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  • Polio-Impfung auf dem Prüfstand

    Benötigen Kinder heutzutage noch eine Impfung gegen Polio? Nutzen und Risiken will Amerikas neuer Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. gegeneinander abwägen lassen. Sein wichtigster Berater fordert, die Zulassung zu widerrufen. Pro-Vaxxer reagieren entsetzt. Zurecht? Nein, grundsätzlich habe er überhaupt nichts gegen Impfungen, so beteuerte Robert F. Kennedy am 29. Januar bei jener Anhörung im Senat, von der seine Berufung zu Amerikas neuem Gesundheitsminister abhing. Er setze sich lediglich dafür ein, jede einzelne auf den Prüfstand zu stellen, um Nutzen und Risiken gegeneinander abzuwägen. Wozu? Damit Eltern eine wahrhaft „informierte Zustimmung“ zu Impfungen ihres Kinds überhaupt erst möglich wird. „Herr Kennedy hat schon lange gesagt, dass er Transparenz bei Impfstoffen will und den Menschen eine Wahlmöglichkeit geben möchte”, erläuterte seine Sprecherin Katie Miller. Kennedys ambitionierter Faktencheck soll auch Polio-Impfstoffe einschließen. Schließlich hatte Kennedys wichtigster Berater, der Anwalt Aaron Siri, schon 2022 bei Amerikas oberster Aufsichtsbehörde für Arzneimittel, der FDA, beantragt , die Zulassung des Vakzins gegen Kinderlähmung zu widerrufen – wie auch gegen Hepatitis B und 12 weitere Valkzine. (Seit drei Jahren „prüft“ die FDA diesen Antrag.) Seine Polio-Petition hatte der auf Impfstoffklagen spezialisierte Siri im Namen des gemeinnützigen Informed Consent Action Network  (ICAN) eingereicht; dessen Gründer, der überaus impfkritische Fernseh- und Filmproduzent Del Bigtree, steht Kennedy ebenfalls nahe, wie die New York Times   berichtete . An der Befragung und Auswahl von Kandidaten für Spitzenpositionen im Gesundheitsministerium wirkte Siri mit. Schon während Kennedys eigener Präsidentschaftskampagne hatte Siri ihm assistiert. Er galt als aussichtsreichster Kandidat für den höchsten juristischen Posten im Gesundheits- und Sozialministerium, den des General Counsel . Dazu kam es wohl nur deshalb nicht, weil Siri davon ausgeht, außerhalb der Verwaltung mehr Einfluss nehmen zu können;.in seiner Kanzlei Siri & Glimstad beaufsichtigt er etwa 40 Fachleute, die an Impfstofffällen und -richtlinien arbeiten. Zahlreichen Eltern half er, Impfvorschriften zu umgehen. (1) “Ich liebe ihn”, schwärmte Kennedy über Siri in einem Podcast . Bald wieder “schutzlos ausgeliefert”? Pro-Vaxxer schlagen entsetzt Alarm. Schnappatmend warnen sie vor einer katastrophalen Fehlentscheidung, die womöglich eine der vermeintlich größten Errungenschaften in der Geschichte der Medizin zunichte macht. Am 12. April 1955 gab die damalige US-Regierung unter Präsident Dwight D. Eisenhower den von Jonas E. Salk entwickelten Polio-Impfstoff frei. Bevor er verfügbar war, habe Polio allein in den USA jedes Jahr 15.000 Fälle von Lähmungen verursacht; bei einem großen Ausbruch 1952 waren es angeblich 58.000, mit über 3000 Todesopfern . Krankenhäuser seien überfüllt gewesen mit behinderten oder schwer kranken Patienten, so die National Library of Medicine . Voller Angst isolierten sich damals Familien, weil sich das Virus leicht unter Kindern verbreitete. Erst mit Salks Entdeckung habe dann die Kehrtwende eingesetzt; der große Durchbruch sei sechs Jahre später gelungen, als die Schluckimpfung eingeführt wurde, anstelle der gefürchteten Spritzennadel. Innerhalb kürzester Zeit, so behaupten Befürworter, seien die Meldezahlen für Polio-Fälle anschließend praktisch gegen Null gesunken. Längst gelten die Industrienationen offiziell als poliofrei. Allerdings warnen Ärzte davor, ein Aussetzen der Polioimpfungen könne dazu beitragen, dass die gefürchtete Krankheit wieder Fuß fasst. „Millionen von Menschen“, schwante der New York Times , wären dann wieder schutzlos einem Virus ausgeliefert, das “Lähmungen oder den Tod verursachen kann”. Zudem müssten Kennedy und Siri selbst im Weißen Haus auf Widerstand gefasst sein. Zwar hat auch Donald Trump versprochen, „sehr ernsthafte Tests“ durchführen zu lassen und einige Impfstoffe abzuschaffen, „wenn ich denke, dass sie gefährlich und nicht nützlich sind“, wie er in einem Interview mit dem Time Magazine  betonte. Am 8. Dezember 2024 erklärte Trump in der NBC-Sendung „ Meet the Press ”, er sei durchaus offen für eine Überprüfung von Impfstoffen und Autismus – mit einer Ausnahme: „Der Polio-Impfstoff ist das Beste” (“ the greatest thing ”). Wenn mir jemand sagt, ich solle den Polio-Impfstoff abschaffen, muss er sich wirklich anstrengen, um mich zu überzeugen.“ (2) Ist Kennedy nun dabei, Wortbruch zu begehen? Hatte er während seiner Senatsanhörung nicht wörtlich versichert : “I support the measles vaccine. I support the polio vaccine. I will do nothing as HHS secretary that makes it difficult or discourages people from taking either of those vaccines.” Sind Kennedy und Siri tatsächlich von Sinnen? Faktencheck: Wie begründet ist die Panikmache um Kinderlähmung? Kinderlähmung handelt man sich durch den Mund ein, nicht über die Nase. Anders als bei Covid-19, Influenza, Masern, Tuberkulose, Windpocken, Keuchhusten, Mumps und Röteln wird der Polio-Erreger in erster Linie nicht über die Luft übertragen, sondern hauptsächlich oral aufgenommen – insbesondere durch Trinkwasser, das Fäkalien mit dem Wildvirus verseucht haben. Daraus folgt: Die wirksamste Maßnahme, um Kinderlähmung einzudämmen, besteht in einer guten Trinkwasseraufbereitung, besseren sanitären Verhältnissen und moderner Hygiene - dadurch wird ein Kontakt mit dem Wildvirus unwahrscheinlich. Diese Art von Seuchenprophylaxe findet seit dem 20. Jahrhundert in Industrienationen statt. Und eben deshalb ging die Anzahl der Polio-Erkrankungen und –Todesfälle drastisch zurück, lange bevor  geeignete Impfstoffe auf dem Markt waren: “Im Großteil der zivilisierten Welt”, so stellt der Medizinjournalist Bert Ehgartner klar, “ist eine Kontamination mit Polio-Wildviren heute ähnlich unwahrscheinlich wie ein Kontakt mit Außerirdischen. Die Polio ist in den Industrieländern nicht wegen der Impfung ausgestorben. (…) Es ist deshalb völlig unlogisch, dass ein Aussetzen der Impfung wieder zu einem Comeback der Polio führen würde. (…) Ihre Sinnhaftigkeit für die Normalbevölkerung? Sehr gering bis null.” (3) Zudem verschwand eine Verwechslungsgefahr. Seit Ende des 19. Jahrhunderts kam es öfters zu Poliomyelitiswellen, wo neurotoxische Gifte wie Blei-Azetat und DDT ausgiebig versprüht wurden. Kaum war ihr Einsatz verboten, sanken die offiziellen Poliozahlen. (4) Seit 1978 kein einziges poliokrankes Kind mehr hierzulande “Das letzte deutsche Kleinkind”, konstatierte  Dr. Gerhard Buchwald (1920-2009), impfkritischer Facharzt für Lungenkrankheiten und Innere Medizin, Mitte der neunziger Jahre (5),  “erkrankte 1978 an Poliomyelitis. Seitdem hat es nur noch Lähmungsfälle gegeben, die nach der Poliomyelitis-Impfung aufgetreten sind.” Dabei blieb es bis heute: Auch im 21. Jahrhundert wurde in Deutschland bislang kein einziger durch Wildviren verursachter Poliomyelitis-Fall mehr registriert. Zwar tauchten im November 2024 in Abwasserproben aus mehreren deutschen Städten - darunter München, Bonn, Köln und Hamburg - Polioviren auf; sie stammten aber vermutlich von Migranten aus Ländern, in denen noch der orale Lebendimpfstoff verwendet wird.  “Wenn seit 1978 kein deutsches Kind an Polio erkrankt ist, muss doch die Frage erlaubt sein, ob die Impfung gegen Polio überhaupt noch notwendig ist, denn sie hinterlässt zwar wenige, aber besonders folgenschwere Impfschäden”, fand Dr. Buchwald. “Meines Erachtens kann auch diese Impfung ohne Bedenken in ein späteres Lebensjahr verlegt werden. (…) Wenn die Polioimpfung wirklich einen Schutz hinterlässt, dann können beim Wiederauftreten der Polio in kürzester Zeit die gefährderten Regionen geimpft werden.” Verantwortungslos? Wir schließen Kranken- und Unfallversicherungen, Haftpflicht- und Berufsunfähigkeitsversicherungen ab, um für persönliche Katastrophen gewappnet zu sein - egal wie unwahrscheinlich es ist, dass sie eintreten. Sollten wir, um auf Nummer Bombensicher zu gehen, mit Polio nicht genauso hypervorsichtig verfahren? Wir tun es, weil uns eine Heidenangst vor dem Polio-Erreger, dem Neurotropen Enterovirus, eingejagt worden ist. Doch diese Angst ist extrem übertrieben. 90 bis 95 % aller von ihm ausgelösten Fälle verlaufen klinisch unauffällig, symptomarm oder völlig symptomfrei. Jeder zwanzigste Infizierte entwickelt Beschwerden, die einem grippalen Infekt ähneln; noch seltener kommt es zu einer aseptischen Meningitis. Davon genesen Betroffene innerhalb weniger Tage – und sind fortan ein Leben lang immun gegen eine erneute Infektion. Nur bei jedem hundertsten bis tausendsten (!) Infizierten treten die typischen Symptome der Poliomyelitis auf, meist in Form von gelähmten Gliedmaßen. Jedoch bilden sie sich in den meisten Fällen innerhalb eines Jahres zurück. (6) Gegen dieses unstrittige Restrisiko sollten Eltern mögliche Impfschäden infolge der Polioimpfung abwägen. (7) Wie selbst deren Befürworter einräumen, können auch die abgeschwächten Erreger im Lebendimpfstoff Kinderlähmung auslösen, besonders bei beeinträchtigtem Immunsystem. Obwohl dies laut offiziellen Quellen bloß bei etwa 1 von 2,7 Millionen  Dosen auftritt, hat die Schluckimpfung deswegen seit 1998 in Deutschland ausgedient. An ihre Stelle sind injizierte Totimpfstoffe getreten, mit abgetöteten Pathogenen oder einzelnen Bestandteilen, die auch künstlich erzeugt sein können. Bei diesen, so erklären RKI und STIKO, kommen bloß eher harmlose Nebenwirkungen - Rötung, Schwellung oder Schmerz an der Einstichstelle, Fieber, Müdigkeit – recht häufig vor, in 5 bis 15 % aller Fälle. Allergische Reaktionen - wie Hautausschlag, Atemnot oder Schwellungen von Gesicht oder Zunge – treten nur bei jedem 10.000 Geimpften auf. (8) Ebenso selten kommt es zu heftigen Fieberkrämpfen  und einem kurzzeitigen schockähnlichen Zustand - einer „hypoton-hyporesponsiven Episode" (HHE) -, in dem die Muskeln des Kindes erschlaffen und es nicht ansprechbar ist. Aber was nützt meinem Kind eine statistische Unwahrscheinlichkeit, falls sie ausgerechnet bei ihm zu 100 % eintritt? Nachdem ab 1960 in Deutschland staatlich angeordnete Polio-Massenimpfungen einsetzten – zunächst in Westberlin, dann im gesamten Bundesgebiet -, wurden zahlreiche schwere Impfschäden bekannt: 25 bei Geimpften, 23 bei ungeimpften Kontaktpersonen. Dazu zählten mehrere Fälle von Guillain-Barré-Syndrom, Enzephalomyelitis und Multipler Sklerose sowie je einmal Meningitis und postencephalitisches Syndrom. (9) Gerhard Buchwald präsentiert in seinem Buch Impfen – Das Geschäft mit der Angst  mehrere tragische Fälle von Kindern, deren Leben der vermeintliche “Impfschutz” für immer zerstörte. (10)   In jedem Vakzin steckt mehr als bloß das Antigen.  Das gilt sowohl für die Kombinationsimpfstoffe wie Infanrix-IPV+Hib, welche die Ständige Impfkommission (STIKO) zur sogenannten “Grundimmunisierung” im Säuglingsalter bevorzugt, als auch für Einzelimpfstoffe wie Imovax Polio®, IPV Mérieux®, Poliovaccine AJV, die eher für “Auffrischungen” oder zum “Nachholen” vorgesehen sind. Bis heute weiß niemand, was die Zusatzstoffe auf lange Sicht, im Laufe mehrerer Jahre und Jahrzehnte, in Körpern anrichten können - besonders in überempfindlichen oder vorerkrankten. Langer Rede kurzer Sinn: In den USA, ebenso wie in Deutschland und dem Rest der zivilisierten Welt, geht der Nutzen einer Polio-Impfung mittlerweile gegen null, während Risiken fortbestehen. Und deshalb hinterfragen Kennedy und Siri sie völlig zurecht, Punkt. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1)   https://www.sirillp.com/aaron-siri/ ; https://www.nytimes.com/2023/12/03/us/politics/mississippi-childhood-vaccine-mandates.html ; https://www.sirillp.com/newsmax-aaron-siri-discusses-san-diego-judges-ruling-against-student-vaccine-mandate/ (2)   Trump wörtlich: “ Hey, look, I’m not against vaccines. The polio vaccine is the greatest thing. If somebody told me to get rid of the polio vaccine, they’re going to have to work real hard to convince me. I think vaccines are — certain vaccines — are incredible .” (3)   Bert Ehgartner: Was Sie schon immer über Impfung wissen wollten  (2023), S. 283. (4)   Siehe Forrest Maready: The Moth in the Iron Lung - A Biography of Polio  (2018). (5)   Dr. Gerhard Buchwald: Impfen – Das Geschäft mit der Angst , 5. Aufl. 2008, S. 127 f. (6)   Buchwald: Impfen – Das Geschäft mit der Angst , a.a.O., S. 120 ff. (7)   Buchwald, a.a.O, S. 288 ff. (8)   https://www.nali-impfen.de/impfempfehlungen/impfungen-a-z/poliomyelitis-impfung/ ; https://portal.dimdi.de/amispb/doc/pei/Web/2611894-palde-20140201.pdf ; https://www.netdoktor.de/krankheiten/polio/impfung/ (9)   Nach P. E. Trüb: Die orale Poliomyelitisschutzimpfung , Düsseldorf 1969. (10) s. Buchwald, a.a.O., S. 291-303.

  • Gift vom Himmel

    Regen hat aufgehört, Trinkwasser zu sein – weltweit. Das belegt eine bestürzende Studie schwedischer und Schweizer Wissenschaftler. „Gesegneter Regen, … bade meine Seele und wasche mein Herz rein … Rausche, wehender Wasserschleier, der alles rein wäscht! Kein Sonnenwunder kommt dem Wunder des gesegneten Regens gleich“, schwärmte der tschechische Schriftsteller Karel Čapek (1890-1938) vor knapp einem Jahrhundert. (1) Wer bis heute mitschwärmt, ist nicht auf der Höhe des Forschungsstands. Wie Forscher der Universität Stockholm und ETH Zürich in der Fachzeitschrift Environmental Science and Technology darlegen , gibt es auf der Erde inzwischen keinen Ort mehr, an dem Regenwasser die US-Grenzwerte für Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS), berüchtigte „Ewigkeitschemikalien“, noch unterschreitet – nicht einmal mehr in entlegensten Gegenden wie der Antarktis. „Basierend auf jüngsten Richtlinien von Gesundheitsbehörden müsste Regenwasser überall als nicht trinkbar eingestuft werden“, erklärt der Studienleiter Ian Cousins, Professor am Department of Environmental Science der Universität Stockholm. PFAS sind eine Gruppe von Chemikalien, die das Risiko für Unfruchtbarkeit und Krebs, bei Kindern für Entwicklungsverzögerungen erhöhen. Und ständig werden neue gefährliche Wirkungen entdeckt (1) - von immuntoxischen bis hormonellen. PFAS kommen in der Natur nicht vor und bauen sich in der Umwelt niemals ab. Verwendet werden sie in Haushaltsgegenständen wie Lebensmittelverpackungen, Elektronik, Kosmetika und Kochgeschirr, weil sie hervorragende Antihaft- oder schmutzabweisende Eigenschaften aufweisen. Einmal freigesetzt, gelangen PFAS durch Verdunstung und Meeresgischt in die Atmosphäre und reichern sich im Regen an. Cousins spricht von einem praktisch irreversiblen Kreislauf zwischen Ozean, Luft und Niederschlag. Dabei gibt es regionale Hotspots: Zwar sind PFAS überall  nachweisbar - selbst in Schneeproben vom Mount Everest -, aber höhere Werte treten nahe Industriestandorten und Ballungsräumen auf, z. B. um PFAS-Produktionsstätten. Doch selbst Proben aus unberührten Gegenden weisen PFAS-Belastungen auf, was auf globalen Ferntransport hindeutet. Giftcocktail von oben Darüber hinaus gelangen Schwermetalle wie Blei, Quecksilber und Cadmium ebenfalls in die Luft - durch Industrie, Verkehr und Verbrennung -, via Niederschlag werden sie ausgewaschen. Auch viele Pestizide - Agrarchemikalien wie Herbizide, Insektizide, Fungizide - können aus Anwendungsgebieten verdunsten oder mit dem Wind verfrachtet werden; so gelangen sie in die Atmosphäre. Eine umfassende Studie im Auftrag der US-Regierung, Regenproben in den Agrargebieten von Mississippi und Iowa verglich, fand 37 verschiedene Pestizidwirkstoffe. Das massenhaft eingesetzte Glyphosat kam in 77 % der Proben vor. Hinzu kommt Mikroplastik – winzige Kunststoffteilchen, kleiner als 5 Millimeter, zum Großteil im Nanobereich. In Schnee- und Regenproben finden sich teils tausende Partikel pro Liter:  In der Arktis zählte man bis zu 14.400 Mikroplastik-Teilchen pro Liter Schnee, in Mitteleuropa sogar bis 154.000 /L. „Es regnet Plastik“, so betitelten Wissenschaftler 2019 treffend einen Bericht .  Nicht zu vergessen: die „klassischen“ Luftschadstoffe Stickoxide (NOx) und Schwefeldioxid (SO2). Im Regen führen sie zu Säurebildung - Salpeter- und Schwefelsäure – sowie Einträgen von Nitrat und Ammonium. Dass längst auch Geoengineering insgeheim die Atmosphäre verpestet, bestreiten offizielle Stellen weiterhin entschieden, während auffällige Einzelmessungen, beobachtete Anomalien und anekdotische Berichte reichlich Anlass geben, misstrauisch zu sein. Online-Portale abseits des medialen Mainstreams führen erhöhte Aluminium- oder Bariumwerte im Regenwasser auf solche Maßnahmen zurück. Eindringlich warnen sie vor gesundheitlichen Folgen durch künstlich eingebrachte Schadstoffe aus dem Himmel. Unnatürlich erscheinende Kondensstreifen hinter Flugzeugen („Chemtrails“) stützen den Verdacht. „Sie haben die Ordnungen übertreten“ Einst Inbegriff von Reinheit, hat Regenwasser inzwischen aufgehört, unbedenklich zu sein. An einem einzigen Tag fallen 1,4 Milliarden Liter Regen auf unseren Planeten. Seit es Menschen gibt, haben sie darauf vertraut, dass sie Wasser vom Himmel unbesorgt zu sich nehmen können. In vielen Regionen ist es bis heute ein Hauptbestandteil der Trinkwasserversorgung: etwa auf Inseln in der Karibik und im Pazifik, wo Regenwasser gesammelt wird, weil es keine Flüsse und Seen gibt; in Hochland- und Bergregionen wie den Anden und dem Himalaya, wo Niederschlag Quellgebiete großer Flüsse speist, die stromabwärts Millionenstädte versorgen; in Monsun- und Regenwaldgebieten von Südostasien, Zentralafrika und dem Amazonasgebiet, wo hohe Regenmengen Flüsse, Seen und Grundwasserleiter füllen; in Trockengebieten wie der Sahel-Zone und Teilen Australiens, wo Regen selten fällt, dann aber intensiv genutzt wird, z.B. in Dämmen, Zisternen und Speicherteichen. Die Bibel beschreibt vergiftetes Wasser als Zeichen von Strafe. In mehreren Textstellen spiegelt sich die Vorstellung, dass natürliche Ressourcen verderben können, wenn das Gleichgewicht mit Gott oder der Schöpfung gestört ist. „Sie haben die Ordnungen übertreten […]. Darum frisst der Fluch die Erde“ (Jesaja 24:4-6). „Darum spricht der Herr: […] Ich will ihnen […] Giftwasser zu trinken geben“ (Jeremia 9:14–15). Die Offenbarung (8:10-11) prophezeit ein kosmisches Gericht: „…und viele Menschen starben von den Wassern, weil sie bitter geworden waren“, also ungenießbar oder sogar tödlich. Den Trend umkehren Unausweichlich kommt die Apokalypse gottlob nicht. Manche Entwicklungen lassen hoffen, dass Regenwasser bald wieder sauberer sein wird - zumindest in bestimmten Regionen oder für einzelne Schadstoffgruppen: ·         Die EU arbeitet – im Schneckentempo, aber immerhin - an einem generellen Verbot von über 10.000 PFAS-Verbindungen, das in den nächsten Jahren greifen könnte. ·         Zu hoch, aber besser als gar keine: Verschärfte Trinkwasser-Grenzwerte führen dazu, dass Schadstoffe wie PFAS, Pestizide oder Mikroverunreinigungen intensiver überwacht und herausgefiltert werden müssen. Das erhöht den Druck auf Industrie und Landwirtschaft, sauberer zu produzieren. ·         Verbote einzelner Pestizide - z. B. von Neonikotinoiden und Atrazin innerhalb der EU - haben bereits dazu geführt, dass einige davon nicht mehr im Regen messbar sind. ·         Industrieanlagen und Kraftwerke setzen immer bessere Filter ein, z. B. für Quecksilber, Stickoxide, Ammoniak. ·         In der Landwirtschaft werden zunehmend Techniken entwickelt, um Ammoniakemissionen zu senken – z. B. über Güllekühlung oder abgedeckte Lagerung. ·         Der Rückgang von Schwefel- und Stickstoffverbindungen in den letzten Jahrzehnten hat den sauren Regen deutlich abgeschwächt. Ähnliches ist bei Blei gelungen, seit bleihaltige Kraftstoffe vom Markt verschwanden. Solche Fortschritte belegen: Regenwasser wird nicht zwangsläufig dreckiger. Sofern politischer Wille und gesellschaftlicher Druck da sind, kann es auch wieder sauberer werden. Aber: Viele neue Schadstoffe - PFAS, Mikroplastik, „moderne“ Pestizide - verbleiben ohne konsequentes Handeln weltweit im Wasserkreislauf. Über Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte. Ebenso folgenschwer, und womöglich sogar irreversibel, können sich Geoengineering-Maßnahmen von übereifrigen Klimarettern auswirken. Bis Ende März 2025 haben 25 US-Bundesstaaten, unterstützt vom neuen Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr., Gesetzesinitiativen gestartet, um jegliches klimatechnische Herumpfuschen zu verbieten. Wegen "Desinformation", geblendet von „Verschwörungstheorien“? Offenbar stießen sie auf gute Gründe für ihren Vorstoß. Invasion von Giftzwergen Nicht nur im Regen und Trinkwasser, auch in der Atemluft, in unserer Nahrung, ja überall in der menschlichen Lebenswelt häufen sich künstlich erzeugte Minipartikel seit wenigen Jahrzehnten dramatisch an. Mikroplastik, Ultrafeinstaub, Nanoteilchen machen krank, chronisch und unheilbar, wenn wir sie über längere Zeit in uns aufnehmen und nicht mehr loswerden, sondern anreichern, in jedem Organ, jedem Gewebe. Sie töten uns. Sie gefährden den Fortbestand unserer Spezies. Warum nehmen wir sie nicht ernst genug?  So grundlegend sind manche Erfahrungen, dass sie sich tief ins kollektive Gedächtnis graben/einbrennen. Jede nächste Generation muss sie sich nicht erst von neuem aneignen, durch Versuch und Irrtum. Als Verhaltensprogramme bekommt man sie buchstäblich in die Wiege gelegt: über das Genom, über vorverschaltete Neuronennetze im Gehirn. Häufig erwuchsen solche Urerfahrungen aus immer wiederkehrenden Situationen, in denen es um Leben oder Tod ging. Plötzlich tauchte eine Bedrohung auf – und es blieb keine Zeit, vor einer Reaktion erst noch anspruchsvolle kognitive Prozesse des Überprüfens, Bewertens und Entscheidens zu durchlaufen. In Sekundenbruchteilen musste klar sein: Fliehen? Kämpfen? Oder nichts tun? Aus derartigen Urerfahrungen erwuchs beispielsweise die Faustregel „Je größer, desto gefährlicher“, wie auch ihr Gegenstück „Je kleiner, desto harmloser“. Vor großen Mammuts, vor ausgewachsenen Säbelzahntigern nahmen unsere fernsten Ahnen, wenn sie alleine und unbewaffnet waren, zurecht reißaus – nicht aber vor deren neugeborenem Nachwuchs. Rollte ein Felsbrocken auf sie zu, wichen sie ihm aus – nicht aber einem heranfliegenden Sandkorn. Bis in die Moderne wirken die Überlebensmaximen der Steinzeit verhaltensbiologisch nach. Überall auf der Welt, unabhängig von Rasse, Geschlecht und Kultur, reagieren Babies unwillkürlich gleich, wenn vor ihnen unvermittelt etwas Großes auftaucht oder im Nu riesenhaft anschwillt: Sie zeigen nicht Neugier und freudige Erwartung, sondern erschrecken, beginnen zu weinen, wenden den Kopf ab, suchen Schutz, versuchen sich wegzubewegen. Nur weil die Verknüpfung, die hinter diesen Reaktionen steckt, in den Köpfen unserer Spezies so tiefverwurzelt ist, war ein Blockbuster wie „King Kong“ möglich: Von der Bedrohlichkeit des Riesenhaften geht unser Unterbewusstsein so selbstverständlich aus, dass die blödsinnige Idee eines turmhohen Gorillas, der zärtliche Gefühle für ein feingliedriges Blondinenmenschlein entwickelt, Kinobesucher rund um den Globus fasziniert. Hätten sich die Israeliten hinter dem tollkühnen David mit seiner Steinschleuder versteckt, wenn ihnen Goliath gerade mal bis ans Knie gewachsen wäre? Faustregeln haben es an sich, bloß im großen und ganzen zuzutreffen; sie lassen Ausnahmen zu. Somit wiegen sie uns stets in einer trügerischen Sicherheit, die brandgefährlich werden kann, wenn sie uns sorglos machen – sobald sie uns dazu verleiten, Bedrohungen zu übersehen, ihr Ausmaß fatal zu unterschätzen. Nicht der Wolf ist in unseren Breitengraden das gefährlichste Tier, sondern die Zecke. Zu unseren schlimmsten Feinden zählen solche, vor denen uns kein Sinn warnt – wir sehen und hören, schmecken, riechen und spüren nichts, wenn sie uns angreifen. Bakterien und Viren, die kein Infizierter je wahrgenommen hat, sorgten für millionenfach mehr Tote als alle jemals stattgefundenen Kriege zusammengenommen. Dem menschlichen Organismus blieben aber immerhin Hunderttausende von Jahren Zeit, sich an eine Umwelt voller mikroskopisch winziger Krankheitserreger anzupassen. Er entwickelte ein filigranes Abwehrsystem, das einen Großteil davon unschädlich macht. Um dem Rest beizukommen, entstanden vielerlei wirkungsvolle Medikamente. Dieser Schutz, der immunologische wie auch der pharmazeutische, fehlt uns, um weitaus monströsere Bedrohungen abzuwehren:  künstlich erzeugte Minipartikel, manche kaum größer als ein paar Atome. Seit wenigen Jahrzehnten häufen sie sich in der menschlichen Lebenswelt dramatisch an. Mikroplastik, Ultrafeinstaub, Nanoteilchen machen krank, chronisch und unheilbar, wenn wir sie über längere Zeit in uns aufnehmen und anreichern. Sie töten uns. Sie gefährden den Fortbestand unserer Spezies. Was können, was müssen wir gegen diese Giftzwerge unternehmen? Wie bändigen wir sie? Zuallererst sollten wir: aufwachen. Falls Außerirdische seit längerem die Erde beobachten, kämen sie vermutlich zu dem Schluss: In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begann auf diesem sonderbaren Planeten ein globales Experiment, mit allen Bewohnern, vom Säugling bis zum Greis, als unfreiwilligen Versuchskaninchen. Es widmet sich offenbar drei Fragen: Wie viele Schadstoffe aus den unterschiedlichsten Quellen – einschließlich Nahrung, Trinkwasser, Atemluft, Kleidung, Reinigungsmittel, Medikamente und Impfstoffe, tausenderlei alltäglicher Gebrauchsgegenstände - lassen sich dem menschlichen Organismus zuführen, bis auch der widerstandsfähigste chronisch erkrankt? Wie viel Profit lässt sich daraus gesundheitswirtschaftlich ziehen? Welcher Aufwand an Marketing, Lobbyarbeit und Korruption ist nötig, um Regierungen die schleichende Massenvergiftung geschehen zu lassen - und die Bevölkerungsmehrheit davon abzuhalten, dagegen aufzubegehren? Nichts wird sich ändern, solange wir nicht damit beginnen. Das müssen wir bald, denn die Zeit wird knapp. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1) In Das Jahr des Gärtners , Kapitel „Gesegneter Regen“ (1929).   (2) https://www.eea.europa.eu/publications/zero-pollution/cross-cutting-stories/pfas#:~:text=Of%20the%20relatively%20few%20well,2019 ; https://cen.acs.org/environment/persistent-pollutants/PFOA-rain-worldwide-exceeds-EPA/100/i27#:~:text=The%20EPA%20introduced%20the%20PFOA,PFAS%29%20later%20this   KLARTEXTE über Mikroplastik: Mikroplastik in uns: eine Zeitbombe Kunststoff ist allgegenwärtig, schier unverwüstlich – und brandgefährlich, wenn er in unseren Körper gerät. Während die Industrie abwiegelt, Gesundheitsbehörden und Gesetzgeber zaudern, schlagen Wissenschaftler längst Alarm: Winzige Fasern und Bruchstücke aus Plastik, die wir ahnungslos über Trinkwasser und Nahrungsmittel, Atemluft und Haut aufnehmen, können chronisch krank machen. Gruselig: Plastikgift im Hirn Fünf Gramm Mikroplastik gerät pro Woche in unseren Körper. Binnen zwei Stunden nach Aufnahme dringen die Partikel ins Gehirn. Was richten sie dort an? Eine neue Studie weckt schlimmste Befürchtungen. Enden wir als Plastik-Idioten? Mikroplastik ist überall, auch in uns. Schlimmer noch: Die winzigen Kunststoffteilchen reichern sich vorzugsweise im Gehirn an. Was richten sie dort an? Jüngste Studien lassen das Schlimmste befürchten: Das Teufelszeug macht dement. Was tun?

  • Sind Unangepasste krank?

    Ist „psychisch gestört“, wer sich nicht anpassen kann? Ja, sofern er darunter leidet, sagen Psychiater – dann verpassen sie dem Betroffenen eine Diagnose und erklären ihn für therapiebedürftig. Diese Praxis ist brandgefährlich. Sie verrät, wes Geistes Kind die Pseudowissenschaft ist, die sie legitimiert. „Anpassungsstörung“ nennen Psychiater eine andauernde, ungewöhnlich starke Reaktion auf belastende äußere Umstände. Sie kann sich in depressiven Verstimmungen, Angst, einem Gefühl der Überforderung und sozialem Rückzug äußern, mitunter auch in aggressivem Verhalten. Unter dem Kürzel 6B43 führt die Weltgesundheitsorganisation sie in ihrer „Internationalen Klassifikation der Krankheiten“ (ICD). (1) Wer gilt somit als psychisch gestört? Dazu zählen beispielsweise Menschen, die einen Trauerfall, eine Trennung, eine Scheidung nicht verkraften, unter Intrigen und Mobbing zusammenbrechen, mit beruflichem Scheitern, einer Krankheit oder Behinderung nicht fertigwerden. Aber auch Menschen, die an einer Umgebung verzweifeln, welche ihnen fremd geworden ist. Sie leiden unter der Lieblosigkeit, Gleichgültigkeit, Intoleranz, Aggressivität, Gier, Oberflächlichkeit, der Mitläuferei und Dummheit der anderen. Ist psychisch krank und behandlungsbedürftig, wer sich in einer kranken Welt fremd fühlt, sich nicht mit ihr abfinden kann und gegen sie aufbegehrt? „Es ist kein Zeichen von seelischer Gesundheit, sich an eine zutiefst gestörte Gesellschaft anpassen zu können“, befand Jiddu Krishnamurti (1895-1986), indischer Philosoph und spiritueller Lehrer. (2) Fast wortwörtlich gleich formulierte es der schottische Psychiater R. D. Laing: „Die Anpassung an eine zutiefst kranke Gesellschaft ist kein Zeichen von Gesundheit, sondern ein Zeichen von Wahnsinn.“ (3) Ähnlich äußerte sich der Psychoanalytiker Erich Fromm: „Die Tatsache, dass Millionen Menschen dieselben Verrücktheiten teilen, macht diese Verrücktheiten nicht zu einer Form von Vernunft.“ (4) Der Psychiatrie-Kritiker Thomas Szasz pflichtete bei: „Wenn du mit einer verrückten Gesellschaft übereinstimmst, nennen sie dich gesund.“ (5) Querdenker zu gemeingefährlichen Geisteskranken gestempelt „Anpassungsgestört“: das waren in den unsäglichen Coronajahren 5 bis 10 % der Bevölkerung – vom folgsamen „Team Vorsicht“ angeprangert als geistig minderbemittelte „Covidioten“, als verantwortungslose Maskenverweigerer und Impfmuffel. Ja, ihr Leidensdruck war hoch - aber weshalb? Weil sie krank im Kopf waren? „Manche Querdenker sind in einer Art Realitätsverlust gefangen. [...] Das hat manchmal schon Züge von Wahn“, befand Gesundheitsminister Karl Lauterbach Ende 2021. (6) Weltärztebund-Chef Frank Ulrich Montgomery konstatierte: „„Das Verhalten vieler Impfgegner und Querdenker ist irrational und gefährlich. [...] Da hilft oft keine Argumentation mehr – das grenzt an pathologische Verbohrtheit.“ (7) Der Psychiater Prof. Manfred Spitzer führte in einem Vortrag an der Uni Ulm aus: „Bei vielen Querdenkern sehen wir typische Muster von Verschwörungsdenken, die auch psychische Auffälligkeiten beinhalten können.“ (8) Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken stellte fest: „Teile der Querdenker-Szene haben sich radikalisiert und bewegen sich außerhalb jeder rationalen Argumentation. Da stellt sich schon die Frage nach geistiger Verfassung.“ (9)   Warum diskutieren, wenn man auch einfach eine Diagnose stellen kann? Ärzte, Psychologen und Psychotherapeuten, wie auch Schreibtischtäter bei Mainstream-Medien, assistierten eilfertig bei solch übler Nachrede: mit infamen Spekulationen darüber, was für kognitive Fehlfunktionen manche Leute wohl dazu veranlassen, sich dem angeordneten „alternativlosen“ Seuchenschutz à la SpahnWielerDrosten dreist zu widersetzen – und wie damit therapeutisch umzugehen sei. Während sie „Verschwörungstheoretiker“ pathologisierten (10), gingen sie über das Massenphänomen der Verschwörungs leugner  hinweg. Nonkonformisten wurden 'Patienten', Rebellion mutierte zur 'Störung im Sozialverhalten'. Mitläufertum war gesund, Individualität therapiebedürftig. Fürs Anderssein gibt´s zum Glück Tabletten. Wie „wissenschaftlich“ ist eine Medizin, die unangepasste Selbstdenker pathologisiert? So erbärmlich feige dienten allzuviele ihrer Vertreter Machthabern zu allen Zeiten – und bleiben anscheinend weiterhin gerne zu Diensten, auch hierzulande. Schande über sie. „Die Debatte, ob Querdenker psychisch auffällig seien, zeigt gefährliche autoritäre Reflexe. Kritik, auch irrationale, gehört zur Demokratie“, betont der Jurist und Bürgerrechtler Maximilian Pichl. (11) Und zumindest die Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP), gelegentliche Querdenkerin innerhalb der Schulmedizin, stellt klar : „Politischer Protest – selbst wenn er irrational erscheint – ist keine psychiatrische Diagnose. Wir warnen davor, gesellschaftliche Konflikte zu pathologisieren.“ Jagd auf Unangepasste – einst und heute Der politische Missbrauch der Psychiatrie ist ein dunkles Kapitel der Geschichte – und leider teilweise auch der Gegenwart. Was sagt es über „das beste Deutschland aller Zeiten“, wenn es an diese Tradition gnadenlos anknüpft, kaum dass eine grippeähnliche Infektionswelle umgeht, vor der sich nicht jedermann im Nu folgsam bange machen lässt? In totalitären Systemen wurde und wird Psychiatrie gezielt eingesetzt, um politisch Andersdenkende, Nonkonformisten oder sogenannte „gesellschaftlich Unerwünschte“ zu stigmatisieren, mundtot zu machen oder zu isolieren. Das bekannteste Beispiel für systematischen Missbrauch der Psychiatrie zur Repression lieferte die Sowjetunion ab den 1960er Jahren bis zum Ende der UdSSR 1991. Regimekritiker, Menschenrechtler, Künstler, religiöse Aktivisten wurden als psychisch krank diagnostiziert, z. B. mit der berüchtigten "Schleichenden Schizophrenie" - „ wjalotekuschtschaja schizofrenija “-, einer Diagnose, die fast ausschließlich auf Dissidenten angewandt wurde. Die Folgen: Zwangseinweisungen in geschlossene psychiatrische Anstalten, Verabreichung von Psychopharmaka, Elektroschocks, körperliche Misshandlungen. Die bekanntesten Opfer waren Anatoli Koryagin, ein Arzt, der gegen diese Praxis kämpfte, und Wladimir Bukowski, ein Dissident, der Zwangspsychiatrie international bekannt machte. Auch die Volksrepublik China bedient sich der Psychiatrie, um Regimekritiker und Nonkonformisten zu unterdrücken. Dafür richtete das Innenministerium psychiatrische Gefängnisse ein: „ Ankang “. Darin weggesperrt wurden Menschenrechtsaktivisten, Falun-Gong-Anhänger, Christen, ethnische Minderheiten wie Tibeter und Uiguren. Als Vorwand dienen Diagnosen wie „Gefährdung der öffentlichen Ordnung“. Amnesty International  hat Zwangsmedikation, Folter und Missbrauch zahlreich dokumentiert. Deutschland hat besonders viel Übung darin, den politischen Gegner nicht nur zu kriminalisieren, sondern auch zu psychiatrisieren. Das NS-Regime erklärte politisch oder gesellschaftlich „auffällige“ Menschen häufig für „geisteskrank“, wenn sie nicht offen strafrechtlich verfolgt werden konnten. Besonders betroffen waren Andersdenkende, Pazifisten, Künstler, Intellektuelle, die sich nicht dem nationalsozialistischen Weltbild unterordneten; Menschen mit „abweichendem Verhalten“, z. B. unangepasster Lebensstil, kritische Äußerungen im privaten Umfeld. Gutachten regimetreuer Ärzte stempelten sie zu „psychisch Gestörten“. Als Diagnosen dienten „Querulantenwahn“, „Schwachsinn“, „Psychopathische Persönlichkeitsstörung“ und „Asozialität“. Wer 80 Jahre später Kritiker von Corona-Maßnahmen als „asoziale Trittbrettfahrer“ anprangert – wie Frank Ulrich Montgomery, Vorsitzender des Weltärztebundes (12) -, knüpft demnach an eine bewährte Tradition an. (13) Auch in der DDR war die Psychiatrie ein verlängerter Arm der Staatsmacht, um politisch Unangepasste kaltzustellen. Dissidenten, Künstler oder Ausreisewillige wurden für psychisch krank erklärt. Die Stasi arbeitete dazu eng mit linientreuen Ärzten zusammen. Um Zielpersonen einzuschüchtern, genügte es oft schon, mit einer psychiatrischen Einweisung zu drohen. Wer davon unbeeindruckt blieb, wurde mit starken Psychopharmaka ruhiggestellt – Neuroleptika, Sedativa, bis hin zu Elektroschocks. Das Ziel war, den Willen zu brechen. Und heute? In autoritären Staaten findet weiterhin reichlich Missbrauch der Psychiatrie statt. Unter Putin häufen sich in Russland Fälle von Dissidenten, die in psychiatrische Kliniken eingewiesen wurden, z. B. Demonstranten oder LGBTQ+-Aktivisten. In Weißrussland (Belarus) nutzt das Lukaschenko-Regime Psychiatrien, um Protestierende „ruhigzustellen“. Berichte aus dem Iran deuten darauf hin, dass Frauenrechtlerinnen und politische Aktivisten psychiatrisch weggesperrt werden. Flüchtlinge aus Nordkorea berichten, dass Menschen, die das Regime kritisieren oder „abweichendes Verhalten“ zeigen, in psychiatrische Einrichtungen eingewiesen werden. Psychiatrie ist Teil des Unterdrückungsapparats, ähnlich wie Straflager.   Die größte Angst all dieser Systeme ist in Wahrheit nicht der Verrückte – sondern der, der bei Verstand bleibt. Überall gilt: Die sicherste Methode, einen freien Geist zu heilen, besteht darin, ihn zu brechen – natürlich nur zu seinem Besten und dem Wohle des Ganzen. Glück ist, wenn er nach genug Medikamenten endlich versteht, warum alle anderen den Wahnsinn der Normalität feiern. Sein Gefühl, dass „etwas nicht stimmt“, liegt nicht an äußeren Umständen – sondern an seiner mangelnden Anpassungsfähigkeit. Kritik ist Realitätsverzerrung. Unzufriedenheit mit dem Status quo: klassischer Fall von depressiver Verstimmung. Zu viele Fragen stellen: neurotischer Grübelzwang. Sinnlose Regeln verweigern: Oppositional Defiant Disorder  (ODD) lässt grüßen! (14) Merke: Gesunde Menschen stellen keine Fragen. Sie funktionieren. Die Vorzüge der Psychiatrie als Unterdrückungsinstrument Warum eignet sich die Psychiatrie so vorzüglich dazu, Unangepasste ruhigzustellen? Sie stigmatisiert: Einmal für „geisteskrank“ erklärt, verliert der Unangepasste seine Glaubwürdigkeit. Wer die Realität hinterfragt, leidet offensichtlich an Realitätsverlust - steht so im Lehrbuch. Sie legitimiert Repression: Ein medizinischer Vorwand wirkt "harmloser" als offene politische Verfolgung. Sie isoliert: Psychiatrische Einrichtungen sind geschlossene Systeme, in denen sich Kontrolle leicht ausüben lässt. Sie hilft, Normen durchzusetzen: Passt euch an, schert nicht aus. Nonkonformität wird pathologisiert. Soweit sich Psychiatrie dafür hergibt, ist sie „weniger eine Wissenschaft als ein Mechanismus gesellschaftlicher Kontrolle“, wie der Philosoph und Historiker Michel Foucault treffend anmerkte. (15) „Unsere Gesellschaft ist gestört“ Wer unter zutiefst gestörten Verhältnissen anhaltend leidet, ist nicht irre – er zeigt eine völlig gesunde Stressreaktion. Ein Krankheitsetikett hätte eher das System verdient, das ihn leiden lässt. Einer der wenigen Psychiater, der in diese Richtung beharrlich querdenkt, ist Dr. Raphael M. Bonelli, Neurowissenschaftler an der Sigmund Freud Universität Wien sowie Psychiater und systemischer Psychotherapeut in eigener Praxis. „Unsere Gesellschaft ist gestört“, befindet er. (16) Bonelli konstatiert einen Zustand kollektiver Verwirrung, verursacht durch ideologische Tabus, Denkverbote und eine zunehmende Entfremdung von der Realität. Kritik wird moralisch geframt, Andersdenkende ausgegrenzt, viele Themen werden  tabuisiert: von Migration und Demografie über Gender, Klima und das christliche Europa bis Corona. Wer sich äußert, riskiert Ruf und Existenz. „Wir leben in einer Tabu-Gesellschaft“, so Bonelli, „und diese Tabus sind nicht natürlich gewachsen, sondern ideologisch erzeugt. Die Gesellschaft befindet sich in einem Zustand kollektiven Gaslightings. Das Denken selbst wird zur Gefahr. Es gibt Themen, über die wir nicht einmal nachdenken dürfen. Wenn wir es dennoch wagen, dazu einen eigenständigen Gedanken zu formulieren, riskieren wir, gecancelt zu werden.“ Mit einer Unerbittlichkeit, die jede Debatte im Keim erstickt, wird auf abweichende Meinungen reagiert. „Ein falsches Wort genügt, um einen Sturm der Empörung auszulösen, der keine Differenzierung mehr zulässt. Die neuen Anständigen haben ihre Methoden perfektioniert, um jede abweichende Stimme zum Schweigen zu bringen. Die Tyrannei des neuen Anstands wird durchgesetzt mit den Techniken von Framing, Moral Licensing, Agenda Setting, Whataboutismus. Sie führen zu Shitstorms, Cancel Culture und der existenziellen Vernichtung.“ Das Ergebnis: Ein Großteil der Gesellschaft schweigt. Aus Angst vor sozialer Ächtung wird äußerlich genickt, was innerlich längst absurd erscheint. Bonelli erinnert: Noch in den 80er-Jahren war es möglich, im Kaffeehaus mit Linken, Rechten, Monarchisten und Freidenkern zu diskutieren – heute genügt ein falsches Wort, und der Raum wird empört verlassen. Vielleicht, so Bonelli, „beginnt die Therapie der Gesellschaft damit, dass wir wieder sagen, was wir denken.“ ( Harald Wiesendanger ) Eine grundsätzliche Kritik der Psychiatrie:Harald Wiesendanger; Unheilkunde. Die 12 Märchen der Psychiatrie - Wie eine Pseudomedizin Hilfesuchende täuscht (2017). Anmerkungen (1)   Nach der neuen Version ICD-11. Im Vorgänger ICD-10: F43.2. (2)   Das Ursprungswerk dieses Zitats ist nicht eindeutig belegbar, da Krishnamurti viele Vorträge hielt und seine Aussagen oft mündlich überliefert wurden. Das Zitat taucht in verschiedenen Sammlungen seiner Gedanken auf, z. B. in " The Urgency of Change " (1970). (3)   R. D. Laing: The Politics of Experience  (1967), S. 24. (4)   Erich Fromm: The Sane Society  (1955), S. 14. (5)   Thomas Szasz, The Second Sin  (1973), S. 113. (6)   Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung , 20.12.2021: „ Lauterbach warnt vor Radikalisierung der Querdenker “, Artikel hinter Bezahlschranke. (7)   Interview mit dem Deutschlandfunk , 14.12.2021: „ Montgomery: Impfgegner handeln irrational “. (8)   Vortrag „Psychologie der Pandemie-Leugner“, Universität Ulm, Dezember 2021, zit. in Augsburger Allgemeine , 10.12.2021, https://www.augsburger-allgemeine.de/panorama/psychologie-warum-menschen-an-verschwoerungstheorien-glauben-id61150266.html (9)   Twitter-Post vom 22.11.2021; Account inzwischen gelöscht, aber zitiert in Medien, z.B. bei Focus Online , 23.11.2021, https://www.focus.de/politik/deutschland/querdenker-eskens-polemik-gegen-impfgegner-das-ist-nicht-hilfreich_id_24467835.html (10)                      Ein Musterbeispiel bot die Zeitschrift für Psychodrama und Soziometrie  im Sommer 2022 mit einem Beitrag „Corona-Verschwörungstheorien und Psychotherapie“, 21 (2) 2022, S. 395–407. doi: 10.1007/s11620-022-00692-7 . „Auf dem Hintergrund psychodramatischer Konzepte“ versucht die Autorin „einen Umgang mit Menschen zu entwerfen, die an Verschwörungen glauben. Dabei scheint es eher möglich zu sein, betroffene Angehörige und Freunde zu begleiten als Verschwörungsgläubige selbst, die sich meist nicht als behandlungsbedürftig erleben.“ Gewissen „Studien“ zufolge könne „ die Faszination von Verschwörungswelten   Suchtcharakter annehmen. Dies zeigt sich im Kontrollverlust bezüglich der einschlägigen Internetaktivitäten und Vernachlässigung von Beziehungen und sonstiger Verpflichtungen. Solcherart Süchtige befinden sich in einem Teufelskreis von Misstrauen und Entmutigung und fühlen sich nicht mehr mit anderen verbunden. Dieses Leiden macht manche zugänglich für Psychotherapie.” (11)                      Gastbeitrag in Verfassungsblog , April 2021, https://verfassungsblog.de/querdenken-und-die-grenzen-der-demokratie/ (12)                      Im Interview mit der Rheinischen Post , 13. Dezember 2021: „Weltärztebund-Chef nennt Impfgegner asoziale Trittbrettfahrer“. (13)                      Solch perfide Ausgrenzung erlebte beispielsweise Friedrich Kellner (1885–1970), ein Justizbeamter und entschiedener NS-Gegner aus Hessen: Weil er sich kritisch äußerte, drohte man ihm wiederholt damit, ihn wegen „gefährlicher Gedanken“ in eine „Heilanstalt“ wegzusperren. (Zwischen 1939 und 1945 verfasste Friedrich Kellner das berühmte Tagebuch mit dem Titel „Mein Widerstand“. Auf über 900 Seiten dokumentierte er die Verbrechen des Regimes, die Kriegspolitik - und die Schuld der Bevölkerung.) Elisabeth Schmitz (1893–1977), eine Theologin und NS-Gegnerin, musste untertauchen, nachdem sie wegen „hysterischer Anwandlungen“ denunziert wurde. Als scharfe Kritikerin der Judenverfolgung verfasste sie 1935 die berühmte Denkschrift „Zur Lage der deutschen Nichtarier“ , in der sie die evangelische Kirche anklagte, die zu den Verbrechen gegen die jüdische Bevölkerung schwieg. Künstler und Schriftsteller wie der Dadaist Johannes Baader wurden als „geisteskrank“ abgestempelt, weil ihre Kunst als „entartet“ galt – verbunden mit psychischer Abwertung. Einweisungen unter solchem Vorwand bedeuteten oft lebenslange Internierung oder endeten in der Ermordung im Rahmen des verbrecherische Euthanasieprogramms. (Siehe Ernst Klee: „Euthanasie“ im NS-Staat. Die „Vernichtung lebensunwerten Lebens“, Frankfurt am Main 1983.) (14)                      Die Oppositional Defiant Disorder  (ODD) – auf Deutsch meist „oppositionelles Trotzverhalten“ oder „oppositionelle Verhaltensstörung“ genannt – ist eine Diagnose aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Sie bezeichnet ein wiederkehrendes, negativistisches, trotziges, widersetzliches und feindseliges Verhalten gegenüber Autoritätspersonen. Zyniker übersetzen die ODD-Diagnose so: „Das Kind hat ein Problem – es gehorcht nicht blind.“ (15)                      Michel Foucault, Überwachen und Strafen:   Die Geburt des Gefängnisses  (1975), S. 304. (16)                      Raphael M. Bonelli: Tabu: Was wir nicht denken dürfen und warum.  Das prägende Thema unserer Zeit – tiefgründig, provokant und psychologisch erklärt  (2025).

  • Zum Gedenken an Yonatan.

    Er war der süße Posterboy von Israels Corona-Impfkampagne – bis er “plötzlich und unerwartet” starb, 8 Jahre alt. Warum erlitt Yonatan einen tödlichen Herzstillstand? Bis heute bleiben uns Faktenchecker eine einleuchtende Antwort schuldig. Am 23. September 2023, dem Vorabend des höchsten jüdischen Feiertags Jom Kippur, saß der achtjährige Yonatan Moshe Erlichman in der Badewanne, als er plötzlich einen Herzstillstand erlitt. Um ein Haar wäre er dabei ertrunken. Herbeigerufenen Sanitätern gelang es, den Kleinen wiederzubeleben. Doch fünf Tage später starb er. Eben dieser Yonatan war im Jahr 2020 in einem Werbevideo für Covid-„Impfungen“ aufgetreten, gemeinsam mit „ Shuski “, einer rothaarigen, froschmäuligen TV-Marionette, die der „Sesamstraße“ entsprungen sein könnte. Von dem süßen blonden Jungen erst staunend, dann kopfnickend angelächelt, forderte die Puppe ihn und alle Zuschauer dazu auf, sich schleunigst spritzen zu lassen, sobald die neuen, „wirksamen und sicheren“ Vakzine verfügbar sind. Den Rat befolgte er brav: Für vier Pfizer-Dosen machte er sein Oberärmchen frei. Was der Junge von „Shushki“ leider nicht erfuhr: Myokarditis ist eine bekannte Nebenwirkung der Covid-„Impf“stoffe. Über den tragischen Tod des kleinen Yonatan, Sohn und Enkel prominenter israelischer Ärzte, gingen Israels Medien nahezu einhellig hinweg, bloß die lokale und religiöse Presse berichteten. Regierung und Gesundheitsbehörden schwiegen. Bis heute. Von Anfang an zählte Israel zu den Ländern mit den weltweit höchsten Corona-mRNA-Impfquoten: Über 70 % der über 16-Jährigen hatten bis April 2021 mindestens zwei Dosen erhalten. Im November 2020 hatte die israelische Regierung mit Pfizer vereinbart , schnellstmöglich mindestens acht Millionen Covid-Impfdosen zu beziehen; ab Dezember 2020 wurden sie gespritzt. Im Gegenzug für diese „Vorzugsbehandlung“ erhielt der Pharmagigant die Zusicherung , Israel werde ihm epidemiologische Daten über Wirkungen und Nebenwirkungen des Vakzins beschaffen. Wie der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu prahlte, sei er in der Lage, aus seinem Land „das Labor für Pfizer“  zu machen , weil „98% unserer Bevölkerung medizinische Aufzeichnungen digitalisiert hat“. Mit diesen Daten „können Sie eine biotechnologische Industrie  schaffen, die ihresgleichen sucht“, sagte er.  („ You can create a biotechnological industry that is unheard of … unimagined even .“) „Das Labor für Pfizer“ „ Oh ja “, kommentierte die Ärztin Sabine Hazan auf „X“, vormals Twitter, „und du kannst eine Waffe entwickeln, um eine ganze Bevölkerung zu vernichten. Wer hat Netanjahu das Recht gegeben, für eine ganze Bevölkerung zu entscheiden? Hätten die Menschen nicht wählen dürfen, Versuchskaninchen zu sein? Sie alle glaubten an einen Impfstoff als Lösung, aber das war er nicht.“ Stattdessen hatte Israel seit Ende August 2021 die höchste SARS-CoV-2-Infektionsrate der Welt . Israels Corona-Intensivpatienten waren ab Juli 2021 mehrheitlich geimpft . Besagten Deal hatte das israelische Gesundheitsministerium zunächst bestritten, Pfizer ebenfalls. Tatsächlich bestätigte aber Netanjahu selbst ihn offiziell, wie ein auf „X“ gepostetes Video belegt. Alarmierende Daten blieben unter Verschluss Bereits im Februar 2021 hatte das israelische Gesundheitsministerium der US-Seuchenschutzbehörde CDC ( Centers for Disease Control and Prevention ) einen Bericht über gehäufte Herzentzündungen nach Covid-“Impfungen” übermittelt. Er blieb unter Verschluss – ein Skandal, der erst 2022 aufflog, als die amerikanische Verbraucherschutz-Initiative Children´s Health Defense  die CDC zur Herausgabe des Dokuments zwang, mit Hilfe des Freedom of Information Act , ein 1967 in den USA in Kraft getretenes Bundesgesetz zur Informationsfreiheit. „Wir sehen eine große Anzahl von Myokarditis- und Perikarditis-Fällen bei jungen Personen kurz nach Pfizer COVID-19-Impfstoff ”, so heißt es darin. “ Wir möchten das Thema mit einem relevanten Experten des CDC besprechen .“ Ein geleaktes Video zitiert ein Forscherteam, welches vom israelischen Gesundheitsministerium eingesetzt worden war: “ Wir müssen medizinisch-juristisch denken - wie wir unsere Ergebnisse präsentieren, um Klagen zu vermeiden. Und warum? Wegen einiger Nebenwirkungen haben wir gesagt: 'OK, es gibt sie und es gibt Berichte darüber, ABER LASSEN SIE SICH NOCH IMPFEN '". Sowohl in Israel als auch in den USA hatten den Gesundheitsbehörden schon wenige Monate nach Beginn der Impfkampagne Daten mit überdeutlichen Myokarditis- Warnsignalen vorgelegen. (Und gewiss waren sie damals auch schon bis zum Robert-Koch-Institut vorgedrungen, wie das RKI-Leak bestätigt.) Im Juni 2021 bestätigte Israel offiziell, die mRNA-bezogene Myokarditis bei jungen Männern , insbesondere bei 16- bis 24-Jährigen, sei signifikant überhöht. Wie eine israelische Studie  vom September 2022 belegte, lag die Inzidenz von Myokarditis bei jungen Männern im ersten Monat nach dem zweiten Pfizer-„Piks“ 2,35-mal höher als bei ungeimpften; das Risiko für 16- bis 19-Jährige betrug fast 1 zu 1.000. Trotzdem unterblieben Warnungen an die Bevölkerung – ein geradezu kriminelle Pflichtverletzung. Stattdessen verbreite die CDC eine methodisch unzulängliche Pseudo- Studie , derzufolge Herzkomplikationen wahrscheinlicher nach einer SARS-CoV-2-Infektion als nach einer mRNA-Covid-19-„Impfung“ auftreten. Keineswegs bloß „Querdenker“-Kreise, sondern selbst offizielle Stellen verbreiteten frühzeitig alarmierende Zahlen, die Yonatans Eltern, als Medizinern, hätten zu denken geben müssen. Im Dezember 2021, ein Jahr nach Beginn von Israels nationaler Impfkampagne, meldete das britische Office for National Statistics  (ONS): Kinder haben nach der Covid-19-Impfung ein bis zu 52-mal höheres Sterberisiko als ungeimpfte. Dazu passen Schreckenszahlen aus VAERS , dem 1990 eingerichteten US-Meldesystem zur Erfassung von Impfnebenwirkungen. In den ersten 15 Monaten nach Zulassung der Covid-Spritzen explodierten die Fallzahlen von Herzkrankheiten bei Kindern regelrecht: um 17.495 % auf über 1700 Betroffene allein bei Myo- und Perikarditis, Entzündungen des Herzmuskels bzw. Der äußeren Auskleidung des Herzens. Berücksichtigt man das Phänomen des “ Underreporting ” – nur 1 bis 3 % der tatsächlichen Vorkommnisse werden erfasst -, so hat die Covid-“Piks”-Obsession allein in den USA mehrere hunderttausend Kinder herzkrank gemacht. Die Verbraucherschutzorganisation Children´s Health Defense  (CHD) sichtete VAERS-Berichte über Todesfälle bei Kindern aufgrund von Herzleiden nach Covid-mRNA-Spritzen. Dabei stieß sie auf unsägliche Tragödien zuhauf: Ein 5-jähriger Junge  erhielt am 26. April 2022 seine erste Dosis des Impfstoffs von Pfizer-BioNTech. Er litt unter Bauchschmerzen und starb drei Tage später an Herzstillstand. Ein 6-jähriger Junge  erhielt seine erste Dosis des Impfstoffs von Pfizer-BioNTech am 8. Januar 2022. Er starb am 15. Januar 2022 an einer Myokarditis und einem Herz- und Atemstillstand. Ein 11-jähriger Junge  erhielt seine erste Dosis des Impfstoffs von Pfizer-BioNTech am 15. Dezember 2021. Er starb fünf Tage später an „akutem Atemversagen, Reizbarkeit, Hirnfehlbildung, Herzstillstand, Durchfall“. Ein 13-jähriger Junge  starb drei Tage nach Erhalt seiner zweiten Dosis des Impfstoffs von Pfizer-BioNTech. In dem Bericht heißt es: „Die Autopsie ergab ein vergrößertes Herz und Flüssigkeit um das Herz herum.“ Ein 15-jähriger Junge  erhielt seine zweite Dosis des Impfstoffs von Pfizer-BioNTech am 24. November 2021 - und starb am nächsten Tag. In dem Bericht heißt es: „Der Junge erlitt Brustschmerzen, kurz nachdem er von einem Impfzentrum nach Hause gekommen war.“ Die Ärzte erklärten jedoch, der Junge sei an den Folgen von Diabetes gestorben. Ein 16-jähriges Mädchen  erhielt seine erste Dosis des Impfstoffs von Pfizer-BioNTech am 10. November 2021. Es starb am 18. Dezember 2021 an „Hirnschäden infolge von akutem Herzversagen und Dekompensation sowie Hypoxie“. Ein 16-jähriges Mädchen erhielt am 27. Dezember 2021 eine COVID-19-Auffrischung von Pfizer. Zwei Tage später starb sie an einer „ Lungenarterienembolie mit Herzstillstand“. Ein 17-jähriges Mädchen  erhielt seine erste Dosis des Impfstoffs von Pfizer-BioNTech am 30. August 2021. Am 9. September 2021 „erlitt die Patientin einen Herzstillstand und starb“. Ihr Tod wurde jedoch auf „orale Verhütungsmittel, die im Juli 2021 eingenommen wurden“ zurückgeführt, während „eine Impfstoff-Ätiologie nicht in Betracht gezogen wurde.“ Ein 17-jähriger Junge von außerhalb der USA erhielt am 16. Juni 2022 in seiner Schule eine Auffrischungsimpfung von Pfizer. Er erlitt „allgemeine Schwäche und Appetitlosigkeit im Juni 2022, einen Krampfanfall und einen außerklinischen Herzstillstand ... am 12. August 2022, erhöhte Herzenzyme und Verdacht auf Myokarditis am 13. August 2022“ und wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Er starb am 18. August 2022. Schicksalsgefährte Santino – Vierjähriger Junge aus Argentinien tot nach Covid-„Impfung“ Yonatans schreckliches Schicksal teilte Santino Godoy Blanco, ein Knirps aus Argentinien: Mit vier Jahren verstarb er im November 2022 „plötzlich und unerwartet“. Kurz zuvor war er mit hohem Fieber und Übelkeit in eine Klinik eingeliefert worden. In seinem Totenschein ist als Ursache „ bilaterale Pneumonie “ vermerkt; dass Covid-Impfungen Lungenentzündungen auslösen können, räumt selbst das Paul-Ehrlich-Institut in einem „ Sicherheitsbericht “ ein. Santino war im Fernsehen als telegener Animator für die landesweite Impfkampagne „ Activá Vacunas “ aufgetreten . Auch er hatte den „Piks“ erhalten. Das Infoportal Died Suddenly berichtet: „Seine Mutter sagt, dass er vor seinem Tod seine Maske abnahm und ihr kleine Küsse gab, weil er nicht mehr sprechen konnte.“ Ungesühnt – wie lange noch? Unter Mord versteht man ein vorsätzliches Tötungsdelikt. Werden die Morde an Yonatan und Santino jemals gesühnt? Wer forscht nach, woran Abertausende weiterer Kinder „plötzlich und unerwartet“ starben, die Covid-19 in Wahrheit nicht ärger fürchten mussten als einen Blitzschlag und kerngesund waren – bis ihre gutgläubigen Eltern sie „piksen“ ließen, als Vollzugsgehilfen eines „ Staatsverbrechens “, wie der Heidelberger Arzt Gunter Frank seine Klageschrift gegen das Corona-Regime treffend betitelt? Wie viel es für unabhängige Staatsanwälte und Richter zu tun gäbe, lassen unzählige Schicksalsberichte in Foren von Betroffenen und Zeugen erahnen: beispielsweise bei   Impfopfer.info   (aktuell 47.500 Mitglieder),   Impfschäden Schweiz Coronaimpfung   (23.000),   Corona Impfschäden Deutschland   (17.000),   CovidVaccineVictims  (73.000), CovidVaccineInjuries   (47.000),   CovidVaccVictims   (2.500). Der wahre Grund für die COVID-“Impfung” von Kindern Wieso waren Pfizer, BioNTech & Co. von Anfang an erpicht darauf, auch Kindern ihre Genspritzen in die Ärmchen zu stechen – obwohl frühzeitig klar war, dass Covid-19 für unsere Kleinen kein ernsthaftes Risiko darstellt? Zu deren Schutz? Wovor denn? Der wahre Grund liegt auf der Hand: Die Vakzinhersteller wollten sicherstellen, dass ihre Produkte in den Kinderimpfplan für Kinder aufgenommen wurden. Dann nämlich wären sie vor finanzieller Haftung für Impfschäden geschützt, zumindest auf ihrem Hauptmarkt, den Vereinigten Staaten. Die Rechnung ging auf. ( Harald Wiesendanger )   Aktualisierte und erweiterte Fassung eines KLARTEXT-Beitrags vom 27. Oktober 2023. Titelbild: Screenshot aus dem Impfwerbeclip mit Yonatan. Grafik Myokarditis-Fälle lt. VAERS: aus https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0146280621002267?via%3Dihub  (nachträglich zensiert) Zum selben Thema siehe KLARTEXT: „ Pandemie der vertuschten Impfschäden “   und „ Das Piks-Massaker “ .

  • Unfassbar glücklich – mit schwerstbehindertem Kind

    Ein behindertes Kind zur Welt bringen? Damit verbundene Belastungen, Sorgen und Ängste aushalten? Soziale Ausgrenzung ertragen? 94 Prozent aller schwangeren Frauen, bei deren Ungeborenem eine Trisomie 21, das Down-Syndrom festgestellt wird, entscheiden sich für eine Abtreibung. Dabei entgeht ihnen offenbar nicht nur eine schicksalhafte Chance zur Selbsterfahrung und innerem Wachstum, sondern auch ein besonderes Lebensglück. Darauf deutet eine bemerkenswerte kanadische Studie hin – wie auch bewegende Erfahrungen in den Therapiecamps meiner Stiftung AUSWEGE . Jedes zehnte Kind weltweit lebt mit irgendeiner Form von Behinderung - , rund 240 Millionen, schätzt UNICEF. Knapp 100 Millionen sind körperlich beeinträchtigt, 34 Millionen taub , 1,4 Millionen blind . Mehrere Zehntausend sind vom Down-Syndrom betroffen . Das Spektrum möglicher Behinderungen reicht von Cerebralparese über Muskeldystrophie, offenem Rücken und fehlgebildeten Gliedmaßen bis zu Stoffwechselerkrankungen mit Auswirkungen auf das Gehirn, z. B. Phenylketonurie. Und wenn ein solches Kind deines wäre? Was bedeutet es für Eltern, ein Kind zur Welt zu bringen und großzuziehen, das womöglich noch erheblicher beeinträchtigt ist – ohne jegliche Aussicht auf Heilung? Ein Forscherteam der Uni­versität Montreal, Kana­da, um die Neonatologin Annie Janvier befragte 332 Eltern von 272 Kin­dern, bei denen noch schwerwiegendere Behinderungen vorlagen als beim Down-Syndrom – Trisomie 13 – das Pätau-Syndrom - oder Trisomie 18, das Edwards-Syndrom (3) –, nach ihrer Lebenszufriedenheit. Müssten sie nicht bedrückt und verzweifelt sein, unentwegt mit ihrem Schicksal hadern? Die Ergebnisse der Studie sind verblüffend. Bei einer Tri­somie kommen in jeder Körperzelle von einem bestimmten Chromosom – mit der Nummer 13, 18 oder 21 – drei statt der üblichen zwei Exem­plare vor. Diese Anomalie führt zu zahlreichen Besonderheiten: Down-Kinder sind geistig behindert, überaus anfällig für Infekte, fallen durch asiatisch anmutende Augen auf – daher die verbreitete Bezeichnung „Mongolismus“ -, in jedem zweiten Fall liegt ein Herzfehler vor. Noch gravierender wirken sich die Triso­mi­en 13 und 18 aus: Häufig sind innere Organe aufs Schwerste missgebildet. Wegen deformierter Kiefer- und Gesichtsknochen können die Kinder nicht selbstständig durch die Nase atmen, kaum oder gar nicht schlucken. Die meisten weisen Herz­fehler auf. Augen und Nieren, Harn- und Magen-Darm-Trakt sind fehlgebildet, oft auch das Gesicht. Oft ist das Kleinhirn verkümmert, das unter anderem Gleich­gewicht, Wahrnehmung, Schmerz und Hunger steuert. Die Betroffenen sind blind oder gehörlos. Manche haben kein Zwerchfell, andere einen „offen Rücken“, und alle sind kleinwüchsig. Oftmals müssen sie künstlich ernährt und beatmet werden, weshalb sie ihre wenigen Lebenswo­chen, an Sonden und Kabeln hängend, auf der Intensivstation verbringen. Irgendwann glucksen und lachen manche zwar spontan, reagieren aber nicht, wenn man sie anlächelt oder anspricht, können den Kopf nicht heben, ihr Gesicht bleibt regungslos. Einige lernen, sich aufzusetzen, aber nur die allerwenigsten können jemals laufen oder sprechen. Viele kommen tot zur Welt oder sterben innerhalb der ersten zwölf Monate. (Zum Zeitpunkt von Janviers Datenerhebung lebten nur noch 79 der 272 Kinder, ihr Durchschnittsalter lag bei vier Jahren.) Im statistischen Durchschnitt überleben Kinder mit einer Trisomie 13 oder 18 gerade einmal 2,5 bis 14,5 Tage, bloß eines von zwölf lebend geborenen Kindern übersteht das erste Lebensjahr. Nur in seltenen Einzelfällen werden sie 12, 13, gar 18 Jahre alt. Gegen ärztlichen Rat Die meisten Ärzte raten werdenden Müttern bei einem derart fatalen pränatalen Befund dringend zum Abort, versuchen ihnen auszureden, um ihr Kind zu kämpfen, und sträuben sich kategorisch gegen lebensrettende Maßnahmen, falls es doch zur Welt kommt – nicht unbedingt aus Hartherzigkeit, sondern im Bewusstsein persönlicher Risiken: Ein Arzt, der einem solchen Kind überleben hilft, läuft Gefahr, dass die Krankenkasse ihm einen „Behand­lungs­fehler“ vorwirft – er habe die Eltern offenkundig nicht ausreichend über die Folgen eines solchen Gendefekts aufgeklärt, andernfalls hätten sie selbstverständlich abgetrieben – und sich die Kosten lebensverlängernder Maßnahmen von seiner Haftpflichtversicherung zurückholt. Und auch die Eltern könnten ihn, falls sie ihr Ja zum Kind später bereuen, nachträglich haftbar ma­chen, gestützt auf ein neues Patien­ten­rechtegesetz: Weil er sie nicht eindringlich und vollumfänglich ge­warnt habe, müsse er die Unterhaltskosten mitfinanzieren. Dennoch können solche Kinder für ihre Eltern offenbar Glück bedeuten: Nicht weniger als 97 Prozent der befragten Mütter und Väter gaben an, nicht nur selber ein erfülltes Leben zu führen; sie meinten auch, dass ihr Kind glücklich sei – und dass seine Existenz das Familienleben und ihre Partnerschaft bereichere.  „Unsere Studie zeigt“, so Annie Janvier in der Fachzeitschrift Pediatrics , „dass Eltern, die einen Weg finden, ihr behindertes Kind zu akzeptieren und zu lieben, Glück und Bereicherung erfahren.“ Wie gut betroffene Eltern eine solche Ausnahmesituation bewältigen, hängt entscheidend davon ab, wieviel Verständnis und Unterstützung sie von Lebensgefährten, Verwandten und Freunden erfahren. Ja, viele von ihnen fühlen sich ausgegrenzt, alleingelassen, manchmal sogar regelrecht angefeindet. Der hohe Betreuungsaufwand erfordert enorme Kraft, er erschöpft und überlastet. Trotzdem überwiegen anscheinend positive Aspekte und Glücksmomente, die zutiefst erfüllen. In krassem Gegensatz dazu steht das düstere Bild, das Ärzte häufig malen: 87 Prozent der befragten Eltern gaben an, ihnen sei während der Schwangerschaft gesagt worden, ein solches Kind sei „nicht mit ihrem Leben vereinbar“. Und jedes zweite Paar musste sich anhören, das Kind werde bloß „da­hinvegetieren“ und „ein Da­sein in Leid fristen“, jedem vierten wurde prophezeit, ein solches Kind werde „unser Familien­leben und unsere Partnerschaft zerstören“. Und wenn ein schwerstbehindertes Kind früh stirbt? Nach seinem Tod sagen fast alle Eltern, die es begleiteten: „Wir sind froh, dass wir dieses Kind gehabt haben.“ Schier unglaublich, diese Ergebnisse – aber inzwischen bestätigt sie eine weitere, noch größere Studie der Queen-Mary-Universität von Lon­don. Sie bezog Eltern von 326 Kindern mit Trisomie 18 und 142 mit Trisomie 13 ein. (2) KI wundert sich nicht Auch wenn es Künstlicher Intelligenz angeblich an Empathie mangelt: Bisweilen findet sie Antworten, wie wir sie ansonsten nur von besonders einfühlsamen Menschen bekommen. „Können schwerstbehinderte Kinder ihre Eltern glücklich machen?”, frage ich ChatGPT.  Zumindest für diese Antwortmaschine steht das außer Frage. “Ja, absolut - vielleicht nicht immer auf die Art, wie es gesellschaftlich oft erwartet wird, aber auf tiefgreifende, bedeutsame Weise“, erklärt die KI. „Viele Eltern berichten, dass ihr behindertes Kind ihnen eine völlig neue Perspektive aufs Leben gibt – was wirklich zählt, wie bedingungslose Liebe aussieht, wie viel Kraft in kleinen Momenten liegen kann. Es entsteht oft eine ganz besondere Form der Verbindung, geprägt von Intensität, Vertrauen und tiefem emotionalem Austausch – selbst wenn das Kind nicht sprechen oder sich nicht bewegen kann. Natürlich gibt es Herausforderungen, manchmal auch große. Es kann Phasen von Trauer, Erschöpfung oder Überforderung geben – das ist real und wichtig anzuerkennen. Aber das schließt Glück nicht aus. Es kann sogar intensiver empfunden werden, gerade weil es nicht selbstverständlich ist.“ (3) Die Reise nach Island – Ein Gleichnis Was es bedeutet, mit einem behinderten Kind zu leben, veranschaulicht die US-Schriftstellerin Emily Kingsley - ab 1970 schrieb sie jahrzehntelang für die Fernsehserie „Sesamstraße“ – in einem bewegenden Gleichnis. 1974 hatte sie ihren Sohn Jason zur Welt gebracht – mit Trisomie 21, dem Down-Syndrom. Dieses Erlebnis arbeitete sie seither in zahlreichen Büchern und Artikeln auf. Ihren Text „Die Reise nach Holland“ habe ich leicht umgewandelt, in „Die Reise nach Island“. Wenn du ein Kind erwartest, so ist das, als würdest du eine langersehnte Reise nach Spanien planen. Voll freudiger Erwartung deckst du dich mit Pro­spekten und Büchern über dieses me­di­terrane Urlaubsparadies ein. Du lässt dich im Reisebüro beraten, blätterst in Bildbänden, liest im Inter­net begeisterte Erfahrungs­berichte von Urlaubern, die schon dort wa­ren ... Du freust dich auf Flamenco und Paella, aufs Schwimmen und Son­nen­baden an den Stränden der Costa Brava. Du siehst dich bereits die atemberaubenden Land­schaf­ten der Pyre­näen und der Sierra Nevada erkunden. Du malst dir aus, wie du durch die male­rischen Altstädte von Toledo, Cordoba und Sevilla bummelst. Du siehst dich schon in der prächtigen Sagrada Familia von Barce­lona stehen, im Palacio Real in Madrid, in der Alham­bra in Granada, in der Stier­kampf­arena und dem Alcazar in Valen­cia. Viel­leicht belegst du sogar einen Sprach­kurs, um ein paar Brocken Spanisch zu lernen. Nach Monaten gespannter Vorfreude kommt endlich der lang ersehnte Tag. Du packst die Koffer, fährst zum Airport, checkst ein, das Flugzeug hebt ab. Ein paar Stunden später landet die Maschine. Über Bordlautsprecher hörst du die freundliche Stimme des Piloten: „Willkommen in Island!“ Du bist wie vom Donner gerührt. Auf­gebracht springst du auf und be­schwerst dich bei den Flugbegleitern: „Island? Wie bitte? Ich habe doch eine Reise nach Spanien gebucht! Mein ganzes Leben habe ich davon geträumt, nach Spanien zu reisen!“ Aber der Flugplan wurde geändert. Du bist jetzt in Island gelandet, hier musst du aussteigen und bleiben. Einen Rückflug gibt es nicht. Wie groß ist diese Katastrophe wirklich? Du bist keineswegs in ein dreckiges, von Krieg, Seuchen und Hun­gersnot geplagtes Land gebracht wor­den. Es ist nur anders als Spani­en – nicht so spektakulär, nicht so be­liebt. Was du jetzt brauchst, sind neue Bü­cher und Reiseprospekte. Du musst eine neue Sprache lernen. Und du triffst andere Menschen, welche dir in Spanien nie begegnet wären. Aber nachdem du eine gewisse Zeit an diesem Ort verbracht und dich vom ersten Schrecken erholt hast, beginnst du dich umzuschauen. Und du erfährst und erlebst, dass Island grandiose, weitgehend unberührte Landschaften zu bieten hat. Du ge­nießt atemberaubende Wasserfälle und Bootsfahrten entlang malerischer Fjorde, bestaunst die Mitter­nachts­­son­ne im Juni. Im Schneemo­bil er­kundest du Europas größten und ein­drucksvollsten Gletscher. Dich in­spiriert die Kunst- und Kul­tur­szene von Rejkjavik; bald ent­deckst du dein neues Lieblingsre­stau­rant, in dem du die leckersten Meeresfrüchte schlemmst. Du schließt Freundschaft mit Mitreisenden, die es ebenfalls nach Island verschlagen hat. Und allmählich klingt dein anfängliches Ent­setzen ab, deine Verbitterung be­ginnt nachzulassen. Unterdessen sind alle, die du noch aus deinem früheren Leben kennst, weiterhin damit beschäftigt, von Spanien zu kommen oder dorthin zu fahren. Du hörst sie schwärmen, und nie wirst du ganz aufhören, sie zu beneiden. Für den Rest deines Le­bens sagst du dir: „Oh ja, Spanien! Dorthin hatte auch ich meine Reise geplant! Aber es kam ganz anders!“ Dein Schmerz darüber wird nie mehr ganz vergehen, denn der Verlust eines Lebens­traums wiegt schwer. „Doch wenn du den Rest deines Le­bens damit zubringst, dem zerronnenen Traum der Reise nach Spanien nachzutrauern“, so endet Emily Kingsleys Gleichnis, „wirst du nie innerlich frei sein, die besonderen und wundervollen Seiten Islands genießen zu können.“ ( Harald Wiesendanger ) Anmerkung (1) Annie Janvier, Barbara Farlow, and Benjamin S. Wilfond: “ The Experience of Families With Children With Trisomy 13 and 18 in Social Networks ”. Pediatrics , 23. Juli 2012.    (2) Jianhua Wu/Anna Springett/Joan K. Morris, „ Sur­vival of trisomy 18 (Edwards syndrome) and trisomy 13 (Patau Syndrome) in England and Wales 2004–2011 “, American Journal of Medical Genetics 161 (10) 2013, S. 2512–2518. (3) ChatGPT am 12. April 2025. Eine frühere Version dieses Betrags findet sich in meinem Buch Auswege – Kranken anders helfen   (2015).

  • 6-fach geimpft – 12 Stunden später tot

    Ein einjähriges Baby, zuvor kerngesund und putzmunter, erhält Sechsfach-Spritzen mit 12 Impfstoffen -  einen halben Tag später ist es tot. Wie erklären „Faktenchecker“ den verzweifelten Angehörigen den Grund? Wann beginnen Eltern endlich, Nutzen und Risiko jedes „Piks“ gegeneinander abzuwägen? Pro-Vaxxer ignorieren zahlreiche Studien, die belegen: Ungeimpfte Kinder sind gesünder. Bis zum Nachmittag des 26. März war die 1-jährige Sa’Niya ein kerngesundes, lebhaftes, glückliches Baby. 15 Tage zuvor war sie ein Jahr alt geworden. (Q) Um 16 Uhr fand in der Kinderarztpraxis des Golisano Children's Hospital in Rochester, New York, rein “Vorsorgetermin” statt. Mit dabei waren die Eltern, Shanticia Nelson und Kayon Carter, sowie die Oma, Latricia Hanley. Laut Protokoll erhielt Sa'Niya Sechsfach-Impfungen mit insgesamt 12 Impfstoffen (1), darunter „DTap/Hep B/IPV (Pediarix), HiB/Acthib/Hiberix, 20-valenter Pneumokokken-Impfstoff, Varizellen (allgemein bekannt als Windpocken), MMR und Hepatitis A”, außerdem Natrium für ihre Zähne. “Warum muss mein Kind so viele Impfungen auf einmal bekommen?”, wollte der Vater von der Krankenschwester wissen, welche die Spritzen verabreichte. Daraufhin wurde diese wütend: „Sie braucht diese Impfungen! Sie müssen ihr diese Impfungen geben!“ Weder erklärte sie die verschiedenen Vakzine, noch wies sie auf mögliche Nebenwirkungen hin, wie Krampfanfälle und Tod. Eine “informierte Zustimmung” der Eltern fand nicht im entferntesten statt. Das Mädchen hatte den Sechsmonatstermin versäumt. Jetzt, bei der 1-jährigen Vorsorgeuntersuchung, müssten Impfungen “nachgeholt” werden, hieß es – ganz im Einklang mit einer Empfehlung der Amerikanischen Akademie der Kinderärzte (AAP). Sa’Niya war im allgemeinen ein gesundes Baby. Am Impftag hatte sie jedoch ein wenig Husten und eine laufende Nase, außerdem akut ein Ekzem, Windeldermatitis und Verstopfung. “Ich will nur mein Baby zurück” Wenige Stunden nach dem „Piks“ begann Sa’Niya, die Augen zu rollen. Schaum quoll aus ihrem Mund. Der Mutter war sofort klar, dass mit ihrem Kind etwas nicht stimmte. „Ich sah mein Baby an und sagte: 'Nein, mein Baby ist nicht in Ordnung ... das ist nicht meine Tochter. Meine Tochter ist aktiv. Sobald sie auf den Arm genommen wird, ist sie aktiv.'“ Nun aber lag Sa'Niya „einfach da ... ihre Augen wanderten einfach umher. Sie reagierte nicht darauf, wenn ich ihren Namen rief, wie sie es sonst tat.“ Die Eltern riefen den Notarzt, ein Krankenwagen fuhr Sa’Niya und ihre Mutter ins Saint Vincent Hospital in Lake Erie, Pennsylvania. Bei ihrer Ankunft im Krankenhaus hatte Sa’Niya vier Anfälle. Während ie Ärzte mit allerlei Tests begannen, verließ Shanticia Nelson das Krankenhauszimmer, um ihren Mann und ihre beiden älteren Kinder zu holen. Nach ihrem Eintreffen saßen sie noch keine zwei Minuten im Wartezimmer, als ihnen eine Krankenschwester eröffnete: „Es tut mir leid, aber Ihre Tochter - sie ist sehr krank ... Im Moment hat sie einen Herzstillstand.“ Auf Versuche, Sa’Niya zu reanimieren, reagierte sie nicht. Ihr Blutzuckerspiegel lag über 700. 40 Minuten lang setzte das Klinikpersonal die Wiederbelebung fort. Gegen 4 Uhr morgens am 27. März stand fest: Das Baby hat keinen Puls mehr. Sa’Niya  ist tot. Zuviele Eltern beginnen mit dem Hinterfragen zu spät Dass ein gesundes Baby stirbt, kurz nachdem ihm mehrere Impfungen verabreicht worden sind, komme gar nicht so selten vor, erklärt die Kinderärztin Dr. Elizabeth Mumper . “Einige Säuglinge haben nicht die Leberfunktion oder die Entgiftungskapazität, um eine kumulative Aluminiumbelastung zu verarbeiten. Impfstoffe belasten die Mitochondrien - die Kraftwerke der Zelle. Manche Babys haben nicht genügend mitochondriale Reserven, um den oxidativen Stress mehrerer Impfungen am selben Tag zu verkraften.“ Wievielen Eltern öffnet Sa’Niyas herzzerreißendes Schicksal endlich die Augen dafür, wie hochriskant die verharmlosten „Pikse“ tatsächlich sind? Impfstoffe enthalten krebserregende, allergieauslösende, erbgutverändernde Substanzen sowie Neurotoxine wie Quecksilber; werden sie verschüttet, müssen sie als Sondermüll entsorgt werden. Trotz der potenziellen Gefahren sind Ärzte befugt, sie weiterhin Säuglingen zu injizieren, wie sie wollen, ohne Rücksicht auf die gesundheitlichen Folgen – denn während ihres Studiums und ihrer Fortbildungen ist ihnen gebetsmühlenhaft eingetrichtert worden, Impfungen seien ”wirksam und sicher”. Zudem schaffen “Piks”-Prämien lukrative Anreize. Und welche Eltern wagen es schon, den industriellen Impfkomplex und seine Handlanger zu verklagen? Wieviele informieren sich rechtzeitig, ehe eine “Vorsorge” tödlich endet? Wieviele fragen früh genug: Macht Impfen gesünder?   Sorgen Impfstoffe tatsächlich für mehr Gesundheit? Mit fadenscheinigen Ausflüchten weigern sich Behörden seit eh und je, dem behaupteten Zusammenhang wissenschaftlich sauber nachzuforschen. Doch inzwischen belegen hunderte Studien: Geimpfte tragen ein weitaus höheres Risiko für vielerlei chronische Krankheiten. Es wächst, je häufiger, je früher „gepikst“ wird. Eltern muss klar sein, was sie ihrem Kind womöglich antun, wenn sie diese Tatsache ignorieren. Ja, ein Großteil der Impfstoffe scheint weitgehend sicher – innerhalb der sechs Wochen, oft aber auch bloß während zwei bis vier Tagen, in denen ihre Nebenwirkungen in klinischen Studien kontrolliert werden. Ausschließlich Einzelimpfungen kommen dabei auf den Prüfstand, obwohl Säuglinge inzwischen bis zu neun Vakzine auf einmal erhalten. Wozu führt das auf längere Sicht? Was richten Impfstoffe Monate, Jahre, Jahrzehnte nach den „Piksen“ an? Es gibt nur einen Weg, das festzustellen: mittels eines Vergleichs von Geimpften mit Ungeimpften. Doch bis heute weigern sich Gesundheitsbehörden, entsprechende Untersuchungen zu veranlassen. Neugierigen, couragierten Wissenschaftlern ist es zu verdanken, dass solche Studien trotzdem längst vorliegen. Nicht bloß ein paar. Es sind Hunderte – methodisch hochwertig, mit Peer-Review, veröffentlicht in angesehenen Fachzeitschriften. Übereinstimmend und glasklar belegen sie: Impfstoffe erhöhen das Risiko, chronisch zu erkranken – nicht bloß ein statistisches Bisschen, sondern hochsignifikant. Geradezu dramatisch. Eine der angeblich „größten Errungenschaften in der Geschichte der Medizin“ (2) entlarven sie als schreckliches Debakel – mehr noch, als ein monströses Verbrechen, soweit Verantwortliche es bewusst in Kauf nehmen. Zu den Augenöffnern zählen sechs neuere Studien, erschienen zwischen 2017 und 2022. Mit unterschiedlichen Forschungsansätzen kommen sie, unabhängig voneinander, zu ein und demselben Ergebnis: Sogenannte „Schutzimpfungen“ schützen unsere Gesundheit mitnichten. Im Gegenteil. Die beiden Mawson-Studien:   Ungeimpft sind Sechs- bis Zwölfjährige eindeutig besser dran Was man Kindern antut, wenn man offizielle Impfkalender gnadenlos an ihnen abarbeitet, brachte im Jahr 2017 Anthony Mawson zum Vorschein, Professor am Institut für Epidemiologie und Biostatistik der Universität von Jackson, Mississippi. Sein Forschungsteam befragte die Eltern von 666 sechs- bis zwölfjährigen Kindern, die zu Hause unterrichtet wurden. Von ihnen waren 197 vollständig geimpft, 208 teilweise, 261 überhaupt nicht. (3) Unter den Geimpften traten Windpocken und Keuchhusten zwar auffallend seltener auf. Dafür zahlten sie gesundheitlich aber einen hohen Preis: Weitaus häufiger als Ungeimpfte waren sie von allergischer Rhinitis betroffen (30-mal höheres Risiko), von Lernbehinderungen (5,2-mal), von ADHS und Autismus (jeweils 4,2-mal), von Allergien (3,9-mal), von neurologischen Entwicklungsstörungen (3,7-mal), von Dermatitis (2,9-mal). Auch bei Lungenentzündungen (6,4 % gegenüber 1,2 %) und Ohrentzündungen (19,8 % gegenüber 5,8 %) waren die Gruppe der vollständig Geimpften krass im Nachteil. Teilweise geimpfte Kinder erreichten in der Regel „eine mittlere Position“. Im selben Jahr bestätigte Mawson diese Ergebnisse in einer Folgestudie. (4) Die Hooker/Miller-Studien: „Pikse“ im ersten Lebensjahr sind besonders fatal An wissenschaftlichem Sachverstand dürfte es Brian Hooker schwerlich mangeln. Immerhin ist er emeritierter Professor für Biologie an der Simpson University in Redding, Kalifornien. Gemeinsam mit dem Wissenschaftsautor Neil Miller untersuchte er Erkrankungsraten von 2047 Kindern aus drei amerikanischen Arztpraxen. (5) Zwischen 2005 und 2015 geboren, waren die Kleinen zum Zeitpunkt der Studie 3 bis 12 Jahre alt. 69 % waren im ersten Lebensjahr gegen eine beliebige Krankheit geimpft worden, 31 % nicht. Um sicherzugehen, dass eine Störung oder Erkrankung tatsächlich der Impfung folgte  – und ihr nicht etwa vorausging -, bezogen die Autoren nur solche ein, die nach dem ersten Geburtstag des Kindes auftraten. Bei ausnahmslos allen Diagnosen, zu denen aussagekräftige Daten vorlagen, stellte das Forscherteam fest: Kinder, denen in ihren ersten zwölf Lebensmonaten „Pikse“ erspart geblieben waren, erkrankten weitaus seltener. Im Alter von fünf Jahren war die Wahrscheinlichkeit von Entwicklungsverzögerungen und Ohrentzündungen bei den früh Geimpften mehr als doppelt so hoch; von Asthma 4,5-mal höher. Ein Jahr später, 2021, ließen Hooker und Miller eine zweite Studie folgen, diesmal mit Daten von 1565 Kindern. (6) Von diesen waren 8,7 % vollständig geimpft – d.h. „korrekt“ nach Impfkalender -,  30,9 % teilweise, 60,4 % gar nicht. Vollständig Geimpfte litten mit einer weitaus höheren Wahrscheinlichkeit an Asthma (17,6 % gegenüber 4,9 %), an Magen-Darm-Erkrankungen (13,8 zu 2,5 %), an chronischen Ohrenentzündungen (27,8 % zu 2,13 %). Auch schwere Allergien, Autismus und AD(H)S traten bei ihnen viel öfter auf.   Die Lyons-Weiler/Thomas-Studie: Geimpfte Kinder sind viel häufiger beim Arzt Gemeinsam mit dem Wissenschaftler James Lyons-Weiler führte Dr. Paul Thomas, Facharzt für Pädiatrie aus Portland im US-Bundesstaat Oregon, eine Studie über 3.324 kleine Patienten durch, die er im Laufe von über zehn Jahren in seiner Praxis betreute. (7) Dabei verglichen sie die Anzahl der Arztbesuche bei geimpften und ungeimpften Kindern. Wie oft bekam der Thomas sie wegen bestimmter Diagnosen zu sehen? Ob wegen Asthma, Heuschnupfen oder allergischer Rhinitis – einer Entzündung der Nasenschleimhaut -, Ekzeme, Dermatitis, Urtikaria (Nesselsucht), Bindehautentzündung, Gewichts-/Essstörungen, Anämie, Infektionen der Atemwege, ADHS, Autismus: Mit all diesen Problemen erschienen geimpfte Kinder deutlich häufiger beim Arzt. Alles in allem ließen die Daten nur einen Schluss zu: “Ungeimpfte Kinder sind in der Regel gesünder als geimpfte”. Erstaunlicherweise fand der Arzt eine angesehene Fachzeitschrift, die seine Ergebnisse nach Peer-Review veröffentlichte . Doch nur fünf Tage nach Erscheinen verlor er seine ärztliche Zulassung – er stelle eine “Bedrohung” für die öffentliche Gesundheit dar. Prompt wurde sein Studienbericht zurückgezogen .  Die „Control Group“-Studie: Völlig Ungeimpfte sind bei weitem gesünder Eine fünfte hochspannende Studie (8) stammt von The Control Group , einer amerikanischen Bürgerinitiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, „realistische und kontrollierte Forschung und Dokumentation über die Auswirkungen von Impfungen zu betreiben – auf der Suche nach der Wahrheit über die Gesundheit und das Wohlergehen unserer Kinder, unserer Familien, unserer Freunde und von uns selbst“. Nicht weniger als 99,74 % der US-amerikanischen Bevölkerung sind geimpft. Lediglich 0,26 % - schätzungsweise 832.000 US-Amerikaner – haben bislang keinerlei Vakzine im Körper. Aus dieser Minderheit zogen die Forscher eine Stichprobe  von 0,178 % - insgesamt 1.482 Kinder und Erwachsene aus 48 US-Bundestaaten. Die Fragestellung lautete: Wie häufig kommen unter diesen vollständig Ungeimpften schwere Erkrankungen vor, verglichen mit der geimpften Mehrheit? Wie es um deren Gesundheit steht, ist öffentlich zugänglichen nationalen Statistiken zu entnehmen. Erneut zeigte sich zweifelsfrei: Ungeimpfte, gleich welchen Alters, sind gesünder - bei weitem. Unter geimpften Kindern leidet mittlerweile jedes Zweite an chronischen Gesundheits­störungen; im Jahr 2010 waren es erst 27 % gewesen. Um ein Vielfaches häufiger treten bei ihnen auf: Asthma, Ekzemen, Nahrungsmittelallergien, Ohrensausen, Augenfehlstellungen, ADHS, Autismus, Epilepsie, zerebrale Lähmung, Mukoviszidose. Die Wahrscheinlichkeit für mindestens eine solche Diagnose liegt 3,5 Mal höher als bei ungeimpften Kindern. Die Wahrscheinlichkeit, von mehreren chronischen Krankheiten betroffen zu sein, ist sogar 5,7 Mal so hoch. Weil Impfungen Erwachsene im Laufe des Lebens kumulativ belasten, stellt sich ihre gesundheitliche Situation noch viel beunruhigender dar. Sie tragen ein 9,5-mal höheres Risiko, an chronischen Krankheiten wie Asthma und Arthritis sowie an einigen der führenden Todesursachen wie Diabetes, Krebs, Herz- und Atemwegserkrankungen zu leiden. 43-mal häufiger haben sie zwei chronische Erkrankungen. 12 % von ihnen sogar fünf. Bei Geimpften im allgemeinen, über alle Altersklassen hinweg, traten 44 Mal häufiger Verdauungsstörungen auf, 207-mal häufiger chronische Sinusitis oder Infektionen der Nasennebenhöhlen. Besonders erstaunlich ist das Spektrum der Krankheiten, die bei den ungeimpften Probanden überhaupt nicht  festzustellen waren. Kein einziges Baby in den untersuchten Familien war an  Plötzlichem Kindstod (SIDS) verstorben, kein einziges an Krebs erkrankt. Bei ungeimpften Erwachsenen trat kein ADHS auf, kein Asthma, keine Arthritis, keine Diabetes, keine Herzerkrankungen, keine bösartigen Tumoren. „Was bedeuten also all diese Daten?“, fragt der US-Arzt Peter McCullough in einer hervorragenden, von Facebook und YouTube prompt wegzensierten Videodokumentation , in der er die erwähnten Studien zusammenfassend vorstellt. “Ganz einfach: Sie deuten darauf hin, dass Impfstoffe insgesamt zu einem kränkeren Leben führen. Tatsächlich sind es die Ungeimpften, deren Leben in der Regel mit hervorragender Gesundheit und wenigen Arztbesuchen gesegnet ist.“ Das RKI lügt – es vertuscht eigene Erkenntnisse Welch hohes Risiko von Impfungen ausgeht, belegte – unfreiwillig - ausgerechnet Deutschlands oberste Gesundheitsbehörde, das Robert Koch-Institut (RKI). Von 2003 bis 2006 führte es eine aufwändige Langzeitstudie („ KiGGS “) zur körperlichen und seelischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zwischen 0 und 17 Jahren durch. Die 17.641 Studienteilnehmer bzw. ihre Eltern füllten dazu einen umfangreichen Fragebogen aus, Ärzte führten Interviews mit ihnen, Blut- und Urinproben wurden analysiert – und Impfpässe kopiert, soweit vorhanden. Bereits ein Jahr nach Abschluss des Datensammelns präsentierte das RKI die Ergebnisse im Bundesgesundheitsblatt auf über 900 Seiten. Die Rohdaten stellte es Interessenten als „ public use file “ zur Verfügung, gegen eine Schutzgebühr von 90 Euro. (9) So viel war Angelika Müller die Sache wert. Akribisch nahm die Informatikerin, vierfache Mutter und Leiterin der Interessengemeinschaft „ Eltern für Impfaufklärung “, das RKI-Material – rund 1500 Datenwerte pro Teilnehmer – unter die Lupe . Dabei stieß sie auf „ grob fehlerhafte Auswertungen “, manipulierte Zahlen, verschwiegene Zusammenhänge. Was aus den RKI-Rohdaten in Wahrheit hervorgeht, übertraf ihre schlimmsten Befürchtungen. Geimpfte Kinder leiden fast doppelt so häufig an Neurodermitis und Heuschnupfen, fünf Mal häufiger plagt sie eine Nickelallergie. (Siehe unten, Abb. 1.) ADHS wird ihnen öfter diagnostiziert. Sie sind anfälliger für Infekte, benötigen öfter eine Brille sowie Sprachtherapie bei einem Logopäden (Abb. 2, 3). Mittelohr- und Lungenentzündungen treten bei ihnen häufiger auf. (Abb. 4) Bei keinem einzigen  ungeimpften Kind, aber bei 5,3 % der geimpften ist die Wirbelsäule verdreht oder verkrümmt (s. Abb. 4). Was könnten Impfungen mit einer Skoliose zu tun haben? Zu den möglichen Mitursachen, die in fast allen Beipackzetteln von Impfstoffen als Nebenwirkung erwähnt wird, zählen Nervenerkrankungen, sogenannte Neuropathien. Durch andauernd falsch gesteuerte Anspannungen der Muskeln nahe des Rückgrats könnte sich im Laufe der Zeit eine Fehlstellung der Wirbel ergeben. Verblüffenderweise sind geimpfte Kinder erheblich anfälliger für Windpocken und Scharlach – also ausgerechnet für jene Infektionskrankheiten, vor denen sie ein „Piks“ schützen sollte (Abb. 5). Masern, Mumps und Röteln treten bei Geimpften zwar etwas seltener auf (Abb. 6) – aber dürften sie  überhaupt  vorkommen? Von hundert MMR-Geimpften erkranken trotzdem 10 an Masern, vier an Mumps, acht an Röteln. Entsprechend eindeutig fällt Angelika Müllers Fazit aus: „Ungeimpfte Kinder sind in jeder Hinsicht gesünder als geimpfte.“ (10) Wie dreist Wissenschaftler und Behörden tricksen, um genehme Statistiken zu liefern, führte das Robert-Koch-Institut bald darauf, zwischen 2005 und 2008, ein weiteres Mal vor: mit der  TOKEN-Studie zur Sicherheit von Babyimpfungen. Ihr vollmundiger Anspruch: Lückenlos sollte sie sämtliche ungeklärten Fälle von „Plötzlichem Kindstod“ (SIDS) zwischen zwei und 24 Monaten erfassen, die zwischen Sommer 2005 und Sommer auftraten – und prüfen, ob diese Tode mit vorausgegangenen Impfungen zusammenhängen. Schon die Finanzierung der Studie machte stutzig: Für einen Sponsorbetrag von 2,5 Millionen Euro erkauften sich die Hersteller zweier zu testender Impfstoffe, Sanofi Pasteur und GlaxoSmithKline, das Recht, „unverzüglich über relevante Ergebnisse oder Bewertungen unterrichtet zu werden“ – und „Gelegenheit zur wissenschaftlichen Stellungnahme zu den zur Publikation vorgesehenen Texten zu erhalten“, ehe diese veröffentlicht werden. In die Auswertung einbezogen wurden nur 254 Fälle, in denen betroffene Eltern bereit waren, einen umfangreichen Fragebogen auszufüllen. Von 667 Müttern und Vätern, deren Kind im Untersuchungszeitraum verstarb, verweigerten aber zwei Drittel ihre Teilnahme, trotz mehrfacher Kontaktnahme. Warum wohl? Wer ist nach einem derart schmerzlichen Verlust noch erpicht darauf, die Neugier von Datensammlern zu befriedigen?   Zu schlechter letzt gelang der TOKEN-Studie das Kunststück, gleichzeitig zwei diametral entgegengesetzte Erkenntnisse zu liefern: die offizielle sowie eine, die erst bei Analyse der Basisdaten zum Vorschein kam – das RKI versteckte sie in der 160-seitigen Langfassung  des Studienberichts, den sie nur auf Englisch zur Verfügung stellte. Die deutsche Kurzversion  gab erwartungsgemäß Entwarnung: Die Impfstoffe seien ungefährlich – schuld an den Todesfällen scheinen demnach vielmehr unaufmerksame, sorglose Eltern. Dabei rückte das RKI nichtsignifikante, aber genehme Details in den Vordergrund seiner Berichterstattung; und statt SIDS-Fälle einfach auszuzählen, „gewichtete“ es sie, bis sich politisch korrekte Schlussfolgerungen ergaben. Bei genauerem Hinsehen belegen die RKI-Daten in Wahrheit: - In den ersten 14 Tagen nach einer Impfung ist ein SIDS-Fall drei Mal wahrscheinlicher als in den darauffolgenden Wochen. - Drei Tage nach einer Sechsfachimpfung ist das Sterberisiko um das 2- bis 3-Face erhöht, nach einer Fünffachimpfung sogar um das 8,1-Fache. - Während des zweiten Lebensjahrs steigt die Wahrscheinlichkeit, binnen 72 Stunden nach einer Impfung zu sterben, um beinahe das 14-Fache. „Fakt“ ist es laut RKI, dass „Impfungen besonders bei Säuglingen und Kleinkindern wichtig sind“, weshalb sie „ zum frühestmöglichen Zeitpunkt “ stattfinden sollen. Zumindest die Aktionäre von Vakzinherstellern dürften da ohne weiteres zustimmen. Wie machen Impfstoffe krank? Wie wirken Vakzine? Das Prinzip scheint einfach und logisch. Bei der „aktiven Impfung“ erhält der Körper abgeschwächte, noch vermehrungsfähige Erreger (“Lebendimpfstoffe”), abgetötete Erreger oder lediglich Bruchstücke davon (“Totimpfstoffe”). Beide Vorgehensweisen sollen ihn anregen, Antikörper dagegen zu bilden. Bei der “passiven Impfung” wird ein Serum injiziert, das solche Antikörper bereits in hoher Konzentration enthält. Auf diese Weise, so heißt es, trainieren Impfungen das Immunsystem für den Ernstfall: eine Infektion mit gefährlichen Bakterien oder Viren. Falls es dazu kommt, kann es sie abwehren, weil es über die dafür nötigen Antikörper schon verfügt. Eltern lassen ihr Kind “piksen”, weil ihnen diese Erklärung einleuchtet. Aber sie kennen bloß die halbe Wahrheit. Zum einen bergen Impfstoffe die Gefahr, eben jene Erkrankung heraufzubeschwören, vor der sie schützen sollen. (Dies geschieht regelmäßig z.B. bei Polio-Impfkampagnen.) Zum anderen geraten mit Vakzinen noch viele weitere Inhaltsstoffe in den Körper – ins Blut, ins Gehirn, in alle übrigen Organe. Über sie pflegen Ärzte im Aufklärungsgespräch hinwegzugehen. Allenfalls im Beipackzettel tauchen die fragwürdigen Substanzen auf. Sie stehen im dringenden Verdacht, für einen Großteil der Impfschäden verantwortlich zu sein, die Hersteller und Behörden unter den Teppich kehren. Was tatsächlich in den Spritzen steckt, ließ die “Arbeitsgemeinschaft Bürgerrecht und Gesundheit” (AGBUG) zwischen 2017 und 2019 von unabhängigen Laboren untersuchen. 83 Vakzine, ein Großteil immer noch im Handel, kamen dabei unter die Lupe. Die Befunde  sind haarsträubend: Fast alle Impfstoffe enthalten in Spuren Aluminium und Quecksilber. Hinzu kommen artfremde Eiweiße, Hormone und Stoffwechselprodukte aus Herstellungsprozessen, bei denen nichtmenschliche Zellkulturen, Hühnereier oder Versuchstiere infiziert werden. Auch Antibiotika, Pestizide und nichtdeklarierte Nanopartikel  fanden sich schon darin. Häufig erweisen sie sich als verunreinigt mit Viren aus jenen Zellkulturen, auf denen sie gezüchtet worden sind: von Varianten des Schweinevirus über SV-40 – aus Nierenzellen von Rhesusaffen – bis zu Viren aus Hühnerzellen, die bei Vögeln Leukämie auslösen können. Wie harmlos sind diese Ingredienzien auf längere Sicht? Sicherheitskontrollen stehen aus, es fehlen Vorschriften hierfür. Von besorgten Eltern abgesehen, scheint niemand interessiert, näher hinzuschauen. Im Verdacht, krank zu machen, stehen unter anderem sogenannte “Wirkverstärker” (Adjuvantien, von lat. adiuvare : unterstützen”): künstliche Substanzen, ohne die eine Abwehrreaktion zu schwach ausfiele, um anhaltende Immunität aufzubauen. Weiterhin am häufigsten als Adjuvans dient hochgiftiges Aluminium . Es macht die Blut-Hirn-Schranke durchlässiger, verursacht vielfältige neurologische Erkrankungen, chronische Entzündungen und Autoimmunerkrankungen; es kann zur sogenannten Makrophagischen Myofasziitis (MMF) führen, einer besonders heimtückischen Muskelerkrankung. Neuere Adjuvantien wie “AS04” oder  “MF59” enthalten Squalen und Polysorbat 80. Im Laborversuch erzeugen sie MS-Symptome, fördern Tumore, lassen die schützenden Myelinhüllen um Nervenzellen ebenso degenerieren wie die Schleimhäute des Darms. Nicht anders als Aluminium lösen sie Autoimmunerkrankungen wie Arthritis und Lupus erythematodes aus.Sie lassen Sexualorgane beschleunigt reifen, gleichzeitig beeinträchtigen sie deren Funktion. (11) Auch Konservierungsmittel in Impfstoffen sind höchst bedenklich. Als Ersatz für das früher übliche Quecksilber kommt neuerdings Phenoxyethanol zum Einsatz: eine Chemikalie, mit der Fische eingeschläfert, Körper- und Schönheitspflegemittel länger haltbar gemacht werden. Wie aus Datenbanken von Kosmetikherstellern ersichtlich, kann Phenoxyethanol Allergien, Hautausschläge, neurologische Erkrankungen, Immundefizite und Organschäden auslösen. In Tierversuchen führt es zu Gendefekten und Krebs. Laut Sicherheitsdatenblatt darf es weder in den Hausmüll noch ins Grundwasser geraten. In so “minimalen” Mengen wie in Vakzinen, bei denen geltende Grenzwerte weit unterschritten werden, seien die erwähnten Zusatzstoffe völlig “ unbedenklich ”, so wiegeln Gesundheitsbehörden ab. Um nachvollziehen, wie dreist man uns etwa über die Gefährlichkeit von verimpftem Aluminium täuscht, genügt ein Taschenrechner.  Laut EFSA, der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, liegt die tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge (TWI) von Aluminium bei einem Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. (12) Nahrungsmittel nehmen wir aber oral auf, darin enthaltenes Aluminium resorbiert unser Körper nur zu 0,1 % - hingegen zu 100 %, wenn wir es in einen Muskel oder direkt ins Blut gespritzt bekommen. Demnach müsste der Grenzwert eher 0,001 mg betragen. Der Aluminiumgehalt der in Europa zugelassenen Vakzine liegt zwischen 0,125 und 0,82 mg  pro „Piks“. Bei einer Injektion von 0,8 mg nimmt ein fünf Kilo schwerer Säugling also rund das 160-fache (0,8 : 0,005) der zulässigen wöchentlichen Höchstdosis auf. Aufs ganze Jahr hochgerechnet – 1 mg mal 52 Wochen mal 7 kg (durchschnittliches Körpergewicht) -, wird der Grenzwert schon mit einer einzigen Sechsfach-Impfung um mehr als das Doppelte überschritten. Kein Grund zur Sorge? Warum wohl gilt “ASIA”, das “ autoimmune/inflammatory syndrome induced by adjuvants ”, in der Medizin inzwischen als eigenständiges Krankheitsbild? Je früher, je mehr – desto schlimmer Noch im Jahr 1970 empfahl das Robert-Koch-Institut  für die ersten zwölf Monate eine einzige Impfdosis, bis zum sechsten Lebensjahr weitere fünf. Dreieinhalb Jahrzehnte später, im Jahr 2006, waren daraus 30 vor dem ersten Geburtstag geworden, weitere zehn in den fünf darauffolgenden Jahren. Und heute? Gegen 17 verschiedene Infektionskrankheiten soll ein Kind in Deutschland  inzwischen geimpft  werden, „zum frühestmöglichen Zeitpunkt“. Hinzu kommen, „Auffrischungen“ eingerechnet, bis zur Volljährigkeit sage und schreibe 53 Impfdosen  – davon 37 im ersten Lebensjahr. Noch impfwütiger geht es in den Vereinigten Staaten zu. Dem Impfkalender der Seuchenschutzbehörde CDC zufolge (13) sollen Kinder mindestens 73 Impfungen gegen 17 verschiedene Krankheiten erhalten; allein bis zu ihrem ersten Geburtstag sind ihnen 28 Injektionen zu verabreichen. Bereits mit zwei Monaten blühen einem Säuling bis zu sechs Impfungen gegen acht Krankheiten. Noch 1962 hatte der Impfkalender für die gesamte Kindheit bloß fünf Impfdosen vorgesehen: gegen Polio, Pocken, Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten. (14) Über hundert weitere Vakzine hat die Pharmaindustrie allein in Europa momentan in der Pipeline (15) – von dieser Art „ präventiver Medizin “ träumt sie. Was derartiger Gesundheits“schutz“ anrichtet, führen zahlreiche Studien jedem, der sehen will, überdeutlich vor Augen: Je früher, je öfter Kinder „gepikst“ werden, desto größer ist ihr Risiko für gesundheitliche Einschränkungen, schwere chronische Erkrankungen und vorzeitigen Tod. (16) Diese Tendenz zeigt sich seit langem   in allen Industrieländern . Warum liegt der Impfweltmeister USA bei der Kindersterblichkeit  weit abgeschlagen auf Platz 55, noch hinter den Malediven, Russland und Kuba? (Deutschland belegt Rang 25.) Spitzenreiter, mit der niedrigsten Quote, ist ausgerechnet Montenegro : Dort sterben pro Jahr unter 1000 Neugeborenen im statistischen Mittel 1,46, in den USA sind es 6,3. (In Deutschland 3,6.) In Montenegro glaubt nicht einmal jeder zweite Einwohner, Vakzine seien wirksam und sicher – in  den Vereinigten Staaten  tun es hingegen drei Viertel. Obwohl die USA bei weitem das meiste Geld für Kindergesundheit ausgeben, ist die Wahrscheinlichkeit für ein Baby, in seinem ersten Lebensjahr dem “Plötzlichen Kindstod” (SIDS) zum Opfer zu fallen, dort um 76 % höher  als in 19 anderen wohlhabenden Ländern. (17) Ausgerechnet im März und April 2020, als wegen Corona-“Lockdowns” kein Baby in Arztpraxen zum “Piksen” vorstellig wurde, fiel die SIDS-Rate  in den Vereinigten Staaten um rund 35 %. Was geschieht mit solchen Informationen? Facebook blockiert sie. Twitter löscht sie. Google versteckt sie. YouTube verbannt sie. Medien schweigen darüber – oder brandmarken sie als Verschwörungstheorie. Talkshows plappern über sie hinweg, Nachrichtensendungen klammern sie aus. Das nährt den Verdacht, dass sie stimmen. Warum schweigen Ärzte? Warum klären impfende Ärzte ihre Patienten nicht darüber auf? Weil sie selber aufklärungsbedürftig sind. Weshalb? Weil sie während ihres Studiums, in Vorlesungen von Professoren auf Honorarlisten von Pharmakonzernen, ebensowenig von Risiken und Gefahren des Impfens erfahren wie aus Lehrbüchern, die pharmafinanzierte Autoren verfasst haben; weder in pharmagesponserten Fortbildungsveranstaltungen und Kongressen noch aus pharmafinanzierten Fachzeitschriften, Online-Infoportalen und Verlautbarungen von Standesorganisationen. (18) Falls ein Arzt Sie wieder einmal bedrängt, Ihr Kind schleunigst impfen zu lassen: Empfehlen Sie ihm die folgenden beiden Bücher – und versprechen Sie ihm, dem „Piks“ zuzustimmen, sobald er die darin vorgestellten rund 500 Studien zur Kenntnis genommen und überzeugend widerlegt hat: Robert F. Kennedy Jr./Brian Hooker: Geimpft versus ungeimpft – Jetzt spricht die Wissenschaft!  (2023) Neil Z. Miller: Der Große Impfreport – 400 kritische Studien für Eltern und Forscher   (2021) Eigentlich müsste jeder Arzt sie bereits kennen, ehe er sich über das Grundrecht seiner Patienten auf körperliche Unversehrtheit hinwegsetzt. Wie kann er Ihre „informierte Zustimmung“ einholen, solange es ihm selber an entscheidenden Informationen mangelt, die er ihnen zu bedenken geben müsste? Scheuen Sie sich nicht, respektlos seine Kompetenz zu testen – schließlich steht nichts Geringeres auf dem Spiel als die Zukunft Ihres Kinds. Wer hinterfragt, erscheint ahnungslos. Wer darauf verzichtet, bleibt es. Lassen Sie ihn die „Ärztliche Impferklärung“ unterzeichnen, die das schweizerische „Netzwerk Impfentscheid“ entworfen hat – ein Arzt, der sich seiner Verantwortung bewusst ist, dürfte nicht zögern. Schaden von der Bevölkerung abzuwenden, ist im übrigen nicht bloß Ärztesache. Der Bundespräsident, der Kanzler und jedes Regierungsmitglied leistet seinen Amtseid darauf, insbesondere der Gesundheitsminister. Wo bleiben staatliche Forschungsinitiativen, um endlich Klarheit zu schaffen? Weshalb sperren sich Gesundheitsbehörden dagegen, allen voran das Robert-Koch-Institut? Faule Ausreden Aufwändige Nachforschungen anzustellen, sei überflüssig, so macht man uns weis – denn die Wahrscheinlichkeit schwerer Nebenwirkungen liege ja bekanntlich bei gerade mal „eins zu einer Million“. Um uns diese Beruhigungspille zu verabreichen, setzen Behörden die Gesamtheit der Geimpften ins Verhältnis zu jenem Personenkreis, dessen Impfschäden staatliche Anerkennung gefunden und zu Entschädigungszahlungen geführt haben. Das ist tatsächlich eine verschwindende Minderheit – was niemanden verwundert, der weiß, welch schikanösen, zeitaufwändigen, nervenaufreibenden Hürdenlauf Impfopfer bewältigen müssen, um zu ihrem Recht zu kommen. Seriöse Studien schätzen die Rate unerwünschter Nebenwirkungen eher auf 1 zu 38 (19), ja auf 1 zu 10. (20) Um Risiken abzuschätzen, fänden die hochwertigsten aller wissenschaftlichen Untersuchungen statt, so versichert man uns: randomisierte kontrollierte Studien (RCT). Dabei werden Versuchspersonen nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt: Die eine erhält das Medikament („Verumgruppe“), die andere bloß ein Placebo („Kontrollgruppe“). Um Erwartungseffekte auszuschließen, werden alle Teilnehmer „verblindet“: Sie bleiben im Ungewissen darüber, welcher Gruppe sie angehören. Damit der Vergleich aussagekräftig ist, schreibt das RCT-Design vor, dass ein Placebo „inert“ sein muss, also ohne pharmakologische Wirkung, beispielsweise neutrale Kochsalzlösung. Bei den meisten Impfstoffstudien kommen in den Kontrollgruppen aber skandalöserweise gar keine echten Placebos zum Einsatz, sondern andere Vakzine. Oder das Placebo enthält die gleichen Inhaltsstoffe, außer den jeweiligen Antigenen, d.h. ohne die Viren oder Bakterienbestandteile, gegen die Antikörper gebildet werden sollen: von Aluminium über Formaldehyd bis Polysorbat 80. So war es bei Gardasil, einem Impfstoff gegen das humane Papillomavirus, das vermeintlich Gebärmutterhalskrebs auslöst: Es durfte gegen AAHS antreten, einen hochtoxischen Wirkverstärker („Adjuvans“). (Adjuvantien sind Substanzen, die Impfstoffen zugesetzt werden, um eine „robustere Immunantwort“ hervorzurufen, als das Antigen allein zustande brächte.). Zur „Kontrolle“ eines Grippeimpfstoffs bei Schwangeren kam ein Meningokokken-Vakzin zum Einsatz. (21) Ein solch hanebüchener Griff in die Trickkiste, im Grunde ein plumper Betrug, führt regelmäßig dazu, dass das Schadensprofil der getesteten Substanz vergleichsweise harmlos erscheint, weil auch die Placebogruppe vergiftet wird  – zur nachvollziehbaren Freude der Hersteller, die derartige Pseudostudien zumeist finanzieren. Im übrigen stehen andere Analysemethoden zur Verfügung, die nicht minder zuverlässige Ergebnisse liefern: seien es prospektive, auf künftige Gesundheitsfolgen ausgerichtete, oder retrospektive, die schon vorliegende medizinische Daten auswerten. (22) Mit solchen Verfahren arbeiten Gesundheitsbehörden routinemäßig. Nur wenn es ums Impfen geht, ergreifen sie schlagartig Berührungsängste. Oft heißt es, Vergleichsstudien mit Geimpften und Ungeimpften seien „unethisch“. Denn zur Placebokontrolle müsste man einem Teil der Versuchspersonen ein Medikament vorenthalten, das „womöglich eine schwere, nicht behandelbare oder tödliche Infektion verhindern kann“, wie es auf der Website einer Kinderklinik heißt. (23) Dies könne man keinesfalls verantworten. Doch genauso argumentieren lässt sich doch bei allen Arzneimitteltests: Wie kann man es unterlassen, Patienten der Kontrollgruppe ein neues Herz- oder Krebsmittel zu geben, das möglicherweise ihr Leben rettet? Dass Impfbefürworter nur bei Vakzinstudien plötzlich ganz arg moralische Bedenken plagen, deutet auf eine Agenda hin, die herzlich wenig mit Wissenschaft und Logik zu tun hat.  Absurd ist das Ethik-Argument auch deshalb, weil man vor Beginn einer RCT-Studie ja noch gar nicht weiß, wie ein Impfstoff wirkt. Bedeutet er für die Verumgruppe eher Segen als Fluch? Wäre es für die Kontrollgruppe daher eher nützlich als schädlich, ihn ebenfalls verabreicht zu bekommen? Eben dies gilt es ja erst herauszufinden. Geimpfte und ungeimpfte Kinder seien allein schon deshalb nicht miteinander vergleichbar, weil sie in unterschiedlichen sozialen Milieus großwerden, die ihre gesundheitliche Entwicklung maßgeblich mitbeeinflussen. Wenn Ungeimpfte seltener krank sind, verdanken sie das womöglich weniger der Impfskepsis ihrer Eltern als vielmehr deren Erziehungsverhalten. Womöglich machen sie sich mehr Sorgen um ihren Nachwuchs, nehmen Symptome ernster, betreuen sie im Krankheitsfall aufmerksamer, bringen sie notfalls rascher zum Arzt, achten auf bessere Ernährung und mehr Bewegung. An Kuriosität ist dieses Argument kaum zu überbieten. Legt es nicht vielmehr die Empfehlung nahe?: „Liebe Mamas und Papas, wenn ihr gesunde Kinder wollt – nehmt euch impfkritische Eltern zum Vorbild!“ Ausgerechnet von Anthony Fauci, Amerikas Impfpapst und jahrzehntelanger Big-Pharma-Darling, stammt die eindringliche Warnung: Falls Zulassungsbehörden es versäumen, längerfristige Auswirkungen von Impfungen zu kontrollieren, „dann könnte sich herausstellen, dass es zwölf Jahre dauert, bis die Hölle richtig losbricht – und was hat man dann angerichtet?“ (24) Recht hat er. „Die Hölle“ ist aber längst da. „Seit 225 Jahren wiederholt sich immer wieder dieselbe Geschichte“, wie die amerikanische Internistin Dr. Suzanne Humphries feststellt (25): „Impfstoffe kommen auf den Markt und verschlimmern Krankheiten, die früher eigentlich nicht sehr problematisch waren. (…) Die Erzählung von der ‚sicheren und wirksamen‘ Impfung ist eine sorgfältig fabrizierte Illusion. (…) Es ist eine dunkle Nacht der Seele, wenn du aufwachst. Deine ganze Welt gerät aus den Fugen, weil du erkennst, dass das gesamte medizinische System korrupt ist.“ Der US-Ganzheitsmediziner Joseph Mercola pflichtet ihr bei: „Die Impfstoffindustrie täuscht uns absichtlich über die Risiken und Vorteile von Impfstoffen, um Profit zu machen, ohne Rücksicht auf menschliches Leid und die Zerstörung der öffentlichen Gesundheit im Laufe der Zeit.“ (26) „Manchmal fragen mich die Leute: 'Was ist der Antrieb? Warum tun sie das?'“, so Humphries. „Meine Antwort ist, dass ich das Warum nicht vollständig beantworten kann. Sicherlich spielt Gier eine Rolle, aber ich denke, es sind wahrscheinlich noch viel schlimmere Dinge im Spiel.“ (27) Von der Pharmalobby gesponsert (28), sieht die Weltgesundheitsorganisation in Impfgegnern wie Humphries und Mercola eine „ globale Bedrohung “. Sie zählt Impfzurückhaltung  zu den „zehn schwerwiegendsten Gefahren für die Gesundheit der Menschheit“. Im Ernst? Der Forschungsstand legt vielmehr die Vermutung nahe: Weitaus gefährlicher wäre es, Impfzurückhaltung aufzugeben. Zumeist überwinden Infektionen nicht das Immunsystem, sondern stärken es. Am ehesten fürchten muss sie, wer es hartnäckig vernachlässigt. Spätestens seit der Coronakrise wissen wir: Angst gefährdet die Gesundheit, Wissen stärkt die Abwehrkräfte. ( Harald Wiesendanger )   Anmerkungen   (Q) Primärquelle zu Sa’Niya: Children´s Health Defense , deren Redaktion Sa’Niyas Angehörige interviewte. Dem tragischen Fall widmete das CHD einen längeren Artikel https://childrenshealthdefense.org/defender/baby-sa-niya-death-received-6-shots-12-vaccines/?utm_id=20250331 sowie einen 26-minütigen Film https://live.childrenshealthdefense.org/chd-tv/events/trending-news-segments/baby-tragically-dies-after-6-shots/ Bild Sa’Niya: Ausschnitt aus einem Screenshot einer Szene aus dem o.g. Film von Children´s Health Defense . 1       Das amerikanische CDC empfiehlt bei der 6-Monats-Untersuchung für Babys folgende Impfungen: ·         Diphtherie, Tetanus und Pertussis (DTaP) : 3. Dosis von insgesamt 5. ·         Haemophilus influenzae Typ b (Hib) : 3. Dosis von insgesamt 3 oder 4, abhängig vom verwendeten Impfstoff. ·         Hepatitis B : 3. Dosis von insgesamt 3. ·         Inaktivierter Poliovirus (IPV) : 3. Dosis von insgesamt 4. ·         Pneumokokken-Konjugat (PCV) : 3. Dosis von insgesamt 4. ·         Rotavirus : Letzte Dosis, abhängig vom verwendeten Impfstoff. Weil Sa’Niya die 6-Monatsuntersuchung versäumte und deshalb all diese Impfungen damals nicht erhielt, wurden sie beim 12-Monats-Termin „nachgeholt“ – zusätzlich zu den Impfungen, welche der Impfplan der CDC am Ende des ersten Lebensjahrs vorsieht, nämlich: ·         Masern, Mumps und Röteln (MMR) : 1. Dosis. ·         Varizellen (Windpocken) : 1. Dosis. ·         Hepatitis A : 1. Dosis, gefolgt von einer zweiten Dosis 6 bis 18 Monate später. ·         Haemophilus influenzae Typ b (Hib) : Abhängig vom verwendeten Impfstoff kann eine 3. oder 4. Dosis erforderlich sein. ·         Pneumokokken-Konjugat (PCV13) : 4. Dosis. ·         Diphtherie, Tetanus und Pertussis (DTaP) : 4. Dosis, normalerweise zwischen dem 15. und 18. Monat verabreicht, kann aber bereits ab dem 12. Monat gegeben werden. 6 plus 6 gleich 12, nicht wahr? P.S.: Ab einem Alter von 6 Monaten sollen Babies außerdem jährlich eine Influenza-Impfung erhalten. Nachzulesen u.a. hier: https://www.cdc.gov/vaccines/hcp/imz-schedules/downloads/child/0-18yrs-combined-schedule-bw.pdf , https://www.cdc.gov/vaccines/hcp/imz-schedules/child-adolescent-notes.html , https://www.cdc.gov/vaccines-children/schedules/index.html , https://www.cdc.gov/vaccines/imz-schedules/downloads/parent-ver-sch-0-6yrs.pdf 2        https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/blog/-/elf-dinge-ueber-impfungen-zur-weltimpfwoche/275230 ; https://www.ardalpha.de/wissen/gesundheit/gesund-leben/die-erfolgsgeschichte-des-impfens-impfung-100.html 3        Anthony R. Mawson u.a.: „ Pilot Comparative Study on the Health of Vaccinated and Unvaccinated 6- to 12-year-old U.S. Children “, Journal of Translational Science  3 (3) 2017, S. 1-12, DOI: 10.15761/JTS.1000186, 4        Anthony R. Mawson u.a.: „ Preterm Birth, Vaccination and Neurodevelopmental Disorders: A Cross-Sectional Study of 6- to 12-Year-Old Vaccinated and Unvaccinated Children “, Journal of Translational Science  3 (3) 2017, S. 1-8, DOI:10.15761/JTS.1000187 5        Brian Hooker/Neil Z. Miller: „ Analysis of Health Outcomes in Vaccinated and Unvaccinated Children: Developental Delays, Asthma, Ear Infections and Gastrointestinal Disorders “, SAGE Open Medicine  8/2020, DOI:10.1177/2050312120925344 6        Brian Hooker/Neil Z. Miller: „ Health Effects in Vaccinated versus Unvaccinated Children “, Journal of Translational Science  7/2021, S. 1-11, DOI:10.15761/JTS.1000459 7        James Lyons-Weiler/Paul Thomas: “Relative Incidence of Office Visits and Cumulative Rates of Billed Diagnoses along the Axis of Vaccination”, International Journal of Environmental Reseach and Public Health 17 (22) 2020, 8674, DOI:10.3390/ijerph17228674, 8        Joy Garner: „ The Control Group: Pilot Survey of Unvaccinated Americans. Statistical Evaluation of Health Outcomes in the Unvaccinated: Full Report “, 9. Februar 2021 9        Public-Use-File KiGGS, Kinder- und Jugendgesundheitssurvey 2003-2006, Robert-Koch-Institut, Berlin 2008 10    https://efi-online.de/wp-content/uploads/2014/01/UngeimpfteGesuender.pdf , S. 6. 11    Siehe zusammenfassend Harald Wiesendanger: Das Gesundheitsunwesen , a.a.O, S. 334 ff. und die dort zitierten Quellen. 12    Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), EFSA-Beratung zur Sicherheit von Aluminium in Lebensmitteln, 15. Juli 2008, abrufbar unter https://www.efsa.europa.eu/de/news/efsa-advises-safety-aluminium-food . 13    Centers for Disease Control and Prevention: „ Birth-18 Years Immunization Schedule “ 14    Siehe Robert F. Kennedy Jr./Brian Hooker: Geimpft versus ungeimpft – Jetzt spricht die Wissenschaft!  (2023), S. 20, 15    https://web.oevih.at/unser_fokus/forschungsausblick-impfstoff-pipeline/ ; https://pharma-fakten.de/grafiken/rsv-grippe-covid-19-und-co-neue-loesungen-dank-impfstoffforschung-in-sicht/ 16    Siehe Robert F. Kennedy Jr./Brian Hooker: Geimpft versus ungeimpft – Jetzt spricht die Wissenschaft!  (2023), S. 34-61 17    https://www.klartext-online.info/post/damit-sein-tod-nicht-sinnlos-war ; https://www.klartext-online.info/post/blo%C3%9F-ein-piks-zwei-tage-sp%C3%A4ter-tot 18    Siehe Harald Wiesendanger: Das Gesundheitsunwesen - Wie wir es durchschauen, überleben und verwandeln   (2019) sowie die zehnteilige Serie „Dressierte Halbgötter “ in seinem Blog „Klartext“ 19    Ross Lazarus u.a.: „ Electronic Support for Public Health-Vaccine Adverse Event Reporting System (ESP: VAERS),  The Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ), Mech2011 20    Kennedy/Hooker: Geimpft versus ungeimpft , a.a.O., S. 6. 21    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4985566/ , DOI.10.1016/S1473-3099(16)30054-8 22    DOI:10.1002/14651858. MR000034.pub2, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8191367/ 23    The College of Physicians of Philadelphia: „ Vaccines 101: Ethical Issues and Vaccines “ 24    Nova, PBS, „ Surviving AIDS “, 2. Februar 1999. 25    Suzanne Humphries/Roman Bystrianyk: Die Impf-Illusion. Infektionskrankheiten, Impfungen und die unterdrückten Fakten   (2015) 26    Joseph Mercola in mercola.com , 25. Februar 2024 27    Elizabeth Humphries im Interview mit Joseph Mercola: „ Dissolving Illusions About Vaccine Safety “ 28    Wolfgang Wodarg: Falsche Pandemien , 2. Aufl. 2021, S. 314 ff.

  • Zum Selbstschutz für „psychisch Gestörte“

    Wer meint, an einer „psychischen Störung“ zu leiden, neigt dazu, sich einer Medizin auszuliefern, die ihn synthetische Drogen schlucken lässt – mit fraglichem Nutzen und unterschätzten Nebenwirkungen. Darauf einlassen sollten Sie sich nur, falls Ihnen Ihr Arzt vorweg die Unbedenklichkeit bescheinigt. Hier gibt´s eine Vorlage dafür. Sie leiden an einer seelischen/geistigen Belastung, mit der Sie nicht alleine fertig zu werden glauben? Falls Sie Rat und Hilfe bei einem Psychiater suchen, wird er Ihnen mit einer gefühlten Wahrscheinlichkeit von 101 Prozent eine synthetische Droge verschreiben: ein Psychopharmakon. Dieses, so wird er Ihnen voraussichtlich versichern, sei nämlich „wirksam, sicher und gut verträglich“ – und jeder anderen Behandlungsweise überlegen. Aber auch viele Ärzte anderer Fachrichtungen – Allgemeinmediziner, Internisten – dürften mit Ihnen genauso verfahren. Wenn sie recht hätten, dann müsste es ihnen leicht fallen, die nachfolgende Erklärung zu unterzeichnen. Falls Ihnen Ihr Arzt ein Psychopharmakon verordnen will: Sichern Sie sich ab. Überreichen Sie ihm einen Ausdruck des nachfolgenden Texts. (Als A4-Faltblatt können Sie ihn hier  gratis bestellen.) Nehmen Sie das Medikament erst ein, nachdem er Ihnen die Bescheinigung unterschrieben ausgehändigt hat. Warum sollten Sie darauf bestehen? Das erläutere ich in mehreren Sachbüchern: Teufelszeug  (2017), Unheilkunde  (2017) sowie in den Bänden 2 , 3  und 10  meiner Schriftenreihe Psycholügen (2017). Unbedenklichkeitsbescheinigung  - Ärztliche Erklärung zur verordneten Pharmakotherapie Hiermit erkläre ich, der unterzeichnende Arzt, verbindlich, dass ich das Psychopharmakon ………………………...............................................…….. mit dem Wirkstoff ……………………...............................................………………............….. des Herstellers ………………………………...............................................…………...........…... in folgender Dosierung ................................................................................................ zur Behandlung/Prävention/Rückfallprophylaxe folgender Erkrankung(en) ……………………………………............................................................…………………………………. heute verschrieben habe für: Vorname, Name des Patienten …………………………………………................………………… PLZ, Wohnort ……………………………………………………………………….............................……. Geburtsdatum ……………………… Zum Zeitpunkt meiner Verordnung bestand/en bei diesem Patienten darüber hinaus folgende Erkrankung/en  …………………………………….....................................……………..…. mit folgenden Symptomen                      - körperlicher Art: ……………………………………………………...................................................……….                      - psychischer Art: ……………………………………………...................................................……………….. Ich habe mich davon überzeugt, dass bei dem Patienten ansonsten gegenwärtig keine gesundheitlichen Einschränkungen vorliegen. An der Diagnose bestehen keinerlei begründete Zweifel, auch nicht im Hinblick auf die Interessenkonflikte fast aller Sachverständigen, die das zugrundegelegte Diagnose-Handbuch zusammenstellten. Dass der verordnete Wirkstoff sicher, wirksam und gut verträglich ist, belegen wissenschaftliche Studien, die durchgeführt wurden - vom Hersteller selbst bzw. einem von ihm bezahlten Institut - von einer industrieunabhängigen Einrichtung, nämlich …………………….....................……………….. Ich versichere, dass ich diese Studien sorgfältig geprüft und vorgebrachte Kritik daran mitbedacht habe. Ich habe den Patienten darüber aufgeklärt, dass die für die Zulassung des betreffenden Medikaments durchgeführten Studien nur wenige Wochen oder Monate dauerten, so dass sie über die Folgen eines längerfristigen Einsatzes keine Aufschlüsse geben können. Bei der Behandlung orientiere ich mich an den Leitlinien von ……………..............................………………. , ­ deren/dessen Unabhängigkeit von der pharmazeutischen Industrie außer Frage steht. Ich versichere, dass der eingesetzte Wirkstoff die Symptomatik beseitigen, zumindest aber ­deutlich lindern wird, voraussichtlich innerhalb von …… Monaten/Jahren. Ich versichere, dass der verabreichte Wirkstoff keine bleibenden direkten oder indirekten Schäden oder Folgeerkrankungen verursachen wird, wie beispielsweise Gehirnschwund, Akathisie (unbeherrschbarer Bewegungsdrang), Adipositas, Bluthochdruck, Diabetes und andere Stoffwechselerkrankungen, irreversible Störungen der Motorik (Spätdyskinesien), schwere Herz-/ Kreislauferkrankungen, chronische Müdigkeit, geistige Beeinträchtigungen wie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, emotionale Abstumpfung, soziales Desinteresse, Verlust der Sexualität, erhöhte Suizidneigung, Hyperaggressivität, tiefgreifende Persönlichkeitsveränderungen. Die Einnahme des Wirkstoffs wird sein Sterberisiko nicht erhöhen. Über die Schwierigkeiten, das verordnete Präparat wieder abzusetzen (Entzugserscheinungen, Absetzpsychose, Rebound-Effekte), habe ich den Patienten eingehend aufgeklärt. Soweit der Patient weitere Medikamente einnimmt, sind schädliche Wechselwirkungen mit dem von mir verordneten Wirkstoff ausgeschlossen. Ich versichere, dass die verordnete Pharmakotherapie im vorliegenden Fall die bestmögliche Behandlung darstellt. Jegliche Alternativen, wie z. B. eine Psychotherapie, sind weniger aussichtsreich, wie ich nach eingehender Prüfung, unter Berücksichtigung des aktuellen Forschungsstands, hiermit bestätige. Ich habe den Patienten auf psychiatrische Praxen und Kliniken hingewiesen, die bei seiner Diagnose auf den Einsatz von Psychopharmaka weitgehend bis vollständig verzichten – und damit nach eigenen Angaben gute Erfahrungen machen. Ich habe den Patienten über wissenschaftliche Studien in Kenntnis gesetzt, denen zufolge selbst schwere psychische Störungen unbehandelt eher abklingen als unter Psychopharmaka; dass Psychopharmaka die Symptome, gegen die sie eingesetzt werden, häufig hervorrufen, verstetigen und verstärken; dass Rückfälle bei Psychopharmaka-Behandelten häufiger vor­kommen als nach einer Psychotherapie. Ich versichere, dass ich den Patienten bzw. seine Angehörigen ausführlich über sämtliche mittlerweile bekannten Risiken und Nebenwirkungen des verordneten Präparats aufgeklärt habe. Insbesondere bin ich mit ihm die entsprechenden Warnhinweise im Beipackzettel Punkt für Punkt durchgegangen. Dabei habe ich ihn darauf hingewiesen, dass sich Art, Häufigkeit und Schwere vieler Nebenwirkungen eines Präparats oft erst Jahre und Jahrzehnte nach dessen Markteinführung zeigen. Ich versichere, dass das von mir verschriebene Medikament nachweislich wirksamer und/oder unbedenklicher ist als Präparate, die schon länger auf dem Markt sind, sowie preiswertere Generika mit demselben Wirkstoff. Der Hersteller wurde noch niemals straf- oder zivilrechtlich belangt bzw. verurteilt – etwa wegen Verschweigen oder Verfälschen von Studienergebnissen, wegen ungesetzlicher Marketingpraktiken, wegen Korruption von Ärzten und Forschern -, so dass seine Seriosität, und insbesondere die Verlässlichkeit seiner Angaben über Nutzen und Gefahren des Wirkstoffs, außer Frage stehen. Ich erhalte vom betreffenden Hersteller keinerlei finanzielle Zuwendungen, etwa in Form von Vortrags-, Berater- und Autorenhonoraren, für die Durchführung von Studien, für die Teilnahme an „Anwendungsbeobachtungen“ und sonstigen umstrittenen Forschungsaktivitäten. Falls die von mir veranlasste Pharmakotherapie nicht innerhalb von …….. Monaten/Jahren zu einer deutlichen Besserung führt oder den Patienten physisch oder psychisch dauerhaft versehrt, verpflichte ich mich hiermit, dafür dem Opfer bzw. seinen Angehörigen unverzüglich und ohne ­Anrufung eines Gerichts vollumfänglich Schadensersatz zu leisten. Im Fall eines Wechsels der Medikation, einer Dosiserhöhung oder einer Kombination mit einem weiteren Psychopharmakon bin ich bereit, die vorliegende Bescheinigung erneut auszustellen. Läge bei meinem Kind, meinem Lebenspartner oder einem sonstigen mir nahestehenden Menschen die gleiche psychische Störung vor, würde ich es/ihn auf dieselbe Weise behandeln (lassen). ………………………… ………………..............................................……… Ort, Datum rechtsverbindliche Unterschrift des Arztes Stempel Diese Bescheinigung gibt´s auch als A4-Ausdruck gratis hier » Was blüht “psychisch Gestörten”, wenn sie Pillen schlucken? Auf welche Risiken und Nebenwirkungen müssen Menschen mit “psychischen Störungen” gefasst sein, wenn sie sich Psychopharmaka verschreiben lassen? Worüber müsste der Arzt sie gewissenhaft aufklären, ehe er ihnen ein Rezept ausstellt? Wie oft tut er das jemals? Eher versichert er: „Das wird Ihnen helfen.“ Was er nicht sagt: Vielleicht hilft es auch nicht. Vielleicht bekommt es dem Hilfesuchenden überhaupt nicht. Vielleicht geht es ihm hinterher schlechter als zuvor. Folglich gäbe es ein paar Dinge, über die ein Arzt reden müsste. Gewissenhaft. Ausführlich. Vielleicht sogar ehrlich. Dinge, die selten Platz finden zwischen Rezeptblock und Türgriff. Beginnen müsste er mit der Gretchenfrage: Was genau tun diese Medikamente eigentlich? Die ehrliche Antwort lautet oft: Man weiß es nicht so genau. Serotonin hier, Dopamin da – biochemische Erklärungsmodelle, die klingen, als hätte jemand beim Chemieunterricht aufgepasst. Doch selbst führende Psychopharmaka-Forscher räumen ein: Vieles bleibt ein Spiel mit Placebos, Hoffnung – und statistischen Mittelwerten. Und dann wären da die Nebenwirkungen. Ein Wort, das klingt, als seien es lästige Fußnoten der Heilung. In Wahrheit sind sie oft der Haupttext. Antidepressiva? Können Antrieb geben – bis hin zum Suizidimpuls. Neuroleptika? Dämpfen Wahnvorstellungen – und gleich das halbe Leben mit. Emotionen? Eher Fehlanzeige. Dafür gibt’s Gewichtszunahme, Diabetesrisiko, Libidoverlust, Bewegungsstörungen und die charmante Möglichkeit, das eigene Ich in einem Nebel aus Apathie zu verlieren. „Chemische Zwangsjacken“ nennen Kritiker wie der dänische Medizinforscher Peter Gøtzsche diese Substanzen. Er spricht von systematischer Verharmlosung, von einer Industrie, die mehr an Dauerkonsum interessiert ist als an Heilung. Schließlich kommt der beste Patient täglich wieder – in die Apotheke. Besonders perfide wird es bei Benzodiazepinen. Was als „kleine Hilfe“ gegen Angst oder Schlaflosigkeit beginnt, endet nicht selten in einer großen Abhängigkeit. Bereits nach wenigen Wochen mag der Körper die chemische Streicheleinheit nicht mehr missen. Das Absetzen? Ein Höllentrip mit Zittern, Schwitzen, Panikattacken – als käme der Wahnsinn zurück, diesmal ohne Einladung. Doch wird darüber offen gesprochen? Selten. Ein lapidares „Nehmen Sie’s nicht zu lange“ ersetzt die Aufklärung über den Entzug, der mitunter schwerer wiegt als das ursprüngliche Leiden. Was Psychiater selten erwähnen: Viele Diagnosen, von Depression bis Schizophrenie, sind keine präzisen medizinischen Befunde, sondern Interpretationen. Labels, die auf Symptome geklebt werden, oft ohne objektiven Nachweis. Die Theorie vom „gestörten Hirnstoffwechsel“ klingt modern, entlastet Ärzte – und füllt die Kassen der Pharmaindustrie. Psychiatriekritische Studien zeigen seit Jahren: Antidepressiva wirken in vielen Fällen kaum besser als Placebos. Doch Placebos lassen sich schlecht patentieren. Ein Hoch auf die Aufklärung – die so gut wie nie stattfindet   Worüber müsste ein Arzt also aufklären? Vielleicht darüber, dass Psychopharmaka nicht heilen, sondern dämpfen, stimulieren oder betäuben. Dass die ersehnte „Balance“ im Kopf oft einen hohen Preis hat – bezahlt in verlorenen Emotionen, Abhängigkeit oder neuen Krankheiten. Er müsste sagen, dass das Absetzen schwieriger sein kann als das Leben mit der Diagnose. Dass viele Patienten nicht aus der Krankheit, sondern aus der Therapie nicht mehr herausfinden. Doch wer will das schon hören, wenn die Hoffnung auf schnelle Erleichterung so verführerisch klappert im Blisterpack? Und so verlässt man die Praxis oft mit einem Rezept in der Hand und dem Gefühl, endlich etwas gegen die Dunkelheit in sich tun zu können. Was bleibt, ist die bittere Erkenntnis, die selten auf Beipackzetteln steht: Nicht jede chemische Lösung löst ein Problem. Manche schaffen erst eines. ( Harald Wiesendanger ) Dies ist die aktualisierte und erweiterte Fassung eines Artikels vom 19. September 2021.

  • „Überflüssig sind alle“

    Nahrungsergänzungsmittel für Kinder seien „alle überflüssig“, meint die Stiftung Warentest, nachdem sie 18 Präparate untersuchte. Sie kritisiert Überdosierungen und Geschäftemacherei mit der Angst. Zurecht? Dem pauschalen Verriss mangelt es gehörig an Sachkenntnis. Die Stiftung Warentest, als übermächtige “Gefahrenschürer GmbH” berüchtigt , hat sich erneut der bunten Welt der Kinder-Nahrungsergänzungsmittel gewidmet und dabei festgestellt : Von 18 getesteten Präparaten weisen 17 Mängel auf, 15 sind überdosiert. Empfehlenswert ist kein einziges . Besonders pikant: Vier Produkte überschreiten die empfohlene Höchstmenge an Vitamin A, was bei Kindern zu Kopfschmerzen, Haut- und Leberproblemen führen kann. Ein weiteres Präparat enthält Kupfer, das in Kinderprodukten nichts zu suchen hat und bei übermäßiger Aufnahme Übelkeit oder gar Leberschäden verursachen kann. Die Tester resümieren: Ein gesundes Kind, das halbwegs abwechslungsreich isst, braucht keine zusätzlichen Nährstoffe aus der Dose. Eltern sollten also lieber in frisches Obst und Gemüse investieren statt in überteuerte Pillen und Säfte. Liegen die Tester goldrichtig mit diesem Pauschalurteil? „Nahrungsergänzungsmittel sind bei einer perfekten Ernährung überflüssig“, räumt sogar ein Ratgeber aus dem alternativen Gesundheitslager ein. Der Haken an der Sache: Welches Kind hat schon eine perfekte  Ernährung? Brokkoli-Battles am Esstisch, Pommes statt Apfel, Cornflakes statt Frischkornbrei – der Alltag sieht anders aus. Und so hat sich eine ganze Industrie etabliert, die Eltern mit „gesunden Bonbons“ und Pulverchen beruhigt. Der globale Markt für Nährstoffpräparate boomt. Der Umsatz mit ihnen erreicht in Deutschland inzwischen zwei Milliarden Euro pro Jahr, bis 2033 könnte er auf über neun Milliarden anwachsen . Der globale Markt für Nahrungsergänzungsmittel hatte 2022 einen Wert von etwa 361 Milliarden US-Dollar; bis 2031 wird voraussichtlich auf atemberaubende 613 Milliarden Dollar anwachsen. Doch längst nicht nur Hersteller und Verkäufer von Supplementen, auch etliche Ernährungsexperten meinen: Manches Mittel kann auch schon für Minderjährige durchaus sinnvoll sein. Ein Kinderzimmer voller Pillendosen Mama legt ihrem Sohn morgens ein quietschbuntes Vitamingummibärchen auf den Teller. „Für die Abwehrkräfte“, sagt sie augenzwinkernd. Der Nachwuchs mümmelt die Süßigkeit zufrieden, als wäre sie Teil des täglichen Müsli. Gleichzeitig verkünden Experten im Morgenmagazin  mal wieder, Nahrungsergänzungsmittel für Kinder seien vollkommen unnötig – ja geradezu eine Mode-Marotte besorgter Helikopter-Eltern. Wer hat nun Recht? Die Eltern, die auf Nummer sicher gehen wollen? Oder die Fachleute, die entnervt warnen, da werde bloß teurer Urin erzeugt? Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte – verborgen zwischen Marketing, Ideologie und tatsächlich belegten Mangelzuständen. Während Ernährungswissenschaftler in der Apotheken Umschau  dozieren, warum Multivitamin für die Kleinsten eher Marketing als Medizin sei, braut sich im Internet ein völlig anderes Süppchen zusammen. Auf einschlägigen Webseiten – von Zentrum der Gesundheit  über GreenMedInfo  bis Mercola.com – wimmelt es von Erfolgsstorys und Studien, die angeblich beweisen: Ohne Extra-Vitamine geht heute nichts mehr. Der US-Mediziner Dr. Joseph Mercola, Doyen der Wellness-Onlinewelt, warnt unermüdlich,  im letzten Jahrzehnt sei die Zahl der Kinder mit Vitamin-D-Mangel um über 200 % gestiegen. Viele Ärzte und Eltern wüssten gar nicht, wie wichtig Vitamin D für Kinder sei – dabei empfehle selbst die britische Gesundheitsbehörde allen unter Fünfjährigen täglich Vitamin D als Supplement. Dass kaum jemand davon gehört hat, empfindet Mercola als Skandal. Er geißelt die „besorgniserregende Unwissenheit“ und nennt Beispiele: Vier von fünf Eltern wussten in einer Umfrage nicht, dass Wintersonne in England kein Vitamin D liefert. Und tatsächlich: Die britischen Behörden geben eine entsprechende Empfehlung – nur vernommen hat sie kaum jemand. Ergebnis laut Mercola: Rachitis ist wieder auf dem Vormarsch, und Kinderärzte behandeln Vitaminmangelkrankheiten, die man eigentlich im letzten Jahrhundert verortet hätte. Auch GreenMedInfo , ein populäres Portal für natürliche Medizin, listet eifrig Studien, die Vitamine als Wundermittel erscheinen lassen. Beispielsweise sollen Kinder, die schon vor ihrem vierten Geburtstag Multivitamine nahmen, seltener Nahrungsmittelallergien und Heuschnupfen entwickeln. Andere Forschungen deuten laut GreenMedInfo an, dass Lebertran plus Multivitamin die Zahl der Arztbesuche wegen Atemwegsinfekten reduziert – sprich, Schnupfenkinder bleiben eher gesund. Sogar die notorische Mittelohrentzündung, Geißel vieler Kindergartenkinder, trat in einer Studie seltener auf, wenn die Kleinen Vitaminpräparate und Omega-3-Öl bekamen. Das klingt fast zu gut, um wahr zu sein. Kein Wunder, dass viele Eltern ins Grübeln kommen: Kann es wirklich schaden, ein bisschen nachzuhelfen, wenn es doch potentiell nützt? Kampf der Ideologien: Big Pharma, “Health Freedom” und die Wahrheit dazwischen Die Debatte um Nährstoffsupplemente für Kinder ist längst kein rein wissenschaftlicher Diskurs mehr – sie gleicht einem erbitterten Stellvertreterkrieg. Auf der einen Seite stehen die Vertreter der klassischen Lehre: „Esst Euer Gemüse, dann braucht Ihr keine Pillen!“ – flankiert von Warnungen vor Hypervitaminose. HuffPost   zitiert dazu einen Bericht der Environmental Working Group , einer gemeinnützigen Organisation für Gesundheits- und Umweltschutz: Viele Kinder seien überversorgt mit bestimmten Mikronährstoffen, weil Nahrungsmittelhersteller Frühstücksflocken & Co. bis an die Obergrenze anreichern und   Eltern obendrein Supplemente verabreichen. Zu viel Vitamin A kann jedoch der Leber schaden und Haarausfall verursachen, zu viel Zink das Immunsystem schwächen. Die Botschaft: Weniger ist mehr . Im Zweifel lieber keine Extrapillen, um Überdosierung zu vermeiden. Diese mahnende Haltung dominierte jahrzehntelang – Nahrungsergänzungen galten als unnötig, im schlimmsten Fall sogar gefährlich. Auf der anderen Seite hat sich eine bunte Koalition formiert, die sich „Gesundheitsfreiheit“ auf ihre Fahnen geschrieben hat. Ihr einigendes Band ist Misstrauen gegenüber Arzneimittelkonzernen. In einschlägigen Facebook-Gruppen mit Namen wie AntiPharma wird Big Pharma zum Feindbild stilisiert: Die da wollen uns ihre überteuerten Medikamente aufzwingen, dafür reden sie alles Natürliche schlecht. Vitamine gelten in diesen Kreisen als sicher, „natürlich“ und von der bösen Pharmaindustrie unterdrückt. Die Dr. Rath Foundation beispielsweise, gegründet vom deutschen Vitamin-Apostel Matthias Rath, spricht offen von einem „Krieg“ der Pharma-Lobby gegen Vitamine. Auf internationaler Ebene, etwa im Codex-Alimentarius -Gremium der Vereinten Nationen und der WHO, versuche man, Vitamine als Gefahr darzustellen und ihre Dosierung streng zu reglementieren.   Dr. Rath fordert stattdessen „Vitamin-Freiheit“. 2003 feierte er einen Teilerfolg, als ein geplantes Verbot von Gesundheitswerbung für Vitamine aufgeschoben wurde. Seine Botschaft: Hier sollen ganz bewusst natürliche Präventionsmittel kleingehalten werden, um das Geschäft mit Krankheiten nicht zu gefährden. Das klingt nach Verschwörung – findet aber durchaus Resonanz bei vielen, die sich von chulmedizinern bevormundet fühlen. Ähnliche Töne schlagen Robert F. Kennedy Jr. und seine Children’s Health Defense an. Deren Tenor : Statt immer nur auf Impfungen und Pharmaprodukte zu setzen, sollte man die natürlichen Abwehrkräfte von Kindern stärken . CHD verweist z.B. darauf, dass kaum ein Kind täglich alle nötigen Nährstoffe in idealer Menge zu sich nimmt. Theoretisch sei das zwar möglich, praktisch jedoch bräuchte es eine strikt durchgeplante Diät, die im Familienalltag utopisch ist. Je nach Kind könnte eine Supplementierung also durchaus sinnvoll sein, resümiert CHD – etwa Vitamin D für Kinder, die kaum Sonnenlicht abbekommen, oder Vitamin C und A für notorische Obst-und-Gemüse-Verweigerer. Selbst die Amerikanische Akademie für Pädiatrie – normalerweise kein Freund von Supplementen – empfiehlt für gestillte Babys Vitamin D-Tropfen sowie bei bestimmten genetischen Aufnahmestörungen individuelle Mikronährstoffgaben. Es sind Einzelfälle, gewiss. Solche Zugeständnisse belegen jedoch: Selbst die Schulmedizin  muss zugeben, dass ohne jegliche Ergänzungen Mängel drohen – warum also der Generalverdacht gegen alle Vitaminpräparate? Faktencheck: Liegt bei Kindern überhaupt Mangel vor? Schwenken wir vom Meinungskampf zur harten Realität: Wie häufig kommen Nährstoffmängel bei Kindern tatsächlich vor? Vitamin D ist ein Dauerbrenner in dieser Diskussion. Der menschliche Körper stellt Vitamin D mit Hilfe von UV-Strahlung selbst her. Was aber, wenn Kinder kaum noch draußen spielen? In Pandemiezeiten wurden die Kleinen teils monatelang in Innenräume verbannt. Ärzte für Aufklärung , eine kritisch-alternative Medizinergruppe, wiesen warnend darauf hin, dass vielen Kindern durch Lockdowns buchstäblich die Sonne ausgetrieben wurde: Es mangele ihnen an Vitamin D, was die allgemeine Krankheitsanfälligkeit erhöhe und sogar das Risiko schwerer Covid-Verläufe steigerte. Tatsächlich beobachteten Intensivmediziner während der Coronajahre, dass jüngere Patienten öfter Vitamin-D-Defizite mitbrachten. Ursache und Wirkung sind hier zwar nicht eindeutig – aber der Einwand hat Substanz: Unsere Breitengrade begünstigen ohnehin Winterdefizite an Vitamin D, und wer dann noch ständig drinnen hockt, dem fehlen am Ende womöglich Kalzium in den Knochen und Abwehrkraft in den Adern. Eine US-Studie fand bei schwerkranken Kindern auf Intensivstationen einen massiven Vitamin-D-Mangel bei 40 % der Fälle. Der Zusammenhang von niedrigen Spiegeln und bedrohlicher Erkrankung war so auffällig, dass die Autoren von einem „alarmierenden Risikofaktor“ sprachen. Hier zeigt sich klar: In bestimmten Situationen ist ein Vitaminmangel keine theoretische Gespensterdiskussion, sondern Realität. Viele Kinderärzte empfehlen daher mittlerweile zumindest im ersten Lebensjahr Vitamin D – in Deutschland bekommen Babys standardmäßig Vigantoletten. Und es gibt Überlegungen, angesichts veränderter Lebensgewohnheiten auch größeren Kindern im Winter Vitamin-D-Präparate zu geben, falls Bluttests einen Mangel anzeigen. Aus „völlig überflüssig“ wird in solchen Fällen sehr schnell „medizinisch sinnvoll“. Ein anderes Beispiel ist Vitamin A. In unseren Breiten erleiden Kinder selten einen schweren Vitamin-A-Mangel – in Entwicklungsländern hingegen ist er einer der Hauptgründe, warum Masern dort so oft tödlich enden. Haupt-Risikofaktor für schwere Masernfolgen ist Unterernährung, insbesondere Vitamin-A-Mangel, betont sogar eine Quelle , die ansonsten impfkritisch eingestellt ist. Die WHO empfiehlt bei Masern daher eine hochdosierte Vitamin-A-Gabe, die die Sterblichkeit um bis zu 80 % senken kann .  Das ist eine dramatische Zahl: Vier von fünf Kindern könnten gerettet werden – durch ein einfaches Vitamin! Nun treten Masern-Komplikationen hierzulande weit seltener auf. Doch diese Zahl führt vor Augen, was in Ausnahmesituationen möglich ist. Kein Wunder, dass alternative Medien darauf verweisen: Anstatt allein auf die Masern-Impfung zu pochen, sollte man auch die Ernährungssituation im Blick haben. Der molekulare Immunschutz zum Löffeln sozusagen. Finger weg von künstlichen Supplementen Viele Nahrungsergänzungsmittel bestehen aus synthetisch hergestellten Vitaminen und isolierten Mineralstoffen. Doch unser Körper unterscheidet sehr genau zwischen natürlichen und künstlichen Substanzen. Obwohl synthetische Stoffe chemisch ähnlich erscheinen, weichen sie oft in kleinen Details ab, etwa in ihrer räumlichen Struktur. Dieses Phänomen gleicht einem Gipsabdruck: Obwohl rechte und linke Hand strukturell gleich wirken, passt doch nur diejenige hinein, für die der Abdruck geschaffen wurde – analog erkennt unser Körper natürliche Vitamine als "passend", während synthetische Formen oft abgelehnt oder schlecht verarbeitet werden. Wissenschaftliche Studien, die Gesundheitsrisiken durch Vitaminpräparate zu belegen scheinen, verwenden häufig synthetische Vitamine. Beispielsweise hat künstliches Vitamin E nicht dieselbe Wirkung wie natürliches Vitamin E, da unser Körper kleinste strukturelle Unterschiede bemerkt. Zudem fehlen synthetischen Präparaten oft wichtige Begleitstoffe wie Vitamin C oder Spurenelemente, was ihre Effektivität zusätzlich mindert. Herkömmliche Vitaminpräparate enthalten zudem oft fragwürdige Zusätze: giftige Farbstoffe wie Azofarben (Gelborange S), potenziell gesundheitsschädliche Süßstoffe (Aspartam, Cyclamat) und sogar Aluminiumverbindungen, die mit Alzheimer in Verbindung gebracht werden. Weitere problematische Stoffe sind synthetische Antioxidantien (Butylhydroxytoluol), Parabene und künstliche Geschmacksverstärker wie Mononatriumglutamat, welche Allergien auslösen oder Krebsrisiken erhöhen könnten. Empfohlen wird daher, beim Kauf stets natürliche Präparate zu wählen – erst recht für Kinder. Vitamin-Komplexe aus Pflanzenpulvern oder Fruchtextrakten enthalten Vitamine und Mineralien in optimaler natürlicher Zusammensetzung und verzichten auf gefährliche Chemikalien. Insbesondere natürlich vorkommende Mineralstoffkombinationen, beispielsweise in Korallenpulver, gewährleisten eine optimale Bioverfügbarkeit ohne Nebenwirkungen. Wer gesundheitliche Risiken vermeiden möchte, sollte Verpackungen genau prüfen und Präparate auf Basis natürlicher Zutaten bevorzugen. Die Dosis macht das Gift Allerdings lauern auch bei „natürlichen“ Präparaten Fallstricke. Als jüngst im Süden der USA eine Masernwelle ausbrach (siehe KLARTEXT „ Masern-Horror – wieder einmal “), propagierte Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr., Amerikas prominentester Impfskeptiker, medienwirksam den Einsatz von Vitamin A – mit dem Verweis auf die zitierte WHO-Richtlinie. Eltern ungeimpfter Kinder griffen beherzt zum Lebertran, reich an Vitamin A und D. Das Ergebnis war, gelinde gesagt, suboptimal. Ein texanisches Kinderkrankenhaus meldete mehrere kleine Masernpatienten mit Vitamin-A-Vergiftung. Aus lauter heimischem Aktionismus hatten die Kinder solche Übermengen erhalten, dass ihre Leberwerte entgleisten. Hier zeigt sich die Kehrseite: Die Dosis macht das Gift. Was unter ärztlicher Aufsicht als kurzer Therapieschub   Leben retten kann, kann ein neues Problem schaffen, wenn man in Eigenregie übertreibt. Die Wahrheit liegt also wie so oft zwischen den Extremen. Ja,  Vitamin A rettet Masernkinder – aber nur  die, die tatsächlich einen Mangel hatten, und nur  in der richtigen Dosierung. Kurze Beine, lange Zähne: Wachstum, Ernährung und moderne Lebensstile Dabei stellt sich die Frage: Haben unsere heutigen Lebensumstände dazu geführt, dass Kindern generell etwas fehlt? Man denke an Omega-3-Fettsäuren, die für Gehirn und Augen wichtig sind. Fisch landet bei vielen Familien höchstens als frittierte Stäbchen von Käpt´n Iglo auf dem Teller. Zentrum der Gesundheit berichtet von einer mexikanischen Studie, die zeigte: Kinder mit täglicher Omega-3-Supplementation schnitten in Konzentration und Merkfähigkeit deutlich besser ab als Kinder ohne. Omega-3 „macht Kinder klug“, so der plakative Titel . Auch bei ADHS werden diese Fettsäuren immer wieder ins Spiel gebracht – quasi Hirnöl für hyperaktive Zappelphilippe. Solche Befunde sind zwar nicht unumstritten, aber sie nähren den Verdacht, dass die Durchschnittskost - viel Zucker, viel Weißmehl, wenig Grünzeug, Nüsse und Fisch - möglicherweise kognitive Entwicklungschancen verschenkt. Kritische Geister kontern: Man könnte das Kind ja auch einfach häufiger an Lachs und Walnüsse heranführen statt an Pillen. Doch welcher Teenager greift freiwillig zu Walnuss-Spinat-Salat, solange die Alternative „Chicken Nuggets“ heißt? Tatsache ist: Manche essentiellen Nährstoffe stehen bei Kindern alles andere als hoch im Kurs.  Vitaminreiche Gemüse werden verschmäht, dafür begeistern sich die Kleinen für Nudeln mit Ketchup – kalorisch üppig, mikronährstofflich mager. Hier verkaufen Supplement-Hersteller ihre Produkte als Versicherungspolice: Damit trotz Mäkel-Phase keine Lücke entsteht. Streng genommen müsste man dem Kind zwar eher Möhren als Multivitamine schmackhaft machen. Aber mal ehrlich – in der Theorie sind Eltern immer geduldig, in der Praxis landen dann doch wieder Vitaminbärchen im Einkaufswagen, einfach weil es nervenschonender ist. Ein weiterer Aspekt ist die individuelle Veranlagung. Manche Kinder haben einen erhöhten Bedarf oder eine erschwerte Aufnahme. Genetische Polymorphismen können bewirken, dass z.B. Folat aus der Nahrung schlechter verwertet wird – das betont auch Children’s Health Defense und plädiert dafür, jeden Kinderorganismus individuell zu betrachten. Außerdem gibt es Kids, die bestimmten Diäten folgen, z.B. einer veganen Ernährung von klein auf. Solche Kinder brauchen unbedingt Vitamin B12 als Supplement, da es in pflanzlicher Kost fehlt – das wird auch von Ernährungswissenschaftlern anerkannt. Hier ist es nicht nur „sinnvoll“, sondern absolut notwendig, um Entwicklungsstörungen vorzubeugen. Ähnliches gilt für Kinder, die sich aufgrund von Allergien oder Krankheiten sehr einseitig ernähren. Ein Zöliakie-Kind, das kein Gluten verträgt, hat oft mit Nährstoffmängeln zu kämpfen, bis die Diagnose gestellt wird. In solchen Fällen bauen Nahrungsergänzungsmittel Brücken. Man sieht: Pauschal zu behaupten, „Vitaminpillen für Kinder sind alle überflüssig“, greift zu kurz. Genauso verkürzt wäre es allerdings, nun jedes Kind pauschal mit Präparaten vollzustopfen. Ein Blick auf die Blutwerte hilft, die Kirche im Dorf zu lassen. Viele Kinder kommen tatsächlich wunderbar ohne Zusatzpräparate aus. Aber eben nicht alle  Kinder zu jeder  Zeit. Das Leben ist kein Labor mit ideal austariertem Speiseplan, sondern manchmal eine Abfolge von Convenience-Mahlzeiten, Schnupfenzeiten und Wachstumsschüben. Ironie des Schicksals: Wer verdient an der Pillenschachtel? Gegen Scheinheiligkeit ist etwas Ironie erlaubt: Ausgerechnet einige lautstarke Kritiker der „Pharma-Gewinnsucht“ machen selbst ein glänzendes Geschäft mit Vitaminen. Dr. Mercola verkauft in seinem Online-Shop munter Kinder-Multivitamine - natürlich ohne „toxische Füllstoffe“ und mit dem besonderen Etwas, dafür zum besonderen Preis). Dr. Rath  bietet „VitaKids“ als Kaudragees an, sorgfältig abgestimmt auf das kindliche Immunsystem - versteht sich. Das vielbeachtete " Zentrum der Gesundheit"   finanziert sich unter anderem durch Werbung für ausgewählte Produkte auf seiner Website. Mit Angst vor Mangel lässt sich halt ebenso Umsatz generieren wie mit Angst vor Krankheit. Der Markt mit den Pillen für unsere Kleinen ist umkämpft: Während die Redaktion der Apotheken-Umschau versichert, kein normal ernährtes Kind brauche sowas, verdienen auch Apotheken gerne mit am Boom. Und im Supermarkt prangt an jeder Ecke ein „Immun-Booster Kids“-Saft mit Extraportion Zink und Vitamin C. Weil Eltern nun mal das Beste für ihre Kleinen wollen, greifen viele lieber einmal zu oft ins Regal als einmal zu wenig. Das Ergebnis? Bunt schillernder Urin – und das vage Gefühl, auf der sicheren Seite zu sein. Aber Sicherheit ist relativ. So mancher Glaubenskrieg   um Vitamine verdeckt, worum es eigentlich gehen sollte: um die Gesundheit der Kinder, nicht um Ideologie. Anstatt pauschal Pillen zu empfehlen oder zu verdammen, könnte man z.B. dafür sorgen, dass Schulkinder in der Mensa wirklich nährstoffreiches Essen bekommen. Wie paradox, dass gleichzeitig diskutiert wird, Schulkantinen fleischfrei  zu machen – in Freiburg soll grünes Einheitsmenü ohne Fleisch und Fisch auf den Tisch - oder gar Insekten als Eiweißlieferanten in Kinder-Comics schönzureden , während Vitamintabletten als Teufelszeug gelten. Auf Klima- und Zeitgeist-Themen fixiert, vergessen manche anscheinend, dass am Ende die Nährstoffversorgung  stimmen muss. Ob diese nun über natürliche Lebensmittel oder – wo nötig – über Ergänzungen erfolgt, sollten Eltern pragmatisch entscheiden, nicht dogmatisch. Fazit: Weder Teufelszeug noch Wundermittel Der Leser ahnt es längst: Die Wahrheit ist komplex. Nahrungsergänzungsmittel für Kinder sind nicht grundsätzlich schädlich  – aber eben auch nicht grundsätzlich nötig .  Wer behauptet, alle  seien überflüssig, ignoriert die echten Mangelkonstellationen, die durchaus vorkommen . Wer umgekehrt so tut, als bräuchte jedes Kind zwingend täglich ein Präparat, übersieht, dass Mutter Natur den meisten kleinen Menschlein über eine halbwegs vernünftige Kost alles Nötige bereitstellt. Die Kunst liegt im differenzierten Blick: Hat ein Kind nachweislich einen Mangel - oder ein nachweisliches Risiko, einen zu bekommen -, können Supplemente ein Segen sein – man würde fahrlässig handeln, auf sie zu verzichten. Ansonsten gilt: Essen vor Pillen. Ein Apfel liefert nun mal mehr als nur Vitamin C, obendrein Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe – einen ganzen Cocktail an Gesundem. Vitamintabletten sind kein Ersatz für ausgewogene Ernährung, höchstens eine Versicherung, wenn die Ernährungsbalance wackelt. Allmählich zeichnet sich ein vorsichtiges Umdenken ab. Selbst Behörden, die früher kategorisch abwinkten, gestehen mittlerweile Ausnahmen zu. So betont das Bundesinstitut für Risikobewertung  zwar weiterhin, für gesunde Kinder seien Supplemente in der Regel unnötig – fügt aber hinzu: mit wenigen Ausnahmen . Diese Ausnahmen betreffen genau die oben angesprochenen Fälle: Vitamin D im ersten Lebensjahr, Vitamin B12 bei veganer Ernährung, gegebenenfalls Eisen bei ärztlich festgestellter Blutarmut, Jod und Folat bei Teenager-Mädchen mit Mangelerscheinungen etc. Kein Aktionismus auf Verdacht – aber gezielte Ergänzung, wenn nötig. Augenzwinkernd umformuliert: Vitaminpillen für Kinder sind so überflüssig wie Regenschirme – an einem sonnigen Tag. Bei strahlender Gesundheit und Top-Ernährung kann man sich das Geld getrost sparen. Doch wehe, es ziehen Mangelwolken auf – dann ist man froh, einen Schirm zur Hand zu haben. Die Kunst besteht darin, zu erkennen, wann es tröpfelt. Und bis dahin gilt: Lasst die Kinder ruhig draußen spielen - macht Vitamin D; kocht ab und zu frisch - liefert fast alles; und bleibt gelassen. Der multivitamingefütterte Überflieger ist genauso ein Mythos wie das rachitische Kind, das ohne Pillen zwangsläufig scheitert. „Es kommt drauf an“, wie immer. Eine Prise Ironie, zwei Tropfen Vernunft und ja, gelegentlich ein Vitamindrops können nicht schaden. Hauptsache, wir behalten den Durchblick im Pillen-Dickicht – zum Wohl unserer Kinder. Klar sollte sein: Statt seinen Kids in bester Absicht voreilig ein Supplement einzuflößen, das sie womöglich gar nicht brauchen, sollten Eltern zuallererst den Rat eines Facharztes für Ernährungsmedizin, eines erfahrenen Heilpraktikers oder eines Ernährungsberaters suchen, der einen Abschluss als Diplom-Ökotrophologe vorweisen kann. Sicher ist sicher. ( Harald Wiesendanger ) Quellen https://www.zentrum-der-gesundheit.de/news/gesundheit/allgemein-gesundheit/vitamin-d-mangel-kinder#:~:text=Kinder%20mit%20Vitamin,Knochenbau%20und%20Immunabwehr%20unerl%C3%A4sslich%20ist https://articles.mercola.com/sites/articles/archive/2014/11/10/vitamin-d-deficiency-children.aspx#:~:text = , https://articles.mercola.com/sites/articles/archive/2014/11/10/vitamin-d-deficiency-children.aspx#:~:text=%3E%20Further%2C%20one,low%20recommended https://www.theepochtimes.com/health/low-vitamin-d-levels-linked-to-slower-healing-in-childrens-fractures-5732707#:~:text=The%20findings%20suggest%20that%20children,that%20the%20fractures%20were%20healing https://www.theepochtimes.com/health/low-vitamin-d-levels-linked-to-slower-healing-in-childrens-fractures-5732707#:~:text=This%20research%20may%20shift%20the,function%20during%20the%20healing%20process

  • Woran starb Kaylee wirklich?

    Ein sechsjähriges Mädchen starb in Texas, nachdem es an Masern erkrankte – seither missbrauchen „Qualitätsmedien“ den tragischen Fall, um Infektionspanik zu schüren und zu Impfungen zu drängen. Ohne Recherche kehren sie dabei unter den Teppich: die wahre Todesursache. Am 26. Februar verstarb im Covenant Children’s Hospital in Lubbock, Texas, ein sechsjähriges Mädchen namens Kaylee – angeblich an Masern, gegen die es nicht geimpft gewesen war. Darin gipfle „der größte Ausbruch seit 30 Jahren“, schwant dem Nachrichtensender n-tv . Vox , die Washington Post , die New York Times  prophezeien einen “herannahenden öffentlichen Gesundheitsnotstand”. (Näheres im KLARTEXT “ Masern-Horror – mal wieder ”.)   Auf welcher Datenbasis soll es Amerika denn gruseln? Bis Ende der dritten Märzwoche steckten sich in den gesamten USA 377 Menschen mit Masern an, davon 325 in der ländlichen Region von Westtexas. Dass 376 Fälle anscheinend glimpflich ausgingen, fand keine Redaktion der Rede wert. Nein, nicht weniger als tödlich sollte es zugehen. Als vermeintliches Beweismittel hierfür musste ein einziges herhalten: Kaylees Sarg. Aber woran starb das Mädchen wirklich? In einem Interview mit CHD.TV , dem Internetfernsehen von Children´s Health Defense , stellen Kaylees Eltern klar: Als ihre Tochter ins Krankenhaus kam, war der Masernausschlag bereits abgeklungen. Einlieferungsgrund war vielmehr schwere Atemnot. Woher kam diese? Nach Analyse von Kaylees Krankenakte steht für den namhaften Intensivmediziner Dr. Pierre Kory fest: Das Mädchen ist an einer sekundären bakteriellen Lungenentzündung verstorben, die «wenig mit Masern zu tun hatte». Denn “solche Lungenentzündungen können nach jeder Virusinfektion auftreten. [Das Mädchen ist] verstorben, weil ein medizinischer Fehler begangen wurde – und dieser Fehler bestand darin, dass ein Antibiotikum verwendet wurde [, das für die Behandlung der Art von Lungenentzündung, die die Kleine hatte,] völlig ungeeignet war.» Fehlbehandelte Lungenentzündung Um auf jede Art von bakterieller Lungenentzündung abzuzielen, setzen Ärzte in der Regel zwei Antibiotika ein. «Das steht in allen Richtlinien“, so Kory. „Das eine Antibiotikum gehört zur Kategorie der Beta-Laktame, also Penicillin und Cephalosporine. Und [das Krankenhaus] hat diesen Teil richtig gemacht. Sie gaben dem Mädchen etwas namens Ceftriaxon, das hervorragend war. Aber man muss es immer mit einem Antibiotikum aus einer anderen Kategorie kombinieren, nämlich mit einem Makrolid oder einem Chinolon.» Eben dies sei versäumt worden. «Sie haben ihr nicht das gängigste Antibiotikum gegeben, nämlich Azithromycin», so Kory. Stattdessen habe man ihr Vancomycin verabreicht, ein Antibiotikum, das bei sehr arzneimittelresistenten Organismen wie MRSA zum Einsatz kommt. Und diese Entscheidung sei völlig unangemessen. Damit nicht genug: Das richtige Antibiotikum erhielt die Kleine erst etwa zweieinhalb Tage später. Und dabei kam es offenbar zu einer weiteren fatalen Verzögerung: Ab dem Zeitpunkt, an dem das richtige Medikament endlich angeordnet wurde, bis zum Zeitpunkt, an dem es schließlich verabreicht worden sei, vergingen mehr als neun Stunden. Inzwischen hatte sich Kaylees Zustand derart verschlimmert, dass die Ärzte entschieden, sie an ein Beatmungsgerät anzuschließen. Den Eltern teilten sie mit, sie könnten nicht bei ihrem Kind bleiben, sondern es erst anderntags wieder besuchen. «Sie sagten uns nur, dass sie ein Hotel in der Nähe mieten würden, und dort sollten wir die Nacht verbringen. Denn das Zimmer [im Krankenhaus] war sehr klein und es gab darin nichts, worauf wir hätten schlafen können. Es gab gerade mal zwei Stühle in einer Ecke.» Sie sollten Kaylee lebend nie wiedersehen. «Wenig später starb sie – und zwar auf ziemlich katastrophale Weise“, konstatiert Kory. „Plötzlich brach ihr Blutdruck zusammen und sie erlitt einen Herzstillstand.» Verkettung ärztlicher Kunstfehler Könnte die künstliche Beatmung letztlich zur Tragödie beigetragen haben? Allein in den USA fielen ihr während der Corona-Pandemie Zehntausende von Patienten zum Opfer, wie eine 2023 veröffentlichte Studie belegt .   Kurzum, vieles spricht dafür, dass der Kleinen eine Verkettung ärztlicher Kunstfehler zum Verhängnis wurde – die dritthäufigste Todesursache in den USA. Von diesen Hintergründen erfuhr die Öffentlichkeit nichts. Anstatt die fahrlässigen Klinikärzte zur Rechenschaft zu ziehen, stellen Massenmedien die fassungslosen Eltern an den Pranger: Weil sie Kaylee unverantwortlicherweise ungeimpft ließen, seien sie schuld an ihrem Tod – Schande über sie. Aufs Impfen verzichtet hatten Kaylees Eltern aus religiösen Gründen: Sie gehören der Glaubensgemeinschaft der Mennoniten an, einer evangelischen Freikirche, in der Impfskepsis vorherrscht. Impfungen gelten als Eingriff in Gottes Plan; Krankheiten seien von Gott gesandt, man dürfe seinem Willen nicht zuwiderhandeln. Und so führt die Masernpanik in den Vereinigten Staaten zu reichlich Hass und Hetze gegen Mennoniten. „Dabei sind es ja nicht nur wir, die Masern haben“, stellt eine frustrierte Sprecherin klar. Behörden verschweigen wirksame Behandlungen Ebenso unerwähnt lassen Leitmedien, was denn aus Kaylees vier Geschwistern wurde, zwei bis sieben Jahre alt. Auch sie hatten sich mit Masern angesteckt, auch sie waren dagegen nicht geimpft gewesen. Um sie kümmerte sich ab dem 2. März, eine Woche nach Kaylees Tod, der Hausarzt Dr. Ben Edwards, der eine Privatpraxis mit rund 2000 Patienten betreibt. Jedem Kind stellte er ein Rezept für Budesonid aus, ein steroidhaltiges Inhalationsmittel, das normalerweise bei Asthma eingesetzt wird, aber bei einer Maserninfektion „sehr hilfreich für entzündete Atemwege“ sein kann, so erklärt er. Außerdem gab er den Kindern Lebertran, „weil das die beste Form von Vitamin A ist. (…) Vitamin-A-Mangel verschlimmert die Masern sehr. Die Maserninfektion selbst führt zu einem Mangel an Retinol, also Vitamin A.“ Auch Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren liefert Lebertran reichlich. Kurz darauf hatten sich “alle Kinder gut und schnell erholt”, bestätigten die Eltern erleichtert. Kaylee hatte keine dieser Behandlungen erhalten. Dass sie wirken, sei “unbewiesen”, so verbreiten die New York Times  und andere Zeitungen. Lob kam indes von höchster Stelle. Robert F. Kennedy Jr., der neue US-Gesundheitsminister und (meistens) Impfskeptiker, begrüßte soeben nachdrücklich den Einsatz von “unkonventionellen Behandlungsmethoden” gegen den jüngsten Masernausbruch in Westtexas: Dortige Ärzte hätten mit solchen Mitteln “sehr, sehr gute” Ergebnisse erzielt. Ausgerechnet die Eltern des toten Mädchens teilen bis heute diese Einschätzung. “Lasst euch nicht spritzen!”, appelliert Kaylees Mutter in einem Interview . “Es gibt Ärzte, die bei Masern anders helfen können. Sie sind längst nicht so schlecht, wie die Medien sie machen.” Irre Empfehlung vom Gesundheitsamt Wie Dr. Edwards berichtet, habe er sich an die oberste texanische Gesundheitsbehörde gewandt, das Department of Social and Health Services  (DSHS). Er versuchte das DSHS dazu zu bewegen, auf Budesonid als mögliche Behandlung von akuter Atemnot nach einer Maserninfektion hinzuweisen. Die Antwort: Die einzige Empfehlung des Staates bezüglich Masern sei die MMR-Impfung. Und wenn sich ein Ungeimpfter bereits angesteckt hat? Für solche Fälle sind texanische Gesundheitsbehörden angewiesen , den Betroffenen innerhalb von 72 Stunden nach dem Kontakt mit dem Masernvirus eine Dosis des Masern-Mumps-Röteln-Impfstoffs (MMR) verabreichen zu lassen, “um den Schweregrad der Erkrankung zu verringern”. So zu verfahren, sei brandgefährlich, warnt eine Hals-Nasen-Ohrenärztin nahe Houston, Dr. Mary Talley Bowden . Weist nicht schon die Packungsbeilage von Mercks MMRII, dem meistverabreichten Masernimpfstoff, darauf hin, dass eine Impfung für Schwangere, immungeschwächte oder fiebrige Personen kontraindiziert ist? „MMRII sollte keinesfalls an Personen verabreicht werden, die mit einer Infektion zu kämpfen haben - insbesondere nicht mit einer Maserninfektion“, so Bowden. „Der Impfstoff kann ähnliche Komplikationen heraufbeschwören wie die eigentliche Krankheit, einschließlich Hautausschlag, Fieber, Enzephalitis  und idiopathische thrombotische Purpura“ (ITP), eine schwere Autoimmunerkrankung, bei der Antikörper gegen die körpereigenen Thrombozyten gebildet werden – dies führt zu einer Gerinnungsstörung, die Blutergüsse, punktförmige Haut- und Schleimhautblutungen hervorrufen kann. MMR-Impfungen sind gefährlicher als die Infektion, vor der sie schützen sollen Wäre es nicht Aufgabe einer Gesundheitsbehörde, eine Impfempfehlung mit Warnhinweisen zu verbinden? Von MMR-Vakzinen gehen schwerwiegende Gesundheitsrisiken aus. Bei Jungen, die eine erste MMR-Impfung schon mit 12 bis 15 Monaten erhalten , liegt die Wahrscheinlichkeit, an Autismus zu erkranken, um 67 % höher  als bei Jungen, die erst nach ihrem dritten Geburtstag geimpft werden. Darüber hinaus verursacht der MMR-Impfstoff Fieberkrämpfe, Anaphylaxie , Meningitis , Enzephalitis, Thrombozytopenie ,  Arthralgie  und Vaskulitis . Innerhalb der letzten zehn Jahre wurden dem Vaccine Adverse Event Reporting System  ( VAERS ), dem 1990 eingerichteten US-Meldesystem für unerwünschte Impfnebenwirkungen, 41 Todesfälle  nach einer MMR- oder MMRV-Impfung gemeldet. Berücksichtigt man das leidige Phänomen des Underreporting  – nur 1 bis 5 % aller aufgetretenen Fälle werden tatsächlich erfasst -, dann ist womöglich von mehreren tausend MMR-Impftoten auszugehen – allein in den Vereinigten Staaten. Wie viele Masernopfer waren dort im selben Zeitraum zu beklagen? Zwei im Jahr 2015, einer 2019. Aber starben diese Drei, wie Kaylee, womöglich bloß mit , aber nicht wegen  Masern?  Und auch hierüber pflegen „Qualitätsmedien“ stillschweigend hinwegzugehen: Nach ausgeheilten Masern setzen häufig geistige und körperliche Entwicklungsschübe ein, vor den Augen verblüffter Eltern. Ärztliche Falldokumentationen und Studien bestätigen: Auch für andere Infektionserkrankungen sind Kinder anschließend weniger anfällig. Das Risiko von späteren Allergien, Multipler Sklerose, ja sogar Krebs sinkt, wie auch die Wahrscheinlichkeit, irgendwann an einer Atopie , Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa zu erkranken - von Autismus ganz zu schweigen. Darf journalistische Neugier die Frage ausklammern: Wie kam es überhaupt zu dem Ausbruch? MMR-Vakzine sind sogenannte Lebendimpfstoffe; sie enthalten abgeschwächte Mengen des Masernvirus. Einer Studie aus dem Jahr 2024 zufolge scheiden ein Drittel der Kinder, die damit “gepikst” werden, das Lebendvirus anschließend aus – womit sie zu Ausbrüchen beitragen könnten. So produziert die Impfmafia vermeintliche Notlagen, deren risikoreiche Bekämpfung ihren Profit sicherstellt. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkung (1)   https://publications.aap.org/pediatrics/article-abstract/123/3/771/71635/Allergic-Disease-and-Atopic-Sensitization-in?redirectedFrom=fulltext ; https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S030698779890055X?via%3Dihub ; https://publications.aap.org/pediatrics/article-abstract/123/3/771/71635/Allergic-Disease-and-Atopic-Sensitization-in?redirectedFrom=fulltext Foto: Standbild aus einem Interview von Children´s Health Defense mit Kaylees Eltern. Kreuz: Freepik.

  • Taiwan annektiert – aber anders

    Wird die Volksrepublik China ihre Drohungen wahrmachen und Taiwan annektieren? Ein geleaktes Geheimpapier aus der Zukunft bestätigt: Dazu wird es in Kürze kommen – allerdings ganz anders als gedacht. New York, 13. September 2031: Vor der 86. UN-Vollversammlung wird Xi Jinping, dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China, der neu geschaffene „Weltretter-Orden“ verliehen, begleitet von minutenlangen Standing Ovations  aller Anwesenden. Am selben Tag kommt ein chinesischer Dissident ums Leben: Er stürzt vom Balkon seiner Wohnung im 13. Stock eines Pekinger Wohnblocks, nahe dem Platz des Himmlischen Unfriedens. Kurz vor seinem Tod hat er einem Zeitreisenden ein hochbrisantes Dokument anvertraut, das heute ausgerechnet im Briefkasten der KLARTEXT-Redaktion aufgetaucht ist. Überschrift: „Wie der ‚Überragende Führer‘ den Planeten rettete“. Ich zitiere daraus im Wortlaut: Der Geheimplan 2. Februar 2025: Unter Vorsitz von Xi Jinping kommt das Politbüro der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) zu einer geheimen Dringlichkeitssitzung zusammen. Einziger Tagesordnungspunkt: die Kehrtwende in der amerikanischen Außenpolitik unter dem neuen Präsidenten. Wie Donald Trump soeben klarstellte, betrachtet er den Ukrainekrieg als Angelegenheit der Europäer – die USA sehen ihren geopolitischen Interessenschwerpunkt eher im indopazifischen Raum. Das bedeutet zuallererst: Taiwan wird für Washington noch wichtiger. Im Konfliktfall werden sich die Amerikaner nicht etwa zurückziehen, sondern dem Verbündeten entschlossen beistehen. Rückt Pekings Vision, die abtrünnige Insel heim ins Reich zu holen, damit nicht in weite Ferne? Einen Krieg mit den Vereinigten Staaten will Xi nicht riskieren. Was nun? Da meldet sich das Politbüromitglied Wáng Wěi - Spitzname 狡猾的狐狸, “Listiger Fuchs” - zu Wort. Er wisse einen Weg, und der erfordere vier Schritte. Xi lässt ihn reden. Alle am Tisch lauschen gebannt, zunehmend beeindruckt. Fünf Stunden später beschließt das Politbüro einstimmig, Wangs Vorschläge in die Tat umzusetzen. In den darauffolgenden Monaten und Jahren entfaltet sich der Geheimplan mit der Präzision eines Uhrwerks. Erster Schritt: Blendwerk Noch häufiger, noch länger lässt Peking nahe Taiwan Militärmanöver zu Wasser und zu Luft stattfinden. Sie verfestigen den Eindruck der Weltöffentlichkeit: Falls Rotchina angreift, dann mit Schiffen und Flugzeugen. Darauf bereitet es sich allem Anschein nach vor. Zweiter Schritt: Killerkeim und Gegenmittel Im Februar 2026 gelingt es im Wuhan Institute of Virology  (WIV), aus Genomabschnitten des Corona-, Ebola- und Marburgvirus einen neuartigen Erreger zu konstruieren, der tödlicher ist als jeder bisher bekannte. Er heißt “CEM”, nach den Anfangsbuchstaben der drei Viren. Durch Aerosole übertragen, tötet CEM 100 % aller Infizierten innerhalb von höchstens 48 Stunden. Nachdem keine einzige Laborratte die erste Stunde nach der Injektion überlebt, bestätigt sich die maximale Letalität des Virus auch im Großversuch an 10.000 internierten Falun-Gong-Anhängern. Wenige Wochen später meldet das WIV nach Peking, es habe einen hochwirksamen, nebenwirkungsfreien Impfstoff gegen CEM entwickeln können. Im Verborgenen läuft dessen Massenproduktion an. Dritter Schritt: Die Bio-Attacke Wie in der scientific community üblich, bieten die Virologen von Wuhan den Erreger forschenden Fachkollegen in aller Welt zur weiteren Untersuchung an. Zu den Bestellern zählt das Institut für Epidemiologie und Präventivmedizin , eine Einrichtung der Universität für Nationale Verteidigung in Taiwans Hauptstadt Taipeh, ausgestattet mit einem BSL-4-Labor der höchsten Biosicherheitsstufe. Rotchinas Geheimdienst, dem Ministerium für Staatssicherheit (MSS), gelingt es, einen dortigen Institutsmitarbeiter zur Zusammenarbeit zu nötigen. Er soll sich absichtlich mit dem Virus infizieren – und dann zwei Tage lang möglichst viele belebte Orte aufsuchen, ehe er stirbt: Busse, U-Bahnen, Züge, Markthallen, Restaurants, Kaufhäuser, Supermärkte. Falls er sich weigert und den Plan seinen Vorgesetzten verrät, werden er und seine ganze Familie umgebracht. Kooperiert er, so rettet er damit zwar nicht sein eigenes Leben, denn CEM wird ihn mit Sicherheit töten. Doch seine Frau und Kinder werden rechtzeitig den rettenden Impfstoff erhalten - sofern sie darüber Stillschweigen bewahren – und eine sichere, luxuriöse Zukunft auf dem Festland geschenkt bekommen. Der Erpresste fügt sich, bewegt sich in Menschenmengen, hustet unentwegt. Und kurz darauf berichten Nachrichtenagenturen von einem fernöstlichen Virenhorror ohnegleichen: Auf Taiwan hat ein grauenvolles Massensterben eingesetzt. Überall Unmengen lebloser Körper. Schiere Verzweiflung, dem Killerkeim schutzlos ausgeliefert zu sein. Rund um den Globus flimmern die Schreckensbilder in Dauerschleife auf Milliarden TV-Monitoren. Die WHO schlägt Alarm. Oberste Priorität: Das Killervirus darf Taiwan keinesfalls verlassen - sonst droht der Menschheit die Auslöschung. Wer sich dort befindet, muss bleiben. Niemand darf entkommen. Vierter Schritt: Annektion als Schutzmaßnahme Eine solche Quarantäne zum Wohle der Menschheit sicherzustellen, bietet Xi Jinping umgehend an: Jedes Flugzeug, das von Taiwan abhebt, wird abgeschossen. Jedes Schiff, das von Taiwan ablegt, wird versenkt. Der UN-Sicherheitsrat gibt Peking einstimmig ein Mandat dafür. Wenige Wochen später lebt von Taiwans 24 Millionen Einwohnern so gut wie niemand mehr – insbesondere keiner, der die verseuchte Insel noch gegen eine Invasion verteidigen könnte. Bloß ein paar abgelegene Dörfer im Hochgebirge bleiben vorerst verschont. Bald darauf landen Pekings Streitkräfte, selbstverständlich durchgeimpft, auf der inzwischen so gut wie menschenleeren Insel, schaffen Leichen in Krematorien, desinfizieren Gebäude – und hissen auf Taipehs einstigem Regierungssitz die rotchinesische Fahne. Niemand stellt sich ihnen entgegen, schon gar nicht Trumps GIs – wer will schon eine Infektion riskieren? Wenige Jahre später wird Taiwan schon wieder von 24 Millionen Chinesen bewohnt – nur diesmal vom Festland, linientreu. Keine Frage: Funktionär “Listiger Fuchs” hat sich eine der höchsten Auszeichnungen verdient, welche die KPCh zu vergeben hat: Guójiā Róngyù Chēnghào , die Medaille für nationale Heldentaten. Seinem Führer Xi Jinping gebührt der Ruhm, die Welt vor einer pandemischen Apokalypse bewahrt zu haben – verbunden mit der klammheimlichen Genugtuung eines gerissenen Imperialisten am Ziel seines beharrlichen Strebens, unter dem Applaus der dankbaren Weltgemeinschaft. Und im Westen müssen sich hochbezahlte Militärexperten fragen lassen, weshalb sie nicht rechtzeitig darauf gekommen sind, wie ein aggressives Regime mittels gain-of-function -Forschung Eroberungskriege gewinnen kann, ohne dass ein einziger Schuss, eine einzige Bombe fällt. Wetten, dass? ( Harald Wiesendanger )

  • Eher Oh je als Juhu

    Die Kasse zahlt: Ab 1. April dürfen Deutschlands Frauen schon unter 55 Jahren ihren Darm spiegeln lassen, wie zuvor schon Männer ab 50. Applaus für optimierte Krebsvorsorge? Befürworter täuschen uns über den begrenzten Nutzen, Risiken und Alternativen hinweg. Alljährlich erhalten fast 55.000 Deutsche die Schreckensdiagnose Darmkrebs, 23.000 sterben daran. Nur Lungen- und Brustkrebs sind häufiger. Männer trifft es etwas öfter als Frauen. Deshalb war die Darmkrebsvorsorge für die beiden Geschlechter bislang unterschiedlich geregelt. Nun wird sie angeglichen . Auch Frauen unter 55 Jahren, wie bisher schon Männer ab 50,  haben künftig Anspruch auf eine Darmspiegelung („Koloskopie“) – zwei Mal im Abstand von zehn Jahren -, wie der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Krankenhäusern und Kassen am 16. Januar 2025 beschloss. Zuvor bekamen Frauen zwischen 50 bis 54 Jahren bloß einen jährlichen Test auf okkultes Blut im Stuhl erstattet. Rund 560.000 Koloskopien finden in Deutschland Jahr für Jahr statt - davon wird es nun also noch mehr geben, zur Freude von Gastroenterologen und Medizintechnikherstellern. Aber wie viel nützt es den Koloskopierten? Eine OP mit Risiken und Alternativen Bei einer Darmspiegelung verwendet ein Arzt einen dünnen, flexiblen Schlauch, etwa 1,5 Meter lang und 1 cm dick. An dessen Ende sitzt ein Endoskop: eine Lichtquelle und eine winzige Videokamera, mit welcher er die Darmwand absucht. Entdeckt er dabei Polypen oder verdächtige Schleimhautstellen, aus denen sich im Laufe der Zeit Krebs entwickeln könnte, so entfernt er sie sofort mit einer kleinen Schlinge oder Zange. Das verdächtige Gewebe lässt er dann im Labor untersuchen. Eine Darmspiegelung dient also nicht nur der Diagnose, sondern kann einen chirurgischen Eingriff einschließen. Man nimmt´s am besten mit Galgenhumor ... Die Koloskopie ist jedoch nicht die einzige Möglichkeit, Darmkrebs frühzeitig zu erkennen. Längst bewährt haben sich Untersuchungen des Stuhls, insbesondere der   immunologische fäkale Okkultbluttest (iFOBT).   (Auch fäkaler immunochemischer Test (FIT)  genannt. „FOBT“ steht für fecal occult blood test .) Er erkennt Hämoglobin, rote Blutkörperchen, im Stuhl mit Hilfe von Antikörpern. (1) Für gesetzlich Versicherte in Deutschland bezahlen Krankenkassen den iFOBT im Rahmen der Darmkrebsfrüherkennung. Wie viele Patienten erfahren vorweg von diesen und weiteren (2) Alternativen, von deren jeweiligen Vorteilen und Risiken? Wie sollen sie dem Eingriff denn „informiert zustimmen“ können, wenn sie keinen blassen Schimmer haben, dass sie durchaus die Wahl hätten? Stattdessen empfehlen viele Ärzte ausschließlich die Koloskopie – allein aus medizinischen Gründen? Abrechnen lässt sie sich mit 200 bis 500 Euro, während der iFOBT dem Arzt schlappe sechs Euro einbringt, dem Labor acht. Dabei werden Patienten dazu verleitet, erhebliche Nachteile zu übersehen, zumindest aber zu unterschätzen. Weniger Krebsdiagnosen, aber nicht weniger Tote Eine 2022 im renommierten New England Journal of Medicine  veröffentlichte, großangelegte Studie der Northern-European Initiative on Colon Cancer  (NordICC) ergab: Die Vorteile von Koloskopien sind bei weitem geringer, als Schulmediziner, Gesundheitspolitiker und Medien uns weismachen. Daran teilgenommen hatten 84.585 Erwachsene im Alter zwischen 55 und 64 Jahren. Keiner von ihnen hatte zuvor eine Darmspiegelung erhalten. „Randomisiert“, nach einem Zufallsverfahren, wurden sie in zwei Gruppen eingeteilt: Die einen erhielten eine Einladung zu einer Koloskopie, die anderen nicht. Nach 10 Jahren hatten diejenigen, bei denen eine Darmspiegelung stattfand, ein um 18 % geringeres Darmkrebsrisiko als die nicht Untersuchten. Das Risiko, an Darmkrebs zu sterben, hatte sich unter den Koloskopierten aber nicht statistisch signifikant verringert. Daran änderte sich auch nach weiterer fünfjähriger Beobachtung nichts :   „Das Risiko, an Darmkrebs zu sterben, betrug 0,28 % in der Gruppe der zur Koloskopie Eingeladenen und 0,31 % in der Gruppe mit Standardversorgung (…) Die Anzahl der Personen, die zur Teilnahme an einem Screening eingeladen werden mussten, um einen Fall von Darmkrebs zu verhindern, betrug 455 (…) Das Risiko, aus irgendeinem Grund zu sterben, betrug 11,03 % in der eingeladenen Gruppe und 11,04 % in der Gruppe mit Standardversorgung.“ Allerdings hatten sich nur 42 % der Eingeladenen tatsächlich der Untersuchung unterzogen. Als die Forscher ihre Analyse auf diejenigen Personen beschränkten, bei denen eine Koloskopie auch tatsächlich stattfand, reduzierte das Verfahren das Risiko für Darmkrebs um 31 % und das Risiko, an Darmkrebs zu sterben, um 50 %. „Zu sehr angepriesen“ Immerhin, ein Drittel weniger Darmkrebsrisiko, bloß halb so viele Darmkrebstote: Sind diese Raten nicht erfreulich? Durchaus – aber sie entsprechen in etwa der Senkung durch andere, billigere und weniger invasive Untersuchungen, allen voran Stuhltests. Diesen Sachverhalt erstmals belegt zu haben, macht die Studie „bahnbrechend“, kommentiert der Gastroenterologe Dr. Samir Gupta: „Es ist die erste randomisierte Studie, welche die Ergebnisse der Koloskopie-Vorsorge im Vergleich zu keiner Koloskopie zeigt. Und ich denke, wir haben alle erwartet, dass die Koloskopie besser abschneidet. Vielleicht ist die Koloskopie nicht so gut, wie wir immer dachten.“ Ein Mitautor der Studie, Dr. Michael Bretthauer, bestätigt diesen Eindruck:  „Es ist nicht das Wundermittel, für das wir es gehalten haben. Ich glaube, wir haben die Koloskopie vielleicht zu sehr angepriesen. Die gastroenterologischen Gesellschaften (…) haben von einer 70-, 80- oder sogar 90-prozentigen Reduzierung des Darmkrebses gesprochen, wenn jeder zur Koloskopie gehen würde. Das zeigen diese Daten keineswegs.“ Bei 0,9 % der Koloskopierten wird ein Karzinom entdeckt , bei 19,4 % Adenome, Vorstufen von Darmkrebs – da können Stuhltests durchaus mithalten. »Vergleichen wir eine alle zehn Jahre durchgeführte Vorsorgekoloskopie mit einem jährlich durchgeführten immunologischen Stuhltest, zeigt sich, dass der iFOBT sehr nah an die Leistungsfähigkeit der Darmspiegelung heranreicht, was die Senkung der Mortalität an Darmkrebs betrifft«, bestätigt Professor Dr. Frank Kolligs, Stiftungs-Kurator und Chefarzt der Inneren Medizin und Gastroenterologie am Helios Klinikum Berlin-Buch. Hilft eine Darmspiegelung garantiert, bösartige Wucherungen frühzeitig zu erkennen? Die Zuverlässigkeit sei hoch, so versichern Fachkreise: Etwa 97 % der vorhandenen Adenome, mögliche Vorstufen eines Karzinoms, würden erkannt . Eine britisch-indische Studie deckte hingegen eine Fehldiagnoserate von immerhin 17 % auf. Demnach verführt eine Koloskopie in beinahe jedem fünften Fall dazu, mit falschen Alarm für grundlose Panik zu sorgen – oder in trügerischer Sicherheit zu wiegen. Da schneidet der iFOBT-Stuhltest eher noch besser ab: Er liefert bloß für 8,1 % der untersuchten Stuhlproben falsch-positive Ergebnisse. Wo bleibt die Abwägung von Nutzen und Risiko? Gegen den begrenzten Nutzen einer Darmspiegelung müssen Patienten die unterschätzten Risiken abwägen. Eine von 350 führt zu ernsthaften Schäden . Dazu zählen Blutungen , nachdem präkanzerösen Polypen entfernt worden sind. Das Risiko dafür liegt ungefähr bei 24 pro 10.000 Eingriffen. (3) Bis zu zehn Tage danach können sie auftreten . In seltenen Fällen werden eine Operation, eine Bluttransfusion oder die Gabe von Blutbestandteilen notwendig . Auch zu einer Perforation kann es kommen:   einer seltenen, aber ernsten Komplikation, bei der die Wand des Darms versehentlich durchstoßen oder verletzt wird. Dies führt zu einem Loch in der Darmwand, durch welches Darminhalt samt Bakterien in den Bauchraum gelangen kann. Dann droht eine Sepsis (Blutvergiftung), was den Einsatz von Antibiotika erfordert. Eine systematische Überprüfung und Metaanalyse ergab, dass eine Perforation nach einer Koloskopie bei etwa 6 pro 10.000 Eingriffen auftritt. (4) Eine andere Studie stellte sie bei 0,2 bis 5 % der Eingriffe fest. Das Perforationsrisiko steigt, je älter der Patient ist und je mehr andere Erkrankungen bei ihm vorliegen. 52 von 1.000 Personen, deren Dickdarm perforiert war, starben innerhalb der ersten 14 Tage. Vernachlässigbar wenig, kaum der Rede wert? Für betroffene Pechvögel sehr wohl. Je nachdem, wo der Eingriff stattfindet und wie qualifiziert der durchführende Arzt ist, können diese Risiken erheblich zunehmen - auch mal deutlich über die gewöhnliche Nachblutungsrate von 0,15 %, die normale Perforationsrate von 0,02 % hinaus. Nach einer Koloskopie steigt die Gefahr einer Blinddarmentzündung , wie Marc D. Basson, Dekan der medizinischen Fakultät der University of North Dakota, 2018 aus Daten von annähernd 400.000 US-Bürgern schließt , die sich zwischen 2009 und 2014 den Darm spiegeln ließen. „In der ersten Woche danach war die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Appendicitis entwickelte, viermal höher als im übrigen Jahr“, so stellte er fest. Wenn Beruhigungsmittel zu hoch dosiert werden oder eine allergische Reaktion auf verabreichte Medikamente auftritt, kann es zu Störungen der Atem- und Herz-/Kreislauffunktion kommen – schlimmstenfalls bis hin zum Herzstillstand. Weitere Komplikationen (5) kann eine Anästhesie   bescheren, darunter eine Aspirationspneumonie  (): eine Lungenentzündung, die entsteht, wenn Fremdmaterial in die Lunge gelangt und dort eine Entzündungsreaktion oder Infektion auslöst.  Auch („ intraperitoneale“) Blutungen  in die Bauchhöhle sind möglich . Besonders tückisch macht sie, dass sie oft nicht sofort erkennbar sind und binnen Stunden zu lebensbedrohlichen Zuständen führen können. Bei erheblichem Blutverlust droht ein hämorrhagischer Schock, mit fortschreitendem Blutdruckabfall, verminderter Organdurchblutung, zellulärer Dysfunktion, Zerstörung anatomischer Barrieren, Störung des Immunsystems, Organversagen. In den Vereinigten Staaten kommen bei jedem dritten Patienten, der sich einer Koloskopie unterzieht, Anästhesieverfahren zum Einsatz , in Deutschland sogar bei 90 % . Im Nordosten der USA waren Betäubungen mit einem um 12 % erhöhten Komplikationsrisiko verbunden, bei Koloskopien im Westen stieg dieser Wert sogar auf 60 %. Besonders häufig betroffen sind Patienten, die an Schlafapnoe, Adipositas, Bluthochdruck oder Diabetes leiden. Muss überhaupt sediert werden? In einer Studie dreier amerikanischer Gastroenterologen hatten Patienten die Möglichkeit, sich einer Darmspiegelung ohne vorherige Medikation zu unterziehen; unmittelbar nach dem Eingriff sowie zwei und fünf Tage später erkundigten sich die Forscher nach der Stärke der Schmerzen und der Bereitschaft, sich dem Verfahren erneut ohne Narkose zu unterziehen. Nur 5 % gaben an, keine Schmerzen zu verspüren; 41 % hatten leichte Schmerzen; 34 % berichteten von mäßigen Schmerzen und 20 % gaben an, starke Schmerzen zu verspüren. Trotzdem waren 73 % bereit, auch beim nächsten Mal auf eine Narkose zu verzichten; nur 18 % gaben an, beim nächsten Mal eine Sedierung zu verlangen. Vielen Untersuchten tut die Prozedur nicht bloß weh – was mit ihnen geschieht, empfinden sie als oberpeinlich bis demütigend. Manch approbierter Kolonflüsterer („Mein Studium war voll für´n Arsch“) bemüht sich deshalb, die angespannte Stimmung mit schrägem Humor zu entkrampfen. Die Reise durch den Darm bezeichnet er dann scherzhaft als „Große Hafenrundfahrt“, “innere Einkehr“, „endoskopisches Abenteuer“, „Darmbesichtigung“ oder „Innenraumbeleuchtung“. Die Erheiterung auf seiten der Innenbeleuchteten hält sich in der Regel freilich in Grenzen. Eine Sauerei: unsaubere Geräte Wie sorgfältig werden die Koloskopiegeräte zwischen zwei Eingriffen an verschiedenen Patienten   entkeimt? Häufig sind an Endoskopen teure, empfindliche Geräte angebracht, die nicht hitzesterilisiert werden können. Und leider sind die Hersteller nicht dazu verpflichtet, ein Endoskop herzustellen, das auf diese Weise sterilisiert werden kann. Während der Untersuchung kann es deshalb vorkommen, dass der Arzt nicht durch das Endoskop sehen kann, weil es durch menschliches Gewebe von einer früheren Untersuchung verstopft ist. In diesem Fall muss er das Endoskop herausziehen und durch ein anderes ersetzen. Wie der US-Mikrobiologe Dr. David Lewis berichtet  - pensionierter Whistleblower und Mitarbeiter der Environmental Protection Agency  (EPA) -, sterilisieren bis zu 80 % der Krankenhäuser flexible Endoskope mit Glutaraldehyd (Cidex), das das Gewebe im Endoskop nicht auflöst, sondern konserviert. Führt der Arzt dann scharfe Biopsie-Werkzeuge durch den Schlauch, dann schabt er Patientenmaterial von früheren Tests ab und transportiert es möglicherweise in ihren Körper. Deshalb sollten Patienten auf Nummer Sicher gehen, dass die Praxis oder Klinik ihrer Wahl Peressigsäure verwendet; sie ähnelt   Essig und löst die in den flexiblen Endoskopen enthaltenen Proteine auf, um die Geräte gründlich zu sterilisieren. Wer sich einer endoskopischen Untersuchung unterziehen will, sollte sich im eigenen Interesse trauen, vorab telefonisch nachzufragen: „Wie wird das Endoskop zwischen den Patienten gereinigt? Welches Reinigungsmittel wird verwendet? Wie viele Ihrer Koloskopiepatienten mussten aufgrund von Infektionen ins Krankenhaus eingeliefert werden?“ Über 500 Tote pro Jahr: nicht der Rede wert? Selbst eine noch so geringe Todesgefahr ist durchaus der Erwähnung wert. Das Risiko, an einer Koloskopie zu sterben, veranschlagt eine Studie auf 1 zu 16.318. (Bei 82 Personen stellte sie schwere Komplikationen fest.) Eine andere Untersuchung ergab eine Sterberate von 3 pro 100.000 Koloskopien sowie schwerwiegende unerwünschte Ereignisse bei 44 pro 10.000. Einer weiteren Studie zufolge liegt die Mortalitätsrate sogar bei 1 pro 1.000 Eingriffen. Bei 560.000 Koloskopien, die jedes Jahr in Deutschland stattfinden, würde dies bedeuten: Über 500 Mitbürger überleben sie nicht. Kaum der Rede wert? Benötigen Gleichaltrige gleich viel Kontrolle? Wie viel Sinn machen Vorsorge-Screenings nach Altersklassen überhaupt? Aktuelle Richtlinien dringen auf eine Vorsorgeuntersuchung für alle Personen über 50 Jahren, unabhängig von ihrem individuellen Risiko. Aber kann die adipöse, junkfoodsüchtige Couch Potato mit 30 einem Darmkrebsbefund nicht schon weitaus näher sein als ein gesundheitsbewusster 70-Jähriger? Überaus ratsam sind daher Praxisleitlinien , wie sie das British Medical Journal  im Jahr 2019 veröffentlichte. Sie empfehlen Ärzten, ein Instrument zur Abschätzung des potenziellen Risikos einer Person einzusetzen, in den nächsten 15 Jahren an Darmkrebs zu erkranken. Nur Personen, die ein Risiko von mindestens 3 % aufweisen, sollten sich checken lassen. Die meisten gesunden Menschen liegen aber auch jenseits der 50 unter diesem Wert – und für diese sehen die Leitlinien „ überhaupt kein  Screening“ vor. Echte Krebsvorsorge: ein gesunder Lebensstil Sie entspricht dem erbärmlichen Zustand unseres kranken Gesundheitswesens: die semantische Verunstaltung des unschuldigen Begriffs „Vorsorge“. Der medizinisch-industrielle Komplex hat sich mittels Gehirnwäsche eine Kundschaft herangezogen, die umso besser „vorzusorgen“ meint, je bereitwilliger sie sich möglichst frühzeitig möglichst vielen hochprofitablen Diagnoseverfahren unterzieht. Sollten wir nicht vielmehr alles dafür zu tun, dass es erst gar nichts Bedrohliches zu diagnostizieren gibt? Das Risiko, an Krebs zu erkranken, lässt sich proaktiv senken. Bloß 5 bis 10 % aller Krebsfälle sind auf genetische Defekte zurückzuführen. Wenn Darmkrebs auftritt und fortschreitet, spielen Lebensstilfaktoren die Hauptrolle. (6) Dazu zählen Alkohol und Rauchen, Bewegungsmangel und Medikamente. Laut Forschern der University of South Carolina School of Medicine stehen allerdings bis zu 70 % der Fälle im Zusammenhang mit der Ernährung . Eine wirkungsvolle Vorsorgestrategie schließt ein, - Übergewicht abzubauen - zuviel Salz, zuviel Zucker, zuviel rotes Fleisch zu vermeiden -  auf Fertiggerichte und andere ultrahoch verarbeitete Produkte zu verzichten – sie stehen mit einem erhöhten Risiko in Verbindung, an Krebs zu erkranken und daran zu sterben. - mehr Obst und Gemüse zu essen - sich mehr Ballaststoffe zuzuführen. „Lass Nahrung deine Medizin sein“, lehrte Hippokrates vor 2400 Jahren. Müssen wir uns jemals eine Kamera in den Hintern schieben lassen, solange wir uns konsequent daran halten? ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1)   Bis März 2017 kam in Deutschland zur Darmkrebsfrüherkennung der Guajak-basierte Test auf okkultes Blut im Stuhl (gFOBT) 2017 zum Einsatz. Er war allerdings fehleranfälliger, weil er auch auf tierisches Hämoglobin (z. B. aus Fleisch) oder andere Stoffe (z. B. Pflanzenstoffe wie Peroxidase aus rohem Obst/Gemüse) positiv reagierte. Ab April 2017 ersetzte ihn der immunologische fäkale Okkultbluttest (iFOBT). Dieser weist eine höhere Sensitivität und Spezifität auf – er reagiert nur auf menschliches Hämoglobin. Die Kosten für den iFOBT setzen sich aus zwei Komponenten zusammen. Ausgabe und Beratung durch den Arzt: Hierfür wird die Gebührenordnungsposition (GOP) 01737 mit 57 Punkten angesetzt, was etwa 6 Euro entspricht. Die Laboruntersuchung der Stuhlprobe wird mit 75 Punkten abgerechnet, was ungefähr 7,90 Euro beträgt. Alles in allem belaufen sich die Kosten für den iFOBT somit auf etwa 13,90 Euro. (2)   Ein weiteres Verfahren kombiniert den iFOBT mit einem Test auf veränderte DNA im Stuhl . Auch die sogenannte „Kleine Darmspiegelung“, die Flexible Sigmoidoskopie, wäre möglich: Sie ähnelt einer Koloskopie, verwendet jedoch ein kürzeres und kleineres Endoskop, das weniger weit in den Dickdarm hineinsehen lässt. Eine zusätzliche Option wäre Kolonographie per Computertomograph (CT), auch „virtuelle Kolonoskopie“ genannt.  (3)   https://www.statnews.com/2022/10/09/in-gold-standard-trial-colonoscopy-fails-to-reduce-rate-of-cancer-deaths/ ; https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4264696/ (4)     https://www.statnews.com/2022/10/09/in-gold-standard-trial-colonoscopy-fails-to-reduce-rate-of-cancer-deaths/ ; https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4264696/ (5)   Ein weiteres, vergleichsweise harmloses Problem stellen   Dysbiose und andere Darmstörungen dar, die dadurch entstehen, dass der Darmtrakt vor dem Eingriff mit starken Abführmitteln ausgespült wird. Eine im Fachjournal Cell veröffentlichte Studie deutet darauf hin, dass selbst eine kurzzeitige Einnahme von Abführmitteln eine Immunreaktion auslösen kann. Untersuchungen an einem Tiermodell ergaben, dass die Behandlung nützlicher Darmbakterien eliminiert. Noch zwei Wochen nach Beendigung der Abführmittel zeigte sich bei den Bakterien eine verringerte Vielfalt. Allerdings lässt sich die Darmflora zügig wieder aufbauen: durch eine Ernährung mit leicht verdaulicher Kost, Naturjoghurt, präbiotischen und ballaststoffreichen Lebensmitteln, mit reichlich Flüssigkeit (stilles Wasser, Tee, verdünnte Säfte, Gemüsebrühe) und Probiotika. ( https://www.divocare.de/blog/essen-nach-darmspiegelung/ , https://www.t-online.de/gesundheit/krankheiten-symptome/krebserkrankungen/id_92334846/essen-nach-darmspiegelung-darauf-sollten-sie-besser-verzichten.html )  (6)   https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2776517 ; https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/10732748211056692 ; https://link.springer.com/article/10.1007/s10552-013-0201-5

  • Über die Psychologie des Verschwörungsleugners

    Warum sträuben sich ansonsten völlig intelligente, nachdenkliche und rational denkende Menschen gegen die Behauptung, Soziopathen würden sich verschwören, um sie zu manipulieren und zu täuschen? Und warum verteidigen sie diesen unbegründeten Standpunkt mit solcher Vehemenz? - Ein Gastbeitrag von Nemo Jones. Die Geschichte kennt die Machenschaften von Lügnern, Dieben, Tyrannen und Narzissten und deren verheerende Auswirkungen. Auch in der heutigen Zeit gibt es zahlreiche Beweise für Korruption und außergewöhnliche Täuschungen. Wir wissen ohne Zweifel, dass Politiker lügen und ihre Verbindungen verbergen; und dass Unternehmen routinemäßig eine völlige Verachtung für moralische Normen an den Tag legen - dass Korruption uns umgibt. Wir wissen, dass die Drehtüren zwischen Unternehmen und Politik, das Lobbysystem, korrupte Aufsichtsbehörden, die Medien und die Justiz dazu führen, dass Missstände praktisch nie auch nur annähernd vor Gericht gebracht werden. Wir wissen, dass die Presse zwar gelegentlich über diese Dinge berichtet, sie aber nie mit echtem Nachdruck verfolgt. Wir wissen, dass in den Geheimdiensten und bei den Strafverfolgungsbehörden Fehlverhalten in atemberaubendem Ausmaß an der Tagesordnung ist und dass auch hier nie Gerechtigkeit geübt wird. Wir wissen, dass Regierungen immer wieder die Rechte des Volkes ignorieren oder mit Füßen treten und das Volk aktiv missbrauchen und misshandeln. Nichts davon ist umstritten. Was genau ist es also, das Verschwörungsleugner mit solcher Inbrunst, Selbstgerechtigkeit und Herablassung nicht anerkennen wollen? Warum verteidigen sie entgegen allen Beweisen spöttisch und verächtlich die bröckelnde Illusion, dass „die Großen und Guten“ irgendwo da oben sind, alles im Griff haben, nur unser Bestes im Sinn haben und anständig, weise und aufrichtig sind? Dass die Presse dem Volk und der Wahrheit dient und nicht den Gaunern? Dass eine Ungerechtigkeit nach der anderen aus Irrtümern und Versehen resultiert und niemals aus dem gefürchteten Wort „Verschwörung“? Welcher vernünftige Mensch würde weiterhin in einer solchen Fantasiewelt leben? Die Meinungsverschiedenheiten betreffen hier nur das Ausmaß. Jemand, der wirklich neugierig auf die Pläne mächtiger Soziopathen ist, wird seine Neugierde nicht auf ein Unternehmen oder eine Nation beschränken. Warum sollte er das tun? Eine solche Person geht davon aus, dass die gleichen Muster, die sich auf lokaler Ebene zeigen, wahrscheinlich auch in der gesamten Nahrungskette der Macht zu finden sind. Verschwörungsleugner behaupten jedoch, dies sei absurd. Und warum? Es ist schmerzlich offensichtlich, dass die pyramidenförmigen gesellschaftlichen und rechtlichen Strukturen, welche die Menschheit entstehen ließ, genau die Art von Dominanzhierarchien sind, die den Soziopathen zweifelsohne begünstigen. Ein menschliches Wesen, das mit einer normalen und gesunden kooperativen Denkweise arbeitet, hat wenig Neigung, sich an den Kämpfen zu beteiligen, die notwendig sind, um eine unternehmerische oder politische Karriereleiter zu erklimmen. Was also stellen sich die Verschwörungsleugner vor, was die mindestens 70 Millionen Soziopathen auf der Welt den ganzen Tag tun – Leute, die in ein „Spiel“ hineingeboren wurden, in dem sich der ganze Reichtum und die ganze Macht an der Spitze der Pyramide ansammelt, wobei die effektivsten Attribute zum „Gewinnen“ Rücksichtslosigkeit und Amoralität sind? Haben sie noch nie Monopoly gespielt? Soziopathen wählen ihre Weltsicht nicht bewusst und sind einfach nicht in der Lage zu verstehen, warum normale Menschen sich selbst einen so unglaublichen Nachteil zufügen, indem sie sich mit Pflichtbewusstsein und Empathie einschränken, die für den Soziopathen so unverständlich sind, wie es eine Welt ohne sie für seine Mitmenschen ist. Alles, was der Soziopath tun muss, um in diesem Spiel zu gewinnen, ist, öffentlich zu lügen und gleichzeitig privat zu konspirieren. Was könnte einfacher sein? Im Jahr 2021 weiterhin zu glauben, dass die Welt, in der wir leben, nicht weitgehend von dieser Dynamik bestimmt wird, grenzt an leichtsinnige Naivität. Woher kommt ein solch ungewollt destruktiver Impuls? Das Kleinkind setzt ein angeborenes Vertrauen in die Menschen, mit denen es zusammen ist - ein Vertrauen, das in den meisten Fällen gerechtfertigt ist. Anders könnte der Säugling nicht überleben. In einer vernünftigen und gesunden Gesellschaft würde sich dieser tiefe Instinkt mit der Entwicklung der Psyche entfalten. Mit der Ausprägung des Selbstbewusstseins, der kognitiven und logischen Fähigkeiten und der Skepsis im Individuum würde dieser angeborene Vertrauensimpuls weiterhin als ein zentrales Bedürfnis der Psyche verstanden werden. Es gäbe gemeinsame Glaubenssysteme, um diesen kindlichen Impuls bewusst weiterzuentwickeln, um diesen Glauben bewusst irgendwo zu platzieren - in Werte und Überzeugungen von dauerhafter Bedeutung und Wert für die Gesellschaft, den Einzelnen oder idealerweise für beide. Ehrfurcht und Respekt vor der Tradition, den Naturkräften, den Vorfahren, der Vernunft, der Wahrheit, der Schönheit, der Freiheit, dem angeborenen Wert des Lebens oder dem Schöpfer aller Dinge könnten als gültige Ruhepunkte betrachtet werden, in die wir unser Vertrauen und unseren Glauben bewusst setzen - ebenso wie diejenigen, die sich aus stärker formalisierten Glaubenssystemen ableiten. Unabhängig von dem Weg, den man eingeschlagen hat, um einen persönlichen Glauben zu entwickeln, geht es hier darum, das eigene Bewusstsein und die eigene Erkenntnis zu diesem angeborenen Impuls zu bringen. Ich glaube, dass dies eine tiefe Verantwortung ist - einen reifen Glauben zu entwickeln und zu kultivieren -, der sich viele verständlicherweise nicht bewusst sind. Was geschieht, wenn es in uns ein kindliches Bedürfnis gibt, das sich nie über seine ursprüngliche Überlebensfunktion hinaus entwickelt hat, nämlich denjenigen in unserer Umgebung zu vertrauen, die einfach am mächtigsten, am präsentesten und aktivsten sind? Wenn wir nie wirklich unsere eigene Psyche erforscht haben und tief hinterfragt haben, was wir wirklich glauben und warum? Wenn unsere Motivation, etwas oder jemandem zu vertrauen, nicht hinterfragt wird? Wenn die Philosophie den Philosophen überlassen wird? Ich behaupte, die Antwort ist einfach, und die Beweise für dieses Phänomen und die Verwüstungen, die es anrichtet, sind überall um uns herum: Der angeborene Impuls, der Mutter zu vertrauen, entwickelt sich nie weiter, trifft nie auf sein Gegengewicht, die Vernunft (oder den reifen Glauben), und bleibt für immer auf seiner „Standardeinstellung“ als Kind. Während die unreife Psyche für ihr Wohlergehen nicht mehr von den Eltern abhängt, bleibt der mächtige und motivierende Grundgedanke, den ich beschrieben habe, intakt: unangefochten, unüberlegt und unentwickelt. Und in einer Welt, in der Stabilität und Sicherheit nur noch eine ferne Erinnerung sind, bleiben diese Überlebensinstinkte, anstatt gut ausgeprägt, überlegt, relevant, anspruchsvoll und aktuell zu sein, buchstäblich die eines Babys. Man vertraut auf die größte, lauteste, präsenteste und unbestreitbarste Kraft, denn der Instinkt sagt, dass das Überleben davon abhängt. Und in diesem großen „Weltkindergarten“ ist die allgegenwärtigste Kraft das Netz der Institutionen, die ständig ein unverdientes Bild von Macht, Ruhe, Kompetenz, Besorgnis und Stabilität vermitteln. Meines Erachtens ist dies der Grund, warum sich Verschwörungsleugner an die völlig unlogische Vorstellung klammern und diese aggressiv verteidigen können, dass Korruption, Betrug, Bosheit und Narzissmus oberhalb einer bestimmten, nicht definierten Ebene der gesellschaftlichen Hierarchie auf mysteriöse Weise verschwinden. Dass, entgegen der Maxime, je mehr Macht eine Person hat, desto mehr Integrität wird sie zwangsläufig an den Tag legen. Diese armen verblendeten Seelen glauben im Grunde, dass dort, wo persönliche Erfahrung und Vorwissen die Lücken in ihrer Weltsicht nicht füllen können - kurz gesagt, wo eine vergitterte Tür ist -, Mama und Papa dahinter stehen und sich Gedanken darüber machen, wie sie am besten dafür sorgen können, dass es ihrem kleinen Schatz für immer gut geht, er glücklich und sicher ist. Das ist der Kern, die tröstliche Illusion, die der Denkweise der Verschwörungsleugner zugrunde liegt, das verfallene Fundament, auf dem sie eine turmhohe Burg der Rechtfertigung errichten, von der aus sie diejenigen, die das anders sehen, hochmütig verhöhnen und verspotten. Das erklärt, warum der Verschwörungsleugner jede Andeutung angreift, dass der betreuende Archetyp nicht mehr vorhanden ist - dass Soziopathen hinter der vergitterten Tür stehen, die uns alle verachten oder uns völlig ignorieren. Der Verschwörungsleugner wird jede solche Andeutung so bösartig angreifen, als ob sein Überleben davon abhinge - was in gewisser Weise in der Struktur seiner unbewussten und prekären Psyche der Fall ist. Ihr Gefühl des Wohlbefindens, der Sicherheit, des Komforts, ja sogar einer Zukunft überhaupt, ist vollständig - und völlig unbewusst - in diese Fantasie investiert. Der Säugling ist nie gereift, und da er sich dessen nicht bewusst ist, außer dass es sich um eine tiefe Verbundenheit mit seiner persönlichen Sicherheit handelt, wird er jede Bedrohung dieses unbewussten und zentralen Aspekts seiner Weltsicht erbittert angreifen. Der ermüdend häufige Refrain der Verschwörungsleugner lautet: „Eine so große Verschwörung kann es nicht geben“. Die einfache Antwort an einen solchen selbsternannten Experten für Verschwörungen ist offensichtlich: wie groß? Die größten „medizinischen“ Unternehmen der Welt können jahrzehntelang die Beilegung von Gerichtsverfahren als bloße Geschäftskosten behandeln, und zwar für Verbrechen, die von der Unterdrückung unerwünschter Testergebnisse über mehrfache Morde infolge von nicht deklarierten Tests bis hin zu kolossalen Umweltverbrechen reichen. Regierungen führen die abscheulichsten und unvorstellbarsten „Experimente“ (Verbrechen) an ihrer eigenen Bevölkerung durch, ohne dass dies Konsequenzen hat. Politiker lügen uns gewohnheitsmäßig ins Gesicht, ohne Konsequenzen. Und so weiter und so fort. An welchem Punkt genau  wird eine Verschwörung so groß, dass „sie“ damit nicht mehr durchkommen, und warum? Ich vermute, es ist der Punkt, an dem die kognitiven Fähigkeiten der Verschwörungsleugner nachlassen und ihr unbewusster Überlebensinstinkt einsetzt. Der Punkt, an dem der Intellekt von der Tragweite der Ereignisse überwältigt wird und der Instinkt dazu führt, dass man sich in den vertrauten, beruhigenden Glauben zurückzieht, den man seit dem ersten Moment, in dem die eigenen Lippen die Brustwarze fanden, kennt und kultiviert. Der Glaube, dass sich jemand anderes darum kümmert - dass dort, wo die Welt uns unbekannt wird, eine mächtige und wohlwollende menschliche Autorität existiert, der wir nur bedingungslos vertrauen müssen, um ewige emotionale Sicherheit zu garantieren. Diese gefährliche Wahnvorstellung könnte der zentrale Faktor sein, der die physische Sicherheit und die Zukunft der Menschheit in die Hände von Soziopathen legt. An alle, die die Angewohnheit haben, Menschen, die hinterfragen, nachforschen und skeptisch sind, als Alufolienhut tragende, paranoide, die Wissenschaft verleugnende Trump-Anhänger abzutun, sei die Frage gerichtet: Woran glauben Sie? Worauf setzen Sie Ihren Glauben und warum? Wie kommt es, dass Sie, während niemand den Regierungen vertraut, den im Entstehen begriffenen Global-Governance- Organisationen unhinterfragt zu vertrauen scheinen? Wie ist das zu verstehen? Wenn Sie solchen Organisationen Ihr Vertrauen schenken, bedenken Sie, dass diese Organisationen im modernen globalen Zeitalter, so außerordentlich gut sie sich auch präsentieren mögen, einfach nur größere Erscheinungsformen der lokalen Versionen sind, von denen wir wissen , dass wir ihnen nicht trauen können. Sie sind nicht unsere Eltern und zeigen keine Loyalität zu humanen Werten. Es gibt keinen Grund, irgendeinem  von ihnen Glauben zu schenken. Wenn Sie noch keinen bewussten Glauben entwickelt oder sich nicht eingehend gefragt haben, warum Sie so glauben, wie Sie es tun, mag eine solche Haltung menschenfeindlich erscheinen, doch in Wahrheit ist sie das Gegenteil. Diese Organisationen haben sich Ihr Vertrauen nur mit PR-Geldern und Hochglanzlügen verdient. Die wahre Macht liegt nach wie vor bei den Menschen. Es gibt einen Grund, warum Buddhisten nachdrücklich dazu raten, sein Vertrauen in den Dharma, das Naturgesetz des Lebens, zu setzen und nicht in Personen, und dass ähnliche Sprüche in anderen Glaubenssystemen üblich sind. Macht korrumpiert. Und in der heutigen Welt könnte unangebrachtes und unbegründetes Vertrauen eine der größten Machtquellen überhaupt sein. Es gibt gewaltige kriminelle Verschwörungen. Die Beweise sind überwältigend. Das Ausmaß der gegenwärtigen Verschwörungen ist nicht bekannt, aber es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass im neuen globalen Zeitalter das soziopathische Streben nach Macht oder der Besitz der dafür erforderlichen Mittel abnimmt. Sicherlich nicht, solange abweichende Meinungen von Gatekeepern, „nützlichen Idioten“ und Verschwörungsleugnern verhöhnt und zensiert werden, die in Wirklichkeit direkt mit der soziopathischen Agenda zusammenarbeiten, indem sie unerbittlich diejenigen angreifen, die das Unrecht aufdecken wollen. Es ist die dringende  Verantwortung eines jeden menschlichen Wesens, soziopathische Agenden aufzudecken, wo immer sie existieren - und niemals  diejenigen anzugreifen, die dies tun wollen. Jetzt ist es mehr denn je an der Zeit, kindische Dinge und kindliche Impulse beiseite zu legen und als Erwachsene aufzustehen, um die Zukunft der Kinder zu schützen, die keine andere Wahl haben, als uns ihr Leben anzuvertrauen. Dieser Aufsatz hat sich auf das konzentriert, was ich für den tiefsten psychologischen Antrieb der Verschwörungsleugnung halte. Es gibt sicherlich noch andere, wie den Wunsch, akzeptiert zu werden; die Vermeidung von Wissen über und die Auseinandersetzung mit dem inneren und äußeren Schatten; die Aufrechterhaltung eines positiven und gerechten Selbstbildes: eine verallgemeinerte Version des Phänomens des „fliegenden Affen“, bei dem sich eine eigennützige und bösartige Klasse schützt, indem sie sich um den Tyrannen schart; die subtile unbewusste Übernahme der soziopathischen Weltsicht (z. B. „Die Menschheit ist der Virus“); Empörungssucht/Überlegenheitskomplex/Statusspiele; ein verkümmerter oder wenig ehrgeiziger Intellekt, der durch die Aufrechterhaltung des Status quo Bestätigung findet; der dissoziative Schutzmechanismus der Vorstellung, dass Verbrechen und Schrecken, die wiederholt zu unseren Lebzeiten begangen werden, irgendwie nicht jetzt, nicht „hier“, geschehen; und die ganz normale, altvertraute Faulheit und Feigheit. Ich vermute, dass alle diese Faktoren bis zu einem gewissen Grad auf dem Fundament der hier beschriebenen Hauptursache aufbauen. Übersetzung des Originalbeitrags „ On The Psychology Of The Conspiracy Denier “ von Nemo Jones, übernommen aus dessen überaus empfehlenswerten Substack „ Reporting for Beauty “, mit freundlicher Genehmigung des Autors. Nemo Jones ist Musiker und „enthusiastischer Naturrechtler“: „Ich schreibe, spreche und singe für Vernunft, Freiheit und Schönheit.“

  • Nun also doch: Amalgamverbot

    Warum erst jetzt? Amalgam für neue Zahnfüllungen zu verwenden, ist in der gesamten EU seit dem 1. Januar 2025 verboten – denn es besteht zur Hälfte aus Quecksilber. Davor, dass sich das hochgiftige Schwermetall aus Füllungen lösen, in Organe einlagern und die Gesundheit ihrer Träger vielfältig gefährden kann, hatten Kritiker seit rund 200 Jahren gewarnt – und standen deshalb als hysterische “ Märchenerzähle r” am Pranger. Arglose 50 bis 70 % der erwachsenen Bevölkerung, so schätzt die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK), hatten um die Jahrtausendwende noch Amalgam im Mund. Von der WHO über das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und das Robert-Koch-Institut (RKI) bis hin zu einem von der Europäischen Union beauftragten Expertengremium, das 2007 sein Gutachten vorlegte: Sie alle hatten ihren vermeintlich wissenschaftlichen Segen dazu gegeben, Amalgam als stabilen, langlebigen und günstigen Füllstoff in der Zahnheilkunde weiterhin einzusetzen. War das rückblickend nicht Beihilfe zur millionenfachen Körperverletzung durch verharmlosendes Nichtstun? Hersteller wussten spätestens seit Mitte des vorigen Jahrhunderts Bescheid über das Vergiftungsproblem. Und schon 1995 hatte die Universität Kiel, nach Auswertung von rund 10.000 Studien zum Thema Amalgam, feststellen müssen: Als Zahnfüllstoff  war er zu keinem Zeitpunkt toxikologisch unbedenklich. (1) Könnte es um die angebliche, durch Faktenchecks “erwiesene” Märchenhaftigkeit von Warnungen vor Mobilfunkstrahlung, gentechnisch veränderten Organismen, Glyphosat, mRNA-“Impf”stoffen, dem Infraschall von Windkraftanlagen nicht ähnlich stehen? Wie war es beim Rauchen, bei Asbest, bei Arsen - im 19. Jahrhundert als "Allheilmittel" gegen Krankheiten wie Syphilis oder Malaria eingesetzt -, bei Contergan, Oxycodon, Fentanyl & Co.? “ Follow the Science ”? Bloß Schlafschafe tun das grundsätzlich immer. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1) Prof. Dr. O. Wassermann / M. Weitz / Dr. C. Alsen-Hinrichs / Dr. Sibylle Mai: Kieler Amalgam-Gutachten 1997. Medizinische, insbesondere toxikologische Feststellungen im Zusammenhang mit einer rechtlichen Beurteilung der Herstellung und des Vertriebs von Amalgam als Material für Zahnfüllungen , Institut für Toxikologie im Klinikum der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, 2. Auflage, Kiel 1997. Bild: Bing Image Creator, nachbearbeitet.

  • "Systemisch" heilen - wie denn sonst?

    Vom ersten bis zum letzten Atemzug sind wir soziale Wesen: einbezogen in Systeme von Personen und Gruppen, in denen jedes Teil jedes andere beeinflusst, direkt oder mittelbar. Liegt nicht auf der Hand, dass diese Zusammenhänge kausal bedeutsam sind, wenn wir erkranken – und unbedingt berück­sichtigt werden müssen, wenn Gesund­heit wieder­hergestellt werden soll? Deshalb setzt meine Stiftung AUSWEGE „systemisch“ an - sie sieht das Ganze. Wir existieren in Beziehung zueinander, immer, unausweichlich. Diese Beziehun­gen können von Abhängigkeit ge­prägt sein, von Kon­flikten, von Schuld, von Verpflichtung, von Macht und Ohn­macht, von Gleich­gültigkeit, von Ge­ringschätzung, von Manipulation und Gewalt, von Furcht, Hass und Neid; aber auch von Verständ­nis, Zuneigung, Freundschaft, Be­geh­­ren, Liebe, Be­wun­derung, Dank­barkeit, Fürsorge und vielerlei anderem, was Menschen positiv miteinander verbindet. Selbst wenn einzelne Bezie­hungen zerbrechen – wegen Streit, Trennung, Tod -, wirken sie weiter: in uns. Versteht sich von selbst, oder? Jener geschichtlichen Epoche, die „Neuzeit“ genannt wird, verdankt die Menschheit so be­eindruckende Errungen­schaf­ten wie die Atombombe, Plastikbusen, den Big Mac, das Kon­dom mit Erdbeergeschmack, Klonschafe, faltbare Handys, feuchtes Toilettenpapier mit Lavendelduft – und eine Medizin, die sich lieber auf mathematisch-naturwissenschaftlichen Erkenntnis­gewinn nach dem Vorbild der Physik verlässt als auf den Wissensschatz jahrhundertealter Heiltraditionen, auf die persönliche Erfahrung und Intui­tion von Anwendern. Com­mon Sense wird geringgeschätzt, und zur Belustigung von Stu­denten pflegen Profs ih­re Vor­lesungen gerne mit einer Fülle von Beispielen zu würzen, bei denen diese Missach­tung einleuchtet: Fälle, in de­nen der vermeintlich „gesunde Men­schenverstand“ haarsträubend danebenlag, gottlob geradegerückt durch neugieriges, objektives Forschen. Aber wo immer Gering­schät­zung pauschal wird, schießt sie übers Ziel hinaus: Dieses Phä­nomen ist beispielsweise in der Geschichte der modernen Psy­chiatrie und Psychotherapie zu bestaunen. Ein rundes Jahrhun­dert benötigten diese Diszip­linen, um sich einer Erkenntnis anzunähern, über welche der Common Sense immer schon verfügte: der banalen Tatsache nämlich, dass keiner von uns auf seinem eigenen Planeten lebt. Vom ersten bis zum letzten Atemzug sind wir soziale Wesen: einbezogen in Syste­me (1), in denen jedes Teil jedes andere beeinflusst, direkt oder mittelbar. Was auch immer wir tun oder unterlassen: Wir wirken in sie hinein, und sie wirken auf uns zurück. Liegt nicht auf der Hand, dass diese Zusammenhänge eine kausale Rolle spielen könnten, wenn wir erkranken – und keinesfalls außer acht gelassen werden dürfen, wenn Gesundheit wiederhergestellt werden soll? Müssten sie nicht stets mitbedacht werden, wenn An­amnesen vorgenommen und The­rapiepläne erstellt werden? Ich verüble meinen Ärzten keineswegs, dass sie mein Kariesloch stopfen oder meinen gebrochenen Arm schienen, ohne mein Verhältnis zu meiner Mama zu hinterfragen. Aber je stärkere psychische Anteile eine Er­krankung aufweist, desto vordringlicher wird es, das soziale System zu verstehen und einzubeziehen, in dem sie entstand. Insofern führt an einem „systemischen“ Ansatz nichts vorbei – beson­ders bei Kin­dern, aber auch bei Erwach­se­nen. Und deshalb gehört er zum Konzept unserer „Aus­wege“-Camps . Wir legen großen Wert darauf, dass Angehörige einen Patienten nicht bei uns „abliefern“, sondern dableiben; wir möchten sie mitberaten, mitbehandeln. Das erhöht den Betreuungs­auf­wand erheblich, aber auch die Heilungschance. In unserem Gesund­heits­wesen geschieht weithin: das krasse Gegenteil. Was passiert, sobald jemand zum Patienten wird? Er muss in die Praxis oder in die Klinik, ihm werden Medikamente verordnet, er hat sich therapeutischen Maßnah­men zu unterziehen; begleiten ihn Angehörige, dann selten mehr als einer, und dies überwiegend zu dem Zweck, ihm Langeweile und Ängste zu vertreiben, während er im Wartezimmer seines Termins harrt. Mit anderen Worten: Er wird von seinem sozialen System künstlich isoliert. Und damit ist vorprogrammiert, dass weder ganz verstanden noch optimal behandelt wird, woran er leidet. Warum Abraham zum ADHS-Kind wurde Beispiel ADHS, jene Verhal­tensstörung, bei der Aufmerk­samkeitsdefizite mit Hyper­aktivität einhergehen: Ob nun Psychotherapien oder pharmazeutische Ruhigsteller wie Ritalin zum Einsatz kommen - im Behandlungsfokus stehen die betroffenen Kinder und Jugendlichen. Wieviel mehr mit einem „systemischen“ Ansatz zu erreichen wäre, erweist sich seit Jahren in unseren Thera­piecamps: Von 49 Minderjährigen, die mit der ADHS-Dia­gnose von ihren Eltern dorthin gebracht wurden, waren 43 am Ende völlig symptomfrei , einer weitgehend. Warum? Noch mehr als andere Kinder benötigen ADHS-betroffene: Zeit; Geduld; liebevolle Zuwen­dung; viel Bewegung; ein harmonisches, konfliktfreies Um­feld; klare Regeln - sowie deren konsequentes Umsetzen; und einen stark eingeschränkten Zugang zu Unterhaltungs­elek­tronik. Dafür sorgen müsste ihr primäres System: die eigene Familie. Während eines Camps werden unsere Therapeuten zu Bezugspersonen, die all dies sicherstellen. Aus ihrer Vorge­hens­weise lernen Mütter und Väter, ihr Erziehungsverhalten zu ändern. Ein ganzes System wird „heil“, und die Sympto­matik verschwindet – wenn auch nur kurzfristig, falls es anschließend in alte Muster zurückfällt. Wie uneinsichtige Eltern verhindern können, dass Therapieerfolge bei ADHS an­halten, führte uns Abraham* vor Augen, als er im August 2012 , damals acht Jahre alt, an einem „Auswege“-Camp im Schwarzwald teilnahm, begleitet von Mama, Papa und seiner zwei Jahre jüngeren Schwester. Dem aufgeweckten, kontaktfreudigen Jungen „fällt es äußerst schwer, sich zu konzentrieren. Er ist leicht ablenkbar, seine Aufmerksamkeit springt unentwegt von einem zum anderen“, berichtete uns seine Mutter vorweg. „Kaum beginnt er etwas, da braucht er schon wieder etwas Neues.“ In der Schule bereitete ihm diese Unart erhebliche Probleme: Lehrer klagten über sein extrem langsames Arbeitstempo; für Hausaufgaben, die Mitschüler in einer Viertelstunde erledigen, benötigte er mitunter drei bis vier. Generell „akzeptiert er keinerlei Regeln“, klagten die Eltern. Anfang 2012 nahm sich eine Psychotherapeutin des Jungen an, diagnostizierte ADHS – und drückte der Mut­ter sogleich eine Pillenschach­tel mit Methylphenidat in die Hand, das unter dem Handels­namen Ritalin als chemisches Allheilmittel für chronisch un­aufmerksame, hyperaktive Kinder vermarktet wird. Vom Camp erhofften sich Abrahams Eltern eine nebenwirkungsfreie Alternative. Vom ersten Camptag an staunten sie über Abrahams „wundersame“, geradezu augenblickliche Verwandlung: Plötz­lich wirkte er ausgeglichen. Hochkonzentriert befasste er sich stundenlang damit, Auf­gaben zu erledigen, die ihm unsere Kinderbetreuer stellten, und mit anderen Kindern zu spielen. Von Verhaltensauffäl­lig­keiten keine Spur mehr. Doch kaum war die Familie wieder zu Hause, war mit Abraham wieder „alles beim alten – rückblickend hat das Camp also nichts gebracht, von ein paar schönen Ferien­tagen abgesehen“, bemängelten die Eltern im nachhinein. Was sie verkannten: „Beim alten“ blieben ihre eigenen fa­talen Verhaltensmuster. In den neunziger Jahren waren sie aus Kasachstan nach Deutschland ausgewandert. Einer besseren Zukunft im vermeintlich goldenen Westen hat­te der Vater eine beachtliche Karriere geopfert: In seiner al­ten Heimat hatte er Hochschul­studien zum Be­triebswirt und Juristen absolviert; in Polizei­behörden hatte er es bis zum Dienstgrad eines Oberleutnants gebracht, mit bis zu dreißig Un­tergebenen; auch eine Ausbil­dung zum Masseur konnte er vorweisen. Doch „in Deutsch­land wurde ich plötzlich zum Nichts“: Seine Abschlüsse wurden hier nicht anerkannt; er kämpfte mit der schwierigen Sprache und langer Arbeitslo­sig­keit – bis er sich für ein paar Euro als Wellness-Masseur in einem Bordell verdingte. All das nagte an seinem Selbstbe­wusst­sein, machte ihn chronisch unzufrieden, gereizt, aggressiv; immer öfter griff er zu Wodka, schließlich zu Rauschgift. Zeit für Abraham nahm er sich zumeist nur, um den Jungen anzubrüllen, zum Versager zu erklären, Befehle zu erteilen, manchmal auch körperlich zu züchtigen. Um den Lebensunterhalt der Fami­lie kümmerte sich überwiegend seine Frau, als Alten­pfle­gerin in einem Senio­ren­heim. Mit Erziehungs­auf­gaben überfordert, pflegten die Eltern Ab­ra­ham mit Unter­haltungselektronik aller Art „ruhigzustellen“: Sein Zimmer statteten sie mit Großbildfernseher, Playstation und Gameboy aus,zusätzlich zum neuesten Handy – und damit verbrachte der Junge beinahe jede freie Minute. Daran änderte sich auch nach dem Camp­aufenthalt nichts. Die vermeintliche ADHS-Symptomatik hat sich seither noch zugespitzt. Weder das Wiederholen einer Klasse noch ein Schulwechsel noch eine weitere Psychothera­pie halfen. Lag das nun an Abrahams Behandlungsresistenz - oder an der Verantwortungslosigkeit seiner Eltern? Wem will Erwin etwas husten? Beispiel Atemwegserkran­kun­gen: Einer der jüngsten Teilneh­mer zweier „Auswege“-Thera­piecamps 2013/14, der zweijährige Erwin*, litt seit über einem Jahr an einer immer wiederkehrenden Bronchitis. Nach seinen Campaufenthalten ist sie so gut wie abgeklungen. Ärzte hatten dem Kleinen zuvor nutzlos Antibiotika verschrieben – eine immer noch weithin übliche, aber törichte Maßnahme in solchen Fällen, weil nahezu alle Atemwegsinfekte durch Viren verursacht werden, während Antibiotika nur gegen Bakte­rien helfen. Den Schlüssel zum Erfolg könnte unser Campteam darin gefunden haben, im Symptom ein Signal, in der Krankheit eine Bedeutung zu sehen. Was „sagen“ Bronchien, wenn sie „hyperreagibel“ sind, wie es in einem Befundbericht über Erwin hieß? „Die Lunge hat mit Trauer zu tun“, so deutet unser Camparzt ihre „Organsprache“. Der kleine Erwin „reagiert hochsensibel auf die seelischen Belastungen der alleinerziehenden Mutter“, die merkwürdigerweise ebenfalls mit Lungenproblemen zu tun hatte, genauso wie ihr Vater, Erwins Opa. Sie „benötigt ein gesundes Umfeld, in dem alle Familienmitglieder eine vertrauensvolle Einheit bilden und sie so sein darf, wie es ihr entspricht. Dann wird sie stark, braucht nicht mehr traurig zu sein, kann mit Erwin so umgehen, wie der es braucht – und beide müssen niemandem mehr ‚etwas husten’.“ Auf dem Weg zu einer solchen Einheit erlebten wir Mutter, Oma und Opa, die gemeinsam mit Erwin angereist waren, schon während ihres ersten Aufenthalts bei uns; unter dem Eindruck der allgegenwärtigen Harmonie innerhalb der Campgemeinschaft und vieler intensiver Beratungsgespräche, offen für ein neues, tieferes Verständnis der Hintergründe von Erwins Belastung, beflügelt von eigenen gesundheitlichen Fortschritten wurden Erwins wichtigste Bezugspersonen ge­lassener und zuversichtlicher, legten Ängste ab, fanden zu gegenseitiger Akzeptanz und Vertrauen. Und spätestens bei seinem zweiten Auswege-Camp, Anfang Mai 2014 , „hat dieser Junge aufgehört, ein Patient zu sein“, wie unser Camparzt abschließend konstatierte; „seine Bronchitis ist offenbar weitestgehend abgeklungen“. Während der sieben Camptage beobachteten die 15 Teammitglieder keinen einzigen Anfall von Husten und Atemnot mehr. Nach An­gaben der Mutter hustet Erwin „nur noch morgens nach dem Aufwachen“, weitaus weniger heftig als früher. Hat sich die Prognose des Camparztes be­wahrheitet? Diesmal hatte Er­wins Mutter ihren neuen Lebens­gefährten mitgebracht, sie wirkte frisch verliebt, unbeschwert und glücklich – womit sie ihrem Jungen eben jenes harmonische Umfeld schenkte, auf dessen Fehlen er psychosomatisch reagiert haben könnte. Können sich familiäre Spannungen in epileptischen Anfällen entladen? Beispiel Epilepsie: Beim jüngsten Teilnehmer unseres Aus­we­­ge-Camps Ende Juli 2013 , dem damals zweijährigen Bernd*, war sie anschließend monatelang vollständig verschwunden. Hatte er zuvor sechs Mal täglich heftig ge­krampft, so verringerte sich die Anzahl der Anfälle bis vier Wochen nach Campende auf vier, in der darauffolgenden Woche auf einen. Ab Oktober war der Kleine anfallsfrei. Doch um Ostern 2014 kehrte die Epi­lepsie zurück. Weshalb? Just zu diesem Zeit­punkt besiegelten die Eltern, deren schwere Be­ziehungskrise für uns schon während des Camps spürbar gewesen war, ihre Trennung – anscheinend reagierte Bernd sensibel darauf, was nebenbei darauf hindeutet, dass auch Epilepsien keineswegs immer losgelöst von psychischen Belastun­gen betrachtet werden dürfen. Um Pfingsten 2014 war die Trennung halbwegs gütlich vollzogen, die Familienverhält­nis­se geklärt, es kehrte wieder ei­nigermaßen Frieden in Bernds häusliche Umgebung ein – prompt verschwanden seine Anfälle wieder. Autismus: systemisch mitbedingt? Bis in die sechziger Jahre vertraten Fachleute die These, Autismus entstehe aufgrund der emotionalen Kälte mütterlicherseits („Kühlschrank­mama“), durch lieblose Erzie­hung, mangelnde Zuwendung oder psychische Traumata. Seit nachfolgende Studien diese Annahme als haltlos erwiesen, blendete die Forschung systemische Zusammenhänge weitgehend aus – und konzentrierte sich auf mögliche Verur­sa­cher im betroffenen Kind; vermutet wurden genetische Ano­malien, Hirnschädigun­gen, biochemische Besonder­hei­ten wie erhöhte Dopamin-, Adre­nalin- oder Testosteron­spiegel; „Gefühlsblindheit“, „Auf­merk­samkeitstunnel“ und an­dere kognitive Defizite. Dass das primäre Sozialsystem – die Familie – bei Anamnese und The­rapie auch bei diesem Krankheitsbild nicht außer acht gelassen werden darf, haben uns unter anderem Benny* und Martin* vor Augen geführt. Ein ruhiges, pflegeleichtes Ba­by sei er von Geburt an gewesen, berichtet Bennys Mutter Doreen*. Allerdings fiel ihr beim Stillen auf, dass er stets wegschaute; er sei immer nur auf dem Boden gelegen, habe nie gelacht, keinerlei Motiva­tion zum Krabbeln gezeigt. Erst mit 17 Monaten lief er ohne fremde Hilfe. Bis zu seinem zweiten Lebensjahr gab er keinen Laut von sich – und bis heute keinerlei verständliche Worte. „Er möchte sprechen, kann aber nicht“, glauben seine Eltern. Benny hält keinen konstanten Blickkontakt, reagiert nicht auf Zurufen seines Na­mens. Will man mit ihm spielen, dreht er sich weg. Auf dem Schoß sitzen mag er nicht. Als er mit vier Jahren, im Oktober 2012, erstmals Kinder­psychiatern ei­ner Universitäts­klinik vorgestellt wurde, vermochten diese „nicht zu beurteilen, inwiefern der Junge wach, bewusstseinsklar und orientiert ist“; sie sa­hen die Kri­terien für die Dia­gnose „Autis­mus“ erfüllt. Auch seine Grob- und Feinmotorik ist beeinträchtigt. Ein sonderpädagogisches Gutachten vom April 2014 geht von einer „muskulären Hypo­to­nie“ aus. Im Verlauf eines Auswege-Camps im August 2014 konnte der ärztliche Leiter Dr. Horst Schöll bei Bennys Symptomatik keine nennenswerte Besserung feststellen. Immerhin fiel der Mutter auf, dass ihr Junge „ab und zu mehr lautierte“, und ihres Erachtens verbesserte sich zumindest seine seelische Ver­fassung erheblich: Er wirkte auf sie entspannter, was der Camp­arzt allerdings darauf zurück­führte, dass „Benny hier mehr Bewegungsfreiheit als zu Hau­se hatte, dadurch schien er friedlicher“. An der Autismus-Diagnose wurden im Team Zweifel laut: „In den Sitzungen bei mir“, berichtete eine Heilerin, „ließ er sich von mir umarmen, schmiegte sich an mich. Mit Menschen, die er kennt, nimmt er Körperkontakt auf.“ Fraglich erschien unserem Camparzt auch die „muskuläre Hypotonie“, in der er eher Ko­or­dinationsstörungen sah. Bemerkenswerte Fortschritte machten hingegen die beiden Eltern, wie dem Arzt auffiel: „Durch zahlreiche Gespräche nahmen die Spannungen zwischen ihnen ab, ihr Sohn empfand das offenbar als angenehm.“ Eine „neue Entwick­lungs­chance für Benny“ hing nach seiner Einschätzung da­von ab, dass „die Eltern schnellst­­möglich ihre Bezie­hung klären“. Damit begannen sie schon während der Camp­tage: In ihrer Ehe fühle sie sich nun weniger „verloren“ als zuvor, erklärte Bennys Mama abschließend; sie sehe klarer und fühle sich erleichtert, ihr seien Auswege aufgezeigt worden. Ihren Mann Alexander* erlebte sie im Camp „weicher – er hat angefangen, sich zu spüren“. Fünf Wochen später erreichte uns eine überschwängliche E-Mail von Doreen*: „ So viel hat sich geändert. Benny hat nie gut geschlafen - besser zwar als viele autistische Kinder, aber für uns war es ein endloser Albtraum. Jeden Tag stand er zwischen 5 und 6 Uhr auf, egal wann er ins Bett gegangen war. Doch seit dem Camp steht Benny jeden Tag nach 7:15 Uhr auf. Jeden Tag! Und nachts schläft er durch. Vor dem Camp hatte Alexander ein Jahr lang den ‚Frühdienst’ für Benny übernommen - und mir damit ein schlechtes Gewissen gemacht. Jetzt, da wir beide schlafen und Energie tanken können, haben wir beide Kraft, den Alltag zu schaffen – und Benny Liebe und Ruhe zu geben. Zweiter Punkt, ebenfalls unheimlich wichtig: Noch nie hat Benny alleine gespielt. Immer musste er jemanden dabei haben, und wenn wir kochen oder sonst etwas ma­chen mussten, war es die Hölle. Seit dem Camp spielt Benny regel­mäßig auf dem Teppich allein. Er lautiert ohne Ende, war früher ebenfalls selten vorkam. Er spielt und lautiert und lautiert und spielt. Spielen bedeutet in seinem Fall, auf dem Boden zu rollen und mit Lego- und Duplo-Klötzchen bauen, aber trotzdem!!! Diese Erleichterung ist mehr wert, als ihr euch vielleicht vorstellen könnt. Dritter Punkt: Benny ist einfach mehr ‚anwesend’. Er ist so wach, er steht gerade und ist anders ‚da­bei’ als früher. Er ist geistig präsenter. Toby, sein Bruder, beachtet ihn jetzt zum ersten Mal, so als falle ihm erst jetzt auf: „Oh, da ist ja jemand!” Es ist so anders!!!!“ Was steckt hinter Bennys Ver­än­derung? Doreen ist sich sicher: „Unsere neue Ruhe und Friede wirken sich positiv auf ihn aus.“ Denn „die Beziehung zwischen Alexander und mir hat sich sehr geändert. Wir nutzten die Werkzeuge, die ihr uns im Camp mitgegeben habt, und entdeckten die Ruhe und Lust in uns wieder, die doch zu uns gehörte. Unsere Familiendynamik hat sich geändert – in Richtung Familie. Ale­xan­der lächelt mehr. Er ist ein glücklicher Mensch geworden. Frü­her lächelte er nie in die Kamera, wenn ich ihn fotografierte – jetzt tut er es unaufgefordert. Er und ich sind jetzt endlich wieder ein Team. Zuvor hatte ich immer gedacht, dass ich ihn verlassen muss, um meine Seele zu befreien und meine Träume zu leben. Aber seit dem Camp ist alles in mir ruhiger und zufriedener geworden.“ „ Oh - noch etwas “, merkt Do­reen an: „ Seit 25 Jahren kämpfe ich gegen eine Essstörung. Immer war Essen meine Sucht. Ich stopfe und stopfe und stopfe mich mit Essen voll, danach fühle ich mich immer schlecht. Doch seit dem Camp habe ich nur Lust zu essen, wenn ich Hunger habe; und wenn ich satt bin, will ich nicht mehr essen. Seit meiner Kindheit habe ich das nicht mehr erlebt. Was für ein Wunder!“ Ein Schüchterner wird zum „Autisten“ gestempelt Mit testpsychologisch bestätigtem „Autismus“ war der 14jährige Martin* im Früh­jahr 2014 in ein Therapiecamp der Stiftung Auswege gekommen. Zu Beginn erwies er sich dort als überaus schüchtern, unsicher, verschlossen, still; doch im Campverlauf blühte er auf, suchte Sozialkontakte – keine Spur von krankhaften Verhaltensauffälligkeiten. Schon in früheren Camps hatten ähnliche „Autismus“-Fälle unter unseren Therapeuten für fassungsloses Kopfschütteln über angeblich „wissenschaftlich fundierte“ Psychotesterei und voreilige Schlüsse daraus gesorgt. Schlimmstenfalls werden solche von psychometriegläubigen „Experten“ verpass­ten Etikettierungen zu fatalen Prophezeiungen, die sich selbst erfüllen. Mit zehn Jahren war dem Jungen von einer Kinderklinik im Allgäu eine „emotionale Störung“ bescheinigt worden, woraus dort im Februar 2014 die Diagnose „Autismus“ wur­de. Nicht weniger als sechs verschiedene psychologische Tests hätten nämlich „auffällige Er­geb­nisse“ gezeigt, wie drei Ärz­te und eine Psychologin in ihrem gemeinsamen Befundbe­richt darlegten: unter anderem eine „schwere Beeinträchti­gung der wechselseitigen sozialen Interaktion, Aufzwingen von Routinen, Ritualen und In­ter­essen, Sprech- und Sprach­auffälligkeiten, nonverbale Kom­­munikationspro­ble­me sowie motorische Unge­schick­lich­keit“. Alles in allem liege „eine tiefgreifende Ent­wick­lungs­störung“ vor. Der Mutter wurde nahegelegt, für ihren Sohn einen Behinderten­aus­weis zu beantragen. Kaum war Martin im Camp eingetroffen, da wollte er un­bedingt wieder weg. Doch schon am nächsten Tag „platzte der Knoten“, wie seine Mama in ihrem Tagebuch festhielt. Martins Verhalten während der Heilwoche veranlass­te alle Therapeuten, die sich um ihn kümmerten, zu einhelligem Zweifel an der Autis­mus-Diagnose: Immer öfter lächelte der angeblich schwer Verhaltensgestörte andere Per­sonen an, hielt Blickkontakt mit ihnen, umarmte sie, scherz­te mit ihnen, ließ sich auf längere Gespräche ein, hörte aufmerksam zu; unsere Kinderbetreuerin hörte ihn an einem Abend „wie ein Wasser­fall reden“. Wie „offenherzig“ er sich gab, versetzte seine Mutter in Erstaunen: Hier habe er „sich mehr als bisher geöffnet, seine Scheu gegenüber Fremden wurde deutlich besser. Sogar beim Tanzen mit Anderen hatte er Freude, was früher undenkbar gewesen wäre. Überall war er dabei, ohne sich abzukapseln.“ Verhaltensweisen, die von Psychologen als „autistisch“ etikettiert worden waren, wertete der ärztliche Leiter des Auswege-Camps als „Schüch­ternheit, geringes Selbst­bewusst­sein und starke Mut­ter-Bezogenheit“ – doch „im Camp taute Martin langsam auf“. Wer diese Form des „An­ders­seins“ als therapiebedürftig einstuft, verkennt anscheinend, dass im weiten Spektrum von Persön­lichkeitszügen, die Menschen aus unterschiedlichen Gründen unterschiedlich ausgeprägt, unterschiedlich stabil entwickeln, die „Abwei­chung von der Norm“ eher die Norm als die Ausnahme ist. Offenbar hatte kein klinischer Psychologe, mit dem Martin zu tun bekam, je in Betracht gezogen, dass die eingesetzten Testverfahren ihren besorgniserregenden Befund überhaupt erst hervorgebracht haben könn­ten. Wie finden wir heraus, welche Persönlichkeit in einem Jugendlichen am Beginn seiner Pubertät steckt, der offenbar stiller, unsicherer, vorsichtiger, ängstlicher, zurück­haltender ist als andere? Sollten wir ihn dazu nötigen, in ungewohnter Umgebung, in einem kühl-funktionalen Kli­nik­zim­mer, unter den Augen weißbekittelter, wissenschaftlich-distanzierter Mediziner mit zweifelhafter Empathie stun­denlang Items auf Frage­bögen anzukreuzen – oder sich von diesen Medi­zinern „interviewen“ zu lassen, wobei sich ihr Blick häufiger auf die Unter­lagen richtet, in denen sie die Äußerungen des Getesteten pro­tokollieren, als auf den Ge­te­steten selbst? Das „Aus­wege“-Team zieht es vor, ihm eine Umgebung zu bie­ten, in der er Wohlwollen, Anerken­nung, Ermutigung, Ge­duld und liebevolle Zuwen­dung spürt: eine Umgebung, die seiner psychischen Gesund­heit auch daheim – in der Fami­lie, in der Schule, im Freundes- und Bekanntenkreis – förderlich wäre. Wenn in einem solchen Rahmen seine Verhaltens­auf­fälligkeiten deutlich nachlassen oder gar gänzlich verschwinden: Sind dann nicht eher seine Lebensumstände „behandlungsbedürftig“ als er selbst? In ihrem Bericht erwähnte die Kinderklinik „zerrüttete Fami­lienverhältnisse nach Schei­dung der Eltern, starke Dishar­monie zwischen den Erwach­senen“. Auf Martins Wunsch hin besteht seit Ende 2012 keinerlei Umgang mehr mit dem Vater, zu dem er schon zuvor ein belastetes Verhältnis hatte. Beide Eltern teilen sich zwar das Sorgerecht für Martin, haben aber jeglichen Kontakt zueinander abgebrochen. Dass allein schon solche Verhält­nisse ein hochsensibles Kind psychisch extrem verunsichern und belasten können, ist nachvollziehbar. Im Klammergriff mütterlicher Fürsorge Fatale „systemische“ Hinter­gründe von Erkrankungen veranschaulichten uns im Oktober 2014 drei Teilnehmer unseres 17. Therapiecamps na­he Göttingen : zwei Ge­schwi­ster, Kevin* (14) und Lara* (23) sowie ihre besorgte Mutter Ma­rianne*. Dass Kevin am As­perger-Syndrom leidet – einer milden Form von Au­tismus -, stand für die Mama nach eingehender Lektüre von Fach­literatur zweifelsfrei fest, auch wenn bisher kein Arzt ihre Laiendiagnose bestätigt hatte; in ihrer Ver­mutung ausreichend bestärkt fühlte sie sich nach einem Termin bei einer Autismus-Bera­tungsstel­le. Betroffene weisen Schwä­chen in der sozialen Interak­tion und Kommunika­tion auf, ihre Inter­essen sind stark eingeschränkt, ihre Aktivi­täten oft stereotyp, sie wirken „merkwürdig“ und ungeschickt. All dies schien ihr auf Kevin zuzutreffen: „Von klein auf hat er überwiegend alleine gespielt, war sehr ruhig, zog sich stundenlang in seine Welt zurück, beschäftigte sich für Tage und Wo­chen nur mit einem be­stimm­ten Thema (Holzspiel­zeug, Lego, Autos, Schildkrö­ten, später Schach, neuerdings Bogenschießen)“, schilderte uns die Mutter vorab. Dabei habe er sich stets „sehr tollpatschig und unbeholfen“ angestellt. Eine Zeit­lang hielt sie ihn für schwerhörig, stellte dann aber fest, dass er „einfach alles ausblendet“. Er habe „überhaupt kein Zeitgefühl und kein richtiges Kälteempfinden“ und „braucht unbedingt strukturierte Tagesabläufe“. Seine Lehrer beschrieben ihn als „still und unauffällig“. Stundenlang „redet er über seine Spezialthe­men und merkt dabei nicht, dass sein Gegenüber schon lange nicht mehr hinhört“. Wie viele Autisten verblüfft Kevin durch ausgeprägte Sonderbe­ga­bungen: Einmal gehörte Ge­schichten „kann er eins zu eins wiedergeben“; beim Malen, Bauen, Basteln sei er „sehr kreativ“. Und was war mit Kevins älterer Schwester Lara* los? Seltsam oft fühlte sich die junge Frau „müde, erschöpft, abgeschlagen“ – mitbedingt durch einen Heuschnupfen, der sie seit ih­rem neunten Lebensjahr plagt, aber auch in Zeiten ohne Pollen­flug“. Seit über einem Jahr machten ihr phasenweise Hautprobleme zu schaffen: „am Gesicht, am Hals, im Nacken, an den Oberarmen, am ganzen Rücken“. Dann „brennt und juckt es“. Kein Dermato­loge hatte ein Mittel dagegen gefunden. Als weitere gesundheitliche Belastungen gab die junge Frau „Schilddrüsenpro­bleme“ an – ein Heilpraktiker will eine Hashimoto-Thyreo­ditis festgestellt haben -, außerdem „chronisch entzündete Mandeln, Gliederschmerzen, Schweißausbrüche, Schlafstö­run­gen“. In einem ausführlichen Begleitbrief zu ihrer Anmeldung schilderte Lara ihre Lebensgeschichte, die geprägt war von Anspannung, Überforderung, Angst und mangelndem Selbstbewusst­sein. Mehrfach wechselte sie die Schule, weil sie sich „von Lehrern gestresst und ge­mobbt“ fühlte. Wiederholt versagte sie in Abschlussprüfun­gen. Ihre psychische Verfas­sung kennzeichnete sie so: „Kein Selbstvertrauen mehr; ständige Angst davor zu versagen; ohne Selbstbewusstsein, mich zu wehren; habe immer alles geschluckt; es fällt mir schwer, bestimmte Dinge an- oder auszusprechen; bin eher still und zurückhaltend, um Ärger aus dem Weg zu gehen.“ Was steckte hinter der Sym­ptomatik der beiden? Wie war ihnen zu helfen? Kevins mutmaßliches Asperger-Syndrom konnte kein Teammitglied bestätigen, das sich um den Jungen während des Camps kümmerte. Anfangs überaus schüchtern und wortkarg, öffnete er sich mit jedem Camptag mehr, wurde zutraulich, redete und spielte mit Anderen. „Kevin ist ein hochsensibler Junge mit hoher Auffassungs­gabe und vielen Talenten“, konstatierte unser Camparzt ab­schließend, „weniger autistisch als introvertiert“. Wovor zieht sich Kevin nach innen zurück? Eher beiläufig hatte Lara bei ihrer Anmeldung „familiären Stress“ angegeben, ohne näher darauf einzugehen – und genau hier vermuteten wir die Wurzel des Übels. Kein Arzt und kein Heilpraktiker, denen Marianne ihre Kinder bisher vorstellte, hatte sich jemals eingehend mit dem Elternhaus befasst, insbesondere mit Marianne selbst, die ebenfalls gesundheitlich schwer angeschlagen zu uns gekommen war. Statt uns auf ihre Symptome zu konzentrieren, hinterfragten wir zuallererst ihre Lebensgeschichte, und die erwies sich als überwiegend unglücklich und belastet: Die Eltern, die gemeinsam eine Firma leiteten, hatten Marianne von Anfang an vernachlässigt; ihr Vater war „oft sehr jähzornig“, so erinnerte sie sich – „als ich acht Jahre alt war, wollte er mich erschießen“; ihre Mutter „konnte kei­ne Gefühle zeigen, nie nahm sie mich in den Arm und tröstete mich, nie las sie mir ein Buch vor oder spielte mit mir“. Wegen schlechter Schulleistun­gen, die hauptsächlich von einer Legasthenie herrührten, erklärten ihre Eltern sie für „blöd“. Unauslöschlich ins Ge­dächtnis eingebrannt hat sich ihr ein Kindheitstag, an dem sie eine schwer depressive Tante, die „den größten Teil ihres Lebens in Kliniken verbrachte“, blutüberströmt und bewusstlos in der gemeinsamen Wohnung fand, nach einem missglückten Selbstmord­versuch. Während ihrer Kind­heit litt Marianne jahrelang unter starken Hals­schmerzen und einer Bauch­fellentzün­dung. Eine Lehre als Dekora­teurin brach sie nach einem Jahr ab, teils aus gesundheitlichen Gründen, teils we­gen eines schikanösen, daueralkoholisierten Chefs. Danach be­gann sie eine Ausbildung zur Arzt­helferin, bis sie einen selbstständigen Notarzt kennenlernte, der ihr Ehemann und Vater ihrer acht (!) Kinder wurde, die sie zwischen 1985 und 2003 gebar. „Das Leben mit ihm folgte dem gleichen Muster, das ich in meinem Elternhaus erlebt hatte: Es war geprägt von Erniedrigungen und seelischen Qualen, später kamen noch massive Existenz­ängste hinzu“, als dem Mann wegen Steuer­hinterziehung Ge­fängnis drohte. Obendrein starben innerhalb von vier Jahren zwei Omas und der Vater, an den sie immerhin auch „positive Erinnerungen hat: In schwie­rigen Situationen war er als Ein­ziger für mich da gewesen“. All diese Belastungen blieben nicht ohne gesundheitliche Auswirkungen: „Ständig hatte ich Migräne – mit Erbrechen, Seh- und Wortfindungsstörun­gen -, chronische Nebenhöhlen­entzündungen, Magenge­schwü­­­re, ein (unoperierter) Band­scheibenvorfall, Heuschnup­fen, massive Aller­gien. Bei einer Körpergröße von 1,80 m wog ich nie mehr als 46 Kilo.“ Im Herbst 2009 „hatte ich einen völligen Zusammen­bruch mit Angstzuständen und Depres­sio­nen“. Bald darauf trennte sie sich endgültig von ihrem Mann – „und dann verschwanden von selbst fast sämtliche Krank­heiten, sogar der Heuschnup­fen. Geblieben ist eine Gluten­unverträglich­keit und meine massiven Schlaf­störungen.“ Zwar sollen ihr zwei Psycho­lo­ginnen mit Verhaltens- und Traumathera­pie geholfen ha­ben. Doch „ir­gendwie komme ich aus dem Schlamassel noch nicht heraus, es kehrt in keinster Weise Ruhe in mein Leben ein“. Weiterhin fühlt sich Marianne chronisch erschöpft. Mit jedem Camptag wurde uns klarer: Die mysteriösen Krank­heitsbilder der Kinder hängen aufs engste mit Mariannes Unfähigkeit zusammen, ihren „Schlamassel“ zu verarbeiten. Unser Camparzt erlebte Lara als „wahnsinnig sensibel, völlig abhängig von der Mutter, ohne Selbstvertrauen und Selbst­wertgefühl. Trotz ihrer 23 Jahre traut sie sich kein eigenes Le­ben zu. Ich habe ihr nahezubringen versucht, dass es sich bei all ihren Sympto­men nur um angestaute Ag­gres­sionen handelt, bedingt dadurch, dass sie nicht aus sich herausgeht, viel zu bescheiden ist. Wenn sie insofern aufblüht, werden die Symptome verschwinden.“ Die heikle Familienkonstella­tion wird nach seinem Ein­druck geprägt von einer „sehr dominanten“ Mutter, die „alles weiß – besser! Das Bild, das sie von ihren Kindern hat, tragen diese wie einen Stempel auf ihrer Stirn. Sie akzeptieren die mütterliche Übermacht, leiden aber sehr darunter: Lara tut dies mit Mutlosigkeit, Minder­wertigkeit, Schwächegefühl“. (Tatsächlich erlitt sie am vorletzten Camptag einen Schwä­che­anfall.) Und ebenso wie bei ihrem kleinen Bruder äußert sich ihre seelische Belastung „in genau den gleichen Sym­ptomen: Beide kriegen die Schu­le nicht hin, versagen bei Prüfungen, trauen sich nichts zu, sind mut- und kraftlos“. Lara habe dies „durch die Ge­spräche mit mehreren Thera­peu­ten verstanden und angefangen, gegenüber ihrer Mutter eigene Vorstellungen vorzubringen. Lara wird ihren Weg gehen und möglichst bald von zu Hause ausziehen.“ Auch bei Kevin waren wir zu­versichtlich: „Sobald die Schwie­­rigkeiten in diesem Familienge­bil­de verschwinden, wird der Junge völlig ‚normal’“, sagte Hei­ler Dr. André Peter voraus. Unser Camparzt bemerkte abschließend: „Noch ist Kevin zu jung, um genügend Selbst­be­wusstsein zu entwickeln, sich gegen Mama zu stemmen. Darin haben wir ihn bestärkt.“ Mehr konnten wir für Kevin und Lara leider nicht tun – denn während der Camptage erwies sich ihre Mutter als ganz und gar „behandlungsresistent“: Ihre Therapiesitzungen gestaltete Marianne als Mono­loge, redete „ohne Punkt und Kom­ma, wie ein Maschinen­gewehr“ (so ein Therapeut), wich jeglichen Hinweisen, wie sie zur Symptomatik ihrer Kin­der beigetragen haben könnte, beharrlich aus. „Irgendwann habe ich´s aufgegeben“, resignierte nach drei Tagen ein Heilpraktiker aus unserem Team, „sie weiß sowieso alles besser.“ Ein Heiler empfand nach einem anstrengenden zweieinhalbstündigen Termin mit ihr: „Sie lebt ihre Krankheit und benutzt ihre Kinder als Schutzschild, will sie nicht loslassen.“ Unser Camparzt hielt ihr zugute, dass „ihr Leben sicher nicht einfach war“; aber „es wird dies auch nie werden, weil sie sich unentwegt um die Kinder sorgt und kümmert – und keine Zeit findet für sich.“ Andererseits „tut es ihr auch sehr gut, sich kümmern zu müssen und zu dürfen. So ist sie von sich abgelenkt und braucht bei sich nichts zu än­dern. Wenn die großen Kinder aus dem Haus sind, werden die kleinen ihre geballte Ladung ‚Kümmerei’ abkriegen. Oh, die Armen!“ Unter einem Vorwand reiste Marianne zwei Tage vor Camp­ende überstürzt ab, samt Kevin und Lara. Nahm sie reißaus vor unangenehmen Wahrheiten? Unheilvoll verstrickt Und bei erwachsenen Patien­ten? Häufig leiden auch sie unter einem unheilen sozialen System, und Behandlungsfort­schritte erfordern, sich mit dieser Situation auseinanderzusetzen. Oft erst in unseren Camps werden ihnen diese Zusam­men­hänge bewusst: Dorothea* und Gerald* beispielsweise, einem Ehepaar, das in den Jah­ren 2013/14 dreimal ein „Aus­wege“-Camp besuchte. Doro­thea (54) brachte zu uns eine chronisch-obstruktive Lungen­erkrankung mit (englisch chronic obstructive pulmonary disease , Abkürzung: COPD), die mit Husten, vermehrtem Auswurf und Atemnot bei Belastung einhergeht. „Ständig bin ich auf ein Beatmungsgerät angewiesen“, wie sie in ihr Anmelde­formular eintrug. Ihr Gatte Ge­rald, Verwaltungsange­stell­ter und sechs Jahre älter als sie, leidet seit 2000 an Bluthochdruck – „medikamentös gut eingestellt“, wie er sagt, allerdings mit häufigem Nasenbluten. Zu­dem plagen ihn Schmerzen im Knie und Muskelverkramp­fun­gen, die ihn beim Gehen be­hin­dern; weder diverse Schmerz­mittel - Tabletten und Salben - noch Physiotherapie brachten Linderung. Während und nach ihren Camp­aufenthalten nahmen Doro­­theas Beschwerden einen sonderbaren Verlauf: Jedesmal besserte sich ihre Atemnot mehr oder minder deutlich, zeitweilig kam sie sogar ganz ohne Sauerstoffgerät aus – besonders, wie uns auffiel, in Momenten, in denen sie sich un­beobachtet wähnte oder ab­gelenkt war. Doch schon bald nach ihrer Heimkehr war alles wieder beim alten: „Warum geht es mir nicht besser, wo ich doch jeden Tag meditiere und an mir arbeite?“, so fragte uns Dorothea. „Dann kommt die Angst, und mit der Angst kommt die Atemnot.“ Das gleiche Auf und Ab beobachteten wir bei Gerald: Bei uns ließ seine Hypertonie deutlich nach, die Schmerzen klangen weitgehend ab – und kehrten zu Hause rasch wieder. Was dahintersteckte, zeigt sich erst aus einer psychosomatischen und „systemischen“ Sicht­weise. Die beiden Schläu­che in Dorotheas Nase, über die sie sich künstlich beatmen lässt, kamen unserem Camparzt als „bloße Placebos“ vor: „Sie wä­ren überflüssig, wenn die Pati­entin lernen würde, durchgehend normal zu atmen“, wie ihr dies in besonderen Momen­ten gelang. Ihr zwanghafter Ein­­druck, auf das Beatmungs­gerät angewiesen zu sein, könnte nach Einschätzung meh­rerer Teammitglieder von subjektiven Krankheitsgewin­nen herrühren: Sie hat Angst vor Verlusten, die ihre Ge­nesung mit sich bringen könnte – bis zum Schlimmsten, dass ihr Mann sie verlassen könnte - und „Angst, eigenverantwortlich ins Leben zu treten“, wie unser leitender Camparzt ab­schließend konstatierte. Wie sie ihren Gerald kennt, zwingen ihn Loyalität und Pflichtgefühl, ihr beizustehen, solange sie leidet; eine schwerkranke Frau im Stich zu lassen, brächte er nicht übers Herz. Außerdem „braucht sie diese Krankheit womöglich, um eine Leere in ihrer Seele zu überdecken: Wäre sie gesund, dann müsste sie wieder für sich selbst sorgen – und ihr Mann bräuchte sie nicht mehr zu verwöhnen. Aber das will sie nicht.“ Umgekehrt hingen Geralds Be­schwerden offenkundig mit Do­­­ro­theas gesundheitlicher Ver­fassung zusammen. Als „nicht ernstlich krank“ schätzte ihn un­ser Camparzt ein: „In seinem Bluthochdruck spiegelt sich der hohe Druck, der sich aus der Sorge für seine schwerkranke Frau ergibt. Wenn er sieht, dass sie neuen Mut schöpft, erleichtert ihn das sehr.“ In weiter Ferne bleibt Hei­lung auch, solange sich Pati­en­ten als machtlose Op­fer ihrer wichtigsten Bezugssy­steme sehen und damit ha­dern. Unsere Botschaft lautet: Change it, leave it, or love it . Versuche das System zu verändern, das dich krank macht – deine Part­nerschaft bei­spielsweise, oder deinen Ar­beitsplatz. Wenn du das nicht kannst: Verlasse es. Wenn das nicht geht: Lerne es zu akzeptieren; hadere nicht nur mit seinen Schattenseiten, sondern mache dir klar, welche ange­neh­men Aspekte, welche Vor­teile es für dich hat. Ein Ge­sund­heitswesen, in dem Helfer und Hilfesuchende systemisch denken und handeln lernen, wird effektiver, davon sind wir fest überzeugt. Anmerkung 1 Soziologen unterscheiden zwischen primären und sekundären Sy­stemen. Bei ersteren handelt es sich um die sozialen Gruppen, deren Mitglieder in Handlungsbeziehun­gen zueinander stehen, wie z. B. die Familie. „Sekundär“ heißen Organisationen wie Unternehmen, Vereine, Verbände, Parteien, Be­hörden und Schulen, die durch zweck­orientierte Strukturen und Funktionen gekennzeichnet sind. ( Harald Wiesendanger ) Dieser Betrag stammt aus dem Buch von Harald Wiesendanger: Auswege – Kranken anders helfen (2015) und wurde leicht redigiert.

  • Der Osteoporose-Schwindel

    Schon bei jeder fünften Frau über 50 liegt Osteoporose vor – ihre Knochendichte hat sich gefährlich verringert, Brüche drohen. Die herkömmliche Behandlung nützt zuverlässig allerdings nur Pharmakonzernen, Arztpraxen und Kliniken, während sie die Situation der Betroffenen oft verschlimmert. Dabei könnten einfache Maßnahmen die Knochengesundheit wiederherstellen und erhalten – viel billiger und frei von Nebenwirkungen. Mit dem allseits bekannten Otto Normalverbraucher führt Ottilie Normalversteherin eine überaus harmonische Ehe auf Augenhöhe, innig verbunden durch vielerlei Gemeinsamkeiten. Unter anderem interessieren sich beide sehr für Gesundheitsthemen, und weil sie zu jedem kostenlosen Apothekenheft greifen und stets die Medizinseite ihres Lokalblatts studieren, wähnen sie sich bestens informiert. Deshalb kann Ottilie, 53, unmöglich kaltlassen, was sie kürzlich las: Jede fünfte Frau über 50 hat Osteoporose. Die meisten ahnen überhaupt nichts davon. Denn sie sind beschwerdefrei. Unmerklich werden ihre Knochen immer poröser, bis sie eines Tages brechen – und nie mehr heilen. Neben Arthrose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Demenz, Seh- und Hörverlust, so erfährt Ottilie, zählt Osteoporose zu den häufigsten Ursachen für Invalidität unter Senioren: Nach einem osteoporotischen Bruch kann sich jeder vierte Betroffene nicht mehr selbst versorgen und wird pflegebedürftig; bereits im ersten Jahr nach einem schweren Hüftbruch stirbt jeder Fünfte an den Folgen, nach Angaben des Dachverbands Osteologie  (DVO). Weil sie solche Aussichten sehr beunruhigen, lässt sich Ottilie von ihrem Hausarzt zu einem Orthopäden überweisen. „Gut, dass Sie endlich gekommen sind“, sagt er, „in Ihrem Alter wird es höchste Zeit, die Knochendichte zu messen.“ Deren Ergebnis zeigt zumindest schon eine Vorstufe zur Osteoporose an: Osteopenie. Der Arzt verschreibt Ottilie ein Calcium-Präparat und Vitamin D – „es hilft, Calcium aus dem Darm aufzunehmen und in die Knochen einzubauen“. Im übrigen rät er ihr zu mehr Milchprodukten. In einem Jahr soll sie zur Kontrolle erscheinen. Mit dieser ersten Messung beginnt für Ottilie eine typische Patientenkarriere, deren Hintergründe sie bis zuletzt nicht im geringsten durchschaut. Kurz nachdem sie mit der Calcium-Einnahme begonnen hat, macht ihr ständig die Verdauung zu schaffen. Blähungen, Verstopfungen, Durchfall gehören zu ihrem Alltag. Das könnte an einer Laktoseintoleranz liegen, liest sie irgendwo. Also meidet sie Milchprodukte, isst dafür mehr Grünkohl, Brokkoli und Spinat. Oder verträgt sie Gluten nicht? Fortan verzichtet sie auf Backwaren aus Weizen, Roggen und Gerste. Oder hat sie Schwierigkeiten, Fruktose zu verdauen? Vorsichtshalber lässt sie die Finger von Obst mit hohem Fruchtzuckergehalt. Aber die Beschwerden bleiben. Liegt es womöglich an Magengeschwüren? Gallensteinen? An einer Pankreatitis? An Morbus Crohn? Oder Colitis ulcerosa? All das lässt Ottilie ärztlich abklären – ohne Befund. Bis sie insoweit Klarheit hat, steht schon die nächste Knochendichtemessung an. Leider liefert sie keinen Grund zur Entwarnung, im Gegenteil: Der Wert hat sich verschlechtert, er deutet nun bereits auf eine beginnende Osteoporose hin. Natürlich weiß der Orthopäde Rat: „Offenbar genügt Calcium bei Ihnen nicht. Ich verschreibe Ihnen nun ein Medikament, das Sie ab sofort zusätzlich einnehmen, einmal wöchentlich – ein sogenanntes Bisphosphonat. Es hemmt den Knochenabbau. Zuverlässig. Und gut verträglich.“ „Fosamax“ heißt es. „In einem Jahr sehen wir uns wieder.“ Das nächste Wiedersehen findet aber schon wenige Wochen später statt. Denn Ottilie machen neue Beschwerden zu schaffen: ständiges Sodbrennen, Übelkeit, Bauchweh, Schmerzen in Muskeln, Knochen und Gelenken. „Das liegt womöglich an Ihrem Osteoporose-Medikament“, vermutet der Hausarzt und schickt sie nochmals zum Orthopäden. „Es kann schon mal vorkommen, dass man ein bestimmtes Präparat nicht so gut verträgt“, erklärt der Facharzt. Er drückt Ottilie ein Rezept für „Actonel“ in die Hand. Doch an ihren Beschwerden ändert sich nichts. Mit „Bonviva“ und „Aclasta“ ebensowenig. Was bleibt Ottilie anderes übrig, als ihre Symptome tapfer zu ertragen? „Mir keine Knochen zu brechen, ist wichtiger.“ Gegen ihr Sodbrennen wird ihr ein Protonenpumpenhemmer verschrieben. Daraufhin verstärken sich ihre Verdauungsstörungen. Oft wird ihr schwindlig. Noch häufiger tun Kopf und Bauch weh. Zwanzig Jahre lang schluckt sie Arzneimittel gegen Knochenabbau, strikt nach Anleitung in den Beipackzetteln. Und weiterhin lässt sie regelmäßig ihre Knochendichte messen. Erfreut erfährt sie, dass sich der Wert allmählich bessert. Das erleichtert es ihr, die anhaltenden Nebenwirkungen der Pillentherapie auszuhalten. Ihre Schmerzen bekommt sie mit Ibuprofen recht gut in den Griff – aber auf Dauer beschert es ihr Magenschleimhautentzündungen und Zwölffingerdarmgeschwüre. Wenigstens bessern sich ihre Wechseljahresbeschwerden ein wenig, seit ihr Gynäkologe ihr Östrogene verordnet. „Die stärken zugleich auch ihre Knochen, wie Studien zeigen“, sagt er. Ottilie ist 73, als sie über einen Teppichrand stolpert, unglücklich stürzt – und sich einen komplizierten Bruch des Hüftgelenks zuzieht. Er verheilt nicht. Davon erholt sich die Rentnerin nie mehr. Ihr letztes Lebensjahrzehnt bleibt sie an den Rollstuhl gefesselt – und todkrank, denn die Hormonersatztherapie hat zu Brustkrebs geführt. Verköstigt mit jener berüchtigten, nicht unbedingt knochenfreundlichen Art von kulinarischer Sterbehilfe, für die Deutschlands Altenverwahranstalten berüchtigt sind, schließt sie voller Metastasen in einem Pflegeheim für immer die verweinten Augen – ein paar Monate nach ihrem Otto. Den hatte ein Herzinfarkt dahingerafft, kurz nach dem zweiten Corona-„Booster“. In die Pharma-Falle getappt Ottilie ist fiktiv, ihre Krankengeschichte ganz und gar nicht. Jahr für Jahr lassen sich Abermillionen von vermeintlichen „Risikopatienten“ eine Heidenangst vor brüchigen Knochen einjagen, woraufhin sie sich ahnungslos, in blindem Vertrauen auf den Sachverstand ihrer Orthopäden, einem perversen Medizinsystem ausliefern, das Krankheit produziert statt heilt – davon lebt es. Für ihre Gutgläubigkeit zahlen allzu viele einen hohen Preis. Die Geschichte dieses Skandals beginnt im Jahr 1992, mit der Weltgesundheitsorganisation als schändlichem Hauptakteur. Anfang der neunziger Jahre heckte die WHO willkürlich die heutigen Definitionen von Osteopenie (1992) (1) und Osteoporose (1994) (2) aus. Fortan hatten Mediziner darunter Skeletterkrankungen zu verstehen, die nicht etwa durch bestimmte Beschwerden gekennzeichnet sind, sondern durch einen Messwert: Bei ihnen liegt die Knochenmineraldichte ( B one M ineral D ensity , BMD) in der Hüfte, gemessen in g/cm2 oder g/cm3, 1 bzw. 2,5 Standardabweichungen unter der Spitzenknochenmasse einer durchschnittlichen, etwa 30-jährigen kaukasischen (3) Frau, festgestellt mit einem Röntgengerät, das als Dual Energy X-ray Absorptiometry (DXA oder DEXA) bezeichnet wird.  Eine “Standardabweichung” ist nichts weiter als eine statistische Rechengröße, die ausdrückt, in welchem Ausmaß eine Gruppe innerhalb einer Population vom Mittelwert abweicht: beispielsweise in puncto Körpergröße, Gewicht, Muskelmasse, Cholesterinspiegel, Intelligenz – oder auch im Verhältnis der mineralisierten Knochensubstanz, die hauptsächlich aus Calcium- und Phosphatkristallen besteht, zu einem bestimmten Knochenvolumen. Darauf beruht der „T-Score“, den Orthopäden für ihre Patienten aus BMD-Messungen ableiten. Er wird in Standardabweichungen (SD) angegeben. Für deren Interpretation legte die WHO folgende Grenzwerte fest: -  T-Score ≥ -1,0 SD: Normale Knochendichte -  T-Score zwischen -1,0 und -2,5 SD: Osteopenie (Vorstufe der Osteoporose) -  T-Score ≤ -2,5 SD: Osteoporose. Diese völlig willkürliche Terminologie hat für Skelettinhaber schwerwiegende Folgen: -          Aus statistischen Gründen können sie an einer behandlungsbedürftigen Krankheit leiden, ohne die geringsten Beschwerden zu haben. -          Diese symptomfreie Krankheit verschlimmert sich unbemerkt mit unerbittlicher Notwendigkeit,  je länger der 30. Geburtstag zurückliegt. Schließlich gehört es zum natürlichen Alterungsprozess jedes Menschen, dass die Knochenmineraldichte nach und nach abnimmt. Gemäß WHO-Definition „leiden“ im Alter von 25 Jahren schon 15 % der Bevölkerung ohne geringstes Leid an Osteopenie; unter den 50-Jährigen sind es bereits 33 %. Und von den 65-Jährigen müssen 60 % hinnehmen, dass sie entweder an Osteopenie (40 %) oder schon an Osteoporose (20 %) leiden. Aber wie logisch ist es, die Standardknochendichte eines jungen Erwachsenen zum Maßstab für uns alle zu machen,  unabhängig vom Alter? Läge es nicht viel näher, vom “Z-Score” auszugehen, der unsere BMD mit der unserer Altersgruppe, mit gleichem Geschlecht und ethnischer Herkunft vergleicht? Sobald man dies tut, löst sich eine gewaltige Krankheits”last” schlagartig in Luft auf. Einer 2009 im Journal of Clinical Densitometry  veröffentlichten Studie zufolge wären 30 % bis 39 % der Probanden, bei denen mittels DXA-Technik Osteoporose diagnostiziert worden war, entweder als normal oder als bloß “osteopenisch“ einzustufen, wenn der Z-Score statt des T-Scores verwendet würde. Wer den Interessenkonflikten innerhalb des Expertengremiums nachforscht, auf dessen Empfehlungen die WHO ihre Begriffsakrobatik stützt, der ahnt: Dahinter verbirgt sich eine Absicht, die weniger mit der Förderung der Gesundheit zu tun hat als mit der Unterstützung von Geschäftsmodellen, die darauf beruhen, dass Gesundheit verlorengeht. Dazu wird ein normaler Alterungsprozess pathologisiert – mit einem Taschenspielertrick verwandelt er sich in eine behandlungsbedürftige Krankheit, auf die teure Diagnostik zielen darf, um den Einsatz teurer Medikamente zu rechtfertigen. „Wir haben ein Nicht-Problem medikalisiert”, räumt Dr. Michael McClung ein, Direktor des Oregon Osteoporosis Center. (4) Der bewährte Einsatz von mathematisch-klinischem Fachchinesisch, gepaart mit akademischer Arroganz, hindert verunsicherte Laien daran, das Spiel zu durchschauen. Die semantische Luftnummer diente ökonomischem Kalkül. Denn sie bereitete, in bewährter Manier, den Weg für abartige “Präventivmedizin” – nicht etwa im Sinne von Maßnahmen, die Erkrankungsrisiken senken, sondern von massenhaften Vorsorgeuntersuchungen, um Erkrankungen kostspielig festzustellen. Stets werden solche lukrativen Screenings alsbald zur Normalität. (Ein DEXA-Scan kostet üblicherweise zwischen 50 und 150 Euro – und muss natürlich möglichst oft stattfinden, damit sich das 23.000 bis über 35.000 Euro teure DEXA-Gerät zügig amortisiert .) Je niedriger dabei die Schwelle zum Pathologischen liegt, je früher Alarm schrillt, dass sie überschritten ist, desto gerechtfertigter scheint es, darauf zugeschnittene medizinische Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen. Je tiefer der “sichere” Blutdruck, der “sichere” Cholesterinspiegel liegt, desto mehr Blutdrucksenker und Statine lassen sich verschreiben. Die WHO-Definitionen von Osteopenie und Osteoporose ermöglichten es, das gleiche infame Spiel mit der Knochendichte zu veranstalten. Der Preis ist heiß, der Markt gewaltig: In Deutschland sollen bereits 6 % der Bevölkerung von Osteoporose betroffen sein (5), geschätzte 6,5 bis 8 Millionen; bei vier Fünfteln davon handelt es sich um Frauen nach der Menopause. “Im Alter von 70 ist Osteoporose eine Volkskrankheit", konstatiert der Internist Johannes Pfeilschifter, der seit zwanzig Jahren die Weiterentwicklung der Leitlinie zur Osteoporose koordiniert, eine Orientierungshilfe zu Diagnose und Therapie. Weltweit dürften rund 200 Millionen betroffen sein. Da winken Multimilliarden-Geschäfte. Pharma-Keule gegen Osteoporose: mehr Schaden als Nutzen Doch wie viele Osteoporose-Patienten erfahren jemals von ihren Ärzten, wie fatal sich eine fabelhafte BMD auswirken kann? Mehrere Studien belegen mittlerweile: Eine überdurchschnittlich hohe Knochendichte steigert bei Frauen mittleren Alters und Seniorinnen ihr Brustkrebsrisiko um 200 % bis 300 %. (6) Calcium präparate in Megadosen, wie unzählige Frauen sie vorsorglich schlucken, erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarkts um 24 bis 27 %, wie zwei 2011 im Lancet  veröffentlichte Metaanalysen zeigen (7), und um 86 %, wie eine neuere, in der Zeitschrift Heart veröffentlichte Metaanalyse ergab. Die mehr als 1.200 Milligramm reines Calcium, deren Einnahme die US-amerikanische Bone Health and Osteoporosis Foundation (BHOF) Frauen ab 50 empfiehlt, um „ihre Knochen zu schützen“, könnten bei Abermillionen zudem Koronararterienkrämpfe, Gefäßverkalkungen und Nierensteine hervorrufen. (In Wahrheit können schon mehr als 500 mg problematisch sein.) Dass die einflussreiche Organisation in nächster Zeit umschwenkt, ist eher unwahrscheinlich: Zu ihren Sponsoren zählen die Hersteller der Calciumpräparate Citrical und Oscal. Weshalb macht es wenig Sinn, bloß reichlich Calcium zuzuführen? Auch wenn manche Fachbücher beides über einen Kamm scheren: Osteoporose ist nicht dasselbe wie Osteomalazie, eine Störung, bei der sich wegen Calciummangels Mineralien aus dem Knochen lösen, was ihn erweichen lässt. Bei Osteoporose geht vielmehr das Gerüst der Knochensubstanz verloren: das Osteoid, eine Matrix, die hauptsächlich aus Kollagenfasern besteht. Gebildet wird es von spezialisierten Zellen, den Osteoblasten, die aus Stammzellen im Knochenmark entstehen. Dabei setzen sie Osteonektin frei, ein Hormon, das bewirkt, dass Calcium an die Fasern bindet und sich in deren weiches Geflecht einlagert, um es zu verfestigen. Dünnt diese Matrix mit fortschreitendem Alter aus, so bringt mehr Calcium herzlich wenig – weil die Struktur fehlt, in die es sich einlagern kann. Ebensogut könnte man Zement ohne vorherige Schalung auf eine Baustelle kippen. Wie steht es mit den immer häufiger verordneten Bisphosphonaten : Wirkstoffen, welche die Osteoklasten ausschalten oder abtöten – jene Zellen, die Knochensubstanz abbauen? Tatsächlich sorgen sie dafür, dass die Knochendichte zunimmt, weil sich das Gleichgewicht der Knochenproduktion zugunsten des Aufbaus verschiebt. Doch die sich bildenden Knochen sind viel brüchiger und unflexibler. Das erklärt, weshalb Bisphosphonate paradoxerweise das Risiko von Knochenbrüchen  erhöhen  - insbesondere von ungewöhnlichen Hüftfrakturen -, welche anschließend schlechter heilen. Langfristig eingenommen, können sie die Entstehung von Knochenfissuren - Mikrofrakturen - fördern, also feinen Rissen oder Spalten im Knochen, was seine Heilungsfähigkeit massiv hemmt. Bezeichnend : Von 70 Patienten, die zwischen 2002 und 2007 wegen Frakturen des Oberschenkelknochens ins Presbyterian Hospital/Weill Cornell Medical Center  in New York eingeliefert wurden, nahmen 25 das Bisphosphonat Fosamax ein. Von 20, die im fünfjährigen Beobachtungszeitraum eine sogenannte Stressfraktur („Ermüdungsbruch“) erlitten - eine spezielle Form von Knochenbruch, die durch wiederholte Überlastung entsteht -, hatten 19 Fosamax geschluckt.   Diese niederschmetternde „Erfolgsbilanz“ aus dem Jahr 2007 bestätigte vier Jahre später eine schwedische Studie  an mehr als 12.700 Frauen über 55 Jahren: Von 59, die Oberschenkelbrüche erlitten, hatten 78 % Bisphosphonate eingenommen. „Der Zusammenhang zwischen Bisphosphonaten und den Brüchen ist so auffällig, dass er als kausaler Zusammenhang bestätigt werden kann", so erklärt der Studienleiter.   Darüber hinaus bringt dieser Medikamententyp vielerlei üble Nebenwirkungen mit sich. Zu den häufigsten zählen: Magenreizung; Entzündung der Speiseröhre, bis hin zu Krebs; schwere Knochen-, Muskel- und Gelenkschmerzen im ganzen Körper; Absterben von Knochengewebe im Kiefer; grippeähnliche Symptome; Vorhofflimmern; nachlassende Nierenfunktion; Entzündungen der Augen; und Hypokalzämie - ein zu niedriger Calciumspiegel im Blut, der Muskelkrämpfe und Taubheitsgefühle in Gliedmaßen auslösen kann, in schweren Fällen sogar epileptische Anfälle.  Doch wie viele Patienten bringen noch so heftige Nebenwirkungen jemals auf die Idee, den Pharmaansatz grundsätzlich zu hinterfragen? Bekommt ihnen ein bestimmtes Produkt nicht, so greifen die allermeisten eher zum nächsten, das ihnen der Doktor empfiehlt – der muss es ja wissen, nicht wahr? (Wie konventionelle Ärzte in der Regel zu ihrem Fachwissen kommen, zeige ich in der Artikelserie „ Dressierte Halbgötter “ auf.) Häufig lassen sich Betroffene Hormone  verschreiben, aus scheinbar gutem Grund: Östrogene spielen im Knochenstoffwechsel eine mitentscheidende Rolle. Mangelt es an ihnen, so leben knochenabbauende Zellen (Osteoklasten) länger, während sich die Lebensdauer von aufbauenden (Osteoblasten) verkürzt; dies führt in den Wechseljahren dazu, dass verstärkt Knochenmasse verlorengeht . Tatsächlich belegen Studien, dass bei mehrjähriger Hormonersatztherapie Knochenbrüche um 25 % seltener auftreten, das Risiko von Hüft- und Wirbelfrakturen sinkt sogar um ein Drittel. (8) Allerdings erhöhen Östrogengaben das Risiko für Brust-, Eierstock- und Gebärmutterschleimhautkrebs, für Herzerkrankungen, für lebensbedrohliche Thromboembolien – Verschlüsse von Blutgefäßen, weil ein Blutgerinnsel innerhalb des Gefäßsystems weiterwandert -, für Gallenblasenerkrankungen, Inkontinenz, Schlaganfälle, für Demenz. (9) Das wichtigste Hormon, das den Knochen Elastizität verleiht und die Osteoblasten anregt, ist das Progesteron. Wie Östrogen nimmt es mit dem Alter ab, insbesondere nach der Menopause. Angemessen ergänzt – was anders als beim Östrogen fast immer ungefährlich ist – hilft Progesteron recht wirkungsvoll, Knochenbrüchen vorzubeugen . Depressionen, Migräne, schwere allergische Reaktionen mit Blutdruckabfall, Herzrhythmusstörungen treten nur sehr selten auf. Doch das Risiko besteht. Sorgt eine neue Medikamentenklasse für Abhilfe: Selective Estrogen Receptor Modulators, kurz SERMs wie “Raloxifen” und “Bazedoxifen”? Diese beeinflussen Östrogenrezeptoren selektiv: In manchen Geweben, z.B. Knochen, haben sie östrogenartige Effekte, in anderen, z.B. der Brust, wirken sie antiöstrogen. Somit ermöglichen SERMs, differenzierter zu behandeln als mit klassischer Hormonersatztherapie. Auf den ersten Blick scheinen sie deren Gefahren elegant zu umgehen, zugleich aber deren Nutzen zu bewahren. Sie steigern die Knochendichte, beugen zugleich Brustkrebs vor und lindern Wechseljahresbeschwerden. (10) Doch leider bannen auch SERMs schwerwiegende Risiken keineswegs: Es drohen Venen- und Lungenthrombosen, Schlaganfälle, Gallenblasenerkrankungen. Häufig treten Kopfschmerzen und Migräne auf, grippeähnliche Symptome, Magen-Darm-Beschwerden, Hautausschläge, Wadenkrämpfe, Ödeme, erhöhter Blutdruck. Also Bahn frei für die nächste Pharma-“Innovation”: RANKL-Inhibitoren wie “Denosumab”? Solche Wirkstoffe, maßgeschneiderte monoklonale Antikörper, binden und neutralisieren RANKL, ein Protein, das wesentlich dazu beiträgt, dass sich Osteoklasten bilden, funktionieren und überleben. Sie unterbrechen das Zusammenspiel zwischen RANKL und seinem Rezeptor, der sich auf der Oberfläche von Vorläuferzellen der Osteoklasten befindet. Das verhindert, dass neue Osteoklasten entstehen. (11) Wer allerdings die Beipackzettel aufmerksam liest, dem stehen ein weiteres Mal die Haare zu Berge: Häufig treten Infektionen der Harnwege und der oberen Atemwege auf; allergische Hautreaktionen; Gliederschmerzen in Muskeln und Skelett. Es droht Hypokalzämie. Auch Immunschwäche, gestörte Wundheilung, Entzündungen und Nekrosen des Kiefers können auftreten. Es kann zu atypischen Brüchen von Oberschenkelknochen und mehrfachen Wirbelkörperfrakturen kommen – also zu eben jenen Katastrophen, vor denen das Medikament doch eigentlich bewahren sollte. (12) Doch was kümmern die Gesundheitswirtschaft irgendwelche Kollateralschäden ihrer Produkte, solange Renditen die Investoren zufriedenstellen? Der weltweite Umsatz mit Osteoporose-Medikamenten liegt aktuell bei 8 bis 11 Milliarden US-Dollar pro Jahr (13), mit jährlichen Wachstumsraten von 3 bis 4 % - zur Genugtuung der Marktführer Eli Lilly, Hoffmann-La Roche, Pfizer, Merck und Amgen. So einfach wäre Knochengesundheit sicherzustellen Vom 30. Lebensjahr an geht jährlich bis zu einem Prozent Knochenmasse verloren. Nach der Menopause verlieren Frauen innerhalb von 5 bis 7 Jahren bis zu 20 % davon. Ist es nicht ratsam, diesem Prozess möglichst frühzeitig gegenzusteuern, ehe er sich bei einem Sturz aufs Übelste manifestiert? Wozu tatenlos zusehen, wie Knochen immer brüchiger werden, bis sie eines Tages brechen? Die rhetorische Frage träfe ins Schwarze, wenn stimmen würde, was sie voraussetzt: dass das Frakturrisiko von Knochen ausschließlich oder zumindest hauptsächlich von der Mineraldichte abhängt. Dem ist aber keineswegs so. Zwar korrelieren BMD und Knochenstärke teilweise – sie sind aber nicht gleichwertig. Die Dichte mag ein zuverlässiger Indikator dafür sein, wie bruchfest ein Knochen ist, wenn ein statisches Gewicht auf ihn einwirkt – aber sie besagt wenig darüber, wie stabil er bei Zug oder Dehnung bleibt. “In einigen Fällen zeigt eine höhere Knochendichte sogar an, dass der Knochen schwächer ist”, wie Sayer Ji klarstellt, Gründer des medizinischen Infodiensts Greenmedinfo.com : “Glas beispielsweise hat eine hohe Dichte und Druckfestigkeit, ist aber extrem spröde, weshalb es leicht zerbricht, wenn es zu Boden fällt. Holz hingegen, das dem menschlichen Knochen von Natur aus näher steht als Glas oder Stein, hat im Vergleich zu diesen Materialien eine geringere Dichte, ist aber auch extrem stark und kann sich biegen und strecken, um genau denselben Kräften standzuhalten, denen der Knochen bei einem Sturz ausgesetzt ist. Oder nehmen Sie ein Spinnennetz. Es hat eine unendlich größere Festigkeit und praktisch keine Dichte. In Anbetracht dieser Tatsachen kann eine hohe Knochendichte - und damit keine Osteoporose - das Frakturrisiko in einem realen Szenario wie einem Sturz tatsächlich erhöhen .” Wie real dieses Risiko ist, erleben allzu viele Osteoporose-Patienten, die wie Ottilie jahr(zehnt)elang brav die verordneten Präparate geschluckt haben – und sich trotzdem schwere Knochenbrüche zuziehen. “Das Wichtigste”, so betont ein amerikanischer Arzt, der sich wohl aus triftigen Gründen hinter dem Pseudonym “ A Midwestern Doctor ” versteckt – “ist nicht die Knochendichte, sondern die Elastizität und Beweglichkeit der Knochen. Wenn gesunde Knochen einer Belastung ausgesetzt sind, biegen sie sich, um diese Belastung auszugleichen, und kehren dann in ihre ursprüngliche Form zurück, während ein spröder Knochen bricht, sobald er sich zu biegen beginnt.” Demnach verführen die WHO-Definitionen dazu, entscheidende Aspekte der Knochenqualität und des tatsächlichen Frakturrisikos zu unterschätzen. Dadurch lenken sie Aufmerksamkeit und Ressourcen weg von weniger profitablen, womöglich aber wirksameren Ansätzen: Lebensstil ändern, Ernährung verbessern, zugrundeliegende Gesundheitsprobleme angehen. Das A und O: gesunde Lebensgewohnheiten Je sicherer man laufen kann, desto geringer ist die Gefahr, schwer zu stürzen und sich dabei Brüche zuzuziehen; dies wiederum hängt entscheidend davon ab, wie ausgiebig man sich bewegt. Wir sitzen zuviel. Die Studienlage ist eindeutig: Regelmäßiges körperliches Training fördert eine gesunde Knochenstruktur und macht Brüche unwahrscheinlicher. In einer US- Studie verloren Frauen, die ihren Alltag überwiegend sitzend verbrachten, nach der Menopause innerhalb eines Jahres 2,26 % ihrer Knochenmasse, während diejenigen, die stattdessen ein Krafttrainingsprogramm absolvierten, einen Anstieg von 1,17 % verzeichneten. Warum ist regelmäßige physische Aktivität bei Osteoporose so bedeutsam? Erst körperliche Belastung regt Osteoblasten an: Zellen, die dafür zuständig sind, Knochensubstanz aufzubauen und zu regenerieren. Sie spüren kleine Defekte im Knochengewebe auf und reparieren sie. Durch gezielte Belastung gewinnen Knochen an Stabilität, weil sich die feinen Knochenbälkchen – Trabekel - verstärken und vernetzen, dem Wolff'schen Gesetz (14) folgend, wonach sich Knochen an die Beanspruchung anpassen. Außerdem stärkt Bewegung die Muskeln. Eine kräftige Muskulatur stabilisiert den Körper. Sie schützt vor Brüchen, indem sie Balance, Koordination und Trittsicherheit verbessert. Wer sein Gleichgewicht halten, Hindernissen ausweichen, sich im Fallen abstützen kann, ist eher imstande, fatale Stürze zu vermeiden. Ein Gesundheitswesen, dem tatsächlich daran läge, Osteoporose wirksam, billig, und nebenwirkungsfrei vorzubeugen und zu behandeln, würde Stubenhockern und Couch Potatoes, Gesunden wie Betroffenen, möglichst attraktive Anreize schaffen, den Hintern hochzukriegen: für regelmäßiges Krafttraining, für Gleichgewichtsübungen, für Ausdauersport wie zügiges Gehen, Nordic Walking oder langsames Joggen. Aber schon jedes Tänzchen, jeder Hüpfer, jedes Treppensteigen wirkt präventiv. Wieso an frischer Luft? Dort setzen wir uns dem Sonnenlicht aus, was die Knochendichte ebenfalls erhöht, weil es die körpereigene Produktion von Vitamin D ankurbelt, das für die Calciumaufnahme essentiell ist. Unser Osteoporose-Risiko sinkt weiter, sobald wir uns von gewissen Lebensgewohnheiten verabschieden. Zuviel Alkohol beinträchtigt die Calciumaufnahme, was die Knochenneubildung stört. Übermäßig Koffein erhöht die Calciumausscheidung durch den Urin, was ebenfalls die Knochendichte negativ beeinflussen kann. Rauchen beeinträchtigt die Durchblutung und die Funktion der knochenaufbauenden Zellen (Osteoblasten) und die Aufnahme von Calcium. Dabei scheinen E-Zigaretten noch schädlicher als herkömmliche. Wie steht es mit Übergewicht? Lange Zeit herrschte die Lehrmeinung vor, ein höheres Körpergewicht schütze die Knochen, weil es sie stärker mechanisch belastet, was der Knochendichte zugute käme. Inzwischen ist man schlauer : Übergewicht, vor allem wenn es mit einem hohen Anteil an viszeralem Fett - um die inneren Organe - einhergeht, fördert chronische niedriggradige Entzündungen im Körper. Diese können die Aktivität der Osteoklasten – der knochenabbauenden Zellen - erhöhen und den Knochenstoffwechsel stören. Leptin und Adiponectin - Hormone, die das Fettgewebe ausschüttet – fördern in hohen Konzentrationen den Abbau von Knochengewebe. Zudem kann sich bei ausgeprägtem Übergewicht Fettgewebe im Knochenmark ansammeln; dort beinträchtigt es die normale Funktion der knochenbildenden Zellen (Osteoblasten) und schwächt den Knochenaufbau. Auch auch starkes Untergewicht und häufige Diäten beeinflussen den Knochenstoffwechsel negativ. Das Risiko wegessen „Lass deine Nahrung deine Medizin sein”, soll der griechische Arzt Hippokrates vier Jahrhunderte vor Christus gelehrt haben. Auch in Bezug auf unsere Knochengesundheit lag er dabei goldrichtig. Denn mit der Ernährung steht und fällt das Osteoporoserisiko. Reichlich Fast Food, Softdrinks und Süßigkeiten erhöhen es, wie auch zuviel tierisches Protein und künstliche Phosphate wie in Wurst und vielen Fertigprodukten. (Phosphatzusätze in verarbeiteten Lebensmitteln bringen das ideale Verhältnis von Calcium zu Phosphor in unserer Ernährung aus dem Gleichgewicht.) Wer ungesund isst, nimmt zuwenig Calcium, Vitamin D und andere wichtige Nährstoffe für die Knochengesundheit auf. Zuviel Salz fördert die Calciumausscheidung.   Wie sieht eine knochenfreundliche Ernährung aus? Mediterran sollte sie sein - mit einem hohen Anteil pflanzlicher Lebensmittel, Vollkorn-Getreideprodukten, Olivenöl als wichtigster Fettquelle, wenig rotem Fleisch, moderaten Mengen an Fisch, Geflügel und Milchprodukten, mit Bohnen, Nüssen und anderen Hülsenfrüchten. Dafür spricht eine Studie , die im März 2018 beim Jahrestreffen der Endocrine Society  in Chicago vorgestellt wurde. Von 103 Frauen, durchschnittlich 55 Jahre alt und somit in den Wechseljahren, wurden die Ernährungsweise, ihre Knochendichte, ihren Körperfettanteil und die Skelettmuskelmasse analysiert. Es zeigte sich: Je besser die Teilnehmerinnen die Regeln der mediterranen Ernährungsweise befolgten, desto höher war ihre Knochendichte. Um den Körper ausreichend mit Calcium zu versorgen, bedarf es in der Regel keiner Pharmaprodukte. Viele Nahrungsmittel liefern es reichlich: allen voran Sojabohnen, Grünkohl, Brokkoli, getrocknete Feigen und dicke Bohnen, Leinsamen, Sesam, Haselnüsse und Mandeln, Milch und der Molketrunk aus der Quarkherstellung, manche Käsesorten, calciumreiches Mineralwasser. Ein unausgeglichener Säure-Basen-Haushalt , insbesondere eine chronische Übersäuerung, schadet der Knochengesundheit und erhöht das Risiko für Osteoporose. Bei Übersäuerung ist der Körper darauf aus, den pH-Wert des Blutes im neutralen Bereich zu halten. Um überschüssige Säuren zu neutralisieren, verwendet er basische Mineralien, hauptsächlich Calcium aus den Knochen. – was dazu führt, dass Knochensubstanz abgebaut wird. Dies spricht für eine Ernährung, die reich an basischen Lebensmitteln ist. Dazu zählen vielerlei Obst und Gemüse, Nüsse und Samen, Kräuter und Gewürze. Auch chronische Entzündungen fördern Osteoporose, deshalb müssen sie erkannt und behoben werden. Denn sie führen zu einer vermehrten Produktion von Zytokinen   wie Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α), Interleukin-1 (IL-1) und Interleukin-6 (IL-6). Diese stimulieren die Aktivität der Osteoklasten, was zu einem vermehrten Knochenabbau führt. Eine entzündungshemmende Ernährung, die weitgehend der mediterranen entspricht, senkt deshalb das Osteoporose-Risiko: eine mit reichlich Früchten, Gemüse, Sprossen und Salaten, Vollkornprodukten, Nüssen, Saaten, Hülsenfrüchten, Fisch oder anderen Omega-3-Fettsäurenquellen. Den Nutzen belegen eindrucksvoll Daten aus der Women's Health Initiative (WIH) Study, der umfangreichsten Gesundheitsstudie mit Frauen nach den Wechseljahren, die jemals in den USA stattfand. Bei über 160.000 Teilnehmern im Alter von durchschnittlich 63 Jahren, die vor Studienbeginn noch nie eine Hüftfraktur erlitten hatten, kam es im sechsjährigen Beobachtungszeitraum zu Brüchen der Hüfte umso häufiger, je mehr entzündungsfördernde Bestandteile ihre Ernährung enthielt; ihr Risiko stieg um 50 %. Von 10.290 dieser Frauen lagen außerdem die Knochendichtewerte vor; diese gingen erheblich weniger zurück, wenn sie sich entzündungshemmend ernährten. (15) Weil Knochen aus Mineralien bestehen, hängt die Knochenstärke davon ab, dass wir sie uns über die Nahrung zuführen: neben Calcium auch Magnesium , Phosphor - nach Calcium das mengenmäßig häufigste Mineral im menschlichen Körper (16) -, Kalium und Silizium (17) sowie Spurenelemente wie Zink (18), Bor (19) und Kupfer . Immer häufiger mangelt es leider daran. Industrielle Landwirtschaft ließ Ackerböden an essentiellen Mikronährstoffen und Mineralien chronisch verarmen. Mineralstoffreiche Bestandteile von Lebensmitteln werden bei deren Verarbeitung entfernt, z.B. beim Raffinieren von Vollkorngetreide. Glyphosat , das allgegenwärtige Pestizid, verhält sich wie ein Chelatbildner, der wichtige Mineralien im Boden bindet, insbesondere die +2-Kationen wie Magnesium - und somit verhindert, dass sie in unseren Körper gelangen. Auch Vitamine  sind am Knochenaufbau aktiv beteiligt, neben D insbesondere Folsäure (B9), B12 ,  C  und K . Erst mittels Vitamin K kann im Knochen das Protein Osteocalcin gebildet werden, das Calcium bindet; mangelt es daran, so erhöht sich das Risiko für osteoporotische Knochenbrüche erheblich, wie sich in einer Studie aus dem Jahre 1999 mit über 72.000 Teilnehmern zeigte.   (Allerdings müssen Vitamin K und D in ausgewogenem Verhältnis zueinander stehen. Mangelt es an Vitamin K, so erhöht  ein gleichzeitiger Überschuss von Vitamin D das Osteoporoserisiko weiter.) Besonders ergiebige Vitamin-K-Quellen sind grüne Blattgemüse und Kräuter, allen voran Grünkohl, aber auch Brokkoli, Blumenkohl, Rosenkohl, Spinat, Portulak, Schnittlauch, Petersilie. Alternativ eignet sich ein Graspulver – je nach Geschmacksvorlieben aus Weizen-, Kamut-, Gersten-, Dinkelgras, gerührt in Wasser oder den eigenen Lieblingssaft. Isoflavone  - Pflanzenstoffe mit stark antioxidativer, entzündungshemmender und hormonregulierender Wirkung – können ebenfalls zum Osteoporoseschutz beitragen. Sie kommen reichlich in Soja vor, aber auch in Heilpflanzen (20) wie Helmkraut , Ackerschachtelhalm , Brennessel , Rotklee, Mönchspfeffer und Trauben-Silberkerze. Leinsamenöl scheint unsere Knochen ebenfalls zu schützen und zu stärken. Aber falls all dies immer noch zuwenig bringt? Dann wären Homöopathie und Schüssler-Salze , ja sogar Akupunktur durchaus einen Versuch wert. Ermutigende Erfahrungsberichte liegen zur Genüge vor. Und selbst wenn solche unkonventionellen Ansätze weniger ausrichten als erhofft, bleiben Patienten zumindest die üblen Nebenwirkungen der Pharmakeule erspart. Und wenn die Osteoporose “sekundär” ist, d.h.von einer anderen Erkrankung herrührt, welche die Knochenqualität verschlechtert? Beispielsweise von einer Überfunktion der Schilddrüse; einer entzündlichen Erkrankung wie rheumatoide Arthritis oder Morbus Crohn; einer Renalen Osteopathie, bei der eine chronische Niereninsuffizienz den Mineralstoffwechsel stört? Dann gilt es, zuallererst diesen Grunderkrankungen beizukommen. Dass Natur- und Erfahrungsheilkunde dabei schlechter abschneiden als die Schulmedizin, harrt des Beweises. Welche Arzneimittel unseren Knochen schaden Medikamente gehören dringendst auf den Prüfstand. Antidepressiva, insbesondere die sog. selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI),  verringern die Knochendichte; in einer US- Studie  lag das Knochenbruchrisiko schon nach einjähriger Einnahme um 76 % höher als in einer Kontrollgruppe ohne SSRI. Auch Magensäureblocker – Protonenpumpenhemmer - wie Prilosec schaden unserem Skelett. Steroide wie Prednison erhöhen das Osteoporoserisiko ebenfalls erheblich; typisch dosiert, sorgen sie für einen jährlichen Knochenverlust von 5 bis 15 %. Das Risiko von Knochenbrüchen, insbesondere in Wirbeln, verdoppelt sich; bei Patienten, die Steroide hochdosiert einnehmen, verfünffacht es sich sogar. Bei 37 % aller Langzeitanwender kommt es irgendwann zu Wirbelbrüchen. Bestimmte Arzneimittel gegen Diabetes Typ 2, die sogenannten Glitazone, erhöhen nach der Menopause ebenfalls das Risiko für Knochenbrüche – es verdoppelt sich. Für Diabetikerinnen ist dies besonders fatal, weil Hüftfrakturen unter ihnen ohnehin schon zwei Mal häufiger vorkommen . Brandgefährlich sind Hormonblocker wie Lupron, welche die körpereigene Produktion von Sexualhormonen ausschalten. Das Skelett schwächen sie so erheblich, dass manche Betroffenen klagen, sie hätten “Knochen wie ein 80-Jähriger”. Ein amerikanischer Arzt berichtet von Fällen junger Erwachsener, deren Armknochen brach, als sie sich gegen eine Hauswand lehnten, oder von ihrem Zahnarzt erfuhren, dass sie ein künstliches Gebiss brauchen. Auch Aromatasehemmer sind bedenklich. Sie verringern die Östrogenproduktion im Körper, indem sie ein Enzym blockieren, das an der Umwandlung von männlichen Hormonen (wie Testosteron) in weibliche mitwirken. Auch dies kann einen Knochenverlust auslösen. “Die Wahrheit ist einfach” Warum wohl kommt es in Westafrika zu deutlich weniger osteoporotischen Hüftfrakturen pro 100.000 Einwohner (3) als in Europa (408 in Österreich , 532 in Norwegen )?  “Die Wahrheit ist einfach”, lehrte Buddha – so einfach, dass selbst die unglückselige Ottilie sie hätte kapieren können. Das Wichtigste, was es über Prävention und Behandlung der Osteoporose festzuhalten gilt, erfordert kein dickes Lehrbuch – es passt in eine einzige Zeile: Bewege dich viel an frischer Luft. Und ernähre dich gesund. Zeitlebens.   So simpel könnte Heilkunde manchmal sein. Aber an so einer gäbe es für den medizinisch-industriellen Komplex halt nichts mehr zu verdienen. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen 1        WHO Scientific Group on the Prevention and Management of Osteoporosis (2000 : Geneva, Switzerland) (2003). " Prevention and management of osteoporosis: report of a WHO scientific group " (PDF) 2        WHO (1994) " Assessment of fracture risk and its application to screening for postmenopausal osteoporosis. Report of a WHO Study Group ". World Health Organization technical report series 843: 1-129 3        “Kaukasier” –engl. caucasian  – ist ein in medizinischen Publikationen nach wie vor gängiger Begriff. Er umfasst, wissenschaftlich verbrämt, nichts anderes als Menschen mit heller Haut: fast alle Europäer und westliche Asiaten. Den Terminus prägte der deutsche Anthropologe Johann Friedrich Blumenbach (1752-1840) vor über 200 Jahren. 4        Zit. nach Gina Kolata: " Bone Diagnosis Gives New Data But No Answers ",  New York Times , 28.9.2003 5        Prävalenz und Inzidenz der Osteoporose und ihrer Folgen, sozioökonomische Relevanz | DVO Leitlinie Osteoporose 2023 6        http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9663400 ; https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11416114/ ; https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15469036/ 7        https://www.bmj.com/content/341/bmj.c3691.full ; https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21505219/ 8        https://acteurdemasante.lu/de/rheumatologie/osteoporose-behandlung-hormontherapie-und-verwandte-behandlungsmethoden/ ; https://wechseljahre-verstehen.de/hormonersatztherapie/praeventiver-zusatznutzen-einer-hrt/ ; https://www.hormonspezialisten.de/indikationen/wechseljahresbeschwerden/osteoporose/ 9        https://www.frauenaerzte-im-netz.de/koerper-sexualitaet/wechseljahre-klimakterium/hormonersatztherapie-hrt/ ; https://www.aok.de/pk/magazin/koerper-psyche/organe/hormonersatztherapie-wirkung-und-risiken/ ; https://www.hormonspezialisten.de/indikationen/wechseljahresbeschwerden/hrt-nutzen-risiko/ ; www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18319414 10    https://en.wikipedia.org/wiki/Selective_estrogen_receptor_modulator ; https://flexikon.doccheck.com/de/Selektiver_Estrogenrezeptormodulator ; https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4995266/ 11    https://www.frontiersin.org/journals/cell-and-developmental-biology/articles/10.3389/fcell.2020.00325/full ; https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1924518/ ; https://arthritis-research.biomedcentral.com/articles/10.1186/ar2167 12    https://flexikon.doccheck.com/de/Denosumab ; https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Raloxifen_44775 ; https://www.pharmazeutische-zeitung.de/vielfalt-in-einer-stoffklasse/ 13    https://www.fortunebusinessinsights.com/de/industrie-berichte/osteoporose-behandlungsmarkt-101034 ; https://www.gminsights.com/de/industry-analysis/postmenopausal-osteoporosis-treatment-market   14    So heißt es nach dem Berliner Anatom und Chirurgen Julius Wolff. Es besagt: Der Knochen passt sich in seiner Form und Struktur an die auf ihn einwirkenden mechanischen Belastungen an. Reichen sie aus, so baut sich der Knochen auf und nimmt an Festigkeit und Knochendichte zu. Bei fehlender oder geringer Belastung hingegen baut er sich ab. Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Wolffsches_Gesetz ; https://www.osd-ev.org/osteoporose/knochen/belastung/ ; https://jwi.charite.de/publikationen/julius_wolff_buch/ 15    https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/jbmr.3070 ; https://www.health.harvard.edu/newsletter_article/anti-inflammatory-diet-could-reduce-risk-of-bone-loss-in-women 16    Über 85% des Phosphors in unserem Körper befinden sich in anorganischen Verbindungen mit Calcium, hauptsächlich im Skelett und in den Zähnen: https://www.vitalstoff-lexikon.de/Mineralstoffe/Phosphor/Definition-Synthese-Resorption-Transport-und-Verteilung ; https://www.eucell.de/ernaehrung/ernaehrungslexikon/mineralstoffe/phosphor 17    https://www.rosenfluh.ch/media/ernaehrungsmedizin/2011/01/08_Silizium_1.11.pdf ; https://www.gesundheitswissen.de/gesund-leben/behandlung-therapie/vorsorge/weiche-knochen-ade-schuetzen-sie-sich-mit-silizium-vor-osteoporose/ 18    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12700617/ ; https://www.rosenfluh.ch/media/ernaehrungsmedizin/2011/02/08_Mikronaehrstoffe_2.11.pdf   19    https://air.unimi.it/retrieve/ec230269-9f1c-45a2-8c9a-7c2a73956765/Rondanelli%20M%20-%20J%20Trace%20Elem%20Med%20Biol%202020.pdf ; https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4712861/   https://www.rosenfluh.ch/media/ernaehrungsmedizin/2011/02/08_Mikronaehrstoffe_2.11.pdf 20    https://www.zentrum-der-gesundheit.de/bibliothek/sonstige-informationen/weitere-informationen/heilpflanzen-starke-knochen-ia ; https://www.naturheilt.com/osteoporose/

  • Attentat auf Robert Kennedy jr.?

    Falls Donald Trump demnächst nochmals ins Weiße Haus einzieht, könnte er Amerikas bekanntesten Pharmakritiker und Impfgegner, den Anwalt Robert Kennedy jr., ins Kabinett holen – und damit in die gleiche Lebensgefahr bringen, in welcher er selbst schwebt. Denn dieser Kennedy kämpft für eine lobbyferne Gesundheitspolitik, die übermächtige Gegenspieler Unsummen kosten würde: Industrien, die seit Jahrzehnten hinlänglich beweisen, dass sie für Profit über Leichen gehen. Wie teuer wäre ein Auftragsmord, gemessen an drohenden Umsatzeinbußen von Abermilliarden Dollar? Schon Kennedys Onkel und sein Vater waren Attentaten zum Opfer gefallen. Er könnte das Prädikat „historisch“ verdienen: Jener 23. August 2024, ein Freitag, leitete womöglich eine gesundheitspolitische Wende ohnegleichen ein - zunächst in den Vereinigten Staaten, von dort aus den Rest der westlichen Welt erschütternd. An jenem Tag verkündete der parteilose Präsidentschaftskandidat Robert F. Kennedy jr., Amerikas wohl prominentester Anwalt und Menschenrechtsaktivist, bei einem Auftritt in Glendale im US-Bundesstaat Arizona, dass er seine Wahlkampagne im Rennen ums Weiße Haus aussetzt – und fortan den Republikaner Donald Trump unterstützt, zum Entsetzen seines Familienclans. Weshalb der späte Rückzieher des 70-Jährigen, nach 17 Monaten eigenständiger, sündhaft teurer Kandidatur? Inzwischen, so führte Kennedy aus, sehe er darin eine weitaus größere Chance, seine zehn wichtigsten politischen Anliegen umzusetzen. Dazu zählt er, - eine Gesundheitskrise ohnegleichen anzugehen: Chronische Krankheiten müssen endlich bekämpft, Fehlentwicklungen im Gesundheitswesen korrigiert werden; - Kinder zu schützen - vor staatlichen Übergriffen und falschen Gesundheitsrichtlinien; - staatlicher Zensur und der Einschränkung der Meinungsfreiheit ein Ende zu setzen. - Korruption zu bekämpfen, auch von und durch Regierungen; - Demokratie und grundlegende Freiheiten sicherzustellen; - dem Establishment Widerstand zu leisten. Denn politische und mediale Institutionen dienen nicht mehr dem Volk. „Power Duo“ gegen „korruptes Establishment“ Wenige Stunden später stand Kennedy in Glendale erneut auf der Bühne - diesmal bei einer Wahlkampfveranstaltung Trumps, als Gast enthusiastisch gefeiert mit “Bobby, Bobby”-Rufen. Der Ex-Präsident empfing ihn als “eine phänomenale Person", mit der er gemeinsam "das korrupte politische Establishment" besiegen wolle. Kennedy erklärte seinerseits, er habe mit Trump "nicht über die Dinge gesprochen, die uns trennen - denn wir sind nicht in allem einig -, sondern über die Werte und Themen, die uns verbinden". Auf den Punkt bringt sie Kennedys eingängiger Slogan “ Make America Healthy Again ” (MAHA), angelehnt an Trumps MAGA, “ Make America Great Again ”. Dass RFK junior und Trump aufeinander zugegangen sind, um ein “Power Duo” zu bilden, “war politisch brillant”, so kommentiert der Anwalt John Klar von der Bürgerrechtsinitiative Door to Freedom . “Es ist der einzige Weg, die Welt vor Global Governance, chronischen Krankheiten, gefälschten Nahrungsmitteln, wirtschaftlichem Desaster, Giftspritzenmandaten usw. zu retten.” Wofür sich Kennedys Verbraucherschutzorganisation Children´s Health Defense  seit 2007 einsetzt – anfangs hieß sie noch World Mercury Project  -, könnte durchaus im nächsten US-Regierungsprogramm auftauchen. Das käme wahrlich einer Revolution gleich, mit globaler Signalwirkung. Davor graut den Wächtern und Profiteuren des Status quo. “Was lassen wir unseren Kindern antun?” Was treibt Kennedy um? Der gläubige Katholik fühlt sich “ moralisch verpflichtet , diese Gelegenheit zu nutzen, um Millionen amerikanischer Kinder zu retten “. „Falls einige von Ihnen nicht wissen, wie schlimm der Gesundheitszustand unserer Kinder und der chronischen Krankheiten ist – hier sind einige Fakten: Die USA zahlen mehr für die Gesundheitsversorgung als jedes andere Land der Welt, doppelt so viel wie in Europa. Trotzdem hat Amerika die schlechtesten Gesundheitsergebnisse aller Nationen. Niemand hat eine so hohe chronische Krankheitslast wie wir. 66 % der Amerikaner leiden an chronischen Gesundheitsproblemen. Vor 50 Jahren lag diese Zahl bei weniger als 1 %. 74 % der Amerikaner sind heute übergewichtig, 50 % der Kinder sind fettleibig, in Japan hingegen weniger als 3 %. Mehr als die Hälfte aller Amerikaner haben Diabetes. Vor 50 Jahren gab es Diabetes bei Kindern fast nicht. Heute ist jedes dritte Kind Diabetiker oder hat eine Prädiabetes-Stufe. Es gibt eine Explosion von neurologischen Störungen, die es vor 50 Jahren noch nicht gab - ADS, ADHS, Sprachverzögerung, Tourette-Syndrom, Asperger-Syndrom, Autismus usw. Im Jahr 2000 lag die Autismusrate bei 1 zu 1.500. Heute ist sie 1 zu 36, in Kalifornien 1 zu 22. 77 % der amerikanischen Kinder sind zu behindert, um beim Militär zu dienen.18 % der amerikanischen Teenager leiden an einer Fettleber. Das ist fast jeder Achte. Vor 50 Jahren betraf diese Krankheit nur ältere Alkoholiker. Die Krebsraten sind bei Jung und Alt rasant angestiegen - bei jungen Erwachsenen um 79 % Jede vierte Frau nimmt ein Antidepressivum. 40 % der Teenager haben eine psychische Diagnose. 15 % der Highschool-Schüler nehmen Adderall, 500.000 Kinder schlucken SSRIs.“ Was ist los in unserem Land? Das passiert nirgendwo sonst auf der Welt, das passiert NUR in Amerika.“ Hauptverantwortlich dafür macht Kennedy  „ultraverarbeitete Nahrungsmittel“, die  „70 % der Ernährung amerikanischer Kinder ausmachen. Diese Lebensmittel bestehen aus verarbeitetem Zucker, hochverarbeitetem Getreide und Samenölen.“ „In den 1970er und 80er Jahren übernahmen Zigarettenunternehmen die Lebensmittelindustrie und setzten Tausende von Wissenschaftlern ein, um neue Chemikalien zu entwickeln, damit unsere Lebensmittel süchtiger machen. Diese Zutaten gab es vor 100 Jahren noch nicht und unser Körper ist biologisch nicht darauf ausgelegt, sie zu konsumieren. Diese Chemikalien sind in Europa verboten, aber in verarbeiteten Lebensmitteln in Amerika reichlich vorhanden.“ Es müsse endlich Schluss sein mit „giftigen Chemikalien in unseren Lebensmitteln und in unserer Umwelt“, fordert Kennedy. „ Pestizide, Lebensmittelzusatzstoffe, Arzneimittel und Giftmüll durchdringen jede Zelle unseres Körpers. Viele dieser Chemikalien erhöhen den Östrogenspiegel, der als Hormonstörer bekannt ist. Die Pubertätsrate in Amerika beginnt jetzt im Alter von 10 bis 13 Jahren - das ist sechs Jahre früher als vor hundert Jahren. Amerika hat die früheste Pubertätsrate aller Kontinente der Welt. Wir vergiften alle unsere Kinder massenhaft! Und unsere Erwachsenen!“  „Warum lassen wir das mit unseren Kindern geschehen?“ Unsere chemisch verseuchten Nahrungsmittel durch echte, gesunde Lebens mittel zu ersetzen und unsere Umwelt von Toxinen zu befreien, will Kennedy eine weitaus höhere Prorität einräumen als ineffektiven Maßnahmen zu schlecht begründeter CO2-Reduktion : „Der Fokus muss weggehen von der Fixierung auf Kohlenstoff.“ Gegen Big Pharma und ihre schmutzigen Komplizen Worum es Kennedy geht, hatte er am 28. August, fünf Tage nach seinem offiziellen Schulterschluss mit Trump, zur Prime Time  im amerikanischen Fernsehen ausgeführt (1)  – in der Talkshow des beliebten Moderators Dr. Phil McGraw . „ Als ich ein Kind war, hatten etwa 6 % der amerikanischen Kinder chronische Krankheiten. Heute sind es 60 %“,  beklagte er. Was ist die Ursache dafür? Kennedy wies auf eine entscheidende Veränderung Mitte der 1980er Jahre hin, als „ etwas mit unseren Kindern geschah “. Das heikle “V”-Wort – vaccines  – vermied Kennedy hier, wies aber die Genetik als Hauptschuldigen zurück, denn „ Gene verursachen keine Epidemien. Sie mögen für die Anfälligkeit sorgen, aber man braucht eine Umweltexposition, ein Umweltgift“. Die meisten Zivilisationskrankheiten hält Kennedy für vermeidbar – ohne teure Schulmedizin. Zum Beispiel könne man „Diabetes verschwinden“ lassen, und zwar für einen „winzigen Bruchteil“ der Kosten, die entstehen würden, wenn man jeden fettleibigen Amerikaner auf Ozempic setzen würde. Und wie? „ Geben Sie jedem Amerikaner drei Mahlzeiten pro Tag mit Bio-Lebensmitteln. Diabetes ist mit rnährung und Bewegung behandelbar, genauso wie Fettleibigkeit “, erklärte Kennedy. Warum würde ein solcher Vorschlag auf Ablehnung stoßen? Weil die medizinische Industrie, die uns gesünder machen soll, „ in Wirklichkeit mehr Geld verdient, wenn wir kränker werden“. Mainstream-Medien wirft Kennedy eine schmutzige Partnerschaft mit Big Pharma vor. Bei Arzneimittelwerbung im Fernsehen gehe es nicht nur darum, Produkte anzupreisen, sondern auch darum, “ den Inhalt zu diktieren, eine bestimmte Linie sicherzustellen ”. Kennedy hat dies aus erster Hand erfahren. Roger Ailes, der Gründer von Fox News , gab ihm gegenüber zu, dass ein Familienmitglied durch ein quecksilberhaltiges medizinisches Produkt geschädigt wurde. Trotzdem könne er Kennedy keine Plattform geben, um über das Thema zu sprechen, weil „ 70 % unserer Einnahmen von Pharmaunternehmen stammen. Wenn einer meiner Moderatoren Sie im Fernsehen auftreten ließe, müsste ich ihn feuern. Und wenn ich das nicht täte, würde ich von Rupert [Murdoch] hören “. In den letzten Minuten des Interviews mit Dr. Phil ging Kennedy darauf ein, warum er beschlossen hat, aktiv für Donald Trump zu werben. Zum einen habe er Angst vor einer möglichen Walz-Harris-Regierung, die seiner Meinung nach in allen Fragen, die er für existenziell hält, “auf der falschen Seite“ steht. Zum anderen überzeugte ihn Trumps Vision, eine „Einheitspartei“zu gründen, die sich auf vier entscheidende Themen konzentriert: Beendigung endloser Kriege, Sicherung der Grenze, Schluss mit Zensur – und Bekämpfung der Epidemie chronischer Krankheiten. Im engen Rennen um die Präsidentschaft könnte Kennedys Unterstützung tatsächlich den Ausschlag geben. Kurz bevor er seine Kandidatur zurückzog, lag er in einigen der Swing States  – sieben US-Bundesstaaten, in denen der Wahlausgang auf der Kippe steht - bei 5 bis 7 %. Falls seine Anhänger ihm mehrheitlich folgen, „ist es viel wahrscheinlicher, dass Präsident Trump gewählt wird“, so erwartet er. Speziell was Impfstoffe betrifft, scheint Kennedy bei Trump nicht erst noch mühsame Überzeugungsarbeit leisten zu müssen. Zwar hatte Amerikas mächtigster Egomane - gedrängt von der grauen Gesundheitseminenz des Weißen Hauses, seinem pharmanahen Chef-Einflüsterer Anthony Fauci (2) – 2020 mit 18 Milliarden Dollar an Steuergeldern eine “ Operation Warp Speed ” in Gang gesetzt, um mit hochriskanten, neuartigen Gentherapeutika ein Virusseuche zu bekämpfen, von der sich schon damals abzeichnete, dass sie nicht tödlicher als eine mittelschwere Grippewelle ausfällt. Doch jüngste Äußerungen Trumps deuten darauf hin, dass sich seine Impfskepsis inzwischen erheblich verstärkt hat. Wie ein in den sozialen Medien weitverbreites Video belegt, sprach Trump Mitte Juli in einem Telefonat mit Kennedy unter anderem über die große Anzahl der Impfdosen, die Kinder erhalten; dadurch würden sie sich verändern. "Wenn man einem Baby eine Impfung mit 38 Wirkstoffen verabreicht, die aussieht, als wäre sie für ein Pferd und nicht für ein 10 oder 20 Pfund schweres Baby", so Trump. "Dann beginnt das Baby sich plötzlich radikal zu verändern. Ich habe das zu oft gesehen.” Trump äußerte auch Zweifel an den Aussagen von Gesundheitsexperten, die die Sicherheit und Wirksamkeit des empfohlenen Impfplans für Kinder betonen: «Und dann hörst du, dass es keinen Einfluss hat, richtig?» Kennedys Programm: eine Kampfansage an Big Business Niemand muss Kennedy erst noch darüber aufklären, dass er vorhat, sich in einer US-Regierung mit mehrere der mächtigsten Industrien und deren Investoren anzulegen. Mit größtenteils denaturierten Produkten wird die Lebensmittelindustrie allein im laufenden Jahr 2024 über zehn Billionen US-Dollar umsetzen . Der weltweite Jahresumsatz mit Chemikalien in der Landwirtschaft – Pestizide, Dünger, Wachstumsregulatoren, Boden-Desinfektionsmittel – betrug im vergangenen Jahr knapp eine Viertelbillion Dollar, 244 Milliarden. An ihrer gefährlich strahlenden Kommunikationstechnik, welche die Gehirne und Fortpflanzungsorgane unserer Kinder angreift, verdient die Mobilfunkbranche 1,1 Billionen Dollar pro Jahr. (3) Und die Pharmaindustrie? Ihr Jahresumsatz lag zuletzt bei astronomischen 1,6 Billionen US-Dollar, bei traumhaften, in keinem anderen Wirtschaftszweig realisierbaren Gewinnspannen bis zu 40 %. (4) Prognosen zufolge wird er bis 2033 auf über 2,8 Billionen US-Dollar anwachsen . Allein mit Krebsmitteln setzte die Branche zuletzt 190 Milliarden US-Dollar pro Jahr um, mit Antidiabetika 88 Milliarden, mit Statinen - um den Cholesterspiegel zu senken und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen – über 20 Milliarden (5), mit Biphosphonaten gegen Knochenabbau bei Osteoporose über 4 Milliarden (6), mit Pillen und Spritzen zum Abnehmen 12 Milliarden – bis 2032 könnten es 83 Milliarden werden. (7) Der globale Markt für Impfstoffe lag zuletzt bei 78 Milliarden US-Dollar, bis 2031 soll er auf über 150 Milliarden US-Dollar anwachsen (8); zu einträglichen Pandemiezeiten dürfte er sich mindestens verdoppeln, wie die Coronajahre zeigten. Welchen Totalschaden in Big Pharmas Bilanzen würde eine von Kennedy inspirierte US-Gesundheitspolitik anrichten, die darauf aus wäre, den Tsunami chronischer Erkrankungen an seinen Ursprüngen zu bekämpfen: Fehlernährung und zuwenig Bewegung, bedingt durch einen Mangel an Gesundheitserziehung und öffentlichem Bewusstsein sowie 1001 Fehlanreizen im Gesundheitssystem? Was würde aus dem hochlukrativen Impfbusiness, wenn eine aufgeklärte Bevölkerung begänne, für jedes einzelne Vakzin Nutzen und Risiko kritisch gegeneinander abzuwägen? Damit eine solche Politik niemals Mehrheiten findet, setzen Big Pharma und ihre Investoren seit eh und je riesige, weltweit tätige Marketing-Agenturen  ein, um den Ruf von lästigen Kritikern wie Kennedy zu ruinieren, sie lächerlich zu machen. (9) So soll Kennedy zu den zwölf gefährlichsten Fake News-Verbreitern („ Desinformation Dozen “) zählen – jedenfalls laut dem einflussreichen Gutachten  eines angeblich gemeinnützigen, aus dubiosen Quellen gesponserten  Center for Countering Digital Hate  (10); das Weiße Haus , Altmedien wie The Guardian  und Social Media wie Twitter  und Facebook  nutzten den Bericht, um die Personen auf der Liste zu zensieren und zu verleumden. Wikipedia macht mit. Aber falls Rufmord nicht genügt? John Waynes Hilfe „Bobby Kennedy ist einer der mutigsten, kompromisslosesten und ehrlichsten Menschen, die ich je getroffen habe“, sagt der ehemalige Fox News -Moderator Tucker Carlson, der ihn am 27. August interviewte . „Eines Tages wird er die Anerkennung dafür bekommen.“ Womöglich bleibt Kennedy jedoch nicht mehr viel Zeit dafür. In welch immenser Gefahr ein prominenter Querdenker wie er, aber auch sein Förderer Trump schweben, ahnt ein deutscher Medizinprofessor – vorsichtshalber versteckt er sich hinter dem Pseudonym „Peter Yoda“ (11) -  seit einer erschütternden Begegnung, die er in einem Frankfurter Gesprächskreis machte. Als Gastreferent trat dort „Timothy“ auf: ein hochbezahlter PR-Profi, der für weltweit tätige Agenturen Propagandaaufträge einiger der größten Phamakonzerne erledigt. (12) Wie Timothy ausführte, gehört dazu, „sogenannte Quacksalber-Jäger zu unterstützen. Es gibt immer enttäuschte Freaks, die gerne etwas bekämpfen wollen. Leider haben diese jedoch in der Regel kein Geld. Sollen unsere Auftraggeber doch über dritte Personen diesen ein paar Dollar aus ihrer Portokasse zukommen lassen – und sie werden dann all die Drecksarbeit übernehmen, für die sich unsere Geldgeber selber zu schade sind.“ Solche Dreckwerfer muss Kennedy aushalten, seit er unerschrocken gegen den Mainstream schwimmt. Dank ihrer Handlangerdienste „sind wir gar nicht erst auf John Waynes Hilfe angewiesen und bleiben schön sauber.“ (13) „John Waynes Hilfe“? Was Timothy damit andeutete, war seinen Zuhörern klar: Gelegentlich bedurfte es eines diskreten Helfers mit der Lizenz zum Töten. Mord im Konzernauftrag? Industriemanagern solche Skrupellosigkeit zu unterstellen, scheint völlig abwegig – ehe man sich mit der haarsträubenden Kriminalgeschichte des Arzneimittelsektors zu befassen beginnt. (14) Wie Gerichtsprozesse reihenweise aufdeckten, werden routinemäßig Nebenwirkungen verschwiegen, Daten gefälscht, Ärzte, Wissenschaftler und Behördenvertreter gekauft, missliebige Studien unterdrückt, unzählige arzneimittelgeschädigte Invaliden und Tote kaltblütig in Kauf genommen. „Schlimmer als die Mafia“ nennt sie der dänische Medizinprofessor Peter Gøtzsche in seinem Bestseller Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität . Als „Schwerkriminelle, die ins Gefängnis gehören“, bezeichnet Kennedy ihre Vorstände. Die Liste der rechtskräftig verurteilten Arzneimittelhersteller, die für Bußgelder und Schadensersatz mehrere hundert Millionen Dollar, teilweise sogar Milliarden aufwenden mussten, liest sich wie das Who Is Who  der Branche. Wirtschaftsethik erweist sich dabei als scheinheilige Imagepflege, eine bodenlose Heuchelei machtgeiler, grenzenlos profitgieriger Psychopathen, die sich über jedem Gesetz wähnen. Erschütternde Einblicke in ihre seelischen Abgründe eröffnet die literarische Lebensbeichte eines ehemaligen Topmanagers des Pharmariesen Eli Lilly, John Virapen: „Ich habe den Tod von Menschen mit zu verantworten“, bekannte er rückblickend. „Ich habe sie nicht eigenhändig getötet. Nein, ich war ein williges Werkzeug der Pharmaindustrie.“ (15) Um für absehbare Strafzahlungen und Haftungsrisiken gewappnet zu sein, nehmen Arzneimittelkonzerne von vornherein hohe Rückstellungen vor. Justizbedingte Ausgaben lassen sie cool unter „Betriebskosten“ fallen, setzen sie gar von der Steuer ab, preisen sie von vornherein in ihre Produkte ein. Da dürften in der Portokasse bestimmt auch noch ein paar Dollars für einen treffsicheren „John Wayne“ übrig bleiben. Hinterher wird es ein verwirrter Einzeltäter gewesen sein, selbstverständlich. Alles andere wäre ja Verschwörungstheorie, nicht wahr? ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1)   https://x.com/DrPhil/status/1828848142713766099 ; https://www.meritstreetmedia.com/show/dr-phil-primetime/one-on-one-with-robert-f.-kennedy-jr (2)   Siehe Robert F. Kennedy Jr.:   Das wahre Gesicht des Dr. Fauci (2023) (3)   Nach ChatGPT, 7. September 2024. (4)   Siehe Harald Wiesendanger: Das GesundheitsUNwesen , Schönbrunn 2019, Kap. 3: „Das Billionengeschäft mit der Krankheit“, S. 98 ff. (5)   https://www.databridgemarketresearch.com/reports/global-statin-market ; https://www.imarcgroup.com/statin-market ; https://www.globenewswire.com/news-release/2023/03/02/2619166/0/en/Statins-Market-Size-To-Hit-US-22-Billion-By-2032-Owing-To-Increasing-Investments-in-Healthcare-Sector-Globally-Persistence-Market-Research.html (6)   https://www.fortunebusinessinsights.com/industry-reports/osteoporosis-treatment-market-101034 ; https://www.gminsights.com/industry-analysis/osteoporosis-drugs-market , https://www.cognitivemarketresearch.com/bisphosphonate-drug-market-report (7)   https://www.fortunebusinessinsights.com/anti-obesity-drugs-market-104783 ; https://www.globalmarketestimates.com/market-report/weight-loss-drugs-market-4562 ; https://blog.marketresearch.com/u.s.-weight-loss-industry-grows-to-90-billion-fueled-by-obesity-drugs-demand (8)   https://www.fortunebusinessinsights.com/industry-reports/vaccines-market-101769 ; https://www.who.int/publications/i/item/B09022   (9)   Siehe Harald Wiesendanger: Das GesundheitsUNwesen , Schönbrunn 2019, Kap. 12: „Wir müssen sie vernichten“ – Wie Big Pharma Kritiker mundtot macht und Alternativmedizin in Verruf bringt“, S. 455 ff. (10)  https://childrenshealthdefense.org/defender/dark-money-center-countering-digital-hate-disinformation-dozen-report/ ; https://childrenshealthdefense.org/defender/disinformation-dozen-funding-ties-hollywood-corporate-dems/?utm_id=20231003 (11) Prof. Dr. Peter Yoda: Ein medizinischer Insider packt aus , Kernen o.J. (12) a.a.O., S. 123-142. (13) a.a.O., S. 136. (14) Siehe Harald Wiesendanger: Das GesundheitsUNwesen , Schönbrunn 2019, Kap. 14, S. 603 ff. (15)  John Virapen: Nebenwirkung Tod. Korruption in der Pharma-Industrie – Ein Ex-Manager packt aus , 4. Aufl. 2008.

  • 640.000 Kinder vor Lähmung gerettet?

    Weil in Gaza Polioviren aufgetaucht sind, lässt die WHO 640.000 palästinensische Kinder impfen. Was nach einer großartigen humanitären Hilfsaktion aussieht, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als haarsträubender Skandal. Im Juni 2024, im neunten Monat eines weiteren Kriegs zwischen der Hamas und Israel, tauchte in Abwasserproben im Zentrum des Gazastreifens ein Poliovirus auf. Bei vier Kindern wurde eine „schlaffe Lähmung“ festgestellt, mutmaßlich ausgelöst durch dieses Virus. Im Nu stand für die WHO fest: Um eine drohende Katastrophe abzuwenden, bedarf es einer sofortigen Impfkampagne, die sämtliche Kinder im Gazastreifen einbezieht. Hierfür bewegte sie die beiden Kriegsparteien dazu, täglich eine achtstündige Waffenruhe an jenen rund 400 Orten einzuhalten, an denen die Impfstoffe verabreicht werden sollen: in Gesundheitszentren, Kliniken und Feldlazaretten. Anfang September lief die Aktion in Feuerpausen an, zunächst bei über 187.000 Kindern unter zehn Jahren im zentralen Gazastreifen. Vom 5. September an folgte die südliche Region, in der zweiten Septemberwoche die nördliche. Mit einem Monat Abstand sollen alle einbezogenen Kinder eine zweite Dosis erhalten. Insgesamt 1,7 Millionen Dosen werden verabreicht. Unter den Teppich gekehrt Ein leuchtendes Beispiel für sofortige, vorzüglich organisierte, hochwirksame Hilfe in höchster Not? Über mehrere brisante Aspekte gehen die meisten Mainstream-Medien stillschweigend hinweg: 1.      Was in Gazas Abwasser auftauchte,  war nicht irgendein Poliovirus, sondern ein durch Impfung übertragenes vom Typ 2. Ein abgeschwächter Erreger, der zur Herstellung von Schluckimpfstoffen verwendet wird, hatte offenbar seine Virulenz wiedererlangt und begann zu zirkulieren. 2.      Nur bei einem einzigen der vier gelähmten Kinder, einem 10 Monate alten Baby, konnte das Poliovirus tatsächlich nachgewiesen werden. Es war die erste festgestellte Polio-Infektion seit 25 Jahren in dem Küstengebiet. Genügt das, um prompt “ extrem besorgt ” zu sein, wie die WHO? 3.      Eine Poliomyelitis ist eine Entzündung des unteren, grauen („ polio “ = grau, daher der Name) Teil des Rückenmarks; sie schädigt Nervenzellen, die Muskeln kontrollieren, und lähmt Gliedmaßen, insbesondere die Beine. Eine schlaffe Lähmung können allerdings mehrere Mikroben verursachen, nicht bloß das Poliovirus:  Bakterien wie Clostridium botulinum , das die Botulismus-Erkrankung hervorruft – eine lebensbedrohliche Vergiftung, etwa durch verdorbenes Fleisch -, und Corynebacterium diphtheriae , Erreger der Diphtherie; oder Viren wie das West-Nil-Virus und das Zika-Virus , ebenso einige Stämme des Coxsackie - und des Echovirus , häufigen Verursachern von Erkältungen, Hirnhaut- und Herzmuskelentzündungen. Auch das Guillain-Barré-Syndrom (GBS), eine Autoimmunerkrankung, die oft nach Infektionen auftritt, kann zu aufsteigenden Lähmungen führen. (GBS gilt als ernste Komplikation bei Covid-19, ist aber auch eine berüchtigte Nebenwirkung von Corona-Impfungen, welche in Palästina ebenfalls stattfanden . All diese möglichen sonstigen Auslöser verfehlt ein aktionistisches Drauflos gegen Polioviren von vornherein. 4.      Zu den typischen Symptomen einer Poliomyelitis führt das Polio-Wildvirus nur bei 0,1 bis 1,0 % der Infizierten. (1) Bloß bei 5 % kommt es zu einem grippalen Infekt, der allerdings nach wenigen Tagen abklingt. Bei 90 bis 95 % treten leichte bis gar keine Symptome auf. Eine Erkrankung fördern Bedingungen, wie sie mitten im Krieg zu herrschen pflegen: mangelhafte hygienische Verhältnisse, Unterernährung, kein oder verseuchtes Trinkwasser, nicht zuletzt andauernder Angststress. 5.      Falls Lähmungen auf eine Polio-Infektion folgen, sind diese keineswegs „meist dauerhaft“, wie Leitmedien verbreiten (2) – bei 50 bis 70 % der Betroffenen bilden sie sich nach wenigen Monaten spontan zurück, teilweise bis vollständig, manchmal sogar schon innerhalb von Wochen. (3) Wäre dies nicht auch bei dem betroffenen palästinensischen Kind zu erwarten gewesen? Hätte es fürs erste nicht genügt, es zu isolieren, physiotherapeutisch zu behandeln und abzuwarten? Nur bei jedem vierten Betroffenen bleiben dauerhaft schwere Schäden zurück – bei 0,025 bis 0,25 % aller Infizierten. 6. Vor allem Toxine sind es, die Poliomyelitis auslösen. Indem sie Funktionen der Zellmembranen stören, schaffen sie einen direkten Weg vom Darm zum unteren Teil des dahinter befindlichen Rückenmarks, auf dem sich Viren und Bakterien festsetzen können. Die ersten Fälle von Kinderlähmung wurden in den 1800-er Jahren aktenkundig, als gängige medizinische Behandlungen für jede Krankheit Quecksilber einbezogen, um den Darm zu reinigen; selbst Zahnungspulver für Säuglinge enthielt es. Für die Polio-Epidemien seit Ende des 19. Jahrhunderts haben in erster Linie aggressiv versprühte Pestizide gesorgt. Sie traten vor allem in ländlichen Gebieten auf, die mit Pflanzenschutzmitteln besprüht wurden. Und sie endeten in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts, nachdem man aufhörte, das Insektizid DDT einzusetzen; dieses verheerende Nervengift war nach dem Zweiten Weltkrieg überall zum Einsatz gekommen – selbst das Essen, die Kleidung, das Bettzeug ihrer Kinder besprühten Eltern damit, “ to follow the science ”. (4) Aber wenn Kinderlähmung tatsächlich in erster Linie darauf beruht, dass Giftstoffe die Darmintegrität sabotieren: Warum sind dann ausgerechnet Säuglinge und Kleinkinder am häufigsten betroffen? Weil bei ihnen das untere Ende des Rückenmarks, das die Beine steuert, unmittelbar hinter dem Darm liegt. Bei Erwachsenen befinet es sich, im Verhältnis zum Darm, vielhöher – außer Reichweite der meisten Angriffe durch Toxine und Mikroben. (5) Toxinen aller Art sind die Kinder im Gazastreifen ausgesetzt, seit Israels Militär auf den Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 mit einer umfassenden Luft- und Bodenoffensive reagierte. Abgeworfene Bomben ließen Baustoffe und Plastik schmelzen, setzten Chemikalien frei – ganz abgesehen davon, was in den Bomben steckte. Fallen sie auf Fabriken, die Pestizide herstellen und lagern, so könnten die emittierten Dämpfe genügen, um massenhaft Lähmungen hervorrufen. 7.      Polio-Lebendimpfstoffe, wie sie in Gaza zum Einsatz kommen, sind unzuverlässig. Es bleibt das Risiko, dass sie eine sogenannte vakzinassoziierte Poliomyelitis (VAPP) auslösen und sich impfstoffabgeleitete Polioviren („ vaccine‐derived polioviruses “, VDPVs) verbreiten. Deshalb empfiehlt sie das Robert-Koch-Institut schon seit 1998 nicht mehr. (6) 8.      Bei dem in Gaza verabreichten Vakzin handelt es sich um nOPV2 ( novel oral polio vaccine type 2 ): einen neuartigen,von der Gates Foundation finanzierten oralen Impfstoff, der sich auf Polio Typ 2 konzentriert. (7) Das Erbgut dieses Typs sollen Gentechniker an fünf Stellen verändert haben, um zu verhindern, dass das Virus mutiert und wieder ansteckend wird. (8) 9.      nOPV2 ist noch gar nicht vollständig zugelassen. Zumindest als „ Notfallimpfstoff “ gab ihm die WHO aber bereits im November 2020 grünes Licht. Als „ wirksam und sicher “ preist sie ihn seither an („ top-quality protection “) – eine aus Coronazeiten vertraute Gebetsmühle dreht sich da. 10.      Seit März 2021 wurde der nOPV2-Impfstoff mehr als 650 Millionen Kindern in 30 Ländern verabreicht. Nigeria und die Demokratische Republik Kongo bestätigten daraufhin bereits vier Fälle von Rückmutationen, die den Erreger wieder virulent machten, wie das Wissenschaftsmagazin Nature berichtet . Wegen der Quote an Impfversagern halten Experten die „Ausrottung von Polio“ mittels nOPV2 für unrealisierbar. (9) 11.  Nebenwirkungen von nOPV2 sind weitgehend unerforscht. Eine Studie in Sierra Leone deckte allerdings bei 528 Kindern schwerwiegende unerwünschte Ereignisse nach der Immunisierung mit nOPV2 auf, darunter Erbrechen (42 Fälle), Anaphylaktische Reaktionen (2), Lähmungen (11), Krampfanfälle und Myalgie (12), Bewusstseinsverlust. Eher heraufbeschworen als ausgerottet Aus diesen vernachlässigten Aspekten ergibt sich ein niederschmetterndes Bild: Ein einziger (!) Fall eines Kindes, bei dem sowohl eine Lähmung als auch eine Polio-Infektion festzustellen war – eine Korrelation wohlgemerkt, nicht unbedingt eine Kausalität -, galt als ausreichend, um in Gaza eine „Notlage“ auszurufen, die angeblich eine sofortige massenhafte Impfkampagne erfordert. Bekämpft werden soll dabei ein Virustyp, den es ohne vorherige Impfungen gar nicht gegeben hätte – mit einem Vakzin, das seinerseits für weitere Impfpolio sorgen wird. Wen erfreut, wem nützt so etwas wohl? Ein weiteres Mal zeigt sich der Irrwitz des missionarisch eifrigen „Kampfs um die Ausrottung des Virus“: Im ersten Halbjahr 2024 wurden in Afghanistan und Pakistan nur noch fünf Wildvirus-Poliofälle gemeldet; im gesamten Jahr 2023 waren es bloß sechs, aus denselben beiden Ländern. Hingegen fielen im vergangenen Jahr 665 Fälle von durch Impfung übertragener Polio in 23 Ländern auf, bei unbekannter Dunkelziffer. Laut Global Polio Eradication Initiative (GPEI) waren sämtliche  sechs Fälle 2023 von Poliovirus-Infektionen des Wildtyps bei Kindern aufgetreten, die bereits mit dem neuartigen Impfstoff nOPV2 geimpft waren. Mit anderen Worten: Die Impfversager-Quote erreichte unübertreffliche 100 Prozent. Mit einem solchen Pseudo-Medikament (das lateinische Wort medicare bedeutet “heilen”) “die Kinderlähmung auszurotten”, in Palästina und weltweit, ist eine datenferne Illusion, die nur einem nützt: Big Pharma und ihren Investoren. “Follow the Science”? Follow the Money. Davon abgesehen: Wo bleibt in Gaza das ethische Grundprinzip der informierten Zustimmung? Kein einziges der 640.000 Kinder kann sich dagegen wehren, ein experimentelles Gentechnikprodukt eingeflößt zu bekommen. Wie viel Aufklärung erhalten und kapieren ihre Eltern, ehe sie ihr Einverständnis erklären? „Das gleiche alte Schema“ Zu Nebenwirkungen welchen Ausmaßes könnte der massenhafte Einsatz von nOPV2 im Gazastreifen führen? Kein größeres Medium hinterfragt Risiken. Und nirgendwo wird öffentlich diskutiert, wer auf welche Weise eigentlich solche Nebenwirkungen fortan mit der gebotenen Sorgfalt dokumentiert und Impfschäden feststellt. Gesundheitsbehörden in Rafah, Khan Yunis und Gaza-Stadt haben momentan, und bis auf weiteres, ganz andere Sorgen, als die Schicksale Hunderttausender von Impflingen nachzuverfolgen. Dass Gates kritische Nachforschungen vor Ort sponsert, ist eher unwahrscheinlich. Auch wartet man bisher vergeblich auf seine Ankündigung, einen Entschädigungsfonds für Impfopfer einzurichten. Dass hierfür nicht alsbald ein dringender Bedarf bestehen wird, glaubt ernsthaft niemand.  „Es ist das gleiche alte Schema“, beklagt die Ärztin und Impfstoffexpertin Dr. Suzanne Humphries: „Ein Krieg oder eine Krise wird genutzt, um einen neuen, kaum getesteten Impfstoff auf den Markt zu bringen.“ Ist auszuschließen, dass die WHO/Gates-Initiative in Gaza am Ende für weitaus mehr gelähmte Kinder gesorgt haben wird, als dem Virus zum Opfer gefallen wären, wenn man ihm freien Lauf gelassen hätte? Um wie viel besser stünde es um die Gesundheit der Kinder im Gazastreifen, wenn Gates und die WHO ihren Einfluss und ihr Geld lieber dafür investiert hätten, den jüngsten wehrlosen Kriegsopfern gesundes Essen, sauberes Trinkwasser, Gasmasken und bessere Wundversorgung zu spendieren? Zensiert KI jegliche Impfkritik demnächst in Echtzeit? Wer für solche Impfkritik im Internet noch Leser finden will, muss sich womöglich beeilen – zumindest wenn es nach Bill Gates geht. In seiner jüngsten Medienkampagne plädiert er für eine KI-gestützte Zensur in Echtzeit, um angebliche Fake News zu unterdrücken – und dazu zählt ganz besonders jegliches Hinterfragen von Impfstoffen. Im verfassungsmäßigen Recht auf freie Meinungsäußerung sieht Gates dabei eher ein Hindernis – er will die öffentliche Diskussion kontrollieren, umfassend und lückenlos. Eine KI soll entscheiden, welche Informationen verbreitet werden dürfen. Unter dem Vorwand, uns vor falschen Informationen zu „schützen“, hält dann eine totalitäre Überwachung Einzug. Denn „ dieses Zeug muss weg .“ ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1)   Dr. Gerhard Buchwald: Impfen – Das Geschäft mit der Angst , 5. Aufl. Lahnstein 2008, S. 121. (2)   siehe z.B. https://www.zdf.de/nachrichten/politik/ausland/gaza-polio-who-impfung-kinder-israel-100.html (3)   Dr. Buchwald geht bei der Mehrzahl der Patienten von einer Rückbildung der Symptome „innerhalb eines Jahres“ aus, Dr. Humphries nennt einen Zeitraum von „60 Tagen“. (4)   Siehe Forrest Maready: The Moth in the Iron Lung , 5. Aufl. 2018, und den zusammenfassenden Essay „ Die Kinderlähmung ist eine vom Menschen verursachte Vergiftung “; Suzanne Humphries: Dissolving Illusions : Diseases, Vaccines, and The Forgotten History , mit einer ausführlichen Geschichte der Kinderlähmung . Zur Kritik der Pestizidtheorie von Polio siehe hier , hier und hier . (5)   Siehe Siehe Forrest Maready: The Moth in the Iron Lung, a.a.O. (6)   Robert Koch-Institut, 10. Juli 2020: „RKI - Impfungen A - Z - Schutzimpfung gegen Poliomyelitis: Häufig gestellte Fragen und Antworten“, https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/Poliomyelitis/FAQ-Liste_Poliomyelitis_Impfen.html?nn=2375548 . (7)   https://childrenshealthdefense.org/defender/polio-vaccine-gates-funded/ ; https://childrenshealthdefense.org/defender/who-gates-polio-vaccine-united-kingdom/ ; https://polioeradication.org/wp-content/uploads/2022/10/nOPV2-FAQ-August-2022-EN.pdf (8)   Deutsches Ärzteblatt , 30. Dezember 2020: „ Polio: Neuer oraler Impfstoff soll Ausbreitung von pathogenen Impfstoffviren stoppen “. (9)   T. J. John u.a.: „ Novel OPV is Still not the Right Tool for Polio Eradication “, Indian Pediatrics 61(4) 2024.

  • Macht Impfen gesünder?

    Sorgen Impfstoffe tatsächlich für mehr Gesundheit? Mit fadenscheinigen Ausflüchten weigern sich Behörden seit eh und je, dem behaupteten Zusammenhang wissenschaftlich sauber nachzuforschen. Doch inzwischen belegen hunderte Studien: Geimpfte tragen ein weitaus höheres Risiko für vielerlei chronische Krankheiten. Es wächst, je häufiger, je früher „gepikst“ wird. Eltern muss klar sein, was sie ihrem Kind womöglich antun, wenn sie diese Tatsache ignorieren. Ja, ein Großteil der Impfstoffe scheint weitgehend sicher – innerhalb der sechs Wochen, oft aber auch bloß während zwei bis vier Tagen, in denen ihre Nebenwirkungen in klinischen Studien kontrolliert werden. Ausschließlich Einzelimpfungen kommen dabei auf den Prüfstand, obwohl Säuglinge inzwischen bis zu neun Vakzine auf einmal erhalten. (1) Wozu führt das auf längere Sicht? Was richten Impfstoffe Monate, Jahre, Jahrzehnte nach den „Piksen“ an? Es gibt nur einen Weg, das festzustellen: mittels eines Vergleichs von Geimpften mit Ungeimpften. Doch bis heute weigern sich Gesundheitsbehörden, entsprechende Untersuchungen zu veranlassen. Neugierigen, couragierten Wissenschaftlern ist es zu verdanken, dass solche Studien trotzdem längst vorliegen. Nicht bloß ein paar. Es sind Hunderte – methodisch hochwertig, mit Peer-Review, veröffentlicht in angesehenen Fachzeitschriften. Übereinstimmend und glasklar belegen sie: Impfstoffe erhöhen das Risiko, chronisch zu erkranken – nicht bloß ein statistisches Bisschen, sondern hochsignifikant. Geradezu dramatisch. Eine der angeblich „größten Errungenschaften in der Geschichte der Medizin“ (2) entlarven sie als schreckliches Debakel – mehr noch, als ein monströses Verbrechen, soweit Verantwortliche es bewusst in Kauf nehmen. Zu den Augenöffnern zählen sechs neuere Studien, erschienen zwischen 2017 und 2022. Mit unterschiedlichen Forschungsansätzen kommen sie, unabhängig voneinander, zu ein und demselben Ergebnis: Sogenannte „Schutzimpfungen“ schützen unsere Gesundheit mitnichten. Im Gegenteil. Die beiden Mawson-Studien: Ungeimpft sind Sechs- bis Zwölfjährige eindeutig besser dran Was man Kindern antut, wenn man offizielle Impfkalender gnadenlos an ihnen abarbeitet, brachte im Jahr 2017 Anthony Mawson zum Vorschein, Professor am Institut für Epidemiologie und Biostatistik der Universität von Jackson, Mississippi. Sein Forschungsteam befragte die Eltern von 666 sechs- bis zwölfjährigen Kindern, die zu Hause unterrichtet wurden. Von ihnen waren 197 vollständig geimpft, 208 teilweise, 261 überhaupt nicht. (3) Unter den Geimpften traten Windpocken und Keuchhusten zwar auffallend seltener auf. Dafür zahlten sie gesundheitlich aber einen hohen Preis: Weitaus häufiger als Ungeimpfte waren sie von allergischer Rhinitis betroffen (30-mal höheres Risiko), von Lernbehinderungen (5,2-mal), von ADHS und Autismus (jeweils 4,2-mal), von Allergien (3,9-mal), von neurologischen Entwicklungsstörungen (3,7-mal), von Dermatitis (2,9-mal). Auch bei Lungenentzündungen (6,4 % gegenüber 1,2 %) und Ohrentzündungen (19,8 % gegenüber 5,8 %) waren die Gruppe der vollständig Geimpften krass im Nachteil. Teilweise geimpfte Kinder erreichten in der Regel „eine mittlere Position“. Im selben Jahr bestätigte Mawson diese Ergebnisse in einer Folgestudie. (4) Die Hooker/Miller-Studien: „Pikse“ im ersten Lebensjahr sind besonders fatal An wissenschaftlichem Sachverstand dürfte es Brian Hooker schwerlich mangeln. Immerhin ist er emeritierter Professor für Biologie an der Simpson University in Redding, Kalifornien. Gemeinsam mit dem Wissenschaftsautor Neil Miller untersuchte er Erkrankungsraten von 2047 Kindern aus drei amerikanischen Arztpraxen. (5) Zwischen 2005 und 2015 geboren, waren die Kleinen zum Zeitpunkt der Studie 3 bis 12 Jahre alt. 69 % waren im ersten Lebensjahr gegen eine beliebige Krankheit geimpft worden, 31 % nicht. Um sicherzugehen, dass eine Störung oder Erkrankung tatsächlich der Impfung folgte  – und ihr nicht etwa vorausging -, bezogen die Autoren nur solche ein, die nach dem ersten Geburtstag des Kindes auftraten. Bei ausnahmslos allen Diagnosen, zu denen aussagekräftige Daten vorlagen, stellte das Forscherteam fest: Kinder, denen in ihren ersten zwölf Lebensmonaten „Pikse“ erspart geblieben waren, erkrankten weitaus seltener. Im Alter von fünf Jahren war die Wahrscheinlichkeit von Entwicklungsverzögerungen und Ohrentzündungen bei den früh Geimpften mehr als doppelt so hoch; von Asthma 4,5-mal höher. Ein Jahr später, 2021, ließen Hooker und Miller eine zweite Studie folgen, diesmal mit Daten von 1565 Kindern. (6) Von diesen waren 8,7 % vollständig geimpft – d.h. „korrekt“ nach Impfkalender -,  30,9 % teilweise, 60,4 % gar nicht. Vollständig Geimpfte litten mit einer weitaus höheren Wahrscheinlichkeit an Asthma (17,6 % gegenüber 4,9 %), an Magen-Darm-Erkrankungen (13,8 zu 2,5 %), an chronischen Ohrenentzündungen (27,8 % zu 2,13 %). Auch schwere Allergien, Autismus und AD(H)S traten bei ihnen viel öfter auf.   Die Lyons-Weiler/Thomas-Studie: Geimpfte Kinder sind viel häufiger beim Arzt Gemeinsam mit dem Wissenschaftler James Lyons-Weiler führte Dr. Paul Thomas, Facharzt für Pädiatrie aus Portland im US-Bundesstaat Oregon, eine Studie über 3.324 kleine Patienten durch, die er im Laufe von über zehn Jahren in seiner Praxis betreute. (7) Dabei verglichen sie die Anzahl der Arztbesuche bei geimpften und ungeimpften Kindern. Wie oft bekam der Thomas sie wegen bestimmter Diagnosen zu sehen? Ob wegen Asthma, Heuschnupfen oder allergischer Rhinitis – einer Entzündung der Nasenschleimhaut -, Ekzeme, Dermatitis, Urtikaria (Nesselsucht), Bindehautentzündung, Gewichts-/Essstörungen, Anämie, Infektionen der Atemwege, ADHS, Autismus: Mit all diesen Problemen erschienen geimpfte Kinder deutlich häufiger beim Arzt. Alles in allem ließen die Daten nur einen Schluss zu: “Ungeimpfte Kinder sind in der Regel gesünder als geimpfte”. Erstaunlicherweise fand der Arzt eine angesehene Fachzeitschrift, die seine Ergebnisse nach Peer-Review veröffentlichte . Doch nur fünf Tage nach Erscheinen verlor er seine ärztliche Zulassung – er stelle eine “Bedrohung” für die öffentliche Gesundheit dar. Prompt wurde sein Studienbericht zurückgezogen .  Die „Control Group“-Studie: Völlig Ungeimpfte sind bei weitem gesünder Eine fünfte hochspannende Studie (8) stammt von The Control Group , einer amerikanischen Bürgerinitiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, „realistische und kontrollierte Forschung und Dokumentation über die Auswirkungen von Impfungen zu betreiben – auf der Suche nach der Wahrheit über die Gesundheit und das Wohlergehen unserer Kinder, unserer Familien, unserer Freunde und von uns selbst“. Nicht weniger als 99,74 % der US-amerikanischen Bevölkerung sind geimpft. Lediglich 0,26 % - schätzungsweise 832.000 US-Amerikaner – haben bislang keinerlei Vakzine im Körper. Aus dieser Minderheit zogen die Forscher eine Stichprobe  von 0,178 % - insgesamt 1.482 Kinder und Erwachsene aus 48 US-Bundestaaten. Die Fragestellung lautete: Wie häufig kommen unter diesen vollständig Ungeimpften schwere Erkrankungen vor, verglichen mit der geimpften Mehrheit? Wie es um deren Gesundheit steht, ist öffentlich zugänglichen nationalen Statistiken zu entnehmen.  Erneut zeigte sich zweifelsfrei: Ungeimpfte, gleich welchen Alters, sind gesünder - bei weitem. Unter geimpften Kindern leidet mittlerweile jedes Zweite an chronischen Gesundheits­störungen; im Jahr 2010 waren es erst 27 % gewesen. Um ein Vielfaches häufiger treten bei ihnen auf: Asthma, Ekzemen, Nahrungsmittelallergien, Ohrensausen, Augenfehlstellungen, ADHS, Autismus, Epilepsie, zerebrale Lähmung, Mukoviszidose. Die Wahrscheinlichkeit für mindestens eine solche Diagnose liegt 3,5 Mal höher als bei ungeimpften Kindern. Die Wahrscheinlichkeit, von mehreren chronischen Krankheiten betroffen zu sein, ist sogar 5,7 Mal so hoch. Weil Impfungen Erwachsene im Laufe des Lebens kumulativ belasten, stellt sich ihre gesundheitliche Situation noch viel beunruhigender dar. Sie tragen ein 9,5-mal höheres Risiko, an chronischen Krankheiten wie Asthma und Arthritis sowie an einigen der führenden Todesursachen wie Diabetes, Krebs, Herz- und Atemwegserkrankungen zu leiden. 43-mal häufiger haben sie zwei chronische Erkrankungen. 12 % von ihnen sogar fünf. Bei Geimpften im allgemeinen, über alle Altersklassen hinweg, traten 44 Mal häufiger Verdauungsstörungen auf, 207-mal häufiger chronische Sinusitis oder Infektionen der Nasennebenhöhlen. Besonders erstaunlich ist das Spektrum der Krankheiten, die bei den ungeimpften Probanden überhaupt nicht  festzustellen waren. Kein einziges Baby in den untersuchten Familien war an  Plötzlichem Kindstod (SIDS) verstorben, kein einziges an Krebs erkrankt. Bei ungeimpften Erwachsenen trat kein ADHS auf, kein Asthma, keine Arthritis, keine Diabetes, keine Herzerkrankungen, keine bösartigen Tumoren. „Was bedeuten also all diese Daten?“, fragt der US-Arzt Peter McCullough in einer hervorragenden, von Facebook und YouTube prompt wegzensierten Videodokumentation , in der er die erwähnten Studien zusammenfassend vorstellt. “Ganz einfach: Sie deuten darauf hin, dass Impfstoffe insgesamt zu einem kränkeren Leben führen. Tatsächlich sind es die Ungeimpften, deren Leben in der Regel mit hervorragender Gesundheit und wenigen Arztbesuchen gesegnet ist.“ Das RKI lügt – es vertuscht eigene Erkenntnisse Welch hohes Risiko von Impfungen ausgeht, belegte – unfreiwillig - ausgerechnet Deutschlands oberste Gesundheitsbehörde, das Robert Koch-Institut (RKI). Von 2003 bis 2006 führte es eine aufwändige Langzeitstudie („ KiGGS “) zur körperlichen und seelischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zwischen 0 und 17 Jahren durch. Die 17.641 Studienteilnehmer bzw. ihre Eltern füllten dazu einen umfangreichen Fragebogen aus, Ärzte führten Interviews mit ihnen, Blut- und Urinproben wurden analysiert – und Impfpässe kopiert, soweit vorhanden. Bereits ein Jahr nach Abschluss des Datensammelns präsentierte das RKI die Ergebnisse im Bundesgesundheitsblatt auf über 900 Seiten. Die Rohdaten stellte es Interessenten als „ public use file “ zur Verfügung, gegen eine Schutzgebühr von 90 Euro. (9) So viel war Angelika Müller die Sache wert. Akribisch nahm die Informatikerin, vierfache Mutter und Leiterin der Interessengemeinschaft „ Eltern für Impfaufklärung “, das RKI-Material – rund 1500 Datenwerte pro Teilnehmer – unter die Lupe . Dabei stieß sie auf „ grob fehlerhafte Auswertungen “, manipulierte Zahlen, verschwiegene Zusammenhänge. Was aus den RKI-Rohdaten in Wahrheit hervorgeht, übertraf ihre schlimmsten Befürchtungen. Geimpfte Kinder leiden fast doppelt so häufig an Neurodermitis und Heuschnupfen, fünf Mal häufiger plagt sie eine Nickelallergie. (Siehe unten, Abb. 1.) ADHS wird ihnen öfter diagnostiziert. Sie sind anfälliger für Infekte, benötigen öfter eine Brille sowie Sprachtherapie bei einem Logopäden (Abb. 2, 3). Mittelohr- und Lungenentzündungen treten bei ihnen häufiger auf. (Abb. 4) Bei keinem einzigen ungeimpften Kind, aber bei 5,3 % der geimpften ist die Wirbelsäule verdreht oder verkrümmt (s. Abb. 4). Was könnten Impfungen mit einer Skoliose zu tun haben? Zu den möglichen Mitursachen, die in fast allen Beipackzetteln von Impfstoffen als Nebenwirkung erwähnt wird, zählen Nervenerkrankungen, sogenannte Neuropathien. Durch andauernd falsch gesteuerte Anspannungen der Muskeln nahe des Rückgrats könnte sich im Laufe der Zeit eine Fehlstellung der Wirbel ergeben. Verblüffenderweise sind geimpfte Kinder erheblich anfälliger für Windpocken und Scharlach – also ausgerechnet für jene Infektionskrankheiten, vor denen sie ein „Piks“ schützen sollte (Abb. 5). Masern, Mumps und Röteln treten bei Geimpften zwar etwas seltener auf (Abb. 6) – aber dürften sie  überhaupt vorkommen? Von hundert MMR-Geimpften erkranken trotzdem 10 an Masern, vier an Mumps, acht an Röteln. Entsprechend eindeutig fällt Angelika Müllers Fazit aus: „Ungeimpfte Kinder sind in jeder Hinsicht gesünder als geimpfte.“ (10) Wie dreist Wissenschaftler und Behörden tricksen, um genehme Statistiken zu liefern, führte das Robert-Koch-Institut bald darauf, zwischen 2005 und 2008, ein weiteres Mal vor: mit der  TOKEN-Studie zur Sicherheit von Babyimpfungen. Ihr vollmundiger Anspruch: Lückenlos sollte sie sämtliche ungeklärten Fälle von „Plötzlichem Kindstod“ (SIDS) zwischen zwei und 24 Monaten erfassen, die zwischen Sommer 2005 und Sommer auftraten – und prüfen, ob diese Tode mit vorausgegangenen Impfungen zusammenhängen. Schon die Finanzierung der Studie machte stutzig: Für einen Sponsorbetrag von 2,5 Millionen Euro erkauften sich die Hersteller zweier zu testender Impfstoffe, Sanofi Pasteur und GlaxoSmithKline, das Recht, „unverzüglich über relevante Ergebnisse oder Bewertungen unterrichtet zu werden“ – und „Gelegenheit zur wissenschaftlichen Stellungnahme zu den zur Publikation vorgesehenen Texten zu erhalten“, ehe diese veröffentlicht werden. In die Auswertung einbezogen wurden nur 254 Fälle, in denen betroffene Eltern bereit waren, einen umfangreichen Fragebogen auszufüllen. Von 667 Müttern und Vätern, deren Kind im Untersuchungszeitraum verstarb, verweigerten aber zwei Drittel ihre Teilnahme, trotz mehrfacher Kontaktnahme. Warum wohl? Wer ist nach einem derart schmerzlichen Verlust noch erpicht darauf, die Neugier von Datensammlern zu befriedigen? Zu schlechter letzt gelang der TOKEN-Studie das Kunststück, gleichzeitig zwei diametral entgegengesetzte Erkenntnisse zu liefern: die offizielle sowie eine, die erst bei Analyse der Basisdaten zum Vorschein kam – das RKI versteckte sie in der 160-seitigen Langfassung  des Studienberichts, den sie nur auf Englisch zur Verfügung stellte. Die deutsche Kurzversion  gab erwartungsgemäß Entwarnung: Die Impfstoffe seien ungefährlich – schuld an den Todesfällen scheinen demnach vielmehr unaufmerksame, sorglose Eltern. Dabei rückte das RKI nichtsignifikante, aber genehme Details in den Vordergrund seiner Berichterstattung; und statt SIDS-Fälle einfach auszuzählen, „gewichtete“ es sie, bis sich politisch korrekte Schlussfolgerungen ergaben. Bei genauerem Hinsehen belegen die RKI-Daten in Wahrheit: - In den ersten 14 Tagen nach einer Impfung ist ein SIDS-Fall drei Mal wahrscheinlicher als in den darauffolgenden Wochen. - Drei Tage nach einer Sechsfachimpfung ist das Sterberisiko um das 2- bis 3-Face erhöht, nach einer Fünffachimpfung sogar um das 8,1-Fache. - Während des zweiten Lebensjahrs steigt die Wahrscheinlichkeit, binnen 72 Stunden nach einer Impfung zu sterben, um beinahe das 14-Fache. „Fakt“ ist es laut RKI, dass „Impfungen besonders bei Säuglingen und Kleinkindern wichtig sind“, weshalb sie „ zum frühestmöglichen Zeitpunkt “ stattfinden sollen. Zumindest die Aktionäre von Vakzinherstellern dürften da ohne weiteres zustimmen. Wie machen Impfstoffe krank? Wie wirken Vakzine? Das Prinzip scheint einfach und logisch. Bei der „aktiven Impfung“ erhält der Körper abgeschwächte, noch vermehrungsfähige Erreger (“Lebendimpfstoffe”), abgetötete Erreger oder lediglich Bruchstücke davon (“Totimpfstoffe”). Beide Vorgehensweisen sollen ihn anregen, Antikörper dagegen zu bilden. Bei der “passiven Impfung” wird ein Serum injiziert, das solche Antikörper bereits in hoher Konzentration enthält. Auf diese Weise, so heißt es, trainieren Impfungen das Immunsystem für den Ernstfall: eine Infektion mit gefährlichen Bakterien oder Viren. Falls es dazu kommt, kann es sie abwehren, weil es über die dafür nötigen Antikörper schon verfügt. Eltern lassen ihr Kind “piksen”, weil ihnen diese Erklärung einleuchtet. Aber sie kennen bloß die halbe Wahrheit. Zum einen bergen Impfstoffe die Gefahr, eben jene Erkrankung heraufzubeschwören, vor der sie schützen sollen. (Dies geschieht regelmäßig z.B. bei Polio-Impfkampagnen.) Zum anderen geraten mit Vakzinen noch viele weitere Inhaltsstoffe in den Körper – ins Blut, ins Gehirn, in alle übrigen Organe. Über sie pflegen Ärzte im Aufklärungsgespräch hinwegzugehen. Allenfalls im Beipackzettel tauchen die fragwürdigen Substanzen auf. Sie stehen im dringenden Verdacht, für einen Großteil der Impfschäden verantwortlich zu sein, die Hersteller und Behörden unter den Teppich kehren. Was tatsächlich in den Spritzen steckt, ließ die “Arbeitsgemeinschaft Bürgerrecht und Gesundheit” (AGBUG) zwischen 2017 und 2019 von unabhängigen Laboren untersuchen. 83 Vakzine, ein Großteil immer noch im Handel, kamen dabei unter die Lupe. Die Befunde  sind haarsträubend: Fast alle Impfstoffe enthalten in Spuren Aluminium und Quecksilber. Hinzu kommen artfremde Eiweiße, Hormone und Stoffwechselprodukte aus Herstellungsprozessen, bei denen nichtmenschliche Zellkulturen, Hühnereier oder Versuchstiere infiziert werden. Auch Antibiotika, Pestizide und nichtdeklarierte Nanopartikel  fanden sich schon darin. Häufig erweisen sie sich als verunreinigt mit Viren aus jenen Zellkulturen, auf denen sie gezüchtet worden sind: von Varianten des Schweinevirus über SV-40 – aus Nierenzellen von Rhesusaffen – bis zu Viren aus Hühnerzellen, die bei Vögeln Leukämie auslösen können. Wie harmlos sind diese Ingredienzien auf längere Sicht? Sicherheitskontrollen stehen aus, es fehlen Vorschriften hierfür. Von besorgten Eltern abgesehen, scheint niemand interessiert, näher hinzuschauen. Im Verdacht, krank zu machen, stehen unter anderem sogenannte “Wirkverstärker” (Adjuvantien, von lat. adiuvare : unterstützen”): künstliche Substanzen, ohne die eine Abwehrreaktion zu schwach ausfiele, um anhaltende Immunität aufzubauen. Weiterhin am häufigsten als Adjuvans dient hochgiftiges Aluminium . Es macht die Blut-Hirn-Schranke durchlässiger, verursacht vielfältige neurologische Erkrankungen, chronische Entzündungen und Autoimmunerkrankungen; es kann zur sogenannten Makrophagischen Myofasziitis (MMF) führen, einer besonders heimtückischen Muskelerkrankung. Neuere Adjuvantien wie “AS04” oder  “MF59” enthalten Squalen und Polysorbat 80. Im Laborversuch erzeugen sie MS-Symptome, fördern Tumore, lassen die schützenden Myelinhüllen um Nervenzellen ebenso degenerieren wie die Schleimhäute des Darms. Nicht anders als Aluminium lösen sie Autoimmunerkrankungen wie Arthritis und Lupus erythematodes aus.Sie lassen Sexualorgane beschleunigt reifen, gleichzeitig beeinträchtigen sie deren Funktion. (11) Auch Konservierungsmittel in Impfstoffen sind höchst bedenklich. Als Ersatz für das früher übliche Quecksilber kommt neuerdings Phenoxyethanol zum Einsatz: eine Chemikalie, mit der Fische eingeschläfert, Körper- und Schönheitspflegemittel länger haltbar gemacht werden. Wie aus Datenbanken von Kosmetikherstellern ersichtlich, kann Phenoxyethanol Allergien, Hautausschläge, neurologische Erkrankungen, Immundefizite und Organschäden auslösen. In Tierversuchen führt es zu Gendefekten und Krebs. Laut Sicherheitsdatenblatt darf es weder in den Hausmüll noch ins Grundwasser geraten. In so “minimalen” Mengen wie in Vakzinen, bei denen geltende Grenzwerte weit unterschritten werden, seien die erwähnten Zusatzstoffe völlig “ unbedenklich ”, so wiegeln Gesundheitsbehörden ab. Um nachvollziehen, wie dreist man uns etwa über die Gefährlichkeit von verimpftem Aluminium täuscht, genügt ein Taschenrechner.  Laut EFSA, der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, liegt die tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge (TWI) von Aluminium bei einem Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. (12) Nahrungsmittel nehmen wir aber oral auf, darin enthaltenes Aluminium resorbiert unser Körper nur zu 0,1 % - hingegen zu 100 %, wenn wir es in einen Muskel oder direkt ins Blut gespritzt bekommen. Demnach müsste der Grenzwert eher 0,001 mg betragen. Der Aluminiumgehalt der in Europa zugelassenen Vakzine liegt zwischen 0,125 und 0,82 mg  pro „Piks“. Bei einer Injektion von 0,8 mg nimmt ein fünf Kilo schwerer Säugling also rund das 160-fache (0,8 : 0,005) der zulässigen wöchentlichen Höchstdosis auf. Aufs ganze Jahr hochgerechnet – 1 mg mal 52 Wochen mal 7 kg (durchschnittliches Körpergewicht) -, wird der Grenzwert schon mit einer einzigen Sechsfach-Impfung um mehr als das Doppelte überschritten. Kein Grund zur Sorge? Warum wohl gilt “ASIA”, das “ autoimmune/inflammatory syndrome induced by adjuvants ”, in der Medizin inzwischen als eigenständiges Krankheitsbild? Je früher, je mehr – desto schlimmer Noch im Jahr 1970 empfahl das Robert-Koch-Institut  für die ersten zwölf Monate eine einzige Impfdosis, bis zum sechsten Lebensjahr weitere fünf. Dreieinhalb Jahrzehnte später, im Jahr 2006, waren daraus 30 vor dem ersten Geburtstag geworden, weitere zehn in den fünf darauffolgenden Jahren. Und heute? Gegen 17 verschiedene Infektionskrankheiten soll ein Kind in Deutschland  inzwischen geimpft  werden, „zum frühestmöglichen Zeitpunkt“. Hinzu kommen, „Auffrischungen“ eingerechnet, bis zur Volljährigkeit sage und schreibe 53 Impfdosen  – davon 37 im ersten Lebensjahr. Noch impfwütiger geht es in den Vereinigten Staaten zu. Dem Impfkalender der Seuchenschutzbehörde CDC zufolge (13) sollen Kinder mindestens 73 Impfungen gegen 17 verschiedene Krankheiten erhalten; allein bis zu ihrem ersten Geburtstag sind ihnen 28 Injektionen zu verabreichen. Bereits mit zwei Monaten blühen einem Säuling bis zu sechs Impfungen gegen acht Krankheiten. Noch 1962 hatte der Impfkalender für die gesamte Kindheit bloß fünf Impfdosen vorgesehen: gegen Polio, Pocken, Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten. (14) Über hundert weitere Vakzine hat die Pharmaindustrie allein in Europa momentan in der Pipeline (15) – von dieser Art „ präventiver Medizin “ träumt sie. Was derartiger Gesundheits“schutz“ anrichtet, führen zahlreiche Studien jedem, der sehen will, überdeutlich vor Augen: Je früher, je öfter Kinder „gepikst“ werden, desto größer ist ihr Risiko für gesundheitliche Einschränkungen, schwere chronische Erkrankungen und vorzeitigen Tod. (16) Diese Tendenz zeigt sich seit langem   in allen Industrieländern . Warum liegt der Impfweltmeister USA bei der Kindersterblichkeit  weit abgeschlagen auf Platz 55, noch hinter den Malediven, Russland und Kuba? (Deutschland belegt Rang 25.) Spitzenreiter, mit der niedrigsten Quote, ist ausgerechnet Montenegro : Dort sterben pro Jahr unter 1000 Neugeborenen im statistischen Mittel 1,46, in den USA sind es 6,3. (In Deutschland 3,6.) In Montenegro glaubt nicht einmal jeder zweite Einwohner, Vakzine seien wirksam und sicher – in  den Vereinigten Staaten  tun es hingegen drei Viertel. Obwohl die USA bei weitem das meiste Geld für Kindergesundheit ausgeben, ist die Wahrscheinlichkeit für ein Baby, in seinem ersten Lebensjahr dem “Plötzlichen Kindstod” (SIDS) zum Opfer zu fallen, dort um 76 % höher  als in 19 anderen wohlhabenden Ländern. (17) Ausgerechnet im März und April 2020, als wegen Corona-“Lockdowns” kein Baby in Arztpraxen zum “Piksen” vorstellig wurde, fiel die SIDS-Rate  in den Vereinigten Staaten um rund 35 %. Was geschieht mit solchen Informationen? Facebook blockiert sie. Twitter löscht sie. Google versteckt sie. YouTube verbannt sie. Medien schweigen darüber – oder brandmarken sie als Verschwörungstheorie. Talkshows plappern über sie hinweg, Nachrichtensendungen klammern sie aus. Das nährt den Verdacht, dass sie stimmen. Warum schweigen Ärzte? Warum klären impfende Ärzte ihre Patienten nicht darüber auf? Weil sie selber aufklärungsbedürftig sind. Weshalb? Weil sie während ihres Studiums, in Vorlesungen von Professoren auf Honorarlisten von Pharmakonzernen, ebensowenig von Risiken und Gefahren des Impfens erfahren wie aus Lehrbüchern, die pharmafinanzierte Autoren verfasst haben; weder in pharmagesponserten Fortbildungsveranstaltungen und Kongressen noch aus pharmafinanzierten Fachzeitschriften, Online-Infoportalen und Verlautbarungen von Standesorganisationen. (18) Falls ein Arzt Sie wieder einmal bedrängt, Ihr Kind schleunigst impfen zu lassen: Empfehlen Sie ihm die folgenden beiden Bücher – und versprechen Sie ihm, dem „Piks“ zuzustimmen, sobald er die darin vorgestellten rund 500 Studien zur Kenntnis genommen und überzeugend widerlegt hat: Robert F. Kennedy Jr./Brian Hooker: Geimpft versus ungeimpft – Jetzt spricht die Wissenschaft!  (2023) Neil Z. Miller: Der Große Impfreport – 400 kritische Studien für Eltern und Forscher   (2021) Eigentlich müsste jeder Arzt sie bereits kennen, ehe er sich über das Grundrecht seiner Patienten auf körperliche Unversehrtheit hinwegsetzt. Wie kann er Ihre „informierte Zustimmung“ einholen, solange es ihm selber an entscheidenden Informationen mangelt, die er ihnen zu bedenken geben müsste? Scheuen Sie sich nicht, respektlos seine Kompetenz zu testen – schließlich steht nichts Geringeres auf dem Spiel als die Zukunft Ihres Kinds. Wer hinterfragt, erscheint ahnungslos. Wer darauf verzichtet, bleibt es. Lassen Sie ihn die „Ärztliche Impferklärung“ unterzeichnen, die das schweizerische „Netzwerk Impfentscheid“ entworfen hat – ein Arzt, der sich seiner Verantwortung bewusst ist, dürfte nicht zögern. Schaden von der Bevölkerung abzuwenden, ist im übrigen nicht bloß Ärztesache. Der Bundespräsident, der Kanzler und jedes Regierungsmitglied leistet seinen Amtseid darauf, insbesondere der Gesundheitsminister. Wo bleiben staatliche Forschungsinitiativen, um endlich Klarheit zu schaffen? Weshalb sperren sich Gesundheitsbehörden dagegen, allen voran das Robert-Koch-Institut? Faule Ausreden Aufwändige Nachforschungen anzustellen, sei überflüssig, so macht man uns weis – denn die Wahrscheinlichkeit schwerer Nebenwirkungen liege ja bekanntlich bei gerade mal „eins zu einer Million“. Um uns diese Beruhigungspille zu verabreichen, setzen Behörden die Gesamtheit der Geimpften ins Verhältnis zu jenem Personenkreis, dessen Impfschäden staatliche Anerkennung gefunden und zu Entschädigungszahlungen geführt haben. Das ist tatsächlich eine verschwindende Minderheit – was niemanden verwundert, der weiß, welch schikanösen, zeitaufwändigen, nervenaufreibenden Hürdenlauf Impfopfer bewältigen müssen, um zu ihrem Recht zu kommen. Seriöse Studien schätzen die Rate unerwünschter Nebenwirkungen eher auf 1 zu 38 (19), ja auf 1 zu 10. (20) Um Risiken abzuschätzen, fänden die hochwertigsten aller wissenschaftlichen Untersuchungen statt, so versichert man uns: randomisierte kontrollierte Studien (RCT). Dabei werden Versuchspersonen nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt: Die eine erhält das Medikament („Verumgruppe“), die andere bloß ein Placebo („Kontrollgruppe“). Um Erwartungseffekte auszuschließen, werden alle Teilnehmer „verblindet“: Sie bleiben im Ungewissen darüber, welcher Gruppe sie angehören. Damit der Vergleich aussagekräftig ist, schreibt das RCT-Design vor, dass ein Placebo „inert“ sein muss, also ohne pharmakologische Wirkung, beispielsweise neutrale Kochsalzlösung. Bei den meisten Impfstoffstudien kommen in den Kontrollgruppen aber skandalöserweise gar keine echten Placebos zum Einsatz, sondern andere Vakzine. Oder das Placebo enthält die gleichen Inhaltsstoffe, außer den jeweiligen Antigenen, d.h. ohne die Viren oder Bakterienbestandteile, gegen die Antikörper gebildet werden sollen: von Aluminium über Formaldehyd bis Polysorbat 80. So war es bei Gardasil, einem Impfstoff gegen das humane Papillomavirus, das vermeintlich Gebärmutterhalskrebs auslöst: Es durfte gegen AAHS antreten, einen hochtoxischen Wirkverstärker („Adjuvans“). (Adjuvantien sind Substanzen, die Impfstoffen zugesetzt werden, um eine „robustere Immunantwort“ hervorzurufen, als das Antigen allein zustande brächte.). Zur „Kontrolle“ eines Grippeimpfstoffs bei Schwangeren kam ein Meningokokken-Vakzin zum Einsatz. (21) Ein solch hanebüchener Griff in die Trickkiste, im Grunde ein plumper Betrug, führt regelmäßig dazu, dass das Schadensprofil der getesteten Substanz vergleichsweise harmlos erscheint, weil auch die Placebogruppe vergiftet wird  – zur nachvollziehbaren Freude der Hersteller, die derartige Pseudostudien zumeist finanzieren. Im übrigen stehen andere Analysemethoden zur Verfügung, die nicht minder zuverlässige Ergebnisse liefern: seien es prospektive, auf künftige Gesundheitsfolgen ausgerichtete, oder retrospektive, die schon vorliegende medizinische Daten auswerten. (22) Mit solchen Verfahren arbeiten Gesundheitsbehörden routinemäßig. Nur wenn es ums Impfen geht, ergreifen sie schlagartig Berührungsängste. Oft heißt es, Vergleichsstudien mit Geimpften und Ungeimpften seien „unethisch“. Denn zur Placebokontrolle müsste man einem Teil der Versuchspersonen ein Medikament vorenthalten, das „womöglich eine schwere, nicht behandelbare oder tödliche Infektion verhindern kann“, wie es auf der Website einer Kinderklinik heißt. (23) Dies könne man keinesfalls verantworten. Doch genauso argumentieren lässt sich doch bei allen Arzneimitteltests: Wie kann man es unterlassen, Patienten der Kontrollgruppe ein neues Herz- oder Krebsmittel zu geben, das möglicherweise ihr Leben rettet? Dass Impfbefürworter nur bei Vakzinstudien plötzlich ganz arg moralische Bedenken plagen, deutet auf eine Agenda hin, die herzlich wenig mit Wissenschaft und Logik zu tun hat.  Absurd ist das Ethik-Argument auch deshalb, weil man vor Beginn einer RCT-Studie ja noch gar nicht weiß, wie ein Impfstoff wirkt. Bedeutet er für die Verumgruppe eher Segen als Fluch? Wäre es für die Kontrollgruppe daher eher nützlich als schädlich, ihn ebenfalls verabreicht zu bekommen? Eben dies gilt es ja erst herauszufinden. Geimpfte und ungeimpfte Kinder seien allein schon deshalb nicht miteinander vergleichbar, weil sie in unterschiedlichen sozialen Milieus großwerden, die ihre gesundheitliche Entwicklung maßgeblich mitbeeinflussen. Wenn Ungeimpfte seltener krank sind, verdanken sie das womöglich weniger der Impfskepsis ihrer Eltern als vielmehr deren Erziehungsverhalten. Womöglich machen sie sich mehr Sorgen um ihren Nachwuchs, nehmen Symptome ernster, betreuen sie im Krankheitsfall aufmerksamer, bringen sie notfalls rascher zum Arzt, achten auf bessere Ernährung und mehr Bewegung. An Kuriosität ist dieses Argument kaum zu überbieten. Legt es nicht vielmehr die Empfehlung nahe?: „Liebe Mamas und Papas, wenn ihr gesunde Kinder wollt – nehmt euch impfkritische Eltern zum Vorbild!“ Ausgerechnet von Anthony Fauci, Amerikas Impfpapst und jahrzehntelanger Big-Pharma-Darling, stammt die eindringliche Warnung: Falls Zulassungsbehörden es versäumen, längerfristige Auswirkungen von Impfungen zu kontrollieren, „dann könnte sich herausstellen, dass es zwölf Jahre dauert, bis die Hölle richtig losbricht – und was hat man dann angerichtet?“ (24) Recht hat er. „Die Hölle“ ist aber längst da. „Seit 225 Jahren wiederholt sich immer wieder dieselbe Geschichte“, wie die amerikanische Internistin Dr. Suzanne Humphries feststellt (25): „Impfstoffe kommen auf den Markt und verschlimmern Krankheiten, die früher eigentlich nicht sehr problematisch waren. (…) Die Erzählung von der ‚sicheren und wirksamen‘ Impfung ist eine sorgfältig fabrizierte Illusion. (…) Es ist eine dunkle Nacht der Seele, wenn du aufwachst. Deine ganze Welt gerät aus den Fugen, weil du erkennst, dass das gesamte medizinische System korrupt ist.“ Der US-Ganzheitsmediziner Joseph Mercola pflichtet ihr bei: „Die Impfstoffindustrie täuscht uns absichtlich über die Risiken und Vorteile von Impfstoffen, um Profit zu machen, ohne Rücksicht auf menschliches Leid und die Zerstörung der öffentlichen Gesundheit im Laufe der Zeit.“ (26) „Manchmal fragen mich die Leute: 'Was ist der Antrieb? Warum tun sie das?'“, so Humphries. „Meine Antwort ist, dass ich das Warum nicht vollständig beantworten kann. Sicherlich spielt Gier eine Rolle, aber ich denke, es sind wahrscheinlich noch viel schlimmere Dinge im Spiel.“ (27) Von der Pharmalobby gesponsert (28), sieht die Weltgesundheitsorganisation in Impfgegnern wie Humphries und Mercola eine „ globale Bedrohung “. Sie zählt Impfzurückhaltung zu den „zehn schwerwiegendsten Gefahren für die Gesundheit der Menschheit“. Im Ernst? Der Forschungsstand legt vielmehr die Vermutung nahe: Weitaus gefährlicher wäre es, Impfzurückhaltung aufzugeben. Zumeist überwinden Infektionen nicht das Immunsystem, sondern stärken es. Am ehesten fürchten muss sie, wer es hartnäckig vernachlässigt. Spätestens seit der Coronakrise wissen wir: Angst gefährdet die Gesundheit, Wissen stärkt die Abwehrkräfte. ( Harald Wiesendanger )   Anmerkungen 1        Zur Sechsfach-Impfung -  gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Poliomyelitis, Haemophilus influenzae Typ b und Hepatitis B - kommen neuerdings Impfungen gegen Rotaviren, Meningokokken und Pneumokokken. 2        https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/blog/-/elf-dinge-ueber-impfungen-zur-weltimpfwoche/275230 ; https://www.ardalpha.de/wissen/gesundheit/gesund-leben/die-erfolgsgeschichte-des-impfens-impfung-100.html 3        Anthony R. Mawson u.a.: „ Pilot Comparative Study on the Health of Vaccinated and Unvaccinated 6- to 12-year-old U.S. Children “, Journal of Translational Science  3 (3) 2017, S. 1-12, DOI: 10.15761/JTS.1000186, 4        Anthony R. Mawson u.a.: „ Preterm Birth, Vaccination and Neurodevelopmental Disorders: A Cross-Sectional Study of 6- to 12-Year-Old Vaccinated and Unvaccinated Children “, Journal of Translational Science  3 (3) 2017, S. 1-8, DOI:10.15761/JTS.1000187 5        Brian Hooker/Neil Z. Miller: „ Analysis of Health Outcomes in Vaccinated and Unvaccinated Children: Developental Delays, Asthma, Ear Infections and Gastrointestinal Disorders “, SAGE Open Medicine  8/2020, DOI:10.1177/2050312120925344 6        Brian Hooker/Neil Z. Miller: „ Health Effects in Vaccinated versus Unvaccinated Children “, Journal of Translational Science  7/2021, S. 1-11, DOI:10.15761/JTS.1000459 7        James Lyons-Weiler/Paul Thomas: “ Relative Incidence of Office Visits and Cumulative Rates of Billed Diagnoses along the Axis of Vaccination ”, International Journal of Environmental Reseach and Public Health 17 (22) 2020, 8674, DOI:10.3390/ijerph17228674, 8        Joy Garner: „ The Control Group: Pilot Survey of Unvaccinated Americans. Statistical Evaluation of Health Outcomes in the Unvaccinated: Full Report “, 9. Februar 2021 9        Public-Use-File KiGGS, Kinder- und Jugendgesundheitssurvey 2003-2006, Robert-Koch-Institut, Berlin 2008 10    https://efi-online.de/wp-content/uploads/2014/01/UngeimpfteGesuender.pdf , S. 6. 11    Siehe zusammenfassend Harald Wiesendanger: Das Gesundheitsunwesen , a.a.O, S. 334 ff. und die dort zitierten Quellen. 12    Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), EFSA-Beratung zur Sicherheit von Aluminium in Lebensmitteln, 15. Juli 2008, abrufbar unter https://www.efsa.europa.eu/de/news/efsa-advises-safety-aluminium-food . 13    Centers for Disease Control and Prevention: „ Birth-18 Years Immunization Schedule “ 14    Siehe Robert F. Kennedy Jr./Brian Hooker: Geimpft versus ungeimpft – Jetzt spricht die Wissenschaft!  (2023), S. 20, 15    https://web.oevih.at/unser_fokus/forschungsausblick-impfstoff-pipeline/ ; https://pharma-fakten.de/grafiken/rsv-grippe-covid-19-und-co-neue-loesungen-dank-impfstoffforschung-in-sicht/ 16    Siehe Robert F. Kennedy Jr./Brian Hooker: Geimpft versus ungeimpft – Jetzt spricht die Wissenschaft!  (2023), S. 34-61 17    https://www.klartext-online.info/post/damit-sein-tod-nicht-sinnlos-war ; https://www.klartext-online.info/post/blo%C3%9F-ein-piks-zwei-tage-sp%C3%A4ter-tot 18    Siehe Harald Wiesendanger: Das Gesundheitsunwesen - Wie wir es durchschauen, überleben und verwandeln   (2019) sowie die zehnteilige Serie „Dressierte Halbgötter “ in seinem Blog „Klartext“ 19    Ross Lazarus u.a.: „ Electronic Support for Public Health-Vaccine Adverse Event Reporting System (ESP: VAERS),  The Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ), Mech2011 20    Kennedy/Hooker: Geimpft versus ungeimpft , a.a.O., S. 6. 21    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4985566/ , DOI.10.1016/S1473-3099(16)30054-8 22    DOI:10.1002/14651858. MR000034.pub2, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8191367/ 23    The College of Physicians of Philadelphia: „ Vaccines 101: Ethical Issues and Vaccines “ 24    Nova, PBS, „ Surviving AIDS “, 2. Februar 1999. 25    Suzanne Humphries/Roman Bystrianyk: Die Impf-Illusion. Infektionskrankheiten, Impfungen und die unterdrückten Fakten   (2015) 26    Joseph Mercola in mercola.com , 25. Februar 2024 27    Elizabeth Humphries im Interview mit Joseph Mercola: „ Dissolving Illusions About Vaccine Safety “ 28    Wolfgang Wodarg: Falsche Pandemien , 2. Aufl. 2021, S. 314 ff.

  • Raumschiff Erde: ein Lazarett

    Falls Außerirdische tatsächlich seit langem den blauen Planeten umschwirren: Warum landen sie nicht endlich? Bestimmt fürchten sie die Infektion mit einem Hirnvirus, das Befallene anscheinend in den Irrsinn treibt: sich einem Gesundheitswesen auszuliefern, das von Krankheit lebt. Das eine oder andere Ufo bestaunten schon die alten Ägypter und Römer, die Azteken und Mayas. Doch massenhaft am Himmel tummeln sich die flinken Dinger seltsamerweise erst seit der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts – just als die terrestrische Gesundheitskrise einsetzte, die immer mehr Erdbewohner in chronisch Kranke verwandelt. Kann dieser zeitliche Zusammenhang Zufall sein? Gewiss fand die Erde damals Aufnahme in den UWHTA-Reisekatalog (Universal Worm Hole Travel Agency) – als Hauptattraktion des intergalaktischen Ferntourismus, denn sie dürfte der einzige bewohnte Planet im Universum sein, dessen Bewohner (a) gelegentlich zwar ansatzweise Intelligenz erkennen lassen, jedoch (b) seit Jahrzehnten anscheinend ein Gesundheitszerstörungsprogramm verfolgen, worin sie (c) unverdrossen wissenschaftlich-technischen Fortschritt erkennen. Aber wieso landen neugierige Außerirdische nicht scharenweise bei uns, für Sightseeings und Shakehands? Warum schwirren sie weiterhin in sicherem Abstand über unseren Köpfen herum, um nach einer kurzen Weile beinahe lichtgeschwind wieder das Weite zu suchen? Vermutlich weil die ET-Touristen befürchten, sie könnten sich mit jenem Hirnvirus infizieren, das unser unsägliches Medizinsystem hervorgebracht hat und aufrechterhält: eine monströse Maschine, die umso besser funktioniert, je schlechter wir es tun – je mehr wir verlieren, was wir für unser höchstes Gut erachten. Diese Medizin hat so gewaltige Fortschritte gemacht, dass in ihren Hochburgen, westlichen Industrieländern, inzwischen jeder Zweite chronisch krank ist – Tendenz steigend. Schon 20 bis 30 Prozent leiden an mehreren Krankheiten gleichzeitig. (1) Und je älter, desto öfter und schlimmer: In Deutschland beispielsweise liegen bei 76 Prozent der Frauen und  68 Prozent der Männer in der Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen zwei und mehr chronische Erkrankungen gleichzeitig vor. Ab 75 Jahren steigt der Anteil auf 82 Prozent bei Frauen und 74 Prozent bei Männern. (2) In der Altersgruppe der 65- bis 74-jährigen liegen bei jeder vierten Frau und jedem fünften Mann fünf und mehr chronische Erkrankungen gleichzeitig vor; ab 75 Jahren sind 35 Prozent der Frauen und 26 Prozent der Männer betroffen. Je mehr Multimorbide es gibt, desto häufiger werden Arztbesuche (3) und Klinikaufenthalte. Desto häufiger ist der Arzt überfordert – denn ein  Patient mit  mehreren Diagnosen ist nicht  das gleiche wie mehrere Patienten mit jeweils einer. Oft beeinflussen sich die Krankheiten gegenseitig. Gleiches gilt für die Behandlungen. Und je mehr Krankheiten auftreten, desto mehr Rezepte und Überweisungen werden ausgestellt. (4) Desto mehr Kosten fallen an. (5) Desto öfter sorgt Polypharmazie, der gleichzeitige Einsatz mehrerer Arzneimittel, für unkontrollierte, gefährliche Nebenwirkungen, über jene hinaus, die jedes einzelne Präparat ohnehin schon mit sich bringt. Ein Medikament kann Effekte von anderen verstärken oder abschwächen. Neuartige Effekte können auftreten, die keines der Präparate aufgewiesen hätte, wenn es einzeln eingesetzt worden wäre. Mit der Multimedikation steigt in der Regel auch die psychische Belastung. Raumschiff Erde ist dabei, sich in ein Lazarett zu verwandeln. Die meisten Passagiere sind schon drinnen, der Rest steht anscheinend kurz davor. Wo bleibt der allgemeine Aufschrei des blanken Entsetzens über solche grauenvollen Zustände und Aussichten? Warum finden von New York bis Tokio, von London bis Sydney nicht längst Massenproteste statt – gegen eine offenkundig verfehlte Gesundheitspolitik, gegen unterlassene Aufklärung, gegen mangelhaften Schutz vor alledem, was uns und unsere Liebsten krank macht? Wenn Schüler weltweit den Unterricht schwänzen, um für den Klimaschutz an „Fridays for Future“ auf die Straße zu gehen – müssten sie ihrem eigenen Gesundheitsschutz zuliebe dann nicht schleunigst ganze „Weeks for Future“ stattfinden lassen? Und wo bleibt die Empörung ihrer Eltern darüber, welche medizinische Zukunft ihrem Nachwuchs blüht? Warum schweigen die Lämmer? Sie lassen sich ablenken, einlullen und täuschen. Es ist ihnen lästig, Verantwortung zu übernehmen. Sie versäumen es, die richtigen Fragen zu stellen – beispielsweise nach den wahren Ursachen des weltweiten Gesundheitsnotstands. Die Wahrheit ist einfach „Die Wahrheit ist einfach“, lehrte Buddha. An das moderne Gesundheitswesen dachte er dabei eher nicht, hätte aber auch hierbei goldrichtig gelegen. Die simple Wahrheit lautet: An Gesunden gibt es nichts zu verdienen. An Toten ebensowenig. Lukrativ sind die dazwischen: die chronisch Kranken. Das Geschäft mit ihnen läuft umso besser, je mehr es davon gibt. Je früher sie es werden. Je länger sie es bleiben. Je mehr medizinische Waren und Dienstleistungen sie währenddessen konsumieren. Dem Geschäft abträglich sind: Wissen um den wahren Nutzen dieser Güter, um das tatsächliche Ausmaß ihrer Nebenwirkungen und Risiken; effektive Vorsorge; und bewährte, preiswerte Behandlungsalternativen. Was folgt aus alledem logisch über das wahre, oberste Ziel der irdischen Gesundheitsökonomie? Über Behörden, die deren Profiteure gewähren lassen? Über Politiker, die nichts ändern? Über Wähler, die solchen Politikern ihre Stimme geben? Über Medien, die schweigen? Über Ärzte, die Beihilfe leisten? Und über Patienten, die mitspielen? Unter solchen Umständen kann niemand es ET verübeln, dass er sich nähere Begegnungen mit Homo insapiens möglichst ersparen will – und seine Neugier lieber auf sichere Distanz befriedigt, vom schwebenden Ufo aus. (Harald Wiesendanger) Auszüge aus Harald Wiesendanger: Das Gesundheitsunwesen - Wie wir es durchschauen, überleben und verwandeln (2019), S. 7, 9, 38 und 42-45. Anmerkungen 1 „Multimorbidität: Wenn Krankheiten interagieren“, Deutsches Ärzteblatt 114 (20) 2017, A-998/B-830/C-812, https://www.aerzteblatt.de/archiv/188825/Multimorbiditaet-Wenn-Krankheiten-interagieren 2  J. Fuchs u.a.: „Prevalence and patterns of morbidity among adults in Germany. Results of the German telephone  health  interview  survey  German  Health  Update  (GEDA)  2009“. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 55(4) 2012, S. 576-586, https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00103-012-1464-9. 3  A. Hessel u.a.: „Inanspruchnahme medizinischer Leistungen und Medikamenteneinnahme bei über 60-Jährigen in Deutschland –  gesundheitliche, sozialstrukturelle, soziodemographische und subjektive Faktoren.“ Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie 33/2000, S. 89–99; G. Laux u.a.: „Co- and multimorbidity patterns in primary care based on episodes of care: results from the German CONTENT project“,BMC Health Services Research 8/2008, S. 14–21. 4  T. Kühlein u.a.: „Kontinuierliche Morbiditätsregistrierung in der Hausarztpraxis. Vom Beratungsanlass zum Beratungsergebnis“, München 2008. 5  G. Anderson u.a.: „The growing burden of chronic disease in America“, Public Health Report 119/2004, S. 263–270, https://journals.sagepub.com/doi/reader/10.1016/j.phr.2004.04.005

  • Hat Alternativmedizin Zukunft?

    Je wirkungsvoller Alternativmedizin hilft, je mehr Zulauf sie findet, desto eher ist ihr Fortbestand bedroht. Denn ihr Erfolg gefährdet Profite eines übermächtigen Gegenspielers, der sie vernichten kann. Ihre bescheidene Zukunft liegt in der gesundheitsökonomischen Nische, zu der Mundpropaganda führt – unter dem Radar von Big Business. Positivdenkern droht ein böses Erwachen. Hat Alternativmedizin Zukunft? „Selbstverständlich! Blöde Frage!“, empören sich Anwender – erleben sie in ihren Praxen nicht Tag für Tag, wie viel Natur- und Erfahrungsheilkunde, ganzheitliches, energetisches, spirituelles Heilen erreichen kann? „Ja, blöde Frage!“, stimmen dankbare Patienten zu. Denn erst dort fanden sie, worauf sie vergeblich hofften, solange sie ausschließlich konventionellen Ärzten vertrauten. Dürfen sie sich durch Umfrageergebnisse nicht bestätigt fühlen? Demnach findet Alternativmedizin in der Bevölkerung wachsenden Zuspruch. Inwischen bezeichnet sich eine deutliche Mehrheit als aufgeschlossen für unkonventionelle Heilverfahren, hat sich schon auf mindestens eines eingelassen und wünscht sich, dass sie ins öffentliche Gesundheitswesen einbezogen werden. Bereits 2002 hatte der Gesundheitsmonitor ergeben, dass weniger als ein Drittel der Bevölkerung noch gar nicht mit alternativer Medizin in Berührung gekommen war; schon damals erklärten 37 %, einem guten Freund mit anhaltenden Gesundheitsbeschwerden würden sie alternative Heilverfahren “ganz sicher” oder “wahrscheinlich” weiterempfehlen. (1) Im Jahr 2010 erhob das Institut für Demoskopie Allensbach: 70 % der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland haben schon einmal Naturheilmittel benutzt - 1970 waren es erst 52 % gewesen. Lediglich 8 % halten Naturheilmittel generell für unwirksam. Als das Meinungsforschungsinstitut Kantar im Frühjahr 2018 eine repräsentative Stichprobe von 1050 Deutschen zwischen 16 und 64 Jahren befragte, ergab sich: 75 % der Befragten befürworten das Miteinander aus Schulmedizin und „ergänzenden Therapien wie Naturmedizin und Homöopathie“. Immerhin 65 % aller Bundesbürger würden sich notfalls sogar auf Geistiges Heilen einlassen, die wohl umstrittenste, am übelsten beleumundete alternative Heilweise. (2) Selbst künstliche Intelligenz verbreitet Zuversicht. Als ich mit der Überschrift dieses Artikels kürzlich die gefeierte KI „ChatGPT“ fütterte, legte diese sich sekundenschnell fest: „Alternativmedizin hat definitiv eine Zukunft, bleibt ein wichtiger Bestandteil des Gesundheitswesens“ und werde „weiterhin an Bedeutung gewinnen“. Wieso? Weil „viele Menschen nach ganzheitlichen Ansätzen zur Behandlung von Krankheiten oder zur Verbesserung ihres allgemeinen Wohlbefindens suchen“. (3) Ärzteschaft steuert um – so scheint es. Seit Jahrtausenden bilden Ärzte die Eliteeinheit des öffentlichen Gesundheitsschutzes. Hat nicht gerade in ihren Reihen ein bemerkenswerter Gesinnungswandel stattgefunden? Strenge "Schulmediziner" befinden sich in Wahrheit innerhalb der deutschen Ärzteschaft bereits in der Minderheit. (4) 95 Prozent aller niedergelassenen Allgemeinärzte wenden bereits sogenannte "alternative" Verfahren an: im Durchschnitt vier. Das Spektrum reicht von Homöopathie über Neuraltherapie und Akupunktur bis zu anthroposophischen Heilmethoden. Drei von vier Ärzten arbeiten mit solchen Verfahren bereits seit mindestens zwei Jahren, knapp die Hälfte sogar schon seit über fünf Jahren. Nur 41 Prozent bezeichnen sich selbst noch als reine "Schulmediziner". 48 Prozent sehen sich eher als "Schulmediziner mit alternativer Tendenz", acht Prozent sogar als ausgesprochene "alternative Mediziner". Mehr als die Hälfte erachtet Kritik an der Schulmedizin für notwendig, weitere 43 Prozent halten sie zumindest im Einzelfall für angebracht. Drei von vier Ärzten bemängeln, ihre Ausbildung sei einseitig naturwissenschaftlich ausgerichtet gewesen. 83 Prozent meinen, bei der Fortbildung durch die Ärztekammern kämen alternative Behandlungsmethoden zu kurz. (5) In den benachbarten Niederlanden überweisen neun von zehn Allgemeinärzten ihre Patienten an Alternativtherapeuten (6); ebenso verfahren immerhin schon 59 Prozent ihrer britischen Kollegen. (7) Diese Umfragewerte stammen vom Ende des vorigen Jahrhunderts. Dürfte Alternativmedizin inzwischen unter Ärzten nicht noch auf ausgeprägtere Sympathie stoßen? Wird ihr Umdenken nicht zwangsläufig hohe Wellen schlagen? Schließlich genießen Ärzte seit eh und je ein überragendes Ansehen – rund 90 Prozent der Bevölkerung haben eine hohe Meinung von ihnen. Allein Feuerwehrleute übertreffen ihr Sozialprestige. Von wegen Kehrtwende. Zunächst gilt es zu berücksichtigen: Die zitierten Umfragen fanden unter niedergelassenen Ärzten statt. Dirigiert wird das öffentliche Gesundheitssystem aber von den Universitäten und angeschlossenen Kliniken aus. Seit eh und je stehen dort die Festungen einer materialistischen, technophilen, pharmalastigen Schulmedizin. Und daran hat sich in den vergangenen Jahrzehnten herzlich wenig geändert, im Gegenteil. Wer dort ausschert, riskiert einen Karriereknick. Lehrstühle für Alternativmedizin, großangelegte „alternative“ Forschungsprojekte haben weiterhin Seltenheitswert. Wer sich dort zum Arzt ausbilden ließ, findet in der Regel völlig normal und alternativlos, wie sein Berufsstand in sogenannten Krankenhäusern mit Hilfesuchenden umgeht. Er neigt dazu hinzunehmen, dass sich die moderne Medizin von der Heilkunst zur Industrie entwickelt hat, die mit immer höherem Technikeinsatz und Materialverbrauch das Produkt "Symptomfreiheit" zu erzeugen versucht - und dabei immer häufiger an ihre Grenzen stößt. Ein modernes Krankenhaus ähnelt heute eher einer Fabrikanlage, die sich von Großbetrieben der Gebrauchsgüterindustrie nur noch im Erzeugnis, nicht aber grundsätzlich in der Arbeitsorganisation unterscheidet. In dieser Produktionsmaschine wird der Arzt zum kleinen, fremdgetriebenen Rädchen mit begrenzter Funktion; häufiger ist er mit der Kontrolle bürokratischer und technischer Abläufe befasst als mit den Menschen, an denen sie sich vollziehen. Flieht er davor in eine eigene Kassenpraxis, so muss er nicht mehr nur seine Sprechstundenhilfen, sondern vor allem seine Maschinen ernähren. Der Zwang, immer teurere Geräte zu amortisieren, wird zum nervenaufreibenden Kostenjoch - und handlungsleitend für Diagnostik und Therapie. Solche Verhältnisse begünstigen einen Typ von Arzt, der die Befindlichkeit seiner Patienten aus der Quersumme von Vitaldaten, Laborwerten und digitalen Indizes abliest - und alles durch das Raster fallen lässt, was sich nicht als messbare, in Zahlen darstellbare Abweichung von der Datennorm festmachen lässt. Nichts verstört einen solchen Arzttypus mehr als der Aspekt eines Leidens, den er nur im Gesicht seines Patienten erkennt, nicht aber auf dem Computermonitor wiederfindet. Auf der Strecke bleibt dabei ausgerechnet jene Tätigkeit, die sich als einzige nicht industrialisieren und an Automaten delegieren lässt: das geduldige, einfühlsame, anteilnehmende Gespräch mit dem Kranken. Mit der Stoppuhr stellte der Hamburger Mediziner Dr. Stephan Ahrens in drei Praxen von Kollegen fest, dass die "vom chronisch kranken Patienten dominierte Gesprächsphase durchschnittlich 0,11 Minuten" betrug - sieben Sekunden. (8) Nur 28 Prozent der Ärzte gehen auf die Anliegen, die ihre Patienten zu schildern versuchen, überhaupt ein - und unterbrechen nach durchschnittlich 23 Sekunden. (9) Kaum ein Kassenarzt genießt solche Arbeitsbedingungen. Die Mehrheit ächzt darunter, sieht jedoch keine andere Wahl, fügt sich – und tröstet sich damit, wie stattlich sie verdient. Unter solchen Umständen kann es mit dem „Praktizieren von Alternativmedizin“ nicht weit her sein. Allzu oft erschöpft es sich daran, hin und wieder natürliche Wirkstoffe gegenüber synthetischen zu bevorzugen: beispielsweise bei innerer Unruhe und Schlafstörungen erst mal Baldrian und Melatonin zu verordnen statt Benzodiazepine, bei fiebrigen Erkältungen Pulsatilla statt Paracetamol, bei Bluthochdruck Kiefernrindenextrakt statt eines ACE-Hemmers. Nein, das ist noch längst keine andere Medizin – bloß eine gelegentliche Präferenz für ein anderes Produktsegment. “Für eine Medizin mit mehr Geist und Seele”: Das plakative Motto meiner Stiftung Auswege trifft sicherlich ein Hauptanliegen der allermeisten Ärzte, einschließlich der niedergelassenen Vertragsärzte und der klinisch tätigen. Ohne Hirn und Herz arbeitet keiner. Die meisten geben wahrlich ihr Bestes – aber sie dienen einem abartigen ökonomischen System, dem es umso besser geht, je schlechter es Hilfesuchenden geht. Um nicht daran zu verzweifeln, abzustumpfen und auszubrennen, flüchten viele davor in die relative Freiheit einer Privatpraxis. Was sie ebenso schmerzlich vermissen wie wir, ist der Geist des Helfens und Heilens – und „Seele“ im Sinne von Mitgefühl und Empathie, Wertschätzung und Fürsorge. Einem Therapeuten, der sich beides bewahrt, geht es nicht bloß um Symptome, sondern in erster Linie um deren Träger. Das Befinden ist ihm wichtiger als der Befund. Er ist nicht nur darauf aus, eine defekte Biomaschine möglichst profitabel zu reparieren – er sieht und achtet im kranken Mitmenschen die ganze Person, als gestörte Einheit von Körper, Geist und Seele, die es wiederherzustellen und zu bewahren gilt. Und dabei macht er die Humanmedizin nicht bloß humaner, sondern auch effektiver. Werden es demnach in erster Linie ganzheitlich orientierte Privatärzte sein, welche die Alternativmedizin in eine rosige Zukunft führen, im Bund mit erfahrenen, erfolgreichen Heilpraktikern, Heilern und anderen unkonventionellen Therapeuten? Umfragen täuschen Wunschdenker Der beachtliche Zuspruch, den Alternativmedizin seit längerem in demoskopischen Erhebungen findet, täuscht darüber hinweg, dass Begegnungen mit Alternativmedizin in der Regel oberflächlich und flüchtig bleiben. Viele Hilfesuchende schlucken Globuli in derselben Geisteshaltung wie eine Tablette; sie lassen sich Akupunkturnadeln stechen, wie sie sich eine Injektion verpassen lassen – ohne tieferes Verständnis, was da geschieht, allerdings in der Erwartung, dass es Symptome umgehend zum Verschwinden bringt. Bleibt die blitzschnelle Linderung aus, wendet sich ein Großteil rasch wieder ab. Auch Monetäres trübt alsbald die Begeisterung. Alternative Heilverfahren sind Teil einer Zwei-Klassen-Medizin: Weil Krankenversicherungen nur ausnahmsweise und bei teuren Zusatztarifen für sie aufkommen, bleibt Patienten zumeist nichts anderes übrig, als sie aus eigener Tasche zu bezahlen. Und das überfordert einen Großteil über kurz oder lang. Denn gerade bei chronischen Leiden ist es kaum je mit ein, zwei Sitzungen getan. Rasch werden Rechnungsbeträge vierstellig. Nur Wohlhabende lässt das kalt. Die ernüchternde Lektion der Corona-Jahre Wer sich trotzdem weiterhin Illusionen über das Wachstumspotenzial der Natur- und Erfahrungsheilkunde macht, hat noch zuwenig aus drei unsäglichen Corona-Jahren gelernt. In der Pandemie lag die Chance, ein neues Kapitel in der Geschichte der Medizin aufzuschlagen: die weltweite Heilung kranker Gesundheitssysteme. Denn sie bot bietet reichlich Gelegenheit, sich darauf zurückzubesinnen, was Gesundheit eigentlich bedeutet, was sie bewahrt und wiederherstellt. Sie hätte der Menschheit vor Augen führen können, wie töricht und teuer, wie unergiebig und gefährlich es sein kann, einseitig auf die industriegesteuerte, pharmalastige Schulmedizin zu setzen. Denn Naturheilkundige wussten immer schon, was uns vor Infektionskrankheiten aller Art schützt – und wie sie hochwirksam zu behandeln sind, falls sie uns erwischen. Dass wir dem vermeintlichen „Killerkeim“ aus Wuhan „schutzlos ausgeliefert“ waren, solange es keine Impfstoffe gab, hätten sie als hirnrissige Phrase enttarnen können – mit dem Hinweis, dass unsereins durchaus weiterhin über ein Immunsystem verfügt, das sich auf längst bekannte Weise stärken lässt, um Abwehrkämpfe gegen Erreger aller Art zu gewinnen. Doch Alternativmediziner kamen erst gar nicht zu Wort. Stattdessen wurden sie zensiert, verhöhnt, denunziert, mundtot gemacht. Zur traurigen Wahrheit der coronoiden Krisenjahre gehört das nüchterne Eingeständnis, welch erschütternd unbedeutende Rolle Politik und Medien einer ganzheitlichen, auf Prävention und ganzheitliches Heilen ausgerichteten Medizin mittlerweile beim Gesundheitsschutz der Bevölkerung zutrauen und gewähren. Sie bleibt im Abseits, ausgesperrt von maßgeblichen Expertenkommissionen und TV-Diskussionsrunden, belächelt als evidenzferner Placebo-Glaube, ja als Gefahr für die Volksgesundheit. Das Wort führten Andere. Ab Frühjahr 2020 rollte über den Erdball eine Propagandawalze, die gnadenlos alles plattmachte, was sich ihr in den Weg stellte. Du empfiehlst allen Ernstes Vitamin D und Zink gegen eine SARS-CoV-2-Infektion? Desinformant! Fake-News-Produzent! Schwurbler! War es vorher anders? Könnte man daran künftig etwas ändern? In der alternativen Gesundheitsszene kursieren rührend naive Vorstellungen darüber. Manche meinen, man müsse halt lernen, wie man einen professionellen Pressetext aufbaut, mit pfiffiger Überschrift und knackigem Lead, mit weniger Fachchinesisch und Satzbandwürmern. Andere sind dafür, sich mal ein teures Inserat zu leisten, eine PR-Büro einzuspannen, Flyer zu verteilen, Plakate aufzuhängen, Infoveranstaltungen durchzuführen, fleißig Leserbriefe zu schreiben, hübsche Newsletter zu versenden, eine ansprechende Website designen zu lassen. In Wahrheit gleicht man dabei jemandem, der einen herannahenden Tsunami aufzuhalten versucht, indem er ihm am Strand mit vollen Backen entgegenpustet. Bei dem Goliath, gegen den der David der Alternativmedizin antritt, handelt es sich um eine der mächtigsten Industrien dieses Planeten, mit Jahresumsätzen weit jenseits der Billionenmarke, traumhaften Gewinnspannen – und schier unbegrenzten finanziellen Möglichkeiten, sich alles gefügig zu machen oder beiseite zu räumen, was die Marktchancen ihrer Produkte beeinflussen könnte: von den Meinungsführern der Ärzteschaft über Fachgesellschaften und Leitlinienkommissionen bis hin zu Fachzeitschriften, Kongressveranstaltern und Medienhäusern, Ministerien und Behörden. Eine Armee von Lobbyisten arbeitet ihr zu, wie auch global agierende Marketingkonzerne, allen voran die berüchtigten „Big Four“: WPP, Omnicon, IPG und Publicis. (10) Längst ist daraus ein weltumspannendes Netz der Korruption entstanden. Nach Einschätzung des dänischen Medizinprofessors Peter Goetzsche sind ihre skrupellosen Strippenzieher „schlimmer als die Mafia“. (11) Um Gewinne zu maximieren, geht sie buchstäblich über Leichen. (12) Dieser Mafia ist eine „komplementäre“ Medizin, oder gar eine „integrative“, selbstverständlich zuwider. Wie könnte sie eine „Ergänzung“ hinnehmen oder gar „einbeziehen“, die ihre Profite gefährdet? Ihr Geschäftsmodell funktioniert umso besser, je mehr Menschen zu Patienten werden, je früher sie es werden, je länger sie es bleiben. Ihr grandioser Gewinnbringer ist der chronisch Langzeitkranke, der aufwändig diagnostiziert und operiert, medikamentös und medizintechnisch versorgt werden kann. Alternativmedizin sabotiert dieses Business: Sie setzt auf Prävention, auf die Stärkung von Selbstheilungskräften, auf das Aufdecken und Beseitigen zugrundeliegender Ursachen, auf nachhaltiges Gesundwerden und Gesundbleiben. Was gäbe es daran am Ende für den medizinisch-industriellen Komplex und seine Investoren noch zu verdienen? So ein ökonomisches Debakel gilt es zu verhindern. Mit allen Mitteln. Eine fatale Schlüsselrolle dabei spielt eine käufliche Institution namens „die“ Wissenschaft. „Definitiv eine Zukunft“ sieht ChatGPT, den szientistischen Zeitgeist widerspiegelnd, für Alternativmedizin nämlich nur, falls sie „auf soliden wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert“. Deshalb sei es „wichtig, dass Forschung und Studien durchgeführt werden, um die Wirksamkeit dieser Therapien zu bewerten“. (13) Die Maßstäbe für „Wissenschaft“ zu setzen, beansprucht die Mafia freilich für sich, wie auch die Deutungshoheit darüber, was als verlässliche „Evidenz“ und „Wirksamkeitsnachweis“ gelten darf. Die Heilige Kuh der Medizinforschung ist die randomisierte kontrollierte Studie (RCT), am besten multizentrisch und mit mehreren tausend Probanden. Die horrenden Kosten dafür kann Big Pharma locker aufbringen. Doch kaum ein „Alternativer“ stemmt sie jemals. Ohne üppige Forschungsgelder aber keine Forschung. Und daraus ergibt sich das Totschlagargument, Alternativmedizin mangle es an „Evidenzbasierung“ – so als sei der gesammelte Wissenschatz jahrhundertealter Heiltraditionen, ärztliche Erfahrung, das Befinden von Behandelten, umfangreiche Fallsammlungen von vornherein minderwertige  „Evidenz“. (14) Wenngleich zuletzt: Die Hoffnung stirbt. Auch wenn, einem Lieblingsmotto von Positivdenkern zufolge, „die Hoffnung zuletzt stirbt“, spricht unter solchen Umständen herzlich wenig dafür, dass sie unbeschadet überlebt. Wir steuern auf eine Welt zu, in der jegliche Kritik an der pharmagesteuerten Schulmedizin, jeder Hinweis auf alternative Behandlungsmöglichkeiten als „Fake News“, als „Desinformation“ verfolgt wird. Wer sie vertritt, wird am Veröffentlichen gehindert, diskreditiert, der Lächerlichkeit preisgegeben, ausgegrenzt, existentiell bedroht. Die Kontrollinstrumente hierfür sind weitgehend vorhanden. Teilweise kamen sie bereits während der Pandemie zum Einsatz. Wie selbstverständlich finden sie weiterhin Anwendung – und werden systematisch ausgebaut. Nachrichtenagenturen, große Printmedien, öffentlich-rechtliche Sender: Einst Vierte Gewalt im Staat, agieren sie inzwischen überwiegend wie auf Linie gebracht, zum Fremdschämen für kritische Journalisten, die sich weiterhin ihrer Standesethik verpflichtet fühlen. Und außerhalb, im Internet? Nach wie vor fallen gekaufte „Faktenchecker“ über bekennende Alternativmediziner und ihre Fürsprecher her; Wikipedia und Online-Dreckschleudern wie „Psiram“ ruinieren ihren Ruf; Facebook, YouTube, Instagram machen missliebige Beiträge unsichtbar, verhindern ihre Weiterverbreitung. Aufmüpfige Accounts werden mit einem „Shadow Ban“ belegt, der Posts aus dem Newsfeed ihrer Follower verschwinden lässt und oder überall, wo sie auftauchen, kilometerweit nach unten schiebt, wohin kaum jemand mehr scrollt, der noch ganz bei Trost ist. Google platziert Links zu nichtkonformen Websites so weit hinten, dass sie bei Suchanfragen erst irgendwo zwischen dem hundertsten und tausendsten Treffer auftauchen. In Arbeit sind Upload-Filter, die dafür sorgen, dass „böse“ Inhalte erst gar nicht ins Netz geraten; Schnüffel-KI, die das Web unentwegt nach anrüchigen Stichworten und Wortkombinationen absucht, um Urheber von „irreführenden“ Beiträgen aufzuspüren, jegliche Information zu markieren und zu tilgen, die nicht aus „vertrauenswürdigen“, sprich systemkonformen Quellen stammt; Überwachungssysteme sogar für private E-Mails, Handynachrichten und Chats (15). Führende Politiker fordern „verwirkbare Lizenzen“, die Social-Media-Nutzern zugeteilt, aber auch entzogen werden können, sobald sie „gegen Recht und Gesetz“ verstoßen. Deutschlands Innenministerin will eine zentrale „Beratungsstelle“ schaffen, an die sich Bürger vertrauensvoll wenden können, die bei Familienmitgliedern, Freunden oder Kollegen «eine Radikalisierung aufgrund eines wachsenden Verschwörungsglaubens beobachten beziehungsweise vermuten». (16) EU-weit sorgt der Digital Services Act (DSA) dafür, dass Netzbetreiber jeglichen Content, der als „Desinformation“, „Hassrede“ oder „Hetze“ gilt, unerbittlich entfernen müssen, sonst drohen ihnen drakonische Geldbußen. Um den DSA auch in Deutschland durchzusetzen, entsteht innerhalb der Bundesnetzagentur gerade eine „Koordinierungsstelle“, die ein „benutzerfreundliches Beschwerdemanagement-System“ einrichten wird – mit anderen Worten: eine Anlaufstelle für Denunzianten. Etliche davon bestehen seit längerem, so etwa „Respect“, Jugendschutz.net, die Internet-Beschwerdestelle, der Jugend-Support, das „Kompetenznetzwerk Hass im Netz“ und „HessenGegenHetze“. (17) Auf anonyme Anzeigen hin, die bei solchen Sammelstellen eingehen, finden gelegentlich bereits polizeiliche „Gefährder-Ansprachen“ und Hausdurchsuchungen statt; dazu genügt es, in einem sozialen Medium eine mutmaßliche „Desinformation“ zu posten oder auch nur zu teilen. Wer gegen Regierung und Justiz allzu vernehmlich wettert – beispielsweise weil er in der Gesundheitspolitik der Coronajahre wohlbegründet ein Staatsverbrechen sieht -, kann wegen „Delegitimierung staatlicher Organe“ zum Fall für den Verfassungsschutz werden. Bis zu drei Jahren Gefängnis und Geldstrafen bis zu 45.000 Euro drohen in Frankreich neuerdings Impfgegnern und Verfechtern der Alternativmedizin. Am 14. Februar 2024 verabschiedete die Nationalversammlung den Gesetzesentwurf 2157, der die medizinische Informations- und Meinungsfreiheit faktisch beendet: Er verbietet  jegliche Kritik an „medizinischen Behandlungen“, die „nach dem Stand der Wissenschaft offensichtlich geeignet“ sind, Krankheiten zu behandeln bzw. „schwerwiegende Folgen für die physische oder psychische Gesundheit“ abzuwenden. „Der „Kampf gegen sektiererische Abweichungen“ müsse „verstärkt“ werden („Renforcer la lutte contre les dérives sectaires“). Dieses Pariser Zensurmonster, von Kritikern „Pfizer-Gesetz“ getauft, lässt das Schlimmste befürchten, denn es könnte international Schule machen. Darauf arbeiten die Vereinten Nationen (18), die WHO, das Weltwirtschaftsforum (19), milliardenschwere, sendungsbewusste Menschheitsbeglücker wie Bill Gates (20) zielstrebig hin. Die globale Kontrolle des Informationsflusses, auf die sie aus sind, bedroht jeden, der die Schulmedizin, Nutzen und Sicherheit ihrer Maßnahmen und Medikamente noch zu hinterfragen wagt, auf ihre Risiken und Gefahren hinweist, von ihnen abrät. Wird in Kürze zum „sektiererischen Abweichler“, wer unkonventionelle Heilverfahren lobt? Steht mit einem Bein im Gefängnis, wer sich noch zu warnen traut, dass ein neuer Impfstoff weniger wirksam und gefährlicher sein könnte, als der Gesundheitsminister, der RKI-Präsident und willfährige Experten behaupten? Und falls solches Fehlverhalten mit einem Social-Credit-System nach chinesischem Vorbild verbunden (21) wird – wovon etliche westliche Technokraten träumen -, dann riskieren penetrante Querdenker Aus- und Zugangssperren, Reiseverbote, den Entzug von Kommunikationsmitteln; sie riskieren, keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr benutzen zu dürfen, keinen Kredit, Sozialleistungen und Subventionen zu bekommen, bei der Wohnungssuche den kürzeren zu ziehen. Ganz zu schweigen von gesellschaftlicher Ächtung. Von solchen Entwicklungen werden alternative Ärzte nicht verschont bleiben, sobald sie den Mund aufmachen. Und ein weiteres Mal werden ihre Standesorganisationen keinen Finger für sie rühren. In Arbeit sind Richtlinien, die einschränken, was sie online sagen dürfen. (22) Falls sie Gesundheitsbehörden zu widersprechen wagen, soll ihnen künftig der Verlust der Zulassung drohen. Vorerst bestehen wachsende Kontrollmöglichkeiten. Doch haben uns die Coronajahre nicht hinlänglich vor Augen geführt, wie zügig ein mit Biosicherheitserfordernissen begründeter Totalitarismus über uns hereinbrechen kann – zu 90 Prozent mitgetragen von erfolgreich verängstigten, aufgehetzten Mitbürgern? Ist ausgeschlossen, dass sie sich erneut dazu verführen lassen, als Mitläufer, Claqueure und nützliche Idioten voll blindem Hass und bodenlos dumm auf “Maskenmuffel”, “Impfmüde” und sonstige “Sozialschädlinge” loszugehen? (23) Werden Politiker, Journalisten, Wissenschaftler, Mediziner und sogar Kirchenvertreter und Künstler dann nicht nochmals gemeinsame Sache mit Regierung und Pharmaindustrie machen? Was, bitteschön, werden Ärzte und Therapeuten, die anders vorbeugen und heilen, dieser Übermacht entgegenzusetzen haben? Mehr als während der Fauci-Grippe? Die nächste Pandemie ist bloß eine Frage der Zeit. Wer rechnet denn ernsthaft damit, dass Alternativmedizin von da an eine bedeutendere Rolle spielen wird? „Leave it.“ Bloß wohin? Was tun? In jeder misslichen Lage, so machte mir ein weiser Freund klar, gibt es genau drei Optionen: „Change it. Leave it. Or love it.“ Versuche die Situation zu ändern. Wenn das nicht geht, versuche ihr zu entkommen. Wenn auch dies unmöglich ist: Versuche sie zu lieben. Das chronisch kranke Gesundheitssystem revolutionieren, ihre Profiteure und Strippenzieher entmachten, einer wahrhaft heilsamen, mitmenschlichen Medizin den Stellenwert verschaffen, den sie verdient? Luftschlösser. Sollen wir uns demnach besser mit der traurigen „neuen Normalität“ abfinden, sie gar „lieben“? Ausgeschlossen. Wer kann sich schon selbst dazu überreden, Masochismus zu frönen? Entkommen? Zumindest im räumlichen Sinne gab es keines, während Coronoia wütete: Die Hygienediktatur herrschte überall, von Madeira bis Alaska, von Neuseeland über Südafrika bis Bolivien. Und sie könnte bloß ein Vorspiel gewesen sein. Am Horizont zeichnet sich der permanente Pandemienotstand ab, ausgerufen und gemanagt von der WHO – völkerrechtlich verbindlich für all ihre Mitgliedsstaaten. Und wenn nicht? Um alternatives Heilen zu marginalisieren, müssen die Marketingprofis von Big Business nicht erst eine Pandemie abwarten. Welcher Ausweg bleibt dann überhaupt noch? Keine Flucht nach Weiß-nicht-Wo, sondern strategischer Rückzug – in eine kulturelle Nische, in der Systemverweigerer weitgehend in Ruhe gelassen werden. Öffentliche Aufmerksamkeit, wachsender Zulauf, reichlich Medienpräsenz  - die Top Drei auf der Wunschliste von Fans der Alternativmedizin - wären das Schlimmste, was den Nischenbewohnern passieren könnte. Dann nämlich würden sie für Goliath eine Bedrohung darstellen, weil sie seine Profite nennenswert schmälern. Vielleicht werden Alternativmediziner bald aufhören müssen, öffentlich im Geringsten aufzufallen – immer auf der Hut vor einer neuen, unheiligen Inquisition, ihren Schergen und Anschwärzern. Vielleicht werden neun von zehn Praxen dichtmachen müssen, weil Rufmordpropaganda ihre Wartezimmer leert. Vielleicht wird ein Großteil die Zulassung verlieren, gar im Gefängnis sitzen, sofern sie nicht aufhören, idiotische Desinformationen über Grenzen und Gefahren der Schulmedizin zu verbreiten. Vielleicht werden Hilfesuchende zu den übrigen bald nur noch über Flüsterpropaganda finden – wie einst, im finstersten Mittelalter, zu Hexen, die bekanntlich Fake News über die Heilkraft von Kräutern und aufgelegten Händen verbreiteten. Wer die Zukunft rosiger sieht, der träumt sie sich zurecht. Es gilt aufzuwachen. Wann war Gesundheitswirtschaft jemals ein Wunschkonzert? (Harald Wiesendanger) Anmerkungen 1        SwissLight, PDF; 62 kB, https://web.archive.org/web/20071218204712/http://www.forum-gesundheitspolitik.de/dossier/PDF/AlternativmedizinBilanz.pdf. Vgl. G. Marstedt: “Die steigende Popularität alternativer Medizin – Suche nach medizinischen Gurus und Wunderheilern?”, in: J. Böcken/B. Braun/M. Schnee (Hrsg.): Gesundheitsmonitor 2002 – Die ambulante Versorgung aus Sicht von Bevölkerung und Ärzteschaft, Gütersloh 2002, S. 130-149. 2        Nach Harald Wiesendanger: Geistheiler – Der Ratgeber, 5. erw. Aufl. 2007. 3        Die Frage „Hat Alternativmedizin Zukunft?“ stellte ich ChatGPT, Version 3.5, am 25. April 2024. 4        Die Studienlage Ende des vorigen Jahrhunderts fasst zusammen: Walter Andritzky, "Unkonventionelle Heilweisen in der ärztlichen Praxis", Zeitschrift für Allgemeinmedizin 74/1998, S. 608-614. 5        Gunter Haag u.a., "Unkonventionelle medizinische Verfahren. Verbreitung bei niedergelassenen Ärzten - Ergebnis einer Fragebogenumfrage", Zeitschrift für Allgemeinmedizin 68/1992, S. 1184-1187. Eine Studie des Sozialmediziners Dr. Horst Haltenhof von der Universität Marburg stelle ich vor in H. Wiesendanger, "Jeder zweite Arzt heilt ‚alternativ'", Der Heiler 1/1996, S. 35. 6        G. J. Visser / L. Peters, "Alternative medicine and general practitioners in the Netherlands: towards acceptance and integration", Family Practitioners 7/1990, S. 227-233. 7        E. Anderson / P. Anderson, "General practitioners and alternative medicine", Journal of the Royal College of General Practitioners 37/1987, S. 52-55. 8        Hans Halter: Vorsicht, Arzt! Krise der modernen Medizin, Reinbek 1981, S. 219. 9        Gesundheit 5/2000, zit. nach Pulsar 5/2000, S. 28: “Ärzte sind schlechte Zuhörer”. 10    https://www.klartext-online.info/post/die-hohe-kunst-der-panikmache; Siehe H. Wiesendanger: Das GesundheitsUNwesen - Wie wir es durchschauen, überleben und verwandeln (2019). 11    Siehe Peter Goetzsche: Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität  - Wie die Pharmaindustrie das Gesundheitswesen korrumpiert (2014). 12    John Virapen: Nebenwirkung Tod. Korruption in der Pharma-Industrie – Ein ex-Manager packt aus, 4. Aufl. 2008; Peter Yoda: Ein medizinischer Insider packt aus (2008), Kap. „Timothys Story“, S. 123-142;  Harald Wiesendanger: Das GesundheitsUNwesen (2019), S. 603 ff. 13    Laut ChatGPT 3.5 am 25. April 2024 auf die Frage hin „Hat Alternativmedizin Zukunft?“ 14    Siehe hierzu Harald Wiesendanger: Außer Kontrolle. Warum die Stiftung Auswege "unwissenschaftlich" vorgeht - und dazu steht (2016). 15    Siehe https://netzpolitik.org/2023/staendige-vertreter-eu-staaten-wollen-chatkontrolle-trotz-warnung-ihrer-juristen/; https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/gesetzentwurf-zur-chatkontrolle-eu-will-alle-privaten-chats-durchleuchten; https://www.zeit.de/digital/2021-11/chatkontrolle-eu-kommission-kindesmissbrauch-ueberwachung-nachrichten-messenger-anbieter-faq; https://reclaimthenet.org/the-eu-wants-to-scan-all-chat-messages/ 16    https://weltwoche.ch/daily/probleme-mit-der-meinung-von-nachbarn-oder-kollegen-kein-problem-innenministerin-nancy-faeser-schafft-eine-beratungsstelle-fuer-denunzianten/; https://blaulichtblog.de/12352-2 17    Im Februar 2022 startete das Bundeskriminalamt eine „Zentrale Meldestelle“ für „Hass“postings (“Gemeinsam gegen Hass und Hetze im Internet”). Damit soll “eine effektive Strafverfolgung der dort begangenen Straftaten wie Propagandadelikten, Volksverhetzungen oder Bedrohungen ermöglicht” werden 18    https://reclaimthenet.org/un-provides-platforms-with-guidelines-for-regulating-online-speech; https://reclaimthenet.org/un-works-with-tech-media-and-government-to-tackle-misinformation/; https://reclaimthenet.org/the-uns-ominous-ai-misinformation-control-tool; https://reclaimthenet.org/un-official-condemns-health-misinformation-advocates-for-digital-integrity-code 19    https://childrenshealthdefense.org/defender/wef-schlaegt-globalen-plan-zur-ueberwachung-von-online-inhalten-durch-kuenstliche-intelligenz-vor/?lang=de&eType=EmailBlastContent&eId=040a285d-23d6-479f-8c3c-7a8ebdaa61a5; https://reclaimthenet.org/wef-calls-definitions-of-hate-speech-misinformation 20    https://www.klartext-online.info/post/dieses-zeug-muss-weg; https://www.naturalblaze.com/2022/05/bill-gates-wants-to-create-a-3000-person-social-media-unit-to-quash-vaccine-misinformation.html 21    https://www.heise.de/tp/features/Sozialkredite-als-Zukunftstrend-6120666.html?wt_mc=rss.red.tp.tp.atom.beitrag.beitraghttps://reitschuster.de/post/auf-dem-weg-ins-digitale-umerziehungslager/; https://transition-news.org/wie-von-zauberhand-sozialkreditsysteme-in-europa 22    https://reclaimthenet.org/federation-of-state-medical-boards-introduces-misinformation-policy/; https://reclaimthenet.org/uks-general-medical-council-to-restrict-what-doctors-can-say-online/ 23    Gegen das Vergessen empfehle ich das gleichnamige Buch von Werner Reichel. Es versammelt 400 Zitate, die Lügen, Hass und Hetze während der Coronakrise dokumentieren. Titelbild: geralt/Pixabay

  • Durch die Nase!

    Ein. Aus. Es geschieht über 20.000 Mal pro Tag, gedankenlos, unwillkürlich, instinktiv. Vielleicht aber falsch. Wie wir Luft holen, beeinflusst unser Gehirn nämlich weitaus mehr, als wir ahnen. Eine bahnbrechende Studie zeigt auf: Ständiges Atmen durch den Mund beeinträchtigt unsere geistigen Fähigkeiten, während Nasenatmung für einen neuronalen Schub sorgt. 30 bis 50 Prozent aller Erwachsenen atmen überwiegend durch den Mund, sei es wegen einer verstopften Nase, stressbedingt oder einfach aus Gewohnheit. Na und? Wie wir Luft holen, wirkt sich ganz erheblich auf unsere Hirnfunktionen aus, insbesondere auf Gedächtnis und Denkleistung, Aufmerksamkeit und Konzentration. Zu diesem Schluss kommt eine Forschergruppe der Gachon University in Südkorea. In der angesehenen Fachzeitschrift Healthcare berichtet sie, wie sie darauf kam: 22 gesunde Teilnehmer sollten eine Übung zum Arbeitsgedächtnis durchführen, das dafür zuständig ist, Informationen lediglich vorübergehend zu speichern. Zu lösen war die sogenannte „Zwei-Zurück“-Aufgabe („2-back“): Die Versuchspersonen betrachteten nacheinander eine Reihe von Zahlen – und sollten entscheiden, wann eine aktuell gesehene Zahl mit der übereinstimmt, die ihnen zwei Schritte zuvor präsentiert worden war. Dabei atmeten sie entweder durch die Nase oder den Mund. Währenddessen verfolgte das Forscherteam ihre Gehirnaktivität mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT); dieses Verfahren misst Veränderungen der Gewebsdurchblutung in den verschiedenen Hirnregionen, die vom Energiebedarf aktiver Nervenzellen herrühren. Mundatmung schadet dem Gehirn Die fMRT-Scans offenbarten Erstaunliches: Während fortgesetzter Mundatmung waren mehrere Hirnregionen, in denen das Arbeitsgedächtnis sitzt, weniger aktiv – so der Nucleus caudatus und der Gyrus occipitalis inferior. Im Gegensatz dazu führte die Nasenatmung zu einer höheren Aktivität in 15 Bereichen - darunter das Kleinhirn, die Insula und der Gyrus parietalis inferior -, die allesamt eine wichtige Rolle bei Erinnerung, Aufmerksamkeit und Informationsverarbeitung spielen. (1) Außerdem waren verschiedene Hirnareale bei der Nasenatmung deutlich stärker als bei der Mundatmung miteinander funktionell verbunden. Der linke und rechte inferiore parietale Gyrus, zwei wichtige Gedächtniszentren, wiesen nur während der Nasenatmung eine erhöhte Konnektivität zu anderen Regionen auf. Dies deutet darauf hin, dass Nasenatmung die neuronale Kommunikation und Synchronisation optimiert, die dem Erinnerungsvermögen zugrunde liegen. Woran könnte das liegen? Wie die koreanischen Forscher vermuten, liefert die Sinnesempfindung des Luftstroms durch die Nasengänge dem Gehirn wichtige Rückmeldungen, welche ihm kognitives Verarbeiten erleichtern. Dass diese nasale Stimulation bei der Mundatmung fehlt, könnte umgekehrt die beobachteten Defizite bei der Hirnaktivierung und Konnektivität erklären. Dass eine gelegentliche Mundatmung, beispielsweise bei einer Erkältung oder Allergie, bleibenden Schaden im Gehirn anrichtet, halten die Wissenschaftler für unwahrscheinlich. Allerdings deuten ihre Ergebnisse darauf hin, dass eine chronische Mundatmung die Hirnfunktion auf Dauer beeinträchtigen könnte. Weitere Pluspunkte für Nasenatmer Und nicht nur geistig profitieren wir davon, durch die Nase zu atmen. Darüber hinaus bietet es uns mehrere weitere Vorteile. Als natürlicher Filter fängt die Nase mit winzigen Härchen und Schleim Staubteilchen, Keime, Allergene und andere schädliche Partikel ab, bevor sie die Lunge erreichen. "Die Nase ist unsere erste Verteidigungslinie gegen Bakterien und Viren", betont der US-Wissenschaftsjournalist James Nestor in seinem Buch Breath (2021). Indem die Nasengänge die eingeatmete Luft befeuchten, schützen sie das empfindliche Gewebe der Atemwege und der Lunge vor Trockenheit. Diese Funktion ist besonders wichtig in Klimazonen, in denen trockene und kalte Luft die Lunge und die Atemwege reizt und für Infektionen anfälliger machen kann. Auch spielen die Nasengänge eine Rolle dabei, die aufgenommene Luftauf Körpertemperatur zu erwärmen. Außerdem hilft die Nasenatmung, die Menge an Sauerstoff und Kohlendioxid, die in den Blutkreislauf gelangt, besser zu regulieren. Dem Luftstrom setzt Nasenatmung einen um 50 Prozent höheren Widerstand entgegen als die Mundatmung, was das Lungenvolumen vergrößert und die Sauerstoffaufnahme um 10 bis 20 Prozent erhöht. Dieser Widerstand optimiert den Sauerstoff-Kohlendioxid-Austausch und sorgt dafür, dass die lebenswichtigen Organe effizienter mit Sauerstoff versorgt werden. Das wirkt sich positiv auf die allgemeine Gesundheit und Ausdauer aus. Auch wird bei der Nasenatmung Stickstoffmonoxid freigesetzt, ein gefäßerweiternder Stoff, der die Sauerstoffversorgung im Körper verbessert. Gelangt dieses Gas durch die Nase in den Körper, so vergrößern sich die Lungenbläschen; somit kann mehr Blut durch die Gefäße strömen und mehr Sauerstoff aufgenommen werden. Ferner optmimiert Stickstoffmonoxid die Funktionen des Nerven- und Immunsystems, unterstützt Schutz und Reparatur von Zellen, lindert Schmerz, hemmt Entzündungen, verbessert die Verdauung. Sogar zum biologischen Reinigungssystem des Mundes trägt Nasenatmung bei. "Die Nasenatmung schafft eine feuchte Umgebung im Mund”, erklärt der Zahnarzt Dr. Kyle Gernhofer in der Zeitschrift Epoch Times. “So kann der Speichel seine Aufgabe erfüllen und verhindern, dass sich schädliche Bakterien auf deinen Zähnen und deinem Zahnfleisch ansammeln. Die Nasenatmung hilft auch, abnormales Kieferwachstum bei Kindern zu verhindern", Manche Studien bringen orales Atmen mit einem erhöhten Säuregehalt im Mund in Verbindung, der Zahnschmelz erodieren lässt und zu Karies beiträgt. Umgekehrt weisen Nasenatmer, dank der schützenden Rolle des Speichels, eine bessere Mundgesundheit auf. Auf Nasenatmung umzustellen, könnte darüber hinaus der Schlüssel zu mehr Schlafqualität sein. Mundatmung im Schlaf führt oft zu einem trockenen Hals und stört die Erholung. Im Gegensatz dazu fördert die Nasenatmung einen ununterbrochenen und tieferen Schlaf, indem sie für einen optimalen Sauerstoff- und Kohlendioxidspiegel im Blut sorgt. Dass Mundatmung mit Schlafapnoe zusammenzuhängen scheint, macht sie sogar gefährlich. Nasenatmung hilft, Stress abzubauen. Wenn wir durch die Nase atmen, tun wir es langsamer und tiefer. Dies aktiviert das parasympathische Nervensystem und führt zu einem ruhigeren, entspannteren Zustand. Einer Studie der Florida State University in Tallahassee zufolge wirkt sich Nasenatmung auch auf den Blutdruck und andere Faktoren aus, die mit Herzkrankheiten zusammenhängen: Die komplexe Dynamik zwischen dem Herz-Kreislauf- und dem Atmungssystem des Körpers beeinflusst gängige Marker für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Blutdruck, Herzfrequenzvariabilität, Blutdruckvariabilität und Veränderungen des arteriellen Drucks. Verblüffend: Wie Menschen atmen, spiegelt sich sogar in ihrem Aussehen. Vor allem in jungen Jahren spielt Nasenatmung eine entscheidende Rolle dabei, die Gesichtsstruktur zu gestalten, wie die Cleveland Clinic erklärt: "Die Mundatmung kann die Gesichtsentwicklung von Kindern beeinträchtigen und ein sogenanntes ‚Mundatmungsgesicht‘ verursachen“ – es ist „oft schmal, mit einem fliehenden Kinn oder Kiefer." Wie Studien belegen, trägt die Nasenatmung zu einem breiteren Gaumen und einem ausgewogeneren Gesichtsausdruck bei. Neuronaler Schub für geistige Höhenflüge Müssten uns all diese Zusammenhänge nicht Anlass genug bieten, uns bewusst darum zu bemühen, so oft wie möglich durch die Nase zu atmen? Gewohnheitsmäßige Mundatmer sollten mögliche zugrundeliegende Ursachen wie Nasenpolypen oder eine Nasenscheidewandverkrümmung ärztlich überprüfen und beseitigen lassen. (Dabei gilt es die Vorteile einer solchen Maßnahme abzuwägen gegen die Risiken und unbeabsichtigten Nebenwirkungen, die mit jedem chirurgischen Eingriff verbunden sind.) Sich den Mund vor dem Schlafen zuzukleben - das trendige „Mouth Taping“ -, ist nicht jedermanns Sache, erst recht tagsüber. Yoga-Übungen wie die „Wechselatmung“ können dazu beitragen, den Körper auf die Nasenatmung umzustellen. (Dabei hält man sich ein paar Minuten lang abwechselnd ein Nasenloch zu und atmet durch das andere. Dazu nutzt man den Daumen und Ringfinger einer Hand.) „Wenn du dich das nächste Mal auf eine geistig anstrengende Aufgabe vorbereitest, kann es sich lohnen, auf deinen Atem zu achten“, rät der Online-Infodienst GreenMedInfo. „Wenn du den Mund schließt und durch die Nase einatmest, könnte das den neuronalen Schub geben, den du brauchst, um Höchstleistungen zu vollbringen. Auf der Suche nach einer besseren Gehirnfunktion scheint die Nase am besten Bescheid zu wissen.“ Wer fortan auf Nasenatmung umstellt, dürfte kognitiv davon auf längere Sicht profitieren – mit umgehenden geistigen Höhenflügen sollte er allerdings nicht rechnen. Auch dies macht die koreanische Studie klar: Unter den Versuchspersonen lösten Nasenatmer die gestellte 2-back-Aufgabe nämlich weder korrekter noch schneller als Mundatmer. Keine Regel ohne Ausnahme Manchmal ist Mundatmung unvermeidlich, etwa wenn wir uns intensiv körperlich betätigen, oder bei bestimmten Erkrankungen. „Es gibt auch Momente, in denen das Atmen durch den Mund dein Leben retten kann", erklärt der Atemexperte Stuart Sandeman. „Wenn du unerwartet vor ein entgegenkommendes Auto gerätst, löst ein scharfes Einatmen durch den Mund eine schnelle Durchblutung deiner Beinmuskeln aus, so dass du dich schnell in Sicherheit bringen kannst.“ Ausgerechnet dann mit zugeklebtem Mund herumzulaufen, ist eher keine gute Idee. (Harald Wiesendanger) Anmerkungen 1        https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3079584/; https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1053811911011992 2        James Nestor: Breath - Atem: Neues Wissen über die vergessene Kunst des Atmens | Über das richtige Atmen und Atemtechniken,  Gebundene Ausgabe 2021. Titelbild: Element Nase: Von LHOON - Eigenes Werk, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=658211; Element Mund: Freepik.com.

  • Einsam? Ein guter Arzt fragt danach.

    Einsamkeit macht auf Dauer krank – nicht bloß psychisch, auch körperlich. Studien belegen: Sie schadet gesundheitlich sogar mehr als Fettleibigkeit und Rauchen. Kein guter Arzt unterlässt es, nach ihr zu fragen, wenn er erkundet, woher bestimmte Symptome kommen. „Was fehlt dir?“ Eigentlich sind das zwei Fragen in einer. Und stets müssten sie gemeinsam gestellt werden. Die eine zielt auf gesundheitliche Beschwerden. Die andere erkundigt sich nach einem Defizit: Woran mangelt es dir? Oft lautet ein wesentlicher Teil der Antwort: an sozialer Nähe und Wärme, an Beachtung, Verständnis und Wertschätzung, an Zugehörigkeit und Einbezogensein, an Freundschaft, an Liebe. Kurzum: Man ist einsam. Wie viele Ärzte machen sich die Mühe zu erkunden, ob ein solcher Mangel vorliegt – und wie sehr er den Patienten belastet? Sie sollten es. Denn Einsamkeit macht auf Dauer krank. Solange sie anhält, nützen Pillen und Spritzen zuwenig. Dabei geht es nicht um bloßes Alleinsein, soziale Isolation: Manche Menschen sind gerne für sich, gelegentlich oder meistens, und genießen es geradezu. „Um die Einsamkeit ist’s eine schöne Sache, wenn man mit sich selbst in Frieden lebt und was Bestimmtes zu tun hat“, befand Goethe. (1) Franz Kafka bekannte: „Ich muß viel allein sein. Was ich geleistet habe, ist nur ein Erfolg des Alleinseins.“ (2) Umgekehrt fühlen sich viele einsam, obwohl sie in ein großes soziales Netzwerk eingebunden scheinen. Entscheidend ist etwas Emotionales: der Leidensdruck, der entsteht, wenn man seine sozialen Beziehungen als zutiefst ungenügend empfindet. Sich insofern mindestens einmal pro Woche einsam zu fühlen, bekennt in den Vereinigten Staaten fast jeder dritte Erwachsene. 72 Prozent taten es schon mindestens einmal in ihrem Leben. (3) In Deutschland gibt jeder Zehnte an, sich einsam zu fühlen. (4) Zumeist verflüchtigt sich das Elend so zügig, wie es kommt. Doch falls es anhält? Mit zunehmendem Alter wächst die Zahl der Betroffenen: 20 bis 40 % der über 55-Jährigen bezeichnen sich als ständig einsam. Dann drohen chronische Belastungen, von Depressionen über Alkoholmissbrauch bis Drogensucht. Das Suizidrisiko wächst. (6) Aber Einsamkeit, wie jede negative Emotion, beinträchtigt unweigerlich auch das körperliche Wohlbefinden. (7) Im Gehirn von Menschen, die unter sozialer Isolation leiden, stellen Neurologen bereits nach 24 Stunden den Beginn struktureller Veränderungen fest. (8) Die innere Anspannung steigt (9) - Einsamkeit sei „gleichbedeutend mit permanentem Stress”, konstatiert das Deutsche Ärzteblatt. (10) Man schläft schlechter. (11) Entzündungswerte steigen. (12) Das Immunsystem schwächelt. (13) Den Blutdruck kann Einsamkeit um bis zu 14 Punkte erhöhen - umso mehr, je länger sie anhält. Damit steigt das Risiko für Herzkrankheiten. Es kommt eher zu Herzinfarkten und Schlaganfällen. (14) Aber auch eine Demenz wird wahrscheinlicher (15),  einschließlich Alzheimer. (16) Von 2002 an beobachteten amerikanische Forscher vier Jahre lang 823 ältere Menschen aus Seniorenheimen in Chicago und Umgebung. Anfangs war kein Beteiligter an einer Alzheimer-Demenz erkrankt. Im weiteren Verlauf jedoch kam es bei denjenigen, die sich einsam fühlten, wesentlich rascher zu einem geistigen Abbau als bei den sozial Aktiveren. Ja, Einsamkeit ist sogar lebensbedrohlich. Das zeigen zwei Meta-Analysen (17), die 2017 auf der Jahrestagung der American Psychological Association vorgestellt wurden. Zusammengenommen erfassten sie 218 Studien mit mehr als 3,7 Millionen Personen. Einsamkeit korrelierte mit einem bis zu 50 % erhöhten Risiko, vorzeitig zu sterben. Damit ist sie nicht weniger tödlich als Fettleibigkeit oder das Rauchen von 15 Zigaretten pro Tag. (18) Bei Brustkrebspatientinnen verringert Einsamkeit die Überlebensrate (19), ebenso bei Herzoperierten. (20) Lektion von Methusalems Worin besteht das Geheimnis von Methusalems? Wie gelingt es manchen Menschen, bei verblüffend guter Gesundheit über hundert Jahre alt zu werden – ohne Ärzte, ohne Medikamente, ohne Operationen? Alternsforscher sind sich einig: Solche Greise haben nicht bloß in der Genlotterie das große Los gezogen, ernähren sich gut, sind körperlich aktiv, meiden Umweltgifte, trinken und rauchen allenfalls in Maßen. Darüber hinaus sind so gut wie alle Langlebigen bis zuletzt eingebunden in soziale Netzwerke: die Familie, der Freundeskreis, die Nachbarschaft, der Verein. Sie pflegen und genießen Kontakte. Sie fühlen sich nicht abgeschoben, ausgegrenzt, alleingelassen – sondern beachtet, gebraucht und wertgeschätzt, beliebt und geliebt. Befragt, worauf sie selber ihre Langlebigkeit zurückführen, hört man von ihnen besonders häufig: Sie haben sich nie längere Zeit einsam gefühlt. (21) Seit 1938 sammeln Forscher der amerikanischen Elite-Universität Harvard Daten zur Frage: Was ist der Schlüssel zu einem guten Leben? Wie muss es sein, damit es Menschen erfüllt und glücklich macht? Als wichtigster Faktor haben sich funktionierende Beziehungen erwiesen. Menschen seien soziale Wesen, deswegen bedeuten ihnen Freundschaften, Familie und Partnerschaft besonders viel, so erklärt Robert Waldinger, Professor für Psychiatrie an der Harvard University und derzeit Leiter der Harvard Study of Adult Development, in seinem Zwischenbericht The Good Life. (22) Was ihn besonders erstaunte: Beziehungen haben einen emormen Einfluss auf die Gesundheit. Und mehr als das: "Für mich war überraschend, wie stark die Herzlichkeit von Beziehungen vorhersagt, wie lange wir gesund sind, wie lange wir leben und wie glücklich wir sind." (23) Epigenetik liefert Erklärungen – und lässt hoffen Jedes Erlebnis, jeder Gedanke, jede Überzeugung, jedes Gefühl, jede Aktion, die Einsamkeit bannt, wirkt auch auf der körperlichen Ebene heilsam. Wie ist das überhaupt möglich? Immer mehr Wissenschaftler finden Hinweise darauf in der Epigenetik: einem noch jungen Forschungsbereich, der überraschende Erkenntnisse darüber verspricht, wie Umweltfaktoren - aber auch die Art und Weise, wie wir sie verarbeiten - unsere Zellen und die Aktivität unserer Gene beeinflussen. Diesem hochspannenden Zusammenspiel hat der amerikanische Bewusstseinsforscher und Wissenschaftsautor Dawson Church, Gründer und Leiter des National Institute for Integrative Healthcare, ein erhellendes Buch gewidmet: The Genie in Your Genes: Epigenetic Medicine and the New Biology of Intention. Gestützt auf Hunderte von Studien erklärt er, wie Überzeugungen und Emotionen die Expression von DNA-Strängen beeinflussen können. Dabei konzentriert er sich auf eine besondere Klasse von Genen, die sogenannten Immediate Early Genes, kurz IEGs: Diese schalten sich innerhalb weniger Sekunden nach einem Stimulus ein. Auch durch Gedanken oder Gefühle lassen sie sich aktivieren. („Über das unerwartete Geschenk meines Nachbarn habe ich mich sehr gefreut“ oder „Es macht mich traurig und wütend, was meine Schwester auf der Weihnachtsfeier gesagt hat".) Viele IEGs sind regulatorisch: Sie schalten andere Gene an, die bestimmte Aspekte unseres Immunsystems beeinflussen, beispielsweise die Produktion von weißen Blutkörperchen, die angreifende Bakterien und Viren zerstören. Womöglich können wir jahrelange Therapien, schädliche Medikamente und invasive Operationen vermeiden, umgehen können, indem wir die Kontrolle über unser Bewusstsein übernehmen und es nutzen, um unsere genetische Ausprägung zu beeinflussen – und somit unseren eigenen Körper kontinuierlich genetisch verändern. Dies kann sowohl zu einer sofortigen Linderung langjähriger Ängste und Neurosen führen als auch zu einer geradezu wundersamen Heilung anhaltender körperlicher Beschwerden. Was fehlt dem Patienten, den der Arzt vor sich hat? Was benötigt er am dringendsten? Auf dem Rezept müsste in vielen Fällen stehen: Begegnungen. Verbindungen. Miteinander. Gemeinschaft. Den Rest hilft dann Epigenetik zu erledigen. (Harald Wiesendanger) Anmerkungen 1        J. W. Goethe: Briefe. An Charlotte von Stein, Dornburg, 4. März 1779. 2        Franz Kafka: Tagebücher, 21. Juli 1913. 3        Nach dem Harris Poll, einer US-Umfrage aus dem Jahr 2016, siehe American Osteopathic Association, 11. Oktober 2016, https://osteopathic.org/2016/10/11/survey-finds-nearly-three-quarters-72-of-americans-feel-lonely/ 4        Theresa Eyerund, Anja Katrin Orth: Einsamkeit in Deutschland: Aktuelle Entwicklung und soziodemographische Zusammenhänge. IW-Report, Nr. 22. Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Köln 2019, https://www.econstor.eu/bitstream/10419/198005/1/1667352865.pdf 5        M. Aartsen, M. Jylhä: „Onset of loneliness in older adults“, European Journal of Ageing 8 (3) 2011, S. 31–38; C. Luanaigh, B. Lawlor: „Loneliness and the health of older people“, International Journal of Geriatric Psychiatry 23 (12) 2008, S. 1213–1221. 6        American Osteopathic Association, 11. Oktober 2016, https://osteopathic.org/2016/10/11/survey-finds-nearly-three-quarters-72-of-americans-feel-lonely/ 7        G. Miller: „Why loneliness is hazardous to your health“, Science 331 (6014) 2011,  S. 138–140, https://www.science.org/doi/10.1126/science.331.6014.138; A. Shankar u.a.:  „Loneliness, social isolation, and behavioral and biological health indicators in older adults“, Health Psychology 30 (4) 2011, S. 377–385, https://lateadulthoodstage.weebly.com/uploads/1/5/0/5/15050912/biological_health_indicators_pdf.pdf 8        New York Times, 5. September 2016, https://www.nytimes.com/2016/09/06/health/lonliness-aging-health-effects.html 9        Psychology Today 9. Juni 2016, https://www.psychologytoday.com/articles/200308/the-dangers-loneliness; Psychological Bulletin 140 (6) 2014, S. 1464-1504, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25222636/ 10    “Einsamkeit – Einfluss auf den Therapieerfolg”, www.aerzteblatt.de. PP 1/2012, https://www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=118236 11    Social Science and Medicine, 74 (6) März 2012, S. 907-914, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0277953612000275 12    PNAS 19. Januar 2016; 113 (3), S. 578-583, https://www.pnas.org/content/113/3/578.abstract 13    Washington Post, 31. Januar 2016, https://www.washingtonpost.com/national/health-science/loneliness-grows-from-individual-ache-to-public-health-hazard/2016/01/31/cf246c56-ba20-11e5-99f3-184bc379b12d_story.html?utm_term=.2ddaa25cc6df 14    The Telegraph 24. August 2016, https://www.telegraph.co.uk/science/2016/08/24/having-no-friends-could-be-as-deadly-as-smoking-harvard-universi/ 15    Archives of General Psychiatry, Februar 2007;64, S. 234-240, https://archpsyc.ama-assn.org/cgi/content/abstract/64/2/234 16    Medical News Today, 2. November 2016, https://www.medicalnewstoday.com/articles/313858.php 17    Business Insider, 7. August 2017, https://www.businessinsider.com/loneliness-greater-public-health-hazard-than-obesity-2017-8; APA.org, 5. August 2017, https://www.apa.org/news/press/releases/2017/08/lonely-die.aspx 18    Forbes, 18. Januar 2017, https://www.forbes.com/sites/quora/2017/01/18/loneliness-might-be-a-bigger-health-risk-than-smoking-or-obesity/ 19    Medical News Today, 12. Dezember 2016, https://www.medicalnewstoday.com/articles/314675.php 20    Nach Dawson Church: The Genie in Your Genes: Epigenetic Medicine and the New Biology of Intention (2007). 21    Näheres in Dan Buettner: Das Geheimnis der 100-Jährigen: Entdeckungsreise in die Blue Zones der Welt. Wie man es schafft gesund und länger zu leben (2023). 22    Robert Waldinger/Marc Schulz: The Good Life ... und wie es gelingen kann: Erkenntnisse aus der weltweit längsten Studie über ein erfülltes Leben (2023). 23    Zit. nach dem Podcast "The Written Word” der Harvard-Universität, siehe https://magazine.hms.harvard.edu/articles/good-life: "The Good Life: Lessons from the World’s Longest Scientific Study of Happiness by Robert Waldinger, MD, and Marc Schulz, PhD" Titelbild: Freepik.

  • Hochstapler unter Hochstaplern

    Jede Wette: Begabte Laienhelfer brächten psychotherapeutisch noch weitaus mehr zustande als ohnehin, wenn sie in einen weißen Kittel schlüpfen, sich einen hochtrabenden Titel zulegen und bedrückte Seelen in Räumlichkeiten empfangen dürften, die wie eine Praxis aussehen. Jedem, der sehen will, führten erfolgreiche Hochstapler dies eindrücklich vor Augen. Die triftigsten Anhaltspunkte für diesen frechen Verdacht stammen von besonders erfolgreichen Hochstaplern: pfiffigen Zeitgenossen, die jahrelang unerkannt als vorgebliche Psycho-Profis praktizierten. Enttarnt wurden sie nicht etwa, weil sie versagten, Patienten mangelhaft versorgten oder gar schädigten, ihre Aufgaben erkennbar schlechter erledigten als „echte“ Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiater. Sie flogen auf, weil irgendwann eher zufällig auffiel, dass sie Urkunden gefälscht oder gar nicht erst vorgelegt hatten. Der „maßgeschneiderte Begleiter“ von Hessisch Oldendorf Am 26. Februar 2015 wurde in Hessisch Oldendorf der 47-jährige Stefan Brandt verhaftet: Als falscher Diplom-Psychologe und Psychotherapeut hatte er ein knappes Jahr lang im Sana-Klinikum in Hameln, einem Akademischen Lehrkrankenhaus der Medizinischen Hochschule Hannover, als freier Mitarbeiter rund 180 Patienten, nachdem sie ihm als psychisch auffällig gemeldet worden waren, untersucht, Diagnosen gestellt, Beratungen durchgeführt und sie begutachtet – auf der Grundlage eines „Kooperationsvertrags“. In seinem Heimatort betrieb Brandt zudem jahrelang eine gutgehende „Praxis für ganzheitliche Psychotherapie und Lebensberatung“. Deren Schwerpunkt war die „Maßgeschneiderte Begleitung an Lebenswendepunkten“. (1) Sogar Ausbildungskurse bot er an. Auch für Zeitungsredakteure stand Brandts Fachkompetenz recherchefrei außer Frage. So zitierten ihn die Schaumburger Nachrichten als Experten für psychische Hintergründe von Ernährungsgewohnheiten. („Tiefenpsychologisch gesehen ist das Essen am stärksten mit unserem jeweiligen Lebensgefühl verbunden.”) Das Stadtmagazin Rintelner präsentierte ihn als “Psychotherapeut, Systemischer Coach und Transformationspsychologe. Außerdem verfügt er über eine Ausbildung als Supervisor (DGSv) und Mediator, Coach für gewaltfreie Kommunikation und Meditationslehrer.” (1) Über Patienten erstellte er Gutachten für Krankenkassen. Auf die Schliche kam man dem gerissenen Möchtegern keineswegs aufgrund offenkundiger Kunstfehler, im Gegenteil: Weder seine Patienten noch Leitung und Kollegenkreis der Sana-Klinik schöpften den geringsten Verdacht. Vorzüglich schien Brandt dem online betonten Klinikanspruch zu genügen, „in den Mittelpunkt die bestmögliche Diagnostik und Therapie für eine qualifizierte medizinische Versorgung der uns anvertrauten Patienten“ zu stellen, gewährleistet „durch interne und externe Qualitätssicherung“. (2) Zum Verhängnis wurden dem dreisten Großtuer, nach Angaben einer Kliniksprecherin, vielmehr „Hinweise aus der Bevölkerung über die fehlende berufliche Qualifikation“. (3) Die Staatsanwaltschaft warf ihm gewerbsmäßigen Betrug und Titelmissbrauch vor: „Insgesamt werden dem Mann 188 Straftaten zur Last gelegt“, sagte ein Sprecher. (3) 23 Jahre als falsche Psychiaterin 23 Jahre lang arbeitete Zholia Alemi, eine eingewanderte Neuseeländerin, mit einem gefälschten Diplom als Psychiaterin in englischen Kliniken. Darüber hinaus war sie Direktorin einer Firma namens Healthy Minds and Wellbeing Limited in Huddersfield, die Privatpatienten aufnahm. In Wahrheit hatte sie 1992 ein Medizinstudium bereits im ersten Jahr abgebrochen, nachdem sie bei Prüfungen durchgefallen war; bis dahin konnte sie allenfalls ein paar einführende Vorlesungen über Grundlagen der Psychologie mitgekriegt haben. Ihr einziger Abschluss war ein Diplom in Humanbiologie. Trotzdem kümmerte sich Alemi offenbar so gut um Abertausende von psychisch Kranken, dass niemand den geringsten Verdacht schöpfte: kein Arzt, kein Patient. Sie galt als hochintelligent und charmant. Als Zholia Alemi im Herbst 2018, inzwischen 56-jährig, endlich aufflog, war ihr nicht etwa ein Kunstfehler zum Verhängnis geworden – sondern eine weitere dreiste Urkundenfälschung: Das Testament einer 84-jährigen Demenzpatientin, deren Vertrauen sie gewonnen hatte, änderte sie allzu plump ab, um sich als Alleinerbin von 1,3 Millionen englischen Pfund einzusetzen. Wie reagierte das General Medical Council (GMC) darauf, die britische Aufsichtsbehörde für Ärzte? Aus dem Skandal zog sie nicht etwa den naheliegenden Schluss, dass begabte Laien wie Alemi die Psychiatrie zur allseitigen Zufriedenheit bereichern können, ohne Schaden anzurichten, und eine unbürokratische Zulassung verdienen. Nein, die Kammer beschloss, umgehend die Urkunden aller 3000 ausländischen Ärzte auf Echtheit zu überprüfen. (4) Was lehrt uns das über die Art der Qualifikationen, auf die es in der Psychiatrie ankommt? Peinlich, bezeichnend: Wie ein Postbote die Psychiatrie blamierte Die Köpenickiaden eines Stefan Brandt sind vergleichsweiser Pipifax, wenn wir sie an jenem schier unfassbaren Skandal messen, der zwei Jahrzehnte zuvor Deutschlands wissenschaftliche Seelenheilkunde aufs Beschämendste bloßstellte: die Postel-Affäre. Mit gefälschten Urkunden ergatterte Gert Uwe Postel, ein gelernter Postbote mit Hauptschulabschluss, zwischen 1980 und 1997 mindestens sechs Anstellungen als Psychiater, zum Teil in leitenden Positionen. Auf seine Rolle als falscher Arzt vorbereitet hatte sich der ehrgeizige Sohn eines Kfz-Mechanikers und einer Schneiderin, geboren 1958 in Bremen, indem er ein paar Vorlesungen besuchte, Fachbücher las und sich mit psychiatrischem Expertensprech vertraut machte. Stattliche 1,94 Meter groß, schlank, selbstsicher auftretend, sprachlich gewandt, einfühlsam, mit schmalrandiger Brille und flinker Auffassungsgabe: Mehr brauchte er nicht, um in der deutschen Seelenheilkunde fast zwei Jahrzehnte lang eine imposante Karriere hinzulegen. Sie beginnt Anfang 1981 in einem Fachkrankenhaus für Psychotherapie nahe Oldenburg. Dort stellt er sich als junger Arzt frisch von der Uni vor, legt eine getürkte Approbationsurkunde vor, macht Eindruck und wird eingestellt. Ein Vierteljahr lang behandelt er dort zur allseitigen Zufriedenheit, ehe es ihn in seine Heimatstadt Bremen zurückzieht. Dort gibt er ein kurzzeitiges Gastspiel als leitender Arzt in einem Reha-Zentrum. Dann liest er in einem Ärzteblatt, die Stadt Flensburg habe im Gesundheitsamt eine Stelle frei. Daraufhin bewirbt er sich als „Dr. med. Dr. phil. Clemens Bartholdy, Sohn eines Medizinalrats und einer Medizinaldirektorin“. Prompt wird er, gerade mal 24 Jahre alt, zum stellvertretenden Amtsarzt in der drittgrößen Stadt Schleswig-Holsteins – übrigens mit dem Internisten, späteren Bundestagsabgeordneten und Europaratsmitglied Dr. Wolfgang Wodarg als unmittelbarem Vorgesetzten. (5) Von September 1982 bis April 1983 reüssiert Postel dort. Unter seiner Leitung und Aufsicht sinkt die Quote der psychiatrischen Zwangseinweisungen von über 95 auf zehn Prozent. (6) Legt irgendwer Beschwerde dagegen ein, wie er entscheidet, bestätigt das Landgericht seinen Befund. Die Arbeit bei der Behörde empfindet Postel bald als zu anstrengend, hier will er nicht versauern. Er bewirbt sich bei der psychiatrischen Klinik der Universität Kiel – und erhält einen Anstellungsvertrag. Nächste Station ist die Privatklinik von Julius Hackethal in Riedering bei Rosenheim. (6) Als psychiatrischer Sachverständiger ist Postel unter anderem für das Berliner Berufsförderungswerk und die Stuttgarter Landesversicherungsanstalt tätig; er erstellt Gerichtsgutachten, unter anderem in Mordprozessen, und tritt in Hauptverhandlungen auf. (7) Die Postel-Affäre: schallende Ohrfeige für Psycho-Profis Im November 1995 tritt er im sächsischen Zschadraß eine Stelle als Oberarzt im dortigen Fachkrankenhaus für Psychiatrie mit 140 Betten an. Er ist Vorgesetzter von 28 Ärzten, bestimmt über Entlassungen und Einstellungen. Obendrein ist er Weiterbildungsbeauftragter, Gutachter und Vorsitzender der fachärztlichen Prüfungskommission. Die weiterhin gültigen Zeugnisse einiger Fachärzte tragen bis heute seine Unterschrift. Seine Kompetenz bleibt unbestritten. Keinem einzigen Patienten habe Postel geschadet, wie der Chefarzt der Klinik, Dr. Horst Krömker, im nachhinein als Zeuge vor Gericht betonte. (8)  Vielmehr bewährt sich Postel dort mit „überdurchschnittlichen Leistungen“ (9) dermaßen, dass ihm, von Sachsens Sozialminister Dr. Hans Geißler (CDU) persönlich unterstützt, eine C4-Professur als Chefarzt in der forensischen Abteilung am Sächsischen Krankenhaus Arnsdorf im Landkreis Bautzen angeboten wird. Von seinem Chefarzt nach dem Thema seiner Dissertation befragt, gibt Postel an: „Die Pseudologia phantastica am literarischen Beispiel der Figur des Felix Krull nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Mann.“ Pseudologia phantastica? Das bedeutet: pathologisches Lügen. Wie dick hätte der Zaunpfahl denn noch sein müssen, damit der Chefarzt den Wink damit nicht übersieht? Wie damalige Arztkollegen berichten, habe sich Postel hin und wieder arrogant und aufbrausend benommen. Seine Exzellenz scheint er in Weißkittelkreisen damit eher unterstrichen als beschädigt zu haben. Zwanzig Monate hält sich Postel in Zschadraß in der Position eines Oberarztes. Zielfahnder schnappen Postel am 12. Mai 1998 in einer Telefonzelle am Stuttgarter Hauptbahnhof. Am 22. Januar 1999 wird er wegen mehrfachen Betrugs, Urkundenfälschung, Täuschung und Missbrauchs von akademischen Titeln zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Zuvor hatte kein einziger Fachkollege, kein Vorgesetzer, kein Patient, kein Richter den leisesten Verdacht geschöpft. Dieser gewitzte Zeitgenosse überflog das Kuckucksnest nicht bloß – er inszenierte sich darin perfekt. Nie ist er eines Fehlers überführt worden – vielmehr gingen seine Diagnosen, seine Einweisungen, seine Behandlungen, seine Gutachten überall durch, unbeanstandet und vielgelobt. Postel, charmant und eloquent, galt als hochkompetenter „Artist der Einfühlung“ (10), der niemandem Schaden zufügte und allenthalben brillierte. Lob kam selbst vom Vorsitzenden Richter des Ersten Strafsenats des Bundesgerichthofs, Armin Nack: „Postel war Obergutachter und ich sage Ihnen eines: Der war der beste Gutachter, besser als die beiden gelernten Psychiater.“ (11) Allein während seines Oberarzt-Auftritts in Sachsen strich Postel über 200.000 Mark an Gehalt ein – inflationsbereinigt wären dies heute rund 160.000 Euro. Die zusätzlichen knapp 44.000 Mark, die er für psychiatrische Gerichtsgutachten in 23 Strafverfahren einstrich, durfte er behalten. Zwar prüfte das sächsische Justizministerium eine Rückforderung, leitete jedoch kein Verfahren ein. Denn um das Geld einzuklagen, hätte es nachweisen müssen, dass die Gutachten fehlerhaft waren. Doch kein einziges Gericht hat irgendeine von Postels Expertisen jemals zurückgewiesen oder angefochten. (12) Ehre, wem Ehre gebührt: Postels Geschichte wurde verfilmt (13), bis heute widmen ihm Fans eine eigene Website. In der Antipsychiatriebewegung genießt Postel bis heute Kultstatus. Was es über seine Doktorspiele gedruckt und online zu erfahren gibt, stellt hinsichtlich seines antidepressiven Werts vermutlich hundert Lachyoga-Stunden locker in den Schatten. Auf „X“, vormals Twitter, ist Postel seit August 2023 nach längerer Pause erneut präsent: „Es ist an der Zeit, Twitter wieder mit meinen geistreichen Tweets zu erfreuen. Dieser niveaulose Ort braucht wieder einen eloquenten Menschen wie mich.“ (14) Mit „Schwafelkunst“ den Spiegel vorgehalten „Gert Postel ist für die Psychiatrie, was Jürgen Schneider für die Banken und das Geschäft mit Immobilien darstellt - ein Alptraum, ein Gespenst”, schrieb Der Spiegel 1997. (15) Dass der vermeintlich wissenschaftliche Seelenheilbetrieb über diesen haarsträubenden Fall am liebsten den Mantel des Schweigens ausbreitet, ist ihr ohne weiteres nachzufühlen. In kaum einem anderen Berufszweig wäre es dem Hochstapler möglich gewesen, derart lange unbehelligt zu arbeiten. „[Alle] diese Leute müssen konkret etwas können, um ihrem Beruf zu genügen“, ätzt der Kulturkritiker Burkhard Müller. „Die Psychiatrie […] beglaubigt sich hinlänglich in einem gewissen Auftreten und einem bestimmten Jargon.“ (16) Postel selbst meinte zum Berufsbild des Seelendoktors abfällig: "Auch eine dressierte Ziege kann Psychiatrie ausüben.“ Wörter machen Leute: „Wer die psychiatrische Sprache beherrscht, der kann grenzenlos jeden Schwachsinn formulieren und ihn in das Gewand des Akademischen stecken.“ Es herrsche ein unermessliches „Genügen an Worten“, samt einer unstillbaren „Sehnsucht nach Etikettierung“. Psychiatrie sei “Schwafelkunst”, “Sprachakrobatik plus ein wenig Inszenierung“ – hohles Wortgeklingel. Sie “lebt vom Hin- und Herwerfen leerer, das heißt keiner Anschauung entnommener Begriffe. Ich kann mit Hilfe der psychiatrischen Sprache alles beweisen, jeweils auch das Gegenteil und das Gegenteil vom Gegenteil. Das ist alles sehr unseriös.” Das begrenzte Fachidiom sei schnell erlernt. Wer sich auffällig lebhaft gebärde, leide halt an einer „akuten Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis“, wer sich still verhalte, an einer „symptomschwachen autistischen Psychose“. In einem Vortrag vor Psychiatern führte Postel unsinnigen Fachbegriff ein, die bipolare Depression dritten Grades – es wird unwidersprochen geschluckt. (17) (“Ich wollte ausreizen, wie weit ich gehen kann.”) Im Anschluss daran “fragte ich einen Universitätsprofessor, den damaligen ärztlichen Direktor der Universitätsklinik Münster, ob er die bipolare Depression dritten Grades im universitären Alltag häufig erlebe. Er sagte mit einem überheblichen, ordinarientypischen Gestus, das sei nicht häufig, aber es komme mitunter vor. Damit war mir klar: Ich bin als Hochstapler unter Hochstaplern gelandet.” (18) Als Ex-Oberarzt sei er "sehr seltsamen" Personen unter den Ärzten begegnet, sagt Postel: "Einer stellte die Diagnose für einen Patienten, ohne mir die Symptome nennen zu können. Da verliert man jeden Respekt, ich habe die Ärzte alle verachtet“, und das beruht auf Gegenseitigkeit: Psychoprofis und ihre Interessenverbände empören sich einhellig über den Totalschaden, den der Pfiffikus ihrem Image zufügte. Denn dieser Till Eulenspiegel führte ihnen aufs Schmerzlichste die Narrheit ihrer Fachwelt vor: Was Profis Laien voraus haben, erschöpfte sich in seinem kuriosen Fall darin, im Besitz von Titeln, Urkunden und dem damit verbundenen Sozialprestige zu sein. In Postels Spiegel sahen sie hässlich aus – und so schlugen sie empört darauf ein. Doch was kann der Spiegel dafür, was er zeigt? Dieser Kaiser, der einer akademischen Scheinwelt seine neuen Kleider vorführte: Ist er ein Lügner? „Nicht jede unwahre Behauptung die sittliche Qualität einer Lüge”, findet Postel. (18) “Manchmal muss man der Wahrheit mit den Mitteln der ‘Lüge’ zum Durchbruch verhelfen. Es gibt jedenfalls höhere Güter als das Gut der Wahrhaftigkeit um jeden Preis. (…) Die Betrüger zu betrügen war schon immer eine List der Schwachen gegen die vermeintlich Starken.” Worauf beruht dann die Macht des Psycho-Experten? “Er spricht mit seinem Patienten in einem Hierarchieverhältnis”, erklärt Postel. Dieses erwächst daraus, “dass der Psychiater nach seiner Selbsteinschätzung der Gesunde ist, während der Patient die Rolle des Kranken zu spielen hat. Daraus ergibt sich die Macht des Psychiaters und seine Definitionshoheit über die emotionale Verfassung des ihm ausgelieferten ‘Patienten’.” (18) Einen Großteil seiner kriminellen Energie schöpfte Postel aus einer familiären Tragödie: Seine schwer depressive Mutter beging Suizid. Dem behandenden Psychiater warf er vor, ihr die falschen Medikamente verschrieben zu haben. (18) „Es gibt nur einen Beweis für das Können: das Tun.“ Hätte in den Strafprozessen gegen Brandt und Postel nicht auch die sogenannte „moderne Seelenheilkunde“ auf die Anklagebank gehört? Hätte den drakonisch Verurteilten nicht Lob und Anerkennung für ihre unbestrittenen Verdienste um die Volksgesundheit gebührt? Gehört bestraft, wer erfolgreich Geburtshilfe leistet, ohne staatlich anerkannte Hebamme zu sein – oder jemanden vor dem Ertrinken bewahrt, ohne ein Rettungsschwimmer-Diplom zu besitzen? Zum vermeintlichen Kompetenzvorsprung von Psychoprofis gegenüber Laien fällt mir kaum eine lehrreichere Diskussionsgrundlage ein als Postels eigene Rückblicke Die Abenteuer des Dr. Dr. Bartholdy – Ein falscher Amtsarzt packt aus (1985) und Doktorspiele – Geständnisse eines Hochstaplers (2001). Verlogenheit und Wichtigtuerei als Schlüssel zu gewissen Kreisen - damit fällt ein vernichtendes Urteil über diese Kreise. Was fähige Laienhelfer daran hindert, als vollwertige Psychotherapeuten tätig zu sein, ist demnach in erster Linie eines: die Rechtslage, welche Standesinteressen schützt. Denn damit würden sie sich einer seit 1999 geschützten Berufsbezeichnung bedienen, was sie teuer zu stehen käme: Nach § 132a des Strafgesetzbuchs und §1 des Psychotherapeutengesetzes riskieren sie beträchtliche Geldstrafen, im hartnäckigen Wiederholungsfall bis zu einem Jahr Gefängnis. Aber Psychotherapie ist vorrangig kein juristischer Sachverhalt, sondern ein allgegenwärtiges Geschehen im sozialen Raum: ein unterstützendes, fürsorgliches Miteinander in seelischen Nöten, so alt wie die menschliche Zivilisation. Über die notwendigen und hinreichenden Fähigkeiten dafür verfügt jener elitäre Personenkreis, dessen Standesorganisationen ihm die alleinige rechtliche Befugnis verschafft haben, sich entsprechend zu betiteln, weder ausschließlich noch garantiert. Die österreichische Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916) lag goldrichtig: „Es gibt nur einen Beweis für das Können: das Tun.“ (Harald Wiesendanger) Dieser Text ist ein Auszug aus Harald Wiesendanger: Psycholügen, Band 3: Seelentief: ein Fall für Profis?, Schönbrunn 2017, 2. erw. u. aktualisierte Aufl. 2024; 124 S., auch als PDF. Die Folgen dieser Serie („Helfen Psycho-Profis wirklich besser?“) 1        Reichlich erforscht: Viele Laien können mehr 2        Unter den Teppich gekehrt 3        Vogel Dodo beim Wettlauf der Psychotechniker 4        Wie viel bringt Psychotherapie wirklich? 5        Warum nützt Psychotherapie? 6        Warum manche Laien die besseren Therapeuten sind 7        Hochstapler unter Hochstaplern 8        Psychotherapie als Gefahrenherd 9        Nase vorn: Was viele Profis besser können – und weshalb 10    Pragmatismus statt Lobbyismus - Für eine weise Psycho-Politik Anmerkungen 1        https://der-rintelner.de/wp-content/uploads/2014/06/DR_03_12_LR.pdf, S. 22 2        Laut der Klinik-Homepage www.sana-hm.de/ueber-uns/qualitaetsbericht.html, abgerufen am 16.6.2016. 3        https://www.abendblatt.de/region/niedersachsen/article205192449/Falscher-Psychotherapeut-begutachtet-Klinik-Patienten.html 4        Näheres zum Fall Alemi: https://www.newsandstar.co.uk/news/17230748.doctor-who-faked-will-of-west-cumbrian-widow-led-life-of-deception/, https://www.bbc.com/news/health-46258687; https://www.bbc.com/news/uk-england-cumbria-45894587; https://www.bbc.com/news/uk-england-cumbria-45881079 5          Hamburger Abendblatt 4.3.2015: “Falscher Psychotherapeut begutachtet Klinik-Patienten”, https://www.abendblatt.de/region/niedersachsen/article205192449/Falscher-Psychotherapeut-begutachtet-Klinik-Patienten.html, abgerufen am 2.1.2023; MK Kreiszeitung, 4.3.2015: „Falscher Psychotherapeut begutachtet in Hameln Klinik-Patienten“; Hannoversche Allgemeine, 17.5.2015: „Falscher Psychotherapeut angeklagt“; DeWeZet: “Top 10 der Hochstapler”, https://www.dewezet.de/lokales/top-10-der-hochstapler-FZAFZFF5Z5CA76AY66D6FDECYD.html, abgerufen am 2.11.2023 6        „Dr. Clemens Bartholdy – als der falsche Doktor aufflog”, Flensburger Tageblatt, http://www.shz.de/lokales/flensburger-tageblatt/dr-clemens-bartholdy-als-der-falsche-doktor-aufflog-id11051411.html, 27. Oktober 2015, abgerufen am 2.11.2023. 7        Eckhard Rohrmann: Mythen und Realitäten des Anders-Seins – Gesellschaftliche Konstruktionen seit der frühen Neuzeit, 2. Aufl. Wiesbaden 2011, S. 192. 8        https://www.abendblatt.de/archiv/1999/article204569285/Die-Possen-des-Dr-Postel.html; „Die Possen des Gert Postel”, http://archiv.rhein-zeitung.de/on/99/01/20/topnews/postelhin.html, Rhein-Zeitung, 20. Januar 1999, abgerufen am 16. Januar 2016.) 9        So urteilte der damalige Klinikleiter über Postel während dessen Probezeit. 10    Der Spiegel 29/1997: „Ein Gaukler, ein Artist“, https://www.spiegel.de/politik/ein-gaukler-ein-artist-a-de8925d4-0002-0001-0000-000008742708 11    In einem Vortrag bei der juristischen Fakultät der Universität Passau am 31. Mai 2012, zit. nach www.zwangspsychiatrie.de/2013, abgerufen am 17.6.2016. 12    https://www.gert-postel.de/Buch%20Rezension%20Psychotherapie.htm 13    „Der Unwiderstehliche – Die tausend Lügen des Gert Postel“ (2002), https://www.tvspielfilm.de/kino/filmarchiv/film/der-unwiderstehliche-die-tausend-luegen-des-gert-postel,1302172,ApplicationMovie.html 14    https://twitter.com/Postel_X 15    https://www.spiegel.de/politik/ein-gaukler-ein-artist-a-de8925d4-0002-0001-0000-000008742708 16    Burkhard Müller: „Postel - Die Einsamkeit des Hochstaplers“, Merkur - Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken 801 (70) 2016, S. 21-23. 17    https://www.gert-postel.de/clinicum.htm 18    Zit. in https://www.rhetorikmagazin.de/?p=4408 Titelbild: Erzeugt von Microsofts KI „Bing Image Creator“ nach meiner Vorgabe “Münchhausen leitet eine psychiatrische Klinik”.

  • Wenn schon Gendern, dann gnadenlos!

    Bewusstseinserweiternde Maßnahmen zu geschlechtergerechter Sprachbereinigung fordert die Woke-Akademie für Antisexistische Genderlinguistik (WAAGL) in einem verdienstkreuzwürdigen öffentlichen Aufruf, der vom 1. April nicht allzu weit entfernt ist. „Liebe Erwachtinnen und Erwachte, lasst uns feiern! Haben wir nicht Großartiges, ja geradezu Revolutionäres erreicht, und das in atemberaubender Geschwindigkeit: das öffentliche Sprachbewusstsein auf ein ganz neues Niveau zu heben? Immer mehr Mitmenschinnen und Mitmenschen gendern immer konsequenter, mit Sternchen und Doppelpunkten, mit Schräg- und Unterstrichen, mit Gerundiven und Sprechpausen  – wie wundervoll! Welcher Mann traut sich noch, männerzentriert zu sprechen? Vom Schuldirektor über den Pfarrer, den Richter, den Bürgermeister, den Hochschuldozenten und den Nachrichtensprecher bis zum Abgeordneten, zum Minister, zum Kanzler, zum Bundespräsidenten: Inzwischen machen fast alle mit. Wer in Betrieben und Behörden, bei der Polizei oder der Bundeswehr etwas werden will, kommt kaum noch drum herum. Vom Pressetext über den Toast auf einen Jubilar, die Festrede bei der Hochzeit bis zum Nachruf beim Begräbnis: Kaum jemand wagt es noch, sich diskriminierend querzulegen. Er riskiert befremdete Blicke, deutliche Zurechtweisungen, ja einen Karriereknick. Der Druck wächst, und das natürlich völlig zurecht. Je mehr sich staatliche Organe um geschlechtergerechte Formulierungen bemühen, desto unerbittlicher muss jeglicher Versuch, sie deswegen lächerlich zu machen, als „verfassungsschutzrelevante Delegitimierung“ verfolgt werden. Keine Gnade mit ewig Gestrigen, die mittels sprachsexistischer Hassrede Volksverhetzung betreiben! Die Anti-Gender-Szene, wie jedes Querdenker-Milieu, hat zweifellos Berührungspunkte zum Antifeminismus und anderen Ideologien der Ungleichwertigkeit. Das verbindet sie mit dem Rassismus, dem Antisemitismus und sonstiger gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit – auch Hitler genderte bekanntlich nicht. Aber das ist erst der Anfang! Seht euch heutige Stellenangebote an – was fällt euch auf? Auf ein „m“ und ein „w“ folgt: ein „d“! Es steht für „Diversgeschlechtliche“, für „Queers“. So muss es sein. Doch wie wir momentan gendern, vernachlässigen wir diese Gruppe rücksichtslos. Eine Schande! Das muss sich schleunigst ändern. Um Nichtbinäre in gesprochenes und geschriebenes Deutsch gebührend einzubeziehen, empfiehlt das Institut für transformative Sexuallinguistik (ITSL), die Endsilbe „-qui“ zu verwenden, in Anspielung auf die Phonetik des Wortes queer, „kwiiiier“. Folglich muss eine gendertechnisch unbedenkliche Rede künftig ungefähr so beginnen: „Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger und Mitbürgequi“. Kürzer geht´s halt nicht. Doch hierbei können wir es unmöglich bewenden lassen. Setzt sich besagtes „qui“ nicht unsensibel hinweg über die ganze Vielfalt von nichtheterosexuellen Orientierungen und nichtbinären Geschlechtsidentitäten? Welcher Asexuelle will schon mit Schwulen und Lesben, mit Bi- und Pansexuellen in einen Topf geworfen werden? Welcher gewöhnliche Homosexuelle mag sich über einen Kamm scheren lassen mit Leuten, deren sexuelle Vorlieben auf Kinder, Tiere oder Leichen zielen? Laut Medical News Today gibt es über 25 verschiedene Sexualitäten. Höflichkeit und Empathie gebieten es, sie alle separat anzusprechen, damit sich niemand ausgeschlossen, niemand in seiner besonderen Diversität unbeachtet und mit Andersartigen in dieselbe Schublade gepfercht fühlen muss. Zugegeben, Reden und Texte werden dadurch ein bisschen länger als gewohnt – aber so viel Zeit sollte uns ein höheres, genderpolitisch korrektes Bewusstsein doch wert sein, nicht wahr? Im nächsten Schritt müssen wir uns den bestimmten Artikel vorknöpfen: eine schier unerschöpfliche Quelle von sexistischen Herabwürdigungen. Ist es nicht eine ungeheuerliche Zumutung, dass der Mut, der Verstand männlich sein soll, die Schwäche, die Dummheit hingegen weiblich? Lasst uns von den Engländern lernen! Wozu eine hirnrissige „der-die-das“-Dreifaltigkeit, wo doch ein einziger Artikel vollauf genügt! Die Akademie für antidiskriminierende Grammatikoptimierung (AAGO) schlägt dafür ein geschlechtsneutrales „sus“  vor – „sus Mitbürger, sus Mitbürgerin, sus Mitbürgequi-lesb, sus Mitbürgequi-pan, sus Mitbürgequi-pädo“ undsoweiter. Schluss mit Schriftzeichensexismus! Auf einen noch haarsträubenderen Skandal hat uns dankenswerterweise das Institut für sublimen Schriftzeichensexismus (ISSS) aufmerksam gemacht. Wie ISSS-Forschende in hochwertigen kontrollierten Studien herausfanden, neigen weibliche Leser:innen dazu, den Buchstaben „l“, wie auch ein großgeschriebenes „I“, über kurz oder lang mit einem erigierten Penis zu assoziieren – und zwar umso häufiger und intensiver, je mehr Zeit sie haben, die Möglichkeit dieses Zusammenhangs ungestört zu bedenken. Die Kombination eines obszön steilgestellten Strichs mit einem daraufgesetzten Punkt – wie im „i“ -, ließ 74,39 Prozent aller derart sensibilisierten Betrachterinnen innerhalb eines 60-minütigen Kontemplationszeitraums unwillkürlich an eine Ejakulation denken; im Ausrufezeichen „!“ erkannten 58,12 Prozent einen pinkelnden Schniedel. Weniger ausgeprägt zeigten sich derartige Phänomene auch bei Buchstaben, in denen sich ein emporgereckter Strich mit weiteren Elementen verbindet, etwa im „B“, im „D“, im „H“, im „K“, im „L“, im „M“, im „N“, im „P“ oder im „T“. Vom „V“ und „W“ war es nach weiteren 30 Minuten Bedenkzeit für 17,32 Prozent nur ein imaginativer Katzensprung bis zur grässlichen Vorstellung, von zwei bis drei Tätern exhibitionistisch bedrängt zu werden. Männliche Probanden wiederum tendieren dazu, nach ausreichender Bedenkzeit bei einem kleinen oder großen „O“ an eine Vagina zu denken, wie das ISSS an minimalen Größenveränderungen gewisser Schwellkörper messtechnisch hochsignifikant verifizieren konnte. Am ausgeprägtesten trat dieser Effekt bei jenen Versuchspersonen auf, die generell dazu neigen, beim Anblick von offenen Kreisen und Halbkugeln binnen weniger als 120 Sekunden an weibliche Geschlechtsteile zu denken. Somit besteht zweifelsohne die Gefahr, dass die Konfrontation mit Schriftsprache bei weiblichen Lesern permanent Vergewaltungsängste oder –erinnerungen mikrotriggert und Minitraumata heraufbeschwört, während sie bei männlichen Lesern ein latentes Sexismuspotential der widerlichsten Sorte weckt. Mit solchen sprachimmanenten Versuchungen muss endlich Schluss sein! Weg mit all den subtil obszönen „l“s und „i“s, „D“s, „H“s „K“s und „T“s, mit kleinen und großen „O“s! Lasst uns das Alphabet entsexualisieren! Somit, liebe Erwachtinnen, Erwachte und Erwachqui, lesen sich die ersten beiden Sätze dieser Rede in der final entsexualisierten Fassung folgendermaßen: „Ass uns feern aen wr nch Grßarges, ja geraezu evouonäres errec, un as n aemerauener Gescwnge: sus ffenche Sracewusssen auf en ganz neues veau zu een?“ In diesem Sinne: Packen wir´s an! Let´s Woke the World!“ (Harald Wiesendanger) P.S.1: Wer meint, meine Glosse übertreibe, der ist vermutlich noch nicht über das Lebenswerk des nichtbinären Sprachwissenschaflers Lann Hornscheidt gestolpert: Er schlägt vor, Endungen mit “-x” zu bilden, anstelle der beiden geschlechtsspezifischen Endungen -er und -in: einx gutx Lehrx (ein guter Lehrer/eine gute Lehrerin). Der Wiener Aktionskünstler und Kolumnist Hermes Phettberg verwendet die geschlechtsneutrale Wortendung „-y“ in Verbindung mit dem grammatischen Geschlecht Neutrum: das Lesy für „Leser/Leserin“, mit Plural-s bei die Lesys. (Entsprechend: “das Lehry” statt Lehrer/Lehrerin.) Für Bezeichnungen, die nicht auf -er enden, fügt er das -y dem ganzen Wort hinzu: das Ingenieury, die Köchys, die Studentys. Nein, das ist kein Aprilscherz. P.S.2: Warum wird in diesem Blog nicht gegendert? Weil ich seit meiner Schulzeit weiß, dass grammatikalisches und natürliches Geschlecht nichts miteinander zu tun haben, verzichtet KLARTEXT auf woke Sternchen, Doppelpunkte, Schräg- und Unterstriche. Auch das neuerdings inflationär missbrauchte Gerundiv, um dem vermeintlich männlichen Plural zu entkommen und Geschlechtsneutralität herzustellen (“Lesende”, “Studierende”, “Lehrende”, “Richtende”, “Fußgehende”, “Kochende”, “Radfahrende”), vermeide ich. Bloß von "Lesern" zu schreiben, bedeutet selbstverständlich keineswegs, dass man weibliche ausschließt – das Maskulinum ist geschlechtsübergreifend. Wer sich von so viel Zeitgeistlosigkeit psychisch destabilisiert fühlt, ist in den Therapiecamps meiner Stiftung Auswege herzlich willkommen, falls ihm die folgende Lektüre nix nützt: Alexander Glück: Gendern wird nichts ändern - Fünfzig wertschätzende Argumente gegen die gewaltsame Deformierung unserer Sprache - in reformneutraler Rechtschreibung (2023).

  • Antistar mit Riesenherz

    Kein Schicksal ist schlimm genug, sich davon unterkriegen zu lassen. Und Reichtum verpflichtet. Für beide Maximen steht der Schauspieler Keanu Reeves ebenso glaubwürdig wie bewundernswert. Du vermisst Vorbilder? Hier wäre eines. Er war drei, als sein Vater ihn verließ. Mit drei verschiedenen Stiefvätern wuchs er auf – bis zur nächsten Scheidung dauerte es nie länger als vier Jahre. Bis er vierzehn war, hatte ihm der unstete Lebensweg seiner Mutter drei große Umzüge beschert: von Beirut über Sydney nach New York, von dort nach Toronto. Vier verschiedene High Schools besuchte er, von einer flog er wegen mangelhafter Disziplin. Er leidet an Legasthenie. Aus seinem Jugendtraum, Eishockeyspieler zu werden, wurde nichts. Mit siebzehn brach er die Schule ab, um Schauspieler zu werden; doch statt auf der Bühne zu brillieren, schlug er sich als Schlittschuhschleifer, Koch, Gärtner und Manager einer Pasta-Bude durch. Als er endlich die ersten Rollen erhielt, fiel er bei vielen Kritikern durch – sie bezeichneten seine Darbietungen als hölzern und ausdruckslos. Seine Tochter wurde tot geboren, vier Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin; die Mutter kam 14 Monate später bei einem Autounfall ums Leben. Sein bester Freund starb 23-jährig an einer Überdosis Drogen; er brauchte Jahre, um diesen Verlust zu verkraften. Seine jüngere Schwester erkrankte an Leukämie. An alledem hätte Keanu Reeves verzweifeln können. Sich gehenlassen. An der bösen Welt verzweifeln, mit dem ungerechten Schicksal hadern. Zum Verzweifeln? Aber er ließ sich nicht unterkriegen. Hartnäckig bemühte er sich um Engagements. Schließlich bot ihm das Stadttheater von Toronto die Chance, Bühnenerfahrung zu sammeln. Mit 22 verließ er seine kanadische Heimat – mit 3000 US-Dollar, einem alten Volvo und der Adresse seines ersten Stiefvaters, eines Regisseurs. Es folgten erste Fernseh- und Kinoauftritte in Low-Budget-Produktionen. Mit der Science-Fiction-Komödie „Bill & Teds verrückte Reise durch die Zeit“, in der Rolle des trottelig-faulen Teenagers Ted, gelang ihm 1989 der Durchbruch in Hollywood. Weltbekannt machte ihn 1994 der Blockbuster „Speed“, als waghalsiger Polizist an der Seite von Sandra Bullock. Fortan erhielt er Gagen in Millionenhöhe. Die Rolle des Computerhackers Neo in der mit vier Oscars ausgezeichneten „Matrix“-Trilogie, 1999 bis 2003, machte Keanu Reeves zu einem der bestbezahlten Filmstars des Planeten. Auch als Auftragskiller John Wick in der gleichnamigen vierteiligen Filmreihe, als Familienvater in dem Erotikthriller „Knock Knock“ wurde er von der Fachpresse gelobt, von Fans enthusiastisch gefeiert. 2020 setzte ihn die New York Times auf Platz vier ihrer Liste der 25 größten Schauspieler des 21. Jahrhunderts. Anfang 2005 erhielt Reeves den Stern Nummer 2277 auf dem berühmtesten Gehweg der Filmwelt, dem Hollywood Boulevard, dem „Walk of Fame“. 2021 wurde ein Asteroid nach ihm benannt: „Keanureeves“. Auch in der Biologie fungierte er schon als Namensgeber: „Keanumycin“ heißt seit 2023 eine chemische Verbindung, die aus Vertretern der Bakteriengattung Pseudomonas isoliert wurde und für Pilze tödlich ist. Seine atemberaubende Karriere hätte Keanu Reeves längst gewaltig zu Kopf steigen können. Seinen aberwitzigen Reichtum könnte er sinnlos verprassen. Einer wie er könnte sich alles leisten. Eine eigene Karibikinsel mit riesiger Villa drauf. Eine protzige Yacht. Bodyguards und Hauspersonal in Truppenstärke. Seine Garage könnte er sich mit Luxusschlitten vollstellen. In einem Privatjet jedes noch so ferne Event der High Society ansteuern. Auf 380 Millionen US-Dollar wird sein Vermögen geschätzt. „Von dem, was ich bereits verdient habe, könnte ich die nächsten Jahrhunderte leben“, sagt er. „Geld ist das Letzte, woran ich denke“ Aber „Geld ist das Letzte, woran ich denke“. Allüren sind Keanu Reeves fremd und zuwider. Stattdessen hat er sich für ein bescheidenes, bodenständiges Leben entschieden, in dessen Mittelpunkt etwas Unkäufliches steht. Etwas, das keinen Preis hat, aber unendlichen Wert: ein guter Mensch zu sein. Oft zeigt sich das bloß in kleinen Gesten der Mitmenschlichkeit. Eines frühen Morgens im Jahr 1997 spürten ihn Paparazzi auf, wie er in Begleitung eines Obdachlosen in Los Angeles ein paar Stunden lang spazierenging, Essen mit ihm teilte, ihm zuhörte und an seinem Leben Anteil nahm. Am 2. September 2010, seinem 46. Geburtstag, kaufte Keanu Reeves in einer Bäckerei eine Brioche, steckte eine Kerze darauf und aß sie vor dem Laden. Als Passanten  anhielten, um mit ihm zu sprechen, bot er ihnen Kaffee an. Ein paar Tassen Kaffee auszuschenken, dürfte ihn nicht viel mehr als zehn, zwanzig Dollar gekostet haben. Auf mehr als 50 Millionen Dollar hingegen belief sich seine spontane Spende an die Mitwirkenden im Hintergrund der „Matrix“-Produktion, die für Kostüme und Spezialeffekte gesorgt hatten – „die wahren Helden der Trilogie“, wie er sie nannte. Jedem Stunt (Wo)Man von „Matrix Reloaded“ schenkte er ein 15.000 Dollar teures Harley-Davidson-Motorrad, was ihm zusammengerechnet weitere Millionen Dollar wert war; alle 800 Mitwirkenden am Set erhielten von ihm eine teure Flasche Champagner – die Gesamtrechnung hierfür belief sich auf 50.000 Dollar. Einem Kulissenbauer, von dessen Geldnöten er erfahren hatte, überreichte er als Weihnachtspräsent 20.000 Dollar. Für mehrere erfolgreiche Filme verzichtete Reeves auf bis zu 90 Prozent seines Honorars, damit die Produzenten weitere Stars engagieren konnten. So konnte Al Pacino an dem Mystery-Thriller „The Devils´s Advocate“ erst mitwirken, nachdem Reeves den Produzenten dafür zwei Millionen Dollar abtrat. Der Überlebenskampf seiner leukämiekranken Schwester Kim bewegte Reeves dazu, eine eigene Krebsstiftung ins Leben zu rufen, die Kinderkrankenhäuser und Forschung unterstützt. (1) 80 Millionen US-Dollar – dieser Betrag entspricht 70 Prozent seiner „Matrix“-Gage -, verwendete Keanu Reeves bislang dafür. Aber „ich mag es nicht, meinen Namen damit zu verbinden, ich lasse die Stiftung einfach tun, was sie tut", erklärte Reeves im Interview mit dem Ladies Home Journal 2009. Darüber hinaus spendet Reeves an SCORE (Spinal Cord Opportunities for Rehabilitation Endowment), eine Wohltätigkeitsorganisation, die Eishockeyspieler mit Wirbelsäulenverletzungen unterstützt. Kranke Kinder liegen Keanu ganz besonders am Herzen. Millionen Dollar ließ er unter anderem der kanadischen SickKids Foundation zukommen, um ein hochmodernes Krankenhaus zu bauen, das neue Heilmethoden erforschen und kleinen Patienten eine optimale Versorgung bieten soll. Reeves soll sich vorgenommen haben, für die SickKids 1,5 Milliarden Dollar zu sammeln. Auch für die Rechte von Tieren setzt sich Keanu Reeves ein. Immer wieder betont er, wie sehr er Tiere liebt - und wie sehr sie es verdienen, freundlich behandelt zu werden. Über eine Million Dollar spendete er deswegen der Tierschutzorganisation PETA. Am liebsten hilft er stillschweigend Mit alledem will er kein gefeierter Gutmensch sein, der darauf aus ist, möglichst lauten Applaus für demonstrative Mildtätigkeiten einzuheimsen. Er bestellt keine Reporter und Kamerateams ein, um seine gemeinnützigen Gesten öffentlichkeitswirksam zu inszenieren. Als „Hollywoods ultimativen Introvertierten“, als „entsetzlich schüchternen“ Workaholic und „undurchschaubar“ charakterisiert ihn das Time Magazine: „Könnte er als einer der reichsten Menschen in einer Stadt, in der Ruhm und Geld die wichtigsten natürlichen Ressourcen sind, auch einer der einsamsten sein?“ (2) Sein Manager und Produzent Erwin Stoff, der Reeves seit dessen 13. Lebensjahr kennt, rätselt immer noch über ihn: "Er hat für sich selbst eine Art und Weise perfektioniert, sich von Menschen fernzuhalten.“ Keanu Reeves mag es nicht, interviewt zu werden, weil es für ihn darauf hinausläuft, "mit Fremden über mein Privatleben reden" zu müssen. „Ich bin nicht daran interessiert, jemandem zu zeigen, was hinter dem Vorhang ist. Ich sehe mir gerne eine gute Dokumentation darüber an, wie etwas gemacht wurde - ich will nur nicht, dass es mein Leben ist." Beim Anblick eines Wandgemäldes in Santiago de Chile, das ihn zum zweiten Jesus verklärt (s.o.), dürften ihm eher die Haare zu Berge stehen. Am liebsten hilft er stillschweigend. Er tut dies, weil es sich für ihn gut und richtig anfühlt. Wie Keanu Reeves lebt, so schreibt er. Sein Buch Ode to Happiness (2012), zur Zeit nur noch zum irren Preis von 198 Euro bzw. 944,67 Euro erhältlich (Stand 13.2.2024), ist keine biografische Selbstbeweihräucherung – es soll undogmatisch Weisheiten vermitteln, die zum Nachdenken anregen. Der Autor erläutert darin, wie man mit schwierigen Lebensumständen umgehen kann – und alles nicht so ernst nehmen sollte. Dazu führt Reeves einen melancholischen inneren Dialog, den er subtil auf die Schippe nimmt. (3) Zwar gehört er keiner Religion an, bezeichnet sich aber als „sehr spirituell“ und fühlt sich zum Buddhismus hingezogen. „Die meisten Dinge, die ich vom Buddhismus mitgenommen habe, sind menschlicher Natur - das Verstehen von Gefühlen, von Vergänglichkeit, wie auch das Bemühen, andere Leute zu verstehen und zu wissen, woher sie kommen." (4) Der Name Keanu kommt aus dem Hawaiianischen (ke anu), er bedeutet „der Kühle“ – womit er ganz und gar nicht zur Herzenswärme seines prominentesten Trägers passt. Es sind großzügige, empathische Mitmenschen wie Keanu Reeves, die meiner Stiftung Auswege das Helfen überhaupt erst ermöglichen. (Harald Wiesendanger) Anmerkungen 1        https://www.buzzfeed.at/buzz/popkultur/wick-keanu-reeves-bester-mensch-charity-leukaemie-matrix-john-91215993.html , aufgerufen am 13. Februar 2024; https://www.gala.de/stars/news/keanu-reeves--er-spendet-hohe-gagensumme-fuer-schicksal-seiner-schwester-22577074.html , aufgerufen am 13. Februar 2024 2        Lev Grossman: "Keanu Reeves: The Man Who Isn't There". Time 14.2.2005, abgerufen am 13.2.2024. 3        Im Jahr 2016 folgte Shadows. Darin philosophiert Reeves über das Wesen des Schattens – als projizierte Figur, aber auch als Metapher für die dunklen, unbewussten Abgründe eines Menschen, in denen er Geheimnisse verbirgt oder verdrängt. 4        "Keanu Reeves on the small screen". Foundation for the Preservation of the Mahayana Tradition, Mandala Publications. Juni 2001. Bildnachweis Titelbild: Collage aus Porträtfoto Keanu_Reeves_2013_(10615146086)_(cropped)By Anna Hanks from Austin, Texas, USA - Keanu Reeves & Tiger Chen & Tim League, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=83644147 + Foto krebskrankes Kind (Freepik). Im Text: Collage aus Porträtfoto Reeves (By Governo do Estado de São Paulo - Reunião com o ator norte-americano Keanu Reeves, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=83910220) und dem Foto eines Wandgemäldes von Keanu Reeves in Santiago de Chile (By Carlos Teixidor Cadenas - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=114124986)

  • Der Scharlatan Seiner Majestät

    Englands König hat Krebs. Prompt treibt Leitmedien einhellig die Sorge um: Wird Alternativmedizin ihn umbringen? Schließlich schwört er auf sie, sein Leibarzt ebenfalls. Am Montag, 5. Februar 2024, ließ der Buckingham-Palast die Bombe hochgehen: König Charles III. ist an Krebs erkrankt. Womöglich die Prostata? Die Klatschpresse weiß nichts Genaues. Eines jedoch meint sie auf jeden Fall zu wissen: Ihre Majestät schwebt in allerhöchster Gefahr. Denn seit den achtziger Jahren tritt er als entschiedener Befürworter der Alternativmedizin auf, insbesondere der Homöopathie. (1) Diese sollte ins National Health System (NHS), das staatliche Gesundheitssystem Großbritanniens, einbezogen werden, so forderte er wiederholt. (2) 2019 übernahm er die Schirmherrschaft der „Londoner Fakultät für Homöopathie“. (3) Der Schulmedizin steht Charles eher distanziert gegenüber. Er sei stolz darauf, als „Feind der Aufklärung“ beschimpft zu werden, so bekannte er 2010. (4) 2004 hatte er sich öffentlich für Kaffee-Einläufe und reichlich Fruchtsaft bei Krebs ausgesprochen – „bizarr“, wie die Bild-Zeitung findet. (5) Ab 2008 vermarktete Charles Duchy Herbals Detox Tincture, ein Nahrungsergänzungsmittel mit Artischocke und Löwenzahn, das einer „Entgiftung “ dienen sollte. (6) Britische Gesundheitsexperten bezeichneten die Wirkung als „nicht plausibel, unbewiesen und gefährlich“, ja als „Quacksalberei“. (7) In seinen „esoterischen“ Extravaganzen bestärken lässt sich der König von einem Arzt, den er seit 22 Jahren zu seinen engen Beratern zählt: Dr. Michael Dixon. 2022 ernannte Charles ausgerechnet ihn zum Leiter des medizinischen Teams der Königsfamilie, der „Palast-Praxis“. Auch Dixon befürwortet Homöopathie, hält viel von Aromatherapie und Heilkräutern. Wie der journalistische Boulevard herausgefunden haben will, schreckt Dixon nicht einmal davor zurück, mit Teufelskralle und Ziegenkraut zu therapieren. Ja, skandalöserweise arbeitet er sogar mit Geistheilern zusammen. Für die Journaille ein gefundenes Fressen Als bekannt wurde, wen der König da zu seinem persönlichen Leibarzt auserkoren hatte, hagelte es geharnischte Kritik. Der Guardian zitierte Wissenschaftler und Ärzte, welche die Personalie „besorgniserregend und unangemessen“ fanden. Doch Charles ließ sich nicht beirren. „Dr. Dixon glaubt nicht, dass Homöopathie Krebs heilen kann“, so bezog das Königshaus öffentlich Stellung. „Aber er vertritt die Position, dass komplementäre Therapien eingesetzt werden können, vorausgesetzt, sie sind sicher, angemessen und evidenzbasiert.“ Wie viel Erfahrung und Sachkenntnis Dr. Dixon für seine Leitungsposition im Royal Medical Household mitbringt, hat bisher keine Redaktion gewürdigt – dass er ein Scharlatan sein muss, stand von vornherein fest. Seit vierzig Jahren leitet er in Cullompton, Grafschaft Mid Devon, eine große hausärztliche Praxisgemeinschaft, in der er gemeinsam mit sieben Ärztekollegen ein Gebiet von 1600 Quadratkilometern mit rund 13’500 Patienten medizinisch betreut. Hier machte er sich einen Namen als Pionier des Social Prescribing: des „sozialen Miteinanders auf Rezept“, um nichtmedizinischen, aber für die körperliche und psychische Gesundheit von Patienten bedeutsamen Bedürfnissen gerecht zu werden. Die Care Quality Commission des Nationalen Gesundheitsdienstes (NHS) zeichnete Dixons Praxis als „exzellent“ aus. Achtzehn Jahre lang, von 1998 bis 2015, war Dixon Vorsitzender der NHS Alliance. Deren Aufgabe ist es, bei der Planung von Krankenhäusern und kommunalen Gesundheitsdiensten den Allgemeinmedizinern und ihren Patienten „eine Stimme zu geben“. Darüber hinaus war Dixon Honorary Research Fellow an den Universitäten Exeter und Birmingham, mit Komplementärmedizin als Forschungsschwerpunkt. Sein anregendes Buch The Human Effect in Medicine. Return of the Physician Healer - Theory, Research and Practice erschien 2000. Darin wirbt er für eine „patientenzentrierte Medizin“, welche den Selbstheiler im Kranken zu wecken versteht. Ab 1992 ließ Dixon in seinem Ärztezentrum stundenweise eine Geistheilerin mitarbeiten - insbesondere bei chronisch Kranken, denen anscheinend weder mit Schulmedizin noch mit unkonventionellen Maßnahmen anderer Art mehr zu helfen war. Vielbeachtete Berichte darüber veröffentlichte Dr. Dixon in angesehenen ärztlichen Fachzeitschriften wie dem British Journal of General Practice (45/1995 und 49/1999) sowie dem Journal of the Royal Society of Medicine (91/1988). Zu Harald Wiesendangers Anthologie Geistiges Heilen in der ärztlichen Praxis trug Dr. Dixon einen Essay bei, der bei unvoreingenommenen Lesern keineswegs den Eindruck hinterlässt, er stamme von einem esoterischen Spinner. (8) Würde Dr. Dixon Geistiges Heilen selbst bei Krebs empfehlen? Vermutlich ja, und er hätte gute Gründe dafür. (9) Zum 1001. Mal  die  Gebetsmühle gedreht Ist Dr. Dixons Ruf ruiniert, weil er Homöopathie ernstnimmt und einsetzt? Der aktuelle Forschungsstand blamiert eher die Rufmörder, einen gewissen Karl Lauterbach vorneweg. (Siehe KLARTEXT „Homöopathie ‚nutzlos‘?“) Erst kürzlich bestätigte der erste systematische Review (10) zu allen sechs vorliegenden Meta-Analysen von kontrollierten Homöopathiestudien: Globuli wirken besser als Placebos. Die methodische Qualität der ausgewerteten Studien stand schulmedizinischen keineswegs nach. (11) Homöopathika wirken im übrigen auch auf Zellen und Pflanzen, die eher nicht im Verdacht stehen, Überzeugungen über Arzneimittelwirkungen zu hegen und dazu zu neigen, auf Placebos hereinzufallen. (12) Und auch die 1001. Umdrehung der Gebetsmühle macht das vermeintliche Killerargument nicht durchschlagender: “Das kann unmöglich wirken, weil die Verdünnung viel zu hoch ist”. Das Prinzip, nach welchem Homöopathika wirken, hat Prof. Stephan Baumgartner vom Institut für Integrative Medizin der Universität Witten/Herdecke unlängst in Laborexperimenten eingehend untersucht, nach hohen wissenschaftlichen Standards: verblindet, randomisiert, kontrolliert, multizentrisch wiederholt. Mittels Kupferchlorid ließ er eine Lösung mit (D30) und ohne potenzierte Substanz auskristallisieren; dann analysierte er die entstandenen Muster mittels einer KI-Software. Die künstliche Intelligenz fand signifikante Unterschiede, selbst wenn keine Moleküle mehr nachweisbar waren. (13) Das “Potenzieren” – Verdünnen und Dynamisieren in regelmäßiger Abfolge – scheint die elektromagnetische Struktur von Wasser zu verändern. (14) Teufelskralle und Ziegenkraut: selbstverständlich Humbug? Wie abwegig ist, was Dr. Dixon ansonsten therapeutisch hilfreich findet, je nach Krankheitsbild? Aromatherapie setzt ätherische, leicht flüchtige  Öle ein, die aus Pflanzenteilen gewonnen werden; sobald sie mit Luft in Berührung kommen, löst sich ihre Flüssigkeit im Nu auf, und ihr Duft verbreitet sich im Raum. Eingeatmet wirken sie unmittelbar aufs Gehirn – und wirken sich wohltuend aus, körperlich wie psychisch. Für Massageöle, Kräuter- und Blütenbäder, Umschläge und Inhalationen eingesetzt, lindern sie erfahrungsgemäß vielerlei Beschwerden – von Hautausschlag über Hämorrhoiden und Harnwegsinfekten, Menstruations- und Wechseljahresbeschwerden bis zu Schlafstörungen, Ängsten und Depressionen. Sowohl die alten Ägypter als auch traditionelle chinesische Ärzte nutzten sie schon vor Jahrtausenden. Im Grunde gehören sie in jede Hausapotheke. (15) „Teufelskralle“: das klingt wie aus einer mittelalterlichen Hexenküche, und diese lächerliche Assoziation ist natürlich beabsichtigt. Sie beim wissenschaftlichen Namen zu nennen - Harpagophytum procumbens –, klänge zu seriös, die billige Polemik liefe ins Leere. Dabei werden die Wurzeln des Sesamgewächses, das in den Savannen Afrikas gedeiht, seit langem medizinisch genutzt (16), etwa bei Arthrose und anderen Einschränkungen der Beweglichkeit, bei vielerlei Schmerzen, Geschwüren und Wunden. Ihre Bitterstoffe regen den Appetit an und fördern die Verdauung. (17) Zur Verwendung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel hat selbst das Komitee für pflanzliche Medizinprodukte der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) die Teufelskralle offiziell anerkannt. (18). Vermutet man „Ziegenkraut“ nicht eher in Methusalix´ Zaubertranktopf als in einer modernen Apotheke? Auch sein Zweitname „Elfenblume“ eignet sich vortrefflich dazu, lächerliche Assoziationen zu wecken – und darüber hinwegzutäuschen, welch wertvolle therapeutische Dienste das Berberitzengewächs, dank seines Inhaltsstoffs Icarin, seit Jahrhunderten in der Volksmedizin leistet. Die traditionelle chinesische Medizin setzt es vor allem bei Rheumatismus ein, wie auch gegen hohe Cholesterinwerte und verstopfte Arterien; Frauen nach der Menopause hilft es gegen Bluthochdruck und Osteoporose. (19) Und ja, Artischocke und Löwenzahn, zwei altbewährte Heilpflanzen, sind der Gesundheit in der Tat förderlich, wie die Volksmedizin seit Jahrhunderten besser weiß als der Otto Normalversteher unter heutigen Medizinjournalisten. Insbesondere entgiften und schützen sie die Leber. Hat Seine Majestät eine Meise, wenn sie auf Kaffee-Einläufe schwört? Nein, sie weiß bloß Bescheid. Weil Kaffee entgiftet, eignet er sich zur Darmreinigung. Für Einläufe besorgt man ihn sich freilich nicht bei Tchibo, sondern verwendet den noch grünen, ungerösteten. Schon der deutsche Arzt Dr. Max Gerson (1881-1959) behandelte in den dreißiger Jahren auf diese Weise degenerative Erkrankungen wie Hauttuberkulose, Diabetes - und vor allem Krebs. Auch zur Entgiftung der Leber eignen sich Kaffee-Einläufe vorzüglich. Fruchtsäfte bei Krebs? Betroffenen liefern sie reichlich Vitamine, die das Immunsystem stärken, auch im Abwehrkampf gegen entartete Zellen - besonders C, D und E, entgegen anderslautender Gerüchte. Mit alledem therapiert Dr. Dixon nicht „alternativ“, sondern komplementär: Er will bewährte Schulmedizin keineswegs ersetzen, wohl aber undogmatisch ergänzen, wo dies erfahrungsgemäß nützt. Wie kommt das Königshaus dazu, so etwas „evidenzbasiert“ zu nennen? Es kann, weil es anscheinend besser verstanden hat als seine Kritiker, wie viel der Begriff der Evidenz umfasst: nicht nur, was erst klinische Studien zum Vorschein bringen, sondern ebenso den gesammelten Erfahrungsschatz von Ärzten und Behandelten. Was hat die Schulmedizin Seiner Majestät zu bieten? „Umstritten“ ist das Adjektiv, das in Pressetexten momentan mit Abstand am häufigsten vor Dixons Namen steht. Wäre es im Zusammenhang mit jener pharmalastigen, technophilen, profitorientierten Medizin, die unser Gesundheitswesen beherrscht, etwa weniger angebracht? (20) Kein einziges „Qualitätsmedium“, das den königlichen Leibarzt an den Pranger stellte, hat bislang auch nur ansatzweise hinterfragt, was Englands König denn zu erwarten hätte, falls er auschließlich auf Schulmedizin setzen würde. Dass diese garantiert die aussichtsreicheren, sichereren Waffen gegen Krebs zu bieten hätte, ist seit eh und je ein lukratives PR-Märchen, gestreut durch Heerscharen von Lobbyisten. Natürlich sind Operationen oftmals sinnvoll, weil dabei möglichst viel Tumormasse entfernt wird – aber nicht immer ratsam, falls sie zu Verstümmelungen führen, die Lebensqualität zerstören. Die Erfolgsaussichten einer Chemotherapie sind erfreulich gut bei Leukämie, lymphatischen Krebsarten und Hodenkrebs, bei vielen anderen Krebsarten hingegen erheblich niedriger als versprochen: nämlich bei den meisten Organtumoren wie Leberkrebs, Nierenkrebs, Lungenkrebs, Hautkrebs sowie bei Brustkrebs in fortgeschrittenem Stadium. Wirklich Verlass ist nur auf ihre üblen Nebenwirkungen. Intensive Bestrahlung führt oft zu schweren Spät- und Dauerschäden. Auch die sündhaft teuren Immunonkologika, als „neue Wunderwaffen“ gefeiert, können massive Kollateralschäden mit sich bringen. Trotzdem würde kein verantwortungsbewusster Komplementärmediziner - und Dr. Dixon ist wahrlich einer - dem König von konventioneller Krebsmedizin pauschal abraten. Im Unterschied zu seinen Verleumdern weiß so jemand allerdings, wie sie sich „alternativ“ ergänzen und unterstützen lässt. Um beispielsweise Nebenwirkungen einer Chemotherapie zu dämpfen, könnten Charles III. Bitterstoffe gegen Appetitlosigkeit helfen, das homöopathische Mittel Nux vomica gegen Übelkeit und Erbrechen. All dies und mehr würde Dr. Dixon wohl liebend gerne seinen Rufmördern erläutern, um ihre klaffenden Bildungslücken zu schließen. Wann darf er endlich zu Wort kommen? (Harald Wiesendanger) Anmerkungen 1 Sarah Boseley: “Prince Charles: I use homeopathy in animals to cut antibiotic use”, The Guardian, 12. Mai 2016, abgerufen am 10. Februar 2024; Brian Brady: “He’s at it again: Prince Charles accused of lobbying health secretary over homeopathy”, The Independent, 21. Juli 2013, abgerufen am 10. Februar 2024; Edzard Ernst: “What Prince Charles tells us about complementary medicine -   an essay by Edzard Ernst”,  British Medical Journal (Clinical research ed.), Band 376, 21. Februar 2022, S. o310, doi:10.1136/bmj.o310, PMID 35190373. 2  »Was er sich rauspickt, ist alles Quacksalberei« , Der Spiegel, 15. September 2022, abgerufen am 10. Februar 2024. 3  Haroon Siddique: “Prince Charles becomes patron of homeopathy group”, The Guardian, 25. Juni 2019, abgerufen am 10. Februar 2024. 4  “Prince proud to be 'enemy of Enlightenment'”,  Yorkshire Post, 4. Februar 2010, abgerufen am 10. Februar 2024. 5 Bild, 8.2.2024, S. 3. 6  Sarah Boseley: “Make-believe and outright quackery”—expert’s verdict on prince’s detox potion”, The Guardian, 10. März 2009, abgerufen am 10. Februar 2024. 7  Sarah Boseley: “Make-believe and outright quackery …”, a.a.O. (s. Anm. 6); Robert Booth: “Prince Charles’s aide at homeopathy charity arrested on suspicion of fraud”, The Guardian, 26. April 2010, abgerufen am 10. Februar 2024. 8  Michael Dixon: „Was bringt Geistiges Heilen für chronisch Kranke? Erfahrungen aus einem englischen Ärztezentrum“, in Harald Wiesendanger (Hrsg.): Geistiges Heilen in der ärztlichen Praxis – Damit die Humanmedizin humaner wird, 5. erw. Aufl. 2005, S. 71-76. 9 Siehe dazu Harald Wiesendanger: Geistiges Heilen bei Krebs – Ein unkonventioneller Ausweg, Schönbrunn 2004. Zur „Evidenzbasis“ Geistigen Heilens allgemein s. H. Wiesendanger: Das Große Buch vom Geistigen Heilen - Möglichkeiten, Grenzen, Gefahren, 4. Aufl. 2004; H. Wiesendanger: Fernheilen, Band 2: Fallbeispiele, Forschungen, Einwände, Erklärungen, 2004 10  H. J. Hamre u.a.: „Efficacy of homoeopathic treatment: Systematic review of meta-analyses of randomised placebo-controlled homoeopathy trials for any indication“, Systematic Reviews 2023; 12(191). DOI 10.1186/s13643-023-02313-2; https://doi.org/10.1186/s13643-023-02313-2; als PDF: https://link.springer.com/content/pdf/10.1186/s13643-023-02313-2.pdf 11  Robert T. Mathie u.a.: „Randomised placebo-controlled trials of individualised homeopathic treatment: Systematic review and meta-analysis“, Systematic Reviews December 2014, 3(1):142, DOI:10.1186/2046-4053-3-142; Robert T. Mathie u.a.: „Clinical Evidence for Homeopathy“ (2017), NHS Specialist Pharmacy Service; Robert T. Mathie u.a.: „Model validity of randomised placebo-controlled trials of non-individualised homeopathic treatment“, Homeopathy 2017 Nov;106(4):194-202, doi: 10.1016/j.homp.2017.07.003, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29157469/ 12  C. M. Witt/S: Baumgartner u.a.: „The in vitro evidence for an effect of high homeopathic potencies – a systematic review of the literature“, Complementary Therapies in Medicine 2007, 15(2):128-138, https://doi.org/10.1016/j.ctim.2007.01.011; A. Ucker u.a.: „Systematic review of plant-based homeopathic basic research: an update“, Homeopathy 2018, 107(2):115-129, DOI: 10.1055/s-0038-1639580; A. Ucker/S. Baumgartner u.a.: „Critical Evaluation of Specific Efficacy of Preparations Produced According to European Pharmacopeia Monograph 2371“, Biomedicines 2022, 10(3): 552, doi: 10.3390/biomedicines10030552 13  A. Ucker/S. Baumgartner u.a.: „Critical Evaluation of Specific Efficacy of Preparations Produced According to European Pharmacopeia Monograph 2371“, Biomedicines 2022, 10(3): 552, doi: 10.3390/biomedicines10030552 14  C. M. Witt/S: Baumgartner u.a.: „The in vitro evidence for an effect of high homeopathic potencies – a systematic review of the literature“, Complementary Therapies in Medicine 2007, 15(2):128-138, https://doi.org/10.1016/j.ctim.2007.01.011 15  Näheres: https://www.zentrum-der-gesundheit.de/bibliothek/naturheilkunde/aetherische-oele-uebersicht/aetherische-oele, https://www.naturheilkunde.de/naturheilverfahren/aroma-therapie.html 16  Volker Fintelmann/Rudolf Fritz Weiss: Lehrbuch der Phytotherapie, 11. Auflage, Stuttgart 2006, S. 276–277. 17  Näheres: https://www.medikamente-per-klick.de/apotheke/heilpflanze/teufelskralle/#:~:text=Die%20Teufelskralle%20(Harpagophytum%20procumbens)%20ist,verleiht%20Gerichten%20eine%20bittere%20Note; https://www.apotheken-umschau.de/medikamente/heilpflanzen/lindert-teufelskralle-gelenkschmerzen-733503.html; https://de.wikipedia.org/wiki/Afrikanische_Teufelskralle#Verwendung 18  “Teufelskrallenwurzel”, Sachverständigen-Ausschuss für Apothekenpflicht des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, abgerufen am 10. Februar 2024. 19  Näheres siehe  https://www.nq-online.de/anzeige-ziegenkraut-anbau-wirkung-wunderstrauches-id526748.html , https://de.wikipedia.org/wiki/Elfenblumen#Sonstige_Verwendung_und_Inhaltsstoffe 20  Siehe Harald Wiesendanger: Das Gesundheitsunwesen - Wie wir es durchschauen, überleben und verwandeln, Schönbrunn 2019. Porträtfoto Michael Dixon: By Issikkles - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46386184

  • Kompass verrutscht

    Es mehren sich Stimmen, die Ukraine im Krieg gegen Russland nicht länger zu unterstützen. Nichts für ungut, liebe Friedensbewegte, aber euer moralischer Kompass ist gewaltig verrutscht. Auch Nichtstun ist Handeln. Verantwortung werden wir nicht los, indem wir schweigen, wegsehen, die Hände in den Schoß legen. Das gilt auch für Publizisten. Und so drängt es mich, zum Ukrainekrieg Stellung zu nehmen, auch wenn er außerhalb des üblichen Themenspektrums meines Blogs stattfindet. Ich tue es mit einem Gedankenspiel. Falls dir das zustieße 24. Februar, vier Uhr morgens. Du und deine Familie liegen nichtsahnend im Tiefschlaf. Da erschüttert eine gewaltige Explosion euer Haus: Ein Geschoss hat gerade euer Dach durchschlagen. Ihr hört, dass jemand eure Eingangstür aufbricht. In heller Aufregung eilst du dorthin. Da erkennst du P., einen Nachbarn, der dir schon seit längerem nicht wohlgesonnen ist. Schwerbewaffnete Männer begleiten ihn. Vor deinen Augen erschießen sie deinen Ehepartner. Sie vergewaltigen deine Schwester. Sie verschleppen eines deiner Kinder. Ein anderes zerren sie in den Keller und foltern es. Du hörst seine gellenden Schreie. Die Eindringlinge beschlagnahmen in deinem Haus mehrere Zimmer. In den übrigen richten sie größtmöglichen Schaden an. Sie zerschlagen Fensterscheiben, durchtrennen Stromkabel, kappen die Wasserzufuhr, sprengen euren Heizofen. Eure Wertsachen schaffen sie fort. Auch deinen Garten besetzen sie teilweise, nachdem sie deinen Zaun niedergerissen haben. Sie heben dort Gräben aus. Auf Schritt und Tritt verlegen sie Minen. Obst und Gemüse, das ihr angebaut habt, stehlen sie. Verzweifelt reißt du ein Fenster auf und rufst nach Hilfe, so laut du kannst. Wie du feststellst, hat der Lärm inzwischen sämtliche Nachbarn aufgeweckt. Neugierig verfolgen sie aus sicherem Abstand, was dir und deiner Familie gerade widerfährt. Manche schütteln den Kopf, falten die Hände zu einer Fürbitte oder ballen aufgebracht die Fäuste, rufen eurem Angreifer ein empörtes „Aufhören!“ zu. Jeder erklärt euch, er bedaure euer Schicksal zutiefst und nehme Anteil. Ihr Mitgefühl versichern euch manche auf eurem Anrufbeantworter, andere werfen eine Beileidskarte in euren Briefkasten. Alle hören, wie in eurem Haus Schüsse fallen. Alle hören euch weinen. Alle hören, wie ihr vor Schmerzen schreit. Alle sehen, wie  P. und seine Leute zerstören, was euch gehört. Allen ist klar: Ihr seid die Schwächeren. Aber niemand eilt euch zu Hilfe. Kein einziger. Verzweifelt rufst du ihnen zu: „Bitte helft uns wenigstens, uns selber zu schützen!“ Unverzüglich geschieht daraufhin: nichts. Es vergehen Tage, Wochen, Monate, bis wenigstens ein paar Nachbarn deinem Aufruf folgen. Nach und nach spendieren sie euch einen Verbandskasten, damit ihr eure Wunden versorgen könnt. Einen neuen Heizofen. Einen Stromgenerator. Schusssichere Westen. Neue Fenster. Stahltüren, damit ihr es dem Angreifer schwerer machen könnt, in eure übrigen Zimmer einzudringen. Taschentücher, um eure Tränen zu trocknen. Ein paar Schwerter, Steinschleudern und Schrotflinten. „So kann ich P. aus meinem Haus, von meinem Grundstück aber nicht vertreiben“, lässt du deine Nachbarn wissen. „Dazu benötigen wir dringend bessere Waffen und mehr Munition. Ihr habt sie, und ihr benötigt sie zur Zeit nicht. Ich flehe euch an: Gebt sie uns.“ Schließlich ringen sich vereinzelte Nachbarn dazu durch, dir geeigneteres Material auszuhändigen – aber viel zu langsam, viel zu wenig, als dass du dein Zuhause damit befreien könntest. „Warum bekomme ich von euch nicht, was ich benötige?“, fragst du. „Weil du damit prinzipiell die Möglichkeit bekämst, P.´s Haus zu beschießen“, so hörst du. „So etwas könnte ihn stinksauer auf uns machen, und das möchten wir nicht riskieren.“ Manche Nachbarn haben sich von vornherein geweigert, dich beim Verteidigen zu unterstützen. Weshalb? Sie konfrontieren dich mit Unterstellungen: In Wahrheit seist du ein Nazi. Obendrein eine Marionette eines gewissen U. Angeblich hast du U. deinen Keller vermietet, um darin ein Labor einzurichten. Und dieser U. habe sich schon öfters ähnlich verhalten wie jetzt P. Eigentlich seist du ein Schauspieler, der bloß so tut, als könne er Oberhaupt seiner Familie sein. Es sei dir nicht recht, dass ein Mitbewohner deines Hauses weiterhin seinen Dialekt spricht. Außerdem gelte es zu bedenken, dass Ahnen des Angreifers einst den Grund und Boden bewohnten, dessen Eigentümer du jetzt bist. „Da plappert ihr doch bloß nach, was P. euch einflüstert“, gibst du zu bedenken. „Muss ein Verbrechensopfer in höchster Not denn erst alle kursierende Gerüchte entkräften und Unbedenklichkeitsprüfungen bestehen, ehe er Beistand verdient? Lautet eure Devise: ‚Jeden in Not retten wir selbstverständlich – es sei denn, er hat keine Rettung verdient, weil es uns so vorkommt, als sei er irgendwie mitschuldig‘?“ „Wozu dir noch beistehen? Du kannst sowieso nicht gewinnen!“, bekommst du zu hören. „Es verhält sich genau andersherum“, widersprichst du: „Ich kann unmöglich gewinnen, falls ihr mir nicht beisteht.“ „Das wird uns allmählich zu teuer“, so jammern deine Nachbarn. „Falls ihr P. jetzt gewähren lasst, könnte es für euch bald noch viel teurer werden“, erwiderst du. „Denn ihr könntet die nächsten sein, die er überfällt. Gedroht hat er manchen von euch ja schon.“ „Verhandle endlich!“, so wird dir zugerufen. Worüber denn? Um des lieben Friedens willen müssest du „Zugeständnisse machen“, heißt es. „Das bedeutet? Sollten wir demnach eures Erachtens Teile unseres Gartens abtreten?“,  so empörst du dich. „Empfehlt ihr uns, künftig auf unser Wohnzimmer zu verzichten? Seid ihr dafür, dass wir P. unsere Küche überlassen? Unser Bad räumen? Oder ein Kinderzimmer, da es ja leer steht, seit P. unsere Jüngste entführt hat? Was fällt euch ein, euch darüber unseren Kopf zu zerbrechen? Wozu wärt ihr denn bereit, wenn es um euer Zuhause ginge?“ „Und wozu verzichten? Um den Konflikt mit P. vertraglich beizulegen? Mit einem, der jeden Vertrag zu brechen pflegt, wenn es ihm passt? Hatte er nicht schon längst schriftlich zugesichert, die Grenzen unseres Grundstücks zu respektieren?“ Betreten schweigt die Nachbarschaft. Und so bleibt dir nichts anderes übrig, als dich weiterhin alleine zu wehren, mit ungenügenden Mitteln. „Aber ich kämpfe doch letztlich auch für euch“, gibst du deinen Nachbarn zu bedenken. „Falls ich verliere, wird P. als nächstes über einen von euch herfallen.“ „Quatsch, das würde er sich niemals trauen.“ Vergeblich widerspricht du: „Habt ihr vergessen, was Adolf sich vor ungefähr achtzig Jahren alles traute, nachdem Leute wie ihr ihn gewähren ließen?“ Immerhin darfst du gewiss sein: Falls du und deine Liebsten den Überfall nicht überleben, werden eure Nachbarn euch feierlich zu Grabe tragen, üppige Kränze niederlegen, fromme Lieder singen und eurer salbungsvoll gedenken. Sind solche Aussichten nicht tröstlich? Und die Moral von der Geschichte? Nochmals: Auch Nichtstun ist Handeln. Nichts, aber auch wirklich gar nichts gibt dir das Recht, einen Mitmenschen anzugreifen, zu quälen oder gar umzubringen, der dich nicht im geringsten bedroht hat. Und nichts entlastet dich von der moralischen Pflicht, jemandem beizustehen, wenn er vor deinen Augen zum Opfer eines Angriffs wird, den er aus eigener Kraft nicht abwehren kann. Kurzum: Wer die überfallene Ukraine im Stich lässt, macht sich unterlassener Hilfeleistung schuldig – mit fadenscheinigen Ausflüchten, aus einem Mangel an Empathie und Geschichtsbewusstsein. Solch unverblümten KLARTEXT erlaube ich mir – an die Adresse aller Mitmenschen, die seit nunmehr fast zwei Jahren beharrlich meiner Frage ausweichen: Wie wäre es, wenn P. am 24. Februar über dich hergefallen wäre? Was würdest du von mir dann zurecht erwarten, wenn ich dein Nachbar wäre? Vor all den lautstarken Pazifisten hierzulande, welche die Ukraine lieber heute als morgen im Stich lassen würden, zöge ich erst dann den Hut, wenn sie heroisch prinzipientreu bereit wären, sich selbst und ihre Liebsten von bewaffneten Angreifern abschlachten zu lassen, ohne Gegenwehr, mit weißer Fahne in der einen Hand und einer weißen Taube auf der anderen. Andernfalls käme mir ihre inbrünstige Friedensliebe, zelebriert aus einer sicheren Entfernung von zweitausend Kilometern zum grässlichen Geschehen, reichlich verlogen vor. (Harald Wiesendanger) Illustration: Collage aus Bildern von Kellepics und MarandaP (beide Pixabay)

  • Die Gedankenpolizei naht

    Im Kampf gegen vermeintliche „Falschinformation“ und „Hassrede“ rückt eine weltweite Zensur des Internets immer näher: Was wir in sozialen Medien äußern, lesen und teilen dürfen, soll künftig umfassender Kontrolle unterliegen. Daran arbeiten zielstrebig die Vereinten Nationen mit ihren Unterorganisationen UNESCO und WHO, gemeinsam mit dem Weltwirtschaftsforum und der EU. Diesen Blog könnte es demnach bald nicht mehr geben, sein Herausgeber würde zum Straftäter. Es sei denn, er hält endlich die Klappe. „Unsere größte Sorge für die nächsten zwei Jahre“, so gab EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen soeben auf dem Weltwirtschaftsforum 2024 in Davos von sich, „sind Fehlinformationen und Desinformationen“. Hört, hört: Vordringlicher, als gegen Kriege und Klimawandel, gegen Armut und Hunger vorzugehen, ist demnach die Zerstörung der Meinungsfreiheit. Ist dieses Vorhaben nicht von vornherein aussichtslos, zumindest in entwickelten Demokratien der westlichen Welt? Scheitert es nicht an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte? „Die Meinungsfreiheit“, so stellt Wikipedia klar, „ist ein Menschenrecht und wird in Verfassungen als ein gegen die Staatsgewalt gerichtetes Grundrecht garantiert, um zu verhindern, dass die öffentliche Meinungsbildung und die damit verbundene Auseinandersetzung mit Regierung und Gesetzgebung beeinträchtigt oder gar verboten wird. In engem Zusammenhang mit der Meinungsfreiheit sichert die Informationsfreiheit den Zugang zu wichtigen Informationen, ohne die eine kritische Meinungsbildung gar nicht möglich wäre. Das Verbot der Zensur verhindert die Meinungs- und Informationskontrolle durch staatliche Stellen. Im Unterschied zu einer Diktatur sind der Staatsgewalt in einer Demokratie die Mittel der vorbeugenden Informationskontrolle durch Zensur ausdrücklich verboten.“ Glasklar, oder? Spätestens die Coronakrise hat uns jedoch vor Augen geführt, wie rasch Demokratien Grundrechte opfern, wenn vermeintliche Bedrohungen dies erforderlich zu machen scheinen. Die Pandemie ist vorbei – die Einschränkungen des Informationsflusses jedoch, die zur Seuchenkontrolle angeblich nötig waren, setzen Internetgiganten wie Google, Facebook und YouTube nicht nur ungeniert fort. Die UNESCO, die Kulturorganisation der Vereinten Nationen, will sie schleunigst auf die Spitze treiben und zum weltweiten Dauerzustand machen. Missliebige Meinungen unterdrücken: Darum geht es. Daran lassen ihre „Leitlinien für die Verwaltung digitaler Plattformen“ keinen Zweifel. Sie umfassen eine Reihe von “Pflichten, Verantwortlichkeiten und Rollen für Staaten, digitale Plattformen, zwischenstaatliche Organisationen, die Zivilgesellschaft, Medien usw.”, um "Des- und Fehlinformationen, Hassreden und Verschwörungstheorien" den Garaus zu machen. (1) Dieses haarsträubende Dokument bedeutet einen weiteren Schritt hin zu einer Zensur und Kontrolle jeglicher Kommunikation im Internet. Würden die UNESCO-Leitlinien umgesetzt, so wären die Vereinten Nationen befugt, für das gesamte Internet weltweit zu bestimmen, was als “Fehlinformation” oder “Hassrede” einzustufen ist. Sie dürfte Ansichten und Informationen unterdrücken, die den Narrativen der UN oder der mit ihr zusammenarbeitenden Regierungen, Unternehmen und Organisationen widersprechen. “Im Wesentlichen”, warnt die Menschenrechtsinitiative CitizenGO, “wollen sie entscheiden, welche Informationen wir austauschen können, und diktieren, was wir online sagen dürfen und was nicht. Das ist nicht nur Meinungsmache - es ist ein gefährlicher Versuch, eine Ideologie durchzusetzen, die alle abweichenden Gedanken und Überzeugungen unterdrückt.” Dasselbe Ziel verfolgt die WHO mit der Neufassung der “Internationalen Gesundheitsrichtlinien” (International Health Regulations, IHR), auf die sie momentan ihre Mitgliedsstaaten hinter verschlossenen Türen, unter höchster Geheimhaltung, einzuschwören versucht. Ein früherer Entwurf hatte noch vorgesehen, dass jegliche Änderungen am Text “unter voller Achtung der Würde, der Menschenrechte und der Freiheit der Person" erfolgen müssen. Dieser Passus wurde inzwischen gestrichen. Die Grundrechte gelten selbstverständlich weiter, bloß anders Keine Bange, so versucht uns UN-Generalsekretär António Guterres zu beruhigen – fundamentalen Freiheitsrechten fühle er sich selbstverständlich weiterhin verpflichtet: Fein. Und wie gedenkt die UN das menschliche Grundrecht auf Information zu „schützen“? Indem sie die freie Meinungsäußerung einschränkt und uns jegliche Informationen vorenthält, die den Zensoren nicht passen. Es geht um absolute Kontrolle über das Narrativ – insbesondere in Bezug auf Gesundheit und Krankheit, Prävention und Therapie, Medikamente und Impfungen, wie der geplante Pandemievertrag vorsieht. „Die Grundrechte gelten weiter, bloß anders“, würde vermutlich Stefan Harbarth kommentieren, Bundesverfassungsgerichtspräsident von Merkels Gnaden: „Eine Beschränkung von Freiheitsrechten kann legitim sein.“ Überaus gelegen kommt der UN, dass niemand genau weiß, was denn eine „Desinformation“ ausmacht. Sie selbst stellt fest: "Es gibt keine allgemeingültige Definition von Desinformation. Angesichts der zahlreichen und unterschiedlichen Kontexte, in denen Desinformation eine Rolle spielt, wie z. B. bei Wahlen, im Gesundheitswesen, bei bewaffneten Konflikten oder beim Klimawandel, ist eine Definition allein nicht ausreichend." Dieses Manko kommt insofern wie gerufen, als die Meinungskontrolleure ihre eigenen Definitionen erfinden und sie nach Belieben anwenden können. Und natürlich wird dies zu unserem Besten geschehen. Wer kann schon etwas dagegen haben, dass ihm Lügen und Hass erspart bleiben? Den Gipfel der Heuchelei erklimmt der UN-Generalsekretär, wenn er ausgerechnet mit der Coronakrise zu belegen versucht, wie dringend nötig die Zensur ist: „Die COVID-19-Pandemie hat (…) die dunkle Seite der digitalen Technologie verdeutlicht: die blitzschnelle Verbreitung von Fehlinformationen, die Manipulation des Verhaltens der Menschen und vieles mehr.“ Zu besagter „Dunkelheit“ maßgeblich beigetragen haben die UN selbst, die WHO, Regierungen und Gesundheitsbehörden: mit einer manipulativen Flut von Fehlinformationen über den Ursprung und die Gefährlichkeit des SARS-CoV-2-Virus, die Sicherheit und Wirksamkeit von Impfungen, den Nutzen sonstiger staatlicher „Schutz“maßnahmen, die Aussagekraft der PCR-Diagnostik, den Wert von alternativer Vorsorge und Behandlung. Millionen von „Gepieksten“ hat diese Desinformation von oben das Leben gekostet. Europaweiter Kreuzzug gegen querdenkende Schädlinge Im Kreuzzug gegen Fake News marschiert die EU-Kommission vorneweg – kein Verfassungsgericht bremst sie bisher. Ab 17. Februar 2024 gilt in sämtlichen EU-Mitgliedsstaaten ihr Digital Services Act (DAS), der alle großen sozialen Netzwerke knebelt. Wer „hasserfüllte Inhalte“ und „ernste Gefahren“ nicht sofort löscht, dem drohen horrende Geldbußen, wenn nicht gar die Abschaltung. Denn “die heimtückische Verbreitung von Fehlinformationen und Desinformationen bedroht den Zusammenhalt der Gesellschaften” - so orakelte von der Leyen soeben in Davos - und gefährde ernsthaft “die globale Geschäftswelt”, die im Publikum hochkarätig vertreten war. Im Kampf gegen “Desinformation” müsse Big Business daher in eine “öffentlich-private Partnerschaft” eingebunden werden. Pfizer & Co. werden da uneingeschränkt zustimmen, die Gates-Foundation ebenfalls. Vor einem Ende der Meinungs- und Informationsfreiheit in Europa, eingeleitet vom Digital Services Act, warnt der ehemalige Richter Manfred Kölsch in der Berliner Zeitung. Nutzer von sozialen Medien würden dazu getrieben, ihre Beiträge so zu verfassen, dass sie «in den aktuellen politischen Meinungskorridor» passen. Alles andere könnte als «schädlich» definiert werden. Eine “Überwachungsbürokratie” werde Beiträge löschen, Nutzer sperren oder gar strafrechtlich verfolgen, weil sie allzu hartnäckig gegen den Mainstream schwimmen. Denunzianten werden gnadenlos Beihilfe leisten. “Damit Menschen besser miteinander auskommen” Künstliche Intelligenz soll die Zensur umfassend und lückenlos machen. Dies werde die Einheit in der Gesellschaft fördern, die globale Freundschaft stärken, geopolitische Polarisierung überwinden helfen und dazu beitragen, „dass Menschen besser miteinander auskommen“, so schwärmte WHO-Hauptsponsor Bill Gates in einem am 11. Januar 2024 ausgestrahlten Studiogespräch mit Sam Altman, dem Geschäftsführer des „ChatGPT“-Entwicklers OpenAI. Wahrlich genial: Wo keine zwei Meinungen mehr zulässig sind, kann es auch keinen Streit mehr darüber geben. Seinen friedenstiftenden Beitrag zu diesem wesentlichen Aspekt des Great Reset leistet Gates seit langem. Um „Desinformation“ weltweit noch wirksamer zu bekämpfen, schmiedete er ein Bündnis großer Medien- und Tech-Unternehmen. Microsoft, Adobe, Intel und Sony machen ebenso mit wie die BBC. Auch Publicis ist dabei, eines der übelsten Propaganda-Monster unseres Planeten, mit einem Jahresumsatz über zehn Milliarden Dollar, zu dem Großkunden aus der Pharmabranche beitragen. Gates´ Coalition for Content Provenance and Authenticity (C2PA) soll die technischen Voraussetzungen dafür schaffen, das Internet von Fake News und „Verschwörungstheorien“ zu säubern – umfassend und ein für allemal. Dieser vervollkommneten Zensur wird kein Querdenker mehr entkommen. (2) Womöglich erfährt man dann nicht einmal mehr von Initiativen wie der Westminster Declaration, in der sich 137 Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur und Medien kürzlich “zutiefst besorgt über zunehmende Zensur” geäußert haben -  solche Querdenkerei trägt schließlich zur “verfassungsschutzrelevanten Delegitimierung” von Zensoren bei. Fehlinformationen stoppen – Ein Leitfaden Was sollten Regierungen vielmehr gegen Fehlinformationen tun? Der US-Blogger Steve Kirsch, Gründer der Vaccine Safety Research Foundation, hat am Beispiel der Covid-19-Impfstoffe einen kostenlosen Leitfaden hierfür zusammengestellt: "1.      Hör auf, die Menschen anzulügen. 2.      Sobald du bemerkst, dass du einen Fehler gemacht hast, gib ihn öffentlich zu. 3.      Hör auf, die Daten zu verstecken. Datentransparenz ist der Schlüssel. Fordere eine glaubwürdige Opposition auf, alle verfügbaren Datenbanken abzufragen. Wenn die Regierungen die Wahrheit sagen, sollten sie nichts zu befürchten haben. 4.      Beende die Zensur. 5.      Sprich dich gegen jede Organisation aus, die Zensur oder Einschüchterungstaktiken einsetzt, um abweichende Meinungen zum Schweigen zu bringen. (…) 6.      Ein wissenschaftlicher Konsens sollte niemals dadurch erreicht werden, dass abweichende Meinungen durch Zensur und Einschüchterungstaktiken zum Schweigen gebracht werden. Alle Fachleute in allen Bereichen sollten die Möglichkeit haben, sich frei und ohne Angst vor Repressalien an die Öffentlichkeit zu wenden. 7.      Führe regelmäßig öffentliche Debatten mit qualifizierten Personen, die anderer Meinung sind als du, damit die Öffentlichkeit direkt sehen kann, wer die Wahrheit sagt und wer nicht. 8.      Führe einen regelmäßigen öffentlichen Dialog mit Regierungsvertretern und den wichtigsten Verbreitern von Fehlinformationen, um die Differenzen offen zu diskutieren und herauszufinden, wie sie am besten gelöst werden können. 9.      Setze dich für die Wahrheit ein und sprich öffentlich darüber, wenn der Wahrheit nicht nachgegangen wird. Es gibt zum Beispiel viele Whistleblower, die aussagen, dass klinische Studiendaten für den Impfstoff von Pfizer gefälscht wurden. Stimmt das? Das US-Justizministerium weigert sich, diese Whistleblower zu befragen. (…) 10.  Arbeite mit den "Fehlinformationsverbreitern" zusammen, um gemeinsame Projekte zu entwerfen, bei denen beide Seiten zustimmen, um Unklarheiten zu beseitigen. Wie viele Haushalte (…) haben zum Beispiel ein oder mehrere Covid-impfgeschädigte Mitglieder? (…) 11.  Schaffe den Haftungsschutz für Impfstoffhersteller ab - er ist lächerlich. Jeder Arzt weiß doch, dass Impfstoffe die sichersten Medikamente sind, die es gibt. Das wird ihnen im Medizinstudium beigebracht, also muss es wahr sein. Warum ist es also notwendig, dass Impfungen der einzige medizinische Eingriff sind, der einen Haftungsschutz benötigt? Die Behörden tun nichts von alledem. Das ist der Grund, weshalb Fehlinformationen immer noch ein Problem sind.“ (Harald Wiesendanger) Anmerkungen 1 Näheres: https://netzpolitik.org/2023/kampf-gegen-desinformation-unesco-veroeffentlicht-leitlinien-zur-regulierung-sozialer-plattformen/ und https://www.bakom.admin.ch/bakom/de/home/das-bakom/medieninformationen/bakom-infomailing/infomailing-60/regulierung-von-online-plattforme.html 2  Näheres im KLARTEXT “Dieses Zeug muss weg”. Titelbild: NoName_13/Pixabay

  • Wie bestellt

    Da hat die Bundesregierung endlich mal eine prima gesundheitspolitische Idee: Weniger Zucker, Salz und Fett sollen wir essen. Doch Focus widerspricht: Es mangele an „kausaler Evidenz“. Geht es nach Cem Özdemir, sollten wir weniger Zucker, Fett und Salz essen, um gesünder zu leben - vor allem Kinder. Dies erklärte der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft soeben bei der Vorstellung des „Ernährungsreports 2023“. Was fängt Deutschlands bekennender „Fakten-Fakten-Fakten“-Lieferant Focus mit diesem hehren Vorhaben an? Er lässt es zerpflücken. Dazu spannt das heruntergekommene Nachrichtenmagazin einen „Experten“ namens Uwe Knop ein, einen „evidenzfokussierten Ernährungswissenschaftler, Buchautor und Referent für Vorträge bei Fachverbänden, Unternehmen und auf Ärztefortbildungen“. Knop erklärt: „Der Begriff ‚ungesunde‘ Lebensmittel ist nicht offiziell definiert und wird oft ideologisch verwendet. (…) Es fehlt kausale Evidenz.“ Im übrigen „zeigen aktuelle Daten, dass der Großteil der deutschen Kinder nicht fettleibig ist“. Wie sich Özdemirs Vorschläge auf die Gesundheit der Bevölkerung auswirken, „weiß niemand", so verbreitet Knop, "und das wird auch niemals jemand herausfinden, denn: Es wird keine wissenschaftliche Evaluation ("Wirksamkeits-Analyse") geben, um die gesundheitlich relevanten Effekte zu bewerten (wie Auswirkungen auf Herzinfarkte, Schlaganfall, Krebs, Lebenszeit). Warum? Diese Analysen sind praktisch nicht durchführbar. (…) Die Ernährungswissenschaft kann keine Belege im Sinne von echter Kausalität liefern - weder für gesunde Ernährung im Allgemeinen noch ob Lebensmittel generell gesund oder ungesund sind. (…) Niemand weiß, ob und was eine solche staatliche Vorgabe bringen wird - weder in positiver Hinsicht noch ob sie vielleicht schadet.“ Zweifellos mangelt es an ausreichender kausaler Evidenz dafür, dass Ernährungswissenschaftlern, die weder mit Uwe Knop identisch sind noch auf der Honorarliste von Big Food stehen, wegen Knops Ausführungen sämtliche verbliebenen Haare zu Berge stehen. Und falls sich nach Jahrzehnten mit Pommes und Cola, Pizza und Gummibärchen irgendwann auch bei Knop, Jahrgang 1972, Arteriosklerose und Bluthochdruck, Diabetes und Krebs, Herzinfarkte und Schlaganfälle einstellen, würde er bestimmt der Versuchung widerstehen, da eine „unechte Kausalität“ hineinzudeuten. "Vielleicht schadet" es ja sogar, Junk Food abzusetzen. Dass Knop laut Wikipedia „als medizinischer PR-Berater für verschiedene Unternehmen aktiv“ ist  - wozu er selbst die „Medizin- und Gesundheitsbranche” zählt -, tut nichts zur Sache? Welche Unternehmen haben ein Interesse daran, dass käufliche Schreibtischtäter dem Staat vorwerfen, er „zahle für die Verbreitung pseudowissenschaftlicher Phantasien”, und Sprüche klopfen wie “Iss, was du willst – alles andere ist Käse!”? Unterdessen investieren Lebensmittelkonzerne Milliarden, um die perfekte Mischung an Salz, Zucker und Fett zu finden, die uns süchtig macht. Diesen „evidenzfokussierten“ Kausalitätsguru zählt Focus allen Ernstes zur „besten und breitesten Auswahl an Experts“. (Experten für korrekte deutsche Pluralbildung hat die Redaktion anscheinend nicht auftreiben können.) Spätestens jetzt muss einem ob des Sachverstands von Deutschlands Fachleuten angst und bange werden, sofern jegliches Restvertrauen nicht schon während der Coronakrise verlorenging. (Harald Wiesendanger) Foto Özdemir: Von © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=86905057

  • Der Irrsinn geht weiter

    SARS-CoV-2 war kein Einzelfall: Mindestens 16 Krankheitserreger sind zwischen 2000 und 2021 aus Forschungslabors entwichen, wie eine neue Studie nachweist. Ein Großteil stammte aus Gain-of-Function-Experimenten, die Pathogene noch ansteckender, noch tödlicher machen sollten. Statt diese teuflische Perversion von Wissenschaft sofort zu beenden, fördern Regierungen, Militärs und Geheimdienste sie skrupellos weiter. Und Medien schweigen, die Bevölkerung schläft. Während sie sich vom „menschengemachten Klimawandel“ verängstigen lässt, könnte die menschengemachte Bio-Apokalypse schon morgen über sie hereinbrechen – mit der Corona-P(l)andemie als vergleichsweise harmlosem Vorspiel. Keine Fledermaus, sondern ein Biolabor in Wuhan brachte den Covid-19-Erreger in die Welt. Jeder, der hinsehen wollte, fand triftige Anhaltspunkte dafür bereits wenige Wochen nach dem offiziellem Ausbruch der Seuche; ich präsentierte sie in meinem im Juni 2020 erschienenen Buch Corona-Rätsel, das in den sozialen Medien prompt der Zensur zum Opfer fiel; Amazon sperrte es aus seinem Sortiment aus. Was der Öffentlichkeit damals verborgen blieb, enthüllt nun Robert F. Kennedy jr. in seinem Doku-Thriller The Wuhan Cover-Up. Doch das Laborleck von Wuhan war längst nicht das einzige, wie eine neue Studie verdeutlicht, die soeben in The Lancet Microbe erschienen ist. In begutachteten Artikeln und Online-Berichten, die zwischen 2000 und 2021 erschienen waren, fand das internationale Autorenteam Hinweise auf 16 Fälle, in denen ein Erreger aus einem Labor entwichen war. Darüber hinaus stießen die Forscher auf 309 Fälle von Infektionen, die als „im Labor erworben” eingestuft worden waren. Bakterien verursachten 77% Prozent davon, Viren 13,9%, Parasiten 7,1% durch, Pilze 1,6%, Prionen (1) verfügen weniger als 1%. Acht Fälle verliefen tödlich; sechs davon waren Bakterien wie Yersinia pestis, der Erreger der Pest, oder Neisseria meningitidis beteiligt – sie verursachen eine eitrige Hirnhautentzündung, seltener auch eine Blutvergiftung. Ein weiteres Mal war das Ebola-Virus der Auslöser. Die erschütterndsten Beispiele von Pannen in vermeintlichen „Hochsicherheit“slaboren schildere ich in Corona-Rätsel. (Kap. 15: „Die Uhr tickt“.) -          Dazu zählte im Jahr 1976 ein Ausbruch der Schweinegrippe, die seit 1957 als ausgerottet galt, aus Fort Dix in New Jersey. -          Auch das menschliche H1N1-Virus, das im darauffolgenden Jahr in Russland und China um sich griff, stammte aus dem Labor. -          1979 forderte ein Leck in einer Anthrax-Produktionsanlage in Swerdlowsk, UdSSR, rund 60 Todesopfer. -          1995 infizierte der Erreger der venezolanischen Pferdeenzephalitis nach einer Laborflucht 85.000 Menschen in Venezuela und Kolumbien, tötete 300, schädigte 3.000 und führte zu zehn Fehlgeburten. -          Aus einer militärischen Forschungseinrichtung auf Taiwan entwich 2003 ein SARS-Virus. -          Und es gibt stichhaltige Beweise dafür, dass der Ebola-Ausbruch 2014 bis 2016 in Westafrika ebenfalls von einem nahen BSL4-Labor ausging. (Näheres im KLARTEXT  „Vertuscht: Auch Ebola kommt aus dem Labor“.) -          2019 trat aus einer biopharmazeutischen Anlage in Lanzou, China, der Brucellose-Erreger aus, der Fieber und Muskelschmerzen verursacht, welche wochen- und jahrelang anhalten können; mehr als 10.000 Menschen infizierten sich. -          Im gleichen Verdacht stehen die Affenpocken, die 2022 plötzlich um sich griffen, mit 16.000 registrierten Fällen in 75 Ländern. Damit erübrigen sich zwei gängige Mythen: Weder entweichen Erreger bloß äußerst selten aus Labors. Noch sind die meisten Pandemien zoonotisch, d.h. beruhen darauf, dass ein Erreger auf natürlichem Weg von Tieren auf Menschen übergreift. Warum wohl treten  Pandemien seltsam gehäuft und in immer kürzeren Abständen erst auf, seit immer mehr biologische Hochsicherheitslabore in Betrieb sind? Weltweit sollen es bereits 60 sein, geheimgehaltene Anlagen nicht mitgerechnet. Nur „die Spitze des Eisbergs“ Alle bekannt gewordenen Fälle repräsentieren „nur die Spitze des Eisbergs“, wie die Wissenschaftler vermuten: Zum einen gibt es keine standardisierten Meldevorschriften. Zum anderen sind die Labore und ihre Auftraggeber in der Regel darauf aus, Sicherheitspannen möglichst zu vertuschen. Der Anreiz dafür ist hoch: Es drohen Verluste von Investitionen und hohe Ausgaben für verschärfte Sicherheitsvorkehrungen, schlimmstenfalls die Laborschließung. Die ermittelten Infektionen rührten großteils von „Verfahrensfehlern” her: Es wurde gegen Biosicherheits- oder Risikominderungsvorschriften verstoßen, z. B. indem die falsche Schutzausrüstung verwendet wurde, eine unzureichende Schulung stattfand oder man Proben unsachgemäß handhabte. Zu den übrigen Infektionen kam es durch Nadelstichverletzungen, Verschüttungen, Spritzer, offene Fläschchen, Tierbisse, abgelaufene Desinfektions- und Reinigungsmittel oder aus „unbekannten Gründen”. Was hinter solchen Vorfällen steckt, liegt für den Biowaffen-Experten Francis Boyle, Professor für internationales Recht an der University of Illinois, auf der Hand. Im Online-Magazin The Defender erklärte Boyle, der 1989 in den USA den Biological Weapons Anti-Terrorism Act entworfen hatte: „Ganz allgemein deuten diese Lecks darauf hin, dass die beteiligten Labors an der Erforschung, Entwicklung, Erprobung und Lagerung von biologischen Angriffswaffen beteiligt sind und damit gegen internationale Übereinkommen verstoßen.” Sie versehen Pathogene mit einem “Zugewinn an Nutzen” (gain of function) – mit anderen Worten, sie machen sie noch gefährlicher für die Menschheit, als sie ohnehin schon sind. Gesundheitsbehörden pflegen die mit der Gain-of-Function-Forschung verbundenen Risiken herunterzuspielen. Es gehe darum, potenzielle Pandemieauslöser zu modifizieren, um dann Impfstoffe dagegen zu entwickeln, so heißt es. Boyle erkennt darin die „Standardpropaganda dieser Todesforscher. Wir alle wissen, dass ,Gain-of-Function’ ein Euphemismus für biologische Angriffswaffen wie Covid-19 ist.“ Das ganze Gerüst ihrer Argumentation sei irreführend, so Boyle, denn „sie setzten Gain-of-Function ein, um die biologische Angriffswaffe überhaupt erst zu entwickeln, und entwickeln sie dann zurück, um einen ,Impfstoff’ für den Fall eines Bumerangs zu entwickeln.“ Der Medizinhistoriker Dr. Martin Furmanski sieht darin eine „sich selbst erfüllende Prophezeiung“, bei der die Labors angeblich mit Krankheitserregern arbeiten, um genau die Ausbrüche zu verhindern, die sie letztlich verursachen. Der US-Mediziner Prof. Paul R. Goddard spricht von „MAD-Forschung“. Das Kürzel steht für Make Another Disease. Wie von Sinnen Es bedarf keiner überschäumenden Phantasie, um sich lebhaft auszumalen, welch irrwitziges Risiko davon ausgeht. Im März 2021, während die Welt vom Corona-Pandemiehorror ergriffen war, feierte ein 18-köpfiges Forscherteam der Universität Siena den wahnsinnigsten Durchbruch des Jahres: Im Labor erzeugten sie aus SARS-CoV-2 ein neues, noch viel gefährlicheres Coronavirus. Es entgeht den Antikörpern, die unser Immunsystem auf eine Infektion hin produziert. Das macht es extrem tödlich. (Näheres im KLARTEXT „Hurra, SARS-CoV-3 ist da!“) Und soeben melden chinesische Wissenschaftler ein weiteres Exempel von perverser Spitzenforschung – an Mäusen, die sie gentechnisch so verändert hatten, dass ihre Lungen den menschlichen eher ähneln. Mit einem mutierten Coronavirus erzielten sie bei diesen Versuchstieren eine 100%-ige Tötungsrate. In verschiedenen Organen, darunter in den Lungen und Augen, fanden sich bei der Obduktion hohe Mengen an viraler RNA – das meiste im Gehirn. Wen lässt die Aussicht kalt, dass solche Ausgeburten suizidalen Irrsinns bald ebenso rasant über die Menschheit herfallen könnten wie vor kurzem der Covid-19-Erreger? Wer mag nicht auf der Stelle alles unternehmen, um vorzubeugen? Mir fallen nur drei mögliche Profiteure ein: die Hersteller von Gegenmitteln. Deren Besitzer. Sowie alle, die ihrer Vision einer schönen neuen Welt näherzukommen meinen, indem sie eine verängstigte Bevölkerung mittels totaler Kontrolle „schützen“. Von der Pandemie zur Plandemie Glänzende Geschäfte mit der jüngsten Pandemie haben eine baldige nächste noch wahrscheinlicher gemacht. Bis 2027 werden sich die weltweiten Umsätze mit Corona-Impfstoffen auf 348 Milliarden Euro belaufen, wie IQVIA prognostiziert, ein führender Informationsdienstleister der Gesundheitsbranche; Covid-19-Therapeutika wie Paxlovid werden bis dahin mit weiteren 110 Milliarden Euro zu Buche schlagen. Zusammengerechnet knapp eine halbe Billion Euro: Macht ein derartiger Reibach nicht jegliches Verbrechen verlockend? Warum sollten Konzerne, die notorisch über Leichen gehen, däumchendrehend abwarten, bis der nächste hochansteckende Erreger versehentlich irgendeiner Forschungseinrichtung entweicht? Bei der Freisetzung nachzuhelfen, wäre mit Geld und Beziehungen ein Kinderspiel. Dazu genügt ein einziger korrupter Laborant. „All diese Labore sofort schließen!“ Für Boyle steht fest: Alle biologischen Hochsicherheitslabore weltweit „müssen sofort geschlossen werden, bevor es zu einer weiteren Pandemie kommt”. Ist es nicht zum Haareraufen? Da kommt es im März 2011 auf einer Pazifikinsel, die seit eh und je von Erdbeben und Tsunamis bedroht ist, in einem AKW eines bekanntermaßen unsicheren Typs zu einer Kernschmelze – und prompt beschließt 8750 km weiter westlich die panische Regierung einer ebenso tsunami- wie erdbebensicheren Republik, aus der Atomenergie auszusteigen (um sich anschließend Atomstrom von unmittelbaren Nachbarn zu besorgen). Die weltweite Katastrophe hingegen, die von Wuhan ausging, löst in derselben Republik bis heute keinerlei politische Initiativen aus, um das drohende Übel endlich an der Wurzel zu packen. Der Super-GAU von Fukushima forderte geschätzte 18.500 Todesopfer, jener von Tschernobyl rund 4.000. Bei einem versehentlich oder absichtlich freigesetzten Killervirus hingegen könnten es Milliarden sein. Tschernobyls „Todeszone“ erstreckt sich über einen Radius von etwa 30 Kilometern um den zerstörten Reaktor. SARS-CoV-X oder irgendein anderes teuflisches Biotech-Konstrukt hingegen könnte den gesamten Planeten unbewohnbar machen – oder in eine unmenschliche Hygienediktatur verwandeln, aus der es kein Entrinnen mehr gibt. Wen juckt dann noch ein „CO2-Fußabdruck“ und dergleichen? (Harald Wiesendanger) Anmerkung 1  Prionen sind entartete Eiweiße, die bei Menschen und Tieren Krankheiten auslösen können; anders als Viren, Bakterien oder Pilze verfügen sie über keine DNA bzw. RNA. Sie vermehren sich nicht durch Teilung, sondern dadurch, dass sie in benachbarten Molekülen Veränderungen induzieren. Titelbild: Freepik

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© 2021 by Harald Wiesendanger

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