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- Autismus durch Impfen? Kennedy lässt nachforschen
Kennedy hält Wort: Auf Geheiß des neuen US-Gesundheitsministers startet eine großangelegte Studie darüber, ob Impfungen autistisch machen können – ein Zusammenhang, der jahrzehntelang als „längst widerlegt“ galt. Werden sich die Befürchtungen von Impfskeptikern bestätigen, sobald unabhängige Wissenschaftler ihnen nachgehen? 18 starke Argumente sprechen dafür. Wie Kennedy am 10. April in einer Kabinettsitzung ankündigte , startet die US-Regierung nun eine „massive Test- und Forschungsanstrengung“, um die Ursachen von Autismus zu ermitteln. Hunderte von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt seien daran beteiligt. Bereits bis September soll die Untersuchung abgeschlossen sein. Koordiniert wird sie von den National Institutes of Health (NIH), der weltweit größten Einrichtung zur medizinischen Forschungsförderung – ausgestattet mit einem Jahresbudget von rund 50 Milliarden Dollar. Kurz vor Kennedys Ankündigung hatte Trump in einer Rede vor dem Kongress auf die Zunahme von Autismus bei Kindern hingewiesen. „Da stimmt etwas nicht“, sagte er. „Wir werden also herausfinden, was es ist, und es gibt niemand Besseren als Bobby.“ Dass Erklärungsbedarf besteht, steht außer Frage. Bis in die sechziger Jahre hinein war die Krankheit so gut wie unbekannt. Noch Anfang der Siebziger betraf sie in den USA erst eines von 10.000 Kindern, Ende der achtziger Jahre eines unter 2000. Als die US-Seuchenschutzbehörde CDC im Jahr 2000 damit begann, entsprechende Daten zu erheben, wurde bei 1 von 250 Kindern eine “Autismus-Spektrum-Störung” diagnostiziert. Bis 2021 stieg die Rate auf 1 von 44 ; bei 2,27 % der US-amerikanischen Achtjährigen lag Autismus vor. Eine Statistik von 2023 stellt fest: Schon 1 von 36 Achtjährigen, 2,8 %, sind betroffen. Allein rund um die Metropole New York haben die Diagnosen seit der Jahrtausendwende um 500 % zugenommen . Die allerneueste CDC-Statistik, veröffentlicht am 15. April, weist ein Verhältnis von 1 zu 31 aus – wobei einige Landesteile noch schlimmer betroffen sind. In Kalifornien erhält mittlerweile jeder achte Junge eine Autismus-Diagnose. Wird sich dieser haarsträubende Anstieg fortsetzen? Dann könnte die Autismusrate bis zum Jahr 2032 7 % überschreiten. Womöglich wird im Jahr 2060 jeder zehnte US-Amerikaner ein Autist sein. (1) Es droht ein Gesundheitsnotstand ohnegleichen, auch in finanzieller Hinsicht: Die Ausgaben für medizinische Versorgung, Betreuung und Folgekosten könnten bis 2060 auf 5,5 Billionen Dollar pro Jahr ansteigen, schlimmstenfalls auf 7 Billionen – jeweils pro Jahr – allein in den USA, wie eine neue Studie vorrechnet. Wird die Katastrophe herbeigeimpft? Seit klar ist, dass Robert F. Kennedy Jr. die Macht seines neuen Amts nutzen wird, um dieser heiklen Frage nachzugehen, muss er Gegenwind in Orkanstärke aushalten. Mit kruden “Verschwörungstheorien” sorge er “für Entsetzen”, heißt es . “Längst entlarvt” seien angebliche Verbindungen zwischen Vakzinen und Autismus, glaubt die New York Times zu wissen. So gut wie alle Mainstream-Medien stimmen zu, von CNN über das Time Magazine bis ABC News , Newsweek , USA Today und der Nachrichtenagentur AP . Das sieht Kennedy anders. „Die Studien, die sie durchgeführt haben, waren sehr, sehr begrenzt”, so bemängelte er in einem Interview mit dem Sender Fox News . “Sie haben etwa 17 Studien durchgeführt, und das Institute of Medicine , das zu den National Academies of Sciences gehört, hat festgestellt, dass 14 dieser Studien ungültig sind. Der größte Schwachpunkt dieser Studien ist, dass sie nie geimpfte und ungeimpfte Personen verglichen haben, was die einzige Möglichkeit ist, diese Feststellung zu treffen. Aber noch wichtiger ist, dass keiner der Impfstoffe, die Kindern in den ersten sechs Lebensmonaten verabreicht werden, jemals angemessen untersucht wurde.“ “Es geht um alles” Allerdings werde sich die Studie keineswegs ausschließlich auf Impfstoffe konzentrieren, so stellt Kennedy klar. „Es geht um alles - unser Lebensmittelsystem, unser Wasser, unsere Luft - wir werden herausfinden, was diese Epidemie auslöst. Wir wissen, dass es ein Umweltgift ist, das diese Katastrophe auslöst. Durch die Forschung am NIH werden wir eine Antwort auf diese Frage finden.“ Dass ein Sturm der Entrüstung über Kennedy hereinbricht, lässt ihn anscheinend kalt. Seine Wahl des Studienleiters macht Hoffnung: Sie fiel nicht etwa auf ein berüchtigtes Pharma-Mietmaul, einen gekauften KOL - key opinion leader - von strenggläubigen Schulmedizinern. Taub für den Aufschrei “ schockierter Experten ”, entschied sich Kennedy für David Geier, Mitautor einer Reihe von Studien über Schäden durch thiomersalhaltige Vakzine – und als Impfskeptiker garantiert nicht mit der Arzneimittelindustrie verbandelt. (2) „Mein erster Gedanke war: Ist das ein Scherz?“, kommentierte der britische „Enthüllungsjournalist“ Brian Deer, der zweifelhaften Ruhm erlangte, indem er den impfkritischen Arzt Andrew Wakefield zur Strecke brachte. Geier habe „keine relevanten Qualifikationen. ... Er ist nicht qualifiziert, eine Meinung zu diesen Themen zu äußern. (…) Wenn man jemanden von der Straße holen wollte, der das Ergebnis liefert, das Kennedy gerne sehen würde, dann wäre das der richtige Mann.“ Was sagt es über eine Studie, wenn sie massivst diskreditiert wird, noch bevor sie begonnen hat? Dass Interessengruppen, die Rufmord multimedial steuern können, mächtig Schiss vor unangenehmen Resultaten haben. Der Epidemiologe Nicolas Hulscher kommentiert treffend: „Der so genannte 'Alarm' ist in Wirklichkeit Panik von Institutionen, die sich davor fürchten, was eine echte, unabhängige Untersuchung aufdecken könnte. Zum ersten Mal wird das Narrativ der Impfstoffsicherheit nicht mehr vollständig von Big Pharma kontrolliert - sie haben Angst, dass ihre falsche Religion der Impfideologie zusammenbricht.“ Was spricht dafür, dass die Studie am Ende Impfskeptiker bestätigen könnte - zum Entsetzen der Pharma-Mafia? Autismus durch Impfen? 18 starke Argumente sprechen dafür 1. Es stimmt keineswegs, dass “die Wissenschaft” den Zusammenhang längst widerlegt hat. Die medizinische Fachliteratur umfasst über 214 Studien , die ihn bestätigen (3), und 164 Arbeiten , die keine Verbindung fanden. Von Konsens keine Spur. Gäbe es ihn – es wäre nicht Wissenschaft. "Um es klar zu sagen: Die Arbeit der Wissenschaft hat nichts mit einem Konsens zu tun“, betont der amerikanische Arzt, Schriftsteller und Filmproduzent Dr. Michael Crichton. „Konsens ist das Geschäft der Politik. In der Wissenschaft ist der Konsens irrelevant. Was zählt, sind reproduzierbare Ergebnisse. Die größten Wissenschaftler der Geschichte sind gerade deshalb so großartig, weil sie mit dem Konsens gebrochen haben." 2. Die wissenschaftliche Qualität der 164 Contra-Studien ist durchweg erbärmlich . Die meisten entstanden auf Geheiß staatlicher Stellen und/oder mit Industrieförderung, durchgeführt von Forschern, denen reichlich Geld von Pharmakonzernen zufloss. In vielen Fällen stellte sich heraus, dass sie missliebige Befunde im nachhinein zurechtbogen oder unter den Teppich kehrten. Sie weigerten sich, Rohdaten herauszurücken, ließen Anfragen unbeantwortet, schlugen Einladungen zu Diskussionen aus. Durchweg bestätigen sie den niederschmetternden Befund des Stanford-Statistikers John Ioannidis: „Die meisten veröffentlichen Forschungsergebnisse sind falsch.“ Mehrere Übersichtsarbeiten zerlegen gnadenlos die verharmlosenden Studien. (4) 3. Pro-Studien sind von vornherein glaubwürdiger, weil ihre Autoren nicht davon profitieren. Im Gegenteil: Wer zu missliebigen Ergebnissen kommt und öffentlich zu ihnen steht, riskiert Rufmord, den Verlust von Forschungsgeldern, Ächtung durch Fachkollegen, das Ende seiner akademischen Laufbahn. Gegenüber dem Autor James Lyons-Weiler soll einer der weltweit führenden Autismusforscher, Dr. Richard Frye , vertraulich zugegeben haben: „Wir alle wissen, dass Autismus von Impfungen herrührt. Bloß darf das keiner von uns sagen.“ 4. Ausgerechnet die CDC selbst stieß schon auf Tatsachen, die Impfskeptikern rechtgaben – und vertuschte sie. Bei jeder Gelegenheit verweist sie auf die 2004 veröffentlichte Studie unter Leitung von Frank DeStefano, dem damaligen Direktor des CDC-Büros für Impfsicherheit. (5) Sie sollte herausfinden, ob ein Zusammenhang besteht zwischen dem Alter bei der ersten MMR-Impfung (Masern-Mumps-Röteln) und der Diagnose Autismus bei Kindern. Anhand des CDC-Impfregisters in Atlanta, Georgia, wurden 1.047 Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung (ASD) ermittelt; mit ihnen verglichen wurden 1.007 ungeimpfte Kontrollkinder. Geprüft wurde das Alter bei Erstimpfung mit MMR (vor 18, 24 und 36 Monaten). Das publizierte Ergebnis: Kein signifikanter Unterschied im Alter der ersten MMR-Impfung zwischen Kindern mit und ohne Autismus - es gibt keine Hinweise, dass das Autismusrisiko wächst, je früher geimpft wird. Doch hierbei betrog die CDC massiv. Einer der Mitautoren, William Thompson, machte publik, dass sich in Wahrheit bei einer Untergruppe, nämlich afroamerikanischen Jungen, gegenteilige Befunde ergeben hatten. Diesen Verstoß gegen die Berufsethik gab Thompson in einer Pressemitteilung zu. Die CDC-Leitung hatte ihn angewiesen, alle Beweise zu vernichten. (6) Auszug aus einer Change.org -Petition im Jahr 2017. Sie forderte, dass Thompson vor dem Kongress aussagt – vergebens. 5. Der stetige, explosionsartige Anstieg der Autismus-Fallkurve folgte auf zwei einschneidende Ereignisse. Zum einen unterzeichnete Präsident Ronald Reagan am 14. November 1986 den fatalen National Childhood Vaccine Injury Act (NCVIA), der Impfstoffhersteller weitgehend von der Produkthaftung befreite. (Anm.: Vorausgegangen war in den 1970er und 1980er Jahren eine Welle von Klagen gegen Impfstoffhersteller, insbesondere wegen Nebenwirkungen des DPT-Impfstoffs (gegen Diphtherie, Keuchhusten und Tetanus). Konfrontiert mit hohen Schadensersatzforderungen und teuren Gerichtsprozessen, drohten viele Pharmaunternehmen damit, aus der Impfstoffproduktion auszusteigen.) Von diesem Damoklesschwert erlöst, erkannten Pharmafirmen im Geschäft mit Vakzinen eine bombensichere Goldgrube. Zum zweiten wurden die Impfempfehlungen (“ Schedule ”) der CDC immer umfangreicher. Noch in den 1970-er Jahren bekamen amerikanische Kinder bloß 5 bis 7 Impfstoffe – gegen DTP (Diphtherie, Tetanus, Pertussis), Polio, Masern, Mumps und Röteln -, verteilt auf 10 bis 15 Dosen. Und heute? Rund 16 Impfstoffe gegen 17 Krankheiten, verabreicht in rund 70 Dosen, einschließlich Wiederholungen und Kombinationsimpfstoffe. In ihrem allerersten Lebensjahr erhielten amerikanische Kinder 1980 rund 6 bis 9 Impfdosen, im Jahr 2000 ca. 15 bis 18 – inzwischen sind es etwa 20 bis 26. Und diese "Piks"-Inflation soll medizinisch unbedenklich sein? 6. Alternative Erklärungen der explodierenden Fallzahlen sind unplausibel. Veränderungen im Erbgut? Innerhalb von zwei, drei Jahrzehnten vermehren sich genetische Merkmale nicht exponentiell. Rührt der Autismus-Tsunami daher, dass und Eltern und Ärzte sensibler geworden sind, auf Anzeichen achten, eine verbesserte Diagnostik zum Einsatz kommt? Das spielt sicherlich mit, erklärt aber bei weitem nicht alle Merkwürdigkeiten. 7. Vergleich von Geimpften und Ungeimpften. Wenn Impfstoffe keinen Autismus verursachen, dann müsste die Autismusrate bei Eltern, die ihr Kind ungeimpft ließen, identisch sein mit der Autismusrate bei Eltern, deren Kind beliebig oft geimpft wurde. In den USA trägt ein Kind, sobald es geimpft ist, jedoch ein 4,2-mal höheres Risiko, Autismus zu entwickeln, als ein ungeimpftes. (7) Eine weitere Studie fand 15 Autismusfälle unter 894 Patienten, bei denen der CDC-Impfplan befolgt wurde – und null bei 561 Ungeimpften. (8) 16 Jahre ist es inzwischen her, dass eine Gesetzesvorlage im Repräsentantenhaus die National Institutes of Health (NIH) - eine der wichtigsten und weltgrößten medizinischen Forschungsorganisationen, dem US-Gesundheitsministerium unterstellt – dazu aufforderte, endlich Geimpfte und Ungeimpfte zu vergleichen. Das Papier – HR 3069, eingebracht am 26. Juni 2009 - hat den Ausschuss nie verlassen. 8. Die Amischen. Die Glaubensgemeinschaft der Amischen, von denen in den USA rund 400.000 leben – hauptsächlich in Pennsylvania, Ohio und Indiana -, lässt Kinder aus religiösen Gründen ungeimpft. "Ich habe bei den Amischen keinen einzigen Fall von Autismus gesehen", versichert Dr. Frank Noonan, ein Hausarzt in Lancaster County, Pennsylvania, der Tausende von Amischen behandelt hat. 9. Der Dosis/Effekt-Zusammenhang. Je häufiger Kinder geimpft werden, desto höher ist ihr Autismusrisiko - im Frühjahr 2025 bestätigt in einer Umfrage unter 12.000 betroffenen Eltern. 10. Das Vorher/Nachher-Rätsel. Würden Impfungen keinerlei kausale Rolle spielen, dann träten Autismusssyptome nach einem Impftermin nicht häufiger auf als vorher . So ist es aber nicht. Es gibt keinen einzigen Fall, in dem ein Kind vor einem Impftermin "über Nacht autistisch" wurde. Hingegen berichten Abertausende von Eltern, dass ihr Kind innerhalb von 24 Stunden nach einer Impfung Autismus-Symptome entwickelte . 11. Das „Von heute auf morgen“-Rätsel. Viele Eltern berichten, das Verhalten ihres Kindes habe sich nach der Impfung geradezu schlagartig verändert. (9) Wie kann ein Kind noch am Vortag noch völlig normal sein – und innerhalb weniger Stunden danach schwere Autismus-Symptome zeigen? Was, wenn nicht der „Piks“, könnte der Auslöser gewesen sein? Kein Umwelteinfluss, dem das Kind ansonsten ausgesetzt sein könnte, kommt dafür in Frage – er würde sich viel langsamer auswirken, wenn überhaupt. Der Kinderarzt Doug Hulstedt registrierte in seiner Praxis 44 Fälle von „plötzlich einsetzendem“ ( rapid onset ) Autismus. Ausnahmslos alle 44 traten innerhalb von 7 Tagen nach einer Impfung auf. 12. Das Drillingsrätsel. In einem wohldokumentierten Fall, der McDowell-Familie , entwickelten Drillinge innerhalb weniger Stunden nach der Impfung Autismus. Wie ist das möglich? Ganz einfach: Sie erhielten alle am selben Tag, dem 25. Juni 2007 um 10 Uhr, beim selben Kinderarzt den gleichen Impfstoff, jenen gegen Pneumokokken. Damals waren sie 9 Monate und 4 Tage alt – kerrngesund, fröhlich, aufgeweckt, aktiv eines wie das andere. Nur zwei Stunden nach dem „Piks“ war Clair wie verwandelt, so als sei sie blind und taub; gegen 14 Uhr folgte der erste Junge, Richie, abends schließlich auch Robbie. „Kein Kichern mehr, kein Lächeln mehr, kein Lallen mehr“, so beschrieb sie ein Reporter. „Alle ihre Reflexe haben aufgehört. Sie blinzelten nicht mehr, gähnten nicht mehr, niesten nicht mehr. Sie hielten nie wieder Händchen. Sie sahen einander nie mehr an.“ Ein konsultierter Genetiker bestätigte den verzweifelten Eltern, es sei völlig ausgeschlossen, dass diese Synchronizität erblich bedingt sei. 13. Ländervergleich . In Vietnam war Autismus praktisch unbekannt. Dann führte die Regierung ein besonders striktes öffentliches Impfprogramm ein, mit hohen Durchimpfungsraten – und der Autismus nahm Fahrt auf . Ein Zufall? Aus Japan kommen sogar noch erschütterndere Zahlen. Die jährliche Inzidenz von ASD bei Kindern, die 1987 geboren wurden, lag bei 20 von 10.000. Nach Einführung der MMR-Impfung im Jahr vervierfachte sie sich auf 85,9 von 10.000 für Kinder, die 1990 geboren wurden. Weltweit zeigt sich: Je ausgiebiger ein Land impfen lässt, desto mehr Autismus handelt es sich ein. Deutet das nicht klar auf eine Kausalität hin? 14. Vergleich von medizinischen Einrichtungen. Arztpraxen und Kliniken, die Kinder seltener oder überhaupt nicht impfen, verzeichnen weniger bis gar keine Autismusfälle. Die Kinderärztin Dr. Elizabeth Mumper verringerte die Autismushäufigkeit in ihrer Praxis um das 10-fache, indem sie die Anzahl verabreichter Impfungen einschränkte. Zu den wenigen Kinderkliniken in den USA, die auf Impfungen vollständig verzichten, zählt die Homefirst Medical Services in Chicago. "Wir haben etwa 30.000 oder 35.000 Kinder, die wir im Laufe der Jahre betreut haben“, berichtete ihr Gründer und Leiter, der Pädiater Mayer Eisenstein , „aber keinen einzigen Fall von Autismus bei Kindern, die bei uns entbunden und nie geimpft wurden" – innerhalb eines Zeitraums von 47 Jahren. 15. Die VAERS-Beweise. Aufschlussreiche Details sind dem Vaccine Adverse Event Reporting System ( VAERS) zu entnehmen , dem von der CDC 1990 eingerichteten öffentlichen Meldesystem für Impfnebenwirkungen. Wenn verschiedene Impfstoffe zur gleichen Zeit und in der gleichen Anzahl verabreicht werden, dann sollten sie ungefähr gleich viele (oder wenige) VAERS-Autismusberichte auslösen. Das tun sie aber nicht. Die Melderaten hängen davon ab, welcher Impfstoff verabreicht wird. Das wäre unmöglich, wenn Impfstoffe keinen Autismus verursachen. Zudem hat sich herausgestellt, dass es bei einigen Impfstoffen um den 8. und 9. Tag zu einer ersten Spitze bei den Autismusmeldungen kommt; um den 15. bis 30. Tag herum häufen sie sich ein zweites Mal auffällig. Solche starken Schwankungen sind ein deutlicher Hinweis auf Kausalität: Würde es sich bloß um einen Zufall handeln, dann gäbe es eine Spitze in der Nähe des Impfdatums, von da an würde die Kurve stetig abnehmen. Preisfrage: Bei welchen Impfstoffen treten diese Spitzen auf? Es sind dieselben, die Eltern am häufigsten als Ursache für Autismus nennen. 16. Richterliches Urteil. Dass Impfstoffe Autismus verursachen können, musste selbst der United States Court of Federal Claims (“ Vaccine Court ”) einräumen: ein 1988 eingerichtetes Sondergericht, das sich ausschließlich mit Schadensersatzklagen von Impfopfern befasst. Zugunsten von Geschädigten entschied es in den aufsehenerregenden Fällen von Hannah Poling und Porter Bridges . Die Beweise waren erdrückend, niemand focht das Urteil jemals an, es wurde rechtskräftig. 17. Impfungen können nachweislich zu dauerhaften Hirnschäden führen – warum nicht auch solche, die Autismus mit sich bringen? Die bemerkenswerteste Studie, die diese Gefahr bestätigt, stammt aus dem Jahr 1998 – verfasst von CDC-Autoren. (10) Sie wurde nie in Frage gestellt, nie zurückgezogen und von über 90 Zeitungen zitiert: „Methoden . Die Krankenakten von Kindern, die die Einschlusskriterien erfüllten, weil sie zwischen 1970 und 1993 die erste Dosis dieser Impfstoffe erhalten hatten, und die innerhalb von 15 Tagen eine solche Enzephalopathie ohne erkennbare Ursache entwickelten, wurden identifiziert und analysiert. Ergebnisse . Insgesamt 48 Kinder im Alter von 10 bis 49 Monaten erfüllten die Einschlusskriterien, nachdem sie einen Masernimpfstoff - allein oder in Kombination - erhalten hatten. Acht Kinder starben, bei den übrigen kam es zu geistiger Regression und Retardierung, chronischen Krampfanfällen, motorischen und sensorischen Defiziten und Bewegungsstörungen. Das Auftreten von neurologischen Anzeichen oder Symptomen erfolgte mit einer nicht zufälligen, statistisch signifikanten Verteilung der Fälle an den Tagen 8 und 9. Nach der Verabreichung von monovalentem Mumps- oder Rötelnimpfstoff wurden keine Fälle festgestellt. Schlussfolgerungen . Diese Häufung deutet darauf hin, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen Masernimpfung und Enzephalopathie als seltene Komplikation der Masernimpfung bestehen könnte.“ Bis heute enthalten Vakzine Aluminium und Quecksilber, sei es als Wirkverstärker, als Konservierungsmittel oder als Verunreinigung aus dem Herstellungsprozess. Sie richten Gehirnschäden an. Im Hirngewebe von Autisten stellte eine Studie einen konstant erhöhten Aluminiumgehalt fest. (11) Allein schon “der Aluminiumgehalt von Kinderimpfstoffen ist absurd hoch”, konstatiert Christopher Exley, Professor für Biochemie, in seinem Buch Imagine You Are an Aluminum Atom (2020). 18. Die Bradford/Hill-Kriterien für Kausalität sind weitgehend erfüllt . Korrelation beweist nicht Kausalität, so heißt es oft und zurecht. Dass B auf A folgt , bedeutet nicht, dass A es bewirkt . Das stimmt selbstverständlich – aber denkt Kennedy so simpel? Für die Hypothese „Impfen verursacht Autismus“ spricht, dass es die Bradford-Hill-Kriterien weitgehend erfüllt (12): neun Prinzipien, die in der medizinischen Forschung beurteilen helfen sollen, ob zwischen einem Risikofaktor (z. B. Rauchen) und einem beobachteten gesundheitlichen Effekt (z. B. Lungenkrebs) eine kausale Beziehung besteht. Ihren Namen haben sie von dem britischen Epidemiologen Austin Bradford Hill, der sie 1965 formulierte – in einem Essay, der bis heute zu den meistzitierten wissenschaftlichen Werken gehört. Hier seine Kriterien im Überblick: 1. Stärke der Assoziation ( Strength ) : Je stärker der Zusammenhang, desto wahrscheinlicher ist er echt. (Beispiel: Raucher bekommen viel häufiger Lungenkrebs als Nichtraucher.) 2. Konsistenz ( Consistency ) : Viele Studien zeigen das Gleiche – in verschiedenen Ländern, Gruppen und Zeiten. (Egal ob in Deutschland, den USA oder Japan – überall zeigen Studien: Rauchen erhöht das Krebsrisiko.) 3. Spezifität ( Specificity ) : Wenn ein Faktor hauptsächlich eine bestimmte Wirkung hat, spricht das für einen Zusammenhang. (Rauchen führt besonders oft zu Lungenkrebs, aber nicht in gleichem Maße zu allen möglichen sonstigen Krankheiten.) 4. Zeitlicher Ablauf ( Temporality ) : Die Ursache geht der Wirkung voraus. (Wer mit dem Rauchen erst nach einer Lungenkrebsdiagnose anfängt, kann dadurch nicht die Krankheit verursacht haben. Umgekehrt schon.) 5. Dosis-Wirkungs-Beziehung (biologischer Gradient): Mehr von der Ursache = mehr vom Effekt. (Wer 30 Zigaretten täglich raucht, trägt ein viel höheres Krebsrisiko als jemand, der nur 5 raucht.) 6. Plausibilität ( Plausibility ) : Der Zusammenhang muss sinnvoll sein – er sollte zu vorhandenem biologischen oder medizinischen Wissen passen. (Tabakrauch enthält krebserregende Stoffe. Es ist also biologisch plausibel, dass er Krebs auslöst.) 7. Kohärenz ( Coherence ) : Der Zusammenhang sollte zu dem passen, was man sonst noch über das Thema weiß. (Lungenkrebs war selten, bevor das Rauchen verbreitet war. Als immer mehr Leute rauchten, stiegen die Zahlen. Das passt zusammen, ist kohärent. 8. Experimentelle Bestätigung : Kausale Zusammenhänge lassen sich idealerweise durch Experimente nachweisen, z.B. in Interventionsstudien. (In Ländern, wo viele Leute mit dem Rauchen aufhören, sinkt später die Krebsrate. Das zeigt: Nimmt man die Ursache weg, so verschwindet auch die Wirkung, zumindest teilweise.) 9. Ähnlichkeit zu bekannten Zusammenhängen (Analogie). Wenn wir schon wissen, dass ein ähnlicher Stoff oder eine ähnliche Situation eine bestimmte Wirkung hat, liegt es nahe, dass das auch hier der Fall ist. (Wenn E-Zigaretten ebenfalls Nikotin enthalten – ebenso wie klassische Tabakprodukte -, so kann man durch Analogie schließen, dass auch sie abhängig machen können.) Bradford Hill verstand seine Kriterien nicht als starre Regeln, sondern als Orientierungshilfen. Um eine Kausalität anzunehmen, müssen nicht alle erfüllt sein - aber je mehr Kriterien zutreffen, desto wahrscheinlicher ist ein ursächlicher Zusammenhang. Wie könnten wissenschaftliche halbwegs gebildete Mitmenschen, denen an der Wahrheit liegt, über all diese Beweise hinweggehen? Wie konnten so viele kluge Forscher, so viele hochangesehene Institute sie seit Jahrzehnten ignorieren? Hier hat „evidenzbasierte“ Medizin ungeheuerlich versagt. Dafür fällt mir nur eine plausible Erklärung ein: Sie alle wurden dafür bezahlt, wegzusehen. (13) Mehr als eine Ursache – aber Impfen ist die ausschlaggebende Dass Autismus ausschließlich von Impfungen herrührt, hat Kennedy behauptet, und auch die CDC-Studie, die er nun durchführen lässt, wird keine kausale Einbahnstraße ergeben. Zweifellos spielen weitere Faktoren mit. Dazu zählen Umweltgifte wie Blei, Arsen und Kupfer, sogar in der Babynahrung, wie auch Phthalate, die häufig als Weichmacher in Polyvinylchlorid (PVC) und anderen Kunststoffen stecken, etwa in Bodenbelägen, Kinderspielzeug und Gummiprodukten. (14) Auch hohe Luftverschmutzung (15) erhöht das Autismusrisiko – nachgewiesen etwa für eine vorgeburtliche Exposition gegenüber Ozon. (16) Im Verdacht stehen ferner Arzneimittel. Wie mehrere Studien belegen, erhöhen werdende Mütter, wenn sie Paracetamol einnehmen, das Autismusrisiko ihres Nachwuchses um bis zu 214 % (17) - und noch mehr, wenn sie es Babies und Kleinkindern geben. Schwangere, die Antidepressiva einnehmen, verdoppeln damit das Autismusrisiko ihres ungeborenen Kinds, wie die Universität von Montreal bei Analyse der Daten von über 145.000 Frauen herausfand. (18) Selbst Medikamentenreste im Trinkwasser sind in begründeten Verdacht geraten, Autismus zu fördern. Zahlreiche Studien deuten darauf hin, dass auch Pestizide eine erhebliche Rolle spielen. So untersuchten Forscher der Universität von Los Angeles fast 3000 ASD-Patienten, die zwischen 1998 und 2010 im kalifornischen Central Valley, einem landwirtschaftlich geprägten, 600 km langen Tal nördlich von San Francisco, zur Welt kamen; zum Vergleich bezogen sie 35.000 dort aufgewachsene Versuchspersonen ohne Autismus-Diagnose ein. Mit Hilfe von Kaliforniens Pestizideinsatz-Register analysierten die Wissenschaftler, welche Studienteilnehmer vor ihrer Geburt und während ihrer Kindheit mindestens einem von elf verbreiteten Pestiziden ausgesetzt waren. Bei dieser Gruppe kam eine um 10 % erhöhte Autismus-Wahrscheinlichkeit zum Vorschein. Hauptverdächtiger ist das allgegenwärtige Glyphosat , der Wirkstoff in Monsantos Unkrautvernichtungsmittel Roundup. Von Autismus sind Jungen viermal häufiger betroffen als Mädchen. Dieser “Gender Gap” ist ein Indiz dafür, dass genetische Faktoren mitentscheiden, wieviel Schaden Toxine anrichten. Ist ASD also “größtenteils genetisch bedingt ”? So argumentieren Verharmloser, die ablenken wollen. Ebensogut könnte man den Lungenkrebs von starken Rauchern hauptsächlich auf ein ungünstiges Erbgut zurückführen. Hätte die Genlotterie nämlich jeden Nikotinjunkie mit einem ebenso fabelhaften Immunsystem ausgestattet wie einst den legendären Kettenqualmer Helmut Schmidt: Käme Raucherkrebs dann nicht äußerst selten vor? Im übrigen, wie schon erwähnt: Erbgutveränderungen machen nicht innerhalb weniger Jahrzehnte massenhaft krank. „ Gene verursachen keine Epidemien “, stellt Kennedy klar. „Auch wenn eine genetische Anfälligkeit vorliegen kann, muss es auch ein Umweltgift geben.“ Wahrlich, 2025 wird ein besonders spannendes Forschungsjahr. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1) Siehe https://www.publichealthpolicyjournal.com/_files/ugd/adf864_231644ca239249dc9ac579b5d332d872.pdf , S. 238. Näheres im KLARTEXT “ Dieser Tsunami wird Billionen kosten ” und “ Autismus-Seuche – Big Pharma frohlockt ”. (2) Siehe u.a. https://translationalneurodegeneration.biomedcentral.com/counter/pdf/10.1186/2047-9158-2-25.pdf ; Robert F. Kennedy Jr./Brian Hooker: Geimpft versus ungeimpft – Jetzt spricht die Wissenschaft , Rottenburg 2023, S. 67 ff. (3) Hier die Liste zum Download: https://www.scribd.com/doc/220807175/214-Research-Papers-Supporting-the-Vaccine-Autism-Link Eine kürzere Liste mit 30 Schlüsselarbeiten: https://healthimpactnews.com/2013/30-scientific-studies-showing-the-link-between-vaccines-and-autism/ . Darüber hinaus führen inzwischen 400 Arbeiten vor Augen, wie gefährlich die Impfstoffe im allgemeinen sind. Siehe Neil Z. Miller: Review of Critical Vaccine Studies: 400 Important Scientific Papers Summarized for Parents and Researchers . https://www.amazon.com/Millers-Review-Critical-Vaccine-Studies/dp/188121740X/ref=sr_1_1 (4) Siehe z.B. SafeMinds: „ Vaccines and Autism - What do Epidemiological Studies Really Tell Us? “; Jerry Hammond: " Why the Claim 'Vaccines Don't Cause Autism' Is Disinformation " . (5) Frank DeStefano u.a.: „ Age at First Measles-Mumps-Rubella Vaccination in Children with Autism and School-Matched Control Subjects: A Population-Based Study in Metropolitan Atlanta “, Pediatrics 2004. (6) Näheres über diesen Skandal in Kennedy/Hooker: Geimpft versus ungeimpft , a.a.O., S. S. 81 ff. (7) Anthony Mawson u.a.: „Pilot Comparative Study on the Health of Vaccinated and Unvaccinated 6- to 12-Year Old U.S. Children“, Journal of Translational Sciences 2017. (8) James Lyons-Weiler/Paul Thomas: „ Relative Incidence of Office Visits and Cumulative Rates of Billed Diagnoses Along the Axis of Vaccination “ (2020), siehe auch https://nationalvanguard.org/2020/12/ten-year-study-unvaccinated-children-far-healthier-than-their-vaccinated-peers/ Warum diese Studie mittlerweile zurückgezogen werden musste, versteht nur, wer um die lukrative Pharmanähe medizinischer Fachzeitschriften weiß. (9) Siehe diesen Tweet für eine Diskussion des Phänomens. (10) Robert E. Weibel/Vito Caserta/David E. Benor/Geoffrey Evans: „Acute Encephalopathy Followed by Permanent Brain Injury or Death Associated With Further Attenuated Measles Vaccines: A Review of Claims Submitted to the National Vaccine Injury Compensation Program“, Pediatrics (1998) 101 (3): 383–387, https://doi.org/10.1542/peds.101.3.383 , https://publications.aap.org/pediatrics/article-abstract/101/3/383/61917/Acute-Encephalopathy-Followed-by-Permanent-Brain?redirectedFrom=fulltexthttps://publications.aap.org/pediatrics/article/101/3/383/61917/Acute-Encephalopathy-Followed-by-Permanent-Brain (11) Siehe den tragischen Fall von Sawyer im KLARTEXT “ Damit sein Tod nicht sinnlos war ”. (12) Austin Bradford Hill: „The Environment and Disease: Association or Causation?“, Proceedings of the Royal Society of Medicine 58 (5) 1965, S. 295–300, PMC 1898525 (13) Näheres in Harald Wiesendanger: Das GesundheitsUNwesen - Wie wir es durchschauen, überleben und verwandeln (2019). (14) Malin Larsson u.a.: “Associations between indoor environmental factors and parental-reported autistic spectrum disorders in children 6–8 years of age”, NeuroToxikology 30 (5) September 2009, S. 822–831, https://translate.google.com/website?sl=en&tl=de&hl=en&u=https://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/eutils/elink.fcgi?dbfrom%3Dpubmed%26retmode%3Dref%26cmd%3Dprlinks%26id%3D19822263 (15) https://www-naturalnews-com.translate.goog/2019-05-06-studies-determine-link-between-air-pollution-autism-risk.html?_x_tr_sl=en&_x_tr_tl=de&_x_tr_hl=en ; https://www-naturalnews-com.translate.goog/019470_Autism_air_pollution.html?_x_tr_sl=en&_x_tr_tl=de&_x_tr_hl=en (16) Umweltgesundheitsperspektive 121 (3) März 2013, S. 380-386. doi: 10.1289/ehp.1205827. Epub 18. Dezember 2012, https://pubmed-ncbi-nlm-nih-gov.translate.goog/23249813/ (17) JAMA Psychiatry 30. Oktober 2019 DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2019.3259, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31664451/ (18) https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2016/daz-4-2016/autismus-durch-antidepressiva ; https://www.zentrum-der-gesundheit.de/krankheiten/weitere-erkrankungen/autismus-uebersicht/autismus-antidepressiva
- Den Krebs einfach aushungern?
Ein 64-Jähriger erfährt, dass in ihm ein besonders aggressiver, weit fortgeschrittener Prostatakrebs wuchert, mit Knochenmetastasen. Ärzte erklären seinen Fall für hoffnungslos. Aber er gibt nicht auf. Sechs Wochen lang fastet er strikt, danach stellt er seine Ernährung um und führt sich einen ausgeklügelten Mix von Nahrungsergänzungsmitteln zu. Und er überlebt. Inzwischen gilt er als vollständig geheilt – neun Jahre nach seiner Schreckensdiagnose. Nachahmenswert? Bis 2016 schien Guy Tenenbaum, ein französisch-amerikanischer Projektentwickler für Immobilien, einen Stammplatz auf der Sonnenseite des Lebens gepachtet zu haben. Nachdem er mit viel Geld in den Ruhestand ging, führte er ein sorgloses, glückliches Luxusleben in der Nähe von Miami, Florida. Seine Freizeit genoss er mit Vorliebe im Kreis guter Freunde in edlen Restaurants. Allerdings gingen seine Ernährungsgewohnheiten schließlich auf Kosten seiner Gesundheit: Tenenbaum wurde stark übergewichtig, entwickelte Bluthochdruck und Diabetes. Nach zwei Jahren zunehmender Schmerzen in den Rippen, die er vergeblich mit Tabletten zu betäuben versuchte, ließ er sich endlich gründlich durchchecken. Ein PSA-Test ergab einen alarmierend hohen Wert von 57. Sein Hausarzt schickte ihn sofort ins Krankenhaus, für eine Biopsie. Danach stand fest: Tenenbaum litt an Prostakrebs im Stadium 4, mit einen Gleason-Score von 9, dem aggressivsten Typ. Der Tumor hatte sich bereits auf sein Skelett ausgebreitet; in seinen Rippen wucherten sechs Metastasen, weitere saßen in Lymphknoten. „Mein Urologe sagte mir: ‚Okay, wir können nichts mehr tun – warum haben Sie so lange gewartet?‘” Von einem Onkologen hörte er: ‚Sie wissen, dass es zu spät ist. Sie werden bald sterben – in sechs Monaten, schätze ich.” Geschockt reiste Tenenbaum daraufhin nach Straßburg, seinem Geburtsort, um eine zweite Meinung einzuholen. Nach einer Computertomografie und weiteren Untersuchungen stellte ihm der Arzt seines Vertrauens die gleiche fatale Prognose : „Keine Chance – ich kann Ihnen nichts geben, weil Sie bereits so gut wie tot sind. Aber machen Sie sich keine Sorgen, wir haben ein gutes Medikament, um bis dahin Ihre Schmerzen zu dämpfen.“ Aufgeben? Kommt nicht in Frage. Das war´s also? Ans Aufgeben dachte Tenenbaum keinen Augenblick. “Am Tag nach meiner Rückkehr in die USA dachte ich: Das ist unmöglich, ich werde das nicht akzeptieren!” Er kam zu dem Schluss: Weil niemand ihn mehr rettet, muss er dies eben selbst in die Hand nehmen. Und das tat er mit enormer Wissbegier und Ausdauer. Eingehend recherchierte er in PubMed , einer kostenlosen Online-Datenbank für medizinische Fachliteratur, mit Zugang zu über 35 Millionen wissenschaftlichen Artikeln. Er studierte die Arbeiten von Thomas Seyfried (1), er befasste sich mit den Forschungen von Otto Warburg (2) und Wilhelm Brünings (3). Aus der Lektüre schloss er: Krebs ist in erster Linie eine Stoffwechselerkrankung – und deshalb durch Ernährungsweisen beeinflussbar. Schließlich stieß Tenenbaum auf das Phänomen der Autophagie : einen natürlichen Recycling- und Reinigungsprozess in unserem Körper, bei dem Zellen ihre eigenen beschädigten Bestandteile abbauen. Dessen grundlegende Mechanismen hatte der japanische Wissenschaftler Yoshinori Ohsumi entdeckt, wofür er 2016 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet worden war. Viele Studien bauten seither auf Ohsumis Grundlagenarbeit auf, wandten sie auf Krebs an und wiesen nach: Die Autophagie wird durch Fasten aktiviert und kann Tumore bekämpfen helfen. Sechs Wochen lang nur Wasser Dieses Wissen setzte Guy Tenenbaum in die Praxis um. Ab dem 19. Januar 2019 nahm der damals 67-Jährige 42 Tage lang nichts außer Wasser zu sich. 25 Kilo verlor er dabei. Seither fastet er beharrlich weiter, wenn auch nicht ständig: mal 48 Fastenstunden pro Woche, mal 72 Fastenstunden pro Monat, mal 7 Fastentage am Stück alle zwei Monate, oder mit einem Mini-Essfenster von bloß einer Stunde pro Tag. In Fastenphasen führt er sich weiterhin reichlich Wasser zu, Grün- und Kräutertee, ausreichend Elektrolyte, wie auch Salz – anderthalb Teelöffel Himalaya-Salz pro Tag -, Spurenelemente; Vitamin C, B-Komplex, D, E, K2; und Omega-3. In der übrigen Zeit ernährt er sich vorwiegend ketogen , also kohlenhydratarm und fettreich. Dies versetzt den Körper in den Stoffwechselzustand der Ketose , in dem er seine Energie überwiegend aus Fetten statt aus Kohlenhydraten bezieht. Krebszellen wird dabei ihre Lieblingsenergie entzogen: Zucker. Diesen Prozess unterstützen zwei metabolische Supplemente, auf die Tenenbaum schwört: - Alpha-Liponsäure (ALA): 1,8–4,0 g/Tag, langsam über etwa drei Wochen aufdosiert. ALA Sie schützt vor schädlichen freien Radikalen und hilft den Zellkraftwerken – Mitochondrien -, besser zu arbeiten. - Hydroxyzitrat (HCA) aus Garcinia cambogia: 1,2–3,0 g/Tag, ebenfalls einschleichend. HCA blockiert ein Enzym, das der Körper braucht, um Zucker in Fett umzuwandeln – ein Prozess, den viele Krebszellen lieben, da sie ständig neue Bausteine brauche, um weiterzuwuchern. HCA kann diesen „Nachschubweg“ stören und so das Tumorwachstum bremsen. Darüber hinaus schwört Tenenbaum auf einen ganzen Cocktail von weiteren Nahrungsergänzungsmitteln, die nach seiner Überzeugung Mitochondrien schützen, Entzündungen dämpfen und das Immunsystem unterstützen: - Rotalgen: 8 g/Tag: eine blaugrüne Mikroalge, reich an Eiweiß, Eisen, Vitamin B12, Omega-3-Fettsäuren, Chlorophyll und Antioxidantien, die antiviral und entzündungshemmend wirken. - Spirulina: 10–14 g/Tag: ein blaugrünes Cyanobakterium, reich an Eiweiß, Eisen, Vitamin B12, Chlorophyll und Antioxidantien. Sie stärkt das Immunsystem und hilft beim Entgiften. - Schwarzkümmelöl ( Nigella sativa ): 500 mg, 2×/Tag. - Knoblauch/Allicin: 500 mg, 4×/Tag, alternativ viel frischer/fermentierter Knoblauch. - Grüner Tee / EGCG als zusätzliche Glutamin-Hemmer. Zusätzlich setzt Tenenbaum auf Brokkolisprossen, Curcumin, Ingwer und Quercetin, einen sekundären Pflanzenstoff, der in vielen Obst- und Gemüsesorten vorkommt, bekannt für seine antioxidativen, entzündungshemmenden und zellschützenden Eigenschaften. “Machen Sie weiter so” Was brachte all dies? Eine vollständige Remission. Längst liegt Tenenbaums PSA-Wert konstant bei 0,1. Seit nunmehr neun Jahren ist er symptomfrei, Tumor samt Metastasen sind spurlos verschwunden, der Mann gilt als geheilt. “Mein Onkologe sagte mir immer wieder: 'Was auch immer Sie tun, machen Sie weiter so.'” Seinen Weg zum Überleben, ja zur vollständigen Genesung zeichnet der vorbildliche Selbstheiler nach in seinem 2023 erschienenen Buch My Battle Against Cancer: Survivor Protocol . Geschrieben hat er es “vor allem mit dem Ziel, allen Kranken zu helfen und ihnen Hoffnung zu geben, die wie ich von der traditionellen Medizin ihrem traurigen Schicksal überlassen wurden.“ Sein YouTube-Kanal SurviveFromCancer , mit 370.000 Aufrufen und 16.000 Abonnenten, präsentiert rund 200 Videos. Sein Erfolgsrezept bringt Tenenbaum auf den Punkt : “Ich habe den Krebs besiegt, als ich verstanden habe, dass es sich um eine Stoffwechselerkrankung handelt und ich ihn durch Hungern bekämpfen kann.” Warnung vor blindem Nacheifern Gleichwohl ist Tenenbaums Erfolgsgeschichte ein Einzelfall, vor voreiligen Verallgemeinerungen sollten sich andere Krebsbetroffene hüten. Jeder Tumor ist anders. Art, Genetik, Stadium, Wachstumstempo – was seinen speziellen Krebs bremste, kann bei einem anderen Tumor wirkungslos sein. Und jeder Körper ist anders: Alter, Gewicht, Organschäden, Arzneimittel entscheiden mit über den Behandlungsverlauf. Kein Stoffwechsel, kein Immunsystem gleicht exakt dem anderen. Was dem einen bekommt, verträgt der andere nicht. Was dem einen durchschlagend hilft, bringt dem anderen womöglich wenig bis nichts. Die von Tenenbaum gewählten Dosierungen sind hoch, könnten untereinander und mit gleichzeitig eingenommenen Medikamenten wechselwirken. Klinische Evidenz ist begrenzt. Manchen Kranken beschert eine strenge Fastenkur erhebliche, gut dokumentierte Probleme. In einer Studie mit 652 Patienten – darunter auch Krebsbetroffenen -, die medizinisch betreut wasserfasteten, kam es bei 27,6 % zu schweren Nebenwirkungen. Häufig traten starke Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Kreislaufprobleme auf, bis hin zur Beinahe-Ohnmacht. Übersichtsarbeiten zum Fasten während einer Krebstherapie ergaben : Viele Betroffene vertragen Wasserfasten schlecht; sie entwickeln unter anderem Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Anämie und Schwäche. Strenges Fasten kann bei robuster Konstitution gutgehen. Bei einem ohnehin geschwächten Organismus hingegen beschwört es womöglich gefährliche Komplikationen herauf, fördert Sarkopenie – einem weiteren Abbau von Muskelmasse – und schadet dem Immunsystem. Vor Blindlings-Experimenten auf eigene Faust, ohne fundiertes Wissen und ärztliche Begleitung, warnen Onkologen begeisterte Tenenbaum-Nachahmer deshalb aus gutem Grund. Klüger wäre es, präventiv zu fasten, in einem noch weitgehend gesunden Körper, dem ausgiebiges Hungern eher bekommt. Im Tierversuch senkt schon eine reduzierte Kalorienzufuhr – noch ohne Mangelernährung – die Tumorhäufigkeit um 20 bis 60 %. Bei Mäusen hemmt intermittierendes Fasten die Entstehung von Leber- und Darmkrebs deutlich. In zwei Humanstudien war eine lebenslang verringerte Kalorienaufnahme mit einem geringerem Brustkrebsrisiko verbunden. Unter 2.413 Frauen mit frühem Brustkrebs kam es bei denjenigen, die in einem Zeitfenster von mehr als 13 Stunden pro Tag nichts aßen, seltener zu einem Rückfall. Wie immer gilt: Vorsorgen erspart Sorgen. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1) Der Forschungsschwerpunkt von Thomas N. Seyfried, eines US-amerikanischen Biologen und Professor für Biologie/Genetik/Biochemie am Boston College, liegt auf der Zell- und Stoffwechselbiologie, insbesondere der Lipid- und Mitochondrienbiochemie von Krebszellen. Seyfried sieht in Krebs vorrangig eine metabolische Erkrankung sei, nicht primär eine genetische. Siehe sein Buch Cancer as a Metabolic Disease: On the Origin, Management and Prevention of Cancer (2012). (2) Der deutsche Biochemiker, Mediziner und Physiologe Otto Heinrich Warburg (1883-1970) erhielt1931 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für seine Arbeiten zur Zellatmung. Er untersuchte unter anderem den Tumor-Metabolismus und formulierte die sogenannte „Warburg‑Effekt“-Hypothese: Tumorzellen erzeugen Energie vorrangig durch Fermentation (Glykolyse) anstatt oxidativ über die Mitochondrien. Siehe sein Buch Stoffwechsel der Tumoren (1930). (3) Wilhelm Brünings, ein deutscher Mediziner, beschrieb bereits in den frühen 1940er Jahren eine sogenannte „Entzuckerungsmethode“: eine ketogene, d.h. extrem kohlenhydratarme Ernährung bei Tumorpatienten. Krebszellen könne man „verhungern lassen“, indem man ihnen den Zucker (Glukose) entzieht und so ihren Stoffwechsel angreift. Brünings Arbeiten gelten heute als historischer Vorläufer von Stoffwechseltherapien in der Onkologie. Siehe Rainer J. Klement: “ ”, Journal of Traditional and Complementary Medicine 9 (3) Juli 2019, S. 192-200, https://doi.org/10.1016/j.jtcme.2018.06.002
- Wenn dich der Schlag trifft
Plötzlich schwerstbehindert: Ein Schlaganfall kann schreckliche Folgen haben, die oft unumkehrbar fortbestehen. Schlimmstenfalls tötet er. Ihm vorzubeugen, zählt zu den besten Gründen für eine gesunde Lebensweise, wie die Stiftung AUSWEGE sie jedermann ans Herz legt. Erhöht eine Covid-19-„Impfung“ das Risiko? Gerade eben hast du noch im Supermarkt den Einkaufswagen gefüllt, den Rasen gemäht, in fröhlicher Runde beisammen gesessen, etwas Leckeres gekocht oder vor dem Fernseher gefaulenzt. Schlagartig wird dir schwindlig und übel, du erbrichst. Du bekommst höllische Kopfschmerzen. Du spürst eine Körperhälfte nicht mehr. Kannst einen Arm, eine Hand, ein Bein nicht mehr bewegen. Ein Mundwinkel hängt. Du siehst Doppelbilder, die Hälfte deines Gesichtsfelds fällt aus. Du sprichst verwaschen und abgehackt, du lallst, du betonst seltsam, kannst bestimmte Laute nicht mehr bilden. Dein Gedächtnis ist gestört. Womöglich wirst du bewusstlos, fällst gar ins Koma. So macht sich ein Schlaganfall zumeist bemerkbar – fast immer ohne Vorwarnung, wie aus heiterem Himmel. Manchmal treten nur ein paar der genannten Symptome auf, ganz selten überhaupt keine, oft aber alle zugleich. Im günstigsten Fall ist der Spuk nach ein paar Stunden vorbei, gelegentlich sogar schon binnen Minuten. Häufig aber bestehen die beängstigenden Einschränkungen monatelang fort, in jedem dritten Fall für immer, trotz intensiver Reha. Dann bleibst du womöglich für dein restliches Leben an den Rollstuhl gefesselt, gelähmt, inkontinent und blind; arbeitsunfähig, hilflos, ständig auf Pflege angewiesen; deiner Bewegungsfreiheit ebenso beraubt wie deiner Würde; mit zerstörten Zukunftsträumen, niedergeschlagen, voller Angst, oft zutiefst depressiv, zunehmend dement. Und stets schwebt über dir das Damoklesschwert des nächsten, womöglich noch schlimmeren Hirnschlags. Vorausgesetzt, er bringt dich nicht gleich um. In knapp jedem fünften Fall tut er das bei seinen überrumpelten Opfern innerhalb des ersten Jahres, bei jedem zehnten im ersten Vierteljahr, bei sieben Prozent schon im ersten Monat. (1) Monströse Gefahr Das gewaltige Ausmaß der Gefahr, von Gesunden vorzugsweise verdrängt, soll alljährlich der 29. Oktober, der Internationale Tag des Schlaganfalls, ins öffentliche Bewusstsein rücken, wenigstens für einen kurzen Moment. Allein in Deutschland erwischt es jährlich rund 270.000 Menschen – 200.000 erstmals, 70.000 erneut. (2) 2,5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung haben schon mindestens einen Schlaganfall erlitten – immerhin jeder Vierzigste. (3) Noch ist jeder zweite Betroffene über 75 Jahre alt – in dieser Altersgruppe hat es bereits über sechs Prozent erwischt; doch immer häufiger trifft es Jüngere . Mindestens jeder Fünfte wird dadurch langfristig – fünf Jahre und mehr – derart beeinträchtigt, dass er im Alltag Unterstützung benötigt. (5) Damit ist der Schlaganfall die häufigste Ursache für Behinderungen im Erwachsenenalter. (3) Weltweit sind Schlaganfälle die zweithäufigste Todesursache, die dritthäufigste Ursache für Behinderung und eine der häufigsten Ursachen für Demenz. In den vergangenen drei Jahrzehnten ist die Zahl der Betroffenen um rund 70 % auf über hundert Millionen gestiegen, die Zahl Schlaganfall-bedingter Todesfälle wuchs um 43 % auf annähernd sechs Millionen. (6) Die weiteren Aussichten sind verheerend: Im Jahr 2050, so prognostizieren Experten, werden Schlaganfälle rund zehn Millionen Menschen umbringen und 190 Millionen zu Behinderten machen. (7) Der Schaden? Demnächst mehr als 2000 Milliarden Dollar. Dabei entsteht ein schwindelerregender volkswirtschaftlicher Schaden – 17 Milliarden Euro pro Jahr allein in Deutschland . Weltweit beliefen sich die geschätzten Kosten – direkt durch Behandlung und Rehabilitation, indirekt durch Produktivitätsverlust – im Jahr 2017 auf über 891 Milliarden US-Dollar, allenfalls zur Freude von Reha-Klinikbetreibern und Herstellern von medizinischen Hilfsmitteln. Bis 2050 dürfte dieser Betrag auf schwindelerregende 2,31 Billionen US-Dollar pro Jahr steigen. Weit über 2000 Milliarden Dollar: Könnten WHO und nationale Gesundheitsbehörden damit nicht ein fabelhaftes, zweifellos nobelpreiswürdiges Aktionsprogramm rund um den Globus aufziehen? Neun von zehn Schlaganfällen wären zu verhindern, wenn eine gesundheitlich aufgeklärte, zur Vorsorge motivierte Bevölkerung ein paar bekannte Risikofaktoren meiden würde. Dazu müsste sie verstehen, wie es überhaupt zu einem Schlaganfall kommen kann. Hauptsächlich tritt er in zwei Formen auf: - Den Hirninfarkt – auch ischämischer Schlaganfall – verursacht ein Gefäßverschluss. Dafür kann ein Blutpfropf (Thrombus) sorgen, der sich beispielsweise im Herzen oder der Halsschlagader gebildet hat und sich von dort löst. Mit dem Blutstrom gelangt er in die Hirngefäße und verstopft sie. Oder eine fortgeschrittene Verkalkung verschließt Hals- oder Hirnarterien. - Bei der Hirnblutung – auch hämorrhagischer Schlaganfall – platzt im Gehirn ein Gefäß – meist durch hohen Blutdruck, krankhaft veränderte Gefäßwände oder Gefäßmissbildungen. Dort tritt daraufhin Blut aus und dringt in das umliegende Hirngewebe ein, manchmal auch in den mit Hirnwasser gefüllten Zwischenraum von Gehirn und weicher Hirnhaut. Ob verstopft oder geplatzt: In beiden Fällen sind die betroffenen Blutgefäße zumeist schon arteriosklerotisch vorgeschädigt, verhärtet und durch Ablagerungen verengt. Nach dem „Schlag“ werden dahinterliegende Hirnareale nicht mehr ausreichend durchblutet, mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Gehirnzellen sterben ab. Je nach ihrer Größe und Lage treten dann Störungen und Ausfälle verschiedener geistiger und körperlicher Funktionen auf. Wie verhindern? Das ist längst klar. Dieser neurologische Super-GAU ließe sich fast immer verhindern, wie auch einer Wiederholung vorbeugen - auf längst bekannte Weise. Allein ein Blutdruck im Normbereich verringert das Schlaganfall-Risiko um 60 %. (8) Auch gute Blutzuckerwerte senken es erheblich; Diabetiker tragen ein zwei- bis dreifach erhöhtes Schlaganfall-Risiko. Zur Prävention trägt darüber hinaus erheblich bei, körperlich aktiv zu sein, genügend Wasser zu trinken, von Tabak und Alkohol die Finger zu lassen, ständigen negativen Stress durch Angst und Sorgen, Zeit- und Leistungsdruck zu vermeiden. Zur verhängnisvollen Arteriosklerose, die über kurz oder lang die Blutgefäße verengt und verstopft, führt insbesondere ein gestörter Fettstoffwechsel , mit zuviel LDL-Cholesterin und Triglyzeriden im Blut. Ihn begünstigen Übergewicht, Bewegungsmangel und bestimmte Medikamente. Vor allem aber kommt es auf gesunde Ernährung an. Ausgewogen und vollwertig sollte sie sein, angelehnt an den mediterranen Stil. Pflanzliche Fette mindern die Gefahr, im Gegensatz zu tierischen, wie Studie der Daten von 117.000 Probanden aus einem 27-Jahres-Zeitraum ergab. (9) Auch ein hoher Konsum von Kochsalz erhöht das Risiko erheblich. (10) Hingegen schützt eine ausreichende Zufuhr von Kalium. (11) Besonders ergiebige Lieferanten dieses Mineralstoffs, der den Blutdruck senkt – während Natrium ihn erhöht -, sind Nüsse, Gemüse wie Grün- und Rosenkohl, Kartoffeln, Bananen, Trockenfrüchte, Vollkornprodukte. Kaffee-Junkies sollten berücksichtigen, dass Koffein Kalium aus dem Körper zieht; dies lässt sich aber durch die richtige Ernährung ausgleichen. Auch auf Vitamin D kommt es offenbar an. Mangelt es daran, wird ein Schlaganfall wahrscheinlicher, wie eine indische Studie 2017 ergeben hat. (12) Wer regelmäßig Tee trinkt, senkt einer chinesischen Studie zufolge ebenfalls sein Schlaganfall-Risiko - immerhin um 20 Prozent. Grüner Tee schützt demnach noch etwas wirksamer als schwarzer. (13) Weil solche statistischen Zusammenhänge voreilig zu Fehlschlüssen von Korrelation auf Kausalität verleiten können, sind sie allerdings mit Vorsicht zu genießen. Womöglich stellt sich auf dem Prüfstand empirischer Forschung heraus, dass Schlaganfall-Opfer signifikant häufiger Singles sind, einen Mercedes fahren, in Italien urlauben und einen Pudel halten. Heißt das, dass Vorsorgebewusste die Automarke wechseln, Reisepläne überdenken, den Pudel ins Tierheim bringen und, falls ledig, schleunigst heiraten sollten? Auch ohne weitere Evidenzbasierung abzuwarten, sind wir eher auf der sichereren Seite, wenn wir den längst bekannten Hauptrisikofaktor vermeiden: den in westlichen Industrieländern vorherrschenden Lebensstil, der am Fließband chronisch Kranke produziert. Wo bleibt eine präventive Gesundheitskultur? Das Beispiel Schlaganfall verdeutlicht Glanz und Elend der Schulmedizin. Einerseits gelingt es ihr, ein erhöhtes Risiko frühzeitig zu erkennen: durch Blutdruckmessung, im Blutbild, mittels Ultraschall – insbesondere der Halsschlagadern, um Verengungen aufzuspüren -, wie auch mit einem EKG, um festzustellen, ob ein Vorhofflimmern vorliegt. (Weil das Herz aufgrund der unregelmäßigen, zu schnellen Vorhofkontraktionen das Blut nicht mehr richtig herauspumpt, kann es sich im linken Vorhof ansammeln und ein Gerinnsel bilden, das dann womöglich weitertransportiert wird, bis es in einer Gehirnarterie stecken bleibt und einen Schlaganfall auslöst.) Das Ausmaß der angerichteten neurologischen Schäden vermag moderne Apparatemedizin dank CT und MRT präzise zu bestimmen. Betroffene können sich für jede Minute glücklich schätzen, die sie eher in die Obhut der Stroke Unit einer gut ausgestatteten Klinik gelangen. Und soweit Symptome bald nachlassen, haben sie dies vor allem bewährten Reha-Einrichtungen, Maßnahmen und Hilfsmitteln zu verdanken. Andererseits wären die allermeisten gar nicht erst in diese fürchterliche Notlage geraten, wenn sie in einer Gesundheitskultur aufgewachsen wären, die das eigenverantwortliche Gesundbleiben und Vorbeugen dem kostspieligen Überdiagnostizieren und Therapieren vorzieht. Mit gelegentlichen Appellen, Pressemeldungen und einem von gefühlt zehntausend Jahrestagen, zeitgleich mit dem „Welt-Psoriasis-Tag“ (ebenfalls am 29.10.) sowie irgendwo zwischen dem „Intersex Awareness Day“ (26.10.) und dem „Gedenktag für die Opfer politischer Gewalt“ (30.10.), ist es längst nicht getan. Wir bräuchten eine Medizin, die nicht erst stattfindet, nachdem Gesundheit verloren ging. Sie sollte darauf aus sein, diesen Verlust zu verhindern – ein Hauptanliegen meiner Stiftung Auswege . Die weiseste aller ärztlichen Gebührenordnungen entstand vor mindestens zweieinhalb Jahrtausenden. Gemäß dem ältesten Medizinlehrbuch der Welt, dem „Huangdi neijing“, erhielt in China ein Arzt seine volle Vergütung nur, solange alle Mitglieder der Sippe, die er zugewiesen bekam, gesund blieben. Erkrankte jemand, so wurde sein Honorar gekürzt, wenn nicht gestrichen. Würde dieser Typ Arzt bis heute vorherrschen: Zu wie vielen Schlaganfällen käme es wohl noch hierzulande? Und wie viel weniger hätte es insbesondere seit Ende 2020 gegeben? Schlaganfall herbei“gepikst“? Ein 21-jähriger Feuerwehrmann liegt drei Tage nach seiner zweiten Pfizer-mRNA-Spritze mit Gehirnschlag im Sterben. Vier Tage nach der zweiten Covid-„Impfung“ wird ein 23-Jähriger im Juli 2021 tot in der Badewanne gefunden. Zwei Tage nach der dritten Comirnaty-Injektion stirbt ein 17-jähriges Mädchen aus Wien an einem Aneurysma im Gehirn. Alle drei waren vorher anscheinend kerngesund. 1288 ähnliche Schicksale nach Covid-19-„Piks“ finden sich im Archiv des Portals impfopfer.info . Die breite Öffentlichkeit erfährt davon so gut wie nichts. Denn wie bestellt breiten die meisten Mainstream-Medien weiterhin den Mantel des Schweigens darüber aus: Ebenso wie Nervenschäden, Autoimmun-, Krebs- und Herzerkrankungen haben Schlaganfälle sprunghaft zugenommen, seit die Covid-19-„Impf“kampagne mit mRNA-Spritzen einsetzte. Selbst die US-Seuchenschutzbehörde CDC, ansonsten als berüchtigte Fake-News-Schleuder an vorderster Front der Verharmloser und Schadensleugner, sah sich im Januar 2023 genötigt, ein kleines bisschen Alarm zu schlagen: Sie meldeten eine auffällige Häufung von Schlaganfällen bei älteren US-Bürgern, nachdem sie „Comirnaty“ erhalten hatten, das Vakzin von Pfizer/BioNTech. Das Risiko war in den ersten drei Wochen nach dem „Piks“ um fast 50% erhöht. (14) Allerdings sei dieses „Sicherheitssignal“ dem VSD ( Vaccine Safety Datalink ), einem CDC-Projekt zur Überwachung von Impfnebenwirkungen, leider erst jetzt aufgefallen; erfreulicherweise zeige es sich jedoch weder im Vaccine Adverse Event Reporting System (VAERS), einem seit 1990 bestehenden Meldesystem mit mehreren hunderttausend Fallberichten, noch in den Datenbanken anderer Länder und denen von Pfizer-BioNTech - eine faustdicke Lüge . Schlechte Nachrichten für Covid-Geimpfte überbringt hingegen ein im Juni 2022 veröffentlichter Forschungsüberblick: Er bestätigt ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko. (15) Den Grund dafür sieht eine im November 2022 im Fachmagazin Nature erschienene britische Studie darin, dass die Vakzine bekannte Risikofaktoren für ischämische und hämorrhagische Schlaganfälle verstärken: Blutgerinnung, hoher Blutdruck und niedrige Thrombozytenzahlen - unter 150.000 pro pro Mikroliter (µl) liegt eine sogenannte “Thrombozytopenie” vor. Bei Covid-Geimpften treten sie häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. (16) Zwar konnten Daten aus England, den USA und Norwegen diese Befürchtung angeblich widerlegen (17), und auch die Weltgesundheitsorganisation beeilte sich, Entwarnung zu geben. (“ The best evidence is that there is no true association .”) Faktenchecker widerlegten die “Fake News” selbstverständlich umgehend. (18) Wie bestellt verbreiten Mainstream-Medien neuerdings sogar, das weitaus höhere Schlaganfall-Risiko gehe von einer SARS-CoV-2-Infektion aus (19) – und die Impfung schütze (!) davor. (20) Um die Statistik aufzuhübschen, werden Betroffene kurzerhand zu “Ungeimpften” erklärt, solange sie noch nicht die zweite Dosis erhalten haben; so lässt sich aussortieren, wen schon nach der ersten der Schlag trifft. Eine selten zitierte Studie aus Großbritannien unterstreicht, wie berechtigt die Sorge ist. Sie erfasste 29,1 Millionen Menschen über 16 Jahren, denen zwischen dem 1. Dezember 2020 und dem 24. April 2021 eine Covid-“Impf”dosis verabreicht worden war; 19,6 Millionen hatten das AstraZeneca-Vakzin erhalten, 9,5 jenes von Pfizer. Im darauffolgenden Monat mussten wegen Thromboembolien – Gefäßverschlüssen durch Blutgerinnsel, einer Hauptursache von Schlaganfällen - 112.711 ins Krankenhaus eingeliefert werden; 8404 verstarben. Bei 28.222 weiteren Geimpften war ein ischämischer Schlaganfall bereits eingetreten – 4204 überlebten ihn nicht. Wohlgemerkt: innerhalb der ersten vier Wochen . Und danach? Was Abertausende von Impfgeschädigten und Angehörigen, Pflegern und Ärzten in sozialen Medien berichten, bestätigt den Zusammenhang: Kaum mRNA-gespritzt, kam es massenhaft zu Hirnschlägen und Hirnblutungen, Thrombosen und Embolien. (21) Aber ist die Zahl der Todesfälle nach Schlaganfall denn nicht seit längerem leicht rückläufig? Selbst 2021 und 2022 waren es sogar etwas weniger als im ersten Coronajahr 2020. (22) Doch dieser Trend spricht eher dafür, dass Betroffene immer rascher und besser notfallversorgt werden – und deshalb immer öfter überleben. Die absoluten Fallzahlen hingegen - wie auch von Myo- und Perikarditis, von Herzinfarkten und -stillständen, von Thrombosen und Embolien aller Art – sind just seit Beginn der massenhaften „Jabs“ emporgeschnellt ; dabei trifft es immer mehr jüngere Menschen. Rettungseinsätze nehmen massiv zu, Notfallambulanzen sind überfüllt, Nachsorgeeinrichtungen ebenfalls. Bei der Berliner Feuerwehr stieg die Zahl der protokollierten Einsätze unter den Stichworten „Schlaganfall/Transitorisch Ischämische (TIA) Attacke“ im Jahr 2021 gegenüber den Durchschnittswerten aus den Jahren 2018/2019 um 27,4 Prozent auf insgesamt 13.096. „Derartige Steigerungsraten sind erklärungsbedürftig”, kommentiert ein Sprecher der Feuerwehrgemeinschaft. „Für das Jahr 2021 scheint aber offenbar ein weiterer unbekannter Faktor hinzugekommen zu sein, der den vormaligen Anstieg noch einmal wesentlich verstärkt.“ Zudem sei bei einem Vergleich der Altersgruppen auffällig, dass „die höchsten Steigerungsraten gerade in den Altersgruppen erfolgen, die gemeinhin nicht als vulnerable Gruppen im Hinblick auf die Covid-19-Erkrankung verstanden werden“. Unter Deutschlands rund 1100 Reha-Einrichtungen versorgen 269 auch Schlaganfall-Patienten. (23) Für Betroffene dort einen freien Nachsorgeplatz zu ergattern, ist ein Geduldsspiel, wie ein 67-jähriger Bekannter von mir erlebte, nachdem es ihn Mitte Oktober 2023 getroffen hatte. Während er auf der Intensivstation lag, fragte die Klinik telefonisch alle Reha-Einrichtungen in der näheren Umgebung ab, welche ihn denn aufnehmen könnte. Ausnahmslos alle waren rappelvoll. Erst über hundert Kilometer weiter nördlich fand sich für ihn schließlich noch ein freies Reha-Bett. Was dahintersteckt, bringen Wissenschaftler immer deutlicher zum Vorschein. Nach einer COVID-19-Impfung beginnen die Zellen, Unmengen von Spike-Proteinen zu produzieren. Diese können amyloidähnliche Substanzen bilden, die sich zu engen, fadenförmig verflochtenen Gebilden anordnen können, wie schwedische Forscher herausfanden. (24) Dadurch können Blutgerinnsel entstehen. (25) Darüber hinaus regt S1 – ein Teil des Spike-Proteins – die Produktion von Fibrin an. (26) Dieses wiederum ist resistent gegen die Fibrinolyse, die körpereigene Auflösung eines Blutgerinnsels. Auch auf diesem Weg bilden sich Mikroklumpen. Wehe, wenn sie ins Gehirn wandern. Besonders schwarz sieht Prof. Dr. Sucharit Bhakdi, Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie sowie ehemaliger Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Er befürchtet, dass ein Großteil, wenn nicht alle mRNA-“Gepiksten” eine mehr oder minder ausgeprägte Blutgerinnungsstörung entwickeln. Wie das? In den Muskel gespritzt, verbleiben die Vakzin-Genpäckchen keineswegs dort, wie Gesundheitsbehörden und Hersteller uns anfangs weismachten. Zunächst wandern die mRNA-Partikel in die Lymphknoten, anschließend gelangen sie in den Blutkreislauf, bis in die kleinsten Gefäße, einschließlich der Kapillaren im Gehirn. Vor allem dort, wo das Blut am langsamsten fließt, sammeln sie sich und werden von den Endothelzellen aufgenommen, die das Gefäßsystem gleich einer Wandtapete auskleiden. Diese beginnen nun, Spike-Proteine zu produzieren – und zusammen mit Abfallprodukten der Eiweißsynthese hinaus in den Blutkreislauf zu befördern. Sobald sie dort mit Thrombozyten, den weißen Blutkörperchen, in Kontakt kommen, wird die Blutgerinnung angeschaltet. Bhakdi zitiert zwei Ärzte, die das Blut all ihrer geimpften Patienten vor und nach der Spritze untersuchten. Eine Aktivierung der Blutgerinnung soll der eine bei jedem Dritten festgestellt haben, der andere sogar bei 100 Prozent. Ein Kerngesunder mag die herbeigespritzte Belastung schadlos überstehen – bei einem metabolischen Syndrom mit arteriosklerotisch vorgeschädigten Blutgefäßen hingegen könnte sie der sprichwörtlich letzte Tropfen sein, der ein randvolles Fass zum Überlaufen bringt. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen 1 Jona T. Stahmeyer u.a.: „The Frequency and Timing of Recurrent Stroke“, Deutsches Ärzteblatt Online, 2019, https://doi.org/10.3238/arztebl.2019.0711 2 Manio von Maravic: „Neurologische Notfälle“, in: Jörg Braun, Roland Preuss (Hrsg.): Klinikleitfaden Intensivmedizin. 9. Auflage München 2016, S. 311–356, dort S. 312–316 (Akute zerebrovaskuläre Erkrankungen). 3 Robert-Koch-Institut: Gesundheit in Deutschland. Gesundheitsberichterstattung des Bundes (2015), S. 1–129, doi: 10.17886/rkipubl-2015-003-2 4 M.A. Busch/Ronny Kuhnert: “12-Monats-Prävalenz von Schlaganfall oder chronischen Beschwerden infolge eines Schlaganfalls in Deutschland”, doi: 10.17886/RKI-GBE-2017-010 5 Ramon Luengo-Fernandez u.a.: “Population-Based Study of Disability and Institutionalization After Transient Ischemic Attack and Stroke”, Stroke 44.(10) 2013, S. 2854–61, doi: 10.1161/STROKEAHA.113.001584 6 https://www.medwiss.de/wp-content/uploads/pdfs/am-29-oktober-ist-welt-schlaganfalltag-immer-mehr-juengere-menschen-betroffen.pdf ; V. L. Feigin u.a.: „Global, regional, and national burden of stroke and its risk factors, 1990-2019: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2019“, Lancet Neurology 20 (10) Oktober 2021, S. 795-820 doi: 10.1016/S1474-4422(21)00252-0. 7 V. L. Feigin, M. O. Owolabi; World Stroke Organization–Lancet Neurology Commission Stroke Collaboration Group: “Pragmatic solutions to reduce the global burden of stroke: a World Stroke Organization-Lancet Neurology Commission”, Lancet Neurology, 6. Oktober 2023, S. 1474-4422, https://doi.org/10.1016/S1474-4422(23)00277-6 8 A. Kulshreshtha u.a.: “Life’s Simple 7 and Risk of Incident Stroke: The Reasons for Geographic and Racial Differences in Stroke Stud”, Stroke 44/2013, S. 1909–1914, doi:10.1161/STROKEAHA.111.000352 . 9 F. Wang u.a.: „Dietary Fat Intake and the Risk of Stroke: Results from Two Prospective Cohort Studies“ Abstract presented at American Heart Association’s Scientific Sessions 2021; November 13-15, 2021; virtual meeting; „Vegetable fat may decrease stroke risk, while animal fat increases it“, https://www.eurekalert.org/news-releases/933445 , abgerufen am 1.11.2023. 10 P. 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- Der Grenzwert-Schwindel
Angeblich sind Grenzwerte dazu da, uns zu schützen. In Wahrheit schützen sie eher Geschäftsinteressen: Sie wiegen uns in trügerischer Sicherheit, damit wir nicht nachfragen, uns keine Sorgen machen, nicht aufbegehren, den Konsum nicht verweigern. Somit dienen sie der Volksverdummung – vielfach in geradezu krimineller Absicht. Denn ein Staat, der Gefahren für Leib und Leben verharmlost („unterhalb der Schwelle X unbedenklich“), statt sie zu beseitigen, macht sich der Beihilfe zur Körperverletzung schuldig. Wer gesund bleiben will, muss den umfassenden, lobbygesteuerten Schwindel durchschauen. Anstatt uns vor mutmaßlichen Gefahren für unsere Gesundheit zu bewahren, drehen staatliche Stellen seit eh und je die Gebetsmühle. Stereotyp beruhigen sie uns mit Argumenten desselben Strickmusters: „Der von wissenschaftlichen Experten ermittelte Grenzwert für den Schadstoff X aus der Quelle Y wird nachweislich nicht überschritten – also besteht überhaupt kein Grund zur Sorge!“ Dazu sind auf nationaler und EU-Ebene Regelwerke erlassen worden, deren Komplexität jegliche Obergrenzen zu sprengen pflegt. Zulässige Höchstwerte festzulegen und ihre Einhaltung sicherzustellen, schreiben in Deutschland etwa die Trinkwasserverordnung, die Strahlenschutzverordnung, das Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch vor. Unterhalb dieser Werte gelten die Schadstoffe als harmlos. Das allgemeine Vertrauen auf diese Form von Verbraucher“schutz“ ist enorm, wie aufmerksame Blicke in die gefüllten Einkaufswägen von Supermarktkunden vor Augen führen. Eine Forsa-Umfrage vom August 2021 bestätigt die gesammelten Eindrücke. (1) So ist „Lebensmittelsicherheit“ für 88 % von Deutschlands Verbrauchern „sehr wichtig“, wenn sie Fleisch und Wurstwaren kaufen; 82 % betonen dies, wenn es um frisches Obst und Gemüse geht. Vier von Fünf erwarten, dass Grenzwerte für Rückstände von Schadstoffen eingehalten werden, wie beispielsweise beim Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung oder von Pflanzenschutzmitteln. Und 72 % haben großes Vertrauen, dass diese Erwartung vollauf erfüllt wird; bei 78 % hat sich dieses Sicherheitsgefühl sogar „in den letzten Jahren gefestigt“. Solche Zahlen belegen: Kein Volksverdummungsversuch ist dämlich genug, garantiert fehlzuschlagen. Der multimedialen Gehirnwäsche, die noch das monströseste Gesundheitsrisiko evidenzbasiert unter den Teppich kehrt, vermag sich nur eine kleine Bevölkerungsminderheit zu entziehen. 13 Argumente gegen trügerische Sicherheit • Grenzwerte beziehen sich immer nur auf eine einzelne, isoliert zugeführte Substanz . Der Mensch ist aber unentwegt einem Schadstoff gemisch ausgesetzt: einer unüberschaubaren Vielzahl an künstlichen Stoffen, die er laufend einatmet, oral oder über die Haut aufnimmt. Kein Grenzwert berücksichtigt ausreichend, wie sehr sich deren jeweilige Dosis aufaddieren, die negativen Folgen potenzieren können. • Kein Grenzwert trägt der Möglichkeit Rechnung, dass verschiedene Schadstoffe in unserem Körper miteinander wechselwirken , neue Verbindungen eingehen, sich in ihren negativen Effekten gegenseitig verstärken . „Es gibt gute Belege dafür, dass gemeinsame Effekte auftreten, selbst wenn jeder Bestandteil einer Kombination unterhalb von Konzentrationen vorliegt, bei denen beobachtbare Effekte auftreten“, warnte Andreas der Pharmakologe Andreas Kortenkamp von der University of London schon 2007 im Fachblatt Environmental Health Perspectives . (2) „Die Bewertung von Einzelstoffen verharmlost etliche Risiken“, räumt eine Mitarbeiterin des Umweltbundesamts ein: „Die Untersuchung möglicher Kombinationen ist eine unendliche Aufgabe.“ (3) • Ein und denselben Schadstoff verleiben wir uns unbemerkt aus den unterschiedlichsten Quellen ein. Beispiel Bisphenol A (BPA): Der allgegenwärtige Plastikgrundstoff fördert Diabetes und Stoffwechselstörungen, schwächt das Immunsystem, erhöht das Krebsrisiko, leitet eine vorzeitige Pubertät ein und kann unfruchtbar machen – denn er wirkt hormonell; als sogenannter „endokriner Disruptor“ löst er bei Kindern Entwicklungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten aus. Was nützt ein noch so strikter BPA-Grenzwert für Trinkflaschen aus Plastik, wenn wir BPA gleichzeitig über Verpackungen, Konservendosen, Milchtüten und Mikrowellengeschirr in uns aufnehmen, wie auch über Hautkontakte mit dem BPA-beschichteten Thermopapier von Kassenbons, Fahr- und Eintrittskarten? Was bringt ein Verbot des hochgiftigen Konservierungsmittels und Pestizids Ethoxyquin in der Obst-, Gemüse- und Fleischproduktion, wenn es weiterhin Fischfutter zugesetzt werden darf – und auf diesem Umweg am Ende doch auf unseren Tellern landet? (Siehe KLARTEXT „ Zuchtlachs: giftiges Junk Food ?“.) • Grenzwerte hängen vom Stand der Wissenschaft ab . Ihnen zugrunde liegen angeblich festgestellte „Wirkungsschwellen“: Welches ist die höchste unwirksame Dosis? Solange unklar ist, welche biologischen Prozesse eine Schadstoffexposition innerhalb welcher Zeiträume in Gang setzt, kann aber niemals Entwarnung gegeben werden. Weil sich Schäden oft erst Jahrzehnte nach der Exposition einstellen, beruhen „Wirkungsschwellen“ immer auf hochriskanten, weitgehend aus der Luft gegriffenen Vermutungen. Entsprechend absurd ist die gängige Kennzahl der „tolerierbaren täglichen Aufnahmemenge“ ( Tolerable Daily Intake , TDI): Der TDI-Wert gibt die Menge eines Stoffes an, die täglich „ über die gesamte Lebenszeit ohne erkennbares Gesundheitsrisiko “ aufgenommen werden kann. Wer weiß das denn im voraus mit der nötigen Sicherheit? Vermag außer einem Super-Nostradamus irgendwer vorauszusehen, welches Maß an Vergiftung sich nach mehreren Jahrzehnten als harmlos erwiesen haben wird? Beispiel Bisphenol A: Ab 2015 lag sein TDI innerhalb der Europäischen Union bei 4 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Zuvor hatten 50 Mikrogramm als hinnehmbar gegolten. Erst ein halbes Jahrzehnt später rang sich die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) dazu durch, mögliche gesundheitliche Risiken im Zusammenhang mit der Verwendung von Bisphenol A neu zu bewerten. Das Ergebnis veröffentlichte sie im Dezember 2021: Die neu abgeleitete „tolerierbare tägliche Aufnahmemenge“ betrug nun plötzlich 0,04 Nano gramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Das liegt rund 100.000-fach unter dem vorherigen gesundheitlichen Richtwert. So flexibel können „Toleranzen“ sein. Wer jenen vor 2015 vertraute, hat eben Pech gehabt. • Grenzwerte sind abhängig von Nachweismöglichkeiten. Oft fehlen aber noch geeignete Messtechniken – etwa für Mikroplastik und Nanopartikel im Trinkwasser. • Grenzwerte gehen vom gesunden Durchschnittsbürger in mittleren Jahren aus, mit intaktem Immunsystem und Stoffwechsel. Bezogen auf Kinder, Schwangere und Alte, Allergiker, besonders Schadstoffsensible (MCS) und chronisch Kranke sind sie viel zu hoch angesetzt. Auch einseitige Ernährung, Medikamentenkonsum oder berufsbedingt häufiger Kontakt mit den betreffenden oder anderen Giften sorgen für erhebliche Abweichungen vom Durchschnitt: Manche Menschen sind gewissen Schadstoffen weitaus häufiger, stärker, länger ausgesetzt als andere. Um solche Unterschiede zu berücksichtigen, werden Grenzwerte vorsichtshalber um einen „Sicherheitsfaktor“ erniedrigt. Weil aber niemand weiß, wie viel Schaden noch so kleine Mengen eines Gifts im Verbund mit unzähligen anderen, nicht berücksichtigten Stoffen auf die Dauer anrichten können, entspringt diese Rechengröße wohl eher einem Herumlesen im Kaffeesatz. • Grenzwerte folgen einem simplen Dosis-Effekt-Modell : Je mehr Schadstoff, desto größer die Wirkung. Oft haben geringere Mengen aber gefährlichere Folgen, etwa hormonelle Verunreinigungen. • Grenzwerte fördern, was sie eindämmen sollen: Für Verursacher bedeuten sie grünes Licht dafür, Schadstoffe freizusetzen – unterhalb des Limits. Krebserzeugende, erbgutverändernde und hormonell wirksame Stoffe können aber schon in kleinsten Mengen unumkehrbare Schäden anrichten. • Grenzwerte ergeben sich hauptsächlich aus Untersuchungen von Zellkulturen und Versuchstieren; doch solche Überprüfungen dauern viel zu kurz, um abschätzen zu können, was eine Exposition langfristig anrichtet. Ihre Übertragbarkeit auf den Menschen ist stets fraglich. „Bio-Monitorings“ der Körperfunktionen, Flüssigkeiten und Geweben von Versuchspersonen geben wenig Aufschluss über die vielfältigen Quellen ihrer Schadstoffbelastung. Auch noch so aufwändige „Morbiditäts- und Mortalitätsstudien“, auf die sich Experten berufen, besagen zuwenig. Wie soll sich irgendeine neu entwickelte Chemikalie, die zu Abertausenden schon freigesetzter Gifte hinzukommt, unverzüglich in Auffälligkeiten beim Krankenstand und der Todesursachenstatistik bemerkbar machen? Wegen dieser Ungewissheit werde in Grenzwerte vorsichtshalber ein großzügig bemessener Puffer eingebaut, so beruhigt man uns. Aus Tierversuchen oder epidemiologischen Daten ermitteln Wissenschaftler zunächst ein „ No Observed Adverse Effect Level “ (NOAEL): die Schwelle, unterhalb derer keine negativen Wirkungen festzustellen sind. Dieser Wert wird durch einen „Sicherheitsfaktor“ - meist 100 - dividiert, um die unterschiedlichen Empfindlichkeiten zwischen Mensch und Tier sowie zwischen Mitgliedern bestimmter Bevölkerungsgruppen zu berücksichtigen. Aber sind 100 genug? Im vergangenen Jahrzehnt sah sich die EU gezwungen, den Grenzwert für Bisphenol A schrittweise nicht etwa bloß um den Faktor 100 zu senken – sondern um ein Millionenfaches, wie oben erwähnt. • Ein Grenzwert ist kein objektives Faktum . Immer ergibt er sich aus Kompromissen zwischen unterschiedlichen Interessenvertretern, und diese Kompromisse sind in der Regel faul. Übermächtige Industrielobbies arbeiten seit eh und je erfolgreich darauf hin, dass Grenzwerte entweder überhaupt nicht oder verzögert und möglichst niedrig festgesetzt werden. „Wie Chemikalien den Menschen schädigen, hat ihre Produzenten nie besonders interessiert“, so beklagt der Kieler Toxikologe Prof. Dr. Ottmar Wassermann – „obwohl solche tiefgreifenden Schädigungen seit über 100 Jahren vorausgesagt wurden, seit über 30 Jahren bekannt waren und zahlenmäßig inzwischen exponentiell zugenommen haben.“ (4) Ob und welche Grenzwerte gelten, spiegelt folglich weniger den wissenschaftlichen Erkenntnisstand wieder als das Durchsetzungsvermögen gewisser Marktteilnehmer. „Die Entscheidung, ob eine Wirkung als kritisch eingestuft wird, hängt von den Prioritäten der Politik und der Bereitschaft der Gesellschaft ab, gewisse Risiken einzugehen“, so geben die Herausgeber einer Anthologie über „Risiko und Verantwortung in der modernen Gesellschaft“ zu bedenken. „Sie hängt auch davon ab, welchen Stellenwert wir gewissen Wirkungen einräumen. Ist es zum Beispiel wichtiger, dass Industriezweige ihre Gewinne maximieren unter einer gewissen Belastung der Umwelt, oder ist die Gesundheit und gesunde Ernährung der Bevölkerung wichtiger, mit dem Resultat, dass gewisse Technologien nicht wettbewerbsfähig sind?“ (5) Dass bei Grenzwerten Ökonomie vor Gesundheit geht, zeigt sich nirgendwo in obszönerer Ungeschminktheit als beim Thema hochfrequente Funkstrahlung. Von verkappten Lobbyvereinen festgelegt, sind sie letztlich dazu da, das Geschäftsmodell der Mobilfunkindustrie zu legitimieren. (6) • Finden lässt sich nur, wonach man sucht. Ein Großteil aller Schadstoffe fällt durchs Fahndungsraster , solange keiner nachforscht, wo sie überall drinstecken. Über Entdeckungen entscheiden oft Zufälle. Beispiel Wasserspielzeug, Schwimmringe und –flügel: Seit Jahrzehnten sind sie im Handel – und der Renner in Schwimmbädern, an Badeseen, am Strand. Doch erst im Jahre 2017 stellte das Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) in Freising fest: Drei von vier derartigen Produkten sind mit bedenklichen Mengen gefährlicher Lösungsmittel verunreinigt, selbst solche, die zuvor als „schadstoffgeprüft“ zertifiziert worden waren. Cyclohexanon verursacht Schwindel und Kopfschmerzen; Isophoron gilt als krebserregend; Phenol kann Schleimhäute, Haut und Augen reizen und verätzen; eingeatmet oder geschluckt, kann die Substanz Nieren, Blut, Nerven- und Herz-Kreislauf-System schädigen. Wie kam es überhaupt zu dieser Analyse? Einer Mitarbeiterin des Fraunhofer-Instituts war an Geburtstagsgeschenken für ihre Kinder – Plastiksachen zum Baden und Planschen – ein stechender Geruch aufgefallen. (7) • Was nützen die schärfsten Grenzwerte ohne ausreichende Kontrollen und Sanktionen ? • Mehrere tausend „Innovationen“ pro Jahr setzt die chemische Industrie in die Welt. Statistiken des europäischen Patentamts zufolge (8) ließ sie allein im Jahre 2012 nicht weniger als 5364 Pharmazeutika, 1434 Lebensmittelsubstanzen und 6002 organische Feinchemikalien patentieren. Wer kontrolliert, unabhängig und wissenschaftlich solide, jedes einzelne Tröpfchen dieser gewaltigen Flut auf medizinische Unbedenklichkeit – ganz zu schweigen von den Abertausenden von künstlichen Substanzen, die uns längst schon umgeben? In der Geschichte von Grenzwerten für Chemikalien sind Absenkungen die Regel. Je mehr man im Laufe von Jahren und Jahrzehnten über ihr Gefahrenpotential herausfindet, desto tiefer setzt man sie an. Legt dies nicht die Vermutung nahe, dass so gut wie alle gegenwärtig geltenden Grenzwerte zu hoch angesetzt sind – und die Sicherheit, in der sie uns wiegen, grundsätzlich trügerisch ist? Schließlich haben noch so viele Grenzwerte, allesamt notorisch „streng“, unsere schleichende Vergiftung mitnichten verhindert. Wie schutzlos sie uns tatsächlich lassen, kommt zuverlässig ans Licht, wann immer sich Forscher nachzuprüfen trauen. Schon im Blut Neugeborener wurden kürzlich 109 Industriechemikalien nachgewiesen , einige hiervon waren noch nie zuvor im Menschen gefunden worden. In 86 Prozent aller getesteten jungen Menschen fanden sich Perfluoroktansulfonsäure sowie Perfluoroktansäure, welche das Immunsystem schwächen und die Infektionsneigung erhöhen; die gemessenen Werte lagen weit oberhalb der vorsorglichen Gefahrenwerte. Im Blut sämtlicher untersuchter Minderjähriger schwimmen fortpflanzungsschädigende Weichmacher, die seit längerem „streng reguliert“ sind, perfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) – sie können zu Leberschäden, Schilddrüsenerkrankungen, Fettleibigkeit, Fruchtbarkeitsstörungen und Krebs führen - sowie zahlreiche gefährliche Mixturen von Industriechemikalien. „Im Körper kann man locker 300 Stoffe nachweisen“, räumt Marike Kolossa-Gehring vom Umweltbundesamt (UBA) ein. (9) Allein in der Muttermilch finden sich Hunderte solcher tickender Zeitbomben. Das Spektrum reicht von Bisphenol A über über das jüngst in Eiern nachgewiesene Biozid Fibronil bis hin zu Glyphosat, dem meistverkauften Pestizid der Welt. Wie fabelhaft uns bestehende Grenzwerte davor „schützen“, verdeutlicht besonders krass das Beispiel Glyphosat, von der WHO als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft: Nachdem die eingesetzte Menge seit Ende der neunziger Jahre um das 15-fache zunahm (10), haben inzwischen über 70 % der Bevölkerung, vom Säugling bis zum Greis, messbare Glyphosatkonzentrationen im Blut; von 1993 bis 2016 stiegen diese um 1208 %. (11) Wie lange bleiben die Gifte im Körper? Was richten sie auf längere Sicht darin an? Wie interagieren sie mit anderen einverleibten Toxinen? Darüber schweigen Grenzwertbürokraten – notgedrungen. Eine Mogelpackung namens REACH „Um ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und für die Umwelt sicherzustellen“, trat am 1. Juni 2007 EU-weit eine Chemikalien-Verordnung namens REACH in Kraft, ein Kürzel für „ R egistration, E valuation, A uthorisation and Restriction of Ch emicals“. Was bringt sie? Eine Registrierungspflicht, nach dem hehren Prinzip „ no data, no market “. Eine „Nachweis“pflicht: Hersteller müssen zumindest für besonders gefährliche Stoffe belegen, dass sie sich in den „vorgesehenen Verwendungen” nicht negativ auf Mensch und Umwelt auswirken. Und ein „Informationsrecht“ für Verbraucher: Hersteller müssen auf Anfragen hin binnen 45 Tagen Auskunft geben. Bei näherer Betrachtung erweist sich REACH freilich als dreiste Mogelpackung – „aus dem Löwen ist ein zahmes Kätzchen geworden“, wie eine Greenpeace-Sprecherin feststellt . 1. Registrierungsfarce. Gemeldet werden müssen lediglich Stoffname, Nummer, Name und Anschrift des Herstellers sowie von Kontaktpersonen. Die genaue chemische Zusammensetzung bleibt Betriebsgeheimnis. Polymere, die molekularen Bausteine aller Kunststoffe, müssen bisher überhaupt nicht registriert werden, es sei denn, sie sind als „gefährlich“ einzustufen, d.h. ihre Konzentration überschreitet bereits bestehende Grenzwerte. 2. Absurde „Bewertung“. Nach Abgabe der Registrierungsunterlagen findet in der Regel lediglich eine „Vollständigkeitsüberprüfung“ statt: Wurde die Gebühr bezahlt? Liegen alle Daten vor? 3. Keine unabhängige Untersuchung. Wie bei Arzneimitteln, so darf die Industrie auch bei neuen Chemikalien den Unbedenklichkeitsbeweis mit eigenen Studien führen; es findet keine unabhängige Qualitätsprüfung statt. Ebensogut könnte man der Mafia gestatten, die Unbedenklichkeit der Drogen, mit denen sie dealt, mittels gekaufter Gutachter zu belegen. 4. Großzügige Ausnahmen . Für „besonders gefährliche“ Stoffe (SVHC: „ substances of very high concern “ – kanzerogene, erbgut- und fortpflanzungsschädigende, toxische, hormonell wirksame – können Sondergenehmigungen beantragt werden. Bewilligt werden sie, (a) wenn die vom Stoff ausgehenden Risiken „ ausreichend beherrscht “ werden können; (b) wenn geeignete Alternativstoffe nicht verfügbar sind bzw. ihr Einsatz „wirtschaftlich und technisch nicht tragfähig“ wäre. Mit anderen Worten: Die Illusion der Kontrolle und ökonomisches Kalkül genügen, um ausgerechnet die bedrohlichsten Substanzen marktfähig zu machen. 5. Unbedenklichkeit bei Einhaltung von Grenzwerten . Aber, wie oben erwähnt: Bei hormonell wirksamen Chemikalien gilt der simple Grundsatz „Die Dosis macht das Gift“ nicht; kleine Mengen können mehr Schaden anrichten als größere. 6. Kein Substitutionszwang. „Es ist ein Skandal, dass Stoffe, die Fehlgeburten oder Entwicklungsstörungen bei Föten hervorrufen können, nicht ersetzt werden müssen“, bemängelt die REACH-Expertin der Initiative Women in Europe for a Common Future (WECF), Daniela Rosche. (12) 7. Befangene Kontrolleure. Die für die Risikobewertung zuständigen Behörden ECHA (Europäische Chemikalienagentur) und EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) sind berüchtigt industrienah, erweisen sich immer wieder als von Lobbyisten beherrscht. 8. Schneckentempo. Durchschnittlich zehn Jahre (!) dauert es, einen einzigen Stoff zu regulieren, wie die Verbraucherschutzinitiative EEB im Juli 2022 feststellte. https://eeb.org/library/the-need-for-speed-executive-summary/ So kam es, dass das fortpflanzungsschädliche Bisphenol A erst seit März 2018 offiziell auf der Kandidatenliste steht – obwohl längst bekannt war, welchen Schaden es anrichtet. 9. Absurde Informationspflicht. In den meisten Fällen darf sich die „Auskunft“ des Herstellers darauf beschränken, den Namen des Stoffs zu nennen und ein kostenloses „Sicherheitsdatenblatt“ zur Verfügung zu stellen. Und sie gilt nur für diejenigen Chemikalien, die auf der offiziellen Liste der Europäischen Union für besonders gefährliche Substanzen stehen, der sogenannten "Kandidatenliste": So eingestuft werden sie, wenn bereits erwiesen ist, dass sie Krebs verursachen, das Erbgut schädigen, die Fruchtbarkeit einschränken, den Fötus schädigen können, nicht im Körper abgebaut werden, sich dort über einen längeren Zeitraum ansammeln und/oder giftig sind; in das Hormonsystem eingreifen können. Bisher sind 205 Stoffe derart klassifiziert. Nach Ansicht der Umweltschutzorganisation BUND „ist das viel zu wenig, denn Schätzungen der Europäischen Union gehen davon aus, dass etwa 1.500 Chemikalien als besonders gefährlich eingestuft werden müssen. (…) Das Auskunftsrecht gilt für die meisten Alltagsprodukte wie Spielzeug, Sportartikel, Textilien, Fahrzeuge oder Verpackungen. Ausgeschlossen sind aber viele ‚flüssige Produkte‘ wie Kosmetika, Wasch- und Reinigungsmittel und Arzneimittel. Auch Lebensmittel fallen nicht unter REACH. Wenn Sie zu solchen Produkten Anfragen stellen, gelten diese nur für die Verpackung.“ Gegenwärtig sind rund 140.000 Chemikalien auf dem europäischen Markt. Deren Risiken, Vor- und Nachteile sollte REACH ursprünglich ermitteln - umfassend. „Nach jahrelangem Gezerre und Gerangel mit der Industrie sind es dann letztlich 30.000 geworden“, kritisiert Greenpeace. Ausgerechnet ein eigenes Forschungsprojekt, die European Human Biomonitoring Initiative (HBM4EU) von 2017 bis 2022, https://www.hbm4eu.eu/wp-content/uploads/2022/05/HBM4EU-Newspaper.pdf führte der EU kürzlich vor Augen, wie weit es her ist mit REACHs „Schutz“funktion. Bei Kindern und Jugendlichen wies es derart hohe Konzentrationen von Kunststoffzusätzen wie Weichmachern oder poly- und perfluorierten Verbindungen (PFAS) nach, „dass gesundheitliche Schäden nicht mehr ausgeschlossen sind“. Im Rahmen ihres ehrgeizigen „Green Deal“ (13) – mit dem Ziel, bis 2050 giftfrei zu sein - wollte die EU-Kommission bis Ende 2022 einen Vorschlag vorlegen, wie REACH zu aktualisieren ist. Doch Lobbyisten bremsten erfolgreich – nun soll eine „gezielte Überarbeitung“ von REACH erst im vierten Quartal 2023 stattfinden. Wo kein Grenzwert, da keine Gefahr? Finden und kontrollieren lässt sich nur, wonach man sucht. Unsere Nahrungsmittel, unsere Atemluft, unser Trinkwasser sind mittlerweile voller Mikroplastik , winziger Kunststoffteilchen, im Bereich von Mikrometern (0,000 001 m) bis Nanometern (0,000 000 001 m), für das menschliche Auge unsichtbar. (Siehe KLARTEXT „ Mikroplastik in uns: eine Zeitbombe “.) In unseren Körper geraten, kann es sich in allen Organen und Geweben einlagern, selbst Zellwände durchdringen. Schützt uns der Staat davor? Im Sommer 2018 wollten das mehrere Abgeordnete der Grünen-Fraktion von der Bundesregierung wissen. Deren trostlose Auskunft: Ein Dreivierteljahr zuvor hatte das Bundesforschungsministerium, im Rahmen eines neuen „Schwerpunkts“ namens „Plastik in der Umwelt“, 18 Projekte mit insgesamt 35 Millionen Euro gefördert. Mit „100 beteiligten Institutionen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis“, so hieß es aus Berlin, sei dies „eine der größten Forschungsaktivitäten in diesem Bereich, auch im internationalen Vergleich“. Es „soll dem immer noch lückenhaften Kenntnisstand entgegenwirken.“ Geschieht dies wirklich? Allein schon die seltsam eingeschränkten Fragestellungen schüren Zweifel daran: Erst mal geht es bloß darum, geeignete „Untersuchungsmethoden“ herauszufinden, mit denen dann „biologische Wirkungen von Mikro- und Nanoplastik auf lebende Wasserorganismen“ erforscht werden. Aber wie steht es denn mit biologischen Wirkungen in unsereinem ? Don´t worry, eine Gefährdung gibt es nicht, jedenfalls gemäß unseren Regierenden. Laut Bundesumweltministerium ist sie „nach gegenwärtigem Wissensstand (…) nicht zu befürchten“. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wiegelt ab: Es gebe „keine gesicherten Erkenntnisse“. Immerhin untersuche es derzeit aber schon mal Miesmuscheln auf Mikroplastik – na also. Solche kleinstformatigen „Forschungen“ sind Augenwischerei, und falls daraus nahe des Sanktnimmerleintags Grenzwerte abgeleitet werden sollten, so wären sie es ebenfalls. Denn jede endlich beschlossene Schutzmaßnahme, jedes Limit, jede Kontrolle verringert oder verhindert irgendwann bloß weitere Mikroplastik-Einträge in die Umwelt. Die Kontamination unseres Planeten, die bereits stattgefunden hat, lässt sich jedoch nicht mehr rückgängig machen. Aus Meeren lässt sich Mikroplastik nicht herausfiltern. Belastete landwirtschaftliche Flächen lassen sich global weder reinigen noch austauschen. Ebenso bedrohlich für unsere Gesundheit sind Nanoteilchen: Verbünde von wenigen bis einigen tausend Atomen oder oder Molekülen, in der Regel 1 bis 100 Nanometer (nm) groß. (Zum Vergleich: Ein Nanometer entspricht zehn nebeneinanderliegenden Wasserstoffatomen; ein Bakterium ist tausendmal größer. Das Größenverhältnis eines Siliziumoxid-Nanopartikels und einem Fußball ähnelt dem von einem Fußball und der Erde.) Immer mehr Lebensmitteln werden sie zugesetzt, wie auch Kosmetika; sie stecken in Verpackungen, Lacken, Reifen, Zahnfüllungen, Impfstoffen, Trinkwasser, in Pestiziden und Dünger. Na und? „Eine Gefährdung von Mensch und Umwelt durch die derzeit verwendeten Nanomaterialien ist nicht nachweisbar“, beruhigt Wikipedia im Eintrag über „Nanoteilchen“ – unisono mit dem Verband der Chemischen Industrie (VCI): „Es gibt keine Hinweise auf eine spezifische (Öko-)Toxizität von industriell hergestellten Nanomaterialien (…) Die Nanoskaligkeit eines Stoffes an sich ist keine Gefahreneigenschaft. Nanospezifische Vorschriften sind deshalb nicht erforderlich.“ (15) Tatsächlich? Wie Mikroplastik, so bedrohen Nanopartikel sämtliche Organe und Funktionen des menschlichen Organismus - bis hinab auf die Ebene von Zellen, Zellkernen und Erbgut. Dennoch gibt es bis heute keinerlei Sonderregelungen für künstlich miniaturisierte Substanzen. Gilt ein Stoff als unbedenklich, dann auch beliebig kleine Teile davon. Verkannt wird dabei, dass Mikro-/Nanoisierung zu völlig neuen physikalischen und chemischen Eigenschaften führt. Eine um ein Vielfaches vergrößerte Oberfläche macht die Stoffe reaktions- und bindungsfreudiger. Und je kleiner ein Teilchen ist, desto leichter passiert es physiologische Barrieren wie die Blut-/Hirn-Schranke, die Plazentaschranke, die Darmwand und Zellmembranen. Wo bleiben Grenzwerte, die uns vor dieser monströsen Gefahr bewahren? Auf eine Anfrage des Hessischen Rundfunks hin erklärte die EU-Kommission 2013: Und so gibt es innerhalb der Europäischen Union bis heute nicht einmal eine Meldepflicht für künstliche Nanopartikel. Eine Zulassungs- und Kennzeichnungspflicht gilt lediglich für Nano-Zusätze in Lebensmitteln und Kosmetika – ansonsten finden keinerlei gesonderte Prüfverfahren statt. Sie wären wachstumsfeindlich, so warnt der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI): „Damit Deutschland der europäisch bedeutendste Standort für die Produktion und Anwendung von Nanomaterialien bleibt, sollten keine nanospezifischen regulatorischen Hindernisse aufgebaut werden.“ (16) Darum geht es. Zumindest die Versicherungsbranche scheint sich des wahren Ausmaßes der Nano-Gefahr längst vollauf bewusst. SwissRe, der weltgrößte Rückversicherer, unterscheidet drei Arten von neu auftauchenden Risiken. (17) Zu den „potentiell niedrigen“ Risiken zählt er soziale Unruhen, Ernteausfall, „Roboter unter uns“. Unter die „potentiell mittleren Risiken“ fallen für ihn Cyberangriffe, Epidemien, Schuldenkrisen, Versorgungsengpässe, Antibiotika-Resistenzen. Darüber hinaus rechnet er mit drei „potentiell hohen“ Risiken: Elektromagnetische Felder von Mobilfunkgeräten und –anlagen; „Endokrine Disruptoren“, hormonähnlich wirkende Chemikalien; und Nanotechnologie . Hier weist SwissRe auf „ unvorhergesehene Folgen “ hin. Denn „ Partikel in Nanogröße weisen im Vergleich zu größeren Partikeln desselben Stoffes einzigartige Eigenschaften auf. Das ermöglicht neue Anwendungen, kann aber auch neue Risiken mit sich bringen. Derzeit ist wenig über die Toxizität von Nanomaterialien oder das Potenzial für latente Krankheiten, die Arbeitnehmer und Verbraucher betreffen könnten. Zusätzliche Forschung zum Lebenszyklus von Nanomaterialien und Produkten, die Nanomaterialien enthalten, sind notwendig, um um die potenzielle Exposition besser einschätzen zu können. Es gibt jedoch einige Hinweise darauf, dass bestimmte Nanostrukturen sich in Geweben und Organen anreichern und von einzelnen Zellen aufgenommen werden können. Nachteilige Auswirkungen auf die Gesundheit wurden in Studien mit Materialien wie Kohlenstoff-Nanoröhren, Nanopartikeln aus Titandioxid oder Siliziumdioxid-Nanopartikeln festgestellt. Aufgrund der relativ unbekannten Umwelt-, Gesundheits- und Sicherheitsbelastungen, die von Nanomaterialien während ihres gesamten Lebenszyklus entstehen, stellt die Nanotechnologie die Versicherungsbranche vor große Herausforderungen. Von zentraler Bedeutung sind die verzögerten Auswirkungen, d.h. die Frage, ob Nanomaterialien eine latente Gefahr darstellen. Ähnlich wie im Fall von Asbest, kann es zu großen Verlusten bei der Produkthaftung, der Arbeiterunfallversicherung und der Umwelthaftpflichtversicherungen kommen .“ Wird der Staat irgendwann mit Nano-Geschädigten ebenso verfahren wie mit PostVac-Opfern des Corona-Regimes? Placebos zur Volksberuhigung Aus all diesen Gründen dienen Grenzwerte für Schadstoffe in erster Linie als Placebos zur Volksberuhigung: Der trügerische Anschein von wissenschaftlicher Erkenntnis und behördlicher Kontrolle sichert und verlängert das Geschäft mit medizinisch hochriskanten Produkten. Ein Musterbeispiel hierfür ist Asbest: Dass dieser Baustoff hochgradig kanzerogen ist, war Verantwortlichen spätestens im Jahre 1936 klar, als Asbestose, ein durch Asbest hervorgerufener Lungenkrebs, als Berufskrankheit anerkannt wurde. Trotzdem durfte Asbest in Deutschland weiterhin, bis in die siebziger Jahre hinein, höchst profitabel vertrieben werden; in beinahe jedem Gebäude kam es zum Einsatz. Erst nach 1981 galten Einsatzbeschränkungen, erst seit 1990 ist das gefährliche Material EU-weit verboten. Ähnlich lange dauerte es, bis Lindan und Formaldehyd, Polychlorierte Biphenyle (PCB) und Pentachlorphenol (PCP) endlich vom Markt verschwanden. Die Liste ließe sich beliebig fortführen. Absurde Umkehr der Beweislast Dass der Staat lieber die Interessen von Konzernen als die Gesundheit seiner Bürger schützt, verrät er daran, dass er eine absurde Umkehr der Beweislast zulässt. Sollte nicht derjenige, der uns einer giftigen Chemikalie aussetzt, vorher deren Unbedenklichkeit zweifelsfrei belegt haben? Müssen verantwortungsvolle Regierungen und Behörden bis dahin nicht strikt am Vorsorgeprinzip festhalten? Stattdessen darf der Produzent das Gift freisetzen, solange es keine unwiderlegbare „wissenschaftliche Evidenz“ dafür gibt, dass es uns tatsächlich schadet. Ein hieb- und stichfester Beweis, dass eine bestimmte Substanz eine bestimmte Krankheit erzeugt, ist naturgemäß nie zu erbringen – dafür sind die beteiligten Vorgänge im menschlichen Organismus viel zu komplex. Und immer spielen weitere Belastungsfaktoren mit, die sich ebenfalls für festgestellte Gesundheitsschäden verantwortlich machen lassen. (Dass es schier unmöglich sein kann, nicht genehme Evidenz auch nur öffentlich zur Diskussion zu stellen, mussten Kritiker von Lockdowns, Masken und Social Distancing, von PCR-Tests und als „Impfung“ getarnten Genspritzen in der unsäglichen Coronakrise erleben.) Konsequent umgesetzt, würde das Vorsorgeprinzip erfordern, „Nulltoleranz“ walten zu lassen: Künstliche Chemie darf in Lebens- und Futtermitteln erst gar nicht vorkommen, solange unklar ist, was sie über kurz oder lang in uns anrichtet. Entsprechende Verbote, so erläutert das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), erlasse der Gesetzgeber durchaus hin und wieder, um „Belastungen von Lebensmitteln auszuschließen, z.B. weil er dieRisiken für nicht ausreichend kalkulierbar bzw. für nicht tolerabel hält. (…) Auch bei unzureichender toxikologischer Datenlage “, so betont die Behörde, „oder bei hinreichendem Verdacht auf weitere mögliche gesundheitsschädliche Wirkungen können Nulltoleranzen festgesetzt werden“. (18) Sind diese Voraussetzungen bei chemischen oder hochfrequenten „Innovationen“ , mit denen Menschen in Kontakt kommen, etwa nicht immer erfüllt? Wie können wir uns schützen? Wie können wir unter solchen Umständen uns und unsere Liebsten überhaupt noch schützen? Indem wir größtmögliche Vorsicht walten lassen, offiziellen Verharmlosungen grundsätzlich misstrauen, bei beschwichtigenden Politikern und Experten grundsätzlich mit Lobbyismus und Korruption rechnen. Bei Kontakten mit Giftschleudern sollten wir auf alles Vermeidbare verzichten, um den unabsehbaren Schaden einigermaßen zu begrenzen, den das Unvermeidliche in uns anrichten könnte. Das gilt für Trinkwasser und Nahrung, für Waschmittel und Kosmetika, für Verpackungen und künstliche Strahlung, für Medikamente und Impfstoffe gleichermaßen. Wäre Außerirdischen unser Planet tatsächlich eine Beobachtungsmission wert, so würden sie staunend feststellen, dass hier offenkundig seit längerem ein globales Langzeitexperiment stattfindet, das Leib und Leben aller Erdbewohner bedroht. Die Studienfrage lautet anscheinend: Wie weitgehend muss diese Spezies vergiftet werden, um die Gesundheit möglichst vieler langfristig zu zerstören – ohne dass sie durchschaut, was mit ihr geschieht, und sich dagegen zur Wehr setzt? Was die Menschheit in geradezu apokalyptischem Maße bedroht, bedeutet für Wenige geradezu ein Geschenk des Himmels: für all jene nämlich, denen es umso besser geht, je schlechter es uns geht. Je mehr Menschen chronisch krank werden, je früher sie es tun, je länger sie es bleiben, desto prächtiger sprudeln die Gewinne von pharmazeutischer und medizintechnischer Industrie, von Apothekern, Klinik- und Pflegeheimbetreibern, von Laboren, von Therapeuten aller Art. Je mächtiger diese Profiteure, desto unwahrscheinlicher wird es, dass das Experiment ein baldiges Ende findet. Wird ET jemals aus dem Staunen herauskommen? ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen 1 https://www.q-s.de/pressemeldungen/verbraucher-vertrauen-der-sicherheit-von-lebensmit.html ; https://www.q-s.de/services/files/pressemeldungen/pm-2021/QS_Pressegrafik_Verbrauchervertrauen_Lebensmittelsicherheit_Deutschland_300dpi-RGB.jpg 2 Andreas Kortenkamp u.a.: „Low-Level Exposure to Multiple Chemicals: Reason for Human Health Concerns?“, Environmental Health Perspectives 115, No. Suppl. 1, Dezember 2007, https://doi.org/10.1289/ehp.9358 3 Zit. nach https://www.welt.de/wissenschaft/article170262846/Im-Koerper-kann-man-locker-300-Stoffe-nachweisen.html 5 O. Wassermann/A. Carsten: Die gesellschaftspolitische Relevanz der Umwelttoxikologie , Berlin 1986; siehe auch O. Wassermann u.a.: Die schleichende Vergiftung. Die Grenzen der Belastbarkeit sind erreicht , Frankfurt a. M. 1990. 6 Hermann H. Hahn/Thomas W. Holstein/Silke Leopold (Hrsg.): Risiko und Verantwortung in der modernen Gesellschaft , Berlin/Heidelberg/New York 2014, S. 22. 7 https://www.diagnose-funk.org/aktuelles/artikel-archiv/detail?newsid=1937 ; https://www.diagnose-funk.org/aktuelles/artikel-archiv/detail?newsid=1910 ; https://www.diagnose-funk.org/download.php?field=filename&id=1555&class=NewsDownload 8 Süddeutsche Zeitung Nr. 91, 20.4.2018, S. 1: „Reizender Badespaß“. 9 https://www.epo.org/about-us/annual-reports-statistics/annual-report/2012/statistics-trends/patent-applications_de.html#tab5 , abgerufen am 20.4.2018. 10 Zit. nach https://www.welt.de/wissenschaft/article170262846/Im-Koerper-kann-man-locker-300-Stoffe-nachweisen.html 11 Environmental Sciences Europe 2016; 28: 3, https://enveurope.springeropen.com/articles/10.1186/s12302-016-0070-0 ; JAMA Internal Medicine 2018;178(1):17-26 , https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2659557 12 http://www.gmwatch.org/en/news/latest-news/17932-exposure-prevalence-to-glyphosate-has-increased-500-since-introduction-of-gm-crops ) ( https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/_migrated/publications/20050600_chemie_schadstoffe_muttermilch_studie.pdf 13 Women Engage for a Common Future (WECF), 2022: “Vorsicht! PFAS. #NotWastingOurFuture”, https://www.wecf.org/de/wp-content/uploads/2018/10/Vorsicht_PFAS_22.pdf 14 Europäische Kommission (2019): „Mitteilung der Kommission - Der Europäische Grüne Deal“, COM(2019) 640 final, ( https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=celex:52019DC0640 15 https://www.vci.de/top-themen/nanomaterialien.jsp , abgerufen am 5.11.2018. 16 BDI-Broschüre „Herausforderungen aus Sicht der Industrie“, S. 12, https://bdi.eu/media/presse/publikationen/Herausforderungen_Forschungs-_Innovations-_und_Technologiepolitik.pdf 17 SwissRe SONAR: „Emerging Risik Insights“ (2022), https://www.swissre.com/institute/research/sonar/swiss-re-sonar-2013-emerging-risk-insights.html 18 Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): „Nulltoleranzen in Lebens- und Futtermitteln“, Positionspapier des BfR vom 12.3.2007, www.bfr.bund.de/cm/343/nulltoleranzen_in_lebens_und_futtermitteln.pdf .
- Eine unbequeme Wahrheit
Geimpfte Kinder sind kranker: Das belegt die aufwändigste Studie, die sich je diesem Thema widmete. Im US-Kongress sorgte sie für heftige Wortgefechte. Während pharmanahe Experten und Faktenchecker sie wie bestellt zerreißen, sehen Impfkritiker ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Warum verschwiegen die beteiligten Wissenschaftler ihre Ergebnisse – und erklären sie neuerdings für wertlos? Del Bigtree: der Name bürgt für scharfzüngige Attacken gegen Big Pharma vor größtmöglichem Publikum. In der Anti-Impfbewegung spielt der Emmy-preisgekrönte US-Fernseh- und Filmproduzent seit langem eine herausragende Rolle. Sein Informed Consent Action Network ( ICAN ), das sich als “Watchdog” des Gesundheitswesens versteht, setzt sich für informierte Zustimmung in medizinischen Entscheidungen ein. Bigtrees aufsehenerregender Dokumentarfilm Vaxxed: From Cover-Up to Catastrophe (2016) präsentierte Belege dafür, dass Impfstoffe Autismus fördern. Die Präsidentschaftskampagne von Robert F. Kennedy Jr. 2024 unterstützte er als angriffslustiger, rhetorisch brillanter “Kommunikationsdirektor”. Die MAHA-Initiative – Make America Healthy Again -, Kennedys Großprojekt als Gesundheitsminister, findet in Bigtree einen leidenschaftlichen Fürsprecher. Im Jahr 2016 wandte sich der charismatische Aktivist an eine der weltweit angesehensten medizinischen Einrichtungen: das gemeinnützige „Henry Ford Health System“ (HFHS), so benannt nach dem Autobauer Henry Ford, der es 1915 gründete. An über 550 Standorten im US-Bundesstaat Michigan betreibt es mit rund 50.000 Mitarbeitern Arztpraxen und 13 Krankenhäuser. Auch eine Krankenversicherung bietet es an. Darüber hinaus betreibt und fördert es Forschung, unter anderem an seinem Hauptsitz in Detroit, in Zusammenarbeit mit der Wayne State University School of Medicine. Den Leiter der dortigen Abteilung für Infektionskrankheiten, den Internisten Dr. Marcus J. Zervos , rief Bigtree dazu auf, „die bislang umfassendste Studie zum Vergleich zwischen geimpften und ungeimpften Personen” durchzuführen. Der Angesprochene ließ sich auf die Herausforderung tatsächlich ein. Zusammen mit drei weiteren HFHS-Medizinern nahm Zervos die gewünschte Studie in Angriff, um Bigtrees Impfskepsis zu widerlegen. Vier Jahre später, 2020, lag der Forschungsbericht vor - und verschwand in HFHS-Schubladen. Er blieb geheim, die Ergebnisse wurden vertuscht. Warum wohl? “Das könnte alles ändern” Doch Bigtree sorgte dafür, dass es dabei nicht blieb. Der New Yorker Rechtsanwalt Aaron Siri (1), der ICAN schon bei zahlreichen Klagen und Petitionen vertreten hatte, machte die Ergebnisse bei einer Anhörung im US-Senat am 9. September 2025 publik , wo sie prompt für einen heftigen Schlagabtausch sorgten. Große Medien griffen sie auf, im Internet gingen sie viral. Bigtree dokumentiert sie in seinem jüngsten Film An Inconvenient Study , der am 12. Oktober 2025 Premiere hatte. „ This could change everything “, hofft er. (Ein Trailer ist hier » abrufbar, der ganze 80-minütige Film hier » ) Auf die Frage „Warum sind immer mehr Kinder chronisch krank?“ gibt die Studie eine klare Antwort: Impfungen tragen maßgeblich dazu bei. Wie gingen die Forscher vor? Sie analysierten die Krankenakten von 18.468 Kindern, die zwischen 2000 und 2016 zur Welt gekommen waren. Von ihnen waren 1.957 ungeimpft. 16.511 hatten mindestens eine Impfung erhalten – im Durchschnitt 18. „Ausgeschlossen wurden Kinder mit Chromosomenanomalien, Zerebralparese, Mukoviszidose, Spina bifida, angeborenen Herzfehlern oder angeborenen Gehirn‑/neurologischen Erkrankungen bzw. anderen angeborenen Störungen, die bei oder nach der Geburt vorhanden bzw. entdeckt wurden. Ziel war es, langfristige Gesundheitsausgänge in einer im Wesentlichen gesunden Geburtskohorte zu beurteilen.” Im Vergleich beider Gruppen zeigte sich: Bestimmte chronische Erkrankungen traten bei geimpften Kindern deutlich häufiger auf als bei ungeimpften. Besonders deutlich zeigte sich dieser Zusammenhang bei Asthma, Neurodermitis, Heuschnupfen, allergischer Bindehautentzündung, Autoimmunerkrankungen, Ekzemen und neurologischen Entwicklungsstörungen. Ohrinfektionen traten unter geimpften Kindern sechs bis acht Mal häufiger auf. Trat bei keinem einzigen Ungeimpften auf – während landesweit 11 % aller Kinder betroffen sind. Weniger ausgeprägt, aber noch immer statistisch auffällig war der Zusammenhang mit Impfungen bei Anaphylaxie – der schlimmsten Form der akuten allergischen Reaktion, die lebensbedrohlich werden kann – und schweren Asthma-Attacken. (Hingegen ergaben sich bei Krebs, Autismus, motorischer Behinderung und Epilepsien keine signifikanten Assoziationen.) Das Ford-Team kommt zu dem Schluss: „Die Wahrscheinlichkeit, nach 10 Jahren Nachbeobachtung frei von einer chronischen Erkrankung zu sein, betrug 43 % in der geimpften Gruppe, gegenüber und 83 % in der ungeimpften. (…) Eine Impfexposition bei Kindern ist mit einer etwa 2,5‑fach erhöhten Wahrscheinlichkeit verbunden, eine chronische Gesundheitsstörung zu entwickeln, verglichen mit ungeimpften Kindern.” Damit bestätigen sich Befürchtungen, zu denen schon neun frühere Studien Anlass gaben. Absehbarer Gegenwind Prompt setzte heftiger Gegenwind ein. Die Ford-Studie sei “unwissenschaftlich” und nicht weiter ernstzunehmen, so bemängelten eifrige Verfechter “evidenzbasierter” Medizin: Jeffrey Morris (2), Professor für Öffentliche Gesundheit und Präventivmedizin an der University of Pennsylvania, und Jake Scott , ein Facharzt für Infektionskrankheiten und Dozent an der Stanford University School of Medicine. Auch “ Science Feedback ” schießt scharf: eine Faktenchecker-Agentur, die für Meta, Google und die EU-Kommission Desinformanten jagt. Was haben sie auszusetzen? Problematisch sei eine „ Erhebungsverzerrung “ wegen „großen Ungleichgewichten bei der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen“: Geimpfte Kinder suchen durchschnittlich sieben Mal pro Jahr eine Klinik auf, ungeimpfte hingegen nur zwei Mal. (Ein ähnliches Missverhältnis besteht bei Terminen in Arztpraxen.) Kein Wunder, dass Diagnosen bei Geimpften häufiger vorkommen: Ohne Arztkontakt kein Befund. Deshalb werden Erkrankungen bei Geimpften öfters erkannt, während sie bei Ungeimpften eher übersehen werden. Aber weshalb werden geimpfte Kinder um ein Vielfaches häufiger in Kliniken vorstellig? Die naheliegendste Vermutung: Eben weil sie häufiger krank sind. In der Zervos-Studie weist die geimpfte Gruppe einen deutlich höheren Anteil an Kindern mit niedrigem Geburtsgewicht, Frühgeburtlichkeit, Geburtstrauma und Atemnot bei der Geburt auf. Diese Faktoren, so wenden Kritiker ein, erhöhen das Risiko für zukünftige Erkrankungen – unabhängig von irgendwelchen Impfungen. Aber weshalb sind geimpfte Kinder schon bei der Geburt häufiger gehandicappt? Mütter, die mit “Piksen” für ihren Nachwuchs einverstanden sind, neigen eher dazu, sich selbst während der Schwangerschaft impfen zu lassen – mit zwangsläufigen Folgen für das werdende Leben, das sie in sich tragen. So vervielfachten die Covid-Genspritzen bei Schwangeren das Risiko für Spontanaborte, Früh- und Totgeburten sowie Missbildungen. (3) Ein weiterer Makel der Zervos-Studie, so heißt es, bestehe in unterschiedlichen Erhebungszeiträumen: Im Durchschnitt wurden die geimpften Kinder 2,7 Jahre lang nachbeobachtet, die ungeimpften bloß 1,3 Jahre. Dies schaffe bei den Geimpften „mehr Möglichkeiten für Diagnosen”, kritisiert Morris. Diese zeitliche Ungleichheit übersahen die Forscher aber nicht etwa, sondern trugen ihr Rechnung, indem sie mehrere Analysen für Untergruppen mit denselben Nachbeobachtungszeiträumen durchführten: ein Jahr, drei Jahre, fünf Jahre und länger. Auch dann wiesen die jeweiligen Gruppen geimpfter Kinder immer noch vergleichsweise höhere Erkrankungsraten auf. Alles in allem haften der Zervos-Studie angeblich “fatale Mängel” an, die ihre wissenschaftliche Aussagekraft gewaltig einschränke, so befinden Kritiker. Aber inwiefern ist das Design fehlerhaft? Immerhin orientierte es sich an offiziellen Richtlinien der US-Seuchenschutzbehörde CDC für Impfforschung. Wie, bitteschön, hätte sie denn “richtig” durchgeführt werden müssen? Darüber schweigen sich die Kritiker aus. Warum forschen sie nicht selber nach? Wissenschaft verlangt Replikation, nicht Gaslighting und PR-Exorzismus. Versuche, die Ford-Studie zu verunglimpfen, sind bisher jedenfalls kläglich gescheitert. Widerreden wie die von Scott und Murray kommen nicht deswegen zustande, weil eine Impfstudie zu dürftig war - sondern weil sie zu stark, zu überzeugend ausgefallen ist. Ihre Ergebnisse kommen gewissen Interessen in die Quere. Letztlich bestätigen die Kritiker unbeabsichtigt die wichtigste Botschaft von Bigtrees Film: Vor die Wahl gestellt, die eigene Karriere zu retten - selbst wenn man kurz vor der Pensionierung steht -, anstatt die Wahrheit zu sagen, bevorzugen Wissenschaftler allzu oft den unanständigen Weg. In der Impfstoff-Forschung bedeutet das: Man opfert die Gesundheit von Kindern, um Job, Prestige und Geldquellen zu retten. Rolle rückwärts Dieser Versuchung erlag offenbar das Zervos-Team selbst: Jahrelang verschwieg es, was es fand, und beschloss, es unter den Teppich zu kehren. Funktioniert so echte Wissenschaft? Zu Wort meldete es sich erst, als Del Bigtree sich traute, die Ergebnisse gleichwohl an die große Glocke zu hängen. Dies brachte die Verantwortlichen beim Henry Ford Health System auf die Palme: “Diese ‘Dokumentation’” (zwischen Anführungszeichen), so erklärte die Einrichtung, „behauptet fälschlicherweise und gefährlicherweise, das HFHS habe einen Entwurf einer Forschungsarbeit aufgrund ihrer Ergebnisse unterdrückt. Das HFHS verurteilt auch die gezielte Verdrehung von Informationen und die Verbreitung von Falschinformationen zu diesem Thema, die eine direkte Gefahr für die öffentliche Gesundheit darstellen. (…) Letztendlich wurde dieser Bericht nicht veröffentlicht, weil er nicht einmal annähernd den strengen wissenschaftlichen Standards entsprach, die wir [Henry Ford] verlangen.” Am 13. Oktober reichte das HFHS einen “ Faktencheck ” in eigener Sache nach, um “größten Mythen rund um die ‘Impfstoffstudie’ zu entlarven”. Die Vorsitzende der HFHS-Abteilung für Public Health Service in Detroit, Christine Cole Johnson, bezeichnete die “fatal fehlerhafte” Studie als “eine der schlechtesten, die ich je gesehen habe”. Ein weiterer HFHS-Kollege, der Gynökologe Dr. Adnan Munkarah – bei Henry Ford Health ist er Präsident der Clinical Enterprise & Chief Physician Executive , dort zuständig für strategische Ausrichtung und Koordination des medizinischen Personals – sah in der “ mit schwerwiegenden Mängeln behafteten ” Studie lediglich einen “Entwurf”, der “nicht einmal als Studie qualifiziert” sei. In Wahrheit – spätestens jetzt wird es haarsträubend - hätten die Daten der Zervos-Gruppe “durchweg gezeigt, dass Impfungen ein sicherer und wirksamer Weg sind, um Kinder vor potenziell lebensverändernden Krankheiten zu schützen.” Im Ernst? Nachträglich sich selber “faktenchecken”, um blamiert dazustehen: darauf muss man erst mal kommen. Und falls der erste Anlauf tatsächlich schiefging: Wieso nahm Zervos nicht unverzüglich einen besseren zweiten? Warum verzichtete er auf eine Replikation, die frei von den angeblichen “fatalen Mängeln” ist? Weshalb hat er diese nicht von Anfang an vermieden? Del Bigtree ist fassungslos : „Das Unglaubliche daran ist, dass ein impfstofffreundlicher Wissenschaftler einer impfstofffreundlichen medizinischen Einrichtung eine Studie durchgeführt hat, um ‘Impfgegner’ zu widerlegen, stattdessen aber eine der vernichtendsten Anklagen gegen das Impfprogramm überhaupt vorgebracht hat. Wir stehen vor einer Krise der Transparenz im Gesundheitswesen, und die Bevölkerung hat ein Recht darauf, jetzt die Wahrheit zu erfahren.“ Wer diese Wahrheit unterdrückt, gefährdet die Gesundheit und das Leben von Millionen von Kindern. Ein medizinisches Establishment, das dazu nickt und schweigt, macht sich mitschuldig. Das Entsetzen darüber teilt der US-Unternehmer und Impfkritiker Steve Kirsch, der in den Coronajahren zu einem der weltweit meistbeachteten Blogger in Sachen Gesundheitswesen aufstieg: “Das Henry Ford Hospital und das Zervos-Forschungsteam vermitteln der Welt, dass Wissenschaftler korrupt sind. Immer wenn es eine Erkenntnis gibt, die der offiziellen Darstellung widerspricht, wird sie begraben, um den Arbeitsplatz zu sichern. Sie behaupten, sich um die öffentliche Gesundheit zu kümmern, aber wenn das ihre Karriere gefährdet, hat diese Vorrang. Das ist eine schreckliche Botschaft.” Eine Interviewanfrage von Kirsch ließ die Pressestelle des HFHS unbeantwortet. “Können Sie bitte erklären, warum diese Ablehnung im besten Interesse der Öffentlichkeit liegt und die Unklarheiten beseitigt?”, schrieb Kirsch daraufhin dem dortigen “ Chief Scientific Officer ”. Reaktion: null. Auf den Punkt brachte es der amerikanische Schriftsteller Upton Sinclair schon vor 90 Jahren: „Es ist schwierig, einem Menschen etwas verständlich zu machen, wenn sein Gehalt davon abhängt, dass er es nicht versteht.“ (4) ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1) In seiner Streitschrift Vaccines, Amen , erschienen im September 2025, widerlegt Aaron Siri die wesentlichen Überzeugungen, die Anhänger der Impfstoffreligion teilen, und zeigt auf, wie ihre Meinungen manipuliert wurden. Ab Seite 242 legt Siri bisher unbekannte Informationen über die Zervos-Studie offen. Er zeigt auf, dass die Ford-Klinik mehr Wert auf ihren Ruf in der wissenschaftlichen Gemeinschaft legt als darauf, mit der Wahrheit über die Schäden von Impfstoffen herauszurücken. Die Autoren der Studie hatten ursprünglich vor, sie zu veröffentlichen, wurden jedoch daran gehindert. (2) Siehe https://theconversation.com/why-a-study-claiming-vaccines-cause-chronic-illness-is-severely-flawed-a-biostatistician-explains-the-biases-and-unsupported-conclusions-265470 und https://x.com/jsm2334/status/1966282058612838632 (3) Siehe https://www.epochtimes.de/gesundheit/bis-zu-90-prozent-fehlgeburten-forscher-fordern-impfstopp-fuer-schwangere-a3644984.html , https://politikstube.com/grossbritannien-zahl-der-frauen-die-nach-der-impfung-fehlgeburten-hatten-steigt-um-2-000-prozent/ , https://articles.mercola.com/sites/articles/archive/2022/08/30/covid-vaccine-pregnant-woman.aspx?ui=d503235325038e7b4f1f46eb68a48ff02ee0b104fe815572e6d5504e6da7c48e&sd=20200215&cid_source=dnl&cid_medium=email&cid_content=art1ReadMore&cid=20220830&mid=DM1249705&rid=1590480599 , https://reitschuster.de/post/deutlich-erhoehtes-risiko-von-spontanaborten-bei-geimpften/ (4) Upton Sinclair, I, Candidate for Governor: And How I Got Licked (1935), S. 109.
- Wer im Glashaus sitzt ...
Wie kommt ausgerechnet Deutschlands oberster Desinformant der Coronajahre dazu, dem US-Gesundheitsminister Inkompetenz zu unterstellen? Wer der anscheinend unerschütterlichen Selbsteinschätzung von Karl Lauterbach folgt und ihn weiterhin für einen seriösen Arzt und Politiker hält, der hat während der Coronajahre vermutlich konsequent weggehört, wann immer der damalige Bundesgesundheitsminister reihenweise Äußerungen von sich gab, die nicht belegbar, teilweise sogar grob unwissenschaftlich waren. Wie kommt dieser notorische Desinformant dazu, weiterhin mit dem Nimbus der Wissenschaftlichkeit aufzutreten und jemanden wie Robert F. Kennedy Jr. herabzuwürdigen, der seinen medizinischen Sachverstand in zahlreichen Publikationen unter Beweis gestellt hat? Hat Lauterbach jemals ein Sachbuch der Qualität von “ Geimpft versus ungeimpft ” und “ Das wahre Gesicht des Dr. Fauci” veröffentlicht? Welche “Verschwörungsphantasien” haben sich inzwischen denn nicht bewahrheitet? Welche der gefeuerten “besten Vorbeugemediziner” Amerikas waren mit Big Pharma nicht finanziell verbandelt? Beschert uns die nächste Pandemie nicht eher eine Katastrophe, wenn man uns dem haarsträubenden, lobbygesteuerten Krisenmanagement der WHO ausliefert? Wie viele “Piks”-Opfer , tote und chronisch kranke, wären Deutschland erspart geblieben, wenn ein Gesundheitsminister den unerprobten Corona-Genspritzen mit der nötigen Skepsis begegnet wäre, statt sie als nebenwirkungsfrei anzupreisen? Bräuchten wir etwa keinen Gesundheitsminister, der genügend Mut, Kraft und Visionen für ein “MGHA”-Programm aufbringt – Make Germany Healthy Again -, wie Kennedy der Epidemie chronischer Krankheiten entschlossen den Kampf ansagt und endlich nach wissenschaftlichen Standards überprüfen lässt, wie wirksam und sicher Impfungen in Wahrheit sind? Hier ein paar besonders eindrucksvolle “Kompetenz”nachweise aus mehreren tausend Lauterbach-Tweets: “ Eine Impflicht macht bei SarsCov2 so wenig Sinn wie bei Grippe. Wenn die Impfung gut wirkt wird sie auch freiwillig gemacht. Dann keine Impflicht nötig. Wenn sie viele Nebenwirkungen hat oder nicht so gut wirkt verbietet sich Impflicht. Daher nie sinnvoll .” ( Twitter 16.5.2020 .) Hier fehlt nicht bloß drei Mal ein "pf", sondern offenkundig auch ein Anker fürs Langzeitgedächtnis des Tweet-Verfassers. Aus einer Studie der US-Seuchenschutzbehörde CDC schließt Lauterbach, dass Restaurantaufenthalte und Cafébesuche das Risiko einer Corona-Infektion "mehr als verdoppeln", sogar "Terrassenbesuche" erhöhen das Risiko. In Wahrheit unterschied die Untersuchung aber nicht zwischen Innen- und Außengastronomie. (Twitter am 12.9.2020, zit. hier .) “ Schulen sind Treiber der 2. Welle, dort gibt es Superspreading. (…) Expertin für Kinder-Covid: Schulen sind Cluster, treiben Pandemie, Studienlage klar .” (Twitter 24.11.2020, zit. hier .) Von wegen "klar" - da standen die falschen Sündenböcke am Pranger, mit fatalen Folgen für sie. Näheres hier und hier . “ Kai Nagel TU Berlin modelliert 2000 Inzidenz im Mai. Dies würde massive Zunahme der Covid Toten und Invaliden bedeuten ", schreibt Lauterbach – und leitet daraus auch eine eindeutige politische Schlussfolgerung ab. "Wir brauchen daher Ausgangssperre ab 20 Uhr." ( Twitter, 25.3.2021 ). Die zweite Welle brach im April, und im Mai fiel die Inzidenz unter die Marke von 100. „ Es geht darum, weshalb eine Minderheit der Gesellschaft eine nebenwirkungsfreue Impfung nicht will, obwohl sie gratis ist und ihr Leben und das vieler anderer retten kann .“ (Twitter 14.8.2021) " Klar ist aber, dass die meisten Ungeimpften von heute bis dahin entweder geimpft, genesen oder leider verstorben sind, denn das Infektionsgeschehen mit schweren Verläufen betrifft vor allem Impfverweigerer .“ (Ende Oktober 2021, zit. hier .) „ Deutschland hat jetzt höchste Corona Inzidenz in Europa. Tendenz steigt, viele Tote .“ (Mitte März 2022, zit. hier .) „ Viele 40-80 Jährige werden einen Moment der Unachtsamkeit mit dem Tod oder Invalidität bezahlen. Junge Männer werden von Sportlern zu Lungenkranken mit Potenzproblemen. Frauen leiden oft unter Chronischem Erschöpfungssyndrom oder Tinnitus. Das hört niemand gerne, ist aber so .“ ( Twitter, 26.3.2021 ) “ Es geht darum, weshalb eine Minderheit der Gesellschaft eine nebenwirkungsfreie Impfung nicht will, obwohl sie gratis ist und ihr Leben und das vieler anderer retten kann .” ( Twitter, 14.8.2021 ) “ Späte Impfnebenwirkungen gibt es nicht .” ( Twitter, 5.10.2021 ) “ Bei Kindern im Alter 12-15 war BionTech zu 100% wirksam gegen Covid ohne Nebenwirkungen. Alles spricht für die Impfung von Kindern .” (Twitter, 22.11.2021) „ Es wird ja niemand gegen seinen Willen geimpft. Selbst die Impfpflicht führt ja dazu, daß man sich zum Schluss freiwillig impfen lässt .“ ( 19.1.2022 ) In Großbritannien “ist der Impfschutz ist so hoch, sie können die Tür ein Stück weit öffnen, aber wir können es nicht “. (Im Januar 2022 bei Markus Lanz, anzusehen hier ab 00:37:00.) Die tatsächlichen Impfquoten zu jener Zeit: 71,4 % in Großbritannien (54,4 % geboostert), 72,7 % in Deutschland (47,6 % geboostert). “ Wir müssen vermitteln, was ja auch so ist: Die Impfungen sind halt mehr oder weniger nebenwirkungsfrei. Das muss immer wieder gesagt werden .“ ( Twitter, 13.2.2022 ) “ Es ist durchaus möglich, dass wir eine hochansteckende Omikron-Variante bekommen, die so tödlich wie Delta ist. Das wäre eine absolute Killervariante ." (17.4.2022, zit. hier .) „ Für alle, die noch immer im Unklaren sind, ob Masken gegen COVID schützen: Hier eine neue amerikanische Mega-Studie, die über 1.700 Studien auswertet. Der Nutzen der Masken ist sehr groß, unumstritten und gilt für viele Bereiche .” ( Twitter, 31.7.2022 .) Hingegen zeigen Hunderte Studien: Masken sind uneffektiv und gesundheitsschädlich, siehe z.B. hier und hier . Aber Lauterbachs "Mega-Studie"? Für sie waren zunächst 1.700 Studien ausgewählt, die meisten aber als minderwertig eingestuft worden. Bloß 61 kamen in die engere Auswahl, am Ende waren es 13, die für eine genaue Analyse in Betracht kamen. Im übrigen handelte sich um eine PrePrint- Studie, war also noch nicht von Fachleuten bewertet worden. Am Ende blieben 243 Patienten übrig – eine für wissenschaftliche Arbeiten sehr geringe Anzahl. "Lauterbach hat sich die Arbeit offensichtlich gar nicht angeschaut", vermutet Medizinstatistiker Gerd Antes. " Bin leider trotz großer Vorsicht an Corona erkrankt. Trotz 4. Impfung. Die Symptome sind noch leicht. Zur Vermeidung von Komplikationen nehme ich Paxlovid ." ( Twitter, 5.8.2022 ) Welche Schlüsse zog Lauterbach daraus bezüglich der Schutzwirkung der “Impfung”? Ein User mit dem Nicknamen "Professor Normal" schrieb: "Die Impfung schützt zuverlässig. Die 2. Impfung schützt zuverlässig. Die 3. Impfung schützt zuverlässig. Die 4. Impfung schützt zuverlässig. Manchmal weiß ich nicht, ob ich weinen oder lachen soll." “ Mit Regeln für den Herbst werden Maskenpflicht im Innenraum, Tests, neue Impfstoffe und Obergrenzen in Innenräumen ermöglicht wenn nötig. Viele wollen davon nichts mehr hören. Schon jetzt haben wir 100 Coronatote pro Tag, zu viele. Solidarität muss sein .” ( Twitter, 24.8.2022 ) “ In Deutschland wird COVID Medikament Paxlovid viel zu selten eingesetzt. Es könnte vielen das Leben retten. Daher wird Verschreibung jetzt einfach: Anruf beim Arzt mit Test und Symptomen, dann kann Bote kommen. Oder Gang zum Arzt: der händigt Paxlovid aus .” ( Twitter, 25.8.2022 ) “ In Israel zeigt Paxlovid bei Ü65 Senkung der Krankenhauseinweisungen von 75%. Auch bei Geimpften ähnlich wirksam. Wenn Paxlovid im Herbst schnell und gezielt eingesetzt wird kann es erheblich dazu beitragen, dass Krankenhäuser nicht überlastet werden ." ( Twitter 3.9.2022 ) Ende 2021 erreichte Pfizer für sein antivirales Medikament Paxlovid die Notfallzulassung in den USA und Europa. Als signifikant wirksam hatte es sich aber allenfalls bei ungeimpften Hochrisikopatienten erwiesen – aus dieser Gruppe waren aber schon fast alle geimpft, als Paxlovid verfügbar wurde. Paxlovid im Jahr 2022 flächendeckend einzusetzen, war deshalb nie gerechtfertigt . Demgegenüber stehen massive Nebenwirkungen wie Leberschäden, allergische Reaktionen bis hin zu anaphylaktischen Schocks sowie lebensgefährliche Blutgerinnsel, die Lauterbach verschwieg. (Siehe hier und hier .) " Paxlovid Tabletten, kurz nach Infektion bei Älteren eingesetzt, senken Krankenhauseinweisung um 90%. Es wird ein System mit Hausärzten vorbereitet, diese viel zu seltene COVID Lebensrettung regelmäßiger einzusetzen ." ( Twitter, 3.7.2022 ) " Es ist bedenklich, was wir bei Menschen beobachten, die mehrere Corona-Infektionen gehabt haben. Studien zeigen mittlerweile sehr deutlich, dass die Betroffenen es häufig mit einer nicht mehr zu heilenden Immunschwäche zu tun haben ." (In der “ Rheinischen Post ” Mitte Januar 2023.) „ Es verdichten sich die Studienhinweise, dass Long-Covid oft mit andauernder Entzündung des Gehirns einhergeht .” ( Twitter, 6.6.2022 ) Besagte Studie der Universität Amsterdam hatte exakt zwei Probanden, die Kontrollgruppe bestand aus drei Personen. Wolfgang Kubicki kommentierte auf seiner Facebook-Seite : „Eine Studie mit zwei Probanden heranzuziehen, wäre vermutlich selbst jedem Shampoo-Hersteller für Werbezwecke zu peinlich.” Obwohl die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln im Februar 2023 endete, riet Lauterbach: “ Trotzdem sollte man freiwillig Maske tragen. Ich tue es auch. Um kein Long Covid zu riskieren und andere zu schützen ." ( Twitter 1.2.2023 .) Wiederholt berief sich Lauterbach auf Aussagen und Tweets eines gewissen Eric Feigl-Ding (1) – angeblich ein “profilierter” amerikanischer Epidemiologe und Gesundheitsökonom, der an der Harvard Medical School geforscht und gelehrt haben soll. So verbreitete er kritiklos-unüberprüft Beiträge von Feigl-Ding bezüglich der Gefährlichkeit bestimmter Virusvarianten oder Pandemieentwicklungen; In Floridas Krankenhäusern, so will er recherchiert haben, stapelten sich aufgrund laschen Seuchenschutzes die Särge von Corona-Infizierten bis zur Decke hinauf. (2) Dabei galt Feigl-Ding unter Kollegen längst als unseriöser Alarmist, in dem die “Covid-Heulboje” Lauterbach (O-Ton Oskar Lafontaine) anscheinend einen Bruder im Geiste fand. Zahlreiche Kollegen kritisieren seine Posts als übertrieben, ungenau und irreführend. Tara Smith, Infektiologin der University of Arizona, bezeichnete Feigl-Ding als "eine konstante Quelle von Wissenschafts-Fehlinformation". Eine Virologin der Columbia University, Angela Rasmussen, fand in seinen Beiträgen ein wiederkehrendes Muster: Er poste spektakuläre Aussagen ohne Kontext („ sensational and out of context “), wichtige Einschränkungen („ caveats “) tauchten erst später im Thread auf. Dieses Vorgehen scheint vor allem darauf aus, Aufmerksamkeit, Klicks und Follower zu generieren. Rasmussen schreibt: „Das ist sein modus operandi : Er tweetet etwas Sensationelles, lässt wichtige Vorbehalte weiter unten verschwinden und beobachtet, wie die Klicks und Retweets kommen.“ Die Zeitschrift Health Journalism weist darauf hin, Feigl-Ding habe “überhaupt keine wissenschaftliche Erfahrung” mit Infektionskrankheiten – wie übrigens auch Lauterbach -, somit mangle es ihm an Qualifikation, fundierte Kommentare abzugeben. Er betreibe epistemic trespassing , d.h. er verlasse sein Fachgebiet. Das Online-Magazin The Daily Beast wirft ihm “ Fearmongering hyperbole ” vor – Panikmache und Übertreibungen -, mittels überspitzter Sprache (“„ thermonuclear pandemic level “) als bevorzugtem Stilmittel. Der Harvard-Epidemiologe Marc Lipsitch nennt ihn einen „Scharlatan, der eine dürftige Verbindung zu Infektionsepidemiologie für Selbstpromotion ausnutzt“; er poste „80 % konventionelles Wissen, 20 % verrückte Pseudowissenschaft“ und sei zu „100 % derivativ“ – von irgendwoher abgeleitet statt selber erforscht. Was sagt es über Karl Lauterbach aus, aus einer solchen Quelle schöpfen zu müssen? Wer im Glashaus sitzt, sollte selbst im schlechtesten Film nicht mit Steinen werfen. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1) https://www.bz-berlin.de/deutschland/lauterbach-warnt-wieder-vor-corona ; https://x.com/karl_lauterbach/status/1690408278499405824 ; https://x.com/karl_lauterbach/status/1605116782678872064 , https://x.com/Karl_Lauterbach/status/1350781825896091648 , https://x.com/Karl_Lauterbach/status/1383469720058286097 , https://x.com/Karl_Lauterbach/status/1427777634755297285 , https://x.com/Karl_Lauterbach/status/1464179597709393937 , https://x.com/Karl_Lauterbach/status/1469725500016893955 , https://x.com/Karl_Lauterbach/status/1466843683114950665 (2) https://www.infosperber.ch/gesundheit/mpox-professoren-verbreiteten-falschinformationen-auf-twitter/ , https://www.merkur.de/politik/corona-eskalation-new-york-lauterbach-twitter-92458749.html
- Hoffnungslos? Von wegen.
Wie jeder Schulmediziner zu wissen glaubt, schreitet die gefürchtete Nervenkrankheit ALS unerbittlich und unumkehrbar fort – zum sicheren Tod, ausnahmslos. Stillstand, Besserung, oder gar Heilung? Unmöglich. Ausgerechnet ein betroffener Arzt lässt sich trotzdem auf einen Geistheiler ein, wird „fernbehandelt“ – und schlagartig lassen seine Symptome nach. Ebenso Wundersames erleben weitere Patienten. Ein Hoffnungsschimmer? English version here » Heimtückisch schleichend beginnt sie, die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). (1) Erstes Anzeichen ist oft Muskelschwäche, meist in einer Hand, einem Arm oder Bein: Immer öfter stolpert man, lässt Gegenstände fallen. Heben und Tragen, Aufstehen und Treppensteigen werden mühsam. Die Feinmotorik ist zunehmend gestört – Auf- und Zuknöpfen, Nähen, Schreiben, Zeichnen, das Binden von Schnürsenkeln fallen seltsam schwer; man greift unsicher nach kleinen Objekten wie Nadeln und Büroklammern, hantiert ungeschickt mit Besteck. Muskeln zucken. Früher oder später sind Sprechen und Schlucken beeinträchtigt. Im weiteren Verlauf breiten sich Lähmungen und Muskelschwäche von einzelnen Körperregionen auf andere aus. Schließlich erfassen sie die Atemmuskulatur. Warum? Bei ALS sterben Motoneuronen – jene Nervenzellen, die für Bewegung zuständig sind – im Gehirn und Rückenmark nach und nach ab. Dadurch verlieren Muskeln ihre Steuerung, werden schwächer, bauen ab. ALS verläuft individuell unterschiedlich, aber immer fortschreitend, so heißt es – von ersten Symptomen bis zur vollständigen Lähmung aller willkürlichen Muskeln, oft mit Atemversagen als Todesursache. “Wie eine brennende Kerze” Denken und Gedächtnis, Gefühle und Sinneswahrnehmungen sind in der Regel nicht beeinträchtigt. ALS-Patienten erleben ihren gnadenlosen Verfall deshalb bis zuletzt bei vollem Bewusstsein. „ALS ist wie eine brennende Kerze”, sagte der US-Soziologe Morrie Schwartz, selbst ein Betroffener, kurz vor seinem Tod: “Sie schmilzt deine Nerven und lässt deinen Körper als Wachs zurück ... du kannst dich nicht mehr selbst tragen ... du kannst nicht mehr gerade sitzen. Am Ende, wenn du noch lebst, ist deine Seele, vollkommen wach, in einem schlaffen Körper eingesperrt ... wie in einem Science-Fiction-Film, der Mensch, gefangen im eigenen Fleisch.“ (2) Von 100.000 Menschen sind 3 bis 8 betroffen - 6000 bis 9000 allein in Deutschland (3), weltweit bis zu 640.000. Hoffnungslos? Droht ihnen allen ein vorzeitiges, qualvolles Sterben? Ja, zumindest aus Sicht der Schulmedizin. Spontane, gar dauerhafte Verbesserungen von ALS sind ihr nicht bekannt. Physiotherapie und Logopädie können Symptome anfangs zwar ein wenig lindern, Lebensqualität verbessern und Funktionen eine Weile einigermaßen erhalten. Doch keine Therapie, kein Medikament vermag die Krankheit zu stoppen, geschweige denn umzukehren. ALS gilt als unheilbar, irreversibel und progredient. Betroffener Arzt setzt auf Geistiges Heilen Was es bedeutet, in eine solche Notlage zu geraten, muss Dr. Werner Herbig* niemand erst noch erklären. Der 78-Jährige, Vater von fünf Kindern, ist Facharzt für Allgemein- und Sportmedizin, fast 50 Jahre lang in eigener Praxis – nun aber „mit dem schulmedizinischen Latein am Ende“, so bekennt er. „Polyneuropathie beider Füße, zunehmende Gangunsicherheit, inzwischen Schwäche der Beinmuskulatur, chronifiziert Wirbelsäulenschmerzen und zunehmende Angst vor dem Rollstuhl.“ Seine Selbstdiagnose: ALS. Was tun, wenn ärztliche Kunst an ihre Grenzen stößt? Darüber hinausgehen, statt stehenzubleiben. Dr. Herbig versuchte es mit der wohl umstrittensten aller „alternativen“ Heilweisen, die so gut wie alle seine Kollegen als esoterischen Quatsch abtun: Geistiges Heilen . Was er ihnen voraushat, sind Neugier, Offenheit und Bescheidwissen. Zahlreiche Fort- und Weiterbildungen hatten ihn mit erfahrungsheilkundlich-energetischer Medizin bereits vertraut gemacht: von Bioresonanz über Kinesiologie bis Quantenheilung, Healing Code und Healing Hands . Und so fiel es Dr. Herbig nicht sonderlich schwer, sich einem medizinischen Laien wie Ferry Tufeis anzuvertrauen. Seit der gebürtige Ungar, 1966 geboren, im Jahr 2016 zu praktizieren begann, gilt er für vermeintlich unheilbare Patienten aus aller Welt als Geheimtipp. Rund 7000 behandelte er bisher. Dass er tausende Kilometer von ihnen entfernt wohnt – in Ostasien -, beeinträchtigt Erfolge anscheinend nicht im geringsten. Dabei konzentriert sich der Heiler auf Lähmungen aller Art, aufgrund besonders schwerer Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparats; überwiegend gelten sie als unumkehrbar und verschlimmern sich oft unerbittlich: von Wirbelsäulenleiden über Rheumatoide Arthritis und Multiple Sklerose bis hin zu Lähmungen nach Unfall oder Schlaganfall – und eben auch Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und andere Motoneuron-Erkrankungen. So sicher ist sich Ferry Tufeis seiner Fähigkeiten, dass er sich im Frühjahr 2025 auf einen außergewöhnlichen Test einließ, nachdem er Kontakt zu meiner Stiftung Auswege aufgenommen hatte: Er erklärte sich bereit, Personen mit Lähmungen mehrere kostenlose Probebehandlungen anzubieten. Vier Interessenten ließen sich darauf ein. Was kam dabei heraus? Kurzum: eine Erfolgsquote von 100 %. “Du bist wie neu!” Dies gibt auch Dr. Herbig zu denken. Was hat er schon zu verlieren? Kurz entschlossen setzt er sich mit dem außergewöhnlichen Heiler in Verbindung – und schon am darauffolgenden Tag, dem 20. Juni 2025, beginnt die Fernbehandlung. Fünf Tage später, nach der vierten Sitzung, berichtet der Arzt im Telegrammstil: „Beine insgesamt 50% besser, Gang auf Treppe nach oben bei 80% von normal, nach unten 60% von normal, freihändig. Gang insgesamt ‚beschwingter‘, sicherer. Mental plus 50%, gelegentliche kurze Stimmungseinbrüche.“ Ein vielversprechender Anfang. Und nach der fünften Sitzung? Am 28. Juni schildert der Arzt in Stichworten, wie für ihn die letzten drei Tage verlaufen sind: „Füße, Beine: gut, gleichbleibend 80 %. Treppe stagniert bei ungefähr 80%. Weiteres Gehen: nach ca. 300 Metern Ziehen im Rücken rechts unten, löst sich beim weitergehen, Gehstrecke um 100 % verbessert. Wirbelsäule: beim morgendlichen Aufstehen weiterhin Schmerzen rechts unten, dauern ca. 3 Stunden. Mental: Verbesserung um 100 % - gelöste, lockere, positive Stimmung. Am Abend nach unserer fünften Sitzung sagte meine Liebste“ , eine Heilpraktikerin und ehemalige Krankenschwester: „‚Du bist wie neu!‘ Auf ihre Frage ‚Bist du glücklich?‘ konnte ich nach vielen Monaten erstmals ganz ehrlich sagen: JA!“ (In Großbuchstaben.) So viel neue Kraft und Zuversicht schöpfte der Arzt – innerhalb von gerade mal acht Tagen Fernheilen -, dass er nun auf weitere Sitzungen erst mal verzichtet. Nach Tufeis‘ Instruktionen möchte er sich alleine weiterbehandeln. „Und jetzt ist das vorbei!“ – Heilerfolge machen ALS-Patientin „glücklich“ Neue Hoffnung schöpft auch Rita Neumann*. Dass sie ALS hat, eröffnete ihr ein Neurologe der Uniklinik Gießen Anfang Dezember 2024 – ein Jahr nachdem ein erstes Anzeichen auftrat, eine Fußheberschwäche: „Der rechte Fuß ließ sich nicht abrollen, Fersenstand war nicht mehr möglich, der Fuß drehte sich leicht nach innen.“ Ungefähr ein halbes Jahr später „konnte ich den rechten Fuß nicht mehr bewusst steuern, die Kraft im Fuß ließ nach, und nach und nach im gesamten rechten Bein.“ Bald darauf wird auch das linke Bein schwächer. Gleichgewichtsstörungen beim Stehen und Gehen beginnen. Ende 2024 setzen in allen Gliedmaßen feine Zuckungen ein. Arme und Hände verlieren an Kraft, die Feinmotorik beginnt nachzulassen. Und erstmals hat Rita beim Atmen Schwierigkeiten. Vorübergehend Erleichterung verschafft ihr ein Geistheiler aus dem Harz, von dem sie sich ab Anfang 2025 ein Vierteljahr lang behandeln lässt. „In den ersten vier Wochen verringerten sich drei Symptome und eines verschwand sogar ganz“, erinnert sich Rita. „Ich war unsagbar erleichtert und sehr dankbar! Doch ab Ende Februar stagnierten die Heilerfolge, und meine größte Einschränkung, die Schwäche in den Beinen, verschlimmerte sich weiter. Von Woche zu Woche konnte ich schlechter laufen, und auch in den Armen und Händen ließ die heilende Wirkung nach. Kleine Gegenstände fielen mir wieder öfter aus der Hand, und ich hatte Schwierigkeiten, auf einer Tastatur die richtigen Buchstaben zu treffen, am Laptop und vor allem am Handy. Ab März „gab es nicht nur einen Stillstand, sondern einen Rückschritt“, berichtet die Patientin. „Die Nervenzellen sterben weiter ab, das merke ich an den leichten, typischen Nervenzuckungen, die wieder häufiger auftreten, in Armen, Beinen und im Rumpf. Das Gehen wird viel schlechter. Fast wöchentlich kann ich hier eine Verschlechterung feststellen. Auch die Gleichgewichtsstörungen werden schlimmer. Wenn ich still stehen will, schwanke ich, und wenn ich gehen will, wanke und hinke ich.“ „Wie ein Lichtschimmer am dunklen Horizont“ „Wie ein Lichtschimmer, der am dunklen Horizont auftaucht“, ist für Rita in dieser Situation ein Internet-Artikel über Ferry Tufeis. Am 12. Juni findet eine erste Fernbehandlung statt; bis 1. Juli 2025 folgen ihr 19 weitere, per Video-Telefonie, immer zur selben Uhrzeit. „Bereits bei der ersten Sitzung fand ich Herrn Tufeis sympathisch, und schon bald hatte er mein Vertrauen gewonnen, getragen von Zuneigung und Respekt. Er geht sehr methodisch vor. Dazu gehört auch, dass der Patient nach jeder Sitzung seine Fortschritte, aber auch eventuelle Rückschritte protokolliert und ihm den Kurzbericht per E-Mail zuschickt. So hat er einen Überblick über den Heilungsprozess und weiß, woran er noch arbeiten muss, sprich welche Körperteile des Patienten er schwerpunktmäßig behandeln muss.“ Gleich nach dem ersten Termin schildert die 70-jährige ALS-Kranke ihrem Heiler, was sie erlebt hat: „Unmittelbar danach war ich total erschöpft, bin früh zu Bett gegangen und schlief zehn Stunden durch. Verbessert haben sich: - Anheben des rechten Beins, um 30% - Gleichgewicht beim Stehen und Gehen und auch Bücken, um 20%. - Schmerzen im rechten Knie bei jedem Schritt, um 50% Gleichgeblieben sind Schmerzen im Ringfinger, wenn ich eine Faust mache. Während der Behandlung waren sie verschwunden, sind aber wiedergekommen. Ein wenig verschlechtert, um schätzungsweise 20 %, haben sich Schmerzen in der rechten Hüfte. Sie waren ganz weg, sind aber wiedergekommen, doch nur ganz leicht.“ Und „schon nach der zweiten Sitzung hatte sich die Feinmotorik der rechten Hand um 90% verbessert; mir fiel nichts mehr aus der Hand, und ganz leicht und schnell konnte ich eine Nachricht ins Handy tippen. Ich konnte wieder aus der Hocke aufstehen: Was vorher nur mit Mühen gelang, hatte sich um 30% verbessert, mittlerweile um 50%. Die Schmerzen im rechten Knie, durch Fehlhaltung beim Laufen entstanden, waren ganz verschwunden. Zu 100%!“ An den darauffolgenden sieben Tagen findet jeweils eine weitere Fernheilsitzung statt. Anschließend, am 20. Juni 2025, erstattet Rita den nächsten Bericht. Das Ausmaß von Veränderungen, verglichen mit ihrem Zustand vor Behandlungsbeginn, schätzt sie erneut in Prozent ein: „Verbesserungen: 1) Anheben des rechten Beins, um 70%, 2) Gehen auf gerader Ebene, um 30%, 3) Gleichgewicht beim Stehen und Gehen, um 20%, 4) Aufstehen aus der Hocke, um 30%, 5) Feinmotorik der Hände, der Finger, um 90%, 6) Schmerzen rechte Schulter, um 10% 7) Schmerzen rechter Zeigefinger, um 50% Zurückgekehrte Beschwerden: Schmerzen im rechten Knie bei jedem Schritt, um 10%; hatte sich direkt nach der 1. Behandlung um 50% verbessert, danach weitere Verbesserung auf gesamt 80%, jetzt zurückgefallen auf 10%. Gleichgeblieben: - Eine Treppe zu gehen, ist nach wie vor mühsam, sowohl hinauf wie auch herunter. - Fersenstand ist nicht möglich. Bei jedem Schritt trete ich zuerst mit dem Fußballen auf statt mit der Ferse. - Fußkreisen ist nicht möglich. - Zehen anheben geht im Stehen überhaupt nicht, im Sitzen kaum. - Das Anwinkeln des rechten Unterschenkels nach hinten, Richtung Gesäß, ist nur minimal möglich. Verschlechterung: - "neue" Schmerzen heute morgen - Der linke Oberschenkelknochen, vor dem Übergang zur Hüfte, tut weh. Es ist keine Spannung, es ist ein Schmerz. Es kommt mir vor wie eine Entzündung, - Schmerz im rechten Knie.“ „Über jeden Fortschritt freue ich mich wie ein Kind“ Am 23. Juni, nach der zwölften Behandlung, folgt der nächste positive Bericht. „1) Das Laufen hat sich um 40% verbessert, seit gestern. Heute morgen klingelte mein Handy, es lag etwa zehn Meter weit weg. Ich wollte mich beeilen, um den Anruf anzunehmen. Und es funktionierte! Ich konnte die 10 m viel schneller und sicherer gehen als gestern - und auch vor einer Woche noch. 2) Das Aufstehen, wenn ich sitze, hat sich um 60% verbessert. Sei es vom Stuhl, von der Couch, von der Bettkante. Gerade beim Aufstehen von der Toilette fällt es mir seit drei, vier Tagen besonders auf. Ich musste mich vorher mit einer Hand abstützen und mit der anderen am Waschbecken hochziehen. Jetzt halte ich mich nur noch leicht am Waschbecken fest zur Unterstützung, damit ich einen Halt habe, falls ich das Gleichgewicht verliere. 3) Präzise Bewegungen mit der rechten Hand, haben sich verbessert um 60%, seit ca. 4 Tagen. Mir fällt nichts mehr aus der Hand. Tippen ins Handy klappt sehr viel besser.Wenn ich etwas getrunken hatte und das Glas oder die Tasse wieder abstellen wollte, konnte ich es nicht ohne ein leichtes Zittern tun. Und jetzt - ist das vorbei! Zielsicher und präzise kann ich ein Weinglas wieder abstellen. 4) Krämpfe in den Beinen in der Nacht: um 100 % verbessert. Seit dem ersten Behandlungstag habe ich keine Krämpfe mehr gehabt, auch nicht den leisesten Ansatz eines Krampfes.“ Ihren jüngsten Bericht verfasst Rita am 1. Juli, unmittelbar nach der 20. Behandlung. Die guten Nachrichten setzen sich fort: „Das Laufen hat sich seit gestern um 5% verbessert, seit Behandlungsstart um 35%. Feine Nerven- oder Muskelzuckungen, die sich wie leichte Stromschläge anfühlen, sind in den Beinen jetzt ganz verschwunden. Rückfälle gibt es keine, jedenfalls keine sehr auffälligen. Vielleicht die Feinmotorik der Hände. Ich meine, dass die Vertipperei beim Scheiben auf der Handytastatur wieder 20 bis 30 % öfter vorkommt als noch vor fünf Tagen - da war alles OK gewesen.“ „Die Liste könnte ich fortsetzen, denn die kleinen Verbesserungen habe ich hier gar nicht aufgeführt.“ Alles in allem „kam nach fast jeder Sitzung ein ‚kleines Wunder‘ hinzu“, so lautet Ritas Zwischenbilanz. „Über jeden Fortschritt freue ich mich wie ein Kind, fühle mich glücklich und bin Ihnen sehr, sehr dankbar“, so schreibt Rita ihrem Heiler. „Mit Ihrer Hilfe hat sich schon vieles gebessert.“ Ritas momentanes „Hauptproblem ist der rechte Fuß und das rechte Bein. Bis das Gehen wieder so automatisch abläuft wie früher, müssen wir noch länger daran arbeiten, ein Jahr ungefähr, schätzt Ferry. Mit diesem begabten und empathischen Heiler an meiner Seite werde ich das schaffen, daran glaube ich ganz fest.“ Ebenso zuversichtlich ist Ferry Tufeis, mahnt aber zur Geduld: „Normalerweise benötigen ALS-Patienten mit einem ähnlichen Schweregrad wie bei Rita ein Jahr und mindestens 50 Behandlungen.“ Coronoia verhindert „Wunder“ Erst in fortgeschrittenem ALS-Stadium, bereits bettlägrig und den Tod vor Augen, wendet sich die 66-jährige Dóra Horváth* an Ferry Tufeis. Schon anderntags, am 27. September 2023, findet die erste Sitzung statt. In den darauffolgenden Wochen erlebt auch diese Patientin verblüffende Besserungen – bestätigt von medizinischem Fachpersonal. “Der Physiotherapeut hat mich heute wieder gelobt”, berichtet Dora nach sieben Wochen. “Er sagte, er sehe eine Besserung, nicht nur an meiner Hand, sondern auch an meinem Oberschenkel, der immer besser arbeite. Beide Daumen bewegen sich und ich kann sie immer fester drücken.” Schlucken und Atmen klappten wieder deutlich besser. Ihr Arzt staunte, “weil er mich in so guter Verfassung vorgefunden hat, nachdem er mich seit einem Jahr nicht mehr gesehen hatte”. Bereits gegen Ende der zweiten Behandlungswoche “reagieren meine rechte Hand und mein rechtes Bein bereits gut auf willentliche Anweisungen”. Finger werden beweglicher. In Händen und Beinen setzt “ein Kribbeln wie bei Nadelstichen” ein. Ihr Heiler sieht in dieser Empfindung ein gutes Zeichen: “Das ist völlig normal und tritt ausnahmslos bei allen meinen gelähmten Patienten auf. So beginnt der Rückbildungsprozess. Das passiert auch, wenn wir unsere Hände ‘einschlafen’ lassen und sie sich wie taub anfühlen - dann beginnt die Wiederbelebung der Gliedmaßen und es kommt zu den nadelstichartigen Empfindungen. Obwohl dies manchmal sehr unangenehm ist, sollte man es dennoch mit Freude annehmen, denn es ist einer der Schlüssel zur Heilung.” Ebenfalls schon nach zwei Wochen wundert sich Dora darüber, dass sie immer häufiger mit Muskelkater in Armen, Beinen und der Brust aufwacht. “Das sind sehr gute Nachrichten und gute Zeichen”, erklärt ihr der Heiler. “Sie haben Muskelkater, weil Sie Ihre Arme aus eigener Kraft bewegt haben, während die Nervenbahnen wieder aktiv werden. Würde jemand anderes Ihre Körperteile mit den abgestorbenen Nervenbahnen bewegen, so würden Sie keinen Muskelkater spüren, es sei denn, die für die Bewegung verantwortlichen Nervenzellen und Energiebahnen werden wieder aktiviert. Am meisten freue ich mich darüber, dass Sie den Muskelkater auch in der Brust gespürt haben – es bedeutet, dass auch die Nervenzellen, welche die Lunge umgeben, aktiviert wurden.” Trotzdem erlebt Dora das Jahresende 2023 nicht mehr. Aber nicht ALS tötete sie – sondern Fehlentscheidungen von pandemisch verwirrten Angehörigen und Ärzten. Nachdem ein Corona-Test positiv ausgefallen war, beschloss der Familienrat, Dora schnurstracks ins Krankenhaus zu schaffen. Dort wurde sie künstlich beatmet – und dadurch `binnen drei Tagen umgebracht, wie unzählige SARS-CoV-2-Infizierte vor ihr. (4) Keine Gesetzmäßigkeiten, keine Garantie Kein Fall gleicht dem anderen, wie Ferry Tufeis klarstellt. „Der Heilungsprozess verläuft nicht gleichmäßig und überall. Es ist nicht vorhersehbar, in welcher Reihenfolge und in welchem Tempo die Heilung voranschreiten wird. Bei jedem Patienten verlaufen die Prozesse anders, und es gibt keine zwei Fälle, die sich völlig gleich entwickeln.“ Und so kann der Heiler „ALS-Patienten nicht im voraus sagen, wie viele Sitzungen sie benötigen, weil dies von vielen Faktoren abhängt. Meine Therapie besteht aus zwei Phasen. Die erste Phase dauert so lange, bis wir das Fortschreiten der Krankheit stoppen und es zu keiner nennenswerten Verschlechterung oder Rückfall kommt. Dies verlief bisher bei jedem Patienten anders, maximal 25 Behandlungen waren dafür nötig. Der zweite Teil meiner Therapie besteht in der Regeneration, bis ein symptomfreier Zustand erreicht ist.“ Eine Genesung hänge entscheidend davon ab, ob der Patient strikt die Anleitungen des Heilers befolge – und zwischen den Terminen die „energetischen“ Übungen mache, die ihm aufgetragen werden. „Diejenigen, die auf mich hören und meine Anweisungen befolgen, genesen schneller als diejenigen, die nur halbherzig mitarbeiten.“ Immer wieder aufs neue bewahrheitet sich Tufeis´ Erfahrung: „Alle Krankheiten sind heilbar – aber nicht jeder Kranke.“ Ein „Immun-Booster“ hilft mit Zu Behandlungserfolgen trägt anscheinend etwas bei, das Tufeis „Immun-Booster“ nennt. Hilfesuchende bekommen von ihm ein Rezept, nach dem sie diesen selber herstellen können: eine „sorgfältig zusammengestellte Mischung natürlicher Substanzen – sie trägt magische Energie in sich und transportiert die Kraft und Schwingung der Natur“, wie der Heiler versichert. „Sie stärkt das Immunsystem, kann Krankheiten vorbeugen und den Heilungsprozess unterstützen.“ Dieses Nahrungsergänzungsmittel, einzunehmen als 14-tägige Kur, besteht aus 19 Zutaten – von Ingwer und Kurkuma über Oliven- und Kürbiskernöl bis zu Artemisia Annua , jenem Korbblütler, den die traditionelle chinesische Medizin seit Jahrhunderten verwendet. Zur Mixtur gehört auch kolloidales Gold , eine Flüssigkeit, in der sich winzige Goldpartikel - meist im Nanometerbereich - in Wasser oder einem anderen Lösungsmittel verteilen. Ebenfalls zur Mischung gehören hundert Milliliter Dimethylsulfoxid (DMSO): Als “Wundermittel” gehypt, von Schulmedizinern zu Unrecht verteufelt, entfaltet es bei richtigem Einsatz tatsächlich oftmals verblüffende Heilwirkungen. Jedem Patienten schärft Tufeis ein, sich beim Zusammenstellen und Anwenden des “Immun-Boosters” genauestens an seine Vorgaben zu halten: sei es eine bestimmte Anzahl Gramm oder Milliliter der Zutaten, sei es das schrittweise Erhöhen der Dosis, sei es die Einnahme eine Stunde vor und zwei Stunden nach jeder Mahlzeit, sei es die Flüssigkeitsaufnahme dazwischen – erlaubt sind ausschließlich sauberes Wasser oder Kokossaft. Und nur Löffel aus Holz dürfen verwendet werden, keine aus Metall oder Plastik, denn solche würden mit der Mischung wechselwirken. Nachdem der Patient die Mixtur selber zubereitet hat, “energetisiert” der Heiler sie online: “Ich ergänze sie mit zusätzlichen Informationen und programmiere sie für ihre Aufgabe.” Ein „Unheilbar“ gibt es für Ferry Tufeis nicht. „Ich weiß, dass es immer einen Weg zurück gibt.“ Was Schulmediziner glauben, lässt ihn kalt. „In den Augen der Ärzte ist es ja schon ein Wunder, wenn sich der Zustand eines Patienten nicht verschlechtert. Dass er sich verbessert, ist für sie fast unvorstellbar. Ich habe das schon oft erlebt und gesehen, wie sie angesichts der Tatsachen fassungslos dastanden.“ Was bewirkt „energetisches Heilen“ bei ALS? Worauf beruht die Heilwirkung der mysteriösen „Energie“, die von Tufeis ausgeht – anscheinend verstärkt durch seinen „Booster“ und die mentalen Übungen, die er Patienten machen lässt? Irgendwie regt diese sonderbare Komposition umfassende Selbstheilungsprozesse an: Entgiftung und Regeneration. Wovon entgiften? Nach Ansicht des Heilers „haben ALS und andere Formen von Motoneuronen-Erkrankungen (MND), Multiple Sklerose und Rheumatoide Arthritis ähnliche Ursachen. Ich glaube, dass sie alle durch Toxine verursacht werden: durch Schwermetalle, Pestizide, Medikamente, Bestandteile von Impfstoffen, chemische Zusätze in Nahrungsmitteln und Getränken, winzigste Plastikteilchen. Durch die Blut-Hirn-Schranke gelangen sie ins Gehirn. Dort greifen sie das zentrale Nervensystem und die Motoneuronen an.“ Für diese Vermutung liefert neuere Forschung durchaus Anhaltspunkte: Zahlreiche Studien zeigen inzwischen statistische Zusammenhänge zwischen ALS und Pestiziden (5), organischen Schadstoffen wie PCB und OCP, Schwermetallen und Lösungsmitteln . Auch Mikro- und Nanoplastik werden als ALS-Risikofaktoren zunehmend diskutiert. (6) Darüber hinaus sieht Tufeis Parasiten am Werk: „Sie befallen nicht nur das Gehirn und das Nervensystem, sondern auch das Rücken- und Knochenmark. Ich glaube, dass Ärzte bei jeder Autopsie von Menschen, die an ALS gestorben sind, Parasiten in Gehirn, Wirbelsäule und Knochen finden würden, sobald sie gezielt danach suchen.“ Humbug? Auch diese Überzeugung ist in Wahrheit alles andere als abwegig, wie Neurobiologen wissen. Zwar scheitern die meisten Parasiten an der Blut-Hirn-Schranke (BHS): einer dünnen Zellschicht aus speziellen Endothelzellen, welche die Blutgefäße im Gehirn auskleidet. Sie schirmt das empfindliche Hirngewebe gegen Schadstoffe und Krankheitserreger ab. Gleichzeitig lässt sie wichtige Stoffe wie Sauerstoff, Glukose und bestimmte Aminosäuren durch – aber nur streng kontrolliert. Die BHS funktioniert wie eine Grenzkontrolle mit Hochsicherheitscheck: Nur bestimmte, ausgewählte Moleküle dürfen sie passieren. Das geschieht über aktive Transporter - wie kleine Förderbänder für z. B. Zucker - und Enzyme, die unerwünschte Stoffe abbauen; zudem sind in der BHS Zellen besonders eng verbunden ( tight junctions ), um fast nichts durchzulassen. Es gibt aber Parasiten, die sich gezielt anpassen, um ins Gehirn einzudringen. Dazu zählt Toxoplasma gondii: ein Einzeller, der wie ein winziges U-Boot mit eingebautem Raupenantrieb über Oberflächen kriecht oder gleitet. Er ist imstande, Endothelzellen aktiv zu durchdringen. Auch gelingt es ihm, sich in Immunzellen einzunisten, die er dann als „Trojanisches Pferd“ nutzt. (7) Im Gehirn sorgt der Parasit für Gefäßveränderungen, Entzündungsreaktionen, Mikrothrombosen und winzige Zysten, Nekrosen von Nervenzellen und Gewebe; er beeinflusst Neurotransmitter und Signalwege. All dies geschieht lange Zeit unbemerkt, ohne jegliche Symptome. (8) Doch besonders bei immungeschwächten Menschen kann eine latente Toxoplasmose irgendwann neurodegenerative Schäden hervorrufen, die zu Bewegungsstörungen führen: Reaktionszeiten verlangsamen sich, die Koordination ist gestört, die motorische Feinsteuerung ist beeinträchtigt. (9) Kurzum: Wie es zu Motoneuronen-Erkrankungen wie ALS kommt, ahnt Ferry Tufeis womöglich eher als 99 % aller Ärzte, die damit zu tun bekommen. Aber können geschädigte oder gar abgestorbene Bewegungsnerven im Gehirn und Rückenmark überhaupt wiederhergestellt oder ersetzt werden? Die kurze Antwort heutiger Neurologen landet: Nein, ausgeschlossen. Allerdings arbeiten Wissenschaftler daran, die Regeneration zu fördern: mittels Wachstumsfaktoren, Stammzell- und Gentherapie. Deuten Tufeis´ Behandlungserfolge nicht auf einen weiteren Weg hin – einen, den nicht Medizintechnik eröffnet, sondern ein paraphysikalisches Mysterium, das ein begnadeter Heiler irgendwie therapeutisch zu nutzen versteht? Oder will uns jemand allen Ernstes weismachen, dass die Besserungen bei Dr. Herbig und Rita Neumann allein auf Suggestionen und dem Placebo-Effekt beruhen? Warnung vor überzogenen Erwartungen Seit sich Ferry Tufeis im Februar 2021 des ersten ALS-Patienten annahm – des Hausmeisters eines Krankenhauses -, hat er sechs weitere behandelt. Außer Dora starb noch keiner. Dass ALS-Kranke längere Zeit nach ihrer fatalen Diagnose noch immer leben, kommt freilich nicht überraschend. Die Lebenserwartung liegt im Durchschnitt bei 2 bis 5 Jahren – mit großen individuellen Unterschieden: Einigen Betroffenen bleiben nur wenige Monate, anderen zehn Jahre oder länger – wie z.B. dem bekannten Physiker Stephen Hawking, der Jahrzehnte mit der Krankheit lebte. „Der Arzt, der bei mir ALS diagnostizierte, sagte mir, dass es mich in zwei oder drei Jahren umbringen würde”, erinnert sich Hawking - doch diese Voraussage widerlegte er 55 weitere Jahre lang. Wie die Krankheit im Einzelfall verläuft, wie rasch sie fortschreitet, trauen sich bloß wirre Kaffeesatzleser und unseriöse Ärzte zu prophezeien. Von Ed Dobson (1949-2015). 1949 in Nordirland geboren, kam der Pastor 2014 in die USA, wo er eine wichtige Rolle in der Moral Majority spielte, einer konservativen christlichen Organisation der 1980er Jahre. 2000 wurde bei ihm ALS diagnostiziert. Am 28. Dezember 2015 starb er daran. Wenn nicht auf ein mindestens ewiges Leben: Worauf können ALS-Patienten überhaupt hoffen, falls sie in höchster Not nach einem letzten Strohhalm namens Geistiges Heilen greifen? Zumindest auf einen längeren Zeitraum, in dem geschieht, was Schulmedizinern ausgeschlossen scheint: Stillstand der verheerenden Dynamik, deutliche Besserung mehrerer übler Symptome. Ist das etwa kein Geschenk des Himmels für Menschen, die als unrettbar todgeweiht gelten? Wäre es wertlos, falls es nicht von Dauer ist? Als Stephen Hawking seine Diagnose erfuhr , “wurden meine Erwartungen mit 21 auf null reduziert. Alles, was danach kam, war ein Bonus.“ Darüber, wie hoch dieser Bonus ausfällt, entscheiden zwei Faktoren mit, die auch der begnadetste Heiler nur begrenzt beeinflussen kann, wenn überhaupt: eine unerschütterlich lebensbejahende Einstellung und reichlich soziale Unterstützung. „Wenn du behindert bist, ist es wahrscheinlich nicht deine Schuld, aber es bringt nichts, der Welt die Schuld zu geben oder Mitleid zu erwarten”, mahnt Stephen Hawking. “Man muss positiv bleiben und das Beste aus der Situation machen, in der man sich befindet; wenn man körperlich behindert ist, kann man es sich nicht leisten, auch psychisch behindert zu sein. [...] Ich habe es nur geschafft, weil ich viel Hilfe von meiner Frau, meinen Kindern, Kollegen und Studenten bekommen habe. Ich finde, dass Menschen im Allgemeinen sehr bereit sind zu helfen, aber man sollte sie ermutigen, das Gefühl zu haben, dass ihre Bemühungen es wert sind, indem man selbst sein Bestes gibt.“ “Wie lange kann ich mit ALS leben?”, fragt sich eine Romanfigur der US-Neurowissenschaftlerin Lisa Genova. (10) “Ich dachte: Suche nicht nach Antworten. Lebe die Frage. Genieße das Leben wegen der Unsicherheit mehr, nicht weniger.“ P.S.: Beschimpft, gelöscht, blockiert - So reagierten ALS-Gruppen Angenommen, ich leide an einer schweren neurologischen Krankheit, die als unheilbar gilt und mich mit einem vorzeitigen, qualvollen Tod bedroht. Wie würde ich dann auf einen Bericht über drei Leidensgefährten reagieren – darunter ein Arzt -, denen es erheblich besser geht, seit sie sich auf eine unkonventionelle Therapie einließen, nämlich auf Geistiges Heilen? Ich wäre neugierig. Den Bericht würde ich gründlichst lesen, einschließlich der darin genannten Quellen, und weiterrecherchieren. Ich würde mir sagen: Jede noch so geringe Chance ist besser als überhaupt keine mehr. Dem Hinweisgeber wäre ich dankbar. Um Näheres in Erfahrung zu bringen, würde ich ihn vielleicht kontaktieren. So ungefähr stellte ich mir die Reaktionen von acht Facebookgruppen für ALS-Betroffene vor, mit denen ich am 5. Juli den folgenden Post teilte. (In meinem Account war er zwei Tage zuvor erschienen.) Dazu zählte eine besonders große Gruppe, der ich in der Vorwoche beigetreten war: ALS - Patient and Caregiver tips for every day living , mit knapp 37.000 Mitgliedern. Kaum hatte ich meinen Beitrag dort platziert, da brach über mich ein Shitstorm herein, auf den ich zuallerletzt gefasst war. Hier ein paar Kostproben: Was war da los? Würden Betroffene wirklich so reagieren: über jemanden, der sie freundlich zu informieren versucht, derart beleidigend, aggressiv, ja geradezu hasserfüllt herzufallen? Kurz darauf verschwand mein Post – und mein Zugang zur Gruppe wurde blockiert. Rauswurf mit Ansage. Die übrigen ALS-Gruppen veröffentlichten meinen Beitrag gar nicht erst. Für ein derartiges Verhalten fallen mir nur drei Erklärungen ein: Angst und Verzweiflung fressen Verstand und Manieren. Besonders übel beleumundete Außenseitertherapien wie Geistiges Heilen wecken den Semmelweis-Reflex: Was nicht ins eigene Weltbild passt, wird von vornherein als Humbug abgetan. Und: Viele vermeintliche Selbsthilfegruppen in sozialen Medien verfolgen insgeheim eine schändliche Agenda. Ein Großteil von ihnen wurde von Pharmafirmen, ihren Interessenverbänden und Marketingagenturen ins Leben gerufen, und aus diesen Quellen fließen ihren Admins Gelder zu. Hinter vielen scheinbar Betroffenen verbergen sich in Wahrheit bezahlte Trolle, deren Job es ist, gegen unkonventionelle Heilweisen Stimmung zu machen. Jeden nichtmedikamentösen Weg, Leiden zu behandeln, ignorieren und verteufeln solche Gruppen deshalb von vornherein. ( Harald Wiesendanger ) P.S.: Am 6. September 2025 kam Ferry Tufeis bei einem Autounfall ums Leben - mit 59 Jahren. Wie viel Segensreiches hätte dieser herausragende Heiler noch bewirken können? Warum sind es so oft die Besten, die viel zu früh gehen müssen? Anmerkungen * Pseudonym (1) Der Fachbegriff „Amyotrophe Lateralsklerose“ (ALS) stammt aus dem Griechischen und Lateinischen: a - (griechisch) = „nicht“ oder „fehlend“; myo (griechisch) = „Muskel“; troph (griechisch) = „Ernährung“; lateralis (lateinisch) = „seitlich“; sklerose (griechisch) = „Verhärtung“. Demnach benennt der Begriff eine Erkrankung, bei der es zu Muskelschwund durch fehlende Nervenversorgung (Muskelunterernährung) und zur Verhärtung (Sklerose) der seitlichen Anteile des Rückenmarks kommt, wo die motorischen Nervenbahnen verlaufen. (2) Zitiert aus Tuesdays with Morrie : An Old Man, a Young Man, and Life's Greatest Lesson (1997), verfasst von Schwartz’ ehemaligem Studenten Mitch Albom. In seinem Buch gibt er Gespräche mit seinem Professor während dessen letzten Lebenswochen wieder. (3) https://als-charite.de/wp-content/uploads/2019/01/WAS-IST-ALS.pdf ; https://www.dzne.de/im-fokus/meldungen/2023/wissenschaftliche-erkenntnisse-im-kampf-gegen-als/ , https://www.dzne.de/aktuelles/hintergrund/amyotrophe-lateralsklerose-als/ , https://www.gelbe-liste.de/krankheiten/amyotrophe-lateralsklerose-als , https://www.betanet.de/als-allgemeines.html (4) https://www.focus.de/gesundheit/news/bis-zu-50-prozent-sterben-daran-lungenarzt-fruehe-kuenstliche-beatmung-ist-groesster-fehler-im-kampf-gegen-corona_id_12787476.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=newsletter_GESUNDHEIT ; https://www.dailymail.co.uk/news/article-8290251/NYC-nurse-claims-coronavirus-patients-literally-murdered.html (5) https://alsnc.org/research/scientific-focus-areas/environmental-factors/ , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22819005/ (6) https://www.researchgate.net/publication/380446233_Nanoplastics_and_Neurodegeneration_in_ALS ; https://en.wikipedia.org/wiki/Microplastics_and_human_health (7) Siehe Feustel SM u.a.: Toxoplasma gondii and the blood–brain barrier, Virulence 2012;3(2):182–192, PMID: 22460645, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22460645/ , Volltext (Open Access): https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3396697/ ; Ross EC u.a.: Early passage of Toxoplasma gondii across the blood–brain barrier. Trends in Parasitology 2022;38(6):450–461. DOI: 10.1016/j.pt.2022.02.003; https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35227615/ ; Volltext: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1471492222000332 ; Olivera GC u.a.: Blood–brain barrier–restricted translocation of T. gondii from cortical capillaries. eLife . 2021;10:e69182. DOI: 10.7554/eLife.69182; https://elifesciences.org/articles/69182 ; Ross EC u.a.: Toxoplasma effector-induced ICAM‑1 expression by infected dendritic cells potentiates transmigration across polarised endothelium. Fronters of Immunology 2022;13:950914. DOI: 10.3389/fimmu.2022.950914, https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fimmu.2022.950914/full ; Parlog A u.a.: Chronic murine toxoplasmosis is defined by subtle changes in neuronal connectivity. Disease Models & Mechanisms 2014;7(4):459–469. DOI: 10.1242/dmm.014183; https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fmicb.2024.1512233/full . (8) https://doi.org/10.1186/s12879-021-05882-6 ; https://jneuroinflammation.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12974-024-03330-1 ; https://doi.org/10.1371/journal.pone.0258199 ; https://www.frontiersin.org/journals/nutrition/articles/10.3389/fnut.2022.827286/full (9) https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11393824/ ; im Tierversuch: https://www.researchgate.net/figure/A-summary-of-past-studies-of-motor-performance-of-T-gondii-infected-mice_tbl1_263098844 (10) In Lisa Genova: Every Note Played (2018).
- Zum Haareraufen.
Mit 600 Milliarden Euro könnte man unfassbar viel Sinnvolles bewerkstelligen – wenn man sie nicht schon verbraten hätte, um ebenso ineffektiv wie nebenwirkungsreich eine angebliche Seuche zu bekämpfen, von der frühzeitig klar war: Sie ist nicht gefährlicher als eine mittelschwere Grippewelle. Rund 600 Milliarden Euro: Mindestens so viel (1) war es dem deutschen Staat in den Jahr 2020 bis 2022 wert, die Corona-Krise zu bewältigen – obwohl diffamierten, mundtot gemachten Wissenschaftlern schon frühzeitig klar war, dass die sogenannte Pandemie wegen eines angeblichen „Killerkeims“ aus Wuhan in Wahrheit nicht tödlicher war als eine mittelschwere Grippewelle. (2) Allein der Bund verpulverte 63,5 Milliarden Euro für unergiebige Impfungen, Tests und Schutzausrüstung. Weitere 66,2 Milliarden flossen für Wirtschaftshilfen an Unternehmen, Sportvereine und Kulturveranstaltungen; 27,9 Milliarden für Steuererleichterungen wie die Senkung der Mehrwertsteuer; 24,2 Milliarden an die Agentur für Arbeit, unter anderem für Kurzarbeitergeld; 18,5 Milliarden Ausgleichszahlungen für Krankenhäuser. (3) Auf zusätzliche 116 Milliarden Euro beliefen sich die Mehrausgaben der Bundesländer und Gemeinden in den Jahren 2020 und 2021. Die Gesamtsumme der Corona-Hilfspakete von Bund, Ländern und Sozialversicherungen wird sogar auf 1,455 Billionen Euro beziffert – das entspräche 42 % des deutschen Bruttoinlandsprodukts vor der Krise. Und nun, da die Kohle weg und das Haushaltsloch abgrundtief ist, verfallen politisch Verantwortliche in Jammern und Wehklagen, so als träfe sie ein unabwendbarer Schicksalsschlag. Schuldbekenntnisse? Null. Zu keinem einzigen Rücktritt haben die haarsträubenden Fehlentscheidungen von hyperaktiven Coronoikern geführt. Vor Gericht stand keiner. Schadensersatz leistet keiner. Weiterhin ermittelt kein Staatsanwalt. Stattdessen stimmt man uns auf tiefe Einschnitte ins Sozialsystem ein. Höhere Steuern und Gebühren, weniger Rente, weniger Bürgergeld und Grundsicherung für Arbeitslose, höhere Kassenbeiträge undsoweiterundsofort. 600 Milliarden Euro: Wie viel Sinnvolles wäre damit möglich gewesen? Hier, verbunden mit einem wehmütigen Seufzer, ein paar alternative Ideen: - Ein Jahrzehnt lang könnten die Renten um rund 15 % höher ausfallen, wenn jährlich 60 Milliarden Euro zusätzlich dafür zur Verfügung stünden. Oder: - Der Beitragssatz der gesetzlichen Krankenversicherung könnte um rund 3,3 Prozentpunkte sinken. Oder: - Ein Jahrzehnt lang ließen sich im Sozialbereich zusätzliche 924.000 Stellen voll finanzieren: für rund 268.000 Erzieher, 176.000 Lehrer, 480.000 Alten- und Krankenpfleger. (Ausgehend von 56.000 bis 85.000 Euro an jährlichen Kosten pro Stelle.) Oder: - Zehn Jahre lang könnten 750 Kliniken betrieben werden. (Bei geschätzten mittleren Kosten von 80 Millionen Euro pro Klinik und Jahr.) Oder: - Für alle 800.000 Bewohner von Alten- und Pflegeheimen stünden zwei Jahre lang täglich 10 Euro zusätzlich zur Verfügung, um ihnen vollwertiges Essen in Bio-Qualität zu bieten, das sie nicht krank macht. Oder: - Alle 1700 Krankenhäuser Deutschlands könnte zwei Jahrzehnte lang einen jährlichen Zuschuss von 18 Millionen Euro erhalten, um jeden stationären Patienten endlich auf eine Weise zu verpflegen, die ihn nicht noch kränker macht, sondern seine Genesung fördert. - Zwei Jahre lang könnte die Mehrwertsteuer vollständig entfallen. Auf 10 Jahre verteilt, könnte sie von 19 auf 15 % sinken. Oder: - Bis 2035 ließen sich pro Jahr 4000 Brücken sanieren – ausgehend von durchschnittlich 15 Millionen Euro pro Brücke. Oder: - Mit 600 Milliarden Euro ließe sich Deutschlands gewaltiger Schuldenberg von 2,645 Billionen Euro immerhin um knapp ein Viertel abtragen. Das brächte eine jährliche Zinsersparnis von rund 10 Milliarden Euro, bei einem Marktzins von 3 % sogar von 18 Milliarden. Und falls die 600 Milliarden Euro einmalig verschenkt worden wären? Dann hätte jeder Mensch in Deutschland – vom Säugling bis zur Seniorin – rund 7.100 Euro erhalten. Was ließe sich mit über 7000 Euro Sinnvolles anstellen? Jeder der 72 Millionen Bundesbürger über 12 Jahren, die nicht in Berlin wohnen, könnte 16 Mal in die Bundeshauptstadt reisen, um gemeinsam mit Ortsansässigen bei regelmäßigen Massendemonstrationen mitzumachen (Motto: “Wir vergessen nicht”) – mit dem Ziel, die Verantwortlichen des ungeheuerlichen, weiterhin unaufgearbeiteten Corona-Skandals endlich zur Rechenschaft zu ziehen. (Berechnungsgrundlage: durchschnittlich rund 130 Euro pro Bahnticket für Hin- und Rückreise, 130 Euro für eine Übernachtung in einem 3- bis 4-Sterne-Hotel, 200 Euro für Verpflegung an zwei Reisetagen.) Ronald Reagan hatte wohl recht: „Die neun furchterregendsten Worte in der englischen Sprache sind: I’m from the government, and I’m here to help. “ Geld verbrennen ist verboten. Außer man nennt es Staatshaushalt. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1) https://www.focus.de/finanzen/boerse/die-corona-bilanz-was-deutschland-die-pandemie-kostet_id_12889279.html , https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/corona-pandemie-kostete-bund-mehr-als-440-milliarden-euro-18840435.html , https://www.welt.de/wirtschaft/article244932734/Steuerausgaben-Die-Corona-Pandemie-kostet-den-Bund-bisher-440-Milliarden-Euro.html , https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/politik/corona-massnahmen-kosten-bund-deutschland-100.html (2) https://off-guardian.org/2020/10/08/who-accidentally-confirms-covid-is-no-more-dangerous-than-flu/ , https://www.transparenztest.de/post/neue-ioannidis-metastudie-nur-1-von-3000-sars-cov2-infizierten-unter-60-jahren-stirbt (3) https://www.welt.de/wirtschaft/article244932734/Steuerausgaben-Die-Corona-Pandemie-kostet-den-Bund-bisher-440-Milliarden-Euro.html , https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/corona-pandemie-kostete-bund-mehr-als-440-milliarden-euro-18840435.html
- Lyme-Borreliose: eine Biowaffe?
Stammt der Erreger der Lyme-Borreliose, einer der tückischsten Infektionskrankheiten, aus einem amerikanischen Biowaffenprogramm? Wurden Zecken dabei „scharf“ gemacht? Hinweise darauf will eine US-Journalistin entdeckt haben. Beteiligte Wissenschaftler bestätigen ihren Verdacht. Barfuß über Wiesen laufen, leicht bekleidet durch Wälder streifen, abseits befestigter Wege, quer durch Gestrüpp und Unterholz: Das gehörte für Senioren wie den Autor dieses Artikels wie selbstverständlich zum unbeschwerten Teil der Jugend. Wenn wir hinterher eine Zecke auf unserer Haut entdeckten, entfernten wir sie ohne Panik; hatte sie sich schon festgebissen, zogen oder drehten wir sie heraus – und verschwendeten keinen weiteren Gedanken mehr daran, jedenfalls kaum mehr als an einen Schnakenstich. Denn so gut wie niemand klagte anschließend über heftige, anhaltende Beschwerden. Heutzutage hingegen geraten Aufenthalte ohne Schutzkleidung in freier Natur anscheinend immer mehr zur bescheuerten Mutprobe. Längst verängstigen uns Medien mit schrillem Daueralarm. Denn überall, wo es grünt, lauern auf uns die gefährlichsten Tiere dieses Planeten: heimtückische Blutsauger, die auf uns den Erreger der Lyme-Borreliose übertragen. Bei jährlich über 300.000 Deutschen ( https://www.versorgungsatlas.de/fileadmin/ziva_docs/115/VA_21-06_Bericht_Borreliose_2021-06-24.pdf ) bleibt es nicht bei dem typischen Hautausschlag, der sich kreisförmig ausbreitet, doch rasch wieder abklingt. Sie fühlen sich abgeschlagen und fiebern, Kopfweh und Schüttelfrost stellen sich ein. Schreitet die Erkrankung fort, so bringt sie weitere, heftigere Beschwerden mit sich: Muskeln krampfen, die Motorik wird unkoordinierbar. Betroffene sehen und hören schlechter, klagen über Gelenkschmerzen und Herzprobleme. Manchmal kommt es zu Hirnhautentzündungen und kognitiven Störungen, sogar psychiatrische Symptome können auftreten. Nicht rechtzeitig therapiert, führt die Lyme-Borreliose zu irreversiblen Organschäden. Weshalb sind Zeckenbisse neuerdings viel bedrohlicher geworden? Warum fiel die Borreliose erstmals Mitte der 70-er Jahre in Lyme auf, einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Connecticut? Warum trägt das Bakterium, das sie auslöst, den seltsamen Beinamen burgdorferi ? Einzigartig bedrohlich Und warum ist diese Mikrobe so besonders tückisch? Von den meisten anderen Bakterien unterscheidet sich Borrelia burgdorferi durch eine einzigartige Kombination von Eigenschaften, die Infektionen besonders schwer behandelbar machen: - Form und Beweglichkeit sind außergewöhnlich: Dieser Erreger ist ein Spirochät – ein schraubenförmiges Bakterium. Statt äußerer Geißeln besitzt er „Innenmotoren“, mit denen er sich wie ein Korkenzieher bewegt. Damit kann er sich durch Gewebe, Gelenkknorpel, Haut und sogar die Blut-Hirn-Schranke bohren. Dort ist er für das Immunsystem und Antibiotika schlechter zugänglich. - Er wechselt regelmäßig die Lipoproteine seiner Oberfläche , somit auch deren Antigenstruktur. Deshalb erkennt das Immunsystem den Erreger zwar zunächst und baut Antikörper auf – aber kurze Zeit später präsentiert die Borrelie ein „neues Gesicht“, vergleichbar mit einem Einbrecher, der ständig seine Kleidung wechselt. Infolgedessen bestehen Dauerinfektionen, trotz aktiver Immunabwehr. - Stealth-Strategie gegen das Immunsystem. Borrelia burgdorferi kann sich in Bindegewebe, Nervensystem, Gelenken „verstecken“: Sie manipuliert Immunzellen und erzeugt entzündungshemmende Zytokine, die eine vollständige Abwehr verhindern. Manche Borrelien „verkleiden“ sich als Wirtsproteine - z. B. als „Plasminogen“, ein körpereigenes Eiweiß, das im Blutplasma vorkommt und eine zentrale Rolle bei der Auflösung von Blutgerinnseln spielt. Deswegen erkennt die Immunabwehr sie nicht als Fremdkörper. Infolgedessen kann sie jahrelang unentdeckt überleben. - Dieser Erreger teilt sich sehr langsam. Borrelia burgdorferi hat eine ungewöhnlich lange Generationszeit von 12–24 Stunden, manche Forscher gehen sogar von bis zu 48 Stunden aus. (Zum Vergleich: Escherichia coli teilt sich alle 20 Minuten.) Viele Antibiotika wirken aber nur bei aktiver Teilung. Folglich sind oft lange Antibiotikatherapien nötig – kurze Kuren, wie bei anderen bakteriellen Infektionen, reichen oft nicht aus. - Unter Stress, etwa durch Arzneimittel, bildet Borrelia burgdorferii alternative „Schutzformen“: Ursprünglich in länglicher Gestalt vorkommend, verwandeln sie sich in zystenartige Kugeln, die „schlafen“, aber reaktivierbar bleiben. Und sie bilden Biofilme: Kolonien im Schutzschleim, ähnlich wie Zahnbelag. Dazu kommunizieren die Erreger chemisch miteinander, durch ein sogenanntes „Quorum sensing“ mittels spezifischer Signalmoleküle. Auch diese Tricks machen sie widerstandsfähiger gegen Medikamente und Immunabwehr – und sorgen für Rückfälle nach scheinbar erfolgreicher Therapie. - Genetische Besonderheiten: Das Erbgut von Borrelia burgdorferii ist sehr ungewöhnlich. Bakterien weisen üblicherweise ein zirkuläres Chromosom auf – also ein DNA-Molekül, das wie ein geschlossener Kreis aussieht. Beim Borreliose-Erreger hingegen ist die DNA linear angeordnet: Wie bei Menschen bildet sie einen Strang mit Enden. Zusätzlich weist ihr Erbgut viele Plasmide auf: kleine DNA-Segmente mit Genen, die ihre Anpassungsfähigkeit erhöhen. Das macht es hoch flexibel und seltsam komplex für ein Bakterium. - Multiorgan-Tropismus: Andere Bakterien befallen oft bevorzugt einen abgegrenzten Teil des Körpers, z. B. Lunge oder Darm. Borrelia burgdorferii hingegen kann, wie SARS-CoV-2, über praktisch jedes Organsystem herfallen: von der Haut über Gelenke und Herz bis zum Nervensystem. Haben sich all diese Merkwürdigkeiten natürlich entwickelt? Mit diesen Fragen begann sich die Wissenschaftsjournalistin Kris Newby zu beschäftigen, nachdem sie und ihr Ehemann Paul sich im Jahre 2002 während eines Urlaubs auf Martha´s Vineyard, einer Insel vor der Südküste von Massachusetts, mit dem Borreliose-Erreger infizierten. "Es ist, als hätte man Multiple Sklerose, Alzheimer, chronische Müdigkeit und Gelenkschmerzen, alles zur gleichen Zeit”, so beschreibt sie ihre persönliche Erfahrung. “Es handelt sich in erster Linie um eine neurologische Krankheit, die zu einer Hyperinflammation führt. Und die Symptome wandern häufig durch den Körper. Du kannst sehr geschwächt sein, unfähig, die Aufgaben eines normalen Erwachsenen zu erfüllen. Wir waren verzweifelt und ein Jahr lang ohne Diagnose.” Bei zehn Ärzten war sie deswegen. Keiner erkannte, woran sie litt. Keiner wusste Rat. “Ich dachte, das wäre das Ende meines Lebens, wie ich es kannte.” "Diese Zeckenbisse raubten uns unsere Gesundheit", schreibt Newby, "und schickten mich auf die Suche nach einer fast unvorstellbaren Möglichkeit: dass wir Kollateralschäden in einem biologischen Waffenrennen waren, das während des Kalten Krieges begonnen hatte." “Vier bis fünf Jahre dauerte es, bis wir uns vollständig erholt hatten.” (1) Ihr überstandenes Martyrium motivierte Kris Newby 2008 zu einem bewegenden Dokumentarfilm “ Under Our Skin ”, der für einen Academy Award nominiert wurde; sechs Jahre später produzierte sie eine Fortsetzung: “ Under Our Skin 2: Emergence ”. Für Leitmedien zum Abschreiben: Die offizielle Version Als Entdecker der Borreliose gilt der Mann, der ihrem Erreger den Namen gab: Willy Burgdorfer, ein aus der Schweiz stammender Bakteriologe und Parasitologe. Sein ganzes Berufsleben lang arbeitete er in den Rocky Mountain Labs , einem Institut der höchsten Biosicherheitsstufe 4 (BSL 4) in Hamilton, Montana. Betrieben wurde es von den National Institutes of Health (NIH), einer Einrichtung des US-Gesundheitsministeriums, als deren wichtigste Behörde für biomedizinische Forschung. Mitte der siebziger Jahre, so besagt das offizielle Narrativ, erhielt Burgdorfer den Auftrag, den Ausbruch einer neuartigen Krankheit in Old Lyme, Connecticut, und Long Island zu untersuchen. Mehrere Kinder und Erwachsene hatten dort eine Reihe von ungewöhnlichen Symptomen entwickelt, darunter Hautausschläge, Fieber, Müdigkeit und Gelenkschmerzen. Woran sie litten, blieb zunächst schleierhaft, wurde schließlich aber auf Zecken zurückgeführt, die in den örtlichen Wäldern gefunden wurden. In den eingesammelten Blutsaugern soll Burgdorfer 1981 das Bakterium entdeckt haben, das heute zu seinen Ehren so heißt wie er; Borrelia burgdorferi . Wie er feststellte, verursachte es die Krankheit. Mittels Penicillin, so behauptete er, sei das Bakterium zuverlässig abzutöten. Also keine Bange. Wachsende Zweifel Wie kam Kris Newby dazu, an dieser Geschichte zu zweifeln? Einen eindeutigen Gegenbeweis habe sie nicht, bloß Indizien, so räumt sie ein. Zusammengenommen ergeben sie in Newbys Augen jedoch ein höchst verdächtiges Bild. Hellhörig wurde die Journalistin, als sie auf einer Party einen ehemaligen CIA-Agenten kennenlernte. Er prahlte mit einer Operation zu Zeiten des Kalten Kriegs, bei welcher infizierte Zecken auf Kuba abgeworfen wurden. "An diesem Punkt wusste ich, dass ich mit der Sache noch nicht fertig war", sagt Newby. “Ich fing an zu recherchieren, interviewte diesen CIA-Typen mehrmals und fand heraus, dass es eine nachprüfbare Geschichte war." Dass sie einer heißen Spur folgte, bestätigte sich, als sie während der Dreharbeiten zu ihrer Doku “Under Our Skin” Willy Burgdorfer persönlich begegnete. "Gegenüber mehreren Leuten hat er einen unnatürlichen Ursprung des Ausbruchs angedeutet", so berichtet sie. "Wie sich herausstellte, stand er auch bei Fort Detrick unter Vertrag”: jenem berüchtigten Standort der US-Streitkräfte in Frederick/Maryland, wo seit dem Zweiten Weltkrieg biologische Waffen entwickelt und getestet wurden. (2) “Als ich Burgdorfer interviewte, sagte er: 'Ja, ich war im Biowaffenprogramm. Ich hatte die Aufgabe, Zecken und Moskitos in Massen zu produzieren.'” Dies sei im Rahmen von Gain-of-Function -Experimenten erfolgt, “indem sie Krankheitserreger - Bakterien und Viren - in Zecken mischten, um effektivere Biowaffen zu entwickeln”. Zu Burgdorfers Spezialgebieten zählte, Zecken mit Pathogenen zu infizieren. Dies tat er mit zwei nahen Verwandten des Lyme-Borreliose-Erregers: Borrelia latyschevii und Leptospirosa. (3) Newby erstellte eine Animation des ursprünglichen Ausbruchs, der anscheinend in Lyme begann, einem 2000-Einwohner-Städtchen an der Mündung des Connecticut River in der Nähe von Long Island, zwei Autostunden nordöstlich von New York City. Dabei machte die Journalistin eine aufschlussreiche Entdeckung: "Als ich einen 50-Meilen-Radius um diesen Punkt gezogen habe, gab es drei neue, hochvirulente, von Zecken übertragene Krankheiten, die dort zur gleichen Zeit, Ende der sechziger Jahre, auftraten”: - Babesiose , ausgelöst von einem Einzeller ähnlich dem Malariaerreger. Erste Fälle traten 1969 in Nantucket Island (Massachusetts) auf, später auch in New York. Zu den Symptomen zählen malariaähnliche Fieberschübe, Anämie, Schüttelfrost. Für immungeschwächte Patienten ist die Babesiose oft lebensgefährlich. - Anaplasmose – auch Human Granulozytäre Ehrlichiose (HGE) genannt -, verursacht durch ein kleines, intrazelluläres Bakterium, das weiße Blutkörperchen (Granulozyten) befällt und dort das Immunsystem stört. Auch sie fiel erstmals Ende der 1960-er Jahre an der US-Ostküste nahe New York auf. Schweren Verläufe führen zu Atemnot, weiße Blutkörperchen und Blutplättchen nehmen dramatisch ab, die Nierenfunktion fällt aus. Schlimmstenfalls versagen mehrere Organe – dann endet die Infektion tödlich. - die Lyme-Borreliose selbst – “13 Jahre bevor das Lyme-Bakterium 1981 zu deren Ursache erklärt wurde”, wie Newby feststellte. Zecken im “Projekt 112” Nun begann Newby, “die Militärakten zu durchsuchen, um herauszufinden, ob der Ausbruch mit Biowaffenunfällen in Verbindung gebracht werden konnte. Dabei entdeckte ich ein umfangreiches Programm zur Herstellung von Insektenwaffen und ein Programm, bei dem Keime aus Flugzeugen über großen Gebieten versprüht wurden, das " Projekt 112 ”: ein angeblich 1973 eingestelltes experimentelles Projekt des US-Verteidigungsministeriums, dessen Existenz bis Mai 2000 kategorisch bestritten worden war. (4) Bei mindestens 18 von über 50 Tests wurden manipulierte Mikroben freigesetzt. (5) “Einige dieser Erreger”, so fand Newby heraus, "waren von Zecken übertragene Krankheiten, die gefriergetrocknet und als Aerosol versprüht wurden.” “Burgdorfer hatte mit Q-Fieber und Zecken gearbeitet, Erfahrungen, welche die Rocky Mountain Labs für ihre Biowaffenarbeit brauchten. Sobald er eine Sicherheitsfreigabe erhalten hatte, begann er damit, die Pest in Flöhe und das tödliche Gelbfieber in Moskitos einzuschleusen und dann Viren und Bakterien in Zecken zu mischen, um die Virulenz dieser lebenden Waffen zu erhöhen.” “Die Waffenkonstrukteure in Fort Detrick suchten nach Zecken, die man auf einen Feind abwerfen konnte, ohne Verdacht zu erregen, und die mit Erregern gefüllt waren, gegen welche die Zielbevölkerung keine natürliche Immunität besaß (...) Zecken waren die perfekte Tarnkappenwaffe, unauffindbar und mit langer Wirkungsdauer (...) Was Burgdorfer enthüllte, versuchen sie zu vertuschen: 1) dass ein anderes Bakterium, vielleicht eine Rickettsie, die mit dem Rocky Mountain-Fleckfieber verwandt ist, im Kalten Krieg als Biowaffe entwickelt wurde; 2) dass es eine Kombination von Bazillen in den Zecken sein könnte, die Menschen krank macht." Zu den Topwissenschaftlern, die sich vom US-Militär in Fort Detrick einspannen ließen, zählte der Biologe James H. Oliver Jr., Professor an der Georgia Southern University. Wie er in einem Interview einräumte, habe er dort Zecken und Mücken gezüchtet, um sie aus Flugzeugen abzuwerfen. Man habe herausfinden wollen, "wie man Zecken dazu bringen kann, sich schnell und in großer Zahl zu vermehren, und wie man sie in bestimmten Gebieten verbreiten kann.“ (6) In einem Interview erklärte er: „Alles war sehr geheim, sehr vertraulich. Ich spreche immer noch nicht gerne darüber, weil ich glaube, dass man mich ins Gefängnis stecken könnte, weil ich Geheimnisse verrate. [Lacht.] Es war eine verrückte Zeit. Wir führten alle möglichen Tests durch, um herauszufinden, wohin sich diese Tiere bewegen, wenn man sie freilässt, und welche Faktoren ihre Wanderung beeinflussen. Können wir sie aus Flugzeugen abwerfen und wie bringen wir die Insekten zum Feind? Das war unsere Aufgabe.“ Was geschah auf Plum Island? Stutzig macht, dass die US-Regierung keine zehn Kilometer Luftlinie von Old Lyme entfernt - dem Ort des ersten amtlichen Borreliose-Ausbruchs -, auf Plum Island, einem 3,4 Quadratkilometer großen Inselchen, seit 1952 eine biologische Forschungseinrichtung betrieb – zugangsbeschränkt, hochgradig gesichert, geheimnisumwittert. Von dort bis Long Island ist es gerade mal eine Meile, rund 1600 Meter. Offiziell war es als “ Animal Disease Center ” dem US-Landwirtschaftsministerium unterstellt. Als es öffentliche Besichtigungen zuließ, räumte ein Pressesprecher ein: „Wir betreiben hier defensive biologische Kriegsführung.“ (7) Wie ein Bericht des U.S. Government Accountability Office (GAO) aus dem Jahr 2005 enthüllte, wurde auf Plum Island insgeheim mit tödlichen Krankheitserregern experimentiert, darunter mit dem West-Nil-Virus, dem Nipah-Virus und dem Rifttalfieber. (8) An die Küsten des gegenüberliegenden Festlands soll die Meeresströmung seltsame, genetisch missgebildete Kreaturen gespült haben. Als “Pate” der Einrichtung auf Plum Island gilt der Nazi-Biowaffenexperte Erich Traub. Ab 1942 hatte er ein Geheimlabor der Nationalsozialisten auf der Insel Riems nahe Rügen in der Ostsee geleitet; dort experimentierte er mit Erregern, welche Rinder in der Sowjetunion vergiften sollten. Nach Kriegsende lockte ihn die US Army in ihr Hauptquartier für biologische Kriegsführung nach Fort Detrick, wo er bis in die 1950-er Jahre hinein an biologischen Waffen forschte und mit mehr als 40 tödlichen Keimen arbeitete. (9) Plum Island besuchte er mehrfach . Auch der prominente Enthüllungsjournalist Karl Grossman, Professor an der State University von New York, hat Plum Island im Verdacht, die weltweite Epidemie der Lyme-Borreliose ausgelöst zu haben. (10) Am 7. April 2015 berichtete der Fernsehsender CBS News New York , in mehreren Gebieten um Lyme, Connecticut, sei ein relativ neues, durch Zecken übertragenes Virus namens “Powassan” aufgetaucht. Wieso ausgerechnet dort? Es werde innerhalb von Minuten nach dem Biss übertragen. Gegen alle bekannten Behandlungsmethoden sei es resistent. Es verursache ähnliche Symptome wie die Lyme-Borreliose, darunter Kopfschmerzen, Übelkeit und Fieber. Das Virus kann das zentrale Nervensystem befallen und zu Enzephalitis und Meningitis führen. Eine Infektion könne tödlich verlaufen. Etwa die Hälfte der Überlebenden entwickelt neurologische Symptome wie Muskelschwund und Gedächtnisstörungen. Eine vierteilige Filmreihe über Zusammenhänge zwischen Lyme-Borreliose und Biowaffenforschung ist (noch) bei YouTube abrufbar. Was geht in Manhattan, Kansas vor sich? Zu den Hochburgen der US-Biowaffenforschung zählt das Biosecurity Research Institute (BRI) in Manhattan im US-Bundesstaat Kansas – kürzlich erweitert um ein Hochsicherheits‑Biolab (BSL‑4), um humane und tierische Erreger mit extrem hohem Risiko zu erforschen. Auch dort wird vermutlich seit langem mit Zecken experimentiert. Ist es bloß ein sonderbarer Zufall, dass 200 Meilen südöstlich 2014 ein neues Zeckenvirus entdeckt wurde, das ”Bourbon-Virus” (abgekürzt BRBV) – so benannt nach einem Patienten aus Bourbon County (Kansas), der nach einem Zeckenbiss schwer erkrankte und starb? Und bloß 182 Meilen von Manhattan entfernt tauchte 2009 erstmals das ebenfalls lebensbedrohliche “Heartland-Virus” auf. (11) Beide werden von der besonders aggressiven „Lone Star“-Zecke ( Amblyomma americanum ) übertragen . Schockierende Indizien häufen sich Ein Bericht der US-Armee aus dem Jahr 1967 präsentiert ab Seite 600 Zecken, die man experimentell mit verschiedenen Krankheitserregern infizierte. (12) Auf Seite 301 wird beispielsweise beschrieben, dass Forscher in Boophilus australis – er befällt vor allem Rinder – und Dermacentor andersoni – er bevorzugt neben Rindern auch Wild, Hunde und Menschen - Typhus-Rickettsien einbrachten. Dermacentor albopiotus machten sie zu Überträgern von Fleckfieber und so weiter und so fort. In ihrem Buch „ God Science” (13) beschreibt die US-Autorin und Verlegerin Patricia J. Langhoff ausführlich, wie sie als Kind in Illinois zusammen mit ihren Geschwistern einen Radiosprecher berichten hörte, dass Forscher aus einer nahe gelegenen Einrichtung Gegenstände aus einem Flugzeug werfen würden; man solle diese Gegenstände unbedingt liegen lassen. Kurz darauf gingen alle Kinder in der Nachbarschaft auf die Jagd danach. Patricia fand eine seltsame Kapsel, die beim Aufprall aufgebrochen war. Aus ihr krochen lustig aussehende Käfer, die sie nicht kannte. Einer biss sie. Daraufhin entwickelte sie einen perfekten ringförmigen Hautausschlag. Sie ging von Arzt zu Arzt, doch keiner hatte die geringste Ahnung, worum es sich handelte. Und so wurde Patricia vom Klassenprimus zu einer Schülerin mit enormen Lernschwierigkeiten. Seitdem kämpft sie mit anhaltenden Symptomen. Jahre später versuchte sie, offizielle Informationen über jenes Zeckenprogramm zu erhalten. Aber jegliche Hinweise darauf waren aus allen Unterlagen verschwunden, obwohl sich alle ihre Geschwister daran erinnern, als sei es gestern gewesen. Als Pete Hegseth noch nicht US-Verteidigungsminister unter Trump, sondern polarisierender Moderator beim Sender Fox News war, hatte er auch Kris Newby zu Gast. Ob die Regierung die Zecken denn absichtlich oder bloß versehentlich freigesetzt habe, fragte er die Journalistin. Newby zitierte daraufhin aus ihren Gesprächen mit Willy Burgdorfer: “Es ist nicht hundertprozentig klar, aber Willy sagte: ‚Unfälle passieren.‘ Es gab viele Tests und Pilotprogramme, um die perfekte Kombination aus Zecken und Krankheiten zu finden. Es gab Freilandversuche. Ich bin auf einen Versuch an der Küste von Virginia gestoßen, bei dem mehr als 100.000 besonders aggressive Lone-Star -Zecken freigesetzt wurden.” (14) Weniger als einen Zentimeter lang, können diese Spinnentiere - benannt nach dem weißen Fleck auf dem Rücken der erwachsenen Weibchen - die von Menschen abgegebene Wärme und Kohlendioxid schon aus mehreren Metern Entfernung wahrnehmen. Dann „jagen sie dich regelrecht“, erklärt Richard Ostfeld, Krankheitsökologe am Cary Institute of Ecosystem Studies in Millbrook, New York. „Sie rennen tatsächlich auf dich zu.“ Ein Thriller schlägt Wellen – bis Washington Was Kris Newby herausfand, präsentierte sie 2019 in ihrem Buch “ Bitten: The Secret History of Lyme Disease and Biological Weapons ” – einem wahren Thriller, der Wellen schlug. Einen Kongressabgeordneten, den Republikaner Chris Smith , beeindruckten die zusammengetragenen Indizien derart, dass er eine Überprüfung beantragte. Damit hatte er Erfolg: Im Juli 2019 wies das US-Repräsentantenhaus den Generalinspekteur des Pentagon tatsächlich an, zu untersuchen, ob das Verteidigungsministerium "zwischen 1950 und 1975 mit Zecken und anderen Insekten im Hinblick auf die Verwendung als biologische Waffen experimentierte” – und infizierte Zecken “versehentlich oder durch einen Versuch” auf die ahnungslose amerikanische Öffentlichkeit losgelassen hat. (15) Grundlose Zweifel an sinnlosem Projekt? Wie zu erwarten, verlief die Untersuchung im Sande. Stichhaltige Beweise fehlten, namhafte Experten erklärten Newbys Verdacht umgehend für absurd. “Zecken und Borreliose wären eine sehr merkwürdige Wahl für eine gezielte Biowaffe, denn Zecken sind schwer zu handhaben, haben keine Flügel, und Borreliose wäre kaum ein Krafträuber", erklärte Robert Peterson, Professor für Entomologie an der Montana State University. “Das ist eine wirklich schwache Anschuldigung", so befand auch Jeffrey Lockwood, der an der Universität von Wyoming Natur- und Geisteswissenschaften unterrichtet. In seinem Buch " Six-Legged Soldiers: Using Insects as Weapons of War " hatte er im Jahr 2010 über Versuche der US-Army zur biologischen Kriegsführung mit Zecken, Fliegen und Flöhen berichtet. Während des Kalten Krieges erforschte sie, ob Zecken zur Verbreitung von Tularämie, Rückfallfieber und Colorado-Fieber eingesetzt werden können. Trotzdem bleibt Lockwood "zutiefst skeptisch", dass das Militär Zecken zur Übertragung von Borreliose eingesetzt hat. „Zecken sind nicht der beste Vektor für die Verbreitung von Biowaffen, weil sie nicht sehr weit kommen und die Borreliose ein langsam wirkender Erreger ist.“ Andere von Zecken übertragene Krankheiten seien für den Menschen viel schlimmer. "Die Borreliose mit einem Zeckenvektor als Waffe einzusetzen, macht einfach keinen Sinn", so Lockwood – was freilich nicht ausschließt, dass dennoch eine Zeitlang daran herumgebastelt wurde. "Andererseits war die Entwicklung von US-Militärwaffen ehrlich gesagt auch nicht immer sinnvoll.“ Zwar kommen Fälle von Borreliose nahe der Nordostküste der USA, dem angeblichen Testgebiet, tatsächlich auffallend häufiger vor als in den meisten übrigen Regionen – sind dort aber nicht verbreiteter als beispielsweise in Teilen Wisconsins, über 1500 km weiter westlich: “Verschwörungstheorien” seien wissenschaftlich widerlegt, erklären Faktenchecker. Weitere Nachforschungen seien Zeit- und Geldverschwendung. Sie zitieren Studien, denen zufolge Borrelia burgdorferi bereits Jahrzehnte vor Biolab-Forschungen in der Wildnis nachgewiesen wurde, beispielsweise in Museumsexemplaren von Weißfußmäusen und Hirschzecken aus den Jahren 1894 bzw. 1945. Aber schließt dies aus, dass Biowaffenforscher den Erreger noch weitaus gefährlicher machten, als er jemals zuvor gewesen war? Auch SARS-CoV-Viren gab es lange vor der Corona-Pandemie – aber erst Virologen "optimierten" sie zu etwas hochinfektiös Lebensbedrohlichem. (16) Falls Militärs in Connecticut tatsächlich Zecken mit biotechnisch scharfgemachten Erregern freigesetzt haben – müssten seither dort nicht viel schlimmere Krankheitsverläufe auftreten als in anderen US-Bundesstaaten, geschweige denn in Europa und Nordasien, wo sich die Lyme-Borreliose ja ebenfalls seit Jahrzehnten epidemisch verbreitet? Im übrigen ist Borrelia burgdorferi ja nicht bloß in Nordamerika verbreitet, sondern auch in Europa. Wie sollte der Erreger, selbst wenn er irgendwo in den USA gentechnisch manipuliert und freigesetzt wurde, jemals den Atlantik überquert haben? Um die Schwimm- und Flugkünste von Zecken ist es bekanntlich schlecht bestellt. Doch Zugvögel könnten infizierte Zecken als „blinde Passagiere“ von Kontinent zu Kontinent getragen haben. Oder die Bakterien ließen sich in exportierten Pelzen, Haus- und Nutztieren zu uns einschleppen. Kronzeuge Burgdorfer selbst kann zu alledem leider nicht mehr Stellung nehmen. Er starb 2014. (Erich Traub schon 1985.) Mit Gain-of-Function -Forschung muss endlich Schluss sein. Sofort. Ob Lyme-Borreliose, Ebola , Covid-19 oder sonstige Infektionskrankheiten auf biotechnologische Tüfteleien in Laboratorien zurückgehen oder nicht; wenn ja, ob solche teuflischen Kreationen versehentlich entwichen oder absichtlich freigesetzt wurden: Kommt es letztlich darauf an? Entscheidend ist: Es könnte so gewesen sein. Und jederzeit könnte es sich wiederholen, mit katastrophalen Folgen, die bei weitem schlimmer wären als jeder atomare Super-GAU. Rund um den Globus arbeiten Heerscharen fleißiger Wissenschaftler, im Auftrag von Militärs, Geheimdiensten und Konzernen, in Hunderten von Hochsicherheitslaboren wie von Sinnen daran, ohnehin gefährliche Krankheitserreger noch ansteckender, noch pathogener, noch tödlicher zu machen. Immer wieder kommt es zu Lecks. Schon das nächste könnte das Ende der Menschheit bedeuten. Oder es beschert uns eine umfassend “beschützende”, biofaschistische Hygienediktatur nach rotchinesischer Vorlage. Drei unsägliche Corona-Pandemiejahre haben uns einen vergleichsweise harmlosen Vorgeschmack darauf geboten. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1) So Newby in einem Interview mit dem Journalisten Paul D. Thacker, veröffentlicht am 28. Februar 2023. (2) Offizielle Historie von Fort Detrick , Memento vom 21. Januar 2012, https://web.archive.org/web/20120121062629/http:/www.detrick.army.mil/cutting_edge/index.cfm?chapter=contents ; B.D. Green, L. Battisti and C.B. Thorne, "Involvement of Tn4430 in Transfer of Bacillus anthracis Plasmids Mediated by Bacillus thringiensis Plasmid pX012a", Journal of Bacteriology 171 (1989), S. 104–113; „Gefährliche Viren sind weg“, Frankfurter Rundschau , 25. September 1986. (3) https://madisonarealymesupportgroup.com/2018/07/01/surveillance-for-heartland-bourbon-viruses-in-eastern-kansas/ ; https://galacticconnection.com/lyme-disease-mycoplasma-and-bioweapons-development-timeline/ (4) https://en.wikipedia.org/wiki/Project_112 , Abschnitt “Declassification” (5) Jeanne Guillemin : Biological Weapons: From The Invention Of State-Sponsored Programs To Contemporary Bioterrorism (2005), S. 109-110. (6) Siehe https://madisonarealymesupportgroup.com/2019/07/31/tick-expert-admits-to-working-on-ticks-dropping-them-out-of-airplanes/ ; Marlin E. Rice & James H. Oliver, Jr.: „Ticks, Lyme Disease, and a Golden Gloves Champion“, American Entomologist 62 (4) 2016, S. 206–213, doi:10.1093/ae/tmw073. (7) Zit. nach https://madisonarealymesupportgroup.com/2021/11/12/interview-u-s-bioweapon-lab-suspected-of-source-of-lyme-disease/ (8) 7 news.cn , 25.8.2021: “ Interview: U.S. bioweapon lab suspected of source of lyme disease: expert ”. (9) Glen Yeadon/John Hawkins: The Nazi Hydra in America: Suppressed History of a Century. Joshua Tree CA 2008, S. 381. (10) Andrew Nikiforuk lastet den Aktivitäten auf Plum Island ebenfalls die Verbreitung der Lyme-Borreliose an, s. sein Buch Pandemonium: How Globalization and Trade are Putting the World at Risk , St. Lucia, Queensland 2007, S. 208. (11) http://www.fstribune.com/story/2150107.html ; https://madisonarealymesupportgroup.com/21.07.2019/got-15-minutes-the-officially-ignored-link-between-lyme-plum-island/ (12) pps.dtic.mil/dtic/tr/fulltext/u2/660311.pdf , neuerdings nicht mehr abrufbar; siehe https://madisonarealymesupportgroup.com/2018/12/19/its-1984/ (13) Patricia J. Langhoff : God Science - The Secret World of Rampant Genetics, Hidden Illness, and Biotech Profiteering ” (Gott, Wissenschaft: Die geheime Welt der grassierenden Genetik, versteckten Krankheiten und Biotech-Profite) (2011). In einem 2008 erschienenen Buch It's All In Your Head, Around the World in 80 Lyme Patient Stories: Valid Reasons to Debate Current Treatment Guidelines sammelt und dokumentiert 80 Patientenerfahrungen mit Lyme-Borreliose aus verschiedenen Ländern. Viele Betroffene berichten, dass chronische Verläufe von der Schulmedizin oft nicht anerkannt oder als „psychosomatisch“ abgetan wurden. Langhoff stellt die umstrittenen offiziellen Behandlungsrichtlinien infrage. (14) Zit. nach https://www.foxnews.com/media/fox-friends-lyme-disease-weaponization ? (15) Siehe British Medical Journal 366/2019: “ US Pentagon is told to investigate claims that Lyme disease is escaped bioweapon from cold war ”; nj.com , 24.9.2021: “Did Pentagon turn ticks into bioweapons that spread Lyme Disease? House just approved a study”, https://www.nj.com/politics/2021/09/did-pentagon-turn-ticks-into-bioweapons-that-spread-lyme-disease-house-just-approved-a-study.html (16) Siehe Harald Wiesendanger: Corona-Rätsel - Was steckt wirklich hinter dieser Pandemie? Wem nützt sie? Was bringt uns die nächste? , Juni 2020. Bildquellen: Bakterium Borrelia burgdorferi : Von Photo Credit:Content Providers(s): CDC - Dieses Medium stammt aus der Public Health Image Library (PHIL), mit der Identifikationsnummer #6631 der Centers for Disease Control and Prevention.Hinweis: Cropped and uploaded originally to ( http://en.wikipedia.org/wiki/Image:Borrelia_image.jpg ), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=302837 Foto Zecke: Sven/Nicooografie – Pixabay Grafik Verbreitung Lyme-Borreliose in USA: https://www.forbes.com/sites/judystone/2019/05/29/more-ticked-off-the-growing-threat-of-lyme-and-tick-borne-diseases/ Plum Island – Luftaufnahme: https://madisonarealymesupportgroup.com/21.07.2019/got-15-minutes-the-officially-ignored-link-between-lyme-plum-island/
- Zuviel des Guten – Die Omega-3-Falle
Gesundheitsbewusste wissen: Ihr Körper benötigt Omega-3-Fettsäuren, kann sie aber nicht selber herstellen. Also greifen viele übereifrig zu Supplementen – und richten dabei womöglich größeren Schaden an, als sie zu verhindern hoffen. „Immer eine gute Idee für Ihr Herz“, „Hilft jeder Zelle Ihres Körpers“, „Die erste Wahl zur Unterstützung der Herz-Kreislauf-Gesundheit“, “Reines Wohlbefinden”, “Pflanzliche Power für Herz, Gehirn und Zellschutz”, “Die Kraft des Meeres für deinen Körper” (1): Wen lassen solche Verheißungen schon kalt? Wer sich richtig ernähren will, kommt anscheinend nicht daran vorbei: Omega-3-Fettsäuren sind „essentiell“ – der Körper kann sie nicht selbst herstellen, wir müssen sie also über die Nahrung aufnehmen, ähnlich wie fast alle Vitamine und 9 von 20 Aminosäuren. Gleiches gilt für Omega-6. Beide erfüllen lebenswichtige Funktionen: Sie sind Bausteine von Zellmembranen, regulieren Entzündungsprozesse, beeinflussen Blutdruck und Blutgerinnung, spielen eine wichtige Rolle für Herz, Gehirn und Immunsystem. Während Omega-6-Fettsäuren - z. B. in Sonnenblumen-, Mais- oder Sojaöl - vor allem entzündungsfördernde Signalstoffe begünstigen, wirken Omega-3-Fettsäuren – beispielsweise aus fettem Seefisch, Algen, Leinsamen, Walnüssen -, insbesondere EPA und DPA, nach vorherrschender Lehrmeinung eher entgegengesetzt: Sie hemmen Entzündungen und schützen Gefäße. Dabei kommt es auf ihr Verhältnis an: Als ideal gilt 1:3 bis 1:5 (Omega-3 zu Omega-6). Bei vorherrschenden westlichen Ernährungsweisen liegt es jedoch oft bei 1:15 oder schlechter. Das begünstigt chronische Entzündungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Gelenkbeschwerden. Um gegenzusteuern, greifen immer mehr Gesundheitsbewusste eifrig zu Nahrungsergänzungsmitteln. Der Markt ist gigantisch und wächst rasant weiter: Der weltweite Jahresumsatz mit Omega-3-Supplementen dürfte bis Ende 2025 bei rund 52 Milliarden US-Dollar liegen; bis 2033 könnte er auf sage und schreibe 102 Milliarden anwachsen. Noch gefragter sind nur Vitaminpräparate. Zuviel des Guten Was den meisten Konsumenten unklar ist: Sie tun womöglich zuviel des Guten. Zwar verursachen die üblichen Dosen - 250–800 mg EPA/DHA täglich - bei den meisten Menschen keinerlei akute Beschwerden, insoweit gelten sie als sicher . Wer sich jedoch Tag für Tag mehr als 10 g Omega-3-Fettsäuren zuführt – mittels hochdosierter Präparate, zusätzlich zu fettreicher Ernährung –, riskiert eine folgenschwere Überversorgung: · Erhöhte Blutungsneigung: Omega-3 hemmt die Blutgerinnung. Bei sehr hohen Dosen kann es zu Nasenbluten und Hämatomen kommen, im Extremfall zu inneren Blutungen - besonders riskant, wenn man gleichzeitig Blutverdünner wie ASS, Warfarin, DOAKs einnimmt. · Schwächung des Immunsystems: Zu starke Entzündungshemmung kann die Fähigkeit des Körpers beeinträchtigen, Infektionen zu bekämpfen. · Ungünstige Lipidveränderungen : Manche Studien zeigen, dass extrem hohe Dosen das LDL-Cholesterin anheben können. · Oxidationsrisiko : Überschüssige Omega-3-Fettsäuren sind oxidationsanfällig. Ohne genügend Antioxidantien wie Vitamin E kann dies mehr oxidativen Stress im Körper erzeugen. · Vorhofflimmern : Herzrhythmusstörungen. Aber schon ab einer Tagesdosis von mehr als 2 bis 3 Gramm, so heißt es, können unangenehme Nebenwirkungen auftreten – von Übelkeit über Blähungen und fischiges Aufstoßen bis Sodbrennen -, langfristig steigen Risiken. Oder wird es womöglich schon bei noch geringeren Mengen gefährlich? Omega-3 kann Entzündungen fördern, statt sie zu hemmen Zur Vorsicht mahnt jedenfalls ein britisch-australisches Forscherteam in einer soeben im International Journal of Epidemiology veröffentlichten Studie . Sie hinterfragt die Vorstellung, mehr Omega-3 sei automatisch gleichbedeutend mit besserer Gesundheit. Schaden die Kapseln mit Fischöl und Algenpulver womöglich mehr, als sie nützen? Die Wissenschaftler analysierten Daten von über 15.000 gesunden Menschen aus der UK Biobank – sie umfasst detaillierte Informationen über Gesundheit und Lebensstil von rund 500.000 Briten im Alter von 40 bis 69 Jahren (2) – sowie aus der Avon Longitudinal Study of Parents and Children , die seit Anfang der 1990-er Jahre die Kinder von rund 14.000 schwangeren Frauen, deren Geburtstermin zwischen April 1991 und Dezember 1992 lag, kontinuierlich wissenschaftlich begleitet. (2) Dabei konzentrierten sich die Wissenschaftler auf drei wichtige Marker im Blut, die Entzündungen anzeigen: - das C-reaktive Protein (CRP) : ein Eiweiß, das in der Leber gebildet wird – und zwar immer dann, wenn im Körper eine Entzündungsreaktion abläuft. Es gehört zu den sogenannten Akute-Phase-Proteinen, deren Spiegel im Blut sehr schnell ansteigt – innerhalb von 6 bis 12 Stunden -, wenn der Organismus auf Infektionen, Verletzungen oder andere Reize reagiert. - Interleukin-6 (IL-6) : ein Botenstoff (Zytokin) des Immunsystems, der eine Schlüsselrolle bei Entzündungsreaktionen spielt. Ihn bilden vor allem Immunzellen (Makrophagen, T-Zellen), aber auch Zellen der Gefäßwand oder Fibroblasten, die Baumeister und Instandhalter des Bindegewebes. IL-6 regt die Leber an, Akute-Phase-Proteine wie besagtes CRP zu produzieren. Es fördert Bildung von Antikörpern, aktiviert T-Zellen, um die Immunantwort zu verstärken, und lockt neutrophile Granulozyten an den Entzündungsort: spezialisierte weiße Blutkörperchen (Leukozyten), welche die häufigste Untergruppe der Immunzellen im Blut bilden. Sie sind die „Frontsoldaten“ der Immunabwehr: Extrem schnell und hochaggressiv gegenüber Eindringlingen, sterben sie nach getaner Arbeit oft selbst ab. Zudem wirkt IL-6 auf das Gehirn, um Fieber auszulösen – ein klassisches Entzündungszeichen. - Glykoprotein-Acetyl (GlycA): Es bestimmt die „Zucker-Signatur“ mehrerer Entzündungsproteine gleichzeitig – vergleichbar mit einer Feuerwehr, die ausrückt, wenn etwas nicht stimmt, zum Beispiel bei einer Infektion, Verletzung oder bei „stillen“ Entzündungen im Gewebe. Die GlycA-Feuerwehr besteht aus bestimmten Eiweißen im Blut, die sich sofort vermehrt bilden, wenn irgendwo ein Brand (eine Entzündung) lodert. Diese Eiweiße tragen kleine Zuckeranhängsel – vergleichbar mit bunten Flaggen, die man an Einsatzfahrzeugen befestigt. Wenn viele solcher Fahrzeuge gleichzeitig unterwegs sind, sieht man plötzlich überall diese Flaggen. Und genau das misst GlycA: Wie ein Verkehrszähler an der Feuerwehrwache erfasst er sozusagen die Zucker-Flaggen der ganzen Flotte von Entzündungs-Eiweißen auf einmal – so zeigt er an, wie ausgelastet die Feuerwehr insgesamt ist. GlycA gilt als besonders empfindlicher Marker für unterschwellige, dauerhafte Entzündungen, wie sie bei Adipositas, Typ-2-Diabetes, Arteriosklerose, Herz-Kreislauf- und Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis oder Lupus vorkommen. Auch wenn kein Großbrand tobt – eine manifeste Infektion, die mit Symptomen spürbar in Erscheinung tritt -, lässt GlycA erkennen, ob ständig irgendwo unterschwellig kleine Schwelbrände im Körper glimmen. Zur Überraschung der Wissenschaftler gingen sowohl Omega-3- als auch Omega-6-Fettsäuren mit höheren GlycA-Werten einher. Dazu zählten Docosahexaensäure (DHA), eine Omega-3-Fettsäure, die in Fischöl vorkommt, und Linolsäure (LA), eine mehrfach ungesättigte Omega-6-Fettsäure in Pflanzenölen. Beide erhöhten auch den CRP-Wert. Das ist besorgniserregend, denn beide Marker stehen mit langfristigen Gesundheitsproblemen wie Herzerkrankungen und Typ-2-Diabetes in Verbindung. Der Zusammenhang war eindeutig: Die Gesamtmenge an Omega-3-Fettsäuren führte zu einem Anstieg des CRP um 0,09 Punkte und des GlycA um 0,12 Punkte – genug, um Alarm zu schlagen. Immer noch herrscht die Lehrmeinung vor, das Hauptproblem sei ein unausgewogenes Verhältnis – zuviel Omega-6, zuwenig Omega-3. Die britisch-australische Studie ergab jedoch, dass beide Fette, für sich genommen, einen Anstieg von GlycA verursachten. (Werte aller drei Entzündungsmarker waren allerdings umso höher, je mehr Omega-6 in Relation zu Omega-3 vorlag – insofern bleibt ihr Verhältnis wichtig.) Zwar bestätigt die Studie auch Altbekanntes: Omega-6-Fettsäuren fördern Entzündungen. Mehr Omega-3 löst das Problem aber nicht unbedingt, und zwar aus einem simplen Grund: Beide durchlaufen in unserem Körper die gleichen biochemischen Wege – sie werden mit denselben Enzymen verarbeitet. Da sie auf denselben Mechanismus angewiesen sind, konkurrieren sie miteinander. Wenn unser System mit Omega-6-Fettsäuren überflutet ist, verlangsamt dies die Verarbeitung von Omega-3, und umgekehrt. Einige Nebenprodukte, die bei diesem Prozess entstehen, fördern Entzündungen oder erhöhen die Blutgerinnung, je nachdem, wie viel von jedem Fett vorhanden ist. Wie wir auf diese Fette reagieren, hängt in erster Linie von unserem Erbgut ab – von bestimmten Genen, die steuern, wie unser Körper sie verstoffwechselt. Je nach Genvariante haben manche Menschen nach Omega-Aufnahme höhere CRP-Werte, bei andere fallen die CRP-Werte etwas niedriger aus. Der Schuss kann nach hinten losgehen Weder Omega-3 noch Omega-6 wirkten entzündungshemmend. In Wirklichkeit hatten in der Studie beide Arten von Fetten entweder überhaupt keine Wirkung - oder sie verstärkten die Entzündung. Die Schlussfolgerung ist klar: Wer blindlings Fischöl oder „herzgesunde” Pflanzenöle zu sich nimmt, verschlimmert die Situation womöglich, anstatt sie zu verbessern. Heißt das etwa, dass wir darauf verzichten sollten, ein bestehendes Missverhältnis von Omega-3 zu Omega-6 zu beheben? Nein – aber wir sollten es auf die richtige, nachhaltige Weise tun. Wenn ein Schiff nach Backbord Schlagseite hat, könnten wir auf Steuerbord Wasser einlassen – so wäre die Schieflage auszugleichen. Aber die eigentliche Ursache bestünde fort: ein Leck unter Wasser. Solange wir sie nicht beheben, müssen wir auf ein übles Ende gefasst sein. Ähnlich verhält es sich mit einem Missverhältnis zwischen Omega-3 und Omega-6: Es zeigt längst nicht bloß an, dass mit zwei speziellen Arten von Fettsäuren in uns etwas nicht stimmt; vielmehr weist es darauf hin, dass mit unserem Stoffwechsel insgesamt etwas im argen liegt. Heraufbeschworen haben wir dies nicht etwa dadurch, dass wir es versäumten, in der Drogerie klug einzukaufen – wir haben unklug gelebt. Denn Fettsäuren wirken im Körper nicht unabhängig davon, was wir uns ansonsten alles einverleiben. Wenn wir uns schlecht ernähren – mit einem Übermaß an verarbeiteten, nährstoffarmen Lebensmitteln, zuwenig Ballaststoffen, zuviel Alkohol, zuvielen Kalorien, zuvielen minderwertigen Pflanzenölen, die unsere Zellen mit entzündungsfördernden Fetten fluten -, so kann die einfache Zugabe von Omega-3-Fettsäuren das zugrunde liegende Ungleichgewicht im Immunsystem nicht beheben. Stattdessen könnte der Schuss sogar nach hinten losgehen, wie die britisch-australische Studie belegt: nämlich Entzündungen weiter verstärken, falls unser Körper bereits unter metabolischem Stress steht. Nahrungsergänzungsmittel: das Alibi der Faulen Das sind Bad News für alle, die mit Supplementen bequem auszugleichen versuchen, was sie ihrem Körper ansonsten Übles antun – nach dem Motto: „Drei Donuts am Morgen, drei Fischölkapseln am Abend: fertig ist die ausgewogene Ernährung.“ Eine Handvoll Tabletten, hie und da ein grüner Smoothie mag schlechtes Gewissen neutralisieren. Eine alles in allem miserable Ernährung lässt sich aber weder mit ein paar „gesunden” Lebensmitteln noch mit Supplementen wettmachen. Was wirklich zählt, ist die Gesamtqualität und Ausgewogenheit bei alledem, was wir essen und trinken. Erst dann kommen wir der häufigsten Ursache für chronische Entzündungen bei – denn diese sind ernährungsbedingt. Dabei geht es bei Entzündungen nie bloß darum, was man zu sich nimmt, sondern auch darum, was man weglässt. Und nie ist ein einzelner Nährstoff das Allheilmittel. Und daraus folgen Good News : Den Umsatz der Nahrungsergänzungsmittelbranche zu erhöhen, ist meistens überflüssig. Wie wäre es, sich stattdessen einfach abwechslungsreich, vollwertig und ausgewogen zu ernähren - möglichst in Bio-Qualität und ohne industrielle Fertigprodukte? Dann gibt es von vornherein kein Zuviel an Omega-6. Und zwangsläufig stehen dann auch ausreichend Omega-3-haltige Lebensmittel auf dem Speiseplan: fettreiche Kaltwasserfische wie Heringe, Makrelen, Sardinen und Lachs; pflanzliche Quellen wie Samen und Nüsse, Hanf- und Rapsöl. Wer sich´s leisten kann, greift zu teurem Krillöl, einer hochwertigen, besonders gut bioverfügbaren Omega-3-Quelle, gewonnen aus winzigen Krebstieren im Südpolarmeer. Darüber hinaus auf reichlich Bewegung, viele wertvolle Sozialkontakte und eine sinnvolle Aufgabe zu achten, hat ebenfalls noch niemandem geschadet. Rund um den Globus leben Abertausende von “Centenarians”, die bei guter Gesundheit über 100 Jahre alt geworden sind, ohne jemals zu Omega-3-Kapseln gegriffen zu haben. Wie findet man heraus, ob überhaupt Omega-3 fehlt? Sinnvoll, ja notwendig sind Supplemente einzelner Nährstoffe im allgemeinen nur in speziellen Lebenssituationen – während der Schwangerschaft und der Stillzeit, im Alter, bei veganer Ernährung, bei bestimmten Krankheiten und genetisch bedingten Defiziten. Eine ganze Reihe von Beschwerden kann auf einen Omega-3-Mangel hindeuten: von trockener, schuppiger Haut, Hautunreinheiten und Ekzeme, trockenen Augen und Sehstörungen über Müdigkeit, Erschöpfung, Muskelschwäche, Konzentrationsprobleme, Gedächtnisstörungen, Stimmungsschwankungen und Depressionen bis hin zu häufige Infekten, einer erhöhten Neigung zu Entzündungen, Gelenkschmerzen und Wassereinlagerungen. Leider sind all diese Symptome alles andere als eindeutig – sie passen zu vielerlei Grunderkrankungen. Und selbst wenn mehr Omega-3 angebracht wäre: Wie hoch sollte dieses „Mehr“ sein? Die allermeisten Supplementkäufer peilen über den Daumen, im blinden Vertrauen auf pauschale Verzehrempfehlungen der Hersteller, ohne ihren persönlichen Bedarf zu kennen. Genau feststellen lässt sich der Status über einen Bluttest, den Omega-3-Index: Er misst den Anteil von EPA und DHA in den Membranen roter Blutkörperchen. Werte unter 4 % gelten als kritisch, 8–11 % als optimal. Dazu muss man nicht unbedingt zum Arzt. Mit speziellen Test-Kits lässt sich die Messung auch bequem zu Hause durchführen. Angebote mit gutem Preis-/Leistungsverhältnis liegen zwischen 54 und 90 Euro. Um nach Ernährungsumstellung oder beim Supplementieren auf Nummer Bombensicher zu gehen, müssten zur Kontrolle vierteljährlich Blutanalysen stattfinden. Wäre da der viel billigere, unkompliziertere, natürliche Weg zu ausreichend Fettsäuren im Körper, seit Hunderttausenden von Jahren bewährt, nicht der sinnvollere: wahrhaft gesund zu leben? Balance statt Extrem: Das muss dabei das Ziel sein. Wie überhaupt im Leben, pflegt auch bei Ernährungsfragen der Mittelweg fast immer der goldene zu sein. ( Harald Wiesendanger ) P.S.: Dieser Artikel darf nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, er ersetzt nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Anmerkungen (1) https://www.newhope.com/industry-insights/the-omega-3-coalition-putting-rivalries-aside-for-the-greater-good ; https://www.ispot.tv/products/Ya/omega-3 , https://www.youtube.com/watch?v=u_qguuhm-Ck , https://www.rossmann.de/de/gesundheit-optimum-performance-omega-3-vegan/p/0745202590057 , https://www.amazon.de/Hochdosiert-Omega-Kapseln-Testsieger-Zitronengeschmack/dp/B0FCC7HF7H/ref=sr , https://www.amazon.de/Omega-Fisch%C3%B6l-Einf%C3%BChrungspreis-Triglycerid-Form-aufgereinigt/dp/B07L6K4HNC/ref=sr (2) Die Datensammlung für die UK Biobank zwischen 2006 und 2010 schloss ein: Fragebögen zu Lebensstil, Ernährung, sozialem Umfeld; körperliche Messungen, z. B. Blutdruck, BMI, Augenuntersuchungen; Blut-, Urin- und Speichelproben; genetische Daten (DNA-Analysen, Whole Genome Sequencing); bildgebende Verfahren, insbesondere MRT von Gehirn, Herz, Gelenken usw. Sie wurden verknüpft mit elektronischen Gesundheitsakten und Statistiken über Todesursachen. Ziel war es, Ursachen von Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes, Alzheimer, Depression besser zu verstehen; genetische Risikofaktoren und Gene-Umwelt-Interaktionen aufzuspüren; Prävention und personalisierte Medizin voranzubringen. Die UK Biobank gilt als Goldstandard für groß angelegte Kohortenstudien, weil sie sehr umfangreich und standardisiert Daten erhebt, die Teilnehmer über Jahrzehnte nachverfolgt und Forschern weltweit einen offenen Zugang bietet. (3) Über Jahrzehnte hinweg erhebt ALSPAC - auch bekannt als "Children of the 90s" - medizinische, biologische, psychologische, soziale und umweltbezogene Informationen. Die Studie umfasst: Fragebögen zu Gesundheit, Lebensstil, Ernährung, psychischer Befindlichkeit, sozialem Umfeld; körperliche Untersuchungen, z. B. von Wachstum, Blutdruck, Augen; Proben von Blut, Urin, Nabelschnurblut, Speichel, DNA; genetische Daten; bildgebende Verfahren wie (MRT und DEXA-Knochendichtemessungen. Inzwischen bezieht ALSPAC auch Eltern und mittlerweile die Kinder der ursprünglichen Kinder ("Second Generation") ein.
- Mit Gott reden? – Was Gebete heilsam macht
„Beten Sie?“ In Umfragen antworten inzwischen vier von zehn Deutschen darauf: „nie“. Nur 17 % beten täglich. Einigermaßen regelmäßig, vor allem sonntags und an christlichen Feiertagen, tun es 27 %. In schwierigen Lebenslagen – beispielsweise bei schwerer Krankheit, in Beziehungskrisen, in finanzieller Not, bei drohendem Jobverlust – wächst dieser Anteil auf 40 %. Was bringt´s? Warum ist die Zwiesprache mit Gott weitgehend aus der Mode gekommen? Ein Hauptgrund ist: fortwährende Frustration. In früher Kindheit wurde uns ein Gottesbild anerzogen, das uns an einen himmlischen Vater glauben ließ: für die Augen unsichtbar, aber allgegenwärtig, allwissend, allmächtig, obendrein der Inbegriff von Liebe. Wie ein total perfekter Märchenpapa, allzeit bereit und fähig, uns zu beschützen und weiterzuhelfen. Beten bedeutete für uns Dreikäsehochs , diesen Vater um etwas zu bitten. Doch allzu selten erfüllten sich unsere Anliegen daraufhin. Wenn wir insbesondere um Heilung baten – für uns selbst, für einen schwerkranken Angehörigen oder Freund -, wie oft trat sie daraufhin tatsächlich ein? Je öfter unsere Gebete unerhört blieben – gleichgültig, wie andächtig und inbrünstig wir sie vortrugen -, desto mehr wuchsen unsere Zweifel: Warum lässt Gott mich, oder meinen Nächsten, derart leiden, so stark, so lange, so unverdient? Schreit diese Not denn nicht buchstäblich zum Himmel? Wieso unternimmt Er nichts dagegen, obwohl er doch könnte? Kommt das nicht unterlassener Hilfeleistung gleich? Ein Vater, der seine Kinder leiden lässt, obwohl er eingreifen könnte, vernachlässigt Fürsorgepflichten. Er wird unglaubwürdig. Aber diese Enttäuschung könnte von einem Missverständnis herrühren, was Beten ausmacht – und auf welche Weise es hilft. Viele stellen es sich vor als eine Bestellung bei einem transzendenten Amazon, verbunden mit der Erwartung, dass zügig, vollständig und frei von Mängeln geliefert wird. Geschieht das nicht, sind wir ungehalten. Träte Gott als Webshop-Betreiber auf: Seine Kundenbewertungen wären von fünf Sternen jedenfalls weit entfernt, eher lägen sie im tiefsten Keller. Ist Beten nicht unlogisch? Irgendwann werden unsere Zweifel grundsätzlicher: Wie logisch ist der Akt des Betens überhaupt? Der christliche Glaube versieht seinen Gott mit den Attributen der Allgegenwart, der Allwissenheit, der Allmacht und der allumfassenden Liebe. Bitten an ein derartiges Wesen zu richten – vorausgesetzt, es existiert überhaupt -, kam mir von früher Jugend an zunehmend absurd vor. Entweder weiß dieser Überallundnirgends-Jenseitige, wie sehr ich leide, kann es aber nicht ändern – dann wäre Er ohnmächtig; oder Er will es nicht ändern – dann wäre Er grausam; oder Er ahnt nichts davon – das widerspräche seiner Allwissenheit. Entweder Er weiß, was ich brauche – dann bekomme ich es ohnehin. Oder ich brauche es nicht, zumindest nicht von Seiner höheren Warte aus betrachtet – dann ist das Flehen darum ebenfalls müßig. Wenn Er alles jederzeit und überall zu unserem Besten bestimmt und lenkt, dann drückt sich auch in schwerster Krankheit eine göttliche Intention aus, den eine menschliche Willensäußerung, gleichgültig wie fromm und inbrünstig vorgetragen, schwerlich umbiegen kann; sie vollzieht sich unabhängig davon, was der Betroffene anstellt oder bleibenlässt. (1) Schon Immanuel Kant bemängelte: «Das Beten, als ein innerer, förmlicher Gottesdienst, ist ein abergläubischer Wahn (ein Fetischmachen); denn es ist ein bloß erklärtes Wünschen gegen ein Wesen, das keiner Erklärung der inneren Gesinnung des Wünschenden bedarf.» (2) Von Ärzten dokumentiert: Gebete helfen Trotzdem nutzen Gebete manchmal, zweifellos. Ganze Regalwände ließen sich mit sorgfältigen Dokumentationen von Gebetsheilungen füllen – vereinzelt sogar ärztlich bestätigten. (3) So berichtet der britische Arzt Rex Gardner über eine Kollegin, Jennifer Fendick (4), die sich 1975 mit Meningokokken-Bakterien infizierte. In lebensbedrohlichem Zustand wurde sie eines frühen Morgens ins Krankenhaus eingeliefert. Die Diagnose lautete auf «Waterhouse-Friderichsen-Syndrom»: ein geradezu schlagartig einsetzendes Leiden, das fast immer nach wenigen Stunden zum Tod führt. Seinen Namen gab ihm der Arzt Rupert Waterhouse, der 1958 starb. Im medizinischen Fachjargon gilt es als «<perakut» (von lat. acutus : zugespitzt; sinngemäß: höchst gefährlich) und «<foudroyant» (von frz. foudroyer : durch den Blitz erschlagen; sinngemäß: blitzartig einsetzend). Solche Diagnosen sorgen auf Intensivstationen stets für hektische Betriebsamkeit. In rasender Geschwindigkeit werden beim Waterhouse-Friderichsen-Syndrom beide Nebennieren irreversibel zersetzt. Hohes Fieber setzt ein. Der Infizierte wird leichenblaß, erbricht sich, hat Durchfall und zeigt alle Anzeichen eines Kollapses. Am ganzen Körper platzt die Haut auf, und Blut tritt aus. «Kein solcher Patient ist bei uns jemals durchgekommen», so resignierten Jennifers Ärzte von Anfang an. Gegen 8:30 Uhr begannen vier Heilgruppen einer Sekte gleichzeitig, für Jennifer zu beten, ohne ihr Wissen. Jede war kilometerweit von ihr entfernt – doch beinahe augenblicklich begann sich der körperliche Zustand der Frau zu bessern, auch wenn sie noch vier weitere Tage im Koma lag. Eine Röntgenaufnahme von Jennifers Brustkorb hatte in der linken Lunge eine ausgedehnte Pneumonie, mit Zusammenbruch des Mittellappens, gezeigt – 48 Stunden später war sie verschwunden. Ein Augenarzt hatte an Jennifers linkem Auge ein zentrales Skotom festgestellt und fotografisch belegt: einen Ausfall des Gesichtsfeldes, der von einer Blutung im Augapfel herrührte. Jennifer würde auf diesem Auge für immer blind bleiben, so hatte er vorausgesagt – doch nachdem sie wieder zu Bewußtsein kam, konnte sie vollkommen klar sehen, und an ihrem Auge war keinerlei Schaden mehr feststellbar. Sie erholte sich vollständig.' Ähnliche kaum fassbare Spontanheilungen nach Gebeten hat die amerikanische Ärztin Dr. Rebecca Beard dokumentiert. Eine davon widerfuhr ihrer Freundin Alice Newton, deren Bauch von einer riesigen Geschwulst „stärker angeschwollen war als der einer hochschwangeren Frau», wie die Ärztin notierte. Jeden operativen Eingriff lehnte die Patientin ab. Zwei Jahre brachte die tiefgläubige Frau mit Gebet und Bibellesen zu - dann verschwand der Tumor buchstäblich über Nacht, nach einem erschütternden Traum, in dem ihr der gekreuzigte Heiland zulächelte. In einem anderen Fall aus Dr. Beards Sammlung wurde ein vierjähriger Junge, unter flehentlichen Gebeten von Angehörigen und der Ärztin selbst, schlagartig einen ausgedehnten, inoperablen Gehirntumor los; dabei hätte er, laut klinischer Prognose, binnen 12 bis 24 Stunden daran sterben müssen. (5) Teilweise vorbildlich belegt sind auch die Gebetsheilungen des italienischen Franziskaners Francesco Forgione (1887-1968), besser bekannt als Pater Pio, der fast fünfzig Jahre lang die Wundmale Christi an Händen und Füßen trug. (Der Rechtsanwalt Alberto del Fante veröffentlichte 47 Gebetsheilungen Pios, die durch ärztliche Zeugnisse und Dokumente belegt sind. (6) An solchen Fakten ist schwer zu rütteln; Mutmaßungen über «zufällige Koinzidenzen» muten eher hilflos an. Gebetsheilung: ein rein psychologisches Phänomen? Die Heilkraft des Gebets scheint Skeptikern rein psychologisch erklärbar. Sie argumentieren: Die Geisteshaltung, in der es gesprochen wird, sowie der feste Glaube an diese Kraft kann zu Bewusstseinszuständen und emotionalen Erregungsgipfeln hinführen, auf denen bei tiefreligiösen Menschen therapeutisch wirksame Autosuggestionen und Placebo-Effekte bisweilen biologische Selbstheilungsprozesse in Gang setzen. Das gleiche geschieht womöglich, wenn sich Gebete auf eine andere Person richten – vorausgesetzt, diese weiß davon. Das Geheimnis des Voodoo-Zaubers, ins Positive verkehrt. Trotzdem bleiben medizinisch-psychologische Deutungen unvollständig. Denn drei Phänomenen werden sie nicht gerecht (7): • Wie sind Fern heilungen durch Gebete möglich - selbst dann, wenn Kranke nicht davon wissen? (8) • Wie können Gebete mitunter selbst Kleinkinder und Bewusstlose erreichen? • Und warum sind Gebetseffekte selbst bei Tieren und Pflanzen experimentell nachweisbar? So deuten mehrere Studien an größeren Patientenstichproben auf einen statistisch bedeutsamen Gebetseffekt bei koronarer Herzkrankheit, bei Leukämie, bei chronisch stillstehenden oder sich verschlechternden psychotischen Erkrankungen und rheumatoider Arthritis hin, ebenso bei seelischen Problemen wie Angst oder verringertem Selbstwertgefühl. (9) Dabei war ein Großteil dieser Untersuchungen «doppelblind» angelegt: Weder die behandelten Patienten noch die Versuchsleiter, noch die beteiligten Ärzte wussten, für wen gebetet wurde und wer lediglich einer Kontrollgruppe zugelost worden war. Statistisch signifikant ergab sich: Auf wen sich Gebete richteten, der hatte eine größere Genesungschance, erholte sich rascher von Operationen, benötigte weniger Medikamente, wurde seltener zum Notfall. Was kümmern Gott irdische Forschungsdesigns? Wie ist dieses Phänomen zu erklären? Gehen wir es theologisch an, landen wir bei der heiklen Frage, was das für ein seltsamer Herrgott ist, der sich in Forschungsdesigns von irdischen Medizinern einspannen lässt und Kranken Hilfe verweigert, nachdem sie einer „Placebo-Gruppe“ zugelost worden sind. Was geschieht eigentlich in uns, während wir uns an Gott wenden? Vielleicht sollten wir Beten als eine Bewusstseinstechnik verstehen: eine Methode, unseren Geist in einen besonderen Zustand zu versetzen, in dem wir erfüllt sind von dem Gedanken und Gefühl: „Dein Wille geschehe“ – Dein Wille, nicht meiner. Wir hören auf zu wollen, zu verlangen, zu fordern. Stattdessen legen wir, demütig und vertrauensvoll, unser Schicksal in die Hände von Etwas, das viel größer ist als wir. Ähnelt ein solcher meditativer Bewusstseinszustand jenem, in den sich erfolgreiche Heiler begeben, wenn sie arbeiten? Könnte es nicht sein, dass man in diesem Zustand leichter Zugang findet zu dem, was Heiler „universelle Energien“ oder „kosmische Felder“ nennen? Dem Geheimnis des Gebetsheilens sind Parapsychologen womöglich eher auf der Spur als Theologen. (10) Konfessionelle Fesseln ablegen Sollte man also beten, wenn man erkrankt? Sollte man andere Kranke in seine Gebete einschließen? Ja, sofern man sich von ein paar verbreiteten Missverständnissen und Irrtümern freimachen kann. Christliche Gebetsheilungen, wie zahlreich auch immer, beweisen nicht, dass man erst ein guter Christ werden muss, um eines ähnlichen Gnadenakts Gottes würdig zu sein. Denn solche Fälle «treten vermutlich nicht öfter auf als bei Navajo-Gesängen», wie der amerikanische Arzt Andrew Weil nüchtern konstatiert hat. (11) Dass Fürbitten von Moslems, Hindus oder orthodoxen Juden weniger oder mehr ausrichten als die eines frommen Katholiken, hat noch niemand belegt. Ebenso aus der Luft gegriffen ist die Vorstellung, ein Gebet müsse ganz bestimmte Formen und Inhalte aufweisen, die genau einzuhalten seien – andernfalls werde seine Wirkung beeinträchtigt. Jedes beliebige Gebet kann heilsam sein; die Intention dahinter entscheidet. Wenn Gebete erhört werden, dann vermutlich nicht aufgrund einer ihnen innewohnenden Kraft oder irgendeiner anderen Eigenschaft – sondern um des Menschen willen, der sie spricht. Nicht auf Wörter kommt es an, sondern auf den Geist, der dahintersteht. Auch sind Gebete keine magischen Beschwörungsformeln: keine Abrakadabras, die Viren und Bakterien wegzaubern. Eine Erfüllungsgarantie gibt es nicht. Beten. heißt bitten, nicht mehr. Weder ein Gebet noch sonst irgendein religiöses Ritual, noch alle zusammengenommen reichen aus, einen Menschen vor Krankheit zu bewahren. Könnten sie dies, so müssten Personen, die allein von Berufs wegen vermutlich mehr beten als andere – nämlich Geistliche – , eine höhere Lebenserwartung aufweisen als der Bevölkerungsdurchschnitt. Das gleiche gilt für Personen, auf die sich besonders viele Fürbitten anderer Menschen richten – zum Beispiel Staatsoberhäupter. Dieser Hypothese ging der britische Naturforscher Sir Francis Galton (1822-1911) schon vor anderthalb Jahrhunderten empirisch nach. In einer britischen Fachzeitschrift für Statistik veröffentlichte er eine aufweädige Untersuchung, die das Durchschnittsalter von mehreren tausend männlichen Briten über dreißig Jahre aus verschiedenen sozialen Gruppen miteinander verglich, die zwischen 1758 und 1843 gestorben waren. (12) (Ausgeschlossen wurden Todesfälle durch Unfälle oder Gewalt.) Dabei fanden Berücksichtigung: 294 Rechtsanwälte, 244 Ärzte, 1179 Vertreter des englischen Hochadels und 1632 aus dem niederen Landadel, 513 Handel- und Gewerbetreibende, 366 Offiziere der Landstreitkräfte und weitere 569 aus der Marine, 395 Schriftsteller und Wissenschaftler sowie 239 Künstler. Das durchschnittliche Sterbealter der einzelnen Gruppen betrug 66 bis über 70 Jahre. Daran gemessen, lagen 97 Mitglieder des englischen Königshauses mit durchschnittlich 64 Jahren deutlich unter dem Mittelwert, und 945 Geistliche ragten mit mittleren 69,4 Jahren keineswegs heraus. Bei besonders bedeutenden Angehörigen des Königshauses und des Klerus sank die mittlere Lebenserwartung sogar auf 66,4 bzw. 66,5 Jahre. Offenbar entscheidet also eine Fülle anderer, teilweise wohl erheblich gewichtigerer Faktoren mit über die Lebensdauer. (So lebten die meisten Geistlichen damals in ländlichen Gebieten, während Angehörige anderer Berufsgruppen mehrheitlich in der Stadt wohnten.) Ebensowenig spricht für die Macht des Gebets, dass Mitglieder vieler Sekten erwiesenermaßen seltener krank werden und länger leben. Denn in der Regel pflegen sie eine Lebensweise, die ganz allgemein der Gesundheit förderlich ist; sie trinken und rauchen wenig oder gar nicht, und aus- schweifender Lebenswandel kommt selten vor. Da sie Medikamente möglichst meiden, spricht ihr Körper im Notfall auch schneller und positiver auf sie an. Nicht das Beten allein, wohl aber tiefe Religiosität ist der Gesundheit überaus förderlich, der körperlichen ebenso wie der seelischen, wie die Mehrzahl der inzwischen über 200 empirischen Studien darüber belegt. (13) So beobachtete ein Psychologenteam acht Jahre lang, von 1982 bis 1989, über 2800 ältere Einwohner von New Haven. Diejenigen, in deren Leben Religion eine wichtige Rolle spielte, erkrankten im allgemeinen seltener, lebten länger, waren psychisch ausgeglichener, kamen länger ohne fremde Hilfe zurecht. Starke Glaubensbindung, so zeigte sich, wirkte sich dabei sogar stärker aus als soziale Kontakte oder ärztliche Betreuung. (14) Wie der australische Psychologe Jack Schumaker in Testreihen an Studenten fand, besteht auch umgekehrt zwischen Glaubensdefiziten und Krankheitsanfälligkeit oder anderen Merkmalen schlechter körperlicher Verfassung ein deutlicher statistischer Zusammenhang. (15) Zwischen christlich und eher esoterisch orientierten Versuchspersonen war dabei allerdings kein Unterschied feststellbar. Religiöse Überzeugungen, egal wovon, dienen als wichtiger «Puffer gegen Stress», erklärt der Psychologe: Der Glaube an eine andere Wirklichkeit, höhere Werte und einen letzten Sinn könne Spannungen abbauen, die nachweislich krank machen. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen Die eingangs erwähnten Repräsentativumfragen: von TNS Infratest Sozialforschung unter 3480 Erwachsenen zwischen April und September 2012; sowie 2006 von der GfK Marktforschung Nürnberg unter 1970 Bundesbürgern, im Auftrag der Zeitschrift Apotheken Umschau . (1) Harald Wiesendanger: Auf der Suche nach Sinn – Allerletzte Antworten auf letzte Fragen , Lea Verlag: Schönbrunn 2005, S. 57 und 65. (2) Immanuel Kant: Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft , Erstes Stück, Vierter Abschnitt: Der Dienst und das Pseudodienstwesen der Religion, 2. Aufl. 1794 (3) Fallbeispiele in Harald Wiesendanger: Das Große Buch vom Geistigen Heilen – Möglichkeiten, Grenzen, Gefahren , Schönbrunn 2000, S. 87 f.; Harald Wiesendanger : Fernheilen, Band 2: Fallbeispiele, Forschungen, Erklärungen, Einwände , Schönbrunn 2004, S. 87 ff. (4) Ein Pseudonym . (5) Auszüge aus Beards Buch Was Jedermann sucht gibt der Parapsychologe Wilhelm Otto Roesermüller wieder in Wenn die Schulmedizin versagt. Religiöse und ärztliche außerschulmäßige Heilweisen , Bietigheim 1975, S. 42-47. (6) So genas der Arzt Dr. Francesco Ricciardi, ein radikaler Atheist, buchstäblich auf dem Sterbebett von einem schweren Krebsleiden , nachdem Pater Pio ihn in seine Gebete eingeschlossen hatte. Bei dem Chirurgen Dr. Antonio Scarparo verschwand ein Unterleibstumor mit Lungenmetastasen. Die Fabrikantentochter Nicoletta Mazoni, die an Gehirnstörungen mit Zungenparalyse erkrankt war, hatte ihre Eltern seit sechs Monaten nicht mehr erkannt; die Ärzte hatten sie aufgegeben, doch seit einer Fürbitte Pater Pios galt sie als vollständig geheilt. Gemma di Giorgi war blind, ohne Augäpfel zur Welt gekommen - trotzdem schien Pio sie sehend gemacht zu haben, wie ein fassungsloser Augenarzt in Wahrnehmungstests bestätigt fand. Psychologen der Universität Freiburg i . Br. verbürgen sich für einen Fall von Fernheilung eines organischen Leidens im Anschluss an Pios Gebete, dem sie einge hend nachforschten : Ein an beiden Beinen gelähmter italienischer Landarbeiter, der sich 1940 eine schwere Wirbelsäulenverletzung zugezogen hatte, konnte wieder ungehindert gehen . (Siehe Roesermüller, a. a. O., S. 52–56; s. Anm. 127.) (7) Siehe Harald Wiesendanger: Fernheilen, Band 2: Fallbeispiele, Forschungen, Erklärungen, Einwände , Lea Verlag: Schönbrunn 2004. (8) Dem niederländischen Parapsychologen Wilhelm Tenhaeff berichtete ein Klinikdirektor über einen Kranken, der an Herzkammerflimmern litt und den er schon aufgegeben hatte. Plötzlich trat, entgegen allen Erwartungen, eine Besserung ein ; schließlich konnte der Mann als geheilt entlassen werden. Später erst stellte sich heraus, daß sich die Frau des Kranken, ohne dessen Wissen, an einen Gesundbeter gewandt hatte. Beinahe zeitgleich mit dem Beginn der Heilgebete setzte die Genesung ein. Siehe Tenhaeff: A ußergewöhnliche Heilkräfte , Olten/Freiburg i. Br. 1957, S. 306 . (9) Siehe Harald Wiesendanger: Das Große Buch vom Geistigen Heilen , a.a.O., S. 90; Fernheilen, Band 2: Fallbeispiele, Forschungen, Erklärungen, Einwände , Lea Verlag: Schönbrunn 2004, S. 117 ff. (10) Mehr zur Parapsychologie des Gebetsheilens in Das Große Buch vom Geistigen Heilen , a.a.O., S. 90 ff. (11) Andrew Weil : Heilung und Selbstheilung, Weinheim 1988, S. 205. (12) Journal of the Statistical Society Bd. 12, S. 355; auch in F. Galton: "Statistical Studies in the Efficacy of Prayer», Fortnightly Review 12/1872, S. 125-135, nachgedruckt in C. G. Roland: "Does Prayer Preserve ? » Archives of Internal Medicine 125/1970, S. 580-587. (13) Unter 24 Studien aus den Jahren 1951 bis 1979, die der britische Psychologe Allen Bergin von der Universität Brigham auswertete, deuteten 47 Prozent auf einen günstigen Einfluss religiösen Glaubens auf geistige Gesundheit hin. Nur knapp jede fünfte Studie wies dagegen psychopathologische Gefahren nach. Ein Drittel der Studien ging unterschiedlich aus. (Siehe Allen Bergin: «Religiosity and Mental Health : A Critical Reevaluation and Metaanalysis » , Professional Psychology 14/1983, S. 170-184). Damit stimmt ein kürzlicher Literaturüberblick des amerikanischen Psychologen John Gartner aus Baltimore überein, der rund 200 Studien auswertete (Journal of Psychology and Theology 19/1992 , S. 6–25). (14) Die beiden Psychologen Ellen Idler und Stanislav Kasl berichten über diese Langzeitstudie im American Journal of Sociology 97/1992, S. 1052-1079. (15) Jack Schumaker : « Mental Health, Belief Deficit Compensation, and Paranormal Beliefs » , Journal of Psychology September 1987. Dieser Betrag enthält Auszüge aus dem Buch von Harald Wiesendanger: Auswege – Kranken anders helfen (2015)
- Das Märchen vom bösen Salz
Salzarm essen: Gesundheitsbewussten kommt das selbstverständlich vor. Denn Salz, so heißt es, erhöhe das Risiko für Nierenschäden, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall. Entsprechend strikt beraten Ärzte, entsprechend fad müssen sich Insassen von Krankenhäusern, Altenheimen, Pflegeeinrichtungen bekochen lassen. In Wahrheit ist es viel leichter und gefährlicher, zuwenig Salz zu sich zu nehmen als zuviel. Im übrigen: Salz ist nicht gleich Salz - die Qualität entscheidet. Ein medizinischer Mythos kostet Abermillionen ihre Vitalität. „Erst Salz, dann Sense“: So martialisch betitelte eine Heidelberger Allgemeinmedizinerin einen Beitrag im Infoportal doccheck – so als sei der Salzstreuer ein bevorzugtes Tatwerkzeug von Gevatter Tod. Schließlich sei ja „bekannt, dass ein zu hoher täglicher Salzkonsum ein erheblicher Risikofaktor für Bluthochdruck ist und damit auch für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, insbesondere Schlafanfall“. Die Bangemache der Ärztin folgt gängiger Lehrmeinung. Diese entsprang ein paar unkontrollierten Fallberichten aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts, die voreilig Eingang in Lehrbücher fanden. Schier unausrottbar hält sie sich seither. In der Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), täglich höchstens 6 Gramm Salz zu sich zu nehmen, spiegelt sie sich ebenso wie in der Obergrenze von 5 Gramm, für die sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausspricht. Dabei gäbe die Studienlage längst Anlass, das Dogma zu hinterfragen. Schon Mitte des vorigen Jahrhunderts hatte eine Auswertung aller bis dahin vorliegenden Forschungsergebnisse gezeigt: Die Beweislage war mitnichten eindeutig. (1) „Da Natrium und Chlorid praktisch die Grundbausteine der biochemischen Struktur von Säugetieren sind“, so kommentierten die Autoren seinerzeit, „ist es kaum verwunderlich, dass der Verzicht auf diese Stoffe in der Ernährung letztendlich zu unerwünschten oder sogar katastrophalen Folgen führt.“ Und daran änderte sich anschließend nichts: Im Jahr 2018 ergab eine systematische Übersicht über neun hochwertige Studien, dass es weiterhin keine handfesten Belege gibt, die eindeutig für eine natriumarme Ernährung sprechen. Lehrbuchweisheit widerlegt – die SODIUM-HF-Studie Für Klarheit sorgen sollte die großangelegte SODIUM-HF-Studie, deren Ergebnisse im April 2022 publik wurden. (2) An ihr beteiligt waren 806 erwachsene Patienten an 26 Standorten in sechs Ländern. Im Schnitt 66 Jahre alt, litten sie an chronischer Herzinsuffizienz im Stadium II bis III gemäß Einteilung der New York Heart Association (NYHA), d.h. mit leichten bis starken Einschränkungen der Belastbarkeit, aber noch mit Beschwerdefreiheit in Ruhe. Medikamentös waren sie allesamt leitlinienkonform versorgt. Aus diesen Probanden wurden zwei gleich große Gruppen gebildet: Die eine erhielt bloß allgemeine Ratschläge zur Natriumzufuhr in der Ernährung; die andere sollte eine strikt natriumarme Diät von möglichst nicht mehr als 1500 mg täglich einhalten. Sechs Jahre lang beobachteten Kardiologen, wie sich diese Vorgaben gesundheitlich auswirkten. Im ersten Jahr nach Studienbeginn sank in der Diätgruppe die durchschnittliche Natriumaufnahme von 2.286 mg pro Tag auf 1.658 mg, in der Kontrollgruppe von 2.119 auf 2.073 mg. Wie wirkte sich diese Differenz bis zum Ende des sechsjährigen Beobachtungszeitraums aus? Bis dahin mussten sich 15 % der natriumarmen Gruppe und 17 % der Kontrollgruppe kardiovaskulär bedingt ins Krankenhaus einweisen lassen, suchten deswegen die Notaufnahme auf oder verstarben - ein Unterschied in puncto Inzidenz, der statistisch bedeutungslos war. Erstaunlicherweise lag die Gesamtsterblichkeit in der Diätgruppe mit 6 % sogar leicht höher als in der Kontrollgruppe mit 4 %. Und so schlossen die Autoren kurz und bündig: „Bei ambulanten Patienten mit Herzinsuffizienz führte eine diätetische Intervention, um die Natriumaufnahme zu reduzieren, nicht zu einer Verringerung der klinischen Ereignisse." Ein Manko der Studie könnte die Ergebnisse verfälscht haben: der Umstand, dass auch die Kontrollgruppe keine besonders hohen Salzmengen zu sich nahm. In dieser Hinsicht unterschieden sich die beiden Gruppen nur um 415 mg pro Tag. Ein erwachsener Deutscher konsumiert im Schnitt 8 bis 10 Gramm Salz pro Tag, ein US-Amerikaner 9,6 Gramm, so dass die Kontrollgruppe nicht wirklich eine Bevölkerung repräsentiert, die einem typisch westlichen (Fehl-)Ernährungsstil frönt. Ein weiterer Kritikpunkt lautet: Die einbezogenen Patienten könnten nicht krank genug gewesen sein, um von einer natriumarmen Ernährung zu profitieren. Womöglich hätte sich ein Nutzen ergeben, wenn auch Patienten mit schwerster Herzinsuffizienz – im Stadium IV – teilgenommen hätten. Diese Unzulänglichkeiten entwerten die Ergebnisse aber keineswegs. In seiner Analyse für das Infoportal Medscape stellt der Elektrophysiologe Dr. John Mandrola fest: "SODIUM-HF (…) hat gezeigt, dass bei einer typischen Herzinsuffizienz-Kohorte die Empfehlung einer strengeren natriumarmen Diät im Vergleich zu allgemeinen Ratschlägen keinen Unterschied bei den Behandlungsergebnissen ausmacht ... Mein Fazit ist, dass wir keine Zeit und Energie darauf verwenden müssen, die Patienten zu einer extrem natriumarmen Ernährung zu bewegen." Entwarnung gibt auch der Heidelberger Ernährungsmediziner und Präventionsarzt Dr. Gregor Dornschneider , der in den Therapiecamps meiner Stiftung AUSWEGE mitwirkt: „Menschen mit normalem Blutdruck – bei Werten von 120/80 bis 130/85 mmHg - sind zu etwa 80 % nicht salzsensitiv; das heißt, selbst bei erhöhtem Salzkonsum bleibt ihr Blutdruck davon unbeeindruckt. Auch unter den sogenannten Prä-Hypertonikern - mit "hochnormalen" Blutdruckwerten bis 140/90 mmHg - reagieren ca. 75 % wenig bis gar nicht auf vermehrte Salz-Zufuhr.“ (3) Selbst unter „manifesten“ Hypertonikern – mit dauerhaft höheren Werten als 140/90 mmHG – steigert bei jedem Zweiten Salz nicht den Blutdruck. Ein weitaus größeres Problem: Salzmangel In Wahrheit ist es ziemlich schwierig, sich schädliche Mengen an Natrium einzuverleiben – jedoch leicht, zuwenig davon zu sich zu nehmen. Entsprechend große Mühe sollten sich Ärzte geben, ihre Patienten auf die extremen Gefahren einer allzu salzarmen Ernährung hinzuweisen, statt ihnen eine Heidenangst vor Salz einzujagen. Als Elektrolyt - eine Substanz, die Elektrizität leitet - trägt Natrium dazu bei, die Wassermenge in und um die Zellen zu regulieren, wie auch den Blutdruck. Wessen Salzgehalt zu niedrig ist, der kann chronisch dehydriert werden. Werte unter 125 mmol/l können Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Verwirrtheit auslösen. Natriumwerte unter 115 mmol/l sind lebensbedrohlich, sie erfordern sofortige intensivmedizinische Behandlung. Dann kommt es zu einer verstärkten Wasserverschiebung ins Zellinnere, mit Funktionsstörungen verschiedener Organe – etwa einer Nierenschwäche – und der Gefahr einer Hirnschwellung, die zu Bewusstseinsstörungen bis hin zu Krämpfen und Koma führt. Ein Natriumwert von unter 110 mmol/l, der nicht schleunigst behoben wird, kann tödlich enden. Wie eine Studie in 181 Ländern ergab, ist die Lebenserwartung überall dort niedriger, wo weniger Salz konsumiert wird. Sogar schon eine leichte Hyponatriämie - ein zu niedriger Natriumspiegel – erhöht das Sterberisiko signifikant. (4) Noch weit entfernt von Lebensgefahr provoziert eine andauernde Unterversorgung mit Salz, heraufbeschworen durch eine natriumarme Ernährung, eine Fülle von hartnäckigen Beschwerden, welche die Lebensqualität enorm beeinträchtigen können. Sie reichen von Müdigkeit und Schlaflosigkeit über Übelkeit und Erbrechen, Kopf- und Muskelschmerzen bis hin zu erektiler Dysfunktion, Konzentrationsstörungen und Verwirrtheitszuständen. Dass zuwenig Salz das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöht , belegte im Jahr 2014 die PURE-Studie mit rund 102.000 Teilnehmern aus 19 Ländern. Weitere Untersuchungen bestätigten sie. Thomas Lüscher, Leiter des Zentrums für Molekulare Kardiologie an der Uniklinik Zürich, sieht den Grund darin, dass der Organismus bei sehr niedrigem Salzkonsum Hormone ausschüttet, die den Blutdruck hochtreiben. "Das ist ähnlich wie mit dem Blutzucker bei Diabetikern", erklärt er, "zuviel ist gefährlich, zuwenig aber auch." (5) Unser Blutdruck sinkt tatsächlich, wenn wir unseren Salzkonsum drastisch reduzieren – in der Regel allerdings um weniger als 1 % . Leider verschlechtert sich dabei das Verhältnis von Gesamtcholesterin zum „guten“, schützenden High-Density-Lipoprotein (HDL), das ein viel zuverlässigerer Prädiktor für Herzkrankheiten ist als das „böse“, Gefäßwände schädigende Low-Density-Lipoprotein (LDL). Auch Triglycerid- und Insulinspiegel sind erhöht. Somit steigt das Risiko für Herzkrankheiten eher, als dass es sinkt, auch wenn die Blutdruckwerte besser erscheinen. Schlimmer noch: Salzmangel erhöht auch das Risiko, eine Insulinresistenz zu entwickeln, da der Körper Salz unter anderem durch einen Anstieg des Insulinspiegels konserviert. Ein höherer Insulinspiegel hilft den Nieren, mehr Salz zurückzuhalten. Insulinresistenz wiederum ist ein Merkmal nicht nur von Herzkrankheiten, sondern der meisten chronischen Erkrankungen. Unser Salzstatus wirkt sich auch unmittelbar auf unseren Magnesium- und Kalziumspiegel aus. Wenn wir nicht genügend Salz zu uns nehmen, so beginnt unser Körper nicht nur, sich Natrium aus dem Skelett zu holen - er entzieht den Knochen auch Magnesium und Kalzium, um einen normalen Natriumspiegel aufrechtzuerhalten. Zum selben Zweck verringert er die über den Schweiß verlorene Natriummenge, stattdessen scheidet er Magnesium und Kalzium aus. Außerdem erhöht ein niedriger Natriumspiegel das Aldosteron, ein natriumbindendes Hormon, das ebenfalls Magnesium reduziert, indem es dafür sorgt, dass das lebenswichtige Mineral über den Urin ausgeschieden wird. Eine rigoros natriumarme Ernährung zählt demnach zum Übelsten, was wir unserer Gesundheit antun können - insbesondere dem Zustand unserer Knochen und unseres Herzens. Viele Patienten mit Bluthochdruck bekommen Diuretika verschrieben: harntreibende Mittel, welche die Situation noch verschlimmern können. Auch den Kaffeekonsum berücksichtigen Empfehlungen eines niedrigen Salzgehalts nur selten - obwohl Kaffeetrinken die Salzspeicher zügig leert. Wer vier Tassen Kaffee an einem Tag trinkt, kann innerhalb von vier Stunden leicht mehr als 1 Teelöffel Salz - etwa 5 g - mit dem Urin ausscheiden. Dennoch legen ihm Ärzte ans Herz, höchstens 1 Teelöffel Salz pro Tag zu sich zu nehmen. Wer sich als Kaffeetrinker an diesen Ratschlag hält, kann innerhalb weniger Tage einen erheblichen Natriummangel erleiden, da sein Körper große Mengen an Salz verliert. Noch gefährdeter ist der Kaffeetrinker, wenn er intensiv Sport betreibt, regelmäßig die Sauna besucht oder körperlich anstrengende Tätigkeiten erledigt. Denn auch mit dem Schweiß scheidet sein Körper Natrium aus: 700 bis 2000 mg pro Liter. Wer also viel schwitzt, wird möglicherweise mehr Salz los, als er sich bei einer salzarmen Diät wieder zuführt. Pflichtlektüre für alle Salzphobiker im weißen Kittel Einst lag die Salzzufuhr zehn Mal höher Auch historisch und interkulturell betrachtet ist die allgemeine Empfehlung, die Salzzufuhr einzuschränken, nicht sonderlich sinnvoll, wie der Kardiologe James DiNicolantonio vom Saint Luke´s Mid America Heart Institute in Kansas City in einem lesenswerten Buch darlegt. (6) In Wahrheit schluckten Menschen jahrtausendelang erheblich mehr Salz als unsereins – allerdings bei Mahlzeiten, die ausnahmslos boten, was die Natur hergab, ohne künstliche Zusätze. An die WHO-Empfehlung – maximal 5 g pro Tag – hielten sich unsere Vorfahren bloß im allerfrühesten Abschnitt der Menschheitsgeschichte, in der Steinzeit, die vor etwa 2,5 Millionen Jahren begann und, je nach Region, zwischen 3000 und 2000 vor Christus endete. Der tägliche Salzkonsum damaliger Jäger und Sammler wird auf ein halbes bis ganzes Gramm geschätzt , aufgenommen ausschließlich aus natürlichen Lebensmitteln wie Fleisch, Blut und Pflanzen. In der Antike wurde Salz zum wichtigsten Konservierungsmittel und blieb es zwei Jahrtausende lang. Soldaten erhielten ihren Lohn teilweise in Salz – daher stammt das Wort salarium , “Salär”. Die alten Römer nahmen pro Tag 7 bis 12 g zu sich. Im Mittelalter bis weit ins 19. Jahrhundert hinein war es schon doppelt so viel, zumindest in Europa. (7) Die tägliche Salzaufnahme stieg auf 15 bis 30 Gramm, denn Fleisch, Fisch, Käse pflegte man zu pökeln, zu räuchern und einzusalzen. Das übertrifft die 8 bis 10 Gramm, die der heutige Deutsche pro Tag laut DGE zu sich nimmt, um das Dreifache. (Erst 1876 erfand Carl von Linde die erste industriell nutzbare Kältemaschine – sie revolutionierte Kühlhäuser, Brauereien und die Fleischindustrie –, 1913 ließ Fred Wolf den ersten elektrischen Haushaltskühlschrank folgen.) Der Spitzenreiter, ein typischer Schwede des 16. Jahrhunderts, soll Schätzungen zufolge sogar durchschnittlich 100 Gramm Salz pro Tag konsumiert haben. Aber kamen infolgedessen einst Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle, Nierenversagen, Osteoporose, Magenkrebs, Ödeme, Autoimmunerkrankungen und Demenz um ein Vielfaches häufiger vor? Chinesen und Japaner, deren Lebenserwartung zu den stattlichsten der Welt gehört, konsumieren zugleich die höchsten Salzmengen : im Schnitt 13,4 bzw. 11,7 Gramm pro Tag. Warum ignorieren Salzpanikmacher, dass Patienten im Krankenhaus routinemäßig große Mengen an 0,9%-iger Natriumchloridlösung intravenös verabreicht bekommen? Dabei erhalten sie häufig das Zehnfache der empfohlenen Tagesdosis an Natriumchlorid – trotzdem steigt ihr Blutdruck oft kaum an. Spätestens an diesem Punkt muss jedem halbwegs wachen Geist ein Licht aufgehen: An der Rufmordkampagne gegen das Salz ist etwas oberfaul. Die fixe Idee, die Salzaufnahme korreliere mit dem Blutdruck, gewann durch die 1999 veröffentlichte DASH-Studie ( Dietary Approaches to Stop Hypertension ) an Popularität. Tatsächlich schränkt die DASH-Diät die Salzaufnahme ein – zugleich aber auch den Konsum von zuckerhaltigen und verarbeiteten Lebensmitteln, die den Blutdruck weitaus stärker beeinflussen können als Salz. Womöglich ist beim vorherrschenden westlichen Ernährungsstil also gar nicht so sehr das Salz das Problem, sondern die Qualität der salzhaltigen Lebensmittel, die man zu sich nimmt – insbesondere wenn es sich um Industrieprodukte handelt. Pro 100 Gramm stecken in Salzstangen und Chips 2,5 bis 4 g Salz, in Schmelzkäse und Fertigsuppen 3 bis 5 g, in Wurstwaren 2,5 bis 4,5 g – mit Salami am oberen Ende -, in Fertigsoßen bis zu 15 g, in Brühwürfeln und Bouillonpulver gar bis zu 60 g. Am meisten Salz, 75 bis 90 % , nimmt der deutsche Durchschnittsesser heutzutage aus verarbeiteten Lebensmitteln auf. Ja, diese Produkte machen auf Dauer krank. Aber tun sie es wegen ihres Salzgehalts – oder vielmehr wegen alledem, was man sich ansonsten mit ihnen einverleibt? Sie liefern zuviel Zucker, zuviele minderwertige gesättigte Fette, zuviele Kalorien, zuviele Konservierungs-, Farbstoffe und Aromen, Emulgatoren, Stabilisatoren, modifizierte Stärken und andere technisch veränderte Zutaten - aber zuwenig Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe, zuwenig sekundäre Pflanzenstoffe. Eine derart einseitige Ernährung fördert Übergewicht – und dies ist der hauptverantwortliche Faktor bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Von diesem eigentlichen Gesundheitsskandal lenkt uns die Salzdebatte fatal ab. Galileo-Grafik: https://cms-api.galileo.tv/app/uploads/2020/05/grafik_salz.png Hier wird zur Kategorie „natürliches Salz“ anscheinend auch industrielles Pseudosalz gezählt – von einem Wissenschaftsmagazin erwartet man etwas mehr Differenzierungsvermögen. Hören wir besser auf unseren Körper als auf fragwürdige Experten Kurzum: Es gibt keinen schwerwiegenden Grund, sich über zuviel Salz in der Ernährung Sorgen zu machen. Wie eine Studie aus dem Jahr 2017 bestätigt (8), behält ein gesunder Körper stets ein relativ konstantes Natriumgleichgewicht bei , erstaunlich unabhängig davon, wie viel er aufnimmt. Gesunde Nieren kriegen es ohne weiteres hin, überschüssige Salzmengen auszuscheiden und den Blutdruck stabil zu halten. Laut DiNicolantonio kann eine Person mit intakten Nieren mindestens 86 Gramm Salz pro Tag zu sich nehmen. Außerdem verfügt unser Organismus über einen eingebauten "Salzthermostaten", der uns die benötigte Menge anzeigt, indem er unser Verlangen nach Salzigem reguliert . Wer zuviel Salz zu sich genommen hat, wird durstig und trinkt Wasser; dabei verdünnt er sein Blut ausreichend, um die richtige Natriumkonzentration aufrechtzuerhalten . Lernen wir also, auf unseren Körper zu hören. Und denken wir daran, dass wir bei starkem Schwitzen und reichlich Kaffeegenuss automatisch mehr Salz benötigen als sonst. Viel wichtiger: das Natrium-Kalium-Verhältnis Während Salz als Ursache für Bluthochdruck und Herzkrankheiten weiterhin verteufelt wird, zeigen Forschungsergebnisse: Der wahre Schlüssel zur Normalisierung des Blutdrucks ist das Verhältnis von Natrium und Kalium - und nicht die Natriumzufuhr allein. (7) Wie Salz, so ist auch Kalium ein Elektrolyt. Doch während sich das Kalium größtenteils in den Zellen befindet, schwimmt das Natrium überwiegend außerhalb. Kalium sorgt dafür, dass sich unsere Arterienwände entspannen, unsere Muskeln nicht verkrampfen und unser Blutdruck sinkt. (8) Als Faustregel gilt: Wir sollten fünf Mal mehr Kalium als Natrium zu uns nehmen. Wer eine westliche Standardernährung mit verarbeiteten Lebensmitteln bevorzugt, der verleibt sich wahrscheinlich doppelt so viel Natrium wie Kalium ein. Wie fatal sich eine solche Fehlernährung auswirken kann, führen Forschungsergebnisse vor Augen, auf welche die eingangs zitierte doccheck -Autorin ihren Sensenhorror stützt. Sie verweist auf eine Anfang August 2022 im European Heart Journal veröffentlichte Studie , in die Gesundheitsdaten von 501.379 Personen eingingen. Zu Beginn gaben die Probanden unter anderem an,ob und wie häufig sie fertige Speisen bei Tisch nachsalzen – ein ungefähres Maß dafür, wie groß die individuelle Vorliebe für salzig schmeckende Lebensmittel und die gewöhnliche Salzzufuhr ist. Mehr als die Hälfte, 277.931, gan zu Protokoll, nie oder nur sehr selten nachzusalzen; weitere 140.618 Personen taten dies nach eigenen Angaben „manchmal“, 58.399 „für gewöhnlich“, 24.431 „immer“. Am Ende des neunjährigen Studienzeitraums war es unter den Teilnehmern zu 18.474 Todesfällen gekommen. Bei gelegentlichen Nachsalzern ergab sich eine mäßig über dem Durchschnitt liegende Mortalität, bei ständigen ein um enorme 28 % erhöhtes Sterberisiko. Allerdings lässt Team Salzphobie einen entscheidenden Aspekt dieser Studie unter den Tisch fallen: Der regelmäßige Verzehr von Obst und Gemüse machte den signifikanten statistischen Zusammenhang zwischen Nachsalzen und Mortalität zunichte. Wieso? Weil Obst und Gemüse reichlich Kalium liefern. (Besonders ergiebig sind Bananen und Aprikosen, wie auch Karotten, Avovcado, Tomaten, Kohlrabi, Kartoffeln, Rosenkohl, Paprika, Champignons. Auch Nüsse, Zartbitterschokolade und bestimmte Mehlsorten punkten als Kaliumlieferanten .) Daraus folgt: Der ausgiebige Griff zum Salzstreuer schadet in erster Linie jenen, die keinen Wert auf gesunde, vollwertige Ernährung legen. Follow the Money – auf einen Holzweg Wie kann die Schulmedizin bloß so beharrlich einen Irrweg beschreiten? Follow the Money : Sie will Geld verdienen. Allen Menschen Angst vor Salz einzujagen, ist „ein Eckpfeiler zur Festigung des Blutdruckmarkts“, ätzt ein systemkritischer US-Arzt, der weiterhin unbehelligt praktizieren will, weshalb er sich hinter dem Autorennamen „ A Midwestern Doctor “ versteckt. Inwiefern? Indem man Salz zum Hauptschuldigen für Bluthochdruck erklärt, benennt man einen scheinbar klaren, einfachen Risikofaktor. Das schafft Angst – auch bei Gesunden – und fördert: die Bereitschaft zur „ Vorsorge “, nicht im Sinne von echtem Vorbeugen, sondern von Überprüfen gewisser Messwerte; folglich regelmäßige Blutdruckkontrollen; die Verschreibung von Medikamenten schon bei leicht erhöhten Werten; eine verstärkte Gesundheitsüberwachung mit regelmäßigen Check-ups. Hypertonie, echte wie vermeintliche, ist ein milliardenschweres Business – es beschert der Pharmaindustrie einen globalen Jahresumsatz von rund 25 Milliarden Dollar. Blutdrucksenker wie ACE-Hemmer, Betablocker, Diuretika und Sartane zählen zu den meistverkauften Arzneimitteln. Die Behandlung ist langfristig und dauerhaft lukrativ. Wenn sich viele Menschen einreden lassen, ihr Blutdruck sei „behandlungsbedürftig“ , entsteht ein riesiger Markt für Pharmaunternehmen. Und je mehr Menschen man durch Angst - „Salz ist gefährlich!“ - in die Vorsorge und Therapie bringt, desto stärker wächst dieser Markt. Wie überall in unserem profitgetriebenen Gesundheitssystem, so lebt auch hier das Geschäft mit der Prävention entscheidend von Angstmarketing: Salz = Risiko = Krankheit = Behandlung. Diese Logik folgt einem typischen Schema: - Definiere ein ubiquitäres Verhalten wie „Salzkonsum“ als problematisch. - Betone mögliche Gefahren – dramatisiere das Risiko von Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall. - Erzeuge Verunsicherung - durch mediale Alarmmeldungen, durch hirngewaschene Ärzte. - Biete Lösungen an: frühe Diagnose („Prä-Hypertonie“) gemäß niedrigeren Schwellenwerten; Frühbehandeln mit Pharmaprodukten. So wird aus einem natürlichen Mineral ein medizinökonomischer Hebel: Salz wird zum Sündenbock gemacht, um ein lukratives medizinisches Dauer-Abo zu rechtfertigen. Auf dem Friedhof entsorgter Ernährungsmythen Wie stets im Leben gilt es, auch beim Salz einen Mittelweg zu finden: zwischen Verteufelung und Exzess. Dabei helfen kann es, sich die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu vergegenwärtigen, die moderner, vermeintlich wissenschaftlich felsenfest abgesegneter Ernährungsforschung seit eh und je anhaftet. Welche Essensvorliebe hat sie nicht schon als ungesund, ja lebensbedrohlich entlarvt? Wie oft hat sie unsinnigen, oft sogar kontraproduktiven Verzicht auf guten Geschmack gepredigt? Zumeist bloß für begrenzte Zeit – bis sich irgendwann zeigte, dass zum Beispiel Eier nicht unbedingt den Cholesterinspiegel ankurbeln und damit Arterienverkalkung und Herz-Kreislauferkrankungen hervorrufen ; oder dass vegane Ernährung keineswegs Mangelernährung sein muss. Ebenfalls auf dem Friedhof entsorgter Ernährungsmythen befinden sich mittlerweile: „Fett macht fett“, „Fünf Mahlzeiten am Tag sind ideal“, „Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages", „Zucker ist nur wegen der Kalorien problematisch", „Light-Produkte helfen beim Abnehmen", „Alle Kalorien sind gleich", „Milch ist ein Muss für starke Knochen", „Gluten ist nur für Zöliakie-Patienten relevant". Viele Ratschläge zur „richtigen“ Ernährungsweise „fallen unter die Rubrik Religionsfreiheit“, meint Prof. Volker Schusdziara von der TU München. „Das sind Glaubensbekenntnisse, die jeder haben darf. Aber sie sind nicht medizinisch und naturwissenschaftlich untermauert." Leider verhält es sich mit Askese-Geboten so ähnlich wie mit Gerüchten und genetisch modifizierten Organismen: Einmal in die Welt gesetzt, sind sie kaum leichter wieder einzufangen als Aladdins Geist aus der Flasche. Im Streit ums Salz herrscht auf beiden Seiten ein Tunnelblick vor. Man dürfe sich nicht bloß darauf konzentrieren, mahnt Joachim Hoyer, Nephrologe an der Uni-Klinik Marburg. "Viel besser belegt ist, dass Übergewicht, Rauchen oder zu wenig körperliche Bewegung das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen. Statt sich mühsam das Salzen zu verkneifen, sollte man sich vielleicht lieber öfter an der frischen Luft bewegen." Ernährungsmediziner Dr. Gregor Dornschneider stellt klar: „Der weitaus größere Feind unserer Gesundheit ist ein völlig anderes kristallines Produkt, nämlich der industriell-gefertigte weiße Haushaltszucker.“ Salz ist nicht gleich Salz Im übrigen: Salz ist nicht gleich Salz - die Qualität entscheidet. Um seine physiologischen Vorzüge zu nutzen, sollten wir darauf achten, dass es nicht raffiniert und möglichst wenig verarbeitet ist. Das spricht beispielsweise für das rosagetönte Himalaya-Salz; es ist reich an natürlich vorkommenden Spurenelementen, die für gesunde Knochen, den Flüssigkeitshaushalt und die allgemeine Gesundheit benötigt werden. Eine weitere gute Wahl sind andere rohe Steinsalze, naturbelassene Meersalze, Kristallsalze oder das erlesene Fleur de Sel. Von billigem, industriell hergestelltem Kochsalz hingegen sollten wir aus mehreren Gründen die Finger lassen. Bis zu 99,9 % besteht es aus Natriumchlorid – wertvolle Mikronährstoffe, die unser Körper nicht selber herstellen kann, sind vollständig ausgewaschen. Hinzu kommen künstlich hergestellte Chemikalien wie Feuchtigkeitsabsorber und Rieselhilfen, darunter Aluminiumoxid. In Kochsalz für Wurstwaren steckt darüber hinaus krebsförderndes Natriumnitrit. Auch geringe Mengen von synthetischer Jod und Fluorid können zugesetzt sein – obwohl wir unseren Bedarf an diesen Spurenelementen auf gesündere Weise anderweitig decken könnten. Zudem ist rund 90 % des Speisesalzes mit Mikroplastik verunreinigt. Hinzu kommt, dass die industrielle Verarbeitung auch die chemische Struktur des Salzes radikal verändert. Übrig bleibt „ein totes Würzmittel“, bemängelt Gregor Dornschneider. Naturbelassenes Salz hingegen enthält in der Regel, neben 84 % NaCl, auch 16 % natürlich vorkommende Mineralstoffe wie Kalium, Calcium, Magnesium, Phosphor und Schwefel. Diese tragen wesentlich dazu bei, ein ausgewogenes Säure-Basen-Verhältnis aufrechtzuerhalten und eine ordnungsgemäße Reizleitung in Nerven- und Muskelzellen sicherzustellen. Auch ist Salz unentbehrlich, um Nährstoffe im Körper zu transportieren, sie in Zellen aufzunehmen, Abfallstoffe abzuleiten. Darüber hinaus erfüllen wertvolle Spurenelemente im Salz - darunter Selen, Eisen, Zink, Silizium, Kupfer, Mangan und Vanadium - vielerlei Aufgaben bei zahlreichen Stoffwechselprozessen: vom Zellschutz vor oxidativem Stress über die Energiegewinnung in Mitochondrien bis hin zur Wundheilung, Blutbildung, Hormonregulierung und dem Aufbau von Gewebe. (Eine ausgewogene Ernährung mit Vollkorn, Nüssen, Samen, Hülsenfrüchten, Gemüse, Fisch und Fleisch liefert allerdings deutlich mehr dieser Stoffe, als naturbelassenes Salz es tut.) Viele Menschen stellen verblüfft fest, wie sich ihre Gesundheit dramatisch verbessert, sobald sie beginnen, gesunde Salze zu sich zu nehmen. Plötzlich spüren sie mehr Energie und geistige Klarheit. Erst jetzt geht ihnen ein Licht auf: Hinter dem Kampf gegen das Salz verbirgt sich ein medizinischer Mythos, der Abermillionen ihre Vitalität kostet. Langen Textes kurzer Sinn: Für eine optimale Gesundheit benötigen wir unbedingt Salz – aber nicht jedes. Was unser Körper braucht, ist naturbelassenes, unraffiniertes Salz, ohne Zusatz von Chemikalien. Bis der Sensenmann auch den letzten Salzverzichtsdogmatiker heimgesucht hat, dürfte es allerdings noch ein Weilchen dauern. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1) Justin A. Ezekovitz u.a..: Reduction of dietary sodium to less than 100 mmol in heart failure (SODIUM-HF): an international, open-label, randomised, controlled trial. Lancet, 2.4.2022. DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(22)00359-5) (2) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3041211/ ; https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3064042/ (3) Zit. nach https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/ernaehrung-schadet-zu-viel-salz-im-essen-wirklich-a-1020274.html (4) James DiNicolantonio: The Salt Fix: Why the Experts Got It All Wrong - and How Eating More Might Save Your Life , New York 2017 (5) Cardiology Review September-October 1999; 7(5): 284-288 , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11208239/ . Weitere Studien, die für eine Reduzierung der Salzzufuhr zur Vorbeugung von Bluthochdruck zu sprechen scheinen, werden hier zusammengefasst. (6) Journal of Clinical Investigation 2017;127(5):1944–1959 , https://doi.org/10.1172/JCI88532 ; New York Times May 8, 2017 , https://www.nytimes.com/2017/05/08/health/salt-health-effects.html (7) Advances in Nutrition, 2014; 5:712 , http://advances.nutrition.org/content/5/6/712.full (8) Harvard Health Publications, January 23, 2017 , http://www.health.harvard.edu/heart-health/potassium-lowers-blood-pressure ; Journal of the American Medical Association 1997;277(20):1624 , https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9168293 ; Journal of Human Hypertension 2003; 17(7):471 , https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12821954 ; British Medical Journal 2013; 346:f1378 , http://www.bmj.com/content/346/bmj.f1378 (9) https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29507099/ , zusammengefasst hier (10) Zit. nach https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/ernaehrung-schadet-zu-viel-salz-im-essen-wirklich-a-1020274.html
- „Unheilbar“ – Wenn ein Wort zum Hammer wird
Manchmal genügt ein einziges Wort, um ein Gegenüber mit der Wucht eines Vorschlaghammers zu treffen. Die ärztliche Einschätzung, eine Heilung sei unmöglich, zählt dazu. Sie ist verantwortungslos – und allzu oft voreilig. Falls mir ein Arzt eines Tages eröffnet, meine Erkrankung sei „unheilbar“: Wie ginge ich damit um? Verharre ich in Schockstarre? Falle ich psychisch ins Bodenlose? Gebe ich auf? Statt zu verzweifeln, würde ich seine Äußerung hinterfragen. Er sagt: Er kenne keine effektive Behandlungsweise mehr, seine Mittel reichen nicht aus. Aber wie steht es mit anderen? „Da kann ich Ihnen leider keine Hoffnung machen“, erwidert er vermutlich. „Die Möglichkeiten der Medizin sind in Ihrem Fall ausgeschöpft.“ Welche Medizin meint er? Die konventionelle, die er sich während seines Studiums angeeignet hat? Sie kennt 30'000 Krankheiten, aber nur einem Drittel davon kommt sie vollständig bei oder kann sie zumindest lindern. An Grenzen – ihre Grenzen – stößt sie, trotz eines immer gigantischeren technischen und finanziellen Aufwands, bei einer Vielzahl von chronischen Leiden, mit denen Expertenschätzungen zufolge etwa 40 % der Gesamtbevölkerung leben müssen – das entspricht rund 33 Millionen Menschen allein in Deutschland. Ungeheilt ist nicht unheilbar Aber ungeheilt ist nicht unheilbar. Was bei vermeintlich „behandlungsresistenten“, wenn nicht gar „austherapierten“ Patienten noch möglich ist, belegen verblüffende Genesungsverläufe in den Therapiecamps meiner Stiftung Auswege ebenso wie in den Praxen von Therapeuten, die dem “Auswege”-Netzwerk (IVH) angehören: sei es bei Multipler Sklerose oder fortgeschrittenem Krebs , bei Allergien , bei Tinnitus , bei Stoffwechselstörungen, bei Epilepsie oder Fibromyalgie , bei rheumatischen Leiden, bei fortschreitenden Lähmungen wie der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) und anderen körperlichen Behinderungen, bei Alzheimer , bei schweren psychischen Erkrankungen wie chronischen Depressionen , Ängsten , Autismus . Und noch in jedem der 42 „Auswege“-Therapiecamps seit 2007 ließ sich aus nächster Nähe mitverfolgen, wie segensreich ganzheitliche, spirituelle, energetische Ansätze gerade in vermeintlich „ausweglosen“ Fällen wirken können. Aus Erfahrung wissen wir: Es gibt keine unheilbaren Krankheiten – nur unheilbare Patienten. Aber ist weniger als Heilung nie genug? Auch bei „Auswege“-Therapeuten werden die wenigsten Hilfesuchenden vollständig symptomfrei. Doch erstaunlich häufig lassen hartnäckige, teilweise jahrzehntelange Beschwerden nach; verbessern sich psychische Verfassung, Allgemeinbefinden und Lebensqualität; werden Medikamente und belastende Therapien besser vertragen; wachsen Fähigkeit und Bereitschaft, die eigene Erkrankung anzunehmen: als Signal, als Lektion, als Weg, als Chance. Ist es für einen Schwerkranken „vernünftig“, zu resignieren? Ein Arzt, der mich für „unheilbar krank“ erklärt, meint darüber hinaus in der Regel: „Ich kann nichts mehr für Sie tun.“ Doch selbst wenn seine fragwürdige Prognose zuträfe, Heilung oder auch nur eine Besserung sei in meinem Fall ein für allemal ausgeschlossen, läge er mit einer solchen Bemerkung falsch. Auch für Sterbenskranke, für Todgeweihte könnte ein Arzt durchaus immer etwas tun – mit etwas Empathie und der Bereitschaft, sich Zeit zu nehmen. Gerade dann, wenn das kurative Potenzial aller verfügbaren Therapien ausgeschöpft ist, beginnen einige der anspruchsvollsten ärztlichen Aufgaben: die Fürsorge, das Vermitteln von Sinn, die liebevolle Zuwendung, das einfühlsame Begleiten bis zum letzten Atemzug. Auch insofern handeln viele „Auswege“-Therapeuten vorbildlich – sie machen die Humanmedizin humaner. Wie human verfährt andererseits ein Arzt, der Schwerkranke nötigen will, in seinem Sinne „vernünftig“ zu sein? "Damit müssen Sie sich abfinden", so bekommen Betroffene dann zu hören; bei einer lebensbedrohlichen Erkrankung wird ihnen, statistisch sauber und menschlich unterkühlt, sogar vorgerechnet, "wieviel Zeit Ihnen noch bleibt". Solche entmutigenden Äußerungen, zumal aus dem Mund von Ärzten, sind verantwortungslos. Sie deprimieren, rauben jegliche Hoffnung, zerstören Lebensqualität. Bei Betroffenen richten sie oft schlimmeren seelischen Schaden an, als es ihrer Erkrankung je gelänge. Der ärgste Schmerz, die fürchterlichste Entstellung, die schwerste Behinderung kann immer noch leichter zu ertragen sein als der Verlust jeglicher Zuversicht, es könnte eines Tages doch noch eine Wende zum Besseren eintreten. So werden medizinische Prognosen letztlich zu Prophezeiungen, die sich selbst erfüllen, ähnlich der Unfallvision des Wahrsagers oder der Warnung des Charttechnikers vor "Widerständen" bei Aktienkursentwicklungen. "Hoffnung", so meinte der Philosoph Arthur Schopenhauer einst aufklärerisch, sei "die Verwechslung des Wunsches nach einer Begebenheit mit ihrer Wahrscheinlichkeit" - und verkannte dabei, dass Begebenheiten um so wahrscheinlicher werden, je beharrlicher sich Hoffnung auf sie richtet. Ist es nicht besser, eine Kerze anzuzünden, als bloß zu konstatieren, wie dunkel es ist? Unbeirrbarer Optimismus ist eine weithin unterschätzte therapeutische Größe, die mitentscheidet, welchen Verlauf eine Erkrankung nimmt. Wer um seine Gesundheit kämpft, kann verlieren, zugegeben. Doch wer nicht kämpft, hat schon verloren. Dem Münchner Komiker Karl Valentin wird das Bonmot zugeschrieben: „Prognosen sind immer heikel – besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“ Wenn ein Arzt sich zur Vorhersage hinreißen lässt, für mich gebe es keinen therapeutischen Ausweg mehr, versagt er mehrfach: Er entmutigt. Er verweigert sich. Und er verschweigt Chancen, um die er wissen müsste. Das Phänomen der „Spontanremission“ legt nahe: Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist. Die Statistik des „Wunders“ Als "Spontanremission" bezeichnen Mediziner eine Genesung (lat. remittere = sich erholen) ohne erkennbare äußere Ursache, insbesondere ohne dass eine anerkannte Therapie stattfand - sozusagen von selbst. (Das lateinische Wort sponte bedeutet wörtlich "aus eigenem Willen", "von innen heraus".) Obwohl von Ärzten seit über einem Jahrhundert dokumentiert (1), waren Spontanremissionen in der Medizin bis vor kurzem ein Tabuthema: Weil vorherrschende Lehrmeinungen sie nicht erklären konnten, wurden sie schlichtweg als Phantom abgetan, als Produkt unseriöser Sensationsmeldungen, und auf Fehleinschätzungen der Patienten oder Diagnoseirrtümer der behandelnden Ärzte zurückgeführt. Einen Stimmungsumschwung in Fachkreisen leitete erst das Jahr 1974 ein: mit einer ersten wissenschaftlichen Konferenz über Spontanheilungen bei Krebs in Baltimore, USA. Seither haben sich größere Forschungsprojekte des Phänomens angenommen. Übereinstimmend gelangten sie zum Ergebnis, dass es in der Unmenge von berichteten Spontanheilungen tatsächlich einen harten Kern gibt, an dessen Echtheit und Glaubwürdigkeit kein vernünftiger Zweifel besteht. Pionierarbeit leistete dabei die amerikanische Biochemikerin Caryle Hirshberg vom Institute of Noetic Sciences in Kalifornien: Gemeinsam mit ihrem Kollegen Brendan O´Regan - er starb bald darauf an einem malignen Melanom, bösartigem Hautkrebs - durchforstete sie nahezu die gesamte medizinische Weltliteratur der vorangegangenen 120 Jahre nach medizinisch unerklärbaren Heilungen. Dabei stieß sie auf rund 4000 Fälle aus 20 Ländern, davon 1051 Spontanremissionen bei Krebs. (2) (Fünfzig besonders überzeugende Fälle stellte sie in ihrem Buch "Unerwartete Genesungen" vor.) (3) Als die Deutsche Krebsgesellschaft im April 1997 zu einem vielbeachteten Symposium über "Spontanremissionen bei Krebserkrankungen" nach Heidelberg lud, gehörte Caryle Hirshberg zu den Stargästen. Bei derselben Veranstaltung machte eine deutsche Forschergruppe um Professor Dr. Walter Gallmeier und dem Oberarzt Dr. Herbert Kappauf auf sich aufmerksam, die am Klinikum Nürnberg seit 1990 unerwartete Heilungen bei Krebspatienten erforschte. (4) "Unser wichtigstes Anliegen ist zu zeigen, dass diese Phänomene real sind", erklärte Kappauf. Aus seiner stattlichen Fallsammlung stellte er 20 gutdokumentierte Beispiele vor, für welche die Schulmedizin keine plausible Erklärung anbot. Doch auf eine Spontanheilung zu hoffen, so der Tenor des Heidelberger Symposiums, sei für Betroffene müßig. Denn allenfalls bei einem unter 60.000 bis 100.000 Krebspatienten trete eine solche Remission auf. Das wären gerade mal 0,001 Prozent. Nicht von Prozentzahlen entmutigen lassen Auf Hilfesuchende wirken solche Statistiken niederschmetternd: Bedeuten sie nicht, dass unter mehreren zehntausend Tumorpatienten, die schwerkrank und von Ärzten aufgegeben in „alternative“ Heilweisen ihre letzte Hoffnung setzen, am Ende bloß ein einziger nicht enttäuscht wird? Wenn beispielsweise alle 340’000 Deutschen, die jedes Jahr neu an Krebs erkranken, einen Heiler aufsuchen würden - fänden dann gerade mal drei bis vier von ihnen durchschlagende Hilfe? Und steht nicht zu befürchten, dass die Erfolgsbilanzen „alternativer“ Therapeuten bei anderen Erkrankungen kaum besser ausfallen, sobald ihnen mit wissenschaftlicher Akribie auf den Grund gegangen wird? Man kann Patienten gar nicht eindringlich genug davor warnen, sich davon entmutigen zu lassen. Um die Datenbasis von Schwarzsehern ist es nämlich nicht besser bestellt als um die von Optimisten. Ja, um überzeugende Schilderungen von Spontanremissionen zu zählen, die pro Jahr in den wichtigsten medizinischen Fachzeitschriften auftauchen, genügen meist schon die Finger beider Hände. Doch wieviele rätselhafte Remissionen bleiben unpubliziert - etwa weil der behandelnde Arzt sie nicht dokumentierte; weil er keine Redaktion fand, die seinen Bericht haben wollte; weil ihm die Zeit zur Auswertung und Veröffentlichung fehlte; oder weil sich der Patient außerhalb ärztlicher Aufsicht und Aufmerksamkeit erholte? Hinterfragen sollten Patienten vor allem die angelegten Maßstäbe: Inwieweit taugen sie als Entscheidungshilfen? Als "spontan" erkennen Mediziner eine Heilung nur an, wenn sie durch eine aktuelle Diagnose gesichert ist und sich innerhalb eines Zeitraums ereignete, in dem keinerlei therapeutische Maßnahmen stattfanden, die nach gegenwärtigem medizinischem Erkenntnisstand wirksam sein könnten. Solche Kriterien benötigt die Forschung, um "reine" Fälle zu isolieren - aber benötigt sie der Patient? Für seine Urteilsbildung sind sie unrealistisch streng: Denn bei einem Großteil derer, die bei Geistheilern Hilfe suchen, liegt die letzte ärztliche Untersuchung schon Monate, wenn nicht Jahre zurück. Und vernünftigerweise schlägt kaum einer von ihnen, während er sich geistig behandeln lässt, jegliche sonstigen therapeutischen Chancen aus. Die bisherige Spontanremissionsforschung gleicht dem Fischer, der kaum etwas fängt: nicht weil es, wie er glaubt, zuwenig Fische gibt, sondern weil er Netze mit fehldimensionierter Maschengröße durchs Meer zieht. Verdienen etwa nur „Wunder“ Anerkennung? In einem vergleichbaren Zustand befindet sich die Medizinforschung über die "Wunder"heilungen von Lourdes. Unter den drei bis vier Millionen Pilgern, die jedes Jahr in den berühmten Marienwallfahrtsort am Fuße der französischen Pyrenäen pilgern, vermuten Experten 30’000 bis 60’000 Kranke. Lächerlich gering scheint demgegenüber jene Zahl von rund 70 "Wunderheilungen" zu wiegen, die von der Kirche bislang offiziell abgesegnet wurden, nachdem ein internationales, aus dreißig Ärzten bestehendes Komitee sie gründlich durchleuchtet hat. Um Anerkennung zu finden, muss ein Fall strengsten Anforderungen genügen, die schon 1734 von Kardinal Lambertini, dem späteren Papst Benedikt XIV., in einem Kanon festgelegt wurden: Die Heilung muss plötzlich, unvorhersehbar, vollständig und ohne Rückfall erfolgt sein; das Leiden muss lebensbedrohlich und organischen Ursprungs gewesen sein; es muss gänzlich ausgeschlossen werden können, dass es nicht ärztliche Behandlung war, die zum Erfolg führte. Die Heilung muss "die Kräfte der Natur übersteigen, eine Umkehrung der Naturgesetze bedeuten und wissenschaftlich unerklärbar sein". Kranke Pilger stützen ihre Hoffnungen zurecht auf andere Zahlen und Kriterien: In der Geschichte von Lourdes sind dem örtlichen Bureau Medical immerhin über 6’000 Heilungen gemeldet und dort registriert worden. Dass ihnen die Anerkennung letztlich versagt blieb, spricht nicht unbedingt gegen ihre Glaubwürdigkeit. Denn wieso soll sich ein "Wunder" nicht auch langsam, bloß teilweise, bei Leiden ohne erkennbare organische Ursache und von Rückfällen begleitet vollziehen? Warum soll es unangebracht sein, auch dann von einem "Wunder" zu sprechen, solange ein Leben nicht akut bedroht ist? Wieso, wundern sich Gläubige, sollten Spontanremissionen nicht auf nachvollziehbaren biologischen Vorgängen beruhen und Naturgesetzen folgen dürfen? Erweist sich die Macht Gottes denn erst in Verstößen gegen die Weltordnung, die er schuf? Viele Kranke melden in Lourdes eine positive Wende gar nicht erst, zumal dann nicht, wenn sich diese - und das ist die Regel - erst längere Zeit nach ihrer Rückkehr abzeichnet: sei es aus Bequemlichkeit, aus dem entmutigenden Wissen um die strengen ärztlichen Prüfungskriterien oder in der (möglicherweise irrigen) Meinung, eine vorausgegangene oder begleitende Therapie habe die Besserung herbeigeführt. Solange die Medizinforschung nicht mit brauchbareren Entscheidungshilfen aufwarten kann, orientieren sich Patienten besser an Patienten: an persönlichen Eindrücken und Erfahrungen, welche Betroffene selbst sammelten, nachdem sie sich auf die „andere“ Medizin eingelassen haben. Zu finden sind sie beispielsweise unter jenen Tausenden von Hilfesuchenden, denen die Stiftung Auswege seit ihrer Gründung 2005 erfahrene, seriöse Therapeuten vermittelte oder in ihre Therapiecamps einlud. „Ob ich wieder gesund werde, weiß ich nicht“, sagte uns ein Campteilnehmer beim Abschied. „Aber ich weiß endlich wieder, dass ich eine Chance habe.“ Mit der Wucht des Hammers, der mit der „Unheilbar“-Prognose seines Arztes auf ihn niederging, reißt er die Mauer der Ausweglosigkeit ein. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, heißt es – völlig zurecht. Zuversichtlich bleiben, sich den Glauben an eine Besserung zu bewahren, trägt gerade bei Schwerkranken ganz entscheidend dazu bei, dass Leiden erträglich bleibt. Dadurch bewahrt sie ein letztes Stück Lebensqualität. Die Hoffnung mag sich letztlich als Illusion erweisen. Doch muss sie schulmedizinisch unterkühlt zerstört werden, bevor es so weit ist? „Wir müssen zwischen Leiden und Verzweifeln unterscheiden“, schrieb der österreichische Psychiater Viktor Frankl. „Ein Leiden mag unheilbar sein, aber der Patient verzweifelt erst dann, wenn er im Leiden keinen Sinn mehr sehen kann.“ ( Harald Wiesendanger ) Dieser Beitrag ist die überarbeitete Fassung eines Kapitels aus dem Buch von Harald Wiesendanger: Auswege – Kranken anders helfen (2015). Anmerkungen (1) Schon im Jahre 1918 beschrieb Rohdenburg 185 beobachtete Spontanremissionen („Fluctuations in the growth energy of tumors in man, with especial reference to spontaneous recession“, Journal of Cancer Research 3/1918, S.193-225); Fauvet berichtete über 202 Fälle zwischen 1960–1964 („Spontaneous cancer cures and regressions“, Revue du Practicien 14/1964, S. 2177–2180); Boyd stellte 1966 über 98 Fälle vor ( The spontaneous regression of cancer , Springfield Ill. 1966); Cole und Everson berichten von 176 Fällen im Zeitraum von 1900–1960 (W.H. Cole: „Spontaneous regression of cancer and the importance of finding its cause“, National Cancer Institute Monographies 44/1976, S. 5-9; W.H. Cole/T.C. Everson: Spontaneous Regression of Cancer , Philadelphia, PA. 1966; „Spontaneous Regression of Cancer: Preliminary Report“, Annals of Surgery 144/1956, S. 366–380); Challis präsentierte 489 Fälle aus den Jahren 1900-1987 („The spontaneous regression of cancer. A review of cases from 1900 to 1987“, Acta Oncologica 29/1990, S. 545–550). (2) Brendan O´Regan/Caryle Hirshberg: Spontaneous Remission - An Annotated Bibliography , Institute of Noetic Sciences, Sausolito 1993; darin berichten sie über 1385 Spontanremissionen bei Krebs im Zeitraum zwischen 1900 und 1987. (3) Caryle Hirshberg/Marc Ian Barasch: Unerwartete Genesung - Die Kraft zur Heilung kommt aus uns selbst , München 1995. (4) Zwischenergebnisse veröffentlichten Walter Gallmeier und Herbert Kappauf 1995 in ihrem Buch Nach der Diagnose Krebs - Leben ist eine Alternative , Freiburg 1995; s. auch Herbert Kappauf: Wunder sind möglich - Spontanheilung bei Krebs . Freiburg 2003; Manfred E. Heim/Reinhold Schwarz (Hrsg.): Spontanremissionen in der Onkologie , Stuttgart 1998.
- Zucker verblödet.
Der Durchschnittsdeutsche konsumiert heutzutage fünf Mal mehr Zucker als Anfang des 20. Jahrhunderts. Spätestens seit ihn Trash-TV und TikTok, Coronoia, Klimahysterie und Genderitis gepackt haben, wird man den bösen Verdacht nicht los: Im selben Maße ist er blöder geworden. Der Zusammenhang wäre keineswegs ganz zufällig. Denn Zucker macht tatsächlich dumm – und wie. Zucker verführt. Überall gilt er als Stimmungsaufheller, als Seelentröster, als Energiespender, der das Leben versüßt. In allen Kulturkreisen, in jedem Alter. Sobald ein Baby lächeln kann, tut es das unwillkürlich, wenn man ihm ein paar Tropfen Zuckerlösung auf die Zunge träufelt. Und Zucker macht süchtig. Im Gehirn aktiviert er das dopaminerge Belohnungssystem – ähnlich wie Drogen – und sorgt für einen schnellen Glücks- und Energieschub. Mit der Zeit stumpfen die Dopaminrezeptoren ab. Die Folge: Man braucht immer mehr Zucker, um denselben Effekt zu spüren. Mehr Zucker, weniger Hochgefühl, mehr Verlangen, noch weniger Kontrolle – ein Teufelskreis. Dieses Wechselspiel aus Belohnung, Toleranz, Entzugssymptomen und Heißhunger macht Zucker zu einer biochemischen Suchtfalle. Diese Sucht sichert der Lebensmittelindustrie ein Bombengeschäft. Damit wir ihre Produkte kaufen, setzt sie ihnen reichlich Zucker zu. Damit verpasst sie uns einen Glücksschub, sobald wir sie zu uns nehmen, und fördert unsere Bereitschaft, mehr davon in den Einkaufswagen zu legen. 80 % aller industriell hergestellten Nahrungsmittel enthalten versteckten Zucker, teilweise in Unmengen, selbst wenn sie gar nicht süß schmecken. Denn Zucker ist für Hersteller ein idealer Zusatz: Spottbillig verbessert er Geschmack und Haltbarkeit. In der Zutatenliste verbirgt sich Zucker hinter Bezeichnungen wie Glukose, Fruktose, Saccharose, Maltodextrin, Sirup, Süßmolkenpulver, Fruchtsüße, Invertzuckersirup. Pro 100 Gramm kann sein Anteil im Wurstaufschnitt bei 4 g liegen, im Weißbrot und Senf bei 6 g, in mariniertem Fleisch bei 8 g, im Eistee bei 9 g. In Chicken Wings oder einer Portion Fertig-Tomatensuppe stecken bis zu 10 g Zucker, in einem Glas Gewürzgurken rund 15 bis 20 g, in einem Becher Fruchtjoghurt 12 bis 16 g. Manche Knuspermüslis bestehen zu einem Viertel aus Zucker, Ketchup zu einem Fünftel. In vermeintlich gesunden „Kindertees“ steckt fast nur Zucker mit Aromen – bis zu 94 %. Und so nimmt der Durchschnittsdeutsche 95 Gramm Zucker pro Tag zu sich – nahezu vier Mal mehr, als die WHO empfiehlt . Das entspricht 32 handelsüblichen Zuckerwürfeln. „So schlimm kann das ja nicht sein“, meint Otto Normalversteher. „Sonst wäre es ja verboten.“ Der Preis der Sucht Die Sucht hat ihren Preis. Dass Industriezucker für schwere Erkrankungen wie Adipositas und Bluthochdruck, Fettleber und Diabetes verantwortlich ist, hat sich inzwischen herumgesprochen. Er macht dick, schlapp und morbid. Aber immer noch weithin unbekannt ist, was das weiße Gift mit unserem Gehirn anstellt. Welche massiven Schäden kann es dort anrichten? Wie stellt es das an? Welche gesundheitlichen Folgen hat dies für uns, körperlich wie auch psychisch? Welche Schlüsse sollten wir daraus ziehen, was unsere Ernährung betrifft? Fest steht: Wer dauerhaft zuviel Zucker isst, kann schlechter denken. In Tierversuchen hat sich dies längst bestätigt. Dabei erwies sich der Hippocampus – das Zentrum für Lernen und Gedächtnis – als besonders anfällig für die süßen Attacken. In einer Studie der University of California in Los Angeles aus dem Jahr 2012 ließ man Ratten über sechs Wochen lang eine 15%-ige Fruktoselösung trinken, versetzt mit dem Zucker aus Softdrinks, Müsliriegeln und Fruchtjoghurts. Ergebnis: Die Tiere verloren deutlich an Lernfähigkeit und Raumorientierung; den Ausweg aus einem Labyrinth, den sie zuvor kannten, fanden sie nun nicht mehr. Die synaptische Aktivität im Gehirn war erheblich reduziert. (2) „Zucker beeinflusst die Fähigkeit des Gehirns, Informationen zu verarbeiten und zu speichern“, sagt Studienleiter Dr. Fernando Gomez-Pinilla. Bezeichnend: Die negativen Effekte ließen sich nicht etwa auf Übergewicht oder Diabetes zurückführen – sondern traten direkt durch den Zucker auf, selbst bei normalgewichtigen Ratten. Besonders empfindlich für kognitive Störungen waren dabei jüngere Tiere . Kalorienfreie Süßstoffe erwiesen sich als nicht minder heikel. In einer Studie der University of Southern California 2022 wurden jugendliche Ratten mit Saccharin, ACE-K oder Stevia gefüttert. Auch sie zeigten langfristige Gedächtnisbeeinträchtigungen, bei verändertem Glukosestoffwechsel. Neurowissenschaftler der Princeton University konnten bei zuckersüchtigen Ratten ähnliche Hirnveränderungen nachweisen wie bei Morphin-Abhängigen: Abbau von Dopamin-Rezeptoren, Entzugserscheinungen, Kontrollverlust. IQ-Vernichter: Zucker verblödet nicht bloß die Labormaus Aber lassen sich Ergebnisse von Tierversuchen ohne weiteres auf unsereins übertragen? Dutzende Humanstudien bestätigen mittlerweile: Auch beim Menschen führt übermäßiger Zuckerkonsum zu neuroinflammation , oxidativem Stress, erhöhter Anfälligkeit für kognitive und psychische Störungen. (2) Wie 2023 eine Meta-Analyse von 77 Humanstudien mit insgesamt über 17.000 Teilnehmern ergab, stießen ausnahmslos alle auf einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von zugesetztem Zucker und einem erhöhten Risiko für kognitive Beeinträchtigungen: Es litten Kurz- und Langzeitgedächtnis, Aufmerksamkeit, geistige Flexibilität, Konzentrationsfähigkeit, räumliche Navigation und sogenannte „exekutive Funktionen“: Planen, Organisieren sowie das Befolgen von Prozessen und Anweisungen. Als besonders negativ erwies sich langfristig hoher Zuckerkonsum in der Schwangerschaft – für das Kind noch mehr als für die Mutter. Die „neuronale Plastizität“ des Gehirns war vermindert : seine Fähigkeit, sich strukturell und funktionell anzupassen. Gerade Lernprozesse und Entwicklung werden dadurch gestört. Besonders betroffen ist auch bei Menschen das Gedächtnisareal im Gehirn – der Hippocampus - sowie die Fähigkeit zur Reizverarbeitung und Anpassung im präfrontalen Cortex, nicht zuletzt bei Senioren, aber auch in allen vorherigen Altersklassen. In einer vielbeachteten Langzeitstudie analysierten Forscher das Essverhalten von mehr als 1.000 Kindern. Kinder mit hohem Zuckerkonsum – vor allem in Form von Softdrinks – schnitten in Intelligenztests signifikant schlechter ab. Geradezu dramatisch: Die berühmte " Whitehall-II-Studie " mit über 10.000 britischen Beamten zeigte, dass Menschen mit dem höchsten Zuckerkonsum ein um bis zu 23 Prozent höheres Risiko für Demenz hatten – unabhängig von ihrem Körpergewicht. Schon bei leicht erhöhten Blutzuckerwerten ist die Gedächtnisleistung vermindert , die Glukoseverwertung in Hirnzellen gestört; der Hippocampus schrumpft. Eine Harvard- Studie ergab: Menschen mit dauerhaft hohem Blutzucker hatten messbar schlechtere Gedächtnisleistungen – lange bevor sie Symptome eines Diabetes entwickelten. MRT-Untersuchungen zeigten verminderte Durchblutung und strukturelle Veränderungen im Gehirn. Eine 2023 publizierte Studie aus China belegte einen direkten Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum, Insulinresistenz im Gehirn und dem Verlust grauer Substanz. Mehrere Untersuchungen ergaben übereinstimmend: Hoher Zuckerkonsum mindert die kognitive Leistungsfähigkeit, beschwört den berüchtigten Brain Fog herauf – mit Konzentrations-, Gedächtnisstörungen und dem Gefühl, wie benommen, im Kopf „benebelt“ zu sein. Was für ein „Diät-Tipp“ aus den 60-er Jahren: „Iss viel Zucker – das hilft beim Abnehmen, weil es den Hunger dämpft“. Wessen Gehirn ist da wohl zuckergeschädigter: dasjenige des Werbetexters – oder des Verbrauchers, der darauf hereinfällt? Der zuckersüße Weg zum Alzheimerhirn Nicht bloß lächerlich, sondern geradezu infam ist es, Insassen von Seniorenheimen einzuschärfen, sie könnten und sollten einer Demenz vorbeugen, indem sie „geistig aktiv“ bleiben (3), sich beispielsweise Brettspielen hingeben (4), Kreuzworträtsel lösen (5) und sonstigen Denksport treiben, Gleichzeitig packt man ihr Essenstablett mit verstecktem Zucker voll, von Weißmehlbrot und Wurstaufschnitt über farbiges Süßwasser mit Obstaroma bis zu Keksen, Fruchtjoghurts und Puddings. Mit Verlaub, solch kostenoptimierter Fraß läuft auf kulinarische Verblödungs- und Sterbehilfe hinaus – und das für monatlich über 3000 Euro Eigenanteil pro Heimplatz. Wer so etwas verantwortet, leistet letztlich Beihilfe zur Zerstörung geistiger Gesundheit. (Psychopharmaka und andere verabreichte Medikamente – im Schnitt 9,3 pro Pflegeheimbewohner – tun ein übriges.) Jede Heimleitung sollte wissen: Hoher Zuckerkonsum kann auf mehreren Wegen Prozesse fördern, die das Risiko für Alzheimer und andere Demenzformen erhöhen. (6) Dabei geht es nicht nur um „leere Kalorien“, sondern um tiefgreifende Effekte auf Blutzucker, Insulin, Blutgefäße, Entzündungen und Nervenzellen (7): 1. Im Gehirn entsteht eine Insulinresistenz („Typ-3-Diabetes“). Dauerhaft hoher Zuckerkonsum lässt die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin produzieren, worauf auch die Hirnzellen immer schlechter reagieren. Insulin ist nicht nur für den Zuckerstoffwechsel zuständig, sondern auch wichtig für Signalübertragung zwischen Neuronen und Gedächtnisbildung. Wird das Gehirn insulinresistent, können Nervenzellen schlechter Energie nutzen – sie „verhungern“, obwohl genug Zucker da ist. 2. Vermehrt bilden sich in Gehirnmembranen freie Radikale: hochreaktive Moleküle, die für oxidativen Stress sorgen. Sie greifen Fette an, aus denen auch die Membranen von Nervenzellen bestehen. Das verlangsamt deren Kommunikation, kann sie sogar gänzlich blockieren. 3. Zuviel Zucker trägt dazu bei, dass sich vermehrt Beta-Amyloid und Tau-Proteine bilden und anhäufen – beides typische Kennzeichen von Alzheimer. Tierstudien zeigen: Ratten auf zuckerreicher Diät hatten mehr Amyloid-Plaques und Gedächtnisprobleme. 4. Zuckerreiche Ernährung begünstigt Arteriosklerose und Mikroangiopathien: Schäden an kleinen Blutgefäßen. Das Gehirn wird schlechter durchblutet, Nervenzellen bekommen weniger Sauerstoff und Nährstoffe. Gefäßbedingte Schädigungen verstärken Alzheimer-Symptome und beschleunigen den Verlauf. 5. Es bilden sich mehr AGEs ( Advanced Glycation Endproducts ): schädliche Stoffe, die entstehen, wenn Zuckermoleküle sich dauerhaft an Eiweiße, Fette oder Erbgut binden. AGEs lagern sich in Geweben an, machen diese unelastisch, aktivieren das Immunsystem und verursachen niedriggradige Dauerentzündungen, die im Gehirn den Abbau von Nervenzellen fördern. 6. Zuckerüberschuss kann die „Kraftwerke“ der Zellen schädigen: die Mitochondrien. Nervenzellen sind besonders abhängig von einer stabilen Energieversorgung - mitochondrialer Stress beschleunigt Funktionsverlust. Zucker: Der heimtückische Psychoterrorist Zucker manipuliert nicht nur Denkprozesse – er beeinflusst auch unsere Emotionen. Studien zeigen, dass übermäßiger Zuckerkonsum langfristig zu schlechterer Laune führt, gereizt macht - und mit einem erhöhten Risiko für Depression, Angstzuständen und Aggressivität verbunden ist. (8) Eine groß angelegte Längsschnittstudie, das EU-geförderte Projekt MOODFOOD , an über 10.000 Personen ergab: Männer, die mehr als 67 g Zucker täglich konsumierten – so viel steckt in zwei Dosen Cola –, haben ein um 23% höheres Risiko, innerhalb von fünf Jahren eine psychische Erkrankung wie Depression zu entwickeln. Dass bestehende Depressionen umgekehrt zu mehr Zuckerkonsum führten, schloss die Studie aus. Er geht uns auf den Geist Zucker ist kein harmloser Genuss, sondern ein schleichender Saboteur unserer geistigen Gesundheit. Während er unserer Zunge schmeichelt, ruiniert er unser Hirn. Der Kinderarzt und Neuroendokrinologe Robert Lustig, Professor an der University of California in San Francisco und einer der weltweit bekanntesten Zucker-Kritiker, bringt es auf den Punkt: „Zucker ist nicht nur ein Kalorienlieferant – er ist ein endokriner Disruptor, ein Neurotoxin und ein Suchtmittel.“ Wie ungesund das süße Gift ist, scheint den meisten Verbrauchern durchaus klar. Nur 4,7 % bewerten Haushaltszucker als gesund. 86 % der Befragten halten den Zuckereinsatz in der heutigen Ernährung für zu hoch. Die Kluft zwischen Wissen und Handeln ist erschreckend. Damit sich Verhalten ändert, bedarf es eben mehr als reiner Information – erst recht bei Junkies. Eine regelrechte Mafia von inkompetenten politisch Verantwortlichen, von skrupellosen Industriebossen, ihren Lobbyisten und PR-Profis, von käuflichen Wissenschaftlern, Ärzten und Medienschaffenden sorgt indes dafür, dass die nötige Aufklärung weitgehend unterbleibt. Denn nur Kranke nützen der Gesundheitswirtschaft, sie allein sichern Wachstumsmärkte. (9) Lässt sich angerichteter Schaden beheben? Einige Schäden, die Zucker im Gehirn anrichtet, lassen sich nachweislich teilweise rückgängig machen, insbesondere wenn man den Konsum rechtzeitig reduziert und allgemein gesunde Lebensgewohnheiten einhält. Die erstaunliche „neuronale Plastizität“ des Gehirns erlaubt Anpassungen von Synapsen und sogar die Regeneration von geschädigten Hirnzellen in bestimmten Regionen, vor allem im Hippocampus, sobald der schädigende Einfluss verschwindet. (10) Bereits eine achtwöchige Ernährungsumstellung kann die neuronalen Schaltkreise verändern und die Belohnungszentren im Gehirn normalisieren. (11) Schwieriger wird es, falls das Diabetesrisiko bereits deutlich erhöht ist oder Funktionsverluste wie bei Demenz schon ausgeprägt sind: Hier sind manche Schäden - vaskuläre Ablagerungen, fortgeschrittene Neurodegeneration - nicht mehr voll reversibel. Dennoch kann auch hier eine Zuckerreduktion das Fortschreiten verlangsamen und einzelne Hirnfunktionen stabilisieren. (12) „Auf Null reduzieren“? So viel steht fest: Wer seinem Gehirn etwas Gutes tun will, lässt Zucker willensstark dort, wo er verführerisch lockt – in der Auslage der Konditorei, im Supermarktregal. Nicht im Frühstück, nicht im Joghurt, nicht in der Leber, nicht im Blut – und erst recht nicht im Denkorgan. „Wie stark sollten wir unseren Zuckerkonsum senken?“, wurde der Neurologe Dale Bredesen, ein weltweit angesehener Alzheimer-Experte, kürzlich in einem Interview gefragt. „Wie viel ist noch unbedenklich?“ Bredesens Auskunft fiel kompromisslos aus: „Reduzieren wir ihn auf Null. Denn wir brauchen ihn nicht.“ Nicht ganz so eng sieht das Robert Lustig: „Ein wenig davon ist kein Problem.“ Er selbst nascht „immer mal wieder“ dunkle Schokolade, gönnt sich „zwei Mal im Jahr ein Dessert nach dem Essen“, auch mal ein Stück Käsekuchen. Das war´s dann aber auch schon für ihn. Denn „viel davon tötet – langsam“. (13) Damit meint er das reinweiße Kristallpulver der Lebensmittelbranche: Zucker pur. Die Natur kennt ihn nicht. Aber wie steht es mit Zucker, den sie uns selbst liefert: in Obst, in Gemüse, in Milch und Milchprodukten? Pro 100 Gramm enthalten Äpfel und Birnen 10 bis 12 g, Bananen 12 bis 17 g, Weintrauben 16 bis 18 g, frische Datteln bis zu 35 g. Erbsen, Karotten, rote Bete, Zwiebeln 3 bis 7 g, Naturjoghurt, Kefir, Kuhmilch immerhin noch 3 bis 4 g. „Natürlich“ bedeutet nicht „zuckerarm“ – aber in der Natur tritt Zucker durchweg in wertvoller Begleitung auf: gemeinsam mit Ballaststoffen, Bitterstoffen, Enzymen, Vitaminen, Polyphenolen. Und darauf sollten wir nicht verzichten – wohl aber klug dosieren. Denn in Humanstudien beeinflussten natürliche Fruktosequellen aus Obst die Kognition teilweise sogar positiv. Die „Matrix“ aus Fasern und Nährstoffen bewirkt, dass unser Körper Fruktose langsamer verstoffwechselt und nicht, wie isolierten Industriezucker, sofort in der Leber verarbeitet. Dies verhindert negative Effekte auf Gehirn und Kognition. Epidemiologische Studien deuten darauf hin, dass ein hoher Obst- und Gemüseverzehr sogar mit einer verringerten Alzheimer-Inzidenz und besserer kognitiver Gesundheit einhergeht. (14) Zucker pauschal zu verteufeln, zeugt demnach von krassen Wissenslücken. Im Laufe der Evolution konnte sich unser Gehirn nur so komplex entwickeln, weil ihm die Natur mit Zucker einen extrem effektiven Brennstoff zur Verfügung stellte. Als reinster aller Energielieferanten nützt Zucker unserem Körper bei vielerlei Stoffwechselprozessen. Und so endet dieser Artikel mit Good News: Nicht gänzlich zuckerabstinent, sondern mit den richtigen Zuckern - direkt geliefert von Naturgewächsen oder durch Kochen aufgeschlossen -, stoppen wir die Zellalterung, schützen die Gefäße, schalten die Fettverbrennung an und halten unser Gehirn fit. (15) Ein weises Sprichwort aus China sagt: „Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, war vor zwanzig Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt.“ Es ist nie zu spät, so zu werden, wie man hätte sein können. Gesünder beispielsweise. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1) https://www.uclahealth.org/news/release/high-fructose-diet-sabotages-learning-memory?utm_ ; https://www.livescience.com/20329-sugar-stupid.html?utm_ (2) https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9323357/ , https://www.health.harvard.edu/blog/nutritional-psychiatry-your-brain-on-food-201511168626 , https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9471313/ (3) Weltgesundheitsorganisation (2019): “ Risk reduction of cognitive decline and dementia: WHO guidelines ”; G. Livingston u.a.: „ Dementia prevention, intervention, and care: 2020 report of the Lancet Commission “, The Lancet 396/2020, S. 413-446; NHS: „ How to reduce your risk of dementia “. (4) National Institute on Aging: „Preventing Alzheimer’s Disease: What Do We Know? “ (5) https://www.medicalnewstoday.com/articles/do-reading-puzzles-and-similar-activities-really-stave-off-dementia ; https://www.scinexx.de/news/biowissen/kreuzwortraetsel-verlangsamen-gedaechtnisverlust/ (6) S.M. de la Monte/J.R. Wands, J. R. (2008): „ Alzheimer’s disease is type 3 diabetes–evidence reviewed “, Journal of Diabetes Science and Technology (6), 1101–1113; P.K. Crane u.a. (2013): „ Glucose levels and risk of dementia “, New England Journal of Medicine , 369, 540–548; S.E.Arnold u.a. (2018): „Brain insulin resistance in type 2 diabetes and Alzheimer disease“, Alzheimer’s & Dementia , 14(7), 801–815, https://doi.org/10.1016/j.jalz.2018.01.011 ; https://menschen-mit-diabetes.de/ratgeber/diabetes-typ-3 (7) https://www.brain-effect.com/magazin/zucker-leistungsfaehigkeit ; https://www.ukr.de/newsroom/detail/ist-weniger-zucker-besser-fuer-unser-gehirn ; https://www.mpg.de/20023125/0320-neur-suessigkeiten-veraendern-unser-gehirn-153735-x ; https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Studie-zeigt-Zucker-und-Fette-veraendern-das-Gehirn,zucker684.html ; https://www.tagesschau.de/wissen/gesundheit/zucker-gehirn-100.html (8) https://www.helmholtz.de/newsroom/artikel/loest-zucker-depressionen-aus/ ; https://www.zentrum-der-gesundheit.de/news/gesundheit/allgemein-gesundheit/zucker-depressionen (9) Hans-Ulrich Grimm: Garantiert gesundheitsgefährdend – Wie uns die Zucker-Mafia krank macht , München 2013. (10) https://www.ukr.de/newsroom/detail/ist-weniger-zucker-besser-fuer-unser-gehirn ; https://hirnstiftung.org/2025/04/zu-viel-zucker-versalzt-die-hirngesundheit/ ; https://www.deutschlandfunk.de/zucker-adipositas-diabetes-zuckersteuer-100.html ; https://www.sf.mpg.de/2078461/Wie-beeinflusst-Zucker-unser-Gehirn ; https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Studie-zeigt-Zucker-und-Fette-veraendern-das-Gehirn,zucker684.html (11) https://www.sf.mpg.de/2078461/Wie-beeinflusst-Zucker-unser-Gehirn , https://www.mpg.de/20023125/0320-neur-suessigkeiten-veraendern-unser-gehirn-153735-x (12) https://www.dgn.org/artikel/world-brain-day-2024-zu-viel-zucker-versalzt-die-hirngesundheit ; https://hirnstiftung.org/2025/04/zu-viel-zucker-versalzt-die-hirngesundheit/ (13) Zit. nach Hans-Ulrich Grimm: Garantiert gesundheitsgefährdend, a.a.O., S. 11, 13. Zu bestellen bei Ihrem örtlichen Buchhändler – um zu überleben, ist er auf Sie als Kunde dringender angewiesen als Amazon. (14) TF Hughes u.a.: „ Midlife fruit and vegetable consumption and risk of dementia in later life in Swedish twins “, American Journal of Geriatric Psychiatry 18 (5) 2010, S. 413-420, doi:10.1097/JGP.0b013e3181c65250; Paul T. Williams: „ Lower Risk of Alzheimer’s Disease Mortality with Exercise, Statin, and Fruit Intake “, Journal of Alzheimer's Disease 44 (4) 2015, S. 1121 – 1129. (15) Siehe Johannes Coy: Fit mit Zucker (2019), zu bestellen bei Ihrem örtlichen Buchhändler – um zu überleben, ist er auf Sie als Kunde dringender angewiesen als Amazon. Sehenswerte Dokumentarfilme über die Gefahren von Zuckerkonsum: ARTE-Doku: „ Macht Zucker dumm? “ (27 Min.) Voll verzuckert - That Sugar Film (2014) Filmemacher Damon Gameau macht sich selbst zum Versuchskaninchen und dokumentiert 60 Tage lang die Auswirkungen einer zuckerreichen Ernährung – vor allem durch vermeintlich „gesunde“ Lebensmittel mit verstecktem Zucker. Der Film zeigt eindrücklich, wie Zucker entzündliche Prozesse und psychische Symptome fördert, ohne dass man unbedingt mehr Kalorien zu sich nimmt. Hugh Jackman und Stephen Fry geben spannende Einblicke in die Geschichte und Wissenschaft des Zuckers. Fed Up (2014) Dieser Film, produziert von der Macherin von „An Inconvenient Truth“, legt den Fokus auf die Zuckerindustrie und wie sie Gesundheitsprobleme wie Fettleibigkeit und Diabetes verschleiert. Er zeigt die verheerende Wirkung von Zucker auf Kinder und beleuchtet die politischen und wirtschaftlichen Hintergründe der Zuckerverwendung in Lebensmitteln. Sugar Coated (2015) Ein kanadischer Dokumentarfilm, der die Geschichte der Zuckerindustrie und deren taktische Methoden zur Verharmlosung der Gesundheitsrisiken beleuchtet. Dr. Robert Lustig, ein prominenter Kritiker des Zuckerkonsums, kommt ausführlich zu Wort. The Secrets of Sugar (2014) Eine investigative Doku, die aufdeckt, wie Zucker unsere Gesundheit schädigt und warum die Industrie Warnungen über die Risiken so lange unterdrücken konnte.
- Unheil.
Was ist bloß aus dem Geistigen Heilen geworden? Auf den Boom der 90-er Jahre folgte ein kläglicher Niedergang. Schuld daran sind: zuviele Möchtegerns, Vereinsmeierei, Verschulung, eine verhängnisvolle Gesetzesänderung und eine radikal veränderte Medienlandschaft. Ein wehmütiger Abgesang auf das deutsche Heilerwesen – in 11 Strophen. Die wohl umstrittenste, am übelsten beleumundete Variante der Alternativmedizin ist zugleich eine der faszinierendsten: Geistiges Heilen – der Versuch, Krankheit mittels eines nichtphysischen Etwas zu lindern oder zu beseitigen, nämlich durch das Bewusstsein des Behandlers. (1) Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte dieser uralte Ansatz, den wohl schon ein gewisser Jesus Christus praktizierte, ein extremes Auf und Ab, zwischen staatlich verfolgter Scharlatanerie und massenmedial gefeierter Wunderproduktion. Unter dem Strich steht ein kläglicher Niedergang – mit wenig Aussicht auf Besserung, womöglich unheilbar. 1. Die Entfesselung. Ab 1873 besteht im gesamten Deutschen Reich eine nahezu grenzenlose "Kurierfreiheit" auch für nichtärztliche Heilkundige. Daraufhin kommt es zu einem sprunghaften Anstieg von hauptberuflichen Laienbehandlern. Ärztliche Standesvertretungen laufen beharrlich Sturm gegen den Wildwuchs - und setzen sich schließlich durch: 2. Die HPG-Depression. Im Februar 1939 verabschiedet der Deutsche Reichstag das "Heilpraktikergesetz" (HPG). Nach Kriegsende übernimmt es die Bundesrepublik unverändert - und folgt dem Naziregime im Bemühen, Heiler in die Illegalität zu zwingen. In den folgenden Jahrzehnten sorgen Gerichtsurteile sogar noch für eine verschärfte Anwendung: Nach der sogenannten "Eindruckstheorie" macht sich ein Heiler unabhängig von seinen Intentionen, seiner Gesinnung, seinen Erfolgen, der Unschädlichkeit seines Tuns allein schon dadurch strafbar, dass Hilfesuchende den subjektiven Eindruck gewinnen können, er führe an ihnen eine Heilbehandlung durch. 3. Das Gröning-Zwischenhoch. In den fünfziger Jahren macht Bruno Grönings Wirken das Geistige Heilen eine Zeitlang zu einem öffentlichen Faszinosum: Zehntausende suchen seine Hilfe, Presse und Rundfunk schlachten das Phänomen aus. Als Gröning, verbittert und zermürbt von einer Prozessflut sowie Anfeindungen durch die Interessenvertretungen anerkannter Heilberufe, 53-jährig 1959 stirbt, lässt auch das allgemeine Interesse an der Heilweise nach, für die er damals wie kein zweiter stand. 4. Der Edwards-Impuls. Inspiriert von der englischen Heilerbewegung um Harry Edwards, entstehen in den sechziger Jahren auch in Deutschland die ersten Heilervereine: die "Deutsche Vereinigung für Geistheilung" (DVGH), bald darauf die "Gemeinschaft für geistige Entfaltung". Sie führen Menschen zusammen, die zuvor sozial isoliert und im Verborgenen praktiziert hatten - doch mehr als ein geselliges Miteinander bringen sie kaum zuwege. 5. Die Esoterisierung. Von der zweiten Hälfte der sechziger Jahre an bricht eine neue "Esoterikwelle" von anderen Kulturkreisen aus über Deutschlands alternative Gesundheitsszene herein - und erfasst rasch auch das Heilerwesen. Neue, exotische Behandlungsformen mit publikumswirksamen Vertretern tauchen auf: von philippinischen "Logurgen" über Schamanen aus Afrika, Amerika, Zentralasien und Ozeanien bis hin zu Qi-Gong-Meistern aus China, Propagandisten von Reiki, Prana-Heilen, Chakratherapie und anderen “energetischen" Behandlungsformen. (3) Sie alle teilen die Vision eines New Age voller spirituell entfalteter, ihr unermessliches geistiges Potential freisetzender Individuen, das die Verheißung einschließt: In jedem von uns steckt ein Heiler, der bloß darauf wartet, erweckt zu werden. Zuvor waren in Deutschland vermutlich nur wenige hundert Geistheiler tätig, neben Besprechern und ein paar Exorzisten vor allem christliche Handaufleger und Gebetsheiler. Es überwogen schlichte, bodenständige Gemüter mit geringer Bildung aus mittleren und unteren sozialen Schichten. (4) Ein Großteil wirkte zurückgezogen in ländlicher Gegend, und sie halfen vornehmlich aus zutiefst empfundener Berufung. Vollprofis fanden sich kaum darunter: Die meisten übten Geistiges Heilen nebenbei aus, an Feierabenden und Wochenenden - nicht in regelrechten "Praxen", sondern in Wohnzimmern und Küchen; ihren Lebensunterhalt sicherten sie anderweitig. Kommerziell insofern nicht von Heilerhonoraren abhängig, arbeiteten sie vorwiegend unentgeltlich, allenfalls Spenden wurden angenommen. (5) Weil Geistheilung selten ein Geschäft war, wurde kaum je Werbung dafür getrieben; ihren Heiler fanden Hilfesuchende überwiegend durch Mundpropaganda, auf Empfehlung von Verwandten und Kollegen, Freunden und Bekannten. Unter solchen Umständen hielten sich Heiler nur, wenn sie in bemerkenswert vielen Fällen tatsächlich etwas therapeutisch Außergewöhnliches, aus ärztlicher Sicht Unerwartetes zustande brachten; andernfalls blieben ihre Stuben leer. (Kein Markt selektiert härter als einer, der auf mündlich kolportierten "Geheimtipps" beruht, in denen Konsumenten ihre persönlichen Erfahrungen mit gewissen Produkten weitergeben.) Daher überwogen ältere Heiler mit jahre-, oft jahrzehntelanger Erfahrung. (Mehrere Studien stimmen darin überein, dass vor Einsetzen der Esoterikwelle die Mehrzahl der befragten bzw. aktenkundig gewordenen Gesundbeter, Besprecher und sonstiger “magischer” Heiler zwischen 66 und 77 Jahre alt war. (6) Ihre Heilbegabung war fast immer schon in der Kindheit oder Jugend zum Vorschein gekommen. Keiner hatte zuvor eine regelrechte "Schule" durchlaufen, denn es gab keine. Die typische Heilerkarriere begann vielmehr in einer privaten, mehr oder minder intensiven Zweierbeziehung mit einem erfahrenen, bewunderten Vorbild - etwa der Mutter, dem Großvater, dem Nachbarn, dem Bekannten -, das begabte Nacheiferer meist über einen längeren Zeitraum beaufsichtigte und anleitete; oder Heilfähigkeiten stellten sich unvermittelt ein: etwa nach Eingebungen in Träumen, unter dem Eindruck einer Vision, von einer inneren Stimme angesprochen, auf dem Höhepunkt einer lebensbedrohlichen Erkrankung oder nach einem schweren Unfall; oder sie kamen bei zufälligem Ausprobieren zum Vorschein. Der traditionelle Heiler ging weitgehend intuitiv vor: Wie von selbst fanden seine Hände jene Stellen, auf die sie aufgelegt werden mussten. Er diagnostizierte nicht eigentlich; er "spürte" irgendwie, wo "etwas nicht in Ordnung" war. Um das, was er tat, machte er wenig Worte. Dazu fehlte ihm das Vokabular. Wenn er erklären sollte, wie und warum er heilen kann, trug er keine ausgefeilte Theorie vor. Seine Kraft und Zuversicht schöpfte er aus Gott - traditionelle Heiler aus unserem Kulturkreis waren durchweg tiefgläubige, praktizierende Christen -, dessen unergründlicher Ratschluss ausgerechnet ihn berufen hatte. Doch dieser Heilertypus ist nun im Aussterben begriffen. Ab den sechziger Jahren schwillt die Zahl der haupt- oder nebenberuflichen Geistheiler in Deutschland auf weit über 10'000 an - diejenigen eingerechnet, die zumindest eine Grundausbildung wie z.B. einen der beiden ersten Reiki-Grade absolviert haben, sogar auf mehrere Hunderttausend. Doch deutlich über neunzig Prozent dieser Heiler verkörpern inzwischen, auf einem zunehmend kommerzialisierten Markt, einen radikal anderen Therapeutentyp. Überdurchschnittlich viele Midlife -Kriselnde sind darunter, entlassen oder ausgestiegen aus bisherigen Berufen und kaputten Beziehungen - Unausgefüllte, Vereinsamte und Frustrierte, von Selbstzweifeln und Sinnkrisen Geschüttelte, neuen Halt, Orientierung und Einkommen Suchende. Ihre Berufung entdeckten sie in Begegnungen mit "Hellsichtigen", Medien, Astrologen, "spirituellen Weisheitslehrern", Bhagwans oder anderen respektierten Autoritäten der Esoterikszene, in Kursen und Workshops, an Messeständen, in Literaturstudien, auf ausgedehnten Selbstfindungstrips zu den süßlich durchräucherten Szenetempeln im Großstadtdschungel oder zu Ashrams und anderen exotischen Retreats in der Dritten Welt. Traditionellen Heilern wurde ihre Fähigkeit zuteil - esoterische erlernen sie, ähnlich wie die Kunst des Deutens von Horoskopen oder Tarotkarten. (Reiki, Prana-Heilen und Neoschamanismus haben sich dabei als die drei dicksten Nägel im Sarg des ursprünglichen Heilerwesens erwiesen.) Traditionelle Heiler ließen Taten sprechen, esoterische - Sternzeichen Vage, Aszendent Großer Nebel - versuchen hinter spiritualistischem Wortgeklingel und pseudophysikalisch gequantelt-skalarwellig-vakuumfeldig-nullpunktenergetisiertem Kauderwelsch zu verhüllen, was ihren therapeutischen Taten an Effizienz abgeht. 6. Die Verschulung. Von der Verheißung “Heilen-kann-jeder” inspiriert, entstehen die ersten Ausbildungseinrichtungen - und beginnen, für bis zu fünfstellige Kursgebühren innerhalb weniger Wochen oder Monate, Abertausende von Geistheilern eines neuen Typus zu produzieren: des lehrbuchkonform Geschulten anstelle des Naturtalents. (7) 6. Durchbruch zur Massenattraktion. In den neunziger Jahren sorgen Großveranstaltungen wie die Basler "Weltkongresse für Geistiges Heilen", Esoterikmessen in beinahe jeder größeren Stadt und bestsellernde Buchproduktionen dafür, dass Geistiges Heilen über die "Szene" hinaus öffentliche Aufmerksamkeit findet wie seit Grönings Zeiten nicht mehr. (Allein mein Großes Buch vom Geistigen Heilen verkauft sich rund 100.000 Mal.) Erneut, und diesmal noch eifriger, greifen Massenmedien - insbesondere vom journalistischen Boulevard und den neuen Privatsendern - das Phänomen auf, präsentieren Behandlungssensationen und vermeintliche “Wunderheiler”, schenken den Therapieresistenten des konventionellen Medizinbetriebs neue Hoffnung. Das fördert Druckauflagen und Einschaltquoten – und zeigt Massenwirkung: Einer 1992 durchgeführten Repräsentativumfrage zufolge würden sich 65 Prozent aller Westdeutschen über 16 Jahren auf einen Heiler einlassen, falls sie schwer erkranken und Ärzte nicht mehr weiterwissen. 7. Organisationsversuch. Von wohldokumentierten Behandlungserfolgen, hochwertigen Studien und herausragenden Heilerpersönlichkeiten beeindruckt, rufe ich 1993 den "Dachverband Geistiges Heilen" (DGH) ins Leben. (8) Fünf Jahre lang leite ich ihn, mit dem Ziel, verstreute Kräfte zu bündeln – für wirkungsvollere öffentliche Aufklärung über das Potenzial dieser Heilweise, für ihre Integration ins Gesundheitswesen. Bis dahin hatten mehrere Dutzend Zusammenschlüsse eher neben- und gegen- als miteinander gewerkelt – also kontraproduktiv, nach dem Motto “Warum gemeinsam stärker, wenn´s uns einsam gut genug geht?” Bis 1997 gelingt es mir, immerhin 23 Vereine ins Boot zu holen; zusammengerechnet vertreten sie zeitweise rund 50.000 Mitglieder. Was mich allerdings zunehmend demotivierte, war zum einen eine heillose Überforderung durchs Ehrenamt: Von Anfang an bestand dieses Projekt im wesentlichen darin, dass andere mir bei der Arbeit zusahen und sich von mir wohlbetitelte Funktionärssessel unter den Hintern schieben ließen, um von dort aus zu intrigieren und bei Vorstandssitzungen querzuschießen. Zum anderen, und vor allem, ernüchterte mich, welches Hauptmotiv die meisten Heiler in Wahrheit unter das Dach meiner Organisation führte: zahlende Kundschaft vermittelt zu bekommen. Am meisten schätzten sie den telefonischen “Infodienst” meines DGH sowie mein umfangreiches Heilerverzeichnis namens “Auswege” – beides schleuste ihnen notleidende Kundschaft zu. Anfang 1998 ziehe ich mich von meinem DGH zurück. Auch Geisteskinder missraten mitunter derart, dass man sie schließlich, mit einem Seufzer der Erleichterung, zur Adoption freigibt. 8. Höchstrichterliche Schleusenöffnung. Im März 2004 befreit das Bundesverfassungsgericht Geistheiler von dem Zwang, eine Heilpraktikerprüfung beim zuständigen Gesundheitsamt abzulegen - und restauriert damit faktisch die "Kurierfreiheit" des Deutschen Reichs, mit vergleichbaren Konsequenzen. 9. Heilerschwemme. Der Angst vor behördlicher Schikane und Strafverfolgung entledigt, trauen sich immer mehr Selbstberufene, das Heilen zur Profession zu machen und offensiv Werbung zu treiben, statt sich verstecken zu müssen. Das boomende Internet eröffnet ihnen ein neues, breitenwirksames Mittel zur billigen Selbstdarstellung. Solange Deutschlands Geistheiler mit einem Bein im Gefängnis standen, trauten sich in der Regel nur besonders Fähige zu praktizieren, im Vertrauen auf Mundpropaganda, ständig bedroht durch Denunzianten und Futterneider. Doch nun zählen Hochglanzbroschüren, professionell gestaltete Inserate und suchmaschinenoptimierte Websites mehr als natürliche Begabung. Dem Kundenfang förderlich sind Ausbildungsangebote und Zeugnisse von Heilerschulen – sowie mancherlei werbewirksame Dienstleistungen von Vereinen, allen voran des DGH, der sich nun in erster Linie darauf verlegt, zahlende Einzelmitglieder zu gewinnen und bei der Stange zu halten. Während er auf kümmerliche drei Mitgliedsvereine schrumpft, verkommt er zur Klientenbeschaffungsagentur, Titelschleuder (“Anerkannte/r Heiler/in”) und Urkundendruckerei. Statt den Wildwuchs der Heilerszene zu beschneiden, verschärft der Dachverband ihn weiter – womit er zum Teil des Problems wird, das er lösen sollte. Magisches Dreieck der Geldvermehrung. Binnen weniger Jahre vervielfacht sich die Anzahl deutscher Geistheiler – auf geschätzt über 15.000. Mit dem enormen Zuwachs an Quantität einher geht ein dramatischer Qualitätsverfall: Zunehmend überwiegen aufrichtig bemühte Dilettanten: unerfahrene, mäßig begabte, sich selbst überschätzende Möchtegerns, die mit wolkiger Esoterik, mit dubiosen Titeln und Diplomen wettzumachen versuchen, was ihnen an therapeutischer Befähigung abgeht. Meisterhaft beherrschen sie die Kunst, das Unsichtbare unsichtbar zu lassen – vor allem die Wirkung. Sie mit Kritik zu konfrontieren, gleicht dem Bemühen, einen Pudding an die Wand zu nageln. Egal: Vermeintlich “geprüft” zu sein, kommt halt gut an bei Hilfesuchenden, erst recht mit einem Zertifikat im Goldrahmen an der Praxiswand. Derart ausgestattet, scheinen manchem Anbieter für unüberprüfbare “Energieübertragungen” Honorarsätze angemessen, die höchstens Anwälten und Steuerberatern nicht die Schamesröte ins Gesicht treiben würden. 10. Beginnender Niedergang. Von der Jahrtausendwende an beginnt das öffentliche Interesse spürbar nachzulassen, die Besucherzahlen von Fachkongressen und Messen sinken ebenso abrupt wie die Auflagen von Sachbüchern und Szenezeitschriften; das Thema zeigt medientypische Abnutzungserscheinungen, wie man sie von Aids, dem Waldsterben, dem Ozonloch her kennt. Ebenso erging es anderen "Psi"-Sensationen früherer Tage, von fliegenden Untertassen über psychokinetisch verbogene Löffel und blutigen "psychochirurgischen" Eingriffen bis hin zu Reinkarnationserinnerungen, Spukhäusern, geometrischen Riesenmustern in reifen Kornfeldern und Jenseitskontakten per Tonband. Kräht heute noch irgendein Hahn danach? Unter Hilfesuchenden macht sich Ernüchterung breit: Inzwischen haben unzählige chronisch Kranke frustrierende Erfahrungen mit dem neuen Typus von sogenannten “Heilern” gemacht - das spricht sich herum. Die explosionsartig gestiegene Konkurrenz sorgt bei immer mehr Heilern für leere Praxen; die Werbewirkung von erworbenen Lizenzen, Diplomen und Titeln lässt nach, weil zuviele Mitbewerber sie ebenfalls ergattert haben und zum Kundenfang einsetzen. Heilerschulen beklagen einen rapiden Preisverfall, nach den Gesetzen der freien Marktwirtschaft erzwungen durch ein Überangebot an Mitbewerbern. So sind Reiki-”Einweihungen”, für welche in den siebziger und achtziger Jahren noch umgerechnet über zehntausend Euro verlangt und bezahlt wurden, mittlerweile für einen Hunderter zu erkaufen. Ein übriges tun dramatische Veränderungen der Medienlandschaft. Bis weit in die 90-er Jahre hinein fanden Heiler immer wieder mal einen Journalisten mit offenen Ohren; regelmäßig tauchten sie in Zeitungen und Zeitschriften, in TV-Magazinen und Talkshows auf. Webprofis gestalteten für sie Homepages, die für Hilfesuchende leicht zu finden waren. Damit ist es nach und nach vorbei. Ein enormer Konzentrationsprozess lässt immer weniger Medien übrig; diese sparen Kosten, indem sie ihr Material überwiegend im Abo von großen Nachrichtenagenturen beziehen - und für diese gilt: “ Follow the Science ” oder was sie dafür halten. Ihre Redakteure schreiben lieber von der Mainstream-Enzyklopädie Wikipedia (9) und systemkonformen “ Faktencheckern ” ab, als selber zu recherchieren. Suchmaschinen, allen voran Google , werden zu Zensurhelfern: Alternativmedizinisches verbannen sie auf hintere Trefferseiten, wo sie kaum noch jemand findet. Global agierende PR-Agenturmonster wie Publicis , zu deren Milliardenumsätzen die Pharmabranche und ihr nahestehende Stiftungen maßgeblich beitragen, setzen alles daran, den Ruf von jedermann zu ruinieren, der mit Äußerungen, Angeboten und Auftritten abseits der Schulmedizin auffällt. (Projekte wie “ Newsguard ” (10), “ Web of Trust ” (11) und die Online-Dreckschleuder “ Psiram ” (12) schöpfen vermutlich aus diesen vergifteten Geldquellen.) Künstliche Intelligenzen wie ChatGPT, Gemini oder Perplexity, die zeitaufwändiges Internetsurfen erübrigen, indem sie blitzschnell Informationen beschaffen, komprimieren und laiengerecht aufbereiten, sind seit kurzem dabei, den Trend zuzuspitzen: Sie “verdauen” immer nur, womit man sie füttert – aus sogenannten “verlässlichen” Quellen. Medien, die Geistiges Heilen ernstnehmen, finden sich gewiss nicht in diesem vorselektierten Datenpool. 11. Unterwegs zur Bedeutungslosigkeit. Deutschlands Geistheilerei ist dabei, zum Wellness-Ritual einer neoreligiösen Subkultur zu verkümmern, ins soziale Abseits der Esoterikgemeinde zurückzukehren - es sei denn, es gelingt, auf eine auch für Außenstehende nachvollziehbare und glaubwürdige Weise jene therapeutische Qualität sicherzustellen, die ihr längst abhanden gekommen ist. Einer Geistheilung bedürfte sie zuallererst selber. Dazu rief ich 2005, ergänzend zu meiner Stiftung AUSWEGE , die “Internationale Vermittlungsstelle für Heilkundige” (IVH) ins Leben. Mit einem aufwändigen Auswahlverfahren versucht sie in der Szene die Spreu vom Weizen zu trennen und die raren Könner herauszufiltern. An der Resonanz auf dieses Projekt wird ablesbar sein, ob es dafür nicht schon zu spät ist. Heilen “Heiler”? Neuerdings lautet die ehrliche Antwort: allenfalls ausnahmsweise. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen Dieser Artikel ist die erweiterte und aktualisierte Fassung des Abschnitts “Die 10 Phasen des deutschen Heilerwesens” in meinem Buch Heilen “Heiler”? , 4. Aufl. 2011, S. 87 ff. (1) Siehe Harald Wiesendanger: Das Große Buch vom Geistigen Heilen - Möglichkeiten, Grenzen, Gefahren , 4. Aufl. 2004; ders.: Geistheiler - Der Ratgeber - Was Hilfesuchende wissen sollten - Ehrliche Antworten auf 51 spannende Fragen , 5. Erw. Aufl. 2007. (2) Siehe Harald Wiesendanger: Das Große Buch vom Geistigen Heilen , a.a.O., S. 70 ff. (3) Zu deren Kritik s. Harald Wiesendanger: Das Große Buch vom Geistigen Heilen , Geistheiler - Der Ratgeber sowie Fernheilen , Band 1: Die Vielfalt der Methoden . (4) Jahrhundertelang stammten Besprecher, Gesundbeter und andere Geistheiler “meist aus bescheidenen sozialen Verhältnissen”, wie der Stuttgarter Medizinhistoriker Robert Jütte in seiner Geschichte der Alternativen Medizin ausführt (München 1996, S. 100). (5) Die meisten Heiler, so belegt Jütte (a.a.O., S. 102 f.), waren “aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen, ihren erlernten Beruf weiter auszuüben”; sie besserten “lediglich ihr festes Einkommen mit der Heilertätigkeit ein wenig auf”. (6) Siehe Herbert Schäfer: Der Okkulttäter , Hamburg 1959, S. 91; Ebermut Rudolph, “Zur Psychologie deutschsprachiger ‘Spruchheiler’”, in Heilen und Pflegen , Marburg 1986, S. 147-153, dort S. 147; Anita Chmielewski-Hagius, “Gesundbeten in Oberschwaben”, Bodensee-Hefte 12/1993 - 1/1994, S. 42-46, dort S. 42. (7) Siehe Harald Wiesendanger: Heilen “Heiler”?, 4. Aufl. 2011, S. 40 ff. (8) Näheres in meinem Großen Buch vom Geistigen Heilen , a.a.O., Kap. “Mein Projekt ‘Dachverband’: ein Lehrstück für die Heilerbewegung”, S. 352 ff.; in meiner Anthologie Geistiges Heilen für eine neue Zeit – Vom “Wunderheilen” zur ganzheitlichen Medizin , 2. Aufl. 2005, S. 221 ff.; sowie in meinem Wegweiser für Hilfesuchende Heilen “Heiler”?, a.a.O., S. 52 ff. (9) Harald Wiesendanger: Das GesundheitsUNwesen – Wie wir es durchschauen, überleben und verwandeln (2019), S. 364-407. (10) Harald Wiesendanger: Das GesundheitsUNwesen – Wie wir es durchschauen, überleben und verwandeln (2019), Kap. “Vergiftete Quellen”, S. 317 ff. (11) Harald Wiesendanger: Das GesundheitsUNwesen , a.a.O. (2019), S. 358 ff. (12) Harald Wiesendanger: Das GesundheitsUNwesen , a.a.O. (2019), S. 458 ff.
- Zombies in uns
In unserem Körper geistern Billionen von Zombies - Zellen, die sich nicht mehr teilen, aber auch nicht richtig absterben. Diese biologisch Untoten bedrohen unsere Gesundheit massiv. Wie entstehen sie? Was richten sie an? Wie werden wir sie los? Wie man Zombies den Garaus macht, führen uns Hollywoods Gänsehautmacher vor Augen: Zerstöre das Gehirn – egal ob mit Kopfschuss, Axt, Machete, Ziegelstein oder Vorschlaghammer! Kopf ab! Verbrenne sie! Aber kein Horrorfilm, kein Videospiel, kein Comic zeigt uns, wie wir die unzähligen Untoten in uns loswerden: Zellen, die sich nicht mehr teilen, aber auch nicht richtig absterben - daher der Spitzname „Zombie-Zellen“. Biologen nennen sie „seneszent“, abgeleitet vom lateinischen Wort „ senescere “ – altern. Zwar ist eine seneszente Zelle noch lebendig, erfüllt ihre eigentlichen Aufgaben aber nur noch eingeschränkt. Sie wurde gleichsam dauerhaft in den Ruhestand geschickt, ist aber noch aktiv – wie ein Büroangestellter, der nicht mehr arbeitet, aber trotzdem täglich ins Büro kommt, weiterhin Platz und Ressourcen in Anspruch nimmt und nutzlos rumhängt. Ununterbrochen quatscht er dazwischen, heischt ständig nach Aufmerksamkeit und geht damit allen anderen auf die Nerven. So eine Rentnerzelle gleicht einem kaputten Smartphone im Dauerbetrieb: Es lässt sich nicht mehr neu starten, aber es bleibt an – und sendet dauernd Fehlermeldungen. Seneszente Zellen sind nicht bloß faul – sie vergiften ihr Umfeld. Weiterhin stoffwechselaktiv, geben sie eine Vielzahl von schädlichen Botenstoffen ab – darunter entzündungsfördernde Zytokine, wachstumsfördernde Faktoren und Enzyme, die umliegendes Gewebe schädigen können. Wissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang vom SASP, dem „S enescence-Associated Secretory Phenotype “. Dieser Cocktail an Signalmolekülen kann gesunde Zellen in Mitleidenschaft ziehen, ja sogar ihrerseits seneszent machen. Das ist so, als würde ein schlecht gelaunter Rentner im Büro nicht nur keinen Finger mehr krümmen, sondern sämtliche Kollegen mit seiner schlechten Laune anstecken und zur Kündigung animieren. Unentwegt warnt er mit lautem SASP-Geschrei - auch dann, wenn längst keine Gefahr mehr besteht. Dabei blockiert er Kommunikationswege – wie jemand, der den Telefonhörer nie wieder auflegt. So stellt sich die künstliche Intelligenz ChatGPT das Unwesen vor, das Zombiezellen im Körper treiben. Wie viele solcher Nichtsnutze geistern in uns herum? Das hängt stark von unserem Alter und Gesundheitszustand ab. Von den 30 bis 40 Billionen Körperzellen, aus denen unsereins besteht, sind bei Jugendlichen weniger als 1 % betroffen, bei gesunden 30- bis 50-Jährigen sind es bis zu 5 %. Bei älteren Menschen, über 65, erreicht der Zombie-Anteil schon bis zu 15 %, in manchen Geweben über 20 %. In bestimmten Organen von chronisch Kranken liegt er bei bis zu 30 %. Schon ein Seneszenzanteil von einem einzigen Prozent entspräche also 300 bis 400 Milliarden Zombie-Zellen. Professorin Judith Campisi, eine Pionierin auf diesem Forschungsgebiet, spricht von einem „Müllproblem des Körpers“ – denn unserem Immunsystem gelingt es mit zunehmendem Alter immer schlechter, Zombie-Zellen zu beseitigen. Jede zehnte Körperzelle, so schätzen Gerontologen, kann im Alter seneszent sein. Und keine trägt zur Regeneration bei. Woher kommen diese Untoten? Letztlich rührt das Problem daher, dass das Wunderwerk unseres Körpers niemals fertig wird, sondern eine Dauerbaustelle bleibt, vom ersten bis zum letzten Atemzug. Unentwegt werden Zellen abgebaut, umgebaut, neu gebaut – allein innerhalb der einen Sekunde, die du gebraucht hast, um die Überschrift dieses Artikels zu lesen, haben sich in dir rund 50 Millionen Zellen erneuert. Was geschieht, wenn eine Zelle unter Stress gerät, zuwenig Nährstoffe erhält, beschädigt wird, altert? Dann laufen drei faszinierende Prozesse ab, fein aufeinander abgestimmt; in Funktion, Mechanismus und Ziel unterscheiden sie sich grundlegend. Zwischen ihnen wählt eine Zelle je nach Art und Ausmaß der Gefahr – ein ständiger Balanceakt . Ein gesundes System braucht alle drei, aber in der richtigen Dosierung. Sonst drohen Krebs, chronische Entzündungen oder vorzeitiges Altern. Sozusagen die erste Verteidigungslinie bildet Autophagie : Nach dem Motto „Ich kämpfe weiter“ versucht die Zelle, sich selbst aufzuräumen und zu reinigen, um sich zu retten. Dazu recycelt sie eigene Bestandteile, z.B. beschädigte Zellorganellen oder falsch gefaltete Proteine. Diese schließt sie in sogenannten Autophagosomen ein und baut sie in Lysosomen ab, kleinen, von einer Membran umschlossenen „Verdauungsorganellen“. Aber wenn die Zelle überflüssig, zu stark beschädigt oder gefährlich ist, z. B. krebsartig mutiert? Dann bleibt die „Müllabfuhr“ untätig. Stattdessen findet Apoptose statt: Nach dem Motto „Ich gehe fürs große Ganze“ begeht die Zelle lieber Suizid, als ein Risiko für den Körper darzustellen. Ein genetisch gesteuerter Selbstzerstörungsmechanismus lässt sie schrumpfen und in kleine Vesikel zerfallen - sog. Apoptotische Körperchen -, die von Fresszellen (Phagozyten) beseitigt werden. „Die biologische Kunst des würdevollen Abtretens“ nennt der Immunologe und Zellbiologe Peter H. Krammer dieses Phänomen des programmierten Selbstmords – im Gegensatz zum unkontrollierten: Während Nekrose eher einem explodierenden Müllwagen gleicht, ist Apoptose der geordnete Rückbau eines Altbaus – Stein für Stein, ohne Schutt auf der Straße. Eine dritte Strategie – nach dem Motto „Ich bleibe, aber halte still“ – ist Seneszenz . Auf den ersten Blick scheint sie paradox: Eine Zelle lebt weiter, kann sich aber nicht mehr teilen. Keineswegs völlig nutzlos Doch biologisch gesehen ist Seneszenz keineswegs ein Konstruktionsfehler, sondern eine evolutionär entwickelte Schutz- und Reparaturmaßnahme, zumindest kurzfristig. Vollständige Vernichtung kann deshalb nicht das Ziel sein – das unterscheidet die Mini-Untoten in uns von jenen Zombies, die geistlos-blutrünstig durch apokalyptische Filmlandschaften schlurfen. Seneszente Zellen haben zwar ein grottenschlechtes Image, sind aber nicht grundsätzlich böse und ausnahmslos schädlich. In mehreren Hinsichten können sie auch nützlich, ja lebenswichtig sein. Beispielsweise bei der Wundheilung: Seneszente Zellen fördern sie, und zwar nicht dadurch, dass sie selbst sich vermehren - das können sie ja nicht mehr -, sondern indem sie benachbarte, noch teilungsfähige Zellen zur Proliferation anregen, d. h. zur Vermehrung durch Teilung, um neues Gewebe zu bilden. Wie? Bei einer Verletzung, z. B. einem Schnitt in die Haut, sterben viele Zellen ab oder erleiden Schäden. Manche schalten daraufhin in einen seneszenten Zustand um – sie hören auf, sich zu teilen, bleiben aber am Leben. Sie senden SOS-Signale aus: einen Cocktail aus Botenstoffen, besagte SASP. Diese Stoffe wirken nicht regenerativ für die seneszente Zelle selbst, sondern stimulieren umliegende gesunde Zellen. Unter anderem werden Wachstumsfaktoren wie PDGF, VEGF freigesetzt, die Reparaturen stimulieren. Zytokine wie IL-6 und IL-8 fördern Entzündungsreaktionen, um das Immunsystem zu aktivieren. Sogenannte Matrix-Metalloproteinasen (MMPs) bauen beschädigtes Gewebe um. Sobald genug neue Zellen entstanden sind, senden seneszente Zellen Stoppsignale, damit das Gewebe nicht übermäßig wächst – das könnte zu Narben oder Tumoren führen. Danach verschwinden sie meist wieder – beseitigt durch bestimmte Immunzellen, die Makrophagen. Auch zur Krebsprävention trägt das Zombie-Phänomen bei. Wenn eine Zelle durch DNA-Schäden, oxidativen Stress oder Telomerverkürzung entartungsgefährdet ist, stoppt Seneszenz ihre Zellteilung. So verhindert sie, dass die Zelle zu einem Tumorherd wird. Ohne diesen Mechanismus würden geschädigte Zellen weiter wachsen – und die Krebsrate explodieren. Schon im Embryo entstehen seneszente Zellen – sie lenken das Wachstum umliegender Gewebe, helfen dabei, dass Finger und alle übrigen Gliedmaßen, Organe und Nerven am richtigen Ort entstehen, und sind daran beteiligt, überflüssige Zellgruppen zu entfernen. Ohne sie gäbe es keine saubere „Bauplatzordnung“ im Körper. Seneszente Zellen senden Steuerimpulse an umliegende Zellen – mittels Signalstoffen, die Stammzellen zur Differenzierung anregen, Zellteilung in Nachbarzellen aktivieren oder bremsen. Sie wirken nicht als Platzhalter, sondern als Dirigenten: Sie spielen ihre Rolle, orchestrieren den Bauplan – und verschwinden. Mit anderen Worten: Seneszenz tritt im Embryo planmäßig auf. (1) Und auch an der Infektionsabwehr wirken seneszente Zellen mit: Sie senden Signale aus, die das Immunsystem warnen, wenn im Gewebe etwas nicht stimmt. Sie können helfen, Viren zu erkennen oder beschädigte Nachbarzellen zu markieren. Kurzzeitig nützlich, langfristig schädlich - Wann wird Seneszenz zum Problem? Heikel werden seneszente Zellen erst, wenn sie mit fortschreitendem Alter überhand nehmen und nicht rechtzeitig abgebaut werden – z.B. wegen eines schwächeren Immunsystems -, sondern im Gewebe bleiben. Dann wird aus dem Schutzmechanismus ein Risikofaktor. Und erst dann haben wir Grund, uns vor einer Flut von biologisch „Untoten“ zu gruseln. Hauptauslöser der Zombie-Inflation ist der natürliche Alterungsprozess: Mit jeder Zellteilung verkürzen sich die sogenannten Telomere: schützende Kappen an den Chromosomenenden. Sind sie zu kurz, so schließt die Zelle daraus, dass ihre Zeit gekommen ist – und stellt die Teilung ein. Auch Schäden an der DNA – verursacht etwa durch UV-Strahlung, Umweltgifte, Entzündungen oder oxidative Prozesse – können eine Zelle in die Seneszenz treiben. Infektionen oder bestimmte Medikamente wie Chemotherapeutika können diesen Zustand ebenfalls auslösen. Dann zieht unser Organismus die Notbremse: Lieber nicht mehr teilen als entarten. Was richten die ”Untoten” in unserem Körper an? Zahlreiche chronische Erkrankungen stehen in Verbindung mit einem Übermaß an seneszenten Zellen. Indem sie unentwegt Botenstoffe wie Interleukin-6 und TNF-alpha absondern, fördern sie chronische Entzündungen. Somit sind sie ein Risikofaktor für Alzheimer und andere Demenzformen, für Parkinson und ALS; für Autoimmunerkrankungen wie Rheumatoide Arthritis und Multiple Sklerose, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. In Blutgefäßen begünstigen sie die Entstehung von Arteriosklerose. Sie fördern Tumorwachstum. In der Bauchspeicheldrüse tragen sie zur Insulinresistenz bei, somit begünstigen sie die Entwicklung von Typ-2-Diabetes. Auch Osteoporose, Arthrose, bestimmte Krebsarten, Lungenfibrose und sogar altersbedingte Muskelschwäche stehen mit ihrer Aktivität in Verbindung. Besonders nach Chemotherapien bleiben oft viele seneszente Zellen im Körper zurück – was langfristige Spätfolgen erklären könnte. Wie werden wir unsere Zombies los? Mäuse, deren seneszente Zellen Forscher regelmäßig entfernten, lebten länger, waren gesünder und zeigten weniger Alterskrankheiten, wie eine bahnbrechende Studie schon 2011 ergab. (2) Der beobachtete Zusammenhang war so deutlich, dass er geradezu einen Boom an „Senolytika“-Studien ausgelöst hat – also an Wirkstoffen, die gezielt Zombie-Zellen aus dem Körper entfernen können. „Senolytika eröffnen völlig neue Wege in der Altersmedizin“, schwärmt Dr. James Kirkland von der Mayo Clinic. (3) Hier wittern Pharmakonzerne ein Bombengeschäft: Bis 2033 könnte der Senolytika-Markt auf 7,5 Milliarden US-Dollar wachsen, schätzen Analysten. Ein halbes Dutzend Substanzen befinden sich inzwischen in der Pipeline. Über 30 klinische Studien laufen weltweit oder sind geplant. Bereits in Humanstudien sowie off-label im Einsatz ist Dasatinib, Handelsname: Sprycel, ursprünglich ein Medikament gegen Leukämie: Es hemmt bestimmte Enzyme, sogenannte Tyrosinkinasen, die in seneszenten Zellen überaktiv sind – das macht diese verwundbar für Apoptose. Nebenwirkungen sind allerdings kaum erforscht. Nebenwirkungsfreie Senolytika schenkt uns hingegen die Natur: Quercetin zum Beispiel, ein hochwirksamer Pflanzenstoff, der in Zwiebeln, Beeren, Kohl und besonders in Kapern vorkommt. Im Tierversuch (4), neuerdings aber auch in Humanstudien (5) machte es Dasatinib überhaupt erst effektiv. (Obendrein schützt es das Herz, verringert Entzündungen, lindert Erkältungen.) Fisetin, ein gelbliches Flavonoid aus Erdbeeren, scheint Zellen ebenfalls zum programmierten Exitus zu bewegen – zumindest, wenn sie seneszent sind. (6) Auch der Lebensstil beeinflusst, wie viele Zombie-Zellen sich im Körper ansammeln. Die Zombie-Flut zu bremsen, haben wir weitgehend selbst in der Hand: Wer sich regelmäßig bewegt, sich ausgewogen ernährt, ausreichend schläft und Stress vermeidet, hat bessere Karten. Fasten, insbesondere Intervallfasten, scheint die Autophagie zu fördern. Auch Kälte- und Hitzereize – etwa durch Sauna oder kalte Duschen – aktivieren Reparaturprozesse auf Zellebene. Und natürlich hilft eine Ernährung reich an sekundären Pflanzenstoffen, Zellschäden vorzubeugen. Pflanzliche Stoffe wie Curcumin (aus Kurkuma), Resveratrol (aus roten Trauben) sowie eine ballaststoffreiche Ernährung können zur natürlichen Entschärfung des SASP beitragen und Zombiezellen in Schach halten. Warum ist eine gesunde Lebensweise sinnvoller als ein Pharmaprodukt? Prävention statt Reparatur: Besser verhindern als später räumen müssen. Gesunde Gewohnheiten verhindern , dass sich übermäßig seneszente Zellen bilden – Senolytika bekämpfen sie nachträglich . Zudem gibt es bisher keine zugelassenen Anti-Zombie-Zellwirkstoffe. Viele befinden sich in präklinischer oder früher klinischer Phase. Nebenwirkungen, Dosierungen und Langzeiteffekte sind unklar – womöglich schädigen sie gesunde Zellen. Hindern Senolytika seneszente Zellen womöglich daran, ihre nützlichen Funktionen auszuüben? Ja, diese Gefahr besteht durchaus, wenn sie undifferenziert und dauerhaft zum Einsatz kommen – dies gehört zu den zentralen Risiken und ethischen Fragen in der Senolytika-Forschung. Deshalb kommt es entscheidend an auf Menge und Zeitpunkt der Einnahme, Zielgewebe und Wirkstoffwahl. Gesund zu leben, ist dagegen seit Jahrtausenden erprobt – risikoarm, nachhaltig und mit garantiertem Zusatznutzen für Herz, Hirn, Stoffwechsel und Psyche. Nicht zu vergessen: Lebensstilfaktoren wie Fasten, Bewegung, Schlaf, Stressreduktion und pflanzenbasierte Ernährung sind keine Einzweckwaffen, sondern wirken enorm breit: Sie sind senomorph - seneszente Zellen werden ruhiger, weniger schädlich -, regen Autophagie an, hemmen Entzündungen und stärken das Immunsystem. Der Körper entsorgt einen Großteil der Zombiezellen selbst – vorausgesetzt, wir gehen so mit ihm um, dass er die Chance dazu bekommt. Die Versuchung ist groß, sich die Mühsal einer gesünderen Lebensweise zu ersparen, indem man Nahrungsergänzungsmittel schluckt. Für diese vermeintlich bequeme Abkürzung winken Kombinationspräparate von Quercetin und Fisetin. Dagegen spricht eine sehr geringe Bioverfügbarkeit: Vom Wirkstoff verbleibt nach Einnahme zuwenig aktiv im Körper - weniger als 2 % (Quercetin) bzw. 5 % (Fisetin). Denn beide sind im Dünndarm kaum wasserlöslich, weshalb sie im Verdauungsbrei gebunden bleiben, statt in die Blutbahn zu gelangen; beide lassen sich von Enzymen leicht zerlegen; beide werden von der Leber recht zügig zerstört oder ausgeschieden. Deutlich besser – zu 10 bis 25 % - resorbiert der Körper Piperlongumin, ein Alkaloid aus dem „Langen Pfeffer“. Allerdings wird auch dieses Senolytikum schnell abgebaut, seine Halbwertzeit ist kurz. Zudem fehlen auch hier bislang Humanstudien. Denken wir an die weltweit rund 600.000 „Centenarians“, die über 100-Jährigen: Wie viele der Gesundgebliebenen unter ihnen haben jemals irgendwelche Isolate aus dem Sortiment geschäftstüchtiger Supplementhersteller geschluckt? Geistesverwandt: Seneszenz-Horror und CO 2 -Paranoia Fazit: Zombie-Zellen sind kein Science-Fiction. Diese Untoten existieren. Sie entstehen in jedem Körper, sobald er altert oder unter Stress steht. Und sie sind alles andere als harmlos. Doch sie müssen nicht unser Schicksal sein. Ob durch neue Medikamente, Nahrungsergänzung oder einen gesunden Lebensstil: Die Jagd auf die biologischen Untoten hat längst begonnen – für ein unbeschwerteres Altern, weniger chronische Krankheiten und vielleicht sogar ein längeres Leben. Bloß übertreiben sollte man diese Jagd nicht. Ähnelt der unter vermeintlich Gesundheitsbewussten verbreitete Seneszenz-Horror nicht der Kohlendioxid-Paranoia von übereifrigen Klimaschützern? Ja, CO 2 trägt zum Treibhauseffekt bei – aber muss es deshalb als „Umweltgift“ aus der Atmosphäre entfernt werden? Ohne CO 2 gäbe es kein Leben auf unserem Planeten. Und ganz ohne Seneszenz wäre unser Körper nicht gesünder, sondern krank. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1) Siehe z.B. Muñoz‑Espín et al.: “ Programmed cell senescence during mammalian embryonic development ”, Cell 155 (2013), S. 1104–1118, DOI: 10.1016/j.cell.2013.10.019; Mekayla Storer u. a.: “ Senescence is a developmental mechanism that contributes to embryonic growth and patterning ”, Cell 155 (2013), S. 1119–1130, DOI: 10.1016/j.cell.2013.10.041. (2) Darren J. Baker u.a.: “ Clearance of p16Ink4a-positive senescent cells delays ageing-associated disorders ”, Nature 479 (2011), S. 232-236. (3) James L. Kirkland/Tamara Tchkonia: “ Cellular Senescence: A Translational Perspective ”, EBioMedicine 21(C) April 2017, DOI:10.1016/j.ebiom.2017.04.013. (4) Yi Zhu et al.: " The Achilles’ heel of senescent cells: from transcriptome to senolytic drugs ", Aging Cell 22, April 2015, S. 644-658, DOI:10.1111/acel.12344. (5) Hickson/Justice et al.: " Senolytics decrease senescent cells in humans: Preliminary report from a clinical trial of Dasatinib plus Quercetin in individuals with diabetic kidney disease ", EbioMedicine 47, September 2019, S. 446–456. (6) MJ Yousefzadeh MJ, LJ Niedernhofer u.a.: “ Fisetin is a senotherapeutic that extends health and lifespan ”, EbioMedicine 36, Oktober 2018, S. 18-28.
- Alzheimer: Fehlt Lithium?
Das unterschätzte Spurenelement Lithium könnte helfen, Alzheimer vorzubeugen, einzudämmen, vielleicht sogar rückgängig zu machen. Darauf deutet eine aufsehenerregende Harvard-Studie hin. Bad News für die Pharmabranche, die sich von massenhafter Demenz eine Goldgrube verspricht: Chemische Elemente lassen sich nicht patentieren. Alzheimer löscht dich aus. Nicht so glühend heiß und rasend schnell wie ein loderndes Feuer – er glimmt wie eine unsichtbare Glut, die das Gedächtnis und alles andere, was eine Person menschlich macht, schleichend in Asche verwandelt. Hierzulande sind über 1 Million Menschen betroffen, weltweit 400 Millionen; bis 2050 verdoppelt sich ihre Zahl voraussichtlich. Könnte das Spurenelement Lithium die Krankheit verhindern? Ihr Fortschreiten stoppen? Sie sogar rückgängig machen? Darauf lässt eine neue Studie der Harvard Medical School in Boston hoffen. Ein 14-köpfiges Neurologenteam testete Hirnproben von über 300 Verstorbenen – gesunde Personen, Menschen mit leichten Gedächtnisstörungen und Alzheimer-Patienten – auf 30 verschiedene Metalle. Das hochspannende Ergebnis: Schon in frühen Alzheimer-Stadien kam Lithium im Gehirn – im Gegensatz zu den 29 übrigen Metallen – deutlich weniger vor als bei Gesunden, vor allem im präfrontalen Cortex, der unter anderem für Erinnerungen und andere kognitive Leistungen, für Persönlichkeit und Motivation wichtig ist. Lithiumentzug schädigt das Gehirn dramatisch An Mäusen untersuchte die Forschungsgruppe um den US-Neurologen Bruce Yankner, wie sich eine Mangelversorgung von Lithium auswirkt. Es wurde der Nahrung fast vollständig entzogen, um 92 % weniger als üblich. Daraufhin halbierte sich der Lithiumgehalt im Gehirn – mit dramatischen Folgen. Schon nach fünf Wochen waren unter dem Mikroskop deutliche Veränderungen festzustellen: Krankhaft verändertes Tau-Protein sammelte sich in den Nervenzellen, oft gemeinsam mit Amyloid-Plaques. Gleichzeitig reagierten die Abwehrzellen des Gehirns mit Entzündungen, Synapsen und Axone gingen verloren, die schützende Myelinschicht um die Nervenfasern baute sich ab - und die Tiere entwickelten Gedächtnisprobleme. Hingegen verhinderten Lithiumgaben Gedächtnisverlust und krankhafte Veränderungen in den Mäusehirnen, reduzierten Entzündungen und unterdrückten die Bildung von Aß-Proteinen. Sie kehrten die krankheitsbedingten Schäden um und stellten die Gedächtnisfunktion wieder her, selbst bei älteren Mäusen in fortgeschrittenem Erkrankungsstadium. Ob Lithiumgaben beim Menschen ähnlich wirksam gegen Alzheimer sind, wird sich erst noch in klinischen Studien zeigen müssen. Studienleiter Yankner ist zuversichtlich: „Die Vorstellung, dass ein Lithiummangel eine Ursache der Alzheimer-Krankheit sein könnte, ist neu und deutet auf einen anderen therapeutischen Ansatz hin." Lithium, so hofft er, könnte auch bei betroffenen Menschen nicht nur den kognitiven Abbau verringern, sondern ihn sogar umkehren. „Das ist bahnbrechend“ »Das ist bahnbrechend«, lobt Professor Dr. Ashley Bush, Neurowissenschaftler an der Universität Melbourne in Australien, der nicht an der Studie beteiligt war, im Wissenschaftsmagazin »Nature«. Lithium ist vor allem in Vollkorngetreide, in Gemüse wie Zwiebeln, Knoblauch und Kartoffeln, in Linsen, Kichererbsen und Haferflocken, in Eiern, Butter und Fleisch sowie in manchen Mineralwässern enthalten – allerdings in zu geringen Mengen, wie der habilitierte Arzt und Molekulargenetiker Dr. Michael Nehls, der seit seinem Spiegel -Bestseller Das Lithium-Komplott als Deutschlands “Lithium-Papst” gilt, seit langem warnt. Auch an einer allgemeinen Unterversorgung mit Lithium könnte es liegen, dass psychische Störungen, insbesondere Depressionen , zu Volkskrankheiten geworden sind. (Näheres hier » ) Dass Lithium als Nahrungsergänzungsmittel nirgendwo in der EU verkauft werden darf, ist ein Skandal - angebliche üble Nebenwirkungen treten erst bei unnötiger Höchstdosierung auf. Weil sich Lithium als chemisches Element nicht patentieren lässt, fehlt der Pharmaindustrie jeglicher Anreiz, sein neuroprotektives Potenzial zu erforschen; lieber bewirbt sie ihre ebenso überteuerten wie enttäuschend ineffektiven Anti-Amyloid-Antikörper wie Leqembi und Kisunla. Behandlungskosten pro Patient und Jahr: um die 30.000 US-Dollar. ( Harald Wiesendanger ) Lithium für alle? Näheres hier »
- Es ist die Hölle.
Wie ist es, hochgradig empfindlich auf elektromagnetische Felder zu reagieren? Die Hölle. Allein in Deutschland leiden Zehntausende daran. Vom Staat schutzlos gelassen, von Ärzten als Psychos abgestempelt, von ihrem Umfeld unverstanden und ausgegrenzt, sehen viele in ihrer Not nur noch einen Ausweg: Suizid. Im folgenden Brief versucht eine Betroffene zu erklären, was sie durchmacht. Lieber Thomas, ich habe lange gezögert, Dir diesen Brief zu schreiben. Nicht, weil ich Dir misstraue. Sondern weil es mir schwerfällt, über etwas zu sprechen, das für die meisten Menschen so unsichtbar ist wie Radiowellen – und dabei doch mein ganzes Leben verändert hat. Aber ich spüre, dass Du wirklich verstehen willst, was es heißt, elektrosensibel zu sein. Deshalb möchte ich Dir schildern, wie sich mein Alltag anfühlt – aus der Perspektive eines Menschen, dessen Körper elektromagnetische Felder nicht einfach ignoriert, sondern sie wahrnimmt, als wäre es dröhnender Lärm oder grelles Licht, das die Haut verbrennt. Mir ist vollauf klar, wie irrational Dir das vorkommen mag. Es klingt nach Hypochondrie oder Einbildung. Genau das macht es ja so schwer, mit dieser Empfindlichkeit zu leben: Man leidet real – aber das Leid ist für andere unsichtbar, deshalb können sie es nicht nachvollziehen, geschweige denn ernstnehmen. Schlimmer noch: Häufig wird man nicht nur belächelt, sondern sogleich als psychisch gestört abgestempelt. Die WHO nennt das " Idiopathic Environmental Intolerance attributed to EMF " – und schiebt es, trotz aller Hinweise auf physiologische Ursachen, letztlich in die psychosomatische Ecke. Aber für mich ist es sehr real. Und es hat nichts mit Hysterie zu tun. Ich war früher technikaffin, hatte WLAN, ein schnurloses Telefon, mein Handy unter dem Kopfkissen – ohne je ein Problem damit zu haben. Erst Jahre später begannen die Symptome. Schleichend. Und dann irgendwann unverkennbar. „Wie aus dem Nichts“ Was für Symptome? Es ist eine ganze Palette – und sie kommen nicht immer alle auf einmal, aber oft genug wie aus dem Nichts: · Mein Kopf beginnt zu dröhnen und ich spüre einen stechenden Druck, als würde ein Presslufthammer von innen gegen die Schädelwand schlagen. · Meine Haut juckt, kribbelt, brennt – besonders im Gesicht, auf den Armen, am Nacken. Wie ein Sonnenbrand ohne Sonne. · Ich bekomme Herzrasen, schlagartig steigt mein Puls, scheinbar ohne ersichtlichen Grund · Ich kann mich nicht mehr konzentrieren und orientieren, nicht mehr klar denken. In Gesprächen verliere ich den Faden. Ich kann keine Texte mehr lesen, weil meine Gedanken flackern, als hätte jemand einen Wackelkontakt in meinem Gehirn ausgelöst. · Ich fühle mich kraftlos, kann kaum laufen oder mit den Händen greifen. · Mir wird schwindlig und übel. Muskeln zuckeln. Mein Nacken verspannt sich. Ich habe einen metallischen Geschmack im Mund. · Meine Hände zittern, meine Augen brennen. · Ich kann Gehörtes nicht mehr filtern, jeder Ton wird zur Reizüberflutung. · Meine Brust tut weh, ich ringe nach Luft. · Im Ohr setzen plötzlich „Stromgeräusche“ ein. · Mein ganzer Körper fühlt sich „elektrisch aufgeladen“ an – fast so, als hätte ich einen Finger in der Steckdose. · Magen-Darm-Krämpfe und Durchfall setzen ein. · Obwohl ich hundemüde bin, kann ich nicht einschlafen – mein Körper kommt einfach nicht in den Entspannungsmodus. Stundenlang liege ich wach und frage mich, ob irgendwo im Haus jemand sein Handy auflädt. Nach solchen Belastungen brauche ich oft zwei, drei Tage völlige Funkstille, um mich einigermaßen zu regenerieren. Dann liege ich stundenlang im Dunkeln, mit einer Bleimütze über dem Kopf, und warte, bis die Symptome abklingen. Und diese Symptome sind nicht einfach nur unangenehm. Sie entkräften. Zermürben. Wie ein permanenter Angriff auf das Nervensystem. Stell Dir vor, Du müsstest in einem Raum leben, in dem konstant eine Sirene auf 80 Dezibel läuft. Du kannst nicht fliehen. Du kannst nicht abschalten. In Dir schreit es unentwegt. Du kannst nur versuchen, nicht daran zu zerbrechen. Denn jeder Aspekt Deines Lebens, wirklich jeder, steht auf dem Spiel. Die Strahlenfolter ist allgegenwärtig, das Unverständnis ebenfalls Wenn ich anderen davon erzähle, kommt oft die Reaktion: „Aber das kann doch nicht sein. Ich merke da rein gar nichts.“ Oder: „Vielleicht brauchst Du einfach Urlaub.“ Oder: „Vielleicht solltest Du mal wieder richtig schlafen.“ Als wäre es ein Luxusproblem, das sich mit ein bisschen Achtsamkeit erledigen ließe. Manche machen sich sogar darüber lustig: „Kauf Dir doch einen Aluhut, dann bist Du sicher.“ Manche sagen, das sei alles „Nocebo“: Was mich quält, sei nichts Reales, sondern bloß mein starke Glaube , etwas quäle mich. Eine „Einstellungssache“. „Du steigerst Dich da rein“, heißt es. „Hab dich nicht so.“ Darüber könnte ich mitlachen, wenn mir nicht zum Heulen zumute wäre. Es trifft mich. Nicht wegen des Spottes. Sondern weil es zeigt, wie tief das Unverständnis sitzt. Was ich erleben muss, ist kein eingebildetes Leiden. Es ist so konkret, dass ich – ohne es zu wissen – in fremden Wohnungen präzise orten kann, wo genau sich hinter einer Wand ein WLAN-Router versteckt. Mein Schlafzimmer habe ich systematisch entstört, alle elektrischen Geräte entfernt, Wände abgeschirmt – anschließend konnte ich zum ersten Mal seit Monaten wieder schlafen. Das ist keine Einbildung. Das ist Erfahrung. Die Strahlenfolter ist für mich allgegenwärtig. Was das für meinen Alltag bedeutet? Vielleicht verstehst Du es besser, wenn ich Dir meinen typischen Tagesablauf schildere: Ich wache gegen 4 oder 5 Uhr auf. Nicht, weil ich ausgeruht bin – sondern weil mein Körper nicht mehr schlafen kann. Mein Schlafzimmer ist ein abgeschirmter Raum – fast frei von Funkfeldern. Kein WLAN, kein DECT, kein Smart Meter. Ich habe sogar eine Zeitschaltuhr, die nachts den Stromkreis trennt. Es ist der einzige Ort, an dem ich mich einigermaßen sicher fühle. Doch schon das Aufstehen wird zur Gratwanderung. Wenn mein Nachbar seinen Router um 6 Uhr morgens einschaltet, spüre ich es. Kein Witz. Mein Kopf beginnt zu drücken, mein Herz stolpert, meine Haut juckt. Ich frühstücke im Halbdunkel, weil selbst das LED-Licht Kopfdruck verursachen kann. Mein Handy ist ausgeschaltet – ich verwende ein altes Tastentelefon mit Kabel. Kontakt zur Außenwelt nur per Festnetz – oder per Brief, wie jetzt. „Rausgehen ist ein Abenteuer“ Rausgehen ist ein Abenteuer. Ein Besuch in der Stadt ist für mich wie für einen Heuschnupfler ein Spaziergang über blühende Wiesen und Felder. Oft trage ich eine Mütze mit Silberfäden, um meinen Kopf abzuschirmen – das sieht komisch aus, ich weiß. Aber es hilft. Manchmal. Ein bisschen. Einkaufen? Nur in kleinen Läden, zu Randzeiten. Große Supermärkte sind mit Selbstscannerkassen, WLAN und LED-Strahlern übersät – ich bekomme darin Kopfschmerzen nach wenigen Minuten. Arztbesuche? Kaum möglich. Wartezimmer voller Smartphones, Empfangsmonitore, Bluetooth. Selbst viele Landärzte haben heute DECT-Telefone, WLAN und strahlende Monitore im Behandlungszimmer – für Patienten wie mich eine Tortur. Wie irgendwohin kommen? Öffentliche Verkehrsmittel kann ich nicht benutzen – zu viele Handys, zu viele WLAN-Signale. Also im eigenen Auto? Früher war das für mich Freiheit – heute ist es ein Spießrutenlauf durch ein elektromagnetisches Minenfeld. Kaum jemand weiß, wie sehr moderne Autos Strahlung abgeben: Die Bordelektronik, das Infotainmentsystem, der automatische Türöffner, die Bluetooth-Freisprechanlage, die GPS-Antenne, manchmal sogar ein WLAN-Hotspot. Ich kann kein Auto mehr benutzen, das jünger ist als zehn Jahre – und selbst bei älteren Modellen muss ich Sicherungen ziehen, Antennen abklemmen, das Autoradio ausbauen. Sobald ich in ein "smarteres" Auto einsteige, beginnt mein Kopf zu pochen, mein Herz zu rasen. Ich bekomme Kribbeln in den Händen, ein metallisches Brennen auf der Zunge, meine Konzentration lässt nach. Einmal bin ich rechts rangefahren, weil ich dachte, ich verliere die Kontrolle. Ich habe sogar in Erwägung gezogen, ganz auf das Autofahren zu verzichten. Aber wie soll ich sonst aus meinem Rückzugsort herauskommen? Also bleibe ich abhängig von einem alten, störungsarmen Fahrzeug. Darin stehen dem die Fenster einen Spalt offen, um den "Stau" der Strahlung zu verringern. Über die Mittelkonsole lege ich eine Decke, um nicht direkt über den elektrischen Leitungen zu sitzen. Wenn ich das jemandem erzähle, schaut er mich an, als hätte ich nicht alle Tassen im Schrank. Manche sagen: „Dann fahr halt Fahrrad.“ Andere: „Du bist doch nicht aus Zucker.“ Aber ich merke: Sie hören nicht zu. Sie urteilen, weil sie nicht spüren, was ich spüre. Weil sie sich nicht vorstellen können, dass die Welt, die für sie ganz normal ist, für andere zur Qual wird. Ich will nicht jammern. Ich will Dir nur erklären, wie es ist, in einer Welt zu leben, die voller unsichtbarer Reizquellen ist – was außer Dir kaum jemand bemerkt. Für mich sind diese Reize wie dröhnend laute Musik für einen Menschen mit Migräne. Ich reagiere darauf – mein Körper rebelliert. Und ich kann ihm nicht entkommen, außer ich ziehe mich vollständig zurück. Eben das ist es, was viele EHS-Betroffene am allermeisten belastet: der Verlust der Teilhabe. Das Gefühl, ausgeschlossen zu sein aus der schönen neuen digitalen Welt. Nicht aus Trotz – sondern aus Not. Glaub mir, ich habe viel versucht, um mich zu retten. Ich habe das WLAN abgeschaltet, die DECT-Telefone verschenkt, mein Handy verkauft. Ich habe mein Schlafzimmer abgeschirmt, über meinem Bett einen Baldachin aus Silber- und Kupferfäden angebracht, Wände mit Graphitfarbe gestrichen, den Stromkreis nachts per Netzfreischalter getrennt. Ich habe Erdungsbetten getestet, Abschirmkleidung gekauft, Silbergarn-Mützen getragen. Ich habe in der Küche auf dem Fußboden geschlafen, weil dort das Handysignal am schwächsten war.Ich bin umgezogen, raus aus der Stadt, in ein altes Steinhaus, fernab vom nächsten Funkmast. Ich bin gereist, um funkstille Orte zu finden. Ich war in einem Elektrosmog-Schutzcamp in der Schweiz, in den Pyrenäen, in Waldhütten in Schweden. Ich habe gelernt, WLAN mit dem eigenen Körper zu "spüren", wie ein Radiodetektor. Ich habe Techniken zur Selbstregulation geübt, von Meditation über Autosuggestion bis Atemtherapie. Ich habe Heilpraktiker, Umweltmediziner, Baubiologen konsultiert. Ich habe alles versucht. Und vieles hat geholfen. Kurzfristig. Doch die Welt ist schneller als ich. Nirgends mehr willkommen Denn was bedeutet es, wenn auch noch das letzte Funkloch geschlossen wird? Für mich bedeutet es: totale Vertreibung. Kein Ort mehr zum Ausweichen. Keine Zuflucht. Kein sicherer Hafen. Schlagzeilen wie „5G jetzt auch im letzten Dorf“ klingen für mich wie: „Du bist jetzt nirgends mehr willkommen.“ Und es ist nicht nur der physische Druck. Es ist die soziale Isolation. Jegliche persönlichen Kontakte werden schwierig. Früher war ich gesellig. Heute sage ich Einladungen ab, weil ich weiß, dass dort Handys funken, Smartwatches piepen, WLAN-Router strahlen. Freunde verstehen das nicht. "Komm schon, Karin, das bildest Du Dir doch nur ein." Oder: "Du musst Dich halt mal entspannen, Du denkst zu viel drüber nach." Der Rückzug beginnt schleichend – bis man irgendwann merkt, dass man mehr mit Zimmerpflanzen kommuniziert als mit Menschen. Nachbarn tuscheln, wenn ich meine Abschirmmütze trage oder den Stromkasten nachts abschalte. Manche grinsen, andere weichen aus. Ich bin die "Elektrospinnerin". Kollegen kapieren nicht, warum ich nicht ins Großraumbüro kann. Arbeitgeber winken ab. Ich habe meinen Job verloren, weil ich nicht mehr in WLAN-Räumen arbeiten konnte. Und nein, Homeoffice ist keine Alternative, solange auch dort alle Leitungssysteme strahlen. Am schlimmsten ist aber: Man wird entmenschlicht. Ich bin nicht mehr Karin, die Freundin, die Musikerin, die humorvolle Kollegin, die nette Nachbarin. Ich bin ein wandelndes Symptom. Eine zweibeinige Störung. Eine Belastung. Eine Zumutung. Ich merke, wie Menschen sich innerlich distanzieren, weil ich unbequem bin. Weil ich eine Realität sichtbar mache, die sie lieber verdrängen. „Du übertreibst maßlos“ Vielleicht hilft es Dir, meine Situation besser zu verstehen, wenn ich Dir einige Episoden erzähle, die mir besonders nahegegangen sind. Zum Beispiel der Geburtstag meines Neffen. Ich hatte mich so darauf gefreut. Aber als ich das Wohnzimmer betrat, standen auf dem Tisch zwei Tablets, in der Ecke lief Alexa, und alle Gäste hatten natürlich ihr Handy in der Hosentasche oder auf dem Tisch. Nach zehn Minuten begann mein Kopf zu pochen, nach zwanzig Minuten fing meine Haut an zu brennen, nach dreißig Minuten musste ich mich verabschieden. Mein Bruder sah mich an, als hätte ich ihn beleidigt. "Das ist doch nicht normal, Karin", sagte er. "Du übertreibst maßlos." Oder der Vorfall mit der Nachbarin, die sich beschwert hat, dass ich sie gebeten habe, ihren neuen WLAN-Router nachts auszuschalten. Ich sei ein „Störer“, sagte sie, ein „Rückschrittlicher“. Sie sagte, sie wolle nicht in einer Welt leben, in der man wegen der Befindlichkeiten einzelner auf moderne Technik verzichten soll. Ich fragte sie, ob sie auch so reagieren würde, wenn jemand mit einer Duftstoffallergie darum bittet, kein Parfüm zu tragen. Sie lachte nur. Verständnis? Null. Und dann war da mein früherer Freund, Martin. Anfangs hat er sich bemüht, Rücksicht zu nehmen. Gelassen sah er mich eine Silberkette tragen, um mich zu entstören, und ersparte sich abfällige Bemerkungen, wenn ich zur Erdung einen Baum anfasste, ehe ich nach Hause kam. Doch mit der Zeit wurde es ihm zuviel. Kein Kino, kein Hotelurlaub, keine spontanen Cafétreffen – ich konnte nicht mit in die Stadt, nicht mit in seine Wohnung, nicht mit auf Familienfeiern. „Du bist wie eine wehleidige Einschränkung auf zwei Beinen“, sagte er eines Abends. Ich verstand ihn. Trotzdem tat es entsetzlich weh. Schließlich haben wir uns getrennt, weil unsere Lebenswelten so unvereinbar wurden, als kämen wir von verschiedenen Planeten. Oft fühle ich mich wie ein lächerliches Relikt von vorgestern. Ich kann kein E‑Ticket nutzen, keine Bankgeschäfte per App erledigen, keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, weil selbst in den Zügen WLAN, Bluetooth, 5G laufen. Ich reise mit Alufolie in der Tasche, um mich notfalls abschirmen zu können. Ich kann nicht mal zum Amt oder zur Bank gehen, ohne Symptome zu riskieren – selbst dort gibt es mittlerweile digitale Warteschlangen und „intelligente“ Terminals. Einkaufen ist ein logistischer Kraftakt. Ich meide Supermärkte mit Selbstscankassen und LED-Flutlicht, ich suche kleine Bioläden, in denen noch bar bezahlt werden darf. Aber selbst dort bin ich nie sicher – der Kassierer mit der Apple Watch reicht schon aus, um mein Nervensystem in den roten Bereich zu treiben. Was stimmt nicht mit mir? Natürlich frage mich unentwegt, warum ausgerechnet ich so reagiere – und andere überhaupt nicht. Was ist in meinem Körper anders? Warum kann mein Nachbar seelenruhig mit vier Routern im Haus leben, während ich beim bloßen Einschalten Kopfdruck bekomme? Natürlich habe ich recherchiert, gelesen, gefragt – und einige Antworten gefunden. Keine einfachen, keine endgültigen, aber zumindest Erklärungsansätze, von Wissenschaftlern, die das Phänomen ernstnehmen und ihm auf den Grund gehen. Vielleicht liegt es an einer genetischen Disposition – bestimmten Entgiftungsenzymen, die bei mir weniger gut arbeiten. Oder an einer gestörten Reizverarbeitung im Gehirn, ähnlich wie bei Menschen mit Tinnitus oder Fibromyalgie. Manche Wissenschaftler vermuten eine Art "zentraler Sensitivierung", bei der das Nervensystem wie ein überempfindlicher Rauchmelder auf Reize reagiert, die andere gar nicht wahrnehmen. Andere wiederum sprechen von chronischem oxidativem Stress, einer dauerhaften Überlastung der Zellen durch stille Entzündungen. Manche Umweltmediziner berichten von Schädigungen der Blut-Hirn-Schranke durch hochfrequente Felder. Und dann gibt es die These, dass wir alle in einem elektromagnetischen „Versuchslabor“ leben – und manche Körper einfach früher und stärker darauf reagieren als andere. Was ich sicher sagen kann: Ich war nicht immer so. Irgendwann ist ein Punkt gekommen, an dem mein Körper angefangen hat, sich zu wehren. Vielleicht war es eine schleichende Summe aus zu vielen Jahren mit Dauer-WLAN, mit Smartphone unter dem Kopfkissen, mit Bluetooth-Kopfhörern, mit beruflichem Dauerstress. Vielleicht war es auch der eine Moment, als der neue Mobilfunkmast drei Häuser weiter in Betrieb ging – und ich nachts zum ersten Mal das Gefühl hatte, von innen heraus zu glühen. Was ich sicher weiß: Es ist keine Einbildung. Mein Körper reagiert. Nicht immer gleich, nicht immer kalkulierbar – aber eindeutig. Ich wäre froh, wenn es nicht so wäre. Aber es ist so. Von der Medizin im Stich gelassen, vom Staat unbeschützt Von der Medizin fühle ich mich im Stich gelassen. Die meisten Ärzte kennen Elektrosensibilität nicht – oder tun sie ab. Ich wurde zu Psychiatern geschickt, bekam Antidepressiva verordnet, obwohl ich nie depressiv war. Nur erschöpft. Ausgelaugt. Und verzweifelt. Das offizielle Gesundheitssystem kennt für Menschen wie mich keine Kategorie. Ohne ICD-Code keine diagnostische Schublade, in die meinesgleichen zu verstauen ist. Und der Staat? Der tut so, als gäbe es uns nicht. Elektrosensible Menschen tauchen in keiner amtlichen Statistik auf. Es gibt so gut wie keine funkfreien Zonen mehr, keine gesetzlich geregelte Rücksichtnahme, keine baulichen Schutzauflagen, keine barrierefreien öffentlichen Räume. Selbst Richter urteilen gegen Funkmasten nur in Ausnahmefällen. Alles ist dem Fortschritt untergeordnet. Digitalisierung über alles. Technologiekritik ist Wachstumsbremse. Verstoßen Staat und Gesellschaft dabei nicht gegen fundamentale Schutzpflichten? „Jeder“, so besagt Artikel 2 unseres Grundgesetzes klipp und klar, „hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit“ – wo bleibt meines? „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, heißt es in Artikel 1. „Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Wenn Elektrosensible gezwungen sind, unter Bedingungen zu leben, die sie krank machen, und keine Rückzugsräume haben: Verletzt das etwa nicht ihre Menschenwürde? Verdienen sie weniger Aufmerksamkeit, Solidarität und Rückendeckung als Blinde, Queers und Asylanten? Was müsste geschehen? Ganz einfach: • Schaffung von gesetzlich geschützten funkfreien Gebieten, etwa in Wäldern oder Hochgebirgstälern – muss denn jedes Funkloch auf Teufel komm raus gestopft werden? • Kennzeichnungspflicht für Strahlungsquellen in öffentlichen Räumen; • Wahlfreiheit zwischen kabelgebundener und drahtloser Infrastruktur; • Forschungsförderung, um biologische Wirkungen niederfrequenter Felder festzustellen – und herauszufinden, welche Faktoren Menschen wie mich elektrosensibel machen; • medizinische Schulungen für Umweltärzte, Hausärzte, Psychiater – die meisten sind bisher ahnungslos; • Schutzrichtlinien, die auf biologischen Effekten basieren und nicht allein auf thermischen Grenzwerten. Aber nichts dergleichen geschieht. Warum? Weil keine Lobby dahintersteht. Weil Funkfrequenzen Milliarden bringen. Weil es einfacher ist, uns als "Spinner" zu diskreditieren, als Grenzwerte zu senken. Weil die Funkindustrie Einfluss nimmt auf Forschung, Gesetzgebung, Aufklärung. Weil Betroffene außerstande sind, ihre Menschenrechte langwierig einzuklagen. Und weil eine Gesellschaft, die sich der totalen Vernetzung verschrieben hat, nicht bereit ist, den Preis zu reflektieren, den einige von uns dafür zahlen. „Ich brauche kein Mitleid, sondern Verständnis und Schutz“ Was ich mir wünsche? Kein Mitleid. Keine Sonderbehandlung. Nur Räume, in denen Menschen wie ich existieren dürfen, ohne ständig kämpfen zu müssen. Ohne sich ständig entschuldigen und rechtfertigen zu müssen. Ich wünsche mir, dass wir nicht mehr über Fortschritt reden, ohne seine Opfer zu berücksichtigen. Dass wir nicht weiter blind voranschreiten, ohne zu prüfen, wen wir zurücklassen. Ich wünsche mir, dass Menschen zuhören, auch wenn sie nicht alles begreifen. Dass sie anerkennen: Es gibt andere Lebenswirklichkeiten. Dass Rücksicht keine Schwäche ist, sondern eine Form von Menschlichkeit. Manchmal frage ich mich, wie lange ich das noch aushalte. Ich hasse es zu jammern. Aber es gibt Tage, da denke ich: Wenn mir kein Ort mehr bleibt, an dem ich sicher bin – was dann? Wenn mein Nervensystem nicht mehr zur Ruhe kommt, wenn ich nicht mehr schlafen, denken, leben kann? Ist das dann noch ein Leben? Oder nur noch ein freudloses, qualvolles, sinnleeres Dahinvegetieren? Ich rede mit Bäumen und Tieren, weil sie mich nicht für verrückt erklären. Ich meide Bahnhöfe, Innenstädte, Supermärkte, Arztpraxen, Cafés, Hotels, Kinos, weil sie mir den Verstand rauben, die Haut brennen lassen, mein Herz rasen. Ich lebe in einem Kokon. Mein Zuhause ist ein letzter Rückzugsort in einer feindlich gewordenen Welt – und allmählich nicht einmal mehr das. Ich kenne Mitbetroffene, in deren Nähe ein neuer Mobilfunkmast errichtet wurde – seither ziehen sie es vor, obdachlos im Wald zu leben, im Zelt. Ja, ich habe schon an Suizid gedacht. Nicht aus Wut. Sondern aus Erschöpfung und Verzweiflung. Weil das Leben unter ständiger Strahlenbelastung für mich wie ein permanenter Alarmzustand ist. Wie ein Krieg gegen meinen eigenen Körper. Ich will leben – aber nicht unter Dauerbeschuss. Ich will atmen – aber nicht durch Bleiwesten. Ich will dazugehören – aber nicht auf Kosten meiner Gesundheit. Ich schreibe Dir das nicht, weil ich auf Mitleid aus bin. Ich brauche keines, es erleichtert mich nicht im geringsten. Ich will bloß gesehen werden. Gehört. Verstanden. Wenn Du magst, komm mich mal besuchen. Hier, in meinem Funkloch – solange ich noch eines habe. Bring kein Handy mit, nur offene Ohren. Es ist still hier. Vielleicht hörst Du dann, was ich meine. Danke für Deine Aufmerksamkeit, sie bedeutet mir viel. In Verbundenheit Deine Karin Rat und Hilfe für Elektrosensible bieten: Verein für Elektrosensible und Mobilfunkgeschädigte e. V. (München) Bietet: Beratung, Erfahrungsaustausch, Hilfe zur Selbsthilfe Aktive Vertretung im Bereich rechtlicher Anerkennung (z. B. Mobilfunkfreie Wohngebiete, Schutz am Arbeitsplatz etc.) ( elektrosensibel-muenchen.de ) Diagnose:funk / Bürgerwelle e. V. Plattform für Aufklärung, Webinare (z. B. zum Welttag der Elektrohypersensibilität am 16. Juni) und Vernetzung Engagiert sich für öffentliche Sensibilisierung und politische Maßnahmen ( diagnose-funk.org ) Lokale & regionale Selbsthilfegruppen z. B. Odenwälder Interessengemeinschaft für ein gesundes Leben, Bürgerforum Karlsruhe, Weisse Zone Rhön e. V., Initiative Flieden etc. Fokus: Unterstützung vor Ort, Erfahrungsaustausch, regionale Aktionen zur Reduzierung von EMF ( elektro-sensibel.de , Elektrosensibilität ) Fachberatungen & Messungen: IBES – Institut für biologische Elektrotechnik Fachliche Messungen und Gutachten zu EMF in Wohn- und Arbeitsräumen Beratung zu Schutzmaßnahmen, Alltagsempfehlungen oder Abschirmmaßnahmen ( TINY and small HOUSES ) Baubiologische Beratungsstellen (z. B. IBN Berlin) Analysen, Abschirmungsstrategien, baubiologische Sanierungen (z. B. Abschirmfarben, Gewebeverkleidung, spezielle Baustoffe) ( TINY and small HOUSES ) ( Harald Wiesendanger )
- Wann lernen Kinder endlich, gesund zu leben?
Um die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen steht es immer schlechter. Ein bildungspolitisches Versagen ohnegleichen trägt dazu bei. Wer hat es zu verantworten? Wem nützt es? Um es zu beheben, tun Schulen viel zu wenig - mit dürftigen Ausflüchten. “Wir müssen uns eingestehen, dass wir ganz katastrophal versagt haben. Wir als Gesellschaft”, wetterte eine Schulleiterin am 4. Mai 2023 im TV-Talk “ Markus Lanz ”. “Das muss ich so deutlich sagen. Wir haben ein Problem vor der Brust, das man nicht mehr verharmlosen kann. Wir sind in einer absoluten Bildungsnotstands-Katastrophe angekommen.” Deshalb forderte sie “strenge Maßnahmen seitens der Politik”. Was die streitbare Pädagogin anprangerte, waren steigende Internetkriminalität, eine zunehmende Verrohung sowie die immer weiter sinkende moralische Hemmschwelle bei handysüchtigen Kindern. Ebenso gut gepasst hätte ihre Anklage freilich auf einen anderen, nicht minder katastrophalen Notstand: den himmelschreienden Mangel an Gesundheitskompetenz. Ihrer Handysucht frönt unser Nachwuchs nämlich vorzugsweise als bewegungsfaule Couch Potatoes , bei einer Tüte Chips, Pizza oder Burger mit Pommes, dazu einem Softdrink. Eltern und Lehrer, die dabei tatenlos zusehen, eröffnen Kindern frühzeitige Karrieren als Chroniker, die sie über kurz oder lang medikamentenabhängig und pflegebedürftig machen werden – belastet durch Zivilisationskrankheiten wie Adipositas, Fettleber, Arteriosklerose, Bluthochdruck und Diabetes mellitus, zur klammheimlichen Freude der Gesundheitsindustrie. Wo bleiben Talksendungen hierüber? Ein Trauerspiel namens Gesundheitserziehung Ein Schulfach „Ernährung“ sei „nicht nötig“, so befanden der gelernte Bankkaufmann Jens Spahn, einst Bundesgesundheitsminister, und seine damalige Kabinettskollegin, die ehemalige Religionslehrerin Julia Klöckner, im November 2018 in einer gemeinsamen Erklärung. (1) Was dieses peinliche Inkompetenz-Team von sich gab, ist, zurückhaltend bewertet: sch…ade. Mit Hilfe zur gesundheitlichen Selbsthilfe kann ein wahrhaft fürsorglicher Staat eigentlich gar nicht früh genug beginnen. Denn die Weichen für Verhaltensmuster, die chronische Erkrankungen fördern oder vermeiden helfen, werden in der frühen Kindheit gestellt: auch, aber nicht nur durch falsche Ernährung. Deshalb müsste Gesundheitserziehung schon in Kitas und Kindergärten stattfinden, spätestens aber von der ersten Schulklasse an – nicht am Rande, sondern als Hauptfach. Am besten, sie verwandelt fächerübergreifend jede Bildungsanstalt von Grund auf. Ein neuer Geist tut not. Denn gesund zu bleiben, ist auf dem weiteren Lebensweg unserer Kinder die wichtigste, grundlegende Voraussetzung dafür, jegliches erworbene Schulwissen erfolgreich umzusetzen. Anbauen und ernten, einkaufen und zubereiten, Nahrungsmittelangebote beurteilen und hinterfragen: Ist die Fähigkeit dazu etwa weniger (über)lebenswichtig als Gedichtanalyse und Integralrechnen? Wem die Dringlichkeit nicht einleuchtet, der sollte sich während Großer Pausen auf Deutschlands Schulhöfen umschauen. Schon jedes fünfte Kind ist offensichtlich übergewichtig, fast jedes Zehnte hat die Grenze zur Adipositas überschritten. Jedes sechste Kind und jeder vierte Jugendliche weist bereits eine chronische Grunderkrankung auf, die länger als ein Jahr dauert. (2) Bei weitaus mehr Minderjährigen liegen latente Mängel und Belastungen vor, die sich zwar noch nicht in Symptomen bemerkbar machen, aber früher oder später mit Sicherheit dazu führen werden, falls weiterhin nicht gegengesteuert wird. Unter Medizinern ist der Radiologe Prof. Dietrich Grönemeyer, älterer Bruder des Sängerstars Herbert, der bekannteste Fürsprecher eines „Verstehens des eigenen Körpers von der Kindheit an“. Mit einer 2007 gegründeten Stiftung , die seinen Namen trägt, setzt er sich vehement für Gesundheitsunterricht in den Schulen ein – „denn bei den Erwachsenen ist es meistens zu spät“. (3) Eine frühzeitige gesundheitliche Aufklärung, so glaubt er felsenfest, könne das Gesundheitssystem finanziell entlasten und Volkskrankheiten eindämmen. Neu sind solche Forderungen beileibe nicht. Leser des Pädagogischen Beobachters , des Zürcher „Wochenblatts für Erziehung und Unterricht“, fanden schon in der Ausgabe vom 19. Februar 1876 ein Plädoyer für die „Aufnahme der Gesundheitslehre als selbstständiges Fach“. Dies dürfe nicht „als ungebührliche Einmischung der Ärzte in das Gebiet der Pädagogik“ missverstanden werden. Vielmehr diene es dem „Kampf gegen tiefwurzelnde Schäden und eingerostete Vorurtheile“. (4) Über ein Jahrhundert später, 1997, erhob die WHO in ihrer „ Jakarta-Erklärung “ Gesundheit zu einem grundlegenden Menschenrecht. Daran anknüpfend, verabschiedete Deutschlands Kultusministerkonferenz im November 2012 die " Empfehlung zur Gesundheitsförderung und Prävention in der Schule ": Ziel einer guten Schule müsse es sein, Gesundheitsressourcen und -potenziale zu erhalten und zu stärken. Gesundheitsförderung sei ein „lebenslanger Prozess und unverzichtbares Element einer nachhaltigen Schulentwicklung“. Doch seit eh und je verhindern politisch Verantwortliche, dass plausiblen Ideen und hehren Vorsätzen endlich entschlossene Taten folgen. Ihre nachhaltige Blockadehaltung gegenüber dem „Unverzichtbaren“ rechtfertigen sie mit den immergleichen sechs Argumenten, eines dürftiger als das andere. Sechs klägliche Ausflüchte 1 Wo kämen wir denn hin, so fragen Skeptiker, wenn alle neuen Fächer, die irgendwem irgendwie sinnvoll erscheinen, Einzug in die Schule halten würden? Nicht einmal 48-Stunden-Tage würden ausreichen. Ein Fach „Alltagswissen“ könnte Kindern klarmachen, wie man ein Bankkonto eröffnet, seine Steuererklärung erstellt, eine Versicherung und einen Mietvertrag abschließt, den Rechtsweg beschreitet. Unterricht in „Benehmen“ wünschen sich 75 Prozent der Deutschen, jeder Zweite ein Pflichtfach „Wirtschaft“. „Viele Fächer resultieren aus dem Partikularinteresse von Verbänden oder Institutionen“, gibt Die Zeit zu bedenken. „Der Verbraucherverband Bundeszentrale hält natürlich Verbraucherbildung für ziemlich brauchbar. Das Rote Kreuz meint, Erste Hilfe solle gelehrt werden. Der Plattdeutschverein setzt sich natürlich für Plattdeutsch ein, und der Verein ‚Optimisten für Deutschland‘ hält das Unterrichten in Glück für unabdingbar.“ (5) Die dürftige Logik dieses Arguments teilen Leute, die grundsätzlich nicht spenden: „Ich kann nicht jedem helfen – also helfe ich keinem.“ Auch wenn ich nicht jede Not lindern kann: Sollte ich nicht zumindest die folgenschwerste angehen? In Umfragen nimmt Gesundheit unter den wichtigsten Werten den Spitzenplatz ein, noch vor Familie und Erfolg. Darf, muss sich diese Gewichtung nicht gerade im Kultusbereich vehement niederschlagen? 2 Gesundheitserziehung sei Sache des Elternhauses, so heißt es – ebenso wie die Erziehung zur Körperhygiene, zu selbstständigem Anziehen, zur Aggressionskontrolle, zu grundlegenden sozialen Fähigkeiten wie Umgangsformen und Empathie. Nun auch noch diese Aufgaben übernehmen zu müssen, überfordere die Schule. Sie „kann nicht reparieren, was zuvor schon kaputt gemacht worden ist", wie ein Sprecher des sächsischen Kultusministeriums erklärte. (6) Genauso sehen das Lehrerverbände: „Wir sind es leid, für alle Defizite der Familie geradezustehen - gleiches gilt für die Jugendgewalt. Gesunde Ernährung bleibt der Job des Elternhauses.“ (7) Die Schule sei „kein Reparaturbetrieb für gesellschaftliche Fehlentwicklungen“. (8) Fakt ist: Daheim findet Gesundheitserziehung immer seltener statt. Kinder lernen am Modell. Welche Vorbilder bieten Eltern, bei denen regelmäßig Fast Food und Softdrinks, Tiefkühl- und Fertigprodukte auf den Tisch kommen, allabendlich vor dem Fernseher Nasch- und Knabberzeug bereitliegen? Die Emanzipationsbewegung hat der Frau Selbstverwirklichung im Beruf ermöglicht – und Haushalten die Person genommen, die fürs sorgfältige Planen von Mahlzeiten, fürs gewissenhafte Einkaufen, fürs frische Zubereiten zuständig war. In immer weniger Familien wird gekocht. Kaum jemand hat noch Zeit dafür oder nimmt sie sich, kaum einer kann es noch wie einst die Oma. Immer mehr Erwachsene weisen erschütternde Wissenslücken auf, was Zubereitung, Herkunft und Vielfalt von Lebensmitteln betrifft. Den modernen Haushalt kennzeichnen Mikrowelle und Tiefkühltruhe, industrielle Fertiggerichte, flinke Lieferservices und hastiges Eating on the Run . Mit ihrer Ess- und Kochkultur verlieren nachfolgende Generationen die Fähigkeit, sich selbstbestimmt und ausgewogen zu ernähren. Wer allen Ernstes meint, das Zuhause sei weiterhin der richtige Ort für Gesundheitserziehung, hat anscheinend noch nie beachtet, womit eilige Mütter und Väter im Supermarkt ihre Einkaufswagen füllen – und was bei Deutschlands Mahlzeiten überwiegend auf den Tisch kommt. 3 Gesundheitsunterricht finde doch längst statt, in genügendem Maße, so bekommen wir ferner zu hören. Dies geschehe in Fächern wie Biologie und Chemie, Hauswirtschaft, Heimat- und Sachkunde. Dass Informationen zur Ernährung insofern „allgemein in den Schulalltag integriert“ werden, sei völlig ausreichend, so befanden Jens Spahn und Julia Klöckner. (9) Demnach verweilen 64 Prozent der Schüler im Dauerschlaf: So viele haben nach eigenen Angaben im Unterricht selten oder nie etwas darüber erfahren, wie man sich vernünftig ernährt. (10) Was sie an „integrierter Information“ zu hören bekommen, ist in der Regel theoretischer Stoff, der sie weder berührt noch anregt, schon gar nicht eingefleischte Gewohnheiten verändert. 4 Für ein gesondertes Unterrichtsfach Gesundheit sei in den ohnehin überfrachteten Stundenplänen unserer Schulen schlicht kein Platz mehr, erklären Blockierer. "Man verfügt zurzeit ohnehin über zu wenig Unterrichtszeit, die Kinder Deutsch, Englisch oder Mathematik zu lehren", stellt der Präsident des Deutschen Lehrerverbands klar. (11) Von der Fülle an Lernstoff seien unsere Kinder schon jetzt überfordert. Wo kein Platz ist, muss halt einer geschaffen werden – notfalls auf Kosten anderer Fächer. Lehrpläne entrümpeln, von einem jahrhundertealten, überholten Fächerkanon Abschied nehmen, heilige Kultuskühe schlachten: all das ist überfällig. Jenes Leben, auf das die Schule vorbereiten soll, muss zuallererst ein gesundes sein. Ist Wissen, wie das geht, etwa unbedeutender als die metergenaue Höhe des Mount Everest, die exakten Daten von Kaiserkrönungen, die kovalente Zweielektronen-Bindung, die Serienformel des Wasserstoffspektrums, Arkuskosinusfunktionen und partielle Integration? Welcher Stoff könnte während der mindestens 12.000 Stunden, die Kinder in der Schule verbringen, lebenswichtiger sein? 5 Gesundheitsunterricht sei zu teuer, heißt es. Allein auf das Land Niedersachsen würden bei zwei Wochenstunden Gesundheit 200 Millionen Euro pro Jahr zukommen, wie Ministerialbeamte dort ermittelt haben wollen. (12) Aber fürs „digitale Klassenzimmer“ stehen andererseits ohne weiteres mehrere Milliarden zur Verfügung? 6 Gesundheitsunterricht bringe nichts, so wird behauptet: Das gehe zum einen Ohr rein, zum anderen wieder raus. Für abstrakte Wissensvermittlung gilt das sicherlich. Aber es geht auch anders: anschaulich, praktisch, unterhaltsam, spannend, interaktiv. Erfolgreiche Modelle hierfür gibt es längst, in Privatschulen, in anderen Ländern. Man muss sie bloß zur Kenntnis nehmen wollen. Schule neu denken und gestalten Neun von zehn Deutschen wünschen sich, Umfragen zufolge, endlich ein Schulfach „Gesunde Ernährung“. (13) Das allein wäre freilich zuwenig. Klar ist: Es darf nicht bloß darum gehen, ein weiteres Fach zu installieren. Eine solche Neuerung würde „von untätigen Politikern, einer trägen Verwaltung oder desinteressierten Lehrern bloß als Alibi missbraucht“, schwant dem freien Bildungsreferenten Siegfried Seeger. „Wer auf diese Weise sein Gewissen erleichtern möchte, schadet unseren Kindern.“ (14) Schützenhilfe erhält Seeger durch die Studie „primakids“, welche die Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften und die Techniker Krankenkasse schon im Jahr 2004 an über 500 Erst- bis Viertklässlern an 14 Grundschulen durchführten: Übergewichtige Kinder nahmen durch ein Schulfach Gesundheit keineswegs ab; die Pfunde purzelten lediglich, wenn die gesamte Schule auf Gesundheit eingestellt war – und das private Umfeld mitmachte. (15) Ziel muss nichts Geringeres als ein Gesamtkunstwerk sein, nämlich die gesunde Schule: ein heilsamer Ort, an dem alles, was unsere Kinder erfahren und tun, ihrem körperlichen und psychischen Wohlergehen dient, dem gegenwärtigen wie ihrem künftigen. Über Wissensvermittlung hinaus gehört dazu reichlich körperliche Aktivität, die Spaß macht; schadstofffreie Architektur, ergonomisches Mobiliar, saubere Toiletten; gute Raumluft, viel natürliches Licht, frohe Farben; Schutz vor Elektrosmog; eine Lernatmosphäre, die der Seele gut tut, neugierig macht, Kreativität viel Raum gibt, Selbstständigkeit, bewussten Konsum und kritisches Denken fördert; ein harmonisches Miteinander, das behutsame Mediation von Konflikten vorsieht, Minderheiten schützt und Mobbing im Keim erstickt. Erst in einer solchen Umgebung entwickeln sich Einstellungen und Gewohnheiten, die auch außerhalb des Schulgeländes, und auch noch lange nach Schulabschluss, Gesundheitsverhalten dauerhaft prägen können. Eine solche Schule beschränkt das Thema Ernährung nicht auf ein paar zusätzliche Lehrbuchseiten, Arbeitsblätter und Vorträge von Lehrerseite. Mehr Wissen genügt bei weitem nicht – es geht um Können und Tun. Die fundierteste Ernährungslehre verpufft ohne vorbildliche Praxis, und die muss sich zuallererst daran bewähren, was auf den Teller kommt. Immer mehr Ganztagesschulen richten Mensen ein. Über drei Millionen Kinder in Deutschland haben einen Rechtsanspruch darauf, dort verpflegt zu werden. Wie das geschieht, hat entscheidenden Einfluss auf ihre körperliche Verfassung, ihr Wohlbefinden, ihre Konzentration und Leistungsfähigkeit, wie auch auf ihre Ess- und Trinkgewohnheiten außerhalb der Schule. Also sind zuallererst Prioritäten zu klären. Sollen Kinder möglichst billig satt werden? Dann setzt man weiterhin auf die normierte Kost von Großküchen, die fantasielos eintönige Speisepläne, lange Transportwege, stundenlang warmgehaltenes, minderwertiges, zu fettes Essen und geschmacksverstärkte Pampe bieten, vom totgekochten Gemüseallerlei über aufgeweichte Nudeln und halbzerfallene Salzkartoffeln bis hin zu ledrigem Schweineschnitzel mit verbrannter Panade unter Fertigsoße. Davor flüchten Schüler, deren Taschengeld reicht, lieber zur Frittenbude um die Ecke, es sei denn, die Schulmensa bietet ausnahmsweise ein Junkfood-Highlight wie Currywurst mit Pommes und Ketchup. Es fehlen Gemüse, Salat, Obst. Qualität und Vielfalt bleiben auf der Strecke. Um eine wirksame, nachhaltige Ernährungswende hinzukriegen, müssen Schulen bestehende Caterer-Verträge nachverhandeln oder kündigen, Lieferverträge mit nahen Biobauern schließen. Sie müssen eigene Küchen einrichten oder reaktivieren, damit vor Ort frisch und vielfältig gekocht werden kann. Und sie sollten einen eigenen Garten anlegen, in dem Gesundes angebaut, gehegt und geerntet wird. Ganz wichtig: Die Schüler müssen einbezogen werden, unter Anleitung von Lehrkräften, Ehrenamtlichen und tatkräftiger Mithilfe von Eltern, die gerade Zeit haben. Kinder sollten Mitverantwortung übernehmen – sei es fürs Anpflanzen und Düngen, fürs Schälen und Schneiden, fürs Anrühren oder fürs Würzen. Ernährungslehre kann alle Sinne ansprechen, neugierig machen, faszinieren. Gemeinsam einkaufen; der Produktion von Lebensmitteln, ihren Inhaltsstoffen, ihrer Verwertung im Körper auf den Grund gehen; Essen selber zubereiten, mit Küchengeräten umgehen; Leckeres sehen, riechen und schmecken: so etwas prägt die Essgewohnheiten von Kindern weitaus mehr als tausend Worte. Der pädagogischen Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Sie braucht nur Raum zur unbürokratischen Entfaltung. „Kinder essen alles, wenn man sie mitkochen lässt“, versichert die österreichische Fernsehköchin Sarah Wiener, die 2007 eine eigene Stiftung zur „Praktischen Ernährungsbildung für Kinder“ ins Leben gerufen hat. „Man kann die Kinder mit an den Herd holen. Damit sie die erste kulturelle Leistung der Menschheitsgeschichte erbringen: beurteilen zu können, was sie sich in den Mund stecken. Kinder, die Kocherfahrungen sammeln, Geschmäcker ausprobieren, mit Genuss essen lernen und miterleben, wie Lebensmittel in der Landwirtschaft erzeugt werden, ernähren sich gesünder und verhalten sich nachhaltiger gegenüber ihrer Umwelt.“ (16) Ihre Neugier und Freude zu wecken, ihren Geschmack zu trainieren, erfordert freilich Zeit und Geduld. Andernfalls hat der schonend gedünstete Kabeljau keine Chance gegen Käpt´n Iglos Fischstäbchen. Bloß gesund ist dabei nicht genug: Eine Mahlzeit muss auch schmecken und lecker aussehen. Ebenso stimmen muss die Atmosphäre. Und es muss in die Tiefe gegangen werden. Ungesunde Ernährungsroutinen sind großteils Ergebnis einer zur kulturellen Selbstverständlichkeit gewordenen Massenmanipulation von Kindesbeinen an. Unsere Kleinen sind von überzuckerten, versalzenen, zu fettigen, künstlich aromatisierten Nahrungsmitteln regelrecht abhängig geworden, weil ihr Geschmackssinn denaturiert wurde: Was weniger süß oder salzig, würzig, herzhaft schmeckt wie Pizza und Hamburger, Pasta und Pommes, hat bei ihnen kaum noch eine Chance. Solche Vorlieben aufzugeben, setzt voraus zu verstehen, dass sie industriell programmiert sind. „Wer eine natürliche Frucht gegenüber künstlichen Fruchtaromen für fade hält und dem Geschmack von Gemüse oder vegetarischem Essen überhaupt nichts abgewinnen kann, ist im Grunde ein Patient, dem geholfen werden muss“, meint der Hobbykoch Jürgen Dollase, Autor von kulinarischen Büchern und dem SZ-Magazin zufolge „der beste deutsche Gastronomiekritiker“. Darauf zu verzichten, das kulinarische Bewusstsein zu öffnen und zu erweitern, findet Dollase „schlicht verantwortungslos. Eine unzusammenhängende Beschäftigung mit dem Schulessen, die nicht berücksichtigt und thematisiert, was außerhalb der Schule passiert, ist Nonsens und wird nie mehr zustande bringen, als ein paar Bio-Beilagen neben die Hamburger oder Würstchen zu legen.“ (17) Manches erfordert erst noch eine verbesserte Aus- und Fortbildung von Lehrern und Erziehern, neue Unterrichtsmaterialien, überarbeitete Lehrpläne, geeignete Räumlichkeiten. Vieles ließe sich aber sofort umsetzen – zwei halbe Stunden Bewegung an jedem Schultag beispielsweise. In allen Pausen könnte für die Kinder frisches Obst und Gemüse bereitstehen, dazu reichlich stilles Wasser. Der nächste Klassenausflug könnte zu einem Biobauernhof führen statt zu einem Museum für moderne Kunst. Im Schnitt 5,36 Euro kostet ein Schulessen in Deutschland, davon übernehmen Eltern 3,50 Euro. (18) Das reicht allenfalls für normierte Großküchenkost. Mit vier Cent mehr, wie Ex-Bundesernährungsministerin Julia Klöckner weismachte (19), ist es schwerlich getan. Wer Schulkindern mittags ein aus frischen, regionalen, saisonalen Zutaten zubereitetes Essen servieren will, ohne Chemiemüll, in Bio-Qualität, muss wohl oder übel mehr Geld in die Hand nehmen, mindestens ein bis zwei zusätzliche Euro. Bund, Länder und Gemeinden sollten finanziell überforderten Familien unter die Arme greifen. Die rund 1,2 Milliarden Euro, mit denen Deutschlands Kommunen bislang die Schulverpflegung bezuschussen, sind zuwenig. Gesunde Schule funktioniert unmöglich ohne die Eltern, schon gar nicht gegen sie. Was zuhause geschieht, kann die beste schulische Gesundheitserziehung hintertreiben, ihren Ertrag zunichte machen. Das erlebte Englands Starkoch Jamie Olivier, als er 2015 eine vielbeachtete Kampagne startete, um an britischen Schulen Junkfood durch vollwertige Mahlzeiten zu ersetzen: Mütter reichten daraufhin ihren ökotrophologisch gepeinigten Kleinen das geliebte Fastfood über den Schulzaun. (20) Deshalb müssen Mütter und Väter überzeugt und einbezogen werden; sie müssen offen sein, sich Zeit nehmen und mitengagieren, auch innerhalb der Schule. Dazu benötigen viele erst mal reichlich Nachhilfeunterricht. Der statistisch bedeutendste Risikofaktor für Übergewicht bei Kindern sind übergewichtige Eltern. Auch zusätzliche, qualifizierte Lehrkräfte braucht das Land – schon heute fehlen Zehntausende. „Viele von ihnen fühlen sich überfordert, wenn sie gesundheitsrelevante Themen fächerübergreifend unterrichten sollen, die in ihrer Ausbildung wenig Raum hatten. Ihr Arbeitspensum ist schon jetzt ungeheuer hoch“, gibt Gudrun Zander zu bedenken, Dezernentin am Landesinstitut für Schule und Ausbildung Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern. (21) Den Couch Potatoes Beine machen Dabei geht es längst nicht bloß um Ernährung. Gesundheit erfordert gleichermaßen körperliche Aktivität. Wie viel Anreiz zu mehr Bewegung bieten Eltern ihrem Nachwuchs, wenn sie selbst zu jenen 57 Prozent Couch Potatoes zählen, die pro Woche weniger als 150 Minuten moderat oder 75 Minuten intensiv körperlich aktiv sind, wie von der WHO als Mindestrichtwert empfohlen? (22) Um „die Lust an Bewegung und Prävention zu fördern“, wirbt Grönemeyer für eine tägliche Stunde Schulsport. Dazu entwickelte er ein Programm mit 40 Übungen für 20 Minuten, nach dem Motto: „Turne bis zur Urne.“ 2015 initiierte Grönemeyer „Die bewegte Schulpause“. Aber wozu starre „Übungen“ mit Professorensegen? Jeder Schultag sollte einfach reichlich Freiheit und Anreiz für ausgiebige Bewegung bieten, die Spaß macht und fit hält: Laufen, Rennen, Spielen, Hüpfen, Fangen, einfach alles, was den natürlichen Bewegungsdrang von Kindern fördert, zum reinen Vergnügen, ohne Leistungsdruck und Benotung. Falls Jungs jeden Tag kicken wollen: Lasst sie doch. Traditioneller Sportunterricht hingegen gehört ausgelagert, in den Verein. In der Schule gänzlich fehl am Platz sind Leibesertüchtiger, die sich der Frühförderung künftiger Olympiasieger verpflichtet fühlen oder sadistische Neigungen ausleben, indem sie sichtlich überforderte, verängstigte Kinder zu halsbrecherischen Bodenturn- und Reckübungen zwingen. Endlose Lippenbekenntnisse, zaghafte Ansätze Warum ziehen Bundes- und Landesregierungen nicht längst naheliegende schulpolitische Konsequenzen? Zumindest wolkige Absichtserklärungen haben sie mittlerweile reichlich in die Welt gesetzt. "Mir ist wichtig, dass Kinder in der Schule etwas darüber lernen, wie sie gesund leben können", bekannte die frühere Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) bereits im Herbst 2007; dazu zählte sie vor allem Ernährung und Bewegung. Vorausgegangen war die Anregung eines Staatssekretärs des Verbraucherschutzministeriums, ein gesondertes Schulfach „Ernährungs- und Verbraucherbildung“ einzuführen. Daraus folgte? Herzlich wenig. Bloß zwei Bundesländer, Bremen und Hamburg, zeigten sich offen dafür – der Rest winkte ab. „Wenig sinnvoll“ fand den Vorstoß auch der damalige Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD). (23) Fünf Jahre später, 2012, befand die Kultusministerkonferenz, Gesundheitsförderung in der Schule sei "unverzichtba". (24) Allerdings liege „Ernährungsbildung in der Länderverantwortung und in der Selbstverwaltung der Schulen“. (25) Im Juli 2015 trat ein „ Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention “ in Kraft, das unverbindliche, vage Zielsetzungen bevorzugt. Auf Verpflichtungen verzichtet es. Soweit Kitas und Schulen darin vorkommen, stellt es Früherkennungsuntersuchungen, die „Förderung der Impfprävention“, Aids- und Drogenaufklärung in den Vordergrund. An der belämmernden Tatsache, dass die Bundesrepublik lediglich drei Prozent ihrer Gesundheitsausgaben für Vorsorge verwendet – davon wiederum nur einen Bruchteil im schulischen Bereich -, ändert das Gesetz nicht das Geringste. Dass solche Papiere Deutschlands Schüler auch nur um drei Prozent gesünder gemacht haben, trauen sich nicht einmal die Autoren zu behaupten. Von Japan und Finnland lernen Wertvolle Anregungen könnten sich deutsche Kultuspolitiker bei Bildungsreisen ins Ausland holen. In japanischen Schulen ist Gesundheitserziehung ein Pflichtfach - von der Grundschule bis zur Oberstufe. Neben dem formalen Gesundheitsunterricht gibt es dort auch „Health Clubs“: von Schülern geführte Einrichtungen, die Gesundheit und Wohlbefinden durch Aktivitäten wie Sport und vollwertige Ernährung fördern. In Portugal gibt es Gesundheit als Schulfach immerhin ab der siebten Klasse. Doch nirgendwo in Europa wissen Schüler mehr über Gesundheit als in Finnland, wie die WHO 2019 festgestellt hat. Als breit angelegtes, benotetes Schulfach ist „Gesundheitserziehung“ seit 2005 fest im dortigen Unterrichtssystem verankert – von der Grundschule an. Mancherorts findet sie nicht separat statt, sondern integriert in andere Fächer wie Naturwissenschaften und Sozialkunde. Dieser Ansatz eines fächerübergreifenden Projektunterrichts, als phenomenon-based learning bezeichnet, soll den Kindern verstehen helfen, wie Gesundheit und Wohlbefinden mit anderen Fächern wie Biologie und Chemie zusammenhängen, aber auch mit Geschichte, Sozial- und Wirtschaftskunde. „Es geht nicht nur um reine Wissensvermittlung“, bilanziert eine 20-Jährige Deutsche, die von der sechsten Klasse bis zum Abitur in Helsinki zur Schule ging, „sondern auch darum, sensitiver für Gesundheitsthemen zu werden, das Bewusstsein zu schärfen“. Seit den neunziger Jahren ist Gesundheitserziehung an finnischen Universitäten ein eigenständiges Studienfach. (26) Finnische Schulen legen großen Wert auf körperliche Betätigung. Ihren Schülern bieten sie vielfältige Möglichkeiten, sich den ganzen Tag über zu bewegen, beispielsweise indem sie Bewegungspausen und Spiele im Freien in den Tagesablauf einbauen. Auch die psychische Gesundheit hat einen hohen Stellenwert: Viele Schulen bieten Beratungsdienste an und fördern Achtsamkeit und Entspannungstechniken. Großer Wert wird auf gesundes und nahrhaftes Essen gelegt. Hochwertige Schulmahlzeiten werden kostengünstig angeboten, vielerorts sogar gratis. Von Wirtschaftslobbyisten sabotiert Welche politischen Lager legen sich seit Jahr und Tag am stursten quer? Als Abwiegler, Bremser, Zerreder tun sich vor allem Vertreter wirtschaftsnaher Parteien vor. Das Hauptmotiv liegt auf der Hand: Welches Schulkind würde noch zu den pestizid- und hormonbelasteten Produkten industrieller Landwirtschaft greifen, sobald es über ausreichende „Gesundheitskompetenz“ verfügt? Welches würde sich noch sogenannte „Lebensmittel“ der ZuckerSalzFett-Connection vorsetzen lassen? Einen Mix aus synthetischen Farb- und Konservierungsstoffen, Emulgatoren und Geschmacksverstärkern schlucken? Importware, Tiefkühlkost und Fertigmahlzeiten aus der Mikrowelle lieber auf dem Teller haben als regional erzeugte, frisch zubereitete Bio-Qualität? Sich den Durst von Getränkekonzernen löschen zu lassen, statt einfach den Wasserhahn aufzudrehen? Jeder wissenschaftlich halbwegs fundierte Gesundheitsunterricht öffnet Augen. Zwangsläufig mündet er in eine blamable Systemkritik, die Umsätze gefährdet. Sie sorgt für neue Generationen, an denen es für Arzneimittelhersteller und Heilberufler, für Kliniken und Pflegeheime erheblich weniger zu verdienen gibt. Wo kämen wir denn hin, falls so etwas Schule macht? ( Harald Wiesendanger ) Dieser Beitrag enthält Auszüge aus dem 2019 erschienenen Buch von Harald Wiesendanger: Das Gesundheitsunwesen – Wie wir es durchschauen, überleben und verwandeln , dort S. 573-588. Anmerkungen (1) Zit. nach Jürgen Dollase: „Wenn Minister nicht das Ganze im Auge haben“, Eat-Drink-Think.de, 12.11.2018, www.eat-drink-think.de/wenn-minister-nicht-das-ganze-im-auge-haben-julia-kloeckner-vom-bundesministerium-fuer-ernaehrung-und-landwirtschaft-und-gesundheitsminister-jens-spahn-wollen-kein-schulfach-ernaehrung, abgerufen am 8.6.2019. (2) Siehe H. Wiesendanger: Das Gesundheitsunwesen (2019), https://stiftung-auswege-shop.gambiocloud.com/das-gesundheitsunwesen-wie-wir-es-durchschauen-ueberleben-und-verwandeln-printausgabe.html S. 39 ff.: „Minderjährige – unterwegs zu Chronikern“. (3) mdr.de, 28.2.2018: „Medizin für Kinder - Grönemeyer fordert Schulfach ‚Gesundheit‘“, www.mdr.de/wissen/bildung/groenemeyer-fordert-gesundheitsunterricht-an-schulen-100.html, abgerufen am 7.6.2019. (4) Pädagogischer Beobachter 7/1876, S. 1-2: „Gesundheitsunterricht in und ausser der Schule“, PDF, http://doi.org/10.5169/seals-237875. (5) Zeit online, 7.2.2018: „Ein Stundenplan für morgen“, www.zeit.de/2018/07/schulfaecher-unterricht-inhalte-bildungspolitik/komplettansicht, abgerufen am 7.6.2019. (6) Zit. nach Frankfurter Rundschau, 24.9.2007: „Breite Mehrheit gegen Schulfach ‚Ernährung‘“, www.rundschau-online.de/breite-mehrheit-gegen-schulfach--ernaehrung--10970094. (7) Zit. nach Welt.de, 24.1.2008: „Kochen könnte auch an Deutschlands Schulen Pflichtfach werden“, www.welt.de/welt_print/article1588415/Kochen-koennte-auch-an-Deutschlands-Schulen-Pflichtfach-werden.html, abgerufen am 8.6.2019. (8) Zit. nach Herolé Blog, 12.3.2019: „Brauchen wir das Schulfach „Gesunde Lebensweise“?“, www.herole.de/blog/brauchen-wir-das-schulfach-gesunde-lebensweise, abgerufen am 7.6.2019. (9) Zit. nach Dollase, a.a.O. (10) Nach LBS-Kinderbarometer 2007, S. 100 ff. (11) Zit. nach Welt.de, 24.1.2008, a.a.O. (12) Nach Focus.de, 31.1.2008: „Schlank durch Bildung - Brauchen wir ein Schulfach Gesundheit?“, www.focus.de/familie/schule/unterricht/brauchen-wir-ein-schulfach-gesundheit-schlank-durch-bildung_id_2192524.html. (13) Zeit online, 7.2.2018, a.a.O. (14) 122 Zit. nach www.focus.de/familie/schule/unterricht/brauchen-wir-ein-schulfach-gesundheit-schlank-durch-bildung_id_2192576.html, abgerufen am 7.6.2019. (15) Angela Schröder u.a.: Primärprävention und Gesundheitsförderung in der Grundschule: Überblick zu Programminhalten und Ergebnissen der vierjährigen kontrollierten Interventionsstudie "primakids" in vierzehn Hamburger Grundschulen, Hamburg 2009, Schriftenreihe Studien zur Kindheits- und Jugendforschung, Bd. 54. (16) Zit. nach https://sw-stiftung.de/startseite, abgerufen am 14.6.2019, sowie nach Süddeutsche Zeitung Nr. 256, 7.11.2018, S. 2. (17) Eat-Drink-Think.de, a.a.O. (18) www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Ernaehrung/Kita-Schule/Studie-Kosten-Schulverpflegung.pdf;jsessionid=8FEE1022E4ADA25580C25E39634EA004.1_cid367?__blob=publicationFile; www.deutschlandfunk.de/ernaehrung-5-40-euro-reichen-fuer-ein-gesundes-schulessen.680.de.html?dram:article_id=432511, abgerufen am 14.6.2019. (19) www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/2018/169-Schulessen.html, abgerufen am 14.6.2019. (20) www.n-tv.de/panorama/Jamie-Oliver-attackiert-Theresa-May-article19849473.html; https://eatsmarter.de/gesund-leben/news/anti-food-kampagne-warum-jamie-oliver-wut-kocht; abgerufen am 8.6.2019. (21) Zit. Focus.de, a.a.O. (22) Nach dem DKV-Report 2018: „Wie gesund lebt Deutschland?“, www.ergo.com/de/DKV-Report, abgerufen am 6.6.2019. (23) Kölnische Rundschau, 24.9.2007: „Breite Mehrheit gegen Schulfach ‚Ernährung‘“, www.rundschau-online.de/breite-mehrheit-gegen-schulfach--ernaehrung--10970094. (24) www.kmk.org/themen/allgemeinbildende-schulen/weitere-unterrichtsinhalte/gesundheitserziehung.html; die „Empfehlung“ als PDF: www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2012/2012_11_15-Gesundheitsempfehlung.pdf; abgerufen am 6.6.2019. (25) www.dnsv.eu/kmk-ausgestaltung-liegt-in-der-laenderverantwortung-und-in-der-selbstverantwortung-der-schulen , abgerufen am 6.6.2019. (26) Kaarina Määttä/Satu Uusiautti: „The Value and Implementation of Health Education in Finland“, International Journal of Sciences, Vol. 2, December 2013, S. 3, https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2573605
- Verrückt, weil informiert
Sie vergiften, was wir essen und trinken - und wenn wir uns deswegen Sorgen machen, erklären sie uns für psychisch gestört. Dafür gibt es neuerdings ein diagnostisches Etikett: „Orthorexie“. Letztlich schützt es - streng wissenschaftlich, versteht sich – die Lebensmittelindustrie vor allzu kritischen Verbrauchern. Orthorexie - das klingt wie der lateinische Name eines zahnlosen Dinosauriers mit Selleriestange im Maul. Tatsächlich bezeichnet er eine vermeintliche „Essstörung“, die sich durch eine „Fixierung“ auf gesunde Ernährung auszeichnet. Geradezu zwanghaft befassen sich Betroffene mit „reinen“, „natürlichen“ Lebensmitteln. Wie unvernünftig, wie pathologisch – im Zeitalter von Glyphosat im Weizen, Nanoplastik im Leitungswasser, Titandioxid im Kaugummi und Nitrosaminen im Würstchen. „Orthorexie“ ist das, was man bekommt, wenn man Listen von Inhaltsstoffen wirklich liest, notfalls unter Zuhilfenahme einer Lupe. Was entsteht, wenn man sich fragt, warum Kinder im Jahr 2025 keine Vollmilch mehr trinken dürfen, wohl aber Energy-Drinks mit 43 Zusatzstoffen. Es ist das Unbehagen, das einen überkommt, wenn „Zuckerfreie Gummibärchen“ Sorbit, Maltit, Erythrit enthalten. Es ist das diffuse Grauen vor Produkten mit der Aufschrift: „Jetzt noch gesünder – mit Süßmolkenpulver und Hydrolysiertem Erbsenprotein!“ Es ist der Reflex, sich eine Notiz zu machen, wenn man zum dritten Mal das Wort „ultrahochverarbeitet“ hört – und nicht sicher ist, ob damit das Produkt oder der Kunde gemeint ist. Früher nannte man es „kritisches Denken“. Heute lautet die Diagnose: Orthorexie – ein Leiden, das „krankhafte Gesundesser“ heimsucht. (1) Ja, besagte „Störung“ kann mit gehörigem Leidensdruck verbunden sein. Aber dieser Druck entsteigt nicht den Untiefen einer neurotischen Seele – er kommt von außen, erzeugt von schamlosen Profiteuren eines zivilisatorischen Irrwegs. Wer ihn traurig wahrnimmt und sich ihm widersetzt, tut dies aus bewusstseinsklarer Einsicht in Sachverhalte, die nachweislich Gesundheit gefährden. Ihnen möglichst ausweichen zu wollen, ist nicht krankhaft, sondern zutiefst vernünftig. Ja, lebensnotwendig. Wüsste jedermann über die wahre Qualität industrieller Nahrungsmittel und die langfristigen Folgen ihres Konsums so viel wie der "Orthorektiker", dem man in Alnatura-Filialen, in vegetarischen Restaurants, auf Bio-Bauernhöfen begegnet - womöglich bräche dann Massenpanik aus, gefolgt von Konsumboykott. Und ja, diese „Störung“ kann zu sozialer Isolation führen. Wer ihr kompromisslos frönt, der gilt am Essenstisch von „Normal“essern im Nu als verbohrte, masochistische Spaßbremse, er wird gemieden. Auch arrogante Besserwisserei wird ihm vorgehalten – aber er weiß ja tatsächlich mehr. Und deshalb hält er Ausgrenzung aus, zumal er nicht allein ist. "Für diese gesunde Ernährung werden von Orthorektikern ganz persönliche, subjektive Maßstäbe angelegt", behauptet eine Psychologin vom Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung in Kiel. (2) Mit Verlaub, das ist Quatsch mit Instantsoße: Welchen Maßstab sollte man denn zuallererst und ganz unpersönlich-allgemein an Lebensmittel anlegen, wenn nicht den, dem Leben zu dienen? Wer Fragen stellt, gefährdet das System „Er achtet penibel auf biologische Herkunft, isst nur noch frisches Gemüse, verzichtet auf Zucker, verarbeitet nichts aus Aluminiumverpackungen, kontrolliert jedes Etikett, glaubt, dass Ernährung Krankheiten beeinflusst – schwerer Fall!“ So spricht der Arzt. Nicht über einen Verschwörungstheoretiker, sondern über einen „Orthorektiker“. Ein Mensch, der lieber stilles Wasser trinkt als Cola Zero. Ein Mensch, der keine Hefeextrakt-Zusatzwürze, Säureregulatoren, Emulgatoren, Calciumpropanat und Sorbinsäure im Brot will, sondern… Brot. Ein Mensch, der fragt, warum die Lebensmittelindustrie 17 verschiedene Bezeichnungen für Glutamat kennt – aber keine für Aufrichtigkeit. Orthorexie ist die ultimative Sünde im modernen Speiseplan. Der Sünder ist nicht nur lästig, weil er moralisch riecht. Er ist gefährlich, weil er Fragen stellt. Je mehr es davon gibt, desto wahrscheinlicher wird eine WHO-Warnung vor einem Notstand namens epidemischer Selbstverantwortung – und ein Pfizer-Impfstoff gegen gesundes Misstrauen. Warum enthalten Kinderriegel Palmöl aus gerodeten Urwäldern? Warum darf ein Joghurt „mit Erdbeeren“ heißen, obwohl die rote Farbe von Läusen stammt und der Erdbeeranteil kleiner ist als der IQ eines Marketing-Teams? Weil man den Vollwertesser nicht zum Schweigen bringen kann, etikettiert man ihn. „Orthorexie“ – das ist das T-Shirt mit dem Aufdruck: „Verrückt, weil informiert“. Iss, was auf den Tisch kommt – oder wir therapieren dich Es ist bemerkenswert: Noch nie war die Auswahl im Supermarkt so groß – und noch nie so künstlich. Ein Regal mit 27 Müslisorten. Alle „natürlich“. Alle in Plastik. Alle mit Aromen, die nur unter Laborbedingungen wachsen. Wer sich beim Einkaufen notgedrungen so anstellt wie ein CIA-Agent auf Spurensuche, gilt als psychisch auffällig - genauso wie der Maskenmuffel, der PCR-Testphobiker, der Impfverweigerer zu Coronoia-Zeiten. Weil er keine Farbstoffe essen will, die unter Krebsverdacht stehen. Weil er keine Tiefkühlpizza kauft, die 67 Zutaten hat, aber keinen echten Käse. Weil er nicht glaubt, dass ein „Clean Label“ die Welt rettet, wenn der Inhalt aussieht wie ein Chemieabfall mit Tomatensoße. Man nennt ihn „extrem“ – dabei isst er doch nur das, was auch bei Oma auf den Tisch gekommen wäre. Orthorexie ist der einzige Krankheitszustand, den man durch das Lesen von Zutatenlisten erwerben kann. Man liest einmal zu oft „Natriumglutamat“. Man googelt „Carrageen“. Man hinterfragt, warum in Babynahrung Pestizidrückstände erlaubt sind – aber keine Fragen dazu. Und schon sitzt man im Wartezimmer des Psychiaters. Es beginnt mit Bioeiern. Dann kommt der Verzicht auf Aspartam. Dann glutenfreies Brot. Und ehe man sich versieht, hockt man im Stuhlkreis einer Selbsthilfegruppe: „Anonyme Zutatenleser – Hilfe für Betroffene und ihre Angehörigen.“ Lauter Essensnostalgiker mit Realitätsverdrängung. Zur „Behandlung“ schlägt das Deutsche Ärzteblatt vor: „Psychoedukation mit Ernährungsberatung, kognitive Umstrukturierung oder Reizkonfrontation, um die Angst vor vermeintlich ungesunden Nahrungsmitteln abzubauen.” Industrie schützt sich selbst – mit einer Diagnose wie bestellt Ist es nicht grundlegendes Menschenrecht, frei zu entscheiden, was man sich einflößt und meidet? Doch im Namen einer prostituierten „Wissenschaft“ wird heute jeder zum Risiko, der beim Essen denkt, bevor er kaut. Eine Medizin, die Orthorexie zur behandlungsbedürftigen Störung erklärt, schützt nicht den Patienten – sondern das Produkt. Denn wenn man die berechtigte Sorge vor Weichmachern, Nitrat, Schwermetallen oder ultrahocherhitzten Transfetten als „krankhaft“ einstuft, muss man sich mit deren Ursachen nicht befassen. Die neue Normalität: Paniermehl mit Mikroplastik und Schmelzkäse mit Leberwert-Trigger. Fast alles ist aromatisiert, extrudiert, raffiniert, homogenisiert, stabilisiert, sterilisiert – und marketingtechnisch optimiert. Was aussieht wie Essen, ist oft nur Simulation: die trügerische Oberfläche einer geschmacklich rekonstruierten Illusion. Und wer sich dieser Matrix entziehen will, wird krankgeschrieben. Die Diagnose: Orthorexie. Das Rezept: Mehr Vertrauen in Nestlé, Bayer, Danone & Co. – und eine Flasche Cola Light zur Beruhigung. Ironie der Therapie: „Essen Sie doch einfach wieder normal.“ Die Therapien gegen Orthorexie bestehen darin, wieder zu lernen, bedenkenfrei „ganz normal“ zu essen. Wieder Fleisch aus Massentierhaltung. Wieder Chips mit Palmöl, Dosenravioli mit Aluminium und antibiotika-optimierte Brathähnchen. Wieder E110-kanzerogenisierter Aperol Spritz, Süßkram mit allergenem E124, Natriumnitrit-gepökelte Wurst, Fertigsuppe mit entzündungsfördernder Carboxymethylcellulose. Wieder Frühstückscerealien mit mehr Zucker als ein Gummibärchenlager in Not. „Wiedereingliederung in die Normalität“ soll dabei stattfinden. Und wehe, man sagt: „Aber ich fühl mich besser ohne diese Sachen.“ Dann heißt es: „Klassisches Abwehrverhalten – typisch für Orthorektiker.“ Fazit: Orthorexie ist das, was passiert, wenn der Konsument zurückbeißt. Wenn der Körper mehr will als E-Nummern und versteckten Zucker. Wenn der Geist sich nicht zufrieden gibt mit: „Alles legal, alles geprüft, alles sicher – sonst wär’s doch verboten!“ Wenn er den Grenzwert-Schwindel durchschaut. Was nun? KLARTEXT fordert: • die Abschaffung der Diagnose „Orthorexie“ – oder zumindest ihre Umbenennung in „Realitätswahrnehmungssyndrom“ • verpflichtende Etiketten mit dem Aufdruck: „Dieses Produkt könnte Ihren Glauben an die Unbedenklichkeit industrieller Lebensmittel erschüttern“ • und vor allem: ein Zertifikat für alle, die es trotz E-Stoffen, Phosphaten, Glyphosat und Aromen überhaupt noch schaffen, sich gesund zu ernähren – das ist immerhin ein Kraftakt. Fast schon olympisch. Wer sich das heutzutage noch traut und beharrlich durchhält, der hat kein psychisches Problem – sondern Rückgrat, Mut, Grips und gute Gründe. Orthorexie ist keine Krankheit. Es ist der gesunde Reflex eines Körpers, der sich weigert, zum Behälter für Sondermüll zu werden. Nein, „es ist kein Anzeichen von seelischer Gesundheit, an eine zutiefst gestörte Gesellschaft angepasst zu sein”. Lehrte Jiddu Krishnamurti (1895–1986), indischer Philosoph und spiritueller Lehrer. (3) Der bevorzugte übrigens zeitlebens einfache, natürliche, frische Speisen. “ The body must be sensitive, alert – not made dull by what we eat “, so lehrte er: „Der Körper muss sensibel und wach sein – nicht abgestumpft durch das, was wir essen.“ (4) Als Influencer für Nestlé & Co. wäre so jemand eher ungeeignet. Zu polemisch? Polemik ist bisweilen die letzte Zuflucht der Klarheit und Wahrhaftigkeit in einer Welt, die lieber im Nebel von Konsens verrottet, als sich erschütternden Fakten zu stellen. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1) So werden Orthorektiker vom österreichischen Medizinportal „ Gesundheit.gv.at definiert: https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/psyche/essstoerungen/orthorexie.html (2) Zit. nach https://www.t-online.de/gesundheit/ernaehrung/id_100665096/orthorexie-gesundes-essen-kann-auch-krank-machen.html (3) Krishnamurti Foundation Trust: Commentaries on Living https://store.kfoundation.org/books/books-by-j-krishnamurti/books/commentaries-on-living-series-iii , Series 3 (1960). (4) Aus Der Flug des Adlers , Originaltitel: The Flight of the Eagle , 1971.
- Enden wir als Plastik-Idioten?
Mikroplastik ist überall, auch in uns. Schlimmer noch: Die winzigen Kunststoffteilchen reichern sich vorzugsweise im Gehirn an. Was richten sie dort an? Jüngste Studien lassen das Schlimmste befürchten: Das Teufelszeug macht dement. Was tun? Zunächst denkt man: Das kann doch nur ein Tippfehler sein. Nein? Dann muss sich jemand arg verrechnet haben. Aber es stimmt, unfassbarerweise: Inzwischen nimmt jeder Mensch weltweit im Durchschnitt bis zu 5,5 Gramm Mikroplastik pro Woche zu sich – er atmet sie ein, er verschluckt sie mit Lebensmitteln. FÜNFKOMMAFÜNF! GRAMM! Das entspricht dem Gewicht einer Kreditkarte. Zu diesem Horrorbefund kommt eine australische Forschergruppe der Universität von Newcastle, nachdem sie 59 hochwertige Studien zur menschlichen Aufnahme von Mikroplastik auswertete: von Kunststoffteilchen, die kleiner als fünf Millimeter sind. (1) In Wahrheit liegt die pro Person aufgenommene Plastikmenge womöglich noch höher. Denn in die Auswertung floss lediglich eine kleine Auswahl von Nahrungsmitteln ein, für die schon einigermaßen verlässliche Forschungsergebnisse vorliegen: wie Wasser, Muscheln, Fisch, Salz, Bier, Honig und Zucker. Die tatsächliche Grammzahl könnte sogar noch höher liegen, weil aktuelle Studien nur etwa 15% der täglichen Kalorienzufuhr abdecken. “Würden weitere mögliche Quellen wie Reis, Nudeln, Brot, Milch, Geschirr, Besteck, Zahnpasta, Zahnbürsten, Lebensmittelverpackungen mitberücksichtigt, so wäre die aufgenommene Partikelmasse noch größer”, befürchten die Wissenschaftler. Wichtige Lebensmittelgruppen wie Fleisch, Getreide und Gemüse berücksichtigen die Berechnungen noch nicht. Ein Planet voller “Plastic People” 5,5 Gramm pro Woche ergeben 286 Gramm pro Jahr. Im Laufe von durchschnittlich 80 Lebensjahren würden sie sich zu rund 23 Kilogramm aufsummieren. Bezogen auf das durchschnittliche Körpergewicht von Erwachsenen bedeutet das: Zu einem Viertel bis einem Drittel besteht man gegen Ende seines Lebens aus Kunststoff – und diese Befürchtung mutet völlig absurd an, geradezu irre. Einen eher schwachen Trost bietet die Forschergruppe mit zwei alternativen Szenarien, denen zufolge die wöchentliche Mikroplastikaufnahme “nur” bei 0,1 oder 0,3 Gramm liegen könnte. Denn wie viele Kunststoffpartikel sich ein Mensch zeitlebens einverleibt, hängt vom geografischem Standort, der Wohnlage, Inneneinrichtung, Ernährungsgewohnheiten und anderen Faktoren ab. Besonders viele geraten in seinen Körper, wenn sich sein Zuhause an einer Hauptverkehrsstraße oder neben einem Sportplatz mit Plastikbelag befindet: Der Abrieb von Autoreifen sowie von Kunstrasen zählt nämlich zu den Hauptquellen der Verseuchung. Im Zentrum einer Großstadt wie Paris liegt der Mikroplastik-Fallout aus der Luft bei 355 Partikeln pro Quadratmeter, in Außenbezirken bloß bei zwei. (2) Wer sein Zuhause mit Kunststoffteppichen auslegt, Synthetikwäsche trägt und selten lüftet, reichert seine Atemluft verstärkt mit Mikroplastik an. Aber selbst wer pro Woche bloß ein Zehntel Gramm von dem Zeug aufnimmt, läge nach 80 Lebensjahren bei 416 Gramm, knapp einem Pfund Kunststoff. Wie viele Partikel sammeln sich im Laufe der Zeit in uns an? Ein Forscherteam um Kieran Cox von der University of Victoria in Kanada schätzt, dass pro Jahr durch Nahrung und Atmung 74.000 bis 121.000 Kunststoffteilchen in uns hineingeraten; hinzu kommen 90.000 Partikel, falls wir ausschließlich Flaschenwasser trinken. (3) Eine andere Studie geht von 39.000 bis 193.000 Partikeln pro Jahr aus. (4) Aus rund 200.000 Teilchen pro Jahr würden im Laufe von 80 Lebensjahren 16 Millionen. SECHZEHN MILLIONEN biologisch nicht abbaubare Fremdkörper in uns - unfassbar. Zügig ausgeschieden? Könnte es nicht sein, dass unser Körper solche Teilchen, da biologisch unverwertbar, weitestgehend wieder ausscheidet, sei es über Leber, Nieren, Darm, Haut oder die Atmung – wie ihm das auch mit anderen Schadstoffen mehr oder minder zügig gelingt? Von den berüchtigten “Ewigkeitschemikalien” beispielsweise - den PFAS aus Kosmetika, Textilien, Lebensmittelverpackungen -, werden wir zumindest die kurzkettigen innerhalb weniger Tage und Wochen los. Bei aufgenommenem Aluminium liegt die Ausscheidungsrate zwischen 95 und 99 %. Tatsächlich lässt sich Mikroplastik in unserem Urin und Kot nachweisen. (5) Eine österreichische Studie fand bei acht erwachsenen Versuchspersonen aus mehreren Kontinenten pro zehn Gramm Darminhalt 20 Partikel von neun verschiedenen Kunststoffarten, 50 bis 500 Mikrometer klein. (6) Deshalb beeilten sich industrienahe Experten, Entwarnung zu geben: Offenbar scheiden wir das Zeug unverdaut wieder aus, ähnlich wie Ballaststoffe, Samenschalen und Fruchtkerne. Dass Mikroplastik in unseren Exkrementen auftaucht, bedeutet freilich keineswegs, dass es nicht auch woanders steckt. Und das tut es leider, wie uns immer mehr Studien beängstigend klar vor Augen führen. Demnach verbleiben bloß größere Plastikpartikel über 10 µm (1 Mikrometer = 1 Millionstel Meter = 0,000001 m) nicht im Körper. Doch wie steht es mit kleineren Teilchen, insbesondere mit Nanoplastik? Sie bestehen bloß aus wenigen bis einigen tausend Atomen oder Molekülen; das meiste tummelt sich im Nanometerbereich, zwischen 1 und 100 Nanometer (nm). (Ein Nanometer ist der millionste Teil eines Millimeters. Zum Vergleich: Der Durchmesser eines menschlichen Haares beträgt circa 80.000 Nanometer. Viren sind 30 bis 50 Nanometer groß. Ein DNS-Strang hat einen Durchmesser von etwa 2,5 Nanometern, ein Proteinmolekül misst rund 5 Nanometer, während ein rotes Blutkörperchen etwa 7.000 Nanometer groß ist. Eine Nadelspitze hat da schon gigantische Ausmaße: Sie misst 1 Million Nanometer. In den i-Punkt in einer Zeitungsmeldung passen mehr als eine Million Nanoplastikteilchen.) Ausgeschieden werden solche synthetischen Winzlinge nur teilweise: sei es über den Stuhl und den Urin, sei es dadurch, dass der Körper sie in der Lunge abfängt, indem er Speichel produziert, mit dem er sie auswirft. Doch der Rest – vorsichtige Schätzungen schwanken zwischen 0,1 und 1 % -, überwindet die natürlichen Schutzbarrieren unseres Körpers – und verbleibt in uns. Nanopartikel, die wir einatmen, durchdringen die extrem dünnen Wände der Lungenbläschen und treten ins Blut über. Immunzellen nehmen sie auf und transportieren sie über die Lymphbahnen in den Blutkreislauf. Nanopartikel, die wir mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln aufnehmen, durchdringen die Darmschleimhaut. Einmal in die Blutbahn gelangt, filtern Leber, Milz, Nieren sie bloß teilweise. Die übrigen wandern zu allen Organen und Geweben unseres Körpers – und nisten sich darin ein. Auch die Blut-Hirn-Schranke überwinden sie ohne weiteres, binnen Stunden . Besonders hoch ist ihre Konzentration in der grauen Substanz unter unserer Schädeldecke. Und sie wächst. Im Gehirn verstorbener Menschen, die 2024 untersucht wurden, fand sich mittels Infrarot- und Elektronenmikroskopie deutlich mehr Nano- und Mikroplastik als in Proben von 2016 – und bis zu 30-mal mehr als in Leber oder Niere, wie eine US-Forschergruppe um Matthew Campen von der University of New Mexico im Fachjournal Nature Medicine berichtet . Bei der Leber stieg die mittlere Konzentration binnen acht Jahren von 141,9 auf 465,3 Mikrogramm pro Gramm Gewebe, beim Gehirn von 3.420 auf 4.763 Mikrogramm pro Gramm. Am häufigsten ließ sich Polyethylen nachweisen, das in Folien und Flaschen steckt. Es machte 40 bis 65 Prozent des Kunststoffs in Leber und Niere aus, im Gehirn sogar 75 Prozent. Sieben Gramm Plastik im Hirn Wird das Gehirn die Eindringlinge im Laufe der Zeit irgendwie wieder los? Eine weitere Forschungsarbeit von Campens Team, veröffentlicht am 3. Februar 2025 in Nature Medicine, enttäuscht Hoffnungen: Das Zeug akkumuliert gnadenlos. Innerhalb von nur acht Jahren hat die Mikroplastikkonzentration in unserem Denkorgan um 50 % zugenommen. Das durchschnittliche menschliche Gehirn beherbergt heutzutage etwa sieben Gramm mikroskopisch kleine Plastikteilchen – so viel wiegen sieben Büroklammern. (7) Als auffallend hoch belastet erwiesen sich zwölf Gehirnproben aus den Jahren 2019 bis 2024, die von Menschen mit nachgewiesener Demenz stammten: Sie enthielten zwischen 12.000 und 48.000 Mikrogramm Plastik pro Gramm Gewebe – vier bis zehn Mal mehr als bei Nichtbetroffenen. "Diese Daten sind assoziativ und belegen nicht die kausale Rolle solcher Partikel bei der gesundheitlichen Beeinträchtigung", so schränkt die Forschergruppe ein. Trotzdem bedarf der Zusammenhang dringend einer Erklärung. Er lässt Schlimmes befürchten. Ein Forscherteam von der Chinese Research Academy of Environmental Sciences in Peking schürt die Besorgnis. Kürzlich präsentierte es Beobachtungen aus Laborversuchen, die darauf hindeuten: Mikroplastik kann Blutgefäße im Gehirn von Mäusen verstopfen. Damit gefüttert, bewegten sich die Tiere langsamer, orientierten sich schlechter und seien weniger ausdauernd, so heißt es in der Studie . Wie sich das über Wasser und Nahrung aufgenommene Mikroplastik auf das Verhalten von Säugetieren auswirkt, hatten zuvor schon Forscher der University of Rhode Island untersucht . Dafür versetzten sie das Trinkwasser von jungen und alten Mäusen drei Wochen lang mit 0,1 bis 0,2 Mikrometer kleinen Mikroplastikpartikeln, dosiert zwischen 0,0025 bis 0,125 Milligramm pro Liter. Eine Kontrollgruppe erhielt weiterhin reines Wasser. Nach Ablauf der drei Wochen ließen die Wissenschaftler die Mäuse zunächst verschiedene Verhaltenstests durchlaufen. Das Ergebnis: Jene Tiere, die mit ihrem Trinkwasser Plastikpartikel aufgenommen hatten, verhielten sich schon nach kurzer Zeit anders als die Kontrollmäuse. „Dass solche nicht sonderlich hohen Dosen an Mikroplastik schon nach so kurzer Zeit derartige Veränderungen bewirken können, war erstaunlich“, erklärt Mitautor Jaime Ross. Vor allem die älteren dem Mikroplastik ausgesetzten Tiere liefen deutlich mehr umher und richteten sich dabei immer wieder auf, so als würden sie sich orientieren wollen oder etwas suchen. Alles in allem erinnerten diese Verhaltensweisen die Wissenschaftler an Demenzkranke. Gewiss, unsereins ist keine zweibeinige Riesenmaus. Wegen Unterschieden im Gehirnaufbau seien die Befunde nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragbar, so stellen die Pekinger Studienautoren in der Fachzeitschrift Science Advances klar. Doch irrelevant sind die Ergebnisse ebensowenig. Sie schüren einen schrecklichen Verdacht. Wie Mikroplastik unserem Denkorgan zusetzt Wie stellen es Mikroplastikpartikel an, das Gehirn zu schädigen? Dies tun sie auf vielerlei Weise: 1. Nanoplastik durchdringt nicht nur mühelos die Blut-Hirn-Schranke – es kann sie beeinträchtigen, was sie für weitere Schadstoffe durchlässiger macht. Wie Studien belegen, transportieren winzige Kunststoffteilchen andere Toxine ins Gehirn – sozusagen als „Trojanisches Pferd“. An sie angedockt fanden Wissenschaftler Schwermetalle wie Blei, Cadmium, Chrom, Arsen, Zink, Quecksilber, Nickel, aber Pestizide, Weichmacher, Spuren von Brandschutzmitteln, Abrieb von Anstrichen. 2. Bestimmte Immunzellen – Neutrophilen und Makrophagen („Fresszellen“), zwei Arten von weißen Blutkörperchen – stürzen sich auf sie und umschließen sie, um sie abzubauen. Dabei schwellen sie an. Diese sperrigen Zellen können feine Äderchen verstopfen, was zu einer verminderten Durchblutung führen und neurologische Defizite verursachen kann. (8) 3. Erkennt das Immunsystem Plastikteilchen als Fremdkörper, kann es mit Entzündungen reagieren. Chronische Entzündungen im Gehirn sind mit neurodegenerativen Erkrankungen verbunden. 4. Im Darm begünstigt Mikroplastik schädliche Bakterien, was zu einer sogenanten Dysbiose führt: die Zusammensetzung der Darmflora verändert sich, mit drei möglichen Folgen: - Eine Dysbiose kann das Immunsystem überaktivieren und Entzündungen fördern. Freigesetzte Entzündungsstoffe, z.B. Zytokine, können ins Gehirn gelangen und dort neuroinflammatorisch wirken. - Die Darmbarriere wird geschwächt, so dass Bakterienbestandteile wie beispielsweise Lipopolysaccharide ins Blut gelangen. Auch diese Giftstoffe können die Blut-Hirn-Schranke durchlässiger machen, was Entzündungen und neuronale Schäden im Gehirn begünstigt. - Eine ungesunde Darmflora verändert die Signale des Vagusnervs, der neuronalen Hauptverbindung zwischen Darm und Gehirn. Dies kann Stressreaktionen, Angst oder depressive Verstimmungen verstärken. - Viele Darmbakterien produzieren Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin und GABA, die für Stimmung, Motivation und Entspannung wichtig sind. Eine gestörte Darmflora kann die Produktion dieser Botenstoffe verringern. 5. Nanoplastik kurbelt die Produktion von freien Radikalen an: hochreaktiven Molekülen, die ein oder mehrere ungepaarte Elektronen besitzen. Aufgrund dieses Mangels versuchen sie, Elektronen von anderen Molekülen zu stehlen – was diese wiederum in freie Radikale verwandelt, wenn der Diebstahl gelingt. Dieser verhängnisvollen Kettenreaktion wirken Antioxidantien wie Vitamin C und E, Glutathion, Coenzym Q10 und Selen entgegen: Sie neutralisieren freie Radikale, indem sie ihnen Elektronen abgeben, ohne selbst instabil zu werden. Bilden sich aber zuviele freie Radikale entsteht ein Ungleichgewicht zu Antioxidantien: oxidativer Stress. Dies kann Zellmembranen, Proteine, Mitochondrien und DNA schädigen, was die Funktion der Nervenzelle beeinträchtigt. Schlimmstenfalls führt es zum Zelltod. 6. Nanoplastikteilchen können aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften Nervenzellen auch direkt schädigen . Oftmals weisen sie scharfe Kanten oder unregelmäßige Formen auf, welche Zellmembranen verletzen und durchbrechen. 7. Nanoplastik lagert sich in den Mikrogliazellen ab, die als Abwehrzellen des Gehirns fungieren. Dies führt zu vermindertem Zellwachstum und verlangsamter Zellteilung; die Zellmorphologie verändert sich; verstärkt werden Entzündungsbotenstoffe produziert. Unter den Mikrogliazellen kommt es vermehrt zur Apoptose: zellulärem Selbstmord. (9) 8. Nanoplastik kann in die Zellmembran geraten, wo es Calcium-, Kalium- oder Natriumkanäle blockiert. Dies kann die elektrische Erregbarkeit der Nervenzelle beeinflussen, die Signalweiterleitung beeinträchtigen und neuronale Netzwerke stören. 9. Aufgrund ihrer Oberflächenladung können Nanoplastikpartikel mit Zellrezeptoren wechselwirken oder diese falsch aktivieren, was zu Fehlsignalen führt. 10. Ein Prozess namens „Endozytose“ ermöglicht es Nanoplastikpartikeln, die Zellbarriere zu überwinden : Abgeschnürte Bläschen der Zellmembran transportieren sie ins Zellinnere, wo sie jegliche Strukturen und Abläufe beeinträchtigen können. 11. In der Zelle manipuliert Nanoplastik das Zytoskelett: ein Gerüst aus Fasern, das für die Form der Zellen und ihre Bewegung, für Materialtransport, Zellteilung und Zelldifferenzierung verantwortlich ist. Dabei wird die Zelle flexibler und beweglicher – einschließlich Krebszellen. 12. Nanoplastik ist winzig genug, sich sogar Zugang zum Zellkern zu verschaffen. Dort kann es die DNA der Nervenzelle schädigen, was zu genetischen Veränderungen und Zellfehlfunktionen führen kann. 13. Wenn Nanoplastik in Mitochondrien eindringt, kann es die Energieproduktion – die ATP-Synthese - hemmen, was die Zellfunktion schwächt. 14. Auch das endoplasmatische Retikulum ist bedroht: eine spezialisierte Zellstruktur, die an der Protein- und Lipidsynthese wesentlich mitwirkt. Sie besteht aus einem weit verzweigten Membransystem, das mit der Kernhülle verbunden ist und das Zellplasma durchzieht. Nimmt es Schaden, so könnten Proteine fehlerhaft gefaltet werden. Denn die richtige Faltung – eine besondere dreidimensionale Struktur - ist entscheidend, damit ein Protein seine Aufgaben erfüllen kann. Ist sie fehlerhaft, so kommt es zu F unktionsverlusten, toxischen Ablagerungen und zellulärem Stress. 15. Im Gehirn bindet Nanoplastik an das Protein Alpha-Synuclein und stört dessen normalen Abbau. Dies fördert die Bildung von Fibrillen: toxischen Proteinverklumpungen, die charakteristisch für neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson sind. (10) 16. Zumindest im Tierversuch führt Nanoplastik im Hirn zu einer Abnahme des GFAP-Markers: eines Proteins, das für die Struktur und Stabilität bestimmter Gliazellen im zentralen Nervensystem wichtig ist. Es ist an der Reparatur von Nervenschäden beteiligt, trägt zur Blut-Hirn-Schranke bei und beeinflusst neuronale Funktionen. Ein gesunkener GFAP-Wert wird mit Depressionen und frühen Stadien neurodegenerativer Erkrankungen in Verbindung gebracht. 17. Wenn Nanoplastik in Synapsen eingreift, stört es die Freisetzung oder Wiederaufnahme von Neurotransmittern wie Dopamin, Serotonin oder Glutamat. Darüber hinaus könnte es bereits die Bildung von Synapsen sabotieren, was die neuronale Kommunikation stört. 18. Nanoplastikpartikel beeinträchtigen die Funktion der Lysosomen. Diese Zellorganellen enthalten Verdauungsenzyme, mit denen sie normalerweise überschüssiges Biomaterial abbauen und „recyceln“ es, d.h. sie sorgen dafür, dass es wieder zellulär aufgearbeitet wird. Funktioniert diese »Müllabfuhr« nicht richtig, so sammeln sich schädliche Stoffe in der Nervenzelle an. 19. Durch Mikroplastik ausgelöste Entzündungen im Gehirn können die Funktion des Hypothalamus und der Hypophyse beeinträchtigen, welche an der Produktion von TRH (Thyreotropin-Releasing-Hormon) bzw. von TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) beteiligt sind. Dies kann die Produktion von Schilddrüsenhormonen fehlregulieren. 20. Am gefährdetsten sind Kinder. Ihr zentrales Nervensystem ist noch nicht vollständig ausgereift, die Blut-Hirn-Schranke ist durchlässiger als bei Erwachsenen. In ihrem Gehirn kann Nanoplastik die Bildung von Neuronen und Synapsen beeinträchtigen - mit langfristigen Auswirkungen auf Körper, Geist und Seele. Unter diesen unentwegten Mikro-Anschlägen auf unsere körperliche Unversehrtheit dürfte schon jeder einzelne uns auf Dauer schlecht bekommen. Fänden tatsächlich alle 20 statt, könnten sie auf einen medizinischen Super-GAU hinauslaufen. Katastrophale Folgen Die Folgen einer Plastikverseuchung unseres Gehirns sind fatal. Wenn Nervenzellen absterben, erhöht sich das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen. Kognitive Funktionen verschlechtern sich, Lernen, Gedächtnis und Konzentrationsfähigkeit lassen nach. Angstzustände, Depressionen oder veränderte Schlafmuster können auftreten. Falls motorische Nervenzellen betroffen sind – etwa im Bereich der Substantia nigra -, kann es zu Bewegungsstörungen oder Koordinationsproblemen kommen. Das Risiko für Alzheimer oder Parkinson steigt . Befällt Mikroplastik sensorische Nervenzellen, kann es Wahrnehmungsstörungen hervorrufen: etwa verändertes Schmerzempfinden, Taubheitsgefühle und andere Fehlfunktionen der Sinnesorgane Augen, Ohren, Nase, Zunge und Haut. Krebszellen werden “wanderlustiger”, was Metastasen fördert. (11) Eine verringerte Produktion von Neurotransmittern erhöht das Risiko für Stimmungsschwankungen, Depressionen, Angst und Schlafstörungen. Von Mikroplastik befeuerte Entzündungen können Krankheiten wie Diabetes und Rheuma nach sich ziehen. Verstopfte Arterien erhöhen die Gefahr von Schlaganfällen und Herzinfarkten. Schilddrüsenhormone sind entscheidend für die Gehirnentwicklung im frühen Kindesalter – eine Störung kann zu kognitiven Defiziten führen. "Wenn Plastik wirklich so toxisch wäre, dann wären wir, glaube ich, aufgrund unserer allgemeinen Plastik-Exposition alle miteinander nicht mehr da”, versucht uns Verena Kopatz zu beruhigen , eine Biotechnologin von der Medizinischen Universität Wien. Schwach, dieser Trost: Nicht jedes Gift bringt seine Opfer so schlagartig um wie Cyanid, Sarin oder Strychnin. Manche tun es schleichend binnen Jahrzehnten, wie allzu viele Kettenraucher leidvoll erfahren müssen. Auch eine Frau Kopatz wird womöglich viel früher “nicht mehr da” sein als gedacht, körperlich oder geistig – selbst wenn sie vorher, bei ziemlich wachem Verstand, noch etliche Geburtstage feiern kann. Wehrlos ausgeliefert? Sind wir der Bedrohung wehrlos ausgeliefert, erst recht die Generationen nach uns? Werden wir das Zeug jemals wieder los? Oder enden wir als Plastik-Idioten? Der menschliche Organismus verfügt über großartige Fähigkeiten, eingedrungene Schadstoffe loszuwerden. Doch Kunststoffwinzlinge überfordern ihn offenbar – zumindest wenn sie bereits ins Gehirn eingedrungen sind. Kann Medizin nachhelfen? Im Internet kursieren heiße Tipps wie ein „Anti-Plastik-Tee“ aus Königskerzen- und Olivenblättern, Zitronenmelisse und den Samen des Bockshornklees. Beweise, dass somit ein Hirn-Detox gelingt, stehen freilich aus. Derzeit gibt es keine einzige bekannte Methode, um Plastikpartikel, die bereits ins Gehirn gelangt sind, zu entfernen. Keine . Kontaminiert sind wir alle. Und wir werden es bleiben, bis ans Lebensende. Folglich kann es nur darum gehen, die weitere Aufnahme von Mikro- und Nanoplastik künftig zu verringern – und gleichzeitig ein möglichst gesundes Leben zu führen, das verhindert, dass andere Risikofaktoren wie schlechte Ernährung und zuwenig Bewegung den Schaden noch vergrößern. Wie vermeiden wir es, Mikroplastik aufzunehmen? Damit möglichst wenig Mikroplastik in uns hineingerät, sollten wir im Alltag Naturprodukte statt Plastik wählen - z.B. Zahnbürsten aus Bambus oder Holz, Getränkeflaschen aus Glas und Stofftaschen statt Plastiktüten bevorzugen , Plastikverpackungen meiden. Auf Putz- und Spültücher aus Mikrofaser sollten wir verzichten – wie auch auf Kosmetika mit Polyethylen, weil diese häufig Mikroplastik enthalten. Textilien aus Naturmaterialien wie Baumwolle oder Wolle sollten wir bevorzugen, um die Freisetzung von Mikroplastik zu vermeiden – und Kleidung aus Synthetikfasern möglichst selten waschen. Auch beim Selbstschutz steckt der Teufel allerdings im Detail. Wer sich beispielsweise Tee, das weltweit am zweithäufigsten konsumierte Getränk nach Wasser, nicht mit Blättern zubereitet, sondern handelsübliche Teebeutel in heißes Wasser eintaucht und umrührt, flößt sich reichlich Nylon, Polypropylen oder Zellulose ein, aus dem die Hüllen bestehen: Wie eine im November 2024 in der Fachzeitschrift Chemosphere erschienene Studie ergab, setzt jeder einzelne bei Brühtemperatur aufgegossene Teebeutel aus Kunststoff etwa 11,6 Milliarden Mikroplastikteilchen und 3,1 Milliarden Nanoplastikpartikel frei . Wer die empfohlenen 1,5 bis zwei Liter Wasser pro Tag aus Plastikflaschen trinkt, nimmt einer Studie zufolge allein auf diese Weise rund 90.000 Mikroplastikpartikel pro Jahr zu sich. Wer stattdessen zu Leitungswasser greift, kann die aufgenommene Menge um 50.000 verringern . Hochwertige Filter , die auf dem Prinzip der Umkehrosmose oder des Ionenaustauschs beruhen, sind imstande, Trinkwasser auch von Mikroplastik weitgehend zu befreien . Wie lässt sich die Luft von Nanoplastikpartikeln reinigen? Sogenannte HEPA-Filter ( H igh E fficiency P articulate A bsorbing ), bestehend aus einem dichten Netz aus Glasfasern, können Partikel bis zu einer Größe von 0,3 Mikrometern einfangen, mit einer beachtlichen Effizienz von 99,97%. (Mikroplastikpartikel liegen oft im Bereich von 0,1 bis 1 Mikrometer.) 50 bis 190 Euro kosten solche Geräte. Geforscht wird neuerdings an speziellen Mikroplastik-Luftfiltern , die Nanomaterialien oder besondere Membranen verwenden. Die wahrscheinlichste Apokalypse Es gehört reichlich Optimismus dazu, diesen Maßnahmen zuzutrauen, dass sie uns vor geistigem Rückschritt zuverlässig bewahren. Weil Plastikpartikel im Gehirn akkumulieren, nimmt die Belastung vielmehr Tag für Tag weiter zu. Zudem setzt längst nicht nur Mikroplastik unserem Gehirn zu. Auch Feinstaub, Schwermetallteilchen, Abgase aus Verbrennungsmotoren, Chemikalien wie PFAS, Pestizidrückstände, künstliche Lebensmittelzusätze, Ingredienzen von Arzneimitteln und Impfstoffen attackieren es unentwegt, nachdem sie die Blut-Hirn-Schranke locker überwunden haben. Die wahrscheinlichste Apokalypse beschert der Menschheit womöglich nicht ein Atomkrieg oder eine Pandemie, ein Asteroideneinschlag oder eine Invasion Außerirdischer – sondern kollektive Selbstvergiftung. Nicht jeder findet das uneingeschränkt beklagenswert. Der Medizinindustrie beschert das Plastik-Zeitalter schließlich ein fabelhaftes Langzeit-Konjunkturprogramm. Auch mancher Politiker, nach dessen Geschmack gar nicht genug soziale Kontrolle stattfinden kann, mag noch so trüben Aussichten womöglich Tröstliches abgewinnen: Milliarden neurodegenerierter Schwachköpfe, die dement vor sich hindämmernd Plastikhirne herumtragen, dürften ziemlich pflegeleicht zu regieren sein. Aber vielleicht freuen sich Kontrollfreaks zu früh: Wird es nicht auch in ihrem Oberstübchen von verblödenden Kunststoffwinzlingen wimmeln? (P.S.: Legt der tägliche Irrsinn der Nachrichtenlage nicht nahe, dass dies schon längst der Fall ist?) Wie klarkommen mit Unvermeidlichem? Als allen Passagieren klargeworden war, dass die Titanic sinken wird und zuwenig Rettungsboote bereitstehen, jammerten und weinten die einen, beteten, starrten apathisch vor sich hin, brachten sich voller Verzweiflung um – andere tanzten einfach weiter. Wie umgehen mit einer zukünftigen, anscheinend unabwendbaren Katastrophe? Für Philosophen war diese Frage immer schon ein zentrales Thema. Im Laufe von über zwei Jahrtausenden vertraten sie verschiedenerlei Ansätze, die letztlich auf einen Rat hinauslaufen: Betrachte die Katastrophe nicht als sinnlose Zerstörung, sondern als Herausforderung, deinen eigenen Umgang damit bewusst zu gestalten. Stoiker wie Seneca, Epiktet und Marc Aurel rieten dazu, sich auf das zu konzentrieren, was in unserer Macht liegt. Das Unvermeidliche sollten wir rational verstehen und mit Gelassenheit hinnehmen, statt uns von Emotionen überwältigen zu lassen. Ihre Empfehlung lautete: Akzeptiere die Katastrophe als Teil des natürlichen Laufs der Dinge und konzentriere dich auf deine innere Haltung. Lebe tugendhaft, unabhängig vom äußeren Schicksal. Existenzialisten wie Jean-Paul Sartre und Albert Camus entdeckten Freiheit in der Konfrontation mit dem Unausweichlichen. Sie betonten die Fähigkeit, trotz einer absurden oder düsteren Zukunft erfüllt zu leben: Finde dich mit der Katastrophe ab, aber erschaffe in der verbleibenden Zeit deinen eigenen Sinn. Camus' "Mythos des Sisyphos" führt uns vor Augen: Selbst wenn das Schicksal sinnlos erscheint, kann der Mensch durch seine Haltung Würde bewahren. Ähnlich äußern sich Nihilisten. Nimm hin, was auf dich zukommt, ohne in Verzweiflung zu verfallen. Höre auf, nach einem übergeordneten Sinn oder Zweck zu suchen – es gibt keinen. Zu begreifen, dass angesichts der Katastrophe das Leben bedeutungslos ist, kann erleichtern statt deprimieren. Denn es befreit von der Last, dem Leben einen Sinn geben zu müssen; es hilft, Ängste und Sorgen über die Zukunft loszulassen – und sich auf das Hier und Jetzt zu fokussieren. Pragmatisten wie William James und John Dewey empfehlen: Handle, soweit du kannst. Auch wenn eine Katastrophe bevorsteht, kann praktisches Tun einen Unterschied machen – sei es für andere oder für das eigene Erleben. Suche nach konkreten Wegen, um das Beste aus der fatalen Situation zu machen. Der Buddhismus sieht in jedem noch so schrecklichen Unheil einen Teil des natürlichen Kreislaufs von Entstehen und Vergehen. Das gilt es hinzunehmen – nicht wütend oder traurig, sondern gleichmütig. Meditiere über die Vergänglichkeit des Lebens, löse dich von Angst und Leid, finde Frieden im gegenwärtigen Moment. Welcher Weg ist der richtige? Das hängt von der Persönlichkeit und der eigenen Weltanschauung ab. Manche finden Trost in stoischer Gelassenheit, andere schöpfen Kraft aus existenzialistischer Rebellion oder pragmatischem Handeln. In einem Ratschlag sind sich alle Weisen indes einig: Ignoriere und leugne nicht, was auf dich zukommt. Verfalle seinetwegen nicht in Passivität und Resignation. Denke nicht an Flucht durch Suizid – tot wirst du noch früh und lange genug sein. Akzeptiere das Unabwendbare. Und suche aktiv nach Möglichkeiten, nichtsdestotrotz ein erfülltes, verantwortungsvolles Leben zu führen. Konzentriere dich auf seine wichtigsten, wertvollen Aspekte - trotz oder gerade wegen des Wissens um das bevorstehende Unheil. Träte früher oder später tatsächlich ein, was du befürchtest, so würde sich deine gesunde Lebensspanne verkürzen. Welchen Sinn macht es, diesen erfreulicheren Teil deiner Zukunft durch andauernde Katastrophenangst zu belasten, voller Selbstmitleid, das keinen Platz für Liebe und Freude, Entspannung und Genuss mehr lässt? Wäre dies nicht erst recht katastrophal? ( Harald Wiesendanger ) Zum selben Thema siehe die KLARTEXT-Beiträge “ Gruselig: Plastikgift im Hirn ” und “ Mikroplastik in uns: eine Zeitbombe ”. Anmerkungen (1) https://www.newcastle.edu.au/newsroom/featured/plastic-ingestion-by-people-could-be-equating-to-a-credit-card-a-week/how-much-microplastics-are-we-ingesting-estimation-of-the-mass-of-microplastics-ingested ; https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0304389420319944 (2) Rachid Dris u.a.: „Synthetic fibers in atmospheric fallout: A source of microplastics in the environment?“, Marine Pollution Bulletin 104 (1-2) 2016, S. 290-293, https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0025326X16300066 (3) Environmental Science & Technology , 2019; doi: 10.1021/acs.est.9b01517, https://www.semanticscholar.org/paper/Human-Consumption-of-Microplastics.-Cox-Covernton/573d5cdb9f0fb3b91b97203f5337400a2bcef940 ; https://www.focus.de/wissen/natur/wie-viel-mikroplastik-steckt-in-uns_id_10800276.html (4) https://www.mdpi.com/2079-4991/11/2/496 ; https://wasserdreinull.de/blog/mikroplastik-und-die-menschliche-gesundheit/ (5) https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0160412022001258?via%3Dihub#f0005 ; https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/mikroplastik-mensch-1.4181146 (6) Siehe Süddeutsche Zeitung , 24.10.2018: „Plastik im Bauch“. (7) Alexander J.Nihart u.a.: „Bioaccumulation of Microplastics in Decedent Human Brains“. Nature Medicine (2024): 1-11. https://doi.org/10.1038/s41591-024-03453-1 , https://www.nature.com/articles/s41591-024-03453-1 (8) https://www.sciencemediacenter.de/angebote/mausstudie-wie-mikroplastik-das-gehirn-schaedigen-koennte-25012 ; https://www.br.de/nachrichten/wissen/mikroplastik-wandert-ins-gehirn-plastik,UbHIzoj (9) https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0048969721058952 ; https://www.forschung-und-wissen.de/nachrichten/medizin/mikroplastik-toetet-abwehrzellen-des-gehirns-13375567 (10) https://www.wellblue.com/blog/nanoplastik-im-menschlichen-gehirn/ ; https://www.spektrum.de/news/parkinson-durch-plastikmuell/2198302 ; https://doi.org/10.1126/sciadv.adi8716 (11) https://www.scinexx.de/news/medizin/unsere-zellen-vererben-ihr-nanoplastik/ ; https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0045653524003564?via%3Dihub
- Deprimiert? Beweg dich.
Bedarf es teurer, nebenwirkungsreicher Pillen und langwieriger Psychotherapien, um der Volkskrankheit Depression beizukommen? Neuere Studien belegen: Körperliche Bewegung ist zumeist das bessere Antidepressivum – wirksam, gut verträglich, sicher, unschlagbar billig. Mehr als 300.000 Jahre lang galt: Wenn Homo sapiens nicht gerade schläft oder isst, ist er nahezu ständig in Bewegung. Er läuft und geht, er jagt, er kämpft, er klettert, er bückt sich, er gräbt und trägt, er wirft, er hackt und pflügt, er baut und formt mit bloßen Händen. Erst seit dem 20. Jahrhundert verbringt der Mensch den wachen Teil seiner Lebenszeit überwiegend im Sitzen – und benutzt eher Verkehrsmittel als die eigenen Füße, um sich fortzubewegen. Und erst seit dem 20. Jahrhundert sind Depressionen zu einer massenhaften psychischen Störung geworden. Weltweit, so schätzt die WHO, sind inzwischen 5 % aller Erwachsenen davon betroffen - davon 9,5 Millionen allein in Deutschland. Ist dieser zeitliche Zusammenhang reiner Zufall? Keineswegs, wie spätestens seit der Jahrtausendwende selbst jenen Zeitgenossen klargeworden sein müsste, die nichts glauben, was es nicht in einer peer-geprüften Fachzeitschrift nachzulesen gibt. Im Jahr 2000 berichteten US-Mediziner im Journal Psychosomatic Medicine über eine viermonatige Studie mit 156 depressiven Patienten. Per Zufall drei Gruppen zugeteilt, erhielten die einen Sertralin, ein SSRI. (1) Andere folgten Anleitungen zu körperlicher Bewegung. Das restliche Drittel kombinierte beides. Nach 17 Wochen waren die Pillen- und die Bewegungsgruppe in ähnlicher psychischer Verfassung. Doch sechs Monate später waren nur noch 30 % der Patienten in der Bewegungsgruppe depressiv – gegenüber 52 % in der Sertralingruppe. (2) Im Jahr 2012 ergab eine Auswertung von neun hochwertigen Studien: Bei depressiven Senioren wirkt körperliche Bewegung nicht schlechter als SSRIs und Psychotherapien. (3) Diesen Befund bestätigte im darauffolgenden Jahr ein Cochrane-Review für Betroffene aller Altersgruppen. (4) Das beste Antidepressivum: keine Pille, sondern Bewegung Damit nicht genug. Im Jahr 2024 ergab die bislang größte Studie zum Thema: Körperliche Aktivitäten sind Antidepressiva nicht bloß gleichwertig – sondern überlegen, und zwar deutlich. Sie können doppelt so wirksam sein. Dies belegt eine Auswertung von 218 Studien mit insgesamt 14.170 Teilnehmern. Am ausgeprägtesten war der Effekt bei Gehen, Joggen, Yoga und Krafttraining in Gruppen statt einzeln – am besten zwei- bis dreimal pro Woche. Aber auch Schwimmen und Radfahren helfen. Warum ist das so? Körperliche Bewegung hilft gegen Depressionen auf mehreren Ebenen (5): Sie wirkt neurochemisch: Im Gehirn werden Endorphine, Serotonin, Dopamin und Noradrenalin freigesetzt - natürliche Stimmungsaufheller, die depressive Symptome lindern können: Sie sorgen für gute Laune und Wohlbefinden. Sie aktiviert: Wer sich regelmäßig bewegt, ist weniger müde und antriebslos. Körperlich aktiv zu sein, macht depressive Menschen vitaler, wacher und aktiver. Dadurch fällt es ihnen leichter, alltägliche Aufgaben zu bewältigen. Sie verbessert die Neuroplastizität: Sport fördert das Wachstum neuer Nervenzellen im Hippocampus, einer Hirnregion, die bei Depressionen oft verkleinert ist. Dies geht mit einer Minderung klinischer Symptome einher. Sie macht innerlich stärker: Insbesondere Krafttraining führt zu schnellen Erfolgen, die das Selbstkonzept positiv beeinflussen und das Selbstwertgefühl steigern. Sie verbindet: Sportliche Aktivitäten bieten Möglichkeiten, soziale Kontakte zu knüpfen - ein wichtiger Aspekt bei der Bewältigung von Depressionen. Sie verbessert den Schlaf – auch dies wirkt sich positiv auf die Stimmung aus. Sie lenkt ab von negativen Gedanken, durchbricht Grübeltendenzen. Sie baut Stress ab: Bewegung senkt den Cortisolspiegel, wodurch sie die körperliche Stressreaktion verringert. Dies gilt keineswegs nur für leichte Depressionen; auch bei mittelschweren erweist sich Sport, etlichen Studien zufolge, als mindestens ebenso wirksam wie eine Psychotherapie oder Antidepressiva. Und in schweren Fällen? Selbst dann hilft es erheblich, körperlich aktiv zu sein – meistens. Kein Allheilmittel – aber wirksam genug, um Big Pharma nervös zu machen Dass Bewegung kein Allheilmittel darstellt, führen die depressiven Krisen prominenter Sportlern vor Augen: von Japans Tennisstar Naomi Osaka, Schwimm-As Michel Phelps – dem erfolgreichsten Olympionike aller Zeiten – und dem Formel-1-König Lewis Hamilton über die Topfußballer Andres Iniesta und Gianluigi Buffon bis hin zu dem gefeierten US-Basketballer Dennis Rodman. Manche sahen im Freitod den einzigen Ausweg, wie Fußballtorwart Robert Enke 2009. Der enorme Druck, unter dem Spitzensportler in der Hochleistungsgesellschaft stehen, ständig im medialen Rampenlicht, wog bei ihnen offenkundig schwerer als der neurochemische Profit intensiven körperlichen Aktivseins. Solche Ausnahmen ändern freilich nichts daran: Das beste Antidepressivum ist zumeist keine Pille, sondern Bewegung. Für die Pharmaindustrie und ihre Aktionäre sind das höchst deprimierende Nachrichten – sie können nur hoffen, dass sich der geschäftsschädigende Forschungsstand nicht unter allzu vielen Ärzten und Patienten herumspricht, ehe ihn gekaufte Gegenstudien entkräften. Der weltweite Jahresumsatz von Antidepressiva liegt aktuell bei 18 Milliarden US-Dollar, bis Ende dieses Jahrzehnts soll er auf mehr als 37 Milliarden US-Dollar anwachsen. (6) Wo kämen wir hin, wenn Depressive plötzlich massenhaft damit begännen, kostenlos und nebenwirkungsfrei ihren Hintern hochzukriegen, statt sich weiterhin von synthetischen Drogen abhängig machen zu lassen – und deshalb womöglich vorzeitig sterben? (7) ( Harald Wiesendanger ) Mehr zum Thema in Harald Wiesendanger: Teufelszeug. Warum wir von Psychopharmaka fast immer die Finger lassen sollten . Anmerkungen (1) Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, kurz SSRI, sind eine Klasse von Antidepressiva. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Serotonin-Transportproteine im Zentralen Nervensystem blockieren; dadurch erhöht sich die Konzentration von Serotonin in der Gewebsflüssigkeit des Gehirns. (2) M. Babyak u.a.: „Exercise treatment for major depression: maintenance of therapeutic benefit at 10 months“, Psychosomatic Medicine 62/2000, S. 633-638, https://doi.org/10.1097/00006842-200009000-00006 , https://journals.lww.com/bsam/abstract/2000/09000/exercise_treatment_for_major_depression_.6.aspx (3) C. Bridle u.a.: „Effect of exercise on depression severity in older people: systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials“, British Journal of Psychiatry 201/2012, S. 180-185, https://doi.org/10.1192/bjp.bp.111.095174 , https://www.cambridge.org/core/journals/the-british-journal-of-psychiatry/article/effect-of-exercise-on-depression-severity-in-older-people-systematic-review-and-metaanalysis-of-randomised-controlled-trials/C74183D9390FFC542E611A3698B8E39B (4) G. M. Cooney u.a.: „Exercise for depression“, Cochrane Database Systematic Review 9/2013, CD004366, doi:10.1002/14651858.CD004366.pub6 , https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD004366.pub6/full (5) Siehe https://www.viactiv.de/gesundheitswissen/die-wirkung-von-bewegung-auf-die-psyche , https://www.habichtswald-privat-klinik.de/magazin/wie-sport-bei-einer-depression-helfen-kann , https://www.netdoktor.de/news/wie-sport-bei-depressionen-hilft/ , https://www.mdr.de/wissen/medizin-gesundheit/sport-gegen-depressionen-100.html , https://www.klinik-friedenweiler.de/blog/sport-depression-auswirkungen-effekt-therapieformen/ , https://www.netdoktor.de/news/wie-sport-bei-depressionen-hilft/ , https://www.habichtswald-privat-klinik.de/magazin/wie-sport-bei-einer-depression-helfen-kann (6) https://www.mordorintelligence.com/de/industry-reports/antidepressants-market , https://www.researchnester.com/de/reports/antidepressants-market/4469 , https://www.databridgemarketresearch.com/de/reports/global-antidepressants-market (7) 12,6 Millionen Todesfälle in der westlichen Welt seit der Jahrtausendwende gehen auf psychiatrische Drogen zurück; unter den über 65-Jährigen sind es 500.000 pro Jahr. https://www.bmj.com/content/350/bmj.h2435 , https://www.techtimes.com/articles/52727/20150513/expert-warns-antidepressants-and-other-psychiatric-drugs-doing-more-harm-long-term.htm
- Masern-Horror – mal wieder.
In den USA brechen Masern aus, ein ungeimpftes Kind stirbt. Sind daran böse Impfverweigerer schuld? Panik schürend, läuft die „Piks“-Propaganda wieder einmal auf Hochtouren. Welches Schicksal könnte herzzerreißender sein als ein viel zu früher, vermeidbarer Tod? Kaum stirbt irgendwo zwischen Los Angeles und Leipzig ein ungeimpftes Kind an Infektionsfolgen, da verfallen Leitmedien, wie synchronisiert, in haarsträubende Panikmache. Bei seltsam gleichlautenden Schlagzeilen lautet der Tenor stets: Wäre doch bloß jeder geimpft, so könnte das kleine Opfer noch leben. Als alleinschuldig an solchen Tragödien gelten verantwortungslose Impfverweigerer und ihre Einflüsterer. Zur Hölle mit ihnen – angeblich brauchen wir schleunigst eine allgemeine, lückenlose Impfpflicht gegen alles und jegliches, ohne Ausnahmen. Am besten verbunden mit Sorgerechtsentzug für Eltern, die ihrem Nachwuchs vermeintlich schützende „Pikse“ vorenthalten, und gnadenloser Strafverfolgung von „Desinformanten“. Schluss mit Ausreden, mit Gewissensgründen, mit unwissenschaftlichen Vorbehalten und irrationälen Ängsten vor Nebenwirkungen! Vakzine sind schließlich wirksam und sicher, Punkt. Follow the Science ! Nach diesem altbewährten Strickmuster schlachten Medien zur Zeit unisono den Fall eines sechsjährigen Mädchens aus, das kürzlich in der Covenant-Kinderklinik in Lubbock, Texas, an den Folgen einer Maserninfektion starb – es war dagegen nicht geimpft gewesen. (1) Darin gipfelt „der größte Ausbruch seit 30 Jahren“, schwant dem Nachrichtensender n-tv . Vox , die Washington Post , die New York Times prophezeien einen “herannahenden öffentlichen Gesundheitsnotstand”. Auf welcher Datenbasis? Bis Ende Februar steckten sich in der ländlichen Region von Westtexas 146 Menschen mit Masern an. Weitere neun Fälle meldete der angrenzende Bundesstaat New Mexico, zwei hat New Jersey registriert. Auch in Alaska, Georgia, Kentucky, New York City und Rhode Island wurde die US-Seuchenschutzbehörde CDC vereinzelt fündig . Wie beängstigend ist das? “Vorboten einer Katastrophe” Ganz arg, so liest und hört man. “Eine große Sache” sei dieser Ausbruch, so erklärt die Klinikärztin Dr. Amy Thompson, die den Jungen bis zuletzt behandelt hatte. Den “Vorboten” einer baldigen Gesundheitskrise sieht darin der allgegenwärtige TV-”Experte” Paul Offit; angesichts sinkender Impfraten sei es “eine Katastrophe, die nur darauf wartet zu geschehen, und sie wird geschehen” (2) - zumal unter dem neuen US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy jr., bisher ein berüchtigter Impfskeptiker. Selbiger macht jedoch ebenfalls in Panik, zur allgemeinen Verblüffung: Dieser Ausbruch “fordert uns alle zum Handeln heraus”, erklärte er soeben “tief besorgt” im Sender Fox News . Die Masernimpfung sei “entscheidend, um eine potenziell tödliche Krankheit zu vermeiden”. Zur Klarstellung: Masern sind zwar hochansteckend, verlaufen aber fast immer harmlos. Schwere, schlimmstenfalls tödliche Komplikationen, mit denen sich fürsorgliche Eltern bange machen lassen, kommen äußerst selten vor: Lungenentzündung, Erblinden, Hirnschwellung bleiben zumindest gesunden Kindern, ohne Vorerkrankungen und besondere Beeinträchtigungen, zuverlässig erspart. Entsprechend sorglos gingen Familien, Gesundheitsbehörden und Ärzte bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein damit um. Masern galten als wertvolles Krafttraining fürs Immunsystem. Tauchten bei einem Knirps die typischen großen roten Flecken auf der Haut auf – zunächst hinter den Ohren, dann über den ganzen Körper sich ausbreitend -, verbunden mit hohem Fieber sowie Husten, Schnupfen, Heiserkeit, so veranstalteten manche Mamis mit den Geschwistern, Nachbarskindern und Klassenkameraden regelrechte “Masern-Parties”. Der Infekt durfte die Runde machen, nach einer Woche war der Spuk vorbei. Haarsträubender Leichtsinn? Nach ausgeheilten Masern setzen häufig geistige und körperliche Entwicklungsschübe ein, vor den Augen verblüffter Eltern. Ärztliche Falldokumentationen und Studien bestätigen: Auch für andere Infektionserkrankungen sind Kinder anschließend weniger anfällig. Das Risiko von späteren Allergien, Multipler Sklerose, ja sogar Krebs sinkt (3), wie auch die Wahrscheinlichkeit, irgendwann an einer Atopie , Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa zu erkranken - von Autismus ganz zu schweigen. Wie oft enden Maserninfektionen denn tödlich? In entwickelten Ländern: im Schnitt einmal pro Jahr, manchmal noch seltener. Dort liegt die Letalität bei 1 zu 1000 bis 20.000 - Aids bringt mehr Kinder ins Grab. Unfälle im Straßenverkehr kosten jährlich rund 500 Kinder unter 15 Jahren das Leben. Und auch diese Zahl sollte in eine Risikoabschätzung einfließen: An Infektionen durch multiresistente Krankenhauskeime sterben pro Jahr alleine in Deutschland, je nach Erhebung, zwischen 1000 und 30.000 Menschen. Das wären mindestens 12.000 Tote im Zeitraum von 2001 bis 2012. Demnach fallen x-tausend Mal mehr Menschen Erregern zum Opfer, die sie sich in der Klinik einfangen, als einer Maserninfektion. Sollten Eltern ihren Nachwuchs, um ihm das Leben zu retten, folglich nicht eher von Kliniken fernhalten als von Kinderarztpraxen, die wie am Fließband spritzen? Der Masern-Todesfall von Lubbock war in den Vereinigten Staaten der erste seit 2015. Seit dem Jahr 2000 gab es dort bloß drei Todesfälle durch Masern: einen bei einem 75-jährigen Mann, der sich in Israel ansteckte; einen weiteren bei einem immunsupprimierten 13-Jährigen, der drei Monate zuvor eine Knochenmarktransplantation erhalten hatte; den dritten bei einer ebenfalls immungeschwächten Frau mit mehreren Begleiterkrankungen. Übrigens blieb in allen drei Todesfällen ungeklärt , ob es nicht womöglich die verabreichten Lebendimpfstoffe waren, die sie heraufbeschworen haben – gerade bei immungeschwächten Wirten können sie virulent werden. In Deutschland sind zwischen 2001, dem Beginn der Meldepflicht, und 2012 15 Maserntode aktenkundig geworden – vermeintliche , denn wie sie zweifelsfrei festzustellen sind, ist alles andere als unstrittig. Ob Masernviren beteiligt waren, wird bei einer Autopsie anhand von Gewebeproben untersucht. Dabei kommen der Antikörpertest ELISA und/oder der PCR-Gentest zum Einsatz. Mit ihnen fahndet man nach Eiweißmolekülen oder Genbruchstücken, die dem Masernvirus zuzurechnen sind. Doch wie aussagekräftig sind diese Verfahren? Für eine Infektionsdiagnose reichen sie in Wahrheit nicht aus – und schon gar nicht für eine glasklare Schuldzuweisung. Selbst wenn dabei Masernviren auffallen, ist keineswegs klar, dass sie es waren, die den Betroffenen umbrachten. Eine tödliche Enzephalitis kann auch eine Nebenwirkung der eingesetzten Medikamente sein, wie ein aufmerksamer Blick in die Beipackzettel klarmacht. (4) Auch wenn sämtliche Kinder geimpft wären, so wären somit keineswegs alle erfolgreich immunisiert. Während man früher an einen lebenslangen Schutz glaubte, räumt inzwischen sogar die WHO das Phänomen des “sekundären Impfversagens” ein: Selbst zweimalig Maserngeimpfte können mit der Zeit aufgrund nachlassender Antikörperspiegel wieder Masern bekommen. Nach einer ersten Dosis ist der Masernimpfstoff zu 85 bis 95 % wirksam, nach zwei Dosen zu 90 bis 98 % . Bei Masernausbrüchen in den USA und Kanada hatten bis zu 50 % der Erkrankten zuvor zwei Dosen MMR erhalten . Daher wird es auch weiterhin immer wieder dazu kommen, selbst nach Abschaffung jeglicher Ausnahmeregelungen für Impfungen. Dass Maserntode allein durch Massenimpfungen zu verhindern sind, ist ein Marketing-Märchen, das amtliche Statistiken widerlegen. Im 20. Jahrhundert war die Mortalitätsrate bereits um über 99 % gesunken, ehe 1963 die Masernimpfung eingeführt wurde – dank besserer Hygiene, Ernährung, Trinkwasserqualität, Wohnsituation und medizinischer Versorgung. Ist der “Schutz” womöglich gefährlicher als die Bedrohung? Wie viel Sicherheit wäre damit gewonnen? Vereinzelt treten unmittelbar nach einer Masernimpfung anaphylaktische Schocks, Fieberkrämpfe, eine Enzephalitis, das Guillain-Barré-Syndrom auf. Extrem selten? In den letzten 30 Jahren wurden dem US-amerikanischen Vaccine Adverse Event Reporting System (VAERS) für Masernimpfstoffe etwa 89.000 unerwünschte Reaktionen auf Masernimpfungen gemeldet , darunter etwa 450 Todesfälle. (5) Doch dieses Zahlenwerk markiert bloß die Spitze des Eisbergs. Berücksichtigt man das Underreporting (6) bei solchen Meldestellen – Studien zufolge erfassen sie höchstens ein bis fünf Prozent aller tatsächlichen Impfschäden -, so dürften allein in den Vereinigten Staaten vermutlich mehrere zehntausend Kinder mittels Masern-Vakzinen zu Tode “gepikst” worden sein. In Wahrheit, so warnt die US-Ärzteinititiative Physicians for Informed Consent (PIC), ist das Risiko , dass der MMR-Impfstoff zu einer dauerhaften Behinderung oder gar zum Tod führt, höher als bei einer Infektion mit Masern , Mumps oder Röteln . Aber was ist mit dem Schutz all jener, die nicht geimpft werden können? Krebspatienten, insbesondere mit Leukämie oder Lymphomen? Organtransplantierte, die Immunsuppressiva einnehmen müssen? Patienten mit angeborenen Immundefekten wie dem SCID-Syndrom? HIV-Infizierte mit schwerer Immunschwäche? Schwangere? Menschen, die gegen Bestandteile des Vakzins, wie Neomycin oder Gelatine, allergisch sind? 400.000 bis 800.000 Million Deutsche zählen zu diesem Personenkreis. Sollten sich ihnen zuliebe nicht alle übrigen impfen lassen, um diese Minderheit nicht zu gefährden? Sind sie dazu nicht moralisch verpflichtet? Wären sie andernfalls potenzielle Mörder? Sich anderen zuliebe spritzen zu lassen, wäre wahrlich zumutbar, falls man diese anderen dadurch vor einer Gefahr bewahrt, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Weil die Impfung aber nicht zuverlässig wirkt, bliebe selbst bei einer 100,00-%-igen Impfrate eine Ansteckung möglich – sie würde bloß weniger wahrscheinlich. Und ist es wirklich ethisch geboten, dass sich 80 Millionen Menschen Substanzen injizieren lassen, mit denen sie schwere Nebenwirkungen riskieren – bloß damit sich jeder Zehnte bis Zwanzigste ein bisschen sicherer fühlen kann, ohne vollständig geschützt zu sein? Wenn´s dumm läuft – und das tut es immer wieder -, dann sorgen die verimpften Viren, lebendiger als gedacht, für eben jene Ausbrüche, die sie verhindern sollen. Zuverlässiger Minderheitenschutz geht anders. Wer, ihm zuliebe, Hygienerichtlinien nach dem allerschwächsten Glied der Infektionskette ausrichtet, der öffnet die Schleusen für eine Medizindiktatur, mit Kontrollen und Zwangsmaßnahmen an jeder Ecke. Die Coronakrise gab einen Vorgeschmack darauf. Die klügere Vorsorge Was, wenn nicht Spritzen nach STIKO-Schema, empfiehlt meine Stiftung AUSWEGE zur Masernprophylaxe? Sie anerkennt den Forschungsstand, an dem kein echter Faktencheck vorbeikommt: Ungeimpfte Kinder sind gesünder . Infekte aller Art verlaufen bei ihnen in der Regel milder, und sie enden schneller. Komplikationen kommen viel seltener vor, langwierige Schäden so gut wie nie. Wer sein Kind bestmöglich auf eine Masernerkrankung vorbereiten will, tut folglich alles, um seine Abwehrkräfte zu stärken: durch gute Ernährung, reichlich Bewegung, ausreichend Schlaf, echte statt digitale Sozialkontakte, nicht zuletzt ein heiles Zuhause. Und falls es sich infiziert hat? Informierte Eltern sehen darin kein schreckliches Missgeschick – sie verstehen, dass Infektionskrankheiten bei Kindern Sinn machen können, indem sie das Immunsystem trainieren und wappnen. (7) Also ist Panik fehl am Platz. Bei den allerersten verdächtigen Symptomen isoliert man das Kind unverzüglich in einer ruhigen, geschützten, abgedunkelten Umgebung, führt ihm reichlich Flüssigkeit zu, versorgt es mit zusätzlichen immunstärkenden Vitaminen und Mineralstoffen aus der Orthomolekularen Medizin, senkt zu hohes Fieber mit Wadenwickeln statt mit Paracetamol. Wie anthroposophische Ärzte berichten, heilen so behandelte Masern praktisch immer komplikationslos ab – und bescheren zumeist eine lebenslange Immunität, die Impfung hingegen nur vielleicht. Masern: Das riet ein naturheilkundiger Arzt vor 92 Jahren Kein “Qualitätsmedium” hinterfragt gekaufte Impfexperten Wann immer für Impfkampagnen getrommelt wird, kommt auf allen Kanälen seltsam regelmäßig der eingangs zitierte Paul Offit zu Wort. Als “renommierter Kinderarzt und Infektiologe“ preist ihn der Nachrichtensender n-tv , wie auch der Deutschlandfunk , Der Spiegel ebenfalls. Ehre, wem Ehre gebührt? Immerhin ist Offit Direktor des Vaccine Education Center am Children's Hospital of Philadelphia (CHOP) sowie Professor für Vakzinologie und Pädiatrie an der Perelman School of Medicine der University of Pennsylvania. Mehrfach preisgekrönt, verfasste er etliche Bücher zu medizinischen und wissenschaftlichen Themen, darunter Autism's False Prophets - Bad Science, Risky Medicine, and the Search for a Cure (2007), Vaccines and Your Child: Separating Fact from Fiction (2011) und Bad Advise (2018). Eine Koryphäe also – und “buchstäblich ein Lebensretter”, wie die Skeptikervereinigung CSICOP schwärmt? (8) Was Leitmedien durchweg unter den Teppich kehren, sind massivste, längst aufgedeckte Interessenkonflikte dieser vermeintlichen Autorität in Sachen Impfstoffsicherheit. Als hochbezahlter “Berater” ist Offit fast schon eine halbe Ewigkeit für den Pharmariesen Merck tätig – einen der weltgrößten Hersteller von Masernimpfstoffen. Mercks bekanntestes Produkt ist M-M-R® II, ein Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR). Außerdem bietet er ProQuad® an, der zusätzlich Windpocken (Varizellen) abdeckt. Offits Forschungslehrstuhl an Philadelphias Kinderklinik (CHOP) finanziert Merck mit 1,5 Millionen Dollar. Für die Entwicklung eines Rotavirus-Impfstoffs namens RotaTeq erhielt Offit von Merck einen Zuschuss von 350.000 Dollar. Dieses Vakzin verkaufte das CHOP schließlich an den spendablen Sponsor für 182 Millionen Dollar. 2006 erreichte Merck die Zulassung von RotaTeq. Bei Offit und seinen Miterfindern verblieben die Patentrechte. Damit hatten sie Anspruch auf laufende Lizenzgebühren in Millionenhöhe – wahrlich „wie ein Lottogewinn“, so räumte Offit 2008 in einem Newsweek - Artikel ein. Das Infoportal Age of Autism schätzt seinen Anteil auf mindestens 29 Millionen Dollar. (9) Angesichts solch beträchtlicher finanzieller Verbindungen zur pharmazeutischen Industrie müsste jedem echten Journalisten die Frage auf der Zunge brennen: Werden Offits uneingeschränkte Lobpreisungen von Impfstoffen von keinen anderen Faktoren als einwandfreien wissenschaftlichen Untersuchungen beeinflusst? Kann ich es verantworten, meinen Lesern solch ein zweibeiniges Pharma-Sprachrohr als unabhängigen Sachverständigen zu präsentieren? „Man sollte ihn ins Gefängnis stecken und den Schlüssel wegwerfen“, soll Robert F. Kennedy Jr. schon 2013 über Offit gesagt haben. (10) Gehört bloß Offit dorthin? (11) Follow the Science? Follow the Money. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1) https://www.dshs.texas.gov/news-alerts/texas-announces-first-death-measles-outbreak ; https://apnews.com/article/measles-outbreak-west-texas-death-rfk-41adc66641e4a56ce2b2677480031ab9 ; https://www.bbc.com/news/articles/clyderx4v8go (2) Zit. nach https://www.n-tv.de/panorama/Experten-warnen-vor-Masern-Katastrophe-in-den-USA-article25594022.html (3) https://publications.aap.org/pediatrics/article-abstract/123/3/771/71635/Allergic-Disease-and-Atopic-Sensitization-in?redirectedFrom=fulltext ; https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S030698779890055X?via%3Dihub , https://publications.aap.org/pediatrics/article-abstract/123/3/771/71635/Allergic-Disease-and-Atopic-Sensitization-in?redirectedFrom=fulltext (4) Siehe http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10589903 ; http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7202137 ; http://pediatrics.aappublications.org/content/114/5/e657.full (5) Für Deutschland verzeichnete die Meldedatenbank des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) zwischen 2001 und 2012 knapp 1700 „Verdachtsfälle von Nebenwirkungen“ sowie 15 „Verdachtsfälle“ von Toden nach Masernimpfung; einen „ursächlichen Zusammenhang“ zwischen Piks und Ableben konnte das PEI niemals „als ‚gesichert‘, ‚wahrscheinlich‘ oder ‚möglich‘ bewerten“. (6) Siehe „‘In Sorge um Dich‘ – Eine Covidiotin trägt einer Geimpften 10 Argumente vor “ und „ Das Piks-Massaker “. (7) Siehe Bert Ehgartner: Was Sie schon immer über das Impfen wissen wollten , Hamburg 2023, S. 351 ff. (8) "CSI Announces Paul Offit As Winner of the 2013 Balles Prize" . Skeptical Inquirer , Juli 2014 CSICOP, https://web.archive.org/web/20190119174727/ . (9) Siehe https://www.skyhorsepublishing.com/9781632206015/thimerosal-let-the-science-speak/ (10) Zit. von Paul Offit selbst in seinem Buch Bad Advise (2018), Kap. 11 . (11) Siehe meine Artikelserie “Dressierte Halbgötter ”.
- Fetter Reibach
Nie wieder Diät? Mit Arzneien zum Abnehmen wird der Steuerzahler ebenso zuverlässig Geld wie Gewicht los: Zunächst finanziert er ahnungslos Forschung und Entwicklung – dann muss er Wucherpreise hinnehmen. Big Pharma lacht sich ins Fäustchen, wieder einmal. An den Tag brachten es Recherchen des Online-Nachrichtenmagazins The Lever : US-Steuerzahler übernahmen Kosten für Forschung, Entwicklung und Vertrieb von GLP-1, der neuen Klasse von Blockbustern zur Gewichtsreduzierung, in Höhe von rund 6,2 Milliarden Dollar. Den Profit streichen Pharmafirmen ein: Mit Medikamenten wie Ozempic und Wegovy (mit dem Wirkstoff Semaglutid), Zepbound und Mounjaro (mit Tirzepatid) setzten die Marktführer Novo Nordisk und Eli Lilly im Jahr 2024 knapp 14 Milliarden US-Dollar um; für 2025 wird ein Anstieg auf 21 Milliarden erwartet, bis 2030 sollen es 49 Milliarden werden. “Falls unter den 800 Millionen Übergewichtigen weltweit auch nur jeder Vierte zu GLP-1-Medikamenten greift”, rechnet das Marktforschungsunternehmen William Blair in Chicago vor, “so könnte, bei geschätzten Kosten von jeweils 2500 Dollar pro Behandlung, der Jahresumsatz 500 Milliarden Dollar erreichen – einer der größten Märkte in der Geschichte der biopharmazeutischen Industrie.” Die Nachfrage ist so gewaltig, dass sie inzwischen schon weltweit zu Lieferengpässen führt. (1) Im Mai 2024 nahmen mehr als 15 Millionen US-Amerikaner - jeder achte Erwachsene - GLP-1-Präparate ein. Allein in den Vereinigten Staaten beginnen mindestens 25.000 Menschen jede Woche mit Wegovy. Zur Zielgruppe zählen schon Grundschüler : Der dänische Pharmagigant Novo Nordisk – dank des Hypes zu Europas wertvollstem Unternehmen aufgestiegen – führt gerade Phase-3-Studien durch, in denen er seinen Newcomer „Saxendra“ Sechs- bis Zwölfjährigen einverleibt. Zum „wissenschaftlichen Durchbruch“ hochgejubelt Den Boom befeuern Medien, die Abnehmspritzen kritiklos als “ Wundermittel ” anpreisen. 2023 kürte das renommierte Science -Magazin GLP-1-Abspeckhilfen zum “wissenschaftlichen Durchbruch des Jahres”. (2) Werbeagenturen lassen Prominente davon schwärmen (3) – von Oprah Winfrey über den einstigen Tennisstar Billie Jean King und der Rapperin Queen Latifah bis hin zu einer gewissen Kim Kardashian, der weltweit einzigen Rapperbraut, die mit null Lebensleistung zur vergötterten, medial dauerpräsenten Milliardärin aufstieg. Auf Instagram, TikTok und anderen sozialen Medien verdienen sich käufliche Influencer eine goldene Nase mit schrillen Lobpreisungen. Ursprünglich für Typ-2-Diabetiker entwickelt, tun sich für Ozempic & Co. fast schon im Wochenrhythmus immer neue Anwendungsmöglichkeiten auf: von Alkoholismus , Nikotinsucht und Opioidabhängigkeit bis hin zu Psychosen, Leukämie , Schlaganfällen, Herzinfarkten , Alterung , Parkinson und Alzheimer – ein pharmakologischer Tausendsassa, wie es scheint. Unter den Teppich kehren Journalisten dabei Nebenwirkungen, die sich keineswegs auf ständige Übelkeit, heftiges Erbrechen, Sodbrennen, Bauchschmerzen, Verstopfung, Durchfall und Schlafstörungen beschränken. Es häufen sich alarmierende Berichte über Ohnmachtsanfälle, erheblichen Muskelschwund , Gastroparese – Gegessenes verbleibt im Magen -, Darmverschluss, arthritisartig entzündete Gelenke, zu niedrigen Blutdruck, allergische Reaktionen, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Magenlähmung , Nieren- und Gallenblasenerkrankungen, Schilddrüsenkrebs und plötzlichen Sehverlust . (4) Häufig bestehen Symptome nach Absetzen fort. Anscheinend kann das Zeug auch Suizidgedanken auslösen, denen bisweilen Taten folgen. Für schwangere Frauen sind die Mittel so gefährlich, dass US-Ärzte dafür plädieren, sie mit einem entsprechenden Blackbox-Hinweis zu versehen: der strengsten, schwarz umrahmten Warnung, welche die Arzneimittelbehörde FDA für Medikamente aussprechen kann, wenn ernste, ja lebensbedrohliche Folgen drohen. Eine im Januar 2025 in Nature Medicine veröffentlichte Studie mit 215.970 Diabetikern, die GLP-1-Medikamente einnahmen, fand nicht weniger als 19 bedenkliche Nebenwirkungen. Viel Risiko für fragwürdigen Nutzen Die GLP-1-Wirkstoffe verschlanken tatsächlich, noch weitaus zuverlässiger, als PDE-5-Hemmer, wie bei Viagra, gewisse Schwellkörper verhärten. Dies gelingt ihnen, indem sie das körpereigene Hormin GLP-1 ( Glucagon-like Peptide-1 ) nachahmen. Im Gehirn veranlassen sie das Sättigungszentrum im Hypothalamus, den Hunger zu dämpfen. Darüber hinaus verlangsamen sie die Magenentleerung, weswegen man sich früher und länger satt fühlt. Sie lassen die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin produzieren, gleichzeitig hemmen sie die Glukagonausschüttung, was die Blutzuckereinstellung verbessert. All dies führt in der Regel dazu, dass Patienten erheblich weniger Kalorien zu sich nehmen – und folglich abspecken. Je nach Wirkstoff und Einnahmedauer liegt der durchschnittliche Gewichtsverlust immerhin zwischen 15 und 24 %. Das ist enorm. Aber: Die lästigen Pfunde schmelzen im allgemeinen nur solange ab, wie gespritzt wird. Kaum setzt man Wegovy & Co. ab, da tritt ein Rebound-Effekt auf, wie er schon gewöhnliche Diäten ziemlich zuverlässig ruiniert: Rasch sind die Pfunde wieder drauf (5), wie Patientenberichte ebenso bestätigen wie Studien . Deshalb plädieren „Experten“, die ihre Interessenkonflikte zu verschweigen pflegen – die berüchtigten „Mietmäuler“ der Branche -, für beharrliche Langzeitanwendung: Als chronische Erkrankung müsse Adipositas dauerhaft behandelt werden, bis ans Lebensende. So liebt die Pharmaindustrie ihre Kundschaft: Möglichst früh, möglichst lange, möglichst oft soll sie zugreifen. Wer hierbei mitspielt, wird schamlos zur Kasse gebeten: In den USA kosten GLP-1-Medikamente pro Patient und Jahr im Schnitt umgerechnet 11.000 bis 17.500 Euro. Für Ozempic werden etwa 915 Euro pro Monat fällig, verglichen mit 135 Euro in Kanada, 113 Euro in Deutschland, 85 Euro in Großbritannien und 76 Euro in Frankreich. Wegovy ist in den USA für r und 1200 Euro pro Monat gelistet, gegenüber etwa 300 Euro in Deutschland , 170 Euro in Dänemark, und 84 Euro im Vereinigten Königreich. Dafür muss man aus eigener Tasche aufkommen. Weil die Präparate als Lifestyle-Arzneien gelten, zahlen die Krankenkassen nicht – noch nicht. Industrienahe Politiker und eine Armee von Lobbyisten arbeiten zielstrebig daran, diese Regelung zu ändern. Fette Pharma-Junkies sichern fette Gewinne Solange die Menschheit weiter verfettet, dürfte die Nachfrage weiter steigen. Voraussichtlich 3,8 Milliarden Erwachsene und 746 Millionen Kinder und Jugendliche mit Übergewicht oder Adipositas könnte es bis Mitte dieses Jahrhunderts „ohne entsprechende politische Maßnahmen, Reformen und neue Therapien“ geben. Diese Prognose leiten australische Forscher aus Trends in vorliegenden Gesundheitsdaten ab. In Deutschland könnten 20 bis 23 Prozent der jungen Menschen betroffen sein. Die Ergebnisse weisen auf "monumentale gesellschaftliche Versäumnisse und einen Mangel an koordinierten globalen Maßnahmen" hin, erklärt Studienleiterin Jessica Kerr vom Murdoch Children's Research Institute in Melbourne. Es drohen katastrophale Folgen für das öffentliche Gesundheitswesen, bei glänzenden Vermarktungsaussichten für Abnehmspritzen und –pillen – es sei denn, Übergewichtige besinnen sich auf den mühsameren, aber gesünderen und billigeren Weg, abzuspecken: einfach weniger Kalorien aufnehmen als verbrauchen. Dafür müssen Übergewichtige kein Rezept einlösen, sondern bloß den guten Rat beherzigen: Bewege dich mehr, ernähre dich besser. „Wir fressen uns zu Tode“ Weil Homo sapiens grundsätzlich dazu neigt, den vermeintlich bequemsten Weg zu gehen, sieht zumindest die US-Medizinerin Dr. Casey Means allerdings rabenschwarz. GLP-1 „könnte das profitabelste Medikament in der Geschichte der Menschheit werden“, sagte sie kürzlich in einem Fernsehinterview in der Tucker Carlson-Show voraus. Ebenso wie ihr Bruder Calley, ein früherer Lobbyist für Big Pharma und Big Food, hatte sie ihren Job an den Nagel gehängt, als ihr „entsetzt klar wurde, wie viele Menschen das System umbringt, dessen Teil sie sind“. Nach ihren Eindrücken „verfestigt sich die Vorstellung, dass es eine magische Pille gibt - dass die Erlösung von unseren chronischen Gesundheitsproblemen in einer Spritze zu finden ist. (…) Wir sind die einzige Spezies auf der Welt, die eine Epidemie von Fettleibigkeit und chronischen Krankheiten erlebt, (in erster Linie) aufgrund von ultraverarbeiteten Lebensmitteln. Alle anderen Tiere in der freien Natur ernähren sich von echter, natürlicher Nahrung (…) und sind in der Lage, ihr Sättigungsgefühl zu regulieren. Sie fressen sich nicht zu Tode, wie wir es tun.“ ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1) https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/wegovy-ozempic-und-co-aufseher-warnen-vor-engpaessen-bei-abnehmspritzen-a-5b6c11e3-8a82-4230-9b93-fb67c5607287 , https://www.aerzteblatt.de/news/ozempic-engpaesse-mindestens-bis-jahresende-fdcb7c12-db0e-4d32-bef9-857e5b2b5f54 (2) https://www.science.org/content/article/breakthrough-of-the-year-2023 , https://www.instagram.com/p/DHJiDEMNgVn/ , https://www.youtube.com/watch?v=t_50KoJ49tM (3) https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/hollywood-im-ozempic-rausch-abnehmen-fuer-1500-dollar-im-monat-110064825.html , https://www.20min.ch/story/online-hype-ozempic-influencer-so-gross-ist-der-hype-um-abnehmspritzen-103257547 (4) https://childrenshealthdefense.org/defender/ozempic-semaglutide-vision-loss-study-side-effects/ , https://childrenshealthdefense.org/defender/weight-loss-drugs-blindness-teens-adults-ozempic-wegovy/ (5) https://www.medpagetoday.com/special-reports/exclusives/112138 , https://www.bbc.com/future/article/20240521-what-happens-when-you-stop-taking-ozempic , https://www.healthline.com/health-news/avoid-weight-gain-after-ozempic , https://www.sciencemediacenter.de/angebote/23214
- Auch in dir?
Wie aus einem Horrorfilm: In Blutgefäßen von Corona-mRNA-Geimpften stecken weiße, faserartige Klumpen, die Mediziner nie zuvor gesehen haben. Die unheimlichen Gerinnsel erklären einen Großteil der „Long-Covid“-Symptome – wie auch die Vielzahl „plötzlicher und unerwarteter“ Todesfälle. Zum Glück gibt es neuerdings Behandlungsmöglichkeiten. Zum Alltag eines Balsamierers gehört es, bisweilen ungewöhnliche Entdeckungen zu machen, während er eine Leiche dafür vorbereitet, aufgebahrt und bestattet zu werden. Gelegentlich findet er Implantate und Prothesen, Kugeln und andere Fremdkörper, Reste von Drogen oder Gift. Alte OP-Narben, nicht verheilte Knochenbrüche, innere Hämatome, Narbengewebe. Aber worauf John O´Looney Mitte 2021 erstmals stieß, hatte er als erfahrener Leichenbestatter noch nie zuvor gesehen. „Es war grauenhaft.“ Es war Mitte 2021 – anderthalb Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie, ein halbes Jahr nach Start der Covid-Impfkampagne. Da wurde O´Looney, Inhaber eines Beerdigungsinstituts im englischen Milton Keynes, von seinem angestellten Balsamierer gerufen. Auf dem Präparationstisch lag die geöffnete Leiche eines 30-jährigen Mannes. „Seine Arterien waren total verstopft. Also hat mein Einbalsamierer seine Pinzette genommen, um die Verstopfung herauszuziehen. Und er zog und zog und zog. Heraus kam ein komplettes weißes, faseriges, tintenfischartiges Gerinnsel, das sich über die gesamte Länge des Beins erstreckte, vom oberen Teil bis hinunter zum Knöchel.” (1) Was war das? Zu jenem Zeitpunkt war O´Looney schon seit 14 Jahren als Bestatter tätig, davon sieben Jahre bei einem Gerichtsmediziner, ehe er sich selbstständig machte. “Ich habe also viel Erfahrung damit, wie das Innere und Äußere von Menschen aussieht. Ich weiß, was normal ist und was nicht. Und ich kenne vielleicht nicht den lateinischen Ausdruck für jeden Nerv und jede Faser, aber ich kenne mich mit dem Körper aus. Mein Einbalsamierer ist vom British Institute of Embalmers zertifiziert. Und er macht das jetzt seit 25 Jahren. So etwas hatte auch er noch nie gesehen.” Bestürzt wandte sich O´Looney an den örtlichen Gerichtsmediziner. Vier Tage später erhielt er einen Anruf von dessen Büro: Es bestehe kein Grund zur Besorgnis. Das sei ”völlig normal, dieses Zeug wächst postmortal in den Menschen. Nach dem Tod füllen sich bei manchen Menschen die Arterien mit Gummi.“ “Kein natürlicher Prozess” Spätestens jetzt war O´Looney klar: Hier war etwas oberfaul – und wurde vertuscht. “Meistens lasse ich Verstorbene innerhalb einer Stunde nach ihrem Tod einbalsamieren”, erklärt er. In so kurzer Zeit “wären sie sicherlich nicht mit diesen weißen Klumpen gefüllt gewesen, wenn diese Gebilde erst nach dem Tod wachsen würden. Nichts wächst in deinem Körper, wenn du stirbst. Nichts! Verwesung, Schimmel, vielleicht eine Art von Schimmelsporen könnte wachsen, wenn du anfängst, dich aufzulösen, und wir zur Erde zurückkehren, von der wir gekommen sind. Das ist ein natürlicher Prozess. Weißer ‘Gummi’ in deinen Arterien ist kein natürlicher Prozess!” Von da an gehörten solche Horrorfälle zum Alltag in O´Looneys Bestattungsunternehmen. Und immer mehr Berufskollegen berichteten ihm von ähnlich verstörenden Beobachtungen. Fast alle vermieden es, damit Aufsehen zu erregen. Erst der Dokumentarfilm “ Died Suddenly ” machte das erschreckende Phänomen ab Ende 2022 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Vereinzelt hinterließ auch entsetztes Klinikpersonal Spuren im Internet. So äußerte eine Krankenschwester, in ihren 23 Berufsjahren habe sie noch nie von Blutgerinnseln gehört, die länger als ein paar Zentimeter waren - bis die Covid-mRNA-Impfung aufkam. “Seither werden Thromben schon bei 8- bis 12-jährigen Kindern festgestellt, aber nur, wenn sie vorher geimpft wurden.” Bei einem 58-Jährigen, der nach Herzstillstand im Krankenhaus wiederbelebt werden konnte, fanden Ärzte Ende 2022 ein 1,5 Meter langes Blutgerinnsel – er hatte sich dreifach gegen Covid-19 impfen und boostern lassen. Zu den wenigen Bestattern, die wie O´Looney den Mund aufzumachen wagten, zählt Richard Hirschman aus Alabama. Die Frage, was diese mysteriösen Klumpen aus Blutgefäßen eigentlich sind, woher sie kommen, welche gesundheitlichen Folgen sie haben, ließ ihm keine Ruhe . Und so wandte er sich Anfang 2024 an den organischen Chemiker Greg Harrison, der ein Netzwerk von Wissenschaftlern auf mehreren Kontinenten leitet. Zusammenhang mit Covid-Spritzen bestätigt sich Von Hirschman eingereichte Gewebeproben unterzog Harrisons Team umfangreichen Tests . Zunächst fand mehrfach eine induktiv gekoppelte Plasma-Massenspektrometrie (ICP-MS) statt (2), um zu ermitteln, wie die weißen, faserigen Gerinnsel zusammengesetzt waren; mittels ICP-MS lassen sich alle vorkommenden Elemente des identifizieren. Merkwürdigerweise wiesen die Proben kaum Magnesium, Kalium und Eisen auf - in normalem Blut kommen sie in viel höheren Mengen vor. Von Eisen beispielsweise, das dem Blut seine rote Farbe verleiht und darin in einer Konzentration von etwa 450 ppm - Teilen pro Million - vorkommt, waren den weißen Faserklümpchen nur 20 ppm festzustellen. Also kann es sich nicht um gewöhnliches Blut handeln, das geronnen ist. Andererseits belegte jede vorgenommene ICP-MS-Analyse, dass die Klümpchen enorm viel Phosphor und Schwefel aufwiesen, in einigen Fällen auch Zinn. So liegt die Phosphorkonzentration in normalem Blut zwischen 100 und 1.000 ppm - in den Proben der Faserklumpen hingegen bei 5.000 ppm. Könnte diese ungewöhnlich hohe Phosphormenge irgendwie dafür sorgen, dass sich die Gerinnsel bilden? Harrison fiel auf, dass sowohl die Covid-mRNA-Impfstoffe von Pfizer als auch von Moderna „Phosphate“ und „Sulfate“ enthalten. In jeder Ampulle stecken rund eine Quintillion - eine Milliarde Milliarden - Phospholipid-Nanopartikel – womöglich mehr als genug, um im Körper eine anormale Reaktion auszulösen. Im Periodensystem steht Schwefel direkt neben Phosphor, daher weist es sehr ähnliche Bindungseigenschaften auf. Und von Schwefel ist seit Ende der Siebzigerjahre bekannt, dass es die Thrombosebildung beeinflusst. Damals entdeckten Wissenschaftler, dass sich im Gefäßsystem mancher Patienten weiße Gerinnsel bildeten, wenn sie den Gerinnungshemmer Heparin einnahmen. Heparin enthält einen hohen Anteil an Schwefel, der sich anscheinend auf ungewöhnliche Weise mit dem natürlichen Blutgerinnungsprotein des Körpers, dem Fibrinogen, verbindet. Das Problem wurde gelöst, indem man die Chemie des verabreichten Heparins anpasste. Wenn zuviel Schwefel im Blut das „White Clot Syndrome“ verursachte – könnte es nicht auch durch zuviel Phosphor im Blut auftreten? Diese Überlegung führte Greg Harrison zu seiner „Phosphorylierungstheorie“: Demnach verbinden sich sowohl das Phospholipid-Nanopartikel aus dem Impfstoff als auch das Spike-Protein - entweder aus dem Virus oder dem Vakzin - mit dem körpereigenen Fibrinogen, um ein unnatürliches, verdrehtes, falsch gefaltetes Polymer zu bilden, welches durch das körpereigene Enzym Plasmin schier unmöglich aufzulösen ist. Dass mit dem Fibrinogen tatsächlich etwas Seltsames passiert, bestätigte eine HPLC-Analyse ( High-Performance Liquid Chromatography ) an mehreren Gerinnseln. (3) Sie bestanden aus Amyloid – abnorm gefalteten Proteinen, die sich in Form von unlöslichen Fibrillen in Geweben und Organen ablagern. Für Greg Harrison liegt die Vermutung nahe: Bei den Faserklumpen aus Leichen handelt es sich um Makro gerinnsel, die sich bilden, wenn sich unzählige Mikro gerinnsel aneinanderreihen. Nach und nach entwickeln sie sich zu immer größeren Klumpen, die schließlich die Form der Blutgefäße annehmen, welche sie umschließen. Eine Untergruppe von Amyloidproteinen bilden „Prionen“ – „ proteinaceous infectious particles “ -, infektiöse Eiweißpartikel, die schwere neurodegenerative Erkrankungen hervorrufen können. Dass sie in den mysteriösen Faserklümpchen tatsächlich vorkommen, bestätigte ein angesehener Neurowissenschaftler in Japan, Dr. Kevin McCairn, als er Hirschmans Proben mittels Raman-Spektroskopie (4) und Real-Time Quaking-Induced Conversion Test (d. h. „RT-QuIC-Test“) (5) untersuchte . McCairn hatte einen Großteil seiner Karriere damit zugebracht, die Auswirkungen von Amyloid-Proteinen auf Patienten zu untersuchen, die an Alzheimer, Parkinson und Demenz leiden. Das Zetapotenzial spielt mit Wenn eine Substanz in Wasser gerät, kann mehrerlei passieren. Sie kann oben schwimmen oder sich rasch am Boden absetzen. Sie kann sich wie Salz auflösen. Oder sie schwebt im Wasser und macht es trüb – dann ist eine sogenannte „kolloidale Suspension“, kurz „Kolloid“ entstanden: ein heterogenes Gemisch, bei dem sich sehr kleine Teilchen in einem Medium fein verteilen. Solange es dabei bleibt, ist das Kolloid stabil. Geht diese Stabilität aber verloren, dann verklumpen die Partikel. Immer größere Zusammenlagerungen bilden sich, die sich schließlich vom umgebenden Wasser ablösen. Wovon hängt ab, ob eine kolloidale Lösung verklumpt oder dispergeriert bleibt? Ein Schlüsselfaktor ist das Gleichgewicht der vorliegenden elektrischen Ladungen - positive Ladungen verklumpen, negative Ladungen dispergieren. Sowohl das Spike-Protein als auch die Lipid-Nanopartikel des Impfstoffs enthalten eine positive Ladung, die das Zetapotenzial beeinflusst: die elektrische Potenzialdifferenz zwischen der Oberfläche eines Teilchens und der es umgebenden Flüssigkeit. Das Zetapotential gibt demnach an, wie stark ein Teilchen in einer Flüssigkeit elektrisch geladen ist. Ein hohes - positives oder negatives - Zetapotential bedeutet, dass sich Teilchen gegenseitig abstoßen; dann ist die Lösung stabil. Je niedriger es ist, desto leichter lagern sich Teilchen zusammen – sie agglomerieren. Dafür genügen winzige Mengen positiver Ionen mit hoher Ladungsdichte. Handelt es sich bei den Teilchen um Blutzellen – Thrombozyten, Fibrin, rote und weiße Blutkörperchen – und bei der Flüssigkeit um Blut, dann führt schon ein minimal verringertes Zetapotenzial dazu, dass sich Klumpen bilden. (6) Die Klumpen erklären die meisten Long-Covid-Symptome Mikrogerinnsel in Blutgefäßen können zu einer Hypoxie führen: Der gesamte Körper oder einzelne Körperabschnitte werden zuwenig mit Sauerstoff versorgt. Dies kann langanhaltende Organfehlfunktionen verursachen - z. B. im Gehirn, in der Niere oder im Herzen -, ohne dass Ärzte eine Thrombose feststellen. Dann machen sich die Minithrombosen durch leichte kognitive Beeinträchtigungen wie Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme und " Brain Fog ", Hirnnebel bemerkbar; durch Kurzatmigkeit; durch Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Schwindel, lähmende Schwäche und ständige Müdigkeit; Kribbeln in Händen und Füßen; durch dramatische Blutdruckschwankungen und Herzrhythmusstörungen; durch Schmerzen in Muskeln und Gelenken, in Brust und Rücken; durch Zittern und Verhaltensänderungen; Werden die Klumpen jedoch so voluminös, dass sie größere Arterien verstopfen, so drohen sie Schlaganfälle und Herzinfarkte auszulösen, aber auch schwerwiegende neurodegenerative Störungen wie die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, die Parkinson-Krankheit und die Alzheimer-ähnliche Demenz, sogar bei jüngeren Menschen auftreten. Warum sind längst nicht alle Covid-Geimpften betroffen? Von vornherein besser geschützt ist, wer Gerinnungshemmer einnehmen muss – etwa bei Fettstoffwechselstörungen, bei einer angeborenen Neigung zu verstärkter Blutgerinnung, bei Herzrhythmusstörungen und nach Herzklappenoperationen. Zudem unterscheiden sich menschliche Organismen erheblich in bezug auf die Fähigkeit, Thrombosen möglichst frühzeitig aufzulösen oder gar nicht erst entstehen zu lassen. Während manche gefährdet sind, bleiben andere verschont. Wie anfällig man dafür ist, hängt von vielerlei genetischen, biologischen und äußeren Risikofaktoren ab. Manche liegen in der Familie: Genetische Anomalien wie die Faktor-V-Leiden-Mutation oder der Protein-C- und Protein-S-Mangel beeinflussen die Blutgerinnung. Liegen gleichzeitig mehrere genetische Defekte vor, werden Thrombosen um das 20- bis 100-fache wahrscheinlicher . Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter , insbesondere ab 60 Jahren, da sich die Gefäße degenerativ verändern. Zuwenig Bewegung, Rauchen, Übergewicht, Flüssigkeitsmangel begünstigen ebenfalls Thrombosen, wie auch bestimmte Krankheiten, von Krebs über Diabetes bis zu Autoimmunerkrankungen wie das Antiphospholipid-Syndrom. Hormonelle Veränderungen können ebenfalls mitspielen: während der Schwangerschaft, bei Einnahme der Antibabypille, bei Hormonersatztherapien. (7) Dröhnend lautes Totschweigen Über 5.000 Leichenbestatter gibt es in England, mehr als 20.000 in den Vereinigten Staaten. Wieso schlagen bloß O´Looney und Hirschman Alarm? Vertreten sie womöglich eine verrschwindende Minderheit von wirrköpfigen Wichtigtuern, die “Verschwörungstheoretikern” Stoff liefern möchten? Von wegen. In einer Ende 2024 durchgeführten Umfrage in den USA, Kanada, Großbritannien und Australien, dem „ 2024 Worldwide Embalmer Blood Clot Survey “ (8), bestätigten 83 % der Bestattungsfachkräfte, die antworteten – 250 von 301 -, dass sie bei Leichen aller Altersgruppen weiterhin „weiße faserige Gerinnsel“ feststellen - in einem schockierenden Durchschnitt von 27 % aller Einbalsamierten. (2022 gab dies 67 % an, 2023 waren es 73 %.) Noch umfangreicher waren zwei Umfragen, die eine Gruppe von amerikanischen Bürgerrechtlern um Tom Haviland durchführte: einem ehemaligen Major der US-Luftwaffe, der nach 16-jähriger Tätigkeit als Elektroingenieur bei einem Rüstungsunternehmen wegen Bidens Impfmandat in den Ruhestand versetzt wurde. In den Jahren 2022 und 2023 schrieb Havilands Team insgesamt 2500 Bestattungsunternehmen und 80 Verbände von Bestattern an, um sie über beobachtete Blutgerinnsel zu befragen. 357 antworteten. Von diesen gaben 69 bis 73 % an, seien schon auf “große weiße, faserige Strukturen/Klumpen in Leichen” gestoßen zu sein (9) – am häufigsten im Nacken, gefolgt von Beinen, Armen und Bauchregion. Etwa jeder zweite Befragte meldete, dies sei bei über 25 % der Einbalsamierten der Fall gewesen. Warum erfährt die Öffentlichkeit nichts davon? Hätte sie nicht schon längst gewarnt werden müssen? Verdienen mRNA-“Piks”-Geschädigte nicht, endlich die Wahrheit zu erfahren? Was bedeuten die Entdeckungen für “Blutbanken”? Weiß das Rote Kreuz, dass Spenderblut von Covid-Geimpften Prionen enthalten kann? Wer solche Fragen stellt, prallt gegen eine Mauer des Schweigens. Ärzte vernichten Beweismaterial, indem sie die weißen Faserklümpchen einfach wegwerfen, anstatt sie zur Untersuchung in die Pathologie zu schicken. Gerichtsmediziner vertuschen, was sie bei Autopsien feststellen. Staatsanwälte unterlassen es, Obduktionen anzuordnen, wozu sie bei “plötzlichen und unerwarteten” Todesfällen ungeklärter Ursache eigentlich verpflichtet wären. Bewährte Devise: Ohne Suche kein missliebiger Fund – wer wegschaut, sieht nix. Behörden verweigern Auskünfte. Das jüngste prominente Beispiel hierfür liefert das mysteriöse Ableben der “Rosenstolz”-Sängerin AnNa, einer eifrigen Covid-Impfpropagandistin, mit gerade mal 55 Jahren. Zunächst hatte die zuständige Berliner Staatsanwaltschaft “ein offizielles Todesermittlungsverfahren” angekündigt , das selbstverständlich eine Obduktion der Leiche einschließe. Ein paar Tage später wurde diese abgeblasen – die genauen Todesumstände hätten sich als eindeutig genug herausgestellt, so hieß es. Welche waren das denn? Dies müsse „aus Persönlichkeitsrechtsschutzgründen“ unter Verschluss bleiben. So dröhnend laut kann Totschweigen sein. Beim Vertuschen ist neuerdings Künstliche Intelligenz behilflich. Wer mittels neunmalkluger Antwortmaschinen wie ChatGPT nach Hinweisen auf die mysteriösen Gefäßklumpen fahndet, wird von der KI sekundenschnell belehrt, dass “diese Behauptungen von der wissenschaftlichen Gemeinschaft nicht bestätigt wurden”. Gesundheitsbehörden, die “kontinuierlich die Sicherheit der Covid-19-Impfstoffe überwachen”, hätten “bisher keine belastbaren Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen den Impfstoffen und der Bildung solcher faseriger Klumpen gefunden“. Im übrigen könne „die Verbreitung von Informationen, die nicht auf soliden wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren, zu Verunsicherung führen. Es ist daher ratsam, sich auf vertrauenswürdige und geprüfte Quellen zu stützen, wenn es um Gesundheitsfragen geht.“ (10) Wer einer KI einprogrammieren kann, Daten welcher Herkunft Vertrauen verdienen und zu berücksichtigen sind, hat die Macht, aus ihr ein Propagandainstrument ohnegleichen zu machen – ein Orwell´scher Albtraum, der spätestens bei der nächsten Pandemie Realität werden könnte. (11) Wie feststellen? Wie kann ein Covid-Geimpfter bei verdächtigen Symptomen herausfinden, ob Gefäßklumpen dahinterstecken? Herkömmliche Diagnoseverfahren sind ungeeignet, um Mikrothrombosen in Blutgefäßen zu erkennen: Weder ein Blutbild noch eine Röntgenuntersuchung, weder Ultraschall ohne Doppler noch ein CT ohne Kontrastmittel zeigt sie. Nach Auskunft der Microvascular Research Foundation (MVRF) in Birmingham, Alabama, gibt es bloß eine Möglichkeit: „Ihr Blutplasma muss mit einem Immunfluoreszenzmikroskop untersucht werden. Dieses Mikroskop verfügt über eine 2000-fache Vergrößerung und kann das Vorhandensein von Amyloidfibrin mit einer Immunfluoreszenzfärbung nachweisen “. Doch kaum ein Arzt würde eine solche Diagnostik verordnen, keine Krankenkasse übernähme die Kosten. Wer sie aus eigener Tasche bezahlen will, muss auf mindestens dreistellige Rechnungsbeträge gefasst sein. Dabei variieren die verlangten Preise von Labor zu Labor beträchtlich. Es empfiehlt sich, direkt bei spezialisierten Laboren oder medizinischen Einrichtungen nachzufragen, wie beispielsweise bei Bioscientia , MVZ Labor Ravensburg , Medizinzentrum Dortmund oder Helios Universitätsklinikum Wuppertal, die solche Verfahren anbieten. Wie werden Covid-Geimpfte das Zeug los? Zum Glück gibt es für Covid-Geimpfte neuerdings vielversprechende Therapieansätze, um das Zeug loszuwerden – zumindest solange es noch klein genug ist. Bewährt hat sich ein Konzept des US-Mediziners Jordan Vaughn, Gründer und Präsidenten der MVRF. Im Herbst 2023 stellte er eine gerinnungshemmende Therapie aus drei Komponenten vor: Aspirin, fibrinolytische Enzyme und Ivermectin. Auf diese Weise behandelten er und seine Kollegen mehr als 1.500 Betroffene – von jungen Sportlern bis zu 90-Jährigen. Bei fast 80 % von ihnen war eine deutliche Verringerung der Symptome zu verzeichnen. Zuversichtlich ist auch der New Yorker Lungenfacharzt und Intensivmediziner Dr. Pierre Kory , der im März 2020 die Front Line COVID-19 Critical Care Working Group (FLCCC) mitbegründete: eine private Organisation von Ärzten und Wissenschaftlern, die während der Corona-Pandemie alternative Behandlungsprotokolle entwickelte, um Covid-19 vorzubeugen und zu behandeln. Auch Kory schwört auf Ivermectin, ein weit verbreitetes Antiparasitikum, das während der Pandemie verteufelt wurde. „Ivermectin löst die Verklumpung tatsächlich auf“, sagt er. (12) Wie Vaughn, so setzt auch der prominente US-Ganzheitsmediziner Dr. Joseph Mercola auf Enzyme, die fibrinolytisch wirken, d.h. Blutgerinnsel abbauen. Dabei ist “ Lumbrokinase meine Top-Empfehlung, da es etwa 300-mal stärker ist als Serrapeptase und fast 30-mal stärker als Nattokinase. Die aus Regenwürmern gewonnene Lumbrokinase ist ein hochwirksames antithrombotisches Mittel, das die Blutviskosität und die Thrombozytenaggregation verringert und gleichzeitig Fibrin abbaut, einen Schlüsselfaktor bei der Gerinnselbildung.” Zur Zeit prüft Mercola ein Homöopathikum aus Schlangengift auf Eignung. Wie der Kardiologe Dr. Peter McCullough berichtet, erzielt er mit drei Mitteln gute Ergebnisse: mit Bromelain, einem aus der Ananas gewonnenen Enzymgemisch; mit Curcumin, dem wichtigsten bioaktiven Bestandteil des Kurkuma-Gewürzes; und mit Serrapeptase, einem eiweißspaltenden Enzym, das ursprünglich aus Bakterien der Gattung Serratia gewonnen wurde; diese tummeln sich im Darm von Seidenraupen und helfen ihnen, ihren Kokon zu durchbrechen, indem sie Seidenproteine auflösen. (13) Selbstbehandlung wäre freilich riskant. Die erwähnten Fingerzeige nützen besorgten Impfgeschädigten, echten und vermeintlichen “Long Covid”-Betroffenen erst, wenn sie Ärzte finden, die das Phänomen und einschlägige Studien kennen, Therapiepläne erstellen und umsetzen. Weiterhelfen kann womöglich die Gesellschaft der „Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie, e.V.“ ( MWGFD ), ein Zusammenschluss von medizinisch tätigen Personen und Wissenschaftlern, die sich in Forschung und Lehre mit den Themen Gesundheit, Freiheit und Demokratie beschäftigen. Sie vermittelt Therapeuten. Auch Online-Portale wie Jameda , Doctolib und Theralupa.de führen zu “alternativen” Heilkundigen. (Harald Wiesendanger) Anmerkungen (1) Im Interview mit Kla.TV . (2) Einfach erklärt: Die Induktiv gekoppelte Plasma-Massenspektrometrie (ICP-MS) gleicht einer hochsensiblen Waage für winzigste Mengen chemischer Stoffe. Dabei wird eine Probe zunächst einen feinen Nebel verwandelt, ähnlich wie Wasserdampf aus einer Sprühflasche. Dieser feine Nebel wird in ein superheißes Plasma geschickt. Durch diese Hitze zerfallen die Stoffe in der Probe in ihre kleinsten Bausteine, nämlich Atome, und werden elektrisch geladen – zu „Ionen“. Diese werden in ein Massenspektrometer geleitet, das sie nach ihrem Gewicht sortiert (genauer gesagt, nach ihrem Masse-zu-Ladungs-Verhältnis). Weil jedes Element ein eigenes charakteristisches Gewicht aufweist, kann es dadurch erkannt und gezählt werden - selbst in winzigen Mengen, wie wenige Tropfen auf einen großen See verteilt. (3) High-Performance Liquid Chromatography (HPLC), „Hochleistungsflüssigkeitschromatographie“, ist eine Methode, mit der sich einzelne Bestandteile eines Gemisches voneinander trennen und genau untersuchen lassen. Am Beispiel eines Obstsafts, in dem Äpfel, Orangen und Erdbeeren vermischt wurden: Wie viel steckt von jeder Frucht darin? HPLC veranstaltet gleichsam ein Wettrennen durch ein Rohr: Jeder Stoff läuft unterschiedlich schnell durch eine kleine, dünne Säule, die mit einem speziellen Material gefüllt ist. Unterwegs trennen sich die Stoffe: Manche kommen schneller am Ziel an, andere langsamer – abhängig davon, wie stark sie am Material in der Säule „hängen bleiben“ oder wie schnell sie von der Flüssigkeit - (dem Lösungsmittel - hindurchgetragen werden. Am Ende der Säule erkennt ein Detektor, wann welcher Stoff herauskommt. Jeder Stoff erzeugt ein eigenes Signal - eine Art Spitze oder Kurve. Die Auswertung ergibt ein Diagramm mit verschiedenen Spitzen. Lage und Höhe der Spitzen zeigen genau an, wieviel von welchernStoff enthalten ist. (4) Die Raman-Spektroskopie ist ein Verfahren, mit dem man Moleküle identifizieren kann. Dabei wird Laserlicht auf eine Probe gerichtet. Ein kleiner Teil des Lichts wird dabei in seiner Energie verändert – je nach Art der Moleküle. Diese Energieverschiebung zeigt typische „Fingerabdrücke“ der Moleküle. (5) Der RT-QuIC-Test ist eine hochsensitive Methode, um fehlgefaltete Prionproteine nachzuweisen, die für Prionenerkrankungen wie die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit charakteristisch sind. Sie funktioniert so: Man gibt normale, gesunde Prionproteine in ein Röhrchen zusammen mit einer Probe, z. B. Gehirn- oder Nervenwasser. Falls die Probe krankhafte Prionen aufweist, bringen sie die gesunden dazu, sich ebenfalls falsch zu falten – wie bei einer Kettenreaktion. Durch Schütteln („ quaking “) und Erhitzen wird dieser Prozess beschleunigt. Ein Farbstoff zeigt dann in Echtzeit an, wie viele dieser falsch gefalteten Proteine entstehen – daher „Real-Time“. So erkennt man schnell und zuverlässig, ob krankhafte Prionen vorhanden sind. (6) Näheres zu diesem Erklärungsansatz: https://www.midwesterndoctor.com/p/what-is-causing-the-died-suddenly und https://www.midwesterndoctor.com/p/embalmers-are-continuing-to-find . (7) https://www.risiko-thrombose.de/allgemeine-risikofaktoren.html , https://www.antikoagulation.de/thrombose-risikofaktoren-pravention , https://www.wolfs-apotheke.de/gesundheitsbibliothek/index/thrombose/ , https://www.thrombose-im-griff.de/was-ist-eine-thrombose/ursachen-risiken (8) https://laurakasner.substack.com/p/results-of-the-2024-worldwide-embalmer , zum Download der Studie hier: https://laurakasner.substack.com/api/v1/file/ee05b66b-f8e0-4701-b5f4-cea1cec59eea.pdf (9) Zum Vergleich: 2020, im ersten Pandemiejahr, waren nicht einmal halb so viele Einbalsamierer (31 %) auf „weiße faserige Strukturen/Klumpen“ in Leichen gestoßen – gegenüber 73 % 2021 und 79 % 2022, nach Beginn der Covid-Impfkampagne -, vor 2020 nur jeder zehnte. Diese Umfragewerte deuten darauf hin, dass auch das Coronavirus selbst zum „White Clot“-Syndrom beiträgt, aber bei weitem nicht so erheblich wie die mRNA-Spritzen. (10) ChatGPT am 30.03.2025. (11) Näheres hierzu im KLARTEXT „ Doctor Know“ ist da. Was nun? “, „ Macht KI die Medizin besser? " und „ Kapiert KI die Pandemie? “. (12) YouTube: Full Measure with Sharyl Attkisson, The COVID Clots , 12. September 2023, ab 24:50. Mehr über Ivermectin in den KLARTEXT-Beiträgen “ Diese Arznei kann die Coronakrise beenden. Sofort. Aber sie darf nicht ” und “ Ein „Game Changer“, der nicht mitspielen darf ”. (13) Nach einer Mitteilung von Dr. McCullough bei einer zahnmedizinischen Tagung in Orlando, zit. in https://articles.mercola.com/sites/articles/archive/2023/10/07/the-covid-clots.aspx?ui=d503235325038e7b4f1f46eb68a48ff02ee0b104fe815572e6d5504e6da7c48e&sd=20200215&cid_source=dnl&cid_medium=email&cid_content=art1ReadMore&cid=20231007_HL2&foDate=false&mid=DM1474100&rid=1931624796 Titelfoto: “White Clot” aus Laura Kasners Substack ; Blut: qimono/Pixabay.
- Plötzlicher Kindstod: Sind Eltern schuld?
Zwei kerngesunde Babies sterben plötzlich über Nacht. Ihre Eltern werden daraufhin verhaftet – weil sie es versäumten, ihr Kind in eine „sichere Schlafposition“ zu bringen. Die Anklage: fahrlässige Tötung. Mehrfach geschehen in den USA. Auch hierzulande möglich? Am Morgen des 8. Mai 2024 will Gina Strause, eine 40-jährige Mama aus Lebanon County im US-Bundesstaat Pennsylvania, ihren drei Monate alten Sohn Gavin füttern. Beim Blick in sein Bettchen begreift sie sofort: Etwas stimmt nicht. Das Baby reagiert nicht. Es ist kalt und blau angelaufen. Sofort ruft sie den Notarzt. Bis er eintrifft, versucht sie verzweifelt, ihren Jungen wiederzubeleben. Vergeblich. Woran starb der Säugling? Der Autopsiebericht nennt als Todesursache „Komplikationen aufgrund von Erstickung“. Prompt tauchen Polizeibeamte bei Gina Strause und dem Vater, David, auf. Im Protokoll halten sie fest, im Kinderbett lose Gegenstände vorgefunden zu haben, „wie Decken und Stofftiere“. Wie die Mutter aussagt, habe sie ihr Baby gegen 23:30 Uhr gestillt. Anschließend habe sie Gavin auf den Bauch in sein Bettchen gelegt, weil er ein „Bauchschläfer“ gewesen sei, und eine Decke auf ihn gelegt. Bevor David Strause am nächsten Morgen um 5:30 Uhr zur Arbeit geht, sieht er nach seinem Kind. Da liegt es auf dem Bauch und bewegt sich ein wenig. Um es wieder zum Einschlafen zu bringen, tätschelt der Vater es sanft auf den Po. In einem Interview mit dem Online-Nachrichtenportal PennLive erklärt Gina, sie habe Gavin normalerweise auf dem Rücken schlafen gelegt – er habe sich aber angewöhnt, sich auf den Bauch zu drehen. Bei ihrer Vernehmung räumen die Eltern ein, nach der Geburt bei Arztbesuchen einen Handzettel mit medizinischen Informationen über „sichere Schlafpraktiken“ erhalten zu haben, um einem Plötzlichen Kindstod (SIDS) vorzubeugen. Darin hieß es, das Baby solle auf dem Rücken liegen und im selben Zimmer wie die Eltern schlafen. Das Kinderbett sei von Stoßfängern und Stofftieren freizuhalten. Weil die Eltern diese Richtlinien nicht befolgten, werden sie fahrlässiger Tötung, „rücksichtsloser Gefährdung einer anderen Person“ sowie „Gefährdung des Wohlergehens von Kindern“ beschuldigt. Um Anwalts- und Prozesskosten zu decken, haben sie eine GoFundMe-Seite eingerichtet. Der kleine Gavin mit seiner Mama Gina (Foto li.) und seinem großen Bruder. „Rücksichtslos gefährdet, fahrlässig getötet“? Ähnlich ergeht es Natalee Rasmus, einer 17-jährigen Mutter aus Nanticoke im Luzerne County, ebenfalls in Pennsylvania. Als sie am Morgen des 23. Oktober 2022 ihre vier Wochen alte Tochter Avaya Jade aus dem Bettchen hebt, um sie für einen Termin beim Kinderarzt fertig zu machen, ist ihr Körperchen starr und kalt. Ein Gerichtsmediziner stellt als Todesursache „Ersticken durch mechanische Kompression“ fest. Im Polizeiverhör räumt Natalee ein, von medizinischen Personal und in Geburtsvorbereitungskursen habe sie Empfehlungen für sicheres Schlafen von Babies erhalten, diese aber ignoriert. Stattdessen habe sie ihr Baby mit dem Gesicht nach unten in einen Stubenwagen gelegt – mit einem Boppy-Kissen, auf dem der Warnhinweis „Nicht zum Schlafen verwenden“ angebracht war. (1) Gegen die junge Mutter wird Anklage erhoben: wegen „Mord dritten Grades“, bei dem jemand unabsichtlich, aber „unter rücksichtsloser Missaachtung menschlichen Lebens“ getötet wird. In Pennsylvania droht deswegen eine Freiheitsstrafe bis zu 40 Jahren. Bis zum Ausgang des immer noch offenen Verfahrens bleibt Natalee Rasmus in Haft. Ihre Kaution, auf 25.000 Dollar festgesetzt, kann sie nicht aufbringen. In beiden Fällen verweist die Staatsanwaltschaft darauf, dass sich in den Krankenakten der Babys unterschriebene Erklärungen der Eltern befanden, sie seien über Vorsichtsmaßnahmen gegen Plötzlichen Kindstod aufgeklärt worden. So zu verfahren, schreibt der Bundesstaat Pennsyvania in einem Gesetz aus dem Jahr 2010 vor. Es verpflichtet Krankenhäuser, Geburtszentren und medizinische Dienstleister, frischgebackenen Eltern Informationsmaterialien der nationalen „Safe to Sleep “-Kampagne auszuhändigen und sie zu bitten, den Erhalt dieser Materialien zu bestätigen. Ebenfalls zum Sündenbock wurde die 25-jährige Candice Christa Semidey aus Virginia: Im Jahr 2014 wurde sie wegen Mordes angeklagt , nachdem sie ihr Baby gewickelt und auf den Bauch gelegt hatte. Sie bekannte sich schuldig des fahrlässigen Totschlags und der Vernachlässigung eines Kindes. Zunächst zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt, kam sie schließlich mit drei Jahren auf Bewährung davon. Eltern zurecht am Pranger? Derartige Anklagen empfindet Nancy Maruyama, Geschäftsführerin von Sudden Infant Death Services of Illinois , als schockierend : Betroffene Eltern „strafrechtlich zu verfolgen, ist ein Verbrechen, denn sie haben bereits den schlimmsten Verlust erlitten“. Seit 1968 bietet ihre Organisation Eltern Prävention, Unterstützung und Trauerbegleitung. Auch Juristen schütteln den Kopf über solche Schuldzuweisungen und ihre drastischen Folgen. Der Tod des Babies sei doch offenkundig „ein tragischer Unfall ohne kriminelle Absicht, es zu verletzen oder zu töten“, erklärte ein Pflichtverteidiger von Natalee Rasmus. Der US-amerikanische Medizinjournalist und Impfkritiker Neil Z. Miller, Autor von Vaccines: Are They Really Safe and Effective? , kommentiert empört: „Eltern eines schlafenden Babys, das mitten in der Nacht stirbt, sollten niemals wegen Mordes angeklagt werden. Das ist einfach grausam. (..) Sollten Eltern wirklich verpflichtet sein, jede ‘Empfehlung’ ihres Arztes oder der Safe to Sleep -Kampagne zu befolgen? Würden wir es vorziehen, dass Ärzte unsere Babys großziehen statt die Eltern? Wurden andere mögliche Todesursachen in Betracht gezogen, wie zum Beispiel Impfungen?” Durchsichtiges Ablenkungsmanöver von fatalen Impffolgen? In einem lesenswerten Artikel verschafft Miller einen Überblick über die Geschichte der Diagnose “Plötzlicher Kindstod” (SIDS, Sudden Infant Death Syndrome ). Darin stellt er fest: Der dramatische Anstieg der SIDS-Fälle fiel mit den ersten Massenimpfkampagnen zusammen. Das nationale Safe-to-Sleep -Programm startete, nachdem immer mehr Mütter und Väter sich Sorgen machten, dass die Todesfälle herbeige”pikst” worden sein könnten. Diesen Verdacht versuchte die Kampagne zu zerstreuen. Sie trichterte Eltern ein: Babys, die auf dem Rücken oder auf der Seite schlafen, sterben seltener im Schlaf. Am meisten SIDS-gefährdet seien “Bauchschläfer”. Diesen Zusammenhang scheinen Statistiken zu belegen. Zwischen 1992, als die Safe to Sleep -Propaganda Fahrt aufnahm, und 2001 gingen die SIDS-Todesfälle Berichten zufolge um satte 55 % zurück. (2) In den USA waren es im Jahr 1992 noch 4.895 gewesen – zwölf Jahre später, 2004, gab es angeblich bloß noch 2.247. (3) SIDS-Rate und Rückenschlaf von 1988 bis 2006. Mit Grafiken wie dieser versucht das US-Gesundheitsministerium zu “beweisen”, dass plötzliche Säuglingstode nichts mit Impfungen zu tun haben, sondern mit einer unsicheren Schlafposition. Parallel zum Rückgang der SIDS-Fälle stieg jedoch die Sterblichkeitsrate aufgrund von „Erstickung im Bett“, „sonstiger Erstickung“, „unbekannten und nicht näher bezeichneten Ursachen“ und „unbekannter Ursache“ deutlich an. Warum? Wegen „ Code Shifting “ - man hatte kurzerhand das Klassifizierungssystem geändert . SIDS-Todesfälle wurden von medizinischen Gutachtern, in der Regel Gerichtsmedizinern, fortan nicht mehr als SIDS bezeichnet, sondern in einer der anderen begrifflichen Schubladen untergebracht. Zum selben Schluss kommt eine im Fachjournal Pediatrics veröffentlichte Studie: Todesfällen, die zuvor als SIDS etikettiert worden waren, wurden nun einfach andere Nicht-SIDS-Ursachen, wie z. B. Ersticken, zugeschrieben. Aber im Wesentlichen handelte es sich weiterhin um Plötzlichen Kindstod. Solch trickreiches Umklassifizieren machte mehr als 90 % des Rückgangs der SIDS-Raten aus. Diesen Befund bestätigten mehrere weitere Studien in angesehenen Fachzeitschriften. (4) „Von 1999 bis 2015 sank die SIDS-Rate in den USA um 35,8 %, während die Zahl der Säuglingstodesfälle durch versehentliches Ersticken um 183,8 % stieg“, so berichtet Neil Miller. Recherchen des medizinischen Nachrichtendiensts Scripps Howard News Service bestätigen Millers Befund. „Wir führten eine umfassende Studie darüber durch, wie Fälle von Säuglingstod in den Vereinigten Staaten untersucht werden.“ Dabei stützte sich die Redaktion auf Unterlagen, die ihr die US-Gesundheitsbehörde CDC zur Verfügung stellte. „Die Aufzeichnungen enthielten Einzelheiten über den plötzlichen Tod von 40.239 Kleinkindern, von denen die Hälfte in den 1990er Jahren und der Rest in einem Fünfjahreszeitraum von 2000 bis 2004 starb.“ Zum Vorschein kamen dabei „statistische Manipulationen“ und „gezielte Bemühungen, SIDS verschwinden zu lassen – auf dem Papier“. Die Überprüfung ergab „enorme Unterschiede in der Art und Weise, wie die Todesfälle von Kleinkindern untersucht und eingeordnet werden. Die SIDS-Rate ist den Daten zufolge in Mississippi 12-mal höher als in New York. Die meisten Experten sind sich einig, dass solche großen Unterschiede von der Art und Weise herrühren, wie man die Todesfälle klassifiziert, und nicht von der Art und Weise, wie die Säuglinge starben. Die Unterschiede sind von Landkreis ( county ) zu Landkreis innerhalb eines Bundesstaates manchmal sogar noch größer, weil die Rechtsmediziner sehr unterschiedliche Ansätze verfolgen, wie sie die Ursache der Säuglingssterblichkeit in ihren Gebieten feststellen. (…) In einigen Bundesstaaten und Städten sind SIDS-Fälle in den letzten Jahren praktisch verschwunden - eine genauere Untersuchung der Daten macht jedoch deutlich, dass Tausende dieser Leben keineswegs ‚gerettet‘ wurden, sondern unter einem anderen Namen verloren gingen“. Wozu das Statistikmanöver stattfand, liegt auf der Hand: Zu nahezu 80 % der SIDS-Todesfälle, die dem Vaccine Adverse Event Reporting System (VAERS) gemeldet wurden – einem seit 1990 bestehenden US-Meldesystem für Impfnebenwirkungen -, kam es innerhalb von sieben Tagen nach einer Impfung. (5) Zufall? Warum sterben Babys dann nicht ebenso häufig sieben Tage davor ? Vor den modernen Impfprogrammen kam der "Krippentod" so selten vor, dass er in Statistiken zur Säuglingssterblichkeit noch gar nicht auftauchte. Das änderte sich erst, als die Vereinigten Staaten in den 1960er Jahren eine Reihe von Impfkampagnen initiierten. Erstmals erhielten die meisten US-Kinder mehrere Dosen von Impfstoffen gegen DPT, Polio, Masern, Mumps und Röteln. Kurz darauf, 1969, wurde das „Syndrom des plötzlichen Kindstods“ zum medizinischen Fachbegriff. Wie dem Kinderneurologen William Torch von der Universität von Nevada in Reno 1982 auffiel, waren zwei Drittel der Säuglinge, die SIDS zum Opfer fielen, vor ihrem Tod gegen DPT geimpft worden. Von diesen starben 6,5% innerhalb von 12 Stunden nach der Impfung, 13% innerhalb von 24 Stunden, 26% innerhalb von 3 Tagen und 37%, 61% und 70% innerhalb von 1, 2 bzw. 3 Wochen. (6) Das RKI trickst mit Wie dreist Wissenschaftler und Behörden tricksen, um genehme Statistiken zu liefern, verdeutlicht die vielzitierte „Token-Studie“ zur Sicherheit von Babyimpfungen, die das Robert-Koch-Institut organisierte. (7) Ihr vollmundiger Anspruch: Lückenlos sollte sie sämtliche ungeklärten SIDS-Fälle bei Kindern im Alter von zwei bis 24 Monaten erfassen, die zwischen Sommer 2005 und Sommer 2008 verstarben – und prüfen, ob diese Tode mit vorausgegangenen Impfungen zusammenhängen. Schon die Finanzierung der Studie machte stutzig: Für einen Sponsorbetrag von 2,5 Millionen Euro erkauften sich die Hersteller zweier zu testender Impfstoffe, Sanofi Pasteur und GlaxoSmithKline (GSK), das Recht, „unverzüglich über relevante Ergebnisse oder Bewertungen unterrichtet zu werden“ – und „Gelegenheit zur wissenschaftlichen Stellungnahme zu den zur Publikation vorgesehenen Texten zu erhalten“, ehe diese veröffentlicht werden. In die Auswertung einbezogen wurden nur 254 Fälle, in denen betroffene Eltern bereit waren, einen umfangreichen Fragebogen auszufüllen. Von 667 Müttern und Vätern, deren Kind im Untersuchungszeitraum verstarb, verweigerten aber zwei Drittel ihre Teilnahme, trotz mehrfacher Kontaktnahme – verständlicherweise. Wer ist nach einem derart schmerzlichen Verlust noch erpicht darauf, die Neugier von Datensammlern zu befriedigen? Zu schlechter letzt gelang der „Token-Studie“ das Kunststück, gleichzeitig zwei diametral entgegengesetzte Erkenntnisse zu liefern: die offizielle sowie eine, die erst bei Analyse der Basisdaten zum Vorschein kam – das RKI versteckte sie in der 160-seitigen Langfassung des Studienberichts, den sie nur auf Englisch zur Verfügung stellte. Die deutsche Kurzversion gab erwartungsgemäß Entwarnung: Die Impfstoffe seien ungefährlich – schuld an den Todesfällen scheinen demnach vielmehr unaufmerksame, sorglose Eltern. Dabei rückte das RKI nichtsignifikante, aber genehme Details in den Vordergrund seiner Berichterstattung; und statt SIDS-Fälle einfach auszuzählen, „gewichtete“ es sie, bis sich genehme Schlussfolgerungen ergaben. Bei genauerem Hinsehen belegen die RKI-Daten in Wahrheit: - In den ersten 14 Tagen nach einer Impfung ist ein SIDS-Fall drei Mal wahrscheinlicher als in den darauffolgenden Wochen. - Drei Tage nach einer Sechsfachimpfung ist das Sterberisiko um das 2- bis 3-Fache erhöht, nach einer Fünffachimpfung sogar um das 8,1-Fache. - Während des zweiten Lebensjahrs steigt die Wahrscheinlichkeit, binnen 72 Stunden nach einer Impfung zu sterben, um beinahe das 14-Fache. Würde der Forschungsstand tatsächlich Skeptiker widerlegen: Warum stoßen betroffene Eltern dann auf massivsten Widerstand, wenn sie darauf bestehen, die wahre Todesursache ihres geimpften Babies aufzuklären? Dass sie es hierbei „schwerer haben als Don Quichotte im Kampf gegen die Windmühlenflügel“, erlebte Helga Rühl, Vorstandsmitglied der „ Eltern für Impfaufklärung “ (EFI) und selber betroffene Mutter. Mitte der neunziger Jahre reichte sie sowohl beim Petitionsausschuss der Bundesrepublik Deutschland als auch bei ihrer Landesregierung einen Antrag ein, eine Meldepflicht für plötzlichen Kindstod einzuführen, die zeitliche Nähe zu vorausgegangenen Schutzimpfungen zu untersuchen und grundsätzlich eine Obduktion der verstorbenen Kinder vorzunehmen. Mit einbezogen werden sollten Near -SIDS-Fälle. Zwei Mal wurde ihr Antrag abgelehnt . Eine fatale Kombination mehrerer Faktoren , die in einem kritischen Entwicklungsstadium zusammentreffen, könnten manche Säuglinge anfällig für giftige Bestandteile von Impfstoffen machen. In den ersten Lebensmonaten ist das Nervensystem noch unreif, Arousal -Mechanismen – also das Aufwachen bei Atemproblemen – funktionieren noch nicht optimal. Womöglich erschweren es unterentwickelte Leberenzymwege einigen Babies, Toxine abzubauen, die in sie hineingespritzt werden. Äußere Stressoren wie Überwärmung, Passivrauchen, Infektionen, CO 2 -Rückatmung in schlecht belüfterter Umgebung setzen ihn weitaus stärker zu als älteren Kindern. Alles zusammengenommen kann „ The Perfect Storm “ erzeugen, der die tödliche Katastrophe heraufbeschwört. Drohen Eltern hierzulande amerikanische Verhältnisse? „Rückenlage ist für Babies die sicherste Schlafposition, um Plötzlichem Kindstod vorzubeugen“: Auch in Deutschland verbreiten mehrere Institutionen diese Empfehlung – von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) über die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und das Netzwerk „ Gesund ins Leben “ bis hin zum Kinderschutzbund dksb.de , der Stiftung Kindergesundheit , dem Grünen Kreuz und dem Deutschen Hebammenverband . Können sich Eltern hierzulande strafbar machen, wenn sie diese Empfehlungen missachten und ihr Baby daraufhin stirbt? Wegen SIDS ist gegen Eltern in Deutschland bisher kein einziges Gerichtsurteil ergangen. Dies könnte sich in Ausnahmefällen aber irgendwann ändern, wie Juristen zu bedenken geben – unter bestimmten Umständen kann durchaus ein strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegen. Zwar gibt es keinen gesetzlichen Zwang, medizinische Empfehlungen einzuhalten – sie sind nicht rechtsverbindlich. Das Erziehungsrecht liegt grundsätzlich bei den Eltern; somit sind sie frei in ihren Entscheidungen, wie sie ihr Kind pflegen und betreuen. Aber: Eltern obliegt eine Sorgfaltspflicht. Sie sind gesetzlich verpflichtet, für das Wohl und die Sicherheit ihres Kindes zu sorgen (§ 1626 BGB, § 1631 BGB). Falls sie allgemein anerkannte Sicherheitsregeln - wie die Rückenlage – missachten, so könnten Richter dies als grobe Sorgfaltspflichtverletzung werten. Welche strafrechtlichen Konsequenzen drohen dann womöglich? Wenn ein Baby z. B. erstickt, weil es in Bauchlage auf einem Kissen lag – und die Eltern das trotz Aufklärung billigend in Kauf genommen haben –, kann ihnen fahrlässige Tötung (§ 222 StGB) vorgeworfen werden. Die vier Voraussetzungen hierfür: pflichtwidriges Verhalten, Kausalität, Vorhersehbarkeit, Vermeidbarkeit. Dann droht eine Geldstrafe, bei grober Fahrlässigkeit bis zu fünf Jahren Gefängnis. Wenn Eltern ihr Kind über längere Zeit systematisch gefährden - z. B. indem sie es wiederholt unter Bedingungen schlafen lassen, die Sachverständige und Richter als extrem gefährlich bewerten -, so kann dies als Verletzung der Fürsorgepflicht gelten (§ 171 StGB). Soweit die juristische Theorie. In der deutschen Rechtspraxis kam es bislang zu keinem einzigen Strafverfahren dieser Art. Eher findet eine Überprüfung durch das Jugendamt statt – vor allem, wenn es sich um einen tragischen Einzelfall handelt und keine Anzeichen für Vernachlässigung oder Vorsatz vorliegen. Ermittlungen der Polizei nach einem plötzlichen Kindstod sind üblich, aber vor allem, um Fremdverschulden auszuschließen. Eine strafrechtliche Verurteilung ist selten – sie erfordert in der Regel massive und nachweisbare Pflichtverletzungen. Im übrigen: Schließt elterliche Fürsorgepflicht nicht ein, seinem Nachwuchs Missbildungen möglichst zu ersparen? Babys, die überwiegend auf dem Rücken schlafen, entwickeln häufiger abgeflachte Hinterköpfe. Seit die „ Safe-to-Sleep “-Kampagne anlief, haben ein- und beidseitige Schädelverformungen um 400 bis 600 % zugenommen (8): Beim „Schrägkopf“ (Plagiozephalie) ist eine Hinterkopfseite abgeflacht, Stirn und Ohr sind dort leicht nach vorn verlagert, der Kopf erscheint rhomboid bzw. parallelogrammförmig; beim „Kurzschädel“ (Brachyzephalie) ist der Hinterkopf beidseitig abgeflacht, was den Kopf verkürzt und verbreitert erscheinen lässt. Inzwischen entwickeln 20 bis 30 % aller Babies im ersten Lebensjahr sichtbare Deformationen dieser Art – fürs Gehirn zwar ungefährlich, aber alles andere als ästhetisch. Indem sie auf dem Rücken schlafen, verbringen Babys außerdem weniger Zeit in Bauchlage („ Tummy Time “), wodurch sie Nacken- und Oberkörpermuskulatur weniger trainieren. „Berichten zufolge“, resümiert The Guardian , „hat das Schlafenlegen von Babys in Rückenlage zu einer Generation von Kleinkindern geführt, die möglicherweise nie oder nur sehr spät krabbeln lernen.“ (9) Zu früh gefreut? Fakt ist: Vorerst müssen Deutschlands Eltern keine juristischen Scherereien befürchten, wenn sie ihr Baby im Bettchen anders positionieren, als Experten vorschwebt. Deswegen erleichtert aufzuatmen, könnte sich allerdings als voreilig erweisen. Wie weit unser sogenannter Rechtsstaat geht, um der Pharmaindustrie beim Kaschieren von Impfschäden behilflich zu sein, erleben Eltern, die ihr Kleines zwar nicht dem Erstickungstod durch fehlerhaftes Schlafenlegen zugeführt, aber angeblich zu Tode geschüttelt haben. (10) Viele derartige Fälle dokumentiert der Verein IN-ES in seinem Buch Schütteltrauma - Gewaltanwendung oder Impffolge? (2018): „Wegnahme des eigenen Kindes! Die Familie wird auseinandergerissen. Nichts ist mehr, wie es war. Große Leere. Schock. Angst. Genau dies mussten bereits viele Eltern erfahren, denen ihr Kind mit der Begründung einer Misshandlung weggenommen wurde. Es gibt Eltern, die ihre Kinder tatsächlich physisch und psychisch misshandeln - unverzeihlich. Viele Eltern werden jedoch zu Unrecht von Ärzten, Gerichten und Jugendämter beschuldigt. Denn auch Impfungen können gewaltähnliche Symptome auslösen. Andere Ursachen werden jedoch meist nicht geprüft! Eine Ausschlussdiagnostik fehlt in den allermeisten Fällen und Impfungen werden grundsätzlich als Ursache geleugnet. Dabei entscheidet genau diese Unterscheidung über den Verbleib des Kindes bei seinen Eltern. Viele Eltern, die so zu Unrecht als Verbrecher hingestellt werden, resignieren und gehen einen Vergleich mit dem Gericht ein. Meist wird der Vater bestraft und ist für sein Leben gezeichnet.“ “Sicher positionieren”: eine absurde Zumutung Wie, bitteschön, sollen Eltern denn sicherstellen, dass ihr Baby stundenlang ständig auf dem Rücken liegenbleibt, nachdem sie es in dieser Position hingelegt haben? Mit Sicherheit klappt das bloß im allerersten Lebensmonat, solange seine Muskeln und Nerven dafür noch nicht reif genug sind. Und danach? Festschnallen? Tatsächlich wechseln Babys nachts mehrfach ihre Schlafposition - wie oft, hängt vom Alter, Entwicklungsstand und der jeweiligen Schlafphase ab. Unter 3188 Säuglingen, die vier Wochen alt waren, war dies bei 56 % festzustellen . Babys durchlaufen Schlafzyklen von 40 bis 45 Minuten. In den Übergängen zwischen Leicht- und Tiefschlaf wachen sie kurz auf – in diesem Moment findet unbewusst oft eine Lageveränderung statt. Bereits mit drei Monaten drehen sich manche Babies zum ersten Mal vom Rücken auf den Bauch – andere schaffen dies erst nach einem halben Jahr . Spätestens bei der unsäglichen Corona“pandemie“ müsste aufmerksamen Eltern klargeworden sein, wie eng Impfungen und SIDS zusammenhängen. Insbesondere während Lockdowns, als Impftermine ausfielen, verstarben plötzlich deutlich weniger Kinder. Von Anfang an war die Safe-to-Sleep -Kampagne an Absurdität kaum zu überbieten. Seit es Menschen gibt – also seit mindestens hunderttausenden von Jahren -, schläft ihr Nachwuchs in allen möglichen Positionen, auch bäuchlings. Warum wurde die Bauchlage für Neugeborene erst massenhaft tödlich, als massenhafte Impfungen begannen? So „evidenzbasiert“, wie ihre Propagandisten vorgeben, ist die Rückenschlaf-Empfehlung mitnichten. Im Jahr 2022 bezog ein systematischer Forschungsüberblick 54 Studien zur Rückenlage mit insgesamt knapp 475.000 Säuglingen ein. Wie viele deuteten darauf hin, dass diese Schlafposition das Risiko für plötzlichen unerwarteten Kindstod senken kann? Eine einzige. Demnach, so schloss der Review, „gibt es wenig bis sehr geringe Evidenz dafür.“ Die Safe-to-Sleep -Kampagne ging übrigens auf eine Empfehlung der American Academy of Pediatrics (AAP) zurück, der weltweit bedeutendsten Fachgesellschaft für Kinderheilkunde. 1930 gegründet, vertritt sie über 67.000 Kinderärzte, Forscher und Fachkräfte. Ihre Empfehlungen gelten nicht nur in den USA, sondern beeinflussen Richtlinien rund um den Globus. Zu ihren Sponsoren zählen Pfizer, Merck, Eli Lilly, Genentech (Roche-Gruppe), GlaxoSmithKline, Moderna, Sanofi – allesamt Impfstoffhersteller. Offiziell liegen die jährlichen Zuwendungen pro Unternehmen bei 10.000 bis über 50.000 US-Dollar; bei Pfizer waren es 2017 immerhin 150.000 Dollar. Damit nicht genug: Vermutlich streicht fast bis ausnahmslos jeder der 17 AAP-Vorständler Pharmagelder für Beratung, Forschung, Autoren- oder Vortragstätigkeit ein. Dabei sind fünf- bis sechsstellige Zuwendungen durchaus branchenüblich. (11) Solche „Partnerschaften“ haben selbstverständlich „keinen Einfluss auf die Objektivität unserer Inhalte“, so beteuert die AAP auf ihrer Website. Ist es nicht immer wieder aufs Neue verblüffend, welche Unsummen es Big Pharma wert ist, medizinische Institutionen nicht zu kaufen? ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1) Ein Boppy-Kissen hat die Form eines Hufeisens. Ursprünglich als Stillhilfe entwickelt, dient es heute auch zum Hochlagern, Ablegen oder Unterstützen von Babys. (2) https://www.thebump.com/news/safe-to-sleep-program-cut , https://www.nytimes.com/2020/04/17/parenting/baby/what-causes-sids.html#:~:text=Before%20the%201960s%2C%20healthy%20infants,%2C%20however%2C%20was%20a%20mystery (3) L. Bowman/T. Hargrove: " Saving babies: Exposing Sudden Infant Death In America ", Daily Camera 8.10.2007. (4) https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11826207/ , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29440504/ (5) Drei besonders tragische Fälle schildere ich hier , hier und hier . (6) William C. Torch: „Diphtheria-pertussis-tetanus (DPT) immunization: a potential cause of the sudden infant death syndrome (SIDS)“, American Academy of Neurology, Vortrag beim 34th Annual Meeting, 25. April – 1. Mai 1982. Neurology 32(4, part 2):A169-170, zit. hier . (7) Näheres in Bert Ehgartner: Was Sie schon immer über das Impfen wissen wollten (2023), S. 101 ff. Zu bestellen bei Ihrer örtlichen Buchhandlung – sie benötigt Einnahmen dringender als Jeff Bezos. (8) https://journals.healio.com/doi/10.3928/19382359-20200922-02 , https://www.theguardian.com/society/2003/jul/08/lifeandhealth.sciencenews , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9086896/ (9) https://www.theguardian.com/society/2003/jul/08/lifeandhealth.sciencenews , https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2002/nov/19/healthandwellbeing.health (10) http://www.bbc.co.uk/news/health-37672451 , http://www.shakenbaby.nl/ (11) Näheres in Harald Wiesendanger: Das GesundheitsUNwesen - Wie wir es durchschauen, überleben und verwandeln (2019).
- Liebe heilt
Liebe versöhnt und verbindet, sie beseelt und beflügelt, sie inspiriert und erfüllt. Sie macht glücklich. Mehr noch: Sie kann heilen. Ihre ungeheure therapeutische Kraft nutzt eine spirituelle Medizin. Wie viel sie damit zustande bringen kann, belegen seit 2007 die Therapiecamps der Stiftung Auswege. Durch ständigen Missbrauch abgenutzt, kommen manche Ausdrücke derart phrasenhaft-hohl daher, dass man ihre Weiterverwendung am liebsten verbieten würde. Dergestalt haben sich Politiker am „Sozialen“ und „Liberalen“ vergangen, der Online-Allesvernetzer Facebook an „Freundschaft“, werbetreibende Lebensmittelhersteller am „Genuss“, die FIFA an „Ethik“, Faktenchecker an „Tatsache“, „Wahrheit“ und „Desinformation“ – und eine Koalition aus überschwänglich Verknallten, Songtextern der Popindustrie, Hollywoods Drehbuchschreibern und abgehobenen Esoterikern am Begriff der Liebe. Um so schwerer fällt es uns zu bekennen: Wir lieben die Menschen, die in die Therapiecamps unserer Stiftung Auswege kommen, einen wie den anderen – den äußerlich entstellten, geistig zurückgebliebenen, körperlich aufs Extremste eingeschränkten Behinderten ebenso wie den von Krämpfen geschüttelten Epileptiker und das hyperaktive, aggressive Kind; gestresste, hadernde, fordernde Eltern ebenso wie mürrische, uneinsichtige, verklemmte, selbstgerechte, verkopfte, undankbare erwachsene Patienten und distanzierte, argwöhnische, besserwisserische Angehörige. Genauso empfinden die allermeisten, die sich uns anvertrauen: Am Ende einer Therapiewoche schwärmen sie von einem Übermaß an Liebe, das sie bei uns erfahren haben. Begriff missbraucht? Benötigen beide Seiten, Helfer wie Hilfesuchende, dringend Nachhilfeunterricht in Semantik? Liebe ist die stärkste Zuneigung und Wertschätzung, die Menschen einander entgegenbringen können; geprägt wird sie von einer innigen, tiefen Verbundenheit, die ihren Nutzwert übersteigt. Schon in der Antike unterschieden Dichter und Philosophen drei Arten von Liebe. Im Sinne der ersten, Eros , geht es bei uns durchweg lieblos zu: Wir fühlen uns Teilnehmern gewiss nicht sinnlich-erotisch verbunden, durch leidenschaftliches Begehren. Wohl aber verbinden uns Philia - die freundschaftliche Form von Liebe, die auf gegenseitiger Anerkennung und Verständnis beruht – und Agape , der es selbstlos fördernd um das Wohl des Nächsten geht. Inwiefern? Wie alle psychischen Zustände, so ist auch Liebe mit bestimmten Gefühlen, Einstellungen und Ausdrucksformen verbunden. Und in jeder dieser Hinsichten passt der Begriff durchaus auf unsere innige Beziehung zu Campteilnehmern: Emotional verbinden uns mit ihnen Sympathie und Mitgefühl. Unsere Haltung ihnen gegenüber ist geprägt von bedingungsloser Wertschätzung, aufrichtigem Interesse, Anteilnahme und Fürsorge. Beides verbergen wir nicht, sondern bringen es im Campalltag bei jeder Gelegenheit zum Ausdruck - durch Äußerungen bei Heilsitzungen und Beratungsterminen, in Gruppenzusammenkünften und Gesprächen außerhalb des Tagesprogramms, ebenso durch nonverbale Signale in Mimik, Gestik, Körperhaltungen und Verhaltensweisen, die uns weder Überwindung kosten noch irgendeinem Kalkül folgen: Teilnehmer freundlich anzulächeln, zwischendurch ihre Hand zu halten, sie zu umarmen, fällt uns keineswegs schwer. „Kann Wunder bewirken“ Darin sehen wir weitaus mehr als bloß wellnessförderliches Beiwerk zur therapeutischen Arbeit – es gehört essentiell dazu. Denn wir sind fest davon überzeugt: Liebe heilt. Darin stimmen wir ganzheitlichen Ärzten, Therapeuten und Heilern zu, die diesen Aspekt nachdrücklich betont haben (1). Ein literarisches Manifest dieser Gesinnung ist die um 1990 erschienene Aufsatzsammlung Was ist heilen? (2). Ein amerikanisches Autorenduo, Richard Carlson und Benjamin Shield, ließ darin 28 berühmte Heiler, sympathisierende Ärzte und wissenschaftliche Experten in kurzen Essays Stellung nehmen. "Liebe ist der Heiler", fassen die Herausgeber einleitend den Grundtenor der meisten Beiträge zusammen. "Liebe wird als der kleinste gemeinsame Nenner betrachtet, der jeder erfolgreichen Heilung zugrunde liegt und alle wirkungsvollen Heilmethoden unterstützt. Ohne Liebe gibt es keine wirkliche Heilung." (3) "Es ist die Liebe, die heilt", lehrte eine der prominentesten Heilerinnen im Therapeuten-Netzwerk der Stiftung Auswege, die viel zu früh verstorbene Pamela Sommer-Dickson - "eine ganz starke, aber auch ganz fein schwingende Energie, die uns berühren kann, wenn wir bereit sind, unsere Herzen zu öffnen und uns selbst anzunehmen (...) Dann erleben wir, wie sie Wunder wirken kann." (4) Doch wie sollte Liebe eine heilsame Kraft entfalten können? Sie tut es auf beiden Seiten der therapeutischen Beziehung: Helfer, die lieben, sind besonders motiviert, ihr Bestes zu geben. Hilfesuchende, die sich geliebt fühlen, vertrauen, öffnen sich, kooperieren mehr. Offenkundig uneigennützige, rein ehrenamtliche Hilfe zu finden, ist für die meisten Campteilnehmer eine völlig neue Erfahrung, die ihr Vertrauen stärkt und sie kooperativer macht: „Wir waren umgeben von Engeln, die uns bestens versorgten, jeder war herzlich und hilfsbereit", schwärmt die Mutter eines schwerbehinderten Jungen. „Diese Atmosphäre war ansteckend. Hier hat keiner an Geld oder seinen eigenen Vorteil gedacht. Ich bin hier einem ganzen Haus voller guter Menschen begegnet. Ich nehme Mut, Hoffnung und Kraft mit." Der Mutter eines epileptischen Fünfjährigen „war es nicht möglich, mich in der abschließenden Runde zu bedanken, sonst hätte ich nur geweint. Euer aller selbstlose Art ist fast nicht zu verstehen. Danke, dass es euch gibt, und Danke dafür, was ihr für uns alle tut." Was viele Campteilnehmer verblüfft: Auch Ärzte bringen diesen besonderen Geist in den Campalltag ein. „Es fällt uns schwer, von der Apparatemedizin auf adäquate Menschlichkeit umzuschalten“, räumte der frühere Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Frank Ulrich Montgomery ein (5) – den Ärzten in unseren Camps gelingt dies mühelos, ohne Selbstüberwindung. „Echte Anteilnahme ist vielleicht wertvoller als jede rein medizinische Behandlung“, konstatiert der amerikanische Kardiologe Brian Olshansky. (6) Bei uns gibt es „Liebe statt Valium“, wie ein Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats unserer Stiftung, der frühere Berliner Ärztekammerpräsident Dr. Ellis Huber, eine vieldiskutierte Streitschrift betitelte. (7) Für den Geist, in dem wir uns ins Campgeschehen einbringen, haben Hilfesuchende feine Antennen, und dies erzeugt willkommene therapeutische Nebenwirkungen. „Das nenne ich Hingabe", sagte uns die Mutter eines fünfjährigen, von Neurodermitis geplagten Jungen. „Davon bin ich gerührt und tief berührt. Ich verneige mich vor euch." Psychologie plus Paraphysik Aber wie heilt Liebe? Zu psychologischen Faktoren tritt womöglich ein paraphysikalischer hinzu – eben jener, den Heiler meinen, wenn sie versichern, Gedanken seien „Schwingungen“ im „Feinstofflichen“, liebevolle Gedanken deren höchste. Nach über einem Jahrhundert parapsychologischer Forschung sind solche Spekulationen längst nicht mehr abwegig: Unzählige Tests und Experimente, darunter viele auf gehobenem naturwissenschaftlichem Niveau, deuten mittlerweile darauf hin, dass geistige Ereignisse, Vorgänge und Zustände messbare physische Veränderungen auslösen können: bei „verblindeten“ Versuchspersonen, bei Tieren und Pflanzen, bei Pilzen und Bakterien, bei Zellen und Zellbestandteilen, selbst in anorganischem Material. (8) Und in manchen Studien zeigte sich, dass liebevolle Intentionen einen besonderen Unterschied machen: Sie synchronisieren Hirnwellenmuster (9), sie beschleunigen das Wachstum von Pflanzen (10) – wie Hobbygärtner mit „grünem Daumen“ immer schon wussten -, und sie verändern die Struktur von Wasser (11), was insofern medizinisch hochbedeutsam ist, als der menschliche Körper zu zwei Drittel aus H2O besteht, das Gehirn zu 85 Prozent, das Blutplasma sogar bis zu 95 Prozent. Liebe heilt – auch deshalb ist heilsam, was in unseren Camps geschieht. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen 1 Siehe H. Wiesendanger: Fernheilen, Band 1: Die Vielfalt der Methoden , Kap. „Die Liebenden – Fernheilen mit dem höchsten aller Gefühle“, S. 286 ff. 2 Original: Healers on Healing, hrsg. R. Carlson/B. Shield, Los Angeles o.J.; die deutsche Übersetzung erschien 1992 unter dem Titel Was ist heilen? Berühmte Heilerinnen und Heiler antworten. 3 a.a.O., S. 10 4 in H. Wiesendanger (Hrsg.): Geistiges Heilen für eine neue Zeit - Vom "Wunderheilen" zur ganzheitlichen Medizin , München 1999, S. 17-30, sowie in ders. (Hrsg.): Wie Jesus heilen. Geistiges Heilen: ein Akt christlicher Nächstenliebe , 4. überarb. Aufl., Schönbrunn 2008, S. 305-315. 5 Der Spiegel 6/2014, S. 35 6 zit. nach https://www.spiegel.de/politik/wundermittel-im-kopf-a-8f9507f3-0002-0001-0000-000052032649 7 Ellis Huber: Liebe statt Valium – Konzepte für eine neue Gesundheitsreform, Berlin 1993 8 Eindrückliche Forschungsergebnisse stelle ich vor in Fernheilen, Band 2: Fallbeispiele, Forschungen, Einwände, Erklärungen , Schönbrunn 2004, S. 115-210 sowie in Das Große Buch vom Geistigen Heilen – Möglichkeiten, Grenzen, Gefahren , Schönbrunn 2002, S. 259-304. 9 s. Fernheilen, Band 2, a.a.O., S. 179 f.. sowie Harald Wiesendanger: Die Jagd nach Psi – Über neue Phänomene an den Grenzen unseres Wissens , Freiburg i. Br. 1989, S. 243 ff. 10 Ende der siebziger Jahre berichtete eine führende Fachzeitschrift für Parapsychologie über ein Experiment, in dem ein Heiler mit zwei Gruppen von jeweils 19 Rettichen arbeitete; den einen widmete er einen Monat lang täglich 15-20 Minuten lang „liebevolle, fürsorgliche Gedanken“, die anderen ignorierte er. Beide Pflanzengruppen hatten hinsichtlich Licht, Wärme, Wässerung, Erde die gleichen physikalischen Bedingungen. Am Ende der Versuchsphase wiesen die „geistig“ behandelten Radieschen ein statistisch signifikant höheres Gewicht auf. Chris Nicholas: „The effects of loving attention on plant growth“, New England Journal of Parapsychology 1/1977, S. 19-24. 11 Der japanische Parawissenschaftler und Alternativmediziner Masaru Emoto – er starb 71-jährig im Oktober 2014 – lieferte aufsehenerregende Beiträge zum Phänomen des „Wassergedächtnisses“: Nach seiner Auffassung kann es die Einflüsse von Gedanken und Gefühlen speichern, wobei es seine Qualität ändert. Dazu veranlassten ihn Experimente, in denen er Wasserproben entweder positiven Botschaften wie „Danke“ und „Freude“ oder negativen Botschaften wie „Hass“ und „Krieg“ aussetzte – teils mittels beschrifteter Zettel, die ins Wasser eingetaucht oder an der Behälterwand befestigt wurden, teils durch rein geistige Einwirkungsversuche – und anschließend gefror; die entstehenden Eiskristalle fotografierte und deutete er anhand von ästhetisch-morphologischen Kriterien. „Positiv“ beeinflusstes Wasser, so fand er, bilde stets ausgesprochen harmonische, meist symmetrische Formen, während „negativ“ belastetes Wasser missgebildete, amorphe Strukturen auspräge. Kritiker halten Emoto allerdings Unsauberkeiten beim Untersuchungsablauf und der „Analyse“ vor. ( Harald Wiesendanger ) Dieser Betrag enthält Auszüge aus dem Buch von Harald Wiesendanger: Auswege – Kranken anders helfen (2015)
- Verlogene „Vorsorge“
Die moderne Medizin lässt uns glauben, „Vorsorge“ bestehe darin, sich möglichst frühzeitig möglichst vielen teuren Untersuchungen zu unterziehen, die dann Anlass zu weiteren teuren Maßnahmen geben. Nur Wenige durchschauen das üble Spiel mit ihren Unsicherheiten, Sorgen und Ängsten – und begreifen, dass echte Vorsorge vor allem eines bedeutet: gesund zu leben. Warum auf Ernährung und Bewegung achten, wenn man stattdessen in kurzen Abständen hochmoderne Geräte ausprobieren darf, die garantiert irgendeinen Makel aufspüren? Inzwischen bieten Praxen sogar Flatrates an – Krankheitsängste gibt es jetzt im kostengünstigen Abo-Modell. Wie langweilig wäre ein Dasein, in dem man nicht regelmäßig mit spannenden Befunden und kostspieligen Therapien überrascht wird? Kranksein zu vermeiden, erfordert lästigerweise anhaltende Selbstdisziplin und unentwegten Verzicht. Wie viel weniger anstrengend ist es, baldiges Kranksein feststellen zu lassen? Krank zu sein, ist unschön – immerhin aber eine Gelegenheit, endlich am eigenen Leib zu erfahren, was für fabelhafte Fortschritte die moderne Medizin mal wieder gemacht hat. Wer hat für Vorsorge, die ihren Namen verdient, schon genug Zeit, wer hat Lust darauf? Da leben wir doch lieber gemütlich ungesund. Gesunde Menschen, die sich weigern, regelmäßig zur Kontrolle zu gehen, handeln schlichtweg verantwortungslos gegenüber einer tragenden Säule unserer Volkswirtschaft: der Krankheitsindustrie, die bestens vom schlechten Gewissen lebt. Je früher man beginnt, sich krank zu fühlen, desto mehr erfüllt man schließlich den ökonomischen Zweck der Vorsorgeuntersuchung. Echte Prävention erfordert heutzutage, den Leistungsträgern des medizinisch-industriellen Komplexes frühestmöglich behilflich zu sein, ihren Arbeitsplatz zu sichern und Investoren zufriedenzustellen. Grenzt es nicht an Egoismus, dem Gesundheitsmarkt keine Chance zu geben, sich an einem zu bereichern? Schließlich wollen auch Ärzte, Apotheker und Pharmamanager leben, ganz zu schweigen von ihren Angestellten. Ganze Berufszweige, deren Existenz allein auf unserer Faulheit und Ignoranz, unserer Überängstlichkeit und Hypochondrie basiert, würden erbarmungslos vernichtet, wenn wir plötzlich begännen, dem bekanntlich weltfremden Ideal von berüchtigt bewegungsgeilen Vollwertaposteln nachzueifern. Was gibt es Schöneres, als seinen Lieblingsdoktor mit vagen Beschwerden in wirtschaftlich schwierigen Zeiten aufzumuntern? Wenn du denkst, du bist gesund, hast du dich vermutlich einfach nur nicht gründlich genug untersuchen lassen. Du meinst, dir fehlt nix? Dann fehlt dir einfach noch eine Diagnose. Pervertierte Vorsorge ist allzu oft unnütz, sie belastet und verängstigt grundlos Appelle zur „Gesundheitsvorsorge“ bedrängen Otto Normalversteher unentwegt aus allen medialen Kanälen. Werbepsychologisch geschickt, mittels ärztlicher Autorität bekräftigt, spielen sie mit seinen Urängsten: Wer will schon unheilbar erkranken, Schmerzen und Einschränkungen ertragen, gar vorzeitig sterben – bloß weil er es versäumt hat, sich gründlichst durchchecken zu lassen, um einer gefährlichen Entwicklung rechtzeitig gegenzusteuern, solange sie noch kaum bis gar keine Beschwerden verursacht? Und so tappt er gutgläubig in eine Falle, die ihm häufiger unnötige körperliche, psychische und finanzielle Belastungen beschert als echten Nutzen – vor allem, wenn er weder einer Risikogruppe angehört noch ein konkreter Verdacht besteht. Ihm droht Überdiagnostik – das „Entdecken“ von Krankheiten, die nie Beschwerden oder Schäden verursacht hätten; ein „falsch-positiver“ Befund, obwohl keine Erkrankung vorliegt, oder ein „falsch-negativer“, der sie übersieht, obwohl sie vorliegt. Das Sterberisiko senkt Vorsorge, wie unser krankes Gesundheitssystem sie propagiert, in Wahrheit kaum messbar, wenn überhaupt. Beispiele gefällig? Wer zum Orthopäden geht, weil ihm der Rücken weh tut, wird allzu schnell geröntgt. Meistens wird der Arzt anschließend nämlich dieselben konservativen Maßnahmen empfehlen, zu denen er auch ohne Röntgenbild geraten hätte: Bewegung statt Schonung - körperliche Aktivität wie Spazierengehen, Radfahren, Rückenschwimmen oder Gymnastik, Vermeidung von Bettruhe; dazu Physiotherapie, um die Rumpfmuskulatur zu kräftigen, Dehnübungen, Haltungsschulung, Vermeiden unnötiger Belastungen für Rücken, Gelenke und Muskulatur. Sofern keine sonstigen Alarmsignale wie Lähmungserscheinungen oder Taubheitsempfindungen auftreten, wären bildgebende Verfahren eigentlich frühestens nach sechs Wochen angezeigt. Die meisten Kreuzschmerzen sind bis dahin längst vergangen. In bis zu 90 % aller Fälle gelten sie ohnehin als „unspezifisch“: Eine klare organische Ursache fehlt, wie etwa ein Bandscheibenvorfall oder Bruch. Dann sind psychische Faktoren wie Stress, Depression, Angst, Überforderung häufig mitverantwortlich. Ein erhöhter Wert des Prostataspezifischen Antigens (PSA) gilt weithin als verlässlicher Biomarker für Prostatakrebs. Er steigt aber auch aufgrund harmloser Entzündungen oder bei vergrößerter Vorsteherdrüse, wie sie jeder dritte Mann über 50, mindestens jeder zweite über 60 und drei Viertel aller über 70 aufweisen. Der PSA-Test bei älteren Männern kann auf langsam wachsende Tumore hindeuten, die nie Probleme verursacht hätten. Falsch-positive Ergebnisse führen zu unnötigen Biopsien, Inkontinenz und Impotenz. Nahezu jeder Senior jenseits der 80 trägt einen gutartigen Prostatakrebs spazieren, stirbt aber an etwas anderem. Wie oft wäre eine Tonometrie wirklich angebracht: eine Messung des Drucks im Inneren des Auges? Ist er zu hoch, kann der Sehnerv Schaden nehmen. Dann drohen ein Glaukom – Grüner Star – und Erblindung. Die Wahrscheinlichkeit hierfür steigt im höheren Alter. Manche Augenärzte messen allerdings auch gern bei fehlsichtigen jüngeren Erwachsenen, bei denen so gut wie nie ein Risiko für einen gefährlich überhöhten Wert besteht. Ohne besonderen Anlass schließt der Routinecheck in vielen Allgemeinpraxen ein Belastungs- oder Langzeit-EKG ein, auch wenn es zuvor Jahr für Jahr unauffällig gewesen war. Kardiologen führen allzu gerne, ohne Not, eine aufwändige Katheter-Untersuchung durch – nicht erst bei Symptomen, die auf einen drohenden Infarkt hindeuten, sondern prophylaktisch, um die Herzkranzgefäße zu inspizieren. Wie steht es mit dem Mammografie-Screening bei Frauen? Moderne Magnetresonanz-Verfahren (MRT) sind so empfindlich, dass sie bei der Untersuchung der Brust häufiger fündig werden als nötig. Oft kommen dabei Vorstufen von Krebs zum Vorschein, von denen unklar ist, ob sie jemals bösartig werden. Trotzdem sorgen sie stets für Stress und bange Ungewissheit, oft schüren sie regelrecht Todesängste – woraufhin Wiederholungsaufnahmen, überflüssige Biopsien und verstümmelnde Operationen stattfinden, bis hin zur Amputation, vorsorglich, man weiß ja nie. Dabei zeigt ein MRT sämtliche Abnormalitäten der Brust an - auch solche, welche für die Patientin überhaupt keine Gefahr darstellen würden. Vor allem bei jüngeren Frauen ist das Drüsen- und Bindegewebe der Brust dichter. In der Mammografie erscheint es ähnlich wie Tumore – beide sind weiß. Zudem können technische Faktoren den Befund verfälschen: schlechte Bildqualität, falsche Positionierung oder Bewegungsartefakte. Manche Kalkeinlagerungen – „Calcifikationen“ - können zwar auf Krebs hindeuten – aber nicht jeder Mikrokalk ist bösartig. Jede vierte Frau erhält bei Brust-MRTs falsch-positive Ergebnisse. Andererseits wachsen manche Tumore derart schnell, dass sie bei Screenings im Zweijahresabstand nicht rechtzeitig erkannt werden können. Bei häufigeren Mammografien, insbesondere mit CT, wächst andererseits die Strahlenbelastung – und damit eben jenes Krebsrisiko, das sie angeblich senken. Ein Ganzkörper-MRT oder -CT bei Gesunden, im Rahmen eines „Check-up“, ergibt häufig Zufallsbefunde – sogenannte „Inzidentalome“ -, die scheinbar weitere Abklärungen erfordern und zu unnötigen Maßnahmen verführen. Gutartige Veränderungen - Zysten, Fibroadenome, Narbengewebe - können wie Karzinome aussehen. Apropos Computertomografie: Die Strahlenbelastung durch CT-Aufnahmen könnte für rund 5 % aller neuen Krebserkrankungen verantwortlich sein, wie eine brandneue Studie vorrechnet. Ultraschall-Untersuchungen der Halsschlagadern, zur „Schlaganfallvorsorge“, spüren häufig harmlose Verengungen auf, die keiner Behandlung bedürfen. Sie verunsichern, schüren Panik, verleiten zu überflüssigen Eingriffen. Und wo bleibt der Beweis, dass Knochendichte-Messungen osteoporotische Frakturen verhindern (1) – und Darmspiegelungen zu weniger Darmkrebsopfern führen? (2) Welche Daten belegen, dass bei gesunden, symptomfreien Patientinnen Eierstock-Screening – eine vaginale Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke, mit oder ohne zusätzlichen CA-125-Bluttest – die Zahl der Todesfälle durch Eierstockkrebs senkt? (3) Wozu häufige Blutuntersuchungen ohne konkreten Anlass? Viele Parameter sind unspezifisch, schwanken individuell stark, laden zu Fehlinterpretationen und unnötigen Folgeuntersuchungen ein. In Blutplasmaproben lassen sich neuerdings genetische Signale ausfindig machen, die eine Früherkennung von Krebs ermöglichen sollen – 3 bis 4 Jahre bevor er diagnostiziert wird. (4) Was, um Himmels willen, soll denn jemand damit anfangen, falls er positiv getestet wird? Dass Krebs kein unabwendbares Schicksal ist; dass man sein Risiko durch eine gesunde Lebensweise drastisch senken kann, weswegen der Krebs weder in drei oder vier noch in dreißig oder vierzig Jahren mit unerbittlicher Notwendigkeit ausbrechen muss: Benötigt ein Arzt wirklich erst eine hyperweitsichtige Blutanalyse, um seinem Patienten all dies nachdrücklich klarzumachen? Wie steht es mit dem allgemeinen Gesundheitstest beim Arzt, dem „Check-up 35“ – so benannt, weil jeder gesetzlich Versicherte ab seinem 35. Geburtstag alle drei Jahre Anspruch darauf hat? Studien mit über 150 000 Teilnehmern belegen indes: Solche Check-ups senken die Sterblichkeit mitnichten. Allerdings produzieren sie mehr »Kranke«. Schließlich fahnden Ärzte dabei nach überschrittenen Grenzwerten, etwa beim Blutzucker, dem Blutdruck und dem Cholesterin. Eben diese Grenzwerte haben industrienahe medizinische Fachgesellschaften in den vergangenen Jahren immer weiter gesenkt. (5) Sparen gefährdet Wachstum Doch nur zu wenigen Patienten dringen Warnungen durch – ärztliches Anraten hat weitaus größeres Gewicht, erst recht die Aussicht, psychischen Ballast loszuwerden. „Die oft sehr teuren Kampagnen treffen auf eine Bevölkerung, die große Angst vor Krebserkrankungen hat”, erläutert Ingrid Mühlhauser, Fachärztin für Innere Medizin. Die Autorin des Buchs Unsinn Vorsorge-Medizin (2017) forscht seit mehr als 20 Jahren über Sinn und Unsinn von medizinischen Maßnahmen. Aus besagtem Horror “entsteht das Bedürfnis, etwas dagegen zu tun, vorzubeugen, dem Krebstod zu entkommen. Deshalb ist man dankbar, wenn man solche Heilsversprechungen wie die Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen kann. Man bekommt die Hoffnung, dem Krebstod zu entrinnen. Es ist eine Art medizinisches Voodoo-Ritual, um Ängste vor dem Tod zu bannen. Aber es sind falsche Hoffnungen, die da geschürt werden. Die Ärzte verhalten sich wie die Bank- oder Sparkassenberater, die uns auch überzogene Renditen versprochen haben, ohne die Risiken klar zu benennen.” Sich auf dieses Ritual einzulassen, ist besonders verlockend, wenn man dafür nicht aus eigener Tasche aufzukommen hat, wie bei Mammografien und Darmspiegelungen. Zwar muss man häufiger in die eigene Brieftasche greifen – denn Vorsorge im Sinne der Medizinindustrie ist meistens „iGeL“, eine individuelle Gesundheitsleistung, für welche die Kasse nicht aufkommt. Aber was soll´s, sobald es vemeintlich um Leib und Leben geht? Stattdessen wahrhaft Gesundheitsvorsorge zu betreiben, konnte gigantische Kosten vermeiden. Eine Studie der HSH Nordbank belegt: Echte Prävention – also jene altmodische, uncoole Sache namens gesunder Lebensstil – würde jährlich bis zu zehn Milliarden Euro einsparen. (6) Zehn Milliarden, das ist immerhin der Gegenwert von ein paar neuen Kliniken, einer Riesenhalle voller MRT-Geräte oder einem halben Dutzend Ärztekongressen in tropischen Gefilden. Wie das Austrian Institute for Health Technology Assessment (AIHTA) vorrechnet, bringt jeder Euro für Prävention eine soziale Rendite von 15 Euro. Der London School of Economics zufolge könnte vernünftiges Risikomanagement innerhalb eines Jahrzehnts 1,2 Millionen Todesfälle durch Herzinfarkt und Schlaganfall in Europa verhindern . Ein Albtraum, zumindest für Aktienbesitzer von Pharmakonzernen und Rehakliniken. Laut Deutschem Krebsforschungszentrum wären rund 60 Prozent der Krebstoten durch Prävention vermeidbar – offenbar eine beunruhigende Aussicht für eine Branche, deren Wachstum auf Tumorwachstum basiert. Für sie muss Onkologie eine Reparatur- und Pillenmedizin bleiben. Allein in diesem Bereich, ihrem unsatzstärksten, verdient die Pharmaindustrie jährlich weit über 200 Milliarden Dollar (7) – bis 2028 sollen es knapp 385 Milliarden werden, bis 2030 rund 485 Milliarden, bis 2032 knapp 520 Milliarden. Starkes Übergewicht ist längst ein globales Public-Health-Problem. In Deutschland gilt jede achte Frau und jeder zehnte Mann als adipös – ein Risikofaktor für Diabetes, Bluthochdruck, für Krebs-, Muskel- oder Gelenkerkrankungen. Auf fast 1.000 Milliarden Dollar (!) schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die globalen Kosten. (8) Wie viel ließe eine ausgewogene Ernährung und mehr Bewegung davon übrig? Beispiel Typ-2-Diabetes: Etwa 8,5 Millionen Betroffene in Deutschland verursachen Jahr für Jahr direkte Kosten – durch Diagnostik, Therapie, Krankenhausaufenthalte - von rund 39 Milliarden Euro. Intensive Lebensstilinterventionen können die Inzidenz von Typ-2-Diabetes um bis zu 60 % senken . Beispiel Osteoporose: Rund 5,7 Millionen betroffene Deutsche sorgen für jährliche Therapiekosten von rund elf Milliarden Euro. Durch gezielte Prävention ließen sich viele osteoporotische Frakturen und damit verbundene Kosten vermeiden. (9) Beispiel nicht-alkoholische Fettleber (NAFLD): Jeder vierte Deutsche leidet daran, zumeist unbemerkt. Er riskiert Leberzirrhose und Leberkrebs, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, was zu enormen Folgekosten führt. (10) Ist die Fettleber fortgeschritten, kostet ihre Behandlung im Durchschnitt über 13.000 Euro pro Jahr und Patient; eine Lebertransplantation schlägt mit rund 120.000 Euro zu Buche , die Nachsorge mit jährlich 20.000 Euro. Gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung könnten so gut wie alle Fälle verhindern – und sicherstellen, dass die Leber gar nicht erst verfettet. Beispiel Rheumatoide Arthritis (RA): Rund 700.000 Erwachsene in Deutschland sind daran erkrankt. Jährlich 28 Milliarden Euro kostet ihre Behandlung. Auch RA wäre vermeidbar: Wer nicht raucht, kaum Alkohol konsumiert, sich entzündungshemmend ernährt, seine Vitamin-D-Versorgung verbessert, Übergewicht vermeidet, regelmäßig körperlich aktiv ist, ausreichend schläft und chronischen Stress vermeidet, der bleibt von RA ziemlich zuverlässig verschont. Echte Vorsorge könnte weltweit bis zu 8.000 Milliarden Euro einsparen – pro Jahr Das Einsparpotenzial durch echte Vorsorge – einen gesunden Lebensstil – ist gigantisch. Weil sich dadurch vermeidbare chronische Erkrankungen wie Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Leiden, bestimmte Krebsarten drastisch reduzieren ließen, müssten laut WHO, OECD und Studien aus The Lancet und Harvard Magazine weltweit pro Jahr 7 bis 8 Billionen Euro weniger ausgegeben werden – allein in Deutschland 80 bis 120 Milliarden Euro, fast ein Drittel der Gesamtkosten für Gesundheitsleistungen. Der Preis ungesunder Lebensweisen – durch Krankheitstage, Produktivitätsverlust, Frühverrentung - macht laut WHO etwa 5 bis 7 % der Weltwirtschaftsleistung aus. (11) Doch diejenigen, die im Gesundheitswesen die Fäden ziehen, stellen sich seit eh und je taub dafür. Somit bleibt es ein absurdes Theater, in dem Vorsorge bedeutet, Gesundheit verlorengehen zu lassen, um sie anschließend aufzuspüren. Erst „wenn das Kind in den Brunnen gefallen und Patienten ernsthaft krank geworden sind, laufen wir zu Höchstleistungen auf”, räumt Professor Dr. Christof von Kalle vom Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité ein. Und warum ist das so?`Weil Gesundheit, dieser extravagante, gänzlich unspektakuläre Zustand ohne Symptome, ökonomisch völlig untragbar ist – übrigens auch für die Charité. Ja, vorbeugen mag vernünftig sein – aber Vernunft zahlt keine Gehälter. Eine Epidemie an guter Gesundheit würde unseren filigran errichteten „Krankheitsökonomiekreislauf“ empfindlichst stören. Sie entzöge ihm seine wichtigste Ressource: chronisch Kranke. Nein, echte Patrioten essen Fastfood, qualmen und saufen kräftig weiter, bewegen sich höchstens zum Kühlschrank. Alles andere wäre Verrat an der Volkswirtschaft. „Gesund“, so ätzte einst der unübertroffene Wiener Satiriker Karl Kraus, „ist man erst, wenn man wieder alles tun kann, was einem schadet.“ Der Weise beugt vor Die weiseste aller ärztlichen Gebührenordnungen entstand vor mindestens zweieinhalb Jahrtausenden. Gemäß dem ältesten Medizinlehrbuch der Welt, dem „Huangdi neijing“, erhielt in China ein Arzt seine volle Vergütung nur, solange alle Mitglieder der Sippe, die er zugewiesen bekam, gesund blieben. Erkrankte jemand, so wurde sein Honorar gekürzt, wenn nicht gestrichen. Gäbe es diesen Typ Arzt heute noch: Wie liefe wohl seine Sprechstunde ab? Bestimmt säße da kein Fließbandarbeiter, der im Fünf-Minuten-Takt Arzneimittelgutscheine ausstellt. Er nähme sich reichlich Zeit, um aufzuklären: Welche vielfältigen Faktoren gefährden Gesundheit? Wie kann man Risiken ausweichen, zumindest aber möglichst gering halten? Die eigene genetische Ausstattung kann sich niemand aussuchen – bei unserer Zeugung haben eine Eizelle und Hunderte Millionen Spermien Lotto gespielt. Allen übrigen Faktoren jedoch, von denen unsere Gesundheit abhängt, sind wir nicht hilflos ausgeliefert – wir können mitbeeinflussen, welche Rolle sie für uns spielen. Und wir sollten es, statt Verantwortung abzuwälzen. Gute Medizin findet nicht erst statt, nachdem Gesundheit verloren ging. Sie ist darauf aus, diesen Verlust zu verhindern. Vorsorgen erspart Sorgen. Neben dem Behandeln liegt meiner Stiftung AUSWEGE deshalb das Vorbeugen am Herzen. Um deine Krankheit kümmert sich die Medizin – davon lebt sie. Um deine Gesundheit musst du dich selber kümmern – davon lebst du. Es gibt nur zwei Tage, an denen du nichts dafür tun kannst. Der eine ist Gestern, der andere Morgen. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1) Siehe KLARTEXT: „ Der Osteoporose-Schwindel “. (2) Siehe KLARTEXT „ Eher Oh je als Juhu “ (3) Mehrere Studien sprechen eher für das Gegenteil: Usha Menon, Mahesh Parmar et al., Ovarian cancer population screening and mortality after long-term follow-up in the UK Collaborative Trial of Ovarian Cancer Screening (UKCTOCS): a randomised controlled trial . The Lancet , 2021; DOI: 10.1016/S0140-6736(21)00731-5; Buys SS u.a.: Effect of screening on ovarian cancer mortality: the Prostate, Lung, Colorectal and Ovarian (PLCO) Cancer Screening Randomized Controlled Trial. JAMA 2011; 305(22): 2295-2303; University College London, Screening for ovarian cancer did not reduce early deaths, ScienceDaily , 13. Mai 2021; Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Ist eine Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung von Eierstockkrebs sinnvoll?, s. https://www.iqwig.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen-detailseite_10016.html (4) aacrjournals.org : "Detection of cancers three years prior to diagnosis using plasma cell-free DNA" : https://aacrjournals.org/cancerdiscovery/article-abstract/doi/10.1158/2159-8290.CD-25-0375/762609/Detection-of-cancers-three-years-prior-to?redirectedFrom=fulltext ; sciencedaily.com : "Johns Hopkins blood test detects tumor dna three years early" , https://www.sciencedaily.com/releases/2025/06/250613013845.htm#google_vignette (5) Näheres in Frank Wittig: Krank durch Früherkennung: Warum Vorsorgeuntersuchungen unserer Gesundheit oft mehr schaden als nutzen (2015) – in ihrer örtlichen Buchhandlung, die Ihre Bestellung nötiger hat als Amazon. (6) https://arxiv.org/abs/2409.02888 ; https://bhvverband.infomaxnet.de/effektive-praevention-spart-10-milliarden-euro-im-gesundheitswesen (7) https://www.iqvia.com/insights/the-iqvia-institute/reports-and-publications/reports/global-oncology-trends-2024 ; https://www.evaluate.com/thought-leadership/world-preview-2024-report/ (8) Siehe KLARTEXT „ Fetter Reibach “. (9) Siehe KLARTEXT: „ Der Osteoporose-Schwindel “. (10) https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Bei-NASH-drohen-hohe-Kosten-308688.html ; https://www.ugb.de/ernaehrungsplan-praevention/nicht-alkoholische-fettlebererkrankung/ ; https://www.kautzhoch5.de/files/kautz5/news_materialien/NASH_Positionspapier_Feb_2021.pdf (11) Näheres hier: https://iris.who.int/bitstream/handle/10665/326302/9789289050425-eng.pdf?sequence=1 , https://www.harvardmagazine.com/2014/02/the-price-of-healthy-eating , https://www.paho.org/en/topics/economics-ncds , https://www.americanactionforum.org/research/the-economic-costs-of-poor-nutrition/ , https://www.oecd.org/en/publications/integrating-care-to-prevent-and-manage-chronic-diseases_9acc1b1d-en.html , https://www.ft.com/content/f0d67cff-8507-498a-91cc-30fbfa65c1c3 , https://www.thelancet.com/journals/lanplh/article/PIIS2542-5196%2821%2900251-5/fulltext , https://www.thelancet.com/article/S0140-6736%2819%2930041-8/fulltext .
- Ein Heilmittel namens Humor
Nirgendwo ist das irdische Jammertal tiefer als zwischen Flensburg und Passau. Und geradezu abgrundtief müsste es dort sein, wo die Therapiecamps meiner Stiftung AUSWEGE stattfinden; denn bei jedem kommen ein, zwei Dutzend chronisch Schwerkranke zusammen – vermeintlich "behandlungsresistent" seit langem. Da gibt es nichts zu lachen, oder? Erwachsene lachen im Schnitt 15 bis 20 Mal pro Tag, Kinder 200 bis 400 Mal. Und Teilnehmer eines Therapiecamps meiner Stiftung AUSWEGE ? Auf Schritt und Tritt begegnet man dort äußerster gesundheitlicher Not: körperlich und geistig schwerstbehinderten Kindern, von denen manche nicht einmal den Kopf drehen, ihren Blick fixieren, nach Gegenständen greifen, irgendeinen Laut von sich geben können, geschweige denn sitzen, laufen, sprechen. Man trifft Rollstuhlfahrer, die darauf gefasst sein müssen, dass ihre Lähmungen unerbittlich fortschreiten. In den „Mind&Soul“-Camps , speziell für psychisch Belastete, versammeln sich Depressive und Ängstliche, Süchtige und Zwangsgestörte. Man lernt dort Traumatisierte kennen, die schreckliche Erfahrungen von Gewalt, Missbrauch oder Verlust jahrelang verfolgt und bedrückt haben. Wie kann es sein, dass an solchen Orten tagtäglich immer wieder fröhliches Lachen, manchmal sogar schallendes Gelächter zu hören ist: in den rituellen „Morgenkreisen“, während der gemeinsamen Mahlzeiten, beim Abschlussfest, bei spontanen Plauderrunden während Behandlungspausen und abends? Gegen den Ernst der Lage anzulachen, ereignet sich während der neun Camptage keineswegs ungewollt, unangebrachterweise und nebenbei – es gehört zum Konzept, es ist wichtiger Bestandteil der „Auswege“-Medizin , wir provozieren es nach Kräften. In unsere „Morgenkreise“ bauen wir immer wieder kuriose Geschichten, deftige Scherze, Cartoons und lustige Zaubertricks ein. Es fanden schon Wettbewerbe statt, zu denen jeder Teilnehmer seinen Lieblingswitz beisteuerte; am Ende kürten wir per Abstimmung den „Camp-Oberwitzbold“, dem unter donnerndem Applaus ein Preis überreicht wurde. Mehrfach heuerten wir einen „Klinikclown“ an: einen von mittlerweile mehreren hundert professionellen Spaßmachern, die unter exotischen Namen wie Dr. Schnickschnack oder Dr. Hutzelbutzel neuerdings auch in deutschen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen auftreten, um dort kleine und große Patienten, Alte und Behinderte zu bespaßen. Den nobelpreiswürdigen Anstoß dazu verdankt die aufheiterungsbedürftige Menschheit Michael Christensen, dem Mitbegründer des New Yorker Stadtzirkus: Ihm kam 1986 die fabelhafte Idee des "Clown Doctoring", die rasch populär wurde. Mittlerweile hat sie in vielen Ländern rund um den Globus Schule gemacht. Dabei geht es keineswegs bloß um Entertainment. Mittels Humor lassen sich negative Gedanken vertreiben, Spannungen lösen, Lebensfreude schenken. Mehr noch: Lachen ist gesund. Es ist vielleicht nicht „die beste Medizin“, wie der Volksmund übertreibt, immerhin aber eine äußerst wirkungsvolle. „Eine körperliche Übung von großem Wert für die Gesundheit“ sah schon Aristoteles darin. Wissenschaftliche Belege dafür stammen von einem jungen medizinpsychologischen Forschungszweig, den wir indirekt dem Komödiantenduo Stan Laurel und Oliver Hardy zu verdanken haben - genauer gesagt jenem Film, in dem die beiden als „Dick und Doof“, Stan und Ollie, ein sperriges Piano den Hügel hinaufschieben - sowie dem Umstand, dass ein amerikanischer Psychiater von der Universität Stanford in Palo Alto, William F. Fry, diese Folge geradezu „liebte“. (1) Anfang der sechziger Jahre, damals um die 40, sah er sich diesen Film („Der zermürbende Klaviertransport“) an, während in seinem Arm eine Kanüle steckte, mit der er sich in regelmäßigen Abständen Blut abzapfte. Anschließend ließ er die Blutprobe chemisch analysieren. Er wollte herausfinden, was beim Lachen im Körper geschieht. Wieso setzte er dazu nicht einfach Lachgas ein? „Wenn Sie die Monde des Jupiter erforschen wollen, untersuchen Sie ja auch keine Luftballons. Mich interessiert das natürliche Lachen.“ Bühne frei für Dr. Hutzelbutzel – dank Dr. Fry Inzwischen gilt Fry, der im Mai 2014 verstarb, als Begründer der Gelotologie (von griech. gélos „Lachen“), die sich anfangs schwertat, in Fachkreisen als seriöse Wissenschaft anerkannt zu werden. „Es gab Leute“, erinnert sich Fry, „die mich gerade mal so ernst nahmen, dass sie mir vorschlugen, an einem Comic-Wettbewerb teilzunehmen. Eines Abends genehmigte ich mir ein paar Gläser Sherry und dachte mir: Zum Teufel, warum eigentlich nicht? Die Vorgabe war ein Strip mit zwei Engeln auf einer Wolke, dazu sollte man sich einen Text ausdenken.“ Was ließ sich Fry dazu einfallen? „Der eine Engel sagt zum anderen: ‚Ach, diese Wolken sind herrlich für meine Hämorrhoiden.’ Die Jurymitglieder waren so begeistert - wahrscheinlich litten sie selbst unter vergrößerten Blutpolstern vor dem After -, dass sie mir den ersten Preis verliehen.“ In dem halben Jahrhundert seit Frys ersten Untersuchungen haben Wissenschaftler eindrucksvolle Bestätigungen dafür zusammengetragen, dass Humor eine medizinisch ernstzunehmende Angelegenheit ist. Jedes „Hahaha“ steht für ein physiologisches Großereignis ungeheurer Komplexität: Allein im Gesicht verziehen sich dabei 17 Muskeln, bis zu 80 im ganzen Körper; Schultern, Bauch und Zwerchfell wackeln, Bein- und Blasenmuskeln erschlaffen. (Kleine Kinder kippen deswegen bei Lachattacken manchmal einfach um oder machen sich in die Hose.) Die Luft zischt mit Sturmstärke durch die Lungen, mit bis zu 100 km/h. Daraufhin wird das Atmen freier, wir nehmen mehr Sauerstoff auf. Der Herzschlag beschleunigt sich, der Blutdruck geht hoch, der Körper schüttet vermehrt Hormone aus; bestimmte Gehirnaktivitäten nehmen zu, unter anderem im Hypothalamus und Teilen der frontalen Hirnrinde. Dass wir manchmal weinen, wenn wir besonders herzhaft lachen, hat anatomische Gründe: Im oberen Teil der Nase steigt der Luftdruck und presst auf die Tränendrüsen. Lachen heilt Geist und Psyche Aber Lachen lockert nicht nur die Muskulatur, sondern auch starre Gedankenmuster. Sichtweisen verändern sich: Patienten wird es möglich, ihre Situation, die daran Beteiligten und sich selbst mit mehr Distanz und aus einer anderen Perspektive zu sehen, zu überdenken und neue Lösungsansätze für Probleme zu finden. Oft eröffnet es einen Ausweg aus einer scheinbar unentrinnbaren Klemme: einem Konflikt, einer Bedrückung, einer Angst. Denn eines seiner Hauptauslöser ist das plötzliche Erkennen von Zusammenhängen – dann löst sich die innere Anspannung in Form von Lachen. Lachen beruhigt: Eine Minute Lachen wirkt ebenso erfrischend wie 45 Minuten Entspannungstraining, wie eine Studie ergab. Denn dabei werden Glückshormone, sogenannte Endorphine ausgeschüttet, dank derer sich selbst unter hoher Arbeitsbelastung Verspannungen lösen. Zugleich treten weniger Stresshormone auf: weniger Cortisol, weniger Adrenalin, weniger Dopamin-Metaboliten, weniger Somatotropin. Heitere Menschen, die häufig lachen, begegnen zudem ihrer Umwelt anders als pessimistisch-ernste. Sie sind gelassener, weniger nervös, kontaktfreudiger, bei anderen beliebter und dadurch erfolgreicher, im privaten Bereich ebenso wie in der Arbeitswelt. Bei diesem sozialen Aspekt setzen Evolutionsbiologen an, um zu erklären, warum vor 10 bis 16 Millionen Jahren die gemeinsamen stammesgeschichtlichen Vorfahren des Menschen und des Menschenaffen das Lachen in ihr Verhaltensrepertoire aufnahmen: Es besänftigt Artgenossen („Seht her, ich bin doch nett, also tut mir nichts“), drückt große Freude über ihr Erscheinen, ihre Anwesenheit oder ihr Verhalten aus, kommuniziert positive Gefühle. Bedenkt man, dass Neandertaler Kannibalen waren, könnte das Lachen auch als raffiniertes Täuschungsmanöver in Mode gekommen sein: „Komm ruhig näher, damit ich dich besser fressen kann.“ (2) Darüber hinaus macht Lachen kreativer. Warum schicken Unternehmen neuerdings ihre Mitarbeiter in sündhaft teure Lachseminare? Lachen durchbricht die Routinen des kontrollierenden Denkens und Handelns. Und es macht aufmerksamer: Im Gehirn laufen vermehrt elektrochemische Prozesse ab, die typisch für erhöhte Wachsamkeit sind. Nebenwirkungsfreie Arznei auch für den Körper Es verbessert die Durchblutung, somit beugt es Herz-Kreislauf-Krankheiten vor. Wie? Durch das Lachen dehnt und erweitert sich das Endothel: das Gewebe, das die Blutgefäße von innen auskleidet; es reguliert nicht nur den Blutfluss, sondern auch den Innendruck der Blutgefäße und die Blutgerinnung. Dadurch spielt es eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Arteriosklerose und von Gefäßverhärtungen. Herzliches Lachen trainiert die Herzmuskulatur ungefähr so wie eine Viertelstunde auf einem Fahrrad-Hometrainer oder zehn Minuten an einer Rudermaschine. „Zwanzig Sekunden Lachen entsprechen der körperlichen Leistung von drei Minuten schnellem Laufen“, stellte Fry fest. „Lachen ist Joggen im Sitzen“, versichert der deutsche Psychotherapeut Michael Titze (3), Mitbegründer von HumorCare , eines gemeinnützigen Vereins zur „Förderung von Humor in Therapie, Pflege und Beratung“. (4) Eine 2009 veröffentlichte Studie der Universität Baltimore erfasste 300 Versuchspersonen, von denen jeder Zweite schon eine Herzerkrankung hatte, bis hin zum Infarkt. Was zeichnete die gesunden Studienteilnehmer aus? Sie lachten deutlich öfter über Alltagssituationen. (5) Schmerzpatienten können nach nur wenigen Minuten Lachen eine Erleichterung erfahren, die manchmal mehrere Stunden anhält. Warum? Lachen kurbelt die Produktion von Beta-Endorphinen kräftig an: vom Körper selbst produzierte Hormone, die wie ein Analgetikum wirken, nur ohne negative Nebeneffekte. Gerade in der Schmerzbekämpfung sieht der US-Mediziner Howard Bennett „den vielversprechendsten Einsatz von Lachen als Therapie“. In einem Übersichtsartikel über den Forschungsstand (6) berichtet er unter anderem von einer Studie, in der 78 frisch Operierte deutlich weniger Analgetika benötigten, wenn sie sich lustige Videos ansahen. (7) Allerdings scheint die Wirkung eher indirekt: Wer seelisch belastet, traurig oder ängstlich ist, konzentriert sich mehr auf seine Schmerzen und empfindet sie intensiver. Humor lenkt ab, lässt psychische Belastungen vergessen – zumindest zeitweilig. Diesen Zusammenhang erprobte der amerikanische Wissenschaftsjournalist Norman Cousins im Selbstversuch: Seine schmerzhafte Spondylarthritis - eine chronisch entzündliche rheumatische Erkrankung, bei der Gelenke versteifen, auch als „Morbus Bechterew“ bekannt - behandelte er mit lustigen Filmen und witzigen Büchern, die bei ihm regelmäßig Lachanfälle provozierten. Wie er feststellte, war er nach zehn Minuten Lachen weitgehend schmerzfrei, danach konnte er mindestens zwei Stunden problemlos schlafen. Sein Buch Der Arzt in uns selbst (8) verhalf der Lachforschung in den USA in den siebziger Jahren schlagartig zu öffentlicher Aufmerksamkeit und Anerkennung; Lachtherapien, Lach-Yoga, Lachclubs, Lachkongresse wurden salonfähig. Seit 1998 wird alljährlich am ersten Sonntag im Mai der „Weltlachtag“ begangen. Bei lachenden Personen steigen zudem deutlich die Blutwerte von Gamma-Interferon, Killerzellen und Antikörpern: wichtigen Akteuren im Immunsystem. Die körpereigene hormonartige Substanz Gamma-Interferon aktiviert und koordiniert die Produktion von mehreren körpereigenen Abwehrstoffen, während sogenannte Killer-T-Zellen bereits infizierte Zellen vernichten. Ebenfalls vermehrt treten beim Lachen die Antikörper Immunglobulin A sowie B-Lymphozyten auf, eine Art weißer Blutkörperchen (Leukozyten), die als einzige Zellen imstande sind, Antikörper zu bilden. Aus solchen bemerkenswerten Resultaten weitreichende therapeutische Schlüsse zu ziehen, hält Fry allerdings für verfrüht: „Wir dürfen nicht den Fehler machen, erst sensationelle Erkenntnisse hinauszuposaunen und nachträglich mit der Grundlagenforschung zu beginnen. Das wäre so, als würden wir erst die Hose anziehen und anschließend in die Unterhose schlüpfen“ – und insofern „liege noch in den Windeln“. (9) Alle erwähnten segensreichen Effekte scheinen nämlich nur kurzzeitig aufzutreten, höchstens für ein paar Stunden; langfristig nützen sie unserer Gesundheit eher mittelbar - abhängig davon, wie gut wir mit Stress fertig werden. So schädigt Stress messbar die Schutzschicht in den Blutgefäßen, die das Herz versorgen. Das kann dort zu schweren Gefäßentzündungen führen, bis hin zum Infarkt. Sonnige Gemüter sind eher dagegen gefeit, weil sie mit Druck entspannter umgehen – und fröhliche Menschen lachen mehr. Auch unserem Immunsystem hilft Lachen auf Dauer nur, wenn sich darin eine Persönlichkeit ausdrückt, die mit Stress gut zurechtkommt. Anfang der neunziger Jahre wurden 394 Gesunde zunächst nach ihrem Empfinden von Anspannung befragt, daraufhin mittels Nasentropfen mit Rhinoviren infiziert, typischen Schnupfenerregern. Das Ergebnis fiel eindeutig aus: Das Immunsystem von Stressresistenteren setzte sich wirksamer gegen das Virus zur Wehr – leicht zu Stressende hingegen zogen sich eher eine Erkältung zu. (10) Insofern fällt jeder Witz, den man während der „Auswege“-Camptage hört, in therapeutischer Absicht, und hoffentlich mit wohltuenden Folgen, die sich nicht auf kurzzeitige Konvulsionen des Zwerchfells beschränken, sondern das Gemüt insgesamt ein wenig aufhellen, entspannter und stressresistenter machen. Mit angezogener Lachbremse - Wie weit darf Humor gehen? Ganz schön unverschämt, dieser „Dr. med. Heckmeck“: Seit einer halben Stunde schon treibt er weißgeschminkt, mit roter Pappnase, im Speisesaal eines Alten- und Pflegeheims vor und mit vierzig hochbetagten Bewohnern seine üblen Späße – als ausgebildeter und diplomierter „Klinik-Clown“, zahlendes Mitglied im „Dachverband Clowns in Medizin und Pflege Deutschland e.V.“ Dreist schnappt er sich einen Rollstuhl, in dem er unter grotesken Verrenkungen mit immer neuen kläglichen Anläufen vergeblich Platz zu nehmen versucht; endlich sitzend, führt er vor, wie blöd man sich in so einem Gefährt anstellen kann. Einem verdutzten Greis säubert er mit einem Staubwedel die Glatze. Wohlwissend, dass ein Großteil seines Publikums dement ist, mimt er den Vergesslichen: Mit wachsender Verzweiflung sucht er fünfmal einen Schlüssel, den er fünfmal wenige Sekunden zuvor in die Seitentasche seines Kostüms gesteckt hat. Er tut so, als müsse er dringend Pippi machen, übersieht aber beharrlich den Nachttopf, der zwischen seinen Beinen steht. Für Depressive mimt er den Trauerkloß, der alle paar Sekunden aus läppischstem Anlass in Tränen ausbricht: selbst die hängende Blüte einer Topfpflanze, ein Tapetenmuster, ein gepunktetes Kleid lassen ihn losheulen. Als wäre ihm nicht klar, dass alle Anwesenden hier ihrem nahen Ende entgegensehen, nimmt er einem unsichtbaren Gevatter Tod eine Sense ab und tritt ihn in den Allerwertesten, mit ausgestreckter Zunge und erigiertem Mittelfinger. All das geht doch entschieden zu weit, oder? Darf man sich über Schwächen, Belastungen, Ängste, Einschränkungen aufgrund von Alter, Krankheit oder Behinderung derart hemmungslos und unsensibel lustig machen, zumal in Anwesenheit von Betroffenen? Kränkt man sie damit nicht? Zumindest Dr. Heckmecks Publikum sieht das anscheinend nicht so eng. Immer wieder ertönt schallendes Gelächter, werden die Kapriolen des Clowns von spontanem Applaus unterbrochen. Ein einziger Senior schüttelt den Kopf, winkt ungehalten ab, verlässt demonstrativ den Saal. Die übrigen scheinen belustigt, ja begeistert. Die Erfolgsgeschichte der „Klinik-Clowns“ liefert überreichlich Belege dafür, dass Leidende auf Humor, der auf ihre Kosten geht, im allgemeinen keineswegs beleidigt reagieren – sie lachen mit, auch über sich selbst. Sogar Krebskranke im Endstadium tun es, ebenso Kriegsopfer in Flüchtlingslagern der Dritten Welt: „Clowns ohne Grenzen“, die sie dort hin und wieder bespaßen, überschreiten jegliche Geschmacksgrenze, ohne mit der künstlichen Wimper zu zucken. Wie können solche Dreistigkeiten Leidenden gut tun? Der Clown hilft ihnen, für eine kurze Weile auf Distanz zu gehen: zu sich selbst, ihrer misslichen, oft als ausweglos empfundenen Lage. Die Perspektive wechselt. Die Faxen des Clowns bringen sie dazu, die eigene Person, ihre deprimierenden Lebensumstände abwechslungsweise einmal nicht bitterernst zu nehmen; sie schaffen einen erleichternden Kontrapunkt zu all dem Jammern und Hadern, Leiden und Selbstbemitleiden, das den Alltag in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Palliativstationen und Hospizen prägt – Schicksalsmühlen, deren nicht immer nachvollziehbaren Regeln sich die meisten ausgeliefert fühlen, ohnmächtig und entmündigt, jeglicher Privat- und Intimsphäre beraubt. Warum wird Klinikclowns kaum je vorgeworfen, sie amüsierten sich gemeinerweise auf Kosten anderer? Es liegt am Geheimnis ihrer besonderen Komik: Zum Lachen bringt der Clown, indem er immer auch sein eigenes unentwegtes klägliches Scheitern zur Schau stellt, es der Lächerlichkeit preisgibt – und sich zugleich grimassierend und feixend über es erhebt. Er entblößt sich. Egal auf wessen Kosten er Schabernack treibt: Der Doofste ist am Ende er selbst, buchstäblich der Depp, denn das Wort „Clown“ leitet sich vom lateinischen colonus her, was „Bauerntölpel“ bedeutet. In der Rolle des „dummen August“ verkörpert er das unentwegte Versagen und Scheitern des Menschen, seine Unzulänglichkeit, Verletzlichkeit und Lebensuntüchtigkeit, über die er sich andererseits durch Selbstironie triumphierend erhebt. Ja, Lachen ist die beste Medizin, in fast jeder Lebenslage. Es sei denn, man hat gerade Durchfall. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen 1 Fry in einem Interview mit dem SZ-Magazin , 10.12.1999. 2 Fry im SZ-Interview, a.a.O. 3 In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel, 17.1.2014. 4 Siehe www.humorcare.com 5 Pressemitteilung der University of Maryland, Baltimore, im Juli 2009 („Laughter is the Best Medicine for Your Heart“) 6 „Humour in Medicine“, Southern Medical Journal 96 (12) 2003, S. 1257-1261. 7 James Rotton/Mark Shats: „Effects of State Humor, Expectancies, and Choice on Postsurgical Mood and Self-Medication: A Field Experiment”, Journal of Applied Social Psychology 26 (20) 1996, S. 1775-1794. 8 Anatomy of an Illness As Perceived by the Patient , New York 1979; dt.: Der Arzt in uns selbst. Die Geschichte einer erstaunlichen Heilung − gegen alle düsteren Prognosen , Reinbek 1984. 9 Im SZ-Interview, a.a.O. 10 Sheldon Cohen u.a.: “Psychological Stress and Susceptibility to the Common Cold”, New England Journal of Medicine 325/1991, S. 606-612. Dieser Artikel ist die überarbeitete Version eines Beitrags in Harald Wiesendangers Buch Auswege – Kranken anders helfen (2015).
- "Mirror Life": Bedrohen künstliche Bakterien die Menschheit?
Namhafte Wissenschaftler schlagen Alarm: Künstliches „Mirror Life“, spiegelverkehrt zu natürlichen Vorbildern konstruiert, stelle eine „beispiellose Bedrohung“ allen Lebens dar. Wie begründet ist die schrille Warnung vor dem jüngsten Biotech-Irrsinn? Lenkt sie von einer akuten, viel größeren Gefahr ab? „Die Bedrohung, von der wir hier sprechen, ist beispiellos“, warnt Prof. Vaughn Cooper, Evolutionsbiologe an der Universität von Pittsburgh. Er zählt zu einer Gruppe von 38 namhaften Wissenschaftlern – darunter Nobelpreisträger –, die eindringlich fordern , jegliche weitere Forschung an sogenannten Mirror-Life -Mikroben unverzüglich einzustellen. Synthetische Bakterien, die aus Spiegelbildern von in der Natur vorkommenden Molekülstrukturen bestehen, könnten sich in der Umwelt unkontrolliert ausbreiten - und die Immunabwehr natürlicher Organismen überwinden, wodurch Menschen, Tiere und Pflanzen der Gefahr tödlicher Infektionen ausgesetzt wären. Eine „ globale Katastrophe “, ja „ das Ende der Welt “ drohe. Zu der besorgten Expertengruppe gehören Dr. Craig Venter – der US-Wissenschaftler, der in den 1990er Jahren die Sequenzierung des menschlichen Genoms vorantrieb – sowie die Nobelpreisträger Prof. Greg Winter von der Universität Cambridge und Prof. Jack Szostak von der Universität Chicago. Was liegt ihnen so brennend am Herzen? Mirror-Life -Mikroben sind synthetische Mikroorganismen, welche die Biochemie bekannter Lebensformen spiegeln. Diesem Konzept zugrunde liegt das Phänomen der Chiralität . Die meisten Moleküle des Lebens – insbesondere Aminosäuren und Zucker – besitzen diese Eigenschaft: Sie existieren in zwei spiegelbildlichen Versionen, ähnlich wie die linke und rechte Hand. Irdische Aminosäuren sind fast ausschließlich linksdrehend (L-Form), während Zucker in der DNA und RNA rechtsdrehend (D-Form) sind. Das ist erstaunlich, weil in der Chemie normalerweise beide Formen entstehen könnten. Doch das Leben nutzt nur eine Seite – ein Phänomen, das man Homochiralität nennt. Mirror-Life -Mikroben wären Organismen, bei denen sich diese Chiralität umkehrt. Sie würden D-Aminosäuren statt L-Aminosäuren verwenden und L-Zucker statt D-Zucker. Ihre gesamte Biochemie wäre demnach wie ein Spiegelbild des Lebens, wie wir es kennen. Wozu alternative Biologie? Biologen fasziniert dieses Konzept aus mehreren Gründen. Zum einen stellen solche Mikroben eine Form alternativer Biologie dar, die womöglich völlig anders funktioniert als alles bekannte Leben. Sie wären enzymresistent : L-DNA wird von normalen Enzymen nicht abgebaut. Und sie wären „ erkennungsgeschützt “: Ihre Spiegel-DNA ist für das Immunsystem unsichtbar. In der Astrobiologie wirft „ Mirror Life “ die spannende Frage auf, ob es im Universum Leben geben könnte, das „andersherum“ aufgebaut ist. Auch in der Biotechnologie spielt die Idee eine Rolle: Es wird bereits daran geforscht, künstliche Spiegel-Proteine oder Spiegel-DNA herzustellen, etwa für Arzneimittel gegen vielerlei chronische, schwer zu behandelnde oder gar therapieresistente Krankheiten - oder für hochstabile Nanomaschinen, die Tumorzellen erkennen und zerstören, Gewebe und Zellen reparieren, Blut reinigen, im Körper „Patrouille“ laufen, winzige Operationen durchführen, Infektionen bekämpfen, Medikamente gezielt an den vorgesehenen Ort im Körper transportieren. Bis heute hat jedoch noch niemand echte Mirror-Life -Mikroben in die Welt gesetzt – es handelt sich bislang um ein theoretisches Konzept. Allerdings haben Forscher bereits Teile dieser gespiegelten Biochemie im Labor synthetisiert, wie zum Beispiel Spiegel-DNA (L-DNA) und D-Proteine. Hundertprozentig „biosicher“? Unwägbare Risiken Spiegel-Bakterien scheinen eine ganz und gar sichere Erfindung. Denn sie gelten als biologisch inkompatibel: Sie könnten sich nicht in normale Organismen einschleusen, uns infizieren und Nährstoffe daraus verwerten. Denn sie leben in einer „anderen Biochemie-Welt“, so beruhigen Forscher. Auch sei ein horizontaler Gentransfer, der das Erbgut verändert, völlig ausgeschlossen. Denn Spiegel-DNA könne nicht mit normaler DNA rekombinieren. Andererseits gilt Murphys Gesetz: Was schiefgehen kann, geht schief. In einem 299-seitigen Bericht und einem Kommentar in der Fachzeitschrift Science legen die 38 Wissenschaftler ihre Bedenken gegenüber dieser Technologie dar. 1. Da Mirror-Life -Mikroben aus spiegelbildlichen Molekülen bestehen, könnte das menschliche Immunsystem sie nicht erkennen. Dies würde es ihnen ermöglichen, unbemerkt Infektionen zu verursachen, die schwer oder gar nicht behandelbar sind. 2. Natürliche Fressfeinde fehlen. Bakteriophagen oder andere Mikroorganismen könnten Mirror-Life -Mikroben nicht angreifen, weil deren Enzyme und Mechanismen auf die natürliche Molekülstruktur ausgerichtet sind. Dies könnte zu einer unkontrollierten Ausbreitung führen. 3. Sollten solche Mikroben in die Umwelt gelangen, könnten sie sich in neuen ökologischen Nischen einnisten und dort heimische Arten verdrängen. Dies führt womöglich zu einem massiven Ungleichgewicht in Ökosystemen. Sangram Bagh, synthetischer Biologe beim Saha Institute of Nuclear Physics in Kalkutta, verweist auf ein Bodenbakterium, das sich so entwickelte, dass es die starken Desinfektionsmittel in NASA-Räumen überlebte, indem es genau die Reinigungsmittel fraß, die es beseitigen sollten. „Das zeigt, dass die Macht der Evolution nicht unterschätzt werden darf. In ähnlicher Weise könnten sich auch Spiegelbakterien anpassen und gedeihen, wenn sie nach draußen gelangen.“ 4. Einmal dem Labor entwichen oder absichtlich freigesetzt, könnten Mirror-Life -Organismen sich weltweit unkontrolliert verbreiten , da sie weder durch das Immunsystem noch durch natürliche Feinde kontrolliert werden können. Dies würde es nahezu unmöglich machen, ihre Ausbreitung zu stoppen. Als Beispiel für dieses Risiko nennt Deepa Agashe, Evolutionsbiologin vom Nationalen Zentrum für Biologische Wissenschaften in Bengaluru, Batrachochytrium dendrobatidis , einen hochinfektiösen, invasiven Pilz : Er verursacht Chytridiomykose, eine Krankheit, welche die Hautfunktion bei Amphibien stört – lebenswichtig für deren Atmung und Wasserhaushalt. der „seinen Weg durch die ganze Welt genommen hat“ - nach Indien und Australien ebenso wie nach Amerika und Afrika – „und zum Aussterben von 90 Amphibienarten geführt hat, wobei 500 weitere Arten in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen sind.“ 5. Da die Struktur von Mirror-Life -Bakterien fundamental anders ist, könnten gängige Antibiotika unwirksam sein. Spezifische Gegenmittel zu entwickeln, wäre zeitaufwändig und könnte zu spät kommen, um eine Pandemie zu verhindern. „Spiegel-Bakterien brechen aus dem Labor aus“: So stellt sich die künstliche Intelligenz ChatGPT ein Lab Leak von „ Mirror Life “ vor, wenn sie aufgefordert wird, hierzu ein Comic zu kreieren. Auch mit Missbrauch wäre zu rechnen. Theoretisch könnte jemand Mirror-Life -Techniken nutzen, um molekulare Maschinen zu bauen, die normalen Organismen schaden, ohne selbst erkannt zu werden. Ein Beispiel dafür wären gespiegelte Nanomaschinen, die normale Zellmembranen durchdringen oder stören. Spiegel-Bakterien könnten als perfekte Pathogene wirken, außerhalb natürlicher Immunerkennung und Resistenzen. Von einer solchen Biowaffe träumen Terroristen und aggressive Regimes. Zur Zeit ist das noch Science-Fiction, in 20 bis 30 Jahren jedoch durchaus denkbar. Fazit: Im Vergleich zu herkömmlichen gentechnisch veränderten Mikroben wären Spiegel-Bakterien relativ sicher, falls sie in einer kontrollierten Umgebung bleiben. Aber wie bei jeder neuen Technologie gilt: Was man absichern muss, ist unsicher. „Solange es keine zwingenden Beweise dafür gibt, dass das Spiegelleben keine außergewöhnlichen Gefahren birgt, sollten unserer Meinung nach keine Spiegelbakterien und andere Spiegelorganismen geschaffen werden, auch nicht solche mit technischen Biocontainment -Maßnahmen“, schreiben die Autoren in Science . „Wir empfehlen daher, Forschung mit dem Ziel, Spiegelbakterien zu schaffen, nicht zuzulassen und den Geldgebern deutlich zu machen, dass sie solche Arbeiten nicht unterstützen werden.“ „Wir wollen eine globale Diskussion anstoßen“ Dr. Kate Adamala, eine synthetische Biologin an der Universität von Minnesota und Mitverfasserin des Berichts, arbeitete an einer Spiegelzelle, änderte aber im vergangenen Jahr ihre Einstellung zur eigenen Forschungsarbeit, nachdem sie sich der Risiken vollauf bewusst geworden war. „Wir sollten kein Spiegelleben erschaffen“, sagt sie. „Wir haben Zeit für das Gespräch. Und das ist es, was wir mit diesem Manifest erreichen wollten, nämlich eine globale Diskussion anzustoßen. (…) Die Fähigkeit, spiegelbildliches Leben zu erschaffen, liegt wahrscheinlich noch mindestens ein Jahrzehnt in der Zukunft und würde große Investitionen und bedeutende technische Fortschritte erfordern. Wir haben also die Möglichkeit, Risiken zu berücksichtigen und ihnen vorzubeugen, bevor sie sich verwirklichen.“ Bloß der neueste Angstporno? Nichts weiter als der neueste Angstporno? Davon ging zunächst auch Kelsey Piper aus, Autorin beim US-Online-Magazin Vox : „Wir sind alle an sensationelle Schlagzeilen über die eine oder andere Katastrophe gewöhnt, die sich am Horizont abzeichnet. Daher kann ich niemanden verurteilen, der erschöpft abwinkt, wenn er liest, dass Dutzende von Wissenschaftlern vor Spiegelbakterien warnen, die einen katastrophalen Zusammenbruch des Ökosystems und sogar ein Massensterben verursachen könnten. Schließlich haben wir bereits drohende Gefahren wie H5N1, über die wir uns Sorgen machen müssen, und ganz allgemein leben wir in einer Zeit, die, wie Adam Kirsch kürzlich in The Atlantic schrieb , sich wie ‚eine ständige Apokalypse‘ anfühlt. Die Nachricht über die Spiegelbakterien kam in derselben Woche, in der wir erfuhren, dass eine viel beachtete Studie darüber, wie unsere schwarzen Pfannenwender uns umbringen, in Wirklichkeit nur das Ergebnis eines Rechenfehlers war. Es fällt schwer zu unterscheiden, welche Probleme wirklich lebensbedrohlich sind und welche nur aus Schlagzeilen bestehen, die einen Monat später schon wieder vergessen sind. Aber nachdem ich mich eingehender mit dem Thema Spiegelbakterien beschäftigte, habe ich schlechte Nachrichten: Es ist real und es ist wirklich ernst.“ Wir haben es hier tatsächlich mit „einer völlig neuen Entwicklung“ zu tun, „die das Ende der Welt bedeuten könnte.“ Plumpes Ablenkungsmanöver? Ein „ausgezeichnetes Beispiel für verantwortungsvolle Forschung und Innovation“ sei der Science -Appell der 38 Wissenschaftler, so lobt Prof. Paul Freemont vom Imperial College London. Der Arzt Dr. Dave Atkinson sieht in ihm eine „Tugendhaftigkeit, die unterstreicht, dass ihnen die biologische Sicherheit am Herzen liegt“. Hinter der lautstarken Warnung könnten aber noch andere Motive stecken, so vermutet die Verbraucherschutzorganisation GMWatch . „Die Konzentration auf mögliche zukünftige Risiken von ‚Mirror-Life‘ ist eine gefährliche Ablenkung vom unmittelbaren Problem der laufenden Gain-of-Function -Forschung, die schon jetzt eine weitere Pandemie auslösen könnte“. Auch Richard Ebright, Professor für Chemie und Chemische Biologie an der Rutgers University und Experte für biologische Sicherheit, sieht in dem Science -Artikel „und der damit einhergehenden Medienpräsenz einen absichtlichen, verzweifelten Versuch, von der realen und vordringlichen Bedrohung abzulenken, die von der aktuellen Virologie ausgeht - welche die Corona-Pandemie verursacht hat und wahrscheinlich auch die nächste verursachen wird“. „Heiklen Fragen ausgewichen“ Louis R. Nemzer, Professor für Biophysik an der Nova Southeastern University, bezeichnet den Vorstoß der Wissenschaftler als „eine kostengünstige Möglichkeit, in Sachen Biosicherheit hart aufzutreten“, und fügt hinzu: „Indem sie energisch Alarm schlagen wegen etwas, das hypothetisch ist und Jahrzehnte in der Zukunft liegt, können sie sowohl den heiklen Fragen nach der Ursache von SARS-CoV-2 in der Vergangenheit ausweichen als auch der Frage, wie die Gain-of-Function -Forschung in der Zukunft geregelt werden soll“. Wäre schriller Alarm außerdem nicht bei jeglicher Art von synthetischer Biologie angebracht, längst nicht nur bei „Mirror“-Basteleien? Extreme Gentechnik, die völlig neue Lebensformen mit unabsehbaren Folgen schaffen kann, schreitet rasant voran. Sie kreiert künstliche Zellen, neue DNA, komplette Genome von neuartigen Bakterien und Viren. So stellte das J. Craig Venter Institute schon im März 2016 JCVI-syn3.0 vor: die erste synthetische Bakterienzelle, auf Mycoplasma mycoides beruhend, mit nur 531.560 Basenpaaren und 493 Genen, ein Drittel davon mit unbekannten Funktionen – das kleinste Genom eines selbst replizierenden Organismus, das bisher gebaut wurde. Dieses Machwerk enthält 19 zusätzliche Gene, unter anderem um seine Form zu stabilisieren und es teilungsfähiger zu machen. Wo verläuft die Grenze zwischen „tragbaren“ und „inakzeptablen“ Risiken? Bislang können sich Regierungen und Wissenschaftler nicht darauf einigen, wie Mirror Life -Forschung reguliert und potenzieller Schaden eingedämmt werden soll. Wie immer gilt im Zweifelsfall: Es lebe der Fortschritt – vorausgesetzt, er verspricht, neue hochlukrative Geschäftsfelder zu eröffnen. ( Harald Wiesendanger )



































