sie kamen bei zufälligem Ausprobieren zum Vorschein. Der traditionelle Heiler ging weitgehend intuitiv vor: Wie von selbst fanden seine Hände jene Stellen, auf die sie aufgelegt werden mussten. Er diagnostizierte nicht eigentlich; er "spürte" irgendwie, wo "etwas nicht in Ordnung" war. Um das, was er tat, machte er wenig Worte. Dazu fehlte ihm das Vokabular. Wenn er erklären sollte, wie und warum er heilen kann, trug er keine ausgefeilte Theorie vor. Seine Kraft und Zuversicht schöpfte er aus Gott - traditionelle Heiler aus unserem Kulturkreis waren durchweg tiefgläubige, praktizierende Christen -, dessen unergründlicher Ratschluss ausgerechnet ihn berufen hatte. Doch dieser Heilertypus ist nun im Aussterben begriffen. Ab den sechziger Jahren schwillt die Zahl der haupt- oder nebenberuflichen Geistheiler in Deutschland auf weit über 10'000 an - diejenigen eingerechnet, die zumindest eine Grundausbildung wie z.B. einen der beiden ersten Reiki-Grade absolviert haben, sogar auf mehrere Hunderttausend. Doch deutlich über neunzig Prozent dieser Heiler verkörpern inzwischen, auf einem zunehmend kommerzialisierten Markt, einen radikal anderen Therapeutentyp. Überdurchschnittlich viele Midlife -Kriselnde sind darunter, entlassen oder ausgestiegen aus bisherigen Berufen und kaputten Beziehungen - Unausgefüllte, Vereinsamte und Frustrierte, von Selbstzweifeln und Sinnkrisen Geschüttelte, neuen Halt, Orientierung und Einkommen Suchende. Ihre Berufung entdeckten sie in Begegnungen mit "Hellsichtigen", Medien, Astrologen, "spirituellen Weisheitslehrern", Bhagwans oder anderen respektierten Autoritäten der Esoterikszene, in Kursen und Workshops, an Messeständen, in Literaturstudien, auf ausgedehnten Selbstfindungstrips zu den süßlich durchräucherten Szenetempeln im Großstadtdschungel oder zu Ashrams und anderen exotischen Retreats in der Dritten Welt. Traditionellen Heilern wurde ihre Fähigkeit zuteil - esoterische erlernen sie, ähnlich wie die Kunst des Deutens von Horoskopen oder Tarotkarten. (Reiki, Prana-Heilen und Neoschamanismus haben sich dabei als die drei dicksten Nägel im Sarg des ursprünglichen Heilerwesens erwiesen.) Traditionelle Heiler ließen Taten sprechen, esoterische - Sternzeichen Vage, Aszendent Großer Nebel - versuchen hinter spiritualistischem Wortgeklingel und pseudophysikalisch gequantelt-skalarwellig-vakuumfeldig-nullpunktenergetisiertem Kauderwelsch zu verhüllen, was ihren therapeutischen Taten an Effizienz abgeht. 6. Die Verschulung. Von der Verheißung “Heilen-kann-jeder” inspiriert, entstehen die ersten Ausbildungseinrichtungen -  und beginnen, für bis zu fünfstellige Kursgebühren innerhalb weniger Wochen oder Monate, Abertausende von Geistheilern eines neuen Typus zu produzieren: des lehrbuchkonform Geschulten anstelle des Naturtalents. (7) 6. Durchbruch zur Massenattraktion.  In den neunziger Jahren sorgen Großveranstaltungen wie die Basler "Weltkongresse für Geistiges Heilen", Esoterikmessen in beinahe jeder größeren Stadt und bestsellernde Buchproduktionen dafür, dass Geistiges Heilen über die "Szene" hinaus öffentliche Aufmerksamkeit findet wie seit Grönings Zeiten nicht mehr. (Allein mein Großes Buch vom Geistigen Heilen  verkauft sich rund 100.000 Mal.) Erneut, und diesmal noch eifriger, greifen Massenmedien - insbesondere vom journalistischen Boulevard und den neuen Privatsendern - das Phänomen auf, präsentieren Behandlungssensationen und vermeintliche “Wunderheiler”, schenken den Therapieresistenten des konventionellen Medizinbetriebs neue Hoffnung. Das fördert Druckauflagen und Einschaltquoten – und zeigt Massenwirkung: Einer 1992 durchgeführten Repräsentativumfrage zufolge würden sich 65 Prozent aller Westdeutschen über 16 Jahren auf einen Heiler einlassen, falls sie schwer erkranken und Ärzte nicht mehr weiterwissen. 7. Organisationsversuch.   Von wohldokumentierten Behandlungserfolgen, hochwertigen Studien und herausragenden Heilerpersönlichkeiten beeindruckt, rufe ich 1993 den "Dachverband Geistiges Heilen" (DGH) ins Leben. (8) Fünf Jahre lang leite ich ihn, mit dem Ziel, verstreute Kräfte zu bündeln – für wirkungsvollere öffentliche Aufklärung über das Potenzial dieser Heilweise, für ihre Integration ins Gesundheitswesen. Bis dahin hatten mehrere Dutzend Zusammenschlüsse eher neben- und gegen- als miteinander gewerkelt – also kontraproduktiv, nach dem Motto “Warum gemeinsam stärker, wenn´s uns einsam gut genug geht?” Bis 1997 gelingt es mir, immerhin 23 Vereine ins Boot zu holen; zusammengerechnet vertreten sie zeitweise rund 50.000 Mitglieder. Was mich allerdings zunehmend demotivierte, war zum einen eine heillose Überforderung durchs Ehrenamt: Von Anfang an bestand dieses Projekt im wesentlichen darin, dass andere mir bei der Arbeit zusahen und sich von mir wohlbetitelte Funktionärssessel unter den Hintern schieben ließen, um von dort aus zu intrigieren und bei Vorstandssitzungen querzuschießen. Zum anderen, und vor allem, ernüchterte mich, welches Hauptmotiv die meisten Heiler in Wahrheit unter das Dach meiner Organisation führte: zahlende Kundschaft vermittelt zu bekommen. Am meisten schätzten sie den telefonischen “Infodienst” meines DGH sowie mein umfangreiches Heilerverzeichnis namens “Auswege” – beides schleuste ihnen notleidende Kundschaft zu. Anfang 1998 ziehe ich mich von meinem DGH zurück. Auch Geisteskinder missraten mitunter derart, dass man sie schließlich, mit einem Seufzer der Erleichterung, zur Adoption freigibt. 8. Höchstrichterliche Schleusenöffnung.   Im März 2004 befreit das Bundesverfassungsgericht Geistheiler von dem Zwang, eine Heilpraktikerprüfung beim zuständigen Gesundheitsamt abzulegen - und restauriert damit faktisch die "Kurierfreiheit" des Deutschen Reichs, mit vergleichbaren Konsequenzen. 9. Heilerschwemme.   Der Angst vor behördlicher Schikane und Strafverfolgung entledigt, trauen sich immer mehr Selbstberufene, das Heilen zur Profession zu machen und offensiv Werbung zu treiben, statt sich verstecken zu müssen. Das boomende Internet eröffnet ihnen ein neues, breitenwirksames Mittel zur billigen Selbstdarstellung. Solange Deutschlands Geistheiler mit einem Bein im Gefängnis standen, trauten sich in der Regel nur besonders Fähige zu praktizieren, im Vertrauen auf Mundpropaganda, ständig bedroht durch Denunzianten und Futterneider. Doch nun zählen Hochglanzbroschüren, professionell gestaltete Inserate und suchmaschinenoptimierte Websites mehr als natürliche Begabung. Dem Kundenfang förderlich sind Ausbildungsangebote und Zeugnisse von Heilerschulen – sowie mancherlei werbewirksame Dienstleistungen von Vereinen, allen voran des DGH, der sich nun in erster Linie darauf verlegt, zahlende Einzelmitglieder zu gewinnen und bei der Stange zu halten. Während er auf kümmerliche drei Mitgliedsvereine schrumpft, verkommt er zur Klientenbeschaffungsagentur, Titelschleuder (“Anerkannte/r Heiler/in”) und Urkundendruckerei. Statt den Wildwuchs der Heilerszene zu beschneiden, verschärft der Dachverband ihn weiter – womit er zum Teil des Problems wird, das er lösen sollte. Magisches Dreieck der Geldvermehrung. Binnen weniger Jahre vervielfacht sich die Anzahl deutscher Geistheiler – auf geschätzt über 15.000. Mit dem enormen Zuwachs an Quantität einher geht ein dramatischer Qualitätsverfall: Zunehmend überwiegen aufrichtig bemühte Dilettanten: unerfahrene, mäßig begabte, sich selbst überschätzende Möchtegerns, die mit wolkiger Esoterik, mit dubiosen Titeln und Diplomen wettzumachen versuchen, was ihnen an therapeutischer Befähigung abgeht. Meisterhaft beherrschen sie die Kunst, das Unsichtbare unsichtbar zu lassen – vor allem die Wirkung. Sie mit Kritik zu konfrontieren, gleicht dem Bemühen, einen Pudding an die Wand zu nageln. Egal:  Vermeintlich “geprüft” zu sein, kommt halt gut an bei Hilfesuchenden, erst recht mit einem Zertifikat im Goldrahmen an der Praxiswand. Derart ausgestattet, scheinen manchem Anbieter für unüberprüfbare “Energieübertragungen” Honorarsätze angemessen, die höchstens Anwälten und Steuerberatern nicht die Schamesröte ins Gesicht treiben würden. 10. Beginnender Niedergang.   Von der Jahrtausendwende an beginnt das öffentliche Interesse spürbar nachzulassen, die Besucherzahlen von Fachkongressen und Messen sinken ebenso abrupt wie die Auflagen von Sachbüchern und Szenezeitschriften; das Thema zeigt medientypische Abnutzungserscheinungen, wie man sie von Aids, dem Waldsterben, dem Ozonloch her kennt. Ebenso erging es anderen "Psi"-Sensationen früherer Tage, von fliegenden Untertassen über psychokinetisch verbogene Löffel und blutigen "psychochirurgischen" Eingriffen bis hin zu Reinkarnationserinnerungen, Spukhäusern, geometrischen Riesenmustern in reifen Kornfeldern und Jenseitskontakten per Tonband. Kräht heute noch irgendein Hahn danach? Unter Hilfesuchenden macht sich Ernüchterung breit: Inzwischen haben unzählige chronisch Kranke frustrierende Erfahrungen mit dem neuen Typus von sogenannten “Heilern” gemacht - das spricht sich herum. Die explosionsartig gestiegene Konkurrenz sorgt bei immer mehr Heilern für leere Praxen; die Werbewirkung von erworbenen Lizenzen, Diplomen und Titeln lässt nach, weil zuviele Mitbewerber sie ebenfalls ergattert haben und zum Kundenfang einsetzen. Heilerschulen beklagen einen rapiden Preisverfall, nach den Gesetzen der freien Marktwirtschaft erzwungen durch ein Überangebot an Mitbewerbern. So sind Reiki-”Einweihungen”, für welche in den siebziger und achtziger Jahren noch umgerechnet über zehntausend Euro verlangt und bezahlt wurden, mittlerweile für einen Hunderter zu erkaufen. Ein übriges tun dramatische Veränderungen der Medienlandschaft. Bis weit in die 90-er Jahre hinein fanden Heiler immer wieder mal einen Journalisten mit offenen Ohren; regelmäßig tauchten sie in Zeitungen und Zeitschriften, in TV-Magazinen und Talkshows auf. Webprofis gestalteten für sie Homepages, die für Hilfesuchende leicht zu finden waren. Damit ist es nach und nach vorbei. Ein enormer Konzentrationsprozess lässt immer weniger Medien übrig; diese sparen Kosten, indem sie ihr Material überwiegend im Abo von großen Nachrichtenagenturen beziehen -  und für diese gilt: “ Follow the Science ” oder was sie dafür halten. Ihre Redakteure schreiben lieber von der Mainstream-Enzyklopädie Wikipedia  (9) und systemkonformen “ Faktencheckern ” ab, als selber zu recherchieren. Suchmaschinen, allen voran Google , werden zu Zensurhelfern: Alternativmedizinisches verbannen sie auf hintere Trefferseiten, wo sie kaum noch jemand findet. Global agierende PR-Agenturmonster wie Publicis , zu deren Milliardenumsätzen die Pharmabranche und ihr nahestehende Stiftungen maßgeblich beitragen, setzen alles daran, den Ruf von jedermann zu ruinieren, der mit Äußerungen, Angeboten und Auftritten abseits der Schulmedizin auffällt. (Projekte wie “ Newsguard ” (10), “ Web of Trust ” (11) und die Online-Dreckschleuder “ Psiram ” (12) schöpfen vermutlich aus diesen vergifteten Geldquellen.) Künstliche Intelligenzen wie ChatGPT, Gemini oder Perplexity, die zeitaufwändiges Internetsurfen erübrigen, indem sie blitzschnell Informationen beschaffen, komprimieren und laiengerecht aufbereiten, sind seit kurzem dabei, den Trend zuzuspitzen: Sie “verdauen” immer nur, womit man sie füttert – aus sogenannten “verlässlichen” Quellen. Medien, die Geistiges Heilen ernstnehmen, finden sich gewiss nicht in diesem vorselektierten Datenpool. 11. Unterwegs zur Bedeutungslosigkeit.   Deutschlands Geistheilerei ist dabei, zum Wellness-Ritual einer neoreligiösen Subkultur zu verkümmern, ins soziale Abseits der Esoterikgemeinde zurückzukehren - es sei denn, es gelingt, auf eine auch für Außenstehende nachvollziehbare und glaubwürdige Weise jene therapeutische Qualität sicherzustellen, die ihr längst abhanden gekommen ist. Einer Geistheilung bedürfte sie zuallererst selber. Dazu rief ich 2005, ergänzend zu meiner Stiftung AUSWEGE , die “Internationale Vermittlungsstelle für Heilkundige” (IVH) ins Leben. Mit einem aufwändigen Auswahlverfahren versucht sie in der Szene die Spreu vom Weizen zu trennen und die raren Könner herauszufiltern. An der Resonanz auf dieses Projekt wird ablesbar sein, ob es dafür nicht schon zu spät ist. Heilen “Heiler”? Neuerdings lautet die ehrliche Antwort: allenfalls ausnahmsweise. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen Dieser Artikel ist die erweiterte und aktualisierte Fassung des Abschnitts “Die 10 Phasen des deutschen Heilerwesens” in meinem Buch Heilen “Heiler”? ,  4. Aufl. 2011, S. 87 ff. (1)   Siehe Harald Wiesendanger: Das Große Buch vom Geistigen Heilen - Möglichkeiten, Grenzen, Gefahren , 4. Aufl. 2004; ders.: Geistheiler - Der Ratgeber - Was Hilfesuchende wissen sollten - Ehrliche Antworten auf 51 spannende Fragen , 5. Erw. Aufl. 2007. (2)   Siehe Harald Wiesendanger: Das Große Buch vom Geistigen Heilen , a.a.O., S. 70 ff. (3)   Zu deren Kritik s. Harald Wiesendanger: Das Große Buch vom Geistigen Heilen , Geistheiler - Der Ratgeber   sowie Fernheilen , Band 1: Die Vielfalt der Methoden . (4)   Jahrhundertelang stammten Besprecher, Gesundbeter und andere Geistheiler “meist aus bescheidenen sozialen Verhältnissen”, wie der Stuttgarter Medizinhistoriker Robert Jütte in seiner Geschichte der Alternativen Medizin  ausführt (München 1996, S. 100). (5)   Die meisten Heiler, so belegt Jütte (a.a.O., S. 102 f.), waren “aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen, ihren erlernten Beruf weiter auszuüben”; sie besserten “lediglich ihr festes Einkommen mit der Heilertätigkeit ein wenig auf”. (6)   Siehe Herbert Schäfer: Der Okkulttäter , Hamburg 1959, S. 91; Ebermut Rudolph, “Zur Psychologie deutschsprachiger ‘Spruchheiler’”, in Heilen und Pflegen , Marburg 1986, S. 147-153, dort S. 147; Anita Chmielewski-Hagius, “Gesundbeten in Oberschwaben”, Bodensee-Hefte  12/1993 - 1/1994, S. 42-46, dort S. 42. (7)   Siehe Harald Wiesendanger: Heilen “Heiler”?,  4. Aufl. 2011, S. 40 ff. (8)   Näheres in meinem Großen Buch vom Geistigen Heilen ,  a.a.O., Kap. “Mein Projekt ‘Dachverband’: ein Lehrstück für die Heilerbewegung”, S. 352 ff.; in meiner Anthologie Geistiges Heilen für eine neue Zeit – Vom “Wunderheilen” zur ganzheitlichen Medizin , 2. Aufl. 2005, S. 221 ff.; sowie in meinem Wegweiser für Hilfesuchende Heilen “Heiler”?, a.a.O., S. 52 ff. (9)   Harald Wiesendanger: Das GesundheitsUNwesen – Wie wir es durchschauen, überleben und verwandeln  (2019), S. 364-407. (10)  Harald Wiesendanger: Das GesundheitsUNwesen – Wie wir es durchschauen, überleben und verwandeln  (2019), Kap. “Vergiftete Quellen”, S. 317 ff. (11) Harald Wiesendanger: Das GesundheitsUNwesen , a.a.O.   (2019), S. 358 ff. (12) Harald Wiesendanger: Das GesundheitsUNwesen , a.a.O.   (2019), S. 458 ff.

  • Zombies in uns

    In unserem Körper geistern Billionen von Zombies - Zellen, die sich nicht mehr teilen, aber auch nicht richtig absterben. Diese biologisch Untoten bedrohen unsere Gesundheit massiv. Wie entstehen sie? Was richten sie an? Wie werden wir sie los? Wie man Zombies den Garaus macht, führen uns Hollywoods Gänsehautmacher vor Augen: Zerstöre das Gehirn – egal ob mit Kopfschuss, Axt, Machete, Ziegelstein oder Vorschlaghammer! Kopf ab! Verbrenne sie! Aber kein Horrorfilm, kein Videospiel, kein Comic zeigt uns, wie wir die unzähligen Untoten in uns  loswerden: Zellen, die sich nicht mehr teilen, aber auch nicht richtig absterben - daher der Spitzname „Zombie-Zellen“. Biologen nennen sie „seneszent“, abgeleitet vom lateinischen Wort „ senescere “ – altern. Zwar ist eine seneszente Zelle noch lebendig, erfüllt ihre eigentlichen Aufgaben aber nur noch eingeschränkt. Sie wurde gleichsam dauerhaft in den Ruhestand geschickt, ist aber noch aktiv – wie ein Büroangestellter, der nicht mehr arbeitet, aber trotzdem täglich ins Büro kommt, weiterhin Platz und Ressourcen in Anspruch nimmt und nutzlos rumhängt. Ununterbrochen quatscht er dazwischen, heischt ständig nach Aufmerksamkeit und geht damit allen anderen auf die Nerven. So eine Rentnerzelle gleicht einem kaputten Smartphone im Dauerbetrieb: Es lässt sich nicht mehr neu starten, aber es bleibt an – und sendet dauernd Fehlermeldungen. Seneszente Zellen sind nicht bloß faul – sie vergiften ihr Umfeld. Weiterhin stoffwechselaktiv, geben sie eine Vielzahl von schädlichen Botenstoffen ab – darunter entzündungsfördernde Zytokine, wachstumsfördernde Faktoren und Enzyme, die umliegendes Gewebe schädigen können. Wissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang vom SASP, dem „S enescence-Associated Secretory Phenotype “. Dieser Cocktail an Signalmolekülen kann gesunde Zellen in Mitleidenschaft ziehen, ja sogar ihrerseits seneszent machen. Das ist so, als würde ein schlecht gelaunter Rentner im Büro nicht nur keinen Finger mehr krümmen, sondern sämtliche Kollegen mit seiner schlechten Laune anstecken und zur Kündigung animieren. Unentwegt warnt er mit lautem SASP-Geschrei - auch dann, wenn längst keine Gefahr mehr besteht. Dabei blockiert er Kommunikationswege – wie jemand, der den Telefonhörer nie wieder auflegt. So stellt sich die künstliche Intelligenz ChatGPT das Unwesen vor, das Zombiezellen im Körper treiben.   Wie viele solcher Nichtsnutze geistern in uns herum? Das hängt stark von unserem Alter und Gesundheitszustand ab. Von den 30 bis 40 Billionen Körperzellen, aus denen unsereins besteht, sind bei Jugendlichen weniger als 1 % betroffen, bei gesunden 30- bis 50-Jährigen sind es bis zu 5 %. Bei älteren Menschen, über 65, erreicht der Zombie-Anteil schon bis zu 15 %, in manchen Geweben über 20 %. In bestimmten Organen von chronisch Kranken liegt er bei bis zu 30 %. Schon ein Seneszenzanteil von einem einzigen Prozent entspräche also 300 bis 400 Milliarden Zombie-Zellen. Professorin Judith Campisi, eine Pionierin auf diesem Forschungsgebiet, spricht von einem „Müllproblem des Körpers“ – denn unserem Immunsystem gelingt es mit zunehmendem Alter immer schlechter, Zombie-Zellen zu beseitigen. Jede zehnte Körperzelle, so schätzen Gerontologen, kann im Alter seneszent sein. Und keine trägt zur Regeneration bei. Woher kommen diese Untoten? Letztlich rührt das Problem daher, dass das Wunderwerk unseres Körpers niemals fertig wird, sondern eine Dauerbaustelle bleibt, vom ersten bis zum letzten Atemzug. Unentwegt werden Zellen abgebaut, umgebaut, neu gebaut – allein innerhalb der einen Sekunde, die du gebraucht hast, um die Überschrift dieses Artikels zu lesen, haben sich in dir rund 50 Millionen Zellen erneuert. Was geschieht, wenn eine Zelle unter Stress gerät, zuwenig Nährstoffe erhält, beschädigt wird, altert? Dann laufen drei faszinierende Prozesse ab, fein aufeinander abgestimmt; in Funktion, Mechanismus und Ziel unterscheiden sie sich grundlegend. Zwischen ihnen wählt eine Zelle je nach Art und Ausmaß der Gefahr – ein ständiger Balanceakt . Ein gesundes System braucht alle drei, aber in der richtigen Dosierung. Sonst drohen Krebs, chronische Entzündungen oder vorzeitiges Altern. Sozusagen die erste Verteidigungslinie bildet Autophagie : Nach dem Motto „Ich kämpfe weiter“ versucht die Zelle, sich selbst aufzuräumen und zu reinigen, um sich zu retten. Dazu recycelt sie eigene Bestandteile, z.B. beschädigte Zellorganellen oder falsch gefaltete Proteine. Diese schließt sie in sogenannten Autophagosomen ein und baut sie in Lysosomen ab, kleinen, von einer Membran umschlossenen „Verdauungsorganellen“. Aber wenn die Zelle überflüssig, zu stark beschädigt oder gefährlich ist, z. B. krebsartig mutiert?   Dann bleibt die „Müllabfuhr“ untätig. Stattdessen findet Apoptose  statt: Nach dem Motto „Ich gehe fürs große Ganze“ begeht die Zelle lieber Suizid, als ein Risiko für den Körper darzustellen. Ein genetisch gesteuerter Selbstzerstörungsmechanismus lässt sie schrumpfen und in kleine Vesikel zerfallen - sog. Apoptotische Körperchen  -, die von Fresszellen (Phagozyten) beseitigt werden. „Die biologische Kunst des würdevollen Abtretens“ nennt der Immunologe und Zellbiologe Peter H. Krammer dieses Phänomen des programmierten Selbstmords – im Gegensatz zum unkontrollierten: Während Nekrose eher einem explodierenden Müllwagen gleicht, ist Apoptose der geordnete Rückbau eines Altbaus – Stein für Stein, ohne Schutt auf der Straße. Eine dritte Strategie – nach dem  Motto „Ich bleibe, aber halte still“ – ist Seneszenz . Auf den ersten Blick scheint sie paradox: Eine Zelle lebt weiter, kann sich aber nicht mehr teilen. Keineswegs völlig nutzlos Doch biologisch gesehen ist Seneszenz keineswegs ein Konstruktionsfehler, sondern eine evolutionär entwickelte Schutz- und Reparaturmaßnahme, zumindest kurzfristig. Vollständige Vernichtung kann deshalb nicht das Ziel sein – das unterscheidet die Mini-Untoten in uns von jenen Zombies, die geistlos-blutrünstig durch apokalyptische Filmlandschaften schlurfen. Seneszente Zellen haben zwar ein grottenschlechtes Image, sind aber nicht grundsätzlich böse und ausnahmslos schädlich. In mehreren Hinsichten können sie auch nützlich, ja lebenswichtig sein. Beispielsweise bei der Wundheilung: Seneszente Zellen fördern sie, und zwar nicht dadurch, dass sie selbst sich vermehren - das können sie ja nicht mehr -, sondern indem sie benachbarte, noch teilungsfähige Zellen zur Proliferation anregen, d. h. zur Vermehrung durch Teilung, um neues Gewebe zu bilden. Wie? Bei einer Verletzung, z. B. einem Schnitt in die Haut, sterben viele Zellen ab oder erleiden Schäden. Manche schalten daraufhin in einen seneszenten Zustand um – sie hören auf, sich zu teilen, bleiben aber am Leben. Sie senden SOS-Signale aus: einen Cocktail aus Botenstoffen, besagte SASP. Diese Stoffe wirken nicht regenerativ für die seneszente Zelle selbst, sondern stimulieren umliegende gesunde Zellen. Unter anderem werden Wachstumsfaktoren wie PDGF, VEGF freigesetzt, die Reparaturen stimulieren. Zytokine wie IL-6 und IL-8 fördern Entzündungsreaktionen, um das Immunsystem zu aktivieren. Sogenannte Matrix-Metalloproteinasen (MMPs) bauen beschädigtes Gewebe um. Sobald genug neue Zellen entstanden sind, senden seneszente Zellen Stoppsignale, damit das Gewebe nicht übermäßig wächst – das könnte zu Narben oder Tumoren führen. Danach verschwinden sie meist wieder – beseitigt durch bestimmte Immunzellen, die Makrophagen. Auch zur Krebsprävention trägt das Zombie-Phänomen bei. Wenn eine Zelle durch DNA-Schäden, oxidativen Stress oder Telomerverkürzung entartungsgefährdet ist, stoppt Seneszenz ihre Zellteilung. So verhindert sie, dass die Zelle zu einem Tumorherd wird. Ohne diesen Mechanismus würden geschädigte Zellen weiter wachsen – und die Krebsrate explodieren. Schon im Embryo entstehen seneszente Zellen – sie lenken das Wachstum umliegender Gewebe, helfen dabei, dass Finger und alle übrigen Gliedmaßen, Organe und Nerven am richtigen Ort entstehen, und sind daran beteiligt, überflüssige Zellgruppen zu entfernen. Ohne sie gäbe es keine saubere „Bauplatzordnung“ im Körper. Seneszente Zellen senden Steuerimpulse an umliegende Zellen – mittels Signalstoffen, die Stammzellen zur Differenzierung anregen, Zellteilung in Nachbarzellen aktivieren oder bremsen. Sie wirken nicht als Platzhalter, sondern als Dirigenten: Sie spielen ihre Rolle, orchestrieren den Bauplan – und verschwinden. Mit anderen Worten: Seneszenz tritt im Embryo planmäßig auf. (1)   Und auch an der Infektionsabwehr wirken seneszente Zellen mit: Sie senden Signale aus, die das Immunsystem warnen, wenn im Gewebe etwas nicht stimmt. Sie können helfen, Viren zu erkennen oder beschädigte Nachbarzellen zu markieren. Kurzzeitig nützlich, langfristig schädlich - Wann wird Seneszenz zum Problem? Heikel werden seneszente Zellen erst, wenn sie mit fortschreitendem Alter überhand nehmen und nicht rechtzeitig abgebaut werden – z.B. wegen eines schwächeren Immunsystems -, sondern im Gewebe bleiben. Dann wird aus dem Schutzmechanismus ein Risikofaktor. Und erst dann haben wir Grund, uns vor einer Flut von biologisch „Untoten“ zu gruseln. Hauptauslöser der Zombie-Inflation ist der natürliche Alterungsprozess: Mit jeder Zellteilung verkürzen sich die sogenannten Telomere: schützende Kappen an den Chromosomenenden. Sind sie zu kurz, so schließt die Zelle daraus, dass ihre Zeit gekommen ist – und stellt die Teilung ein. Auch Schäden an der DNA – verursacht etwa durch UV-Strahlung, Umweltgifte, Entzündungen oder oxidative Prozesse – können eine Zelle in die Seneszenz treiben. Infektionen oder bestimmte Medikamente wie Chemotherapeutika können diesen Zustand ebenfalls auslösen. Dann zieht unser Organismus die Notbremse: Lieber nicht mehr teilen als entarten. Was richten die ”Untoten” in unserem Körper an? Zahlreiche chronische Erkrankungen stehen in Verbindung mit einem Übermaß an seneszenten Zellen. Indem sie unentwegt Botenstoffe wie Interleukin-6 und TNF-alpha absondern, fördern sie chronische Entzündungen. Somit sind sie ein Risikofaktor für Alzheimer und andere Demenzformen, für Parkinson und ALS; für Autoimmunerkrankungen wie Rheumatoide Arthritis und Multiple Sklerose, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. In Blutgefäßen begünstigen sie die Entstehung von Arteriosklerose. Sie fördern Tumorwachstum. In der Bauchspeicheldrüse tragen sie zur Insulinresistenz bei, somit begünstigen sie die Entwicklung von Typ-2-Diabetes. Auch Osteoporose, Arthrose, bestimmte Krebsarten, Lungenfibrose und sogar altersbedingte Muskelschwäche stehen mit ihrer Aktivität in Verbindung. Besonders nach Chemotherapien bleiben oft viele seneszente Zellen im Körper zurück – was langfristige Spätfolgen erklären könnte. Wie werden wir unsere Zombies los? Mäuse, deren seneszente Zellen Forscher regelmäßig entfernten, lebten länger, waren gesünder und zeigten weniger Alterskrankheiten, wie eine bahnbrechende Studie schon 2011 ergab. (2) Der beobachtete Zusammenhang war so deutlich, dass er geradezu einen Boom an „Senolytika“-Studien ausgelöst hat – also an Wirkstoffen, die gezielt Zombie-Zellen aus dem Körper entfernen können. „Senolytika eröffnen völlig neue Wege in der Altersmedizin“, schwärmt Dr. James Kirkland von der Mayo Clinic. (3) Hier wittern Pharmakonzerne ein Bombengeschäft: Bis 2033 könnte der Senolytika-Markt auf 7,5 Milliarden US-Dollar wachsen, schätzen Analysten. Ein halbes Dutzend Substanzen befinden sich inzwischen in der Pipeline. Über 30 klinische Studien laufen weltweit oder sind geplant. Bereits in Humanstudien sowie off-label im Einsatz ist Dasatinib, Handelsname: Sprycel, ursprünglich ein Medikament gegen Leukämie: Es hemmt bestimmte Enzyme, sogenannte Tyrosinkinasen, die in seneszenten Zellen überaktiv sind – das macht diese verwundbar für Apoptose. Nebenwirkungen sind allerdings kaum erforscht. Nebenwirkungsfreie Senolytika schenkt uns hingegen die Natur: Quercetin zum Beispiel, ein hochwirksamer Pflanzenstoff, der in Zwiebeln, Beeren, Kohl und besonders in Kapern vorkommt. Im Tierversuch (4), neuerdings aber auch in Humanstudien (5) machte es Dasatinib überhaupt erst effektiv. (Obendrein schützt es das Herz, verringert Entzündungen, lindert Erkältungen.) Fisetin, ein gelbliches Flavonoid aus Erdbeeren, scheint Zellen ebenfalls zum programmierten Exitus zu bewegen – zumindest, wenn sie seneszent sind. (6) Auch der Lebensstil beeinflusst, wie viele Zombie-Zellen sich im Körper ansammeln. Die Zombie-Flut zu bremsen, haben wir weitgehend selbst in der Hand: Wer sich regelmäßig bewegt, sich ausgewogen ernährt, ausreichend schläft und Stress vermeidet, hat bessere Karten. Fasten, insbesondere Intervallfasten, scheint die Autophagie zu fördern. Auch Kälte- und Hitzereize – etwa durch Sauna oder kalte Duschen – aktivieren Reparaturprozesse auf Zellebene. Und natürlich hilft eine Ernährung reich an sekundären Pflanzenstoffen, Zellschäden vorzubeugen. Pflanzliche Stoffe wie Curcumin (aus Kurkuma), Resveratrol (aus roten Trauben) sowie eine ballaststoffreiche Ernährung können zur natürlichen Entschärfung des SASP beitragen und Zombiezellen in Schach halten. Warum ist eine gesunde Lebensweise sinnvoller als ein Pharmaprodukt? Prävention statt Reparatur: Besser verhindern als später räumen müssen. Gesunde Gewohnheiten verhindern , dass sich übermäßig seneszente Zellen bilden – Senolytika bekämpfen sie nachträglich . Zudem gibt es bisher keine zugelassenen Anti-Zombie-Zellwirkstoffe. Viele befinden sich in präklinischer oder früher klinischer Phase. Nebenwirkungen, Dosierungen und Langzeiteffekte  sind unklar – womöglich schädigen sie gesunde Zellen. Hindern Senolytika seneszente Zellen womöglich daran, ihre nützlichen Funktionen auszuüben? Ja, diese Gefahr besteht durchaus, wenn sie undifferenziert und dauerhaft zum Einsatz kommen – dies gehört zu den zentralen Risiken und ethischen Fragen in der Senolytika-Forschung. Deshalb kommt es entscheidend an auf Menge und Zeitpunkt der Einnahme, Zielgewebe und Wirkstoffwahl. Gesund zu leben, ist dagegen seit Jahrtausenden erprobt – risikoarm, nachhaltig und mit garantiertem Zusatznutzen für Herz, Hirn, Stoffwechsel und Psyche. Nicht zu vergessen: Lebensstilfaktoren wie Fasten, Bewegung, Schlaf, Stressreduktion und pflanzenbasierte Ernährung sind keine Einzweckwaffen, sondern wirken enorm breit: Sie sind senomorph - seneszente Zellen werden ruhiger, weniger schädlich -, regen Autophagie an, hemmen Entzündungen und stärken das Immunsystem. Der Körper entsorgt einen Großteil der  Zombiezellen selbst – vorausgesetzt, wir gehen so mit ihm um, dass er die Chance dazu bekommt. Die Versuchung ist groß, sich die Mühsal einer gesünderen Lebensweise zu ersparen, indem man Nahrungsergänzungsmittel schluckt. Für diese vermeintlich bequeme Abkürzung winken Kombinationspräparate von Quercetin und Fisetin. Dagegen spricht eine sehr geringe Bioverfügbarkeit: Vom Wirkstoff verbleibt nach Einnahme zuwenig aktiv im Körper - weniger als 2 % (Quercetin) bzw. 5 % (Fisetin). Denn beide sind im Dünndarm kaum wasserlöslich, weshalb sie im Verdauungsbrei gebunden bleiben, statt in die Blutbahn zu gelangen; beide lassen sich von Enzymen leicht zerlegen; beide werden von der Leber recht zügig zerstört oder ausgeschieden. Deutlich besser – zu 10 bis 25 % - resorbiert der Körper Piperlongumin, ein Alkaloid aus dem „Langen Pfeffer“. Allerdings wird auch dieses Senolytikum schnell abgebaut, seine Halbwertzeit ist kurz. Zudem fehlen auch hier bislang Humanstudien. Denken wir an die weltweit rund 600.000  „Centenarians“, die über 100-Jährigen: Wie viele der Gesundgebliebenen unter ihnen haben jemals irgendwelche Isolate aus dem Sortiment geschäftstüchtiger Supplementhersteller geschluckt? Geistesverwandt: Seneszenz-Horror und CO 2 -Paranoia Fazit: Zombie-Zellen sind kein Science-Fiction. Diese Untoten existieren. Sie entstehen in jedem Körper, sobald er altert oder unter Stress steht. Und sie sind alles andere als harmlos.  Doch sie müssen nicht unser Schicksal sein. Ob durch neue Medikamente, Nahrungsergänzung oder einen gesunden Lebensstil: Die Jagd auf die biologischen Untoten hat längst begonnen – für ein unbeschwerteres Altern, weniger chronische Krankheiten und vielleicht sogar ein längeres Leben. Bloß übertreiben sollte man diese Jagd nicht. Ähnelt der unter vermeintlich Gesundheitsbewussten verbreitete Seneszenz-Horror nicht der Kohlendioxid-Paranoia von übereifrigen Klimaschützern? Ja, CO 2 trägt zum Treibhauseffekt bei – aber muss es deshalb als „Umweltgift“ aus der Atmosphäre entfernt werden? Ohne CO 2  gäbe es kein Leben auf unserem Planeten. Und ganz ohne Seneszenz wäre unser Körper nicht gesünder, sondern krank. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1)   Siehe z.B. Muñoz‑Espín et al.: “ Programmed cell senescence during mammalian embryonic development ”, Cell 155 (2013), S. 1104–1118, DOI: 10.1016/j.cell.2013.10.019; Mekayla Storer u. a.: “ Senescence is a developmental mechanism that contributes to embryonic growth and patterning ”, Cell 155 (2013), S. 1119–1130, DOI: 10.1016/j.cell.2013.10.041.    (2)   Darren J. Baker u.a.: “ Clearance of p16Ink4a-positive senescent cells delays ageing-associated disorders ”, Nature  479 (2011), S. 232-236. (3)   James L. Kirkland/Tamara Tchkonia: “ Cellular Senescence: A Translational Perspective ”, EBioMedicine  21(C) April 2017, DOI:10.1016/j.ebiom.2017.04.013. (4)   Yi Zhu et al.: " The Achilles’ heel of senescent cells: from transcriptome to senolytic drugs ", Aging Cell 22, April 2015, S. 644-658, DOI:10.1111/acel.12344. (5)   Hickson/Justice et al.: " Senolytics decrease senescent cells in humans: Preliminary report from a clinical trial of Dasatinib plus Quercetin in individuals with diabetic kidney disease ",  EbioMedicine  47, September 2019,  S. 446–456. (6)   MJ Yousefzadeh MJ, LJ Niedernhofer u.a.: “ Fisetin is a senotherapeutic that extends health and lifespan ”, EbioMedicine  36, Oktober 2018, S. 18-28.

  • Alzheimer: Fehlt Lithium?

    Das unterschätzte Spurenelement Lithium könnte helfen, Alzheimer vorzubeugen, einzudämmen, vielleicht sogar rückgängig zu machen. Darauf deutet eine aufsehen­erregende Harvard-Studie hin. Bad News für die Pharmabranche, die sich von massenhafter Demenz eine Goldgrube verspricht: Chemische Elemente lassen sich nicht patentieren. Alzheimer löscht dich aus. Nicht so glühend heiß und rasend schnell wie ein loderndes Feuer – er glimmt wie eine unsichtbare Glut, die das Gedächtnis und alles andere, was eine Person menschlich macht, schleichend in Asche verwandelt. Hierzulande sind über 1 Million Menschen betroffen, weltweit 400 Millionen; bis 2050 verdoppelt sich ihre Zahl voraus­sichtlich. Könnte das Spurenelement Lithium die Krankheit verhindern? Ihr Fortschreiten stoppen? Sie sogar rück­gängig machen? Darauf lässt eine neue Studie  der Harvard Medical School in Boston hoffen. Ein 14-köpfiges Neurologenteam testete Hirn­proben von über 300 Verstorbenen  – gesunde Personen, Menschen mit leichten Gedächtnisstörungen und Alzheimer-Patienten – auf 30 verschiedene Metalle. Das hochspannende Ergebnis: Schon in frühen Alzheimer-Stadien kam Lithium im Gehirn – im Gegensatz zu den 29 übrigen Metallen – deutlich weniger vor als bei Gesunden, vor allem im präfrontalen Cortex, der unter anderem für Erinnerungen und andere kognitive Leistungen, für Persönlichkeit und Motivation wichtig ist. Lithiumentzug schädigt das Gehirn dramatisch An Mäusen untersuchte die Forschungsgruppe um den US-Neurologen Bruce Yankner, wie sich eine Mangelversorgung von Lithium auswirkt. Es wurde der Nahrung fast vollständig entzogen, um 92 % weniger als üblich. Daraufhin halbierte sich der Lithiumgehalt im Gehirn – mit dramatischen Folgen. Schon nach fünf Wochen waren unter dem Mikroskop deutliche Veränderungen festzustellen: Krankhaft verändertes Tau-Protein sammelte sich in den Nervenzellen, oft gemeinsam mit Amyloid-Plaques. Gleichzeitig reagierten die Abwehrzellen des Gehirns mit Entzündungen, Synapsen und Axone gingen verloren, die schützende Myelinschicht um die Nervenfasern baute sich ab - und die Tiere entwickelten Gedächtnisprobleme. Hingegen verhinderten Lithiumgaben Gedächtnisverlust und krankhafte Veränderungen in den Mäusehirnen, reduzierten Entzündungen und unterdrückten die Bildung von Aß-Proteinen. Sie kehrten die krankheitsbedingten Schäden um und stellten die Gedächtnisfunktion wieder her, selbst bei älteren Mäusen in fortgeschrittenem Erkrankungsstadium. Ob Lithiumgaben beim Menschen ähnlich wirksam gegen Alzheimer sind, wird sich erst noch in klinischen Studien zeigen müssen. Studienleiter Yankner ist zuversichtlich: „Die Vorstellung, dass ein Lithiummangel eine Ursache der Alzheimer-Krankheit sein könnte, ist neu und deutet auf einen anderen therapeutischen Ansatz hin." Lithium, so hofft er, könnte auch bei betroffenen Menschen nicht nur den kognitiven Abbau verringern, sondern ihn sogar umkehren. „Das ist bahnbrechend“ »Das ist bahnbrechend«, lobt Professor Dr. Ashley Bush, Neurowissenschaftler an der Universität Melbourne in Australien, der nicht an der Studie beteiligt war, im Wissenschaftsmagazin »Nature«. Lithium ist vor allem in Vollkorngetreide, in Gemüse wie Zwiebeln, Knoblauch und Kartoffeln, in Linsen, Kichererbsen und Haferflocken, in Eiern, Butter und Fleisch sowie in manchen Mineralwässern enthalten – allerdings in zu geringen Mengen, wie der habilitierte Arzt und Molekulargenetiker Dr. Michael Nehls, der seit seinem Spiegel -Bestseller Das Lithium-Komplott  als Deutschlands “Lithium-Papst” gilt, seit langem warnt. Auch an einer allgemeinen Unterversorgung mit Lithium könnte es liegen, dass psychische Störungen, insbesondere Depressionen , zu Volkskrankheiten geworden sind. (Näheres hier » ) Dass Lithium als Nahrungsergänzungsmittel nirgendwo in der EU verkauft werden darf, ist ein Skandal - angebliche üble Nebenwirkungen treten erst bei unnötiger Höchstdosierung auf. Weil sich Lithium als chemisches Element nicht patentieren lässt, fehlt der Pharmaindustrie jeglicher Anreiz, sein neuroprotektives Potenzial zu erforschen; lieber bewirbt sie ihre ebenso überteuerten wie enttäuschend ineffektiven Anti-Amyloid-Antikörper wie Leqembi und Kisunla. Behandlungskosten pro Patient und Jahr: um die 30.000 US-Dollar. ( Harald Wiesendanger ) Lithium für alle? Näheres hier »

  • Es ist die Hölle.

    Wie ist es, hochgradig empfindlich auf elektromagnetische Felder zu reagieren? Die Hölle. Allein in Deutschland leiden Zehntausende daran. Vom Staat schutzlos gelassen, von Ärzten als Psychos abgestempelt, von ihrem Umfeld unverstanden und ausgegrenzt, sehen viele in ihrer Not nur noch einen Ausweg: Suizid. Im folgenden Brief versucht eine Betroffene zu erklären, was sie durchmacht. Lieber Thomas, ich habe lange gezögert, Dir diesen Brief zu schreiben. Nicht, weil ich Dir misstraue. Sondern weil es mir schwerfällt, über etwas zu sprechen, das für die meisten Menschen so unsichtbar ist wie Radiowellen – und dabei doch mein ganzes Leben verändert hat. Aber ich spüre, dass Du wirklich verstehen willst, was es heißt, elektrosensibel zu sein. Deshalb möchte ich Dir schildern, wie sich mein Alltag anfühlt – aus der Perspektive eines Menschen, dessen Körper elektromagnetische Felder nicht einfach ignoriert, sondern sie wahrnimmt, als wäre es dröhnender Lärm oder grelles Licht, das die Haut verbrennt. Mir ist vollauf klar, wie irrational Dir das vorkommen mag. Es klingt nach Hypochondrie oder Einbildung. Genau das macht es ja so schwer, mit dieser Empfindlichkeit zu leben: Man leidet real – aber das Leid ist für andere unsichtbar, deshalb können sie es nicht nachvollziehen, geschweige denn ernstnehmen. Schlimmer noch: Häufig wird man nicht nur belächelt, sondern sogleich als psychisch gestört abgestempelt. Die WHO nennt das " Idiopathic Environmental Intolerance attributed to EMF " – und schiebt es, trotz aller Hinweise auf physiologische Ursachen, letztlich in die psychosomatische Ecke. Aber für mich ist es sehr real. Und es hat nichts mit Hysterie zu tun. Ich war früher technikaffin, hatte WLAN, ein schnurloses Telefon, mein Handy unter dem Kopfkissen – ohne je ein Problem damit zu haben. Erst Jahre später begannen die Symptome. Schleichend. Und dann irgendwann unverkennbar. „Wie aus dem Nichts“ Was für Symptome? Es ist eine ganze Palette – und sie kommen nicht immer alle auf einmal, aber oft genug wie aus dem Nichts: ·    Mein Kopf beginnt zu dröhnen und ich spüre einen stechenden Druck, als würde ein Presslufthammer von innen gegen die Schädelwand schlagen. ·    Meine Haut juckt, kribbelt, brennt – besonders im Gesicht, auf den Armen, am Nacken. Wie ein Sonnenbrand ohne Sonne. ·    Ich bekomme Herzrasen, schlagartig steigt mein Puls, scheinbar ohne ersichtlichen Grund ·    Ich kann mich nicht mehr konzentrieren und orientieren, nicht mehr klar denken. In Gesprächen verliere ich den Faden. Ich kann keine Texte mehr lesen, weil meine Gedanken flackern, als hätte jemand einen Wackelkontakt in meinem Gehirn ausgelöst. ·    Ich fühle mich kraftlos, kann kaum laufen oder mit den Händen greifen. ·    Mir wird schwindlig und übel. Muskeln zuckeln. Mein Nacken verspannt sich. Ich habe einen metallischen Geschmack im Mund. ·    Meine Hände zittern, meine Augen brennen. ·    Ich kann Gehörtes nicht mehr filtern, jeder Ton wird zur Reizüberflutung. ·    Meine Brust tut weh, ich ringe nach Luft. ·    Im Ohr setzen plötzlich „Stromgeräusche“ ein. ·    Mein ganzer Körper fühlt sich „elektrisch aufgeladen“ an – fast so, als hätte ich einen Finger in der Steckdose. ·    Magen-Darm-Krämpfe und Durchfall setzen ein. ·    Obwohl ich hundemüde bin, kann ich nicht einschlafen – mein Körper kommt einfach nicht in den Entspannungsmodus. Stundenlang liege ich wach und frage mich, ob irgendwo im Haus jemand sein Handy auflädt. Nach solchen Belastungen brauche ich oft zwei, drei Tage völlige Funkstille, um mich einigermaßen zu regenerieren. Dann liege ich stundenlang im Dunkeln, mit einer Bleimütze über dem Kopf, und warte, bis die Symptome abklingen. Und diese Symptome sind nicht einfach nur unangenehm. Sie entkräften. Zermürben. Wie ein permanenter Angriff auf das Nervensystem. Stell Dir vor, Du müsstest in einem Raum leben, in dem konstant eine Sirene auf 80 Dezibel läuft. Du kannst nicht fliehen. Du kannst nicht abschalten. In Dir schreit es unentwegt. Du kannst nur versuchen, nicht daran zu zerbrechen. Denn jeder Aspekt Deines Lebens, wirklich jeder, steht auf dem Spiel. Die Strahlenfolter ist allgegenwärtig, das Unverständnis ebenfalls Wenn ich anderen davon erzähle, kommt oft die Reaktion: „Aber das kann doch nicht sein. Ich merke da rein gar nichts.“ Oder: „Vielleicht brauchst Du einfach Urlaub.“ Oder: „Vielleicht solltest Du mal wieder richtig schlafen.“ Als wäre es ein Luxusproblem, das sich mit ein bisschen Achtsamkeit erledigen ließe. Manche machen sich sogar darüber lustig: „Kauf Dir doch einen Aluhut, dann bist Du sicher.“ Manche sagen, das sei alles „Nocebo“: Was mich quält, sei nichts Reales, sondern bloß mein starke Glaube , etwas quäle mich. Eine „Einstellungssache“. „Du steigerst Dich da rein“, heißt es. „Hab dich nicht so.“ Darüber könnte ich mitlachen, wenn mir nicht zum Heulen zumute wäre. Es trifft mich. Nicht wegen des Spottes. Sondern weil es zeigt, wie tief das Unverständnis sitzt. Was ich erleben muss, ist kein eingebildetes Leiden. Es ist so konkret, dass ich – ohne es zu wissen – in fremden Wohnungen präzise orten kann, wo genau sich hinter einer Wand ein WLAN-Router versteckt. Mein Schlafzimmer habe ich systematisch entstört, alle elektrischen Geräte entfernt, Wände abgeschirmt – anschließend konnte ich zum ersten Mal seit Monaten wieder schlafen. Das ist keine Einbildung. Das ist Erfahrung. Die Strahlenfolter ist für mich allgegenwärtig. Was das für meinen Alltag bedeutet? Vielleicht verstehst Du es besser, wenn ich Dir meinen typischen Tagesablauf schildere: Ich wache gegen 4 oder 5 Uhr auf. Nicht, weil ich ausgeruht bin – sondern weil mein Körper nicht mehr schlafen kann. Mein Schlafzimmer ist ein abgeschirmter Raum – fast frei von Funkfeldern. Kein WLAN, kein DECT, kein Smart Meter. Ich habe sogar eine Zeitschaltuhr, die nachts den Stromkreis trennt. Es ist der einzige Ort, an dem ich mich einigermaßen sicher fühle. Doch schon das Aufstehen wird zur Gratwanderung. Wenn mein Nachbar seinen Router um 6 Uhr morgens einschaltet, spüre ich es. Kein Witz. Mein Kopf beginnt zu drücken, mein Herz stolpert, meine Haut juckt. Ich frühstücke im Halbdunkel, weil selbst das LED-Licht Kopfdruck verursachen kann. Mein Handy ist ausgeschaltet – ich verwende ein altes Tastentelefon mit Kabel. Kontakt zur Außenwelt nur per Festnetz – oder per Brief, wie jetzt. „Rausgehen ist ein Abenteuer“ Rausgehen ist ein Abenteuer. Ein Besuch in der Stadt ist für mich wie für einen Heuschnupfler ein Spaziergang über blühende Wiesen und Felder. Oft trage ich eine Mütze mit Silberfäden, um meinen Kopf abzuschirmen – das sieht komisch aus, ich weiß. Aber es hilft. Manchmal. Ein bisschen. Einkaufen? Nur in kleinen Läden, zu Randzeiten. Große Supermärkte sind mit Selbstscannerkassen, WLAN und LED-Strahlern übersät – ich bekomme darin Kopfschmerzen nach wenigen Minuten. Arztbesuche? Kaum möglich. Wartezimmer voller Smartphones, Empfangsmonitore, Bluetooth. Selbst viele Landärzte haben heute DECT-Telefone, WLAN und strahlende Monitore im Behandlungszimmer – für Patienten wie mich eine Tortur. Wie irgendwohin kommen? Öffentliche Verkehrsmittel kann ich nicht benutzen – zu viele Handys, zu viele WLAN-Signale. Also im eigenen Auto? Früher war das für mich Freiheit – heute ist es ein Spießrutenlauf durch ein elektromagnetisches Minenfeld. Kaum jemand weiß, wie sehr moderne Autos Strahlung abgeben: Die Bordelektronik, das Infotainmentsystem, der automatische Türöffner, die Bluetooth-Freisprechanlage, die GPS-Antenne, manchmal sogar ein WLAN-Hotspot. Ich kann kein Auto mehr benutzen, das jünger ist als zehn Jahre – und selbst bei älteren Modellen muss ich Sicherungen ziehen, Antennen abklemmen, das Autoradio ausbauen. Sobald ich in ein "smarteres" Auto einsteige, beginnt mein Kopf zu pochen, mein Herz zu rasen. Ich bekomme Kribbeln in den Händen, ein metallisches Brennen auf der Zunge, meine Konzentration lässt nach. Einmal bin ich rechts rangefahren, weil ich dachte, ich verliere die Kontrolle. Ich habe sogar in Erwägung gezogen, ganz auf das Autofahren zu verzichten. Aber wie soll ich sonst aus meinem Rückzugsort herauskommen? Also bleibe ich abhängig von einem alten, störungsarmen Fahrzeug. Darin stehen dem die Fenster einen Spalt offen, um den "Stau" der Strahlung zu verringern. Über die Mittelkonsole lege ich eine Decke, um nicht direkt über den elektrischen Leitungen zu sitzen. Wenn ich das jemandem erzähle, schaut er mich an, als hätte ich nicht alle Tassen im Schrank. Manche sagen: „Dann fahr halt Fahrrad.“ Andere: „Du bist doch nicht aus Zucker.“ Aber ich merke: Sie hören nicht zu. Sie urteilen, weil sie nicht spüren, was ich spüre. Weil sie sich nicht vorstellen können, dass die Welt, die für sie ganz normal ist, für andere zur Qual wird. Ich will nicht jammern. Ich will Dir nur erklären, wie es ist, in einer Welt zu leben, die voller unsichtbarer Reizquellen ist – was außer Dir kaum jemand bemerkt. Für mich sind diese Reize wie dröhnend laute Musik für einen Menschen mit Migräne. Ich reagiere darauf – mein Körper rebelliert. Und ich kann ihm nicht entkommen, außer ich ziehe mich vollständig zurück. Eben das ist es, was viele EHS-Betroffene am allermeisten belastet: der Verlust der Teilhabe. Das Gefühl, ausgeschlossen zu sein aus der schönen neuen digitalen Welt. Nicht aus Trotz – sondern aus Not. Glaub mir, ich habe viel versucht, um mich zu retten. Ich habe das WLAN abgeschaltet, die DECT-Telefone verschenkt, mein Handy verkauft. Ich habe mein Schlafzimmer abgeschirmt, über meinem Bett einen Baldachin aus Silber- und Kupferfäden angebracht, Wände mit Graphitfarbe gestrichen, den Stromkreis nachts per Netzfreischalter getrennt. Ich habe Erdungsbetten getestet, Abschirmkleidung gekauft, Silbergarn-Mützen getragen. Ich habe in der Küche auf dem Fußboden geschlafen, weil dort das Handysignal am schwächsten war.Ich bin umgezogen, raus aus der Stadt, in ein altes Steinhaus, fernab vom nächsten Funkmast. Ich bin gereist, um funkstille Orte zu finden. Ich war in einem Elektrosmog-Schutzcamp in der Schweiz, in den Pyrenäen, in Waldhütten in Schweden. Ich habe gelernt, WLAN mit dem eigenen Körper zu "spüren", wie ein Radiodetektor. Ich habe Techniken zur Selbstregulation geübt, von Meditation über Autosuggestion bis Atemtherapie. Ich habe Heilpraktiker, Umweltmediziner, Baubiologen konsultiert. Ich habe alles versucht. Und vieles hat geholfen. Kurzfristig. Doch die Welt ist schneller als ich. Nirgends mehr willkommen Denn was bedeutet es, wenn auch noch das letzte Funkloch geschlossen wird? Für mich bedeutet es: totale Vertreibung. Kein Ort mehr zum Ausweichen. Keine Zuflucht. Kein sicherer Hafen. Schlagzeilen wie „5G jetzt auch im letzten Dorf“ klingen für mich wie: „Du bist jetzt nirgends mehr willkommen.“ Und es ist nicht nur der physische Druck. Es ist die soziale Isolation. Jegliche persönlichen Kontakte werden schwierig. Früher war ich gesellig. Heute sage ich Einladungen ab, weil ich weiß, dass dort Handys funken, Smartwatches piepen, WLAN-Router strahlen. Freunde verstehen das nicht. "Komm schon, Karin, das bildest Du Dir doch nur ein." Oder: "Du musst Dich halt mal entspannen, Du denkst zu viel drüber nach." Der Rückzug beginnt schleichend – bis man irgendwann merkt, dass man mehr mit Zimmerpflanzen kommuniziert als mit Menschen. Nachbarn tuscheln, wenn ich meine Abschirmmütze trage oder den Stromkasten nachts abschalte. Manche grinsen, andere weichen aus. Ich bin die "Elektrospinnerin". Kollegen kapieren nicht, warum ich nicht ins Großraumbüro kann. Arbeitgeber winken ab. Ich habe meinen Job verloren, weil ich nicht mehr in WLAN-Räumen arbeiten konnte. Und nein, Homeoffice ist keine Alternative, solange auch dort alle Leitungssysteme strahlen. Am schlimmsten ist aber: Man wird entmenschlicht. Ich bin nicht mehr Karin, die Freundin, die Musikerin, die humorvolle Kollegin, die nette Nachbarin. Ich bin ein wandelndes Symptom. Eine zweibeinige Störung. Eine Belastung. Eine Zumutung. Ich merke, wie Menschen sich innerlich distanzieren, weil ich unbequem bin. Weil ich eine Realität sichtbar mache, die sie lieber verdrängen.   „Du übertreibst maßlos“ Vielleicht hilft es Dir, meine Situation besser zu verstehen, wenn ich Dir einige Episoden erzähle, die mir besonders nahegegangen sind. Zum Beispiel der Geburtstag meines Neffen. Ich hatte mich so darauf gefreut. Aber als ich das Wohnzimmer betrat, standen auf dem Tisch zwei Tablets, in der Ecke lief Alexa, und alle Gäste hatten natürlich ihr Handy in der Hosentasche oder auf dem Tisch. Nach zehn Minuten begann mein Kopf zu pochen, nach zwanzig Minuten fing meine Haut an zu brennen, nach dreißig Minuten musste ich mich verabschieden. Mein Bruder sah mich an, als hätte ich ihn beleidigt. "Das ist doch nicht normal, Karin", sagte er. "Du übertreibst maßlos." Oder der Vorfall mit der Nachbarin, die sich beschwert hat, dass ich sie gebeten habe, ihren neuen WLAN-Router nachts auszuschalten. Ich sei ein „Störer“, sagte sie, ein „Rückschrittlicher“. Sie sagte, sie wolle nicht in einer Welt leben, in der man wegen der Befindlichkeiten einzelner auf moderne Technik verzichten soll. Ich fragte sie, ob sie auch so reagieren würde, wenn jemand mit einer Duftstoffallergie darum bittet, kein Parfüm zu tragen. Sie lachte nur. Verständnis? Null. Und dann war da mein früherer Freund, Martin. Anfangs hat er sich bemüht, Rücksicht zu nehmen. Gelassen sah er mich eine Silberkette tragen, um mich zu entstören, und ersparte sich abfällige Bemerkungen, wenn ich zur Erdung einen Baum anfasste, ehe ich nach Hause kam. Doch mit der Zeit wurde es ihm zuviel. Kein Kino, kein Hotelurlaub, keine spontanen Cafétreffen – ich konnte nicht mit in die Stadt, nicht mit in seine Wohnung, nicht mit auf Familienfeiern. „Du bist wie eine wehleidige Einschränkung auf zwei Beinen“, sagte er eines Abends. Ich verstand ihn. Trotzdem tat es entsetzlich weh. Schließlich haben wir uns getrennt, weil unsere Lebenswelten so unvereinbar wurden, als kämen wir von verschiedenen Planeten. Oft fühle ich mich wie ein lächerliches Relikt von vorgestern. Ich kann kein E‑Ticket nutzen, keine Bankgeschäfte per App erledigen, keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, weil selbst in den Zügen WLAN, Bluetooth, 5G laufen. Ich reise mit Alufolie in der Tasche, um mich notfalls abschirmen zu können. Ich kann nicht mal zum Amt oder zur Bank gehen, ohne Symptome zu riskieren – selbst dort gibt es mittlerweile digitale Warteschlangen und „intelligente“ Terminals. Einkaufen ist ein logistischer Kraftakt. Ich meide Supermärkte mit Selbstscankassen und LED-Flutlicht, ich suche kleine Bioläden, in denen noch bar bezahlt werden darf. Aber selbst dort bin ich nie sicher – der Kassierer mit der Apple Watch reicht schon aus, um mein Nervensystem in den roten Bereich zu treiben. Was stimmt nicht mit mir? Natürlich frage mich unentwegt, warum ausgerechnet ich so reagiere – und andere überhaupt nicht. Was ist in meinem Körper anders? Warum kann mein Nachbar seelenruhig mit vier Routern im Haus leben, während ich beim bloßen Einschalten Kopfdruck bekomme? Natürlich habe ich recherchiert, gelesen, gefragt – und einige Antworten gefunden. Keine einfachen, keine endgültigen, aber zumindest Erklärungsansätze, von Wissenschaftlern, die das Phänomen ernstnehmen und ihm auf den Grund gehen. Vielleicht liegt es an einer genetischen Disposition – bestimmten Entgiftungsenzymen, die bei mir weniger gut arbeiten. Oder an einer gestörten Reizverarbeitung im Gehirn, ähnlich wie bei Menschen mit Tinnitus oder Fibromyalgie. Manche Wissenschaftler vermuten eine Art "zentraler Sensitivierung", bei der das Nervensystem wie ein überempfindlicher Rauchmelder auf Reize reagiert, die andere gar nicht wahrnehmen. Andere wiederum sprechen von chronischem oxidativem Stress, einer dauerhaften Überlastung der Zellen durch stille Entzündungen. Manche Umweltmediziner berichten von Schädigungen der Blut-Hirn-Schranke durch hochfrequente Felder. Und dann gibt es die These, dass wir alle in einem elektromagnetischen „Versuchslabor“ leben – und manche Körper einfach früher und stärker darauf reagieren als andere. Was ich sicher sagen kann: Ich war nicht immer so. Irgendwann ist ein Punkt gekommen, an dem mein Körper angefangen hat, sich zu wehren. Vielleicht war es eine schleichende Summe aus zu vielen Jahren mit Dauer-WLAN, mit Smartphone unter dem Kopfkissen, mit Bluetooth-Kopfhörern, mit beruflichem Dauerstress. Vielleicht war es auch der eine Moment, als der neue Mobilfunkmast drei Häuser weiter in Betrieb ging – und ich nachts zum ersten Mal das Gefühl hatte, von innen heraus zu glühen. Was ich sicher weiß: Es ist keine Einbildung. Mein Körper reagiert. Nicht immer gleich, nicht immer kalkulierbar – aber eindeutig. Ich wäre froh, wenn es nicht so wäre. Aber es ist so. Von der Medizin im Stich gelassen, vom Staat unbeschützt Von der Medizin fühle ich mich im Stich gelassen. Die meisten Ärzte kennen Elektrosensibilität nicht – oder tun sie ab. Ich wurde zu Psychiatern geschickt, bekam Antidepressiva verordnet, obwohl ich nie depressiv war. Nur erschöpft. Ausgelaugt. Und verzweifelt. Das offizielle Gesundheitssystem kennt für Menschen wie mich keine Kategorie. Ohne ICD-Code keine diagnostische Schublade, in die meinesgleichen zu verstauen ist. Und der Staat? Der tut so, als gäbe es uns nicht. Elektrosensible Menschen tauchen in keiner amtlichen Statistik auf. Es gibt so gut wie keine funkfreien Zonen mehr, keine gesetzlich geregelte Rücksichtnahme, keine baulichen Schutzauflagen, keine barrierefreien öffentlichen Räume. Selbst Richter urteilen gegen Funkmasten nur in Ausnahmefällen. Alles ist dem Fortschritt untergeordnet. Digitalisierung über alles. Technologiekritik ist Wachstumsbremse. Verstoßen Staat und Gesellschaft dabei nicht gegen fundamentale Schutzpflichten? „Jeder“, so besagt Artikel 2 unseres Grundgesetzes klipp und klar, „hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit“ – wo bleibt meines? „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, heißt es in Artikel 1. „Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Wenn Elektrosensible gezwungen sind, unter Bedingungen zu leben, die sie krank machen, und keine Rückzugsräume haben: Verletzt das etwa nicht ihre Menschenwürde? Verdienen sie weniger Aufmerksamkeit, Solidarität und Rückendeckung als Blinde, Queers und Asylanten? Was müsste geschehen? Ganz einfach: •    Schaffung von gesetzlich geschützten funkfreien Gebieten, etwa in Wäldern oder Hochgebirgstälern – muss denn jedes Funkloch auf Teufel komm raus gestopft werden? •     Kennzeichnungspflicht für Strahlungsquellen in öffentlichen Räumen; •     Wahlfreiheit zwischen kabelgebundener und drahtloser Infrastruktur; •     Forschungsförderung, um biologische Wirkungen niederfrequenter Felder festzustellen – und herauszufinden, welche Faktoren Menschen wie mich elektrosensibel machen; •     medizinische Schulungen für Umweltärzte, Hausärzte, Psychiater – die meisten sind bisher ahnungslos; •     Schutzrichtlinien, die auf biologischen Effekten basieren und nicht allein auf thermischen Grenzwerten. Aber nichts dergleichen geschieht. Warum? Weil keine Lobby dahintersteht. Weil Funkfrequenzen Milliarden bringen. Weil es einfacher ist, uns als "Spinner" zu diskreditieren, als Grenzwerte zu senken. Weil die Funkindustrie Einfluss nimmt auf Forschung, Gesetzgebung, Aufklärung. Weil Betroffene außerstande sind, ihre Menschenrechte langwierig einzuklagen. Und weil eine Gesellschaft, die sich der totalen Vernetzung verschrieben hat, nicht bereit ist, den Preis zu reflektieren, den einige von uns dafür zahlen. „Ich brauche kein Mitleid, sondern Verständnis und Schutz“ Was ich mir wünsche? Kein Mitleid. Keine Sonderbehandlung. Nur Räume, in denen Menschen wie ich existieren dürfen, ohne ständig kämpfen zu müssen. Ohne sich ständig entschuldigen und rechtfertigen zu müssen. Ich wünsche mir, dass wir nicht mehr über Fortschritt reden, ohne seine Opfer zu berücksichtigen. Dass wir nicht weiter blind voranschreiten, ohne zu prüfen, wen wir zurücklassen. Ich wünsche mir, dass Menschen zuhören, auch wenn sie nicht alles begreifen. Dass sie anerkennen: Es gibt andere Lebenswirklichkeiten. Dass Rücksicht keine Schwäche ist, sondern eine Form von Menschlichkeit. Manchmal frage ich mich, wie lange ich das noch aushalte. Ich hasse es zu jammern. Aber es gibt Tage, da denke ich: Wenn mir kein Ort mehr bleibt, an dem ich sicher bin – was dann? Wenn mein Nervensystem nicht mehr zur Ruhe kommt, wenn ich nicht mehr schlafen, denken, leben kann? Ist das dann noch ein Leben? Oder nur noch ein freudloses, qualvolles, sinnleeres Dahinvegetieren? Ich rede mit Bäumen und Tieren, weil sie mich nicht für verrückt erklären. Ich meide Bahnhöfe, Innenstädte, Supermärkte, Arztpraxen, Cafés, Hotels, Kinos, weil sie mir den Verstand rauben, die Haut brennen lassen, mein Herz rasen. Ich lebe in einem Kokon. Mein Zuhause ist ein letzter Rückzugsort in einer feindlich gewordenen Welt – und allmählich nicht einmal mehr das. Ich kenne Mitbetroffene, in deren Nähe ein neuer Mobilfunkmast errichtet wurde – seither ziehen sie es vor, obdachlos im Wald zu leben, im Zelt. Ja, ich habe schon an Suizid gedacht. Nicht aus Wut. Sondern aus Erschöpfung und Verzweiflung. Weil das Leben unter ständiger Strahlenbelastung für mich wie ein permanenter Alarmzustand ist. Wie ein Krieg gegen meinen eigenen Körper. Ich will leben – aber nicht unter Dauerbeschuss. Ich will atmen – aber nicht durch Bleiwesten. Ich will dazugehören – aber nicht auf Kosten meiner Gesundheit. Ich schreibe Dir das nicht, weil ich auf Mitleid aus bin. Ich brauche keines, es erleichtert mich nicht im geringsten. Ich will bloß gesehen werden. Gehört. Verstanden. Wenn Du magst, komm mich mal besuchen. Hier, in meinem Funkloch – solange ich noch eines habe. Bring kein Handy mit, nur offene Ohren. Es ist still hier. Vielleicht hörst Du dann, was ich meine. Danke für Deine Aufmerksamkeit, sie bedeutet mir viel. In Verbundenheit Deine Karin     Rat und Hilfe für Elektrosensible bieten: Verein für Elektrosensible und Mobilfunkgeschädigte e. V. (München) Bietet: Beratung, Erfahrungsaustausch, Hilfe zur Selbsthilfe Aktive Vertretung im Bereich rechtlicher Anerkennung (z. B. Mobilfunkfreie Wohngebiete, Schutz am Arbeitsplatz etc.) ( elektrosensibel-muenchen.de ) Diagnose:funk / Bürgerwelle e. V. Plattform für Aufklärung, Webinare (z. B. zum Welttag der Elektrohypersensibilität am 16. Juni) und Vernetzung Engagiert sich für öffentliche Sensibilisierung und politische Maßnahmen ( diagnose-funk.org ) Lokale & regionale Selbsthilfegruppen z. B. Odenwälder Interessengemeinschaft für ein gesundes Leben, Bürgerforum Karlsruhe, Weisse Zone Rhön e. V., Initiative Flieden etc. Fokus: Unterstützung vor Ort, Erfahrungsaustausch, regionale Aktionen zur Reduzierung von EMF ( elektro-sensibel.de , Elektrosensibilität ) Fachberatungen & Messungen: IBES – Institut für biologische Elektrotechnik Fachliche Messungen und Gutachten zu EMF in Wohn- und Arbeitsräumen Beratung zu Schutzmaßnahmen, Alltagsempfehlungen oder Abschirmmaßnahmen ( TINY and small HOUSES ) Baubiologische Beratungsstellen (z. B. IBN Berlin) Analysen, Abschirmungsstrategien, baubiologische Sanierungen (z. B. Abschirmfarben, Gewebeverkleidung, spezielle Baustoffe) ( TINY and small HOUSES ) ( Harald Wiesendanger )

  • Wann lernen Kinder endlich, gesund zu leben?

    Um die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen steht es immer schlechter. Ein bildungspolitisches Versagen ohnegleichen trägt dazu bei. Wer hat es zu verantworten? Wem nützt es? Um es zu beheben, tun Schulen viel zu wenig - mit dürftigen Ausflüchten. “Wir müssen uns eingestehen, dass wir ganz katastrophal versagt haben. Wir als Gesellschaft”, wetterte eine Schulleiterin am 4. Mai 2023 im TV-Talk “ Markus Lanz ”. “Das muss ich so deutlich sagen. Wir haben ein Problem vor der Brust, das man nicht mehr verharmlosen kann. Wir sind in einer absoluten Bildungsnotstands-Katastrophe angekommen.” Deshalb forderte sie “strenge Maßnahmen seitens der Politik”. Was die streitbare Pädagogin anprangerte, waren steigende Internetkriminalität, eine zunehmende Verrohung sowie die immer weiter sinkende moralische Hemmschwelle bei handysüchtigen Kindern. Ebenso gut gepasst hätte ihre Anklage freilich auf einen anderen, nicht minder katastrophalen Notstand: den himmelschreienden Mangel an Gesundheitskompetenz. Ihrer Handysucht frönt unser Nachwuchs nämlich vorzugsweise als bewegungsfaule Couch Potatoes , bei einer Tüte Chips, Pizza oder Burger mit Pommes, dazu einem Softdrink. Eltern und Lehrer, die dabei tatenlos zusehen, eröffnen Kindern frühzeitige Karrieren als Chroniker, die sie über kurz oder lang medikamentenabhängig und pflegebedürftig machen werden – belastet durch Zivilisationskrankheiten wie Adipositas, Fettleber, Arteriosklerose, Bluthochdruck und Diabetes mellitus, zur klammheimlichen Freude der Gesundheitsindustrie. Wo bleiben Talksendungen hierüber? Ein Trauerspiel namens Gesundheitserziehung Ein Schulfach „Ernährung“ sei „nicht nötig“, so befanden der gelernte Bankkaufmann Jens Spahn, einst Bundesgesundheitsminister, und seine damalige Kabinettskollegin, die ehemalige Religionslehrerin Julia Klöckner, im November 2018 in einer gemeinsamen Erklärung. (1) Was dieses peinliche Inkompetenz-Team von sich gab, ist, zurückhaltend bewertet: sch…ade. Mit Hilfe zur gesundheitlichen Selbsthilfe kann ein wahrhaft fürsorglicher Staat eigentlich gar nicht früh genug beginnen. Denn die Weichen für Verhaltensmuster, die chronische Erkrankungen fördern oder vermeiden helfen, werden in der frühen Kindheit gestellt: auch, aber nicht nur durch falsche Ernährung. Deshalb müsste Gesundheitserziehung schon in Kitas und Kindergärten stattfinden, spätestens aber von der ersten Schulklasse an – nicht am Rande, sondern als Hauptfach. Am besten, sie verwandelt fächerübergreifend jede Bildungsanstalt von Grund auf. Ein neuer Geist tut not. Denn gesund zu bleiben, ist auf dem weiteren Lebensweg unserer Kinder die wichtigste, grundlegende Voraussetzung dafür, jegliches erworbene Schulwissen erfolgreich umzusetzen. Anbauen und ernten, einkaufen und zubereiten, Nahrungsmittelangebote beurteilen und hinterfragen: Ist die Fähigkeit dazu etwa weniger (über)lebenswichtig als Gedichtanalyse und Integralrechnen? Wem die Dringlichkeit nicht einleuchtet, der sollte sich während Großer Pausen auf Deutschlands Schulhöfen umschauen. Schon jedes fünfte Kind ist offensichtlich übergewichtig, fast jedes Zehnte hat die Grenze zur Adipositas überschritten. Jedes sechste Kind und jeder vierte Jugendliche weist bereits eine chronische Grunderkrankung auf, die länger als ein Jahr dauert. (2) Bei weitaus mehr Minderjährigen liegen latente Mängel und Belastungen vor, die sich zwar noch nicht in Symptomen bemerkbar machen, aber früher oder später mit Sicherheit dazu führen werden, falls weiterhin nicht gegengesteuert wird. Unter Medizinern ist der Radiologe Prof. Dietrich Grönemeyer, älterer Bruder des Sängerstars Herbert, der bekannteste Fürsprecher eines „Verstehens des eigenen Körpers von der Kindheit an“. Mit einer 2007 gegründeten Stiftung , die seinen Namen trägt, setzt er sich vehement für Gesundheitsunterricht in den Schulen ein – „denn bei den Erwachsenen ist es meistens zu spät“. (3) Eine frühzeitige gesundheitliche Aufklärung, so glaubt er felsenfest, könne das Gesundheitssystem finanziell entlasten und Volkskrankheiten eindämmen. Neu sind solche Forderungen beileibe nicht. Leser des Pädagogischen Beobachters , des Zürcher „Wochenblatts für Erziehung und Unterricht“, fanden schon in der Ausgabe vom 19. Februar 1876 ein Plädoyer für die „Aufnahme der Gesundheitslehre als selbstständiges Fach“. Dies dürfe nicht „als ungebührliche Einmischung der Ärzte in das Gebiet der Pädagogik“ missverstanden werden. Vielmehr diene es dem „Kampf gegen tiefwurzelnde Schäden und eingerostete Vorurtheile“. (4) Über ein Jahrhundert später, 1997, erhob die WHO in ihrer „ Jakarta-Erklärung “ Gesundheit zu einem grundlegenden Menschenrecht. Daran anknüpfend, verabschiedete Deutschlands Kultusministerkonferenz im November 2012 die " Empfehlung zur Gesundheitsförderung und Prävention in der Schule ": Ziel einer guten Schule müsse es sein, Gesundheitsressourcen und -potenziale zu erhalten und zu stärken. Gesundheitsförderung sei ein „lebenslanger Prozess und unverzichtbares Element einer nachhaltigen Schulentwicklung“. Doch seit eh und je verhindern politisch Verantwortliche, dass plausiblen Ideen und hehren Vorsätzen endlich entschlossene Taten folgen. Ihre nachhaltige Blockadehaltung gegenüber dem „Unverzichtbaren“ rechtfertigen sie mit den immergleichen sechs Argumenten, eines dürftiger als das andere. Sechs klägliche Ausflüchte 1 Wo kämen wir denn hin, so fragen Skeptiker, wenn alle neuen Fächer, die irgendwem irgendwie sinnvoll erscheinen, Einzug in die Schule halten würden? Nicht einmal 48-Stunden-Tage würden ausreichen. Ein Fach „Alltagswissen“ könnte Kindern klarmachen, wie man ein Bankkonto eröffnet, seine Steuererklärung erstellt, eine Versicherung und einen Mietvertrag abschließt, den Rechtsweg beschreitet. Unterricht in „Benehmen“ wünschen sich 75 Prozent der Deutschen, jeder Zweite ein Pflichtfach „Wirtschaft“. „Viele Fächer resultieren aus dem Partikularinteresse von Verbänden oder Institutionen“, gibt Die Zeit zu bedenken. „Der Verbraucherverband Bundeszentrale hält natürlich Verbraucherbildung für ziemlich brauchbar. Das Rote Kreuz meint, Erste Hilfe solle gelehrt werden. Der Plattdeutschverein setzt sich natürlich für Plattdeutsch ein, und der Verein ‚Optimisten für Deutschland‘ hält das Unterrichten in Glück für unabdingbar.“ (5) Die dürftige Logik dieses Arguments teilen Leute, die grundsätzlich nicht spenden: „Ich kann nicht jedem helfen – also helfe ich keinem.“ Auch wenn ich nicht jede Not lindern kann: Sollte ich nicht zumindest die folgenschwerste angehen? In Umfragen nimmt Gesundheit unter den wichtigsten Werten den Spitzenplatz ein, noch vor Familie und Erfolg. Darf, muss sich diese Gewichtung nicht gerade im Kultusbereich vehement niederschlagen? 2 Gesundheitserziehung sei Sache des Elternhauses, so heißt es – ebenso wie die Erziehung zur Körperhygiene, zu selbstständigem Anziehen, zur Aggressionskontrolle, zu grundlegenden sozialen Fähigkeiten wie Umgangsformen und Empathie. Nun auch noch diese Aufgaben übernehmen zu müssen, überfordere die Schule. Sie „kann nicht reparieren, was zuvor schon kaputt gemacht worden ist", wie ein Sprecher des sächsischen Kultusministeriums erklärte. (6) Genauso sehen das Lehrerverbände: „Wir sind es leid, für alle Defizite der Familie geradezustehen - gleiches gilt für die Jugendgewalt. Gesunde Ernährung bleibt der Job des Elternhauses.“ (7) Die Schule sei „kein Reparaturbetrieb für gesellschaftliche Fehlentwicklungen“. (8) Fakt ist: Daheim findet Gesundheitserziehung immer seltener statt. Kinder lernen am Modell. Welche Vorbilder bieten Eltern, bei denen regelmäßig Fast Food und Softdrinks, Tiefkühl- und Fertigprodukte auf den Tisch kommen, allabendlich vor dem Fernseher Nasch- und Knabberzeug bereitliegen? Die Emanzipationsbewegung hat der Frau Selbstverwirklichung im Beruf ermöglicht – und Haushalten die Person genommen, die fürs sorgfältige Planen von Mahlzeiten, fürs gewissenhafte Einkaufen, fürs frische Zubereiten zuständig war. In immer weniger Familien wird gekocht. Kaum jemand hat noch Zeit dafür oder nimmt sie sich, kaum einer kann es noch wie einst die Oma. Immer mehr Erwachsene weisen erschütternde Wissenslücken auf, was Zubereitung, Herkunft und Vielfalt von Lebensmitteln betrifft. Den modernen Haushalt kennzeichnen Mikrowelle und Tiefkühltruhe, industrielle Fertiggerichte, flinke Lieferservices und hastiges Eating on the Run . Mit ihrer Ess- und Kochkultur verlieren nachfolgende Generationen die Fähigkeit, sich selbstbestimmt und ausgewogen zu ernähren. Wer allen Ernstes meint, das Zuhause sei weiterhin der richtige Ort für Gesundheitserziehung, hat anscheinend noch nie beachtet, womit eilige Mütter und Väter im Supermarkt ihre Einkaufswagen füllen – und was bei Deutschlands Mahlzeiten überwiegend auf den Tisch kommt. 3 Gesundheitsunterricht finde doch längst statt, in genügendem Maße, so bekommen wir ferner zu hören. Dies geschehe in Fächern wie Biologie und Chemie, Hauswirtschaft, Heimat- und Sachkunde. Dass Informationen zur Ernährung insofern „allgemein in den Schulalltag integriert“ werden, sei völlig ausreichend, so befanden Jens Spahn und Julia Klöckner. (9) Demnach verweilen 64 Prozent der Schüler im Dauerschlaf: So viele haben nach eigenen Angaben im Unterricht selten oder nie etwas darüber erfahren, wie man sich vernünftig ernährt. (10) Was sie an „integrierter Information“ zu hören bekommen, ist in der Regel theoretischer Stoff, der sie weder berührt noch anregt, schon gar nicht eingefleischte Gewohnheiten verändert. 4 Für ein gesondertes Unterrichtsfach Gesundheit sei in den ohnehin überfrachteten Stundenplänen unserer Schulen schlicht kein Platz mehr, erklären Blockierer. "Man verfügt zurzeit ohnehin über zu wenig Unterrichtszeit, die Kinder Deutsch, Englisch oder Mathematik zu lehren", stellt der Präsident des Deutschen Lehrerverbands klar. (11) Von der Fülle an Lernstoff seien unsere Kinder schon jetzt überfordert. Wo kein Platz ist, muss halt einer geschaffen werden – notfalls auf Kosten anderer Fächer. Lehrpläne entrümpeln, von einem jahrhundertealten, überholten Fächerkanon Abschied nehmen, heilige Kultuskühe schlachten: all das ist überfällig. Jenes Leben, auf das die Schule vorbereiten soll, muss zuallererst ein gesundes sein. Ist Wissen, wie das geht, etwa unbedeutender als die metergenaue Höhe des Mount Everest, die exakten Daten von Kaiserkrönungen, die kovalente Zweielektronen-Bindung, die Serienformel des Wasserstoffspektrums, Arkuskosinusfunktionen und partielle Integration? Welcher Stoff könnte während der mindestens 12.000 Stunden, die Kinder in der Schule verbringen, lebenswichtiger sein? 5 Gesundheitsunterricht sei zu teuer, heißt es. Allein auf das Land Niedersachsen würden bei zwei Wochenstunden Gesundheit 200 Millionen Euro pro Jahr zukommen, wie Ministerialbeamte dort ermittelt haben wollen. (12) Aber fürs „digitale Klassenzimmer“ stehen andererseits ohne weiteres mehrere Milliarden zur Verfügung? 6 Gesundheitsunterricht bringe nichts, so wird behauptet: Das gehe zum einen Ohr rein, zum anderen wieder raus. Für abstrakte Wissensvermittlung gilt das sicherlich. Aber es geht auch anders: anschaulich, praktisch, unterhaltsam, spannend, interaktiv. Erfolgreiche Modelle hierfür gibt es längst, in Privatschulen, in anderen Ländern. Man muss sie bloß zur Kenntnis nehmen wollen. Schule neu denken und gestalten Neun von zehn Deutschen wünschen sich, Umfragen zufolge, endlich ein Schulfach „Gesunde Ernährung“. (13) Das allein wäre freilich zuwenig. Klar ist: Es darf nicht bloß darum gehen, ein weiteres Fach zu installieren. Eine solche Neuerung würde „von untätigen Politikern, einer trägen Verwaltung oder desinteressierten Lehrern bloß als Alibi missbraucht“, schwant dem freien Bildungsreferenten Siegfried Seeger. „Wer auf diese Weise sein Gewissen erleichtern möchte, schadet unseren Kindern.“ (14) Schützenhilfe erhält Seeger durch die Studie „primakids“, welche die Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften und die Techniker Krankenkasse schon im Jahr 2004 an über 500 Erst- bis Viertklässlern an 14 Grundschulen durchführten: Übergewichtige Kinder nahmen durch ein Schulfach Gesundheit keineswegs ab; die Pfunde purzelten lediglich, wenn die gesamte Schule auf Gesundheit eingestellt war – und das private Umfeld mitmachte. (15) Ziel muss nichts Geringeres als ein Gesamtkunstwerk sein, nämlich die gesunde Schule: ein heilsamer Ort, an dem alles, was unsere Kinder erfahren und tun, ihrem körperlichen und psychischen Wohlergehen dient, dem gegenwärtigen wie ihrem künftigen. Über Wissensvermittlung hinaus gehört dazu reichlich körperliche Aktivität, die Spaß macht; schadstofffreie Architektur, ergonomisches Mobiliar, saubere Toiletten; gute Raumluft, viel natürliches Licht, frohe Farben; Schutz vor Elektrosmog; eine Lernatmosphäre, die der Seele gut tut, neugierig macht, Kreativität viel Raum gibt, Selbstständigkeit, bewussten Konsum und kritisches Denken fördert; ein harmonisches Miteinander, das behutsame Mediation von Konflikten vorsieht, Minderheiten schützt und Mobbing im Keim erstickt. Erst in einer solchen Umgebung entwickeln sich Einstellungen und Gewohnheiten, die auch außerhalb des Schulgeländes, und auch noch lange nach Schulabschluss, Gesundheitsverhalten dauerhaft prägen können. Eine solche Schule beschränkt das Thema Ernährung nicht auf ein paar zusätzliche Lehrbuchseiten, Arbeitsblätter und Vorträge von Lehrerseite. Mehr Wissen genügt bei weitem nicht – es geht um Können und Tun. Die fundierteste Ernährungslehre verpufft ohne vorbildliche Praxis, und die muss sich zuallererst daran bewähren, was auf den Teller kommt. Immer mehr Ganztagesschulen richten Mensen ein. Über drei Millionen Kinder in Deutschland haben einen Rechtsanspruch darauf, dort verpflegt zu werden. Wie das geschieht, hat entscheidenden Einfluss auf ihre körperliche Verfassung, ihr Wohlbefinden, ihre Konzentration und Leistungsfähigkeit, wie auch auf ihre Ess- und Trinkgewohnheiten außerhalb der Schule. Also sind zuallererst Prioritäten zu klären. Sollen Kinder möglichst billig satt werden? Dann setzt man weiterhin auf die normierte Kost von Großküchen, die fantasielos eintönige Speisepläne, lange Transportwege, stundenlang warmgehaltenes, minderwertiges, zu fettes Essen und geschmacksverstärkte Pampe bieten, vom totgekochten Gemüseallerlei über aufgeweichte Nudeln und halbzerfallene Salzkartoffeln bis hin zu ledrigem Schweineschnitzel mit verbrannter Panade unter Fertigsoße. Davor flüchten Schüler, deren Taschengeld reicht, lieber zur Frittenbude um die Ecke, es sei denn, die Schulmensa bietet ausnahmsweise ein Junkfood-Highlight wie Currywurst mit Pommes und Ketchup. Es fehlen Gemüse, Salat, Obst. Qualität und Vielfalt bleiben auf der Strecke. Um eine wirksame, nachhaltige Ernährungswende hinzukriegen, müssen Schulen bestehende Caterer-Verträge nachverhandeln oder kündigen, Lieferverträge mit nahen Biobauern schließen. Sie müssen eigene Küchen einrichten oder reaktivieren, damit vor Ort frisch und vielfältig gekocht werden kann. Und sie sollten einen eigenen Garten anlegen, in dem Gesundes angebaut, gehegt und geerntet wird. Ganz wichtig: Die Schüler müssen einbezogen werden, unter Anleitung von Lehrkräften, Ehrenamtlichen und tatkräftiger Mithilfe von Eltern, die gerade Zeit haben. Kinder sollten Mitverantwortung übernehmen – sei es fürs Anpflanzen und Düngen, fürs Schälen und Schneiden, fürs Anrühren oder fürs Würzen. Ernährungslehre kann alle Sinne ansprechen, neugierig machen, faszinieren. Gemeinsam einkaufen; der Produktion von Lebensmitteln, ihren Inhaltsstoffen, ihrer Verwertung im Körper auf den Grund gehen; Essen selber zubereiten, mit Küchengeräten umgehen; Leckeres sehen, riechen und schmecken: so etwas prägt die Essgewohnheiten von Kindern weitaus mehr als tausend Worte. Der pädagogischen Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Sie braucht nur Raum zur unbürokratischen Entfaltung. „Kinder essen alles, wenn man sie mitkochen lässt“, versichert die österreichische Fernsehköchin Sarah Wiener, die 2007 eine eigene Stiftung zur „Praktischen Ernährungsbildung für Kinder“ ins Leben gerufen hat. „Man kann die Kinder mit an den Herd holen. Damit sie die erste kulturelle Leistung der Menschheitsgeschichte erbringen: beurteilen zu können, was sie sich in den Mund stecken. Kinder, die Kocherfahrungen sammeln, Geschmäcker ausprobieren, mit Genuss essen lernen und miterleben, wie Lebensmittel in der Landwirtschaft erzeugt werden, ernähren sich gesünder und verhalten sich nachhaltiger gegenüber ihrer Umwelt.“ (16) Ihre Neugier und Freude zu wecken, ihren Geschmack zu trainieren, erfordert freilich Zeit und Geduld. Andernfalls hat der schonend gedünstete Kabeljau keine Chance gegen Käpt´n Iglos Fischstäbchen. Bloß gesund ist dabei nicht genug: Eine Mahlzeit muss auch schmecken und lecker aussehen. Ebenso stimmen muss die Atmosphäre. Und es muss in die Tiefe gegangen werden. Ungesunde Ernährungsroutinen sind großteils Ergebnis einer zur kulturellen Selbstverständlichkeit gewordenen Massenmanipulation von Kindesbeinen an. Unsere Kleinen sind von überzuckerten, versalzenen, zu fettigen, künstlich aromatisierten Nahrungsmitteln regelrecht abhängig geworden, weil ihr Geschmackssinn denaturiert wurde: Was weniger süß oder salzig, würzig, herzhaft schmeckt wie Pizza und Hamburger, Pasta und Pommes, hat bei ihnen kaum noch eine Chance. Solche Vorlieben aufzugeben, setzt voraus zu verstehen, dass sie industriell programmiert sind. „Wer eine natürliche Frucht gegenüber künstlichen Fruchtaromen für fade hält und dem Geschmack von Gemüse oder vegetarischem Essen überhaupt nichts abgewinnen kann, ist im Grunde ein Patient, dem geholfen werden muss“, meint der Hobbykoch Jürgen Dollase, Autor von kulinarischen Büchern und dem SZ-Magazin zufolge „der beste deutsche Gastronomiekritiker“. Darauf zu verzichten, das kulinarische Bewusstsein zu öffnen und zu erweitern, findet Dollase „schlicht verantwortungslos. Eine unzusammenhängende Beschäftigung mit dem Schulessen, die nicht berücksichtigt und thematisiert, was außerhalb der Schule passiert, ist Nonsens und wird nie mehr zustande bringen, als ein paar Bio-Beilagen neben die Hamburger oder Würstchen zu legen.“ (17) Manches erfordert erst noch eine verbesserte Aus- und Fortbildung von Lehrern und Erziehern, neue Unterrichtsmaterialien, überarbeitete Lehrpläne, geeignete Räumlichkeiten. Vieles ließe sich aber sofort umsetzen – zwei halbe Stunden Bewegung an jedem Schultag beispielsweise. In allen Pausen könnte für die Kinder frisches Obst und Gemüse bereitstehen, dazu reichlich stilles Wasser. Der nächste Klassenausflug könnte zu einem Biobauernhof führen statt zu einem Museum für moderne Kunst. Im Schnitt 5,36 Euro kostet ein Schulessen in Deutschland, davon übernehmen Eltern 3,50 Euro. (18) Das reicht allenfalls für normierte Großküchenkost. Mit vier Cent mehr, wie Ex-Bundesernährungsministerin Julia Klöckner weismachte (19), ist es schwerlich getan. Wer Schulkindern mittags ein aus frischen, regionalen, saisonalen Zutaten zubereitetes Essen servieren will, ohne Chemiemüll, in Bio-Qualität, muss wohl oder übel mehr Geld in die Hand nehmen, mindestens ein bis zwei zusätzliche Euro. Bund, Länder und Gemeinden sollten finanziell überforderten Familien unter die Arme greifen. Die rund 1,2 Milliarden Euro, mit denen Deutschlands Kommunen bislang die Schulverpflegung bezuschussen, sind zuwenig. Gesunde Schule funktioniert unmöglich ohne die Eltern, schon gar nicht gegen sie. Was zuhause geschieht, kann die beste schulische Gesundheitserziehung hintertreiben, ihren Ertrag zunichte machen. Das erlebte Englands Starkoch Jamie Olivier, als er 2015 eine vielbeachtete Kampagne startete, um an britischen Schulen Junkfood durch vollwertige Mahlzeiten zu ersetzen: Mütter reichten daraufhin ihren ökotrophologisch gepeinigten Kleinen das geliebte Fastfood über den Schulzaun. (20) Deshalb müssen Mütter und Väter überzeugt und einbezogen werden; sie müssen offen sein, sich Zeit nehmen und mitengagieren, auch innerhalb der Schule. Dazu benötigen viele erst mal reichlich Nachhilfeunterricht. Der statistisch bedeutendste Risikofaktor für Übergewicht bei Kindern sind übergewichtige Eltern. Auch zusätzliche, qualifizierte Lehrkräfte braucht das Land – schon heute fehlen Zehntausende. „Viele von ihnen fühlen sich überfordert, wenn sie gesundheitsrelevante Themen fächerübergreifend unterrichten sollen, die in ihrer Ausbildung wenig Raum hatten. Ihr Arbeitspensum ist schon jetzt ungeheuer hoch“, gibt Gudrun Zander zu bedenken, Dezernentin am Landesinstitut für Schule und Ausbildung Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern. (21) Den Couch Potatoes Beine machen Dabei geht es längst nicht bloß um Ernährung. Gesundheit erfordert gleichermaßen körperliche Aktivität. Wie viel Anreiz zu mehr Bewegung bieten Eltern ihrem Nachwuchs, wenn sie selbst zu jenen 57 Prozent Couch Potatoes zählen, die pro Woche weniger als 150 Minuten moderat oder 75 Minuten intensiv körperlich aktiv sind, wie von der WHO als Mindestrichtwert empfohlen? (22) Um „die Lust an Bewegung und Prävention zu fördern“, wirbt Grönemeyer für eine tägliche Stunde Schulsport. Dazu entwickelte er ein Programm mit 40 Übungen für 20 Minuten, nach dem Motto: „Turne bis zur Urne.“ 2015 initiierte Grönemeyer „Die bewegte Schulpause“. Aber wozu starre „Übungen“ mit Professorensegen? Jeder Schultag sollte einfach reichlich Freiheit und Anreiz für ausgiebige Bewegung bieten, die Spaß macht und fit hält: Laufen, Rennen, Spielen, Hüpfen, Fangen, einfach alles, was den natürlichen Bewegungsdrang von Kindern fördert, zum reinen Vergnügen, ohne Leistungsdruck und Benotung. Falls Jungs jeden Tag kicken wollen: Lasst sie doch. Traditioneller Sportunterricht hingegen gehört ausgelagert, in den Verein. In der Schule gänzlich fehl am Platz sind Leibesertüchtiger, die sich der Frühförderung künftiger Olympiasieger verpflichtet fühlen oder sadistische Neigungen ausleben, indem sie sichtlich überforderte, verängstigte Kinder zu halsbrecherischen Bodenturn- und Reckübungen zwingen. Endlose Lippenbekenntnisse, zaghafte Ansätze Warum ziehen Bundes- und Landesregierungen nicht längst naheliegende schulpolitische Konsequenzen? Zumindest wolkige Absichtserklärungen haben sie mittlerweile reichlich in die Welt gesetzt. "Mir ist wichtig, dass Kinder in der Schule etwas darüber lernen, wie sie gesund leben können", bekannte die frühere Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) bereits im Herbst 2007; dazu zählte sie vor allem Ernährung und Bewegung. Vorausgegangen war die Anregung eines Staatssekretärs des Verbraucherschutzministeriums, ein gesondertes Schulfach „Ernährungs- und Verbraucherbildung“ einzuführen. Daraus folgte? Herzlich wenig. Bloß zwei Bundesländer, Bremen und Hamburg, zeigten sich offen dafür – der Rest winkte ab. „Wenig sinnvoll“ fand den Vorstoß auch der damalige Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD). (23) Fünf Jahre später, 2012, befand die Kultusministerkonferenz, Gesundheitsförderung in der Schule sei "unverzichtba". (24) Allerdings liege „Ernährungsbildung in der Länderverantwortung und in der Selbstverwaltung der Schulen“. (25) Im Juli 2015 trat ein „ Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention “ in Kraft, das unverbindliche, vage Zielsetzungen bevorzugt. Auf Verpflichtungen verzichtet es. Soweit Kitas und Schulen darin vorkommen, stellt es Früherkennungsuntersuchungen, die „Förderung der Impfprävention“, Aids- und Drogenaufklärung in den Vordergrund. An der belämmernden Tatsache, dass die Bundesrepublik lediglich drei Prozent ihrer Gesundheitsausgaben für Vorsorge verwendet – davon wiederum nur einen Bruchteil im schulischen Bereich -, ändert das Gesetz nicht das Geringste. Dass solche Papiere Deutschlands Schüler auch nur um drei Prozent gesünder gemacht haben, trauen sich nicht einmal die Autoren zu behaupten. Von Japan und Finnland lernen Wertvolle Anregungen könnten sich deutsche Kultuspolitiker bei Bildungsreisen ins Ausland holen. In japanischen Schulen ist Gesundheitserziehung ein Pflichtfach - von der Grundschule bis zur Oberstufe. Neben dem formalen Gesundheitsunterricht gibt es dort auch „Health Clubs“: von Schülern geführte Einrichtungen, die Gesundheit und Wohlbefinden durch Aktivitäten wie Sport und vollwertige Ernährung fördern. In Portugal gibt es Gesundheit als Schulfach immerhin ab der siebten Klasse. Doch nirgendwo in Europa wissen Schüler mehr über Gesundheit als in Finnland, wie die WHO 2019 festgestellt hat. Als breit angelegtes, benotetes Schulfach ist „Gesundheitserziehung“ seit 2005 fest im dortigen Unterrichtssystem verankert – von der Grundschule an. Mancherorts findet sie nicht separat statt, sondern integriert in andere Fächer wie Naturwissenschaften und Sozialkunde. Dieser Ansatz eines fächerübergreifenden Projektunterrichts, als phenomenon-based learning bezeichnet, soll den Kindern verstehen helfen, wie Gesundheit und Wohlbefinden mit anderen Fächern wie Biologie und Chemie zusammenhängen, aber auch mit Geschichte, Sozial- und Wirtschaftskunde. „Es geht nicht nur um reine Wissensvermittlung“, bilanziert eine 20-Jährige Deutsche, die von der sechsten Klasse bis zum Abitur in Helsinki zur Schule ging, „sondern auch darum, sensitiver für Gesundheitsthemen zu werden, das Bewusstsein zu schärfen“. Seit den neunziger Jahren ist Gesundheitserziehung an finnischen Universitäten ein eigenständiges Studienfach. (26) Finnische Schulen legen großen Wert auf körperliche Betätigung. Ihren Schülern bieten sie vielfältige Möglichkeiten, sich den ganzen Tag über zu bewegen, beispielsweise indem sie Bewegungspausen und Spiele im Freien in den Tagesablauf einbauen. Auch die psychische Gesundheit hat einen hohen Stellenwert: Viele Schulen bieten Beratungsdienste an und fördern Achtsamkeit und Entspannungstechniken. Großer Wert wird auf gesundes und nahrhaftes Essen gelegt. Hochwertige Schulmahlzeiten werden kostengünstig angeboten, vielerorts sogar gratis. Von Wirtschaftslobbyisten sabotiert Welche politischen Lager legen sich seit Jahr und Tag am stursten quer? Als Abwiegler, Bremser, Zerreder tun sich vor allem Vertreter wirtschaftsnaher Parteien vor. Das Hauptmotiv liegt auf der Hand: Welches Schulkind würde noch zu den pestizid- und hormonbelasteten Produkten industrieller Landwirtschaft greifen, sobald es über ausreichende „Gesundheitskompetenz“ verfügt? Welches würde sich noch sogenannte „Lebensmittel“ der ZuckerSalzFett-Connection vorsetzen lassen? Einen Mix aus synthetischen Farb- und Konservierungsstoffen, Emulgatoren und Geschmacksverstärkern schlucken? Importware, Tiefkühlkost und Fertigmahlzeiten aus der Mikrowelle lieber auf dem Teller haben als regional erzeugte, frisch zubereitete Bio-Qualität? Sich den Durst von Getränkekonzernen löschen zu lassen, statt einfach den Wasserhahn aufzudrehen? Jeder wissenschaftlich halbwegs fundierte Gesundheitsunterricht öffnet Augen. Zwangsläufig mündet er in eine blamable Systemkritik, die Umsätze gefährdet. Sie sorgt für neue Generationen, an denen es für Arzneimittelhersteller und Heilberufler, für Kliniken und Pflegeheime erheblich weniger zu verdienen gibt. Wo kämen wir denn hin, falls so etwas Schule macht? ( Harald Wiesendanger ) Dieser Beitrag enthält Auszüge aus dem 2019 erschienenen Buch von Harald Wiesendanger: Das Gesundheitsunwesen – Wie wir es durchschauen, überleben und verwandeln , dort S. 573-588. Anmerkungen (1) Zit. nach Jürgen Dollase: „Wenn Minister nicht das Ganze im Auge haben“, Eat-Drink-Think.de, 12.11.2018, www.eat-drink-think.de/wenn-minister-nicht-das-ganze-im-auge-haben-julia-kloeckner-vom-bundesministerium-fuer-ernaehrung-und-landwirtschaft-und-gesundheitsminister-jens-spahn-wollen-kein-schulfach-ernaehrung, abgerufen am 8.6.2019. (2) Siehe H. Wiesendanger: Das Gesundheitsunwesen (2019), https://stiftung-auswege-shop.gambiocloud.com/das-gesundheitsunwesen-wie-wir-es-durchschauen-ueberleben-und-verwandeln-printausgabe.html S. 39 ff.: „Minderjährige – unterwegs zu Chronikern“. (3) mdr.de, 28.2.2018: „Medizin für Kinder - Grönemeyer fordert Schulfach ‚Gesundheit‘“, www.mdr.de/wissen/bildung/groenemeyer-fordert-gesundheitsunterricht-an-schulen-100.html, abgerufen am 7.6.2019. (4) Pädagogischer Beobachter 7/1876, S. 1-2: „Gesundheitsunterricht in und ausser der Schule“, PDF, http://doi.org/10.5169/seals-237875. (5) Zeit online, 7.2.2018: „Ein Stundenplan für morgen“, www.zeit.de/2018/07/schulfaecher-unterricht-inhalte-bildungspolitik/komplettansicht, abgerufen am 7.6.2019. (6) Zit. nach Frankfurter Rundschau, 24.9.2007: „Breite Mehrheit gegen Schulfach ‚Ernährung‘“, www.rundschau-online.de/breite-mehrheit-gegen-schulfach--ernaehrung--10970094. (7) Zit. nach Welt.de, 24.1.2008: „Kochen könnte auch an Deutschlands Schulen Pflichtfach werden“, www.welt.de/welt_print/article1588415/Kochen-koennte-auch-an-Deutschlands-Schulen-Pflichtfach-werden.html, abgerufen am 8.6.2019. (8) Zit. nach Herolé Blog, 12.3.2019: „Brauchen wir das Schulfach „Gesunde Lebensweise“?“, www.herole.de/blog/brauchen-wir-das-schulfach-gesunde-lebensweise, abgerufen am 7.6.2019. (9) Zit. nach Dollase, a.a.O. (10) Nach LBS-Kinderbarometer 2007, S. 100 ff. (11) Zit. nach Welt.de, 24.1.2008, a.a.O. (12) Nach Focus.de, 31.1.2008: „Schlank durch Bildung - Brauchen wir ein Schulfach Gesundheit?“, www.focus.de/familie/schule/unterricht/brauchen-wir-ein-schulfach-gesundheit-schlank-durch-bildung_id_2192524.html. (13) Zeit online, 7.2.2018, a.a.O. (14) 122 Zit. nach www.focus.de/familie/schule/unterricht/brauchen-wir-ein-schulfach-gesundheit-schlank-durch-bildung_id_2192576.html, abgerufen am 7.6.2019. (15) Angela Schröder u.a.: Primärprävention und Gesundheitsförderung in der Grundschule: Überblick zu Programminhalten und Ergebnissen der vierjährigen kontrollierten Interventionsstudie "primakids" in vierzehn Hamburger Grundschulen, Hamburg 2009, Schriftenreihe Studien zur Kindheits- und Jugendforschung, Bd. 54. (16) Zit. nach https://sw-stiftung.de/startseite, abgerufen am 14.6.2019, sowie nach Süddeutsche Zeitung Nr. 256, 7.11.2018, S. 2. (17) Eat-Drink-Think.de, a.a.O. (18) www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Ernaehrung/Kita-Schule/Studie-Kosten-Schulverpflegung.pdf;jsessionid=8FEE1022E4ADA25580C25E39634EA004.1_cid367?__blob=publicationFile; www.deutschlandfunk.de/ernaehrung-5-40-euro-reichen-fuer-ein-gesundes-schulessen.680.de.html?dram:article_id=432511, abgerufen am 14.6.2019. (19) www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/2018/169-Schulessen.html, abgerufen am 14.6.2019. (20) www.n-tv.de/panorama/Jamie-Oliver-attackiert-Theresa-May-article19849473.html; https://eatsmarter.de/gesund-leben/news/anti-food-kampagne-warum-jamie-oliver-wut-kocht; abgerufen am 8.6.2019. (21) Zit. Focus.de, a.a.O. (22) Nach dem DKV-Report 2018: „Wie gesund lebt Deutschland?“, www.ergo.com/de/DKV-Report, abgerufen am 6.6.2019. (23) Kölnische Rundschau, 24.9.2007: „Breite Mehrheit gegen Schulfach ‚Ernährung‘“, www.rundschau-online.de/breite-mehrheit-gegen-schulfach--ernaehrung--10970094. (24) www.kmk.org/themen/allgemeinbildende-schulen/weitere-unterrichtsinhalte/gesundheitserziehung.html; die „Empfehlung“ als PDF: www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2012/2012_11_15-Gesundheitsempfehlung.pdf; abgerufen am 6.6.2019. (25) www.dnsv.eu/kmk-ausgestaltung-liegt-in-der-laenderverantwortung-und-in-der-selbstverantwortung-der-schulen , abgerufen am 6.6.2019. (26) Kaarina Määttä/Satu Uusiautti: „The Value and Implementation of Health Education in Finland“, International Journal of Sciences, Vol. 2, December 2013, S. 3, https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2573605

  • Verrückt, weil informiert

    Sie vergiften, was wir essen und trinken - und wenn wir uns deswegen Sorgen machen, erklären sie uns für psychisch gestört. Dafür gibt es neuerdings ein diagnostisches Etikett: „Orthorexie“. Letztlich schützt es - streng wissenschaftlich, versteht sich – die Lebensmittelindustrie vor allzu kritischen Verbrauchern. Orthorexie - das klingt wie der lateinische Name eines zahnlosen Dinosauriers mit Selleriestange im Maul. Tatsächlich bezeichnet er eine vermeintliche „Essstörung“, die sich durch eine „Fixierung“ auf gesunde Ernährung auszeichnet. Geradezu zwanghaft befassen sich Betroffene mit „reinen“, „natürlichen“ Lebensmitteln. Wie unvernünftig, wie pathologisch – im Zeitalter von Glyphosat im Weizen, Nanoplastik im Leitungswasser, Titandioxid im Kaugummi und Nitrosaminen im Würstchen.  „Orthorexie“ ist das, was man bekommt, wenn man Listen von Inhaltsstoffen wirklich liest, notfalls unter Zuhilfenahme einer Lupe. Was entsteht, wenn man sich fragt, warum Kinder im Jahr 2025 keine Vollmilch mehr trinken dürfen, wohl aber Energy-Drinks mit 43 Zusatzstoffen. Es ist das Unbehagen, das einen überkommt, wenn „Zuckerfreie Gummibärchen“ Sorbit, Maltit, Erythrit enthalten. Es ist das diffuse Grauen vor Produkten mit der Aufschrift: „Jetzt noch gesünder – mit Süßmolkenpulver und Hydrolysiertem Erbsenprotein!“ Es ist der Reflex, sich eine Notiz zu machen, wenn man zum dritten Mal das Wort „ultrahochverarbeitet“ hört – und nicht sicher ist, ob damit das Produkt oder der Kunde gemeint ist. Früher nannte man es „kritisches Denken“. Heute lautet die Diagnose: Orthorexie – ein Leiden, das „krankhafte Gesundesser“ heimsucht. (1) Ja, besagte „Störung“ kann mit gehörigem Leidensdruck verbunden sein. Aber dieser Druck entsteigt nicht den Untiefen einer neurotischen Seele – er kommt von außen, erzeugt von schamlosen Profiteuren eines zivilisatorischen Irrwegs. Wer ihn traurig wahrnimmt und sich ihm widersetzt, tut dies aus bewusstseinsklarer Einsicht in Sachverhalte, die nachweislich Gesundheit gefährden. Ihnen möglichst ausweichen zu wollen, ist nicht krankhaft, sondern zutiefst vernünftig. Ja, lebensnotwendig. Wüsste jedermann über die wahre Qualität industrieller Nahrungsmittel und die langfristigen Folgen ihres Konsums so viel wie der "Orthorektiker", dem man in Alnatura-Filialen, in vegetarischen Restaurants, auf Bio-Bauernhöfen begegnet - womöglich bräche dann Massenpanik aus, gefolgt von Konsumboykott. Und ja, diese „Störung“ kann zu sozialer Isolation führen. Wer ihr kompromisslos frönt, der gilt am Essenstisch von „Normal“essern im Nu als verbohrte, masochistische Spaßbremse, er wird gemieden. Auch arrogante Besserwisserei wird ihm vorgehalten – aber er weiß ja tatsächlich mehr. Und deshalb hält er Ausgrenzung aus, zumal er nicht allein ist. "Für diese gesunde Ernährung werden von Orthorektikern ganz persönliche, subjektive Maßstäbe angelegt", behauptet eine Psychologin vom Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung in Kiel. (2) Mit Verlaub, das ist Quatsch mit Instantsoße: Welchen Maßstab sollte man denn zuallererst und ganz unpersönlich-allgemein an Lebensmittel anlegen, wenn nicht den, dem Leben zu dienen? Wer Fragen stellt, gefährdet das System „Er achtet penibel auf biologische Herkunft, isst nur noch frisches Gemüse, verzichtet auf Zucker, verarbeitet nichts aus Aluminiumverpackungen, kontrolliert jedes Etikett, glaubt, dass Ernährung Krankheiten beeinflusst – schwerer Fall!“ So spricht der Arzt. Nicht über einen Verschwörungstheoretiker, sondern über einen „Orthorektiker“. Ein Mensch, der lieber stilles Wasser trinkt als Cola Zero. Ein Mensch, der keine Hefeextrakt-Zusatzwürze, Säureregulatoren, Emulgatoren, Calciumpropanat und Sorbinsäure im Brot will, sondern… Brot. Ein Mensch, der fragt, warum die Lebensmittelindustrie 17 verschiedene Bezeichnungen für Glutamat kennt – aber keine für Aufrichtigkeit. Orthorexie ist die ultimative Sünde im modernen Speiseplan. Der Sünder ist nicht nur lästig, weil er moralisch riecht. Er ist gefährlich, weil er Fragen stellt. Je mehr es davon gibt, desto wahrscheinlicher wird eine WHO-Warnung vor einem Notstand namens epidemischer Selbstverantwortung – und ein Pfizer-Impfstoff gegen gesundes Misstrauen. Warum enthalten Kinderriegel Palmöl aus gerodeten Urwäldern? Warum darf ein Joghurt „mit Erdbeeren“ heißen, obwohl die rote Farbe von Läusen stammt und der Erdbeeranteil kleiner ist als der IQ eines Marketing-Teams? Weil man den Vollwertesser nicht zum Schweigen bringen kann, etikettiert man ihn. „Orthorexie“ – das ist das T-Shirt mit dem Aufdruck: „Verrückt, weil informiert“. Iss, was auf den Tisch kommt – oder wir therapieren dich Es ist bemerkenswert: Noch nie war die Auswahl im Supermarkt so groß – und noch nie so künstlich. Ein Regal mit 27 Müslisorten. Alle „natürlich“. Alle in Plastik. Alle mit Aromen, die nur unter Laborbedingungen wachsen. Wer sich beim Einkaufen notgedrungen so anstellt wie ein CIA-Agent auf Spurensuche, gilt als psychisch auffällig - genauso wie der Maskenmuffel, der PCR-Testphobiker, der Impfverweigerer zu Coronoia-Zeiten. Weil er keine Farbstoffe essen will, die unter Krebsverdacht stehen. Weil er keine Tiefkühlpizza kauft, die 67 Zutaten hat, aber keinen echten Käse. Weil er nicht glaubt, dass ein „Clean Label“ die Welt rettet, wenn der Inhalt aussieht wie ein Chemieabfall mit Tomatensoße. Man nennt ihn „extrem“ – dabei isst er doch nur das, was auch bei Oma auf den Tisch gekommen wäre. Orthorexie ist der einzige Krankheitszustand, den man durch das Lesen von Zutatenlisten erwerben kann. Man liest einmal zu oft „Natriumglutamat“. Man googelt „Carrageen“. Man hinterfragt, warum in Babynahrung Pestizidrückstände erlaubt sind – aber keine Fragen dazu. Und schon sitzt man im Wartezimmer des Psychiaters. Es beginnt mit Bioeiern. Dann kommt der Verzicht auf Aspartam. Dann glutenfreies Brot. Und ehe man sich versieht, hockt man im Stuhlkreis einer Selbsthilfegruppe: „Anonyme Zutatenleser – Hilfe für Betroffene und ihre Angehörigen.“ Lauter Essensnostalgiker mit Realitätsverdrängung. Zur „Behandlung“ schlägt das Deutsche Ärzteblatt vor: „Psychoedukation mit Ernährungsberatung, kognitive Umstrukturierung oder Reizkonfrontation, um die Angst vor vermeintlich ungesunden Nahrungsmitteln abzubauen.” Industrie schützt sich selbst – mit einer Diagnose wie bestellt Ist es nicht grundlegendes Menschenrecht, frei zu entscheiden, was man sich einflößt und meidet? Doch im Namen einer prostituierten „Wissenschaft“ wird heute jeder zum Risiko, der beim Essen denkt, bevor er kaut. Eine Medizin, die Orthorexie zur behandlungsbedürftigen Störung erklärt, schützt nicht den Patienten – sondern das Produkt. Denn wenn man die berechtigte Sorge vor Weichmachern, Nitrat, Schwermetallen oder ultrahocherhitzten Transfetten als „krankhaft“ einstuft, muss man sich mit deren Ursachen nicht befassen. Die neue Normalität: Paniermehl mit Mikroplastik und Schmelzkäse mit Leberwert-Trigger. Fast alles ist aromatisiert, extrudiert, raffiniert, homogenisiert, stabilisiert, sterilisiert – und marketingtechnisch optimiert. Was aussieht wie Essen, ist oft nur Simulation: die trügerische Oberfläche einer geschmacklich rekonstruierten Illusion. Und wer sich dieser Matrix entziehen will, wird krankgeschrieben. Die Diagnose: Orthorexie. Das Rezept: Mehr Vertrauen in Nestlé, Bayer, Danone & Co. – und eine Flasche Cola Light zur Beruhigung. Ironie der Therapie: „Essen Sie doch einfach wieder normal.“ Die Therapien gegen Orthorexie bestehen darin, wieder zu lernen, bedenkenfrei „ganz normal“ zu essen. Wieder Fleisch aus Massentierhaltung. Wieder Chips mit Palmöl, Dosenravioli mit Aluminium und antibiotika-optimierte Brathähnchen. Wieder E110-kanzerogenisierter Aperol Spritz, Süßkram mit allergenem E124, Natriumnitrit-gepökelte Wurst, Fertigsuppe mit entzündungsfördernder Carboxymethylcellulose. Wieder Frühstückscerealien mit mehr Zucker als ein Gummibärchenlager in Not.  „Wiedereingliederung in die Normalität“ soll dabei stattfinden. Und wehe, man sagt: „Aber ich fühl mich besser ohne diese Sachen.“ Dann heißt es: „Klassisches Abwehrverhalten – typisch für Orthorektiker.“ Fazit: Orthorexie ist das, was passiert, wenn der Konsument zurückbeißt. Wenn der Körper mehr will als E-Nummern und versteckten Zucker. Wenn der Geist sich nicht zufrieden gibt mit: „Alles legal, alles geprüft, alles sicher – sonst wär’s doch verboten!“ Wenn er den Grenzwert-Schwindel  durchschaut. Was nun? KLARTEXT fordert: •  die Abschaffung der Diagnose „Orthorexie“ – oder zumindest ihre Umbenennung in „Realitätswahrnehmungssyndrom“ •  verpflichtende Etiketten mit dem Aufdruck: „Dieses Produkt könnte Ihren Glauben an die Unbedenklichkeit industrieller Lebensmittel erschüttern“ •  und vor allem: ein Zertifikat für alle, die es trotz E-Stoffen, Phosphaten, Glyphosat und Aromen überhaupt noch schaffen, sich gesund zu ernähren – das ist immerhin ein Kraftakt. Fast schon olympisch. Wer sich das heutzutage noch traut und beharrlich durchhält, der hat kein psychisches Problem – sondern Rückgrat, Mut, Grips und gute Gründe. Orthorexie ist keine Krankheit. Es ist der gesunde Reflex eines Körpers, der sich weigert, zum Behälter für Sondermüll zu werden. Nein, „es ist kein Anzeichen von seelischer Gesundheit, an eine zutiefst gestörte Gesellschaft  angepasst zu sein”. Lehrte Jiddu Krishnamurti (1895–1986), indischer Philosoph und spiritueller Lehrer. (3) Der bevorzugte übrigens zeitlebens einfache, natürliche, frische Speisen. “ The body must be sensitive, alert – not made dull by what we eat “, so lehrte er: „Der Körper muss sensibel und wach sein – nicht abgestumpft durch das, was wir essen.“ (4) Als Influencer für Nestlé & Co. wäre so jemand eher ungeeignet. Zu polemisch? Polemik ist bisweilen die letzte Zuflucht der Klarheit und Wahrhaftigkeit in einer Welt, die lieber im Nebel von Konsens verrottet, als sich erschütternden Fakten zu stellen. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1)   So werden Orthorektiker vom österreichischen Medizinportal „ Gesundheit.gv.at definiert: https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/psyche/essstoerungen/orthorexie.html (2)   Zit. nach https://www.t-online.de/gesundheit/ernaehrung/id_100665096/orthorexie-gesundes-essen-kann-auch-krank-machen.html (3)   Krishnamurti Foundation Trust: Commentaries on Living https://store.kfoundation.org/books/books-by-j-krishnamurti/books/commentaries-on-living-series-iii , Series 3 (1960). (4)   Aus Der Flug des Adlers , Originaltitel: The   Flight of the Eagle , 1971.

  • Enden wir als Plastik-Idioten?

    Mikroplastik ist überall, auch in uns. Schlimmer noch: Die winzigen Kunststoffteilchen reichern sich vorzugsweise im Gehirn an. Was richten sie dort an? Jüngste Studien lassen das Schlimmste befürchten: Das Teufelszeug macht dement. Was tun? Zunächst denkt man: Das kann doch nur ein Tippfehler sein. Nein? Dann muss sich jemand arg verrechnet haben. Aber es stimmt, unfassbarerweise: Inzwischen nimmt jeder Mensch weltweit im Durchschnitt bis zu 5,5 Gramm Mikroplastik pro Woche zu sich – er atmet sie ein, er verschluckt sie mit Lebensmitteln. FÜNFKOMMAFÜNF! GRAMM! Das entspricht dem Gewicht einer Kreditkarte. Zu diesem Horrorbefund kommt eine australische Forschergruppe der Universität von Newcastle, nachdem sie 59 hochwertige Studien zur menschlichen Aufnahme von Mikroplastik auswertete: von Kunststoffteilchen, die kleiner als fünf Millimeter sind. (1) In Wahrheit liegt die pro Person aufgenommene Plastikmenge womöglich noch höher. Denn in die Auswertung floss lediglich eine kleine Auswahl von Nahrungsmitteln ein, für die schon einigermaßen verlässliche Forschungsergebnisse vorliegen: wie Wasser, Muscheln, Fisch, Salz, Bier, Honig und Zucker. Die tatsächliche Grammzahl könnte sogar noch höher liegen, weil aktuelle Studien nur etwa 15% der täglichen Kalorienzufuhr abdecken. “Würden weitere mögliche Quellen wie Reis, Nudeln, Brot, Milch, Geschirr, Besteck, Zahnpasta, Zahnbürsten, Lebensmittelverpackungen mitberücksichtigt, so wäre die aufgenommene Partikelmasse noch größer”, befürchten die Wissenschaftler. Wichtige Lebensmittelgruppen wie Fleisch, Getreide und Gemüse berücksichtigen die Berechnungen noch nicht. Ein Planet voller “Plastic People” 5,5 Gramm pro Woche ergeben 286 Gramm pro Jahr. Im Laufe von durchschnittlich 80 Lebensjahren würden sie sich zu rund 23 Kilogramm aufsummieren. Bezogen auf das durchschnittliche Körpergewicht von Erwachsenen bedeutet das: Zu einem Viertel bis einem Drittel besteht man gegen Ende seines Lebens aus Kunststoff – und diese Befürchtung mutet völlig absurd an, geradezu irre. Einen eher schwachen Trost bietet die Forschergruppe mit zwei alternativen Szenarien, denen zufolge die wöchentliche Mikroplastikaufnahme “nur” bei 0,1 oder 0,3 Gramm liegen könnte. Denn wie viele Kunststoffpartikel sich ein Mensch zeitlebens einverleibt, hängt vom geografischem Standort, der Wohnlage, Inneneinrichtung, Ernährungsgewohnheiten und anderen Faktoren ab. Besonders viele geraten in seinen Körper, wenn sich sein Zuhause an einer Hauptverkehrsstraße oder neben einem Sportplatz mit Plastikbelag befindet: Der Abrieb von Autoreifen sowie von Kunstrasen zählt nämlich zu den Hauptquellen der Verseuchung. Im Zentrum einer Großstadt wie Paris liegt der Mikroplastik-Fallout aus der Luft bei 355 Partikeln pro Quadratmeter, in Außenbezirken bloß bei zwei. (2) Wer sein Zuhause mit Kunststoffteppichen auslegt, Synthetikwäsche trägt und selten lüftet, reichert seine Atemluft verstärkt mit Mikroplastik an. Aber selbst wer pro Woche bloß ein Zehntel Gramm von dem Zeug aufnimmt, läge nach 80 Lebensjahren bei 416 Gramm, knapp einem Pfund Kunststoff. Wie viele Partikel sammeln sich im Laufe der Zeit in uns an? Ein Forscherteam um Kieran Cox von der University of Victoria in Kanada schätzt, dass pro Jahr durch Nahrung und Atmung 74.000 bis 121.000 Kunststoffteilchen in uns hineingeraten; hinzu kommen 90.000 Partikel, falls wir ausschließlich Flaschenwasser trinken. (3) Eine andere Studie geht von 39.000 bis 193.000 Partikeln pro Jahr aus. (4) Aus rund 200.000 Teilchen pro Jahr würden im Laufe von 80 Lebensjahren 16 Millionen. SECHZEHN MILLIONEN biologisch nicht abbaubare Fremdkörper in uns - unfassbar. Zügig ausgeschieden? Könnte es nicht sein, dass unser Körper solche Teilchen, da biologisch unverwertbar, weitestgehend wieder ausscheidet, sei es über Leber, Nieren, Darm, Haut oder die Atmung – wie ihm das auch mit anderen Schadstoffen mehr oder minder zügig gelingt? Von den berüchtigten “Ewigkeitschemikalien” beispielsweise - den PFAS aus Kosmetika, Textilien, Lebensmittelverpackungen -, werden wir zumindest die kurzkettigen innerhalb weniger Tage und Wochen los. Bei aufgenommenem Aluminium liegt die Ausscheidungsrate zwischen 95 und 99 %. Tatsächlich lässt sich Mikroplastik in unserem Urin und Kot nachweisen. (5) Eine österreichische Studie fand bei acht erwachsenen Versuchspersonen aus mehreren Kontinenten pro zehn Gramm Darminhalt 20 Partikel von neun verschiedenen Kunststoffarten, 50 bis 500 Mikrometer klein. (6) Deshalb beeilten sich industrienahe Experten, Entwarnung zu geben: Offenbar scheiden wir das Zeug unverdaut wieder aus, ähnlich wie Ballaststoffe, Samenschalen und Fruchtkerne. Dass Mikroplastik in unseren Exkrementen auftaucht, bedeutet freilich keineswegs, dass es nicht auch woanders steckt. Und das tut es leider, wie uns immer mehr Studien beängstigend klar vor Augen führen. Demnach verbleiben bloß größere Plastikpartikel über 10 µm (1 Mikrometer = 1 Millionstel Meter = 0,000001 m) nicht im Körper. Doch wie steht es mit kleineren Teilchen, insbesondere mit Nanoplastik? Sie bestehen bloß aus wenigen bis einigen tausend Atomen oder Molekülen; das meiste tummelt sich im Nanometerbereich, zwischen 1 und 100 Nanometer (nm). (Ein Nanometer ist der millionste Teil eines Millimeters. Zum Vergleich: Der Durchmesser eines menschlichen Haares beträgt circa 80.000 Nanometer. Viren sind 30 bis 50 Nanometer groß. Ein DNS-Strang hat einen Durchmesser von etwa 2,5 Nanometern, ein Proteinmolekül misst rund 5 Nanometer, während ein rotes Blutkörperchen etwa 7.000 Nanometer groß ist. Eine Nadelspitze hat da schon gigantische Ausmaße: Sie misst 1 Million Nanometer. In den i-Punkt in einer Zeitungsmeldung passen mehr als eine Million Nanoplastikteilchen.) Ausgeschieden werden solche synthetischen Winzlinge nur teilweise: sei es über den Stuhl und den Urin, sei es dadurch, dass der Körper sie in der Lunge abfängt, indem er Speichel produziert, mit dem er sie auswirft. Doch der Rest – vorsichtige Schätzungen schwanken zwischen 0,1 und 1 % -, überwindet die natürlichen Schutzbarrieren unseres Körpers – und verbleibt in uns. Nanopartikel, die wir einatmen, durchdringen die extrem dünnen Wände der Lungenbläschen und treten ins Blut über. Immunzellen nehmen sie auf und transportieren sie über die Lymphbahnen in den Blutkreislauf. Nanopartikel, die wir mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln aufnehmen, durchdringen die Darmschleimhaut. Einmal in die Blutbahn gelangt, filtern Leber, Milz, Nieren sie bloß teilweise. Die übrigen wandern zu allen Organen und Geweben unseres Körpers – und nisten sich darin ein. Auch die Blut-Hirn-Schranke überwinden sie ohne weiteres, binnen Stunden . Besonders hoch ist ihre Konzentration in der grauen Substanz unter unserer Schädeldecke. Und sie wächst. Im Gehirn verstorbener Menschen, die 2024 untersucht wurden, fand sich mittels Infrarot- und Elektronenmikroskopie deutlich mehr Nano- und Mikroplastik als in Proben von 2016 – und bis zu 30-mal mehr als in Leber oder Niere, wie eine US-Forschergruppe um Matthew Campen von der University of New Mexico im Fachjournal Nature Medicine   berichtet . Bei der Leber stieg die mittlere Konzentration binnen acht Jahren von 141,9 auf 465,3 Mikrogramm pro Gramm Gewebe, beim Gehirn von 3.420 auf 4.763 Mikrogramm pro Gramm. Am häufigsten ließ sich Polyethylen nachweisen, das in Folien und Flaschen steckt. Es machte 40 bis 65 Prozent des Kunststoffs in Leber und Niere aus, im Gehirn sogar 75 Prozent. Sieben Gramm Plastik im Hirn Wird das Gehirn die Eindringlinge im Laufe der Zeit irgendwie wieder los? Eine weitere Forschungsarbeit von Campens Team, veröffentlicht am 3. Februar 2025 in Nature Medicine,  enttäuscht Hoffnungen: Das Zeug akkumuliert gnadenlos. Innerhalb von nur acht Jahren hat die Mikroplastikkonzentration in unserem Denkorgan um 50 % zugenommen. Das durchschnittliche menschliche Gehirn beherbergt heutzutage etwa sieben Gramm mikroskopisch kleine Plastikteilchen – so viel wiegen sieben Büroklammern. (7) Als auffallend hoch belastet erwiesen sich zwölf Gehirnproben aus den Jahren 2019 bis 2024, die von Menschen mit nachgewiesener Demenz stammten:  Sie enthielten zwischen 12.000 und 48.000 Mikrogramm Plastik pro Gramm Gewebe – vier bis zehn Mal mehr als bei Nichtbetroffenen. "Diese Daten sind assoziativ und belegen nicht die kausale Rolle solcher Partikel bei der gesundheitlichen Beeinträchtigung", so schränkt die Forschergruppe ein. Trotzdem bedarf der Zusammenhang dringend einer Erklärung. Er lässt Schlimmes befürchten. Ein Forscherteam von der Chinese Research Academy of Environmental Sciences  in Peking schürt die Besorgnis. Kürzlich präsentierte es Beobachtungen aus Laborversuchen, die darauf hindeuten: Mikroplastik kann Blutgefäße im Gehirn von Mäusen verstopfen. Damit gefüttert, bewegten sich die Tiere langsamer, orientierten sich schlechter und seien weniger ausdauernd, so heißt es in der Studie . Wie sich das über Wasser und Nahrung aufgenommene Mikroplastik auf das Verhalten von Säugetieren auswirkt, hatten zuvor schon Forscher der University of Rhode Island untersucht . Dafür versetzten sie das Trinkwasser von jungen und alten Mäusen drei Wochen lang mit 0,1 bis 0,2 Mikrometer kleinen Mikroplastikpartikeln, dosiert zwischen 0,0025 bis 0,125 Milligramm pro Liter. Eine Kontrollgruppe erhielt weiterhin reines Wasser. Nach Ablauf der drei Wochen ließen die Wissenschaftler die Mäuse zunächst verschiedene Verhaltenstests durchlaufen. Das Ergebnis: Jene Tiere, die mit ihrem Trinkwasser Plastikpartikel aufgenommen hatten, verhielten sich schon nach kurzer Zeit anders als die Kontrollmäuse. „Dass solche nicht sonderlich hohen Dosen an Mikroplastik schon nach so kurzer Zeit derartige Veränderungen bewirken können, war erstaunlich“, erklärt Mitautor Jaime Ross. Vor allem die älteren dem Mikroplastik ausgesetzten Tiere liefen deutlich mehr umher und richteten sich dabei immer wieder auf, so als würden sie sich orientieren wollen oder etwas suchen. Alles in allem erinnerten diese Verhaltensweisen die Wissenschaftler an Demenzkranke. Gewiss, unsereins ist keine zweibeinige Riesenmaus. Wegen Unterschieden im Gehirnaufbau seien die Befunde nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragbar, so stellen die Pekinger Studienautoren in der Fachzeitschrift Science Advances  klar. Doch irrelevant sind die Ergebnisse ebensowenig. Sie schüren einen schrecklichen Verdacht. Wie Mikroplastik unserem Denkorgan zusetzt Wie stellen es Mikroplastikpartikel an, das Gehirn zu schädigen? Dies tun sie auf vielerlei Weise: 1.      Nanoplastik durchdringt nicht nur mühelos die Blut-Hirn-Schranke – es kann sie beeinträchtigen, was sie für weitere Schadstoffe durchlässiger macht. Wie Studien belegen, transportieren winzige Kunststoffteilchen andere Toxine ins Gehirn – sozusagen als „Trojanisches Pferd“. An sie angedockt fanden Wissenschaftler Schwermetalle wie Blei, Cadmium, Chrom, Arsen, Zink, Quecksilber, Nickel, aber Pestizide, Weichmacher, Spuren von Brandschutzmitteln, Abrieb von Anstrichen. 2.      Bestimmte Immunzellen – Neutrophilen und Makrophagen („Fresszellen“), zwei Arten von weißen Blutkörperchen – stürzen sich auf sie und umschließen sie, um sie abzubauen. Dabei schwellen sie an. Diese sperrigen Zellen können feine Äderchen verstopfen, was zu einer verminderten Durchblutung führen und neurologische Defizite verursachen kann. (8) 3.      Erkennt das Immunsystem Plastikteilchen als Fremdkörper, kann es mit Entzündungen reagieren. Chronische Entzündungen im Gehirn sind mit neurodegenerativen Erkrankungen verbunden. 4.      Im Darm begünstigt Mikroplastik schädliche Bakterien, was zu einer sogenanten Dysbiose führt: die Zusammensetzung der Darmflora verändert sich, mit drei möglichen Folgen: -   Eine Dysbiose kann das Immunsystem überaktivieren und Entzündungen fördern. Freigesetzte Entzündungsstoffe, z.B. Zytokine, können ins Gehirn gelangen und dort neuroinflammatorisch wirken. - Die Darmbarriere wird geschwächt, so dass Bakterienbestandteile wie beispielsweise Lipopolysaccharide ins Blut gelangen. Auch diese Giftstoffe können die Blut-Hirn-Schranke durchlässiger machen, was Entzündungen und neuronale Schäden im Gehirn begünstigt. - Eine ungesunde Darmflora verändert die Signale des Vagusnervs, der neuronalen Hauptverbindung zwischen Darm und Gehirn. Dies kann Stressreaktionen, Angst oder depressive Verstimmungen verstärken. - Viele Darmbakterien produzieren Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin und GABA, die für Stimmung, Motivation und Entspannung wichtig sind. Eine gestörte Darmflora kann die Produktion dieser Botenstoffe verringern. 5.      Nanoplastik kurbelt die Produktion von freien Radikalen an: hochreaktiven Molekülen, die ein oder mehrere ungepaarte Elektronen besitzen. Aufgrund dieses Mangels versuchen sie, Elektronen von anderen Molekülen zu stehlen – was diese wiederum in freie Radikale verwandelt, wenn der Diebstahl gelingt. Dieser verhängnisvollen Kettenreaktion wirken Antioxidantien wie Vitamin C und E, Glutathion, Coenzym Q10 und Selen entgegen: Sie neutralisieren freie Radikale, indem sie ihnen Elektronen abgeben, ohne selbst instabil zu werden. Bilden sich aber zuviele freie Radikale entsteht ein Ungleichgewicht zu Antioxidantien: oxidativer Stress. Dies kann Zellmembranen, Proteine, Mitochondrien und DNA schädigen, was die Funktion der Nervenzelle beeinträchtigt. Schlimmstenfalls führt es zum Zelltod. 6.      Nanoplastikteilchen können aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften Nervenzellen auch direkt schädigen . Oftmals weisen sie scharfe Kanten oder unregelmäßige Formen auf, welche Zellmembranen verletzen und durchbrechen. 7.      Nanoplastik lagert sich in den Mikrogliazellen ab, die als Abwehrzellen des Gehirns fungieren. Dies führt zu vermindertem Zellwachstum und verlangsamter Zellteilung; die Zellmorphologie verändert sich; verstärkt werden Entzündungsbotenstoffe produziert. Unter den Mikrogliazellen kommt es vermehrt zur Apoptose: zellulärem Selbstmord. (9) 8.      Nanoplastik kann in die Zellmembran geraten, wo es Calcium-, Kalium- oder Natriumkanäle blockiert. Dies kann die elektrische Erregbarkeit der Nervenzelle beeinflussen, die Signalweiterleitung beeinträchtigen und neuronale Netzwerke stören. 9.      Aufgrund ihrer Oberflächenladung können Nanoplastikpartikel mit Zellrezeptoren wechselwirken oder diese falsch aktivieren, was zu Fehlsignalen führt. 10.  Ein Prozess namens „Endozytose“ ermöglicht es Nanoplastikpartikeln, die Zellbarriere zu überwinden : Abgeschnürte Bläschen der Zellmembran transportieren sie ins Zellinnere, wo sie jegliche Strukturen und Abläufe beeinträchtigen können. 11.  In der Zelle manipuliert Nanoplastik das Zytoskelett: ein Gerüst aus Fasern, das für die Form der Zellen und ihre Bewegung, für Materialtransport, Zellteilung und Zelldifferenzierung verantwortlich ist. Dabei wird die Zelle flexibler und beweglicher – einschließlich Krebszellen. 12.  Nanoplastik ist winzig genug, sich sogar Zugang zum Zellkern zu verschaffen. Dort kann es die DNA der Nervenzelle schädigen, was zu genetischen Veränderungen und Zellfehlfunktionen führen kann. 13.  Wenn Nanoplastik in Mitochondrien eindringt, kann es die Energieproduktion – die ATP-Synthese - hemmen, was die Zellfunktion schwächt. 14.  Auch das endoplasmatische Retikulum ist bedroht: eine spezialisierte Zellstruktur, die an der Protein- und Lipidsynthese wesentlich mitwirkt. Sie besteht aus einem weit verzweigten Membransystem, das mit der Kernhülle verbunden ist und das Zellplasma durchzieht. Nimmt es Schaden, so könnten Proteine fehlerhaft gefaltet werden. Denn die richtige Faltung – eine besondere dreidimensionale Struktur - ist entscheidend, damit ein Protein seine Aufgaben erfüllen kann. Ist sie fehlerhaft, so kommt es zu F unktionsverlusten, toxischen Ablagerungen und zellulärem Stress. 15.  Im Gehirn bindet Nanoplastik an das Protein Alpha-Synuclein und stört dessen normalen Abbau. Dies fördert die Bildung von Fibrillen: toxischen Proteinverklumpungen, die charakteristisch für neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson sind. (10) 16.  Zumindest im Tierversuch führt Nanoplastik im Hirn zu einer Abnahme des GFAP-Markers: eines Proteins, das für die Struktur und Stabilität bestimmter Gliazellen im zentralen Nervensystem wichtig ist. Es ist an der Reparatur von Nervenschäden beteiligt, trägt zur Blut-Hirn-Schranke bei und beeinflusst neuronale Funktionen. Ein gesunkener GFAP-Wert wird mit Depressionen und frühen Stadien neurodegenerativer Erkrankungen in Verbindung gebracht. 17.  Wenn Nanoplastik in Synapsen eingreift, stört es die Freisetzung oder Wiederaufnahme von Neurotransmittern wie Dopamin, Serotonin oder Glutamat. Darüber hinaus könnte es bereits die Bildung von Synapsen sabotieren, was die neuronale Kommunikation stört. 18.  Nanoplastikpartikel beeinträchtigen die Funktion der Lysosomen. Diese Zellorganellen enthalten Verdauungsenzyme, mit denen sie normalerweise überschüssiges Biomaterial abbauen und „recyceln“ es, d.h. sie sorgen dafür, dass es wieder zellulär aufgearbeitet wird. Funktioniert diese »Müllabfuhr« nicht richtig, so sammeln sich schädliche Stoffe in der Nervenzelle an. 19.  Durch Mikroplastik ausgelöste Entzündungen im Gehirn können die Funktion des Hypothalamus und der Hypophyse beeinträchtigen, welche an der Produktion von TRH (Thyreotropin-Releasing-Hormon) bzw. von TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) beteiligt sind. Dies kann die Produktion von Schilddrüsenhormonen fehlregulieren. 20.  Am gefährdetsten sind Kinder. Ihr zentrales Nervensystem ist noch nicht vollständig ausgereift, die Blut-Hirn-Schranke   ist   durchlässiger als bei Erwachsenen. In ihrem Gehirn kann Nanoplastik die Bildung von Neuronen und Synapsen beeinträchtigen - mit langfristigen Auswirkungen auf Körper, Geist und Seele. Unter diesen unentwegten Mikro-Anschlägen auf unsere körperliche Unversehrtheit dürfte schon jeder einzelne uns auf Dauer schlecht bekommen. Fänden tatsächlich alle 20 statt, könnten sie auf einen medizinischen Super-GAU hinauslaufen. Katastrophale Folgen Die Folgen einer Plastikverseuchung unseres Gehirns sind fatal. Wenn Nervenzellen absterben, erhöht sich das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen. Kognitive Funktionen verschlechtern sich, Lernen, Gedächtnis und Konzentrationsfähigkeit lassen nach. Angstzustände, Depressionen oder veränderte Schlafmuster können auftreten. Falls motorische Nervenzellen betroffen sind – etwa im Bereich der Substantia nigra -, kann es zu Bewegungsstörungen oder Koordinationsproblemen kommen. Das Risiko für Alzheimer oder Parkinson steigt . Befällt Mikroplastik sensorische Nervenzellen, kann es Wahrnehmungsstörungen hervorrufen: etwa verändertes Schmerzempfinden, Taubheitsgefühle und andere Fehlfunktionen der Sinnesorgane Augen, Ohren, Nase, Zunge und Haut. Krebszellen werden “wanderlustiger”, was Metastasen fördert. (11) Eine verringerte Produktion von Neurotransmittern erhöht das Risiko für Stimmungsschwankungen, Depressionen, Angst und Schlafstörungen. Von Mikroplastik befeuerte Entzündungen können Krankheiten wie Diabetes und Rheuma nach sich ziehen. Verstopfte Arterien erhöhen die Gefahr von Schlaganfällen und Herzinfarkten. Schilddrüsenhormone sind entscheidend für die Gehirnentwicklung im frühen Kindesalter – eine Störung kann zu kognitiven Defiziten führen. "Wenn Plastik wirklich so toxisch wäre, dann wären wir, glaube ich, aufgrund unserer allgemeinen Plastik-Exposition alle miteinander nicht mehr da”, versucht uns Verena Kopatz zu beruhigen , eine Biotechnologin von der Medizinischen Universität Wien. Schwach, dieser Trost: Nicht jedes Gift bringt seine Opfer so schlagartig um wie Cyanid, Sarin oder Strychnin. Manche tun es schleichend binnen Jahrzehnten, wie allzu viele Kettenraucher leidvoll erfahren müssen. Auch eine Frau Kopatz wird womöglich viel früher “nicht mehr da” sein als gedacht, körperlich oder geistig – selbst wenn sie vorher, bei ziemlich wachem Verstand, noch etliche Geburtstage feiern kann. Wehrlos ausgeliefert? Sind wir der Bedrohung wehrlos ausgeliefert, erst recht die Generationen nach uns? Werden wir das Zeug jemals wieder los? Oder enden wir als Plastik-Idioten? Der menschliche Organismus verfügt über großartige Fähigkeiten, eingedrungene Schadstoffe loszuwerden. Doch Kunststoffwinzlinge überfordern ihn offenbar – zumindest wenn sie bereits ins Gehirn eingedrungen sind. Kann Medizin nachhelfen? Im Internet kursieren heiße Tipps wie ein „Anti-Plastik-Tee“ aus Königskerzen- und Olivenblättern, Zitronenmelisse und den Samen des Bockshornklees. Beweise, dass somit ein Hirn-Detox gelingt, stehen freilich aus. Derzeit gibt es keine einzige bekannte Methode, um Plastikpartikel, die bereits ins Gehirn gelangt sind, zu entfernen. Keine . Kontaminiert sind wir alle. Und wir werden es bleiben, bis ans Lebensende. Folglich kann es nur darum gehen, die weitere Aufnahme von Mikro- und Nanoplastik künftig zu verringern – und gleichzeitig ein möglichst gesundes Leben zu führen, das verhindert, dass andere Risikofaktoren wie schlechte Ernährung und zuwenig Bewegung den Schaden noch vergrößern. Wie vermeiden wir es, Mikroplastik aufzunehmen? Damit möglichst wenig Mikroplastik in uns hineingerät, sollten wir im Alltag Naturprodukte statt Plastik wählen - z.B. Zahnbürsten aus Bambus oder Holz, Getränkeflaschen aus Glas und Stofftaschen statt Plastiktüten bevorzugen , Plastikverpackungen meiden. Auf Putz- und Spültücher aus Mikrofaser sollten wir verzichten – wie auch auf Kosmetika mit Polyethylen, weil diese häufig Mikroplastik enthalten. Textilien aus Naturmaterialien wie Baumwolle oder Wolle sollten wir bevorzugen, um die Freisetzung von Mikroplastik zu vermeiden – und Kleidung aus Synthetikfasern möglichst selten waschen. Auch beim Selbstschutz steckt der Teufel allerdings im Detail. Wer sich beispielsweise Tee, das weltweit am zweithäufigsten konsumierte Getränk nach Wasser, nicht mit Blättern zubereitet, sondern handelsübliche Teebeutel in heißes Wasser eintaucht und umrührt, flößt sich reichlich Nylon, Polypropylen oder Zellulose ein, aus dem die Hüllen bestehen: Wie eine im November 2024 in der Fachzeitschrift Chemosphere erschienene Studie ergab, setzt jeder einzelne bei Brühtemperatur aufgegossene Teebeutel aus Kunststoff  etwa 11,6 Milliarden Mikroplastikteilchen und 3,1 Milliarden Nanoplastikpartikel frei . Wer die empfohlenen 1,5 bis zwei Liter Wasser pro Tag aus Plastikflaschen trinkt, nimmt einer Studie zufolge allein auf diese Weise rund 90.000 Mikroplastikpartikel pro Jahr zu sich. Wer stattdessen zu Leitungswasser greift, kann die aufgenommene Menge um 50.000 verringern . Hochwertige Filter , die auf dem Prinzip der Umkehrosmose oder des Ionenaustauschs beruhen, sind imstande, Trinkwasser auch von Mikroplastik weitgehend zu befreien . Wie lässt sich die Luft von Nanoplastikpartikeln reinigen? Sogenannte HEPA-Filter ( H igh E fficiency P articulate A bsorbing ), bestehend aus einem dichten Netz aus Glasfasern, können Partikel bis zu einer Größe von 0,3 Mikrometern einfangen, mit einer beachtlichen Effizienz von 99,97%. (Mikroplastikpartikel liegen oft im Bereich von 0,1 bis 1 Mikrometer.) 50 bis 190 Euro kosten solche Geräte. Geforscht wird neuerdings an speziellen Mikroplastik-Luftfiltern , die Nanomaterialien oder besondere Membranen verwenden.   Die wahrscheinlichste Apokalypse   Es gehört reichlich Optimismus dazu, diesen Maßnahmen zuzutrauen, dass sie uns vor geistigem Rückschritt zuverlässig bewahren. Weil Plastikpartikel im Gehirn akkumulieren, nimmt die Belastung vielmehr Tag für Tag weiter zu. Zudem setzt längst nicht nur Mikroplastik unserem Gehirn zu. Auch Feinstaub, Schwermetallteilchen, Abgase aus Verbrennungsmotoren, Chemikalien wie PFAS, Pestizidrückstände, künstliche Lebensmittelzusätze, Ingredienzen von Arzneimitteln und Impfstoffen attackieren es unentwegt, nachdem sie die Blut-Hirn-Schranke locker überwunden haben. Die wahrscheinlichste Apokalypse beschert der Menschheit womöglich nicht ein Atomkrieg oder eine Pandemie, ein Asteroideneinschlag oder eine Invasion Außerirdischer – sondern kollektive Selbstvergiftung. Nicht jeder findet das uneingeschränkt beklagenswert. Der Medizinindustrie beschert das Plastik-Zeitalter schließlich ein fabelhaftes Langzeit-Konjunkturprogramm. Auch mancher Politiker, nach dessen Geschmack gar nicht genug soziale Kontrolle stattfinden kann, mag noch so trüben Aussichten womöglich Tröstliches abgewinnen: Milliarden neurodegenerierter Schwachköpfe, die dement vor sich hindämmernd Plastikhirne herumtragen, dürften ziemlich pflegeleicht zu regieren sein. Aber vielleicht freuen sich Kontrollfreaks zu früh: Wird es nicht auch in ihrem Oberstübchen von verblödenden Kunststoffwinzlingen wimmeln? (P.S.: Legt der tägliche Irrsinn der Nachrichtenlage nicht nahe, dass dies schon längst der Fall ist?)   Wie klarkommen mit Unvermeidlichem? Als allen Passagieren klargeworden war, dass die Titanic sinken wird und zuwenig Rettungsboote bereitstehen, jammerten und weinten die einen, beteten, starrten apathisch vor sich hin, brachten sich voller Verzweiflung um – andere tanzten einfach weiter. Wie umgehen mit einer zukünftigen, anscheinend unabwendbaren Katastrophe? Für Philosophen war diese Frage immer schon ein zentrales Thema. Im Laufe von über zwei Jahrtausenden vertraten sie verschiedenerlei Ansätze, die letztlich auf einen Rat hinauslaufen: Betrachte die Katastrophe nicht als sinnlose Zerstörung, sondern als Herausforderung, deinen eigenen Umgang damit bewusst zu gestalten.  Stoiker wie Seneca, Epiktet und Marc Aurel rieten dazu, sich auf das zu konzentrieren, was in unserer Macht liegt. Das Unvermeidliche sollten wir rational verstehen und mit Gelassenheit hinnehmen, statt uns von Emotionen überwältigen zu lassen. Ihre Empfehlung lautete: Akzeptiere die Katastrophe als Teil des natürlichen Laufs der Dinge und konzentriere dich auf deine innere Haltung. Lebe tugendhaft, unabhängig vom äußeren Schicksal. Existenzialisten wie Jean-Paul Sartre und Albert Camus entdeckten Freiheit in der Konfrontation mit dem Unausweichlichen. Sie betonten die Fähigkeit, trotz einer absurden oder düsteren Zukunft erfüllt zu leben: Finde dich mit der Katastrophe ab, aber erschaffe in der verbleibenden Zeit deinen eigenen Sinn. Camus' "Mythos des Sisyphos" führt uns vor Augen: Selbst wenn das Schicksal sinnlos erscheint, kann der Mensch durch seine Haltung Würde bewahren. Ähnlich äußern sich Nihilisten. Nimm hin, was auf dich zukommt, ohne in Verzweiflung zu verfallen. Höre auf, nach einem übergeordneten Sinn oder Zweck zu suchen – es gibt keinen. Zu begreifen, dass angesichts der Katastrophe das Leben bedeutungslos ist, kann erleichtern statt deprimieren. Denn es befreit von der Last, dem Leben einen Sinn geben zu müssen; es hilft, Ängste und Sorgen über die Zukunft loszulassen – und sich auf das Hier und Jetzt zu fokussieren. Pragmatisten wie William James und John Dewey empfehlen: Handle, soweit du kannst. Auch wenn eine Katastrophe bevorsteht, kann praktisches Tun einen Unterschied machen – sei es für andere oder für das eigene Erleben. Suche nach konkreten Wegen, um das Beste aus der fatalen Situation zu machen. Der Buddhismus sieht in jedem noch so schrecklichen Unheil einen Teil des natürlichen Kreislaufs von Entstehen und Vergehen. Das gilt es hinzunehmen – nicht wütend oder traurig, sondern gleichmütig. Meditiere über die Vergänglichkeit des Lebens, löse dich von Angst und Leid, finde Frieden im gegenwärtigen Moment. Welcher Weg ist der richtige? Das hängt von der Persönlichkeit und der eigenen Weltanschauung ab. Manche finden Trost in stoischer Gelassenheit, andere schöpfen Kraft aus existenzialistischer Rebellion oder pragmatischem Handeln. In einem Ratschlag sind sich alle Weisen indes einig: Ignoriere und leugne nicht, was auf dich zukommt. Verfalle seinetwegen nicht in Passivität und Resignation. Denke nicht an Flucht durch Suizid – tot wirst du noch früh und lange genug sein. Akzeptiere das Unabwendbare. Und suche aktiv nach Möglichkeiten, nichtsdestotrotz ein erfülltes, verantwortungsvolles Leben zu führen. Konzentriere dich auf seine wichtigsten, wertvollen Aspekte - trotz oder gerade wegen des Wissens um das bevorstehende Unheil. Träte früher oder später tatsächlich ein, was du befürchtest, so würde sich deine gesunde Lebensspanne verkürzen. Welchen Sinn macht es, diesen erfreulicheren Teil deiner Zukunft durch andauernde Katastrophenangst zu belasten, voller Selbstmitleid, das keinen Platz für Liebe und Freude, Entspannung und Genuss mehr lässt? Wäre dies nicht erst recht katastrophal?   ( Harald Wiesendanger )   Zum selben Thema siehe die KLARTEXT-Beiträge “ Gruselig: Plastikgift im Hirn ” und “ Mikroplastik in uns: eine Zeitbombe ”. Anmerkungen (1)   https://www.newcastle.edu.au/newsroom/featured/plastic-ingestion-by-people-could-be-equating-to-a-credit-card-a-week/how-much-microplastics-are-we-ingesting-estimation-of-the-mass-of-microplastics-ingested ; https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0304389420319944 (2)   Rachid Dris u.a.: „Synthetic fibers in atmospheric fallout: A source of microplastics in the environment?“, Marine Pollution Bulletin  104 (1-2) 2016, S. 290-293, https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0025326X16300066 (3)   Environmental Science & Technology , 2019; doi: 10.1021/acs.est.9b01517, https://www.semanticscholar.org/paper/Human-Consumption-of-Microplastics.-Cox-Covernton/573d5cdb9f0fb3b91b97203f5337400a2bcef940 ;   https://www.focus.de/wissen/natur/wie-viel-mikroplastik-steckt-in-uns_id_10800276.html   (4)   https://www.mdpi.com/2079-4991/11/2/496 ; https://wasserdreinull.de/blog/mikroplastik-und-die-menschliche-gesundheit/ (5)   https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0160412022001258?via%3Dihub#f0005 ; https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/mikroplastik-mensch-1.4181146 (6)   Siehe Süddeutsche Zeitung , 24.10.2018: „Plastik im Bauch“. (7)   Alexander J.Nihart u.a.: „Bioaccumulation of Microplastics in Decedent Human Brains“. Nature Medicine  (2024): 1-11. https://doi.org/10.1038/s41591-024-03453-1 , https://www.nature.com/articles/s41591-024-03453-1    (8)   https://www.sciencemediacenter.de/angebote/mausstudie-wie-mikroplastik-das-gehirn-schaedigen-koennte-25012 ; https://www.br.de/nachrichten/wissen/mikroplastik-wandert-ins-gehirn-plastik,UbHIzoj (9)   https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0048969721058952 ; https://www.forschung-und-wissen.de/nachrichten/medizin/mikroplastik-toetet-abwehrzellen-des-gehirns-13375567   (10)  https://www.wellblue.com/blog/nanoplastik-im-menschlichen-gehirn/ ; https://www.spektrum.de/news/parkinson-durch-plastikmuell/2198302 ; https://doi.org/10.1126/sciadv.adi8716   (11)   https://www.scinexx.de/news/medizin/unsere-zellen-vererben-ihr-nanoplastik/ ; https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0045653524003564?via%3Dihub

  • Deprimiert? Beweg dich.

    Bedarf es teurer, nebenwirkungsreicher Pillen und langwieriger Psychotherapien, um der Volkskrankheit Depression beizukommen? Neuere Studien belegen: Körperliche Bewegung ist zumeist das bessere Antidepressivum – wirksam, gut verträglich, sicher, unschlagbar billig. Mehr als 300.000 Jahre lang galt: Wenn Homo sapiens  nicht gerade schläft oder isst, ist er nahezu ständig in Bewegung. Er läuft und geht, er jagt, er kämpft, er klettert, er bückt sich, er gräbt und trägt, er wirft, er hackt und pflügt, er baut und formt mit bloßen Händen. Erst seit dem 20. Jahrhundert verbringt der Mensch den wachen Teil seiner Lebenszeit überwiegend im Sitzen – und benutzt eher Verkehrsmittel als die eigenen Füße, um sich fortzubewegen. Und erst seit dem 20. Jahrhundert sind Depressionen zu einer massenhaften psychischen Störung geworden. Weltweit, so schätzt die WHO, sind inzwischen 5 % aller Erwachsenen davon betroffen  - davon 9,5 Millionen allein in Deutschland. Ist dieser zeitliche Zusammenhang reiner Zufall? Keineswegs, wie spätestens seit der Jahrtausendwende selbst jenen Zeitgenossen klargeworden sein müsste, die nichts glauben, was es nicht in einer peer-geprüften Fachzeitschrift nachzulesen gibt.  Im Jahr 2000 berichteten US-Mediziner im Journal Psychosomatic Medicine über eine viermonatige Studie mit 156 depressiven Patienten. Per Zufall drei Gruppen zugeteilt, erhielten die einen Sertralin, ein SSRI. (1) Andere folgten Anleitungen zu körperlicher Bewegung. Das restliche Drittel kombinierte beides. Nach 17 Wochen waren die Pillen- und die Bewegungsgruppe in ähnlicher psychischer Verfassung. Doch sechs Monate später waren nur noch 30 % der Patienten in der Bewegungsgruppe depressiv – gegenüber 52 % in der Sertralingruppe. (2) Im Jahr 2012 ergab eine Auswertung von neun hochwertigen Studien: Bei depressiven Senioren wirkt körperliche Bewegung nicht schlechter als SSRIs und Psychotherapien. (3) Diesen Befund bestätigte im darauffolgenden Jahr ein Cochrane-Review für Betroffene aller Altersgruppen. (4) Das beste Antidepressivum: keine Pille, sondern Bewegung Damit nicht genug. Im Jahr 2024 ergab die bislang größte Studie zum Thema: Körperliche Aktivitäten sind Antidepressiva nicht bloß gleichwertig – sondern überlegen, und zwar deutlich. Sie können doppelt so wirksam sein. Dies belegt eine Auswertung von 218 Studien mit insgesamt 14.170 Teilnehmern. Am ausgeprägtesten war der Effekt bei Gehen, Joggen, Yoga und Krafttraining in Gruppen statt einzeln – am besten zwei- bis dreimal pro Woche. Aber auch Schwimmen und Radfahren helfen. Warum ist das so? Körperliche Bewegung hilft gegen Depressionen auf mehreren Ebenen (5): Sie wirkt neurochemisch:  Im Gehirn werden Endorphine, Serotonin, Dopamin und Noradrenalin freigesetzt - natürliche Stimmungsaufheller, die depressive Symptome lindern können: Sie sorgen für gute Laune und Wohlbefinden. Sie aktiviert:  Wer sich regelmäßig bewegt, ist weniger müde und antriebslos. Körperlich aktiv zu sein, macht depressive Menschen vitaler, wacher und aktiver. Dadurch fällt es ihnen leichter, alltägliche Aufgaben zu bewältigen. Sie verbessert die Neuroplastizität:  Sport fördert das Wachstum neuer Nervenzellen im Hippocampus, einer Hirnregion, die bei Depressionen oft verkleinert ist. Dies geht mit einer Minderung klinischer Symptome einher. Sie macht innerlich stärker:  Insbesondere Krafttraining führt zu schnellen Erfolgen, die das Selbstkonzept positiv beeinflussen und das Selbstwertgefühl steigern. Sie verbindet:  Sportliche Aktivitäten bieten Möglichkeiten, soziale Kontakte zu knüpfen - ein wichtiger Aspekt bei der Bewältigung von Depressionen. Sie verbessert den Schlaf  – auch dies wirkt sich positiv auf die Stimmung aus. Sie lenkt ab  von negativen Gedanken, durchbricht Grübeltendenzen. Sie baut Stress ab:  Bewegung senkt den Cortisolspiegel, wodurch sie die körperliche Stressreaktion verringert. Dies gilt keineswegs nur für leichte Depressionen; auch bei mittelschweren erweist sich Sport, etlichen Studien zufolge, als mindestens ebenso wirksam wie eine Psychotherapie oder Antidepressiva. Und in schweren Fällen? Selbst dann hilft es erheblich, körperlich aktiv zu sein – meistens. Kein Allheilmittel – aber wirksam genug, um Big Pharma nervös zu machen Dass Bewegung kein Allheilmittel darstellt, führen die depressiven Krisen prominenter Sportlern vor Augen: von Japans Tennisstar Naomi Osaka, Schwimm-As Michel Phelps – dem erfolgreichsten Olympionike aller Zeiten – und dem Formel-1-König Lewis Hamilton über die Topfußballer Andres Iniesta und Gianluigi Buffon bis hin zu dem gefeierten US-Basketballer Dennis Rodman. Manche sahen im Freitod den einzigen Ausweg, wie Fußballtorwart Robert Enke 2009. Der enorme Druck, unter dem Spitzensportler in der Hochleistungsgesellschaft stehen, ständig im medialen Rampenlicht, wog bei ihnen offenkundig schwerer als der neurochemische Profit intensiven körperlichen Aktivseins. Solche Ausnahmen ändern freilich nichts daran: Das beste Antidepressivum ist zumeist keine Pille, sondern Bewegung. Für die Pharmaindustrie und ihre Aktionäre sind das höchst deprimierende Nachrichten – sie können nur hoffen, dass sich der geschäftsschädigende Forschungsstand nicht unter allzu vielen Ärzten und Patienten herumspricht, ehe ihn gekaufte Gegenstudien entkräften. Der weltweite Jahresumsatz von Antidepressiva liegt aktuell bei 18 Milliarden US-Dollar, bis Ende dieses Jahrzehnts soll er auf mehr als 37 Milliarden US-Dollar anwachsen. (6) Wo kämen wir hin, wenn Depressive plötzlich massenhaft damit begännen, kostenlos und nebenwirkungsfrei ihren Hintern hochzukriegen, statt sich weiterhin von synthetischen Drogen abhängig machen zu lassen – und deshalb womöglich vorzeitig sterben? (7) ( Harald Wiesendanger )   Mehr zum Thema  in Harald Wiesendanger: Teufelszeug. Warum wir von Psychopharmaka fast immer die Finger lassen sollten . Anmerkungen (1)   Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, kurz SSRI, sind eine Klasse von Antidepressiva. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Serotonin-Transportproteine im Zentralen Nervensystem blockieren; dadurch erhöht sich die Konzentration von Serotonin in der Gewebsflüssigkeit des Gehirns. (2)   M. Babyak u.a.: „Exercise treatment for major depression: maintenance of therapeutic benefit at 10 months“, Psychosomatic Medicine  62/2000, S. 633-638, https://doi.org/10.1097/00006842-200009000-00006 , https://journals.lww.com/bsam/abstract/2000/09000/exercise_treatment_for_major_depression_.6.aspx (3)   C. Bridle u.a.: „Effect of exercise on depression severity in older people: systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials“, British Journal of Psychiatry  201/2012, S. 180-185, https://doi.org/10.1192/bjp.bp.111.095174 , https://www.cambridge.org/core/journals/the-british-journal-of-psychiatry/article/effect-of-exercise-on-depression-severity-in-older-people-systematic-review-and-metaanalysis-of-randomised-controlled-trials/C74183D9390FFC542E611A3698B8E39B (4)   G. M. Cooney u.a.: „Exercise for depression“, Cochrane Database Systematic Review  9/2013, CD004366, doi:10.1002/14651858.CD004366.pub6 , https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD004366.pub6/full (5)   Siehe https://www.viactiv.de/gesundheitswissen/die-wirkung-von-bewegung-auf-die-psyche , https://www.habichtswald-privat-klinik.de/magazin/wie-sport-bei-einer-depression-helfen-kann , https://www.netdoktor.de/news/wie-sport-bei-depressionen-hilft/ , https://www.mdr.de/wissen/medizin-gesundheit/sport-gegen-depressionen-100.html , https://www.klinik-friedenweiler.de/blog/sport-depression-auswirkungen-effekt-therapieformen/ , https://www.netdoktor.de/news/wie-sport-bei-depressionen-hilft/ , https://www.habichtswald-privat-klinik.de/magazin/wie-sport-bei-einer-depression-helfen-kann (6)   https://www.mordorintelligence.com/de/industry-reports/antidepressants-market , https://www.researchnester.com/de/reports/antidepressants-market/4469 , https://www.databridgemarketresearch.com/de/reports/global-antidepressants-market (7)   12,6 Millionen Todesfälle in der westlichen Welt seit der Jahrtausendwende gehen auf  psychiatrische Drogen zurück; unter den über 65-Jährigen sind es 500.000 pro Jahr. https://www.bmj.com/content/350/bmj.h2435 , https://www.techtimes.com/articles/52727/20150513/expert-warns-antidepressants-and-other-psychiatric-drugs-doing-more-harm-long-term.htm

  • Masern-Horror – mal wieder.

    In den USA brechen Masern aus, ein ungeimpftes Kind stirbt. Sind daran böse Impfverweigerer schuld? Panik schürend, läuft die „Piks“-Propaganda wieder einmal auf Hochtouren. Welches Schicksal könnte herzzerreißender sein als ein viel zu früher, vermeidbarer Tod? Kaum stirbt irgendwo zwischen Los Angeles und Leipzig ein ungeimpftes Kind an Infektionsfolgen, da verfallen Leitmedien, wie synchronisiert, in haarsträubende Panikmache. Bei seltsam gleichlautenden Schlagzeilen lautet der Tenor stets: Wäre doch bloß jeder geimpft, so könnte das kleine Opfer noch leben. Als alleinschuldig an solchen Tragödien gelten verantwortungslose Impfverweigerer und ihre Einflüsterer. Zur Hölle mit ihnen – angeblich brauchen wir schleunigst eine allgemeine, lückenlose Impfpflicht gegen alles und jegliches, ohne Ausnahmen. Am besten verbunden mit Sorgerechtsentzug für Eltern, die ihrem Nachwuchs vermeintlich schützende „Pikse“ vorenthalten, und gnadenloser Strafverfolgung von „Desinformanten“. Schluss mit Ausreden, mit Gewissensgründen, mit unwissenschaftlichen Vorbehalten und irrationälen Ängsten vor Nebenwirkungen! Vakzine sind schließlich wirksam und sicher, Punkt. Follow the Science ! Nach diesem altbewährten Strickmuster schlachten Medien zur Zeit unisono den Fall eines sechsjährigen Mädchens aus, das kürzlich in der Covenant-Kinderklinik in Lubbock, Texas, an den Folgen einer Maserninfektion starb – es war dagegen nicht geimpft gewesen. (1) Darin gipfelt „der größte Ausbruch seit 30 Jahren“, schwant dem Nachrichtensender n-tv . Vox , die Washington Post , die New York Times  prophezeien einen “herannahenden öffentlichen Gesundheitsnotstand”. Auf welcher Datenbasis? Bis Ende Februar steckten sich in der ländlichen Region von Westtexas 146 Menschen mit Masern an. Weitere neun Fälle meldete der angrenzende Bundesstaat New Mexico, zwei hat New Jersey registriert. Auch in Alaska, Georgia, Kentucky, New York City und Rhode Island wurde die US-Seuchenschutzbehörde CDC vereinzelt fündig . Wie beängstigend ist das? “Vorboten einer Katastrophe” Ganz arg, so liest und hört man. “Eine große Sache” sei dieser Ausbruch, so erklärt die Klinikärztin Dr. Amy Thompson, die den Jungen bis zuletzt behandelt hatte. Den “Vorboten” einer baldigen Gesundheitskrise sieht darin der allgegenwärtige TV-”Experte” Paul Offit; angesichts sinkender Impfraten sei es “eine Katastrophe, die nur darauf wartet zu geschehen, und sie wird geschehen” (2) - zumal unter dem neuen US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy jr., bisher ein berüchtigter Impfskeptiker. Selbiger macht jedoch ebenfalls in Panik, zur allgemeinen Verblüffung: Dieser Ausbruch “fordert uns alle zum Handeln heraus”, erklärte er soeben “tief besorgt” im Sender Fox News . Die Masernimpfung sei “entscheidend, um eine potenziell tödliche Krankheit zu vermeiden”. Zur Klarstellung: Masern sind zwar hochansteckend, verlaufen aber fast immer harmlos. Schwere, schlimmstenfalls tödliche Komplikationen, mit denen sich fürsorgliche Eltern bange machen lassen, kommen äußerst selten vor: Lungenentzündung, Erblinden, Hirnschwellung bleiben zumindest gesunden Kindern, ohne Vorerkrankungen und besondere Beeinträchtigungen, zuverlässig erspart. Entsprechend sorglos gingen Familien, Gesundheitsbehörden und Ärzte bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein damit um. Masern galten als wertvolles Krafttraining fürs Immunsystem. Tauchten bei einem Knirps die typischen großen roten Flecken auf der Haut auf – zunächst hinter den Ohren, dann über den ganzen Körper sich ausbreitend -, verbunden mit hohem Fieber sowie Husten, Schnupfen, Heiserkeit, so veranstalteten manche Mamis mit den Geschwistern, Nachbarskindern und Klassenkameraden regelrechte “Masern-Parties”. Der Infekt durfte die Runde machen, nach einer Woche war der Spuk vorbei. Haarsträubender Leichtsinn? Nach ausgeheilten Masern setzen häufig geistige und körperliche Entwicklungsschübe ein, vor den Augen verblüffter Eltern. Ärztliche Falldokumentationen und Studien bestätigen: Auch für andere Infektionserkrankungen sind Kinder anschließend weniger anfällig. Das Risiko von späteren Allergien, Multipler Sklerose, ja sogar Krebs sinkt (3), wie auch die Wahrscheinlichkeit, irgendwann an einer Atopie ,  Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa zu erkranken - von Autismus ganz zu schweigen. Wie oft enden Maserninfektionen denn tödlich? In entwickelten Ländern: im Schnitt einmal pro Jahr, manchmal noch seltener. Dort liegt die Letalität bei 1 zu 1000 bis 20.000 - Aids bringt mehr Kinder ins Grab. Unfälle im Straßenverkehr kosten jährlich rund 500 Kinder unter 15 Jahren das Leben. Und auch diese Zahl sollte in eine Risikoabschätzung einfließen: An Infektionen durch multiresistente Krankenhauskeime sterben pro Jahr alleine in Deutschland, je nach Erhebung, zwischen 1000 und 30.000 Menschen. Das wären mindestens 12.000 Tote im Zeitraum von 2001 bis 2012. Demnach fallen x-tausend Mal mehr Menschen Erregern zum Opfer, die sie sich in der Klinik einfangen, als einer Maserninfektion. Sollten Eltern ihren Nachwuchs, um ihm das Leben zu retten, folglich nicht eher von Kliniken fernhalten als von Kinderarztpraxen, die wie am Fließband spritzen? Der Masern-Todesfall von Lubbock war in den Vereinigten Staaten der erste seit 2015. Seit dem Jahr 2000 gab es dort bloß drei Todesfälle durch Masern: einen bei einem 75-jährigen Mann, der sich in Israel ansteckte; einen weiteren bei einem immunsupprimierten 13-Jährigen, der drei Monate zuvor eine Knochenmarktransplantation erhalten hatte; den dritten bei einer ebenfalls immungeschwächten Frau mit mehreren Begleiterkrankungen. Übrigens blieb in allen drei Todesfällen ungeklärt , ob es nicht womöglich die verabreichten Lebendimpfstoffe waren, die sie heraufbeschworen haben – gerade bei immungeschwächten Wirten können sie virulent werden. In Deutschland sind zwischen 2001, dem Beginn der Meldepflicht, und 2012 15 Maserntode aktenkundig geworden – vermeintliche , denn wie sie zweifelsfrei festzustellen sind, ist alles andere als unstrittig. Ob Masernviren beteiligt waren, wird bei einer Autopsie anhand von Gewebeproben untersucht. Dabei kommen der Antikörpertest ELISA und/oder der PCR-Gentest zum Einsatz. Mit ihnen fahndet man nach Eiweißmolekülen oder Genbruchstücken, die dem Masernvirus zuzurechnen sind. Doch wie aussagekräftig sind diese Verfahren? Für eine Infektionsdiagnose reichen sie in Wahrheit nicht aus – und schon gar nicht für eine glasklare Schuldzuweisung. Selbst wenn dabei Masernviren auffallen, ist keineswegs klar, dass sie es waren, die den Betroffenen umbrachten. Eine tödliche Enzephalitis kann auch eine Nebenwirkung der eingesetzten Medikamente sein, wie ein aufmerksamer Blick in die Beipackzettel klarmacht. (4) Auch wenn sämtliche Kinder geimpft wären, so wären somit keineswegs alle erfolgreich immunisiert. Während man früher an einen lebenslangen Schutz glaubte, räumt inzwischen sogar die WHO das Phänomen des “sekundären Impfversagens” ein: Selbst zweimalig Maserngeimpfte können  mit der Zeit aufgrund nachlassender Antikörperspiegel wieder Masern bekommen. Nach einer ersten Dosis ist der Masernimpfstoff zu 85 bis 95 % wirksam, nach zwei Dosen zu 90 bis 98 % . Bei Masernausbrüchen in den USA und Kanada hatten bis zu 50 % der Erkrankten zuvor zwei Dosen MMR erhalten . Daher wird es auch weiterhin immer wieder dazu kommen, selbst nach Abschaffung jeglicher Ausnahmeregelungen für Impfungen. Dass Maserntode allein durch Massenimpfungen zu verhindern sind, ist ein Marketing-Märchen, das amtliche Statistiken widerlegen. Im 20. Jahrhundert war die Mortalitätsrate bereits um über 99 % gesunken, ehe 1963 die Masernimpfung eingeführt wurde – dank besserer Hygiene, Ernährung, Trinkwasserqualität, Wohnsituation und medizinischer Versorgung. Ist der “Schutz” womöglich gefährlicher als die Bedrohung? Wie viel Sicherheit wäre damit gewonnen? Vereinzelt treten unmittelbar nach einer Masernimpfung anaphylaktische Schocks, Fieberkrämpfe, eine Enzephalitis, das Guillain-Barré-Syndrom auf. Extrem selten? In den letzten 30 Jahren wurden dem US-amerikanischen Vaccine Adverse Event Reporting System  (VAERS) für Masernimpfstoffe etwa 89.000 unerwünschte Reaktionen auf Masernimpfungen gemeldet , darunter etwa 450 Todesfälle. (5) Doch dieses Zahlenwerk markiert bloß die Spitze des Eisbergs. Berücksichtigt man das Underreporting (6) bei solchen Meldestellen – Studien zufolge erfassen sie höchstens ein bis fünf Prozent aller tatsächlichen Impfschäden -, so dürften allein in den Vereinigten Staaten vermutlich mehrere zehntausend Kinder mittels Masern-Vakzinen zu Tode “gepikst” worden sein. In Wahrheit, so warnt die US-Ärzteinititiative  Physicians for Informed Consent (PIC), ist das Risiko , dass der MMR-Impfstoff zu einer dauerhaften Behinderung oder gar zum Tod führt, höher  als bei einer Infektion mit Masern , Mumps  oder Röteln . Aber was ist mit dem Schutz all jener, die nicht geimpft werden können? Krebspatienten, insbesondere mit Leukämie oder Lymphomen? Organtransplantierte, die Immunsuppressiva einnehmen müssen? Patienten mit angeborenen Immundefekten wie dem SCID-Syndrom? HIV-Infizierte mit schwerer Immunschwäche? Schwangere? Menschen, die gegen Bestandteile des Vakzins, wie Neomycin oder Gelatine, allergisch sind? 400.000 bis 800.000 Million Deutsche zählen zu diesem Personenkreis. Sollten sich ihnen zuliebe nicht alle übrigen impfen lassen, um diese Minderheit nicht zu gefährden? Sind sie dazu nicht moralisch verpflichtet? Wären sie andernfalls potenzielle Mörder? Sich anderen zuliebe spritzen zu lassen, wäre wahrlich zumutbar, falls man diese anderen dadurch vor einer Gefahr bewahrt, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Weil die Impfung aber nicht zuverlässig wirkt, bliebe selbst bei einer 100,00-%-igen Impfrate eine Ansteckung möglich – sie würde bloß weniger wahrscheinlich. Und ist es wirklich ethisch geboten, dass sich 80 Millionen Menschen Substanzen injizieren lassen, mit denen sie schwere Nebenwirkungen riskieren – bloß damit sich jeder Zehnte bis Zwanzigste ein bisschen sicherer fühlen kann, ohne vollständig geschützt zu sein? Wenn´s dumm läuft – und das tut es immer wieder -, dann sorgen die verimpften Viren, lebendiger als gedacht, für eben jene Ausbrüche, die sie verhindern sollen. Zuverlässiger Minderheitenschutz geht anders. Wer, ihm zuliebe, Hygienerichtlinien nach dem allerschwächsten Glied der Infektionskette ausrichtet, der öffnet die Schleusen für eine Medizindiktatur, mit Kontrollen und Zwangsmaßnahmen an jeder Ecke. Die Coronakrise gab einen Vorgeschmack darauf. Die klügere Vorsorge Was, wenn nicht Spritzen nach STIKO-Schema, empfiehlt meine Stiftung AUSWEGE zur Masernprophylaxe? Sie anerkennt den Forschungsstand, an dem kein echter Faktencheck vorbeikommt: Ungeimpfte Kinder sind gesünder . Infekte aller Art verlaufen bei ihnen in der Regel milder, und sie enden schneller. Komplikationen kommen viel seltener vor, langwierige Schäden so gut wie nie. Wer sein Kind bestmöglich auf eine Masernerkrankung vorbereiten will, tut folglich alles, um seine Abwehrkräfte zu stärken: durch gute Ernährung, reichlich Bewegung, ausreichend Schlaf, echte statt digitale Sozialkontakte, nicht zuletzt ein heiles Zuhause. Und falls es sich infiziert hat? Informierte Eltern sehen darin kein schreckliches Missgeschick – sie verstehen, dass Infektionskrankheiten bei Kindern Sinn machen können, indem sie das Immunsystem trainieren und wappnen. (7) Also ist Panik fehl am Platz. Bei den allerersten verdächtigen Symptomen isoliert man das Kind unverzüglich in einer ruhigen, geschützten, abgedunkelten Umgebung, führt ihm reichlich Flüssigkeit zu, versorgt es mit zusätzlichen immunstärkenden Vitaminen und Mineralstoffen aus der Orthomolekularen Medizin, senkt zu hohes Fieber mit Wadenwickeln statt mit Paracetamol. Wie anthroposophische Ärzte berichten, heilen so behandelte Masern praktisch immer komplikationslos ab – und bescheren zumeist eine lebenslange Immunität, die Impfung hingegen nur vielleicht.   Masern: Das riet ein naturheilkundiger Arzt vor 92 Jahren Kein “Qualitätsmedium” hinterfragt gekaufte Impfexperten Wann immer für Impfkampagnen getrommelt wird, kommt auf allen Kanälen seltsam regelmäßig der eingangs zitierte Paul Offit zu Wort. Als “renommierter Kinderarzt und Infektiologe“ preist ihn der Nachrichtensender n-tv , wie auch der Deutschlandfunk , Der Spiegel   ebenfalls. Ehre, wem Ehre gebührt? Immerhin ist Offit Direktor des Vaccine Education Center  am Children's Hospital of Philadelphia (CHOP) sowie Professor für Vakzinologie und Pädiatrie an der Perelman School of Medicine der University of Pennsylvania. Mehrfach preisgekrönt, verfasste er etliche Bücher zu medizinischen und wissenschaftlichen Themen, darunter Autism's False Prophets  - Bad Science, Risky Medicine, and the Search for a Cure  (2007), Vaccines and Your Child:   Separating Fact from Fiction (2011) und Bad Advise  (2018). Eine Koryphäe also – und “buchstäblich ein Lebensretter”, wie die Skeptikervereinigung CSICOP schwärmt? (8) Was Leitmedien durchweg unter den Teppich kehren, sind massivste, längst aufgedeckte Interessenkonflikte dieser vermeintlichen Autorität in Sachen Impfstoffsicherheit. Als hochbezahlter “Berater” ist Offit fast schon eine halbe Ewigkeit für den Pharmariesen Merck tätig – einen der weltgrößten Hersteller von Masernimpfstoffen. Mercks bekanntestes Produkt ist M-M-R® II, ein Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR). Außerdem bietet er ProQuad® an, der zusätzlich Windpocken (Varizellen) abdeckt. Offits Forschungslehrstuhl an Philadelphias Kinderklinik (CHOP)  finanziert Merck mit 1,5 Millionen Dollar. Für die Entwicklung eines Rotavirus-Impfstoffs namens RotaTeq erhielt Offit von Merck einen Zuschuss von 350.000 Dollar. Dieses Vakzin verkaufte das CHOP schließlich an den spendablen Sponsor für 182 Millionen Dollar. 2006 erreichte Merck die Zulassung von RotaTeq. Bei Offit und seinen Miterfindern verblieben die Patentrechte. Damit hatten sie Anspruch auf laufende Lizenzgebühren in Millionenhöhe – wahrlich „wie ein Lottogewinn“, so räumte Offit 2008 in einem Newsweek - Artikel ein. Das Infoportal Age of Autism  schätzt seinen Anteil auf mindestens 29 Millionen Dollar. (9) Angesichts solch beträchtlicher finanzieller Verbindungen zur pharmazeutischen Industrie müsste jedem echten Journalisten die Frage auf der Zunge brennen: Werden Offits uneingeschränkte Lobpreisungen von Impfstoffen von keinen anderen Faktoren als einwandfreien wissenschaftlichen Untersuchungen beeinflusst? Kann ich es verantworten, meinen Lesern solch ein zweibeiniges Pharma-Sprachrohr als unabhängigen Sachverständigen zu präsentieren? „Man sollte ihn ins Gefängnis stecken und den Schlüssel wegwerfen“, soll Robert F. Kennedy Jr.   schon 2013 über Offit gesagt haben. (10) Gehört bloß Offit dorthin? (11) Follow the Science? Follow the Money.   ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1)   https://www.dshs.texas.gov/news-alerts/texas-announces-first-death-measles-outbreak ; https://apnews.com/article/measles-outbreak-west-texas-death-rfk-41adc66641e4a56ce2b2677480031ab9 ; https://www.bbc.com/news/articles/clyderx4v8go (2)   Zit. nach https://www.n-tv.de/panorama/Experten-warnen-vor-Masern-Katastrophe-in-den-USA-article25594022.html (3)   https://publications.aap.org/pediatrics/article-abstract/123/3/771/71635/Allergic-Disease-and-Atopic-Sensitization-in?redirectedFrom=fulltext ; https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S030698779890055X?via%3Dihub , https://publications.aap.org/pediatrics/article-abstract/123/3/771/71635/Allergic-Disease-and-Atopic-Sensitization-in?redirectedFrom=fulltext   (4)   Siehe http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10589903 ; http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7202137 ; http://pediatrics.aappublications.org/content/114/5/e657.full (5)   Für Deutschland verzeichnete die Meldedatenbank des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) zwischen 2001 und 2012  knapp 1700 „Verdachtsfälle von Nebenwirkungen“ sowie 15 „Verdachtsfälle“ von Toden nach Masernimpfung; einen „ursächlichen Zusammenhang“ zwischen Piks und Ableben konnte das PEI niemals „als ‚gesichert‘, ‚wahrscheinlich‘ oder ‚möglich‘ bewerten“. (6) Siehe „‘In Sorge um Dich‘ – Eine Covidiotin trägt einer Geimpften 10 Argumente vor “ und „ Das Piks-Massaker “. (7)   Siehe Bert Ehgartner: Was Sie schon immer über das Impfen wissen wollten , Hamburg 2023, S. 351 ff. (8)   "CSI Announces Paul Offit As Winner of the 2013 Balles Prize" . Skeptical Inquirer , Juli 2014 CSICOP, https://web.archive.org/web/20190119174727/ . (9)   Siehe https://www.skyhorsepublishing.com/9781632206015/thimerosal-let-the-science-speak/ (10)   Zit. von Paul Offit selbst in seinem Buch Bad Advise  (2018), Kap. 11 .   (11) Siehe meine Artikelserie “Dressierte Halbgötter ”.

  • Fetter Reibach

    Nie wieder Diät? Mit Arzneien zum Abnehmen wird der Steuerzahler ebenso zuverlässig Geld wie Gewicht los: Zunächst finanziert er ahnungslos Forschung und Entwicklung – dann muss er Wucherpreise hinnehmen. Big Pharma lacht sich ins Fäustchen, wieder einmal. An den Tag brachten es Recherchen des Online-Nachrichtenmagazins The Lever : US-Steuerzahler übernahmen Kosten für Forschung, Entwicklung und Vertrieb von GLP-1, der neuen Klasse von Blockbustern zur Gewichtsreduzierung, in Höhe von rund 6,2 Milliarden Dollar. Den Profit streichen Pharmafirmen ein: Mit Medikamenten wie Ozempic und Wegovy (mit dem Wirkstoff Semaglutid), Zepbound und Mounjaro (mit Tirzepatid) setzten die Marktführer Novo Nordisk und Eli Lilly im Jahr 2024 knapp 14 Milliarden US-Dollar um; für 2025 wird ein Anstieg auf 21 Milliarden erwartet, bis 2030 sollen es 49 Milliarden werden. “Falls unter den 800 Millionen Übergewichtigen weltweit auch nur jeder Vierte zu GLP-1-Medikamenten greift”, rechnet das Marktforschungsunternehmen William Blair  in Chicago vor, “so könnte, bei geschätzten Kosten von jeweils 2500 Dollar pro Behandlung, der Jahresumsatz 500 Milliarden Dollar erreichen – einer der größten Märkte in der Geschichte der biopharmazeutischen Industrie.” Die Nachfrage ist so gewaltig, dass sie inzwischen schon weltweit zu Lieferengpässen führt. (1) Im Mai 2024 nahmen mehr als 15 Millionen US-Amerikaner - jeder achte Erwachsene  - GLP-1-Präparate ein. Allein in den Vereinigten Staaten beginnen mindestens 25.000 Menschen jede Woche mit Wegovy. Zur Zielgruppe zählen schon Grundschüler : Der dänische Pharmagigant Novo Nordisk – dank des Hypes zu Europas wertvollstem Unternehmen aufgestiegen – führt gerade Phase-3-Studien durch, in denen er seinen Newcomer „Saxendra“ Sechs- bis Zwölfjährigen einverleibt. Zum „wissenschaftlichen Durchbruch“ hochgejubelt Den Boom befeuern Medien, die Abnehmspritzen kritiklos als “ Wundermittel ”  anpreisen. 2023 kürte das renommierte Science -Magazin GLP-1-Abspeckhilfen zum “wissenschaftlichen Durchbruch des Jahres”. (2) Werbeagenturen lassen Prominente davon schwärmen (3) – von Oprah Winfrey über den einstigen Tennisstar Billie Jean King und der Rapperin Queen Latifah bis hin zu einer gewissen Kim Kardashian, der weltweit einzigen Rapperbraut, die mit null Lebensleistung zur vergötterten, medial dauerpräsenten Milliardärin aufstieg. Auf Instagram, TikTok und anderen sozialen Medien verdienen sich käufliche Influencer eine goldene Nase mit schrillen Lobpreisungen. Ursprünglich für Typ-2-Diabetiker entwickelt, tun sich für Ozempic & Co. fast schon im Wochenrhythmus immer neue Anwendungsmöglichkeiten auf: von Alkoholismus , Nikotinsucht und Opioidabhängigkeit bis hin zu Psychosen, Leukämie , Schlaganfällen, Herzinfarkten , Alterung , Parkinson und Alzheimer – ein pharmakologischer Tausendsassa, wie es scheint. Unter den Teppich kehren Journalisten dabei Nebenwirkungen, die sich keineswegs auf ständige Übelkeit, heftiges Erbrechen, Sodbrennen, Bauchschmerzen, Verstopfung, Durchfall und Schlafstörungen beschränken. Es häufen sich alarmierende Berichte über Ohnmachtsanfälle, erheblichen Muskelschwund , Gastroparese – Gegessenes verbleibt im Magen -, Darmverschluss, arthritisartig entzündete Gelenke, zu niedrigen Blutdruck, allergische Reaktionen, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Magenlähmung , Nieren- und Gallenblasenerkrankungen, Schilddrüsenkrebs und plötzlichen Sehverlust . (4)  Häufig bestehen Symptome nach Absetzen fort. Anscheinend kann das Zeug auch Suizidgedanken  auslösen, denen bisweilen Taten folgen. Für schwangere Frauen  sind die Mittel so gefährlich, dass US-Ärzte dafür plädieren, sie mit einem entsprechenden Blackbox-Hinweis  zu versehen: der strengsten, schwarz umrahmten Warnung, welche die Arzneimittelbehörde FDA für Medikamente aussprechen kann, wenn ernste, ja lebensbedrohliche Folgen drohen. Eine im Januar 2025 in Nature Medicine veröffentlichte Studie  mit 215.970 Diabetikern, die GLP-1-Medikamente einnahmen, fand nicht weniger als 19 bedenkliche Nebenwirkungen. Viel Risiko für fragwürdigen Nutzen Die GLP-1-Wirkstoffe verschlanken tatsächlich, noch weitaus zuverlässiger, als PDE-5-Hemmer, wie bei Viagra, gewisse Schwellkörper verhärten. Dies gelingt ihnen, indem sie das körpereigene Hormin GLP-1 ( Glucagon-like Peptide-1 ) nachahmen. Im Gehirn veranlassen sie das Sättigungszentrum im Hypothalamus, den Hunger zu dämpfen. Darüber hinaus verlangsamen sie die Magenentleerung, weswegen man sich früher und länger satt fühlt. Sie lassen die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin produzieren, gleichzeitig hemmen sie die Glukagonausschüttung, was die Blutzuckereinstellung verbessert. All dies führt in der Regel dazu, dass Patienten erheblich weniger Kalorien zu sich nehmen – und folglich abspecken. Je nach Wirkstoff und Einnahmedauer liegt der durchschnittliche Gewichtsverlust immerhin zwischen 15 und 24 %. Das ist enorm. Aber: Die lästigen Pfunde schmelzen im allgemeinen nur solange ab, wie gespritzt wird. Kaum setzt man Wegovy & Co. ab, da tritt ein Rebound-Effekt auf, wie er schon gewöhnliche Diäten ziemlich zuverlässig ruiniert: Rasch sind die Pfunde wieder drauf (5), wie Patientenberichte ebenso bestätigen wie Studien . Deshalb plädieren „Experten“, die ihre Interessenkonflikte zu verschweigen pflegen – die berüchtigten „Mietmäuler“ der Branche -, für beharrliche Langzeitanwendung: Als chronische Erkrankung müsse Adipositas dauerhaft behandelt werden, bis ans Lebensende. So liebt die Pharmaindustrie ihre Kundschaft: Möglichst früh, möglichst lange, möglichst oft soll sie zugreifen. Wer hierbei mitspielt, wird schamlos zur Kasse gebeten: In den USA kosten GLP-1-Medikamente pro Patient und Jahr im Schnitt umgerechnet 11.000 bis 17.500 Euro. Für Ozempic werden etwa 915 Euro pro Monat fällig, verglichen mit 135 Euro in Kanada, 113 Euro in Deutschland, 85 Euro in Großbritannien und 76 Euro in Frankreich. Wegovy ist in den USA für r und 1200 Euro pro Monat gelistet, gegenüber etwa 300 Euro in Deutschland , 170 Euro in Dänemark, und 84 Euro im Vereinigten Königreich. Dafür muss man aus eigener Tasche aufkommen. Weil die Präparate als Lifestyle-Arzneien gelten, zahlen die Krankenkassen nicht – noch nicht. Industrienahe Politiker und eine Armee von Lobbyisten arbeiten zielstrebig daran, diese Regelung zu ändern. Fette Pharma-Junkies sichern fette Gewinne Solange die Menschheit weiter verfettet, dürfte die Nachfrage weiter steigen. Voraussichtlich 3,8 Milliarden Erwachsene und 746 Millionen Kinder und Jugendliche mit Übergewicht oder Adipositas könnte es bis Mitte dieses Jahrhunderts „ohne entsprechende politische Maßnahmen, Reformen und neue Therapien“ geben. Diese Prognose leiten australische Forscher aus Trends in vorliegenden Gesundheitsdaten ab. In Deutschland könnten 20 bis 23 Prozent der jungen Menschen betroffen sein.   Die Ergebnisse weisen auf "monumentale gesellschaftliche Versäumnisse und einen Mangel an koordinierten globalen Maßnahmen" hin, erklärt Studienleiterin Jessica Kerr vom Murdoch Children's Research Institute  in Melbourne. Es drohen katastrophale Folgen für das öffentliche Gesundheitswesen, bei glänzenden Vermarktungsaussichten für Abnehmspritzen und –pillen – es sei denn, Übergewichtige besinnen sich auf den mühsameren, aber gesünderen und billigeren Weg, abzuspecken: einfach weniger Kalorien aufnehmen als verbrauchen. Dafür müssen Übergewichtige kein Rezept einlösen, sondern bloß den guten Rat beherzigen: Bewege dich mehr,  ernähre dich besser. „Wir fressen uns zu Tode“ Weil Homo sapiens grundsätzlich dazu neigt, den vermeintlich bequemsten Weg zu gehen, sieht zumindest die US-Medizinerin Dr. Casey Means allerdings rabenschwarz. GLP-1 „könnte das profitabelste Medikament in der Geschichte der Menschheit werden“, sagte sie kürzlich in einem Fernsehinterview in der Tucker Carlson-Show voraus. Ebenso wie ihr Bruder Calley, ein früherer Lobbyist für Big Pharma und Big Food, hatte sie ihren Job an den Nagel gehängt, als ihr „entsetzt klar wurde, wie viele Menschen das System umbringt, dessen Teil sie sind“. Nach ihren Eindrücken „verfestigt sich die Vorstellung, dass es eine magische Pille gibt - dass die Erlösung von unseren chronischen Gesundheitsproblemen in einer Spritze zu finden ist. (…) Wir sind die einzige Spezies auf der Welt, die eine Epidemie von Fettleibigkeit und chronischen Krankheiten erlebt, (in erster Linie) aufgrund von ultraverarbeiteten Lebensmitteln. Alle anderen Tiere in der freien Natur ernähren sich von echter, natürlicher Nahrung (…) und sind in der Lage, ihr Sättigungsgefühl zu regulieren. Sie fressen sich nicht zu Tode, wie wir es tun.“   ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1)   https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/wegovy-ozempic-und-co-aufseher-warnen-vor-engpaessen-bei-abnehmspritzen-a-5b6c11e3-8a82-4230-9b93-fb67c5607287 , https://www.aerzteblatt.de/news/ozempic-engpaesse-mindestens-bis-jahresende-fdcb7c12-db0e-4d32-bef9-857e5b2b5f54 (2)   https://www.science.org/content/article/breakthrough-of-the-year-2023 , https://www.instagram.com/p/DHJiDEMNgVn/ , https://www.youtube.com/watch?v=t_50KoJ49tM (3)   https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/hollywood-im-ozempic-rausch-abnehmen-fuer-1500-dollar-im-monat-110064825.html , https://www.20min.ch/story/online-hype-ozempic-influencer-so-gross-ist-der-hype-um-abnehmspritzen-103257547 (4)   https://childrenshealthdefense.org/defender/ozempic-semaglutide-vision-loss-study-side-effects/ , https://childrenshealthdefense.org/defender/weight-loss-drugs-blindness-teens-adults-ozempic-wegovy/ (5)   https://www.medpagetoday.com/special-reports/exclusives/112138 , https://www.bbc.com/future/article/20240521-what-happens-when-you-stop-taking-ozempic , https://www.healthline.com/health-news/avoid-weight-gain-after-ozempic , https://www.sciencemediacenter.de/angebote/23214

  • Auch in dir?

    Wie aus einem Horrorfilm: In Blutgefäßen von Corona-mRNA-Geimpften stecken weiße, faserartige Klumpen, die Mediziner nie zuvor gesehen haben. Die unheimlichen Gerinnsel erklären einen Großteil der „Long-Covid“-Symptome – wie auch die Vielzahl „plötzlicher und unerwarteter“ Todesfälle. Zum Glück gibt es neuerdings Behandlungsmöglichkeiten. Zum Alltag eines Balsamierers gehört es, bisweilen ungewöhnliche Entdeckungen zu machen, während er eine Leiche dafür vorbereitet, aufgebahrt und bestattet zu werden. Gelegentlich findet er Implantate und Prothesen, Kugeln und andere Fremdkörper, Reste von Drogen oder Gift. Alte OP-Narben, nicht verheilte Knochenbrüche, innere Hämatome, Narbengewebe. Aber worauf John O´Looney Mitte 2021 erstmals stieß, hatte er als erfahrener Leichenbestatter noch nie zuvor gesehen. „Es war grauenhaft.“ Es war Mitte 2021 – anderthalb Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie, ein halbes Jahr nach Start der Covid-Impfkampagne. Da wurde O´Looney, Inhaber eines Beerdigungsinstituts im englischen Milton Keynes, von seinem angestellten Balsamierer gerufen. Auf dem Präparationstisch lag die geöffnete Leiche eines 30-jährigen Mannes. „Seine Arterien waren total verstopft. Also hat mein Einbalsamierer seine Pinzette genommen, um die Verstopfung herauszuziehen. Und er zog und zog und zog. Heraus kam ein komplettes weißes, faseriges, tintenfischartiges Gerinnsel, das sich über die gesamte Länge des Beins erstreckte, vom oberen Teil bis hinunter zum Knöchel.” (1) Was war das? Zu jenem Zeitpunkt war O´Looney schon seit 14 Jahren als Bestatter tätig, davon sieben Jahre bei einem Gerichtsmediziner, ehe er sich selbstständig machte. “Ich habe also viel Erfahrung damit, wie das Innere und Äußere von Menschen aussieht.  Ich weiß, was normal ist und was nicht. Und ich kenne vielleicht nicht den lateinischen Ausdruck für jeden Nerv und jede Faser, aber ich kenne mich mit dem Körper aus. Mein Einbalsamierer ist vom British Institute of Embalmers  zertifiziert. Und er macht das jetzt seit 25 Jahren. So etwas hatte auch er noch nie gesehen.” Bestürzt wandte sich O´Looney an den örtlichen Gerichtsmediziner. Vier Tage später erhielt er einen Anruf von dessen Büro: Es bestehe kein Grund zur Besorgnis. Das sei ”völlig normal, dieses Zeug wächst postmortal   in den Menschen. Nach dem Tod füllen sich bei manchen Menschen die Arterien mit Gummi.“ “Kein natürlicher Prozess” Spätestens jetzt war O´Looney klar: Hier war etwas oberfaul – und wurde vertuscht. “Meistens lasse ich Verstorbene innerhalb einer Stunde nach ihrem Tod einbalsamieren”, erklärt er. In so kurzer Zeit “wären sie sicherlich nicht mit diesen weißen Klumpen gefüllt gewesen, wenn diese Gebilde erst nach dem Tod wachsen würden. Nichts wächst in deinem Körper, wenn du stirbst. Nichts! Verwesung, Schimmel, vielleicht eine Art von Schimmelsporen könnte wachsen, wenn du anfängst, dich aufzulösen, und wir zur Erde zurückkehren, von der wir gekommen sind. Das ist ein natürlicher Prozess. Weißer ‘Gummi’ in deinen Arterien ist kein natürlicher Prozess!” Von da an gehörten solche Horrorfälle zum Alltag in O´Looneys Bestattungsunternehmen. Und immer mehr Berufskollegen berichteten ihm von ähnlich verstörenden Beobachtungen. Fast alle vermieden es, damit Aufsehen zu erregen. Erst der Dokumentarfilm “ Died Suddenly ” machte das erschreckende Phänomen ab Ende 2022 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Vereinzelt hinterließ auch entsetztes Klinikpersonal Spuren im Internet. So äußerte eine Krankenschwester, in ihren 23 Berufsjahren habe sie noch nie von Blutgerinnseln gehört, die länger als ein paar Zentimeter waren - bis die Covid-mRNA-Impfung aufkam. “Seither werden Thromben schon bei 8- bis 12-jährigen Kindern festgestellt, aber nur, wenn sie vorher geimpft wurden.”  Bei einem 58-Jährigen, der nach Herzstillstand im Krankenhaus wiederbelebt werden konnte, fanden Ärzte Ende 2022 ein 1,5 Meter langes Blutgerinnsel – er hatte sich dreifach gegen Covid-19 impfen und boostern lassen. Zu den wenigen Bestattern, die wie O´Looney den Mund aufzumachen wagten, zählt Richard Hirschman aus Alabama. Die Frage, was diese mysteriösen Klumpen aus Blutgefäßen eigentlich sind, woher sie kommen, welche gesundheitlichen Folgen sie haben, ließ ihm keine Ruhe . Und so wandte er sich Anfang 2024 an den organischen Chemiker Greg Harrison, der ein Netzwerk von Wissenschaftlern auf mehreren Kontinenten leitet. Zusammenhang mit Covid-Spritzen bestätigt sich Von Hirschman eingereichte Gewebeproben unterzog Harrisons Team umfangreichen Tests . Zunächst fand mehrfach eine induktiv gekoppelte Plasma-Massenspektrometrie (ICP-MS) statt (2), um zu ermitteln, wie die weißen, faserigen Gerinnsel zusammengesetzt waren; mittels ICP-MS lassen sich alle vorkommenden Elemente des identifizieren. Merkwürdigerweise wiesen die Proben kaum Magnesium, Kalium und Eisen auf -  in normalem Blut kommen sie in viel höheren Mengen vor. Von Eisen beispielsweise, das dem Blut seine rote Farbe verleiht und darin in einer Konzentration von etwa 450 ppm - Teilen pro Million - vorkommt, waren den weißen Faserklümpchen nur 20 ppm festzustellen. Also kann es sich nicht um gewöhnliches Blut handeln, das geronnen ist. Andererseits belegte jede vorgenommene ICP-MS-Analyse, dass die Klümpchen enorm viel Phosphor und Schwefel aufwiesen, in einigen Fällen auch Zinn. So liegt die Phosphorkonzentration in normalem Blut zwischen 100 und 1.000 ppm - in den Proben der Faserklumpen hingegen bei 5.000 ppm. Könnte diese ungewöhnlich hohe Phosphormenge irgendwie dafür sorgen, dass sich die Gerinnsel bilden? Harrison fiel auf, dass sowohl die Covid-mRNA-Impfstoffe von Pfizer als auch von Moderna „Phosphate“ und „Sulfate“ enthalten. In jeder Ampulle stecken rund eine Quintillion - eine Milliarde Milliarden - Phospholipid-Nanopartikel – womöglich mehr als genug, um im Körper eine anormale Reaktion auszulösen. Im Periodensystem steht Schwefel direkt neben Phosphor, daher weist es sehr ähnliche Bindungseigenschaften auf. Und von Schwefel ist seit Ende der Siebzigerjahre bekannt, dass es die Thrombosebildung beeinflusst. Damals entdeckten Wissenschaftler, dass sich im Gefäßsystem mancher Patienten weiße Gerinnsel bildeten, wenn sie den Gerinnungshemmer Heparin einnahmen. Heparin enthält einen hohen Anteil an Schwefel, der sich anscheinend auf ungewöhnliche Weise mit dem natürlichen Blutgerinnungsprotein des Körpers, dem Fibrinogen, verbindet. Das Problem wurde gelöst, indem man die Chemie des verabreichten Heparins anpasste. Wenn zuviel Schwefel im Blut das „White Clot Syndrome“ verursachte – könnte es nicht auch durch zuviel Phosphor im Blut auftreten? Diese Überlegung führte Greg Harrison zu seiner „Phosphorylierungstheorie“: Demnach verbinden sich sowohl das Phospholipid-Nanopartikel aus dem Impfstoff als auch das Spike-Protein - entweder aus dem Virus oder dem Vakzin - mit dem körpereigenen Fibrinogen, um ein unnatürliches, verdrehtes, falsch gefaltetes Polymer zu bilden, welches durch das körpereigene Enzym Plasmin schier unmöglich aufzulösen ist.  Dass mit dem Fibrinogen tatsächlich etwas Seltsames passiert, bestätigte eine HPLC-Analyse ( High-Performance Liquid Chromatography ) an mehreren Gerinnseln. (3) Sie bestanden aus Amyloid – abnorm gefalteten Proteinen, die sich in Form von unlöslichen Fibrillen in Geweben und Organen ablagern. Für Greg Harrison liegt die Vermutung nahe: Bei den Faserklumpen aus Leichen handelt es sich um Makro gerinnsel, die sich bilden, wenn sich unzählige Mikro gerinnsel aneinanderreihen. Nach und nach entwickeln sie sich zu immer größeren Klumpen, die schließlich die Form der Blutgefäße annehmen, welche sie umschließen. Eine Untergruppe von Amyloidproteinen bilden „Prionen“ – „ proteinaceous infectious particles “ -, infektiöse Eiweißpartikel, die schwere neurodegenerative Erkrankungen hervorrufen können. Dass sie in den mysteriösen Faserklümpchen tatsächlich vorkommen, bestätigte ein angesehener Neurowissenschaftler in Japan, Dr. Kevin McCairn, als er Hirschmans Proben mittels Raman-Spektroskopie (4) und Real-Time Quaking-Induced Conversion Test (d. h. „RT-QuIC-Test“)  (5)  untersuchte . McCairn hatte einen Großteil seiner Karriere damit zugebracht, die Auswirkungen von Amyloid-Proteinen auf Patienten zu untersuchen, die an Alzheimer, Parkinson und Demenz leiden. Das Zetapotenzial spielt mit Wenn eine Substanz in Wasser gerät, kann mehrerlei passieren. Sie kann oben schwimmen oder sich rasch am Boden absetzen. Sie kann sich wie Salz auflösen. Oder sie schwebt im Wasser und macht es trüb – dann ist eine sogenannte „kolloidale Suspension“, kurz „Kolloid“ entstanden: ein heterogenes Gemisch, bei dem sich sehr kleine Teilchen in einem Medium fein verteilen. Solange es dabei bleibt, ist das Kolloid stabil. Geht  diese Stabilität aber verloren, dann verklumpen die Partikel. Immer größere Zusammenlagerungen bilden sich, die sich schließlich vom umgebenden Wasser ablösen. Wovon hängt ab, ob eine kolloidale Lösung verklumpt oder dispergeriert bleibt? Ein Schlüsselfaktor ist das Gleichgewicht der vorliegenden elektrischen Ladungen - positive Ladungen verklumpen, negative Ladungen dispergieren. Sowohl das Spike-Protein  als auch die Lipid-Nanopartikel des Impfstoffs  enthalten eine positive Ladung, die das Zetapotenzial beeinflusst: die elektrische Potenzialdifferenz zwischen der Oberfläche eines Teilchens und der es umgebenden Flüssigkeit. Das Zetapotential gibt demnach an, wie stark ein Teilchen in einer Flüssigkeit elektrisch geladen ist. Ein hohes - positives oder negatives - Zetapotential bedeutet, dass sich Teilchen gegenseitig abstoßen; dann ist die Lösung stabil. Je niedriger es ist, desto leichter lagern sich Teilchen zusammen – sie agglomerieren. Dafür genügen winzige Mengen positiver Ionen mit hoher Ladungsdichte. Handelt es sich bei den Teilchen um Blutzellen – Thrombozyten, Fibrin, rote und weiße Blutkörperchen – und bei der Flüssigkeit um Blut, dann führt schon ein minimal verringertes Zetapotenzial dazu, dass sich Klumpen bilden. (6) Die Klumpen erklären die meisten Long-Covid-Symptome Mikrogerinnsel in Blutgefäßen können zu einer Hypoxie führen: Der gesamte Körper oder einzelne Körperabschnitte werden zuwenig mit Sauerstoff versorgt. Dies kann langanhaltende Organfehlfunktionen verursachen - z. B. im Gehirn, in der Niere oder im Herzen -, ohne dass Ärzte eine Thrombose feststellen. Dann machen sich die Minithrombosen durch leichte kognitive Beeinträchtigungen wie Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme und " Brain Fog ", Hirnnebel bemerkbar; durch Kurzatmigkeit; durch Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Schwindel, lähmende Schwäche und ständige Müdigkeit; Kribbeln in Händen und Füßen; durch dramatische Blutdruckschwankungen und Herzrhythmusstörungen; durch Schmerzen in Muskeln und Gelenken, in Brust und Rücken; durch Zittern und Verhaltensänderungen;  Werden die Klumpen jedoch so voluminös, dass sie größere Arterien verstopfen, so drohen sie Schlaganfälle und Herzinfarkte auszulösen, aber auch schwerwiegende neurodegenerative Störungen wie die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, die Parkinson-Krankheit und die Alzheimer-ähnliche Demenz, sogar bei jüngeren Menschen auftreten. Warum sind längst nicht alle Covid-Geimpften betroffen? Von vornherein besser geschützt ist, wer Gerinnungshemmer einnehmen muss – etwa bei Fettstoffwechselstörungen,  bei einer angeborenen Neigung zu verstärkter Blutgerinnung, bei Herzrhythmusstörungen und nach Herzklappenoperationen. Zudem unterscheiden sich menschliche Organismen erheblich in bezug auf die Fähigkeit, Thrombosen möglichst frühzeitig aufzulösen oder gar nicht erst entstehen zu lassen. Während manche gefährdet sind, bleiben andere verschont. Wie anfällig man dafür ist, hängt von vielerlei genetischen, biologischen und äußeren Risikofaktoren ab. Manche liegen in der Familie: Genetische Anomalien wie die Faktor-V-Leiden-Mutation oder der Protein-C- und Protein-S-Mangel beeinflussen die Blutgerinnung. Liegen gleichzeitig mehrere genetische Defekte vor, werden Thrombosen um das 20- bis 100-fache wahrscheinlicher . Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter , insbesondere ab 60 Jahren, da sich die Gefäße degenerativ verändern. Zuwenig Bewegung, Rauchen, Übergewicht, Flüssigkeitsmangel begünstigen ebenfalls Thrombosen, wie auch bestimmte Krankheiten, von Krebs über Diabetes bis zu Autoimmunerkrankungen wie das Antiphospholipid-Syndrom. Hormonelle Veränderungen können ebenfalls mitspielen: während der Schwangerschaft, bei Einnahme der Antibabypille, bei Hormonersatztherapien. (7) Dröhnend lautes Totschweigen Über 5.000 Leichenbestatter gibt es in England, mehr als 20.000 in den Vereinigten Staaten.  Wieso schlagen bloß O´Looney und Hirschman Alarm? Vertreten sie womöglich eine verrschwindende Minderheit von wirrköpfigen Wichtigtuern, die “Verschwörungstheoretikern” Stoff liefern möchten? Von wegen. In einer Ende 2024 durchgeführten Umfrage in den USA, Kanada, Großbritannien und Australien, dem „ 2024 Worldwide Embalmer Blood Clot Survey “ (8), bestätigten 83 % der Bestattungsfachkräfte, die antworteten – 250 von 301 -, dass sie bei Leichen aller Altersgruppen weiterhin „weiße faserige Gerinnsel“ feststellen - in einem schockierenden Durchschnitt von 27 % aller Einbalsamierten. (2022 gab dies 67 % an, 2023 waren es 73 %.) Noch umfangreicher waren zwei Umfragen, die eine Gruppe von amerikanischen Bürgerrechtlern um Tom Haviland durchführte: einem ehemaligen Major der US-Luftwaffe, der nach 16-jähriger Tätigkeit als Elektroingenieur bei einem Rüstungsunternehmen wegen Bidens Impfmandat in den Ruhestand versetzt wurde. In den Jahren 2022  und 2023 schrieb Havilands Team insgesamt 2500 Bestattungsunternehmen und 80 Verbände von Bestattern an, um sie über beobachtete Blutgerinnsel zu befragen. 357 antworteten. Von diesen gaben 69 bis 73 % an, seien schon auf “große weiße, faserige Strukturen/Klumpen in Leichen” gestoßen zu sein (9) – am häufigsten im Nacken, gefolgt von Beinen, Armen und Bauchregion. Etwa jeder zweite Befragte meldete, dies sei bei über 25 % der Einbalsamierten der Fall gewesen. Warum erfährt die Öffentlichkeit nichts davon? Hätte sie nicht schon längst gewarnt werden müssen? Verdienen mRNA-“Piks”-Geschädigte nicht, endlich die Wahrheit zu erfahren? Was bedeuten die Entdeckungen für “Blutbanken”? Weiß das Rote Kreuz, dass Spenderblut von Covid-Geimpften Prionen enthalten kann? Wer solche Fragen stellt, prallt gegen eine Mauer des Schweigens. Ärzte vernichten Beweismaterial, indem sie die weißen Faserklümpchen einfach wegwerfen, anstatt sie zur Untersuchung in die Pathologie zu schicken. Gerichtsmediziner vertuschen, was sie bei Autopsien feststellen. Staatsanwälte unterlassen es, Obduktionen anzuordnen, wozu sie bei “plötzlichen und unerwarteten” Todesfällen ungeklärter Ursache eigentlich verpflichtet wären. Bewährte Devise: Ohne Suche kein missliebiger Fund – wer wegschaut, sieht nix. Behörden verweigern Auskünfte. Das jüngste prominente Beispiel hierfür liefert das mysteriöse Ableben der “Rosenstolz”-Sängerin AnNa, einer eifrigen Covid-Impfpropagandistin, mit gerade mal 55 Jahren. Zunächst hatte die zuständige Berliner Staatsanwaltschaft “ein offizielles Todesermittlungsverfahren” angekündigt , das selbstverständlich eine Obduktion der Leiche einschließe. Ein paar Tage später wurde diese abgeblasen – die genauen Todesumstände hätten sich als eindeutig genug herausgestellt, so hieß es. Welche waren das denn? Dies müsse „aus Persönlichkeitsrechtsschutzgründen“ unter Verschluss bleiben. So dröhnend laut kann Totschweigen sein. Beim Vertuschen ist neuerdings Künstliche Intelligenz behilflich. Wer mittels neunmalkluger Antwortmaschinen wie ChatGPT nach Hinweisen auf die mysteriösen Gefäßklumpen fahndet, wird von der KI sekundenschnell belehrt, dass “diese Behauptungen von der wissenschaftlichen Gemeinschaft nicht bestätigt wurden”. Gesundheitsbehörden, die “kontinuierlich die Sicherheit der Covid-19-Impfstoffe überwachen”, hätten “bisher keine belastbaren Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen den Impfstoffen und der Bildung solcher faseriger Klumpen gefunden“. Im übrigen könne „die Verbreitung von Informationen, die nicht auf soliden wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren, zu Verunsicherung führen. Es ist daher ratsam, sich auf vertrauenswürdige und geprüfte Quellen zu stützen, wenn es um Gesundheitsfragen geht.“ (10) Wer einer KI einprogrammieren kann, Daten welcher Herkunft Vertrauen verdienen und zu berücksichtigen sind, hat die Macht, aus ihr ein Propagandainstrument ohnegleichen zu machen – ein Orwell´scher Albtraum, der spätestens bei der nächsten Pandemie Realität werden könnte. (11) Wie feststellen? Wie kann ein Covid-Geimpfter bei verdächtigen Symptomen herausfinden, ob Gefäßklumpen dahinterstecken? Herkömmliche Diagnoseverfahren sind ungeeignet, um Mikrothrombosen in Blutgefäßen zu erkennen: Weder ein Blutbild noch eine Röntgenuntersuchung, weder Ultraschall ohne Doppler noch ein CT ohne Kontrastmittel zeigt sie. Nach Auskunft der Microvascular Research Foundation  (MVRF) in Birmingham, Alabama, gibt es bloß eine Möglichkeit: „Ihr Blutplasma muss mit einem Immunfluoreszenzmikroskop untersucht werden. Dieses Mikroskop verfügt über eine 2000-fache Vergrößerung und kann das Vorhandensein von Amyloidfibrin mit einer Immunfluoreszenzfärbung nachweisen “. Doch kaum ein Arzt würde eine solche Diagnostik verordnen, keine Krankenkasse übernähme die Kosten. Wer sie aus eigener Tasche bezahlen will, muss auf mindestens dreistellige Rechnungsbeträge gefasst sein. Dabei variieren die verlangten Preise von Labor zu Labor beträchtlich. Es empfiehlt sich, direkt bei spezialisierten Laboren oder medizinischen Einrichtungen nachzufragen, wie beispielsweise bei Bioscientia , MVZ Labor Ravensburg , Medizinzentrum Dortmund oder Helios Universitätsklinikum Wuppertal, die solche Verfahren anbieten. Wie werden Covid-Geimpfte das Zeug los? Zum Glück gibt es für Covid-Geimpfte neuerdings vielversprechende Therapieansätze, um das Zeug loszuwerden – zumindest solange es noch klein genug ist. Bewährt hat sich ein Konzept des US-Mediziners Jordan Vaughn, Gründer und Präsidenten der MVRF. Im Herbst 2023 stellte er eine gerinnungshemmende Therapie aus drei Komponenten vor: Aspirin, fibrinolytische Enzyme und Ivermectin. Auf diese Weise behandelten er und seine Kollegen mehr als 1.500 Betroffene – von jungen Sportlern bis zu 90-Jährigen. Bei fast 80 % von ihnen war eine deutliche Verringerung der Symptome zu verzeichnen. Zuversichtlich ist auch der New Yorker Lungenfacharzt und Intensivmediziner Dr. Pierre Kory , der im März 2020 die Front Line COVID-19 Critical Care Working Group  (FLCCC) mitbegründete: eine private Organisation von Ärzten und Wissenschaftlern, die während der Corona-Pandemie alternative Behandlungsprotokolle entwickelte, um Covid-19 vorzubeugen und zu behandeln. Auch Kory schwört auf Ivermectin, ein weit verbreitetes Antiparasitikum, das während der Pandemie verteufelt wurde. „Ivermectin löst die Verklumpung tatsächlich auf“, sagt er. (12) Wie Vaughn, so setzt auch der prominente US-Ganzheitsmediziner Dr. Joseph Mercola auf Enzyme, die fibrinolytisch wirken, d.h. Blutgerinnsel abbauen. Dabei ist “ Lumbrokinase meine Top-Empfehlung, da es etwa 300-mal stärker ist als Serrapeptase und fast 30-mal stärker als Nattokinase. Die aus Regenwürmern gewonnene Lumbrokinase ist ein hochwirksames antithrombotisches Mittel, das die Blutviskosität und die Thrombozytenaggregation verringert und gleichzeitig Fibrin abbaut, einen Schlüsselfaktor bei der Gerinnselbildung.” Zur Zeit prüft Mercola ein Homöopathikum aus Schlangengift auf Eignung. Wie der Kardiologe Dr. Peter McCullough berichtet, erzielt er mit drei Mitteln gute Ergebnisse: mit Bromelain, einem aus der Ananas gewonnenen Enzymgemisch; mit Curcumin, dem wichtigsten bioaktiven Bestandteil des Kurkuma-Gewürzes; und mit Serrapeptase, einem eiweißspaltenden Enzym, das ursprünglich aus Bakterien der Gattung Serratia gewonnen wurde; diese tummeln sich im Darm von Seidenraupen und helfen ihnen, ihren Kokon zu durchbrechen, indem sie Seidenproteine auflösen. (13)  Selbstbehandlung wäre freilich riskant. Die erwähnten Fingerzeige nützen besorgten Impfgeschädigten, echten und vermeintlichen “Long Covid”-Betroffenen erst, wenn sie Ärzte finden, die das Phänomen und einschlägige Studien kennen, Therapiepläne erstellen und umsetzen. Weiterhelfen kann womöglich die Gesellschaft der „Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie, e.V.“ ( MWGFD ), ein Zusammenschluss von medizinisch tätigen Personen und Wissenschaftlern, die sich in Forschung und Lehre mit den Themen Gesundheit, Freiheit und Demokratie beschäftigen. Sie vermittelt Therapeuten. Auch Online-Portale wie Jameda , Doctolib und Theralupa.de führen zu “alternativen” Heilkundigen. (Harald Wiesendanger) Anmerkungen (1)   Im Interview mit Kla.TV . (2)   Einfach erklärt: Die Induktiv gekoppelte Plasma-Massenspektrometrie (ICP-MS) gleicht einer hochsensiblen Waage für winzigste Mengen chemischer Stoffe. Dabei wird eine Probe zunächst einen feinen Nebel verwandelt, ähnlich wie Wasserdampf aus einer Sprühflasche. Dieser feine Nebel wird in ein superheißes Plasma geschickt. Durch diese Hitze zerfallen die Stoffe in der Probe in ihre kleinsten Bausteine, nämlich Atome, und werden elektrisch geladen – zu „Ionen“. Diese werden in ein Massenspektrometer geleitet, das sie nach ihrem Gewicht sortiert (genauer gesagt, nach ihrem Masse-zu-Ladungs-Verhältnis). Weil jedes Element ein eigenes charakteristisches Gewicht aufweist, kann es dadurch erkannt und gezählt werden - selbst in winzigen Mengen, wie wenige Tropfen auf einen großen See verteilt. (3)   High-Performance Liquid Chromatography (HPLC), „Hochleistungsflüssigkeitschromatographie“, ist eine Methode, mit der sich einzelne Bestandteile eines Gemisches voneinander trennen und genau untersuchen lassen. Am Beispiel eines Obstsafts, in dem Äpfel, Orangen und Erdbeeren vermischt wurden: Wie viel steckt von jeder Frucht darin? HPLC veranstaltet gleichsam ein Wettrennen durch ein Rohr: Jeder Stoff läuft unterschiedlich schnell durch eine kleine, dünne Säule, die mit einem speziellen Material gefüllt ist. Unterwegs trennen sich die Stoffe: Manche kommen schneller am Ziel an, andere langsamer – abhängig davon, wie stark sie am Material in der Säule „hängen bleiben“ oder wie schnell sie von der Flüssigkeit - (dem Lösungsmittel - hindurchgetragen werden. Am Ende der Säule erkennt ein Detektor, wann welcher Stoff herauskommt. Jeder Stoff erzeugt ein eigenes Signal - eine Art Spitze oder Kurve. Die Auswertung ergibt ein Diagramm mit verschiedenen Spitzen. Lage und Höhe der Spitzen zeigen genau an, wieviel von welchernStoff enthalten ist. (4)   Die Raman-Spektroskopie ist ein Verfahren, mit dem man Moleküle identifizieren kann. Dabei wird Laserlicht auf eine Probe gerichtet. Ein kleiner Teil des Lichts wird dabei in seiner Energie verändert – je nach Art der Moleküle. Diese Energieverschiebung zeigt typische „Fingerabdrücke“ der Moleküle. (5)   Der RT-QuIC-Test ist eine hochsensitive Methode, um fehlgefaltete Prionproteine nachzuweisen, die für Prionenerkrankungen wie die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit charakteristisch sind. Sie funktioniert so: Man gibt normale, gesunde Prionproteine in ein Röhrchen zusammen mit einer Probe, z. B. Gehirn- oder Nervenwasser. Falls die Probe krankhafte Prionen aufweist, bringen sie die gesunden dazu, sich ebenfalls falsch zu falten – wie bei einer Kettenreaktion. Durch Schütteln („ quaking “) und Erhitzen wird dieser Prozess beschleunigt. Ein Farbstoff zeigt dann in Echtzeit an, wie viele dieser falsch gefalteten Proteine entstehen – daher „Real-Time“. So erkennt man schnell und zuverlässig, ob krankhafte Prionen vorhanden sind. (6)   Näheres zu diesem Erklärungsansatz: https://www.midwesterndoctor.com/p/what-is-causing-the-died-suddenly und https://www.midwesterndoctor.com/p/embalmers-are-continuing-to-find . (7) https://www.risiko-thrombose.de/allgemeine-risikofaktoren.html , https://www.antikoagulation.de/thrombose-risikofaktoren-pravention , https://www.wolfs-apotheke.de/gesundheitsbibliothek/index/thrombose/ , https://www.thrombose-im-griff.de/was-ist-eine-thrombose/ursachen-risiken   (8)   https://laurakasner.substack.com/p/results-of-the-2024-worldwide-embalmer , zum Download der Studie hier: https://laurakasner.substack.com/api/v1/file/ee05b66b-f8e0-4701-b5f4-cea1cec59eea.pdf   (9)   Zum Vergleich: 2020, im ersten Pandemiejahr, waren nicht einmal halb so viele Einbalsamierer (31 %) auf „weiße faserige Strukturen/Klumpen“ in Leichen gestoßen – gegenüber 73 % 2021 und 79 % 2022, nach Beginn der Covid-Impfkampagne -, vor 2020 nur jeder zehnte. Diese Umfragewerte deuten darauf hin, dass auch das Coronavirus selbst zum „White Clot“-Syndrom beiträgt, aber bei weitem nicht so erheblich wie die mRNA-Spritzen. (10)   ChatGPT am 30.03.2025. (11)   Näheres hierzu im KLARTEXT „ Doctor Know“ ist da. Was nun? “, „ Macht KI die Medizin besser? " und „ Kapiert KI die Pandemie? “. (12)   YouTube: Full Measure with Sharyl Attkisson, The COVID Clots , 12. September 2023, ab 24:50. Mehr über Ivermectin in den KLARTEXT-Beiträgen “ Diese Arznei kann die Coronakrise beenden. Sofort. Aber sie darf nicht ” und “ Ein „Game Changer“, der nicht mitspielen darf ”. (13)  Nach einer Mitteilung von Dr. McCullough bei einer zahnmedizinischen Tagung in Orlando, zit. in https://articles.mercola.com/sites/articles/archive/2023/10/07/the-covid-clots.aspx?ui=d503235325038e7b4f1f46eb68a48ff02ee0b104fe815572e6d5504e6da7c48e&sd=20200215&cid_source=dnl&cid_medium=email&cid_content=art1ReadMore&cid=20231007_HL2&foDate=false&mid=DM1474100&rid=1931624796 Titelfoto: “White Clot” aus Laura Kasners Substack ; Blut: qimono/Pixabay.

  • Plötzlicher Kindstod: Sind Eltern schuld?

    Zwei kerngesunde Babies sterben plötzlich über Nacht. Ihre Eltern werden daraufhin verhaftet – weil sie es versäumten, ihr Kind in eine „sichere Schlafposition“ zu bringen. Die Anklage: fahrlässige Tötung. Mehrfach geschehen in den USA. Auch hierzulande möglich? Am Morgen des 8. Mai 2024 will Gina Strause, eine 40-jährige Mama aus Lebanon County im US-Bundesstaat Pennsylvania,  ihren drei Monate alten Sohn Gavin füttern. Beim Blick in sein Bettchen begreift sie sofort: Etwas stimmt nicht. Das Baby reagiert nicht. Es ist kalt und blau angelaufen. Sofort ruft sie den Notarzt. Bis er eintrifft, versucht sie verzweifelt, ihren Jungen wiederzubeleben. Vergeblich. Woran starb der Säugling? Der Autopsiebericht nennt als Todesursache „Komplikationen aufgrund von Erstickung“. Prompt tauchen Polizeibeamte bei Gina Strause und dem Vater, David, auf. Im Protokoll halten sie fest, im Kinderbett lose Gegenstände vorgefunden zu haben, „wie Decken und Stofftiere“. Wie die Mutter aussagt, habe sie ihr Baby gegen 23:30 Uhr gestillt. Anschließend habe sie Gavin auf den Bauch in sein Bettchen gelegt, weil er ein „Bauchschläfer“ gewesen sei, und eine Decke auf ihn gelegt. Bevor David Strause am nächsten Morgen um 5:30 Uhr zur Arbeit geht, sieht er nach seinem Kind. Da liegt es auf dem Bauch und bewegt sich ein wenig. Um es wieder zum Einschlafen zu bringen, tätschelt der Vater es sanft auf den Po. In einem Interview mit dem Online-Nachrichtenportal PennLive erklärt Gina, sie habe Gavin normalerweise auf dem Rücken schlafen gelegt – er habe sich aber angewöhnt, sich auf den Bauch zu drehen. Bei ihrer Vernehmung räumen die Eltern ein, nach der Geburt bei Arztbesuchen einen Handzettel mit medizinischen Informationen über „sichere Schlafpraktiken“ erhalten zu haben, um einem Plötzlichen Kindstod (SIDS) vorzubeugen. Darin hieß es, das Baby solle auf dem Rücken liegen und im selben Zimmer wie die Eltern schlafen. Das Kinderbett sei von Stoßfängern und Stofftieren freizuhalten. Weil die Eltern diese Richtlinien nicht befolgten, werden sie fahrlässiger Tötung, „rücksichtsloser Gefährdung einer anderen Person“ sowie „Gefährdung des Wohlergehens von Kindern“ beschuldigt. Um Anwalts- und Prozesskosten zu decken, haben sie eine GoFundMe-Seite eingerichtet. Der kleine Gavin mit seiner Mama Gina (Foto li.) und seinem großen Bruder. „Rücksichtslos gefährdet, fahrlässig getötet“? Ähnlich ergeht es Natalee Rasmus, einer 17-jährigen Mutter aus Nanticoke im Luzerne County, ebenfalls in Pennsylvania. Als sie am Morgen des 23. Oktober 2022 ihre vier Wochen alte Tochter Avaya Jade aus dem Bettchen hebt, um sie für einen Termin beim Kinderarzt fertig zu machen, ist ihr Körperchen starr und kalt. Ein Gerichtsmediziner stellt als Todesursache „Ersticken durch mechanische Kompression“ fest. Im Polizeiverhör räumt Natalee ein, von medizinischen Personal und in Geburtsvorbereitungskursen habe sie Empfehlungen für sicheres Schlafen von Babies erhalten, diese aber ignoriert. Stattdessen habe sie ihr Baby mit dem Gesicht nach unten in einen Stubenwagen gelegt – mit einem Boppy-Kissen, auf dem der Warnhinweis „Nicht zum Schlafen verwenden“ angebracht war. (1) Gegen die junge Mutter wird Anklage erhoben: wegen „Mord dritten Grades“, bei dem jemand unabsichtlich, aber „unter rücksichtsloser Missaachtung menschlichen Lebens“ getötet wird. In Pennsylvania droht deswegen eine Freiheitsstrafe bis zu 40 Jahren. Bis zum Ausgang des immer noch offenen Verfahrens bleibt Natalee Rasmus in Haft. Ihre Kaution, auf 25.000 Dollar festgesetzt, kann sie nicht aufbringen. In beiden Fällen verweist die Staatsanwaltschaft darauf, dass sich in den Krankenakten der Babys unterschriebene Erklärungen der Eltern befanden, sie seien über Vorsichtsmaßnahmen gegen Plötzlichen Kindstod aufgeklärt worden. So zu verfahren, schreibt der Bundesstaat Pennsyvania in einem Gesetz aus dem Jahr 2010 vor. Es verpflichtet Krankenhäuser, Geburtszentren und medizinische Dienstleister, frischgebackenen Eltern Informationsmaterialien der nationalen „Safe to Sleep “-Kampagne  auszuhändigen und sie zu bitten, den Erhalt dieser Materialien zu bestätigen. Ebenfalls zum Sündenbock wurde die 25-jährige Candice Christa Semidey aus Virginia: Im Jahr 2014 wurde sie wegen Mordes angeklagt , nachdem sie ihr Baby gewickelt und auf den Bauch gelegt hatte. Sie bekannte sich schuldig  des fahrlässigen Totschlags und der Vernachlässigung eines Kindes. Zunächst zu einer fünfjährigen Haftstrafe  verurteilt, kam sie schließlich mit drei Jahren auf Bewährung davon. Eltern zurecht am Pranger? Derartige Anklagen empfindet Nancy Maruyama, Geschäftsführerin von Sudden Infant Death Services of Illinois , als schockierend : Betroffene Eltern „strafrechtlich zu verfolgen, ist ein Verbrechen, denn sie haben bereits den schlimmsten Verlust erlitten“. Seit 1968 bietet ihre Organisation Eltern Prävention, Unterstützung und Trauerbegleitung. Auch Juristen schütteln den Kopf über solche Schuldzuweisungen und ihre drastischen Folgen. Der Tod des Babies sei doch offenkundig „ein tragischer Unfall ohne kriminelle Absicht, es zu verletzen oder zu töten“, erklärte ein Pflichtverteidiger von Natalee Rasmus. Der US-amerikanische Medizinjournalist und Impfkritiker Neil Z. Miller, Autor von Vaccines: Are They Really Safe and Effective? , kommentiert empört: „Eltern eines schlafenden Babys, das mitten in der Nacht stirbt, sollten niemals wegen Mordes angeklagt werden. Das ist einfach grausam. (..) Sollten Eltern wirklich verpflichtet sein, jede ‘Empfehlung’ ihres Arztes oder der Safe to Sleep -Kampagne zu befolgen? Würden wir es vorziehen, dass Ärzte unsere Babys großziehen statt die Eltern? Wurden andere mögliche Todesursachen in Betracht gezogen, wie zum Beispiel Impfungen?” Durchsichtiges Ablenkungsmanöver von fatalen Impffolgen? In einem lesenswerten Artikel verschafft Miller einen Überblick über die Geschichte der Diagnose “Plötzlicher Kindstod” (SIDS, Sudden Infant Death Syndrome ). Darin stellt er fest: Der dramatische Anstieg der SIDS-Fälle fiel mit den ersten Massenimpfkampagnen  zusammen. Das nationale Safe-to-Sleep -Programm startete, nachdem immer mehr Mütter und Väter sich Sorgen machten, dass die Todesfälle herbeige”pikst” worden sein könnten. Diesen Verdacht versuchte die Kampagne zu zerstreuen. Sie trichterte Eltern ein: Babys, die auf dem Rücken oder auf der Seite schlafen, sterben seltener im Schlaf. Am meisten SIDS-gefährdet seien “Bauchschläfer”. Diesen Zusammenhang scheinen Statistiken zu belegen. Zwischen 1992, als die Safe to Sleep -Propaganda Fahrt aufnahm, und 2001 gingen die SIDS-Todesfälle Berichten zufolge um satte 55 % zurück. (2) In den USA waren es im Jahr 1992 noch 4.895 gewesen – zwölf Jahre später, 2004, gab es angeblich bloß noch 2.247. (3) SIDS-Rate und Rückenschlaf von 1988 bis 2006. Mit Grafiken wie dieser versucht das US-Gesundheitsministerium zu “beweisen”, dass plötzliche Säuglingstode nichts mit Impfungen zu tun haben, sondern mit einer unsicheren Schlafposition. Parallel zum Rückgang der SIDS-Fälle stieg jedoch die Sterblichkeitsrate aufgrund von „Erstickung im Bett“, „sonstiger Erstickung“, „unbekannten und nicht näher bezeichneten Ursachen“ und „unbekannter Ursache“ deutlich an. Warum? Wegen „ Code Shifting “ - man hatte kurzerhand das Klassifizierungssystem geändert . SIDS-Todesfälle wurden von medizinischen Gutachtern, in der Regel Gerichtsmedizinern, fortan nicht mehr als SIDS bezeichnet, sondern in einer der anderen begrifflichen Schubladen untergebracht. Zum selben Schluss kommt eine im Fachjournal Pediatrics veröffentlichte Studie: Todesfällen, die zuvor als SIDS etikettiert worden waren, wurden nun einfach andere Nicht-SIDS-Ursachen, wie z. B. Ersticken, zugeschrieben. Aber im Wesentlichen handelte es sich weiterhin um Plötzlichen Kindstod. Solch trickreiches Umklassifizieren machte mehr als 90 % des Rückgangs der SIDS-Raten aus. Diesen Befund bestätigten mehrere weitere Studien in angesehenen Fachzeitschriften. (4) „Von 1999 bis 2015 sank die SIDS-Rate in den USA um 35,8 %, während die Zahl der Säuglingstodesfälle durch versehentliches Ersticken um 183,8 % stieg“, so berichtet Neil Miller. Recherchen des medizinischen Nachrichtendiensts Scripps Howard News Service  bestätigen Millers Befund. „Wir führten eine umfassende Studie darüber durch, wie Fälle von Säuglingstod in den Vereinigten Staaten untersucht werden.“ Dabei stützte sich die Redaktion auf Unterlagen, die ihr die US-Gesundheitsbehörde CDC zur Verfügung stellte. „Die Aufzeichnungen enthielten Einzelheiten über den plötzlichen Tod von 40.239 Kleinkindern, von denen die Hälfte in den 1990er Jahren und der Rest in einem Fünfjahreszeitraum von 2000 bis 2004 starb.“ Zum Vorschein kamen dabei „statistische Manipulationen“ und „gezielte Bemühungen, SIDS verschwinden zu lassen – auf dem Papier“. Die Überprüfung ergab „enorme Unterschiede in der Art und Weise, wie die Todesfälle von Kleinkindern untersucht und eingeordnet werden. Die SIDS-Rate ist den Daten zufolge in Mississippi 12-mal höher als in New York. Die meisten Experten sind sich einig, dass solche großen Unterschiede von der Art und Weise herrühren, wie man die Todesfälle klassifiziert, und nicht von der Art und Weise, wie die Säuglinge starben. Die Unterschiede sind von Landkreis ( county ) zu Landkreis innerhalb eines Bundesstaates manchmal sogar noch größer, weil die Rechtsmediziner sehr unterschiedliche Ansätze verfolgen, wie sie die Ursache der Säuglingssterblichkeit in ihren Gebieten feststellen. (…) In einigen Bundesstaaten und Städten sind SIDS-Fälle in den letzten Jahren praktisch verschwunden - eine genauere Untersuchung der Daten macht jedoch deutlich, dass Tausende dieser Leben keineswegs ‚gerettet‘ wurden, sondern unter einem anderen Namen verloren gingen“. Wozu das Statistikmanöver stattfand, liegt auf der Hand: Zu nahezu 80 % der SIDS-Todesfälle, die dem Vaccine Adverse Event Reporting System  (VAERS) gemeldet wurden – einem seit 1990 bestehenden US-Meldesystem für Impfnebenwirkungen -, kam es innerhalb von sieben Tagen nach  einer Impfung. (5) Zufall? Warum sterben Babys dann nicht ebenso häufig sieben Tage davor ? Vor den modernen Impfprogrammen kam der "Krippentod" so selten vor, dass er in Statistiken zur Säuglingssterblichkeit noch gar nicht auftauchte. Das änderte sich erst, als die Vereinigten Staaten in den 1960er Jahren eine Reihe von Impfkampagnen initiierten. Erstmals erhielten die meisten US-Kinder mehrere Dosen von Impfstoffen gegen DPT, Polio, Masern, Mumps und Röteln. Kurz darauf, 1969, wurde das „Syndrom des plötzlichen Kindstods“ zum medizinischen Fachbegriff. Wie dem Kinderneurologen William Torch von der Universität von Nevada in Reno 1982 auffiel, waren zwei Drittel der Säuglinge, die SIDS zum Opfer fielen, vor ihrem Tod gegen DPT geimpft worden. Von diesen starben 6,5% innerhalb von 12 Stunden nach der Impfung, 13% innerhalb von 24 Stunden, 26% innerhalb von 3 Tagen und 37%, 61% und 70% innerhalb von 1, 2 bzw. 3 Wochen. (6) Das RKI trickst mit Wie dreist Wissenschaftler und Behörden tricksen, um genehme Statistiken zu liefern, verdeutlicht die vielzitierte „Token-Studie“ zur Sicherheit von Babyimpfungen, die das Robert-Koch-Institut organisierte. (7) Ihr vollmundiger Anspruch: Lückenlos sollte sie sämtliche ungeklärten SIDS-Fälle bei Kindern im Alter von zwei bis 24 Monaten erfassen, die zwischen Sommer 2005 und Sommer 2008 verstarben – und prüfen, ob diese Tode mit vorausgegangenen Impfungen zusammenhängen. Schon die Finanzierung der Studie machte stutzig: Für einen Sponsorbetrag von 2,5 Millionen Euro erkauften sich die Hersteller zweier zu testender Impfstoffe, Sanofi Pasteur und GlaxoSmithKline (GSK), das Recht, „unverzüglich über relevante Ergebnisse oder Bewertungen unterrichtet zu werden“ – und „Gelegenheit zur wissenschaftlichen Stellungnahme zu den zur Publikation vorgesehenen Texten zu erhalten“, ehe diese veröffentlicht werden. In die Auswertung einbezogen wurden nur 254 Fälle, in denen betroffene Eltern bereit waren, einen umfangreichen Fragebogen auszufüllen. Von 667 Müttern und Vätern, deren Kind im Untersuchungszeitraum verstarb, verweigerten aber zwei Drittel ihre Teilnahme, trotz mehrfacher Kontaktnahme – verständlicherweise. Wer ist nach einem derart schmerzlichen Verlust noch erpicht darauf, die Neugier von Datensammlern zu befriedigen? Zu schlechter letzt gelang der „Token-Studie“ das Kunststück, gleichzeitig zwei diametral entgegengesetzte Erkenntnisse zu liefern: die offizielle sowie eine, die erst bei Analyse der Basisdaten zum Vorschein kam – das RKI versteckte sie in der 160-seitigen Langfassung des Studienberichts, den sie nur auf Englisch zur Verfügung stellte. Die deutsche Kurzversion gab erwartungsgemäß Entwarnung: Die Impfstoffe seien ungefährlich – schuld an den Todesfällen scheinen demnach vielmehr unaufmerksame, sorglose Eltern. Dabei rückte das RKI nichtsignifikante, aber genehme Details in den Vordergrund seiner Berichterstattung; und statt SIDS-Fälle einfach auszuzählen, „gewichtete“ es sie, bis sich genehme Schlussfolgerungen ergaben. Bei genauerem Hinsehen belegen die RKI-Daten in Wahrheit: - In den ersten 14 Tagen nach einer Impfung ist ein SIDS-Fall drei Mal wahrscheinlicher als in den darauffolgenden Wochen. - Drei Tage nach einer Sechsfachimpfung ist das Sterberisiko um das 2- bis 3-Fache erhöht, nach einer Fünffachimpfung sogar um das 8,1-Fache. - Während des zweiten Lebensjahrs steigt die Wahrscheinlichkeit, binnen 72 Stunden nach einer Impfung zu sterben, um beinahe das 14-Fache. Würde der Forschungsstand tatsächlich Skeptiker widerlegen: Warum stoßen betroffene Eltern dann auf massivsten Widerstand, wenn sie darauf bestehen, die wahre Todesursache ihres geimpften Babies aufzuklären? Dass sie es hierbei „schwerer haben als Don Quichotte im Kampf gegen die Windmühlenflügel“, erlebte Helga Rühl, Vorstandsmitglied der „ Eltern für Impfaufklärung “ (EFI) und selber betroffene Mutter. Mitte der neunziger Jahre reichte sie sowohl beim Petitionsausschuss der Bundesrepublik Deutschland als auch bei ihrer Landesregierung einen Antrag ein, eine Meldepflicht für plötzlichen Kindstod einzuführen, die zeitliche Nähe zu vorausgegangenen Schutzimpfungen zu untersuchen und grundsätzlich eine Obduktion der verstorbenen Kinder vorzunehmen. Mit einbezogen werden sollten Near -SIDS-Fälle. Zwei Mal wurde ihr Antrag abgelehnt . Eine fatale Kombination mehrerer Faktoren , die in einem kritischen Entwicklungsstadium zusammentreffen, könnten manche Säuglinge anfällig für giftige Bestandteile von Impfstoffen machen. In den ersten Lebensmonaten ist das Nervensystem noch unreif,   Arousal -Mechanismen – also das Aufwachen bei Atemproblemen – funktionieren noch nicht optimal. Womöglich erschweren es unterentwickelte Leberenzymwege  einigen Babies, Toxine abzubauen, die in sie hineingespritzt werden. Äußere Stressoren wie Überwärmung, Passivrauchen, Infektionen, CO 2 -Rückatmung in schlecht belüfterter Umgebung setzen ihn weitaus stärker zu als älteren Kindern. Alles zusammengenommen kann „ The Perfect Storm “ erzeugen, der die tödliche Katastrophe heraufbeschwört. Drohen Eltern hierzulande amerikanische Verhältnisse? „Rückenlage ist für Babies die sicherste Schlafposition, um Plötzlichem Kindstod vorzubeugen“: Auch in Deutschland verbreiten mehrere Institutionen diese Empfehlung – von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) über die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und das Netzwerk „ Gesund ins Leben “ bis hin zum Kinderschutzbund dksb.de , der Stiftung Kindergesundheit , dem Grünen Kreuz und dem Deutschen Hebammenverband . Können sich Eltern hierzulande strafbar machen, wenn sie diese Empfehlungen missachten und ihr Baby daraufhin stirbt? Wegen SIDS ist gegen Eltern in Deutschland bisher kein einziges Gerichtsurteil ergangen. Dies könnte sich in Ausnahmefällen aber irgendwann ändern, wie Juristen zu bedenken geben – unter bestimmten Umständen kann  durchaus ein strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegen. Zwar gibt es keinen gesetzlichen Zwang, medizinische Empfehlungen einzuhalten – sie sind nicht rechtsverbindlich. Das Erziehungsrecht liegt grundsätzlich bei den Eltern; somit sind sie frei in ihren Entscheidungen,  wie sie ihr Kind pflegen und betreuen. Aber: Eltern obliegt eine Sorgfaltspflicht. Sie sind gesetzlich verpflichtet, für das Wohl und die Sicherheit ihres Kindes zu sorgen (§ 1626 BGB, § 1631 BGB). Falls sie allgemein anerkannte Sicherheitsregeln - wie die Rückenlage – missachten, so könnten Richter dies als grobe Sorgfaltspflichtverletzung werten. Welche strafrechtlichen Konsequenzen drohen dann womöglich? Wenn ein Baby z. B. erstickt, weil es in Bauchlage auf einem Kissen lag – und die Eltern das trotz Aufklärung billigend in Kauf genommen haben –, kann ihnen fahrlässige Tötung (§ 222 StGB) vorgeworfen werden. Die vier Voraussetzungen hierfür: pflichtwidriges Verhalten, Kausalität, Vorhersehbarkeit, Vermeidbarkeit. Dann droht eine Geldstrafe, bei grober Fahrlässigkeit bis zu fünf Jahren   Gefängnis. Wenn Eltern ihr Kind über längere Zeit systematisch gefährden - z. B. indem sie es wiederholt unter Bedingungen schlafen lassen, die Sachverständige und Richter als extrem gefährlich bewerten -, so kann dies als Verletzung der Fürsorgepflicht gelten (§ 171 StGB). Soweit die juristische Theorie. In der deutschen Rechtspraxis kam es bislang zu keinem einzigen Strafverfahren dieser Art. Eher findet eine Überprüfung durch das Jugendamt statt – vor allem, wenn es sich um einen tragischen Einzelfall handelt und keine Anzeichen für Vernachlässigung oder Vorsatz vorliegen. Ermittlungen der Polizei nach einem plötzlichen Kindstod sind üblich, aber vor allem, um Fremdverschulden auszuschließen. Eine strafrechtliche Verurteilung ist selten – sie erfordert in der Regel massive und nachweisbare Pflichtverletzungen. Im übrigen: Schließt elterliche Fürsorgepflicht nicht ein, seinem Nachwuchs Missbildungen möglichst zu ersparen? Babys, die überwiegend auf dem Rücken schlafen, entwickeln häufiger abgeflachte Hinterköpfe. Seit die „ Safe-to-Sleep “-Kampagne anlief, haben ein- und beidseitige Schädelverformungen um 400 bis 600 % zugenommen (8): Beim „Schrägkopf“ (Plagiozephalie) ist eine Hinterkopfseite abgeflacht, Stirn und Ohr sind dort leicht nach vorn verlagert, der Kopf erscheint rhomboid bzw. parallelogrammförmig; beim „Kurzschädel“ (Brachyzephalie) ist der Hinterkopf beidseitig abgeflacht, was den Kopf verkürzt und verbreitert erscheinen lässt. Inzwischen entwickeln 20 bis 30 % aller Babies im ersten Lebensjahr sichtbare Deformationen dieser Art – fürs Gehirn zwar ungefährlich, aber alles andere als ästhetisch. Indem sie auf dem Rücken schlafen, verbringen Babys außerdem weniger Zeit in Bauchlage („ Tummy Time “), wodurch sie Nacken- und Oberkörpermuskulatur weniger trainieren. „Berichten zufolge“, resümiert The Guardian , „hat das Schlafenlegen von Babys in Rückenlage zu einer Generation von Kleinkindern geführt, die möglicherweise nie oder nur sehr spät krabbeln lernen.“ (9) Zu früh gefreut? Fakt ist: Vorerst müssen Deutschlands Eltern keine juristischen Scherereien befürchten, wenn sie ihr Baby im Bettchen anders positionieren, als Experten vorschwebt. Deswegen erleichtert aufzuatmen, könnte sich allerdings als voreilig erweisen. Wie weit unser sogenannter Rechtsstaat geht, um der Pharmaindustrie beim Kaschieren von Impfschäden behilflich zu sein, erleben Eltern, die ihr Kleines zwar nicht dem Erstickungstod durch fehlerhaftes Schlafenlegen zugeführt, aber angeblich zu Tode geschüttelt haben. (10) Viele derartige Fälle dokumentiert der Verein IN-ES  in seinem Buch Schütteltrauma - Gewaltanwendung oder Impffolge?   (2018): „Wegnahme des eigenen Kindes! Die Familie wird auseinandergerissen. Nichts ist mehr, wie es war. Große Leere. Schock. Angst. Genau dies mussten bereits viele Eltern erfahren, denen ihr Kind mit der Begründung einer Misshandlung weggenommen wurde. Es gibt Eltern, die ihre Kinder tatsächlich physisch und psychisch misshandeln - unverzeihlich. Viele Eltern werden jedoch zu Unrecht von Ärzten, Gerichten und Jugendämter beschuldigt. Denn auch Impfungen können gewaltähnliche Symptome auslösen. Andere Ursachen werden jedoch meist nicht geprüft! Eine Ausschlussdiagnostik fehlt in den allermeisten Fällen und Impfungen werden grundsätzlich als Ursache geleugnet. Dabei entscheidet genau diese Unterscheidung über den Verbleib des Kindes bei seinen Eltern. Viele Eltern, die so zu Unrecht als Verbrecher hingestellt werden, resignieren und gehen einen Vergleich mit dem Gericht ein. Meist wird der Vater bestraft und ist für sein Leben gezeichnet.“ “Sicher positionieren”: eine absurde Zumutung Wie, bitteschön, sollen Eltern denn sicherstellen, dass ihr Baby stundenlang ständig auf dem Rücken liegenbleibt, nachdem sie es in dieser Position hingelegt haben? Mit Sicherheit klappt das bloß im allerersten Lebensmonat, solange seine Muskeln und Nerven dafür noch nicht reif genug sind. Und danach? Festschnallen? Tatsächlich wechseln Babys nachts mehrfach ihre Schlafposition - wie oft, hängt vom Alter, Entwicklungsstand und der jeweiligen Schlafphase ab. Unter 3188 Säuglingen, die vier Wochen alt waren, war dies bei 56 %  festzustellen . Babys durchlaufen Schlafzyklen von 40 bis 45 Minuten. In den Übergängen zwischen Leicht- und Tiefschlaf wachen sie kurz auf – in diesem Moment findet unbewusst oft eine Lageveränderung statt. Bereits mit drei Monaten drehen sich manche Babies zum ersten Mal vom Rücken auf den Bauch – andere schaffen dies erst nach einem halben Jahr . Spätestens bei der unsäglichen Corona“pandemie“ müsste aufmerksamen Eltern klargeworden sein, wie eng Impfungen und SIDS zusammenhängen. Insbesondere während Lockdowns, als Impftermine ausfielen, verstarben plötzlich deutlich weniger Kinder. Von Anfang an war die Safe-to-Sleep -Kampagne an Absurdität kaum zu überbieten. Seit es Menschen gibt – also seit mindestens hunderttausenden von Jahren -, schläft ihr Nachwuchs in allen möglichen Positionen, auch bäuchlings. Warum wurde die Bauchlage für Neugeborene erst massenhaft tödlich, als massenhafte Impfungen begannen? So „evidenzbasiert“, wie ihre Propagandisten vorgeben, ist die Rückenschlaf-Empfehlung mitnichten. Im Jahr 2022 bezog ein systematischer Forschungsüberblick 54 Studien zur Rückenlage mit insgesamt knapp 475.000 Säuglingen ein. Wie viele deuteten darauf hin, dass diese Schlafposition das Risiko für plötzlichen unerwarteten Kindstod senken kann? Eine einzige. Demnach, so schloss der Review, „gibt es wenig bis sehr geringe Evidenz dafür.“ Die Safe-to-Sleep -Kampagne ging übrigens auf eine Empfehlung der American Academy of Pediatrics (AAP) zurück, der weltweit bedeutendsten Fachgesellschaft für Kinderheilkunde. 1930 gegründet, vertritt sie über 67.000 Kinderärzte, Forscher und Fachkräfte. Ihre Empfehlungen gelten nicht nur in den USA, sondern beeinflussen Richtlinien rund um den Globus. Zu ihren Sponsoren zählen Pfizer, Merck, Eli Lilly, Genentech (Roche-Gruppe), GlaxoSmithKline, Moderna, Sanofi – allesamt Impfstoffhersteller. Offiziell liegen die jährlichen Zuwendungen pro Unternehmen bei 10.000 bis über 50.000 US-Dollar; bei Pfizer waren es 2017 immerhin 150.000 Dollar. Damit nicht genug: Vermutlich streicht fast bis ausnahmslos jeder der 17 AAP-Vorständler Pharmagelder für Beratung, Forschung, Autoren- oder Vortragstätigkeit ein. Dabei sind fünf- bis sechsstellige Zuwendungen durchaus branchenüblich. (11) Solche „Partnerschaften“ haben selbstverständlich „keinen Einfluss auf die Objektivität unserer Inhalte“, so beteuert die AAP auf ihrer Website. Ist es nicht immer wieder aufs Neue verblüffend, welche Unsummen es Big Pharma wert ist, medizinische Institutionen nicht zu kaufen? ( Harald Wiesendanger )     Anmerkungen (1)   Ein Boppy-Kissen hat die Form eines Hufeisens. Ursprünglich als Stillhilfe entwickelt, dient es heute auch zum Hochlagern, Ablegen oder Unterstützen von Babys. (2)   https://www.thebump.com/news/safe-to-sleep-program-cut , https://www.nytimes.com/2020/04/17/parenting/baby/what-causes-sids.html#:~:text=Before%20the%201960s%2C%20healthy%20infants,%2C%20however%2C%20was%20a%20mystery (3)   L. Bowman/T. Hargrove: " Saving babies: Exposing Sudden Infant Death In America ", Daily Camera  8.10.2007. (4)   https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11826207/ , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29440504/ (5)   Drei besonders tragische Fälle schildere ich hier , hier und hier . (6)   William C. Torch: „Diphtheria-pertussis-tetanus (DPT) immunization: a potential cause of the sudden infant death syndrome (SIDS)“, American Academy of Neurology, Vortrag beim 34th Annual Meeting, 25. April – 1. Mai 1982. Neurology  32(4, part 2):A169-170, zit. hier . (7)   Näheres in Bert Ehgartner: Was Sie schon immer über das Impfen wissen wollten  (2023), S. 101 ff. Zu bestellen bei Ihrer örtlichen Buchhandlung – sie benötigt Einnahmen dringender als Jeff Bezos. (8)   https://journals.healio.com/doi/10.3928/19382359-20200922-02 , https://www.theguardian.com/society/2003/jul/08/lifeandhealth.sciencenews , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9086896/ (9)   https://www.theguardian.com/society/2003/jul/08/lifeandhealth.sciencenews , https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2002/nov/19/healthandwellbeing.health (10)  http://www.bbc.co.uk/news/health-37672451 , http://www.shakenbaby.nl/ (11)  Näheres in Harald Wiesendanger: Das GesundheitsUNwesen - Wie wir es durchschauen, überleben und verwandeln  (2019).

  • Liebe heilt

    Liebe versöhnt und verbindet, sie beseelt und beflügelt, sie inspiriert und erfüllt. Sie macht glücklich. Mehr noch: Sie kann heilen. Ihre ungeheure therapeutische Kraft nutzt eine spirituelle Medizin. Wie viel sie damit zustande bringen kann, belegen seit 2007 die Therapiecamps der Stiftung Auswege. Durch ständigen Missbrauch abgenutzt, kommen manche Ausdrücke derart phrasenhaft-hohl daher, dass man ihre Weiterverwendung am liebsten verbieten würde. Dergestalt haben sich Politiker am „Sozialen“ und „Liberalen“ vergangen, der Online-Allesvernetzer Facebook an „Freundschaft“, werbetreibende Lebensmittelhersteller am „Genuss“, die FIFA an „Ethik“, Faktenchecker an „Tatsache“, „Wahrheit“ und „Desinformation“ – und eine Koalition aus überschwänglich Verknallten, Songtextern der Popindustrie, Hollywoods Drehbuchschreibern und abgehobenen Esoterikern am Begriff der Liebe. Um so schwerer fällt es uns zu bekennen: Wir lieben die Menschen, die in die Therapiecamps unserer Stiftung Auswege kommen, einen wie den anderen – den äußerlich entstellten, geistig zurückgebliebenen, körperlich aufs Extremste eingeschränkten Behinderten ebenso wie den von Krämpfen geschüttelten Epileptiker und das hyperaktive, aggressive Kind; gestresste, hadernde, fordernde Eltern ebenso wie mürrische, uneinsichtige, verklemmte, selbstgerechte, ver­kopfte, undankbare erwachsene Patienten und distanzierte, argwöhnische, besserwisserische Angehörige. Genauso empfinden die allermeisten, die sich uns anvertrauen: Am Ende einer Therapiewoche schwärmen sie von einem Übermaß an Liebe, das sie bei uns erfahren ha­ben. Begriff missbraucht? Benötigen beide Seiten, Helfer wie Hilfe­­suchende, dringend Nachhilfeunterricht in Semantik? Liebe ist die stärkste Zuneigung und Wertschätzung, die Men­schen einander entgegenbringen können; ge­prägt wird sie von einer innigen, tiefen Ver­bun­­denheit, die ihren Nutzwert über­steigt. Schon in der Antike un­ter­schieden Dichter und Philosophen drei Arten von Lie­be. Im Sinne der ersten, Eros , geht es bei uns durchweg lieblos zu: Wir füh­len uns Teilnehmern gewiss nicht sinnlich-erotisch verbunden, durch leidenschaftliches Begehren. Wohl aber verbinden uns Philia - die freund­schaftliche Form von Liebe, die auf gegenseitiger Anerkennung und Verständnis beruht – und Agape , der es selbstlos fördernd um das Wohl des Nächsten geht. Inwiefern? Wie alle psychischen Zu­stände, so ist auch Liebe mit be­stimm­ten Gefühlen, Einstellungen und Ausdrucksformen verbunden. Und in jeder dieser Hinsichten passt der Begriff durchaus auf unsere innige Beziehung zu Campteilnehmern: Emotional verbinden uns mit ihnen Sympathie und Mitgefühl. Unsere Haltung ihnen gegenüber ist geprägt von bedingungsloser Wertschätzung, aufrichtigem Interesse, Anteilnahme und Fürsorge. Beides verbergen wir nicht, sondern bringen es im Camp­alltag bei jeder Gelegenheit zum Ausdruck - durch Äußerungen bei Heilsitzungen und Beratungstermi­nen, in Gruppenzusammenkünften und Gesprächen außerhalb des Ta­ges­programms, ebenso durch non­ver­bale Signale in Mimik, Gestik, Körperhaltungen und Verhaltens­wei­sen, die uns weder Überwindung kosten noch irgendeinem Kalkül folgen: Teilnehmer freundlich anzulächeln, zwischendurch ihre Hand zu halten, sie zu umarmen, fällt uns keineswegs schwer. „Kann Wunder bewirken“ Darin sehen wir weitaus mehr als bloß wellnessförderliches Beiwerk zur therapeutischen Arbeit – es gehört essentiell dazu. Denn wir sind fest davon überzeugt: Liebe heilt. Darin stimmen wir ganzheitlichen Ärzten, Therapeuten und Heilern zu, die diesen Aspekt nachdrücklich betont haben (1). Ein literarisches Manifest dieser Gesinnung ist die um 1990 erschienene Aufsatzsammlung Was ist heilen? (2). Ein amerikanisches Autorenduo, Richard Carlson und Benjamin Shield, ließ darin 28 berühmte Heiler, sympathisierende Ärzte und wissenschaftliche Experten in kurzen Essays Stellung nehmen. "Liebe ist der Heiler", fassen die Herausgeber einleitend den Grundtenor der meisten Beiträge zusammen. "Liebe wird als der kleinste gemeinsame Nenner betrachtet, der jeder erfolgreichen Heilung zugrunde liegt und alle wirkungsvollen Heilmethoden unterstützt. Ohne Liebe gibt es keine wirkliche Heilung." (3) "Es ist die Liebe, die heilt", lehrte eine der prominentesten Heilerinnen im Therapeuten-Netzwerk der Stiftung Auswege, die viel zu früh verstorbene Pamela Sommer-Dickson - "eine ganz starke, aber auch ganz fein schwingende Energie, die uns berühren kann, wenn wir bereit sind, unsere Herzen zu öffnen und uns selbst anzunehmen (...) Dann erleben wir, wie sie Wunder wirken kann." (4) Doch wie sollte Liebe eine heilsame Kraft entfalten können? Sie tut es auf beiden Seiten der therapeutischen Beziehung: Helfer, die lieben, sind besonders motiviert, ihr Bestes zu geben. Hilfesuchende, die sich ge­liebt fühlen, vertrauen, öffnen sich, kooperieren mehr. Offenkundig uneigennützige, rein ehrenamtliche Hilfe zu finden, ist für die meisten Campteilnehmer eine völlig neue Erfahrung, die ihr Vertrauen stärkt und sie kooperativer macht: „Wir waren umgeben von Engeln, die uns bestens versorgten, jeder war herzlich und hilfsbereit", schwärmt die Mutter eines schwerbehinderten Jungen. „Diese Atmosphäre war ansteckend. Hier hat keiner an Geld oder seinen eigenen Vorteil gedacht. Ich bin hier einem ganzen Haus voller guter Menschen begegnet. Ich nehme Mut, Hoffnung und Kraft mit." Der Mutter eines epileptischen Fünfjährigen „war es nicht möglich, mich in der abschließenden Runde zu bedanken, sonst hätte ich nur geweint. Euer aller selbstlose Art ist fast nicht zu verstehen. Danke, dass es euch gibt, und Danke dafür, was ihr für uns alle tut." Was viele Campteilnehmer verblüfft: Auch Ärzte bringen diesen besonderen Geist in den Campalltag ein. „Es fällt uns schwer, von der Apparatemedizin auf adäquate Menschlichkeit umzuschalten“, räumte der frühere Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Frank Ulrich Montgomery ein (5) – den Ärzten in unseren Camps gelingt dies mühelos, ohne Selbstüberwindung. „Echte Anteilnahme ist vielleicht wertvoller als jede rein medizinische Behandlung“, konstatiert der amerikanische Kardiologe Brian Olshansky. (6) Bei uns gibt es „Liebe statt Valium“, wie ein Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats unserer Stiftung, der frühere Berliner Ärztekammerpräsident Dr. Ellis Huber, eine vieldiskutierte Streitschrift betitelte. (7) Für den Geist, in dem wir uns ins Campgeschehen einbringen, haben Hilfesuchende feine Antennen, und dies erzeugt willkommene therapeutische Nebenwirkungen. „Das nenne ich Hingabe", sagte uns die Mutter eines fünfjährigen, von Neurodermitis geplagten Jungen. „Davon bin ich gerührt und tief berührt. Ich verneige mich vor euch." Psychologie plus Paraphysik Aber wie heilt Liebe? Zu psychologischen Faktoren tritt womöglich ein paraphysikalischer hinzu – eben jener, den Heiler meinen, wenn sie versichern, Gedan­ken seien „Schwingungen“ im „Fein­stofflichen“, liebevolle Gedanken deren höchste. Nach über einem Jahr­hundert parapsychologischer Forschung sind solche Spekulationen längst nicht mehr abwegig: Unzäh­lige Tests und Experimente, darunter viele auf gehobenem naturwissenschaftlichem Niveau, deuten mittlerweile darauf hin, dass geistige Ereig­nisse, Vorgänge und Zustände messbare physische Veränderungen auslösen können: bei „verblindeten“ Ver­suchspersonen, bei Tieren und Pflan­zen, bei Pilzen und Bakterien, bei Zel­len und Zellbestandteilen, selbst in an­­organischem Material. (8) Und in manchen Studien zeigte sich, dass liebevolle Intentionen einen besonderen Unterschied machen: Sie synchroni­sie­ren Hirnwellenmuster (9), sie be­schleunigen das Wachstum von Pfla­nzen (10) – wie Hobbygärtner mit „grünem Daumen“ immer schon wussten -, und sie verändern die Struktur von Wasser (11), was insofern medizinisch hochbedeutsam ist, als der menschliche Körper zu zwei Drittel aus H2O besteht, das Gehirn zu 85 Prozent, das Blutplasma sogar bis zu 95 Pro­zent. Liebe heilt – auch deshalb ist heilsam, was in unseren Camps ge­schieht. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen 1 Siehe H. Wiesendanger: Fernheilen, Band 1: Die Vielfalt der Methoden , Kap. „Die Liebenden – Fernheilen mit dem höch­­sten aller Gefühle“, S. 286 ff. 2 Original: Healers on Healing, hrsg. R. Carlson/B. Shield, Los Angeles o.J.; die deutsche Übersetzung erschien 1992 unter dem Titel Was ist heilen? Berühmte Heilerinnen und Heiler antworten. 3 a.a.O., S. 10 4 in H. Wiesendanger (Hrsg.): Geistiges Heilen für eine neue Zeit - Vom "Wunder­hei­len" zur ganzheitlichen Medizin , München 1999, S. 17-30, sowie in ders. (Hrsg.): Wie Jesus heilen. Geistiges Heilen: ein Akt christlicher Nächstenliebe , 4. überarb. Aufl., Schönbrunn 2008, S. 305-315. 5 Der Spiegel 6/2014, S. 35 6 zit. nach https://www.spiegel.de/politik/wundermittel-im-kopf-a-8f9507f3-0002-0001-0000-000052032649 7 Ellis Huber: Liebe statt Valium – Konzepte für eine neue Gesund­heitsreform, Berlin 1993 8 Eindrückliche Forschungsergebnisse stelle ich vor in Fernheilen, Band 2: Fall­beispiele, Forschungen, Einwände, Erklärun­gen , Schönbrunn 2004, S. 115-210 sowie in Das Große Buch vom Geistigen Heilen – Mög­lichkeiten, Grenzen, Gefahren , Schön­brunn 2002, S. 259-304. 9 s. Fernheilen, Band 2, a.a.O., S. 179 f.. sowie Harald Wiesendanger: Die Jagd nach Psi – Über neue Phänomene an den Grenzen unseres Wissens , Freiburg i. Br. 1989, S. 243 ff. 10 Ende der siebziger Jahre berichtete eine führende Fachzeitschrift für Parapsycho­lo­gie über ein Experiment, in dem ein Heiler mit zwei Gruppen von jeweils 19 Rettichen arbeitete; den einen widmete er einen Monat lang täglich 15-20 Minuten lang „liebevolle, fürsorgliche Gedan­ken“, die anderen ignorierte er. Beide Pflan­­zengruppen hatten hinsichtlich Licht, Wärme, Wässerung, Erde die gleichen physikalischen Bedingungen. Am Ende der Versuchsphase wiesen die „geistig“ behandelten Radieschen ein statistisch signifikant höheres Gewicht auf. Chris Nicholas: „The effects of loving atten­tion on plant growth“, New England Journal of Parapsychology 1/1977, S. 19-24. 11 Der japanische Parawissenschaftler und Alternativmediziner Masaru Emoto – er starb 71-jährig im Oktober 2014 – lieferte aufsehenerregende Beiträge zum Phänomen des „Wassergedächtnisses“: Nach seiner Auffassung kann es die Ein­flüsse von Gedanken und Gefühlen speichern, wobei es seine Qualität ändert. Dazu veranlassten ihn Experimente, in denen er Wasserproben entweder positiven Botschaften wie „Danke“ und „Freu­de“ oder negativen Botschaften wie „Hass“ und „Krieg“ aussetzte – teils mit­tels beschrifteter Zettel, die ins Wasser eingetaucht oder an der Behälterwand befestigt wurden, teils durch rein geistige Einwirkungsversuche – und anschließend gefror; die entstehenden Eiskristal­le fotografierte und deutete er anhand von ästhetisch-morphologischen Kriteri­en. „Positiv“ beeinflusstes Wasser, so fand er, bilde stets ausgesprochen harmonische, meist symmetrische Formen, wäh­­rend „negativ“ belastetes Wasser miss­gebildete, amorphe Strukturen auspräge. Kritiker halten Emoto allerdings Un­sauberkeiten beim Untersuchungsab­lauf und der „Analyse“ vor. ( Harald Wiesendanger ) Dieser Betrag enthält Auszüge aus dem Buch von Harald Wiesendanger: Auswege – Kranken anders helfen (2015)

  • Verlogene „Vorsorge“

    Die moderne Medizin lässt uns glauben, „Vorsorge“ bestehe darin, sich möglichst frühzeitig möglichst vielen teuren Untersuchungen zu unterziehen, die dann Anlass zu weiteren teuren Maßnahmen geben. Nur Wenige durchschauen das üble Spiel mit ihren Unsicherheiten, Sorgen und Ängsten – und begreifen, dass echte Vorsorge vor allem eines bedeutet: gesund zu leben. Warum auf Ernährung und Bewegung achten, wenn man stattdessen in kurzen Abständen hochmoderne Geräte ausprobieren darf, die garantiert irgendeinen Makel aufspüren? Inzwischen bieten Praxen sogar Flatrates an – Krankheitsängste gibt es jetzt im kostengünstigen Abo-Modell. Wie langweilig wäre ein Dasein, in dem man nicht regelmäßig mit spannenden Befunden und kostspieligen Therapien überrascht wird? Kranksein zu vermeiden, erfordert lästigerweise anhaltende Selbstdisziplin und unentwegten Verzicht. Wie viel weniger anstrengend ist es, baldiges Kranksein feststellen zu lassen? Krank zu sein, ist unschön – immerhin aber eine Gelegenheit, endlich am eigenen Leib zu erfahren, was für fabelhafte Fortschritte die moderne Medizin mal wieder gemacht hat. Wer hat für Vorsorge, die ihren Namen verdient, schon genug Zeit, wer hat Lust darauf? Da leben wir doch lieber gemütlich ungesund. Gesunde Menschen, die sich weigern, regelmäßig zur Kontrolle zu gehen, handeln schlichtweg verantwortungslos gegenüber einer tragenden Säule unserer Volkswirtschaft: der Krankheitsindustrie, die bestens vom schlechten Gewissen lebt. Je früher man beginnt, sich krank zu fühlen, desto mehr erfüllt man schließlich den ökonomischen Zweck der Vorsorgeuntersuchung. Echte Prävention erfordert heutzutage, den Leistungsträgern des medizinisch-industriellen Komplexes frühestmöglich behilflich zu sein, ihren Arbeitsplatz zu sichern und Investoren zufriedenzustellen. Grenzt es nicht an Egoismus, dem Gesundheitsmarkt keine Chance zu geben, sich an einem zu bereichern? Schließlich wollen auch Ärzte, Apotheker und Pharmamanager leben, ganz zu schweigen von ihren Angestellten. Ganze Berufszweige, deren Existenz allein auf unserer Faulheit und Ignoranz, unserer Überängstlichkeit und Hypochondrie basiert, würden erbarmungslos vernichtet, wenn wir plötzlich begännen, dem bekanntlich weltfremden Ideal von berüchtigt bewegungsgeilen Vollwertaposteln nachzueifern. Was gibt es Schöneres, als seinen Lieblingsdoktor mit vagen Beschwerden in wirtschaftlich schwierigen Zeiten aufzumuntern? Wenn du denkst, du bist gesund, hast du dich vermutlich einfach nur nicht gründlich genug untersuchen lassen. Du meinst, dir fehlt nix? Dann fehlt dir einfach noch eine Diagnose. Pervertierte Vorsorge ist allzu oft unnütz, sie belastet und verängstigt grundlos Appelle zur „Gesundheitsvorsorge“ bedrängen Otto Normalversteher unentwegt aus allen medialen Kanälen. Werbepsychologisch geschickt, mittels ärztlicher Autorität bekräftigt, spielen sie mit seinen Urängsten: Wer will schon unheilbar erkranken, Schmerzen und Einschränkungen ertragen, gar vorzeitig sterben – bloß weil er es versäumt hat, sich gründlichst durchchecken zu lassen, um einer gefährlichen Entwicklung rechtzeitig gegenzusteuern, solange sie noch kaum bis gar keine Beschwerden verursacht? Und so tappt er gutgläubig in eine Falle, die ihm häufiger unnötige körperliche, psychische und finanzielle Belastungen beschert als echten Nutzen – vor allem, wenn er weder einer Risikogruppe angehört noch ein konkreter Verdacht besteht. Ihm droht Überdiagnostik – das „Entdecken“ von Krankheiten, die nie Beschwerden oder Schäden verursacht hätten; ein „falsch-positiver“ Befund, obwohl keine Erkrankung vorliegt, oder ein „falsch-negativer“, der sie übersieht, obwohl sie vorliegt. Das Sterberisiko senkt Vorsorge, wie unser krankes Gesundheitssystem sie propagiert, in Wahrheit kaum messbar, wenn überhaupt. Beispiele gefällig? Wer zum Orthopäden geht, weil ihm der Rücken weh tut, wird allzu schnell geröntgt. Meistens wird der Arzt anschließend nämlich dieselben konservativen Maßnahmen empfehlen, zu denen er auch ohne Röntgenbild geraten hätte: Bewegung statt Schonung - körperliche Aktivität wie Spazierengehen, Radfahren, Rückenschwimmen oder Gymnastik, Vermeidung von Bettruhe; dazu Physiotherapie, um die Rumpfmuskulatur zu kräftigen, Dehnübungen, Haltungsschulung, Vermeiden unnötiger Belastungen für Rücken, Gelenke und Muskulatur. Sofern keine sonstigen Alarmsignale wie Lähmungserscheinungen oder Taubheitsempfindungen auftreten, wären bildgebende Verfahren eigentlich frühestens nach sechs Wochen angezeigt. Die meisten Kreuzschmerzen sind bis dahin längst vergangen. In bis zu 90 % aller Fälle gelten sie ohnehin als „unspezifisch“: Eine klare organische Ursache fehlt, wie etwa ein Bandscheibenvorfall oder Bruch. Dann sind psychische Faktoren wie Stress, Depression, Angst, Überforderung häufig mitverantwortlich. Ein erhöhter Wert des Prostataspezifischen Antigens (PSA) gilt weithin als verlässlicher Biomarker für Prostatakrebs. Er steigt aber auch aufgrund harmloser Entzündungen oder bei vergrößerter Vorsteherdrüse, wie sie jeder dritte Mann über 50, mindestens jeder zweite über 60 und drei Viertel aller über 70 aufweisen. Der PSA-Test bei älteren Männern kann auf langsam wachsende Tumore hindeuten, die nie Probleme verursacht hätten. Falsch-positive Ergebnisse führen zu unnötigen Biopsien, Inkontinenz und Impotenz. Nahezu jeder Senior jenseits der 80 trägt einen gutartigen Prostatakrebs spazieren, stirbt aber an etwas anderem. Wie oft wäre eine Tonometrie wirklich angebracht: eine Messung des Drucks im Inneren des Auges? Ist er zu hoch, kann der Sehnerv Schaden nehmen. Dann drohen ein Glaukom – Grüner Star – und Erblindung. Die Wahrscheinlichkeit hierfür steigt im höheren Alter. Manche Augenärzte messen allerdings auch gern bei fehlsichtigen jüngeren Erwachsenen, bei denen so gut wie nie ein Risiko für einen gefährlich überhöhten Wert besteht. Ohne besonderen Anlass schließt der Routinecheck in vielen Allgemeinpraxen ein Belastungs- oder Langzeit-EKG ein, auch wenn es zuvor Jahr für Jahr unauffällig gewesen war. Kardiologen führen allzu gerne, ohne Not, eine aufwändige Katheter-Untersuchung durch – nicht erst bei Symptomen, die auf einen drohenden Infarkt hindeuten, sondern prophylaktisch, um die Herzkranzgefäße zu inspizieren. Wie steht es mit dem Mammografie-Screening bei Frauen? Moderne Magnetresonanz-Verfahren (MRT) sind so empfindlich, dass sie bei der Untersuchung der Brust häufiger fündig werden als nötig. Oft kommen dabei Vorstufen von Krebs zum Vorschein, von denen unklar ist, ob sie jemals bösartig werden. Trotzdem sorgen sie stets für Stress und bange Ungewissheit, oft schüren sie regelrecht Todesängste – woraufhin Wiederholungsaufnahmen, überflüssige Biopsien und verstümmelnde Operationen stattfinden, bis hin zur Amputation, vorsorglich, man weiß ja nie. Dabei zeigt ein MRT sämtliche Abnormalitäten der Brust an - auch solche, welche für die Patientin überhaupt keine Gefahr darstellen würden. Vor allem bei jüngeren Frauen ist das Drüsen- und Bindegewebe der Brust dichter. In der Mammografie erscheint es ähnlich wie Tumore – beide sind weiß. Zudem können technische Faktoren den Befund verfälschen: schlechte Bildqualität, falsche Positionierung oder Bewegungsartefakte.  Manche Kalkeinlagerungen – „Calcifikationen“ - können zwar auf Krebs hindeuten – aber nicht jeder Mikrokalk ist bösartig. Jede vierte Frau erhält bei Brust-MRTs falsch-positive Ergebnisse. Andererseits wachsen manche Tumore derart schnell, dass sie bei Screenings im Zweijahresabstand nicht rechtzeitig erkannt werden können. Bei häufigeren Mammografien, insbesondere mit CT, wächst andererseits die Strahlenbelastung – und damit eben jenes Krebsrisiko, das sie angeblich senken. Ein Ganzkörper-MRT oder -CT bei Gesunden, im Rahmen eines „Check-up“, ergibt häufig Zufallsbefunde – sogenannte „Inzidentalome“ -, die scheinbar weitere Abklärungen  erfordern und zu unnötigen Maßnahmen verführen. Gutartige Veränderungen - Zysten, Fibroadenome, Narbengewebe - können wie Karzinome aussehen. Apropos Computertomografie: Die Strahlenbelastung durch CT-Aufnahmen könnte für rund 5 % aller neuen Krebserkrankungen verantwortlich sein, wie eine brandneue Studie vorrechnet. Ultraschall-Untersuchungen der Halsschlagadern, zur „Schlaganfallvorsorge“, spüren häufig harmlose Verengungen auf, die keiner Behandlung bedürfen. Sie verunsichern, schüren Panik, verleiten zu überflüssigen Eingriffen. Und wo bleibt der Beweis, dass Knochendichte-Messungen osteoporotische Frakturen verhindern (1) – und Darmspiegelungen zu weniger Darmkrebsopfern führen? (2) Welche Daten belegen, dass bei gesunden, symptomfreien Patientinnen Eierstock-Screening – eine vaginale Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke, mit oder ohne zusätzlichen CA-125-Bluttest – die Zahl der Todesfälle durch Eierstockkrebs senkt? (3) Wozu häufige Blutuntersuchungen ohne konkreten Anlass? Viele Parameter sind unspezifisch, schwanken individuell stark, laden zu Fehlinterpretationen und unnötigen Folgeuntersuchungen ein. In Blutplasmaproben lassen sich neuerdings genetische Signale ausfindig machen, die eine Früherkennung von Krebs ermöglichen sollen – 3 bis 4 Jahre bevor er diagnostiziert wird. (4) Was, um Himmels willen, soll denn jemand damit anfangen, falls er positiv getestet wird? Dass Krebs kein unabwendbares Schicksal ist; dass man sein Risiko durch eine gesunde Lebensweise drastisch senken kann, weswegen der Krebs weder in drei oder vier noch in dreißig oder vierzig Jahren mit unerbittlicher Notwendigkeit ausbrechen muss: Benötigt ein Arzt wirklich erst eine hyperweitsichtige Blutanalyse, um seinem Patienten all dies nachdrücklich klarzumachen? Wie steht es mit dem allgemeinen Gesundheitstest beim Arzt, dem „Check-up 35“ – so benannt, weil jeder gesetzlich Versicherte ab seinem 35. Geburtstag alle drei Jahre Anspruch darauf hat? Studien mit über 150 000 Teilnehmern belegen indes: Solche Check-ups senken die Sterblichkeit mitnichten. Allerdings produzieren sie mehr »Kranke«. Schließlich fahnden Ärzte dabei nach überschrittenen Grenzwerten, etwa beim Blutzucker, dem Blutdruck und dem Cholesterin. Eben diese Grenzwerte haben industrienahe medizinische Fachgesellschaften in den vergangenen Jahren immer weiter gesenkt. (5) Sparen gefährdet Wachstum Doch nur zu wenigen Patienten dringen Warnungen durch – ärztliches Anraten hat weitaus größeres Gewicht, erst recht die Aussicht, psychischen Ballast loszuwerden.  „Die oft sehr teuren Kampagnen treffen auf eine Bevölkerung, die große Angst vor Krebserkrankungen hat”, erläutert Ingrid Mühlhauser, Fachärztin für Innere Medizin. Die Autorin des Buchs Unsinn Vorsorge-Medizin  (2017) forscht seit mehr als 20 Jahren über Sinn und Unsinn von medizinischen Maßnahmen. Aus besagtem Horror “entsteht das Bedürfnis, etwas dagegen zu tun, vorzubeugen, dem Krebstod zu entkommen. Deshalb ist man dankbar, wenn man solche Heilsversprechungen wie die Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen kann. Man bekommt die Hoffnung, dem Krebstod zu entrinnen. Es ist eine Art medizinisches Voodoo-Ritual, um Ängste vor dem Tod zu bannen. Aber es sind falsche Hoffnungen, die da geschürt werden. Die Ärzte verhalten sich wie die Bank- oder Sparkassenberater, die uns auch überzogene Renditen versprochen haben, ohne die Risiken klar zu benennen.” Sich auf dieses Ritual einzulassen, ist besonders verlockend, wenn man dafür nicht aus eigener Tasche aufzukommen hat, wie bei Mammografien und Darmspiegelungen. Zwar muss man häufiger in die eigene Brieftasche greifen – denn Vorsorge im Sinne der Medizinindustrie ist meistens „iGeL“, eine individuelle Gesundheitsleistung, für welche die Kasse nicht aufkommt. Aber was soll´s, sobald es vemeintlich um Leib und Leben geht? Stattdessen wahrhaft Gesundheitsvorsorge zu betreiben, konnte gigantische Kosten vermeiden. Eine Studie der HSH Nordbank belegt:  Echte Prävention – also jene altmodische, uncoole Sache namens gesunder Lebensstil – würde jährlich bis zu zehn Milliarden Euro einsparen. (6) Zehn Milliarden, das ist immerhin der Gegenwert von ein paar neuen Kliniken, einer Riesenhalle voller MRT-Geräte oder einem halben Dutzend Ärztekongressen in tropischen Gefilden. Wie das Austrian Institute for Health Technology Assessment  (AIHTA) vorrechnet, bringt jeder Euro für Prävention eine soziale Rendite von 15 Euro. Der  London School of Economics  zufolge könnte vernünftiges Risikomanagement innerhalb eines Jahrzehnts 1,2 Millionen Todesfälle durch Herzinfarkt und Schlaganfall in Europa verhindern . Ein Albtraum, zumindest für Aktienbesitzer von Pharmakonzernen und Rehakliniken. Laut Deutschem Krebsforschungszentrum wären rund 60 Prozent der Krebstoten durch Prävention vermeidbar – offenbar eine beunruhigende Aussicht für eine Branche, deren Wachstum auf Tumorwachstum basiert. Für sie muss Onkologie eine Reparatur- und Pillenmedizin bleiben. Allein in diesem Bereich, ihrem unsatzstärksten, verdient die Pharmaindustrie jährlich weit über 200 Milliarden Dollar (7) – bis 2028 sollen es knapp 385 Milliarden werden, bis 2030 rund 485 Milliarden, bis 2032 knapp 520 Milliarden. Starkes Übergewicht ist längst ein globales Public-Health-Problem. In Deutschland gilt jede achte Frau und jeder zehnte Mann als adipös – ein Risikofaktor für Diabetes, Bluthochdruck, für Krebs-, Muskel- oder Gelenkerkrankungen. Auf fast 1.000 Milliarden Dollar (!) schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die globalen Kosten. (8) Wie viel ließe eine ausgewogene Ernährung und mehr Bewegung davon übrig? Beispiel Typ-2-Diabetes: Etwa 8,5 Millionen Betroffene  in Deutschland verursachen Jahr für Jahr direkte Kosten – durch Diagnostik, Therapie, Krankenhausaufenthalte - von  rund 39 Milliarden Euro. Intensive Lebensstilinterventionen können die Inzidenz von Typ-2-Diabetes um bis zu 60 % senken . Beispiel Osteoporose: Rund 5,7 Millionen betroffene Deutsche sorgen für jährliche Therapiekosten von rund elf Milliarden Euro. Durch gezielte Prävention ließen sich viele osteoporotische Frakturen und damit verbundene Kosten vermeiden. (9) Beispiel nicht-alkoholische Fettleber (NAFLD): Jeder vierte Deutsche leidet daran, zumeist unbemerkt. Er riskiert Leberzirrhose und Leberkrebs, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, was zu enormen Folgekosten führt. (10) Ist die Fettleber fortgeschritten, kostet ihre Behandlung im Durchschnitt über 13.000 Euro pro Jahr und Patient; eine Lebertransplantation schlägt mit rund 120.000 Euro zu Buche , die Nachsorge mit jährlich 20.000 Euro. Gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung könnten so gut wie alle Fälle verhindern – und sicherstellen, dass die Leber gar nicht erst verfettet. Beispiel Rheumatoide Arthritis (RA): Rund 700.000 Erwachsene in Deutschland sind daran erkrankt. Jährlich 28 Milliarden Euro kostet ihre Behandlung. Auch RA wäre vermeidbar: Wer nicht raucht, kaum Alkohol konsumiert, sich entzündungshemmend ernährt, seine Vitamin-D-Versorgung verbessert, Übergewicht vermeidet, regelmäßig körperlich aktiv ist, ausreichend schläft und chronischen Stress vermeidet, der bleibt von RA ziemlich zuverlässig verschont. Echte Vorsorge könnte weltweit bis zu 8.000 Milliarden Euro einsparen – pro Jahr Das Einsparpotenzial durch echte  Vorsorge – einen gesunden Lebensstil – ist gigantisch. Weil sich dadurch vermeidbare chronische Erkrankungen wie Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Leiden, bestimmte Krebsarten drastisch reduzieren ließen, müssten laut WHO, OECD und Studien aus The Lancet  und Harvard   Magazine  weltweit pro Jahr 7 bis 8 Billionen Euro weniger ausgegeben werden – allein in Deutschland 80 bis 120 Milliarden Euro, fast ein Drittel der Gesamtkosten für Gesundheitsleistungen. Der Preis ungesunder Lebensweisen – durch Krankheitstage, Produktivitätsverlust, Frühverrentung - macht laut WHO etwa 5 bis 7 % der Weltwirtschaftsleistung aus. (11) Doch diejenigen, die im Gesundheitswesen die Fäden ziehen, stellen sich seit eh und je taub dafür. Somit bleibt es ein absurdes Theater, in dem Vorsorge bedeutet, Gesundheit verlorengehen zu lassen, um sie anschließend aufzuspüren. Erst „wenn das Kind in den Brunnen gefallen und Patienten ernsthaft krank geworden sind, laufen wir zu Höchstleistungen auf”, räumt Professor Dr. Christof von Kalle vom Berlin Institute of Health  (BIH) in der Charité ein. Und warum ist das so?`Weil Gesundheit, dieser extravagante, gänzlich unspektakuläre Zustand ohne Symptome, ökonomisch völlig untragbar ist – übrigens auch für die Charité. Ja, vorbeugen mag vernünftig sein – aber Vernunft zahlt keine Gehälter. Eine Epidemie an guter Gesundheit würde unseren filigran errichteten „Krankheitsökonomiekreislauf“ empfindlichst stören. Sie entzöge ihm seine wichtigste Ressource: chronisch Kranke. Nein, echte Patrioten essen Fastfood, qualmen und saufen kräftig weiter, bewegen sich höchstens zum Kühlschrank. Alles andere wäre Verrat an der Volkswirtschaft. „Gesund“, so ätzte einst der unübertroffene Wiener Satiriker Karl Kraus, „ist man erst, wenn man wieder alles tun kann, was einem schadet.“ Der Weise beugt vor Die weiseste aller ärztlichen Gebührenordnungen entstand vor mindestens zweieinhalb Jahrtausenden. Gemäß dem ältesten Medizinlehrbuch der Welt, dem „Huangdi neijing“, erhielt in China ein Arzt seine volle Vergütung nur, solange alle Mitglieder der Sippe, die er zugewiesen bekam, gesund blieben. Erkrankte jemand, so wurde sein Honorar gekürzt, wenn nicht gestrichen. Gäbe es diesen Typ Arzt heute noch: Wie liefe wohl seine Sprechstunde ab? Bestimmt säße da kein Fließbandarbeiter, der im Fünf-Minuten-Takt Arzneimittelgutscheine ausstellt. Er nähme sich reichlich Zeit, um aufzuklären: Welche vielfältigen Faktoren gefährden Gesundheit? Wie kann man Risiken ausweichen, zumindest aber möglichst gering halten? Die eigene genetische Ausstattung kann sich niemand aussuchen – bei unserer Zeugung haben eine Eizelle und Hunderte Millionen Spermien Lotto gespielt. Allen übrigen Faktoren jedoch, von denen unsere Gesundheit abhängt, sind wir nicht hilflos ausgeliefert – wir können mitbeeinflussen, welche Rolle sie für uns spielen. Und wir sollten es, statt Verantwortung abzuwälzen. Gute Medizin findet nicht erst statt, nachdem Gesundheit verloren ging. Sie ist darauf aus, diesen Verlust zu verhindern. Vorsorgen erspart Sorgen. Neben dem Behandeln liegt meiner Stiftung AUSWEGE deshalb das Vorbeugen am Herzen. Um deine Krankheit kümmert sich die Medizin – davon lebt sie. Um deine Gesundheit musst du dich selber kümmern – davon lebst du. Es gibt nur zwei Tage, an denen du nichts dafür tun kannst. Der eine ist Gestern, der andere Morgen. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1)   Siehe KLARTEXT: „ Der Osteoporose-Schwindel “. (2)   Siehe KLARTEXT „ Eher Oh je als Juhu “ (3)   Mehrere Studien sprechen eher für das Gegenteil: Usha Menon, Mahesh Parmar et al.,  Ovarian cancer population screening and mortality after long-term follow-up in the UK Collaborative Trial of Ovarian Cancer Screening (UKCTOCS): a randomised controlled trial . The Lancet , 2021; DOI: 10.1016/S0140-6736(21)00731-5; Buys SS u.a.: Effect of screening on ovarian cancer mortality: the Prostate, Lung, Colorectal and Ovarian (PLCO) Cancer Screening Randomized Controlled Trial.  JAMA 2011; 305(22): 2295-2303; University College London, Screening for ovarian cancer did not reduce early deaths,   ScienceDaily , 13. Mai 2021; Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Ist eine Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung von Eierstockkrebs sinnvoll?, s. https://www.iqwig.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen-detailseite_10016.html (4)   aacrjournals.org : "Detection of cancers three years prior to diagnosis using plasma cell-free DNA" : https://aacrjournals.org/cancerdiscovery/article-abstract/doi/10.1158/2159-8290.CD-25-0375/762609/Detection-of-cancers-three-years-prior-to?redirectedFrom=fulltext ; sciencedaily.com : "Johns Hopkins blood test detects tumor dna three years early"  , https://www.sciencedaily.com/releases/2025/06/250613013845.htm#google_vignette (5)   Näheres in Frank Wittig: Krank durch Früherkennung: Warum Vorsorgeuntersuchungen unserer Gesundheit oft mehr schaden als nutzen  (2015) – in ihrer örtlichen Buchhandlung, die Ihre Bestellung nötiger hat als Amazon. (6)   https://arxiv.org/abs/2409.02888 ; https://bhvverband.infomaxnet.de/effektive-praevention-spart-10-milliarden-euro-im-gesundheitswesen (7)   https://www.iqvia.com/insights/the-iqvia-institute/reports-and-publications/reports/global-oncology-trends-2024 ; https://www.evaluate.com/thought-leadership/world-preview-2024-report/ (8)   Siehe KLARTEXT „ Fetter Reibach “. (9)   Siehe KLARTEXT: „ Der Osteoporose-Schwindel “. (10)   https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Bei-NASH-drohen-hohe-Kosten-308688.html ; https://www.ugb.de/ernaehrungsplan-praevention/nicht-alkoholische-fettlebererkrankung/ ; https://www.kautzhoch5.de/files/kautz5/news_materialien/NASH_Positionspapier_Feb_2021.pdf (11)   Näheres hier: https://iris.who.int/bitstream/handle/10665/326302/9789289050425-eng.pdf?sequence=1 , https://www.harvardmagazine.com/2014/02/the-price-of-healthy-eating , https://www.paho.org/en/topics/economics-ncds , https://www.americanactionforum.org/research/the-economic-costs-of-poor-nutrition/ , https://www.oecd.org/en/publications/integrating-care-to-prevent-and-manage-chronic-diseases_9acc1b1d-en.html , https://www.ft.com/content/f0d67cff-8507-498a-91cc-30fbfa65c1c3 , https://www.thelancet.com/journals/lanplh/article/PIIS2542-5196%2821%2900251-5/fulltext , https://www.thelancet.com/article/S0140-6736%2819%2930041-8/fulltext .

  • "Mirror Life": Bedrohen künstliche Bakterien die Menschheit?

    Namhafte Wissenschaftler schlagen Alarm: Künstliches „Mirror Life“, spiegelverkehrt zu natürlichen Vorbildern konstruiert, stelle eine „beispiellose Bedrohung“ allen Lebens dar. Wie begründet ist die schrille Warnung vor dem jüngsten Biotech-Irrsinn? Lenkt sie von einer akuten, viel größeren Gefahr ab? „Die Bedrohung, von der wir hier sprechen, ist beispiellos“, warnt Prof. Vaughn Cooper, Evolutionsbiologe an der Universität von Pittsburgh. Er zählt zu einer Gruppe von 38 namhaften Wissenschaftlern – darunter Nobelpreisträger –, die eindringlich fordern , jegliche weitere Forschung an sogenannten Mirror-Life -Mikroben unverzüglich einzustellen. Synthetische Bakterien, die aus Spiegelbildern von in der Natur vorkommenden Molekülstrukturen bestehen, könnten sich in der Umwelt unkontrolliert ausbreiten - und die Immunabwehr natürlicher Organismen überwinden, wodurch Menschen, Tiere und Pflanzen der Gefahr tödlicher Infektionen ausgesetzt wären. Eine „ globale Katastrophe “, ja „ das Ende der Welt “ drohe. Zu der besorgten Expertengruppe gehören Dr. Craig Venter  – der US-Wissenschaftler, der in den 1990er Jahren die Sequenzierung des menschlichen Genoms vorantrieb – sowie die Nobelpreisträger Prof. Greg Winter von der Universität Cambridge und Prof. Jack Szostak von der Universität Chicago. Was liegt ihnen so brennend am Herzen? Mirror-Life -Mikroben sind synthetische Mikroorganismen, welche die Biochemie bekannter Lebensformen spiegeln. Diesem Konzept zugrunde liegt das Phänomen der Chiralität . Die meisten Moleküle des Lebens – insbesondere Aminosäuren und Zucker – besitzen diese Eigenschaft: Sie existieren in zwei spiegelbildlichen Versionen, ähnlich wie die linke und rechte Hand. Irdische Aminosäuren sind fast ausschließlich linksdrehend (L-Form), während Zucker in der DNA und RNA rechtsdrehend (D-Form) sind. Das ist erstaunlich, weil in der Chemie normalerweise beide Formen entstehen könnten. Doch das Leben nutzt nur eine Seite – ein Phänomen, das man Homochiralität nennt. Mirror-Life -Mikroben wären Organismen, bei denen sich diese Chiralität umkehrt. Sie würden D-Aminosäuren statt L-Aminosäuren verwenden und L-Zucker statt D-Zucker. Ihre gesamte Biochemie wäre demnach wie ein Spiegelbild des Lebens, wie wir es kennen. Wozu alternative Biologie? Biologen fasziniert dieses Konzept aus mehreren Gründen. Zum einen stellen solche Mikroben eine Form alternativer Biologie dar, die womöglich völlig anders funktioniert als alles bekannte Leben. Sie wären enzymresistent : L-DNA wird von normalen Enzymen nicht abgebaut. Und sie wären „ erkennungsgeschützt “: Ihre Spiegel-DNA ist für das Immunsystem unsichtbar. In der Astrobiologie wirft „ Mirror Life “ die spannende Frage auf, ob es im Universum Leben geben könnte, das „andersherum“ aufgebaut ist. Auch in der Biotechnologie spielt die Idee eine Rolle: Es wird bereits daran geforscht, künstliche Spiegel-Proteine oder Spiegel-DNA herzustellen, etwa für Arzneimittel gegen vielerlei chronische, schwer zu behandelnde oder gar therapieresistente Krankheiten - oder für hochstabile Nanomaschinen, die Tumorzellen erkennen und zerstören, Gewebe und Zellen reparieren, Blut reinigen, im Körper „Patrouille“ laufen, winzige Operationen durchführen, Infektionen bekämpfen, Medikamente gezielt an den vorgesehenen Ort im Körper transportieren. Bis heute hat jedoch noch niemand echte Mirror-Life -Mikroben in die Welt gesetzt – es handelt sich bislang um ein theoretisches Konzept. Allerdings haben Forscher bereits Teile dieser gespiegelten Biochemie im Labor synthetisiert, wie zum Beispiel Spiegel-DNA (L-DNA) und D-Proteine. Hundertprozentig „biosicher“? Unwägbare Risiken Spiegel-Bakterien scheinen  eine ganz und gar sichere Erfindung. Denn sie gelten als biologisch inkompatibel: Sie könnten sich nicht in normale Organismen einschleusen, uns infizieren und  Nährstoffe daraus verwerten. Denn sie leben in einer „anderen Biochemie-Welt“, so beruhigen Forscher. Auch sei ein horizontaler Gentransfer, der das Erbgut verändert, völlig ausgeschlossen. Denn Spiegel-DNA könne nicht mit normaler DNA rekombinieren. Andererseits gilt Murphys Gesetz: Was schiefgehen kann, geht schief. In einem 299-seitigen Bericht  und einem Kommentar in der Fachzeitschrift Science   legen die 38 Wissenschaftler ihre Bedenken gegenüber dieser Technologie dar. 1.      Da Mirror-Life -Mikroben aus spiegelbildlichen Molekülen bestehen, könnte das menschliche Immunsystem sie nicht erkennen. Dies würde es ihnen ermöglichen, unbemerkt Infektionen zu verursachen, die schwer oder gar nicht behandelbar sind.​ 2.      Natürliche Fressfeinde fehlen. Bakteriophagen oder andere Mikroorganismen könnten Mirror-Life -Mikroben nicht angreifen, weil deren Enzyme und Mechanismen auf die natürliche Molekülstruktur ausgerichtet sind. Dies könnte zu einer unkontrollierten Ausbreitung führen.​ 3.      Sollten solche Mikroben in die Umwelt gelangen, könnten sie sich in neuen ökologischen Nischen einnisten und dort heimische Arten verdrängen. Dies führt womöglich zu einem massiven Ungleichgewicht in Ökosystemen. Sangram Bagh, synthetischer Biologe beim Saha Institute of Nuclear Physics in Kalkutta, verweist auf ein Bodenbakterium, das sich so entwickelte, dass es die starken Desinfektionsmittel in NASA-Räumen überlebte, indem es genau die Reinigungsmittel fraß, die es beseitigen sollten. „Das zeigt, dass die Macht der Evolution nicht unterschätzt werden darf. In ähnlicher Weise könnten sich auch Spiegelbakterien anpassen und gedeihen, wenn sie nach draußen gelangen.“ 4.      Einmal dem Labor entwichen oder absichtlich freigesetzt, könnten Mirror-Life -Organismen sich weltweit unkontrolliert verbreiten , da sie weder durch das Immunsystem noch durch natürliche Feinde kontrolliert werden können. Dies würde es nahezu unmöglich machen, ihre Ausbreitung zu stoppen.​ Als Beispiel für dieses Risiko nennt Deepa Agashe, Evolutionsbiologin vom Nationalen Zentrum für Biologische Wissenschaften in Bengaluru, Batrachochytrium dendrobatidis , einen hochinfektiösen, invasiven Pilz : Er verursacht Chytridiomykose, eine Krankheit, welche die Hautfunktion bei Amphibien stört – lebenswichtig für deren Atmung und Wasserhaushalt. der „seinen Weg durch die ganze Welt genommen hat“ - nach Indien und Australien ebenso wie nach Amerika und Afrika – „und zum Aussterben von 90 Amphibienarten geführt hat, wobei 500 weitere Arten in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen sind.“ 5.      Da die Struktur von Mirror-Life -Bakterien fundamental anders ist, könnten gängige Antibiotika unwirksam sein. Spezifische Gegenmittel zu entwickeln, wäre zeitaufwändig und könnte zu spät kommen, um eine Pandemie zu verhindern. „Spiegel-Bakterien brechen aus dem Labor aus“: So stellt sich die künstliche Intelligenz ChatGPT ein Lab Leak von „ Mirror Life “ vor, wenn sie aufgefordert wird, hierzu ein Comic zu kreieren. Auch mit Missbrauch wäre zu rechnen. Theoretisch könnte jemand Mirror-Life -Techniken nutzen, um molekulare Maschinen zu bauen, die normalen Organismen schaden, ohne selbst erkannt zu werden. Ein Beispiel dafür wären gespiegelte Nanomaschinen, die normale Zellmembranen durchdringen oder stören. Spiegel-Bakterien könnten als perfekte Pathogene wirken, außerhalb natürlicher Immunerkennung und Resistenzen. Von einer solchen Biowaffe träumen Terroristen und aggressive Regimes. Zur Zeit ist das noch Science-Fiction, in 20 bis 30 Jahren jedoch durchaus denkbar. Fazit: Im Vergleich zu herkömmlichen gentechnisch veränderten Mikroben wären Spiegel-Bakterien relativ sicher, falls sie in einer kontrollierten Umgebung bleiben. Aber wie bei jeder neuen Technologie gilt: Was man absichern muss, ist unsicher. „Solange es keine zwingenden Beweise dafür gibt, dass das Spiegelleben keine außergewöhnlichen Gefahren birgt, sollten unserer Meinung nach keine Spiegelbakterien und andere Spiegelorganismen geschaffen werden, auch nicht solche mit technischen Biocontainment -Maßnahmen“, schreiben die Autoren in Science . „Wir empfehlen daher, Forschung mit dem Ziel, Spiegelbakterien zu schaffen, nicht zuzulassen und den Geldgebern deutlich zu machen, dass sie solche Arbeiten nicht unterstützen werden.“ „Wir wollen eine globale Diskussion anstoßen“ Dr. Kate Adamala, eine synthetische Biologin an der Universität von Minnesota und Mitverfasserin des Berichts, arbeitete an einer Spiegelzelle, änderte aber im vergangenen Jahr ihre Einstellung zur eigenen Forschungsarbeit, nachdem sie sich der Risiken vollauf bewusst geworden war. „Wir sollten kein Spiegelleben erschaffen“, sagt sie. „Wir haben Zeit für das Gespräch. Und das ist es, was wir mit diesem Manifest erreichen wollten, nämlich eine globale Diskussion anzustoßen. (…) Die Fähigkeit, spiegelbildliches Leben zu erschaffen, liegt wahrscheinlich noch mindestens ein Jahrzehnt in der Zukunft und würde große Investitionen und bedeutende technische Fortschritte erfordern. Wir haben also die Möglichkeit, Risiken zu berücksichtigen und ihnen vorzubeugen, bevor sie sich verwirklichen.“ Bloß der neueste Angstporno? Nichts weiter als der neueste Angstporno? Davon ging zunächst auch Kelsey Piper aus, Autorin beim US-Online-Magazin Vox : „Wir sind alle an sensationelle Schlagzeilen über die eine oder andere Katastrophe gewöhnt, die sich am Horizont abzeichnet. Daher kann ich niemanden verurteilen, der erschöpft abwinkt, wenn er liest, dass Dutzende von Wissenschaftlern vor Spiegelbakterien warnen, die einen katastrophalen Zusammenbruch des Ökosystems und sogar ein Massensterben verursachen könnten. Schließlich haben wir bereits drohende Gefahren wie H5N1, über die wir uns Sorgen machen müssen, und ganz allgemein leben wir in einer Zeit, die, wie Adam Kirsch kürzlich in  The Atlantic schrieb , sich wie ‚eine ständige Apokalypse‘ anfühlt. Die Nachricht über die Spiegelbakterien kam in derselben Woche, in der wir erfuhren, dass eine viel beachtete Studie darüber, wie unsere schwarzen Pfannenwender uns umbringen, in Wirklichkeit nur das Ergebnis eines Rechenfehlers war. Es fällt schwer zu unterscheiden, welche Probleme wirklich lebensbedrohlich sind und welche nur aus Schlagzeilen bestehen, die einen Monat später schon wieder vergessen sind. Aber nachdem ich mich eingehender mit dem Thema Spiegelbakterien beschäftigte, habe ich schlechte Nachrichten: Es ist real und es ist wirklich ernst.“ Wir haben es hier tatsächlich mit „einer völlig neuen Entwicklung“ zu tun, „die das Ende der Welt bedeuten könnte.“ Plumpes Ablenkungsmanöver? Ein „ausgezeichnetes Beispiel für verantwortungsvolle Forschung und Innovation“ sei der Science -Appell der 38 Wissenschaftler, so lobt Prof. Paul Freemont vom Imperial College London. Der Arzt Dr. Dave Atkinson sieht in ihm eine „Tugendhaftigkeit, die unterstreicht, dass ihnen die biologische Sicherheit am Herzen liegt“. Hinter der lautstarken Warnung könnten aber noch andere Motive stecken, so vermutet die Verbraucherschutzorganisation GMWatch . „Die Konzentration auf mögliche zukünftige Risiken von ‚Mirror-Life‘ ist eine gefährliche Ablenkung vom unmittelbaren Problem der laufenden Gain-of-Function -Forschung, die schon jetzt eine weitere Pandemie auslösen könnte“. Auch Richard Ebright, Professor für Chemie und Chemische Biologie an der Rutgers University und Experte für biologische Sicherheit, sieht in dem Science -Artikel „und der damit einhergehenden Medienpräsenz einen absichtlichen, verzweifelten Versuch, von der realen und vordringlichen Bedrohung abzulenken, die von der aktuellen Virologie ausgeht - welche die Corona-Pandemie verursacht hat und wahrscheinlich auch die nächste verursachen wird“. „Heiklen Fragen ausgewichen“ Louis R. Nemzer, Professor für Biophysik an der Nova Southeastern University, bezeichnet den Vorstoß der Wissenschaftler als „eine kostengünstige Möglichkeit, in Sachen Biosicherheit hart aufzutreten“, und fügt hinzu: „Indem sie energisch Alarm schlagen wegen etwas, das hypothetisch ist und Jahrzehnte in der Zukunft liegt, können sie sowohl den heiklen Fragen nach der Ursache von SARS-CoV-2 in der Vergangenheit ausweichen als auch der Frage, wie die Gain-of-Function -Forschung in der Zukunft geregelt werden soll“. Wäre schriller Alarm außerdem nicht bei jeglicher Art von synthetischer Biologie angebracht, längst nicht nur bei „Mirror“-Basteleien? Extreme Gentechnik, die völlig neue Lebensformen mit unabsehbaren Folgen schaffen kann, schreitet rasant voran. Sie kreiert künstliche Zellen, neue DNA, komplette Genome von neuartigen Bakterien und Viren. So stellte das J. Craig Venter Institute schon im März 2016 JCVI-syn3.0 vor: die erste synthetische Bakterienzelle, auf Mycoplasma mycoides  beruhend, mit nur 531.560 Basenpaaren und 493 Genen, ein Drittel davon mit unbekannten Funktionen – das kleinste Genom eines selbst replizierenden Organismus, das bisher gebaut wurde. Dieses Machwerk enthält 19 zusätzliche Gene, unter anderem um seine Form zu stabilisieren und es teilungsfähiger zu machen. Wo verläuft die Grenze zwischen „tragbaren“ und „inakzeptablen“ Risiken? Bislang können sich Regierungen und Wissenschaftler nicht darauf einigen, wie Mirror Life -Forschung reguliert und potenzieller Schaden eingedämmt werden soll. Wie immer gilt im Zweifelsfall: Es lebe der Fortschritt – vorausgesetzt, er verspricht, neue hochlukrative Geschäftsfelder zu eröffnen. ( Harald Wiesendanger )

  • Air Vax - Bald Zwangsimpfung über die Luft?

    „Air Vax“: US-Forscher entwickeln Verfahren, mit denen sich versprühte Vakzine aus der Luft einatmen lassen. Somit werden rasche Impfungen der gesamten Bevölkerung möglich, auch ohne deren Wissen und Zustimmung. Sobald die WHO anlässlich der nächsten Pandemie einen „Gesundheitsnotstand“ ausruft, könnte sie ihre Mitgliedsstaaten dazu auffordern.  Erste Berufsethiker erteilen hierfür vorweg schon mal den moralischen Segen. Bald ist Schluss mit „Piksen“ – zumindest wenn es nach William Mark Saltzman geht. Kürzlich stellte der amerikanische Zell- und Molekularphysiologe von der Yale University in New Haven, Connecticut, mit zwölf Kollegen im Fachjournal Science Translational Medicine vor, was sie gemeinsam entwickelt und erprobt haben: ein neuartiges Impfverfahren, das mRNA einatmen lässt. Zumindest bei Labormäusen funktioniert es prächtig – sie schienen daraufhin immunisiert gegen Covid-19. In naher Zukunft soll sich die Tür für Tests am Menschen öffnen. Damit die mRNA in die Zellen gelangt, verwendet das Saltzman-Team „einen Nanopartikel aus P oly( a min- c o- e ster)-Polyplexen oder PACE, einem biokompatiblen und hochgradig anpassbaren Polymer", wie es in einer Pressemitteilung der Yale University heißt. (1) „ Diese Polyplexe“, so schreiben die Forscher, „erreichten eine hohe Transfektion (2) von mRNA in der gesamten Lunge, insbesondere in Epithel- und Antigen-präsentierenden Zellen.Wir wendeten diese Technologie an, um einen Schleimhautimpfstoff gegen das Coronavirus 2 des schweren akuten respiratorischen Syndroms zu entwickeln, und stellten fest, dass die intranasale Impfung mit Spike-Protein-kodierenden mRNA-Polyplexen eine starke zelluläre und humorale adaptive Immunität auslöste und empfängliche Mäuse vor einer tödlichen viralen Herausforderung schützte. Diese Ergebnisse zeigen das Potenzial von PACE-Polyplexen für die therapeutische Verabreichung von mRNA in der Lunge." In einer früheren Studie hatte Saltzman ein "Prime-and-Spike"-System ausprobiert, um mRNA gegen Covid-19 zu verabreichen: Dabei spritzte er sie in einen Muskel und sprühte dann Spike-Proteine in die Nase. Die Injektion erwies sich als überflüssig, weil die intranasale Verabreichung nicht minder effektiv war. Nun setzt Saltzman große Hoffnungen in diese Methode, weit über Vakzine hinaus : "In der neuen Studie fand keine intramuskuläre Injektion statt. Wir haben einfach zwei Dosen intranasal verabreicht, eine Grund- und eine Auffrischungsimpfung, und wir haben eine hochgradig schützende Immunantwort erhalten. Aber wir haben auch gezeigt, dass man generell verschiedene Arten von mRNA verabreichen kann. Sie eignet sich also nicht nur für einen Impfstoff, sondern möglicherweise auch für die Genersatztherapie bei Krankheiten wie Mukoviszidose und Gen-Editing. Wir haben am Beispiel eines Impfstoffs gezeigt, dass es funktioniert, aber es öffnet die Tür für all diese anderen Arten von Interventionen." Air Vax könnte das Impfen „radikal verändern“ Saltzman erwartet , dass diese "neue Verabreichungsmethode die Art und Weise, wie geimpft wird, radikal verändern könnte" – etwa bei Menschen, die Angst vor Nadeln haben, aber auch bei Bewohnern von abgelegenen Gebieten. Vor allem aber lassen sich Vakzine, die in der Luft freigesetzt werden, weitaus einfacher und schneller in der Bevölkerung verbreiten. Es muss nicht jede Person einzeln geimpft werden - was nicht nur zeitaufwändig, sondern auch schwierig ist, wenn sich jemand gegen die Impfung sträubt. Vorzüglich ökonomisch - wie bei Garnelen Eine ähnliche Strategie kommt neuerdings in der Garnelenzucht zum Einsatz. Die Krebstierchen sind zu klein und zu zahlreich, um ihnen einzeln mRNA-Injektionen zu verabreichen. Um zu verhundern, dass sich ein bestimmtes Virus unter ihnen verbreitet, wurde stattdessen „Nano-Impfstoff“ entwickelt, den die Tiere oral aufnehmen. Shai Ufaz, Geschäftsführer von ViAqua, das die Technologie entwickelt hat, erklärte : "Die orale Verabreichung ist der heilige Gral der Gesundheitsentwicklung in der Aquakultur, weil es unmöglich ist, einzelne Garnelen zu impfen, und weil sie die Betriebskosten für das Krankheitsmanagement erheblich senken und gleichzeitig die Ergebnisse verbessern kann." Mit ihrem mRNA-Produkt, auch wenn es über die Nase in den Organismus eingeschleust wird, verfolgen die Yale-Wissenschaftler ein ähnliches Ziel: möglichst viele mit möglichst geringem Aufwand zu impfen. Das Prinzip der „informierten Zustimmung“ ist bedroht Wie für die Garnele das Wasser, in dem sie schwimmt, so ist unsere Atemluft eine Umgebung, der wir uns unmöglich entziehen können – wir müssen uns ihr lebensnotwendig aussetzen. Enthält sie Vakzine, dann kommen wir nicht umhin, sie in uns aufzunehmen. Notfalls könnten wir ihnen sogar ohne unser Wissen und Einverständnis ausgesetzt werden. Damit ist ein Grundsatz medizinischer Ethik bedroht: „informierte Zustimmung“ als unabdingbare Voraussetzung dafür, dass ein Eingriff erfolgen darf. Spätestens bei der nächsten Pandemie könnte dieses Prinzip vermeintlichen Schutzerfordernissen zum Opfer fallen. Sobald die WHO einen „Gesundheitsnotstand“ ausruft, wird sie ihre Mitgliedsstaaten zu vielerlei Maßnahmen drängen, mit denen uns die Coronajahre bereits vertraut machten:  von obligatorischen Tests und Überwachungsregimes über umfassende Zensur und neue Lockdowns bis hin zu zügigen, wegen Zeitdruck unzulänglich geprüften Impfungen der gesamten Bevölkerung. Um anstrengenden Konflikten mit Widerspenstigen vorzubeugen und öffentliche Kritik erst gar nicht aufkommen zu lassen, könnte die WHO sogar so weit gehen, Massenimpfungen verdeckt durchführen zu lassen - Luftimpfstoffe eignen sich vorzüglich dazu, heimlich auf die Bevölkerung losgelassen zu werden. Sachzwang zu Verfassungsbruch? Würden zumindest westliche Demokratien hierbei keinesfalls mitspielen? Selbst dort ist bei inkompetenten, lobbygesteuerten Regierungen die Hemmschwelle dafür, Grundrechte mit Füßen zu treten, beängstigend niedrig, wie sich in drei traumatischen Corona-Jahren zur Genüge erwiesen hat. Solcher Verfassungsbruch hätte schändliche Tradition. Inzwischen kam zum Vorschein, dass die US-Regierung in der Vergangenheit geheime Biowaffensimulationen an ihren ahnungslosen Bürgern durchgeführt hat. Ab dem 26. September 1950 sprühte die Besatzung eines Minenräumschiffs der US-Marine rund zwei Meilen vor der nordkalifornischen Küste sechs Tage lang Serratia marcescens -Bakterien in die Luft. Bei dieser sogenannten " Operation Sea Spray " sollte herausgefunden werden, wie anfällig eine Großstadt wie San Francisco für einen Biowaffenangriff durch Terroristen war. Weil Serratia marcescens leuchtend rote Pigmente produziert, lässt sich leicht feststellen, wo sie ist. In den darauffolgenden Tagen nahm das Militär an 43 Stellen Proben, um die Ausbreitung des Bakteriums zu verfolgen. Es zeigte sich, dass es nicht nur die Stadt, sondern auch die umliegenden Vororte schnell befallen hatte. Während des Tests hätten die Bewohner dieser Gebiete Millionen von Bakteriensporen eingeatmet. Das Experiment bewies, dass San Francisco und Städte mit ähnlicher Größe und Topografie von bakterieller Kriegsführung bedroht sein könnten. Aber es gab einen Haken. Zunächst war das US-Militär davon ausgegangen, dass Serratia marcescens für Menschen unschädlich ist. Der Erreger war vor allem für die roten Flecken bekannt, die er auf befallenen Lebensmitteln hervorrief; mit klinischen Erkrankungen war er nicht in Verbindung gebracht worden. Das änderte sich, als eine Woche nach dem Test elf Anwohner ein Krankenhaus der Stanford University aufsuchten und über Harnwegsinfektionen klagten – sie hatten sich mit Serratia infiziert. Ein 75-jähriger Patient namens Edward Nevin , der sich gerade von einer Prostataoperation erholte, verstarb daraufhin, "und einige vermuten, dass die Freisetzung die mikrobielle Ökologie der Region für immer verändert hat", wie das Smithsonian Magazine berichtet. Erst 1976 erfuhr die Öffentlichkeit von dem skandalösen Experiment. Ein Einzelfall? Keineswegs. In den darauffolgenden zwei Jahrzehnten führte die US-Regierung ähnliche Versuche in anderen Städten durch - anscheinend unbelastet von Skrupeln. Verdeckt impfen, falls „wirksam und sicher“? Wären geheime Massenimpfungen zu verantworten, wenn von vornherein feststünde, dass sie „wirksam und sicher“ sind? Die nasale mRNA-Impfung gegen SARS-CoV-2 habe bei den Mäusen „eine starke Immunität ausgelöst“ und sie zuverlässig „vor einer tödlichen viralen Herausforderung geschützt“, so versichern die Yale-Wissenschaftler. Diesem Urteil schließt sich Courtney Malo an, Redakteurin bei Science Translational Medicine : Die Luftimpfung habe „eine robuste Immunreaktion ausgelöst, die einen Schutz gegen eine nachfolgende Virusinfektion gewährleistete“, bei „nur geringen Anzeichen von Toxizität“. Die als mRNA-Vehikel konstruierten Nanopartikel seien „biologisch abbaubar“ , „milder und besser verträglich“ als die berüchtigten Lipid-Winzlinge, die zum selben Zweck in den Covid-Pseudovakzinen von Pfizer/Biontech und Moderna zum Einsatz kommen. Hat die Corona-Pandemie nicht soeben erst gezeigt, inwieweit auf solche Werbesprüche Verlass ist? Blindes Vertrauen auf Experten, die sich ins Marketing für mRNA-Spritzen einspannen ließen, haben der Welt soeben die mit Abstand gefährlichste und tödlichste Impfkampagne aller Zeiten beschwert. (Siehe KLARTEXT: „ Zu Tode gepikst “.) Sind erhebliche Kollateralschäden akzeptabel, falls eine monströse Bedrohung abgewehrt wird? Mit der hanebüchenen Begründung, sie habe „Millionen Menschenleben gerettet“, wurde dem mRNA-Impfen soeben ein Nobelpreis gewidmet. Dass diese Statistiklüge mittels hypothetischer „Szenarien“ und völlig unrealistischer Prognosemodelle zurechtgestrickt wurde – seitens der WHO und namentlich durch einen zwielichtigen Zahlenjongleur namens Neil Ferguson vom gatesgesponserten Imperial College in London (s. KLARTEXT: " 'Professor Lockdown' schlug zu ") -, lässt die abermillionenfach Totgepieksten leider nicht wiederauferstehen. „Bioenhancement“ – Heiligt der Zweck jedes Mittel? Schon verschaffen sich in der akademischen Welt erste Stimmen Gehör, die selbst verdeckte Zwangsimpfungen als ethisch vertretbar absegnen. Ein gewisser Parker Crutchfield , Professor in der Abteilung für Medizinische Ethik an der Western Michigan University, befasst sich im Fachjournal Bioethics mit „moralischem Bioenhancement“, d.h. dem Einsatz biomedizinischer Mittel und Maßnahmen, um „moralische Verbesserungen“ zu erzielen. Als Beispiele hierfür nennt Crutchfield medikamentöse Behandlungen, einschließlich Impfstoffe, und gentechnische Eingriffe. Weiter führt er aus: "Es ist notwendig, die Bevölkerung moralisch zu verbessern, um endgültigen Schaden zu verhindern. Moralisches Bioenhancement ist die mögliche Beeinflussung des moralischen Verhaltens einer Person durch einen biologischen Eingriff in ihre moralischen Einstellungen, Motivationen oder Dispositionen.“ Nichts Verwerfliches findet der professionelle „Ethiker“ an einer möglichen „ Infusion von Medikamenten in die Wasserversorgung, die Empathie oder Altruismus verstärken, oder andere Eingriffe in die Emotionen oder Motivationen einer Person, um ihr moralisches Verhalten zu beeinflussen." Zum Wohle der Allgemeinheit sollten „moralische Bioverbesserungen“ nicht nur obligatorisch sein – es sei „moralisch vorzuziehen“, dass sie „eher verdeckt als offen“ stattfinden. Crutchfield geht sogar so weit zu behaupten , dass "ein verdecktes Zwangsprogramm Werte wie Freiheit, Nützlichkeit, Gleichheit und Autonomie besser fördert als ein offenes Programm." Fühlt sich der verblüffte Zeitzeuge solcher Absonderungen in Orwell´schem Neusprech nicht unwillkürlich erinnert an Verlautbarungen des sogenannten „Ethikrats“ auf dem Höhepunkt bundesdeutscher Coronoia? Im November 2021 empfahl das Gremium zaudernden Entscheidungsträgern, eine Impfpflicht gegen Covid-19 zu „prüfen“. „Und bist du nicht willig …“ Ist die nächste „Killerkeim“-Panik erst einmal voll entfacht, werden Politik und Gesellschaft indes nicht erst schöngeistige Professorengutachten abwarten, um gegen eine Minderheit von Impfverweigerern abermals, wie schon 2021/22, hemmungslos zu hetzen und massiven Zwang auf sie auszuüben, weil sie einer vermeintlichen „moralischen Pflicht“ zur Solidarität nicht nachzukommen gedenken. Scharfmacher, Spalter und Aufwiegler werden auch bei künftigen Pandemien, echten wie vorgeblichen, das soziale Klima prägen. Erneut werden sich „Ethiker“ auf Lehrstühlen finden, die „Sanktionsmechanismen über bewusste Diskriminierungen für Ungeimpfte aus einer ethischen Sicht gerechtfertigt“ finden. Warum nicht „asoziale Trittbrettfahrer“, „gefährliche Sozialschädlinge“, „Bekloppte“ kurzerhand in Zugangsschleusen mit mRNA-haltigen Aerosolen einsprühen, ehe sie Geschäfte, Ämter, Bahnhöfe, Gaststätten, Stadien und sonstige öffentliche Orte betreten dürfen? Frei nach Goethes Erlkönig: „Und bist du nicht willig, so brauch´ich Gewalt.“ Aber wie erreicht man sture Einatmungsverweigerer? Die könnten Vakzine auf den Teller kriegen – eine Vision, welche die wahrlich prophetische Science-Fiction-Serie Utopia schon 2013/14 mit britischem Galgenhumor in Szene setzte. Gefördert von der National Science Foundation mit 500.000 US-Dollar, arbeiten Wissenschaftler der University of California in Riverside tatsächlich daran, Salat zu züchten, der mRNA-Impfstoffe produziert. Schon im Jahre 2013 beschrieb ein Fachartikel transgene essbare Impfstoffe, die „durch die Einführung ausgewählter gewünschter Gene in Pflanzen hergestellt werden und diese gentechnisch veränderten Pflanzen dazu veranlassen, die kodierten Proteine zu produzieren". Grundsätzlich seien Pflanzen „imstande, genügend mRNA hervorzubringen, um es mit einem herkömmlichen Jab aufzunehmen“. Solche Impfstoffe bieten laut der Veröffentlichung "mehrere potenzielle Vorteile" gegenüber konventionellen Verfahren zur Impfstoffherstellung, unter anderem niedrigere Produktionskosten und der Lagerbarkeit bei Zimmertemperatur. Ähnliche Experimente zu diesem Ziel fanden ab 2016 fünf Jahre lang mit Alfalfa-Pflanzen an der Fort Valley State University in Georgia statt. Gesponsert vom National Institute of Food and Agriculture , endete das Projekt mit einem zuversichtlichen Forschungsbericht im Fachjournal Plants. (3) Na denn, wohl bekomm´s. Wie wäre es mit „moralischem Bioenhancement“ der Impfstoff-Forschung? ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen 1 Ein „Polyplex“ ist ein Komplex aus einem positiv geladenen Polymer – wie Polyamin-co-ester – und negativ geladenen Nukleinsäuren wie DNA oder RNA. Gentechniker setzen sie ein, um genetisches Material in Zellen einzuschleusen. 2 Als "Transfektion" bezeichnen Biologen das Einbringen von zellfremdem genetischen Material - DNA oder RNA - in Zellen. 3 Näheres hier

  • Cordyceps – der heilsamste Parasit der Welt

    Die Traditionelle Chinesische Medizin kennt ihn als einen der stärksten Heilpilze überhaupt: Cordyceps. Was ihm Naturheilkundige seit Jahrhunderten nachsagen, bestätigen inzwischen etliche Studien: Er macht körperlich und geistig leistungsfähiger, reguliert das Immunsystem, lindert Schmerzen, senkt Bluthochdruck – all dies, und viel mehr, ohne ernsthafte Nebenwirkungen. Der Pharmaindustrie sind solche nicht patentierbaren Gewächse ein Dorn im Auge. Sie drängt auf Regulierung. Ein einziges Gramm davon war im alten China teurer als vier Gramm Silber. Kein Wunder, dass diese Kostbarkeit vor allem am kaiserlichen Hof Verwendung fand. (1) Sie dorthin zu schaffen, war mühselig.  Denn Cordyceps sinensis ist ein überaus seltener Pilz. Hauptsächlich wächst er in 3000 bis 5000 Metern Höhe, auf feuchten Bergwiesen des Himalaya und im Hochland von Tibet. Seine Karriere in der Traditionellen Chinesischen Medizin begann, als Hirten herausfinden wollten, woran es liegt, dass ihre Yaks so unbändig vital und widerstandsfähig sind: Während die Tiere weideten, fraßen sie Cordyceps mit. Die Tibeter nennen das begehrte Gewächs „Yartsa Gunbu“. Das bedeutet „Winterwurm-Sommergras“, was seine sonderbare Lebensweise umschreibt. Cordyceps ist ein Parasit mit einer speziellen Vorliebe: Seine Sporen fallen über die Raupen bestimmter Insekten her, die im oberen Erdreich, im Laub oder in Moosen leben. Während der Wintermonate verzehrt der Parasit sie von innen her, bis von ihnen bloß noch die mumifizierte Hülle übrig bleibt. (Daher „Winterraupe“.) Ihr Inneres haben die Pilzfäden, des Mycel von Cordyceps, mittlerweile vollständig ausgefüllt. Im Laufe des Sommers durchbricht der Pilz mit seinem braun-orangen Fruchtkörper die Hülle und wächst aus der Erde heraus. Auf den ersten Blick ähnelt er entfernt einem Grashalm - daher „Sommergras“ -, wie ein sehr schlanker Finger, ohne pilztypischen Hut. Dieser wilde Cordyceps ist bis heute eine Rarität. Die enorme Nachfrage macht ihn schier unbezahlbar. Tibetern diente er als Tauschware gegen Tee und Seide, viele verwenden ihn bis heute als Währung. In weiten Teilen des tibetischen Hochlands stellt der Raupenpilz nach wie vor  die wichtigste Einkommensquelle dar – mancherorts bis zu 90 %. Die tägliche Ausbeute eines Sammlers liegt bei wenigen Dutzend Exemplaren. Ein Fund bringt rund 8 bis 16 Yuan ein, ebensoviel wie ein halber Tag Schwerstarbeit im Straßenbau. (2) Zeitweilig lag der Preis eines Kilos bei 320‘000 Yuan, umgerechnet 41.000 Euro. (3) Um Cordyceps allgemein zugänglich und erschwinglich zu machen, begannen chinesische Forscher Anfang der siebziger Jahre mit einem Großprojekt. Bei ausgedehnten Expeditionen sammelten sie 200 Unterarten des Wildpilzes und analysierten sie eingehend: Wie sind sie chemisch zusammengesetzt? Welche biologischen Wirkungen entfalten sie? Wie sicher sind sie für den menschlichen Verzehr? Wie lassen sie sich in großem Maßstab züchten? Die Wahl fiel schließlich auf eine Unterart aus Qinghai, einer Provinz im Nordosten des tibetischen Hochlands. Sie erhielt den Namen CS-4. Von allen 200 untersuchten Kandidaten stimmt CS-4 in ihrem biochemischen Profil am ehesten mit dem altbewährten, traditionellen Cordyceps überein. Im Jahre 1987 erteilte das chinesische Gesundheitsministerium CS-4 die offizielle Zulassung. Seither wird Cordyceps nicht nur innerhalb der Volksrepublik vermarktet, sondern weltweit. Bei rund 2,5 Milliarden Dollar liegt der weltweite Jahresumsatz inzwischen. (4)  Westliche Händler verdienen daran, chinesische Lieferanten ebenfalls – und beide harmonieren prächtig, wenn es ums Konstruieren von absatzförderlichen Marketing-Mythen geht. Dabei helfen Prominente mit: Auf Cordyceps schwören Hollywood-Star Gwyneth Paltrow und Kultautor Tim Ferriss.  Hartnäckig hält sich bis heute das Gerücht, chinesische Sportler hätten es in erster Linie Cordyceps zu verdanken, dass sie bei der Leichtathletik-WM 1993 in drei Disziplinen neue Weltrekorde aufstellten. Dieselbe Kraftquelle soll chinesische Läufer Wochen später, bei den nationalen Meisterschaften, zu Rekorden auf neun Mittel- und Langstrecken befähigt haben. Ein Jahr später, bei der nächsten WM in Rom, soll es der Heilpilz gewesen sein, der Chinas Athleten Siege in 12 von 16 Läufen bescherte, fünf weitere Weltrekorde eingeschlossen. (5) Wer um Pekings staatlich gelenktes, alles andere als pflanzenbasiertes Doping weiß, kann darüber nur müde lächeln. Um Mythos und Wirklichkeit auseinanderzuhalten, bedarf es nüchterner Wissenschaft. Was stellt Cordyceps biochemisch im menschlichen Körper tatsächlich an? Diese Frage steht im Mittelpunkt einer wachsenden Zahl von Studien. (6) Energieschub dank Cordyceps Dabei zeigte sich unter anderem: Cordyceps regt unmittelbar die Mitochondrien an, die Kraftwerke der Zellen. So fördert er die Energieproduktion. In den Leberzellen von Mäusen, die mit dem Pilz gefüttert wurden, stieg die Menge an ATP – dem Hauptenergiespeicher – um bis zu 55 Prozent an. Zugleich versetzt Cordyceps den Körper in die Lage, auch geringste Sauerstoffvorräte besser auszunutzen. Im Gewebe mangelt es dadurch seltener an Sauerstoff – was dem Organismus ebenfalls mehr Energie verleiht. Deshalb nehmen viele Hochleistungssportler den Pilz trainingsbegleitend ein. Für klareren Kopf Weil die erhöhte Energieproduktion und die bessere Sauerstoffversorgung auch den Gehirnzellen zugute kommt, macht eine regelmäßige Einnahme des Pilzes nicht bloß körperlich leistungsfähiger, sondern auch geistig. Aufgehellte Psyche Auch als Stimmungsaufheller hat sich Cordyceps bewährt. Denn Cordyceps weist einen hohen Gehalt an L-Tryptophan auf. Aus dieser Aminosäure stellt unser Gehirn das Glückshormon Serotonin her. Darüber hinaus hemmt Cordyceps, ebenso wie Johanniskraut, die Aktivität des Enzyms MAO, der Monoaminoxidase. Psychiater verschreiben MAO-Hemmer gegen Depressionen. Dieser Parasit macht Lust Bereits alte chinesische Schriften preisen Cordyceps als hochwirksamen Lustmacher. Den chinesischen Kaiser soll er in die Lage versetzt haben, all seine zahlreichen Gemahlinnen zu befriedigen, ohne dass sich irgendeine im geringsten vernachlässigt fühlte. Im 21. Jahrhundert wäre mancher Geschlechtsgenosse schon froh, wenn seine Manneskraft ausreichen würde, auch nur eine einzige Partnerin einigermaßen zufriedenzustellen. Gesteigerte Lust und Potenz dank Cordyceps bestätigen inzwischen placebokontrollierte Doppelblindstudien an mehreren hundert Männern mit „verminderter Libido und anderen sexuellen Problemen“. So wurden 64 Prozent der Behandelten sexuell leistungsfähiger, gegenüber 24 Prozent in einer Vergleichsgruppe, die bloß ein Placebo erhalten hatte. Der physiologische Mechanismus dahinter ist aufgeklärt. Cordyceps entspannt das glatte Muselgewebe im Schwellkörper (Corpus cavernosum) des Penis. Dadurch kann das Blut leichter einströmen und eine Erektion herbeiführen. Anders als synthetische Potenzmittel stärkt dieses natürliche Aphrodisiakum nicht nur die Manneskraft. Offenbar steigert es auch die weibliche Lust. Das zeigte sich in einer weiteren Doppelblindstudie mit 42 älteren Frauen, die über Frigidität und andere sexuelle Probleme klagten. Das besserte sich bei 19 von 21 Probandinnen, die Cordyceps erhielten – gegenüber null in der Placebogruppe. Wie erstaunlich sich der Pilz auf die Sexualität beider Geschlechter auswirkt, hatte sich schon in Tierversuchen angedeutet. Wurden männliche, noch nicht geschlechtsreife Mäuse nur sechs Tage lang mit Cordyceps gefüttert, so legte das Gewicht ihrer Hoden um 90 Prozent zu. Bei männlichen Kaninchen, die ein Vierteljahr lang den Pilz zu fressen bekamen, wogen die Hoden 30 Prozent mehr als in der Kontrollgruppe; zugleich produzierten sie drei Mal mehr Spermien. Gelenkschmerzen gelindert – selbst chronische Cordyceps enthält Cordycepin – einen Wirkstoff, der akute und chronische Schmerzen in Gelenken verringern kann. Englischen Medizinern der Universität von Nottingham war dieser Effekt bei Gelenkverletzungen aufgefallen. Ihnen zufolge kann Cordycepin auch Arthroseschmerzen eindämmen - nicht schlechter als herkömmliche Analgetika und Entzündungshemmer wie Cortison, und dies frei von Nebenwirkungen. (7) Stärkeres Immunsystem In einer Reihe von Untersuchungen hat sich Cordyceps als „bidirektionaler Immunregulator“ erwiesen. „Bidirektional“ heißt: Er wirkt gleichzeitig in zwei Richtungen. Während er einerseits ein geschwächtes Abwehrsystem stärkt, bremst er es andererseits, wenn es überaktiv ist, wie beispielsweise bei Autoimmunerkrankungen. Dieser Effekt scheint linear von der Dosis abzuhängen: Je mehr man einnimmt, desto ausgeprägter die Wirkung. Dabei spielen mehrere biochemische Mechanismen zusammen. Cordyceps steigert die Aktivität von Natürlichen Killerzellen, von Makrophagen („Fresszellen“) sowie von Gamma-Interferon, einem Gewebshormon, das diese Fresszellen aktiviert. Zugleich regt der Pilz die Produktion von T-Zellen an, wie auch der Immunglobuline G und M: Antikörper, die an eingedrungene Erreger oder an entartete Zellen andocken, damit Abwehrzellen sie erkennen und unschädlich machen können. Sogar im Kampf gegen Covid-19 könnte Cordyceps, kombiniert mit weiteren Heilpilzen, durchaus eine Rolle spielen: sowohl vorbeugend als auch bei akuten Infektionen. Doch wen kümmert das schon? Staatliche Seuchenschützer ziehen es vor, der verängstigten Bevölkerung das Gefühl des „schutzlosen Ausgeliefertseins“ zu vermitteln. „Die Pandemie ist erst vorbei, wenn es einen Impfstoff gibt“, stellte Angela Merkel schon im April 2020 klar. Wo kämen wir hin, wenn Natur- und Erfahrungsheilkunde die Seuche womöglich eindämmen, bevor sich die Milliardeninvestitionen in „innovative“, unerprobte und deshalb hochriskante Vakzine amortisiert haben? (Siehe KLARTEXT „ Phönix unter der Asche “.) Nieren- und lungenfreundlich Indem Cordyceps Gefäßwände entspannt und dadurch den Blutdruck senkt, schützt und stärkt er das gesamte Herz-Kreislaufsystem. Insbesondere die Nieren entlastet er dadurch enorm. Hypertonie ist nämlich, nach Diabetes, die zweithäufigste Ursache für schwere Nierenerkrankungen; in Deutschland dürfte sie für jeden vierten Dialysefall verantwortlich sein. (8) Auch auf die Lungenfunktion wirkt sich der Heilpilz erfahrungsgemäß positiv aus. Er stillt Husten, löst Schleim, hemmt Entzündungen. Effektiver Radikalfänger „Freie Radikale“: das klingt nach einer extremistischen Partei, auf welche der Verfassungsschutz schleunigst ein Auge werfen sollte. Jedoch handelt es sich um Zwischenprodukte unseres Stoffwechsels, die ständig in jeder Zelle des menschlichen Körpers entstehen: hochreaktive, sehr aggressive Sauerstoffverbindungen. Weil ihre Elektronen ungepaart sind, sind sie ständig darauf aus, einem anderen Atom oder Molekül Elektronen zu entreißen. Reagieren sie mit diesen, so bilden sich dabei neue Radikale, die ihrerseits auf Elektronenraubzug gehen. So kommt eine Kettenreaktion in Gang, bei der sich Radikale im Körper stetig vermehren. Daraus entsteht der „oxidative Stress“. Je ungesünder wir uns ernähren, je mehr Umweltgiften wir ausgesetzt sind, desto mehr ist unser Organismus mit solchen „ reaktiven Sauerstoffradikalen “ (ROS) belastet. Unter anderem schädigen sie Zellbausteine, den Zellkern und die DNS, zerstören Blutgefäße. Sie erhöhen das Risiko für zahlreiche gefürchtete Erkrankungen, von Arteriosklerose über Krebs und Rheumatismus, Herzinfarkt und Schlaganfall bis hin zu Diabetes, Grauem Star, Morbus Alzheimer und Parkinson. Cordyceps nützt auch in diesem Fall. In einer chinesischen Doppelblindstudie mit 59 Versuchspersonen zwischen 60 und 84 Jahren kam ein weiterer bedeutsamer Effekt zum Vorschein: Der Heilpilz kann die Konzentration der der Superoxid-Dismutase (SOD) erheblich erhöhen – eines der wichtigsten körpereigenen Enzyme, die antioxidativ wirken. Ebenso imposant senkt er die Konzentration von Malondialdehyd (MDA) im Plasma. Beide Werte erreichen wieder das Niveau von jungen Erwachsenen, teilweise toppen sie diese sogar. MDA-Werte sind Alarmgeber: Sie zeigen an, wie stark der Körper unter oxidativem Stress steht. Denn MDA entsteht, wenn ungesättigte Fettsäuren oxidieren. Die meisten Diabetiker weisen ständig erhöhte MDA-Werte auf. Darüber hinaus macht ihnen das „metabolische Syndrom“ zu schaffen, der fatalen Trias aus Übergewicht, Bluthochdruck und erhöhtem Cholesterinspiegel. Auch hiergegen hilft Cordyceps. Zum einen kann der Pilz Blutgefäße erweitern und die glatte Muskulatur der Gefäßwände entspannen. So sorgt er dafür, dass der Körper besser durchblutet ist und der Blutdruck sinkt. Zum anderen kann Cordyceps auch Cholesterinwerte senken – nach ein- bis zweimonatiger Einnahme um durchschnittlich 17 Prozent, wie eine chinesische Studie an 273 Patienten ergab. Deshalb verdient es der Pilz durchaus, bei der ganzheitlichen Behandlung von Diabetes eine Rolle zu spielen. Hilfreich gegen Krebs Auch als Anti-Krebs-Mittel setzen TCM-Ärzte den Cordyceps ein. Denn der Heilpilz soll die Bildung von weißen Blutkörperchen anregen, die wichtige Aufgaben in der Immunabwehr übernehmen. Im Tumorgewebe verhindert er, dass sich Krebszellen teilen und aneinanderheften. Auch stört er in ihnen offenbar die Proteinproduktion und hemmt die Neubildung von Blutgefäßen, wodurch er sie regelrecht „aushungert“. (9) Unübertrefflicher Alleskönner? Die enorme Vielfalt positiver Auswirkungen auf unsere Gesundheit macht Cordyceps anscheinend zu einer geradezu perfekten Arznei, einem Geschenk der Natur für jedermann, in jedem Fall. Im Internet wimmelt es von Lobpreisungen in höchsten Tönen, die verdächtig nach verdeckter Werbung klingen; sie versuchen uns weiszumachen, ausgerechnet dieser Pilz sei die Lösung aller Probleme, das Nonplusultra schlechthin. Jeder Heilpilz, nicht nur Cordyceps, stellt ein imposantes Vitalstoffgemisch dar, mit etlichen gesundheitsförderlichen Substanzen. So entsteht leicht der Eindruck eines einzigartig breiten Wirkungsspektrums. Aber auch andere Pilze senken z.B. Cholesterinwerte. Auch wenn Cordyceps sich günstig auf den Fettstoffwechsel, den Blutzucker und Leberfunktionen auswirkt, betrachten Fachleute ihn dabei nicht als erste Wahl; für wesentlich effizienter erachten sie in solchen Fällen zum Beispiel Shiitake, Pleurotus und Maitake, Coprinus, Reishi oder den Champignon. Was dringend fehlt, sind unabhängige Studien, welche die rare Wildform wissenschaftlich einwandfrei mit dem kultivierten Massenprodukt vergleichen. Bringen die erschwinglichen Pulver und Kapseln von Online-Händlern annähernd so viel wie das ursprüngliche, natürliche Cordyceps-Mycel? Für Wirkungsversprechen zu Gesundheitsprodukten gilt wie für Statisiken: Im Zweifelsfall sollten wir nur denjenigen trauen, die wir selber gefälscht haben. Lassen sich bei gezüchtetem Cordyceps die biochemischen und ernährungsphysiologischen Eigenschaften, insbesondere der Anteil des entscheidenden Wirkstoffs Cordycepin, überhaupt weitgehend erhalten? Das ist durchaus möglich, erfordert aber besondere Sorgfalt. Daran forscht seit fast einem Jahrzehnt der indische Biologe Sandeep Das , Professor und Dekan an der Bodoland Universität von Assam. Auf sterilisiertem braunem Reis gezüchtet, werden die Pilze in seinem Labor nach 60 Tagen geerntet, anschließend auf minus 86 Grad gefriergetrocknet. „Dies entzieht ihnen vollständig die Feuchtigkeit und hilft dabei, ihre Langlebigkeit zu erhöhen, ohne dass sie verderben“, erläutert Das. Tausende Bauern, Unternehmer und andere Interessenten hat er im Laufe der Jahre darin unterwiesen. Nebenwirkungen? So gut wie keine. Wie steht es mit Risiken und ernsthaften Nebenwirkungen? Seit Jahrhunderten im Einsatz, ist Cordyceps anscheinend noch niemandem gefährlich geworden, nicht einmal bei extrem hohen Dosen. Überempfindliche berichten lediglich von Verdauungsbeschwerden und Durchfall, kurz nachdem sie mit der Einnahme begonnen haben. Doch gewöhnlich legen sich diese Begleiterscheinungen rasch. Aufpassen sollten allerdings Asthmatiker, sofern sie Sprays verwenden, die Beta-2-Sympathomimetika enthalten. Denn Cordyceps entspannt auch die glatte Muskulatur der Atemwege, wodurch der Pilz den Effekt des Medikaments möglicherweise noch verstärkt. Wer Arzneimittel einnimmt, sollte vorsichtshalber mit einem naturheilkundigen Arzt oder einem erfahrenen Heilpraktiker absprechen, wie er Cordyceps dosieren soll. Auf der Abschussliste der Pharmaindustrie Mykotherapie, das Heilen mit Pilzen, ist Arzneimittelherstellern seit jeher ein Dorn im Auge. In immer neuen Kampagnen lassen sie ihre Lobbyisten, PR-Profis und professoralen Mietmäuler aufmarschieren, um uns zu verunsichern und Druck auf den Gesetzgeber aufzubauen: Da „nicht evidenzbasiert“ – sprich überprüft in großangelegten kontrollierten Studien, wie sie bloß Pharmariesen finanzieren können -, müsse dieses Zeug strikt reglementiert, am besten ganz verboten werden. Scheinheilig wird dabei „Verbraucherschutz“ vorgeschoben: Mal sollen Gewächse wie Cordyceps „unwirksame Placebos“ sein, mit denen arglose Konsumenten über den Tisch gezogen werden; mal gelten sie als „gefährlich“, weshalb sie nicht als bloße Lebensmittel oder Nahrungsergänzungen durchgehen dürfen. In Wahrheit stehen Heilpilze, wie die gesamte Pflanzenheilkunde, in erster Linie deswegen unter Dauerbeschuss, weil sie so erstaunlich heilsam wirken, und das bei überschaubaren bis gar keinen Nebenwirkungen, solange sie fachkundig eingesetzt werden. Das gilt nicht bloß für kleine Wehwehchen, sondern bei schwerwiegenden Indikationen. In die Quere kommen sie der Pharmaindustrie auf einigen ihrer lukrativsten Anwendungsgebiete – von Diabetes über Bluthochdruck bis hin zu Depressionen und Impotenz, zu Rheuma und Fettstoffwechselstörungen, zu Arthritis und Krebs. Kein Wunder, dass Mykotherapie plattgemacht werden soll: Sie stört glänzende Geschäfte mit synthetischen Arzneien. (10) Woher beziehen? „Cordyceps ist nicht gleich Cordyceps“, warnt das Online-Portal „ Zentrum der Gesundheit “ zurecht. Der Wildpilz ist nicht bloß selten und immens kostspielig – in getrockneter Form kann er mit Bakterien verunreinigt sein. Das spricht für gezüchteten Cordyceps. Dieser stammt allerdings häufig aus chinesischer Herstellung, mit unzuverlässiger Qualität. Weil er häufig in stark umweltbelasteten Gegenden gezogen wird, kann er mit Schwermetallen kontaminiert sein. Fachleute empfehlen Cordyceps-Präparate in Bioqualität. Damit ist gewährleistet, dass das Pilzmycel – wie im Labor von Professor Das - auf Bio-Reis oder anderen „sauberen“ Nährmedien auf Getreidebasis gezüchtet wurde, nicht mittels Raupen. Gerade Veganer und Vegetarier legen Wert darauf. Vertrauenswürdige Therapeuten vermitteln die Gesellschaft für Vitalpilzkunde eV. (GFV), und ein gleichnamiger Verein in der Schweiz . Wie dosieren? In der Traditionellen Chinesischen Medizin ist der Cordyceps seit mindestens 1600 Jahren im Einsatz, mit Dosierungen zwischen 1000 und 3000 Milligramm pro Tag. Bis heute empfehlen Mykotherapeuten, diese Spanne einzuhalten. Bei vielerlei gesundheitlichen Beschwerden genügen sogar schon 0,75 Gramm Mycel pro Tag. Je nach Anwendungsziel kann die Tagesdosis auf über 3 Gramm steigen; das entspräche 4 bis 5 handelsüblichen Kapseln CS-4. Eingenommen wird der Pilz als Pulver, in ein Glas heißes Wasser gerührt, oder in Kapseln. Der leicht erdige Geruch stört kaum. Die Preise für das Pulver in Bio-Qualität liegen zwischen 115 und 250 Euro pro Kilo. 100 bis 200 Kapseln kosten in der Regel zwischen 15 und 30 Euro. Wie viel Geduld brauchen Anwender? Erste Wirkungen bemerken manche Anwender im Nu. „Obwohl ich die Kapseln erst seit ein paar Tagen einnehme“, so berichtet ein verifizierter Käufer bei Amazon , „ist bisher auffällig, dass ich irgendwie erstaunlich gut gelaunt bin. Seitdem hatte ich auch keine Kreislaufprobleme mehr und fühle mich allgemein wohler.“ Ein Weiterer fühlt sich nach sieben Tagen „ausdauernder, allgemein fitter und leistungsfähiger, fokussierter und wacher im Kopf.“ Ein Dritter berichtet: „Nach meiner Corona-Infektion hatte ich immer wieder Probleme, richtig durchzuatmen. Ich fühlte mich ständig schlapp, lustlos und wurde irgendwie nicht mehr richtig fit.“ Nach knapp einer Cordyceps-Woche „merkte ich tatsächlich, wie ich zunehmend besser Luft bekomme. Placebo oder nicht, aber ich fühle mich wirklich deutlich fitter, komme morgens wieder besser aus dem Bett und bin entspannter im Alltag.“ Im Zeitalter gekaufter Online-Produktbewertungen ist solches Lob zwar mit größter Vorsicht zu genießen – bestätigen kann es allerdings auch der garantiert nicht käufliche Autor dieses Artikels, nach neugierigen Selbstversuchen. Anhaltende therapeutische Effekte stellen sich hingegen nicht über Nacht zu ein. Wie bei allen natur- und erfahrungsheilkundlichen Maßnahmen, so benötigt der Organismus Zeit, um krankhafte Prozesse zu normalisieren. Frühestens nach ein bis anderthalb Monaten, vielleicht aber auch erst nach einem Vierteljahr dürfte sich bei chronischen Belastungen eine deutliche, nachhaltige Wirkung zeigen. ( Harald Wiesendanger ) Dieser Artikel darf nicht als Therapieempfehlung missverstanden werden, er ersetzt nicht die eingehende Beratung durch einen sachkundigen Arzt oder Heilpraktiker. Anmerkungen (1) K. Jones: Cordyceps, Tonic Food of Ancient China, Seattle, 1997; G. M. Halpern: Cordyceps, China`s Healing Mushroom, New York 1999. (2) Daniel Winkler: „Yartsa Gunbu (Cordyceps sinensis) and the Fungal Commodification of Tibet’s Rural Economy“, Economic Botany 62 (3) 2008, S. 291–305, http://mushroaming.com/sites/default/files/Winkler%20Yartsa%20Gunbu%20EB%202008.pdf (3) Daniel Winkler: „Caterpillar Fungus (Ophiocordyceps sinensis). Production and Sustainability on the Tibetan Plateau and in the Himalayas“ , Asian Medicine 5/2009, S. 291–316, http://mushroaming.com/sites/default/files/Winkler Cordy Production Sustainability 2011.pdf (4) https://www.databridgemarketresearch.com/reports/global-cordyceps-sinensis-market?srsltid=AfmBOor3ldLlZAgfAJCNhzyRRZ3xlqfm8svJW3VaoTYvET_PUP5YYMA3&utm_source=chatgpt.com ; https://www.thebusinessresearchcompany.com/report/cordyceps-sinensis-global-market-report?utm_source=chatgpt.com , https://www.kdmarketinsights.com/reports/cordyceps-militaris-market/7596?utm_source=chatgpt.com , https://www.marketresearchfuture.com/reports/cordyceps-militaris-market-22828?utm_source=chatgpt.com (5) Rich Gravelin: „ Boost energy with cordyceps: this Chinese fungus helps athletes go further “, Natural Health ,  August 2002. (6) J. S. Zhu/G. M. Halpern/K. Jones: „The Scientific Rediscovery of a Precious Ancient Chinese Herbal Regimen: Cordyceps sinensis. Part 2“, Journal of Alternative and Complementary Medicine 4 (4) 1998, S. 429-457; Bao-qin Lin, Shao-ping Li: Herbal Medicine: Biomolecular and Clinical Aspects. 2. Aufl., Kap. 5: „Cordyceps as a Herbal Drug“, 2011; s. zusammenfassend Daniel Winkler: „ Caterpillar Fungus (Ophiocordyceps sinensis). Production and Sustainability on the Tibetan Plateau and in the Himalayas “, Asian Medicine 5/2009, S. 291–316, http://mushroaming.com/sites/default/files/Winkler%20Cordy%20Production%20Sustainability%202011.pdf (7) "Caterpillar fungus could hold the key to relieving the pain of osteoarthritis“, Science Daily, 25.4.2015, https://www.sciencedaily.com/releases/2015/04/150425123547.htm ; Edmund K. Li u.a.: „Safety and efficacy of Ganoderma lucidum (lingzhi) and San Miao San supplementation in patients with rheumatoid arthritis: a double-blind, randomized, placebo-controlled pilot trial“, Arthritis and Rheumatism 57 (7) 2007, S. 1143-1150, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17907228/ ; https://www.zentrum-der-gesundheit.de/krankheiten/rheuma-knochen-gelenke/arthrose-uebersicht/cordyceps-pilz-gegen-arthroseschmerzen-ia (8) https://healthcare-in-europe.com/de/news/bluthochdruck-ist-eine-haeufige-ursache-fuer-nierenversagen.html ; https://www.pronovabkk.de/gesundheit/nierenschwaeche-und-bluthochdruck.html (9) Cornelia H. de Moor u.a.: "Cordycepin Inhibits Protein Synthesis and Cell Adhesion through Effects on Signal Transduction“, Journal of Biological Chemistry, November 2009; Cordis Forschungs- und Entwicklungsinformationsdienst der Gemeinschaft, "Pilzinhaltsstoff im Einsatz gegen Krebs", Januar 2010; J. H. Xiao u.a.: "Secondary metabolites from Cordyceps species and their antitumor activity studies, Recent Patents on Biotechnology, Januar 2007. (10) https://naturheilt.com/blog/heilpilze-auf-abschussliste/ ; https://www.yamedo.de/blog/vitalpilze-arzneimittel-2015/ Wikipedia-Foto: Von Andreas Kunze - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16244069

  • Vertuscht: Auch Ebola kommt aus dem Labor

    Ist Ebola, eines der tödlichsten Viren, wirklich natürlichen Ursprungs? Ein amerikanischer Wissenschaftler präsentiert überzeugende Anhaltspunkte dafür, dass es in Wahrheit aus einem Biolabor stammt – nicht anders als der Covid-19-Erreger. Es war einmal ein zweijähriger Junge namens Emile Ouamouno. Mit seinen Eltern und vier Geschwistern lebte er in Meliandou, einem Dorf im Süden des westafrikanischen Staates Guinea. Als er eines Tages in einen ausgehöhlten Baumstumpf kroch, kam er in Kontakt mit einer Fledermaus, die mit Ebola infiziert war. Dabei nahm der Knirps das Virus auf – und eine Zoonose fand statt, der Übergang eines Krankheitserregers von Tieren auf Menschen, mit Emile als „Patient Null“. Am 6. Dezember 2013 endete die Begegnung für ihn tödlich. Auch eine Schwester starb, ebenso die Mutter, die damals im achten Monat schwanger war. So lautet, kurz zusammengefasst, die offizielle Ebola-Geschichte. Einer der renommiertesten Virenjäger des Robert-Koch-Instituts, ein gewisser Fabian Leendertz, erzählte sie in einem Artikel, den er Ende Dezember 2014 veröffentlichte, als Koordinator eines 30-köpfigen Forscherteams. (1) Seither gilt für einen Großteil der Fachwelt, wie auch für sämtliche Leitmedien und „Faktenchecker“, wie selbstverständlich der Glaubenssatz: Ebola ist auf natürlichem Weg entstanden, anderslautende Gerüchte von Verschwörungstheoretikern entbehren jeglicher Grundlage. Tatsächlich? Ganz anderer Meinung ist der US-amerikanische Genetiker und Virologe Jonathan Latham, Mitbegründer und Geschäftsführer des Bioscience Resource Project und Herausgeber von Independent Science News . Gemeinsam mit Sam Husseini, einem jordanisch-palästinensischen Schriftsteller und politischen Aktivisten, präsentiert er Rechercheergebnisse , die das vorherrschende Ebola-Narrativ regelrecht zertrümmern. Zerpflückt: Pseudo-Belege für eine Zoonose Was der ahnungslose Emile in die Menschheit eingeschleppt haben soll, wünscht man allenfalls seinem ärgsten Feind. Meist acht bis zehn Tage nach der Ansteckung, manchmal aber auch schon nach zwei Tagen beginnen unspezifische grippeähnliche Beschwerden, mit plötzlichem Fieber, Schüttelfrost, Durchfall, Kopf- und Bauchweh, Erbrechen und Muskelschmerzen. Manchmal treten auch Schwindelanfälle, Halsschmerzen, Hautausschlag und Ödeme auf. Wenige Tage später wird das immer höhere Fieber hämorrhagisch: Äußere und innere Blutungen setzen ein – im Hals, am Zahnfleisch, an den Lippen, in der Bindehaut des Auges, in der Vagina. Man erbricht Blut. Teerartiger Kot weist auf Magen-/Darm-Blutungen hin. Bei der Zaire-Variante von Ebola (EBOV), die Emile mutmaßlich aufschnappte, endet die Infektion in 50 bis 90 % aller Fälle tödlich. (2) Dann kommt es zu einem septischen Schock mit multiplem Organversagen. Im Dezember 2013 brach solches Ebola in Guinea aus. Von dort verbreitete es sich in den folgenden drei Jahren über ganz Westafrika. Über 29.000 Menschen infizierten sich. 11.323 Menschen starben daran. (3) Obwohl Ebola-Epidemien seit Mitte der siebziger Jahre beinahe im Jahresrhythmus auftreten, war dies die bei weitem größte und tödlichste in der Geschichte. (4) Weil auch außerhalb Afrikas vereinzelt Fälle auftraten – sogar in Spanien, Großbritannien und den USA -, brach weltweit eine kurzlebige Panik aus. Und eine derartige Lawine soll tatsächlich der kleine Emile losgetreten haben? An dieser Story, so fanden Latham und Husseini, sind zahlreiche Details oberfaul. Zusammengenommen machen sie einen natürlichen Ursprung von Zaire-Ebola äußerst unplausibel. Vielmehr sprechen sie für ein verheimlichtes Laborkonstrukt. Auf Lücken und Ungereimtheiten war bereits ein freier Journalist aus Sierra Leone gestoßen, Chernoh Bah . Um für ein Buch über den Ebola-Ausbruch zu recherchieren, hörte er sich in Meliandou um. Das örtliche Gesundheitspersonal, so erfuhr er, war von Anfang an davon überzeugt: Emiles Todesursache war Malaria, deren Symptome sich mit Ebola teilweise überschneiden, ebenso wie Cholera und das Lassa-Fieber. Was brachte den Kleinen wirklich um? Unter Experten herrscht Einigkeit darüber, dass sich Zaire-Ebola erst mittels Genomsequenzierung oder anderer Labortests zuverlässig diagnostizieren lässt. (5) Diese Tests unterließ Leendertz. Im Gespräch mit dem Vater des Jungen wurde Bah klar, dass dem Leendertz-Team ein weiterer Fehler unterlaufen war: Als Emile starb, war er erst 18 Monate alt – und damit zu klein, um allein im Busch zu spielen; immer war er bei seiner Mutter, wie der Vater versicherte. Die Fachliteratur verschweigt auch diese wichtige Einzelheit. Könnte Emile infiziertes „Buschfleisch“ aus gekochtem Flughund gegessen haben? Dies tat dann vermutlich auch sein Vater, seine Hauptbezugsperson. Warum erkrankte dieser nie an Ebola? Zwar weisen manche Fledermäuse Antikörper gegen Ebola auf. Trotz intensivster Nachforschungen gelang es Wissenschaftlern bisher aber nur, intaktes Bombali -Ebola zu isolieren – eine andere Virusgattung, die für Menschen nicht ansteckend ist. (6) Das Leendertz-Team untersuchte Blut und Gewebe von 159 Fledermäusen aus 13 Arten, die in der Umgebung von Meliandou heimisch sind – in keiner einzigen Probe fand sich das Ebola-Virus aus Zaire. Alle bisherigen Erkenntnisse deuten nach Latham „darauf hin, dass Fledermäuse nur selten Ebola-Viren übertragen und wenn, dann bloß in geringen Mengen“. Bemerkenswerterweise bezweifelt inzwischen sogar Fabian Lendeertz selbst, dass Fledermäuse tatsächlich ein Reservoir für Ebola-Viren sind. (7) „Angesichts des allgemeinen Mangels an Beweisen“, kommentiert Latham, „fragt man sich, wie solche schlecht belegten Behauptungen überhaupt in die internationalen Schlagzeilen gelangen konnten." Den verheerenden Ausbruch in Guinea hatte der Makona-Stamm von Ebola verursacht. In seinem Genom stecken deutliche Hinweise darauf, dass es manipuliert wurde. „Der Makona-Stamm von Ebola ist neu und weist etwa 400 Mutationen auf, die in keinem bisher bekannten Ebola-Stamm zu finden sind“, so führen Latham und Husseini aus. „Er könnte ein radikal manipuliertes Derivat eines bekannten Stammes sein - entweder durch Gentechnik oder durch Passage. (8) Auch eine Kombination dieser beiden Möglichkeiten sollte in Betracht gezogen werden.“ Die Epidemie in Guinea war das allererste Mal, dass Ebola aus Zaire in Westafrika auftauchte. Alle vorherigen Ausbrüche dieses tödlichsten Ebola-Stammes ereigneten sich im Kongobecken, in der zentralafrikanischen Äquatorialzone, rund 3.000 Kilometer von Guinea entfernt. "Daher war das Auftreten von Zaire Ebola in Westafrika eine auffällige und sehr unerwartete Entwicklung", schreiben Latham und Husseini. Wie kam es überhaupt dorthin? Ebola ist nicht hochgradig ansteckend, die Übertragung erfordert normalerweise direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten und kontaminierten Gegenständen. „Wie konnte es sich bei solch schwachen infektiösen Eigenschaften und geringem Ausbreitungspotenzial so weit verbreiten?“, wundern sich Latham und Husseini. Auf der weiten Strecke zwischen dem Kongobecken und Guinea fanden keinerlei Ausbrüche statt. Wären sie nicht zu erwarten, wenn sich die Krankheit auf natürliche Weise von Mensch zu Mensch verbreitet hätte? „Obwohl das Virus oft tödlich verläuft und daher relativ leicht zu erkennen ist, wenn es auftaucht, hat es auf dem Weg von seinem traditionellen Zufluchtsort im Kongo keine bekannten Ausbrüche bei Menschen oder Tieren verursacht.“ Nicht minder stutzig macht die Tatsache, dass die Genomsequenzierung und die phylogenetische Analyse nur einen einzigen Sprung vom Tier zum Menschen ergaben. Husseini und Latham erklären (9): "Zoonotische Ausbrüche, einschließlich der meisten Ebola-Ausbrüche in der Vergangenheit, weisen in der Regel mehrere Sprünge von einer tierischen Quelle zum Menschen auf. Einzelne Sprünge hingegen deuten auf einen Ursprung im Labor hin und gelten oft als ‚Red Flag‘“ - als Alarmzeichen – „für diese Möglichkeit. Der Grund dafür ist, dass Forscher oft mit einem einzigen Isolat arbeiten, das sich im Labor besonders leicht vermehren lässt, während natürliche Populationen in der Regel vielfältig sind. Dieser Unterschied liefert ein genetisches Signal, um natürliche Ursprünge und solche aus dem Labor auseinanderzuhalten." Was hat ein US-Biolabor in Afrika zu suchen? Aber woher sollte ein künstliches Ebola überhaupt kommen? Eine Vielzahl von verräterischen Spuren führen zu einem US-amerikanischen Biolabor in Kemena, in Guineas Nachbarstaat Sierra Leone - nur 50 Meilen von Emiles Heimatdorf entfernt. Betrieben wurde es seit 2010 von dem US-amerikanischen Viral Hemorrhagic Fever Consortium (VHFC). Woran wurde dort geforscht? Anfang 2011, drei Jahre vor dem rätselhaften Ebola-Ausbruch in Westafrika, widmete die Nachrichtenagentur Reuters den Forschungsarbeiten in Kenema einen ausführlichen Artikel. (10) Wie die Leser erfuhren, ist „ein Labor im Südosten Sierra Leones ein Außenposten des 'Kriegs gegen den Terror' der US-Regierung, der durch einen Anstieg der Ausgaben für die Bioverteidigung finanziert wird“ – mit einem zweistelligen Millionenbetrag, wie Reuters schätzte. Ging es dort um Ebola? Vehement bestreitet dies der Gründer und Präsident von VHFC, der Virologe Robert Garry: „Wir hatten kein EBOV [Ebolavirus] in unserem Labor, daher konnten wir es nicht freigesetzt oder erzeugt haben". (11) Ihm widersprach im März 2023 jedoch klipp und klar der VHFC-Vizepräsident Kristian Andersen, Virologe am Scripps Research Institute in San Diego: „Uns wird ein Laborleck angelastet, weil wir Ebola in Kenema in Sierra Leone untersucht haben, und siehe da, 2014 tauchte Ebola nur ein paar Kilometer von dort entfernt auf." (12) Wer lügt hier? Für Labore, die im Regierungsauftrag Ebola untersuchen, drängt sich die Zaire-Spezies geradezu auf: Sie ist am tödlichsten, daher bietet sie das größte Potential für biologische Kriegsführung, entspricht folglich den Prioritäten der US-Biosicherheitsforschung. Beim Vertuschen gingen die Kenema-Verantwortlichen bemerkenswert schlampig vor, sie hinterließen verräterische Spuren. Am 25. August 2013, nur wenige Monate vor dem Ebola-Ausbruch, veröffentlichte das VHFC auf seiner Homepage einen Artikel mit der Überschrift: "Forscher am Scripps Research Institute machen große Fortschritte im Kampf gegen das Ebola-Virus". Dieser Artikel verschwand später; dass es ihn gab, ist aber mit der WayBackMachine nachprüfbar. Allein schon die Überschrift wirft drängende Fragen auf: Warum postete das VHFC 2013 etwas über Ebola, wenn es damals nicht daran arbeitete? Welche Ebola-Variante untersuchte es? Worum ging es bei den Experimenten? Warum wurde der Beitrag entfernt? Offenkundig war Ebola für das VHFC und seine Partner wichtig, zumindest für einige seiner Mitglieder von vorrangigem Interesse. Tatsächlich haben alle führenden US-Forscher des VHFC - Robert Garry, Kristian Andersen, Erica Ollmann Saphire und Pardis Sabeti - mehrere Original-Forschungsarbeiten über das Ebola-Virus veröffentlicht. (13) Im Jahr 2013 war Robert Garry Mitverfasser eines Artikels (14) über eine neuartige Behandlung für Ebola aus Zaire. Alle elf übrigen Autoren stammten vom USAMRIID, bekannt als Fort Detrick : die größte 'Bioabwehr'-Einrichtung der Welt, auf einem 490 Hektar großen Areal betrieben von den US-amerikanischen Streitkräften. “Sicher”? Unfassbar lax. Wie Latham und Husseini berichten, handhabte man im Labor von Kenema biologische Sicherheitsvorschriften unfassbar lax, obwohl dort mit extrem gefährlichen Krankheitserregern hantiert wurde: (15) "In den USA erfordert die Arbeit mit lebenden Filoviren Einrichtungen der Biosicherheitsstufe 4 (BSL-4), in denen die Forscher Überdruckanzüge tragen. Aber in Kenema (…) gehören zu den Biosicherheitsmaßnahmen Schutzbrillen, Handschuhe und Masken". Der Reuters-Artikel zitiert den Wissenschaftler Matt Boisen, ein weiteres VHFC-Mitglied: "Sicherlich haben wir weniger Sicherheit, weniger Sicherheitsvorkehrungen“, räumt er ein, „aber dafür können wir in der gleichen Zeit viel mehr tun". Andere Beobachter bestätigten haarsträubende Nachlässigkeiten. Beim Ausbruch im Jahr 2014 war die gemeinnützige medizinische Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) der erste Nothelfer, der aufgrund seiner umfangreichen früheren Ebola-Erfahrungen hinzugezogen wurde. Die Notfallkoordinatorin von MSF, Anja Wolz, bekannte der Agentur Associated Press : "Ich bin nicht in das Labor gegangen (…) Ich habe mich geweigert, weil ich schon genug gesehen habe.“ Ein CDC-Beamter, Austin Demby, der später zur Untersuchung geschickt wurde, kam zu ähnlichen Schlussfolgerungen. „Das Potenzial einer Kreuzkontamination ist enorm und offen gesagt inakzeptabel.“ Offenbar hatte Sierra Leones Regierung von Anfang an gute Gründe für den Verdacht, dass Ebola aus dem Kenema-Labor kam. Am 23. Juli 2014, inmitten des Ausbruchs, erließ das Ministerium für Gesundheit und Hygiene eine Reihe von Anordnungen. Eine davon lautete, dass das Behandlungszentrum in Kenema keine neuen Patienten mehr aufnehmen dürfe. Die "Tulane University" - Robert Garrys Heimateinrichtung - wurde außerdem angewiesen, das Labor in Kenema zu verlassen. Dort durften "während des aktuellen Ausbruchs keine Ebola-Tests mehr durchgeführt“ werden. Diese Anweisung bestätigt, dass das Labor tatsächlich an Ebola forschte. War es inmitten einer katastrophalen Epidemie denn nicht ein kontraproduktiver Schritt, eine wichtige internationale Test- und Behandlungseinrichtung dichtzumachen? Sinn macht er, falls diese Einrichtung selbst der Urheber war. Kurz darauf, am 7. August 2014, verkündete die US-Regierung eine ähnliche Entscheidung, ebenfalls inmitten des Ausbruchs. Den auslaufenden Fünfjahresvertrag mit Kenema verlängerte sie nicht, weitere Fördermittel entfielen. Nur zwei Monate später, am 17. Oktober 2014, verhängte das Weiße Haus einen "Finanzierungsstopp für neue Studien, die bestimmte Gain-of-Function -Experimente mit Influenza-, SARS- und MERS-Viren beinhalten". Wäre dieser Stopp bis heute konsequent beibehalten und ausgedehnt worden: Die Corona-Pandemie hätte vermutlich nie stattgefunden. „Experten“ im Zwielicht Seltsamerweise traten etliche Personen und Institutionen, die schon bei der Ebola-Epidemie eine herausragende Rolle spielten, auch bei der Entstehung von SARS-CoV-2 in prominente Erscheinung – hier wie dort als Abwiegler, als Wegerklärer, als Nebelkerzenwerfer. Fabian Leendertz, Erfinder des Ebola-Mythos, gehörte jenem Team der Weltgesundheitsorganisation an, die im Frühjahr 2021 nach minimalem Rechercheaufwand, aber maximalen Verbeugungen vor dem undurchsichtigen Seuchenschutzregime Pekings, in Windeseile die Laborhypothese bezüglich des Covid-19-Erregers verwarf. Robert Garry und Kristian Andersen, die beiden leutenden Angestellten des Kenema-Laborbetreibers VHFC, zählten zu den Mitautoren eines der meistzitierten Artikel in der Frühzeit der Corona-Pandemie, „The Proximal Origin of SARS-CoV2“; allein gestützt auf fragwürdige Computermodelle (16), erklärten sie einen natürlichen Ursprung des Virus für höchst wahrscheinlich, womit sie Faktenchecker mit hochwillkommener Munition gegen „Verschwörungstheoretiker“ versahen. Garry? Andersen? Just diese beiden zählten zu jenem illustren Kreis von Virologen, den die beinahe allmächtige Graue Gesundheitseminenz des Weißen Hauses, Anthony Fauci, zu Beratungen einlud, als sich die Beweise für einen künstlichen Ursprung von COVID-19 verdichteten. „Die Mitglieder dieser Gruppe“, so führen Latham und Husseini aus, „argumentierten nicht nur hauptsächlich gegen die Theorie der Laborherkunft, sondern übernahmen auch viele der (schon bei Ebola angewandten) wissenschaftlichen und phylogenetischen Irreführungsstrategien und -taktiken, um die Spekulationen über die Laborherkunft von COVID-19 zu unterdrücken.“ Welche Fachkenntnisse brachten Garry und Andersen denn mit? Laut der Standarddatenbank Google Scholar „hatten die beiden noch nie eine einzige Arbeit über Coronaviren verfasst, bevor sie der Gruppe beitraten. Ist es also möglich, dass Anthony Fauci bei der Auswahl seines geheimen Zirkels, als Covid-19 in Wuhan ausbrach, nicht an wissenschaftliches Fachwissen dachte, sondern an Forscher, die mit den wissenschaftlichen und politischen Herausforderungen eines potenziellen Laborausbruchs vertraut sind?“ Fällt es schwer, Latham und Husseini eine gewisse Skepsis nachzufühlen? „Der uneingestandene extreme Kontrast zwischen der Standarddarstellung und der Beweislage zwingt uns zu der Frage, ob es nicht auf irgendeiner Ebene eine konzertierte wissenschaftliche Anstrengung gab, um die Aufmerksamkeit von der VHFC und ihrem Labor in Kenema abzulenken.“ Für die beiden Autoren „wirft die Verbindung zwischen Ebola 2014 und Covid-19 eine abschließende Frage auf: Inwieweit ist der Covid-19-Ausbruch, der wahrscheinlich aus einem Labor stammt, ein Wiederholungsfall? Ist Covid-19 der Preis, den wir dafür zahlen müssen, dass wir keine offenen, gründlichen und forensischen Untersuchungen von Virusausbrüchen durchführen und diese Aufgaben stattdessen der Gnade der Forscher mit den größten Interessenkonflikten überlassen?“ Gegen „Verschwörungstheorien“: Ein Propagandawerkzeug namens ChatGPT Einen Vorgeschmack darauf, wie Künstliche Intelligenz von Wahrheitsministerien einer Schönen Neuen Welt missbraucht werden könnte, liefert das derzeit gefeierte Dialogsystem ChatGPT . Wer solche KI kontrolliert, wird demnächst die Macht haben, das Weltwissen, echtes wie angebliches, zu monopolisieren. Auf die Frage hin: „Gibt es Indizien, dass Ebola aus einem Biolabor stammt?“ (Gestellt am 2. April 2023.) bewegt sich ChatGPT brav auf der Linie von Regierungen, Militärs und Geheimdiensten: „Derzeit gibt es keine glaubwürdigen Beweise dafür, dass Ebola aus einem Labor stammt oder absichtlich erzeugt oder freigesetzt wurde. Die am weitesten verbreitete Theorie besagt, dass Ebola ein zoonotisches Virus ist, das heißt, dass es sich ursprünglich von Tieren auf Menschen übertragen hat. (…) Es gibt zwar einige Verschwörungstheorien , die besagen, dass Ebola absichtlich erzeugt oder in einem Labor freigesetzt wurde, aber diese Behauptungen wurden von der wissenschaftlichen Gemeinschaft weitgehend entkräftet und konnten nicht durch glaubwürdige Beweise gestützt werden . (…) Der aktuelle wissenschaftliche Konsens ist, dass es sich um ein natürlich vorkommendes Virus handelt.“ (Kursive Hervorhebungen vom Autor.) Ein Risiko, von Facebook & Co. mit Verwarnungen, Shadowbans und Kontenlöschungen sanktioniert zu werden, bestünde für derartige Posts ganz gewiss nicht. Wie von Sinnen Richtung Apokalypse Lathams und Husseinis Argumentation für ein Laborleck baut auf eine Fülle von schwerwiegenden, akribisch zusammengetragenen Indizien. Zusätzlich an Gewicht gewinnen sie, weil jegliche Beweise für einen zoonotischen Ursprung fehlen – eine Parallele zu SARS-CoV-2. Nicht nur der Journalist Chernoh Bah findet es „schwierig, die von Fabian Leendertz und seinem Team vertretene Darstellung des 'zoonotischen Ursprungs der westafrikanischen Ebola-Epidemie' nicht als Teil einer Vertuschung oder Verschleierung der tatsächlichen Ereigniskette zu interpretieren, die den Grundstein für den westafrikanischen Ebola-Ausbruch gelegt hat“. Der Irrsinn der Gain-of-Function -Forschung muss aufhören, sofort. Solange er andauert, bedroht er die Menschheit existentiell, viel gewaltiger als alle Kernkraftwerke und Atomwaffen dieser Welt. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen 1 Almudena M. Saéz u.a.: "Investigating the zoonotic origin of the West African Ebola epidemic", EMBO Molecular Medicine 7/2015, S. 17-23, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25550396/ , https://doi.org/10.15252/emmm.201404792 2 H. Feldmann/T.W. Geisbert: “Ebola haemorrhagic fever”, Lancet 337/2011, S. 849-862, http://www.sciepub.com/reference/70867 3 Daily Mail 3. November 2022, https://www.dailymail.co.uk/health/article-11383611/Ebola-leaked-biofacility-causing-2014-West-Africa-outbreak-scientists-claim.html 4 Independent Science News 25. Oktober 2022, https://www.independentsciencenews.org/health/did-west-africas-ebola-outbreak-of-2014-have-a-lab-origin/ 5 S. K. Gire u.a.: „Genomic surveillance elucidates Ebola virus origin and transmission during the 2014 outbreak“, science 345 (6202) 2014, S. 1369-1372, https://www.science.org/doi/full/10.1126/science.1259657 . 6 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6557442/ ; https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6478230/ 7 EcoHealth 13/2016, S. 18-25, https://link.springer.com/article/10.1007/s10393-015-1053-0 8 Zur Technik der seriellen Passage, die vermutlich auch bei SARS-CoV-2 Anwendung fand, siehe H. Wiesendanger: Corona-Rätsel (2020), S. 100 f., 192 f. 9 Independent Science News 25. Oktober 2022, https://www.independentsciencenews.org/health/did-west-africas-ebola-outbreak-of-2014-have-a-lab-origin/ 10 Reuters 14. February 2011, https://www.reuters.com/article/us-bioterror-africa/u-s-anti-terror-outpost-tackles-rat-borne-virus-idUSTRE71D49820110214 11 PNAS 10. November 2022, https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2214427119 12 Twitter Nicholson Baker 12. März 2023, https://twitter.com/nicholsonbaker8/status/1634914764878118912 13 Nature 454/2008, S. 177-182, https://www.nature.com/articles/nature07082 ; PLOS 12. September 2013, https://journals.plos.org/plosntds/article?id=10.1371/journal.pntd.0002430 ; PNAS 111(48), 17. November 2014, S. 17182-17187, https://www.pnas.org/doi/abs/10.1073/pnas.1414164111 ; Cell 19. Februar 2018, https://www.cell.com/biophysj/pdf/S0006-3495(17)32767-4.pdf ; Cell Host & Microbe 24 (2), 8. August 2018, S. 221-233.e5, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1931312818303792 ; Nature Communications 17. August 2020; 11 article number 4131, https://www.nature.com/articles/s41467-020-17994-9 14 PLOS 12. September 2013, https://journals.plos.org/plosntds/article?id=10.1371/journal.pntd.0002430 15 Independent Science News October 25, 2022, https://www.independentsciencenews.org/health/did-west-africas-ebola-outbreak-of-2014-have-a-lab-origin/ 16 https://www.klartext-online.info/post/zuviel-versprochen 17 Gestellt am 2. April 2023. Bildnachweise Ebolafälle_bis_einschließlich_2020: Dokumentierte Ausbrüche von Ebolafieber in Afrika (1976–2020): Von Gregor Rom - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=75444645 Ebola_Epidemie_2014: Ebola-Epidemie 2014/15 in Westafrika zwischen April 2014 und Juli 2015 (inkl. Verdachtsfälle) Erkrankungen Todesfälle . Von Leopoldo Martin R - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=33768799 Ebola_Map_Guinea_Liberia_Sierra_Leone_2014-08-25_animated: Regionale Verteilung der bestä­tigten und verdäch­tigen Erkran­kungs­fälle in Guinea, Liberia und Sierra Leone, Darstellung vom 25. August bis 12. Oktober 2014 (danach andere, nicht übertragbare Einteilung). [132] Von A doubt - Eigenes WerkMap: File:Ebola-CDC-Case-Map.svg by VeggiesData: WHO Situation Reports http://www.who.int/csr/disease/ebola/situation-reports/archive/en/, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37068119 Ebolaviren unter dem Mikroskop: Ebola_Virus Wiki: Von CDC - http://phil.cdc.gov/phil (ID #1836), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16885965 Ebola_virus_virion : By CDC/Cynthia Goldsmith - Public Health Image Library, #10816This media comes from the Centers for Disease Control and Prevention's Public Health Image Library (PHIL), with identification number #10816.Note: Not all PHIL images are public domain; be sure to check copyright status and credit authors and content providers.العربية | Deutsch | English | македонски | slovenščina | +/−, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16504278

  • Schön leer

    Sie sehen gesund aus, schmecken irgendwie nach irgendwas – und sind ernährungsphysiologisch auf Diät: Obst und Gemüse von heute sind eher Profit- als Lebensmittel. Während Böden auslaugen, Politik untätig bleibt und Verbraucher ihr Gesundheitswissen aus Werbespots beziehen, schrumpft die Nährstoffdichte still und unbeklagt – mit fatalen Folgen. Forschern der Universität Coventry zufolge ist Obst und Gemüse, wie es heutzutage verkauft wird, nur noch halb so nahrhaft wie vor 80 Jahren. Ihre Studie verglich die Nährstoffe in 28 Obst- und Gemüsesorten, die 1940, 1991 und 2019 im Vereinigten Königreich im Handel waren. Dabei stellte sich heraus: Die Gehalte an Eisen, Magnesium, Kupfer, Kalium, Calcium und anderen Nährstoffen sind drastisch gesunken – um bis zu 52 %. Die alarmierende Studie bestätigt frühere Untersuchungen in den Niederlanden, Finnland, Kanada und den USA. “Sie müssen heute zehnmal so viel Obst und Gemüse essen, um die gleiche Menge an Vitaminen und Mineralstoffen wie vor 50 Jahren zu bekommen“, beklagt der US-Mediziner Al Sears. Früher war Spinat ein Muskelmacher – heute kommt er immer öfter als dekoratives, aromatisiertes Blatt mit Eisenphantasie daher. (1) Vitamine? Ja, irgendwo zwischen Wasser und Zellulose. Karotten sehen aus wie Karotten, schmecken wie Luft – mit einem Hauch von "Ich war mal gesund". Brokkoli? Reines Volumen, eine grüne Täuschung. Wir haben’s geschafft, Essbares zu züchten, das nach Lebensmittel aussieht, aber in Wirklichkeit hauptsächlich daran erinnert. Quellen: 1985 Pharmakonzern Geigy (Schweiz), 1996/2002 Lebensmittellabor Karlsruhe/Sanatorium Oberthal; jüngste Ergebnisse: von KI berechnete Schätzwerte auf der Basis von Trends. Latent hungrig Gerade in reichen Ländern, in denen akute Mangelkrankheiten selten vorkommen, ist ein latentes Defizit an Mikronährstoffen, “Hidden Hunger”, weit verbreitet – oft unerkannt, aber auf lange Sicht mit desaströsen gesundheitlichen Folgen. Dazu zählt verminderte geistige Leistungsfähigkeit. Ein Mangel an B-Vitaminen - z. B. von B9/Folsäure, B12 -, an Eisen, Magnesium oder Zink fördert Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit, Erschöpfung, Gedächtnisstörungen und Depressionen. Nährstoffmangel macht chronisch müde und schwächt Muskeln. Vitamin C, Eisen, Kalium und Magnesium sind wichtig für Energie, Sauerstofftransport und Muskelfunktion. Ein Zuwenig macht energielos, es schwächt und sorgt für Leistungsabfall. Nährstoffmangel schwächt Knochen und Zähne. Weniger Calcium, Vitamin K, Vitamin D, Bor und Magnesium erhöht das Risiko für Osteoporose, verzögert die Knochenregeneration, verschlechtert die Zahngesundheit. Auch das Immunsystem leidet. Vitamin C, Vitamin A, Zink und sekundäre Pflanzenstoffe - Flavonoide, Carotinoide - sind wichtig für die körpereigene Abwehr. Mangelt es an ihnen, so steigt das Risiko für Infektionen und Entzündungen, Heilungsprozesse werden verlangsamt. Es steigt das Risiko für vielerlei Zivilisationskrankheiten. Ein langfristiger Mangel an Antioxidantien, Mineralien und Ballaststoffen fördert Arteriosklerose, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Insulinresistenz, Diabetes Typ 2, chronische Entzündungen, neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson. Herzinfarkt und Schlaganfall werden wahrscheinlicher. Bei Kindern drohen Entwicklungsstörungen. Ein Mangel an Folsäure, Eisen, Jod oder Vitamin A kann sich negativ auf Gehirnentwicklung und Wachstum auswirken. Es kommt zu mehr oxidativen Zellschäden. Weniger Antioxidantien - z. B. Vitamin C, E, Selen, Polyphenole – bedeuten mehr freie Radikale, oxidativer Dauerstress, lädierte Blutgefäße, DNA-Schäden, schnellere Zellalterung. Krebs droht, vor allem im Darm, in der Brust, in der Prostata. Inhalt: zweitrangig. Wie bei Politikerreden. Wie konnten sich Nährstoffe aus Obst und Gemüse klammheimlich verabschieden? Erstens: die Industrialisierung der Landwirtschaft.  Sie zielt auf Masse statt Qualität: Aus Feldern und Plantagen gilt es möglichst rasch möglichst viel herauszuholen. Schnell wachsende Sorten werden bevorzugt, was weniger Zeit für die Nährstoffbildung lässt. Häufige Ernten auf demselben Boden laugen ihn aus. Einsatz von Kunstdünger fördert das Wachstum, aber nicht unbedingt die Nährstoffdichte. Auch Pestizide schädigen die Mikrobiologie des Bodens, sie verringern die Aufnahme von Nährstoffen durch die Pflanzen. Warum gesunde Sorten anbauen, wenn man auch zehn Tonnen geschmacksloser Wasserballons pro Hektar ernten kann? Zweitens: Züchtung auf Ertrag und Optik.  Viele moderne Obst- und Gemüsesorten wurden gezielt optimiert für höheren Ertrag, einheitliche Größe und Farbe, längere Haltbarkeit und Transportfähigkeit. Diese Zuchtziele gehen oft zu Lasten von Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Supermärkte machen Umsatz nach dem Motto: „ Beauty sells .“ Ihr Gemüse gleicht Models – schön, aber leer. Alles glänzt, nichts nützt. Äpfel mit der Textur von Wachs, dem Geschmack von ambitionierter Langeweile und Flugmeilenbonus. Und die Paprika passt jetzt farblich zum Werbeplakat. In der Obstabteilung regiert die Ästhetik. Drittens:  übernutzte Böden – tot, aber effektiv. Ein Burnout – nur in Erde. Durch jahrzehntelange Monokulturen und unzureichende Fruchtwechsel verlieren Anbauflächen essenzielle Mineralstoffe wie Magnesium, Zink oder Eisen. Ohne ausreichende Regeneration durch Kompost oder Gründüngung sinkt der Gehalt an Mikronährstoffen. Auf mineralstofffreiem Sand wird Hoffnung gepflanzt – auf Ausbeute, nicht auf Inhalt. Viertens: lange Transport- und Lagerzeiten.  Früchte werden oft unreif geerntet, während des Transports sollen sie nachreifen. Dabei sinkt der Gehalt bestimmter Nährstoffe wie z. B. Vitamin C, die erst in den letzten Reifestadien entstehen. Lagerung, Licht, Hitze und Sauerstoff bauen empfindliche Vitamine zusätzlich ab. Unser Obst reist mehr als der durchschnittliche EU-Parlamentarier – nur ohne Tagesdiäten. Im Flugzeug nachgereift, im Lager ausgeleuchtet, im Supermarkt dekoriert – da bleibt nicht viel vom ursprünglichen Vitamingehalt. Ist Gemüse bald so lagerfähig wie Stahl – aber kaum nahrhafter als Styropor? Fünftens:  CO₂-Düngung in Gewächshäusern, nach dem Motto   „Schneller, höher, süßer!“ Dank atmosphärischem Doping wachsen Früchte im Zeitraffer – allerdings eher mit dem Nährstoffprofil von Zuckerwatte. Höhere Kohlendioxidwerte in modernen Gewächshauskulturen führen zu schnelleren Wachstumsraten – begleitet von einem Verdünnungseffekt: mehr Zucker und Wasser, aber nicht proportional mehr Mineralstoffe. Moderne Landwirtschaft ist ein echtes Wunderwerk: Böden ohne Leben. Pflanzen ohne Inhalt. Ernten ohne Geschmack. Aber hey – Hauptsache, der Salatkopf überlebt 6.000 km Transport und sieht dabei immer noch aus wie aus dem Prospekt. Hauptsache billig und makellos Dagegen unternehmen Politiker … nun ja, so gut wie nichts, aber das konsequent. Priorität haben Ertrag und Versorgungssicherheit. Staatliche Agrarförderung zielt seit eh und je vor allem auf hohe Produktivität, sichere und bezahlbare Versorgung der Bevölkerung, Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft auf globalen Märkten. Die Nährstoffdichte ist dabei kein vorrangiges Kriterium, um Lebensmittel zu bewerten. Hinzu kommt: Nährstoffverluste sind ein „leises“ Problem.  Sie beschwören kein akutes Defizit herauf, das sofort sichtbar wäre wie Hunger oder Seuchen. Der Rückgang betrifft Mikronährstoffe -- Vitamine, Mineralien -, deren Mangel sich eher langfristig auf die Gesundheit auswirkt, z. B. durch chronische Krankheiten. Und vor allem: Wirtschaftliche Interessen überwiegen.  Die Agrar- und Lebensmittelindustrie profitiert von hohen Erträgen und langer Haltbarkeit. Maßnahmen wie gezielte Bodensanierung, Sortenvielfalt oder Rückkehr zu langsam wachsenden Sorten wären teurer und aufwändiger. Lobbyverbände aus Landwirtschaft und Industrie üben massiv und ausdauernd Einfluss auf Gesetzgebung und Förderprogramme aus – meist im Sinne von Effizienz und Wachstum, nicht Qualität. Die Politik könnte handeln – etwa indem sie nährstoffreiche Sorten fördert, strengere Qualitätsstandards festlegt, nachhaltige Böden und biologische Vielfalt besser subventioniert, zu regenerativer Landwirtschaft forschen lässt. Aber je komplexer ein Problem, desto träger der Staat. Nährstoffdichte zu verbessern, betrifft viele Politikfelder: Landwirtschaft, Gesundheit, Bildung, Umwelt, Forschung. Es gibt keine klare Zuständigkeit – auch deshalb passiert nix. Zudem fehlen verbindliche Standards für den Nährstoffgehalt landwirtschaftlicher Produkte. Der Bauer weiß: Wer langsam wachsende, nährstoffreiche Sorten anbaut, bekommt Lob auf Instagram – und Insolvenzbescheid per Post. Gefördert wird Masse, nicht Mikronährstoff. Hinzu kommt Bürokratie, die Krümmungswinkel von Bananen und Pflanzabstände in Millimetern misst, aber keine Ahnung hat, wie viel Magnesium in einem Salatkopf steckt. Im Zeitalter der kulinarischen Attrappe Statt zu klagen, sollten sich Verbraucher an die eigene Nase fassen. Denn ihr Einkaufsverhalten ist mitschuld an der Misere. Ihr Supermarkt liefert nämlich nur, wonach sie vorzugsweise greifen: hübsche, makellose Pseudogesundheit im Sonderangebot. Die meisten Konsumenten achten eher auf Preis, Aussehen und Bequemlichkeit. Wer fragt schon nach Mineralstoffen, wenn die Erdbeeren im Dezember 99 Cent kosten? Vitaminverlust? „Ach, ich nehm eh Multivitamin-Gummibärchen.“ In einem Apfel von 2025 steckt bloß halb so viel Vitamin C wie früher? „Dann ess ich halt zwei.“ Warum Bio kaufen, wenn man auch eine Kapsel mit 27 synthetischen Vitaminen „Made in China“ schlucken kann? Warum auf Burger verzichten, wo doch ein Salatblatt und ein Gurkenscheibchen darin liegen? Ernährungsbildung? Otto Normalversteher weiß mehr über den Benzinpreis als über den Eisenwert von Brokkoli. Kein Marketing ist zu doof, um ihn nicht zu verzaubern: Aus einer mikroskopischen Menge Antioxidant wird ein „Immun-Boost“, aus Vitaminarmut eine „sanft ausgewogene Fruchtkomposition“. Genussvoll leer. Mogelpackungen. Solange kaum Nachfrage nach nährstoffreicherem Gemüse besteht, bleibt politischer Druck aus. Ernährungskompetenz fehlt – und ist daher kein politisches Schwerpunktthema. Niemand begehrt auf gegen leere Äpfel. Kein Shitstorm für Karotten mit Vitamin-Demenz. Aber wehe, der Joghurtdeckel hat ein neues Design. Ohne öffentlichen Protest und eine Verhaltensänderung der Konsumenten wird das Thema weiterhin in der zweiten Reihe bleiben. Wir leben im Zeitalter der kulinarischen Attrappe: Alles sieht aus wie Ernährung, tut aber nichts für dich – außer dich langsam, aber stilvoll unterversorgen. Hauptsache billig, hübsch und verfügbar rund um die Uhr. Ein passendes Label wäre „Nutritionally Inspired™“ – mit 0 % Nährwert, aber 100 % Marketing. Gesundheit? Die kommt dann später. Mit Rezept. Und Zuzahlung. Brauchen wir schleunigst den Masseneinsatz von Technologien, um immer nährstoffärmere natürliche Lebensmittel mit künstlichen Zusätzen aufzupeppen – von Weißbrot mit Vitamin B3 und entrahmter Milch mit Vitamin A über Margarine mit Pflanzenstanolen und Omega-3-angereicherten Eiern bis hin zu Reis mit einer Extraportion Beta-Carotin? Oder muss Homo sapiens gar auf Designer Food umstellen? Nichts geht über echtes Essen. Statt „Common Sense durch Konfusion zu ersetzen“, besteht „der erste Schritt zur Reformierung des Appetits darin, von verarbeiteten zu echten Lebensmitteln zurückzukehren“, schreibt der US-Ernährungsexperte Michael Pollan. Da hilft nur Selbsthilfe Die Politik winkt durch, die Agrarindustrie düngt fürs Auge, und der Verbraucher greift blindlings zu. Was hilft? Ein Siegel? Ein Fördertopf? Ein Superfood aus dem Himalaya? Nein. Nur eins: ein wacher Geist beim Einkaufen. Denn gegen leere Kalorien hilft keine Reform, sondern nur der selbst denkende, eigenverantwortliche, kritisch kauende Konsument. Einer, der fragt: „Was ist drin?“ statt nur „Wie viel kostet’s?“ Und „Woher kommt’s?“ statt „Bis wann haltbar?“ Wenn Obst und Gemüse aus konventionellem Anbau heutzutage  nicht mehr ausreichen, um eine gesunde Ernährung zu gewährleisten – wie kommen wir dann an die wichtigen Nährstoffe? Durch Produkte aus biologischer Landwirtschaft. Durch alte Sorten. Durch regelmäßige Besuche von Wochenmärkten. Durch hochwertige Nahrungsergänzungsmittel, mit hoher Bioverfügbarkeit. Durch Wildkräuter - wahre „Vitalstoffbomben“. Durch Anbau im eigenen Garten. Wer gesund bleiben will, muss sein Grünzeug künftig selber retten – vor dem Nährstofftod durch Gleichgültigkeit, Dummheit und Profitgier. Nein, dein Obst muss nicht unbedingt besser aussehen als du. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkung (1)   Unfassbar, aber wahr: Tiefgekühltem Spinat, z. B. “Rahmspinat”, können künstliche Aromen zugesetzt sein, ebenso Fertiggerichten wie “Spinat mit Kartoffeln”.

  • Die Verschwörung von Simpsonwood

    Beklemmendes Jubiläum: Vor genau 25 Jahren trafen sich Vertreter von US-Gesundheitsbehörden, WHO und Pharmamanagern, um hinter verschlossenen Türen alarmierende Forschungsergebnisse zu besprechen, die auf einen Zusammenhang von Impfstoffen mit neurologischen Schäden hindeuteten, insbesondere mit Autismus. Die brisanten Daten des geheimen Meetings blieben unter Verschluss, sämtliche Teilnehmer täuschten die Öffentlichkeit weiterhin. „Du sollst nicht lügen!“: Gottes achtes Gebot ist gewiss auch Amerikas Evangelisch-methodistischer Kirche heilig. Hätte sie ihren idyllisch gelegenen „Simpsonwood Retreat“, ein Tagungszentrum in Norcross am Chattahoochee River in Georgia, 40 km nordöstlich von Atlanta, an jene Gruppe vermietet, die dort am 7. und 8. Juni 2000 zusammenkam, wenn sie geahnt hätte, dass sie damit Gastgeber für eine skrupellose Verschwörung zur monströsen Lüge wurde – einer Lüge, die für millionenfaches Leid sorgte? Genau ein Vierteljahrhundert ist es mittlerweile her, dass sich in Simpsonwood zwei Tage lang 52 Beamte des öffentlichen Gesundheitswesens, Wissenschaftler und Vertreter von Impfstoffherstellern versammelten, um alarmierende Forschungsergebnisse zur Impfstoffsicherheit zu besprechen. Dazu eingeladen hatten die Centers for Disease Control and Prevention (CDC), die US-Seuchenschutzbehörde. Zu den Teilnehmern zählten hochrangige Beamte der CDC, der für Arzneimittelzulassung zuständigen FDA und der National Institutes of Health  (NIH) – wichtigste Behörde für biomedizinische Forschung, mit einem Jahresbudget von rund 50 Milliarden Dollar -, Vertreter der American Academy of Pediatrics – Fachgesellschaft für die Gesundheit und das Wohlergehen von Minderjährigen und jungen Erwachsenen, der Zehntausende Ärzte angehören -, der Impfstoffspezialist der Weltgesundheitsorganisation sowie Führungskräfte der Pharmariesen GlaxoSmithKline, Merck, Wyeth und Aventis Pasteur. „Was ich sah, machte mich fassungslos“ Der illustren Runde präsentierte der niederländische Epidemiologe Thomas Verstraeten seine Analyse der Krankenakten von rund 110.000 Kindern. (1) Die Daten stammten aus der Vaccine Safety Datalink  (VSD), einer seit 1990 bestehenden staatlichen Datenbank, die Impfdaten von Kindern aus einem Dutzend Gesundheitsorganisationen (HMOs) sammelt; dieses System erfasst jährlich mehr als 9 Millionen Menschen, darunter etwa 500.000 Kinder unter sechs Jahren.  Was richtete Quecksilber in ihnen an? Impfstoffe enthielten das hochgiftige Metall hauptsächlich in Form von Thiomersal (2), einem organischen Quecksilberderivat, das als Konservierungsmittel diente, um bakterielle Verunreinigungen in Mehrdosisbehältern zu verhindern. Insbesondere untersuchte Verstraeten, welche Gesundheitsfolgen es für Säuglinge hat, wenn ihnen zwei Wochen nach der Geburt der thiomersalhaltige Hepatitis-B-Impfstoff verabreicht wird; und wie Babies auf thiomersalhaltiges Immunglobulin reagieren, das sie gespritzt bekommen, wenn ihre Mütter das Hepatitis-B-Virus in sich tragen. (3) Dabei stieß Verstraeten auf deutliche Zusammenhänge zwischen Impfungen und Autismus – mit einem bis zu 7,6-mal höheren Risiko als bei ungeimpften Gleichaltrigen -, Aufmerksamkeitsdefiziten (ADS), Tics, Sprachentwicklungsstörungen und anderen neurologischen Schäden: „Wir haben statistisch signifikante Beziehungen zwischen der Exposition (durch Quecksilber aufgrund von Impfungen) und (bestimmten) Ergebnissen gefunden. Erstens, im Alter von zwei Monaten, eine nicht spezifizierte Entwicklungsverzögerung. Exposition im Alter von drei Monaten, Tics. Exposition im Alter von sechs Monaten, eine Aufmerksamkeitsstörung. Exposition im Alter von einem, drei und sechs Monaten, Sprach- und Sprechverzögerungen (…). Exposition im Alter von einem, drei und sechs Monaten, die gesamte Kategorie der neurologischen Entwicklungsverzögerungen.“ (4) Dies, so Verstraeten, rühre vermutlich vom Einsatz von Thiomersal her; aber auch zugesetztes Aluminium könnte mitspielen. (5) „Ich war wirklich fassungslos angesichts dessen, was ich sah“, bekannte Verstraeten vor den Versammelten in Simpsonwood. Dabei verwies er auf die erschreckende Zahl früherer Studien, die bereits einen Zusammenhang zwischen Thiomersal und Sprachentwicklungsstörungen, ADS, Hyperaktivität und Autismus belegt hatten. Er wies darauf hin, dass die CDC und die FDA 1991 empfohlen hatten, drei zusätzliche Impfstoffe mit Thiomersal an extrem junge Säuglinge zu verabreichen. Einer dieser neuen Impfstoffe wurde innerhalb weniger Stunden nach der Geburt gespritzt. Dr. Richard Johnston, Immunologe und Kinderarzt an der University of Colorado, dessen Enkel am frühen Morgen des ersten Tages der Sitzung geboren worden war, reagierte betroffen. „Mein Bauchgefühl?“, sagte er. „Verzeihen Sie mir diese persönliche Bemerkung – ich möchte nicht, dass mein Enkel einen thiomersalhaltigen Impfstoff erhält, bis wir besser wissen, was vor sich geht.“ Besser spät als nie: Das Cover-up fliegt auf Doch das Cover-up flog auf: Ein Sitzungsprotokoll sickerte durch, das jedem, der sehen will, auf 286 Seiten vor Augen führt: Die Anwesenden waren schockiert. So konstatierte Dr. William B. Weil Jr. - ein angesehener US-amerikanischer Kinderarzt, der über viele Jahre hinweg in verschiedenen Funktionen für die American Academy of Pediatrics  (AAP) tätig war - bezüglich des Forschungsstands: “Die Anzahl der dosisbezogenen Beziehungen (zwischen Quecksilber in Impfstoffen und neurologischen Störungen) ist linear und statistisch signifikant. Sie können damit spielen, wie Sie wollen. Sie sind linear. Sie sind statistisch signifikant.” „Diese (entlarvende) Studie hätte vielleicht gar nicht erst durchgeführt werden sollen“, bedauerte Dr. C. John Clements, ein führender Experte im Bereich der globalen Impfprogramme, der eine zentrale Rolle im Expanded Programme on Immunization  (EPI) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) spielte. „Es ist äußerst problematisch, wie wir hier weiter vorgehen.“ Der juristischen Brisanz war sich die Runde bewusst. „Wir sind also in einer schlechten Position, wenn es darum geht, etwaige Klagen abzuwehren, und ich bin besorgt“, äußerte Dr. Robert Brent, ein Entwicklungsbiologe und Kinderarzt von der Thomas Jefferson University und dem Dupont Hospital for Children. Am Ende herrschte in Simpsonwood Einigkeit darüber, dass die besprochenen Erkenntnisse keinesfalls bekannt werden durften. Es gehe darum, „angesichts der Sensibilität der Informationen diese von, sagen wir, weniger verantwortungsbewussten Händen fernzuhalten“, mahnte Bob Chen, Leiter der Abteilung für Impfstoffsicherheit und -entwicklung im Nationalen Impfprogramm des CDC. (6) Den Teilnehmern wurde untersagt, Dokumente oder Fotokopien mitzunehmen. Verstraetens Daten beschönigte die CDC anschließend so weit, dass der eindeutige Zusammenhang zwischen Thiomersal-Exposition und Entwicklungsstörungen verschwand. (7)  – gegen Verstraetens ausdrücklichen Protest. (8) Was Impfskeptiker immer schon ahnten, führt der Simpsonwood-Skandal beklemmend klar vor Augen: In einem geradezu kriminellen Schulterschluss verheimlichen Regierung und Industrie, WHO und ärztliche Standesorganisationen haarsträubende Impfnebenwirkungen. Wie verantwortungslos und irre muss man sein, um sich einzureden (und Eltern weiszumachen), ausgerechnet Quecksilber – eines der giftigsten Elemente auf der Erde – könne man völlig gefahrlos in den menschlichen Körper injizieren? „Uncovering“ online am 6. Juni Children´s Health Defense  (CHD), der von Robert F. Kennedy Jr. 2007 gegründeten Non-Profit-Organisation zum Gesundheitsschutz von Kindern, ist es zu verdanken, dass die Simpsonwood-Protokolle endlich ans Licht der Öffentlichkeit kamen. Für Freitag, 6. Juni 2025 um 16:00 Uhr (9) lädt das CHD zu einer kostenlosen Online-Veranstaltung ein – „ The Autism Cover-Up  - „Die Vertuschung von Autismus – Der Simpsonwood-Skandal: 25 Jahre Betrug und Korruption“. Sie bietet exklusive Interviews mit führenden Medizinern, Wissenschaftlern und Aktivisten, die aufdecken, wie Verschweigen, Täuschung und Korruption eine Krise des öffentlichen Gesundheitswesens heraufbeschworen. Zu den Mitwirkenden zählen die impfkritischen Ärzte Dr. Andrew Wakefield und Dr. Suzanne Humphries; die Journalistin Naomi Wolf; Barbara Loe Fisher, Mitbegründerin und Präsidentin des National Vaccine Information Center (NVIC); Lyn Redwood, Krankenschwester, Aktivistin und Mitbegründerin der Organisation SafeMinds  ( Sensible Action For Ending Mercury-Induced Neurological Disorders ); die Geschäftsführerin von CHD, Mary Holland; Polly Tommey, Mitproduzentin der aufsehenerregenden Dokumentarfilme „ Vaxxed: Die schockierende Wahrheit “  und „ Vaxxed II: Das Ende des Schweigens “; der US-Biologe Brian Hooker, Mitautor des Forschungsüberblicks “ Geimpft versus ungeimpft – Jetzt spricht die Wissenschaft! ”,  gemeinsam mit Robert F. Kennedy Jr.; und viele andere. Ein Trailer zur Veranstaltung ist hier abzurufen. Link zur Online-Veranstaltung    Die CDC: eine routinierte Vertuschungsagentur Dass die CDC auf Tatsachen stößt, die Impfskeptikern rechtgeben, und sie vertuscht, ist nichts Neues. Bei jeder Gelegenheit verweist die berüchtigt pharmanahe Behörde auf eine 2004 veröffentlichte Studie unter Leitung von Frank DeStefano, dem damaligen Direktor des CDC-Büros für Impfsicherheit. (10) Sie sollte herausfinden, ob ein Zusammenhang besteht zwischen dem Alter bei der ersten MMR-Impfung   (Masern-Mumps-Röteln) und der Diagnose Autismus bei Kindern. Anhand des CDC-Impfregisters in Atlanta, Georgia, wurden 1.047 Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung (ASD) ermittelt; mit ihnen verglichen wurden 1.007 ungeimpfte Kontrollkinder. Geprüft wurde das Alter bei Erstimpfung mit MMR (vor 18, 24 und 36 Monaten). Das publizierte Ergebnis: Kein signifikanter Unterschied   im Alter der ersten MMR-Impfung zwischen Kindern mit und ohne Autismus - es gibt keine Hinweise, dass das Autismusrisiko wächst, je früher geimpft wird. Doch hierbei betrog die CDC massiv. Einer der Mitautoren, William Thompson, machte publik, dass sich in Wahrheit bei einer Untergruppe, nämlich afroamerikanischen Jungen, gegenteilige Befunde ergeben hatten. Diesen Verstoß gegen die Berufsethik gab Thompson in einer Pressemitteilung  zu. Die CDC-Leitung hatte ihn angewiesen, alle Beweise zu vernichten. (11) Viel Lärm um nichts - aus altem Hut? Schon im Jahre 2004 hatten Kennedy sowie der republikanische Kongressabgeordnete Dan Burton das Geheimtreffen von Simpsonwood öffentlich angeprangert. Wie brandgefährlich verimpftes Quecksilber ist, verdeutlichten seither mehrere Autoren und Forscher. (12) Mittlerweile sei Kennedys damalige Kritik aber doch Schnee von vorgestern, so wiegeln Offizielle ab. In den folgenden Jahren sei Thiomersal - rein vorsorglich, versteht sich - aus fast allen Kinderimpfstoffen in den USA entfernt worden, obwohl überhaupt kein kausaler Zusammenhang mit Autismus   festgestellt worden sei. Was sie dabei verschweigen, sind weitere, kaum weniger bedenkliche Konservierungszusätze wie 2-Phenoxyethanol, Polysorbat 80 und Formaldehyd – ganz zu schweigen von hochgiftigen “Wirkverstärkern” wie Aluminium. Und sie verbreiten bloß die halbe Wahrheit: “Im Gegensatz zu dem, was die CDC der Bevölkerung weismachen wollten, haben sie das Quecksilber nie aus dem Impfkalender entfernt, sondern nur hinterrücks umverteilt”, stellt Robert F. Kennedy Jr. klar. (13) “Denn während die Hersteller Quecksilber aus den bestehenden Kinderimpfstoffen entfernten, fügten die CDC jährliche Grippeimpfungen hinzu, von denen viele nach wie vor Thiomersal enthalten, und zwar für Säuglinge bereits im Alter von 6 Monaten, für Kinder dann in jedem weiteren Lebensjahr. Auf diese Weise können Kinder jährlich 25 Mikrogramm Quecksilber zusätzlich ausgesetzt sein – ganz zu schweigen von der Quecksilberbelastung Ungeborener bei Grippeimpfungen von Schwangeren. Vernachlässigbar wenig? Selbst die WHO, jeglicher Impfskepsis unverdächtig, senkte schon 2003 den Grenzwert - für die orale Aufnahme von Quecksilber, wohlgemerkt - von 3,3 auf 1,6 Mikrogramm (“µg”) Methylquecksilber pro Kilo Körpergewicht pro Woche, 0,23 Mikrogramm pro Tag – während die Inhaltsstoffe von Vakzinen, in Muskeln gespritzt, direkt in den Blutkreislauf geraten. Manche Influenza-Impfstoffe enthalten pro Dosis 25 Mikrogramm Thiomersal. Demnach wäre bei einer Frau, die 60 kg wiegt, mit einer einzigen Impfung schon mehr als das Doppelte des Grenzwerts für einen Tag erreicht. Bei einem Fötus mit einem Gewicht von wenigen hundert Gramm ist der Grenzwert schon um mehr als das Hundertfache überschritten. Im übrigen ist die Behauptung, ein Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus sei “längst widerlegt”, längst widerlegt – 18 starke Argumente machen sie unglaubwürdig. Weitere Faktoren mögen beteiligt sein: von Arzneimitteln wie Paracetamol über Pestizide, hohe Luftverschmutzung, Elektrosmog, Umweltgifte wie Blei, Arsen und Kupfer bis hin zu Phthalaten und anderen Kunststoffen, Mikro- und Nanoplastik. Doch Vakzine dürften eine kausale Hauptrolle spielen – denn Ungeimpfte sind nachweislich gesünder . Darüber endlich Klarheit zu schaffen, statt weiterhin mit Pseudowissenschaft zu tricksen, ist dringlicher denn je. Verglichen mit dem Stand ein Vierteljahrhundert zuvor, hatte sich zum Zeitpunkt der Simpsonwood-Tagung die geschätzte Zahl der Autismusfälle bereits verzwanzigfacht. Damals war erst eines von 5.000 Kindern betroffen gewesen. Mitte der achtziger Jahre waren es schon 1 von 2.500. 1995 war 1 von 500 Kindern autistisch, 2001 eines von 250. Und dieser Horrortrend hat sich seither fortgesetzt: 2004 war es eines von 166, 2007 eines von 150, 2009 eines von 110. Die allerneueste CDC-Statistik, veröffentlicht  am 15. April 2025, weist ein Verhältnis von 1 zu 31 aus  – wobei einige Landesteile noch schlimmer betroffen sind. In Kalifornien erhält mittlerweile   jeder achte  Junge eine Autismus-Diagnose.  Wird sich dieser haarsträubende Anstieg fortsetzen? Dann könnte die Autismusrate bis zum Jahr 2032  7 % überschreiten. Womöglich wird im Jahr 2060 jeder zehnte US-Amerikaner ein Autist sein. (14) Es droht ein Gesundheitsnotstand ohnegleichen, auch in finanzieller Hinsicht: Die Ausgaben für medizinische Versorgung, Betreuung und Folgekosten könnten bis 2060 auf 5,5 Billionen Dollar pro Jahr ansteigen, schlimmstenfalls auf 7 Billionen – jeweils pro Jahr  – allein in den USA, wie eine neue Studie vorrechnet. Endlich: Kennedy lässt nachforschen Ob Impfungen tatsächlich autistisch machen können, lässt Robert F. Kennedy mit der Macht seines Regierungsamts, als neuer US-Gesundheitsminister, zur Zeit untersuchen . Allen Simpsonwood-Verschwörern graut davor, was dabei voraussichtlich herauskommt – der befürchtete Zusammenhang ist ihnen insgeheim längst klar. Die unzähligen menschlichen Tragödien, die irrwitzigen Kosten des Autismus-Tsunamis , welche die Pharma-Mafia und ihre Handlanger in Politik und Medien kaltblütig mitverantworten, schreien ohrenbetäubend nach Anklage und Sühne. Wer steht nun wieder einmal blamiert da? Der sogenannte „Verschwörungstheoretiker“, der mit Skandalen wie dem Simpsonwood-Meeting aus guten Gründen rechnet, sie aufdeckt und publik macht? Oder der Verschwörungsleugner , der so tut, als gebe es keine insgeheimen Machenschaften – und jeden verunglimpft, der diese Illusion nicht teilt? ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1)   Das Sitzungsprotokoll: „ Scientific Review of Vaccine Safety Datalink Information “, June 7-8, 2000, ab S. 31. (2)   Auch bekannt als Thimerosal. Thiomersal und Thimerosal sind zwei Namen für dieselbe chemischen Verbindung, nämlich: Ethyl(2-mercaptobenzoato-(2-)-O,S)quecksilber(II). Der Begriff “Thiomersal” wird vor allem in Europa verwendet, während in den USA “Thimerosal” gebräuchlich ist. (3)   Thomas M. Verstraeten u.a.: „ Increased Risk of Developmental Neurological Impairment After High Exposure to Thiomersal-Containing Vaccine in First Month of Life “, Epidemic Intelligence Service. (4)   Im Protokoll S. 40-41. (5)   Im Protokoll S. 50. (6)   Im Protokoll S. 256. (7)   Thomas Verstraeten u.a.: „Safety of Thiomersal-Containing Vaccines: A Two-Phased Study of Computerized Health Maintenance Organization Databases“, Pediatrics  112 (5) 2003, S. 1039-1048, DOI: 10.1542/peds.112.5.1039. (8)   Thomas M. Verstraeten: „Thiomersal, the Centers for Disease Control and Prevention, and GlaxoSmithKline“, Pediatrics  113 (4) 2004, S.932, DOI: 10.1542/peds.113.4.932. (9)   ) 10 a.m. ET - Eastern Time, Ostküste der USA und Kanada. (10)                      Frank DeStefano u.a.: „ Age at First Measles-Mumps-Rubella Vaccination in Children with Autism and School-Matched Control Subjects: A Population-Based Study in Metropolitan Atlanta “, Pediatrics  2004. (11)                      Näheres über diesen Skandal in Kennedy/Hooker:  Geimpft versus ungeimpft – Jetzt spricht die Wissenschaft , Rottenburg 2023, S. S. 81 ff. (12)                      Siehe z.B. David Kirby: Evidence of Harm . Mercury in Vaccines and the Autism Epidemic: A Medical Controversy , New York 2006; Eric Gladen 2014 in seinem Dokumentarfilm Trace Amounts  (“Spurenmengen”): Autism, Mercury, and the Hidden Truth . (13)                      Geimpft versus ungeimpft , a.a.O., S. 78. (14)                      Siehe https://www.publichealthpolicyjournal.com/_files/ugd/adf864_231644ca239249dc9ac579b5d332d872.pdf , S. 238.

  • Im Ernst: Gegen Corona hilft Tee

    Handelsüblicher Schwarztee inaktiviert das SARS-CoV-2-Virus innerhalb von 10 Sekunden um bis zu 99 % - ein weiteres Indiz dafür, wie leicht die Corona-Pandemie mit naturheilkundlichen Mitteln einzudämmen gewesen wäre. Als Anfang 2020 rund um den Globus „Killerkeim“-Panik um sich zu greifen begann, war auch Malak Esseili beunruhigt: eine Virologin am Zentrum für Lebensmittelsicherheit im College of Agricultural and Environmental Sciences  der University of Georgia in Griffin. Sofort begann sie nach Möglichkeiten zu suchen, sich und ihre Familie vor Corona zu schützen. “Ideal wäre etwas, das leicht erhältlich, einfach zuzubereiten und für die ganze Familie geeignet ist“, dachte sie. Inspiriert von den Trinkvorlieben ihrer Kinder, wandte sich Esseili dem unscheinbaren Teeblatt zu. Ein kleiner Einkauf im örtlichen Supermarkt – und schon konnte ihr Forschungsprojekt beginnen. „Das Corona-Virus besiedelt zunächst die Mundhöhle”, erläutert Esseili ihren Ansatz. “Dort vermehrt es sich, ehe es in die Lunge wandert. Deshalb sind Maßnahmen wichtig – insbesondere solche, die man schon vorbeugend zu Hause und ohne Arzt durchführen kann –, um die eindringenden Viren bereits im Mundraum zu reduzieren, damit gar nicht erst eine hohe Viruslast in die unteren Atemwege gelangt.» Wie verblüffend einfach dies gelingen kann, entdeckte Esseili gemeinsam mit ihrer Doktorandin Julianna Morris, als sie 24 verschiedene Tees auf antivirale Eigenschaften testeten. Von jeder Teesorte bereiteten die Wissenschaftlerinnen Aufgüsse zu, in die sie für fünf Minuten bei 37 Grad Celsius das SARS-CoV-2-Virus mischten. Fünf Sorten, welche die Infektiosität des Erregers am deutlichsten verringerten, untersuchten sie weiter: In zwei Konzentrationen – 40 mg/ml und 10 mg/ml – mischten sie jeden Tee mit virushaltigem Speichel, teils eine Minute lang, teils bloß 10 Sekunden. Wie sich herausstellte, war Schwarzer Tee am wirksamsten: Bei einer Konzentration von 10 mg/ml verringerte er die Infektiosität des Corona-Virus innerhalb von nur 10 Sekunden um sage und schreibe 99,9 %. Grüner Tee, Minztee, Eukalyptus-Minz-Tee und Himbeerblätter-Hibiskusblüten-Tee reduzierten die Ansteckungsfähigkeit des Virus allerdings kaum weniger - um 96 bis 99 %. Bei höherer Konzentration - 40 mg/ml - erreichten alle fünf Teesorten innerhalb von 10 Sekunden eine Reduktion von über 99,9 %. Am ausgeprägtesten, zu 99 bis 99,9 %, schützten die Tees, wenn sie im Speichel zeitgleich mit der Virusinfektion wirken konnten. Im nachhinein  reduzierten sie die Infektiosität um 94 bis 98 %, zuvor  – also präventiv – um 68 bis 90 %. Zur Zubereitung empfiehlt die Virologin, 10 Gramm Tee pro Liter Wasser 10 Minuten ziehen zu lassen – und ihn sich dann ohne Milch und Zucker einzuflößen, sei es als Getränk, als Mundspülung oder zum Gurgeln. Worauf beruht die antivirale Wirkung der Tees? Esseili führt sie hauptsächlich auf sekundäre Pflanzenstoffe aus der Gruppe der Polyphenole zurück. Je mehr davon der Tee enthält, desto ausgeprägter mindert er die Virusinfektiosität. Wie das? Einige Polyphenole greifen unmittelbar in den Replikationszyklus des Virus ein: Manche hemmen Enzyme, ohne die es sich nicht vermehren kann; andere blockieren sein Andocken an ACE2-Rezeptoren; weitere binden an das Spike-Protein oder an den ACE2-Rezeptor, wodurch sie das Virus daran hindern, in die Wirtszelle einzudringen. Über diese direkten antiviralen Wirkungen hinaus stärken Polyphenole das Immunsystem; sie mildern übermäßige Entzündungsreaktionen; sie fördern die Aktivität von Interferonen und natürlichen Killerzellen, wodurch die Viruslast sinkt. Und wie steht es mit dem zweiten Eintrittsweg des Virus in den Körper, über die Schleimhäute der Nase? Nasensprays aus Tee könnten sie schützen. Mutwillig verpasste Chancen Was wäre wohl aus der Corona-Pandemie geworden, wenn Gesundheitsbehörden der Bevölkerung von Pandemiebeginn an derart simplen Selbstschutz empfohlen hätten – in Verbindung mit weiteren Maßnahmen, die ebenso leicht und vergleichsweise billig einzusetzen gewesen wären? Mit antiviralen Mundspülungen wie Betaisodona  „hätten wir niemals einen Lockdown gebraucht“, versicherte frühzeitig der Hygiene-Experte Prof. Klaus-Dieter Zastrow, als alle Welt der Killerkeim-Panik verfallen war. Auch vernebeltes Wasserstoffperoxid hätte SARS-CoV-2 zuverlässig den Garaus gemacht - nicht nur auf Oberflächen sowie in Aerosolen von Innenräumen, sondern auch im Körper von Infizierten. Um die körpereigene Abwehr zu stärken, hätten zusätzlich Vitamin C und D sowie Mineralstoffe wie Zink massenhaft zum Einsatz kommen können. Über Tee hinaus wirken vielerlei weitere Pflanzenstoffe entzündungshemmend und immunmodulierend: von Quercetin über Resveratrol bis Thymian, Salbei und Süßholzwurzel. Die Coronajahre boten der Natur- und Erfahrungsheilkunde eine historische Chance, wie ein Phönix aus der Asche aufzusteigen. Aber sie durfte nicht. Dem Milliardengeschäft mit wenig wirksamen, nebenwirkungsreichen „Impf“stoffen und antiviralen Medikamenten wie Remdesivir, Molnupiravir und Paxlovid hätte sie den Super-GAU beschert. ( Harald Wiesendanger ) Quelle Morris, J.N., Esseili, M.A.: „Screening Commercial Tea for Rapid Inactivation of Infectious SARS-CoV-2 in Saliva“. Food Environ Virol 16, 159 170 (2024), https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38294673/ ; siehe auch Reynolds JL: „Can a cup of tea keep COVID away? Study demonstrates that certain teas inactivate SARS-CoV-2 in saliva“, MedicalXpress, April 2024, https://medicalxpress.com/news/2024-04-cup-tea-covid-teas-inactivate.html   Weitere Literatur zum Thema „Natur- und Erfahrungsheilkunde gegen Covid-19”: Traditionelle Medizin und Heilpflanzen gegen Corona Deutschlandfunk: WHO-Studien zu traditioneller Medizin, Heilpflanzen und Corona Dieser Artikel gibt einen Überblick über mehr als 2.500 weltweite Studien zu traditionellen Wirkstoffen gegen COVID-19, darunter die Anwendung von Artemisia annua und Artemisia afra. Auch die Integration traditioneller Mittel in China und Indien sowie erste experimentelle Ergebnisse werden diskutiert.Quelle: Deutschlandfunk, 2021.Link : https://www.deutschlandfunk.de/who-studien-zu-traditioneller-medizin-heilpflanzen-und-corona-100.html Naturheilkundliche Selbsthilfestrategien bei Post-COVID Post-COVID-Studie: Naturheilkundliche Selbsthilfestrategien bei Post-COVID Die Studie des Universitätsklinikums Essen untersucht die Wirksamkeit naturheilkundlicher Strategien wie Ernährung, Bewegung, Pflanzenheilkunde, Hydrotherapie und Entspannung bei Post-COVID-Betroffenen.Quelle: Carstens-Stiftung, 2023.Link : https://natuerlich.thieme.de/aktuelles/nachrichten/detail/naturheilkundliche-selbsthilfestrategien-bei-post-covid-1089 Naturheilkunde bei Long-Covid: Effektive Ansätze Wissen Naturheilpraxis: Naturheilkunde bei Long-Covid Dieser Artikel fasst naturheilkundliche Ansätze zur Linderung von Long-Covid-Symptomen zusammen. Schwerpunkte sind pflanzliche Mittel wie Echinacea, Ingwer und Kurkuma, Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, Akupunktur und Aromatherapie. Es werden Studien zur Wirksamkeit und Expertenmeinungen vorgestellt.Quelle: Wissen Naturheilpraxis, 2024.Link : https://www.wissen-naturheilpraxis.de/medizin/long-covid-und-naturheilkunde/1057/ Vitamin C zum Schutz vor SARS-CoV-2 und zur Behandlung von COVID-19 Vitamin C zum Schutz vor SARS-CoV-2 und zur Behandlung von COVID-19 Diese Übersichtsarbeit beschreibt klinische Studien zu hochdosierter Vitamin-C-Therapie bei COVID-19, insbesondere in China, Italien und den USA. Vitamin C wird als kostengünstige, nebenwirkungsarme Option mit antiinflammatorischer und antiviraler Wirkung diskutiert. Auch weitere Mikronährstoffe wie Vitamin D, A, Omega-3, Selen und Zink werden erwähnt. Quelle: Dr. med. Uwe Gröber, Deutsche Zeitschrift für Onkologie , 2020. Link: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7481539/ Barber, M. S., Barrett, R., Bradley, R. D., & Walker, E. (2021): " A naturopathic treatment approach for mild and moderate COVID-19: A retrospective chart review", Complementary Therapies in Clinical Practice , 45, 101486. DOI: 10.1016/j.ctcp.2021.101486, Volltext (PMC) Diese Studie beschreibt eine retrospektive Auswertung von 30 COVID-19-Patienten, die mit einer Kombination aus Mikronährstoffen, pflanzlichen Präparaten und Probiotika behandelt wurden. Die Therapie war gut verträglich und zeigte Hinweise auf klinischen Nutzen, was weitere Studien rechtfertigt. Luo, L., Jiang, J., Wang, C., Fitzgerald, M., Hu, W., Zhou, Y., ... & Wang, M. H. (2020): "Current Prevention of COVID-19: Natural Products and Herbal Medicine ". Frontiers in Pharmacology , 11, 588508. DOI: 10.3389/fphar.2020.588508 Volltext Diese Übersichtsarbeit fasst aktuelle Erkenntnisse zu pflanzlichen und natürlichen Präventionsstrategien gegen COVID-19 zusammen, einschließlich antiviraler Effekte von Flavonoiden und traditionell eingesetzten Heilpflanzen. Silveira, D., Prieto-Garcia, J. M., Boylan, F., Estrada, O., Fonseca-Bazzo, Y. M., Jamal, C. M., ... & Heinrich, M. (2020): "COVID-19: Is There Evidence for the Use of Herbal Medicines as Adjuvant Symptomatic Therapy? " Frontiers in Pharmacology , 11, 581840.DOI: 10.3389/fphar.2020.581840 Volltext Die Autoren bewerten Nutzen und Risiken von 39 Heilpflanzen, die traditionell bei Atemwegserkrankungen eingesetzt werden, darunter Eibisch, Myrrhe, Süßholz, Efeu und Holunder. Für einige Pflanzen wird ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis bei leichten Symptomen gesehen. Kavitha, T., Aruchunan, M., Pandian, P. S., & Venkateswaran, S. T. (2022): "Integrated yoga and naturopathy on cardiovascular functions and mental health in a patient with COVID-19: A case report",  Journal of Ayurveda and Integrative Medicine , 13(3), 100642. DOI: 10.1016/j.jaim.2021.100642 Volltext (PMC) Fallbericht zu positiven Effekten von Yoga und Naturheilkunde auf Herz-Kreislauf-Funktionen und psychische Gesundheit bei COVID-19. Raghavendra, B. R., & Telles, S. (2022): "Recommendation of yoga and naturopathy intervention for the management of post covid syndrome ".   Journal of Ayurveda and Integrative Medicine , 13(3), 100643.DOI: 10.1016/j.jaim.2021.100643 Volltext (PMC) Überblick über Yoga- und Naturheilverfahren zur Behandlung des Post-COVID-Syndroms. Übersicht über klinische Studien zu alternativen Therapien für Covid-19: Saha, T., & Paul, S. (2022): "Clinical Trials on Alternative Medicines for COVID-19 ", Studies in Health Technology and Informatics , 294, 234-235. DOI: 10.3233/SHTI220740 Volltext (PDF) Diese Arbeit listet laufende und abgeschlossene klinische Studien zu pflanzlichen Präparaten, Nahrungsergänzungsmitteln und Vitaminen gegen COVID-19 auf. Eine Übersicht der Studiennummern findet sich auf clinicaltrials.gov und im GitHub-Repository .

  • Zuchtlachs: giftiges Junk Food?

    Ist Zuchtlachs wirklich gesund? In Wahrheit handelt es sich um ein hochgradig schadstoffbelastetes Industrieprodukt, fünfmal giftiger als jedes andere getestete Lebensmittel. Vor „toxischem Junk Food“ warnt ein namhafter US-Mediziner, vor einem „tödlichen chemischen Cocktail“ ein erschütternder Dokumentarfilm. Einst Delikatesse, heute Massenprodukt: Lachs ist sehr gesund, nicht wahr? Schließlich liefert sein rosafarbenes Fleisch reichlich Omega-3-Fettsäuren, und die sind gut fürs Gehirn, senken den Cholesterinspiegel, beugen Herzinfarkten vor. Seine Antioxidantien hemmen Entzündungen. Sein Kalzium stärkt die Knochen. Eine ergiebige Jod- und Vitamin-D-Quelle ist er ebenfalls. Stammt er aus Aquakulturen? Um so besser, das schützt die Weltmeere vor Überfischung, so heißt es. Also können wir guten Gewissens zugreifen und genießen? Das tun Verbraucher immer ausgiebiger: Mehr als jeder zweite Fisch, der auf den Teller kommt, stammt inzwischen aus Zuchtfarmen (1); nach anderen Schätzungen sind es sogar schon über 90 Prozent . In Wahrheit ist die Lachszucht eine Katastrophe – für die menschliche Gesundheit ebenso wie für die Umwelt. Mit einer hervorragenden Dokumentation, „ Fillet Oh Fish “, öffnet Filmemacher Nicolas Daniels die Augen dafür. In 54 Minuten bietet er exklusive Aufnahmen aus Fischfarmen und Fabriken rund um den Globus. Sein niederschmetterndes Fazit: „Das Fleisch der Fische, die wir essen, hat sich durch intensive Farmwirtschaft und globale Umweltverschmutzung zu einem tödlichen chemischen Cocktail entwickelt.“ Im Mittelpunkt von „Fillet Oh Fish“ steht Norwegen, größter Zuchtlachs-Produzent der Welt. Mehr als tausend Farmen, die seine Fjorde übersäen, liefern über 20 Millionen Lachse pro Jahr. Dass Aquakulturen, in riesigen Netzkäfigen, eine nachhaltige Alternative zur Überfischung der Weltmeere darstellen, ist ein umsatzfördendes Märchen. In Wahrheit dezimieren Fischfarmen die Bestände eher, als sie zu retten. Um ein Kilo Zuchtlachs herzustellen, werden 1,5 bis 8 Kilo Wildfisch benötigt . Wie gesund kann kranker Fisch sein? Industrielle Fischzucht bedeutet Massentierhaltung. In einer Lachsfarm werden bis zu zwei Millionen Tiere auf engstem Raum zusammengepfercht. Das begünstigt Krankheiten, die rasch um sich greifen. Wie der Umweltaktivist Kurt Oddekalv in „Fillet Oh Fish“ berichtet, haben sich in Norwegens Zuchtfischbeständen überall Seeläuse ausgebreitet: Quallenlarven, die durch die Fischhaut dringen, Gewebe und Blut fressen. Sie verursachen offene Wunden, die dann von Krankheitserregern befallen werden können. Auch die hochansteckende Infektiöse Pankreasnekrose (IPN) und die Lachsanämie drohen die Bestände zu dezimieren. Von diesen Fischpandemien erfährt der Verbraucher: nichts. Der Verkauf befallener Fische läuft uneingeschränkt weiter – mit unerforschten Auswirkungen auf den, der sie verzehrt. Um Krankheiten vorzubeugen und einzudämmen, setzten norwegische Züchter noch vor 30 Jahren pro Tonne Fisch fünf Kilogramm Antibiotika ein. Inzwischen sind es angeblich weniger als 0,9 Gramm pro Tonne. Dafür sorgen Impfungen der jungen Lachse, ehe sie ins Meeresgehege ausgesetzt werden. Ob die Vakzine so unproblematisch sind, wie Hersteller und Gesundheitsbehörden sie anpreisen? Wo keine Forschung, da keine Evidenz. Zur Abwehr krankmachender Schädlinge kommt darüber hinaus eine Reihe brandgefährlicher Pestizide zum Einsatz. Arbeiter müssen Schutzkleidung tragen, während sie die Chemikalien in offene Gewässer kippen. Die ausgebrachten Mittel wirken teilweise neurotoxisch. Andere Pestizide schädigen die DNA der Fische, sie führen zu Mutationen im Erbgut. Unter Zuchtkabeljauen ist deswegen jeder zweite deformiert. Weibliche Kabeljaue, die aus den Zuchtbetrieben entwischen, paaren sich mit freilebenden Artgenossen. So werden genetische Mutationen und Missbildungen in die Wildpopulationen eingeschleppt. Beim Zuchtlachs fallen solche abnormen Veränderungen im Erbgut an der merkwürdigen Konsistenz des Fleisches auf: Es ist seltsam spröde; wird es gebogen, so bricht es auseinander. Wer Lachszucht für eine saubere Sache hält, sollte schleunigst auf Tauchstation gehen. Unter den Farmen befindet sich eine meterdicke Abfallschicht, in der es von Fäkalien, verfaultem Futter, Arzneimittelresten und giftigen Pestiziden nur so wimmelt. Sie verseuchen das umliegende Meer, ihre Krankheitskeime stecken wilde Artgenossen an. Haarsträubend. Schwimmende Omega-6-Fettbombe Auch der Nährstoffgehalt ist abnormal. Wildlachse enthalten rund 5 bis 7 % Fett. Zuchtlachse bringen es hingegen auf 14,5 bis 34 % Fett . Woher kommt der drastisch erhöhte Fettgehalt? Dafür sorgt das verarbeitete, fettreiche Futter, das Zuchtlachse erhalten. Aber Zuchtlachs ist nicht bloß viel fettreicher. Das Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren ist darin radikal verzerrt. (2) Ein 170-Gramm-Filet von einem wilden Atlantiklachs enthält etwa 3934 Milligramm Omega-3 und 374 mg Omega-6. (3) In einem ebenso großen Zuchtlachsfilet hingegen steckt zwar etwas mehr Omega-3 – 4252 Milligramm -, jedoch erstaunliche 1132 mg Omega-6, also mehr als dreimal so viel wie im Wildlachs. (4) Zwar benötigt unser Körper beide Fettsäuren – idealerweise aber im Verhältnis von 1:1. Weil die westliche Standardernährung einen viel zu hohen Anteil an verarbeiteten Lebensmitteln aufweist, ist sie aber ohnehin schon stark Omega-6-lastig. Statt diesem Ungleichgewicht entgegenzuwirken, verstärkt Zuchtlachs es noch. Einen Aprilscherz leistete sich insofern die Stiftung Warentest 2018, als sie von Wildlachs gerade wegen seines niedrigeren Fettgehalts abriet. Er schmecke nämlich nicht so gut – “weniger intensiv nach Lachs, nicht so buttrig, zart und saftig.” (5) Weil Fett als Geschmacksträger fungiert, haben gezüchtete Fische demnach einen klaren Vorteil, so befanden die Tester. In puncto Omega-Fettsäuren leiden sie offenbar unter Informationsdefiziten. Raubfische werden zu Vegetariern gemacht Aber wie kommt Zuchtlachs zu seinen überschüssigen Omega-6-Fetten? Das Infoportal “ The Fish Site ” klärt auf, was Zuchtfische aus dem Atlantik zu fressen bekommen. Im Jahr 2019 stammten drei Viertel des norwgischen Fischfutters aus Pflanzenprodukten vom Land, die im Meer gar nicht natürlich vorkommen: darunter Sojabohnenkonzentrat, ein aus Sojabohnen isoliertes Eiweiß, neben weiteren pflanzlichen Proteinquellen wie Weizen, Mais und Ackerbohnen. (6) Eine in Research Gate 2012 veröffentlichte Studie (7) listet darüber hinaus auf: Pressrückstände aus Sonnenblumenkernen, Weizengluten, Favabohnen, Erbsenprotein, Rapsöl. Bekommt ein Wildlachs irgendeine dieser Zutaten jemals ins Maul? "Wenn wir den Fisch nun mit pflanzlicher Nahrung füttern, dann hat der Fisch auch eine Fettsäurezusammensetzung, die dem Pflanzenmaterial entspricht", erklärt Ulfert Focken, Experte für Fischfutter am Thünen-Institut für Fischereiökologie. Von einer “artgerechten Ernährung” kann in der Lachszucht folglich keine Rede sein. Hier machen marine Eiweißquellen bloß 14,5 % der Futtermittelzutaten aus, Meeresöle weitere 10,4 %. (8) Wie werden Zuchtlachse dann überhaupt rötlich, wenn nicht durch die gefressenen Krebse? Ihnen werden künstlich hergestellte Carotinoide verabreicht. Fünfmal giftiger als jedes andere Nahrungsmittel Sein hoher Fettgehalt trägt dazu bei, dass Zuchtlachs weitaus mehr Schadstoffe enthält als seine wilden Artgenossen. Viele Toxine reichern sich leicht im Fett an – mit der fatalen Folge, dass Zuchtlachse unter ähnlich kontaminierten Bedingungen erheblich mehr Gifte aufnehmen. Woher stammen sie? Die größte Belastungsquelle stellen nicht etwa Pestizide oder Antibiotika dar. Es ist das Trockenfutter, in Form von Pellets. Darin gefunden wurden Dioxine, Polychlorierte Biphenyle (PCBs) und Pestizide, neben weiteren Medikamenten und Chemikalien. Frisst der Lachs sie, so reichern sie sich in seinem Fettgewebe an. Einer Studie zufolge, die 700 Lachsproben aus aller Welt einbezog, liegt die PCB-Konzentration im Zuchtlachs um ein Achtfaches höher als im Wildlachs. Als der norwegische Biologe und Toxikologe Jerome Ruzzin (9) von der Universität Bergen eine Reihe von Lebensmittelgruppen auf Giftstoffe prüfte, förderte er Überraschendes zutage: Die größte Menge an Giftstoffen steckte im Zuchtlachs. Mit großem Abstand. Er erwies sich als fünfmal giftiger als jedes andere getestete Lebensmittel: Hamburger, Vollmilch, Eier, Äpfel, Kartoffeln und Kabeljau. Was diese Gifte anrichten können, lassen Tierversuche erahnen. Mäuse und Ratten, die Futter mit Zuchtlachszusatz erhalten, werden adipös; dicke Fettschichten umgeben ihre inneren Organe. Außerdem entwickeln die zuchtlachsgefütterten Tiere Diabetes. Daraus schließt Ruzzin, dass die pandemisch um sich greifende Fettleibigkeit nicht nur auf zuviel Industriezucker, Kohlenhydrate und minderwertige Fette zurückgeht; immer mehr Schafstoffe tragen ebenfalls dazu bei. Wie Dioxine auf den Teller geraten Warum ist das Fischfutter so giftig? Um das herauszufinden, führt uns „Fillet Oh Fish“ in eine norwegische Fischpelletfabrik. Dort zeigt sich: Die Hauptzutaten sind Aal und andere Fische mit hohem Protein- und Fettgehalt. Woher stammen sie? Vornehmlich aus der Ostsee – einem hochgradig verschmutzten Binnenmeer. Zehn Anrainerstaaten leiten ihren Giftmüll hinein, überwiegend ungeklärt. Was in dieser Brühe herumschwimmt, nimmt die Toxine auf und lagert sie im Körperfett ein. Zumindest Schweden hat seine Fischhändler deswegen dazu verpflichtet, ihre Kunden vor der möglichen Giftigkeit von Ostseefischen ausdrücklich zu warnen. Das Gesundheitsministerium empfiehlt, fetten Fisch wie Hering höchstens einmal pro Woche zu essen; Schwangere sollten ihn völlig meiden. Was tun mit fetten Fischen, die für den menschlichen Verzehr ungeeignet sind? Man verarbeitet sie zu Fischfutter. Und so landen sie letztlich doch auf unseren Tellern. Monsanto-Pestizid - „das bestgehütete Geheimnis der Fischindustrie“ Weitere Giftstoffe steuert der Herstellungsprozess der Pellets bei. Der „Rohstoff“, fetter Fisch, wird zunächst gekocht. Dabei entstehen zwei separate Produkte: Öl, das einen hohen Gehalt an Dioxinen und PCB aufweist; und Proteinpulver, dem insgeheim ein „Antioxidans“ namens Ethoxyquin beigemengt wird – eine Chemikalie, die verhindern soll, dass die Fette im Fisch oxidieren und ranzig schmecken. Laut Filmemacher Nicolas Daniels verbirgt sich dahinter „das bestgehütete Geheimnis der Fischindustrie“. Und eines der giftigsten. Der skandalumwitterte Chemiegigant Monsanto brachte Ethoxyquin Ende der fünfziger Jahre auf den Markt – zunächst als Alterungsschutz für Gummi, dann zur Futtermittelkonservierung, schließlich als Pestizid. Seine Verwendung in Obst, Gemüse und Fleisch ist mittlerweile einigermaßen reguliert , mit einem Grenzwert von 0,05 Milligramm pro Kilo – nicht jedoch in Fisch, denn dafür war die Chemikalie nie vorgesehen. Die absehbare Konsequenz: Zuchtfische können bis zu 20-mal mehr Ethoxyquin enthalten als andere Lebensmittel. Wie sich Ethoxyquin auf die menschliche Gesundheit auswirkt, ist kaum erforscht. Eine norwegische Doktorandin, Victoria Bohne , berichtet in ihrer Dissertation von beunruhigenden Entdeckungen: Ethoxyquin ist imstande, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden. Und möglicherweise wirkt es krebserregend. Wie kann es sein, dass ein derartiges Gift überhaupt in der Fischzucht verwendet werden darf? Warum wird nicht längst wissenschaftlich untersucht, was es im menschlichen Organismus anrichtet? Verbraucherschützer weisen die Verantwortung dafür Lisbeth Berg-Hansen zu, von 2009 bis 2013 Norwegens Ministerin für Fischerei und Küstenschutz - zugleich Hauptaktionärin einer kommerziellen Lachszucht, Inhaberin hochrangiger Posten und Beteiligungen in der Fischereiindustrie. (10) Dass die Stiftung Warentest bei Zuchtlachs “keine nennenswerten” Schadstoffmengen festzustellen vermag (11), sorgt vor diesem Hintergrund für Kopfschütteln. Ist nicht immer der Rede wert, was Konsumenten schaden kann – zumal wenn unklar ist, in welchen Mengen aus unterschiedlichsten Quellen er es zu sich nimmt? Alternativen „Bio“ und „Sockeye“ Auf Wildfische auszuweichen, ist leider schon lange kein Ausweg mehr. Die meisten großen Gewässer unseres Planeten sind inzwischen belastet: mit Quecksilber, Schwermetallen, Dioxinen, PCBs, Agrarchemikalien, Industrieabfällen und Zerfallsprodukten wie Mikroplastik. Regelmäßig Fisch zu essen, ist für Gesundheitsbewusste daher längst keine gute Idee mehr – eine besonders schlechte Nachricht für Pescetarier, die auf den Verzehr von Rind, Schwein, Schaf und Geflügel verzichten, stattdessen Fisch und Meeresfrüchte auf den Speiseplan setzen. Wie steht es mit Zuchtlachs in Bio-Qualität? Unter 25 untersuchten Angeboten schafften es „Gut Bio Lachsfilets“ von Aldi Nord bei der Stiftung Warentest im März 2018 auf den zweiten Platz, Gesamtnote 1,9. (12) Ethoxyquin spielt hier keine Rolle, da es in der biologischen Landwirtschaft ohnehin verboten ist. Allerdings fanden die Prüfer minimale Spuren eines Abbau­produkts – andernfalls wäre der Bio-Fisch von Aldi, 250 Gramm für rund 6 Euro, sogar Testsieger geworden. (13) Auch andere Schadstoffe kommen im Bio-Produkt weitaus seltener vor. Dazu trägt die vorgeschriebene Haltung bei: In einem Kubikmeter Wasser dürfen sich nur halb so viele Lachse tummeln wie in konventionellen Farmen. Dadurch schwimmen sie mehr herum, bleiben fitter, werden von weniger Parasiten befallen. Gegen Schädlinge wie die Lachslaus setzen findige Bio-Züchter statt Pestiziden neuerdings “Putzerfische” ein. Aber auch Bio-Lachse werden nicht artgerecht ernährt. Mehr als 40 Prozent tierisches Eiweiß im Futter schreiben EU-Bio-Richtlinien nicht vor. Als “innovativ” gelten Unternehmen, die an Lachse Öl aus Meeresalgen oder gar Bio-Insekten verfüttern. (14) Wie sonst entgehen wir dem „ toxischen Junk Food “, wie der US-Ganzheitsmediziner Dr. Joseph Mercola es nennt? Eine einzige Ausnahme von strikter Lachsabstinenz lässt er noch gelten: echten, wild gefangenen Sockeye, auch „Rotlachs“, aus Alaska. Dieser Nordpazifikschwimmer mit dem prächtig tiefroten Fleisch, für Kenner das edelste und feinste, frisst ausschließlich Plankton mit Minikrebsen und Shrimps. „Seine ernährungsphysiologischen Vorteile wiegen meines Erachtens immer noch schwerer als eine mögliche Verunreinigung. Das Risiko, dass Sockeye hohe Mengen an Quecksilber und anderen Giftstoffen anreichert, ist wegen seines kurzen Lebenszyklus von drei Jahren geringer.“ Dafür müssen Verbraucher allerdings tiefer in die Tasche greifen: Hundert Gramm Sockeye können über zehn Euro kosten . Discounter Aldi bietet eine 150 Gramm-Packung „Sockeye Wildlachs“ immerhin schon für 4,89 Euro an, Lidl für 3,25 Euro (15), Konkurrent Norma 100 Gramm für 2,53 Euro – von „Öko-Test“ Ende 2022 mit „gut“ bewertet. (16) Wie viel ist uns unsere Gesundheit wert? ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen 1 Live Science 8.9.2009, https://www.livescience.com/5682-milestone-50-percent-fish-farmed.html 2 Global Seafood Alliance, 30. Januar 2017, https://www.globalseafood.org/advocate/omega-6s-and-the-threat-to-seafoods-healthy-halo/ 3 My Food Data. Wild Atlantic Salmon Cooked, https://tools.myfooddata.com/nutrition-facts/171998/wt9/1 4 My Food Data. Farmed Atlantic Salmon Cooked, https://tools.myfooddata.com/nutrition-facts/175168/wt9 5 Zit. nach https://www.eatclub.tv/aktuelles/verbraucherthemen/lachsfilets-bei-stiftung-warentest-111664 ; https://www.chip.de/artikel/der-beste-lachs-testsieger-der-stiftung-warentest_104665 6 The Fish Site. 3. September 2019, https://thefishsite.com/articles/whats-salmon-feed-really-made-of 7 Research Gate. Norwegian Salmon Feed, https://www.researchgate.net/figure/Feed-ingredients-used-in-Norwegian-salmon-feed-in-2012-Data-are-reported-by-EWOS-BioMar_tbl1_279752594 8 Fish Site, a.a.O. 9 Siehe https://www.uib.no/en/rg/toxicology/56874/what-%E2%80%93-eating-salmon-may-not-be-good-me und https://www.uib.no/filearchive/final.pdf 10 Diese Interessenkonflikte beleuchtete 2014 die TV-Dokumentation „Giftiger Fisch – Die große Gesundheitslüge“ https://www.youtube.com/watch?v=8_Sl_wjiOyI ; siehe dort ib. Minute 31:26 bis 34:36. 11 Siehe https://www.24vita.de/verbraucher/lachs-stiftung-warentest-fisch-wildfang-zuchtlachs-aquakultur-discounter-frankfurt-main-90943826.html 12 Auch bei Öko-Test schnitt die Aldi-Marke „gut“ ab. https://www.heidelberg24.de/verbraucher/lachs-test-oekotest-vergleich-produkte-ergebnis-discounter-marke-lidl-wuermer-zr-91138930.html ; https://www.stern.de/genuss/lachs-bei--oeko-test----nur-ein-raeucherlachs-ist--sehr-gut--30961356.html 13 https://www.chip.de/artikel/der-beste-lachs-testsieger-der-stiftung-warentest_104665 14 https://www.oekolandbau.de/bio-im-alltag/einkaufen-und-kochen/produktinfos/lebensmittel/bio-lachs-in-massen-geniessen/ 15 Privateinkauf am 23.3.2023. 16 https://www.ruhr24.de/service/oekotest-lachs-fisch-lidl-aldi-discounter-ergebnisse-raeucherlachs-sieger-preis-sehr-gut-test-zr-91139814.html

  • Die große ME/CFS-Verarsche

    Warum gibt es viel mehr ME/CFS-Patienten als vor der Corona-Pandemie? Das böse Virus sei schuld, so machen uns Mainstream-Medien am 12. Mai weis, dem Internationalen „Awareness Day“ für Betroffene. Ist es wirklich „Long Covid“ – oder vielmehr „Post-Vac“? Bleierne Müdigkeit. Anhaltend erschöpft selbst nach geringer Anstrengung, nicht besser nach Schlaf und Ausruhen. „Brain Fog“, mit Konzentations- und Gedächtnisschwäche, gestörter Wortfindung und Reizverarbeitung. Schmerzen in Muskeln und Gelenken, Kopf- und Halsschmerzen. Grippegefühl ohne Infekt, Schlafstörungen, Herzrasen. Überempfindlich gegenüber Licht, Geräuschen, Gerüchen. All dies und mehr quält ME/CFS-Betroffene (1) bislang unheilbar , macht sie arbeitsunfähig, zerstört ihre Lebensqualität. Heute, an ihrem Internationalen „Awareness Day“, widmen sich Mainstream-Medien ausgiebig deren Schicksal. Doch wie viele Medien hinterfragen, warum es plötzlich so viele sind? Vor der Corona-Pandemie waren es in Deutschland, je nach Quelle, 140.000 bis 310.000 – bis 2023 registrierte die Kassenärztliche Bundesvereinigung 620.000 Behandlungsfälle. Als mutmaßliche Auslöser gelten: ein durch Virusinfekte wie Influenza, Pfeiffersches Drüsenfieber oder Borreliose aus dem Gleichgewicht geratenes Immunsystem; eine chronische Entzündungsreaktion; Mitochondrien- und Energiestoffwechselstörungen; hormonelle und neuroendokrine Veränderungen; Umweltfaktoren wie Stress und traumatische Ereignisse; womöglich auch genetische Vorbelastungen. Aber weshalb sollten sich diese Faktoren ausgerechnet ab 2020 plötzlich viel fataler auswirken als zuvor? Schuld sei das Coronavirus, so macht man uns weis – für mehr ME/CFS-Fälle sorge “Long Covid”. Der Beweis?  5 bis 11 % erfüllten sechs Monate nach einer SARS-CoV-2-Infektion die Diagnosekriterien für ME/CFS, gegenüber 0,6 % bei Nichtinfizierten, so besagen Studien. Unter den Teppich kehren Schreibtischtäter: Auch Corona-Impfungen können anhaltende ME/CFS-Symptome auslösen – “PostVac” -, nachzulesen in den Beipackzetteln. Ein Großteil der Covid-Patienten war geimpft; diese Impfungen schützten nicht etwa vor Infektionen und schweren Krankheitsverläufen, sondern machten sie wahrscheinlicher, wie sich inzwischen herausstellte. (2) Hätten die meisten Covid-19-Fälle nicht 2020 auftreten müssen, im ersten Pandemiejahr, als wir ohne Impfstoff dem “Killerkeim” aus Wuhan noch “schutzlos ausgeliefert” waren? Nach kumulierten Fallzahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) sowie laut Wikipedia wurden damals 1,8 Millionen Covid-19-Fälle gemeldet. Und ab Anfang 2021, nach massenhaften “Schutz”impfungen? 2021 waren es 5,8 Millionen, 2022 rund 26 Millionen.   “Faktenchecks” dürften heute reihenweise ergeben: ME/CFS-ähnliche Symptome folgen auf Covid-Impfungen extrem selten. Schließlich seien dem Paul-Ehrlich-Institut bis Mai 2023 bloß 1.547 Verdachtsfälle  gemeldet worden. Bei über 192 Millionen verabreichten Impfdosen entspricht dies einer Melderate von weniger als einem Verdachtsfall pro 100.000 Impfungen (0,73/100.000). Dabei versäumen es “Faktenchecker”, auf mögliches Underreporting hinzuweisen: Bloß ein Bruchteil aufgetretener Impfschäden – je nach Studie 1 bis höchstens 5 % - werden tatsächlich erfasst. In Sachen Corona könnten es noch weniger sein: Warum sollten ME/CFS-Betroffene oder ihre Ärzte sich zeitraubende Umstände machen, eine Schadensmeldung einzureichen, wo beiden doch jahrelang eingetrichtert wurde, die Corona-“Pikse” seien wirksam und sicher, ja “nebenwirkungsfrei”, laut Bundesgesundheitsminister? Liegt da nicht der Verdacht nahe, dass sich am 12. Mai 2025, wie schon in den Vorjahren, eine umfassende Verarsche fortsetzt? Weiterhin wird abgewiegelt, vertuscht, gelogen. ”Long Covid”: das ist der letzte Strohhalm, an den sich all jene klammern, die uns einreden wollen, diese unschöne Angelegenheit namens Impfnebenwirkungen sei ja gar nicht so schlimm. Gäbe es kein Long Covid  – Impf-Dogmatiker müssten sie schleunigst erfinden, um das wahre Ausmaß des angerichteten Schadens zu verschleiern. Das semantische Versteckspiel hat ausgerechnet Ex-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach eingeräumt, als er an einem Runden Tisch mit Ärzten und Betroffenen wörtlich über Präparate gegen das chronische Erschöpfungssyndrom ME/CFS von sich gab : „Diese Medikamente werden bei Long-Covid-Symptomen – egal, ob das jetzt durch die Impfung gekommen ist oder durch die Erkrankung, – von den Krankenkassen erstattet.“ (3) Ups, verplappert. Hiermit gibt Deutschlands oberster Piks-Propagandist faktisch zu: Was als „Long Covid“ bezeichnet wird, kann durchaus eine Impfnebenwirkung sein. Bis vor kurzem galt das noch als Verschwörungstheorie – jetzt quillt es aus dem Mund eines notorisch wandlungsfähigen Regierungsmitglieds. Fehletikettierten Impfopfern bringt das herzlich wenig. Nach wie vor werden sie  unzulänglich oder gar nicht behandelt, verlieren ihr bisheriges Leben, hoffen vergeblich auf Anerkennung, Schmerzensgeld und Schadensersatz. Wie viel haben sie davon, einen Tag lang öffentlicher “Awareness” ausgesetzt zu sein? Das ist kein Trost, sondern blanker Hohn. ( Harald Wiesendanger )   ME/CFS-Symptome schildern hunderte Covid-Impfgeschädigte, Angehörige, Freunde und Kollegen im Internetarchiv von www.impfopfer.info . Eine kleine Auswahl: “Mein Cousin, 25, 3x gespritzt mit Biondreck, hat letztens geklagt dass er sich so niedergeschlagen fühlt und Gliederschmerzen hat als hätte ihn jemand überfahren . Hat sich natürlich gleich mal getestet (es gibt ja sonst keine Krankheiten mehr) und der test war immer negativ. Kurze Zeit später kommt eine Bekannte vorbei (ebenfalls min. 3x gespritzt) ca. 30 und klagt über GENAU DIESELBEN Symptome : Kurzatmigkeit, Gliederschmerzen, Alles fühlt sich anstrengend an, Kraftlos, Kopfschmerzen…. Würden niemals einen Zusammenhang zur Impfung einsehen…” (29. August 2022) “Ich bin 52. Nach der zweiten Impfung letztes Jahr bekam ich kreisrunden Haarausfall, eine Autoimmunerkrankung. Im Januar nach der dritten Impfung bekam ich plötzlich Long Covid Symptome. Ich hatte Kopfschmerzen und unerklärbare Gliederschmerzen. Bei jeder kleinen Anstrengung bekam ich keine Luft mehr und hatte Herzrasen. An manchen Tagen habe ich es nicht geschafft aufzustehen. Mein Gesicht wurde schief. Von der Ärztin in einer Notfallpraxis wurde ich dann mit Verdacht auf Hirnhautentzündung in die Notaufnahme der Neurologie eingewiesen, welche sich aber nicht bestätigt hat. Dort wurden dann durch Zufall zwei Aneurysmen bei mir gefunden. Eins im Kopf, dass bereits so groß ist dass ein Stent gesetzt werden muss, weil sonst die Gefahr besteht, dass es platzt. Nach weiteren vier Tagen im Krankenhaus wurde ich zum Psychologen geschickt, weil für die Symptome von Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindel und ein Puls von 120 keine Ursachen gefunden wurden, also kann ich lt. Meinung der Ärzte nur depressiv sein, was die hinzugezogene Psychologin aber nicht feststellen konnte. Jetzt warte ich auf meine OP. Meine Freundin ist seit der dritten Impfung am 27. Januar arbeitsunfähig. Hoher Blutdruck und sonst dauerhaft die selben Symptome die ich hatte. Erschöpfung, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen. Sie kann an manchen Tagen nicht einmal laufen...” (13. Juni 2022) Meine Tochter  23 j . gestern 2. Impfung … kommt nicht mehr aus dem Bett. Starke Gliederschmerzen mit Schwindel. PLZ 97828.” (9. Februar 2022) “Meine Freundin ist seit der dritten Impfung am 27. Januar arbeitsunfähig. Hoher Blutdruck und sonst dauerhaft die selben Symptome die ich hatte. Erschöpfung, Müdigkeit, Kopfschmerzen , Gliederschmerzen. Sie kann an manchen Tagen nicht einmal laufen...” (1. Juni 2022) “Nach der Boosterimpfung leidet meine Mutter (72) permanent an Schwäche und Gliederschmerzen.” (18. Januar 2022) “Meine Mutti (1964 Baujahr) bereits nach 1. Impfung Probleme mit ständiger Erschöpfung. 2. Impfung gut vertragen. Dann Booster, 1 Tag später starke Erschöpfung, Erkältung, Gliederschmerzen. 2 Tage später C. positiv. 2 Wochen lang starker Husten. Seit jetzt insgesamt 5,5 Wochen starke Erschöpfung. Herzarzt und Lungenarzt muss aufgesucht werden. Impfschaden wurde - natürlich - durch KEINEN Arzt angesprochen.” (23. Dezember 2021) “Meine Cousine (42) und mein Cousin (40) haben schwere Nebenwirkungen (anhaltende Kopfschmerzen, Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Gliederschmerzen). Dennoch hat sich meine Cousine boostern lassen und ist jetzt krank zu Hause (noch schlimmere Kopfschmerzen, Fieber, Schwindel). Hatte Angst, irgendwelche Strafen bei der möglichen Impfpflicht zu zahlen. Aufklärung hilft leider nicht. Mein Cousin erzählt noch letztens, dass er sich seit der Impfung total verändert hat (lustlos, genervt und gereizt), dennoch denkt er über den Booster nach.” (17. Dezember 2021) “Mein Arbeitskollege, Mitte 50. Hat mich heute gefragt ob ich auch geimpft sei. Er hätte massive Nebenwirkungen. Im Juli den 2. Moderna-Piks bekommen. Sagt, er fühle sich seither wie ein Wrack. Massive Gliederschmerzen am ganzen Körper, keine Kraft mehr. Massive Schmerzen in den Knien und Schulter. Nimmt seit Wochen Schmerzmittel.” (20. September 2021) “Eben Unterhaltung mit Nachbarn gehabt (männl. Mitte 40, 2x AstraZ) seit der 2. Impfung Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen und Antriebslosigkeit. Sieht Zusammenhang mit der Impfung, ist aber nicht gemeldet.” (5. September 2021) “Ein Bekannter 40 J. Altenpfleger (Durchtrainiertes Energiebündel) seit der 2. Impfung komplett an Ende.Antriebslos, Gliederschmerzen, extrem schwach....” (22. August 2021) “Meine ganze Familie hat sich impfen lassen , außer meinem 17-jähriger Sohn und mir. Bei meinem Vater 68 Jahre 2 mal mit Biotech seitdem nur müde vergisst viel ab und zu verwirrt. Mama 67 1 mal mit Biotech, seitdem nur Schweißausbrüche. Meinen 22 jährigen Sohn, weil er in der Altenpflege ist, haben sie regelrecht dazu gezwungen. Er ist deppresiv und müde. Mein Lebensgefährte 1 mal Biotech seitdem auch müde null Antrieb. Gereizt.” (27. Juli 2021) “Ich habe mir leider die 1.impfung mit Moderna verabreichen lassen und habe seitdem massive Beschwerden wie extreme Müdigkeit, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Durchblutungsstörungen, etc.” (14. Juli 2021) “Hundefriseurin, 60 Jahre; mindestens dreimal geimpft; seitdem erschöpft… möchte bald beruflich kürzer treten. Auch ihr Mann ist dauerhaft müde… ahnt, dass es von den Impfungen kommt.” (6. Oktober 2023) “Kollegin in 50ern, 3-4x Biontech, multiple langwierige Infekte, immer müde, starke Gewichtsabnahme, jetzt Schilddrüsenentzündung,, Zittern und Herzrasen. Sie führt es auf Stress zurück.” (3. Oktober 2023) “Frau 32 Jahre alt. Seit der Impfung Dauer müde und erschöpft. Dreimal hat sie sich impfen lassen. Nun sucht sie die Nebenwirkung bei der Pille. Beim Arzt wurde sie durchgecheckt, konnte nichts feststellen. Wir haben sie mehrmals auf die Impfung hingewiesen. Will sie nicht wirklich wahrhaben.” (27. August 2023) “Unser Nachbar, 80 Jahre, wachte plötzlich und unerwartet nicht mehr auf. War mindestens 3x geimpft, anschließend 6 Monate nur müde und schlapp, die Ärzte fanden nichts. Seine letzten Worte: Vielleicht hat es ja doch mit den Impfungen zu tun.” (25. August 2023) “Frau ca 45 Jahre, gesund, sportlich 1 x Biontech. Wollte keine, aber durch ihren Job ist sie irgendwann eingeknickt. Hatte starke Kopfschmerzen, ab ins Krankenhaus, Hirndruck viel zu hoch. Sie fragte, ob es von der Impfung kommt, der Arzt nickte nur. Zurück geblieben sind nun bei ihr immer mal wieder Kopfschmerzen, Vergesslichkeit und kraftlos - immer müde.” (22. August 2023) “34-Jährige, sieht aus wie 50. Ist 3x beglückt: 1x Astra, 2x Biontech. Seit den Spritzungen extreme Schluckbeschwerden. Müde, erschöpft, kraftlos. Seit über 1 Jahr.” (13. August 2023) “Kollege (4x Spritze) Mitte 50 hat jetzt seit geraumer Zeit gesundheitliche Probleme. Abgeschlagen, müde, antriebslos, Appetitlosigkeit.” (10. August 2023) “Frühere Arbeitskollegin 3 x mit Biontech geimpft aus Überzeugung. Nun ist sie Frührentnerin. Sie ist ständig müde und erschöpft, schlechtes Gedächtnis, Taubheitsgefühle, völlig kraftlos. Die Ärzte sagen, das kommt von ihrer Coronaerkrankung. Sie glaubt es.” (13. Oktober 2023) “Kollegin, Mitte 40, strahlend lebenslustig, gesund. Nach 1. Astra Zeneca am nächsten Tag Zusammenbruch, 6 Wochen nicht mehr laufen können. Ausbruch von Rheuma, welches laut Hausarzt und Rheumatologen eindeutig auf Impfung zurückzuführen ist. Anerkennung auf Leistungen durch den Staat aufgrund Impfschadens wurden abgelehnt!!! Zu platt, um weiter um Entschädigung zu kämpfen. Immer müde, schafft gerade so die Arbeit (in Teilzeit), nebenher kaum mehr Aktivitäten planbar. Sie wollte sich erst nicht impfen lassen, gab dem allgemeinen Druck dann nach.” (6. August 2023)   Quellen zu den genannten Zahlen: https://www.bmg-longcovid.de/zeitstrahl/neue-studienergebnisse-zur-haeufigkeit-von-me/cfs-nach-sars-cov-2-infektion?utm_source=chatgpt.com ; https://dgn.org/artikel/me-cfs-inzidenz-nach-sars-cov-2-infektion-fast-dreimal-so-hoch?utm_source=chatgpt.com ; https://www.mecfs.de/longcovid/?utm_source=chatgpt.com ; https://de.wikipedia.org/wiki/COVID-19-Pandemie_in_Deutschland/Statistik?utm_source=chatgpt.com ; https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11806888/?utm_source=chatgpt.com ; https://www.pei.de/DE/newsroom/positionen/covid-19-impfstoffe/stellungnahme-postvac.html?utm_source=chatgpt.com Anmerkung (1)   ME/CFS steht für Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom. Es handelt sich um eine schwere, komplexe, chronische Multisystemerkrankung, die in vielen Fällen Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit dauerhaft erheblich einschränkt.

  • Fachfremd? Na und.

    Zu den personellen Überraschungen im Kabinett Merz zählt die neue Bundesgesundheitsministerin Nina Warken – keine Medizinerin, sondern Juristin. Was spricht für die Quereinsteigerin? Was ist von ihr zu erwarten? Mindestens fünf Punkte sprechen zweifellos für Nina Warken: Nach übereinstimmenden Recherchen ist sie keinesfalls identisch mit Karl Lauterbach. Sie hat drei Kinder, was vermuten lässt, dass ihr das gesundheitliche Wohlergehen der nächsten Generation tatsächlich am Herzen liegt. Am Kabinettstisch poliert sie mehrere Quoten auf – als nichtmännliche, nichtglatzköpfige Baden-Württembergerin mit Mutterstatus. Geboren wurde sie am 15. Mai 1979, demselben Tag wie Naroa Agirre Kamio, die spanische Rekordhalterin im Stabhochsprung – eine vielversprechende astrologische Ausgangslage, denn sie wird über jede Menge Stöckchen springen müssen, die man ihr hinhält. Ihr Sternzeichen Stier steht für Zuverlässigkeit, Realismus und Zielstrebigkeit; als Schaf,  nach chinesischem Horoskop, ist sie einfühlsam, kreativ, bescheiden und hilfsbereit. Klingt gut. Dickster Pluspunkt: Nina Warken hat sich niemals abfällig über meine Stiftung AUSWEGE geäußert. Und sonst? Keine Ahnung. Die Dame ist studierte Juristin und seit 2006 als Rechtsanwältin tätig. Ihre politischen Schwerpunkte lagen bisher vor allem in der Innen- und Rechtspolitik - unter anderem als Obfrau in einem Untersuchungsausschuss, der Ausmaß und Hintergründe der Ausspähungen durch ausländische Geheimdienste in Deutschland aufklären sollte. Sie sitzt im Innenausschuss des Bundestages, dem sie seit 2018 angehört. In der Unionsfraktion war sie Berichterstatterin für Asylrecht, Zivil- und Katastrophenschutz. Seit 2019 leitet sie den Bundesfachausschuss Innere Sicherheit der CDU; dort geht es um eher medizinferne Themen wie Stärkung der Polizei, Strategien gegen Terrorismus, Katastrophenschutz, Grenzsicherung, Cyberkriminalität und IT-Sicherheit, Videoüberwachung, Vorratsdatenspeicherung, Online-Durchsuchung. Macht nix - Parteikollegen beschreiben sie als bestens vernetzte "Powerfrau mit Herz, Haltung und Verstand". Als “„blitzgescheite Generalistin“ werde sie sich “in Windeseile” einarbeiten, traut ihr der Tagesspiegel zu. Diagnose: Ahnungslos. Therapie: Ministerposten. Was hatte Nina Warken, Merz´ “ faustdicke Überraschung ”, bisher mit medizinischen Fragen am Hut? Dass sie vom Fach ist, “lässt sich allerdings nicht behaupten. Sie ist bisher nicht als Gesundheitsexpertin in Erscheinung getreten”, stellt das Nachrichtenportal n-tv.de  fest. In diesem Bereich sei sie ein "unbeschriebenes Blatt", findet die Ärzte Zeitung . “Ihre Positionen zur medizinischen und pharmazeutischen Versorgung”, so konstatiert der Infodienst Medscape , “sind im Detail noch unklar” – und im Groben ebenfalls, genauer gesagt. Was Mainstream-Medien nach angestrengten Nachforschungen hervorzukramen gelang, erschöpft sich weitgehend in ein paar Zitaten. “Die  Mainpost   gibt Statements von Warken zu Wahlkampfzeiten wieder: „Die CDU/CSU setzt sich entschieden für den Erhalt von Apotheken vor Ort ein und will zum Beispiel Wartezeiten für Arzttermine reduzieren, indem Patienten besser geholfen wird, einen passenden Arzt mit Terminkapazitäten zu finden.“ - „Unser Gesundheitssystem muss aus verschiedenen Bausteinen zusammengesetzt sein, die zusammen eine sicherere Versorgung in allen Lebensaltern und Lebensbereichen bieten.“ - „Eine höhere Bezahlung allein reicht nicht aus, um den Pflegeberuf attraktiver zu machen. Gleichzeitig müssen Angehörige, die Familienmitglieder zu Hause betreuen, spürbar entlastet werden.“ Weil davon auszugehen ist, dass der angehende Bundeskanzler über fachliche Qualifikationen von Frau Warken auch nicht wesentlich mehr weiß, liegt die Befürchtung nahe: Um im Gesundheitsministerium den Chefsessel zu besetzen, genügt es, gewisse Quoten anzuheben,  es mit Apothekern und Pflegenden gut zu meinen – und über ein so spektakulär ausgeprägtes Vorstellungsvermögen zu verfügen, dass man das Gesundheitswesen imaginär in Bausteine zerlegen kann. Wieso erfährt das Wahlvolk nichts darüber, wie Frau Warken über die vordringlichsten Herausforderungen unseres Gesundheitswesens denkt – und wie sie mit ihnen umgehen will? Die Epidemie chronischer Krankheiten. Die Vernachlässigung echter Vorsorge. Der Einfluss der Pharmalobby. Die Industrialisierung und Profitorientierung des Medizinbetriebs. Fehlanreize. Die Kostenexplosion. Der drohende Kollaps der Krankenkassen, in der “größten Krise seit Bestehen der Bundesrepublik”, wie der DAK-Vorstand soeben warnte . Der Mangel an Fachkräften. Der Datenschutz des “gläsernen”, digital durchleuchteten Patienten. Die Rolle der Komplementärmedizin. Die Vorbereitung auf die nächste Pandemie. Nutzen und Risiken von Impfungen. Undsoweiterundsofort. MGHA, Make Germany Healthy Again : Kein geringeres Projekt täte dringend not. Niemanden würden wir jemals ins Cockpit eines Flugzeugs setzen, nachdem er bisher unfallfrei Pkw gefahren ist. Wie können wir dann einer Quereinsteigerin ein Ministerium anvertrauen, von dessen Einschätzungen und Entscheidungen Leib und Leben von Millionen abhängen, nicht nur von Hunderten? Doch so geht repräsentative Demokratie: Millionen Wahlberechtigte, die von Medizin herzlich wenig Ahnung haben, lassen sich von Leuten vertreten, denen es genauso geht. Eine “Nähe zur Basis” besonderer Art. Fachkompetenz? Zu riskant fürs Kabinett Nur Zyniker sehen diese Personalie entspannter. Wer könnte besser geeignet sein, das deutsche Gesundheitswesen zu retten, als jemand, der damit absolut nichts am Hut hat? Ohne jeden Bezug zur Materie läuft man weniger Gefahr, sich in lästigen Details zu verlieren. Fachwissen ist schließlich völlig überbewertet – das macht doch eh nur alles komplizierter. Im Politikbetrieb von heute zählt der Mut zur Lücke, samt einer ausgeprägten Begabung, diese Lücke mit Eloquenz und Stil zu füllen. Frag nach bei Trump: Kompetenz ist was für Anfänger – echte Profis regieren blind. Ihre Stärke: Sie ahnen nicht mal, wovon sie alles keine Ahnung haben. Gut fürs innere Gleichgewicht. Nicht zu vergessen: Nina Warkens bisher weitgehend unsichtbares Sein im Bundestag zeigt, dass sie weiß, wie man es vermeidet, Aufsehen zu erregen. Eine Eigenschaft, die sich gerade im Haifischbecken Gesundheitssystem als äußerst nützlich erweisen dürfte, ja als geradezu überlebensnotwendig. Wer bisher nicht  als Gesundheitsexpertin aufgefallen ist, hat wenigstens keinen Ruf zu verlieren. Eines steht fest: Das deutsche Gesundheitswesen war noch nie in fachfremderen Händen. Und das ist – natürlich – volle Absicht, mutmaßen Querdenker. Freuen wir uns also auf eine weitere Legislaturperiode, die den jahrzehntelangen Gesundheitsnotstand konsequent fortsetzt -  diesmal aber juristisch wasserdicht. Wie hielt sie´s mit Corona? Spezielle, besonders lästige Fragen beschäftigen jene Mitmenschen, die sich in Schlands Coronoia-Jahren als Desinformanten und Covidioten, als asoziale Trittbrettfahrer und wirre Verschwörungstheoretiker beschimpfen, ausgrenzen, verfolgen lassen mussten. Wie verhielt sich Nina Warken denn während der Pandemie? Trug sie brav Maske, überall und jederzeit? Hielt sie meterweit Abstand? Ließ sie sich und ihren Kindern die experimentelle Genspritze verpassen? Trug sie, wie nahezu ihre gesamte Fraktion, die Lockdowns mit? Jedenfalls unterstützte sie die “Bundesnotbremse”: Im April 2021 stimmte sie für das Vierte Bevölkerungsschutzgesetz , das bundeseinheitliche Maßnahmen bei hohen Inzidenzen vorsah – so als ergäbe sich die Bedrohlichkeit der Coronawelle aus der Anzahl positiver PCR-Tests. Sie betonte dabei, dass Grundrechte auch in Krisenzeiten gelten - jedoch nicht schrankenlos. (“Sie gelten weiterhin, bloß anders”, wie aus dem Bundesverfassungsgericht verlautete.) Im April 2022 kritisierte Warken die Ampel-Koalition für das ihrer Meinung nach unklare Vorgehen bei der Diskussion um eine allgemeine Impfpflicht . Sie bemängelte , es fehle ein einheitlicher Gesetzentwurf, und bezeichnete die verschiedenen Gruppenanträge als "Wirrwarr", das die Bevölkerung verunsichere. „Statt ihrer Verantwortung gerecht zu werden und mit einer Stimme einen tragfähigen Gesetzentwurf einzubringen, haben sich die Regierungsfraktionen in Gruppenanträge geflüchtet. [...] Das war ein falsches Signal.“ Eine allgemeine Impfpflicht ab 60 Jahren lehnte Warken ab: Eine solche Maßnahme sei unverhältnismäßig, vor Gericht halte sie womöglich nicht stand. Sie betonte die Bedeutung individueller Entscheidungen – das Gesundheitssystem müsse auf andere Weise geschützt werden. ​Wie? Beispielsweise mittels eines Impfregisters , das ihr notwendig erscheint. Die Alleingänge des Kanzleramts in der Pandemie, am Bundestag vorbei, gingen Frau Warken gegen den Strich . Um die “epidemische Lage” festzustellen, müsse das Parlament stärker eingebunden werden: „Wir stellen hier keinen Blankoscheck aus, im Gegenteil.” Der Bundestag müsse “in kurzen und regelmäßigen Abständen überprüfen , ob diese epidemische Lage nach wie vor gegeben ist.“ Nahm unsere künftige Gesundheitsministerin inzwischen die RKI-Leaks (1) zur Kenntnis, und was hält sie davon? Ist ihr die Tragweite dieser Enthüllungen bewusst? Die nationale Behörde für Infektionskrankheiten und Public Health , eine der zentralen Säulen des deutschen Gesundheitswesens und ihrem Ministerium unmittelbar unterstellt, täuschte Regierungen und Parlamente, Gerichte und Medien über nahezu sämtliche Aspekte der Pandemie – auf wessen Anweisung auch immer. Welche Schlüsse zieht die Juristin daraus? Was bedauert sie? Was gedenkt sie zur Aufarbeitung der unsäglichen Coronajahre beizutragen? Zumindest die AfD traut sich, an Warkens eher unrühmliche Rolle während der sonderbarsten Pandemie der Menschheitsgeschichte zu erinnern. Die Entscheidung für sie sei die „schlimmstmögliche Wahl“, erklärt der gesundheitspolitische Sprecher der AfD, Martin Sichert. Ausgerechnet sie zu nominieren, zeuge von einer „Geringschätzung der Gesundheitspolitik“ durch den künftigen Kanzler Merz: Anstelle eines Gesundheitsexperten habe er eine „treue CDU-Parteisoldatin und Innenpolitikerin“ berufen. Stutzig machen Lobhudeleien seitens “ Pharma Deutschland ”: Der größte Branchenverband der pharmazeutischen Industrie hierzulande, der über 400 Mitgliedsunternehmen vertritt, bezeichnet Warken als „ausgezeichnete Wahl“ und preist ihre Fähigkeit, sich flexibel auf neue Themen einzustellen.  Welche Art von “Flexibilität” die Arzneimittelbranche bei Frau Warken in Kürze einfordern wird, lässt sich mühelos erahnen. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkung (1)   Die vollständig ungeschwärzten „RKI-Leaks“-Dokumente wurden vom Online-Magazin Multipolar  am 23. Juli 2024 veröffentlicht. Sie umfassten über 4.000 Seiten interner Protokolle des RKI-Krisenstabs aus den Jahren 2020 bis 2023. Die Dokumente wurden von einem anonymen Informanten an ein Journalistenteam um Aya Velázquez übergeben und auf einer Pressekonferenz vorgestellt .​ Die vollständige Veröffentlichung finden Sie hier: https://multipolar-magazin.de/meldungen/0076 ​ Zusätzlich erschien ein begleitender PDF-Bericht mit dem Titel „ RKI-Protokolle und Leak: Offene Fragen“ , der weitere Analysen und Kontext bietet. ​

  • „Oh mein Gott, es funktioniert!“ - Heilt Coimbra wirklich MS?

    Ist Multiple Sklerose endlich heilbar? Das „Coimbra-Protokoll“ eines brasilianischen Neurologen setzt dazu auf hochdosiertes Vitamin D. Ein 57-jähriger MS-Patient, der sich darauf einließ, wurde nahezu sämtliche Symptome los – seither hat er es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Mitbetroffenen die frohe Botschaft zu verkünden. Ist er zu blauäugig? Dass er nicht wirklich gesund war, ahnte John Ottwell seit langem. Der 57-jährige Antiquitätenhändler ermüdete rasch. Sich zu konzentrieren, fiel ihm zunehmend schwerer. In Gliedmaßen kribbelte es seltsam. Sein linkes Bein fühlte sich zeitweilig taub und wie gelähmt an. Manchmal sah er doppelt oder verschwommen, wie durch einen Nebel. Was tatsächlich los war mit ihm, stellte sich erst im Jahr 2014 heraus, nachdem er mit Symptomen, die einem Schlaganfall ähnelten, in eine Notaufnahme in St. Louis, Missouri getaumelt war. Ein MRT zeigte Entzündungsherde in Gehirn, Rückenmark und Sehnerven. Eindeutig wiesen sie auf Multiple Sklerose hin: jene Autoimmunerkrankung, welche die Markscheiden angreift, die äußere Schicht der Nervenfasern im Zentralen Nervensystem. Anderthalb Jahre nach dieser Diagnose saß John Ottwell im Rollstuhl, obwohl er sich ein gängiges MS-Medikament, Copaxone, dreimal pro Woche in den Magen spritzen ließ. „Dessen Nebenwirkungen fühlten sich so an, als würde ich ständig gegen eine schwere Grippe kämpfen“, sagt er. Auch Elektrische Muskelstimulation (EMS) und die „ Steinzeit-Diät “ der Ärztin Terry Wahls, die sich nach dem Paläo-Prinzip selber von fortgeschrittener MS geheilt haben will, brachten Ottwell nichts, ebensowenig wie sonstige Rezepte zur Ernährungsumstellung. Mit Medikamenten lasse sich ein Fortschreiten von Multipler Sklerose zwar leider nicht stoppen oder gar umkehren, zumindest aber um 40 Prozent verlangsamen, so hatten ihm Ärzte versichert. Doch davon konnte keine Rede sein: „Ich spürte, wie die Krankheit zügig meinen Körper zerstörte. Und ich erkannte, dass ich nichts dagegen tun konnte.“ Immer häufiger traten unwillkürliche Bewegungen auf. Er stotterte ständig, hustete, würgte, zuckte und krampfte. Besonders schlimm war für ihn der Verlust von Erinnerungen, weil er früher auf sein hervorragendes Gedächtnis außerordentlich stolz gewesen war. „Mein Verstand war so schlecht, mein Gehirn arbeitete langsam. Ich legte meine Kreditkarte auf meinen Schoß, schaute mir vier Zahlen an, nahm das Telefon, um sie einzugeben, konnte mir aber nur zwei von vier Zahlen merken." Von seinen MS-Symptomen fühlte sich John Ottwell mehr als bloß eingeschränkt. Sie beraubten ihn seiner Würde – wenn er zum Beispiel unwillkürlich urinierte, seinen Darm entleerte oder seine Kopfhaut so heftig kratzte, dass ihm Blut übers Gesicht rann. Immerhin sei MS „kein Todesurteil“, dafür müsse er dankbar sein, so hörte Ottwell. Solchen Trost empfand er eher als Hohn: Sollte er glücklich sein, nicht sofort daran zu sterben, sondern sich noch weitere Jahre damit zu quälen? „MS ist ein Leidens urteil“, sagt er. „Du kannst zehn Jahre lang bewegungsunfähig in einem Pflegeheim liegen. Es ist eine schreckliche Krankheit, die dich nach und nach deiner körperlichen und geistigen Fähigkeiten beraubt - eine langsame Tortur." Er hatte nichts mehr zu verlieren. Verzweifelt recherchierte er im Internet nach einem Ausweg, den ihm die Schulmedizin nicht mehr bieten konnte. Dabei wurde er auf Vitamin D aufmerksam: ein Hormon, das unser Körper in der Haut produziert, wenn sie dem Sonnenlicht ausgesetzt ist; in geringeren Mengen ist es auch in der Nahrung enthalten. Ottwell lernte, dass ein höherer Vitamin-D-Spiegel das Risiko senkt, an Multipler Sklerose zu erkranken; dass es dazu beiträgt, Krankheitsschübe einzudämmen; und dass es sogar die Symptome in Remission bringen kann. Schließlich stieß Ottwell auf das Coimbra-Protokoll: einen Therapieansatz, der auf hohe Dosen Vitamin D über einen längeren Zeitraum setzt. „Oh mein Gott, es funktioniert!“ Im April 2017 begann Ottwell, dieses Protokoll umzusetzen. Und "innerhalb von 41 Tagen wollte ich nach draußen gehen und schreien: 'Es funktioniert. Es funktioniert. Oh mein Gott, es funktioniert!“ Sechs Jahre später sind fast alle seine MS-Symptome verschwunden. "Wenn etwas zurückkehrt, was verloren schien, so ist das ein Sieg", sagt er. "Verschiedene Fähigkeiten kamen erst über Monate und Jahre zurück. Aber innerhalb von zweieinhalb Jahren war alles wieder da, außer meiner Fähigkeit zu gehen. Mein linkes Bein ist weiterhin gelähmt. Fünfzehn Jahre Fehldiagnosen können einem das antun." „Als ich gesund wurde, wusste ich, dass ich meine Berufung gefunden hatte: die Pharmaindustrie in ihren Grundfesten erschüttern – und Mitbetroffene über Coimbra aufklären.“ Dazu richtete Ottwell einen YouTube-Kanal („MS, there is hope!“) ein und gründete eine Facebook-Gruppe . Hier will er Interviews mit Ärzten veröffentlichen, die das Protokoll zur Behandlung ihrer MS-Patienten einsetzen, sowie mit Menschen, deren Symptome sich dank Coimbra geradezu dramatisch zurückbildeten. So ließ er beispielsweise einen jungen Mann zu Wort kommen, der wieder Klavier spielte, nachdem er nicht mehr in der Lage gewesen war, seinen Kopf zu heben. Er stellte eine Frau vor, die an ihrem 40. Geburtstag erblindet aufgewacht war; jetzt ging sie wieder arbeiten, lief täglich mehr als sechs Kilometer - und legte ein MRT ihres Gehirns vor, das keinerlei Anzeichen der Krankheit mehr aufwies. Ottwells stetig wachsende Fallsammlung belegt: Je früher man mit Coimbra beginnt, desto besser stehen die Aussichten, vollständig zu genesen. Bisher findet Ottwells frohe Botschaft allerdings enttäuschend wenig Resonanz. Auf Facebook „folgten“ ihm bis Juli 2023 kaum mehr als 700 Interessenten, seine Gruppe dort umfasst 312 Mitglieder; sein YouTube-Kanal bringt es gerade mal auf 426 Abonnenten. Entmutigt ihn das? Nicht im geringsten. Anfangs, so erklärt er, habe er blauäugig gedacht: „Alle werden auf mich hören.“ Aber sogar Leidensgenossen verspotteten ihn: Er sei unglaubwürdig, weil er ja kein Arzt ist. "Nein, ich trage keinen weißen Kittel, auf dem Dr. Ottwell steht", sagt er. "Ein Grund, warum das Coimbra-Protokoll sich durchsetzen wird, ist, dass Big Pharma uns mit Medikamenten vollpumpt” – woran die Branche 21 Milliarden Euro pro Jahr verdient – “und es uns trotzdem nicht besser geht. Meine Aufgabe ist es, diesem Unwesen entgegenzutreten." (1) Viele skeptische Patienten verlangen wissenschaftliche Studien von ihm. Er kann keine vorlegen, bloß eine Fülle von bewegenden Fallberichten. Aber „wenn du im Rollstuhl sitzt, sind dir die Studien doch völlig egal", sagt Ottwell. "Du willst einfach nur gesund werden." Dabei gäbe es vorzeigbare Forschungsergebnisse durchaus – bloß kennt sie kaum jemand, weder MS-Kranke noch ihre mit pharmageschärftem Tunnelblick ausgestatteten Fachärzte. Bereits 2009, auf der Jahrestagung der American Academy of Neurology, sorgte eine Studie für Aufsehen, der zufolge hohe Dosen von Vitamin D die Schubrate bei MS-Patienten drastisch senken. Die Patienten in der Gruppe mit den hohen Dosen - zwischen 14.000 und 40.000 internationalen Einheiten (IE) täglich, umgerechnet drei bis acht Tropfen - hatten geringere Rückfallraten und ihre T-Zellen-Aktivität (2) ging deutlich zurück, verglichen mit der Gruppe, die niedrigere Dosen einnahm. (3) Ein Jahr darauf wies eine weitere Studie nach, dass sehr hohe Vitamin D-Gaben MS.Schübe um knapp 60 % verringern, verglichen mit einer Placebogruppe. (4) Woher stammt das Coimbra-Protokoll? Wie sich Vitamin D auf das menschliche Immunsystem auswirkt, beschäftigt den brasilianischen Neurologen Dr. Cicero Coimbra seit langem. „Es ist der wichtigste Regulator für die Aktivität des Immunsystems“, so erläutert der Professor an der Universität von São Paulo. „Mangelt es daran, so kann unser Körper tausende biologische Funktionen in den Zellen des Immunsystems nicht regulieren, d. h. stimulieren oder reduzieren.“ Schon ab 2001 setzte Coimbra Vitamin D bei Parkinson-Erkrankten hochdosiert ein, mit 10.000 internationalen Einheiten (IE) pro Tag. Der Multiplen Sklerose wandte sich Coimbra zu, weil sie die mit Abstand häufigste neurologische Erkrankung ist. Weltweit sollen fast drei Millionen Menschen betroffen sein, rund 250.000 allein in Deutschland . Coimbras Behandlungsprotokoll für MS sieht eine Dosis von von 40.000 bis 300.000 IE pro Tag vor, mit regelmäßigen Labortests, ärztlich überwachter Pflege, einer kalziumarmen Diät ohne jegliche Milchprodukte, einer Trinkmenge von mindestens 2,5 Litern pro Tag und unterstützenden Nahrungsergänzungsmitteln, die je nach Patient variieren. Dazu zählen Magnesium, Vitamin B2 und B12, Omega-3, das Spurenelement Chrompicolinat, Selen, die Ammoniumverbindung Cholin und Coenzym Q10. Auf seiner Website erklärt Coimbra: "Als wir mit Vitamin D anfingen und herausfanden, wie wirksam es ist, da trafen wir eine Entscheidung fürs Leben. Wir ließen die akademische Welt hinter uns - diese Sache mit den Medikamenten hier, den Medikamenten dort, den Markteinführungen von Medikamenten, den Tests neuer Medikamente und den angeblich zufriedenstellenden Ergebnissen. Wir legten das alles beiseite und dachten nur daran, was im Interesse des Patienten ist, der sich in diesem Moment in unserer Praxis befindet. (…) Das war sehr befriedigend." Ein Cochrane-Review über zwölf randomisierte kleinere Studien bis Herbst 2017, mit insgesamt 933 MS-Patienten fand „keine Evidenz“. (5) Seither brachten sieben weitere Studien enttäuschende bis widersprüchliche Ergebnisse . Allerdings war Prof. Coimbra an keiner davon beteiligt – er hätte sie wohl allesamt für mangelhaft befunden. Dass kontrollierte Studien überhaupt seinem Behandlungsprotokoll gerecht werden können, bezweifelt er (6): Schließlich sieht es für jeden Patient eine höchst individuelle Dosierung vor – nicht nur von Vitamin D, sondern auch von einer Vielzahl weiterer, aufeinander abgestimmter Supplemente. Zu den ersten deutschen Ärzten, die das Coimbra-Protokoll anwandten, zählt der Neurologe und Ernährungsmediziner Dr. Dirk Lemke aus dem hessischen Bensheim. Bei den ersten hundert MS-Kranken, die er damit behandelte, ermittelte er in einem einjährigen Beobachtungszeitraum hocherfreuliche, geradezu spektakuläre Ansprechraten, wie er im Herbst 2019 auf dem Kongress der Gesellschaft für evolutionäre Medizin und Gesundheit (EMG) referierte. (7) Bei allen hundert hatte Lemke eine Vielzahl von funktionellen Parametern erhoben, beispielsweise: Wie oft kann ein Betroffener den Oberschenkel auf 90 Grad anheben, wie oft im Sitzen das Knie strecken, wie oft und wie hoch den Fuß heben? Zieht er beim Treppensteigen ein Bein nach, oder schafft er es, die Stufen alternierenden Schritts zu nehmen? Welche Gehstrecke schafft er mit und ohne Stöcke? Wie viele Minuten kann er ohne Pause gehen? Wie steht es mit seinem Schwindel, seiner Spastik, Bewegungskoordination, Sensibilität? Daraus ermittelte der Arzt einen „Gesamtstatus“: Alles in allem schritt bei keinem einzigen Patienten die Erkrankung fort; fünf Prozent bestätigten einen teilweisen Stillstand, 95 Prozent sogar einen vollständigen . Dem entsprachen 50- bis 100%-ige Verbesserungen bei den einzelnen Parametern. Welcher konventionelle MS-Therapeut kann mit einer solchen Erfolgsbilanz auch nur annähernd mithalten? Hoffnung auch bei anderen Autoimmunkrankheiten Ebenso wirksam wie bei MS scheint das Coimbra-Protokoll die Symptome anderer fortschreitender Autoimmunkrankheiten zu lindern oder gar zu beseitigen – in 95 % aller Fälle, wie der Neurologe versichert . Im Jahr 2013 hatte er eine Studie über die Wirkung einer längeren hochdosierten Vitamin-D-Supplementierung bei neun Psoriasis- und 19 Vitiligo-Patienten durchgeführt. Sechs Monate lang erhielten sie täglich 35.000 IE, zusammen mit einer kalziumarmen Ernährung und hoher Flüssigkeitszufuhr. Der Zustand der Patienten verbesserte sich währenddessen deutlich, ohne dass es zu negativen Nebenwirkungen kam. (8) Auf der Coimbra-Website finden sich ebenfalls Hinweise darauf, wie positiv sich rheumatoider Arthritis, Lupus, Schuppenflechte und Morbus Crohn mit hochdosiertem Vitamin D beeinflussen lassen. Von den 5200 Patienten, die Coimbra bis 2016 behandelte, soll es bei sage und schreibe 95 % zu einer Totalremission gekommen sein. Mit solchen Erkenntnissen steht Prof. Coimbra nicht allein. Bereits im Jahr 2011 hatte eine Studie des Ohio State University Medical Center an 209 Patienten mit systemischem Lupus erythematodes festgestellt: Den meisten Teilnehmern mangelte es an Vitamin D. Je mehr davon im Blut war, desto weniger ausgeprägt waren die Lupus-Symptome. (9) Warum hilft ausgerechnet Vitamin D so effektiv bei Autoimmunerkrankungen? Prof. Coimbra sieht in ihm „den größten Regulator des Immunsystems“ - er „modifiziert die Funktion von Tausenden von Genen in jeder Zelle des Immunsystems. Es ist eine Substanz, zu der es keine vergleichbare Zweite gibt.“ Zum Vergleich: „Stellen Sie sich ein Hochhaus mit vielen Zimmern vor. Stellen Sie sich vor, dass Tausende von Türen in diesem Wolkenkratzer nur von einem einzigen Schlüssel geöffnet oder verschlossen werden können. Sie können diesen Wolkenkratzer mit jeder Zelle des Immunsystems zu vergleichen, und den Schlüssel mit Vitamin D. Ein Mangel an dieser einen Substanz resultiert in einer Katastrophe für das Immunsystem!“ Was genau macht Vitamin D im Immunsystem? Laut Prof. Coimbra „ moduliert es dessen Aktivität im Allgemeinen. Und wir wissen, dass Vitamin D speziell die Art der immunologischen Reaktion unterdrückt, die Autoimmunerkrankungen hervorruft. Sie wird als „Th17-Reaktion“ bezeichnet. Praktisch alle Autoimmunerkrankungen sind durch eine solche abnormale Reaktion verursacht. Vitamin D ist, soviel ich weiß, die einzige Substanz, die in der Lage ist, selektiv diese spezielle Antwort zu hemmen, ohne dabei auch die anderen Reaktionen des Immunsystems zu beeinträchtigen.“ (10) Wer bietet das Coimbra-Protokoll an? Weltweit sollen schon mehr als 100.000 MS-Patienten nach dem Coimbra-Protokoll behandelt worden sein. Wie eine Karte auf CoimbraProtocol.com zeigt, folgen bereits weit über hundert Ärzte diesem Therapieansatz: nahezu 60 in Europa – 13 in Deutschland, 4 in Österreich, 2 in der Schweiz -, knapp 80 in Südamerika, rund 10 in Nordamerika. (11) Dass es nicht mehr sind, frustriert Ottwell. Aber ihre Zahl wird rasch zunehmen, da ist er zuversichtlich: "Wir wissen, dass Vitamin D Menschen heilt. Es absichtlich vorzuenthalten, wäre ein Kunstfehler", sagt er. "Ich habe MRTs gesehen, die wahre Wunder bewirken.“ Die Wahrheit werde sich herumsprechen und durchsetzen, früher oder später. Unter den Ärzten im „Auswege“-Therapeutennetzwerk hält auch der namhafte Ganzheitsmediziner Dr. Thomas Heintze Vitamin D für ein wichtiges Element eines effektiven, nachhaltigen MS-Therapiekonzepts. In seiner Praxis wird „Vitamin D nach Messung des aktuellen Spiegels individuell dosiert. (…) Nach aktuellen Studien verringert jeder Anstieg von Vitamin D um 20 ng/dl die (MS-)Schubrate um 50-70%, bis zu einem Spiegel von etwa 60 ng/dl. Deswegen empfehlen wir die Substitution von Vitamin D, bis ein Idealwert im oberen empfohlenen Bereich von 60-80 ng/dl erreicht ist.“ Zusätzlich verordnet Dr. Heintze Vitamin C und Vitamin E, Coenzym Q10, Alpha-Liponsäure, Zink, Calcium-EAP - EAP stabilisiert die Zellmembran, schützt die Myelinscheiden der Nervenzellen und ist bei etwa zwei Drittel der Patienten erfolgreich.“ Vorsichtshalber Je weiter entfernt vom Äquator Menschen leben, desto schwerer fällt es ihrem Körper, dank Sonneneinstrahlung ausreichend Vitamin D selbst zu bilden. Allein über die Nahrung lässt sich ein Defizit aber schwerlich ausgleichen. Täglich 800 IE aufzunehmen, erachtet die Deutsche Gesellschaft für Ernährung als ausreichend; doch selbst so wenig allein aus Nahrungsmitteln zu beziehen, erfordert einen geradezu masochistisch konstruierten Speiseplan. Denn dazu müsste man 400 Gramm Makrele, vier Kilo Schweineschnitzel, 20 Hühnereier, 20 Liter Milch oder 600 Gramm Avocado verzehren. Einfacher wäre es mit reichlich fettem Fisch, Brie-Käse und Shiitake-Pilze, doch die sind nicht jedermanns Sache. Um die empfohlenen Einheiten zu erreichen, bieten sich Nahrungsergänzungsmittel und andere Präparate an. Aber wie viel ist noch unbedenklich, wie viel zuviel? „Eine physiologische, sichere Dosis von Vitamin D“, so stellt Prof. Coimbra klar, „liegt bei etwa 10.000 IE/Tag“, was zwei Tropfen bzw. 0,25 Milligramm entspricht. „Das ist die Menge, die unser Körper selbst produziert, wenn er 20 bis 30 Minuten in die Mittagssonne geht. Bei dieser Tagesdosis sind keine Vorsichtsmaßnahmen oder medizinische Überwachung erforderlich.“ Aber darf es auch weitaus mehr sein? Ist zuviel Vitamin D auf die Dauer denn nicht hochgefährlich? Gesundheitsbehörden und industrienahe Mediziner schüren Panik – groteskerweise, denn das Risiko , an den Nebenwirkungen eines Medikaments zu sterben, ist 62.000 Mal höher als bei Nahrungsergänzungsmitteln. Viele Wissenschaftler und erfahrene Ärzte geben längst Entwarnung: Inzwischen hat sich gezeigt, dass auch höhere Dosen Vitamin D sicher verabreicht werden können und sich positiv auswirken. Erst dann entfaltet sich sein gesamtes therapeutisches Potential. Im übrigen belegen neuere Untersuchungen, dass noch viel höhere Vitamin D-Gaben bis zu 60.000 I.E./Tag bei begleitender regelmäßiger Laborkontrolle des Kalzium- und Parathormonspiegels weder eine Hyperkalzämie noch anderweitige negative Effekte auslösten. (12) „Die“ ideale Dosis Vitamin D gibt es freilich nicht, so betont Coimbra. „Der angemessene Vitamin-D-Spiegel ist individuell.“ Beispielsweise kommt es auf das Körpergewicht an. Wird Vitamin D im Fettgewebe eingebunden, ist es nicht mehr verfügbar. Je höher der Body-Mass-Index (BMI), desto mehr Vitamin D sollte eingenommen werden. (13) Auch deshalb sollte kein Betroffener Alleingänge wagen, sondern unbedingt unter ärztlicher Aufsicht und Anleitung bleiben, begleitet von engmaschiger labortechnischer Kontrolle. Körperliche Besonderheiten, bestehende Grunderkrankungen und bereits laufende Therapien, eingenommene Arznei- und Nährungsergänzungsmittel müssen unbedingt berücksichtigt werden. „Jeder Fall ist einzigartig“, betont John Ottwell. Er nimmt viermal täglich eine Tablette mit der für ihn ermittelten optimalen Dosierung von Vitamin D sowie weitere auf ihn persönlich abgestimmte Supplemente. Täglich trinkt er zweieinhalb Liter Wasser, denn eine der Nebenwirkungen von hochdosiertem Vitamin D ist ein erhöhter Kalziumspiegel, der Osteoporose oder Nierensteine verursachen kann. Vierteljährlich lässt er sich Blut für Labortests abnehmen. Auf Risiken angesprochen, stellt Prof. Coimbra selbst klar: „Mögliche Nebenwirkungen der Einnahme hoher Dosen von Vitamin D über einen längeren Zeitraum sind ein Überschuss an Kalzium im Blut (Hyperkalzämie) oder im Urin (Hyperkalziurie) und ein Verlust an Knochenmasse. Ein Kalziumüberschuss lässt sich leicht durch eine Ernährung ohne Milchprodukte und kalziumhaltige Lebensmittel sowie durch regelmäßige Labortests vermeiden, die sicherstellen, dass der Kalziumspiegel unter Kontrolle bleibt. Um den Verlust von Knochenmasse zu vermeiden, werden die Patienten im Rahmen des Protokolls angewiesen, täglich aerobe Übungen zu machen, wie z. B. 30 Minuten schnelles Gehen. Diejenigen, die keine Aerobic-Übungen machen können, brauchen mit der Zeit möglicherweise Medikamente wie Bisphosphonate, um Osteoporose zu verhindern.“ Rare Gruselgeschichten, in denen reichlich Vitamin D irgendwann zu medizinischen Notfällen führte, kreisen fast immer um Patienten, die sich auf eigene Faust oder unzulänglich überwacht Überdosen über einen längeren Zeitraum verabreichten: etwa jener im Fachmagazin Swiss Medical Forum präsentierte 39-jährige MS-Kranke, der mit schwerer Hyperkalzämie und Niereninsuffizienz in eine Klinik eingewiesen werden musste, nachdem er mehrere Monate lang 100.000 Einheiten pro Tag geschluckt hatte. (14) Nebenwirkungen, auch bedrohliche, können beim Coimbra-Protokoll durchaus ab und zu vorkommen, sollten aber in Relation dazu gesetzt werden, was Pharmaprodukte in MS-Patienten anzurichten pflegen. (15) Zu den berüchtigten Begleiterscheinungen von Avonex-Injektionen zählen schwere Depressionen, Krampfanfälle, Leberschäden, allergische Reaktionen und Herzversagen. Natalizumab und Aletuzumab erhöhen das Risiko für eine Gehirnentzündung. Andere gehypte Hoffnungsträger rufen häufig hervor: Nesselsucht (Urtikaria), Gelenk- und Muskelschmerzen, verlangsamten oder rasenden Herzschlag, Ekzeme, Herpes, Entzündung der Magenschleimhaut, Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse, verminderte Anzahl weißer Blutkörperchen und Lymphozyten. Gelegentlich, aber bestimmt häufiger als unerwünschte Coimbra-Nebenwirkungen, kommen bei gängigen MS-Arzneien vor: Makulaödeme, Polyneuropathien, ja sogar „anaphylaktische“, d.h. plötzliche, schwere, lebensbedrohliche allergische Reaktionen. Und worauf darf ein MS-Kranker hoffen, wenn er im unerschütterlichen Vertrauen auf die Schulmedizin solche Risiken und Torturen tapfer auf sich nimmt? Anders als beim „Coimbra-Protokoll“ fallen seine Schübe bestenfalls seltener, kürzer, milder aus, die Verschlechterung verliert an Tempo - doch weiterhin ist kein Pharma-Produkt imstande, ein Fortschreiten völlig zu verhindern oder gar umzukehren. Im übrigen hatten die muskulären Symptome jenes 39-jährigen Coimbra-Geschädigten nach eigenen Angaben immerhin deutlich nachgelassen; er könne besser gehen und ein regelmäßiges Fitnesstraining durchführen, so versicherte er. Längst ist John Ottwell nicht mehr der einzige MS-Betroffene, der öffentlich bezeugt, wie viel er Prof. Coimbras Ansatz verdankt. Dutzende eindrucksvolle Erfahrungsberichte und Danksagungen finden sich hier und hier . Über ihre achtjährigen Erfahrungen mit dieser Behandlungsweise berichtet Ana Claudia Domene in ihrem Buch „ Multiple Sklerose und (viel) Vitamin D “ (16): „Jahr für Jahr bestätigen die bildgebenden Untersuchungen, dass ich die bestmögliche Entscheidung getroffen habe. Viele Läsionen sind einfach verschwunden; andere sind zwar immer noch da, wie Narben, aber es gab kein Fortschreiten der Krankheit. Überhaupt kein Fortschreiten! Diese Tatsache allein ist schon ein Grund zum Feiern. Meine tiefste Dankbarkeit gilt diesem Arzt, der sein Leben seinen Patienten gewidmet hat." Untrügliches Indiz dafür, wie segensreich das „Coimbra-Protokoll“ wirkt: Die industrienahe Wikipedia widmet ihm keine einzige Zeile. „Mit hohen Kosten verbunden“? Geradezu lächerlich mutet der Vorwurf an, das „Coimbra-Protokoll“ gebe es ja keineswegs umsonst. „Die ganze Prozedur ist mit hohen Kosten verbunden, die vom Patienten selbst getragen werden müssen“, bemängelt allen Ernstes der Neurologe Prof. Mathias Mäurer, Chefarzt im Klinikum Würzburg-Mitte. „Nach Internet-Recherche zahlt man im ersten Jahr 400 bis 1.000 Euro für die Laboruntersuchungen und die Behandlungsstunden bei sogenannten ‚zertifizierten‘ Ärzten; danach kann man mit Behandlungskosten zwischen 100 und 300 Euro/Jahr rechnen, die Aufwendungen für das Vitamin D selbst variieren zwischen 20 und 200 Euro pro Monat.“ Was der Professor unerwähnt lässt: Die Durchschnittskosten pro konventionell behandeltem MS-Patient belaufen sich auf 28.000 bis 63.000 Euro pro Jahr, je nach Schwere der Erkrankung. Eine Packung „ Gilenya “ von Novartis, mit 98 Kapseln für drei Monate, ist nur für über 6300 Euro zu haben; für die Jahresdosis „ Ocrevus “ von Roche sind 33.000 Euro zu berappen; für eine einzige 10-Milligramm-Tablette Mavenclad von Merck waren schon im Jahr 2017 sage und schreibe 2663 Euro aufzubringen. Hinzu kommen indirekte Kosten durch Pflege und Erwerbsminderungsrente. Einer Gesundheitswirtschaft, der es umso besser geht, je schlechter es uns geht, eröffnen langwierige, quälend langsam fortschreitende Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose eine wahre Goldgrube. Genesene wie Tote hingegen sind unprofitabel. Lieber nicht eingleisig fahren Zumindest in Dr. Heintzes Praxis eröffnet Orthomolekulare Medizin – nicht nur mit Vitamin D, wie erwähnt – keineswegs den Königsweg bei der MS-Behandlung. Sie bietet eines von mehreren bewährten Werkzeugen, die je nach Patient mehr oder minder aussichtsreich sind. Der weise Pragmatiker wählt und kombiniert sie undogmatisch. So setzt Heintze bei Multipler Sklerose von Fall zu Fall unter anderem auch auf Akupunktur, Homöpathie, Eigenbluttherapie, Phytotherapie, Bewegungstherapie, Neuraltherapie. Was Ottwell gesund machte, muss nicht jeden erlösen, der seine Diagnose teilt. Wer kann schon von vornherein ausschließen, dass er zu jenen fünf Prozent gehört, bei denen selbst Prof. Coimbra höchstpersönlich scheitert? Nirgendwo in der Medizin sind Allheilmittel für jedermann zu haben. Auch beim Gesundwerden führen viele Wege nach Rom (17) – und kaum weniger ins Nirgendwo, sofern man nicht frühzeitig kehrtmacht, um sich neu zu orientieren. Bei MS, wie überhaupt in der Heilkunde, ist sturer Methodenfetischismus öfter verhängnisvoll als zielführend. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen 1 Zit. nach Epoch Times, “A Simple Protocol Is Stopping the Progression of MS”, 27.8.2022, https://www.theepochtimes.com/health/a-simple-protocol-is-stopping-the-progression-of-ms_4676266.html?utm_source=brightnoe&src_src=brightnoe&utm_campaign=bright-2023-04-05&src_cmp=bright-2023-04-05&utm_medium=email&est=mG5ZhG50rVeSG9MHo9L9PNSY5Es7Iz4hhKLnAyVkE1LdmR146J%2FqJCKMH3FvZM96FUa9Whs%3D 2 Bestimmte T-Zellen des Immunsystems beeinträchtigen die myelinbildenden Zellen. Darüber hinaus richten sie„Kollateralschäden“ bei Nervenzellen oder deren Fortsätzen an. Siehe https://www.uni-wuerzburg.de/aktuelles/pressemitteilungen/single/news/multiple-s-1/ und die dort genannten Quellen. 3 Jodie Burton: “Is Vitamin D a Ray of Hope for Patients With MS?” Neurology Reviews 7;17.7 (2009), S. 1-16, https://www.mdedge.com/neurology/article/72716/multiple-sclerosis/vitamin-d-ray-hope-patients-ms 4 Jodie Burton u.a.: „A phase I/II dose-escalation trial of vitamin d3 and calcium in multiple sclerosis“, Neurology 74 (23), Jun. 2010, S. 1852-1859, doi: 10.1212/WNL.0b013e3181e1cec2. Epub 2010 Apr 28, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20427749/ 5 Jagannath, V.A. et al.: Vitamin D for the management of multiple sclerosis. Cochrane Database of Systematic Reviews, Stand Okt. 2017; https://a-turl.de/9trm 6 D. Rotter: „Vitamin D – Heilmittel für MS und Autoimmunerkrankungen? Interview mit Dr. Coimbra über hochdosiertes Vitamin D für Multiple Sklerose und andere Autoimmunerkrankungen“, ohne Datum; https://www.vitamind.net/interviews/coimbra-ms-autoimmun/ 7 https://www.youtube.com/watch?v=4orV6qtc_6s , https://www.youtube.com/watch?v=3zXpKT0APwg&t=5s (ib. ab 24:30 und 28:20) 8 Danilo C. Finamor: „Coimbra. A pilot study assessing the effect of prolonged administration of high daily doses of vitamin D on the clinical course of vitiligo and psoriasis.” Dermato-Endocrinology 5 (1) 2013), S. 222–234. 9 C.C. Mok/Brad H. Rovin u.a.: „Vitamin D Deficiency As Marker for Disease Activity and Damage in Systemic Lupus Erythematosus“, Lupus 21(1) 2012, S. 36-42, doi: 10.1177/0961203311422094. Epub 2011 Oct 12, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21993384/ 10 Siehe https://www.vitamind.net/interviews/coimbra-ms-autoimmun/ . In diesem Interview erläutert Prof. Coimbra medizinische Einzelheiten. 11 Stand: Ende Juli 2023. 12 P. McCullough/J. Amend: „Results of daily oral dosing with up to 60,000 international units (iu) of vitamin d3 for 2 to 6 years in 3 adult males“, The Journal of Steroid Biochemistry and Molecular Biology 173, Oktober 2017, S. 308-312, doi: 10.1016/j.jsbmb.2016.12.009. Epub 2016 Dec 21, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28012936/ 13 https://www.youtube.com/watch?v=U93z9MleSkk , Min. 27:30 14 https://medicalforum.ch/de/detail/doi/smf.2020.08365 ; weiterer Fall: A. Frei u.a., Swiss Medical Forum 2018; 18: 885-8; s. auch https://www.arznei-telegramm.de/html/2023_04/2304030_01.html , https://www.medical-tribune.de/medizin-und-forschung/artikel/hoch-dosiertes-vitamin-d-gefaehrdet-nicht-nur-ms-patienten 15 Siehe z.B. https://www.jphres.org/de/ratgeber/medikamente-multipler-sklerose-hilfe/ 16 Ana Claudia Domene: Multiple Sclerosis and (lots of) Vitamin D: My Eight-Year Treatment with The Coimbra Protocol for Autoimmune Diseases (2016), https://www.amazon.de/-/en/Ana-Claudia-Domene/dp/1519165315 17 Mehrere Beispiele https://www.stiftung-auswege.de/diagnosen/m/multiple-sklerose-ms.html aus der Online-Fallsammlung https://www.stiftung-auswege.de/veranstaltungen/diagnosen.html meiner Stiftung Auswege https://www.stiftung-auswege.de/ bestätigen dies. Titelbild: Engin_Akyurt/Pixabay Wichtig: Bitte beachten Sie den Abschnitt „Haftungsausschluss und allgemeiner Hinweis zu medizinischen Themen“ auf der KLARTEXT-Unterseite „Impressum“, https://www.klartext-online.info/impressum

  • Starb Daisy wirklich an Masern?

    Ein zweites Kind ist während der aktuellen Masernwelle in den USA gestorben. Es war infiziert und ungeimpft. Aber ist es deswegen  tot – oder weil es falsch behandelt wurde? Der Vater klagt an: „Dumme Ärzte haben meine Tochter umgebracht.“ Mainstream-Medien übergehen ihn – lieber missbrauchen sie auch diesen Fall zur Panikmache. Am 6. April meldete das Texas Department of State Health Services  (DSHS) “den zweiten Maserntod” während der anhaltenden Infektionswelle in den Vereinigten Staaten. Nach einem positiven Maserntest sei ein schulpflichtiges Kind, nachdem es in ein Krankenhaus in Lubbock, Texas, eingeliefert worden war, am 3. April “an den Folgen eines Masern-Lungenversagens verstorben. Das Kind war nicht geimpft und hatte keine bekannten Vorerkrankungen.” Anstatt zu recherchieren, übernehmen Leitmedien in den USA und weltweit diese amtliche Mitteilung seither unhinterfragt – und nutzen sie, um ihre Panikmache einhellig fortzusetzen. Damit erhöhen sie den Druck auf den neuen Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr., bis vor kurzem ein unbeirrbarer Impfskeptiker. Doch nun, im vermeintlichen nationalen Notstand, ruft er nachdrücklich zu Masernimpfungen auf. Weiß Kennedy denn, was wirklich geschah? Richtig ist: Am 3. April, um 1:50 Uhr nachts, starb die 8-jährige Daisy Hildebrand im Universitätsklinikum von Lubbock, rund 130 km vom Wohnort ihrer Familie in der ländlichen Gemeinde Seminole in Westtexas entfernt. Sie hatte sich mit dem Masernvirus angesteckt. Und sie war ungeimpft. Die übrige Wahrheit über Daisys Schicksal sollte sich Kennedy von dem Virologen Dr. Robert Malone , dem Lungenfacharzt Dr. Pierry Kory und dem Biologen Brian Hooker berichten lassen – dank der Eltern konnten sie Einblick in die Krankenakte nehmen. Dabei kam Haarsträubendes zum Vorschein: Als Daisys Eltern die Kleine ins Krankenhaus brachten, hatte sie ihre Maserninfektion – festgestellt mittels PCR-Test  - in Wahrheit schon seit zwei Wochen  überstanden. Trotzdem bekam sie kaum Luft, sie hustete und fieberte. Warum? Tatsächlich litt das Mädchen bereits  seit fast einem Vierteljahr  an einer chronischen Mandelentzündung, weswegen bereits eine Tonsillektomie geplant war, eine operative Entfernung der Mandeln. Hinzu kam Pfeiffersches Drüsenfieber, ausgelöst durch eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus. Daraufhin entwickelte das Kind eine Sepsis, eine bakterielle Blutvergiftung. Der ursächliche Erreger war ein hochgradig antibiotikaresistenter Escherichia coli -Keim („Superbug“), den sich Daisy vermutlich während eines ersten Krankenhausaufenthalts zwei Wochen zuvor auf der Intensivstation zugezogen hatte. Diese Infektion führte zu einem akuten Atemnotsyndrom (ARDS) – und ARDS, im Gegensatz zu Masern, ist tatsächlich lebensgefährlich. Verschiedene Studien ergaben eine Sterblichkeitsrate zwischen 35 und 77 % . (1) “Verrückt”, mit “lausigen Ideen”: vernichtendes Kollegenurteil über Daisys Ärzte Bei der Einlieferung bat Peter Hildebrand, der Vater, inständig darum, dass man seine Tochter vernebeltes Budesonid einatmen lässt: ein steroidhaltiges Inhalationsmittel, das normalerweise bei Asthma eingesetzt wird.  Bei einer Maserninfektion kann es „sehr hilfreich für entzündete Atemwege“ sein, wie Dr. Ben Edwards erklärt , ein Hausarzt für integrative Medizin, der eine Privatpraxis mit rund 2000 Patienten betreibt. Im Gegensatz zu Daisys behandelnden Ärzten wusste der Vater: Vernebeltes Budesonid lindert ARDS wirksam und risikoarm; rasch verbessert es Atemmechanik und Sauerstoffversorgung. Das Personal der Universitätsklinik lehnte Peter Hildebrands Anliegen jedoch strikt ab. Stattdessen bekam das Mädchen hochdosierte IV-(intravenöse) Steroide, per Infusion in ein Blutgefäß. Dies sollte eine überschießende Lungentzündung verhindern. Aber IV-Steroide unterdrücken  die Fähigkeit des Immunsystems, bakterielle Infektionen zu bekämpfen. Deshalb war es “eine lausige Idee” (Dr. Kory), dem Kind nicht gleichzeitig ein Antiinfektivum zu geben: ein Medikament, das die Ausbreitung eines infektiösen Organismus hemmen oder ihn gänzlich abtöten kann. Obendrein wurde das Kind mit Medikamenten sediert, die seinen Atemantrieb und die tiefe Atmung unterdrückten. Somit wurden eine Atelektase wahrscheinlicher: ein  teilweiser Kollaps oder Verschluss seiner Lunge. Die Fähigkeit der Lunge, Sauerstoff ins Blut zu bringen, verringerte sich dadurch - was es für Daisy noch schwieriger machte, sich von ihrer bakteriellen Lungenentzündung und Sepsis zu erholen. Am vierten Tag in der Klinik stieg bei Daisy die Anzahl der weißen Blutkörperchen von 4,5 auf 13 und am sechsten Tag auf alarmierend hohe 27. (2) Bei einer klassischen Masern-Lungenentzündung ist die Anzahl der weißen Blutkörperchen aber normal oder niedrig, erklärt Dr. Kory. „Es war verrückt, dass sie eine so hohe Anzahl weißer Blutkörperchen ignoriert haben. Es ist möglich, dass sie es als Folge der Steroide abgetan haben, aber als erfahrener Intensivmediziner würde ich WBCs über 20 niemals mit Steroiden in Verbindung bringen.“ (WBC: White Blood Cells , also weiße Blutkörperchen, Leukozyten.) Am siebten Tag verordneten die Klinikärzte dem Mädchen ein Antibiotikum – leider das falsche. Gegen Ceftazidim war der Bakterientyp, der die Lungenentzündung des Kindes verursachte, nämlich resistent. Es hätte Imipenem erhalten müssen. Wäre sogleich Daisys Sputum untersucht worden - Schleim oder Auswurf aus ihren Atemwegen -, so hätte man die spezifischen Bakterien, Pilze oder anderen Keime in ihrer Lunge identifizieren können, um herauszufinden, welche Art von Lungenentzündung sie hatte.  Doch auf diese Idee kam die Uniklinik viel zu spät, erst kurz vor ihrem Tod. Am achten Tag atmete Daisy nicht mehr. Woran starb das Mädchen also? An den Folgen einer Sepsis, verursacht durch eine chronische Mandelentzündung und Drüsenfieber, verschlimmert durch eine medizinische Fehlbehandlung. Dr. Kory nennt als Todesursache “ refraktäre Hypoxämie ”: Daisys Arterien bekamen nicht genug Sauerstoff, obwohl sie in den letzten vier Stunden ihres Lebens damit über ein Beatmungsgerät versorgt wurde. Schon das erste angebliche “Masern-Opfer” der momentanen Infektionswelle, die 6-jährige Kaylee Fehr, starb in Wahrheit, weil Ärzte pfuschten.  (Siehe KLARTEXT: “ Woran starb Kaylee wirklich ?”) Ärztliche Behandlungsfehler sind in den USA die dritthäufigste Todesursache . Eine Schutzimpfung dagegen ist weiterhin nicht in Sicht. „Nicht Masern, sondern dumme Ärzte sind es, die Menschen umbringen“, klagt Daisys Vater an. Der letzte Klinikarzt, der für sein sterbenskranke Kind zuständig war, habe sich zu sehr auf Daisys Maserninfektion konzentriert - und dabei die Möglichkeit übersehen, dass eine im Krankenhaus erworbene bakterielle Lungenentzündung ihre Atemfunktion beeinträchtigen könnte. „Er redete immer nur von Masern (…) und versuchte, alles auf die Masern zu schieben ... Er dachte nicht daran, auf etwas anderes zu testen. Und deshalb ist meine Tochter heute tot.“ Irre Empfehlung vom Gesundheitsamt Wie Dr. Edwards berichtet, habe er sich an die oberste texanische Gesundheitsbehörde gewandt, das Department of Social and Health Services  (DSHS). Er versuchte das DSHS dazu zu bewegen, auf Budesonid als mögliche Behandlung von akuter Atemnot nach einer Maserninfektion hinzuweisen. Die Antwort: Die einzige Empfehlung des Staates bezüglich Masern sei die MMR-Impfung. Und wenn sich ein Ungeimpfter bereits angesteckt hat? Für solche Fälle sind texanische Gesundheitsbehörden angewiesen , den Betroffenen innerhalb von 72 Stunden nach dem Kontakt mit dem Masernvirus eine Dosis des Masern-Mumps-Röteln-Impfstoffs (MMR) verabreichen zu lassen, “um den Schweregrad der Erkrankung zu verringern”. So zu verfahren, sei brandgefährlich, warnt eine Hals-Nasen-Ohrenärztin nahe Houston, Dr. Mary Talley Bowden . Weist nicht schon die Packungsbeilage von Mercks MMRII, dem meistverabreichten Masernimpfstoff, darauf hin, dass eine Impfung für Schwangere, immungeschwächte oder fiebrige Personen kontraindiziert ist? „MMRII sollte keinesfalls an Personen verabreicht werden, die mit einer Infektion zu kämpfen haben - insbesondere nicht mit einer Maserninfektion“, so Bowden. „Der Impfstoff kann ähnliche Komplikationen heraufbeschwören wie die eigentliche Krankheit, einschließlich Hautausschlag, Fieber, Enzephalitis  und idiopathische thrombotische Purpura“ (ITP), eine schwere Autoimmunerkrankung, bei der Antikörper gegen die körpereigenen Thrombozyten gebildet werden – dies führt zu einer Gerinnungsstörung, die Blutergüsse, punktförmige Haut- und Schleimhautblutungen hervorrufen kann. MMR-Impfungen sind gefährlicher als die Infektion, vor der sie schützen sollen Wäre es nicht Aufgabe einer Gesundheitsbehörde, eine Impfempfehlung mit Warnhinweisen zu verbinden? Von MMR-Vakzinen gehen schwerwiegende Gesundheitsrisiken  aus. Bei Jungen, die eine erste MMR-Impfung schon mit 12 bis 15 Monaten erhalten , liegt die Wahrscheinlichkeit, an Autismus zu erkranken, um 67 % höher  als bei Jungen, die erst nach ihrem dritten Geburtstag geimpft werden. Darüber hinaus verursacht der MMR-Impfstoff Fieberkrämpfe, Anaphylaxie ,  Meningitis , Enzephalitis, Thrombozytopenie ,  Arthralgie  und Vaskulitis . Innerhalb der letzten zehn Jahre wurden dem Vaccine Adverse Event Reporting System  ( VAERS ), dem 1990 eingerichteten US-Meldesystem für unerwünschte Impfnebenwirkungen,  41 Todesfälle  nach einer MMR- oder MMRV-Impfung gemeldet. Berücksichtigt man das leidige Phänomen des Underreporting  – nur 1 bis 5 % aller aufgetretenen Fälle werden tatsächlich erfasst -, dann ist womöglich von mehreren tausend MMR-Impftoten auszugehen – allein in den Vereinigten Staaten. Wie viele Masernopfer waren dort im selben Zeitraum zu beklagen? Zwei im Jahr 2015, einer 2019. Aber starben diese Drei, wie Kaylee, womöglich bloß mit , aber nicht wegen  Masern?  Und auch hierüber pflegen „Qualitätsmedien“ stillschweigend hinwegzugehen: Nach ausgeheilten Masern setzen häufig geistige und körperliche Entwicklungsschübe ein, vor den Augen verblüffter Eltern. Ärztliche Falldokumentationen und Studien bestätigen: Auch für andere Infektionserkrankungen sind Kinder anschließend weniger anfällig. Das Risiko von späteren Allergien, Multipler Sklerose, ja sogar Krebs sinkt, wie auch die Wahrscheinlichkeit, irgendwann an einer Atopie , Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa  zu erkranken - von Autismus  ganz zu schweigen. Darf journalistische Neugier die Frage ausklammern: Wie kam es überhaupt zu dem Ausbruch? MMR-Vakzine sind sogenannte Lebendimpfstoffe; sie enthalten abgeschwächte Mengen des Masernvirus. Einer  Studie aus dem Jahr 2024 zufolge scheiden ein Drittel der Kinder, die damit “gepikst” werden, das Lebendvirus anschließend aus – womit sie zu Ausbrüchen beitragen könnten. So produziert die Impfmafia vermeintliche Notlagen, deren risikoreiche Bekämpfung ihren Profit sicherstellt. Was ist mit Kennedy los? Wie Robert F. Kennedy Jr. laviert, seit er US-Gesundheitsminister ist, gibt Rätsel auf. Bis vor kurzem Amerikas prominentester Impfskeptiker, vergeht inzwischen kaum ein Tag, an dem er nicht nachdrücklich zu Masernimpfungen aufruft – in groteskem Widerspruch zu allen Ratschlägen und Warnungen, die jahrzehntelang von ihm zu hören waren. „Die wirksamste Methode, die Verbreitung von Masern zu verhindern, ist die MMR-Impfung“, verkündet er auf X, vormals Twitter. Zeigt RFK jetzt sein wahres Gesicht? Versucht er aus taktischen Gründen die Gemüter zu beruhigen, um nicht die Reformen zu gefährden, die er sich vorgenommen hat? Oder erpresst ihn der Tiefe Staat? Immerhin wagte Kennedy kürzlich darauf hinzuweisen , dass unkonventionelle Ärzte „etwa 300 an Masern erkrankte Kinder“ geheilt haben - mit Vitaminen und Lebertran vermieden sie die Masernimpfung. Was soll dieses peinliche Hin und Her, dieses Zaudern, dieses scheinbar feige Preisgeben eigener Standpunkte, bis zur Selbstverleugnung? Robert Malone wirbt für Nachsicht: „ RFK kann sich nicht gleich selbst in die Luft sprengen, denn dann kann er gar nichts mehr tun. Es ist nicht optimal, dass er strategisch vorgehen muss, aber er muss es. Das ist die Realität. Er ist nicht allmächtig, und er hat es mit politischen Kräften zu tun, die sowohl mächtig als auch gefestigt sind. (…) Bobby ist der Einzige, der die Eier hat, sich diesen Kräften auf seine Kosten entgegenzustellen ... und im Moment ist er ungeschützt und hat praktisch keine Deckung. Also lassen wir ihn vielleicht den Ball über das Feld bringen, bevor wir ihn bitten, sich in die Luft zu sprengen, wonach er überhaupt keinen Ball mehr befördern kann. (…) Wenn wir RFK ein Jahr Zeit geben, kann er seinen Kurs korrigieren, aber im Moment führt er eine Triage durch, mit dem Skalpell in der Hand ... alles, was weniger als chirurgische Präzision ist, wird den Patienten auf dem OP-Tisch umbringen. Wir müssen aufhören, an ihm herumzuzerren und über unseren gestoßenen Zeh zu jammern." Die klügere Vorsorge   Was, wenn nicht Spritzen nach Behördenschema, empfiehlt meine Stiftung AUSWEGE zur Masernprophylaxe? Sie anerkennt den Forschungsstand, an dem kein echter Faktencheck vorbeikommt: Ungeimpfte Kinder sind gesünder . Infekte aller Art verlaufen bei ihnen in der Regel milder, und sie enden schneller. Komplikationen kommen viel seltener vor, langwierige Schäden so gut wie nie. Wer sein Kind bestmöglich auf eine Masernerkrankung vorbereiten will, tut folglich alles, um seine Abwehrkräfte zu stärken: durch gute Ernährung, reichlich Bewegung, ausreichend Schlaf, echte statt digitale Sozialkontakte, nicht zuletzt ein heiles Zuhause. Und falls es sich infiziert hat? Informierte Eltern sehen darin kein schreckliches Missgeschick – sie verstehen, dass Infektionskrankheiten bei Kindern Sinn machen können, indem sie das Immunsystem trainieren und wappnen. (7) Also ist Panik fehl am Platz. Bei den allerersten verdächtigen Symptomen isoliert man das Kind unverzüglich in einer ruhigen, geschützten, abgedunkelten Umgebung, führt ihm reichlich Flüssigkeit zu, versorgt es mit zusätzlichen immunstärkenden Vitaminen und Mineralstoffen aus der Orthomolekularen Medizin, senkt zu hohes Fieber mit Wadenwickeln statt mit Paracetamol. Wie anthroposophische Ärzte berichten, heilen so behandelte Masern praktisch immer komplikationslos ab – und bescheren zumeist eine lebenslange Immunität, die Impfung hingegen nur vielleicht. Kein “Qualitätsmedium” hinterfragt gekaufte Impfexperten   Wann immer für Impfkampagnen getrommelt wird, kommt auf allen Kanälen seltsam regelmäßig der eingangs zitierte Paul Offit zu Wort. Als “renommierter Kinderarzt und Infektiologe“ preist  ihn der Nachrichtensender n-tv , wie auch der Deutschlandfunk , Der Spiegel   ebenfalls. Ehre, wem Ehre gebührt? Immerhin ist Offit Direktor des Vaccine Education Center  am Children's Hospital of Philadelphia (CHOP) sowie Professor für Vakzinologie und Pädiatrie an der Perelman School of Medicine der University of Pennsylvania. Mehrfach preisgekrönt, verfasste er etliche Bücher zu medizinischen und wissenschaftlichen Themen, darunter Autism's False Prophets  - Bad Science, Risky Medicine, and the Search for a Cure  (2007), Vaccines and Your Child:   Separating Fact from Fiction (2011) und Bad Advise  (2018). Eine Koryphäe also – und “buchstäblich ein Lebensretter”, wie die Skeptikervereinigung CSICOP schwärmt? (3) Was Leitmedien durchweg unter den Teppich kehren, sind massivste, längst aufgedeckte Interessenkonflikte dieser vermeintlichen Autorität in Sachen Impfstoffsicherheit. Als hochbezahlter “Berater” ist Offit fast schon eine halbe Ewigkeit für den Pharmariesen Merck tätig – einen der weltgrößten Hersteller von Masernimpfstoffen. Mercks bekanntestes Produkt ist M-M-R® II, ein Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR). Außerdem bietet er ProQuad® an, der zusätzlich Windpocken (Varizellen) abdeckt. Offits Forschungslehrstuhl an Philadelphias Kinderklinik (CHOP)  finanziert Merck mit 1,5 Millionen Dollar. Für die Entwicklung eines Rotavirus-Impfstoffs namens RotaTeq erhielt  Offit von Merck einen Zuschuss von 350.000 Dollar. Dieses Vakzin verkaufte das CHOP schließlich an den spendablen Sponsor für 182 Millionen Dollar. 2006 erreichte Merck die Zulassung von RotaTeq. Bei Offit und seinen Miterfindern verblieben die Patentrechte. Damit hatten sie Anspruch auf laufende Lizenzgebühren in Millionenhöhe – wahrlich „wie ein Lottogewinn“, so räumte Offit 2008 in einem Newsweek - Artikel  ein. Das Infoportal Age of Autism  schätzt seinen Anteil auf mindestens 29 Millionen Dollar. (4) Angesichts solch beträchtlicher finanzieller Verbindungen zur pharmazeutischen Industrie müsste jedem echten Journalisten die Frage auf der Zunge brennen: Werden Offits uneingeschränkte Lobpreisungen von Impfstoffen von keinen anderen Faktoren als einwandfreien wissenschaftlichen Untersuchungen beeinflusst? Kann ich es verantworten, meinen Lesern solch ein zweibeiniges Pharma-Sprachrohr als unabhängigen Sachverständigen zu präsentieren? „Man sollte ihn ins Gefängnis stecken und den Schlüssel wegwerfen“, soll Robert F. Kennedy Jr.   schon 2013 über Offit gesagt haben. (5) Gehört bloß Offit dorthin? (6) Follow the Science? Follow the Money.   ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1)   Siehe https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10692616/ ; https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7912364/ ; https://www.malone.news/p/breaking-news-another-texas-child (2)   Wenn bei einem Blutbild die Anzahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) mit "4" angegeben wird, meint man in der Regel: 4 × 10⁹ Leukozyten pro Liter Blut (= 20.000 Leukozyten/µl, da 1 µl = 1 Mikroliter = 10⁻⁶ Liter). Bei Erwachsenen liegt der Normalwert für Leukozyten typischerweise bei 4 bis 10 × 10⁹/L (= 4.000–10.000/µl); für ein 8-jähriges Kind bei 4,5 bis 13 x 10⁹/L (= 4.500 – 13.000 Leukozyten/µl). Ein Wert über 13 × 10⁹/L spricht für eine Leukozytose (z. B. Infektion, Entzündung, o. ä. (3)   "CSI Announces Paul Offit As Winner of the 2013 Balles Prize" . Skeptical Inquirer , Juli 2014 CSICOP, https://web.archive.org/web/20190119174727/ . (4)   Siehe https://www.skyhorsepublishing.com/9781632206015/thimerosal-let-the-science-speak/ (5)   Zit. von Paul Offit selbst in seinem Buch Bad Advise  (2018), Kap. 11 .   (11) Siehe meine Artikelserie “Dressierte Halbgötter ”. (6)   Siehe die KLARTEXT- Artikelserie “Dressierte Halbgötter ”. Titelbild: wayhomestudio/Freepik

  • Lithium für alle?

    Lithium, ein altbewährtes Antidepressivum, täte nicht bloß psychisch Kranken gut, so meint ein Fachmann für Nahrungsergänzungsmittel nach einem Selbstversuch. Einen Stimmungsaufheller könnte die bedrückte Republik wahrlich gut gebrauchen – vorausgesetzt, es drohen keine Nebenwirkungen. Gerade mal einen Millimeter lang und sieben Hundertstel Millimeter dick, bakterienfressend im Erdboden gemäßigter Klimazonen unterwegs, meistens schon nach 20 Tagen tot: So ein kurzlebiger Winzling scheint zu einem überaus belanglosen Dasein verdammt. Für Caenorhabditis elegans  jedoch, einen Fadenwurm, gilt dies mitnichten. Seit über 60 Jahren ermöglicht er als Modellorganismus forschenden Biologen und Medizinern bahnbrechende Erkenntnisse. Eine davon fesselte die Aufmerksamkeit von Lorenz Borsche, einem Hobbyforscher aus Heidelberg, dessen Neugier immer schon viel zu groß war, als dass ein einziges Thema ausgereicht hätte, sie zu befriedigen. Physik und Mathe hatte er zunächst studiert, dann Soziologie und Politologie. Bald darauf befasste er sich beruflich mit Energie- und Umweltforschung, Laborsoftware, Produktionsplanungs- und Steuerungssystemen, Internetshops und Marktforschung. Über ein Vierteljahrhundert Lebenszeit widmete er dem Verkauf des gedruckten Worts; er gründete und leitete die größte Genossenschaft im deutschen Sortimentsbuchhandel. Dann wechselte er in den erfüllten Unruhestand, machte Gesundheit zum Hauptthema, entdeckte sein Autorentalent, veröffentlichte 2018 ein erstes Buch über Zucker – Tödliche Versuchung . (1) Drei Jahre später folgte sein zweites: Nahrungsergänzung im Selbstversuch . (2) Und ab Seite 81 dieses Buchs wird klar, wie Caenorhabditis elegans , jenes unscheinbare Würmchen, es geschafft hat,   für Lorenz Borsche bedeutsam zu werden. Das war 2017. Da stieß Borsche auf Studienergebnisse (3) einer Forschergruppe der Unis Jena und Potsdam aus dem Jahre 2011, die ihn verblüfften: Fadenwürmer der Gattung C. elegans  lebten länger, wenn sie etwas Lithium ins Futter bekamen. Ohne diesen Zusatz im Nährmedium, in dem man sie hielt, segneten sie schon 12 Tage nach Versuchsbeginn das Zeitliche. Fünf Millimol Lithium verlängerten ihre Lebensspanne durchschnittlich um ein Viertel, zehn Millimol sogar um bis zu 45 %. Was schert dieser Zusammenhang einen Nichtwurm wie unsereins? Dieselben Forscher, gemeinsam mit japanischen Kollegen, zeigten in einer weiteren Studie auf: Je mehr Lithium das Trinkwasser von 19 japanischen Regionen enthielt, desto höher war dort die Lebenserwartung. Zugleich kam es dort zu weniger Suiziden. (4) Dasselbe Phänomen beschrieb eine österreichische Studie, ebenfalls im Jahr 2011. (5) Zehn Jahre später bestätigte diesen Zusammenhang eine iranische Metaanalyse  von 13 Studien. Schon eine 1990 in den USA veröffentlichte Untersuchung hatte in Regionen mit erhöhten Lithiumkonzentrationen im Trinkwasser eine deutlich verringerte Suizidrate festgestellt. (6) Folgt aus alledem nicht: Die ständige Aufnahme von Lithium in niedriger Dosis kann menschliches Leben nicht bloß verlängern, sondern erheblich aufhellen? Lithium? Ausgerechnet jenes Leichtmetall, das die meisten von uns eher in Batterien, Röntgenfilmen und Kupferlegierungen, in Glas und Keramik vermuten würden als in nahrhaftem Essen? Borsche war fasziniert. Denn die Forschung, auf die er gestoßen war, betraf zwei seiner Hauptanliegen. Liebend gerne würde er  möglichst lange möglichst gesund leben – dazu befasste er sich schon seit längerem mit Ernährungsweisen und Nahrungsergänzungsmitteln. Und endlich besser drauf sein wollte er. Eine Frohnatur war er nämlich nicht unbedingt. Er neigte dazu, sich über Enttäuschungen und Misserfolge ausgiebig zu ärgern. Jahr für Jahr setzte ihm der “Winterblues” übel zu. Zur “dunklen Stunde”, zwischen drei und vier Uhr morgens, lag er allzu oft schlaflos im Bett, düstere Gedanken wälzend. Womöglich waren seine psychischen Tiefs familiär mitbedingt, denn “ich komme aus einer Familie, in der die bipolare Krankheit, also Manie und Depression, nicht unbekannt ist”. (7) Schon zu Borsches Jugendzeit war Lithium – in Form von Salzen wie dem Lithiumcarbonat - die Standardarznei gewesen, um bipolar schwer gestörte Patienten recht rasch, binnen weniger Wochen, aufzufangen und zu stabilisieren. Warum sollte sein Einsatz auf die Psychiatrie beschränkt bleiben? Könnte es nicht uns allen zugute kommen, gerade hierzulande? Nirgendwo ist das irdische Jammertal tiefer als zwischen Flensburg und Garmisch. Keine Bange vor Nebenwirkungen Wäre das nicht gefährlich? Eine Lithiumtherapie kann recht unangenehme Nebenwirkungen mit sich bringen: Sie reichen von Gewichtszunahme, Kreislaufproblemen, Zittern, Übelkeit und Erbrechen über Veränderungen des Blutbilds, Müdigkeit und Durchfall bis hin zu einer Unterfunktion der Schilddrüse. Eine überhöhte Dosis kann zu Herzrhythmusstörungen, Krämpfen, Nierenschäden, einem Koma führen. Schwangere, die mit zuviel Lithium behandelt wurden, brachten in seltenen Fällen Kinder mit Herzfehlern zur Welt. Aber wie überall in der Pharmazie ist es die Dosis, die das Gift macht. Für einen bipolar erkrankten 70-Kilo-Normpatienten liegt die therapeutische Tagesdosis nach einer Einschleichphase bei rund 200 Milligramm metallisches Lithium. Könnte nicht schon eine weitaus geringere Menge ausreichen, uns allen gut zu tun, und das risikofrei? Davon ist Lorenz Borsche überzeugt, seit er ängstlichen Zeitgenossen eines voraus hat: Gründlich recherchierte er den Forschungsstand. Seither weiß er: Lithium vollständig zu vermeiden, in Sorge wegen seines toxischen Potenzials, ist ohnehin ebenso unmöglich wie unnötig. Ein Liter Grundwasser enthält bis zu 500 Mikrogramm (= 0,5 mg) Lithium. In unseren Mineralwässern steckt fast immer Lithium, zumeist unter oder um ein Milligramm pro Liter, vereinzelt aber auch mehr als zehn Milligramm. Gar mit 21 Milligramm kann der Bonifaciusbrunnen im hessischen Bad Salzschlirf aufwarten. Auch über viele Nahrungsmittel nehmen wir Lithium auf. Am meisten steckt in Vollwertgetreide, Reis, Milch und Gemüse wie Zwiebeln, Knoblauch, Zuckerrüben und Kartoffeln, mit 0,5 bis 3,4 mg/kg. Wesentlich geringer ist der Lithiumgehalt von tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Eier und Butter; er liegt ungefähr bei 12 Mikrogramm (µg) = 0,012 mg pro Kilo. Lithium zu verteufeln, wäre folglich Humbug. Dieses Spurenelement steckt in jedem von uns, zeitlebens – offenkundig ohne uns zu schaden oder gar umzubringen. Welche Mengen wären nützlich und unbedenklich? Wie viel wäre zuviel? Im Selbstversuch “wie neu geboren” Das erkundet Lorenz Borsche in einem spannenden Selbstversuch: Seit fünf Jahren nimmt er täglich zehn Milligramm Lithium zu sich – ungefähr ein Zwanzigstel der Dosis, die in der Psychiatrie zum Einsatz kommt, somit fernab jeglicher Bedenklichkeit. Seither fühlt er sich wie verwandelt: ausgeglichener, gelassener, lebensfroher, viel öfter als früher in heiterer Grundstimmung. Depressive Episoden haben sich zwar nicht vollständig verflüchtigt – aber sie kommen seltener, kürzer, schwächer vor. Setzt Borsche da nicht voreilig seine Gesundheit aufs Spiel? Wie töricht ein Alltagseinsatz wäre, scheint sich bereits in den 1940-er Jahren in den USA herausgestellt zu haben. Weil Lithiumchlorid salzig schmeckt, wurde es dort als Ersatz für Kochsalz eingesetzt. Die Folge waren schwere, vereinzelt sogar tödliche Vergiftungen. Dieser Skandal verhinderte lange Zeit, dass Lithium als Psychopharmakon Karriere macht. (8) Über Langzeiteffekte einer niedrig dosierten Dauereinnahme von Lithium liegen tatsächlich so gut wie keine wissenschaftlichen Studien vor. Die braucht Lorenz Borsche aber auch nicht. Mehr als zehn Milligramm Lithium pro Tag: So viel könnten ihm bereits ein bis zwei Liter Mineralwasser liefern. Muss er davor Angst haben? In der Fachliteratur stieß Borsche auf die Einschätzung, der tägliche Lithiumbedarf des menschlichen Organismus liege bei etwa zehn Milligramm (9) – das entspräche exakt seiner gewählten Dosierung. Zugleich würde es bedeuten, dass die meisten von uns ganz erheblich unterversorgt mit diesem Spurenelement sind, wie auch mit Magnesium, Eisen, Selen, Vitamin D und B12, Folsäure (B9) und weiteren Mikronährstoffen. Im Durchschnitt nimmt ein Deutscher nämlich bloß 0,8 Milligramm  Lithium auf. Das dürfte uns kaltlassen, falls Lithium “keine biologische Funktion hat”, wie Wikipedia behauptet . Doch hier streut unser “digitales Weltgedächtnis” womöglich Fake News, wie so oft, sobald es um Gesundheitsthemen geht. Unter Experten mehren sich Stimmen, die dieses Spurenelement, weil es auf vielfältige Weise unsere Gesundheit fördert, für ebenso “essentiell” erachten wie Eisen, Fluor, Jod, Kupfer, Mangan, Chrom, Molybdän, Selen und Zink. Selbst vor Demenz scheint es zu schützen. (10)   “Komplott” hintertreibt unsere Lithiumversorgung Ein habilitierter Arzt und Molekulargenetiker gibt Borsche vollauf recht: Dr. Michael Nehls, der seit seinem Spiegel -Bestseller Das Lithium-Komplott  als Deutschlands “Lithium-Papst” gilt. Gestützt auf hunderte Studien, lautet seine Kernbotschaft: Lithium ist in Wahrheit ein essentielles Spurenelement - lebenswichtig. Ein weitverbreiteter Lithium-Mangel trägt seines Erachtens wesentlich bei zum geradezu pandemischen Anstieg schwerwiegender geistiger Entwicklungsstörungen und psychischer Krankheiten, die Nehls als „Mentales Immundefizienz-Syndrom“  zusammenfasst. Die fatalen Folgen, so warnt Nehls, reichen von Autismus über chronische Erschöpfung, Gehirnnebel, Verlust an Lebensfreude, Angst-Syndromen, Depression und Suizid bis hin zu Alzheimer. “Es gibt keine Zivilisationskrankheit, die nicht durch Lithium direkt oder indirekt positiv beeinflusst wird.” Ein regelrechtes “Komplott” von Politik und Pharmaindustrie, der vor nicht patentierbaren Naturheilmitteln graut, blockiere jedoch eine angemessene Lithium-Versorgung der Bevölkerung, die sie mental stabiler und leistungsfähiger, schlicht gesünder machen würde. “Ich stelle mich nicht gegen die Wissenschaft, im Gegenteil”, sagt er. “Ich habe nur ein Problem damit, wenn wissenschaftliche Beweise ignoriert und unter den Teppich gekehrt werden. Es wird an kranken Menschen zu viel Geld verdient. Die Medizin ist zur Industrie verkommen und diese ist extrem lukrativ.” “Wunderbarer Schutzschirm” – für 4 Cent pro Tag Wie kommt man an Lithium , wenn nicht als Patient? Schwer bis gar nicht, jedenfalls in den Ländern der Europäischen Union. Ein Anhang der EU-Richtlinie für Nahrungsergänzungsmittel Nem-RL , 2002/46/EG,  listet alle erlaubten Vitamin- und Mineralstoffverbindungen auf – Lithium zählt nicht dazu. Internetrecherchen führen zu Versandhändlern in England, den USA und der Schweiz. Lithium aus dem Ausland zu beziehen, ist freilich teuer, obendrein riskant: Der Zoll fängt solche Warensendungen immer zuverlässiger ab. Nicht registrierte Arzneimittel zu importieren, ist zwar (noch) nicht verboten, zum persönlichen Bedarf dürfen sie in einer Drei-Monats-Dosis eingeführt werden. Bei argwöhnischen Zollbeamten vorzusprechen, ihnen die Sachlage zu erklären und den dringenden Eigenbedarf nachzuweisen, kann allerdings reichlich Nerven kosten. Auf absehbare Umstände will sich Lorenz Borsche gar nicht erst einlassen. Er beschafft sich das Mittel aus deutschen Apotheken auf Rezept, entgegenkommenderweise ausgestellt von einem verständigen Hausarzt, der Borsches Selbstversuch unbedenklich findet. Bis vor kurzem griff er zu “Lithiofor”; neuerdings ist es jedoch zumindest vom deutschen Markt verschwunden – “außer Handel” – und bloß noch in der Schweiz erhältlich, als Lithiumsulfat mit 83 mg Lithium. Hierzulande nach wie vor erhältlich sind hingegen “Quilonorm” und “Quilonum”, beide mit je 450 mg Lithiumcarbonat. Eine Tablette enthält rund 85 mg Lithium. Ein weiteres Präparat, “Hypnorex”, mit 400 mg Lithiumcarbonat, liefert 75 mg pro Tablette; bei “Neurolepsin”, mit 300 mg Lithiumcarbonat, sind es 56 mg je Tablette. (11) Mit einem Tablettenteiler stückelt Borsche die Pillen so, dass er auf täglich 10 mg kommt - das entspricht exakt jener Menge, die Forscher zum Grundbedarf erklärt haben (s.o.). Somit schluckt er nur ein Zwanzigstel der Dosis, die in der Psychiatrie zum Einsatz kommt - fernab der Gefahrenzone, aber offenbar in seiner Komfortzone, denn die dunklen Stunden, versichert er, gibt's nicht mehr. Mit umgerechnet ein paar Cent pro Tag “kaufe ich mir einen wunderbar wirksamen Schutzschirm gegen die dunklen Stunden und den immer lauernden Winterblues.” (12) Diesen “Schutzschirm” empfindet Lorenz Borsche keineswegs als pharmazeutisch-künstlich. “Für mich ist Lithium ein existenziell notwendiger Mikronährstoff”, stellt er klar. “Dessen Mangel hat nachweisliche Auswirkungen, ebenso wie ein Mangel an D3 bei Depressionen. Unser Grundzustand sollte heiter, optimistisch und empathisch sein, nicht misslaunig oder gar aggressiv. Unter Mikronährstoffmangel leiden einige Organe spezifisch. Auch unser Gehirn tut es, wenn ihm Lithium fehlt.” (13) Mit Lithium zur “Schönen neuen Welt”? Eine Psychodroge für alle? Dazu fällt einem unwillkürlich Huxleys Dystopie  einer “Schönen neuen Welt” (14) im Jahr 2540 ein, in welcher die Massen mit der Glücksdroge “Soma” ruhiggestellt werden. Mit einer ähnlichen Idee fiel kürzlich der isaelische Zukunftsforscher Yuval Harari auf, ein Vordenker des Weltwirtschaftsforums: Er sagt voraus, die Vierte Industrielle Revolution, in der Künstliche Intelligenz bald so gut wie jegliche Arbeit besser erledigt als unsereins, werde Milliarden von “ nutzlosen Essern ” hervorbringen. Wie stellt man sie zufrieden, solange Euthanasie ausscheidet? Wie hält man sie davon ab, sinnentleert auf systemkritische Gedanken zu kommen und aufmüpfig zu werden? Mit Computerspielen und Drogen. Solche Hintergedanken einem Lorenz Borsche zu unterstellen, wäre allerdings ebenso gemein wie daneben. In Sachen Lithium, wie bei Nahrungsergänzungsmitteln allgemein, betont er bei jeder Gelegenheit, er habe keine Patentrezepte für jedermann – vielmehr beschreibe er seinen eigenen Weg. Was für ihn persönlich genau das Richtige war, muss es keineswegs für all seine Mitmenschen sein. “Ich bin weder ein Arzt noch ein Heiler, und ich werde tunlichst vermeiden zu sagen: ‘Sie müssen nur dies und jenes tun, dann wird ganz sicher …’ Ich erzähle meine Geschichte.” (15) Im übrigen macht anhaltendes psychisches Wohlergehen nicht zwangsläufig unkritisch, im Gegenteil: Erst wer sich überwiegend wohl in seiner Haut fühlt, ist stark genug, sich mit der unheilen Welt auseinanderzusetzen. Wen erfreut nicht diese Aussicht, abgesehen vom Fadenwurm? ( Harald Wiesendanger ) P.S.: Bitte beachten Sie auch bei diesem Artikel den Abschnitt „Haftungsausschluss und allgemeiner Hinweis zu medizinischen Themen“ im Impressum  vom KLARTEXT. Aktualisierte Fsssung eines KLARTEXT-Artikels vom 4. Februar 2024. Anmerkungen 1        Braumüller: Wien 2018, https://www.braumueller.at/t?isbn=9783991002413 2        Braumüller: Wien 2021, https://www.braumueller.at/t?isbn=9783991003250 3        K. Zarse u.a.: “Low-dose lithium uptake promotes longevity in humans and metazoans”, European Journal of Nutrition  50/2011, S. 387-389, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21301855/ 4        H. Ohgami u.a.: “Lithium levels in drinking water and risk of suicide”, British Journal of Psychiatry 194/2009, S. 464-465, https://doi.org/10.1192/bjp.bp.110.091041 5        Nestor D. Kapusta u.a.: “Lithium in drinking water and suicide mortality ”, British Journal of Psychiatry: The Journal of Mental Science , 198 (5) 2011, S. 346–350, doi : 10.1192/bjp.bp.110.091041 , PMID 21525518 . 6        Gerhard N. Schrauzer, Krishna P. Shrestha: “ Lithium in drinking water and the incidences of crimes, suicides, and arr ests related to drug addictions”, Biological Trace Element Research   25, Mai 1990, S. 105–113, PMID 1699579 . 7        Borsche: Nahrungsergänzung , a.a.O, S. 83 8        https://de.wikipedia.org/wiki/Lithiumtherapie , Abschnitt “Geschichte” 9        Reis 1960, nach Lutz Schneider: Lithium und Lithiumcarbonat (2019),  S. 17, https://d-nb.info/1215942850/34 10    Sean M. J. McBride u. a.: “ Pharmacological and Genetic Reversal of Age-Dependent Cognitive Deficits Attributable t o Decreased presenilin Function”, The Journal of Neuroscience   30 (28) 2010, S. 9510–9522, doi:10.1523/JNEUROSCI.1017-10.2010 ; Lars Vedel Kessing u.a.: “Association of Lithium in Drinking Water With the Incidence of Dementia ”, JAMA Psychiatry  74 (10) 2017, S. 1005, doi : 10.1001/jamapsychiatry.2017.2362 .) 11 Nach Angaben von Lorenz Borsche in einer privaten E-Mail vom 30. Januar 2024. 12    Borsche: Nahrungsergänzung , a.a.O, S. 91 13 Zit. Lorenz Borsche, aus einer privaten E-Mail vom 2. Februar 2024. 14    Aldous Huxley: Schöne neue Welt. Ein Roman der Zukunft , 7. Auflage Frankfurt a.M. 2018. 15    Borsche: Nahrungsergänzung , a.a.O, S. 13 Titelbild: Collage aus Bildern von Ajale/Pixabay und 8385/Pixabay

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