Über Harald Wiesendanger

Noch Anfang 2020 konnte ich mich, nach über 35 Jahren als Wissenschaftsjournalist und Buchautor, in der Rückschau auf ein erfülltes Berufsleben ziemlich entspannt zurücklehnen, zufrieden und dankbar. Die unverdiente Gnade der Geburt zur rechten Zeit hatte mir bis dahin eine Medienwelt beschert, in der ich weitgehend ungehindert publizieren konnte. Das Gespenst der Zensur trieb sein Unwesen weit weg. In Moskau und Minsk, in Peking und Pyöngyang. Aber doch nicht hierzulande.

Auch in dieser Hinsicht hat das Plandemie-Jahr 2020 eine Zeitenwende eingeleitet. Mehr denn je in Nachkriegsdeutschland, wie in allen übrigen vermeintlich gefestigten freiheitlich-demokratischen Rechtsstaaten, käme es seither auf eine starke, unabhängige Vierte Gewalt an, die kritische Distanz zu Mächtigen hält, um sie im vermeintlichen Notstand, auch und gerade dann, wirkungsvoll kontrollieren zu helfen – erst recht, wenn Volksvertretungen und Gerichte dabei jämmerlich versagen. Aber auch Journalisten versagen, in einem Ausmaß, das ich bis vor kurzem für völlig ausgeschlossen hielt. „Ich schäme mich. Meines Berufsstands“: So überschrieb ich schon im April 2020 einen entsetzten Facebook-Post, der damals noch 1,2 Millionen Leser erreichte – heute würden ihn Faktenchecker und Schnüffelalgorithmen im Nu löschen, meinen Account blockieren oder gleich dichtmachen.

In Leitmedien überwiegen mittlerweile Hofberichterstattung und blindwütiger Alarmismus, expertengläubige Gesinnungsprosa und moralintriefende Volkserziehung. Fast durchweg verzichten sie auf investigative Hintergrundrecherche, leisten Beihilfe zur Panikmache, ignorieren und verschweigen missliebige Fakten, applaudieren zu hanebüchenen Verfassungsbrüchen, reichen manipulierte Statistiken unverdaut weiter. Sie unterdrücken überfällige Debatten, anstatt sie anzustoßen. Die Regierung loben sie, an deren Kritikern betreiben sie unerhörten Rufmord; Andersdenkende werden von ihnen als Spinner, Rechtsradikale, Gewissenlose und Psychopathen ausgegrenzt und verächtlich gemacht, hart an der Grenze zur Volksverhetzung, vereinzelt schon darüber hinaus. Ein Großteil ihrer Machwerke mutet an wie vorproduziert für eine alsbaldige Bewerbung: um einen Platz beim Zentralorgan der coronistischen Einheitspartei oder im Wahrheitsministerium.

Es zeugt vom bestürzend raschen, tiefgreifenden Qualitätsverfall der sogenannten Leitmedien, dass man, um noch echten, unabhängigen Journalismus zu erleben, neuerdings besser den Fernseher ausschaltet und seine Zeitung in die grüne Tonne entsorgt. Eher liefern ihn mittlerweile Online-Magazine wie Rubikon, Multipolar und Achgut, oder Blogs von unverdrossenen Einzelkämpfern wie Reitschuster und Tichy, denen bei der fortschreitenden Selbstparalyse der Vierten Gewalt das Herz blutet.

Auch meines blutet. Deshalb „Klartext“. Denn die Hoffnung stirbt zuletzt.

Was  mache ich außerdem, was tat ich zuvor? 1956 in Lörrach/Südbaden geboren, studierte ich Philosophie, Psychologie und Soziologe an den Universitäten Basel und Heidelberg. Seit Ende der achtziger Jahre veröffentlichte ich rund 50 Bücher, vorwiegend zu medizinischen und psychologischen Themen, neben über 5000 Artikeln in Zeitungen und Zeitschriften, Nachrichtendiensten und Internetportalen. Beeindruckt von wissenschaftlichen Studien über das umstrittene Geistige Heilen, wie auch von Begegnungen mit Hunderten von Anwendern und Patienten, rief ich 1994 eine Dachorganisation für Heilerverbände (DGH) ins Leben; bis 1998 leitete ich sie, zog mich dann aber zurück, weil auch Geisteskinder mitunter derart missraten, dass man sie schließlich mit einem Seufzer der Erleichterung zur Adoption freigibt. Ich gab eine Fachzeitschrift für Geistiges Heilen heraus (Der Heiler 1996-1998) und war an der EU-geförderten Fernheilstudie EUHEALS beteiligt (2001-2004). Von 1991 bis 2005 war ich Mitorganisator der „Basler Psi-Tage“, des seinerzeit größten Publikumskongresses für Grenzgebiete der Wissenschaft.  

2005 gründete ich die Stiftung „Auswege“ für chronisch Kranke sowie die „Internationale Vermittlungsstelle für Herausragende Heilkundige“ (IVH), die in der alternativen Gesundheitsszene mit einem aufwändigen Auswahlverfahren die Spreu vom Weizen trennen und die raren Könner herausfiltern will.

Die meisten Buchtitel habe ich Medizinthemen gewidmet, zuletzt Corona-Rätsel (2020), Das Gesundheitsunwesen - Wie wir es durchschauen, überleben und verwandeln (2019), die zehnbändige Schriftenreihe Psycholügen (2017), Auswege - Kranken anders helfen (2015) sowie Heilen „Heiler“? Ein Wegweiser für Hilfesuchende (4. Aufl. 2011). In jüngster Zeit beschäftigten mich unter anderem die Expertengläubigkeit der psychologischen Gesellschaft, die unterschätzten Fähigkeiten von Laienhelfern, die Maßstäbe für Normalität und psychische Störung. Auf eine menschlichere Psychiatrie, wie auch auf eine neue Impfpolitik, drängt meine Stiftung in Petitionen an die Bundesregierung.

Vor allem befasse ich mich seit über einem Jahrzehnt mit den gesundheitspolitischen und ökonomischen Hintergründen unseres kranken Gesundheitswesens – eines regelrechten Tummelplatzes organisierter Kriminalität, der es Ärzten immer schwerer macht, kompromisslos ihren Hippokratischen Eid zu befolgen. Die Chancenlosigkeit ganzheitlicher Behandlungsansätze in der profitorientierten westlichen Schulmedizin, die schier unerschöpflichen Propaganda- und Schmiermittel von Big Pharma, Big Food und Big Tech, ihre Lobbymacht erschütterten mich. Im Rückblick auf ein Vierteljahrhundert, in dem ich über das verkannte Potential von alternativen Heilweisen journalistisch aufzuklären versuchte, muss ich inzwischen einräumen: Ich war zu blauäugig. Egal, wie viele vorbildlich durchgeführte Studien zu Außenseiterverfahren man zitiert; egal, wie viele Patienten man präsentiert, denen eine solche Behandlung offenkundig nützte; egal, wie viele Ärzte unerwartet erfreuliche Heilungsverläufe bestätigen; egal, mit welch geringen Kosten und wenig bis keinen Nebenwirkungen alternative Ansätze verbunden sind; egal, wie zuverlässig sie Menschen vor Krankheit bewahren   – Heilkunst, die sich nicht industriell vermarkten lässt, aber Geschäfte gewisser Industrien stört, bleibt im Abseits. Sie wird belächelt, verhöhnt, bekämpft, ebenso wie jeder, der sie praktiziert oder auch nur publik macht – absurderweise umso aggressiver, je mehr Menschen sie gut tut. Denn an Gesunden gibt es nichts zu verdienen.

Meine Stiftung Auswege trägt im Namen ihr Programm: Chronisch Kranken versucht sie therapeutische Auswege in unkonventioneller, ganzheitlicher Medizin zu eröffnen – und vorbeugen zu helfen, damit sie erst gar nicht zu Patienten werden. Mit „Auswege“ will ich etwas von meinem unbegreiflichen Glück zurückgeben: selber drei gesunde Kinder zu haben. Die neue Normalität, die ihnen blüht, falls die Drahtzieher dieser unsäglichen Plandemie ihre „Reset“-Visionen umsetzen können, wünsche ich allenfalls meinem ärgsten Feind – aber gewiss nicht all jenen geliebten Menschen, die ich demnächst, ob nun mit, wegen oder ohne Covid-19, in einer drohenden zutiefst inhumanen Zukunft alleine lassen muss.


 

„Je weiter sich eine Gesellschaft von der Wahrheit entfernt,
desto mehr wird sie jene hassen, die sie aussprechen.“

George Orwell

Harald Wiesendanger - Herausgeber von KLARTEXT

Eine Auswahl meiner Bücher

Psychofalle
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Das Märchen von der Psycho-Seuche
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Stochern im Nebel
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Küchenpsychologie
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Selbstvergessen
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Was nun?
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Heilzauber oder was?
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Außer Kontrolle
Außer Kontrolle
Wenn Schweigen Gold ist
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