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  • NNT? Frag danach.

    Bevor wir eine Arznei schlucken, eine Therapie beginnen oder uns einer medizinischen Untersuchung unterziehen, sollten wir uns stets nach der NNT erkundigen, der „ Number Needed To Treat “: Wie viele Menschen müssen sich darauf einlassen, damit sie einem einzigen nützt? Bleibt uns der Arzt die Antwort schuldig? Dann Vorsicht! Weiß er sie? Dann gibt sie allzuoft Anlass zu berechtigten Zweifeln. „60 % aller Patienten, die ein Antidepressivum bekommen, geht es daraufhin besser“: Für einen chronisch Niedergeschlagenen klingt das nach einem starken Argument, sich ein solches Medikament verordnen zu lassen. Dass der Schein trügt, wird uns klar, sobald wir die imposante Besserungsrate in die „ Number Needed to Treat “ (NNT) umrechnen: die „Anzahl der notwendigen Behandlungen“, um einem Patienten zu helfen. Dazu müssen wir zunächst wissen, wie vielen depressiven Patienten es besser geht, nachdem sie ein Placebo erhalten haben: 50 %. Der NNT ergibt sich daraus als Kehrwert der Risikodifferenz: Er beträgt 1 geteilt durch (60 % - 50 %) = 1/10, Kehrwert 10. NNT = 10? Das bedeutet: Von 10 Patienten, die ein Antidepressivum schlucken, profitiert bloß ein einziger davon. Für die übrigen Neun macht es keinen Unterschied, ob sie ein Arzneimittel bekommen oder nicht – abgesehen von Nebenwirkungen und Kosten. In Wahrheit fällt der Nutzen zumeist aber noch viel geringer aus. Denn die Prozentzahlen, aus denen sich der NNT errechnet, stammen in der Regel aus Studien der Pharmaindustrie. Diese sind häufig nicht nur mangelhaft verblindet, sondern von vornherein so angelegt , dass Versuchspersonen aus genau jener Patientengruppe kommen, die auf das zu prüfende Medikament ohnehin am wahrscheinlichsten anspricht. Und falls diese Trickserei noch nicht ausreicht, erwünschte Ergebnisse zu liefern? Macht nix: Je geringer die festgestellte Differenz zwischen Behandlungs- und Placebogruppe, desto eher bleibt die Studie unveröffentlicht. Armutszeugnis für vermeintliche „Vorsorge“ Wie gut helfen Medikamente präventiv  – wie wahrscheinlich ist es, dass sie einer Erkrankung vorbeugen? Hier fällt die NNT in der Regel noch viel größer aus. Betrachten wir beispielsweise Statine: Arzneimittel, die Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindern sollen, indem sie den Cholesterinspiegel senken. (Näheres über dieses Marketing-Märchen hier » ) In einer vom altehrwürdigen Fachjournal Lancet  veröffentlichten Untersuchung erhielten Hochrisikopatienten – schon vor Studienbeginn litten sie an Angina pectoris und/oder hatten einen Herzinfarkt erlitten -, fünf Jahre lang das Statin Simvastatin. (1) Am Ende stellte sich heraus: Bei jedem dreißigsten Teilnehmer ließ sich dadurch ein Todesfall verhindern – immerhin, so mag mancher Leser beeindruckt kommentieren. Allerdings sollte er berücksichtigen: Obwohl die Probanden offenkundig in Lebensgefahr waren, bekam während der fünf Studienjahre nur jeder Dritte Aspirin – ein geradezu unmoralisches Versäumnis, denn in der „Sekundärprävention“, bei schon Betroffenen, kann ASS das relative Risiko für erneute Infarkte und ischämische Schlaganfälle um 50 bis 70 % senken . Zudem rauchte jeder Vierte weiterhin – bekanntlich einer der ärgsten kardiovaskulären Risikofaktoren. Hätte man den Studienteilnehmern nicht erheblich billiger und nicht minder effektiv das Leben retten können, wenn man ihnen anstelle von Statinen einfach Aspirin verabreicht und das Rauchen abgewöhnt hätte? Mietmäuler der Pharmaindustrie preisen Statine sogar schon für Gesunde an. Dafür scheint eine Meta-Analyse von acht Studien zu sprechen, derzufolge die Cholesterinsenker die Gesamtsterblichkeit um 16 % verringerten. Diese Zahl schindet Eindruck, sagt aber beinahe nichts über den präventiven Nutzen aus, solange offen bleibt, wie hoch die Sterberate bei Unbehandelten ausfällt. In den acht berücksichtigten Studien lag sie bei 2,8 %. Welcher NNT entspricht diesem Verhältnis? 223. Das bedeutet: Um einen einzigen Todesfall zu verhindern, müssten 223 Personen mit Statinen behandelt werden (2) – eine eher erbärmliche Relation von Aufwand und Ertrag. Mit einer NNT von 25 bis 100 kommen Betablocker , verabreicht nach Infarkt zur Vermeidung vorzeitigen Ablebens, auch nicht gerade vertrauenserweckend daher. Impfungen schneiden ebenfalls alles andere als prächtig ab: Bei über 65-Jährigen müssen sich bis zu 71 gegen Influenza “piksen” lassen, um einem einzigen eine Hospitalisierung zu ersparen . In derselben Altersgruppe müssten 3600 bis 5000 Personen das PCV13-Vakzin gegen Pneumokokken erhalten, um einen einzigen Fall von invasiver Infektion zu verhindern . “Eindrucksvoll wirksam” sieht anders aus. Was nützten die Covid-“Impf”stoffe? Der hochangesehene griechisch-amerikanische Mediziner, Epidemiologe und Statistiker John Ioannidis nimmt ein Verhältnis von 1 vermiedenem Todesfall pro 5400 Impfdosen an; hierbei greift er vermutlich zu hoch, weil er von fragwürdigen Modellen und Sekundärdaten ausgeht, nicht von tatsächlich beobachteten Fällen. Bei unter 30-Jährigen vermutet Ioannidis 1 gerettetes Leben pro 100.000 Dosen: eine Relation, die angesichts der üblen Nebenwirkungen – von Myokarditis über Thrombosen und allergische Schocks bis zu neurologischen Ausfällen - ein bezeichnendes Licht auf die unsägliche Corona-Impfkampagne wirft.   Mit NNT gegen Werbetricks All diese Beispiele führen vor Augen, weshalb das Arznei-Telegramm  in der NNT eine wichtige “Hilfe für Therapieentscheidungen” sieht : Ärzte lassen sich häufig von Studien leiten, die Wirksamkeitsbehauptungen auf relative  Risikoreduktion (RRR) stützen. Diese besagt, wie stark eine medizinische Maßnahme die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung im Vergleich zur unbehandelten Gruppe prozentual senkt.  Mit diesem RRR-Wert lässt sich mächtig Eindruck schinden - er täuscht aber, weil er vom Ausgangsrisiko abhängt. Absolute Risikoreduktion (ARR) zeigt hingegen die echte Differenz  in Prozentpunkten: Um wieviel verringert sich die Gefahr dank der Maßnahme denn wirklich? Nehmen wir beispielsweise einen neuen Impfstoff gegen eine Krankheit, die – wie zumeist – nur wenige Menschen tatsächlich trifft. Gesetzt der Fall, in einer Studie mit 10.000 Personen erkranken ohne Impfung 50, mit Impfung 20. Demnach senkt der Impfstoff das relative Erkrankungsrisiko um 60 %, was nach einem Riesenerfolg klingt. (Nach diesem Strickmuster konstruierten Pfizer & Co. hanebüchene Wirksamkeitsversprechen für ihre Covid-Spritzbrühen.) In Wahrheit profitieren aber nur 30 von 10.000 Geimpften – das absolute Risiko sinkt also bloß um 0,3 %. Dafür öffnet die NNT die Augen: Um eine einzige Person wirksam zu schützen, mussten sich 333 unnötig “piksen” lassen. “NNT”, lobt das Arznei-Telegramm , “macht den Unterschied zwischen Werbe-Tricks und Realität klar”, beruhend auf einer simplen Tatsache: Je niedriger die NNT, desto wahrscheinlicher der Therapieerfolg. NNT ergänzt relative Risikoreduktionen, die oft in die Irre führen . Deshalb empfahl David Sackett (1934-2015) – der kanadische Arzt und Epidemiologe, der als Begründer der Evidenzbasierten Medizin gilt -, NNT als intuitiv einleuchtende Maßzahl: „Die NNT gibt an, wie viele Patienten behandelt werden müssen, um bei einem einzigen das gewünschte Ergebnis zu erzielen – eine Zahl, die Ärzte und Patienten unmittelbar verstehen können.“ Weitere Entscheidungshilfen: NNH und NNS Nicht minder aufschlussreich ist die “Number Needed to Harm” (NNH):  Wie viele Personen müssen sich einer Behandlung unterziehen, bis durchschnittlich eine davon einen Schaden erleidet, z.B. eine massive Nebenwirkung? Bei sehr hohen NNH-Werten ist das Risiko hierfür gering, besonders niedrige NNH-Werte warnen vor einem recht hohen Risiko. Bei SSRI-Antidepressiva wie Sertralin und Paroxetin beispielsweise sind NNHs zwischen 5 und 20 typisch: Jeder fünfte bis 20. Patient bricht die Therapie wegen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Müdigkeit und sexueller Dysfunktion ab. Kaum ein Arzt versäumt es, seine Patienten bei jeder Gelegenheit zu ermahnen, wie wichtig “Vorsorge” sei. Darunter versteht er in der Regel nicht etwa eine Lebensweise, die ihn überflüssig macht, weil sie Krankheiten erst gar nicht entstehen lässt – sondern abrechnungsfähige Untersuchungen, um Krankheiten festzustellen, nachdem sie bereits ausgebrochen sind oder sich zumindest schon in gewissen abnormen Parametern abzeichnen. Wie hilfreich solche Maßnahmen wirklich sind, könnte ihre NNS  verraten, die “Number Needed to Screen”.  Für die Mammographie beträgt sie 746. Das bedeutet: Um einen einzigen Todesfall durch Brustkrebs zu verhindern, müssten über einen Zeitraum von zehn Jahren 746 Frauen pro Jahr untersucht werden. Für die Koloskopie , zur Vermeidung von Darmkrebs? 455. Für PSA-Tests zur Prostatakrebs-Vorsorge? 742 bis 1000. Und für Knochendichte-Messungen, damit man Osteoporose früher entdecken und behandeln kann, um Brüche zu vermeiden? In der großen britischen SCOOP-Studie mit 70- bis 85-jährigen Frauen sank das absolute Risiko, sich in den darauffolgenden fünf Jahren eine Hüftfraktur zuzuziehen, um 0,9 %. Dem entspricht ein NNS von 111 . Das heißt: Man müsste 111 ältere Frauen screenen – und gegebenenfalls behandeln -, damit eine einzige  von ihnen in den nächsten Jahren keinen Hüftbruch erleidet, zu dem es ohne Screning gekommen wäre. Was ist von einem Arzt zu halten, der diese aufschlussreichen Werte nicht kennt, sie ignoriert, seinen Patienten verschweigt? Verpflichtet ihn das Gebot der  “ Informierten Einwilligung ” nicht dazu, sie vorab mitzuteilen? Er handelt fachlich und ethisch fragwürdig. Denn NNT, NNH, NNS machen Risiken und Nutzen greifbar, sie sind essenziell für fundierte Entscheidungen. Punkt. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1)  Unter dem Handelsnamen Zocor  kam Simvastatin in Deutschland 1990 in die Apotheken. Der weltweite Umsatz seit Markteinführung, Generika nach Patentablauf ab 2006 inbegriffen, wird auf 40 bis 60 Milliarden US-Dollar geschätzt. (2)  Berechnungsgrundlage: Die Sterberate in der unbehandelten Gruppe beträgt 2,8% (Risiko rc = 0,028).​ Durch die relative Risikoreduktion (RRR) von 16% sinkt das Risiko in der behandelten Gruppe auf rt = rc × (1−0,16) = 0,028 ×0,84 = 0,02352 oder 2,352 %.​Die absolute Risikoreduktion (ARR) ist ARR = rc –rt =0,00448 oder 0,448%.​ NNT = (1 geteilt durch ARR) minus (1 geteilt durch 0,00448) ungefähr gleich 223. Diese NNT ist typisch für Statine in der Primärprävention bei niedrigem Ausgangsrisiko (z. B. 2,8% Sterberate), wo der absolute Nutzen klein ist, während er bei höherem Risiko (Sekundärprävention) niedriger ausfällt (z. B. NNT 50–100).

  • Die große Cholesterin-Lüge

    Seit über einem halben Jahrhundert verteufelt die Pharmaindustrie ein lebenswichtiges Molekül: Cholesterin. Erhöhte Werte machen herzkrank und bringen uns dem Tod näher, so redet man uns ein – also gilt es, sie zu senken. Medikamente hierfür sorgen, mit fatalen Nebenwirkungen, für weltweite Jahresumsätze im zweistelligen Milliardenbereich. Behandelte ahnen nicht: In Wahrheit sind es eher zu niedrige Cholesterinwerte, die ihre Gesundheit gewaltig gefährden. Kürzlich schien es mir an der Zeit, mich von meiner Hausärztin mal wieder gründlich durchchecken zu lassen. Dazu gehörte ein großes Blutbild. Gemäß Laborblatt lagen von 30 gemessenen Werten 27 im Normbereich, besorgniserregend waren nur drei: Mein Glukose-Wert hätte zwischen 55 und 100 mg/dl liegen sollen, er betrug aber 103. (Ich nasche zuviel.) Noch auffälliger: Mein LDL-Cholesterin lag mit 171 mg/dl über dem tolerablen Wert „bis 160“, mein Gesamtcholesterin (CHOL) mit 236 jenseits der Obergrenze von „200“. „Das müssen wir unbedingt weiter beobachten“, meinte die Ärztin stirnrunzelnd. Warum müssen wir das? Schließlich ist Cholesterin kein Gift, sondern ein fettähnlicher Naturstoff, auf den ich lebensnotwendig angewiesen bin. Wozu braucht ihn mein Körper? Für Zellmembranen: Cholesterin macht sie stabil – nicht zu starr, nicht zu durchlässig. Wie ein Bodyguard verhindert es, dass die Zellhülle zu einem löchrigen Sieb wird oder wie Beton aushärtet. Für Hormone: Viele entstehen aus Cholesterin, z. B. das Stresshormon Cortisol, Östrogen und Testosteron. Für die Verdauung: Die Leber baut Cholesterin zu Gallensäuren um, welche Nahrungsfette im Darm aufnehmen helfen. Für Vitamin D: Mein Körper bildet es aus einer cholesterinähnlichen Vorstufe in der Haut, unter Einfluss von Sonnenlicht. Für das Nervensystem: Cholesterin ist ein wichtiger Bestandteil der Myelinscheide, die Nervenfasern elektrisch isoliert und eine schnelle Erregungsleitung ermöglicht. Woher kommt Cholesterin? Den Großteil stellt der Körper selbst her, vor allem in der Leber, teilweise auch im Darm. Einen kleineren Teil nehmen wir über die Nahrung auf, z. B. mit Eiern, Innereien, Fleisch und Wurstwaren, Milchprodukten und Meeresfrüchten. Fett löst sich nicht in Wasser. Damit Cholesterin im wässrigen Blutstrom mitschwimmen kann, wird es in speziellen „Verpackungen“ transportiert, sogenannten Lipoproteinen. Die äußere Hülle dieser hochkomplexen, kugelförmigen Teilchen ist “hydrophil”, sie besteht aus wasserfreundlichen Stoffen. Rufmord an LDL – Vom Lieferhelden zum Gefäß-Zombie Von diesen “Lieferwagen” sind verschiedene Typen unterwegs; die beiden wichtigsten sind -   LDL ( Low-Density Lipoprotein ): Es befördert Cholesterin aus der Leber in den restlichen Körper. -   HDL ( High-Density Lipoprotein ) ist am Rücktransport zur Leber beteiligt. HDL gilt als „gut“: Wie eine „Müllabfuhr“ nimmt es Cholesterin aus den Wänden der Blutgefäße auf, bevor es sich dort festsetzt und für Verengungen sorgt. Und LDL? Ohne seine Transportdienste wäre der Stoffwechsel massiv gestört. Trotzdem: Wenn ein Molekül einen PR-Berater nötig hätte, dann dieses. Denn es gilt es als „schlecht“: Indem es sich in Gefäßwänden ablagert, begünstigt es Arteriosklerose, „Arterienverkalkung“, so heißt es. Schreitet diese zu weit fort, drohen Herzinfarkt und Schlaganfall. Um solchen Katastrophen vorzubeugen, müsse man den LDL-Wert möglichst niedrig halten, wie angehenden und praktizierenden Ärzten eingeschärft wird, zur Weitergabe an Milliarden von Medizinlaien. Hierfür bietet die Pharmaindustrie vielerlei synthetische Cholesterinsenker, allen voran Statine: Indem sie ein bestimmtes Enzym blockieren, bremsen sie die Cholesterinproduktion in der Leber, woraufhin diese mehr LDL aus dem Blut fischt. (1) Seit sie in den späten 80-er Jahren auf den Markt kamen, haben sie sich zu Kassenschlagern entwickelt, mit denen allenfalls noch Blutgerinnungshemmer, Onkologika, Antidiabetika und Abnehmmittel mithalten können: 1987 wurde mit Statinen 1 Milliarde US-Dollar umgesetzt, im Jahr 2000 waren es schon 13,25 Milliarden, 2025 17 Milliarden. Bis 2032 könnten es über 24 Milliarden US-Dollar werden , womöglich sogar 53,5 Milliarden . Quellen s. Anm. 2. In den 1970-ern waren 300 mg/dl okay, heute herrscht ab 200 wachsende Panik. Je niedriger die Cholesterin-Grenzwerte, desto besser floriert das Business mit synthetischen Cholesterinsenkern. Auf dem Spiel stehen zweistellige Milliardenumsätze pro Jahr. Davon auch nur ein einziges Prozent abzuzwacken, um maßgebliche Experten in Gremien und Fachgesellschaften rund um den Globus unwiderstehlich zu korrumpieren, ist zweifellos ein cleveres Investment mit traumhafter, bombensicherer Rendite. (3) Quellen s. Anm. 4   Da bleibt ein dicker Batzen übrig, mit dem Marketingprofis jedem Otto Normalversteher eine Heidenangst einjagen können. Er soll kapieren: Das Cholesterin muss runter, auf Teufel komm raus – andernfalls droht früher oder später ein ganz schlimmes Ende. Um es zu verhindern, schlagen Mediziner mit einer mutmaßlichen Pharmanähe vom Durchmesser einer Plaque allen Ernstes vor, jeder über 50 solle Statine einnehmen, zumal sie frei von Nebenwirkungen seien. Gewiss träumt mancher sogar davon, sie wie Chlor und Fluorid präventiv dem Trinkwasser beizumischen – oder zumindest im Supermarkt anzubieten. „Pfizer Water“, wahlweise still oder prickelnd, pur oder aromatisiert. Wie wunderbar Statine vorbeugen und heilen, belegt gekaufte „ Evidenz “ schließlich eindrucksvoll: Bis zu 80 % der Statin-Studien sind industriefinanziert , womöglich bis zu 100 % verschwinden unter dem Teppich, falls sie unerwünscht ausgehen. Geleugnet, vertuscht, in Verruf gebracht: die Wahrheit, die Geschäfte stört Dass der Angstporno mittels Cholesterin obszön weit danebenliegt, führen Dutzende hochwertiger Studien seit Jahrzehnten vor Augen – man muss sie bloß sehen wollen. Wie viele Ärzte sind kritisch und neugierig genug, sie zu recherchieren, geschweige denn der durchschnittliche Patient? In Wahrheit ist zuwenig Cholesterin bei weitem gefährlicher als zuviel. Die teuren Chemikalien, die es senken sollen, richten bei minimalem Nutzen maximalen Schaden an. Die Beweislage hierfür ist überwältigend. Vorzeitiger Tod auf Rezept Zuwenig Cholesterin ist tödlich. NHANES , eine bahnbrechende Analyse von über 19.000 erwachsenen US-Amerikanern, brachte zum Vorschein: Bei einem LDL-Cholesterinspiegel unter 70 mg/dl liegt das Sterberisiko um 37 % höher als bei einem Wert zwischen 100 und 129 mg/dl – selbst nach Berücksichtigung sonstiger Gesundheitsfaktoren wie Alter, Geschlecht, Rasse, Familienstand, Bildung, Rauchen und BMI. Eine koreanische Studie mit 12,8 Millionen Erwachsenen ergab: Die niedrigste Gesamtsterblichkeit - die Anzahl aller Todesfälle innerhalb eines Beobachtungszeitraums von 9 bis 13 Jahren – war bei jenen Teilnehmern zu verzeichnen, deren CHOL-Spiegel zwischen 210 und 249 mg/dl lag. Mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit starben jene mit Werten unter 180 bis 200 mg/dl. Dieses beunruhigende Muster bestätigte eine dänische Studie mit über 108.000 Teilnehmern über 20 Jahren. Ihr Sterberisiko je nach Cholesterinwert folgte einer U-förmigen Kurve: Nicht nur extrem hohe Werte, auch extrem niedrige erhöhten es. Als optimal erwies sich ein mittlerer Wert. Am auffälligsten versagt der Cholesterin-Mythos bei Senioren. Mehrere Studien mit über 65-Jährigen verzeichneten unter jenen mit dem niedrigsten LDL- und Gesamtcholesterinspiegel durchweg höhere  Sterberaten. Hingegen wirkt ein höherer Cholesterinspiegel im hohen Alter eher schützend als schädlich. Selbst in der Altersgruppe über 80 Jahren bestätigte sich dieser Zusammenhang. Eine 1997 in Lancet erschienene Studie untersuchte 724 Teilnehmer ab 85 Jahren. Während der zehnjährigen Nachbeobachtungszeit vom 1. Dezember 1986 bis zum 1. Oktober 1996 starben insgesamt 642 von ihnen. Jeder Anstieg des Gesamtcholesterins um 1 mmol/L entsprach einem Rückgang der Sterblichkeit um 15 %. (5) Die Schlussfolgerung daraus liegt auf der Hand: Chronisch niedrige Cholesterinwerte signalisieren gesundheitliche Einschränkungen, welche die Lebensdauer verkürzen. Aber belegen manche Studien nicht, dass Statine lebensverlängernd wirken? Je älter wir sind, desto dürftiger fällt dieser vermeintliche Nutzen aus. Senioren, die nicht einer Herzkrankheit erliegen, sterben ganz gewiss eher früher als später an etwas anderem. Ein 65-jähriger Nichtraucher mit einem Cholesterinspiegel von 193 mg/dl kann mit drei zusätzlichen Lebensmonaten rechnen , falls er bis zum letzten Atemzug ein Statin schluckt. Das ist nicht gerade viel, erst recht nicht, wenn er während des “gewonnenen” Vierteljahrs inkontinent und dement in einem Pflegeheimbett liegt und eine Arznei bevorzugen würde, die seinem Elend ein Ende setzt. Statine verlängern Leben? Am ehesten das der Aktionäre. „Herzgesund“ hirntot Ein besonders niedriger Cholesterinspiegel erhöht das Risiko für Hirnblutungen dramatisch. Überzeugend belegt dies eine großangelegte prospektive US- Studie  an knapp 28.000 Frauen, an der auch die Berliner Charité mitwirkte. Innerhalb des mittleren Beobachtungszeitraums von 19,3 Jahren trugen Teilnehmerinnen mit einem LDL-Wert unter 70 mg/dl ein mehr als doppelt so hohes Risiko, einen hämorrhagischen Schlaganfall zu erleiden – eine akute Hirnblutung aufgrund eines geplatzten Blutgefäßes - als Frauen mit einem LDL-Spiegel zwischen 100 bis 129 mg/dl. Ein bloß leicht erhöhter LDL-Wert vergrößerte das Risiko hingegen nicht . Weitere Forschung bestätigte diese Zusammenhänge. Analog zeigten mehrere Studien, dass Herzerkrankungen nicht  seltener auftreten, wenn der Cholesterinspiegel sinkt. (6) Cholesterin gnadenlos zu senken, erwies sich in klinischen Studien als fatal für die Herzgesundheit. In Stichproben von aggressiv behandelten Patienten häuften sich hämorrhagische Schlaganfälle – selbst wenn ischämische zurückgingen, d.h.solche, bei denen die Blutzufuhr zu Teilen des Gehirns plötzlich unterbrochen wird, meist wegen eines Blutgerinnsels oder einer Gefäßverengung, was dazu führt, dass Nervenzellen absterben. Ein extrem niedriger Cholesterinspiegel schwächt offenbar die Wände der Blutgefäße oder beeinträchtigt deren Reparatur, wodurch sie eher reißen oder platzen. Was sagt es über die vermeintliche “ Evidenzbasierung ” der Kardiologie, wenn dessen ungeachtet das Dogma von der Notwendigkeit einer Cholesterinsenkung fortbesteht? Aber war da nicht jene als wegweisend gefeierte randomisierte kontrollierte “4S”-Studie von 1994 mit knapp 4500 Teilnehmern, die den Nutzen des Statins Simvastatin – Handelsname Zocor - bei Herzpatienten eindrucksvoll belegt haben soll? Bei Hochrisikopatienten senkte es die Mortalität angeblich um 30 %. Tatsächlich? Vollständig finanziert wurde dieser “Wegweiser” vom Hersteller, dem Pharmagiganten Merck; mehrere Autoren kassierten Geld von Merck als Berater, Referenten oder Forscher. (7) Wer kennt irgendeinen “ Meilenstein der Kardiologie und Evidenzbasierten Medizin”, der mit absoluter Sicherheit nicht  auf diese Weise zustande kam? Pharmazeutischer Frontalangriff aufs Gehirn Kein Organ enthält mehr Cholesterin als unser Gehirn: ein Viertel der Gesamtmenge, obwohl das Gehirn nur 2% der Körpermasse ausmacht. Allein schon dieser Sachverhalt lässt ahnen, welch überragende Bedeutung ihm zukommt. Cholesterin stabilisiert Zellmembranen von 100 Milliarden Neuronen, hält sie flexibel und unterstützt die Signalübertragung an Synapsen, den Kontaktstellen zwischen Nervenzellen. Cholesterin ist Baustein der Myelinscheide, die Nervenfasern isoliert und die schnelle Impulsleitung ermöglicht – ein Mangel würde die Gehirnfunktion stark beeinträchtigen. Es dient als Vorläufer für Hormone, Neurotransmitter und Vitamin D im Gehirn, beeinflusst Lernen und Gedächtnis. Störungen begünstigen neurologische Erkrankungen. Weil Cholesterin zu groß ist, um ins Gehirn zu gelangen, synthetisieren Gliazellen - die Stützzellen des Nervensystems - es erst dort. Statine behindern sie leider dabei. Was passiert mit dem Supercomputer unter der Schädeldecke, wenn Pharmaunternehmen Ärzte davon überzeugen, den Cholesterinspiegel ihrer Patienten in den Keller zu treiben? Bei einem Großteil der Statin-Anwender lassen sich zumindest leichte geistige Beeinträchtigungen feststellen . Es häufen sich Amnesie, Vergesslichkeit, Verwirrung, Desorientierung. Im März 2020 erschien in Frontiers in   Aging Neuroscience, der meistzitierten Fachzeitschrift für Altersmedizin, eine bemerkenswerte Studie mit Menschen, deren Cholesterinwerte im „wünschenswerten“ Bereich unter 200 mg/dl lagen. Der schockierende Befund: Bei Gesamtcholesterinwerten unter 160 mg/dl schnitten Teilnehmer bei kognitiven Tests deutlich schlechter ab. Stark nachgelassen hatte ihre „semantische Flüssigkeit“, d.h. die Fähigkeit, innerhalb kurzer Zeit möglichst viele Wörter zu einer gegebenen semantischen Kategorie zu nennen, z. B. "Tiere" oder "Berufe". Ihren Hippocampus – das Gedächtniszentrum des Gehirns – erwiesen Hirnscans als geschrumpft. Wie der US-Arzt Duane Graveline in seinem vorzüglichen Buch The Statin Damage Crisis  (2014) enthüllt, „wusste das Management von Pfizer bereits vor über einem Jahrzehnt, während der ersten klinischen Studie mit Lipitor am Menschen, von den kognitiven Auswirkungen, die mit der Markteinführung von Lipitor zu erwarten waren.“ (Der als „Lipitor“ 1997 eingeführte Wirkstoff Atorvastatin galt bis 2017 mit einem Gesamtumsatz von 142 Milliarden US-Dollar als umsatzstärkstes Medikament weltweit.) “Von den 2.503 Patienten, die mit Lipitor getestet wurden, litten sieben unter vorübergehenden globalen Amnesieanfällen und vier weitere unter anderen Formen schwerer Gedächtnisstörungen, insgesamt also 11 von 2.503 Testpatienten. Das entspricht einer Rate von 4,4 Fällen schwerer kognitiver Verluste pro 1000 Patienten, die das Medikament einnahmen. Den Tausenden von Ärzten, die das Medikament bald verschreiben würden, wurde kein Wort davon mitgeteilt.“ Wenn allein in Deutschland rund 2,7 Millionen den Lipitor-Wirkstoff Atorvastatin schlucken – dessen Marktanteil an Lipidsenkern liegt hierzulande bei 56 % -, so wären darunter rund 12.000, die aus eigener Erfahrung wissen, was Graveline erleben musste. Chemischer Anschlag auf die Psyche Zuwenig Cholesterin verringert aber nicht nur die geistige Leistungsfähigkeit – es sorgt für psychische Störungen, wie schon eine 1993 in Lancet veröffentlichte Studie nachwies. Bei über 70-jährigen Männern mit niedrigem Cholesterinspiegel wurde eine schwere Depression dreimal häufiger diagnostiziert als bei Männern mit höheren Werten. Dies bestätigte sich in einer weiteren Untersuchung an Männern mittleren Alters. Gleiches gilt für das weibliche Geschlecht. Im Jahr 1998 berichteten schwedische Forscher: Unter 300 gesunden Frauen im Alter von 31 bis 65 litten jene mit dem niedrigsten Cholesterinspiegel – im unteren Zehntel der erfassten Werte -  deutlich häufiger an depressiven Symptomen als die anderen. Mehrere Reviews und Meta-Analysen belegen andererseits: Ein höherer Gesamtcholesterinspiegel geht mit einem geringeren Depressionsrisiko einher . Besonders beunruhigend: Zuwenig Cholesterin erhöht offenbar die Suizidgefahr. In der aufwändigen MRFIT-Studie (8) mit über 361.000 Männern zeigte sich ein deutlich höheres Risiko für Selbstmord bei einem Gesamtcholesterinspiegel unter 160 mg/dl. Das gleiche Muster zeigte sich bei bipolaren Patienten und Psychiatrie-Insassen. (9) Die Gefahrenschwelle liegt, je nach Studie, zwischen 150 bis 180 mg/dl Gesamtcholesterin. Wie könnte es dazu kommen? Damit die Serotonin-Rezeptoren im Gehirn funktionieren, ist Cholesterin unerlässlich. Wenn der Cholesterinspiegel zu stark absinkt, lässt auch die Serotonin-Aktivität nach. Das begünstigt Depressionen. Zuwenig Cholesterin schwächt das Immunsystem Ärzte, die den Cholesterinspiegel ihrer Patienten aggressiv senken, schwächen damit deren natürliche Abwehrkräfte. Denn für das Immunsystem ist Cholesterin unerlässlich. Hat der Körper zuwenig davon, wird er wehrlos gegen Infektionen. LDL-Partikel transportieren nicht nur Cholesterin, sondern binden und neutralisieren Giftstoffe gefährlicher Bakterien. “Lipide spielen eine Schlüsselrolle im Kampf zwischen Wirt und Mikroorganismen”, so heißt es in einer Übersichtsarbeit. Studien belegen: Gesunde Personen mit niedrigen LDL-Werten leiden signifikant häufiger an Infektionskrankheiten als jemand mit normalen oder hohen LDL-Werten. Ihr Risiko für Krankenhausaufenthalte aufgrund von Infektionen, Lungenentzündungen und Sepsis ist deutlich erhöht. Bei Patienten mit Nierenerkrankungen zeigte sich: Ein höherer LDL- und HDL-Spiegel ist mit einem geringeren Risiko für den Tod durch Infektionen verbunden, während Patienten mit niedrigen Lipidwerten die höchste Infektionssterblichkeit aufweisen . Patienten, die mit Cholesterinwerten im untersten Fünftel der Gesamtverteilung auf die Intensivstation kamen, trugen ein um 46 % höheres Risiko, dort zu sterben, als diejenigen im obersten Quintil. Viele dieser Todesfälle waren auf Sepsis und Multiorganversagen zurückzuführen – Erkrankungen, bei denen Cholesterin dazu beiträgt, entzündliche Schäden zu mildern. Zuwenig Cholesterin fördert Krebs Ein geschwächtes Immunsystem kann abnorme Zellen nicht mehr effektiv erkennen und eliminieren. Das begünstigt deren unkontrolliertes Wachstum – Krebs. Wie vielen Patienten ist klar, dass ein niedriger Cholesterinspiegel durchweg mit höheren Krebsraten und einer höheren Krebssterblichkeit einhergeht ? Bei 172.210 Männern und Frauen, die 19 Jahre lang nachbeobachtet wurden, lag die kritische Schwelle bei 160 bis 180 mg/dl: In der Teilgruppe mit darunter liegenden Cholesterinwerten häuften sich Krebsfälle. (10)  Pro 10 mg/dl Cholesterin-Anstieg sinkt Krebsmortalität um 13%; Werte unter 161,5 mg/dl erhöhen das Risiko, an Krebs zu sterben, um 76%. Eine Meta-Analyse von Studien, die zusammengerechnet knapp 97.000  Patienten einbezog, wies nach: Pro 10 mg/dl LDL-Abfall infolge von Statinen kommt es zu 2,2 Krebsfällen mehr pro 1000 Personen. Pharmanahe Opinion Leaders  der Onkologie tun den Zusammenhang als „umgekehrte Kausalität“ ab: In Wahrheit seien es Krebserkrankungen, die den Cholesterinspiegel senken. Gegen diese Erklärung spricht: Niedriges Cholesterin korreliert schon viele Jahre vor der Krebsdiagnose mit einem höherem Risiko, nicht erst kurz davor. Statine: Wenig Nutzen, maximaler Schaden Cholesterinsenker einzusetzen, kann vorübergehend durchaus Sinn machen, um bei Hochrisikopatienten exorbitant hohe Werte zu korrigieren. Ansonsten überwiegen nicht nur die erwähnten Risiken, sondern auch üble Nebenwirkungen. Eine Vielzahl von Komplikationen findet sich in der medizinischen Literatur ausgiebig dokumentiert. (11) Je nach Studie erleiden sie 5 bis 30 % aller Behandelten. Unter Erwachsenen aller Altersgruppen brechen 47 % innerhalb eines Jahres die Einnahme ab, unter Senioren 44.7 % - obwohl ihre Ärzte sie zumeist massiv unter Druck setzen, das Zeug unbedingt weiterhin zuschlucken. Zu den Nebenwirkungen, die Patienten hierzu veranlassen, zählen -  andauernde Müdigkeit und rasche Erschöpfung, vor allem nach körperlicher Anstrengung . Unter männlichen Statin-Anwendern klagen 20 % darüber, unter weiblichen 40 %. -   Muskelschmerzen. (12) In einer Umfrage unter derzeitigen Statin-Anwendern gaben 25 % Muskelbeschwerden als Nebenwirkung an .- und 60 % der ehemaligen. -  Taubheitsgefühle -  plötzlicher Hörverlust -  Magen-Darm-Beschwerden -  Interstitielle Zystitis (Blasenschmerzsyndrom), eine chronische, nicht-bakterielle Entzündung der Harnblasenwand, die starke Schmerzen, Harndrang und häufiges Wasserlassen verursacht. -  Schlafstörungen -  erhöhte Reizbarkeit -  Depression, Verwirrung, Aggression, Gedächtnisverlust (13) Weil jeder Mensch Arzneimittel unterschiedlich resorbiert und verstoffwechselt, fallen Nebenwirkungen in Einzelfällen noch weitaus heftiger aus. Immer beginnt der Spuk unmittelbar nach Einnahme des Medikaments – und verschwindet wieder, sobald es abgesetzt wird. Wirkt hier ein „ Nocebo-Effekt “? Glauben Menschen bloß deshalb, dass Statine ihnen schaden, weil sie sich die Schädlichkeit einreden – wegen der Warnhinweise im Beipackzettel oder Alarmismus in sozialen Medien? Aber in der Regel rechnen Patienten keineswegs damit, dass Empfindungen wie Muskelschmerzen mit Statinen in Verbindung stehen, bis sie diese selbst erleben. Erst dann  suchen und finden sie Informationen, die ihren Verdacht bestätigen. Ähnlich veralbert müssen sich Statin-Geschädigte vorkommen, wenn sie Wissenschaftler verbreiten hören, dass so gut wie alle erlebten Nebenwirkungen auch durch die Einnahme eines Placebos ausgelöst werden können – was beweise, dass es gar nicht die Medikamente selbst sind, die sie hervorrufen. Dies behauptet jedenfalls ein sage und schreibe 150-köpfiges Autorenteam, das “von einem unabhängigen Aufsichtsgremium überwacht ” worden sein soll, in einer am 5. Februar 2026 in Lancet  veröffentlichten Meta-Analyse von 23 “hochwertigen” Studien mit zusammengerechnet rund 155.000 Teilnehmern. In die Lektüre des Artikels sollte man unbedingt dessen ellenlange “ Declaration of interests ” einbeziehen; sie lassen erahnen, wie innigst ein Großteil der Autoren mit Big Pharma finanziell verbandelt ist. Wie kann es sein, dass es Milliarden Patienten trotz solcher Nebenwirkungen bevorzugen, pillenschluckend gewisse Laborwerte zu optimieren, anstatt sich zu fragen, welches Plus an Lebensqualität ihnen ihre Compliance bringt? Andere verhängnisvolle Folgeerscheinungen von Statinen kann ein Patient nicht unmittelbar oder erst viel später wahrnehmen: -  Typ-2-Diabetes (14), besonders bei Frauen (15) -  Krebs (16) -  Funktionsstörungen der Leber, Leberversagen (17) -  Grauer Star (18) -  ALS-ähnliche Erkrankungen und andere zentrale Bewegungsstörungen wie Parkinson-Krankheit und zerebelläre Ataxie (19)   -  Lupus-ähnliches Syndrom   -  Anfälligkeit für Herpes zoster (Gürtelrose) (20) -  Polymyalgia rheumatica, auch Muskelrheuma genannt: eine entzündlich-rheumatische Autoimmunerkrankung bei älteren Menschen, die symmetrische Schmerzen und Steifigkeit in Schulter- und Beckengürtelmuskulatur verursacht . -  Nierenschäden (21)   -  Höher dosiert und mit anderen Medikamenten wechselwirkend, können Statine eine Rhabdomyolyse heraufbeschwören: Muskelzellen lösen sich auf, ihre Inhaltsstoffe treten in die Blutbahn aus, darunter auch Myoglobin. Wenn dieses Eiweiß die Filtereinheiten der Nieren verstopft, kann es zu akutem Nierenversagen kommen. Kurzum: Statine können dich umbringen. „Viele Statinopfer sagen, dass sie plötzlich, fast wie aus heiterem Himmel, zu alten Menschen geworden sind“, schreibt Duane Graveline. Er weiß, wovon er spricht: Selbst Hausarzt mit 23-jähriger Praxiserfahrung, entwickelte sich bei ihm kurz nach Einnahme von Statinen eine schlagartige globale Amnesie. Bei dieser besonders beängstigenden Form von Gedächtnisstörung, die zumeist nach 4 bis 8 Stunden vollständig abklingt, können Betroffene keinerlei neue Informationen speichern; sie erinnern sich nicht an die letzten Stunden oder Tage; ständig wiederholen sie dieselben Fragen, sind zeitlich desorientiert, haben Kopfschmerzen, leiden unter Schwindel und Übelkeit. Als Graveline anschließend seinen Neurologen fragte, ob das Medikament die Ursache sein könnte, erwiderte dieser fast spöttisch: „Statine verursachen so etwas nicht.“ Trotzdem setzte Graveline sie vorsichtshalber ab, rang sich nach dem nächsten unerfreulichen Gesundheitscheck jedoch erneut dazu durch, sie einzunehmen, “allerdings nur mit der Hälfte der vorherigen Dosis. Sechs Wochen später stürzte ich erneut in das schwarze Loch der Amnesie, diesmal für zwölf Stunden und mit einem retrograden Gedächtnisverlust bis zurück in meine Highschool-Zeit.” Wie entsteht Arteriosklerose wirklich? Wenn es, wie gesehen, keinen simplen Zusammenhang zwischen Cholesterin und Herzerkrankungen gibt – wie entstehen sie dann? Ein Hauptfaktor ist Arteriosklerose, keine Frage. Aber wo kommt diese her? „Einer der Tricks, um einen lukrativen Arzneimittelmarkt zu schaffen, besteht darin, der Bevölkerung eine verkaufsfördernde Überzeugung zu vermitteln, mit der sich jeder identifizieren kann”, stellt ein praktizierender US-Arzt fest, der sich hinter dem Pseudonym “ A Midwestern Doctor ” versteckt. Um an Antidepressiva zu verdienen, setzten Hersteller die freie Erfindung in die Welt, dass Depressionen von einem “chemischen Ungleichgewicht” herrühren. (22) Ähnlich, so meint der Anonymus, verhält es sich mit dem Cholesterin-Mythos. “Eine der cleversten Kampagnen, die ich in der Medizinbranche gesehen habe, ist die weit verbreitete Überzeugung, Herzerkrankungen seien auf Fett zurückzuführen, das die Arterien verstopft, ähnlich wie bei einem Abflussrohr. Auch dieser Marketing-Slogan ist bemerkenswert überzeugend, weil er leicht zu verstehen ist - so sehr, dass Menschen ohne medizinischen Hintergrund ihn selbstbewusst an andere weitergeben -, leicht vorstellbar ist und mit hoher Wahrscheinlichkeit sofort ein Gefühl des Ekels hervorruft.” Keine Frage, arteriosklerotische Plaques gibt es, sie verengen Gefäße, und sie enthalten Cholesterin. Aber werden sie durch Cholesterin verursacht ? Ganz anderer Meinung ist da der schottische Arzt Dr. Malcolm Kendrick. In seinem brillanten Buch The Clot Thickens: The Enduring Mystery of Heart Disease  (2021) zerpflückt er die orthodoxe Lehrmeinung, dass Cholesterin krank macht, indem es sich an den Innenwänden von Blutgefäßen ablagert. Er trägt ein alternatives Modell vor, das die tatsächlichen Ursachen von Herzerkrankungen erheblich besser erklärt. Dabei bestätigt sich wieder einmal: In der Pathophysiologie gibt es selten bloß Einzeltäter; es überwiegt organisierte Komplexität. 1. Eine Vielzahl von Faktoren – von Feinstaub aus Tabakrauch und Abgasen über hohen Blutdruck und Diabetes bis hin zu ständigem Stress – kann die hochempfindliche Auskleidung von Blutgefäßen, das Endothel, biochemisch und mechanisch beschädigen. 2. Zu diesen Faktoren zählt auch LDL-Cholesterin – allerdings keineswegs jedes . Denn LDL kommt in unterschiedlicher Größe und Beschaffenheit vor. Voluminöse, fluffige Partikel – “pattern A” – sind zu plump, um in die Gefäßwand einzudringen, und werden rascher abgebaut. Viel eher “atherogen”, d.h. Arteriosklerose fördernd, ist kleines, dichtes LDL, auch small dense  LDL, sdLDL, “pattern B” genannt. Während bei Gesunden das B-Muster bloß 20 bis 35 % des gesamten LDL ausmacht, können es bei Risikopatienten 65 bis 80 % sein. Übliche Lipidprofile verwischen diesen wichtigen Unterschied – ein erhöhter LDL-Wert, bei dem “pattern A” vorherrscht, kann harmloser sein als ein niedrigerer mit überwiegendem “pattern B”.  Herrschen kleine, dichte LDLs vor, so steigt das Herzinfarktrisiko um das Drei- bis Siebenfache, unabhängig vom LDL-Gesamtwert. Nichts dergleichen verriet mein Laborbefund. Spezialisierte Zentren (23) bestimmen die Anteile – für 80 bis 200 Euro, zu berappen aus eigener Tasche. 3. Besagte Risikofaktoren stoßen für LDL sozusagen die Tür auf, indem sie das Endothel durchlässiger machen: Seine Zellen quellen an, Lücken öffnen sich. Kleine, dichte LDL-Partikel – sdLDL – sind schlank genug, um durchzuschlüpfen.   4. Unter dem Endothel, in einer Zellschicht namens Intima , binden die LDL-Teilchen an Proteoglykane: komplexe Moleküle, die zur “Füllsubstanz” zwischen den Zellen in der Gefäßwand gehören. Wie ein Klettband “kleben” diese Moleküle LDL fest und verhindern, dass es zurück ins Blut gelangt. Sie bleiben in der Intima stecken. 5. Sauerstoffradikale kommen ins Spiel: Sie veranstalten einen regelrechten „Raubüberfall“. Die aggressiven „Diebe“ auf Beutezug sind instabile Moleküle, denen ein Baustein - ein Elektron - fehlt. Nun versuchen sie, sich diesen fehlenden Baustein von anderen Molekülen zu stehlen. Wenn so ein Radikal auf die Hülle des LDL-Teilchens prallt, reißt es ein Elektron aus dessen Fetthülle heraus. Diesen Vorgang nennt man Oxidation. Daraufhin setzt eine zerestörerische Kettenreaktion ein: Infolge des Diebstahls wird das LDL-Molekül wird nun seinerseits instabil und „stiehlt“ wiederum seinem Nachbarmolekül ein Elektron. Nach und nach wird die glatte Schutzhülle löchrig und zersetzt sich. Es entstehen neue, aggressive Stoffe wie Aldehyde, chemische Abfallprodukte. Durch diesen Prozess verändert sich das LDL grundlegend: Es verliert seine Identität, wird klebrig und toxisch. Die Eiweiß-Strukturen an der Oberfläche werden so stark verbogen, dass der Körper sie nicht mehr als nützliche Transporter erkennt. Die zerstörte Hülle wird extrem reaktiv. Oxidiertes LDL verhält sich jetzt nicht mehr wie ein glattes Paket, sondern wird extrem adhäsiv. Auf die Zellen der Gefäßwand wirkt es giftig. Damit nicht genug: “oxLDL” hemmt Signalwege für den Gefäßerweiterer NO, Stickstoffmonoxid. Weil oxLDL seine chemische Ladung ändert, entstehen an der Oberfläche Stellen, die wie ein Magnet auf Kalziumionen wirken, geladene Kalk-Teilchen aus dem vorbeifließenden Blut. Diese verbinden sich untereinander und mit anderen Stoffen zu Kalziumkristallen. Dadurch tritt die Arteriosklerose in ihre nächste, gefährliche Phase ein: Die Gefäße werden mit einer Schicht aus schnell härtendem Zement überzogen - und buchstäblich zu Stein. Die harten Kalkkristalle fördern Entzündungen. 6. Daraufhin senden die Gefäßwände mehrerlei chemische Hilferufe aus, um Monozyten zu alarmieren - eine bestimmte Art von weißen Blutkörperchen. (Statine blockieren diese Alarmsignale,) Als Lockstoffe fungieren Chemokine wie MCP-1; deren “Duftspur” signalisiert den Monozyten, wo sie andocken und ins Gewebe eindringen müssen. Zytokine – Botenstoffe wie IL-1 oder TNF-alpha -  befeuern die Entzündung und sorgen dafür, dass die Gefäßwand noch durchlässiger für weiteres Cholesterin wird. Auf der Endotheloberfläche werden Adhäsionsmoleküle wie VCAM-1 und ICAM-1 hochgefahren, an denen die vorbeifließenden Monozyten hängenbleiben können. Kurzum: Die Alarmsignale verwandeln die eigentlich glatte Beschichtung der Adern in eine klebrige Oberfläche, die gezielt Immunzellen aus dem Blut fischt. Diese heften sich an die Gefäßwand und dringen ein. 7. Im Gewebe angekommen, verwandeln sich Monozyten in “Fresszellen”, Makrophagen. Diese fallen über das abgelagerte LDL her. Wenn sie sich dabei mit Fett überfressen, werden sie zu sogenannten Schaumzellen, dem Hauptbestandteil von atherosklerotischen Plaques. Die Makrophagen scheiden Wachstumsfaktoren wie VEGF aus; daraufhin wachsen Endothelzellen nach und schließen die Lücke. 9. Ist die Plaquebildung fortgeschritten, so wandern glatte Muskelzellen (VSMCs) in die Intima . Sie stammen aus der darunterliegenden Media , einer   dicken Schicht aus glatter Muskulatur und elastischen Fasern – wie ein Gummiband, welches das Gefäß enger oder weiter machen kann. Um die Plaque weben sie eine schützende Kappe aus Kollagen, Bindegewebe. Das macht die Plaque stabiler, aber auch dicker. In späten Phasen sterben die VSMCs ab, die Media dünnt aus oder verkalkt. Das Gefäß verliert seine Elastizität, es wird steifer. 10. Blutgerinnsel helfen mit, Schäden zu reparieren. Reißt die Oberfläche einer Plaque auf, wird sofort die Blutgerinnung aktiviert. Fibrin – ein unlösliches Protein, das als körpereigener “Bioklebstoff” fungiert – bildet auf der beschädigten Stelle dann blitzschnell ein Netz, das rote Blutkörperchen einfängt. Diese enthalten enorm viel Cholesterin, 50 % der Gesamtmenge im Blutkreislauf. Aus ihnen formt Fibrin einen Thrombus. Wenn solche Pfropfen abreißen und im Blutstrom weiterwandern, verstopfen sie Gefäße – es kommt zum Infarkt. Wer nur auf LDL starrt, verpasst demnach das Feuer hinter dem Rauch. “Es ist nicht der Täter, eher der Beifahrer”, konstatiert der US-Neurowissenschaftler David Diamond. Der Pathologe Uffe Ravnskov pflichtet  ihm bei: "Cholesterin ist das unschuldigste Molekül der Medizin – doch seit 50 Jahren wird es gejagt wie ein Serienkiller, während Rauchen und Zucker straffrei ausgehen." Fehlschluss von Korrelation auf Kausalität An obigem atemberaubend filigranen Prozess liegt es, dass man stets auf reichlich Cholesterin stößt, wenn man die Plaques näher untersucht. Keineswegs verursacht  es die Plaquebildung – es begleitet  sie bloß hartnäckig. Nein, LDL schädigt das Endothel nicht unmittelbar – es dringt ein, nachdem andere Faktoren ihm viel zu lange übel zugesetzt haben. Danach erst wird LDL zum Verstärker – beileibe nicht jedes LDL, sondern in erster Linie das fatalerweise oxidierte. Auf welcher Art von Denkfehler beruht demnach das vorherrschende kardiologische Modell für Herzerkrankungen? Zum Vergleich: In jedem toten Körper findet sich Ptomain, das sogenannte Leichengift. Deutet dies etwa darauf hin, dass es Ptomain ist, was letztendlich uns alle umbringt? Wer so schlussfolgert, verwechselt Begleiterscheinung und Ursache. Ist es nicht paradox, dass Schulmediziner das Mantra „Korrelation ist nicht gleich Kausalität“ häufig verwenden, um alles abzulehnen, was die Orthodoxie in Frage stellt - während sie offensichtlich falsche Korrelationen zu unhinterfragbaren Kausalitäten umdeuten, solange sie die Gewinne der Medizinindustrie sichern? Wenn in Wahrheit die Gefäßschäden  das Problem sind, müsste sich der kardiologische Fokus zwangsläufig zur Frage verschieben: Was  ist es, das LDL “scharf” macht, indem es dieses verkleinert, verdichtet und oxidieren lässt? Wie lassen sich solche Folgen verhindern oder wenigstens abmildern? Die Natur hat darauf längst eine simple, pharmafreie Antwort gefunden: Lebe gesund. Gefäße natürlich schützen: Geht das? Statt Dogma braucht die Cholesterin-Debatte dringend mehr Demut vor der Biologie. Warum fragen so wenige Patienten ihre Ärzte, was sie auf natürliche Weise selber für ihre Herzgesundheit tun können, anstatt pillenschluckend die Umsätze der Pharmaindustrie arglos und bequem zu steigern? Das gelänge mit gezielter Ernährungsumstellung – mehr Ballaststoffe, Kohlgemüse und gesunde Fette, weniger Zucker, Weißmehl, rotes Fleisch und Transfette -, mit Verzicht aufs Rauchen, mit mehr Bewegung, mit Nahrungsergänzungen wie Sesam, Artischockenextrakt, Acerola, Hagebutte. (24) Gewichtsreduktion senkt sLDL um 15 bis 25 %. Tägliche Ausdaueraktivität, z. B. eine halbe Stunde Gehen, verringert den Anteil kleiner, dichter LDL-Partikel, hält Gefäße elastisch und trägt zur Rückbildung von Plaque bei, indem sie den Blutfluss verbessert. Und wenn sich arteriosklerotische Plaques schon reichlich gebildet haben? Natürliche Maßnahmen können sie nur selten vollständig beseitigen, oft aber so weit in Schach halten, dass wenig bis gar keine Medikamente zum Einsatz kommen müssen; denn sie verlangsamen ihr Fortschreiten, verbessern die Gefäßgesundheit, senken das Risiko von Infarkten und Insulten. Eine pflanzenbasierte, mediterrane Kost mit reichlich Antioxidantien und Omega-3-Fettsäuren verringert Entzündungen, die Plaques fördern. 50 ml Granatapfelsaft täglich kann die Plaque im Laufe eines Jahres um bis zu 30% verschlanken. Auch Kurkuma, Chili und Knoblauch, frisch oder als gereifter Extrakt, bauen Ablagerungen ab, ebenso wie Grüner Tee, fermentierter Kohl wie Sauerkraut oder das koreanische Kimchi, die Aminosäure L-Arginin, Omega-3, B-Vitamine, Folsäure und Vitamin C. Stressreduktion mittels Yoga oder Meditation mindert chronische Entzündungen. Auch alternative Therapieformen sind einen Versuch wert, worauf Fallberichte und kleinere Studien hindeuten: von Chelation – mit Infusionen der synthetischen Aminosäure EDTA – bis hin zu Enzymtherapie mittels Nattokinase und Serrapeptase, die den Bioklebstoff Fibrin von Plaques lösen. Um abschließend auf meine Ausgangsfrage zurückzukommen: Muss ich mir wegen meines LDL-Werts von 171, meines CHOL von 236 wirklich ernsthaft Sorgen machen? Das werde ich demnächst nochmals meine Hausärztin fragen, nachdem sie hoffentlich diesen Artikel samt Quellen auf sich wirken ließ. ( Harald Wiesendanger ) P.S.: Fürs Korrekturlesen danke ich Dr. med. Gregor Dornschneider , Facharzt für Ernährungsmedizin, und seiner Ehefrau, der Heilpraktikerin Barbara Dornschneider . Beide gehören dem Helfer-Netzwerk meiner Stiftung Auswege  an und engagieren sich in deren Therapiecamps . „Es wäre schön, der Text käme bei den ‚richtigen‘ Adressaten an", so schrieben sie mir nach der Lektüre. "Auch die Schärfe deiner Formulierungen ist absolut angebracht. Man kann wirklich nur kopfschüttelnd fragen: Warum wird nicht gesehen, was so offensichtlich ist?" Anmerkungen (1)  Resorptionshemmer behindern die Aufnahme von Cholesterin im Darm, was den LDL-Spiegel ebenfalls senkt. Weitere Arzneimittel hemmen PCSK9, ein Protein, das LDL-Rezeptoren abbaut, oder schalten dessen Produktion in der Leber herunter. Wieder andere binden Gallensäuren im Darm; daraufhin verbraucht die Leber mehr Cholesterin, um neue Gallensäuren zu bilden – und LDL sinkt. (2)  Quellen zur Liste der 10 umsatzstärksten Statine: 1.       Atorvastatin : o    https://de.wikipedia.org/wiki/Lipidsenker [ de.wikipedia ]​ o    https://de.wikipedia.org/wiki/Atorvastatin [ de.wikipedia ]​ o    https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_largest_selling_pharmaceutical_products [ en.wikipedia ]​ 2.       Rosuvastatin : o    https://xtalks.com/top-15-cardiovascular-disease-drugs-in-2023-by-2022-sales-data-3717/ [ xtalks ]​ o    https://www.accio.com/business/top-selling-statins [ accio ]​ o    https://en.wikipedia.org/wiki/Statin [ en.wikipedia ]​ 3.       Simvastatin : o    https://en.wikipedia.org/wiki/Statin [ en.wikipedia ]​ o    https://bmjopen.bmj.com/content/9/3/e026603 [ bmjopen.bmj ]​ o    https://de.wikipedia.org/wiki/Lipidsenker [ de.wikipedia ]​ 4.       Pravastatin : o    https://en.wikipedia.org/wiki/Statin [ en.wikipedia ]​ o    https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7682459/ [ pmc.ncbi.nlm.nih ]​ 5.       Lovastatin : o    https://en.wikipedia.org/wiki/Statin [ en.wikipedia ]​ o    https://bmjopen.bmj.com/content/9/3/e026603 [ bmjopen.bmj ]​ 6.       Fluvastatin : o    https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7682459/ [ pmc.ncbi.nlm.nih ]​ o    https://de.wikipedia.org/wiki/Lipidsenker [ de.wikipedia ]​ 7.       Pitavastatin : o    https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7682459/ [ pmc.ncbi.nlm.nih ]​ o    https://www.databridgemarketresearch.com/de/reports/global-statin-market [ databridgemarketresearch ]​ 8.       Cerivastatin : o    https://en.wikipedia.org/wiki/Statin [ en.wikipedia ]​ 9.       Ezetimib/Atorvastatin (Kombi) : o    https://de.statista.com/outlook/hmo/pharmazeutika/lipidsenker/weltweit [ de.statista ]​ o    https://www.databridgemarketresearch.com/de/reports/global-statin-market [ databridgemarketresearch ]​ o    https://www.arzneimittel-atlas.de/arzneimittel/c10-lipidsenkende-mittel/verbrauch/ [ arzneimittel-atlas ]​ 10.    Rosuvastatin (Generika) : o    https://de.statista.com/outlook/hmo/pharmazeutika/lipidsenker/weltweit [ de.statista ]​ o    https://www.databridgemarketresearch.com/de/reports/global-statin-market [ databridgemarketresearch ]​ o    https://www.arzneimittel-atlas.de/arzneimittel/c10-lipidsenkende-mittel/verbrauch/arzneimittel-atlas+1 (3)  Siehe meine 11-teilige KLARTEXT-Artikelserie über „Dressierte Halbgötter in Weiß“, ib. die Folgen 9 bis 11: Nimmersatte Mietmäuler – Die unheimliche Macht gekaufter Meinungsführer ; Unter Gorillas – Das Sagen haben Silberrücken , Zur Goldenen Nase – Warum „Key Opinion Leaders“ ausgesorgt haben (4)  Quellenliste "Normale" Cholesterinwerte von den 1970ern bis heute: 1.       1970er: Historische Laborpraxis (kein offizieller Leitlinienbeschluss): Auf vielen Laborformularen wurde erst ein Gesamtcholesterin um 300 mg/dL als "auffällig" markiert. Henry Blackburn: Optimal Blood Lipid Levels: An International Report (historischer Rückblick, Univ. of Minnesota)  - https://www.epi.umn.edu/cvdepi/essay/optimal-blood-lipid-levels-an-international-report/ 2.       1988: NCEP (ATP I): Gesamtcholesterin <200 mg/dL = "desirable", 200-239 mg/dL = "borderline-high", >=240 mg/dL = "high". PubMed-Eintrag zum NCEP-Report 1988  - https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3422148/ ; Volltext (Arch Intern Med, DOI)  - https://doi.org/10.1001/archinte.1988.00380010159028 3.       1993/1994: NCEP ATP II: Beibehaltung der Totalcholesterin-Kategorien; für KHK-Patienten wurde ein niedrigeres LDL-Ziel (um <100 mg/dL) betont. PubMed: NCEP Adult Treatment Panel II  - https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8124825/ ; Circulation (ATP II, DOI)  - https://doi.org/10.1161/01.CIR.89.3.1333 4.       2001: NCEP ATP III: Risikobasierte LDL-Zielwerte (u.a. <100 mg/dL bei hohem Risiko) und weiterhin Gesamtcholesterin <200 / 200-239 / >=240 mg/dL. NHLBI: ATP III Quick Desk Reference (PDF)  - https://www.nhlbi.nih.gov/files/docs/guidelines/atglance.pdf ; JAMA Executive Summary (ATP III)  - https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/193847 5.       2004: ATP III-Update: Für "very high risk" wurde LDL <70 mg/dL als therapeutische Option eingeführt. JACC: Implications of Recent Clinical Trials for ATP III - https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0735109704013312 ; AHA-Zusammenfassung des ATP III-Updates  - https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/01.CIR.0000133317.49796.0E 6.       2013: ACC/AHA-Cholesterinleitlinie: Abkehr von fixen LDL-Zielwerten in der US-Leitlinie; Fokus auf Statin-Intensität und Risikogruppen. 2013 ACC/AHA Guideline (AHA Journals)  - https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/01.cir.0000437738.63853.7a 2018: ACC/AHA-Update: In sehr hohem Risiko Schwelle LDL >=70 mg/dL für Zusatztherapie; bei schwerer Hypercholesterinämie LDL >=190 mg/dL als zentrale Interventionsschwelle. ACC: 2018 Guideline Made Simple (PDF)  - https://www.acc.org/~/media/Non-Clinical/Files-PDFs-Excel-MS-Word-etc/Guidelines/2018/Guidelines-Made-Simple-Tool-2018-Cholesterol.pdf ; Vollleitlinie (Circulation)  - https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/CIR.0000000000000625 7.       2019: ESC/EAS-Leitlinie: Für sehr hohes Risiko LDL-Ziel <55 mg/dL (und >=50% Senkung vom Ausgangswert); für hohes Risiko <70 mg/dL. ESC/EAS 2019 Dyslipidaemia Guidelines (PDF)  - https://eas-society.org/wp-content/uploads/2022/11/2019_dyslipidaemias_guidelin.pdf 8.       2022: ACC-Expert Consensus (Nicht-Statin-Therapien): In sehr hohem Risiko wird eine niedrigere Schwelle (LDL >=55 mg/dL) für Therapieintensivierung genannt. ACC Ten Points to Remember (Zusammenfassung)  - https://www.acc.org/Latest-in-Cardiology/ten-points-to-remember/2022/08/25/13/13/2022-ACC-ECDP-on-Nonstatin ; JACC-Publikation (Abstract/DOI-Seite)  - https://www.jacc.org/doi/10.1016/j.jacc.2022.07.006 9.       2025: ESC Focused Update 2025: Aktualisierung der Dyslipidämie-Leitlinie; LDL-Zielwerte wurden laut Update im Kern beibehalten. ESC Leitlinienseite (2025 Focused Update)  - https://www.escardio.org/guidelines/clinical-practice-guidelines/all-esc-practice-guidelines/dyslipidaemias ; PubMed-Kommentar zum 2025-Update  - https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41366604/   (5)  Abstract: https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(97)04430-9/abstract ; Volltext: https://www.scfmresidency.com/SCFM_Curriculum/Journal_Club/7-17-06_Journal_Club/Cholesterol_in_the_elderly.pdf (6)  Siehe z.B. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3303886/ , https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/01.CIR.86.3.1046 , https://academic.oup.com/ije/article/44/5/1614/2594571 sowie diese drei Übersichten: https://openheart.bmj.com/content/2/1/e000196 , https://bmjopen.bmj.com/content/6/6/e010401 und https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/17512433.2018.1519391 (7)  Siehe im Volltext des Original-Papers https://www.thelancet.com/pb/assets/raw/Lancet/pdfs/issue-10000/4s-statins.pdf den Abschnitt “Acknowledgements”; die Geldflüsse bestätigt Wikipedia. https://en.wikipedia.org/wiki/Scandinavian_Simvastatin_Survival_Study (8)  Die MRFIT-Studie ( Multiple Risk Factor Intervention Trial ) wurden zwischen 1973 und 1982 über 361.000 Männer gescreent, um herauszufinden, ob man Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen kann, wenn Risikofaktoren wie Cholesterin, Blutdruck und Rauchen reduziert werden. (9)  Siehe https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/html/10.1055/s-2001-17564 , https://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/33735/1/Dissertation_Bernhard_Schaupp_2022.pdf , https://refubium.fu-berlin.de/bitstream/handle/fub188/13673/Promotion_Minx.pdf?sequence=1   (10)   https://www.i-med.ac.at/mypoint/archiv/2009030101.xml , https://academic.oup.com/annonc/article/20/1/283/223816 (11)  Siehe https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6336291/ , https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2849981/ , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24974580 , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24464306 , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24231094 , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16885396 , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17538549   (12)   https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4729295/ , , https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3425581/ , , https://scholar.google.com/scholar_lookup?journal=Sa+Pharm+J+Inc+Pharm&title=Statins:+why+do+they+cause+muscle+pains?&author=N+van+der+Sandt&author=J+Schoeman&author=N+Schellack&volume=83&issue=6&publication_year=2016&pages=26-32& , , https://scholar.google.com/scholar_lookup?journal=Phys+Ther&title=Potential+adverse+effects+of+statins+on+muscle&author=SS+Tomlinson&author=KK+Mangione&volume=85&issue=5&publication_year=2005&pages=459-65&pmid=15842193& , https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1884475/ , , https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6083851/ , , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16453090 (13) https://scholar.google.com/scholar_lookup?journal=J+Pharmacovigilance&title=Examination+of+the+Food+and+Drug+Administration+Black+Box+Warning+for+Statins+and+Cognitive+Dysfunction&author=FM+Sahebzamani&author=CL+Munro&author=OC+Marroquin&author=DM+Diamond&author=KE+Kip&volume=2&issue=4&publication_year=2014&pages=141& , , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16940411 , https://scholar.google.com/scholar_lookup?journal=Journal+of+the+American+Geriatrics+Society&title=Impact+of+HMG-CoA+reductase+inhibitors+(statins)+on+cognition+in+a+cognitively+impaired+population:+A+cross-sectional+study+of+statin+withdrawal&author=KP+Padala&author=P+Padala&author=JF+Potter&volume=55&issue=4&publication_year=2007&pages=S153-S4& , , https://scholar.google.com/scholar_lookup?journal=Journal+of+the+American+Geriatrics+Society&title=Impact+of+HMG-CoA+reductase+inhibitors+(statins)+on+cognition+in+a+cognitively+impaired+population:+A+cross-sectional+study+of+statin+withdrawal&author=KP+Padala&author=P+Padala&author=JF+Potter&volume=55&issue=4&publication_year=2007&pages=S153-S4& , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22921881 , , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19558254 , , https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4488854/ , , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17343428 , , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24435290 , , https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5487843/ (14)   https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24464306 , , https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4617949/ , , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28185810 , , https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3341610/ , , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25754552   (15)   https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3687308/ , , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20176986 , , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22231607 (16)   https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12457784 , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25605834 , , https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3770184/ , , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18765433 (17)   https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18752389 ,  , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27860156 (18)   https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24052188 ,   , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23771795 (19)   https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19591530 ,  , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28556203 , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28370314 , , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26897092 , , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29427042 (20)   https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6001979/ , , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25864192 , , https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3954107/ (21)   https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24681912 , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23511950 , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23526815   (22)  Siehe Harald Wiesendanger: Unheilkunde. Die 12 Märchen der Psychiatrie - Wie eine Pseudomedizin Hilfesuchende täuscht  (2017), Kap. 8: “Das Märchen vom „biochemischen Ungleichgewicht“ - Beheben Psychopharmaka einen gestörten Hirnstoffwechsel?" (23)  Siehe z.B. https://www.limbachgruppe.com/fileadmin/downloads/Arztinformationen/LaborAktuell/LaborAktuell_Kleine_dichte_LDL.pdf , https://www.imd-berlin.de/fileadmin/user_upload/PDFs/IMD-Preisliste_2025.pdf , https://mein.laborberlin.com/uebersicht-aller-einzelkosten/ , https://www.bioscientia.info/diagnostik-app/de/labortests/ldl-subfraktionen/?a=listing&leistung_nr=35022 (24)  Anregungen finden Sie z.B. hier: https://www.zentrum-der-gesundheit.de/krankheiten/herz-kreislauf-erkrankungen/cholesterin-uebersicht/cholesterin-senken , https://reformhaus.de/blogs/gesundheit/gesundheit-gruene-medizin-cholesterin-natuerlich-senken , https://www.aok.de/pk/magazin/ernaehrung/gesunde-ernaehrung/cholesterin-senken-mit-der-richtigen-ernaehrung/ , https://herzstiftung.de/ihre-herzgesundheit/gesund-bleiben/cholesterin/cholesterinspiegel-senken , https://www.youtube.com/watch?v=CZHHA33_94I , https://aas.at/wp-content/uploads/2021/07/Konsumenten.pdf , https://herzmedizin.de/fuer-patienten-und-interessierte/vorsorge/risikofaktoren/cholesterin-senken-ernaehrung-medikamente , https://www.cholesterin-neu-verstehen.de/cholesterin-senken

  • Sinkt so das Krebsrisiko um 99 Prozent?

    Ein Mix von sechs natürlichen, preiswerten, rezeptfreien Wirkstoffen verringert die Wahrscheinlichkeit, irgendwann an Krebs zu erkranken, um 90 %. Vier zusätzliche Substanzen senken es noch weiter. Diese frohe Botschaft belegt ein amerikanischer Arzt mit einem umfassenden Forschungsüberblick – zum Verdruss der Pharmaindustrie, die mit Onkologika jährlich 350 Milliarden Euro umsetzt.   Einen „Dr. Justus R. Hope“ gibt es nicht wirklich. Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich ein US-amerikanischer Arzt, der seit Jahren in einem eigenen Blog weiterdenkt, wo die Schulmedizin an Grenzen stößt. Mit dem Thema Krebs befasst er sich eingehend, seit ihn das Schicksal damit grausam konfrontierte: Sein Vater starb an Bauchspeicheldrüsenkrebs, ein enger Freund erlag einem Hirntumor. „Diese Erfahrungen“, so sagt er, „haben mein Engagement geprägt, Maßnahmen zu entwickeln, die sowohl maximal wirksam als auch realistisch umsetzbar sind.“ Was er daraufhin im Laufe der Zeit entwickelte – teilweise gemeinsam mit dem namhaften Intensivmediziner Paul E. Marik (1) – präsentiert Dr. Hope in acht ausführlichen Beiträgen (2): ein ausgeklügeltes Konzept namens „ROOT“. Anscheinend sorgt es für eine verblüffend wirkungsvolle Krebsprävention mittels eines täglichen Cocktails von Nahrungsergänzungsmitteln – evidenzbasiert, gestützt auf eine Vielzahl aktueller, hochwertiger Studien aus aller Welt. Und erprobt im Selbstversuch: Hope persönlich folgt seinen eigenen Vorgaben seit langem. So isst man Krebs herbei Im Jahr 2025 erkrankten weltweit über 21 Millionen Menschen neu an Krebs, rund 10 Millionen starben daran. Bis 2050 wird sich die Zahl der neuen Fälle voraussichtlich verdoppeln, zur Begeisterung von Arzneimittelherstellern, ihrer Investoren und Aktionäre. In westlichen Industrieländern liegt das Risiko, irgendwann an Krebs zu erkranken, im Bevölkerungsdurchschnitt momentan bei rund 40 % - demnach sind früher oder später zwei von fünf Menschen betroffen. “Moderne” westliche Ernährungsgewohnheiten erhöhen die Gefahr beträchtlich. Nicht nur die berüchtigte “Schnitzel-Burger-und-Pommes-Diät”, mit viel rotem Fleisch und Transfetten, auch Wurst und andere hochverarbeitete Produkte liefern üble Karzinogene. Der Dosis-Wirkungs-Zusammenhang ist eindeutig und alarmierend: Jede tägliche Portion von 50 g – das entspricht zwei Scheiben Salami -  erhöht auf Dauer das Darmkrebsrisiko um 18 %. Drei solche Portionen sorgen für einen Anstieg um 54 bis 100 %. “Ein Salami-Sandwich zu verzehren, ist biochemisch betrachtet gleichbedeutend mit dem Rauchen von Zigaretten; es löst systematisch die molekularen Kaskaden aus, die normale Zellen in bösartige Tumore verwandeln”, warnt Dr. Hope. Auch zuckerhaltige Getränke sind Krebsbeschleuniger. Sie “schaffen ein Stoffwechselumfeld, das systematisch das Krebswachstum in mehreren Organsystemen fördert”. Bei drei Cola-Getränken pro Tag, die 120–140 g zugesetzten Zucker und Maissirup mit hohem Fruktosegehalt liefern, nimmt das Risiko für Brustkrebs um 30 bis 40 % zu, für Darmkrebs um 17 %.  Schon bei mäßigem Verzehr von verarbeiteten Lebensmitteln steigt das Krebsrisiko auf 50 bis 55 %. “Big-Mac”-Ernährung dreimal täglich erhöht es auf 60 bis 70 %, eine “Salami-Sandwich”-Kost zu jeder Mahlzeit auf 70 bis 75 %. Das heißt, die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken, liegt dann bei fast 3 zu 4. “Die Wahl zwischen diesen Ernährungsweisen ist klinisch irrelevant”, stellt Hope klar. “Beide erhöhen das Krebsrisiko insgesamt um das 2- bis 3-fache und haben verheerende langfristige Folgen für die Gesundheit. Die Wahl des ‘geringeren Übels’ ist vergleichbar mit der Debatte, ob das Rauchen von 1,5 Packungen pro Tag wesentlich sicherer ist als das Rauchen von 2 Packungen pro Tag – beides ist katastrophal.” Cocktail natürlicher Wirkstoffe Aber selbst wenn  man die schädliche Ernährung beibehält, könnte man einer Krebserkrankung mit Supplementen erstaunlich effektiv vorbeugen. Obwohl das Risiko deutlich erhöht bleibt, bieten die richtigen Nahrungsergänzungsmittel zumindest ein teilweises Sicherheitsnetz. Hope empfiehlt – mit ausführlichen Begründungen, die in seinen oben zitierten Originalarbeiten nachzulesen sind - 1.   EGCG EGCG steht für Epigallocatechingallat, den Hauptwirkstoff im grünen Tee. Er schützt Zellen vor freien Radikalen, die durch oxidativen Stress DNA-Schäden verursachen und so Krebs auslösen können. Er hemmt Entzündungen, stoppt die Bildung neuer Blutgefäße für Tumore und kann Krebszellen gezielt zum Absterben bringen, ohne gesunde Zellen anzugreifen. Studien deuten auf ein geringeres Risiko für Brust-, Mund- oder Darmkrebs hin. Hopes Empfehlung: 400–800 mg täglich, entspricht 8–12 Tassen grünem Tee. „Bewährt sicher durch Teekonsum.“ 2. Curcumin Curcumin, der gelbe Farbstoff aus Kurkuma, wirkt stark entzündungshemmend und antioxidativ – beides sind Prozesse, die an der Entstehung vieler Krebsarten beteiligt sind. In Labor- und Tierstudien bremst Curcumin das Wachstum von Tumorzellen, stört Signale für unkontrolliertes Zellwachstum und fördert das programmierte Absterben „defekter“ Zellen. Erste kleinere Studien am Menschen deuten darauf hin, dass Curcumin Krebsvorstufen beeinflussen kann, etwa Veränderungen in der Darmschleimhaut bei Risikopersone.  Hopes Empfehlung: 500–1000 mg Curcumin täglich mit Piperin, um die Bioverfügbarkeit zu verbessern. „Gut verträglich bis zu 8000 mg.“ 3. Vitamin D3 Vitamin D3 hilft bei der Krebsprävention, indem es das Wachstum und die Teilung von Zellen reguliert – wie ein innerer Wächter, der verhindert, dass Zellen außer Kontrolle geraten und bösartige Geschwulste bilden. Es reduziert Entzündungen und oxidativen Stress im Körper, was DNA-Schäden mindert. Um bis zu 12 % senkt es, Studien zufolge, die Krebssterblichkeit bei täglicher Einnahme niedriger Dosen. Hopes Empfehlung: 1000–2000 IE täglich. „Sicher bis zu 4000 IE“, d.h. 0,1 Milligramm. Eine vorübergehend höhere Dosis bis zu 10.000 Einheiten pro Tag und mehr scheinen ihm angebracht, wenn Labortests einen niedrigen Spiegel zeigen. Diese drei Mittel erklärt Hope für „grundlegend und unerlässlich. Sie sind alle preisgünstig, für jedermann leicht erhältlich und äußerst sicher, solange man die in unseren Behandlungsprotokollen aufgeführten Vorsichtsmaßnahmen befolgt.“ 4. Omega 3 Omega-3-Fettsäuren wirken wie ein natürlicher Entzündungshemmer im Körper: Sie dämpfen chronische Entzündungen, die Zellen schädigen und Krebs begünstigen, ähnlich wie ein Feuerlöscher bei glimmenden Brandherden. Zudem blockieren sie die Bildung neuer Blutgefäße für Tumore und fördern den Zelltod bei Krebszellen, während sie gesunde Zellen schonen – Studien zeigen ein um bis zu 30% gesenktes Krebsrisiko, besonders bei Darm- oder Brustkrebs. In Kombination mit Vitamin D und Bewegung verstärkt sich der Effekt sogar auf 61%. Hopes Empfehlung: 1000 – 2000 mg täglich. 5. AGE „AGE“ steht für Aged Garlic Extract , „Gealterter Knoblauchextrakt“: ein standardisiertes Knoblauchpräparat, das entsteht, wenn Knoblauch über viele Monate in einem Wasser-Ethanol-Verfahren „reifen“ darf, statt frisch verarbeitet zu werden. Dann entsteht ein geruchsärmerer, magenfreundlicherer Extrakt. AGE schützt vor Krebs, indem seine Inhaltsstoffe wie S-Allylcystein freie Radikale abfangen und oxidativen Stress mindern – wie ein unsichtbarer Schutzschild für die DNA. Auch AGE hemmt das Wachstum von Krebszellen, etwa bei Magen-, Darm- oder Brustkrebs, reduziert Entzündungen und stärkt das Immunsystem, indem es natürliche Killerzellen aktiviert. Studien deuten auf ein niedrigeres Risiko für Magen- und Darmkrebs hin, besonders bei regelmäßigem Verzehr. Hopes Empfehlung: 2,4 ml täglich. Kombiniert lassen die genannten fünf Wirkstoffe das lebenslange Gesamtkrebsrisiko von 65–75 % auf 32–39 % schrumpfen, so erklärt Dr. Hope. „Alle können einmal täglich mit einer Mahlzeit eingenommen werden. Hervorragende Sicherheit: keine nennenswerten Wechselwirkungen, minimale Nebenwirkungen.“ 6. Sulforaphan Sulforaphan, das vor allem in Brokkoli steckt, aktiviert den körpereigenen „Schutzschalter“ Nrf2, der Antioxidantien hochfährt und Zellen vor schädlichen freien Radikalen bewahrt – wie ein innerer Reinigungsroboter, der DNA-Schäden verhindert, die Krebs auslösen können. Es hemmt das Wachstum von Krebszellen, indem es deren Teilung blockiert, den Zelltod fördert und neue Blutgefäße für Tumore verhindert, besonders wirksam bei Brust-, Darm- und Prostatakrebs. Hopes Empfehlung: etwa 20 bis 50 mg täglich. Ab höheren Dosen können leichte Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen, Übelkeit, Erbrechen oder Völlegefühl auftreten. Personen mit Schilddrüsenproblemen oder Jodmangel sollten vorsichtig sein, da sehr hohe Mengen – über 100 mg/Tag – die Jodaufnahme beeinträchtigen könnten. 7. Berberin Berberin, ein gelber Pflanzenstoff aus Berberitze oder Goldthread  –  auch chinesischer Goldfaden genannt, eine Heilpflanze aus der Traditionellen Chinesischen Medizin – bremst entzündliche Prozesse und oxidativen Stress im Körper, die Zellen schädigen und Krebs begünstigen. Es stört das Wachstum von bösartigen Geschwulsten, indem es deren Zellteilung blockiert, den programmierten Zelltod auslöst und die Bildung neuer Blutgefäße für Tumore verhindert, besonders wirksam in Studien bei Brust-, Darm- oder Prostatakrebs. Vorläufige Forschung deutet auf ein geringeres Krebsrisiko hin, vor allem durch entzündungshemmende und immunstärkende Effekte. Nebenwirkungen: Durchfall/Verstopfung bei 20-30 % der Anwender; Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. zur Vorsicht rät Dr. Hope insbesondere bei Statinen und Antidepressiva; bei höheren Dosierungen droht Vitamin B12-Mangel. Schwangere sollten Berberin meiden, weil es das Gehirn des ungeborenen Kindes schädigen kann. Hopes Empfehlung: 500 mg 2–3-mal täglich, insgesamt 1000–1500 mg/Tag. Ganz auf Pharmazie verzichten will Justus Hope durchaus nicht. Er schwört auf drei zusätzliche, seit langem bewährte Wirkstoffe. Krebs bekämpfen, bevor er entsteht - Hopes drei Pharma-Favoriten: 8. Celecoxib Celecoxib (Celebrex), ein selektiver COX-2-Hemmer (3), eignet sich zur Krebsprävention, weil es Entzündungen dämpft, die chronisch Zellen schädigen und Tumore fördern – wie ein Feuerlöscher gegen entzündliche Glutnester im Körper. Es blockiert die Produktion schädlicher Prostaglandine - hormonähnlicher Lipidverbindungen; es hemmt das Wachstum und die Ausbreitung von Krebszellen – insbesondere bei Darm-, Brust- oder Prostatakrebs; es fördert deren Absterben und verhindert neue Blutgefäße für Tumore. Klinisch zugelassen zur Reduktion von Darmpolypen bei Hochrisikopatienten, senkt es in Studien das Krebsrisiko. Bei Überdosierung macht es allerdings Herzinfarkte oder Schlaganfälle wahrscheinlicher, weil es die Bildung von Thrombosen begünstigt. Hopes Empfehlung: 200 mg täglich, schrittweise zu steigern bis maximal 400 mg/Tag nur bei Bedarf, nach sorgfältiger Risikoabwägung. 9. Ivermectin In Labor- und Tierversuchen stört das altbewährte Antiparasitikum Signalwege wie PAK1 oder WNT in Krebszellen, hemmt deren Wachstum, löst Autophagie aus und fördert den Zelltod. Befürworter wie Justus Hope schätzen es als billiges zugelassenes Mittel mit breiter Wirkung auf vielerlei Krebsarten - z. B. Lungen-, Brustkrebs -, das Entzündungen mindert und das Immunsystem stärkt. Hopes Empfehlung: 12 mg dreimal pro Woche. 10. Mebendazol Mebendazol, ein langerprobtes Wurmmittel, blockiert in Labor- und Tierversuchen die Bildung von Mikrotubuli in Krebszellen – wie ein Saboteur, der die „Schienen“ für die Zellteilung unterbricht und so unkontrolliertes Tumorwachstum verhindert. Es durchdringt leicht die Blut-Hirn-Schranke, hemmt Krebszellen bei Gliomen oder Meningeomen, fördert Apoptose (Zelltod) und reduziert Gefäßneubildung in Geschwulsten. Klinische Phase-I-Studien laufen, sie deuten auf gute Verträglichkeit hin. Hopes Empfehlung: „100 mg zweimal täglich zweimal pro Woche: Zwei Wochen Einnahme, zwei Wochen Pause.“ Dieser Cocktail aus zehn Zutaten “senkt das allgemeine Krebsrisiko um 93 %”, erklärt Hope. “ Darüber hinaus steigt die Blockierung des gesamten Signalwegs von Tumorstammzellen (…) durch die Zugabe dieser Wirkstoffe auf 97 bis 99 %.“ (4) Krebs „wird bekämpft, bevor er entsteht“. Aber gelten nicht 5 bis 10 % aller Krebserkrankungen als genetisch bedingt? Daraus folgt keineswegs, dass das Erbgut ihren Ausbruch unabwendbar erzwingt . Vererbt wird eine Prädisposition , aufgrund gewisser Genveränderungen. Ob sie sich jemals manifestiert, hängt von vielen Faktoren ab – eine gesunde Lebensweise, unterstützt durch Nahrungsergänzungsmittel, könnte diese Faktoren weitgehend in Schach halten. Hopes „Haftungsausschluss“ sollten Leser vorsichtshalber allerdings unbedingt beachten: Sein ROOT-Konzept ist „kein Ersatz für eine medizinische Behandlung. Konsultieren Sie vor der Anwendung einen Arzt, insbesondere wenn Sie schwanger sind, immungeschwächt sind oder Blutverdünner einnehmen. Brechen Sie die Anwendung ab, wenn Nebenwirkungen auftreten.“ Und über Supplemente hinaus? Wer sich von krebserregenden Ernährungsgewohnheiten verabschiedet und zu mediterraner Kost übergeht, verringert auch ohne all diese Supplemente sein Krebsrisiko um 50 bis 66 %, wie Dr. Hope betont: “Dies stellt eine der wirksamsten präventiven Maßnahmen in der Medizin dar – sie rivalisiert mit den Vorteilen vieler pharmazeutischer Maßnahmen oder übertrifft diese sogar, und das allein durch eine Umstellung der Ernährung.” Noch mehr Krebsschutz gefällig? Dann “möchte Sie höflich bitten, zwei oder drei Tage pro Woche 16 Stunden über Nacht zu fasten” und “zu Hause regelmäßig ein einfaches Krafttraining zu absolvieren”. Und alles zusammengenommen? Bewahrt nicht garantiert vor Krebs, macht ihn aber wenig wahrscheinlich. Falls sich das “ROOT”-Konzept herumspricht: Was würde das für die Umsatzperspektiven des onkologischen Zweigs der Medizinindustrie bedeuten? Nichts Gutes, zur Schadenfreude von Gesundheitsbewussten. ( Harald Wiesendanger )   Anmerkungen Bitte beachten Sie den Haftungsausschluss von KLARTEXT bei Gesundheitsthemen wie diesem. (1)  Paul E. Marik, langjähriger Professor an der Eastern Virginia Medical School, war Mitgründer und führende Stimme der Front Line COVID-19 Critical Care Alliance (FLCCC) – kürzlich umbenannt in Independent Medical Alliance  (IMA) -, einer Initiative von Medizinern, die unkonventionelle Vorsorge- und Behandlungsprotokolle für Covid-19 propagierte und dabei auch Ivermectin befürwortete. (2) https://justusrhope.substack.com/p/how-to-reduce-cancer-risk-by-90-using?publication_id=837363&post_id=184241549&isFreemail=true&r=kzlh5&triedRedirect=true ; https://www.onedaymd.com/2025/04/root-detox-protocol-daily-pills-that.html ; https://cancertreatmentsresearch.com/cancer-prevention-with-repurposed-drugs/ , https://cancertreatmentsresearch.com/the-hope-protocol-for-cancer-prevention/ , https://cancertreatmentsresearch.com/?s=mebendazole ; https://justusrhope.substack.com/p/ai-uses-ivermectinmebendazole-to ; https://www.onedaymd.com/2025/11/ROOT-protocols-cancer-prevention.html , https://doi.org/10.71189/JIM/2025/V01N04A02 . (3)  Selektive COX-2-Hemmer sind entzündungshemmende Medikamente (NSAR), die gezielt das Enzym Cyclooxygenase-2 (COX-2) blockieren, das bei Entzündungen vermehrt aktiv ist und schmerzhafte Prostaglandine produziert – wie ein gezielter Pfeil, der nur den „Feuerstifter“ trifft, ohne den „Hausmeister“ COX-1 zu stören. COX-1 schützt hingegen Magen und Nieren, weshalb diese Wirkstoffe (z. B. Celecoxib) weniger Magengeschwüre verursachen als klassische NSAR. Nachteil:Sie erhöhen das Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle, da sie die Thrombosenbildung indirekt begünstigen. (4)  Gemeint sind zentrale Signalwege in Krebsstammzellen ( Cancer Stem Cells , CSCs), die für deren Selbsterneuerung, Therapieresistenz und Tumorwachstum sorgen – wie ein „Kommandozentrum“ für die widerstandsfähigsten Krebszellen. Laien stellen sich einen Tumor oft als „Klumpen gleicher Zellen“ vor – aber eher gleicht er einer Stadt mit sehr unterschiedlichen Bewohnern. In dieser Stadt gibt es eine kleine Gruppe von „Spezialisten“, die besonders unangenehm sind. Wie Königinnen im Ameisenstaat: Nicht die Masse der Arbeiterinnen entscheidet über das Überleben der Kolonie, sondern die wenigen, die immer wieder Nachschub produzieren können. Wie ein Master-Key im Hotel: Wer ihn hat, kommt in viele Türen. Dies sind Cancer Stem Cells  (CSCs). „Stem“ heißt hier: Sie können sich selbst erneuern, unter Stress anpassen und wieder viele unterschiedliche Tumorzellen „nachproduzieren“. Häufig werden sie mit Rückfällen und Therapieresistenz in Verbindung gebracht.

  • Schlägt dieses Obst Statine?

    Wenn sich die Halsschlagadern verengen, wird es gefährlich: Ein Schlaganfall droht. An Medikamenten gegen Carotis-Stenose verdient die Schulmedizin prächtig. Dabei wäre ein jahrhundertealtes, billiges Naturheilmittel womöglich wirkungsvoller: Granatapfel. Eine vielversprechende kleine Studie hierüber wird seit zwei Jahrzehnten totgeschwiegen, für eine größere findet sich kein Sponsor, schon gar nicht unter Arzneimittelherstellern. Wozu sollten sie Obst erforschen, solange synthetische Mittel Milliardengeschäfte sichern? Ein intakter Gartenschlauch ist glatt und flexibel, das Wasser fließt frei durch. Lagern sich auf seiner Innenseite im Laufe der Zeit feiner Rost, Dreck und Kalk ab, so wird er allmählich spröder und enger, der Fluss verlangsamt sich, der Druck steigt. Verstopft der Schlauch, reißt er irgendwann womöglich. Ähnliches geschieht bei einer Gefäßerkrankung, die unbemerkt einsetzt und lange Zeit keinerlei Beschwerden verursacht, irgendwann aber lähmen, schlimmstenfalls umbringen kann. Mit ihrem Namen sind unter Laien wohl nur Betroffene vertraut, denen sie bereits diagnostiziert worden ist: die Carotis-Stenose . (1) Dabei verengen sich die beiden großen Halsschlagadern ( Arteria carotis ), durch die das Herz sauerstoffreiches Blut zum Gehirn pumpt. Ursache ist zumeist eine Arteriosklerose, nach gängiger Lehrmeinung verursacht durch Plaques aus Cholesterin, Fett und Kalk, die sich an der Arterienwand ablagern. Wenn sich daraus Material ablöst, können sich Klumpen bilden, die mit dem Blutstrom weiterwandern und dann Gefäße verstopfen. Frühe Stadien, in denen der Durchmesser der Arterien um weniger als 50 % zurückgeht, bleiben symptomfrei, entdeckt werden sie meist zufällig. Durchs Stethoskop hört der Arzt ein „Gefäßrauschen“ ( Bruit ): ein raues, blasendes, zischendes Geräusch, so als würde Luft durch eine enge Öffnung strömen. Ultraschall macht die Verengung deutlich sichtbar. Erst wenn sie auf über 60 bis 70 % fortschreitet, treten Beschwerden auf. Erste Warnzeichen sind Schwindel, ein Kribbeln und leichte Bewusstseinssstörungen. Richtig ernst wird es, wenn sogenannte Transitorische ischämische Attacken (TIA) auftreten: Vorübergehend kommt es dabei zu einseitigen Sehstörungen – plötzlich wird es auf einem Auge dunkel, „wie ein Vorhang , der herunterfällt“, sagen Betroffene –, das Sprechen fällt schwer, eine Körperhälfte fühlt sich taub an. Nach wenigen Minuten bis mehreren Stunden bilden sich diese „Warnschläge“ vollständig zurück. Oft ist dies nur die trügerische Ruhe vor dem fatalen Sturm: Bei vollständigem Verschluss versiegt der Blutstrom zum Gehirn, es kommt zu einem carotis-bedingten Schlaganfall – hierzulande rund 20.000 bis 30.000 mal pro Jahr.  Bei etwa 4 % aller erwachsenen Deutschen liegt eine Carotis-Stenose von mindestens 50% vor, ab etwa 65 Jahren steigt die Häufigkeit je nach Studie auf 6 bis 15%. Schätzungen zufolge sind mehr als eine Million davon behandlungsbedürftig betroffen, also nahezu 1% der Gesamtbevölkerung. Was tun? Bei symptomfreier Stenose , unter 50 bis 60 %, setzt der Schulmediziner darauf, das Risiko medikamentös zu verringern: Er verschreibt Blutdrucksenker wie ACE-Hemmer, Sartane und Kalziumantagonisten, Cholesterinsenker – insbesondere Statine – und Blutgerinnungshemmer wie ASS oder Clopidogrel, verbunden mit dem guten Rat, mit dem Rauchen aufzuhören, sich mehr zu bewegen, eine Diät zu machen. Mit typischen Nebenwirkungen der Arzneimittel müsse man sich halt abfinden: darunter Übelkeit, Kopfweh, Muskelschmerzen oder –schwäche, Magen-Darm-Beschwerden, Blutungen, allergische Hautreaktionen. (2) Geht es auch anders? Was hat die Naturheilkunde zu bieten? Granatapfel: ein therapeutisches Multitalent Bereits in der Antike wurde der Granatapfel als Heilpflanze genutzt. Hippokrates und Avicenna setzten die knallrote Frucht bei Magenproblemen, zur Wundheilung und bei Entzündungen ein. Ayurveda und traditionelle chinesische Medizin nutzen Wurzelrinde, Schale und Fruchtfleisch seit mindestens 2000 Jahren gegen zahlreiche Leiden, von  Geschwüren über Halsschmerzen bis Parasitenbefall. Eine Online-Datenbank versammelt Studien zum therapeutischen Wert bei über 300 Erkrankungen. Wirkt Granatapfel womöglich auch gegen arteriosklerotisch geschädigte Herzgefäße? Über zwei Jahrzehnte ist es her, seit sich ein israelischer Medizinprofessor mit eben dieser Frage befasste: Michael Aviram. Damals forschte und lehrte er am Technion, der ältesten Hochschule Israels und einer führenden, mit 19 Fakultäten und 60 Forschungszentren, verteilt auf 300 Gebäude auf 1,2 Quadratkilometern. Gemeinsam mit zehn Kollegen führte Aviram eine Studie mit 19 Senioren durch – 65 bis 75 Jahre alt -, deren Arterien bereits stark verengt waren, zu 70 bis 90 %. Um ihre Gesundheit hatten sie sich nie gesorgt; seit längerem schluckten sie die üblichen Arzneimittel gegen Carotis-Stenose und taten es auch weiterhin. Diese 19 verteilte das Forschungsteam auf zwei Gruppen, die hinsichtlich Alter, Blutdruck, Lipidprofil, Glukosespiegel und Medikamenteneinnahme aufeinander abgestimmt waren. Die Ausgangsbasis war also die gleiche, die Standardversorgung ebenfalls. Bloß in einer Hinsicht wichen die beiden Gruppen voneinander ab: Zehn Patienten tranken fortan ein Jahr lang täglich 50 Milliliter Granatapfelsaft – das entspricht 10 Teelöffeln, ein Espressotässchen wäre damit gerade mal zu einem Viertel gefüllt. Neun weitere Patienten bildeten die Kontrollgruppe. Zu Beginn der Studie, nach drei, sechs, neun und zwölf Monaten maßen die Forscher per Ultraschall die Intima-Media-Dicke (IMT) der Halsschlagader: den Standardwert für die Verdickung der beiden inneren Schichten – Intima und Media – der Arterienwand. Erhöhte IMT signalisiert frühe Arteriosklerose, somit ein gesteigertes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Bei jungen, gesunden Erwachsenen liegt die IMT bei 0,5 bis 0,7 mm; pro Jahrzehnt nimmt sie um 0,1 bis 0,4 mm zu. Werte über 1,0 mm gelten als pathologisch. In Avirams Granatapfelgruppe lag die IMT vor Studienbeginn bei durchschnittlich 1,5 mm. Was wurde daraus im Laufe des darauffolgenden Jahres? Obst schlägt Pharmazie Nach einem Vierteljahr hatte sich die IMT im Durchschnitt um 13 % verringert. Nach einem halben Jahr um 22 %. Nach neun Monaten um 26 %. Nach einem Jahr betrug die Reduktion bis zu 35 % - die durchschnittliche IMT war auf 1,1 mm zurückgegangen. Nein, das sind keine Tippfehler. Der Trend hatte sich tatsächlich umgekehrt, nicht bloß ein kleines bisschen, sondern massiv – trotz unveränderter Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten.  Wie erging es unterdessen der Kontrollgruppe, die weiterhin nach schulmedizinischem Standard versorgt wurde? Der Zustand ihrer Halsschlagadern verschlechterte sich weiter. Ohne Granatapfelsaft nahm  ihre IMT deutlich zu  - von 1,45 auf 1,52 bis 1,65 mm. Ebenso ausgeprägt waren die zugrundeliegenden biochemischen Veränderungen, die Avirams Team feststellen konnte: ·         Oxidiertes LDL – “schlechtes” Cholesterin, das sich unter oxidativem Stress chemisch verändert – kann sich in den Gefäßwänden ablagern und sie verkalken lassen. Dessen Wert ging um sage und schreibe 90 % zurück. (LDL bringt Cholesterin aus der Leber in den Körper, HDL transportiert überschüssiges Cholesterin zurück zur Leber.) ·         Was wurde aus Paraoxonase-1 (PON1): einem Enzym im Blut, das der Körper hauptsächlich in Leber und Niere zum Schutz vor schädlichen Stoffen produziert, vor allem vor aggressiven Molekülen, die Zellen schädigen können, wie freie Radikale? PON1 https://www.frontiersin.org/journals/cardiovascular-medicine/articles/10.3389/fcvm.2023.1065967/full bindet https://journals.sagepub.com/doi/full/10.1089/ars.2019.7998 an das (“gute”) HDL-Cholesterin und neutralisiert oxidierte Fette in den Blutgefäßen; somit beugt es Arteriosklerose vor. Dieses PON1 stieg um 83 %. ·         Der systolische Blutdruck (3) sank um 12 %. ·         Der sogenannte Gesamtantioxidationsstatus stieg um 130 %. (Dieser Wert misst die Fähigkeit des Blutes oder anderer Körperflüssigkeiten, freie Radikale und reaktive Sauerstoffspezies zu neutralisieren. Niedrige Werte deuten auf oxidativen Stress hin, verbunden mit Entzündungen, Alterung oder Erkrankungen wie Arteriosklerose.) Fünf Patienten der Behandlungsgruppe tranken den Saft drei weitere Jahre. Anschließend bestätigten Messungen: Die nach 12 Monaten erzielten Besserungen waren stabil. Die 35 %-ige IMT-Verringerung blieb bestehen. Währenddessen gingen die Marker für Lipidperoxidation im zweiten Jahr um zusätzliche 16 % zurück, im dritten und vierten Jahr fielen sie weiter. Avirams Entdeckung deutet demnach auf zweierlei hin: Die üblichen Medikamente gegen Carotis-Stenose bewirken nicht, was Ärzte ihnen zutrauen. Es gibt andere, natürliche Wege, verengte Arterien zu heilen. Schwachpunkt: zuwenig Teilnehmer Aber was besagen schon Befunde an gerade mal 19 Probanden? Über Testtheorie lernen Studenten schon im ersten Semester: Eine geringe Teilnehmerzahl macht eine Studie zwar nicht automatisch wertlos – aber deutlich anfälliger für Fehlinterpretationen. Oft ist die Stichprobe nicht repräsentativ; Ergebnisse lassen sich dann nur schwer verallgemeinern. Es mangelt ihr an statistischer Power: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ein realer Effekt übersehen wird; umgekehrt kann es sich bei scheinbar „signifikanten“ Ergebnissen leichter um Zufallstreffer handeln. Zudem liefern kleine Studien breite Konfidenzintervalle, das heißt: Selbst wenn ein Effekt gefunden wird, ist oft unklar, ob er klein, moderat oder sehr groß ist. Auf solche Befunde lassen sich Therapieentscheidungen schwerlich stützen. Außerdem sind kleine Studien recht anfällig für Verzerrungen (Bias): Einzelne Ausreißer oder Unterschiede zwischen Gruppen - z. B. Alter, Medikamente, Ausgangsrisiko - wirken sich bei 19 Probanden überproportional aus; schon wenige atypische Personen können das Ergebnis stark verschieben. Immerhin eignen sie sich dazu, wertvolle Hinweise zu liefern - besonders wenn sie methodisch sauber angelegt sind und ein ausgeprägter, plausibler Effekt zum Vorschein kommt. Gute Ministudien sind Hypothesen-Generatoren. Plausible Wirkung Ist der beobachtete Effekt plausibel? Dafür spricht, wie er sich entwickelte. Biochemische Veränderungen traten bereits innerhalb des ersten Monats auf: Die Marker für oxidativen Stress verschoben sich. Weitaus länger dauerte es, bis sich die Arterienwände strukturell veränderten. Dabei folgten die IMT-Rückgänge einem deutlichen Dosis-Wirkungs-Verhältnis: Innerhalb des ersten Vierteljahrs waren sie moderat; danach beschleunigten sie sich; nach einem Jahr erreichten sie ein Maximum. Entfaltet sich so ein bloßer Placebo-Effekt? Dieses eine Jahr scheint vielmehr den natürlichen Zeitrahmen gebildet zu haben, in dem sich die arterielle Biologie normalisierte – das System fand allmählich zu einem physiologischen Gleichgewicht zurück. Das Gewebe benötigte Zeit, um sich umzugestalten. Worauf beruhte in Avirams Studie der Heileffekt des Granatapfels? Offenkundig hatte er nichts mit der Cholesterinmenge zu tun. Die LDL-Werte blieben in der Versuchsgruppe nämlich weitgehend gleich. Was sich veränderte, war die Wirkung  des LDL – wie stark es oxidiert war, wie anfällig es für weitere Oxidation war, wie gut antioxidative Enzyme es schützten. Um diesen Prozess in Gang zu setzen und aufrechtzuerhalten bedarf es offenbar keiner hohen Dosis. Täglich 10 Teelöffel Saft enthalten womöglich genug Polyphenole , um den oxidativen Stress im gesamten Körper günstig zu beeinflussen. In Avirams Behandlungsgruppe gelang es ihnen anscheinend, das Redox-Milieu wiederherzustellen, in dem sich Arterien selbst heilen können: die „chemische Atmosphäre“ in Zellen und Körperflüssigkeiten, die bestimmt, ob Elektronen eher entzogen (Oxidation) oder geliefert (Reduktion) werden. Dazu bedarf es anscheinend keiner hohen Dosis. Täglich 10 Teelöffel Saft enthalten genug Polyphenole, um den oxidativen Stress im gesamten Körper günstig zu beeinflussen: : Tannine, Anthocyane, Ellagitannine. Sie beeinflussen Enzyme und Zell-Signalwege günstig - z. B. Entzündungs- und Stressantworten -, wie auch Endothelfunktion, Blutdruck oder Lipidoxidation. Sie fördern PON1, das Enzym, das Lipidperoxide aus der Gefäßwand entfernt. Und sie verstärken Glutathion, das wichtigste Antioxidans innerhalb der Körperzellen: Es neutralisiert freie Radikale, regeneriert andere Antioxidantien wie Vitamin C und E. Für all dies lieferte die Aviram-Studie zwar keinen zwingenden Beweis – aber einen bemerkenswerten Fingerzeig. Was lag näher, als ihm schleunigst nachzugehen und aufwändige, besser kontrollierte Studien an weitaus größeren Stichproben folgen zu lassen? Hätte eine neu synthetisierte Substanz in ersten Tests auch nur annähernd so gut abgeschnitten wie der Granatapfel – mit Sicherheit hätten Arzneimittelhersteller sofort weiterforschen lassen. Auf dem Friedhof totgeschwiegener Forschung Nachdem die Arbeit 2004 in der Fachzeitschrift Clinical Nutrition  erschienen war, geschah indes: nichts . Die Fachwelt schwieg. Kaum jemand war neugierig, so gut wie niemand forschte nach. (4) Wer auch? Riesensummen für Großstudien investiert nur die Pharmaindustrie, und dieser fehlt jegliches Geschäftsinteresse, wenn es darum geht, das therapeutische Potential von nicht patentierbarem Obst zu erkunden – und womöglich bestätigen zu müssen. Könnten sich nicht zumindest Extrakte, Herstellungsverfahren, standardisierte Zusammensetzungen, medizinische Anwendungen patentrechtlich schützen lassen? Aber wozu teure Umstände, wenn man allein mit Statinen bisher über eine Billion Dollar verdiente? (Musterbeispiel: Der Blockbuster Lipitor/Atorvastatin , 1997 auf den Markt gebracht, bescherte Pfizer in den darauffolgenden 14 Jahren über 130 Milliarden Dollar.) Wäre es nicht hirnrissig, dem eigenen Kassenschlager mit etwas Pflanzlichem Konkurrenz zu machen? Und so verschwand Avirams Pionierarbeit heimlich, still und leise auf dem Friedhof totgeschwiegener Forschung. ( Harald Wiesendanger )   P.S.: Dieser Artikel darf nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, er ersetzt nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Bitte beachten Sie meinen „ Haftungsausschluss und allgemeinen Hinweis zu medizinischen Themen “. Anmerkungen (1)    https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/004-028 ,   https://www.dgnr.org/media/document/1552/ESO-Guideline-carotid23969873211012121.pdf (2) Bei ausgeprägter Stenose, ab 60 bis 70%, geht die Schulmedizin häufig chirurgisch vor. Bei der Carotis-Endarteriektomie (CEA/TEA) wird Plaque über einen Hals-Schnitt entfernt. Beim minimalinvasiven Carotis-Stenting (CAS) sticht der Arzt in die Leistenarterie und schiebt einen dünnen Schlauch (Katheter) durch die Aorta bis zur Engstelle in der Halsschlagader – alles unter Röntgenkontrolle mit Kontrastmittel. Ein Filter fängt lose Plaque-Teile ab, damit sie nicht ins Gehirn gelangen. Ein Ballon bläst die Verengung auf, der zusammengerollte Stent - wie ein winziges Gitterrohr - wird freigesetzt und entfaltet; er drückt die Wand glatt. Doch keine Wirkung ohne Nebenwirkung: Die Eingriffe erhöhen ihrerseits das Risiko von Schlaganfällen, Embolien, Thrombosen und Hirnnervenschäden. (3) Es handelt sich um den oberen Wert bei der Blutdruckmessung, z. B. 120 bei 120/80 mmHg. Er misst den maximalen Druck in den Arterien, wenn das Herz sich zusammenzieht – Systole - und Blut in den Kreislauf pumpt. (4) Bestätigen sich Avirams Entdeckungen von 2004 in einer größeren Studie? Dieser Frage forschte Aviram fünf Jahre später selbst nach, nun gemeinsam mit neun Fachkollegen aus den USA und Frankreich. Diesmal machten 289 Probanden zwischen 45 und 74 Jahren mit. Bei ihnen lag zwar noch keine ausgeprägte Stenose vor, wohl aber ein moderates Risiko für koronare Herzkrankheit (KHK). Jeder Teilnehmer erfüllte mindestens eines von vier Einschlusskriterien: 1.   Erhöhtes LDL-Cholesterin (≈ 130–190 mg/dl).  „Schlechtes“ LDL ist der wichtigste „Transporter“ für Cholesterin in die Gefäßwand. Dort fördert es Plaque-Bildung (Atherosklerose). Je höher der LDL-Wert, desto größer ist in der Regel das Risiko für KHK und Herzinfarkt. 2.   Niedriges HDL-Cholesterin (< 40 mg/dl).  „Gutes“ HDL hilft, Cholesterin aus Gewebe/Gefäßwand zur Leber zurückzubringen. Niedriges HDL zeigt ein ungünstiges Lipid-/Stoffwechselprofil an. 3.   Erhöhter Blutdruck (≥ 140/90 mmHg).  Dauerhaft hoher Druck verletzt die Gefäßinnenhaut – das Endothel -, begünstigt Entzündung, Plaques und Gefäßumbau. 4.   Zigarettenrauchen  innerhalb des letzten Monats. Rauchen steigert oxidativen Stress und Entzündung, verschlechtert die Endothelfunktion, fördert Thrombosen (Gerinnsel) und beschleunigt Atherosklerose- Die Intima-Media-Dicke der hinteren Halsschlagader lag zwischen 0,7 und 2,0 Millimeter. Diesmal wurden alle Teilnehmer „verblindet“. Die eine Hälfte trank bis zu 18 Monate lang täglich 240 ml Granatapfelsaft, die andere Hälfte nahm ein Kontrollgetränk (?) zu sich, das ähnlich aussah und schmeckte. Keiner wusste, was er zu trinken bekam. Es zeigte sich: In der Behandlungsgruppe insgesamt bremste Granatapfelsaft die Gefäßwandverdickung nicht  nachweisbar. Aber ein spannendes Detail fiel auf: Bei Personen mit besonders ungünstigen  Ausgangswerten verlangsamte  sich die IMT-Verengung, wenn sie täglich Granatapfelsaft getrunken hatten. Zugleich verbesserten sich in dieser Untergruppe die Werte der KHK-Risikofaktoren Triglyceride, Gesamtcholesterin/HDL und Apolipoprotein-B100.

  • Droht Impfzwang mit Bußgeld-Hammer?

    Ein verschärftes „Epidemiegesetz“ soll eine allgemeine Impfpflicht bringen, Verweigerern drohen dann fünfstellige Bußgelder – in der Schweiz. In Deutschland undenkbar? Die unsäglichen Coronajahre geben reichlich Grund, auch hierzulande mit dem Schlimmsten zu rechnen, sobald die WHO die nächste Pandemie ausruft. Nach der Pandemie ist vor der nächsten. Also gilt es vorzusorgen, und eben darum bemüht sich zur Zeit unser Schweizer Nachbar. Das Parlament berät dort über ein „Epidemiegesetz“, das einen seit 2012 geltenden Vorgänger „weiterentwickeln“ soll. Das Vorhaben hat es in sich: Bei einer „besonderen Gefährdung der öffentlichen Gesundheit“, etwa bei drohender „Überlastung“ des Gesundheitswesens, kann der Bundesrat „notwendige Maßnahmen“ nicht nur anordnen, sondern mittels heftiger Sanktionen durchsetzen: von Überwachung, Isolation und Quarantäne einzelner Personen, Gruppen oder der ganzen Bevölkerung bis hin zu einem „Impfobligatorium“. Ein Bußgeld bis zu 10.000 Franken, umgerechnet knapp 11.000 Euro, droht jedem, der sich nicht „isolieren“ lässt, „Mitwirkungspflichten“ verletzt, gegen Reisebestimmungen verstößt – oder sich nicht impfen lassen will. Zwar soll der Piks nicht gewaltsam durchgesetzt werden. Doch wer sich sträubt, muss darauf gefasst sein, dass er heftig zur Kasse gebeten wird. Einzelne Kantone haben dazu das Strafmaß des Bundes schon drastisch verschärft: Bis 20.000 Franken sind es in St. Gallen , 50.000 in Zürich. Im Kanton Waadt lässt das Gesundheitsrecht sogar Maximalbußen bis zu 200.000 Franken zu. Wäre das etwa kein  Zwang, auch ohne Handschellen? Große Medien verteidigen die horrenden Bußgelder. Ohne «wirksame Sanktion», argumentiert der Tages-Anzeiger , wären dem Obligatorium «die Zähne gezogen». Auch Vertreter der Ärzteschaft begrüßen den Maßnahmenhammer. Die «Drohung mit der Buße» solle «die letzten Ungeimpften zur Impfung bewegen – idealerweise, ohne die Strafe tatsächlich durchzusetzen», erklärt Christoph Berger, Chefarzt der Abteilung Infektiologie und Spitalhygiene am Kinderspital Zürich und von 2015 bis 2023 Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen. In der Schweizer Bevölkerung hingegen wächst anscheinend der Widerstand. In einer Umfrage des Online-Infodiensts Portal 24 lehnen 92 % der Teilnehmer den faktischen Impfzwang ab. Bräche demnach in der Alpenrepublik ein Volksaufstand los, falls der Gesetzgeber umsetzt, was er plant? Zweifel sind angebracht. Die Umfrage war nicht repräsentativ – es dürften vor allem jene Eidgenossen mitgemacht haben, die in Rage bringt, was da auf sie zukommt. Zu Coronazeiten überwogen zwischen Schaffhausen und Genf eindeutig die Gutgläubigen und Folgsamen. 69 % der Bevölkerung ließen sich gegen Covid-19 mindestens einmal impfen , 56 % “ boostern ”. Was die WHO unter “Pandemie” versteht, garantiert die nächste Und in Deutschland? Gäbe es hier, anders als zwischen 2020 und 2023, eine breite Protestwelle gegen autoritäre Exzesse staatlicher Seuchenschützer? Das deutsche “Infektionsschutzgesetz” hat solchem Streben längst Tür und Tor geöffnet: § 20 ermächtigt Regierende anzuordnen, dass ihr Volk oder zumindest “bedrohte Bevölkerungsteile” an Schutzimpfungen teilnehmen müssen , wenn eine schwere “übertragbare” Krankheit um sich greift. Wann droht eine solche Gefahr? Wenn die Weltgesundheitsorganisation, der die Bundesrepublik seit 1951 treu verbunden angehört, eine “Pandemie” ausruft. Unter welchen Voraussetzungen tut die WHO dies? Verblüffenderweise nicht erst “bei enorm zahlreichen Todesfällen und Erkrankungen “. Diese ältere Definition, die sich am tatsächlich angerichteten Schaden ausrichtete, ersetzte die WHO im Jahr 2009 klammheimlich durch eine, die den Corona-Alarm überhaupt erst möglich machte: Es genügt schon, dass ein neuer Erreger, wie harmlos auch immer, sich „weltweit ausbreitet“. Eine Impfpflicht einzuführen, kann die Weltgesundheitsorganisation gemäß “ Internationalen Gesundheitsvorschriften ” ihren Mitgliedsländern zwar nicht vorschreiben, aber dringendst nahelegen. Falls deutsche Politiker bei der nächsten Pandemie WHO-Vorgaben ebenso folgsam umsetzen, wie sie es während der Coronajahre taten: Werden sie dann nicht dem Schweizer Vorbild folgen und Impfverweigerern drastische Strafen androhen? “Tritt in den Hintern” Was Volksvertreter damals von sich gaben, lässt das Schlimmste befürchten. Eine Impfpflicht “für alle ab 18” forderte der erstaunliche “Gesundheitsexperte” der Grünen, der Arzt Janosch Dahmen ; Sinn mache sie aber nur “mit Bußgeld”. Bayerns Markus Söder fand es “natürlich gut, wenn die Impfpflicht zumindest bei denen, bei denen der Impfstoff schon erprobt ist – ab 12 – auch stattfinden würde.« Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) befand, eine Impfpflicht müsse „empfindlich“ sein – also spürbare Konsequenzen nach sich ziehen. Winfried Kretschmann , Baden-Württembergs grüner Landesvater, sprach sich offen dafür aus, rücksichtslos vorzugehen: Es müsse rigoros "durchgeimpft" werden, dann sei die Sache “rum”. Robert Habeck (Grüne) sagte 2021: „Diejenigen, die träge sind, sollen sich jetzt endlich einen Tritt in den Hintern geben lassen.“ Der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) plädierte im Bundestag am 13. Januar 2022 im Bundestag dafür, die Covid-19-Impfung für alle Erwachsenen verpflichtend zu machen. Im selben Monat forderte die Grüne Ricarda Lang : „Eine allgemeine Impfpflicht ab 18 muss auf den Weg gebracht werden“, um „nicht weiter unkontrolliert von Welle zu Welle zu rutschen". Auch Karl Lauterbach , nimmermüder Lautsprecher der Piks-Hardlinerfraktion, hielt nicht viel von freiwilliger Überzeugungsarbeit – eine Impfpflicht sei der „sicherste und schnellste Weg aus der Pandemie“, um zukünftige Wellen zu verhindern. " Nur so gewinnen wir die Freiheit zurück.” Vorgesehen waren strikte Kontrollen via nationales Impfregister, Arbeitgeber, Behörden und eine Armee von ehrenamtlichen Spitzeln . Für Uneinsichtige, die sich gegen die Spritze sträuben, waren wie in der Schweiz in erster Linie Bußgelder geplant, keine physische Gewalt oder Erzwingungshaft. Lauterbach betonte: „Ins Gefängnis muss niemand“ (es sei denn er selbst, wenngleich aus anderen Gründen). Bußgelder sollten „empfindlich“ sein, orientiert an der Masernpflicht - bis 2.500 €, bei Nichtzahlung höher. Bei hartnäckiger Verweigerung hielten Rechtsexperten wie Gunnar Duttge und Kathi Gassner Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren für denkbar, analog § 316 des Strafgesetzbuches für “gefährliches Handeln”. Tübingens grüner OB Boris Palmer plädierte 2021 für „Beugehaft“ und Schlagstöcke gegen Querdenker bei Demos. (1) Sachsens Sozialministerin erklärte es „im Einzelfall“ für „nötig“, Quarantäne-Verweigerer in die Psychiatrie zu sperren – warum nicht auch unbeugsame Impfverweigerer? Wäre der Einsatz von Gewalt undenkbar, völlig ausgeschlossen? Schon vergessen, wie brutal Polizisten während der Berliner Massendemonstrationen im August und November 2020 auf „querdenkende“ Teilnehmer einprügelten ? Schon vergessen, dass Coronoiker in Amt und Würden  „die Anwendung unmittelbaren Zwangs, also die Einwirkung auf Personen durch einfache körperliche Gewalt, Hilfsmittel der körperlichen Gewalt oder Waffengebrauch" androhten ? Dieser Einschüchterungsversuch, unternommen von einem Oberbürgermeister Anfang 2022, galt Teilnehmern „an allen öffentlichen Veranstaltungen unter freiem Himmel“ im Stadtbereich, „um sicherzustellen, dass das Versammlungsverbot eingehalten wird“ – warum sollte er Impfverweigerern erspart bleiben? “Was denn sonst?” Große Medien unterstützten eine harte Linie nahezu einhellig, für regierungsfreundliches “Faktenchecken” flossen Millionenbeträge. ”Was denn sonst?” überschrieb der Spiegel 2020 eine Kolumne zur Impfpflicht; diese sei “wie eine gesamtgesellschaftliche Fahrscheinkontrolle für Trittbrettfahrer”. Die Süddeutsche   pries eine gesetzliche Impfpflicht als möglichen „Notausgang“ aus fortlaufenden Grundrechtsbeschränkungen. Die taz  fand sie “ zumutbar ”, der Tagesspiegel   forderte sie “zügig”. Sie “muss her, und zwar schnell”, fand der Stern . “Sorry, aber leider geht es offenbar nicht anders. Und der Spuk wäre bald vorbei. Endlich.” Wie einst bei Pocken und Polio: “Notfalls kam die Polizei.” Würden sich Deutsche bei der nächsten “Pandemie” solchen Einflüsterungen mehrheitlich entziehen, während die meisten zu Coronazeiten eher als brave Mitläufer in Erscheinung traten? Zweifel sind angebracht. Zwar ist die Impfskepsis mittlerweile gewachsen, seit sich herumgesprochen hat, welche Heerscharen von Langzeitgeschädigten und Toten die Covid-Spritzenkampagne erzeugt hat. Doch wie viele werden sich ihren kritischen Verstand bewahren – “querdenken” durfte diese Tugend einst unaufgeregt heißen -, wenn Propagandisten von neuem weltweit Massenpanik schüren, vor einem “Killerkeim” warnen, der noch viel schrecklicher scheint als SARS-CoV-2, und für großartige neuentwickelte Vakzine werben, die diesmal ganz bestimmt absolut wirksam und sicher sind? Wird sich nicht abermals der Eindruck durchsetzen, man sei einem Erreger “schutzlos ausgeliefert”, solange es keine Impfstoffe gibt – und könne “Herdenimmunität” nur sicherstellen, wenn man auch noch den letzten Impfmuffel daran hindert, aus der Herde auszuscheren? Auf dem Höhepunkt der allgemeinen Coronoia trugen 80 bis 90 % der Bevölkerung – von der Putzfrau bis zum Chefarzt, vom Taxifahrer bis zum Hochschulprofessor -, den staatlichen Hygieneterror mit. Ein Großteil stufte ihn sogar als “nicht weit genug” ein, nur wenige fanden ihn “übertrieben”. Zeitweise wünschten sich 59 % “„schnellstmöglich einen harten Lockdown“. 87 % hielten es für richtig, die Maskenpflicht auszuweiten. 78,4 % waren dafür , “besonders betroffene” Gemeinden – d.h. ab einer gewissen herbeigetesteten “Inzidenz” – “abzuriegeln”. 90 % erachteten Abstandsregeln als notwendig. 85 % ließen sich mindestens einmal gegen Covid-19 “ impfen ”. Ende 2021 waren 69 % dafür , dass sich „jede/r gegen Corona impfen lassen muss“. Man beschimpfte und denunzierte Mitmenschen, die ohne Gesichtswindel draußen alleine auf einer Parkbank saßen oder “illegal” spazierengingen. Es regierten Hass und Hetze gegen “Covidioten” und “asoziale Trittbrettfahrer”. Mehr Kontrollen, höheren Druck – etwa durch 2G/3G-Regeln, Zutrittbeschränkungen, Abstandsvorschriften -, härtere Strafen befürwortete die Mehrheit. (2) 61 % forderten „Bußgelder für Personen, die ihre Impftermine schwänzen“. Um Impfwiderstand zu brechen, fanden massenhaft Nötigungen statt: sei es in Betrieben, wo Jobverlust drohte; oder in Alten- und Pflegeheimen, wo widerspenstigen Senioren der Rausschmiss blühte. All dies soll etwa kein  Zwang gewesen sein? Genießen wir die heilige Wahlfreiheit eines demokratischen Rechtsstaats, solange man uns nicht fesselt, verprügelt, einsperrt? Blindlings unterwegs zur nächsten Hygienediktatur In der nächsten Pandemie undenkbar? Hat sich das öffentliche Meinungsbild seit 2020/21/22 wesentlich verändert – zumal inzwischen jedermann irgendwen kennt, den die Covid-Spritzbrühe zum Invaliden machte oder ins Grab beförderte?  Wer auf Lerneffekte hofft, verkennt die nachhaltige Macht der Propaganda. Noch im April 2024 hätten 70 % rückblickend eine Impfpflicht unterstützt . Weiterhin ist jeder Zweite dagegen , die Corona-Zeit “kritisch aufzuarbeiten”; 55 % sehen keinen Nutzen darin. Noch Anfang 2025 bewertete eine große Mehrheit, über 70 %, Deutschlands Pandemie-Management positiv . Muss man schwurbelnder Aluhut-Träger sein, damit einem inmitten einer derart reflexionsphobischen Volksgemeinschaft vor dem nächsten WHO-inszenierten Fledermaus-Horror graut? ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1)   https://www.youtube.com/watch?v=tPPtRrOB1j4&t=3s https://www.youtube.com/watch?v=uvc24A7pjwE&t=1s (2)   https://www.tagesschau.de/inland/deutschlandtrend/deutschlandtrend-2503.html , https://www.forschungsgruppe.de/Umfragen/Politbarometer/Archiv/Politbarometer_2020/Oktober_II_2020/

  • Ist bald Schluss mit Kinderkriegen?

    Um rund 80 Prozent müsse die Geburtenrate weltweit bis zum Jahr 2100 sinken, so fordert ein einflussreicher “Think Tank” der Vereinten Nationen und des Weltwirtschaftsforums. Kein Problem: Die Menschheit ist ohnehin dabei, unfruchtbar zu werden. Sich fortzupflanzen, werden sich womöglich bald nur noch Reiche leisten können. Als der Club of Rome , eine interdisziplinäre Expertenrunde aus mehr als 30 Ländern, der Menschheit 1972 mittels Computermodellen “Die Grenzen des Wachstums” aufzeigte, sandte er eine Schockwelle rund um den Planeten. In naher Zukunft, so weissagte er, werde das System Erde kollabieren, wenn wir seine endlichen Ressourcen weiterhin ungebremst konsumieren. Ein halbes Jahrhundert später scheint diese düstere Zukunft da. So jedenfalls kommt es “ Earth4All ” vor, einem einflussreichen, aus dem Club of Rome hervorgegangenen Think Tank, der vom schweizerischen Winterthur aus für das Davoser Weltwirtschaftsforum und die Vereinten Nationen hochpreisige Konzepte für eine bessere, nachhaltige Zukunft entwickelt. “Viele Menschen waren schockiert von der Schlussfolgerung (des Club of Rome), dass das Überschreiten der Grenzen des Planeten zum Kollaps führen könnte”, so erklären die Vordenker. “In den letzten 50 Jahren ist die Welt dem Worst-Case-Szenario des Berichts gefolgt, und wir sehen nun tiefe Risse im System Erde und in den Gesellschaften.” Um fünf vor zwölf gegenzusteuern, wirbt Earth4All für nichts Geringeres als einen Giant Leap , einen “Riesensprung”. Statt auf weiteres Wirtschaftswachstum aus zu sein, um für eine weiterwachsende Weltbevölkerung genügend Arbeit, Einkommen und Nahrung sicherzustellen, müsse schleunigst “ Degrowth ” stattfinden: Um Ressourcen zu schonen, könnte es angebracht sein, dass “Menschen in den reichen Ländern ihre Ernährung ändern, in kleineren Häusern leben, weniger Auto fahren und reisen”, weniger Energie verbrauchen. (Ob diese Einschränkungen auch für die führenden Köpfe der UN, des Weltwirtschaftsforums sowie ihre Sponsoren gelten, lässt Earth4All unerwähnt.) “In den nächsten zehn Jahren muss der schnellste wirtschaftliche Wandel der Geschichte stattfinden, wenn wir die Menschheit vor einer sozialen und ökologischen Katastrophe bewahren wollen. Es ist an der Zeit, unser Wirtschaftssystem zu modernisieren.” (1) Unter anderem bedürfe es dazu einer drastischen Bevölkerungsreduktion. Earth4All schlägt Maßnahmen vor, um die Zahl der Geburten in den nächsten 70 Jahren um 81 % zu senken, von 130 auf 24 Millionen pro Jahr – ein Rückgang um das Fünffache. Wie wäre das hinzukriegen? Die Lösung sieht Earth4All, zur Enttäuschung von allzu argwöhnischen “Verschwörungsideologen”, weder in Impfstoffen noch giftigen Chemikalien, weder in 5G noch in Sterbehilfe für Hochbetagte und sonstige nutzlose Esser. Vielmehr sieht der Plan vor, die gewichtigsten Gründe fürs Kinderkriegen zu beseitigen. Ärmere produzieren reichlich Nachwuchs, um ihn in Familienbetrieben mithelfen zu lassen und das eigene Alter abzusichern – also müsse ein massiver Wohlstandstransfer von reichen zu Entwicklungsländern stattfinden. Überall sollen Frauen dazu “ermächtigt” ( empowered ) werden, sich erstrebenswertere Lebensziele zu setzen als Mutterschaft. Die Menschheit wird unfruchtbar Bis Winterthur hat sich anscheinend noch nicht herumgesprochen: Schon bald könnte sich das Schreckgespenst, vorbildlich ressourcenschonend, von alleine verflüchtigen, ganz ohne Aktionsplan. Während schwarzmalende Reset -Prediger weiterhin vor den schrecklichen Folgen der Überbevölkerung warnen, macht sich nämlich ein gegenläufiger, nicht minder fataler Trend immer deutlicher bemerkbar: Die Menschheit ist dabei zu schrumpfen. In Kürze wird das globale Bevölkerungswachstum ein Plateau erreichen und danach rückläufig sein; in “entwickelten Regionen”, zu denen Europa, Nordamerika, Australien, Neuseeland und Japan zählen, erwartet die UN schon ab etwa 2025 einen drastischen Rückgang. Weltweit ist bereits jeder Sechste im zeugungsfähigen Alter von Fruchtbarkeitsproblemen betroffen, in Deutschland jedes zehnte Paar, in den USA ebenfalls. Selbst bei gesunden Paaren unter 30 Jahren misslingt es dort 40 bis 60 %, innerhalb des ersten Vierteljahrs nach Beginn ungeschützten Geschlechtsverkehrs für eine Schwangerschaft zu sorgen. Schon heute haben die Geburtenraten weltweit ein Rekordtief erreicht. Zwischen 1960 und 2018 sank die Zahl der geborenen Kinder um 50 %. Der beispiellose Niedergang betrifft beide Geschlechter gleichermaßen, am ausgeprägtesten in wohlhabenden Ländern. Bei Männern befindet sich dort die Spermienmenge schon seit Jahrzehnten im statistischen Sinkflug. Wie die Epidemiologin Dr. Shanna Swan vom Mount Sinai Health System - einem Kliniknetzwerk in New York -   feststellte , lag die Zahl im Jahr 2011 mit durchschnittlich 47 Millionen pro Milliliter bei weniger als der Hälfte des Werts von 1973 – damals waren es noch 99 Millionen/ml. Fällt die Kurve weiter im bisherigen Tempo, so läge sie im Jahre 2045 bei Null . So köstlich ließ die US-Epidemiologin Dr. Shanna Swan (Foto) zwei vorzügliche Aufklärungsvideos illustrieren: “ A Global Fertility Crisis ” und “ Endocrine Disruptors - Common Chemicals That Severely Alter Your Hormones ”.   Swans erschütternden Befund teilt Hagai Levine, Professor für Epidemiologie an der Hebräischen Universität Jerusalem. Nach seiner im Frühjahr 2023 veröffentlichten Studie ist die Spermienzahl zwischen 1973 und 2018 um durchschnittlich 1,2 % pro Jahr gesunken. Dabei hat sich der Rückgang beschleunigt: Seit dem Jahr 2000 beträgt er 2,64% pro Jahr. "Wir stehen vor einer Krise der öffentlichen Gesundheit und wir wissen nicht, ob sie umkehrbar ist", erklärte Levine in einem Interview mit BBC News im März 2023. Bei 40 % der ungewollt kinderlosen Paare liegen die Ursachen allein bei der Frau. (Zu weiteren 20 % tragen beide Partner gleichermaßen zum Problem bei.) Am häufigsten sorgen hormonelle Störungen dafür. Schon bald wird Paaren mit Kinderwunsch nichts anderes übrigbleiben, als sich von ihrem Herzenswunsch zu verabschieden und sich mit einem Haustier zu begnügen – oder sich beim Fortpflanzen medizintechnisch helfen zu lassen. Das Online-Nachrichtenmagazin Salon   kommentiert : „Wenn unsere durchschnittliche Spermienzahl weniger als 15 Millionen pro Milliliter beträgt, werden nur noch diejenigen Menschen in der Lage sein, sich fortzupflanzen, die sich teure medizinische Technologien wie die In-vitro-Fertilisation (IVF) leisten können.“ (Levine setzt die Schwelle für die nötige Spermienzahl bei 40 Millionen pro Milliliter an.) Könnten Zeugung, Schwangerschaft und Geburt auf eine verhältnismäßig kurze, recht unhygienische Frühphase der menschlichen Reproduktionsgeschichte beschränkt bleiben, die technologisch noch zu unterentwickelt war, um das Wesentliche außerhalb des Körpers stattfinden zu lassen? Zumindest Transhumanisten hätten kein Problem mit solchen Aussichten. Von EDCs bis PFAS: Chemikalien machen unfruchtbar Welche Faktoren die Krise heraufbeschworen haben und weiter zuspitzen, weiß jeder, der den Forschungsstand zur Kenntnis nimmt. Zu den Hauptverantwortlichen zählen endokrin wirksame Chemikalien (EDCs)   wie Phthalate und Bisphenole, die in Kunststoffen, Körperpflegeprodukten, Kosmetika, verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln vorkommen. Sie beeinträchtigen unmittelbar die Funktion unserer Steroidhormone: jener Botenstoffe, die Informationen zwischen Geweben vermitteln; die wichtigsten sind Testosteron und Östrogen, die männlichen bzw. weiblichen Geschlechtshormone. Viele EDCs ahmen diese natürlichen Hormone nach und ersetzen sie - leider alles andere als vollwertig. Zum einen drängeln sie sich bei deren Rezeptoren vor (von lat. recipere = aufnehmen): Proteine oder Proteinkomplexe, an die bestimmte Signalmoleküle andocken können, um Prozesse im Zellinneren in Gang zu setzen. EDCs binden an Androgen- oder Östrogenrezeptoren, wobei sie gleichgerichtet oder entgegengesetzt wirken. Dadurch erhöht oder verringert sich die Expression geschlechtsspezifischer Gene: die Art und Weise, wie ein Gen in Erscheinung tritt, um jene biologischen Strukturen und Funktionen auszubilden, die an der Fortpflanzung mitwirken. Betroffen sein können auch P450-Enzyme in der Leber, die Steroidhormone verstoffwechseln. Zudem manipulieren EDCs beteiligte Enzyme -  unter anderem die Cytochrome P450 in der Leber, die Steroidhormone verstoffwechseln. Auch hemmen EDCs die Aktivität der 5-α-Reduktase; sie ist das wichtigste Enzym bei der Produktion von Dihydrotestosteron (DHT), der biologisch wirksamsten Form des männlichen Sexualhormons Testosteron. Somit reguliert 5-α-Reduktase die Vermännlichung der äußeren Genitalien und der Prostata. Wie Dr. Shanna Swan ausführt ,  drohen mehrere Probleme, wenn es an Testosteron mangelt, während sich ein männlicher Fötus entwickelt. Seine Genitalien können sich nicht richtig entwickeln. Wenn er älter wird, verfügt er womöglich nicht über genügend Spermien, um fruchtbar zu sein. Auch besteht ein erhöhtes Krebsrisiko. Für all diese negativen Auswirkungen ist die Beweislage längst erdrückend. "In mehreren Studien auf der ganzen Welt wurde ein Rückgang des Testosterons festgestellt”, so stellt Shanna Swan fest. “Wir sehen eine Zunahme der erektilen Dysfunktion. Wir sehen einen Anstieg der Raten von Genitalanomalien. Wir sehen einen Anstieg der Hodenkrebsraten." Damit nicht genug: EDCs können die DNA in Spermien fragmentieren , was zu frühen Fehlgeburten beitragen kann. Natürlich sind auch Frauen betroffen: Bei hoher EDC-Belastung bilden ihre Ovarien ungewöhnlich früh nicht mehr genügend Eizellen, um schwanger zu werden. Eine weitere Klasse von chemischen Übeltätern stellen per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) dar. Sie stecken in fett- und schmutzabweisenden Produkten wie Lebensmittelverpackungen, Kleidung, Kosmetika und Haushaltsgegenständen wie Kochgeschirr. Ziemlich treffend werden sie umgangssprachlich als „ewige Chemikalien“ bezeichnet: Extrem stabil, sind sie so gut wie gar nicht abbaubar. Deshalb verschmutzen sie nicht nur dauerhaft Wasser und Boden – über die Nahrung und Kontakt mit Verbraucherprodukten reichern sie sich auch in unserem Körper an. Eine 2022 veröffentlichte Studie fand "einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Exposition gegenüber einer Mischung von PFAS in der Frühschwangerschaft und einer geringeren Spermienkonzentration und Gesamtspermienzahl sowie einem höheren Anteil an nicht-fortpflanzungsfähigen und unbeweglichen Spermien" bei männlichen Nachkommen. Auch stören PFAS nachweislich die Fortpflanzungshormone. Sie verzögern den Beginn der Pubertät. Bei Frauen erhöhen sie das Risiko für Endometriose: Gewebeteile der Gebärmutterschleimhaut wachsen dann außerhalb des Uterus; dabei können sie Eileiter und Eierstock derart verstopfen, dass der Eisprung verhindert wird. Darüber hinaus fördern PFAS das polyzystische Ovarsyndrom , bei Frauen mit 5 bis 10 % die häufigste Hormonstörung im gebärfähigen Alter: Weil sie die Reifung der Eizellen beeinträchtigt, finden keine regelmäßigen Eisprünge statt, was den Eintritt einer Schwangerschaft erschwert. Sogenannte “Pflanzenschutzmittel”   spielen ebenfalls mit. Organophosphate und N-Methylcarbamate, zwei gängige Insektizidklassen, verringern die Spermienzahl, wie die Fachzeitschrift Environmental Health Perspectives im November 2023 Erkenntnisse aus 20 Studien mit insgesamt 1774 erwachsenen Männern zusammenfasste . Mit einer verminderten Fruchtbarkeit bei Frauen sowie mit Störungen der Eierstöcke, Totgeburten, Frühgeburten und Entwicklungsanomalien werden Pestizide ebenfalls in Verbindung gebracht. Auch Elektrosmog steht im Verdacht Zum beobachteten Rückgang der männlichen Spermienzahl könnten Belastungen durch elektromagnetische Felder (EMF) ebenfalls beitragen. Einen bisher unbekannten Mechanismus, mit dem die von Mobiltelefonen und anderen drahtlosen Technologien ausgestrahlten Mikrowellen biologische Schäden anrichten können, entdeckte Martin L. Pall , Professor für Biochemie und medizinische Grundlagenwissenschaften an der Washington State University: Sie aktivieren spannungsgesteuerte Kalziumkanäle (VGCCs), die in den Zellmembranen eingebettet sind. Wenn das geschieht, werden innerhalb der Zelle im Nu rund eine Million Kalziumionen pro Sekunde freigesetzt. Dieser massive Überschuss an Kalzium führt dazu, dass sich Stickstoffmonoxid (NO) bildet – in der Zelle ebenso wie in den Mitochondrien.  Gemeinsam mit Superoxid verwandelt sich NO in Superoxid. Diese hochreaktive Verbindung richtet nicht nur oxidative Verwüstungen an, sondern bildet auch freie Hydroxylradikale; diese zerstören die mitochondriale und nukleare DNA, ihre Membranen und Proteine. Das führt zu Dysfunktionen, die sich auf Menge und Funktion der Spermien auswirken, insbesondere auf ihre Beweglichkeit. Wie auf einem Expertengremium für Kindergesundheit im Jahr 2013 festgestellt wurde, ist "die Hodenschranke, die die Spermien schützt, das empfindlichste Gewebe im Körper“; deshalb setzt ihr Handystrahlung besonders stark zu. Je häufiger es zu einer Exposition kommt, je länger sie andauert, je stärker das EMF ist, desto schlimmer wirkt es sich aus. Wer weiterhin bestreitet, dass die Strahlung von Smartphones, Tablets, WLAN-Routern & Co. unserer Gesundheit schadet, hat vom aktuellen Forschungsstand keinen blassen Schimmer - oder er steht vermutlich auf der Honorarliste der Mobilfunklobby. 130 Studien und 13 Reviews belegen Auswirkungen auf die Konzentration, Vitalität, Form und Beweglichkeit der Spermien; die Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation diagnose:funk  hat sich die Mühe gemacht, einen Großteil davon in einer Datenbank zusammenzutragen . Selbst der Technologiefolgen-Ausschuss des EU-Parlaments sieht den Zusammenhang mittlerweile als erwiesen an – nachzulesen in seinem Forschungsüberblick „ Health Impact of 5G “. Kürzlich bestätigt hat ihn eine aufwändige Meta-Analyse von Wissenschaftlern der Elite-Uni Pusan in Südkorea. Politische Konsequenzen daraus wären überfällig. Wird der Notstand herbeigeimpft? Impfstoffe könnten den Unfruchtbarkeitstrend verstärken. Frühzeitig haben besorgte Ärzte und Wissenschaftler darauf hingewiesen, dass eben diese Gefahr von den Covid-Spritzen ausgeht: In Spermien, Eizellen und Plazenta könnten die Vakzine mit Syncytin – einem Protein, das bei der Entwicklung der Plazenta eine entscheidende Rolle spielt - und reproduktiven Genen in einer Weise reagieren, welche die Fortpflanzung behindert. Wie berechtigt die Warnung war, bestätigt inzwischen eine im Fachjournal Andrology veröffentlichte Studie (2): Die mRNA-Spritze von Pfizer beeinträchtigt die Konzentration und Beweglichkeit von Spermien rund ein Vierteljahr lang. Frauen aller Altersgruppen klagten über eine veränderte Menstruation nach der Impfung, was sich auf die Fruchtbarkeit auswirken könnte; allein in Großbritannien wurden über 30.000 entsprechende Berichte dokumentiert . Je häufiger sich Frauen „piksen“ ließen, desto öfter litten sie unter Fertilitätsproblemen. Es häuften sich Meldungen über Todesfälle bei Neugeborenen und gestillten Babys (3). Österreichische Hebammen berichteten über eine Zunahme von Komplikationen während der Schwangerschaft und Entbindung nach einer Covid-Impfung. Rund um den Globus fiel die Geburtenrate nach Beginn der Covid-Impfkampagne – ausgeprägter als je zuvor in den vergangenen hundert Jahren. Daten aus 19 Ländern Europas belegen für die erste Jahreshälfte 2022 ein mittleres Minus von 7 %: Das sind 110.059 Geburten weniger als im Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2021. In fünf Ländern lag die Quote über 10 %. In Deutschland sank die Geburtenrate im ersten Quartal 2022 um 10 % (4), bis Jahresende um 12,2 % . In der Schweiz lag sie zwischen Januar und April 2022 um 15 % niedriger als erwartet, in Großbritannien um 10 %,  in Taiwan  um 23 %. In den Niederlanden sank sie um 11 %, in Schweden  um 14 %, in Neuseeland und Australien  um rund 15 %, in Ungarn  um 22 %, auf Taiwan  um 28 %. (5) Auch die meisten US-Bundesstaaten verzeichneten einen Rückgang der Lebendgeburten. Für North Dakota beispielsweise weisen Statistiken ein Minus von 10% im Februar 2022 aus, von 13% im März und von 11% im April, verglichen mit den entsprechenden Monaten im Vorjahr. In den fünf Ländern mit den höchsten Covid-Impfquoten ging die Geburtenrate im Durchschnitt um 15,2 % zurück . Hingegen sank sie in den fünf Ländern mit dem niedrigsten Bevölkerungsanteil Geimpfter im Durchschnitt nur um 4,66 %. Unfruchtbarkeit als Impfschaden: Handelt es sich da selbstverständlich um eine allerseits bedauerte, völlig unbeabsichtigte Nebenwirkung? Daran zweifeln lässt der erschütternde Dokumentarfilm „ Infertility: A Diabolic Agenda “. Wie er 2022 aufdeckte, arbeitet die Weltgesundheitsorganisation seit den 1970er Jahren an Vakzinen, die unfruchtbar machen. Mitte der neunziger Jahre kam heraus, dass die UNICEF in Afrika einen Tetanus-Impfstoff verwendete, der mit “humanem Choriongonadotropin” versetzt war, kurz hCG. Die Ausschüttung dieses Hormons sendet dem Körper einer Frau das erste Schwangerschaftssignal. Er reagiert darauf, indem die Eierstöcke Progesteron produzieren, das die Schwangerschaft bis zum Ende aufrechterhält. Mit Tetanus-Toxin kombiniert, wurde dieses hCG vom Immunsystem der “Gepiksten” angegriffen und zerstört. So kam es zur massenhaften Sterilisation afrikanischer Frauen – ohne deren Wissen und Zustimmung. (6) Ein mutiger Arzt aus Kenia, Dr. Stephen Karanja, schlug damals verzweifelt Alarm: “Wenn sie mit Afrika fertig sind, seid ihr und eure Kinder dran.” Pflanzen sich bald nur noch Reiche fort? Das Fertilitätsgeschäft boomt. Bis 2030 wird es voraussichtlich ein Marktvolumen von rund 48 Milliarden Dollar erreichen , mit enormem weiteren Wachstumspotenzial. Denn Reproduktionsmedizin ist sündhaft teuer – ihre Anbieter profitieren umso mehr, je zaghafter Gesundheitsbehörden die Ursachen angehen. Ein einziger Zyklus der In-vitro-Fertilisation (IVF), bei der in einem Reagenzglas einzelne Eizellen mit aufbereiteten Spermien zusammengebracht werden, kann 2000 bis 3000 Euro kosten, aber auch zwischen 15.000 und 30.000 Euro .  Und weil die Chance , dabei schwanger zu werden, nach dem ersten Zyklus nur 29 % beträgt und selbst beim sechsten Zyklus erst auf 43 % steigt, können schwindelerregende Beträge zusammenkommen. In Deutschland springen Krankenkassen ein, aber bloß unter bestimmten Voraussetzungen und meist nur anteilig. Lediglich Verheiratete können darauf hoffen; beide Ehepartner müssen mindestens 25 Jahre alt sein, die Frau aber höchstens 40, der Mann maximal 50. Im allgemeinen beteiligen sich die Gesetzlichen dann zur Hälfte an den Behandlungs- und Medikamentenkosten für insgesamt acht Zyklen einer Insemination ohne vorherige hormonelle Stimulation plus drei Zyklen einer Insemination mit hormoneller Stimulation plus drei Zyklen einer IVF oder einer Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion ( ICSI), bei welcher ein einzelnes Spermium mit einer Mikropipette direkt in das Zytoplasma einer Eizelle injiziert wird. Private Krankenkassen verfahren nach dem „Verursacherprinzip“; ist beispielsweise der Mann steril, so bezahlen sie die gesamte Behandlung, auch wenn die Ehefrau gesetzlich versichert ist. Anderswo müssen Betroffene aus eigener Tasche bezahlen. Ein Großteil ist damit überfordert. Und es werden immer mehr. "Unsere Spezies steht vor einer Zukunft, in der nur noch die Reichen in der Lage sein werden, sich zu vermehren", befürchtet Salon . Wer sonst wird sich noch teure Reproduktionstechnik leisten können? Zwei neue soziale Klassen könnten entstehen: Wenigen vermögenden Fortpflanzern würde eine Masse finanziell minderbemittelter Steriler gegenüberstehen – mit enormem Konfliktpotential. Um für eine solche Zukunft vorzusorgen, kommen immer ausgefeiltere Technologien zur sozialen Kontrolle wie gerufen. ( Harald Wiesendanger )   Anmerkungen (1)   Eingehend beschreibt Earth4All das “Riesensprung”-Szenario in seinem knapp 100-seitigen Konzept “ People and Planet ”. Noch ausführlicher präsentiert es die Ko-Präsidentin des Club of Rome, Sandrine Dixson-Declѐve, in ihrem Buch Earth for All – A Survival Guide for Humanity  (2022); es fügt sich vorzüglich in die Great Reset -Vision des WEF-Lenkers Klaus Schwab ein. Weitgehend entspricht es zudem den “ Sustainable Development Goals ” der Vereinten Nationen, s. auch https://expose-news.com/2022/06/26/new-study-pfizer-docs-depopulation-infertility/ (3)   Zu 60 gemeldeten Fällen aus Deutschland s. hier (4)   https://expose-news.com/2022/07/18/germany-birth-rates-drop-dramatically-in-2022/ ; https://igorchudov.substack.com/p/dramatic-decrease-in-births-in-germany (5)   Für das Gesamtjahr 2022 siehe die Tabelle in https://swprs.org/covid-vaccines-and-fertility/#foobox-5/0/birth-data-2022-july.png?ssl=1 (6)   Siehe Auswege Infos Nr. 99 / 2. August 2022 Titelbild: Freepik.

  • „Evidenzbasiert“? Von wegen.

    Weniger als sechs Prozent aller schulmedizinischen Maßnahmen beruhen auf einigermaßen gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen; nur bei jeder dritten sind Nebenwirkungen hinlänglich bekannt. Diese blamablen Quoten ergeben sich aus einer gründlichen Auswertung von über 1000 Forschungsreviews. Dass „alternativer“ Medizin nicht zu trauen sei, weil es ihr an „Evidenz“ mangle, erweist sich insofern als Steinwurf aus dem Glashaus. Wenn er Petrus wäre, so würde er nur zwei Arten von Ärzten in den Himmel lassen, nämlich Unfallchirurgen und Zahnärzte, ätzte einst der britische Medizinhistoriker Thomas McKeown (1912-1988). Denn das waren in seinen Augen die einzigen, die wirklich dazu beitrugen, Leiden zu lindern. Die eigentlichen Fortschritte der öffentlichen Gesundheit – längeres Leben, bessere Lebensqualität – verdanken wir seines Erachtens nicht den Errungenschaften der modernen Medizin, sondern breiten sozialen und wirtschaftlichen Fortschritten, höherem Lebensstandard, insbesondere besserer Ernährung, besserer Hygiene, einem Dasein ohne ständige Angst, Not und Lebensgefahr. Das war Mitte der 1970-er Jahre, nachzulesen in McKeowns provokantem Buch The Role of Medicine . (1) Und heute, ein halbes Jahrhundert später? Wie schwach das Rückgrat der sogenannten „Evidenzbasierten Medizin“ weiterhin ist, stellt ein 12-köpfiges Autorenteam in einem aufwändigen Meta-Review fest: einer Auswertung von über 1000 Überblicksarbeiten zu medizinischen Studien. (2) Arrogante Schulmedizin mit schwachem Rückgrat Die berücksichtigten Reviews decken alle Bereiche der Medizin ab, von Kinderheilkunde bis Gerontologie, von Psychiatrie bis Chirurgie, von Pharmazeutika bis Diäten. Sie stammen von Cochrane , einer Anfang der 1990-er Jahre von dem Epidemiologen Archie Cochrane gegründeten unabhängigen, gemeinnützigen Organisation, in der ein weltweites Netzwerk von Wissenschaftlern medizinische Forschung systematisch zusammenfasst, um Ärzten und Gesundheitspolitikern wohlbegründete Entscheidungen zu ermöglichen. Dazu erstellen und pflegen Cochranes Forschungsgruppen und Zentren systematische Reviews und Meta-Analysen, die den Stand der Evidenz zu medizinischen Interventionen und teils auch Diagnostikfragen bewerten – inklusive Methodik, Bias-Risiken und Aussagekraft der Gesamtevidenz. Für den Umgang mit Interessenkonflikten gelten strenge Regeln – gekaufte Wissenschaft soll ausgeklammert bleiben. Die Ergebnisse erscheinen vor allem in der Cochrane Library . Mehr als 9000 Reviews umfasst sie mittlerweile. Aus dieser riesigen Materialsammlung wählte das Forscherteam 1076 Reviews aus, veröffentlicht zwischen 2008 und 2021; sie deckten die insgesamt 1567 medizinische Maßnahmen ab. Wichtigstes Einschlusskriterium: Es wurde eine Intervention mit einem Placebo, keiner Behandlung oder der Standardtherapie verglichen. Um ihre Qualität zu bewerten, kam GRADE zur Anwendung: ein gängiges Verfahren, das in systematischen Reviews für jedes Ergebnis ( Outcome ) ein “Vertrauens-Label” vergibt: hoch, moderat, niedrig, sehr niedrig. Nehmen wir zum Beispiel den Cochrane-Review zu Statinen, besonders häufig verschriebenen Medikamenten,  welche das „schlechte“ LDL-Cholesterin im Blut reduzieren, indem sie die Cholesterinproduktion in der Leber hemmen, um das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle zu senken. Zu diesem Thema findet sich in der Cochrane Library der Rapid Review von Health Quality Ontario . Hier bewertet GRADE zwei Outcomes: -   Major coronary events , z. B. nicht-tödlicher Herzinfarkt + koronare Todesfälle; -   Stroke : tödlicher + nicht-tödlicher Schlaganfall. Wie „ rechnet “ GRADE hier? Weil es sich um besonders hochwertige Untersuchungen handelt – RCTs, randomisierte kontrollierte Studien -, startet GRADE pro Outcome zunächst bei „hoch“. Dann fragt GRADE pro Outcome: “Muss ich wegen Problemen eine Stufe (oder mehr) runter?” Die fünf typischen Prüfstellen sind: Risk of Bias  (Verzerrungsrisiko), Inconsistency  (Uneinheitlichkeit der Ergebnisse), Indirectness  (fehlende direkte Übertragbarkeit auf die Fragestellung), Imprecision  (breite Unsicherheitsspannen; zu wenige Daten/Ereignisse) und Publication Bias (Veröffentlichungsverzerrung; „positive“ Studien eher publiziert als negative). Bei Outcome A: „Herzinfarkt/koronare Todesfälle“: 10 RCTs. Risk of bias: „serious limitations (–1)” Wieso wurde um 1 Stufe abgewertet? In mehreren Studien war die Randomisierung der Teilnehmer und ihre Verblindung nicht sauber dokumentiert; man weiß nicht sicher, ob die Gruppen wirklich „fair“ gebildet wurden. Eine Studie war nicht verblindet und wertete „ on-treatment “ aus (wer abbricht, zählt weniger/anders) – das kann Effekte verzerren. Zwei Studien wurden seltsam früh abgebrochen - das kann den Nutzen „zu gut“ aussehen lassen. - Ansonsten keine Einschränkungen. Publication bias: undetected.  Qualität: MODERAT. Bei Outcome B: „Schlaganfall“. 7 RCTs. Risk of bias: ebenfalls „serious limitations (–1)“, zusätzlich Imprecision: „serious limitations (–1)“. Warum? Schlaganfälle ereignen sich im Laufe von Studien selten. Die Datenlage ist zu dürftig, um sicher zu sein. → Qualität: NIEDRIG. Das Ergebnis: Lediglich 5,6 % aller medizinischen Maßnahmen hatten einen statistisch signifikanten “HIGH QUALITY”-Outcome. Hingegen  war bei 58 % der untersuchten Reviews die Qualität “NIEDRIG” oder gar “SEHR NIEDRIG”, bei weiteren 30 % “MÄSSIG”. “Diesem bescheidenen Wirksamkeitsprofil”, so stellt die Walach/Ioannidis-Gruppe fest, “stehen die Nebenwirkungen gegenüber. Nur bei 577 oder 37 % aller Interventionen wurden auch die Nebenwirkungen so sorgfältig dokumentiert, dass sie in den Reviews erfasst werden konnten.” Inwieweit Medizin schadet, bleibt demnach viel zu oft unerwähnt. Ihr Fazit: “Jedenfalls wissen wir jetzt, dass ein bisschen mehr Skepsis im Umgang mit dem medizinischen Erlösungsnarrativ nicht nur angebracht und sachlich richtig ist, sondern eigentlich die aufgeklärtere und besser informierte Haltung.” Ein Lehrstück: “Evidenz” gegen HCQ Wie sich “Evidenz” herbeitricksen lässt, um missliebige Standpunkte und Praktiken in Verruf zu bringen, zeigt beispielhaft der “Surgisphere”-Skandal zu Beginn der Corona-“Pandemie”. Zuvor hatten zahlreiche Ärzte über verblüffende Behandlungserfolge mittels HCQ bei Covid-19 berichtet; selbst US-Präsident Donald Trump warb dafür. Prompt tauchte am 22. Mai 2020 in Lancet  - einer der weltweit angesehensten medizinischen Fachzeitschriften - eine Studie auf, die behauptete, dass HCQ Covid-Patienten mehr schadet als nützt – ja, für Infizierte erhöhe es das Sterberisiko im 100 %. Dies ergebe angeblich die Analyse der Krankendaten von 96.032 Patienten aus 671 Kliniken auf sechs Kontinenten. Faktenchecker weltweit beriefen sich auf das imposante Zahlenwerk, Mainstream-Medien verbreiteten es unbesehen. Der Effekt war durchschlagend: In vielen Ländern wurden schon begonnene HCQ-Studien daraufhin abgebrochen. Später stellte sich heraus: Die Daten waren gefälscht. Die Firma Surgisphere, von der die Daten stammten, konnte nie nachweisen, dass die „1200 Krankenhäuser auf der ganzen Welt" überhaupt existierten. Als Andrew Gelman, ein renommierter Statistiker von der Columbia University, die Surgisphere-Daten unter die Lupe nahm, stieß er auf Absurdes: Der Studie waren in Australien 73 Covid-Todesfälle in Chirurgischen Krankenhäusern auftraten - aber ganz Australien hatte bis April 2020 zu diesem Zeitpunkt weniger als 102 Covid-Tote Todesfälle verzeichnet; die meisten waren in Altenheimen vorgekommen, nicht in Krankenhäusern. Von welchen 1200 Krankenhäusern stammten die Surgisphere-Daten? Die Studie nannte kein einziges beim Namen. Nachforschungen ergaben, dass viele von ihnen gar nicht existierten oder noch nie von Surgisphere gehört hatten.   Nach einem Protestbrief von über 200 Medizinern, Statistikern und Ethikern zog Lancet die Studie zurück . Bis heute ist unklar, wer sie überhaupt in Auftrag gegeben und finanziert hatte. Dies aufzuklären, scheint nur “Verschwörungstheoretikern” wichtig. Ein Großteil klinischer Forschung ist: nutzlos. An der gebetsmühlenhaft beschworenen „Evidenzbasierung“ des Medizinbetriebs zweifelt der Mediziner, Epidemiologe und Biostatistiker Ioannidis, einer der weltweit bekanntesten Wissenschaftsforscher, seit langem. (3) Das EBM-Ideal hält er zwar für richtig und nötig. Doch die Evidenz, auf die man sich beruft, kann systematisch verzerrt sein. Häufig wird sie nicht neutral gefunden, sondern produziert, gefiltert und vermarktet. Allzuoft ist sie durch Anreizsysteme und Interessenkonflikte kontaminiert. Einflussreiche randomisierte Studien wurden häufig von/zugunsten der Industrie durchgeführt.  Da zeigt beispielsweise ein Medikament in mehreren Studien einen imposanten Effekt auf einen Laborwert, z. B. LDL und HbA1c. In Leitlinien klingt das dann nach „starker Evidenz“. Ioannidis würde fragen: Wurden Endpunkte ausreichend erhoben, die für Patienten relevant  sind: Tod, Herzinfarkt, Lebensqualität? Sind die Studien groß genug, unabhängig genug, transparent genug? Oder drückte  man den „EBM-Stempel“ auf einen schmalen, gut verkäuflichen Ausschnitt der Evidenz? Manche Befunde sind schlicht unzuverlässig – mehrfach verzerrt, zu klein angelegt, zu großzügig ausgewertet. Ein großer Teil klinischer Forschung ist nutzlos, nicht unbedingt wegen „falscher“ Resultate, sondern weil Design, Relevanz und Transparenz nicht ausreichen, um Entscheidungen wirklich zu verbessern. Ioannidis kritisiert nicht „zuwenig Forschung“, sondern zuviel Forschung mit zu geringem Informationsgewinn. Was Ioannidis allerdings nicht hinterfragt, ist der Begriff der „Evidenz“ selbst. Abgeleitet vom lateinischen Substantiv „ evidentia “, bedeutet er Sichtbares, Deutliches, Augenscheinliches. Sind allein Wissenschaftler imstande, deutlich zu sehen, wodurch sich unsere Gesundheit wiederherstellen und erhalten lässt? Gibt es hierfür nichts Aufschlussreicheres als jene Art von Untersuchungen, die in Reviews und Meta-Analysen einbezogen werden – zualleroberst RCTs, randomisierte, kontrollierte Studien? Ist vernachlässigbar, was dort niemals auftaucht? Die Heilige Kuh schlachten Wie es sich für eine Heilige Kuh gehört, wohnt sie nicht unbehaust. Nein, standesgemäß residiert sie in den obersten Etagen eines Bauwerks, das für die moderne Medizin kaum weniger bedeutsam ist als die Dreifaltigkeit für das Christentum. Von ihrem ersten Unisemester an gewöhnen sich Mediziner an, beim bloßen Anblick dieses Gebildes ehrfürchtig zu erschaudern: die „Evidenzpyramide“. Für eine Medizin, die sich ausschließlich von forschend beigebrachten „Beweisen“ leiten lässt, macht sie anschaulich, worauf Ärzte ihre Bewertungen, ihre Entscheidungen, ihre Handlungen stützen sollten; was als ernstzunehmende „Evidenz“ durchgeht; und welches Gewicht sie verschiedenen Arten von Evidenzen beizumessen haben. Der geringste Stellenwert kommt demnach In-vitro-Untersuchungen zu, salopp gesagt der „Reagenzglas-und Petrischalen-Forschung“, etwa mit isolierten Zellen. Als höherwertig gelten Tierversuche. Es folgen: Expertenmeinungen, kundgetan etwa in Editorials, in Kongressbänden, in Lehrbüchern; einzelne Fallberichte; ganze Fallserien, bei denen eine Stichprobe von Patienten mit einer bestimmten Krankheit beobachtet wird; sowie Fall-Kontrollstudien, bei denen eine solche Patientengruppe mit einer anderen verglichen wird, die aus gesunden Personen besteht. Noch größeres Gewicht haben Kohortenstudien; sie verfolgen über einen längeren Zeitraum – prospektiv oder rückblickend – eine oder mehrere Gruppen von Personen, die ein bestimmtes Merkmal verbindet, beispielsweise Veganer, Singles, Raucher. Auf sie alle blickt die Heilige RCT-Kuh hochmütig herab. Als noch respektabler als einzelne kontrollierte Studien gelten bloß noch „Reviews“, systematische Überblicke, welche die Ergebnisse zahlreicher solcher Studien zusammenfassen; und Meta-Analysen, die eine Vielzahl von RCTs statistisch auswerten. Man muss nicht erst tagelang angestrengt über diese Pyramide sinnieren, ehe einem drei Merkwürdigkeiten auffallen. Zum einen sperrt sie qualitative Studien aus, obwohl gerade solche Arbeiten Einblicke und Einsichten vermitteln können, an die kein quantitativer Ansatz heranreicht.  Zweitens ist in diesem Gebäude keinerlei Platz für Patienten vorgesehen. Tut denn nichts zur Sache, wie sie eine Behandlung, eine Arznei subjektiv erleben, wie sie daraufhin Veränderungen ihrer Symptomatik und ihres Befindens, Missempfindungen und Beeinträchtigungen, die Auswirkungen der Therapie auf ihr gesamtes Leben beschreiben? Jedenfalls zählt all dies nicht zu jenen „Evidenzen“, von denen auszugehen eine „evidenzbasierte“ Medizin für erforderlich hält. Dies ist, gelinde gesagt: befremdlich. Was denn sonst sollte Maßstab guter Medizin sein, wenn nicht der Nutzen, den sie Kranken beschert – nach ihrer höchstpersönlichen Einschätzung? Drittens verwundert, dass auch der bewährte Wissensschatz jahrhundertealter Heiltraditionen aus der Pyramide ausgesperrt wird, ebenso wie die ärztliche Erfahrung, womöglich gesammelt in mehreren Praxisjahrzehnten an Abertausenden von Patienten. Keine Frage, ihnen mangelt es an statistischer Relevanz - trotzdem sind sie alles andere als nichtssagend und vernachlässigbar, sondern im allgemeinen überaus lehrreich und aussagekräftig. Das empirische Fundament nicht nur aller erfolgreichen ‘alternativen‘ Heilweisen, sondern auch eines Großteils der konventionellen Verfahren besteht aus unzähligen Case Reports , ob nun schriftlich dokumentiert oder bloß als Erinnerungen in den Köpfen von Behandlern und Behandelten gespeichert. Sie entstanden aus unmittelbarem Kontakt mit kranken Menschen und bewährten sich dabei recht ordentlich. Selbst mir geht es so: Vor der Frage, ob ich mich auf ein bestimmtes Therapieangebot einlassen soll, überzeugt mich eine Vielzahl von präzisen, weitgehend übereinstimmenden Erfahrungsberichten aus glaubhaften Quellen erheblich mehr als die aufwändigste multizentrische Doppelblindstudie, zumal eine industriegesponserte. In den Therapiecamps meiner Stiftung Auswege , wie auch im medizinischen Alltag, überwiegen multimorbide Patienten, mit mehreren Erkrankungen und Medikationen zugleich; seelische Belastungen, die empathisch beachtet und verstanden werden wollen, sind zumindest in chronischen Fällen stets beteiligt. In der klinischen Forschung kommen solche Menschen aber nicht vor, weil sie die Ergebnisse verfälschen würden. Hochschulmediziner, Statistiker und Aktenforscher untersuchen genormte Standardprobanden, mit ausschließlich einem  quantifizierbaren gesundheitlichen Problem. Was taugen Therapieempfehlungen aus diesem Wolkenkuckucksheim medizinischen Erkenntnisgewinns denn in der ärztlichen Praxis? Wie, wenn nicht aufgrund persönlicher Einschätzung des Einzelfalls, entscheidet ein Arzt letztlich, was warum diesem  realen Mehrfachkranken, der jetzt gerade vor ihm sitzt, gut tut, in seiner besonderen  Verfassung, unter seinen einmaligen  Lebensumständen, mit seiner einzigartigen Vorgeschichte? Der Kult um „Evidenzbasierung“: Teil eines Generalangriffs auf die ärztliche Entscheidungs- und Therapiefreiheit Die Abwertung des Fallbeispiels, wie auch der darauf gestützten Erfahrung, scheint mir Teil eines wohldurchdachten, von langer Hand vorbereiteten Generalangriffs auf die ärztliche Entscheidungs- und Therapiefreiheit. Er zielt darauf, unsere Ärzte grundsätzlich misstrauen zu lassen, was Auge, Ohr und Großhirn ihnen vermitteln. Ihrer praktischen Vernunft sollen sie abschwören, um zum willigen Vollzugsorgan „der Wissenschaft“ zu werden – und damit jener, welche die Macht haben, diese Institution für eigene Zwecke zu instrumentalisieren. Der beste Arzt ist aber nicht derjenige, der die meisten Studien höchster Evidenzlevels rezitieren und leitlinienkonform umsetzen kann – sondern einer, der aufmerksam beobachtet, eingehend und kommunikativ geschickt befragt, empathisch mitdenkt und –fühlt, aus Gesehenem und Gehörtem naheliegende Schlüsse zieht, Besonderheiten mitbedenkt, vor voreiligen Verallgemeinerungen auf der Hut ist. Dabei schöpft er nicht bloß aus übernommenen Fremdwissen, sondern aus einem wachsenden persönlichen Datenschatz, den ihm Begegnungen mit Hunderten, wenn nicht Abertausenden von Hilfesuchenden im Laufe vieler Praxisjahre bescheren, wie auch ein achtsames, reflektiertes, Anteil nehmendes Leben in Gesellschaft. Was geschähe, wenn er sich vornehmlich darauf verließe? Seelisch Belasteten beispielsweise würde er Psychopharmaka mit Sicherheit bloß ausnahmsweise verordnen, auf dem Höhepunkt einer schweren Krise, möglichst niedrig dosiert und nur für kurze Zeit. Denn seine eigene Wahrnehmung führt ihm erschütternd vor Augen, was das Zeug über kurz oder lang in Leib und Seele von Betroffenen anrichten kann. Verfahren allzu viele Fachkollegen ebenso, dann gefährden sie ökonomische Interessen: die Profite eines der umsatzstärksten, mächtigsten Industriezweige auf diesem Planeten. Die ärztliche Erfahrung kann zum geschäftsschädigenden Ärgernis werden, sie bedroht Umsätze. Nicht minder gefährlich ist dem Geschäft mit Psychopillen, was die Konsumenten mit ihnen erleben. Hätte der Doktor sie ihnen nicht nachdrücklich aufgedrängt, so würden die meisten sie nach wenigen Tagen absetzen, weil die Nebenwirkungen so schlimm sind, spätestens aber, wenn sich die ersten chronischen Schäden an Körper, Geist und Seele einstellen. Ihre persönlichen Erfahrungen mit Psychopharmaka fallen überwiegend enttäuschend bis verheerend aus. Also muss dafür gesorgt werden, dass diese Erfahrungen nicht zählen. Es darf nicht von Belang sein, dass Depressive und Angstgeplagte dreimal häufiger psychologische Hilfe als Medikamente nennen, wenn sie nach ihrer bevorzugten Therapie gefragt werden. Das Präparat macht dich unkonzentriert, unruhig, aggressiv, antriebs- und teilnahmslos? Du fühlst dich schwach und müde? Du schwitzt, zitterst und zuckst, deine Muskeln versteifen, du krampfst? Du hast ständig Kopfweh? Du siehst verschwommen? Du nimmst enorm zu? Dir vergeht die sexuelle Lust? Du wirst noch niedergeschlagener und ängstlicher, öfter als je zuvor denkst du an Selbstmord, oder du reagierst sonstwie paradox? Du wirst dir selbst fremd? Macht nix, denn es liegen allerbeste Evidenzen dafür vor, dass du sie trotzdem einnehmen, weiterhin „kompliant“, „therapieadhärent“ sein musst. Die Erfahrungen des Behandelten wie auch des praktizierenden Arztes geringzuschätzen, wurde im selben Maße zum Inbegriff medizinischer Professionalität, wie sich ein sonderbares Prüfverfahren nach und nach zur ultimativen Messlatte klinischer Forschung mauserte, zum wahren Quell gesicherter Erkenntnis: die „kontrollierte Studie“. Ursprünglich bloß für Arzneimitteltests ersonnen und darauf beschränkt, schaffte sie es irgendwie, zum „Goldstandard“ für jegliche Art von Behandlung aufzusteigen – ungeachtet des offenkundigen Irrwitzes, der sich dabei austobt. Denn von Medikamentengaben und dem Einsatz medizintechnischen Geräts abgesehen, lassen sich nirgendwo beim Helfen und Heilen Therapeut und Therapeutikum fein säuberlich auseinanderdividieren, wie es strikte Placebokontrolle verlangt: Gesagtes nicht vom Sprecher, Gesten nicht vom Gestikulierer, Berührung, Aufmerksamkeit und Zuwendung nicht von dem, der sie gibt. Überall sonst, und ganz besonders in der Psychotherapie und allen Formen von sozialer Unterstützung, wären andere Testverfahren und Qualitätsstandards weitaus angemessener, die ernstnehmen, was Behandelte erfahren. Tödliche Corona-Lektion Wie viele SARS-CoV-2-Infizierte mussten sterben, weil abertausendfache Evidenz aus ärztlicher Praxis geringgeschätzt wurde? Wie viele Covid-Todesfälle wären andernfalls zu verhindern gewesen? Bereits ab März 2020, einen Monat nachdem die WHO einen weltweiten pandemischen Notfall ausgerufen hatte, versuchten unkonventionelle Ärzte sich verzweifelt Gehör zu verschaffen: von Didier Raoult und Vladimir Zelenko (4) über die FLCCC-Gruppe um Paul Marik und Pierre Kory (5), Richard Bartlett, Peter McCullough (6) und Thomas Borody  bis zu Joseph Varon (7), Brian Tyson und George Fareed . Statt Infizierte tatenlos auf Impfstoffe warten zu lassen, behandelten sie diese mit Kombinationen von antiviralen Off-Label-Medikamenten wie Ivermectin und Hydroxychloroquin, Antibiotika (Azithromycin, Doxycyclin, Clarithromycin) gegen begleitende bakterielle Erkrankungen, Entzündungshemmern wie Quercetin, Steroiden wie Prednison, Mikronährstoffen wie Zink, Vitamin C und D3 sowie weiteren Wirkstoffen. Frühzeitig ambulant eingesetzt, starb unter Tausenden Infizierten kein einziger, Hospitalisierungen wurden vermieden. Selbst unter schweren Covid-19-Fällen musste kaum jemand sterben. Doch diese Erkenntnisse wurden ignoriert, die betreffenden Ärzte als Scharlatane angeprangert, von Mainstream-Medien und Faktencheckern diskreditiert und übergangen, von Fachzeitschriften abgelehnt, von Standesorganisationen im Stich gelassen, ausgegrenzt und mit Entzug der Zulassung bedroht, vereinzelt mit horrenden Bußgeldern überzogen oder gar hinter Gitter gebracht. Warum wohl? Hätten sich die Therapieerfolge herumgesprochen, so hätten sie womöglich dem sich anbahnenden Multimilliardengeschäft mit experimenteller Spritzbrühe einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Den Einzelfall abzuwerten, gehört zum Geschäftsmodell der „forschenden“ Pharmaindustrie Die Verherrlichung der Heiligen RCT-Kuh dient der Abwertung des Einzelfalls – und damit einer Hauptquelle von geschäftsschädigenden Argumenten dagegen, begrenzt wirksame, nebenwirkungsreiche, teure Arzneimittel zu schlucken. Ist es nicht merkwürdig und bezeichnend, dass dieselben Koryphäen, die seit den sechziger Jahren in Fachartikeln und Lehrbüchern, auf Kongressen, in Aus- und Fortbildungsveranstaltungen, in Ausschüssen und Behörden das RCT-Verfahren zur ultima ratio  der Therapieforschung überhöhten, sich vehement dafür einsetzten, gesundheitlich Angeschlagene zuallererst und hauptsächlich mit chemischen Substanzen zu behandeln? Ist es Zufall, dass eben diese Opinion Leaders  der westlichen Heilkunde, die namhaftesten Lautsprecher der Schulmedizin, fast ausnahmslos auf den Gehaltslisten von Pharmaunternehmen stehen? Erst aus der innigen Verflechtung von Ärzteschaft und Industrie wird der Triumph des praxisfernen, fehler- und manipulationsanfälligen RCT-Modells vollauf verständlich.  Als Arzt insofern gegen den Mainstream zu schwimmen, unbeirrt auf der eigenen Erfahrung mit einzelnen Patientenschicksalen zu beharren, obwohl, nein gerade weil sie angeblich gesichertem „evidenzbasiertem“ Wissen krass zuwiderläuft: das mutet mitunter starrköpfig und fahrlässig an, ist aber weder stets rückschrittlich noch stets ignorant, sondern häufig zutiefst weise und segensreich, in der Psychiatrie noch weitaus mehr als in jedem anderen Teilgebiet der Medizin. Nein, dies ist kein Plädoyer, das Rad zurückzudrehen. Niemand sehnt sich nach einer Vergangenheit, in der jeder Arzt mit vergleichbaren Patienten unterschiedlich verfuhr, je nach seinem persönlichen Gutdünken, Vorurteilen und Vorlieben – und je nachdem, ob er Pharmavertreter empfing oder aussperrte. So kam es, dass Ärzte veraltete Maßnahmen, schwache und gefährliche Medikamente verschrieben, weil ihr Fachwissen nicht auf dem neuesten Stand war. Inzwischen schlägt das Pendel aber zu krass in die entgegengesetzte Richtung aus. Mittlerweile arbeiten Ärzte unter dem stetigen Umsetzungsdruck von klinischen Leitlinien, die ihnen immer detaillierter nahelegen, was sie tun sollen – Leitlinien wohlgemerkt, die überwiegend industrienahe Autoren ausgeheckt haben. Viele Ärzte, zumal junge, wähnen sich verpflichtet, diese Vorgaben strikt zu befolgen; auf diese Weise ersparen sie sich Ärger mit Kollegen und Vorgesetzten, wie auch Haftungsrisiken. Bequemerweise verfahren sie so aber selbst dann, wenn besondere Umstände dringend nahelegen, einem bestimmten Patienten zuliebe von den Leitlinien abzuweichen. Mit solchen Konformismus beginnen bisweilen fahrlässige Körperverletzungen mit Invaliditäts- und Todesfolge. ( Harald Wiesendanger )   Wann folgt die Ursache der Wirkung? Wenn ein Arzt hinter dem Sarg seines Patienten läuft. Anmerkung Der letzte Abschnitt dieses Artikels („Die Heilige Kuh schlachten“) stammt teilweise aus Harald Wiesendanger: Das Gesundheitsunwesen - Wie wir es durchschauen, überleben und verwandeln  (2019), S. 163 ff. (1) Thomas McKeown: The Role of Medicine: Dream, Mirage, or Nemesis?, London 1976; dt.: Die Bedeutung der Medizin: Traum, Trugbild oder Nemesis? , Frankfurt/Main 1982. (2) Howick J, Koletsi D, Ioannidis JPA, et al.: „Most healthcare interventions tested in Cochrane Reviews not effective according to high quality evidence: a systematic review and meta-analysis“, Journal of Clinical Epidemiology 2022;148 doi: https://doi.org/10.1016/j.jclinepi.2022.04.017 . Zusammengefasst hier: Harald Walach: „ Meta-Review: Das Rückgrat der Evidence Based Medicine ist schwach .“ (3)   https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28532611/ , https://journals.plos.org/plosmedicine/article?id=10.1371%2Fjournal.pmed.0020124 , https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4915619/ , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11405896/ (4)   https://drelef.org/zelenko/Vladimir-Zelenko-treatment.pdf , https://drelef.org/zelenko/Zelenko-memo-August-protocol.pdf    (5)   https://jeffreydachmd.com/wp-content/uploads/2020/09/MATH-protocol-for-the-treatment-of-SARS-CoV-2-infection-the-scientific-rationale.pdf , https://www.hsgac.senate.gov/wp-content/uploads/imo/media/doc/Testimony-Kory-2020-05-06-REVISED.pdf , https://www.hsgac.senate.gov/wp-content/uploads/imo/media/doc/Testimony-Kory-2020-12-08.pdf (6)   https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32771461/ , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33387997/ (7)   https://www.medscape.com/viewarticle/934114 , https://jeffreydachmd.com/wp-content/uploads/2020/09/MATH-protocol-for-the-treatment-of-SARS-CoV-2-infection-the-scientific-rationale.pdf

  • Die enteignete Seele

    In der psychologisierten Gesellschaft geben sich Menschen Mühe, über ihr Innerstes so zu sprechen, wie der Profi es tut – und überlassen ihm somit die Zuständigkeit dafür. Macht sie das heiler? Eher verunsichert es sie. Und es trägt dazu bei, eine jahrtausendealte Lebensform zu zerstören, in der Menschen im Alltag eher ihrer Selbstkenntnis und Empathie trauten als fremden Sachverständigen. Psycho-Sprech liefert Geist und Seele einer Expertokratie aus. Das sichert in Deutschland immerhin rund 200.000 Arbeitsplätze. Lässt sich über weiteren Nutzen nicht streiten? Wer ist heutzutage noch traurig, ständig oder zeitweilig? Wer fürchtet sich noch anhaltend? Wer ist unaufmerksam und zappelig? Nachhaltig erschüttert? In sich gekehrt? Unausgeglichen? Missmutig? Launisch? Natürlich geraten wir weiterhin in solche Zustände, nicht anders als unsere Vorfahren seit Hunderttausenden von Jahren. Bloß nennen wir sie nicht mehr so. Eher sagen wir von uns, wir hätten eine Depression, zumindest aber eine depressive Episode. Eine Angststörung. ADHS. Eine Posttraumatische Belastungsstörung, PTBS. Wir bezeichnen einander als introvertiert, als autistisch, als bipolar, als Borderliner. Vorbei sind die Zeiten, in denen wir uns unwillkürlich an etwas Schmerzliches erinnern – es sind „Flashbacks“, die uns nun überkommen. Man ist nicht mehr schlecht gelaunt, sondern „dysreguliert“. Eine plötzliche Veränderung unserer Befindlichkeit wird nicht einfach ausgelöst – wir werden „getriggert“. (1) Noch bis weit ins vorige Jahrhundert hinein wäre niemand auf die Idee gekommen, derartige Begriffe auf sich und andere anzuwenden. Es gab sie noch gar nicht. Und keiner vermisste sie. Niemand hatte den Eindruck, unsere Sprache sei ärmer ohne sie, es mangele uns an Ausdrucksmöglichkeiten. Unter seinen bis zu 500.000 Wörtern bietet das Deutsche rund 2000 allein für Emotionen. Dostojewski und Kafka, Marcel Proust und Oscar Wilde, Virginia Woolf und James Joyce, Thomas Mann und Hermann Hesse waren Meister der Kunst, zerrissene Psychen wortgewaltig zu sezieren; keiner benötigte dafür Fachjargon, die Umgangssprache bot ihnen umfassende Ausdrucksmittel. Was in ihren Figuren vorgeht, präsentieren ihre Werke subtiler, tiefer und nuancierter als jede Expertise psychologischer Gutachter. Wie unsensibel, oberflächlich, staubtrocken, sprachlich minderbemittelt lesen sich demgegenüber typische Anamnesen, Befund- und Entlassberichte aus psychiatrischen Praxen und Kliniken. Um für Geist und Seele die rechten Worte zu finden, statt sie zu verschubladen, sucht man besser in literarischer Prosa als in Lehrbüchern und Fachjournalen. Aus dem Elfenbeinturm aufgeschnappt Wie kam Psycho-Sprech überhaupt in Mode? Wir übernehmen ihn aus jener Etage des akademischen Elfenbeinturms, von dem es heißt, dort befasse man sich „wissenschaftlich“ mit unsereinem. Das Sprachspiel, das wir uns dabei aneignet haben, war unseren Großeltern fremd, wie allen Generationen vor ihnen. Es durchdringt und prägt die Alltagskultur erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts – seit die Nervenheilkunde die Irrenanstalten verließ, um draußen zu einer zunehmend selbstverständlichen, allgemein anerkannten, recht einträglichen, pharmagestützten Dienstleistung zu werden: Psychiatrie für harte Fälle, Psychotherapie für weichere. Sträubt sich inzwischen noch irgendjemand dagegen? Wer Psycho-Sprech nachplappert, tut es mit geschwellter Brust. Man gibt sich wissenschaftlich, wähnt sich gebildet. Man demonstriert, dass man bestimmte Begriffe kennt und anzuwenden versteht, und imponiert damit. Wer sie in geselliger Runde nicht parat hat, steht blamiert da. Follow the Science  – oder was man dafür hält. Was geschieht dabei? Zuständigkeiten verlagern sich. Mit ihrer Traurigkeit haben sich Menschen immer schon ausgekannt. Sie drückten auf vielfältige Weise aus, was dabei in ihnen vorging. Sie fanden Worte dafür, von denen Romane voll sind. Sie verstanden, trösteten und ermutigten einander, halfen sich gegenseitig über Enttäuschungen und Schicksalsschläge hinweg. Wie es ist, traurig zu sein, wusste niemand besser als der Trauernde selbst. Und niemand konnte eher nachempfinden, was ihn bedrückt, als seine Nächsten, zumindest die einfühlsamen. Hätte ein Fremder so getan, als kenne er jemanden besser als nächste Verwandte, engste Freunde oder jahrzehntelange Lebensgefährten, nachdem er ihn zwei Dutzend Kästchen in einem Fragebogen ankreuzen ließ – man hätte ihn ausgelacht. Doch was wird aus der Traurigkeit, sobald wir beginnen, sie „Depression“ zu nennen? Was geschieht mit der Zappeligkeit, wenn wir sie zu ADHS umetikettieren? Die tiefe Erschütterung, die nachwirkt, zu PTBS? Das Grübeln zur „Ruminationsneigung“? Der Liebeskummer zum „Affektregulationsdefizit“? Da wechseln nicht bloß Worte. Es ändern sich Kompetenzen. Richtig zu benennen, was in uns vorgeht, und damit angemessen umzugehen, überlassen wir auf diese Weise Experten – schließlich ist es ihre  Sprache. Im Genauigkeitswahn zur Expertokratie Warum haben wir es so weit kommen lassen? Der lizenzierte Psycho-Experte scheint es genauer  zu wissen als wir. Die meisten von uns haben Mühe zu beschreiben, was in ihnen und ihren Mitmenschen vorgeht; es fällt ihnen schwer, die Begriffe zu definieren, die sie dabei verwenden; sie sind sich unsicher, ob andere darunter dasselbe verstehen wie sie. Der akademisch geschulte Fachmann hingegen ist imstande, die Semantik einer Depression klipp und klar zu umreißen, anhand einer Liste von Merkmalen und Äußerungsformen, über die er sich mit den allermeisten Kollegen einig ist. Indem er sie abzählt, kann er feststellen, ob eine Depression vorliegt und wie ausgeprägt sie ist. Sein Weg zum Ergebnis beeindruckt durch mathematische Präzision. Und je genauer, desto besser : Versteht sich das nicht von selbst?  „Stellen Sie sich genau hierhin!“, weist der Fotograf seine Kundin an, während sein Zeigefinger auf eine Stelle vor der Leinwand deutet. „Neigen Sie den Kopf leicht zur Seite. Und bitte lächeln.“ Diese Vorgaben klingen unmissverständlich, sind genaugenommen aber: ungenau. Soll die Kundin nun 10, 20 oder 30 Zentimeter vor der Leinwand stehen? Wären 9 Zentimeter schon zuwenig, 31 zuviel? Oder erst 35? Vielleicht erst ab 353 Millimetern? Oder schon ab 351? Ab 350,1? Müsste man nicht auf den Winkelgrad genau festlegen, welche Kopfneigung noch als „leicht“ durchgeht? Und wie breit soll das Lächeln ausfallen? Wie viele Zehntel Millimeter sollten die Mundwinkel dabei von der Position entfernt sein, die sie bei neutralem Gesichtsausdruck einnehmen? „Zur Begrüßung gibt man einander die Hand.“ Ist das nicht ganz arg ungenau? Wie weit sollte die Hand dabei vom Körper entfernt sein? In welchem Rahmen muss sich die Schüttelfrequenz bewegen? Wie stark abgewinkelt ist der Arm? Wie lange dauert der Händedruck? Wie kräftig sollte er mindestens und höchstens sein? Angaben in Sekundenbruchteilen, Winkelgraden, Newton pro Quadratzentimeter würden die Geste des Händedrucks zweifellos viel präziser machen. Zur Kontrolle böten sich Quarzuhren, Gelenk-Goniometer und Handkraftmessgeräte an. Wie sähe ein Alltag aus, der in diesem Sinne von optimierter „Genauigkeit“ bestimmt würde? Hollywood fände darin reichlich Stoff für eine Science-Fiction-Comedy: Überall im öffentlichen Raum, aber auch an Arbeitsplätzen, in Privatwohnungen stünden Schränke voller Messgeräte, um jegliche Ungenauigkeiten umgehend ausräumen zu können. An jeder Ecke stünden professionelle Metriker bereit, um solche Geräte zum Einsatz zu bringen, falls sich Otto Normalversteher überfordert fühlt. Drohnen, Video- und KI-Systeme, Apps und Wearables könnten mithelfen. Verbraucher-Hotlines böten Auskunft über Normierungen und Messtechniken aller Art. Warum löst eine solche Vision bei den allermeisten von uns eher Unbehagen als Begeisterung aus? Was spräche dagegen, diesen Sprung vom Ungefähren und Missverständlichen zum Eindeutigen und Exakten freudig zu begrüßen? Warum würde uns der Vorwurf befremden, wir seien „rückständig“, „unwissenschaftlich“ und „technophob“, solange wir uns ihm verweigern? Weil wir fänden, dass die Nachteile überwiegen, ohne ersichtlichen Nutzen. Unser Alltag würde grauenvoll umständlich, soziale Interaktion noch viel schwieriger als ohnehin. Abläufe aller Art würden enorm verlangsamt und verkompliziert. So viel wäre uns das Genauigkeitsideal dann doch nicht wert, zumal uns nicht einleuchtet, dass wir vorher etwas falsch gemacht haben. Wo Sprache vage, unscharf bleibt, ist sie keineswegs defekt. „Wenn ich Einem sage: ‚Halte dich ungefähr hier auf!‘ – kann denn diese Erklärung nicht vollkommen funktionieren?“, fragt Ludwig Wittgenstein in seinen Philosophischen Untersuchungen , § 88. „Unexakt“ bedeutet nicht „minderwertig“ und „unbrauchbar“. Es gibt kein allgemeines „Ideal der Genauigkeit“ unabhängig vom Zweck. In manchen Kontexten ist „ungefähr“ genau das Richtige, nicht obwohl, sondern weil  es semantisch unscharf bleibt und Spielraum lässt. Eben diese Spielräume gehören zur menschlichen Lebensform, seit es Sprache gibt. Die vier Säulen des Psycho-Profitums Wie kommt es dann, dass wir uns einem Genauigkeitsideal unterwerfen, wenn es um unser Innerstes geht? Ausgerechnet hierbei? Weshalb neigen wir dazu, diplomierten Psycho-Profis eher zuzutrauen als uns selbst, über es Bescheid zu wissen? Das menschliche Innenleben ist ein wilder Garten – warum assistieren wir dabei, daraus eine verwaltete Grünanlage zu machen? Wir tun es, weil wir vermeintlichen Experten unbesehen glauben, was sie uns in Aussicht stellen: dass sie (1.) zuverlässig erkennen , (2.) plausibel erklären , (3.) wirksam behandeln  und (4.) treffsicher vorhersagen  können, was in uns vorgeht - jedenfalls weitaus besser als Laien wie unsereins. Doch nichts davon versteht sich von selbst: (1.) Die Diagnostik, die Psycho-Profis heranziehen, ist ein willkürliches, schädliches und überflüssiges Industrieprodukt. Näheres 𝐡𝐢𝐞𝐫 » (2.) Verstehen uns Profis wirklich besser? Die blamable Qualität psychologischer Gutachten deutet darauf hin, dass der Einzelfall Experten grundsätzlich überfordert – und Freud richtig lag, als er in einem seiner seltenen selbstkritischen Momente argwöhnte, Seelenexperten wie er begingen „jämmerliche Pfuschereien“. Sie versagen nicht wegen vorläufiger Wissenslücken, die wissenschaftlicher Erkenntnisfortschritt irgendwann schließen könnte. Sie scheitern aus Prinzip: Ihr naturwissenschaftlicher Ansatz verfehlt zwangsläufig, was uns ausmacht. Denn Menschen sind keine gewöhnlichen Forschungsobjekte, sondern bewusste Subjekte: Wesen mit einer jeweils einmaligen Geschichte, besonderen Lebensumständen und einer einzigartigen Erlebnisperspektive. Was sie bewegt, erschließt erst Empathie: eine fabelhafte Kulturtechnik, die Laien von Kindesbeinen an erwerben, vor und unabhängig von einem Hochschulstudium. Vor allem daran liegt es, dass manche Amateure mit Profis mithalten können. Eine akademische Ausbildung beeinträchtigt einfühlendes Nachvollziehen eher, als es zu verbessern. Näheres 𝐡𝐢𝐞𝐫 » (3.)  Wie hilfreich, überlegen und unentbehrlich sind Psycho-Experten wirklich, wenn seelische Krisen andauern? Wie gut tun sie Betroffenen? Weithin unbekannte Ergebnisse der Therapieforschung belegen: Viele Laien helfen seelisch Belasteten mindestens ebenso gut. In Wahrheit bringt professionelle Psychotherapie weitaus weniger, als ihre Anwender uns weismachen. Soweit sie nützt, verdankt sie dies keineswegs wissenschaftlich abgesicherten Methoden und Theorien, sondern sogenannten „allgemeinen Wirkfaktoren“, die manche Amateure hervorragend handhaben: darunter aufmerksame Zuwendung, Anteilnahme, Wertschätzung, freundliches Auftreten, glaubhaftes Engagement, geschickte Gesprächsführung, Herzlichkeit und Einfühlungsvermögen. Daran liegt es, dass sich in mehreren Dutzend Therapiecamps  meiner Stiftung Auswege  an Hunderten seelisch Schwerbelasteter erweisen konnte: Es geht auch ohne Profis - oft sogar besser. Näheres 𝐡𝐢𝐞𝐫 »   (4.) Wissen Psycho-Experten über unsere Zukunft wirklich mehr als der Laie? Weil ihnen allgemeine Gesetze menschlichen Verhaltens fehlen, können sie bloß von statistischen Wahrscheinlichkeiten ausgehen. Diese ermöglichen zwar aufschlussreiche Prognosen für größere Gruppen – den Einzelfall jedoch verfehlen sie zwangsläufig. Daran liegt es, dass Psychoprofis allzuoft haarsträubend danebenliegen, sobald ihre Vorhersagen eine bestimmte Person betreffen: im Gerichtssaal, im Strafvollzug, in Jugend- und Sozialämtern, bei der Verbrechensbekämpfung, im therapeutischen Bereich. Sie leiden an prognostischer Impotenz – behandlungsresistent, unheilbar. Näheres 𝐡𝐢𝐞𝐫 » Und deshalb haben wir uns der Psycho-Expertokratie womöglich voreilig unterworfen. Dafür zahlen wir einen zu hohen Preis. Die unheile psychologische Gesellschaft Die kollektive Verneigung vor professioneller Besserwisserei beschert uns nichts Geringeres als eine neue Lebensform. Menschen verlernen, ihrem eigenen Erleben zu trauen; um ernstgenommen zu werden, müssen sie es erst „fachsprachlich“ legitimieren. In einer Welt aus lauter Therapiegläubigen lastet sich die eine Hälfte mit dem Erlernen ihrer eigenen Gefühle aus. Die andere Hälfte lebt davon, sie dabei anzuleiten. Zugehörigkeit gibt’s jetzt in ICD-Codes, die Diagnose wird zum Statussymbol. Wenn etwas als „höhere Wahrheit“ gilt und von tieferer Einsicht zeugt, sobald es in psychologischer Begrifflichkeit daherkommt, verschiebt sich Autorität vom Subjekt zum Deuter. Wer hierbei mitmacht, huldigt einer Ersatzreligion. Schamanen, Orakel und Priester teilen mit Therapeuten dieselbe Erkenntnis: Nichts ist, wie es scheint, außer man deutet es sachkundig. Während frühere Generationen an Gott glaubten, orientiert sich der moderne Homo reflectus an seiner „inneren Heilungsreise“. Alles wird pathologisiert: der Montag, der Partner, die Hemdfarbe, der Versprecher, der Busfahrer, der nicht grüßt. Wer morgens müde ist, hat nicht zu wenig geschlafen, sondern eine „latente Erschöpfungsdynamik aus der Kindheit“.Wut wird „integriert“, Trauer „begleitet“, Freude „bewusst zugelassen“. Früher hatten Menschen einfach einen schlechten Tag. Heute ist es ein Muster . Ein Gespräch läuft unschön? „Kommunikationsblockade aus der Kindheit.“ Probleme bei der Arbeit? „Überangepasstes Schema.“ Das neue „Credo“ lautet: Ich fühle, also bin ich – aber nicht ohne professionelle Begleitung. Nur wer gelernt hat, über seine Emotionen zu sprechen, darf sie auch haben. Der Rest leidet irrational. Therapie ist heute Kulturtechnik. Früher bekam man zur Kommunion den Rosenkranz, heute gibt’s das Arbeitsblatt zum inneren Kind als Download: „Male dein Bedürfnis in warmen Farben aus!“ Wie ein Virus hat sich psychologische Terminologie durch die Umgangssprache gefressen. Immer wieder hört man, jemand sei „emotional unavailable“, „toxisch“ oder „nicht im Flow“. Früher hieß das: „Der hat keine Lust auf dich.“ Aber das klang natürlich grausam.   Heute reicht eine harmlose SMS nicht mehr. Wer auf eine Antwort wartet, denkt nicht „Vielleicht hat er viel zu tun“, sondern „Vielleicht hat er Angst vor Nähe, ausgelöst durch frühkindliche Grunderfahrungen von Zurückweisung“. Und dann: „Ich sollte das nicht persönlich nehmen – es ist sein Prozess.“ So wie alles heute ein Prozess ist. Beziehungen, Karrieren, selbst die Mittagspause. Niemand lebt mehr einfach, alle „arbeiten an sich“. Die Welt ist eine riesige Werkstatt des Ichs, und überall liegen halb zusammengeschraubte Persönlichkeitsfragmente herum. Der gewöhnliche Mitmensch ist, wie sich herausgestellt hat, hoffnungslos überfordert mit der Komplexität der neuen Psyche. Früher reichte ein gutes Gespräch, vielleicht ein Umarmen nach drei Bier. Heute braucht es dafür Fachpersonal. Empathie ist zu wichtig, um sie Amateuren zu überlassen. „Tools“ statt Trost, Etiketten statt Empathie Das Vertrauen in das eigene Einfühlungsvermögen ist zuverlässig zerstört. Statt Trost gibt’s nur noch „Tools“, statt Verständnis „validierende Kommunikation“. Und niemand hört dir einfach zu, weil er dich mag – sondern weil er das als Modul in seiner Coaching-Ausbildung hatte. Menschen werden zu Diagnoseträgern. Das senkt Empathie – obwohl es mit dem Anspruch auf Empathie daherkommt. Kummer, Krisen, Langeweile, Sinnverlust, Überforderung – früher oft als Teil des Lebens verstanden, heute schnell zum behandlungsbedürftigen Problem befördert. Gewöhnliche Lebensphasen werden pathologisiert. Der Toleranzraum für das „normale Elend“ schrumpft. Jede Dissonanz wirkt wie ein Defekt, der „bearbeitet“ werden muss. Paradoxerweise senkt  das die erhoffte „Resilienz“: Wenn jedes Tief Alarm auslöst, wird das Sein fragiler. Nähe ist heute etwas, das man trainiert . Man öffnet sich nicht mehr spontan, man „kommuniziert verletzlich“. Womit man poetisch umschreibt: „Ich habe ein Vorgespräch mit meiner Therapeutin darüber geführt, welche Themen ich emotional teilen möchte.“ Natürlich dient die ganze Psychologisierung auch einem höheren Zweck: der Selbstoptimierung, um zur besten eigenen Version zu werden. Hinter jeder Achtsamkeitsübung lauert eine Leistungslogik mit Räucherstäbchen: Ich atme ganz zentriert im Hier und Jetzt, also performe ich besser. Man soll „Skills“ anwenden und “Ressourcen aktivieren”, als lägen sie in einem Regal neben dem Locher. Der Mensch als App: Wenn es ruckelt, Cache leeren, Glaubenssatz ersetzen, neu starten. Während alle „ihre Glaubenssätze transformieren“, ist ADHS zu spiritueller Hypersensitivität geworden, Autismus zu einem Fall von "Neurodiversität", Depression zum Abzeichen der Empfindsamen. Man darf alles sein – aber bitte reflektiert. Therapie- und Coachinglogik kippt dabei in ein Leistungsregime, das verlangt, allzeit „Selbstarbeit“ zu betreiben und entwicklungsbereit sein. Permanent sollst du dich „verbessern“, „heilen“, „deine Muster auflösen“. Das Ich wird ein Projekt, das nie fertig ist. Beziehungen verwandeln sich in psychodynamische Gefahrenzonen. Ein falsches Wort – und man hat „Grenzen überschritten“. Zustimmung? „Zu wenig validiert.“ Widerspruch? „Gaslighting!“ Ein Gespräch kann jetzt traumatisierend sein, selbst wenn man nur über Strompreise reden wollte. So wächst ein neuer Typus Mensch heran: der maskierte Narzisst, der alle Schattierungen der Innenwelt kennt. Seine Gespräche beginnen mit „Ich nehme wahr, dass du gerade…“ und enden mit: „Das gehört aber zu deinem Prozess, nicht meinem.“ Das Internet hat die Psychologisierung vollendet. Ganze Communitys bestehen aus Menschen, die sich gegenseitig Diagnosen zuschieben wie Panini-Bilder: „Du bist total Disso!“, „Ich glaube, du hast ein Vermeidungsmuster!“ Wer mit einem Reel inflationär Likes sammeln will, schafft darin tränenreich „Raum für meine Schattenanteile“. Was früher Kettenbriefe waren, sind heute Diagnose-Memes. Und was einst Freud ahnte, bestätigt sich auf Instagram: Die Triebe sind quicklebendig, aber diesmal mit Hashtag. Der Selfie-Filter ist die neue Maske des „Selbst“. Man sieht nur, was man gerade „integriert hat“. In Wahrheit aber wird in jeder Story ein neues Trauma vertont, samt Affiliate-Link zum Online-Kurs: „Heile dein inneres Kind in nur 30 Tagen!“ Das Faszinierende an der Psychologisierung ist ihre perfekte Allianz mit der Ökonomie. Es gibt kaum noch ein Produkt, das nicht unser mentales Wohlbefinden adressiert. Smoothies sind „Mood-Booster“, Shampoos enthalten „Achtsamkeits-Essenzen“, und selbst Waschmaschinen „arbeiten empathisch im Öko-Modus“. Alles soll dir helfen, „wieder in deine Mitte zu kommen“. Ein Ort, den anscheinend noch niemand je gefunden hat – aber unermüdlich sucht, meist mit Kreditkarte. „Ihr authentisches Ich“ gibt´s zum Early-Bird-Tarif mit Zahlungsplan. Emotionale Nähe ist ausgelagert an Coaches, von denen man sich achtsam umarmen lassen kann – barrierefrei und mit Feedbackbogen. Wie jeder Boom, so schafft und sichert auch dieser reichlich Arbeitsplätze; von ihr leben allein in Deutschland 100.000 Psychologen – davon 5.000 in Forschung und Lehre, 39.000 in eigener Praxis, 50.000 in Betrieben, Schulen, Kliniken, Beratungsstellen und anderen Einrichtungen -, 20.000 Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, 16.000 Heilpraktiker für Psychotherapie, über 50.000 Coaches. Kleine Psychologen ahmen große angestrengt nach Früher war der Mensch einfach traurig. Heute muss er erst assistiert herausfinden, ob das noch normale Traurigkeit ist oder schon ein „depressiver Anteil mit dysregulierter Affektlage“. Spontaneität ist verdächtig geworden, Unüberlegtheit fast pathologisch. „Grenzüberschreitungen“ sind allgegenwärtig, „Selbstfürsorge“ hat Priorität. Es gibt keine schlichten Gefühle mehr, nur noch „innere Anteile mit spezifischen Bedürfnissen“. Man sagt nicht einfach „Nein“ – man „setzt eine Boundary“. Wer sich um den Abwasch drückt, folgt einer „maladaptiven Coping-Strategie“. Wenn man wütend ist, soll man „mit der Wut in den Dialog gehen“. Aber wehe, man schlägt mal auf den Tisch – dann ruft jemand die Traumatherapeutin. Wir sind zu Analysten unseres eigenen Daseins geworden, hermeneutische Monaden in Jogginghosen. Statt zu leben, deuten wir. Und wenn uns das Leben etwas sagen will, machen wir daraus einen Podcast. Vielleicht besteht das eigentliche Drama hierin: Wir glauben nicht mehr an die Echtheit des Unmittelbaren. Wer leidet, muss es einordnen . Wer liebt, muss es reflektieren . Und wer nichts fühlt, hat immerhin die Gewissheit, dass das „eine Reaktion auf alte Bindungsmuster“ ist. Das Misstrauen gegen das eigene Empfinden sitzt tief. Der spontane Trost, der zufällige Witz, das unbedachte Wort – alles potenziell heikel, unprofessionell, retraumatisierend, triggernd. So werden wir alle zu kleinen Psychologen, die große angestrengt nachahmen. Heutzutage herrscht eine Bürokratie des Inneren: standardisierte Diagnosesysteme, Screening, Psychometrie, evidenzbasierte Manuale, Outcome-Messung. Das Innenleben wird standardisiert, vergleichbar, abrechenbar, dokumentierbar. Jedes Gefühl verlangt einen Antrag in dreifacher Ausfertigung. Besonders riskant ist die psychologische Herumdeuterei, wenn sie unwiderlegbar daherkommt („Wenn du widersprichst, ist das Abwehr“), Machtgefälle verschleiert („Ich helfe dir nur, dich zu erkennen“) und Strukturprobleme individualisiert („Du musst nur an dir arbeiten“). Hat uns die Psychologisierung psychisch gesünder gemacht? Beständige Selbstreflexion kann Heilung verhindern. Wer immerzu nach innen schaut, verliert leicht aus dem Blick, was draußen passiert. Die Welt schrumpft zur eigenen Befindlichkeit, die Mitmenschen zu Spiegeln des Selbst. Ich-Bezug als Daueraufgabe. Endlose Innenschau statt Handeln. „Authentizität“ als Dogma. Vielleicht bräuchte diese Gesellschaft weniger  Selbstkenntnis, nicht mehr. Vielleicht wäre es gesünder, wieder ab und zu nicht  ganz genau zu wissen, was man fühlt. Vielleicht sollten wir dem Nebel wieder trauen, der uns manchmal umgibt – ohne ihn pathologisch zu nennen. Wer jedes Gefühl mit Metabegriffen belegt, verliert irgendwann das Gefühl selbst. Wenn wir immer nur beobachten, wie wir fühlen, hören wir womöglich auf zu leben. Das ist die paradoxe Pointe: Die Psychologisierung, die uns heilen sollte, hat uns hilfsbedürftiger gemacht. Statt uns „resilienter“ werden zu lassen, verunsichert sie uns. Wir sind emotional hochgebildet, aber praktisch orientierungslos. Die Seele ist zum Projekt geworden, das man nie abschließt, schon gar nicht aus eigener Kraft. Dafür gibt es ja Fachleute.   ( Harald Wiesendanger ) Anmerkung (1) Alljährlich aufs Neue führen mir dieses Phänomen die Therapiecamps meiner Stiftung AUSWEGE  vor Augen. Über 80 % der Teilnehmer kommen seelisch belastet zu uns. So gut wie alle füllen das Anmeldeformular mit psychodiagnostischem Fachchinesisch, wenn sie angeben, was sie zu uns führt – vereinzelt samt ICD-Code.

  • Zusammen kamen sie zur Welt, gemeinsam gingen sie.

    Bevor Dallas und Tyson, 18 Monate alte Zwillinge, im April 2025 fünffach geimpft wurden, waren sie kerngesund. Wenige Stunden später zeigten sie schwere Krankheitssymptome. Eine Woche darauf starben beide. Bis heute schweigen die Behörden zur Todesursache, halten Unterlagen zurück, verweigern Auskünfte und Akteneinsicht, unter Hinweis auf „laufende Untersuchungen“.  Kerngesund waren sie, die 18 Monate alten Zwillinge Dallas und Tyson aus Payette im US-Bundesstaat Idaho, als ihre Mutter Andrea Shaw sie am 23. April 2025 zur routinemäßigen Vorsorgeuntersuchung in eine Kinderarztpraxis brachte. Die Schwiegermutter begleitete sie. Die Kleinen sollten mehrere Impfungen erhalten. Dagegen wagten die beiden Frauen Bedenken zu äußern, weil in ihrer Familie schon öfters schwere Impfnebenwirkungen aufgetreten waren. “Aber der Arzt versicherte uns: ‘Ihren Kindern wird nichts passieren.’” Und so verabreichten Krankenschwestern den Zwillingen fünf Impfstoffe: gegen Grippe, gegen Hepatitis A sowie die Dreifach-Kombi gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten. „Ganz normale, perfekte, glückliche kleine Babys“, so die Mutter, waren ihre Kleinen bis zu diesem Tag gewesen. Unmittelbar nach dem Arzttermin schien es den beiden gut zu gehen. “Zu Hause wirkten sie müde, sie machten ein Nickerchen. Den Rest des Tages verlief alles wie gewohnt. Wir haben zu Abend gegessen, sie haben mit mir und ihrem Vater gespielt, es war alles in Ordnung.“ Der Schein trog. Nun begann eine Tragödie. „Am nächsten Morgen“, berichtet Andrea, „waren Dallas und Tyson lethargisch und müde. Ihre Lippen waren blau. In den Windeln war grüner Durchfall. Beide hatten Schwierigkeiten, sich zu bewegen.“ Der Vater, Nathaniel Shaw, erlebte fassungslos mit, wie schnell sich der Zustand seiner beiden Kinder verschlechterte: „Innerhalb von 24 Stunden verwandelten sie sich von völlig unbeschwerten, aktiven Babys in Kinder, die aussahen, als würden sie gleich sterben.“ In Panik brachte Andrea die Zwillinge zur Notaufnahme und erzählte dem dortigen Arzt, dass sie am Tag zuvor mehrere Impfungen erhalten hatten. Daraufhin räumte der Arzt ein, dass die Kinder „durchaus eine schwere Reaktion auf die Impfungen haben könnten“ – was ihm allerdings kein sonderliches Kopfzerbrechen zu bereiten schien. Als „Test“ bekamen die Zwillinge Eis am Stiel. Als sie es gegessen hatten, ohne sich zu übergeben, entließ sie das Krankenhauspersonal. Doch Durchfall, Erbrechen und Müdigkeit hielten tagelang an. „Dallas und Tyson wollten immer nur schlafen.“ Als Andrea am Morgen des 1. Mai aufwachte, wunderte sie sich, dass die Zwillinge sie nicht wie üblich geweckt hatten. „Sie weinten nicht, sie plapperten nicht, sie kamen nicht zu mir.“ Also schaute sie im Kinderzimmer nach ihnen: „Beide schien zu schlafen. Nun versuchte ich sie zu wecken. Sie waren kalt und sahen aus, als seien sie im Schlaf gestorben. Ich drehte Tyson um und versuchte ihn wachzurütteln. Aber er wachte nicht auf. Ich drehte ihn um, sah sein leichenstarres Gesicht und rannte sofort ins Wohnzimmer, um mein Telefon zu holen und den Notruf zu wählen. Dann ging ich zurück ins Zimmer, setzte mich auf Dallas´ Bett und drehte sie um. Sie sah genauso aus wie ihr Bruder.“ Verzweifelte Eltern unter Mordverdacht Gegen 11:30 Uhr trafen Polizei und Rettungssanitäter ein. Sofort konzentrierten sich die Ermittler auf die Eltern: Von Anfang an behandelten sie den Fall als „ Homicide “ (Tötungsdelikt), bei „Verdacht auf Fremdeinwirkung“ ( foul play suspected ). Des Mordes verdächtig: die verzweifelten Eltern. „Sie sagten, das sei nichts Medizinisches. Sie gingen von Erstickung aus, und dass ich angeblich einen ‚postpartalen Blackout gehabt‘ und meinen Kindern das angetan hätte“, berichtet Andrea. Autopsien sollten Klarheit bringen. Angekündigt wurden sie für den 2. Mai 2025. Acht Monate später, im Januar 2026, wissen die Eltern zumindest, dass sie nicht mehr unter Mordverdacht stehen. Was die Ermittlungen von Polizei und Gerichtsmedizin inzwischen ergeben haben, erfahren sie aber weiterhin ebensowenig wie Reporter, neugierige Ärzte und sonstige Außenstehende. Bis heute schweigen die Behörden zur Todesursache, halten Unterlagen zurück, verweigern Auskünfte und Akteneinsicht, unter Hinweis auf „ laufende Untersuchungen “.  Die Eltern macht dies wütend und fassungslos. Deshalb gingen sie nun an die Öffentlichkeit: In einem Interview mit der Gesundheitsschutz-Initiative Children´s Health Defense  (CHD) erzählen sie ihre tragische Familiengeschichte. Woran starben Tyson und Dallas wirklich? Alle bekannten Details des Falles, wie auch die Krankenakten der Zwillinge, nahm der namhafte US-Intensivmediziner Pierre Kory unter die Lupe. (1) Nach seinem Eindruck erlagen die Geschwister einer “schweren Apnoe” – einem Atemstillstand –, “verursacht durch die kürzlich erfolgte Impfung bei der 18-monatigen Vorsorgeuntersuchung. Die zugrunde liegende Pathophysiologie war wahrscheinlich auf Mikro-Schlaganfälle und/oder Neuroinflammation im Atemzentrum im Hirnstamm zurückzuführen, wobei die Mikro-Schlaganfälle durch ‘Blutgerinnsel/Blutklumpen’ aufgrund der entzündlichen und/oder hyperkoagulierbaren Bestandteile der Impfstoffe verursacht wurden.” (“Hyperkoagulierbar” bedeutet, dass das Blut verstärkt zur Gerinnung neigt; dadurch steigt  das Risiko, dass sich Thromben bilden.) Schon im Jahr 1991 hatte eine sorgfältig durchgeführte Studie belegt: Die Häufigkeit von Atemstillständen nimmt nach Impfungen sprunghaft zu. Vertuschter Zusammenhang Die zutiefst verstörende, traumatische Behandlung, welche die Polizei Andrea und Nathaniel zumutete, müssen alle Eltern über sich ergehen lassen, wenn in ihren Familien der „Plötzliche Kindstod“ zuschlägt. Das Sudden Infant Death Syndrome  (SIDS) nach Impfungen zählt zu den schmutzigsten, bestgehüteten Geheimnissen der Pharmaindustrie und ihrer Handlanger unter Ärzten und Wissenschaftlern, leitenden Beamten und Medienschaffenden. Aber noch so viele, üppig honorierte PR-Profis und Faktenchecker schaffen es nicht, geschäftsschädigende Statistiken und Studien so vollständig in Misskredit zu bringen, dass niemand mehr näher hinsehen mag. 75,5  % der SIDS-Todesfälle, die dem Vaccine Adverse Event Reporting System  (VAERS) gemeldet wurden – einem 1990 eingerichteten US-Meldesystem für Impfnebenwirkungen -, ereigneten sich innerhalb von sieben Tagen nach  einer Impfung. (2)  Zufall? Warum sterben Babys dann nicht ebenso häufig sieben Tage davor ? Vor den modernen Impfprogrammen kam der "Krippentod" so selten vor, dass er in Statistiken zur Säuglingssterblichkeit noch gar nicht auftauchte. Das änderte sich erst, als die Vereinigten Staaten in den 1960er Jahren eine Reihe von Impfkampagnen initiierten. Erstmals erhielten die meisten US-Kinder mehrere Dosen von Impfstoffen gegen DPT, Polio, Masern, Mumps und Röteln. Kurz darauf, 1969, wurde das „Syndrom des plötzlichen Kindstods“ zum medizinischen Fachbegriff. Wie dem Kinderneurologen William Torch von der Universität von Nevada in Reno 1982 auffiel, waren zwei Drittel der Säuglinge, die SIDS zum Opfer fielen, vor ihrem Tod gegen DPT geimpft worden. Von diesen starben 6,5% innerhalb von 12 Stunden nach der Impfung, 13% innerhalb von 24 Stunden, 26% innerhalb von 3 Tagen und 37%, 61% und 70% innerhalb von 1, 2 bzw. 3 Wochen. (3) Für Dr. Kory lassen Literaturrecherchen nur einen Schluss zu: „Die Epidemie des plötzlichen Kindstods (SIDS), die in den 1960er Jahren begann, wird fast ausschließlich durch Impfungen verursacht.“   ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1)  Kory ist Mitbegründer und Präsident der Front Line COVID-19 Critical Care Alliance  (FLCCC), einer Gruppe von Ärzten, die unkonventionelle Behandlungsprotokolle für COVID-19 entwickelte. (2)  Drei besonders tragische Fälle schildere ich hier , hier und hier . (3) William C. Torch: „Diphtheria-pertussis-tetanus (DPT) immunization: a potential cause of the sudden infant death syndrome (SIDS)“, American Academy of Neurology, Vortrag beim 34th Annual Meeting, 25. April – 1. Mai 1982. Neurology  32(4, part 2):A169-170, zit. hier .   Quellen https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=pfbid0kyW7jrpJo1wb4AcVpBQkQPNsqi8hkDk5ATsKyHTJAAXv4W3PGFDAtuZZKy8g1iqJl&id=100064811735527&rdid=3As7yH7JplzgqOxy https://idahonews.com/news/local/investigation-launched-after-18-month-old-twins-found-dead-in-payette-home https://www.kivitv.com/news/local-news/in-your-neighborhood/payette-county/18-month-old-twins-found-dead-in-payette-home-investigation-underway https://www.eastidahonews.com/2025/05/homicide-investigation-underway-after-18-month-old-twins-are-found-dead-in-payette-home/ https://www.kmvt.com/2025/05/03/twin-siblings-found-dead-payette/ https://www.linkedin.com/pulse/tragic-loss-payette-idaho-family-seeks-answers-jenifer-knighton-i7pbc https://tdefender.substack.com/p/twin-babies-die-week-after-3-vaccines-idaho https://childrenshealthdefense.org/defender/police-investigation-still-active-8-months-after-idaho-twins-died-vaccinations/ https://pierrekorymedicalmusings.com/p/medical-record-review-of-the-twins

  • USA sind RAUS aus der WHO

    Ein historischer Moment: Die Vereinigten Staaten haben die Weltgesundheitsorganisation offiziell verlassen – mit stichhaltigen Begründungen, die dringendst auch hierzulande offen diskutiert werden sollten, ehe der nächste Pandemie-Alarm losbricht. Am 20. Januar 2026 erließ das Weiße Haus eine Präsidialverordnung , die deutsche Mainstream-Medien teils verstecken, teils zerreißen: Die Vereinigten Staaten  treten offiziell aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus. Nach Ablauf der vorgeschriebenen einjährigen Kündigungsfrist ist der Rückzug am 22. Januar rechtskräftig geworden. Die Anordnung stoppt jeglichen weiteren Geldfluss zur WHO – auf durchschnittlich 111 Millionen Dollar hatten sich die jährlichen Pflichtbeiträge belaufen; sie zieht alles Personal aus dem WHO-Hauptsitz und WHO-Büros, aus Ausschüssen, Führungsgremien, Leitungsstrukturen und technischen Arbeitsgruppen ab; sie stellt Hunderte von US-Engagements ein; sie beendet die Verhandlungen über das „Pandemieabkommen“ und die Änderung der Internationalen Gesundheitsvorschriften (IHR). Zugleich weist die Präsidialverordnung an, zu alternativen Gesundheitspartnerschaften überzugehen, welche auf Transparenz, Rechenschaftspflicht und nationaler Souveränität beruhen. Die Gründe des Austritts erläutert das US-Gesundheitsministerium in einem Online- Informationsblatt : „Diese Entscheidung wurde durch die gravierenden Versäumnisse der WHO bei der Bewältigung der COVID-19-Pandemie, die ihren Ursprung in Wuhan, China, hatte, ihre anhaltende Weigerung, notwendige Reformen durchzuführen, sowie ihren Mangel an Rechenschaftspflicht, Transparenz und Unabhängigkeit motiviert.” Dass China, Big Pharma und milliardenschwere Stiftungen die WHO instrumentalisieren, spielt ebenfalls mit. Die Reaktion aus Genf folgte prompt: Schon einen Tag später gab die WHO eine offizielle Erklärung ab, in der sie mit Gewissheit behauptete, künftige Pandemien seien unvermeidlich. Bezeichnend: Während immer mehr Mitgliedsstaaten dazu übergehen – oder zumindest erwägen -, ihre Autorität in Gesundheitsfragen zurückzugewinnen und sich aus zentralisierten, undurchsichtigen Kontrollstrukturen zurückziehen, bekräftigt das alte System reflexartig durch bewährte Panikmache, dass es sich für unverzichtbar hält. Anstatt den Denkanstoß aus Washington aufzugreifen, beeilen sich hierzulande Volksvertreter und Medienschaffende, über ihn empört den Kopf zu schütteln – so als zeige sich hier eine von vielen Idiotien unter der Präsidentschaft eines unberechenbaren Irren. “Es gibt nur Verlierer”, beklagt der Nachrichtensender n-tv. Der US-Rückzug sei ein „schwerer Schlag“ für die internationale Bewältigung globaler Gesundheitskrisen, befand der berüchtigte Krisenbewältiger Karl Lauterbach. Dies “gefährdet Hunderttausende Menschen, insbesondere sehr viele Kinder“ – so als sei die weltweite, nebenwirkungsreiche Corona-Spritzenkampagne unter WHO-Regie ungefährlich gewesen. Beförderte sie nicht eher Hunderttausende in die Invalidität oder ins Grab? Mit dem Aufbruch zu einer effektiveren, glaubwürdigeren Weltgesundheitspolitik, frei von Profitinteressen und Korruption, könnte es allerdings 2029 schon wieder vorbei sein: Falls Trump dann das Weiße Haus für einen gewählten Kandidaten der Demokratischen Partei räumen muss, dürften Verhältnisse wiederkehren, wie sie unter Bidens Präsidentschaft bestanden. Dann wird Amerika schnurstracks unters WHO-Dach zurückwollen. Jede Wette, dass die nächste Pandemie sich bis dahin Zeit lässt. ( Harald Wiesendanger )

  • Krebs herbeigespritzt?

    Auf Covid-Impfungen hin häuften sich Krebserkrankungen aller Art - darunter Fälle von Leukämie, Lymphomen, Brust- und Lungenkrebs, Glioblastomen, Haut- und Bauchspeicheldrüsenkrebs . Dies belegt ein systematischer Überblick über 69 Studien, die zwischen Januar 2020  und Oktober 2025 zusammengerechnet eine gewaltige Stichprobe umfassten: darunter 300.000 Italiener, 8,4 Millionen Südkoreaner, 1,3 Millionen Angehörige des US-Militärs. Besonders auffällig, so der Review, seien das „ungewöhnlich schnelle Fortschreiten, Wiederauftreten oder Reaktivieren“ bereits bestehender Erkrankungen; das „atypische“ Auftreten von Krebs nahe der Impfstelle; die Reaktivierung ruhender Tumore. „Nur die Spitze des Eisbergs“ sieht Dr. Karl Jablonowski, leitender Wissenschaftler bei der Gesundheitsschutz-Initiative „ Children's Health Defense “, in den bestürzenden Ergebnissen. „Es überrascht mich nicht im Geringsten, dass eine zum ‚Impfstoff‘ umbenannte Gentherapie, die nie auf onkogene Sicherheit getestet wurde, schwerwiegende immunregulierende Auswirkungen hat und einer Milliarde Menschen injiziert wurde, mit einem erhöhten Krebsrisiko weltweit korreliert.“ Der Mediziner Wafik El-Deiry, Professor für Pathologie und Labormedizin und einer der Mitautoren, betrachtet die Studie als „die erste umfassende Zusammenfassung der weltweiten Literatur zum Thema Covid-Impfstoffe, Covid-Infektion und Krebs“. Ihre Ergebnisse seien „ein eindeutiger Beweis“ für einen Zusammenhang zwischen Covid-19-Impfungen und Krebs. Insbesondere gebe sie Aufschluss über die beängstigende Zunahme von „Turbokrebs“-Fällen. Wie Wissenschaftler im Jahr 2022 herausfanden , veranlassen mRNA-Impfstoffe das Immunsystem, IgG4-Antikörper zu bilden. Einer weiteren Studie  zufolge, die kurz vor dem offiziellen Beginn der Corona-„Pandemie“ veröffentlicht wurde, steht diese spezifische Unterklasse von Antikörpern in Verbindung mit aggressiverem Krebswachstum; bei Mäusen und Menschen lassen sie Tumorerkrankungen beschleunigt fortschreiten. Nicht nur dieser Zusammenhang, allein schon das Wissen um ihn scheint lebensgefährlich – zumindest wenn ihm ein Entschluss folgt, dieses Wissen an die große Glocke zu hängen. Am 9. August 2024 wurden die Leichen von sechs weltweit führenden Onkologen und zwei Assistenzärzten in den Trümmern eines Flugzeugs gefunden, das in Brasilien vom Himmel stürzte  und in einem Feuerball explodierte; alle 62 Menschen an Bord kamen ums Leben. Die Ärzte waren auf dem Weg zu einer internationalen Konferenz in Sao Paolo, auf der sie brisante Erkenntnisse vortragen wollten: Die mRNA-Covid-Spritzbrühen seien für die explosionsartige Zunahme von Turbokrebs und Autoimmunkrankheiten verantwortlich. ( Harald Wiesendanger )

  • Lässt du dein Kind vergiften?

    Wer sein Kind impfen lässt, willigt ein, dass vielerlei bedenkliche Inhaltsstoffe in es hineingespritzt werden. Was bekäme man von einer Giftnotrufzentrale zu hören, wenn man ihr schildert, welche Substanzen dabei in seinen Körper geraten? Ein Arzt machte die Probe aufs Exempel – und erhielt eine bezeichnende Auskunft. Wie viele Mütter und Väter hinterfragen jemals, was alles ihrem Kind injiziert wird, wenn sie es impfen lassen? Über das Antigen hinaus, das eine schützende Immunantwort auslösen soll, enthalten die Spritzen ein rundes Dutzend seltsame Substanzen: von Adjuvanzien (“Wirkverstärkern”) wie Aluminiumsalzen und MF59  über Hilfsstoffe, die für Haltbarkeit oder Stabilität sorgen sollen - z. B. Konservierungsmittel wie Thiomersal und Formaldehyd -, Lösungsmittel, Stabilisatoren wie Gelatine, Puffer, Emulgatoren, neuerdings Lipid-Nanopartikel in mRNA-Impfstoffen -, bis hin zu Verunreinigungen und Rückständen aus dem Herstellungsprozess, z. B. Eiweiß aus Hühnerei und Antibiotika. Wie wirken sich diese Bestandteile gesundheitlich aus – kurzfristig und auf längere Sicht? Davon haben nicht nur die allermeisten Eltern, sondern auch ein Großteil der „piksenden“ Ärzte in Wahrheit keinen blassen Schimmer. Aber zumindest ein gewisser Dr. David Cartland war neugierig: ein englischer Allgemeinmediziner aus Pentance, einem Hafenstädtchen in Cornwall. Zunächst stellte er sämtliche Vakzinbestandteile in einer Liste zusammen. Dann rief er den National Poisons Information Service  (NPIS) an, Englands Giftnotrufzentrale: „Nachdem ich mich vorgestellt und darum gebeten hatte, mit jemandem zu sprechen, der sich auskennt, entwickelte sich das folgende Gespräch : Ich: Meine Frage an Sie lautet: Wie werden diese Inhaltsstoffe kategorisiert? Als gutartig oder giftig? (Ich habe ein paar Inhaltsstoffe überprüft: Formaldehyd, Tween 80, Quecksilber, Aluminium, Phenoxyethanol, Kaliumphosphat, Natriumphosphat, Sorbitol usw.) Er:  Nun, das ist eine ganz schöne Liste... Aber ich würde einfach sagen, dass sie alle für den Menschen giftig sind... Sie werden in Düngemitteln verwendet... Pestiziden... Um das Herz zu stoppen... Um einen toten Körper zu konservieren... Sie sind bei uns in verschiedenen Kategorien registriert, aber ziemlich sicher Gifte. Und warum? Ich: Wenn ich meinem Kind absichtlich und regelmäßig diese Stoffe füttere oder spritze, bringe ich meine Tochter natürlich in Gefahr... Aber was würde rechtlich mit mir passieren? Er: Seltsame Frage... Aber Sie würden wahrscheinlich wegen krimineller Fahrlässigkeit angeklagt werden... vielleicht mit Tötungsabsicht... und natürlich Kindesmissbrauch... Ihr Kind würde Ihnen weggenommen werden... Kennen Sie jemanden, der das mit seinem Kind macht? Das ist kriminell... Ich: Eine Industrie... Das sind die Inhaltsstoffe, die in Impfstoffen verwendet werden... Mit Bindemitteln, um sicherzustellen, dass der Körper sie nicht ausspült... Um den Antikörperspiegel auf unbestimmte Zeit hoch zu halten... Der Mann war ganz aus dem Häuschen. Er fragte mich, ob ich ihm all diese Informationen per E-Mail schicken würde. Er wollte sie mit seinen erwachsenen Kindern teilen, die Eltern sind. Er war entsetzt und fühlte sich schrecklich, weil er es nicht wusste... seine Kinder sind geimpft und haben gesundheitliche Probleme... Hier sind nur einige Impfstoffbestandteile, die in Routineimpfstoffen enthalten sind: Formaldehyd/Formalin - Hochgiftiges systematisches Gift und Karzinogen. Betapropiolacton - Giftige Chemikalie und krebserregend. Kann nach sehr kurzer Exposition gegenüber kleinen Mengen zum Tod/zu bleibenden Schäden führen. Ätzende Chemikalie. Hexadecyltrimethylammoniumbromid - Kann die Leber, das Herz-Kreislauf-System und das zentrale Nervensystem schädigen. Kann die Fortpflanzung beeinträchtigen und Geburtsfehler verursachen. Aluminiumhydroxid, Aluminiumphosphat und Aluminiumsalze  - Neurotoxin. Birgt ein Risiko für langfristige Gehirnentzündungen/-schwellungen, neurologische Störungen, Autoimmunkrankheiten, Alzheimer, Demenz und Autismus. Es dringt in das Gehirn ein, wo es auf unbestimmte Zeit verbleibt. Thimerosal (Quecksilber)  - Neurotoxin. Verursacht Zellschäden, reduziert die Oxidations-Reduktions-Aktivität, Zelldegeneration und Zelltod. Wird mit neurologischen Störungen, Alzheimer, Demenz und Autismus in Verbindung gebracht. Polysorbat 80 & 20  - Durchdringt die Blut-Hirn-Schranke und trägt Aluminium, Thimerosal und Viren mit sich, so dass diese ins Gehirn gelangen können. Glutaraldehyd - Toxische Chemikalie, die als Desinfektionsmittel für hitzeempfindliche medizinische Geräte verwendet wird. Fötales Rinderserum - wird aus Rinderföten gewonnen, die trächtigen Kühen vor der Schlachtung entnommen wurden. Menschliche diploide Fibroblastenzellen - abgetriebene fötale Zellen. Fremde DNA hat die Fähigkeit, mit unserer eigenen zu interagieren. Nierenzellen des Afrikanischen Grünen Affen - können das krebserregende SV-40-Virus in sich tragen, an dem bereits etwa 30 Millionen Amerikaner erkrankt sind. Aceton - Kann Nieren-, Leber- und Nervenschäden verursachen. Escherichia Coli - Ja, Sie haben richtig gelesen. DNA  vom Schweine-Circovirus Typ-1 Menschliche embryonale Lungenzellkulturen  (von abgetriebenen Föten)." "Sie können alle diese Inhaltsstoffe auf der Website der CDC einsehen“ - nun ja, fast  alle. Manche verschweigt der Beipackzettel von vornherein: sogenannte „Spurenstoffe“ unterhalb einer bestimmten Nachweisgrenze, weil sie als medizinisch unbedeutend gelten. Weitere dürfen unter Verschluss bleiben, wenn es „Geschäftsgeheimnisse“ zu schützen gilt; offengelegt werden sie dann nur bei Zulassungsbehörden, in allen öffentlichen Dokumenten wie Packungsbeilagen und Fachinformationen dürfen sie geschwärzt oder verallgemeinert werden. Bekommt Recht, wer Recht hat? Weil Eltern von diesen Ingredienzen im allgemeinen keine Ahnung haben und beim Impftermin unaufgeklärt bleiben, findet eine „informierte Einwilligung“ tatsächlich nur in den wenigsten Fällen statt – eigentlich ein millionenfacher Rechtsbruch, Tag für Tag. Denn in Deutschland ist die umfassende Aufklärungspflicht eines Arztes vor medizinischen Eingriffen – also auch vor einer Impfung – gesetzlich streng geregelt. Was gehört zu einer „ordnungsgemäßen Aufklärung“?  Vor der Impfung müssen Eltern -          Art und Zweck der Impfung verstehen -          mögliche Nebenwirkungen kennen - auch seltene -          über Impfalternativen informiert werden (falls vorhanden) -          Zeit zur Entscheidung bekommen (kein Druck!) -          Die Aufklärung muss mündlich erfolgen – Infoblätter allein reichen nicht aus. (1) Unterlässt ein Arzt dies ganz oder teilweise, kann das ernste juristische Folgen haben, insbesondere wenn es zu einem Impfschaden kommt. Zu den zivilrechtlichen Folgen: Wenn die Aufklärung unterblieb oder unzureichend war, ist die Einwilligung der Eltern bzw. Sorgeberechtigten rechtlich unwirksam. Damit gilt die Impfung als Körperverletzung (§ 823 BGB). Der Arzt kann auf Schadensersatz und Schmerzensgeld verklagt werden. Auch Folgekosten, z. B. für Therapien und Pflege, lassen sich geltend machen. Falls der Arzt „grob fahrlässig“ handelte, könnte seine Berufshaftpflichtversicherung ihm die Zahlung verweigern – dann müsste er aus eigener Tasche für den Schaden aufkommen. Darüber hinaus drohen strafrechtliche Folgen: Geldstrafen oder bis zu fünf Jahren Haft  – auch bei „guter Absicht“,  falls keine korrekte Aufklärung stattfand. Die zuständige Ärztekammer kann zudem berufsrechtliche Maßnahmen ergreifen – von einem Verweis oder einer Rüge über Geldbußen bis hin zu einem Berufsverbot. Soweit die Rechtslage im Prinzip. (2) Wie hilfreich sie für Geschädigte im Einzelfall tatsächlich ist, führt ein Fall vor Augen, der vor dem Oberlandesgericht Dresden verhandelt wurde. Eine Mutter klagte gegen eine Kinderärztin, weil ihres Erachtens die Masern-Mumps-Röteln (MMR)-Impfung bei ihrer Tochter zu Allergien und Neurodermitis führte; die Ärztin habe sie nicht ausreichend über mögliche Risiken aufgeklärt. Das Gericht kam jedoch zu dem Schluss, dass kein kausaler Zusammenhang  zwischen der Impfung und den gesundheitlichen Beschwerden des Kindes bestand und wies die Klage ab. Woher wusste das Gericht das? Es berief sich auf den wissenschaftlichen Forschungsstand – und dieser ergibt sich überwiegend aus pharmafinanzierten Studien. Zu den wenigen Kanzleien mit Schwerpunkt Medizinrecht in Deutschland, die Mandanten in Fällen von Impfschäden vertreten, um Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche geltend zu machen, zählen Steinbock & Partner (mit 10 Standorten bundesweit, u.a. in München, Bamberg und Gotha), sowie Lattorf in Köln und Aachen. „Betroffene berichten, dass sie in einer Art Massenabfertigung zum impfenden Arzt in das Behandlungszimmer gerufen wurden, dieser noch kurz mitgeteilt hat, dass man sich etwas schonen soll und es zu einer Rötung der Einstichstelle, Erschöpfung und eventuell auch erhöhter Temperatur kommen kann“, berichtet die Kanzlei Steinbock. „Mit einer ordnungsgemäßen Impfaufklärung hat dies allerdings nichts zu tun.“ Diese „lässt sich daher unter 20 Minuten kaum bewerkstelligen, da definitiv auch über die drohenden Langzeitschäden aufzuklären ist.“ „Vielfach wird behauptet, dass es überhaupt keine Impfschäden mit schweren Folgen gibt“, erklärt Anwalt Christian Lattorf.  Man dürfe jedoch „davon ausgehen, dass Patienten, die tatsächlich durch eine Impfung geschädigt worden sind, wegen der Beweisproblematik eher keine rechtliche Beratung diesbezüglich anfragen und solche Fälle nicht öffentlich werden.“ Rat und Hilfe, für die kein dreistelliges Stundenhonorar gemäß Anwaltsgebührenordnung fällig wird, finden betroffene Eltern beim Bundesverein Impfgeschädigter e.V. sowie bei Ärztinnen und Ärzte für individuelle Impfentscheidung e.V. In einigen Regionen bestehen Selbsthilfegruppen für Eltern von Kindern mit Impfschäden – ausfindig zu machen über die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen ( NAKOS ). Rund 5500 Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin sind in Deutschland in Praxen oder medizinischen Versorgungszentren tätig . Im Schnitt nimmt ein Kinderarzt, je nach Standort und Praxisgröße, 5 bis 50 Impfungen pro Tag vor. (3) Multipliziert mit rund 240 Praxistagen pro Jahr, ergibt sich nach Adam Riese: Zwischen Januar und Dezember müssen Deutschlands Kinder 6,6 bis 66 Millionen „Pikse“ über sich ergehen lassen. Bei wie vielen „Piksen“  handelt es sich strenggenommen um eine Straftat? Bei den meisten. Wie viele Kinderärzte wären demnach Kriminelle? Die Mehrzahl. Wie viele Staatsanwälte, Richter, Ärztekammern kümmert das? Inzidenz nahe null. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1)   Dies stellte der Bundesgerichtshof in seinem Urteil vom 15. Februar 2000 klar. (Az.: VI ZR 48/99.) Im Fall eines Arztes, der vor einer Polioimpfung mit Lebendviren die Eltern nicht ausreichend über seltene Risiken aufklärte, entschied der BGH: Auch Routineimpfungen erfordern eine umfassende Aufklärung. Bloß Merkblätter zu verwenden, reicht nicht aus; ein persönliches Arzt-Patienten-Gespräch ist unerlässlich. Fehlt eine solche Aufklärung, kann dies zu Schadensersatzansprüchen führen. (2)   Eine Auswahl von Fachliteratur zum Thema Medizinrecht bei Impfschäden: Haftungsrechtliche Aspekte bei Impfschäden , Medizinrecht – Kommentar , Die ärztliche Begutachtung – Impfschäden , Patientenrechte und Behandlungsfehler . (3)   Laut Schätzungen der KIs ChatGPT und Perplexity am 2.4.2025, nach Auswertung eines Dutzends Quellen. Titelbild: z.T. generiert mit Sora/OpenAI.

  • MEHA !

    Es wurde Zeit: Angeregt durch die MAHA-Kampagne des US-Gesundheitsreformers Robert F. Kennedy Jr., entstand auf dem alten Kontinent nun eine gleichgerichtete Initiative: “Make Europe Healthy Again”. Bei der Gründungsveranstaltung im Europaparlament überwogen flammende Appelle und eindringliche Warnungen. Bislang stoßen sie auf taube Ohren. Eine Epidemie chronischer Krankheiten grassiert keineswegs bloß in den Vereinigten Staaten. Auch diesseits des Großen Teichs sind Gesundheitssysteme längst dabei, unter ihrem Kostendruck zusammenzubrechen. Seit 2010 stiegen die Krebsraten um 20 %; Stoffwechselstörungen betreffen jeden dritten Erwachsenen. Fast zwei Drittel - und schon ein Viertel aller Kinder - sind übergewichtig oder gar adipös. Seit der Jahrtausendwende hat sich die Anzahl der Diabetesfälle nahezu verdreifacht. 60 % der über 65-Jährigen belastet mindestens eine lang andauernde Gesundheitsstörung ; zwei Drittel sind multimorbid . Haarsträubend. Deshalb lag nahe, was am 15. Oktober 2025 in Brüssel geschah: Abgeordnete des Europaparlaments riefen gemeinsam mit Ärzten, Wissenschaftlern und Bürgerrechtlern die MEHA-Initiative ins Leben: Make Europe Healthy Again!   Ihrer Website zufolge orientiert sich MEHA an sieben Grundprinzipien. Dazu zählen das Recht jedes Menschen auf Selbstbestimmung über seine Gesundheit, die Souveränität von Nationen und Gruppen “gegenüber nichtgewählten Mächten und Profiteuren”, Integrität und Transparenz von Wissenschaft, das Verständnis von Gesundheit als harmonisches Ganzes von Körper, Geist und Seele. Inspirieren ließ sich MEHA von der Kampagne “ Make America Healthy Again ” (MAHA), dem ambitionierten Herzensprojekt des US-Gesundheitsministers Robert F. Kennedy Jr.: eine von Präsident Trump per Executive Order  14212 vom 13. Februar 2025 gestartete, ressortübergreifende Agenda, die nicht weniger als 120 Vorhaben umfasst. Eine dazu eingerichtete Kommission soll staatliche Maßnahmen in den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Landwirtschaft, Bildung und Umwelt koordinieren und bisherige, offenkundig ungenügende Public-Health -Politik grundlegend reformieren, um die Ursachen der „ chronic disease epidemic “ anzugehen: unter anderem schlechte Ernährung, Chemikalienexposition, Bewegungsmangel, Stress und Übermedikalisierung. Es geht um Selbstbestimmung Bei der Auftaktveranstaltung von MEHA erklärte Dr. Robert W. Malone – Arzt, Wissenschaftler und Biochemiker, der den Vorsitz eines Beratungsausschusses für Impfpraktiken (ACIP) der US-Seuchenschutzbehörde CDC innehat: „Wenn wir nicht über unseren eigenen Körper und die medizinischen Behandlungen, denen wir uns unterziehen, bestimmen dürfen, kann es keine persönliche Freiheit und keine Verhältnismäßigkeit geben. Der Grundstein dieser ethischen Struktur ist das Prinzip der informierten Einwilligung des Patienten, das während COVID weitreichend verletzt wurde.“ Laut Louis Fouché  - Anästhesist, Mitglied des Lenkungsausschusses von MEHA und Leiter der französischen Sektion – “strebt MEHA danach, die Wissenschaft zu entpolitisieren, die Einflussnahme von Unternehmen auf Gesundheitsbehörden zu beseitigen und die medizinische Praxis auf fundierte Erkenntnisse zu stützen, die mit traditionellen und ergänzenden Ansätzen kombiniert werden. (…) Beide Bewegungen zielen auf die Ursachen ab – wie hochverarbeitete Lebensmittel, Pestizide und Umweltgifte – und setzen sich gleichzeitig für Präventionsstrategien anstelle von reaktiven Maßnahmen ein.“ Die Idee, MEHA zu gründen, sei aus der COVID-19-Pandemie entstanden, „die tiefgreifende systemische Versäumnisse offenbart hat: ein Gesundheitssystem, das sich zu einer gewinnorientierten ‚Krankheitsindustrie‘ gewandelt hat, in der die Wissenschaft politisiert wurde, Unternehmen öffentliche Einrichtungen übernommen haben und Anbieter an vorderster Front mit repressiven Vorschriften wie Einschränkungen der freien Rede und Verschreibungsbeschränkungen konfrontiert waren“, sagte Fouché. „MEHA entstand als Reaktion darauf – als Aufruf, Institutionen zu heilen, strenge Wissenschaft wiederherzustellen, moderne und traditionelle Medizin zu integrieren und systemische Prävention gegenüber Behandlung zu priorisieren.“ Die fatale Rolle der Europäischen Kommission Wie die österreichische Hausärztin Dr. Maria Hubmer-Mogg , ein weiteres Gründungsmitglied von MEHA , bei der Auftaktveranstaltung vortrug, spielt die Europäische Kommision eine fatale Rolle: Als nicht gewählte Exekutive kontrolliert sie die Gesundheitspolitik der gesamten EU; ihre Vorschriften beeinflussen die nationalen Gesundheitssysteme enorm. „Die Bürger sollten sich bewusst sein, dass 80 % der Politik ihres Landes aus der EU stammt. Die Europäische Arzneimittelagentur  ist eng mit der Kommission verbunden und keine unabhängige Arzneimittelbehörde. Mit über 85 % ihrer Einnahmen  aus Industriegebühren ist die Agentur finanziell von genau den Unternehmen abhängig, deren Produkte sie eigentlich regulieren soll.“ Der britische Kardiologe Dr. Aseem Malhotra , MAHA-Berater und Mitglied des MEHA-Vorstands, sieht den Schlüssel zum Erfolg beider Bewegungen diesseits wie jenseits des Atlantiks darin, den Einfluss von Konzernen einzudämmen: „Wenn wir Europa wie auch  Amerika wieder gesund machen wollen, muss die Macht der Unternehmen eine Priorität für die öffentliche Gesundheit sein. Ich bin für einen freien Markt, aber ich bin nicht für die Freiheit, den Markt zu täuschen.“ Die Vereinnahmung von Institutionen durch Unternehmen habe „eine Kombination aus biologischen, sozialen, ökologischen und psychologischen Faktoren“ geschaffen, welche die Krise der chronischen Krankheiten sowohl in Europa als auch in den USA aufrechterhalte. Diese Vereinnahmung, so warnte der Arzt Dr. David Bell , sei „das unvermeidliche Ergebnis einer veralteten Bürokratie in Verbindung mit kommerzieller Gier“. Ermutigend seien „Anzeichen eines Widerstands gegen den administrativen Nanny-Staat und die zunehmende Ausbreitung des Globalismus in unseren staatlichen Zuständigkeitsbereichen wie dem Gesundheitswesen“. Auf dem Spiel stehen Grundrechte Vor immer dreisteren Angriffen auf unsere Grundrecht auf natürliche Ernährung warnte der niederländische EU-Abgeordnete Rob Roos . „Unter dem Deckmantel des Klimaschutzes werden traditionelle Lebensmittel diskreditiert.“ Stattdessen setze man uns einen dystopischen Teller mit Laborfleisch, Insekten und hochverarbeiteten Ersatzprodukten vor. Das sei keine Innovation, sondern die Entmenschlichung unserer grundlegendsten Nahrungsquellen. Roos sieht einen Teufelskreis am Werk: Industrien erzielen gigantische Profite mit Lebensmitteln, die uns krank machen, indem sie zu Fettleibigkeit, Diabetes und Herzerkrankungen führen. Noch üppigere Gewinne streichen dann Pharmafirmen ein, die diese Zustände behandeln, aber nicht heilen. Ihnen geht es nicht um Gesundheit, sondern um lebenslange Abhängigkeit. Je früher, je länger es uns schlecht geht, umso besser fürs Geschäft. Roos erinnerte an den schändlichen Missbrauch des Covid-Mantras „ Trust the Science “ als politische Waffe, um Gegenstimmen zum Schweigen zu bringen. Dieser Skandal habe uns eine schmerzhafte Wahrheit vor Augen geführt: Wissenschaft ist käuflich. Sie kennzeichnen Debatte und Dissens, nicht Zensur und vermeintlich in Stein gemeißelte, eminenz- statt evidenzbasierte Meinungen. Projekt verwirrter „Verschwörungstheoretiker“? Kommentare deutscher Politiker zu diesem parteiübergreifenden, transatlantisch not-wendigen Gesundheitsprogramm? Abgesehen von AfD-Vertretern: Fehlanzeige. Und erwartungsgemäß kehrten so gut wie alle Mainstream-Medien das Brüsseler Event unter den Teppich. Gingen sie ausnahmsweise darauf ein, so „ entlarvten “ sie die medizinische Initiative  als politisches Projekt von Impfkritikern, „Verschwörungstheoretikern“ und sonstigen Verwirrten des rechten Spektrums, das die in den Corona-Jahren gewachsene Skepsis gegenüber etablierten Institutionen ausnutze. Hier hallt das amerikanische Medien-Echo auf Kennedys MAHA-Agenda nach: Die Bewegung muss sich als „Sekte“ verunglimpfen lassen, geleitet von einem „Glaubensheiler, der nicht kritisiert werden darf“. (1) Associated Press, größte Nachrichtenagentur der Welt mit 263 Büros in 106 Ländern, prangert  MAHA als „wissenschaftsfeindlich“ an. Das Projekt werde „angetrieben von einem Netzwerk gut finanzierter nationaler Gruppen, die von Menschen angeführt werden, die – finanziell und anderweitig – davon profitiert haben, Misstrauen gegenüber Medizin und Wissenschaft zu säen“. Zweifellos schadet es dem Image von MEHA gewaltig, dass es an ein von Trump propagiertes Vorhaben anknüpft. Je widersprüchlicher, narzisstischer, verwirrter, unglaubwürdiger der starke Mann im Weißen Haus auftritt, desto leichter wird sich das MAHA-Programm samt MAGA in die Tonne treten lassen, sobald GOAT Donald, „ Greatest Of All Times “, mehr oder minder unfreiwillig abtritt und kein linientreuer Republikaner ihm nachfolgt. Wahrscheinlich fände dann eine zügige Rückkehr zu business as usual  statt – und der Kennedy-Impuls bliebe ein folgenloses Kuriosum amerikanischer Gesundheitspolitik, so irre wie eine US-Annexion Grönlands. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkung (1)   https://en.wikipedia.org/wiki/Make_America_Healthy_Again , https://www.newyorker.com/news/the-lede/will-the-maha-moms-turn-on-trump

  • Warum kluge Leute dummes Zeug glauben

    Einst nazifiziert, acht Jahrzehnte später von Coronoia gepackt: Was bringt helle Köpfe dazu, haarsträubenden Unfug zu vertreten, nicht aus Kalkül oder gezwungenermaßen, sondern aus inbrünstiger Überzeugung? Wem das unbegreiflich vorkommt, der verkennt, wie die menschliche Psyche funktioniert. Ein hoher IQ schützt keineswegs vor Verblendung – eher befähigt er dazu, ihr kunstvoll rhetorische Girlanden zu flechten. Zu den beschämendsten Kapiteln deutscher Geschichte gehört die weitgehende Nazifizierung der Intelligenz. Da führen zwei ideologisch verblendete Nobelpreisträger eine Kampagne gegen „Jüdische Physik“ an, die angeblich zu abstrakt, zu mathematisch sei, verfassen Lehrbücher über eine „arteigene Deutsche Physik“, lehnen Quantenmechanik und Relativitätstheorie ab, weil diese die „germanische Weltanschauung“ untergraben. Hochangesehene Professoren schwören ihre Fachkollegen auf „biologische Grundlagen für Rassenkunde und Rassenhygiene“ ein, begründen die Überlegenheit der „Nordischen Rasse“. Mit Messungen belegen sie, dass  Schädel und Gehirne der Juden „charakteristisch subhuman“ sind. Archäologen fahnden in Nepal nach „Ur-Germanen“ von Atlantis. Mediziner und Biologen helfen mit, die Fortpflanzung von „Untauglichen“ zu verhindern; in den Tötungsanstalten des Euthanasieprogramms betreiben sie „Spitzenforschung“, die Mord als Materialquelle nutzt; in „Erbgesundheitsgerichten“ entscheiden sie über Zwangssterilisationen, Leben und Tod. Juristen legitimieren die Rassengesetze der Nazis, Theologen erklären sie zum Gotteswerk: Der Herr habe die Juden zur Strafe heimatlos gemacht und zerstreut, um sie unter der Herrschaft anderer Völker büßen zu lassen. Hitlers Aufstieg preisen sie enthusiastisch als „Geschenk und Wunder Gottes“, als einen „Sonnenaufgang göttlicher Güte“. Gefeierte Denker wie Heidegger rechtfertigen Nazi-Gewalt als philosophische Notwendigkeit und preisen den Nationalsozialismus als „barbarisches Prinzip“, das „zur Größe befähigt“. Acht Jahrzehnte später schüttelt man darüber fassungslos den Kopf: Wie konnte ein Großteil der geistigen Elite im Dritten Reich hirnrissiger Nazi-Propaganda nicht nur auf den Leim gehen, sondern sie aktiv mitverbreiten? Elite im Griff von Coronoia So als hätten Deutschlands Schulen nach 1945 Geschichtsunterricht vom Lehrplan gestrichen, wiederholte sich ahnlich monströser Aberwitz acht Jahrzehnte später, ohne dass Parallelen auffielen. Und erneut machten alle mit: von Professoren, Ärzten und Wissenschaftlern über Richter, Lehrer, Chefredakteure, Verleger und Kulturschaffende bis hin zu Wirtschaftslenkern und höheren Beamten. Ein weiteres Mal blieb für unvoreingenommene, geschichtsbewusste Zeitzeugen nur Fassungslosigkeit. Wie konnten kluge Köpfe, anstatt ab 2020 die merkwürdigste Pandemie aller Zeiten zu hinterfragen, eine dürftig begründete Panikmache und offenkundig überzogene, wenig wirksame, überaus schädliche Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung jahrelang kritiklos mittragen? Wie konnten sie darauf verzichten zu verstehen, warum PCR-Tests ungeeignet sind, Infektionen nachzuweisen? Wie konnten sie „corona-positiv“ mit „krank“ verwechseln? Wie konnten Medizinprofessoren ihre Studenten, Chefärzte ihr Personal und sich selbst dazu bringen, Masken umzuschnallen, die vor Winzlingen wie Viren ungefähr so zuverlässig schützen wie ein um den Kopf gewickelter Maschendraht gegen Stechmücken und Blütenpollen? Wie konnten sich Gebildete allen Ernstes von der Phrase beeindrucken lassen, man sei dem Covid-Erreger „schutzlos ausgeliefert“, solange es keine Impfstoffe gibt – so als besäße der menschliche Organismus plötzlich kein Immunsystem mehr? Wie konnten sie es unterlassen, Zulassungsstudien daraufhin zu prüfen, ob sie Wirksamkeit und Sicherheit der Covid-Impfstoffe tatsächlich belegen? Wie konnten sie auf Prognosen hereinfallen, in Kürze sei man geimpft, genesen oder tot? Wie konnten gescheite Zeitgenossen mitspielen, als ihnen verboten wurde, sich nachts im Freien aufzuhalten, draußen alleine unmaskiert auf einer Parkbank zu sitzen oder spazierenzugehen? Wie konnten sie sich eine drohende „Überlastung des Gesundheitswesens“ weismachen lassen, während Kliniken Intensivbetten abbauten? Wie konnte ihnen einleuchten, dass man einen Mund-/Nasenschutz benötigt, um in Restaurants vom Eingang zum Tisch zu gehen – ihn aber getrost abnehmen kann, sobald man sitzt? Wie konnten sie akzeptieren, von Mitmenschen drinnen ein bis zwei Meter Abstand halten zu müssen, obwohl frühzeitig feststand, dass sich SARS-CoV-2 über raumfüllende Aerosole verbreitet? Wie konnten sie zahlreiche Merkwürdigkeiten ignorieren, die von Anfang an einen Laborursprung dieses Virus weitaus plausibler machten, als unschuldige Fledermäuse, Pangoline, Marderhunde und sonstiges Getier als Seuchenherde zu verdächtigen? (Siehe mein Buch Corona-Rätsel , erschienen im Juni 2020.) Wie konnten sie sich an der Hetzjagd auf Ungeimpfte beteiligen und es begrüßen, diesen Grundrechte zu entziehen, wo man ihres Erachtens doch nichts zu befürchten hat, sobald man sich selber „schutz“impfen ließ? Wie konnten sie sich nicht darüber wundern, dass Corona-Infizierte ihre statistische Lebenserwartung im Schnitt um ein bis zwei Jahre übertreffen? Wie konnten sie Lockdowns begrüßen, die sich wiederholt als ungeeignet erwiesen, Inzidenzen zu senken? Wie konnten sie Kinder ohne den Hauch eines Beweises zu „Treibern der Pandemie“ erklären – und sie zutiefst traumatisieren? Warum weigerten sie sich, von Schweden, Florida und South Dakota zu lernen, dass ohne staatliche Hygienediktatur nichts Schlimmes passiert?   1933 ff. wie 2020 ff. unterwarfen sich geistige Eliten einem grotesk verirrten Regime nicht etwa aus Zwang oder kalkuliertem Konformismus – mit dem Strom schwammen sie mehrheitlich aus tiefer Überzeugung, die sie bei jeder Gelegenheit eifrig vertraten, überheblich und gnadenlos gegenüber sogenannten „Coronaleugnern“. Dabei ertrugen und produzierten sie haarsträubende logische Verzerrungen, verzichteten  auf naheliegendste Fragen, blendeten widerspenstige Fakten aus, stellten sich taub für begründete Gegenargumente. Das menschliche Gehirn ist keine Wahrheitsmaschine, sondern „sozial“ Warum schützt ein hoher IQ offenkundig nicht vor ideologischer Verblendung? Zumindest William von Hippel, ein australischer Sozialpsychologe, wundert sich darüber nicht im geringsten. Die menschliche Evolution, so führt er aus (1), hat ein stattliches, enorm denkfähiges Gehirn nicht etwa dazu hervorgebracht, um Wahres, Gutes und Schönes zu erkennen. Einen Großteil seiner geistigen Kapazitäten wendet der Mensch, als Herdentier durch und durch, dafür auf, in einer komplizierten sozialen Welt zurechtzufinden. Warum guckt mein Nachbar heute so seltsam? Wirkt es als Schleimerei oder als angemessene Wertschätzung, wenn ich den Chef lobe? Wie kommt dieses Foto von mir an, wenn ich es poste? Was bedeutet die Anspielung meines Freundes über meine neue Uhr? Wer hält zu wem? Wie setze ich Grenzen? Wie kleide ich mich vorteilhaft zu bestimmtem Anlass? Flirtet die Bedienung mit mir oder ist sie einfach bloß besonders nett? Kurzum, unter unser Schädeldecke sitzt ein „soziales“ Gehirn. Zwar checkt es gelegentlich auch Fakten. Aber viel wichtiger ist ihm, unablässig zu sondieren: Welche gesellschaftlichen Konsequenzen hat es für mich, wenn ich dies oder jenes sage, tue oder unterlasse? Nützt oder schadet es meinem Ruf, von diesem oder jenem überzeugt zu sein? In unserem Kopf arbeitet eine Biomaschine, die uns im Zweifelsfall sogar daran hindert , das Richtige zu denken, falls dies unseren sozialen Stellenwert gefährdet. Diese Psychomechanismen wirken umso mächtiger, je höher der Status ist, den der Betreffende innehat. Bei besonders gebildeten oder vermögenden Zeitgenossen stehen ein akademischer Ruf, eine gehobene berufliche Position auf dem Spiel. Sie haben mehr zu verlieren. Deshalb machen sie sich mehr Gedanken darüber, wie ihre Meinung bei anderen ankommt. Vor diesem Hintergrund verwundert nicht, was eine Studie über den Zusammenbruch der Sowjetunion herausfand: Menschen mit Hochschulabschluss hatten die kommunistische Ideologie zwei- bis dreimal häufiger unterstützt als Abiturienten, Angestellte zwei- bis dreimal häufiger als Landarbeiter und Hilfskräfte. Eine Umfrage unter 2000 repräsentativ ausgewählten US-Amerikanern belegt das gleiche Phänomen: Je höher das Bildungsniveau, desto größer die Besorgnis, aufgrund eigener politischer Ansichten den Arbeitsplatz zu verlieren oder sich Beschäftigungschancen zu verbauen. Umso bereitwilliger findet Selbstzensur statt. Unter Befragten mit High-School-Abschluss oder geringerer Qualifikation hatte nur jeder Vierte deswegen Angst, unter Hochschulabsolventen 34 %, bei höherem akademischem Grad sogar 44 %. Ein kluger Kopf rationalisiert Unfug geschickter Zwar erkennen intelligente Menschen Denkfehler bei anderen recht gut – paradoxerweise sind sie aber anfälliger dafür, die eigenen kognitiven Verirrungen zu ignorieren. Je schlauer jemand ist, desto geschickter stellt es sein Gehirn an, ihm selbst den größten Humbug noch als vernünftig und alternativlos zu verkaufen, solange es seinem Status zugute kommt. Er rationalisiert besser: Aus vorselektierten Informationen, zutreffenden wie fragwürdigen, konstruiert er komplexere, kohärente Storys. Der Intelligentere ist eher überzeugt von der eigenen Objektivität und Utrteilskraft, deshalb hinterfragt er sich seltener . Er ist besser darin, eigene Überzeugungen zu verteidigen, zu denen er aus unvernünftigen Gründen gelangt ist. (2) Er nutzt seine kognitiven Ressourcen, um Beweise wegzuerklären, die seiner Meinung widersprechen. (3) Gescheit, wie er ist, sammelt und verarbeitet er viel mehr Informationen als der geistig Minderbemittelte – und nutzt sie, um seine Vorannahmen ausgeklügelt zu bestätigen, selbst wenn er dabei auf dem Holzweg ist. Falls sich seine glänzende Theorie als Desaster entpuppt, dann war natürlich nicht die Idee falsch, sondern die Realität unzulänglich. Während der Normalsterbliche schon am Aufbau eines schwedischen Regals scheitert, nutzt der „helle Kopf“ seine kognitive Überkapazität für weitaus ambitioniertere Projekte: die Konstruktion absolut wasserdichter Luftschlösser. Wo der Laie schlicht „Quatsch“ sagt, benötigt der Intellektuelle fünf Fußnoten, um denselben Irrsinn zur Weltformel zu adeln. So bleibt die wahre Tragik der Hochbegabten: Ihnen ist kein Irrtum zu dumm, solange er sich nur kompliziert genug erklären lässt. Allein die Bescheinigung eines hohen IQ, eine Promotionsurkunde, ein Büro auf der Chefetage sind keine Garanten für kluges Handeln, sondern oft nur die Eintrittskarte in den Club der selbstgefälligen Ignoranz. Ein Diplom schützt vor Torheit so effektiv wie ein Sieb vor Regen – es sieht im Regal nur deutlich besser aus. Intelligenz ist ein Turbolader, kein Navi. Sie befördert den Geist ihres Inhabers schneller – nur leider auch schneller in die falsche Richtung, wenn die Straße „Eitelkeit“, „Lagerzugehörigkeit“ oder „Karriere“ heißt. Und weil die hellsten Köpfe ungern irren, irren sie lieber standesgemäß elegant: mit Diagramm, Fachchinesisch und einem Peer-Review als Feigenblatt. Am Ende steht die schönste Form des Irrtums: jene, die so klug klingt, dass sie keiner mehr zu verstehen wagt. Wer widerspricht, gilt als ungebildet – und wer zustimmt, als tiefsinnig. Im Elfenbeinturm hält Dummheit ein dortiges Echo für die Stimme Gottes, trägt weiße Kittel und Louis Vuitton, spricht im Konjunktiv, bildet Schachtelsätze und frisst Drittmittel. „Es gibt Ideen, die so absurd sind, dass nur ein Intellektueller sie glauben kann; kein gewöhnlicher Mensch wäre so dumm”, wie George Orwell auffiel. In der “Intelligenzfalle” Und so schützen ein hoher IQ, Bildung und Expertise keineswegs vor Fehlurteilen, sondern begünstigen diese sogar. (4) Echokammer-Effekte in akademischen und medialen Milieus verstärken diese Tendenz, indem sie Abweichler sanktionieren. Ehrgeizige, aufstrebende Wissenschaftler sehen sich im Kollegenkreis häufig einem enormen Konformitätsdruck ausgesetzt. Wer mit exponierten Ansichten auffällt, die insbesondere den Standpunkten der Koryphäen seines Fachs, der Opinion Leaders  widersprechen, der riskiert Forschungsaufträge, findet schwerer Publikationsmöglichkeiten, verspielt Karrierechancen, wird seltener zu Vorträgen auf bedeutenden Kongressen eingeladen. In einem Akt der „Selbsttäuschung auf hohem Niveau“ (5) setzt ein kluger Kopf deshalb seine Logik vorzugsweise ein, um die Dogmen seiner „Community“ zu rechtfertigen, anstatt sie zu prüfen. Gleiches gilt für Ärzte in der Krankenhaushierarchie, für Mitglieder von Redaktionen, für Lehrer im Kollegium, für Abgeordnete innerhalb ihrer Fraktion, für Beamte in Behörden. Aus all diesen Gründen neigt die intellektuelle Elite eher dazu, irgendwelchen Schnapsideen anzuhängen, als sogenannte „einfache Leute“ wie Handwerker und Taxifahrer, Verkäufer und Postboten, Putzfrauen und Lagerarbeiter. Schlichtere Gemüter verfügen häufig über mehr Realitätsbezug und gesunden Menschenverstand. Der ideologische Mitläufer sitzt eher in Hörsälen und Chefsesseln als in Werkskantinen oder am Stammtisch. „Als hätte ich den Allmächtigen gelästert“ In den 1930-er und 1940-er Jahren bereiste der US-Journalist William Shirer (1904-1993) Nazideutschland, um für amerikanische Medien aus dem Dritten Reich zu berichten. (6) Von dort schrieb er: „Oft hatte ich Gespräche in einem deutschen Zuhause oder Büro, manchmal auch ungezwungen mit einem Fremden in einem Restaurant, einer Bierhalle oder einem Café. Von scheinbar gebildeten und intelligenten Leuten hörte ich dabei die ausgefallensten Behauptungen. Es war offensichtlich, dass sie Unsinn wiederholten, den sie im Radio aufgeschnappt oder in den Zeitungen gelesen hatten. Manchmal war ich versucht, das zu sagen, aber ich stieß auf solche Ungläubigkeit, als hätte ich den Allmächtigen gelästert.“ Wäre es Shirer im coronoiden Lauterbach/Drosten-Schland der frühen 2020-er anders ergangen? ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1)  William von Hippel:  Die Evolution des Miteinander: Wie der Mensch zum kooperativen Wesen wurde  (2020); The Social Paradox  (2024); W. von Hippel/R. Trivers: „The evolution and psychology of self-deception“,   Behavioral and Brain Sciences 34   (1) 2011, 1–16. (Diskutiert, warum unser Gehirn Selbsttäuschung als soziale Strategie entwickelt hat, um andere wirksamer zu täuschen; behandelt damit Hirnfunktionen, die evolutionär auf soziale Interaktion zugeschnitten sind.) Forgas, J. P., Haselton, M. G. & von Hippel, W. (Hrsg.): Evolution and the Social Mind: Evolutionary Psychology and Social Cognition   (2007). Enthält u. a. ein Kapitel zur Social-Brain-Hypothese. (2)  Siehe Michael Shermer: Why People Believe Weird Things  (2002); ders.: „ Smart People Believe Weird Things “, Scientific American , 1.9.2002. (3)  Siehe zu diesem Phänomen die Übersichtsarbeit von Ziva Kunda: “ The case for motivated reasoning ”, Psychological Bulletin  108 (3) Nov. 1990, S. 480-98, doi: 10.1037/0033-2909.108.3.480. (4)  Diese “Intelligenzfalle” beschreibt David Robson in seinem Buch The Intelligence Trap: Why Smart People Make Dumb Mistakes (2019). (5)  Gurwinder Bhogal: “ Why Smart People Believe Stupid Things ”, 14.2.2023. (6)  Shirers bekannteste Bücher: Berlin Diary: The Journal of a Foreign Correspondent, 1934–1941  (1941) ein reportageartiger Augenzeugenbericht aus Berlin; The Rise and Fall of the Third Reich: A History of Nazi Germany  (1960), ein einflussreiches Gesamtwerk zur Geschichte des NS-Regimes, ausgezeichnet u. a. mit dem National Book Award (1961).

  • Wer hat Angst vor CO2?

    Warum wir Kohlendioxid fürchten und hassen sollen – Ein Gastbeitrag von Elena Louisa Lange über Sinn und Irrsinn der Bangemache mit dem "menschengemachten Klimawandel". Im September 2023 wurde die Welt Zeuge von fünf Minuten bester Klimaideologie. Apple, die am höchsten kapitalisierte Firma der Welt, produzierte einen Werbefilm , der augenzwinkernd zu verstehen geben sollte, dass die „vollständige Entfernung von Kohlenstoff aus der Atmosphäre“ nicht nur Apples ehrgeizigem Klimaziel entsprach, sondern für die Menschheit insgesamt wünschenswert sei. Wie bitte? Lassen Sie mich das für den unerfahrenen Propagandakonsumenten übersetzen: es ist alles ganz lustig, bis es nicht mehr lustig ist. In jedem Propagandastück seit dem Kaiserreich gilt, dass blosses Zuschauen irgendwann nicht mehr reicht. Man hat sich gefälligst in die sentimentale Welt des Autoritarismus zu begeben, ja, dem jovialen Geplappere zu beugen, das ganz schnell in beinharte Selbstverleugnung umschlagen kann. Denn jedes Kind weiß, dass die dauerhafte Beseitigung von Kohlenstoff aus der Atmosphäre das ultimative Opfer ist. Weiter kann man nicht gehen – es sei denn, man riefe direkt zum spontanen Massenselbstmord auf. Aber wir schreiben das Jahr 2023, und die Tatsache, dass die vollständige Entfernung von Kohlenstoff oder Kohlendioxid aus der Atmosphäre den sofortigen Tod aller Lebewesen zur Folge hätte, wird als positive Ökobilanz  verbucht. Die Ironie ist greifbar. Interessanter ist jedoch, dass die manische CO2-Feindschaft jeder medialen Klimabotschaft kein Fauxpas von Apple-PR-Strategen und ähnlichen Lobbyisten ist, sondern gewollt. Der Pavlovsche Reflex gegen CO2 muss den Staatssubjekten zur zweiten Natur werden. Er muss eingeübt, eintrainiert, abgerufen werden. Man denke an die «2 Minuten Hass» gegen Goldstein, den Orwell in 1984  so treffend beschreibt; in der Realität wurde er nun durch eine neutrale chemische Verbindung ersetzt. Die tägliche mafiöse Klimaerpressung durch UNO, EU-Rat, WHO, WEF und andere ungewählte Gremien dient einem globalen Krieg gegen CO2. Fossile Brennstoffe sind der Feind. Überteuerte Solar- und Windenergie sind Verbündete. Alles, was nicht von vornherein CO2 erzeugt, mag gut sein - was bei Solarzellen bereits ein Problem ist, da die chinesischen Produktionsanlagen für Solarzellen mit Kohle betrieben werden -, aber alles, was CO2 vernichtet, ja, "frisst", ist besser. Dass Atomkraft das Schmuddelkind aus dem Ghetto ist, über das man nicht spricht, mit dem man nicht spielt, und das man um jeden Preis meidet, zeigt nur, dass der Wahnsinn Methode hat. Wer noch bei Verstand ist, erkennt, dass es hier nicht um die Natur geht. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass es bei den Maßnahmen, die im Sinne dieser Maximen ergriffen werden, nicht um den "Schutz des Planeten" oder der "Natur" geht. Es geht um die Herrschaft von Menschen über andere Menschen. Wie der deutsche Technikphilosoph Martin Burckhardt feststellt, fungiert die "Natur" heute als "idealer Projektionsapparat": «Die Revoluzzer, die Ende der 60er Jahre das gequälte Proletariat befreien wollten, mussten sich von den Arbeitern sagen lassen, dass man kein Interesse an dieser Art Erlösung habe, weshalb nicht selten der aggressive Hinweis folgte: ‘Dann geht doch nach drüben.’ Im Gegensatz zur Unterschicht antwortet die Natur nicht. In diesem Sinn ist sie ein idealer Verbündeter für die klimapolitische Avantgarde. Man ist mit einer höheren Macht verbunden, betreibt politische Theologie.“ (1) Natürlich macht der Klimawandel auch die Pferde fett (2) und sorgt dafür, dass Schweine weniger Fleisch geben: Der Klimawandel hat noch weitere, allerdings für unsere ungewählten Weltgremien sehr praktische Konsequenzen – die Ursache für die Armut im globalen Süden kann auf das Wetter geschoben werden, während dieselben Technokraten mit ihren feudalistischen Kohlenstoffkompensationen und -zertifikaten genau die Bedingungen verschärfen, die gerade zur Armut auf dem südlichen Kontinent beitragen. In einer modernen Industriegesellschaft mit weit entwickelten Produktivkräften, die den Menschen hypothetisch alle möglichen technologischen Schutzmaßnahmen – und sogar Annehmlichkeiten – gegen die Launen der Natur bieten könnten, gibt es jedoch kein "natürliches Problem", das nicht gesellschaftlich gelöst werden kann. Wenn Sie kein funktionierendes Wasserversorgungssystem haben oder Ihr Haus bei einem Hurricane hinweggefegt wird, ist das nicht die Schuld des Wetters. Sie sind arm? Nicht die Schuld des Wetters. Und doch wird die Armut zum natürlichen Zustand und die Natur zum Ergebnis politischer Entscheidungen erklärt. Die verkehrte Welt der "Personifizierung der Dinge" und der "Verdinglichung der Personen" ist durch die Klimaerzählung zu sich selbst gekommen. Vergessen wir nicht, dass die monothematische Reduktion des gesellschaftlichen Diskurses auf den Klimawandel auch zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt: Denn nicht nur wird die Verantwortung auf eine technologische Abstraktion verlagert, die außer in Computermodell-Simulationen keine Realität hat, sondern man kann im Namen eines "objektiven Sachzwanges" einen kompletten gesellschaftlichen Wandel erzwingen, der die Vorstellung oder gar den Wunsch nach einem Leben in relativem Wohlstand, Freiheit, Sicherheit, Gesundheit und Würde, die wir einst als selbstverständlich erachteten, an deren Erhalt die Mächtigen aber nie ein Interesse hatten, faktisch zerstört. Bei der Ahrtal-Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen (2021) verloren aufgrund der schlechten Infrastruktur mehr als 200 Menschen ihr Leben, Hunderttausende ihr Zuhause und ihre Einkommensquellen. Deutschlands erste technokratische Kanzlerin, Angela Merkel, schob die Schuld jedoch auf "die Herausforderungen des Klimawandels" - eine Politik, die inzwischen zum «guten Ton» gehört. Anthropogener Klimawandel für Dummies Damit dieses Schema funktioniert, ist die Behauptung, dass der Klimawandel keine natürlichen, sondern nur menschengemachte, "anthropogene" Ursachen haben kann, jedoch unerlässlich. Wären die beobachtbaren atmosphärischen und physikalischen Prozesse natürlichen Ursprungs, könnte es schwierig sein, die Botschaft zu vermitteln, dass eine ganze Produktions- und Konsumtionsweise so revolutioniert werden muss, dass sie auf die Abschaffung von Produktion und Konsum hinausläuft. Niemand bestreitet jedoch, dass der Mensch einen Anteil an der Erwärmung der Landmassen hat: die Umwandlung ganzer Landstriche in Mülldeponien und die Zubetonierung von Städten spielen dabei eine wichtige Rolle. Aber nichts, was der Mensch tut, kann die natürlichen Veränderungen des Klimas außer Kraft setzen, z. B. den jährlich schwankenden Einfluss der Sonneneinstrahlung, die ozeanischen Zirkulationsmuster, den klaren oder bewölkten Himmel oder Vulkanausbrüche (viele davon unter Wasser). Diese globalen natürlichen Einflüsse auf das Wetter werden im "Diskurs" geflissentlich ignoriert, manchmal sogar heruntergespielt. Die nicht mehr von staatlichen Geldern abhängige US-Atmosphärenforscherin Dr. Judith Curry betont immer wieder, dass die Zusammensetzung der Atmosphäre "nur einen unbedeutenden" Einfluss auf das Wetter hat. Stattdessen wird uns weisgemacht, dass es keine andere Ursache für Wirbelstürme und Dürren gibt als die Verbrennung fossiler Brennstoffe. Die CO2-Emissionen als «Drehknopf» für das Klima zu betrachten, ist sogar im strengen Sinne idiotisch – und gefährlich. Aber um das «Klima» geht es nicht. Es geht darum, durch das gesellschaftliche Einstudieren einer sachlich falschen Monokausalität den Menschen zur Ursache allen Klimaübels zu erklären. Aber nicht einmal der Weltklimarat IPCC ist sich da so sicher: in der "Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger" (SPM) des Klimaberichts Nummer 5 (AR5, 2007) bekräftigte der IPCC seine Abgrenzung gegenüber dem weitaus hysterischeren UNFCCC (United Nations Framework Convention on Climate Change) und wies darauf hin, dass sich seine Definition des Klimawandels nicht auf "direkte oder indirekte menschliche Aktivitäten" beschränkt, sondern auch die natürliche Variabilität einschließt, die enorme Schwankungen aufweist. Die einfache Tatsache, dass es keinen Maßstab für die Unterscheidung zwischen natürlichem und vom Menschen verursachtem Klimawandel gibt, hat es in den aufeinander folgenden Klimaberichten selbst für jene Wissenschaftler in der Working Group 1 nicht einfacher gemacht, die versuchen, der Logik des Kohlenstoffkreislaufs, d.h. den gigantischen, meist ozeanischen Einflüssen auf das Klima, gegen die aktivistische Klimakonventionsmaschinerie und ihre Besessenheit, "100 %" der aktuellen Wetterveränderungen menschlicher Aktivität zuzuschreiben, treu zu bleiben. Der offiziellen Propaganda zufolge muss die Angst vor CO2 direkt mit dem "menschengemachte" Klimawandel in Verbindung gebracht werden - koste es, was es wolle. Gestützt auf eine beispiellose kollektivistische Selbstgeißelung wartet dieser mit Verbotsexzessen auf – neben CO2-Zertifikaten und -Steuern plagen sich die Menschen nun mit Öl- und Gasheizungsverboten, Verbrennungsmotorverboten, 15-Minuten-Städten und nun auch abgesagten Volksfesten wie in Zürich herum, deren «CO2»-Fußabdruck den städtischen Auflagen zu groß ist. (3) An deren Ende steht die Auflösung der bürgerlichen Subjektivität, wie wir sie kennen, ganz zu schweigen von demokratischen Bürgerrechten. Noch verheerender als die technokratisch-faschistische Aushöhlung der Zivilgesellschaft während der Coronajahre werden wahrscheinlich die Auswirkungen des "Klimawandels" auf unsere unmittelbare Existenz sein. Wie wir alle wissen, sind die Menschen nur zeitweise Virusträger, Kohlendioxidproduzenten jedoch ein Leben lang. Wie stark kann das Interesse am menschlichen Überleben bei denen sein, die Kohlendioxid, die Grundlage allen Lebens auf der Erde, "beseitigen" wollen? Wie das Onlineportal Business Insider  kürzlich berichtete, hat die "erste kommerzielle Anlage in den USA begonnen, Kohlendioxid aus der Luft zu saugen. Sie ist in der Lage, 1000 Tonnen pro Jahr abzusaugen und plant eine Erweiterung". (4) Willkommen auf einer neuen Ebene des Wahnsinns. Photosynthese als rechte Verschwörungstheorie Wie schlimm also kann CO2 für den Planeten sein? Nun, das sieht überhaupt nicht schlecht aus, ganz im Gegenteil – wobei die Ironie darin besteht, dass dieser 7 Jahre alte NASA-Clip auf YouTube jetzt als Klima-Desinformation gekennzeichnet wurde. Wenn es eine banale Wahrheit ist, dass der CO2-Gehalt in den letzten 100 Jahren gestiegen ist, dann ist die Auswirkung auf die Photosynthese noch trivialer. Jedes Kind weiß, dass die Photosynthese, der Prozess, bei dem Pflanzen mit Hilfe des Sonnenlichts Kohlendioxid in Sauerstoff umwandeln, die Grundlage allen Lebens auf der Erde ist. Jedes Kind weiß auch, dass es ohne Pflanzen kein Leben gäbe. Man könnte versucht sein zu denken, dass eine Zunahme des CO2 ist für das Leben auf der Erde vorteilhaft ist. Wie seltsam muss es sein, in ständiger Angst vor steigenden CO2-Konzentrationen zu leben. Niemand bestreitet, dass sich der Planet in den höheren Breitengraden in den letzten 100 Jahren um etwa 1°C erwärmt hat. Aber es ist unsinnig zu behaupten, dass ein Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre die einzige  Ursache dafür ist. Und es ist noch unsinniger zu behaupten, dass die CO2 Zunahme die Erde zerstören würde. (5) Im Gegenteil: Ein Anstieg auf bis zu 1200 ppm im globalen Durchschnitt wäre vielleicht sogar notwendig, um eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren.   Beziehung zwischen CO2-Konzentration und der Wachstumsrate von Pflanzen : (6)   Der Physiker und ehemalige Energieberater unter der Obama-Regierung, Steven Koonin, sagt in seinem Buch Unsettled (7): "Die heutige Erde giert nach atmosphärischem CO2".  Tut man diese Tatsache allerdings öffentlich kund, wird man von irgendeinem Twitter-Troll als "Erdöl-Lobbyist", «Wissenschaftsfeind» oder gleich als "Neonazi" beschimpft. Das Drehbuch ist inzwischen bekannt. Wie jeder weiß, der kontinentale Sommer und Winter erlebt hat, wäre ein wärmeres Wetter für die Menschen wünschenswert. Viele Menschen sterben jedes Jahr an der Kälte, nur wenige an der Hitze – Australien ist die Ausnahme. Studien, zum Beispiel von der American Heart Association (8), zeigen, dass Kälte in den meisten Ländern der Welt die Hauptursache für temperaturbedingte Todesfälle ist. In einer Studie, die 384 Orte in 13 Ländern auf fünf Kontinenten untersuchte, gab es 20-mal so viele Todesfälle durch Kälte wie durch Hitze. Kalte Temperaturen erhöhen das Risiko von Atemwegsinfektionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, während geschwächte Abwehrkräfte den Körper anfälliger für Grippeviren und Lungenentzündungen machen. Darüber hinaus verengt Kälte die Blutgefäße, was zu erhöhtem Blutdruck und im Extremfall zu Herzinfarkten führen kann. Freuen Sie sich und begrüßen Sie das wärmere Wetter – es hat den Kartoffelanbau in Nordkanada möglich gemacht. Zum Glück ist NetZero – vorläufig jedenfalls - zu unrealistisch, um umgesetzt zu werden. Wäre dies der Fall, würde das Leben auf der Erde aufhören zu existieren. Aber um Irrationalität zur Idiotie hinzuzufügen, wird die gute Sache, von der alle profitieren könnten, zur Sache, der wir misstrauen, die wir fürchten und die wir abschaffen sollen. Ich dachte immer, es sei das ultimative Böse, die Weltbevölkerung - darunter Babys und Kleinkinder – zur Verletzung ihres Körpers, ihrer Menschenwürde und ihrer Menschenrechte gezwungen zu haben, indem man ihnen einen experimentellen Impfstoff injiziert. Aber ich bin mir da nicht mehr so sicher.  (Elena Louisa Lange) Eine leicht gekürzte englische Version dieses Essays erschien in Elena Langes Substack-Blog hier: https://elenalouisalange.substack.com/p/who-is-afraid-of-co2/comments   Elena Louisa Lange  ist Philosophin und politische Kommentatorin. Bis 2022 war sie Dozentin an der Universität Zürich, inzwischen arbeitet sie als freie Autorin. Ihr jüngstes Buch The Conformist Rebellion: Marxist Critiques of the Contemporary Left erschien 2022. Ein Jahr zuvor veröffentlichte sie Value Without Fetish: Uno Kozo’s Theory of ‘Pure Capitalism’ in Light of Marx’s Critique of Political Economy (Historical Materialism, 227, Band 227). 2024 wird folgen: Covid-19 and the Left - The Tyranny of Fear . Darüber hinaus ist Elena Lange Mitherausgeberin von zwei Büchern über die moderne asiatische Philosophie. Sie hat zahlreiche Arbeiten zur Kritik der Politischen Ökonomie, insbesondere zur Wert- und Geldtheorie, zur kritischen Theorie, zur Methode, zur modernen japanischen Geistesgeschichte, zur Digitalisierung und zur politischen Kultur der Linken veröffentlicht, darunter Handbuch- und Lexikonartikel. Anmerkungen 1 Im Interview mit Axel Bojanowski, unter: https://martinburckhardt.substack.com/p/im-gesprach-mit-axel-bojanowski 2 Anm.d.Red .: Wie einem scharfäugigen Leser von Elisa Langes Blog auffiel, hat offenkundig ein minderbemittelter Bildredakteur des Telegraph  das „verfettete Pferd“ mittels Photoshop dilettantisch zurechtgedehnt – auf wessen Geheiß auch immer. 3  Das beliebte Zürcher Fest, das größte Volksfest der Schweiz mit mehr als 2,5 Millionen Besuchern alle drei Jahre, wurde jetzt unter anderem wegen seines ökologischen Fußabdrucks abgesagt: https://www.srf.ch/news/schweiz/groesstes-volksfest-der-schweiz-das-zueri-faescht-steht-vor-dem-aus 4 https://www.businessinsider.com/us-first-commercial-carbon-capture-facility-opens-2023-11?r=US&IR=T#:~:text=The%20first%20US%20commercial%20plant,annually%20and%20plans%20to%20expand.&text=The%20first%20US%20industrial%20carbon,sends%20it%20into%20the%20ground 5 Die Energie, die in das und aus dem Klimasystem fließt, wird in Watt pro Quadratmeter (W/m2) gemessen, was die Y-Achse in dieser Grafik darstellt. Die CO2-Konzentration in ppm (parts per million) liegt auf der X-Achse. Die Grafik zeigt, dass die Temperaturen nicht mit der CO2-Konzentration korrelieren. Quelle: CO2-Koalition . 6 Quelle: Roger H. Thayer, Eco Enterprises, hydrofarm.com . Mit freundlicher Genehmigung von Matthew Wielicki’s Irrational Fear Substack: https://irrationalfear.substack.com/p/greening-earth-and-booming-crops      Anm.d.Red .: In den letzten 140 Millionen Jahren ist der CO2-Gehalt rapide und stetig gesunken, bis er nur noch etwa 30 ppm von der "Todesgrenze" von 150 ppm entfernt war, unterhalb derer Pflanzen nicht überleben können. Sowohl die relativ kurzfristigen Daten aus Eisbohrkernen als auch die viel längerfristigen Daten, die 140 Millionen Jahre zurückreichen (Berner 2001), zeigen einen alarmierenden Abwärtstrend  in Richtung CO2-Hunger. „Die Freisetzung von Kohlendioxid durch die Nutzung fossiler Brennstoffe hat es der Menschheit ermöglicht, die Konzentrationen dieses nützlichen Moleküls zu erhöhen und vielleicht eine CO2-bedingte Klimaapokalypse abzuwenden“, stellt das Infoportal CO2Coalition fest. 7  Steven Koonin: Unsettled: What Climate Science Tells Us, What It Doesn’t, and Why It Matters, https://www.amazon.de/Unsettled-Climate-Science-Doesn%C2%92t-Matters/dp/1950665798   Dallas, 2021, S. 66. 8 https://www.eurekalert.org/news-releases/555515 . Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in den USA und Westeuropa immer noch mit großem Abstand die Todesursache Nummer 1. Titelbild: Collage aus 3 Fotos bei Freepik (bedneyimages, wayhomestudio)

  • Was hat die Kirche gegen Geistiges Heilen?

    Wie einst Jesus, so nehmen sich Geistheiler heutzutage Kranker an: Sie legen ihre Hände auf, sprechen Fürbitten, exorzieren manchmal. Erfüllen sie damit nicht den Heilungsauftrag des Gottessohns? Sollte ihnen daher nicht die Unterstützung der Kirchen in ihrem Bemühen um gesellschaftliche Anerkennung, um Integration ins Gesundheitswesen sicher sein? Sollten sie nicht in Pfarrgemeinden und kirchlichen Einrichtungen mithelfen dürfen, Leid zu lindern? Aber gerade Vertreter der großen christlichen Kirchen begegnen Heilern mit kaum geringerem Argwohn als Schulmediziner. Je höhere Würdenträger in der Kirchenhierarchie sich dazu äußern, desto größeres Unbehagen wird spürbar. Woher rührt diese Abwehrhaltung? Ein Gedankenexperiment: Am beginnenden dritten Jahrtausend nach Chri­stus macht am Bodensee ein bärtiger Langmähniger Anfang dreißig von sich reden, der ohne festen Wohnsitz barfuß von Ort zu Ort zieht, gemeinsam mit einem Dutzend devoter Anhänger, die ebenso verwahrlost daherkommen wie er. Ihnen folgt ein von Tag zu Tag anschwellender Tross emsig stenografierender, knipsender, filmender Journalisten. Wo immer der Landstreicher Rast macht, nimmt er sich Schwerkranker an, die von der Schulmedizin als "behandlungsresistent", als "austherapiert" beiseite geschoben worden sind - und heilt sie. Ohne Sprit­zen, ohne Tabletten, ohne irgendwelche sonstigen Mittel und Maßnahmen, die nach gegenwärtigem medizinischem Erkenntnisstand im beobachteten Ausmaß und Tempo wirksam sein könnten. In Radolfzell befreit er einen Verzweifelten, der vor ihm auf die Knie fällt, im Nu von einer hochinfektiösen Hautkrankheit - einfach indem er die Hand ausstreckt, den Patienten berührt und sagt: "Ich will es - werde rein!" In Konstanz sucht er eine Frau auf, die mit lebensbedrohlich hohem Fieber im Bett liegt, berührt bloß ihre Hand - und prompt sinkt ihre Körper­temperatur auf Normalniveau. Nach einem illegalen Grenzübertritt - einen Pass besitzt der Bärtige nicht - hilft er am anderen Seeufer, in Kreuzlingen, zwei psychisch Schwerstkranken, denen Schizophrenie diagnostiziert worden ist: In beiden will er Opfer einer Besessenheit erkannt haben, woraufhin er ihre angeblichen Dämonen in eine unweit grasende Schweine­herde "austreibt" - mit der verblüffenden Folge, dass im selben Moment sämtliche psychiatrischen Sym­pto­me verschwinden, während sich die unglückseligen Schweine wie toll in den Bodensee stürzen und jämmerlich grunzend ersaufen. Zu einem Quer­schnitt­gelähmten, dem er auf der Haupt­straße von Rorschach begegnet, sagt er schlicht: "Steh auf, nimm deinen Roll­stuhl und geh nach Hause!" Und tatsächlich: Der Mann steht auf und geht heim. Auf dem Bregenzer Hauptfriedhof reanimiert der Wundertäter den Leichnam eines kleinen Mädchens, das in der dortigen Kapelle aufgebahrt ist. Auf dem Weg dorthin tritt eine Frau, die schon seit zwölf Jahren an Blutungen leidet, von hinten an ihn heran, berührt den Saum seines Gewands - und ist von Stund an geheilt. In Lindau legt er sanft seine Finger auf die Augen zweier Blinden, die daraufhin ihre volle Sehkraft erlangen. An der Uferpromenade von Friedrichs­hafen gräbt der Langhaarige zwei Klum­pen Erde aus, lässt Spucke darauftropfen und drückt sie einem weiteren Blinden auf die Augenlider; im nächsten Moment ertönt ein lauter Jubelschrei: "Mein Gott, ich kann endlich sehen!" In Meersburg gibt er einem von Geburt an Stum­men die Stimme zurück. Würde ein solcher Mensch unter uns weilen: Er wäre einer von mittlerweile über zehntausend Geistheilern, die sich im deutschsprachigen Raum um Pati­enten kümmern, deren Ärzte mit ihrem Latein am Ende sind. Da er weder eine Approbation zum Arzt noch einen Heilpraktikerschein vorweisen könnte, geriete er rasch in Konflikt mit dem Rechtsstaat; obendrein würde ihm angelastet, dass er Heilkunde ohne festen Wohnsitz, im Umherziehen betreibt, mitunter nichtzugelassene Arzneimittel verwendet und eine Ge­wer­be­anmeldung unterließ. Die mehreren tausend Euro, zu denen ihn ein Ge­richt wegen solcher fortgesetzter Ordnungswidrigkeiten verdonnern würde, könn­te er nicht zahlen, denn er behandelt prinzipiell gratis. ("Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben", so könnte ihn die Deutsche Presse-Agen­tur zitieren.) Und so säße er, als besonders hartnäckiger Wiederholungstäter, vermutlich längst hinter Schloss und Riegel. (1) Ebenso erginge es seinen Anhängern, sobald sie sich, unter Berufung auf seinen Auftrag, paramedizinischer Therapie zu befleißigen begännen. Wie würden Vertreter der christlichen Kirchen zu diesem Fall Stellung nehmen? Wie reagierten sie insbesondere, wenn der Wanderprediger versichern würde, er sei der wiedergekehrte Sohn Gottes - und seine Jünger die rechtmäßigen Verkünder Seiner Botschaft? Sie hätten, gelinde gesagt, ein Problem. Heilte der historische Jesus nicht, auf geistigem Weg, Blinde und Lahme, Aussätzige und Besessene? (2), ja "alle Krank­heiten und Leiden"? (Mt. 4,23) Mindestens vierzig Stellen in den Evangelien kün­den davon, und bis heute werden sie von 71 Prozent der Bundesbürger für glaub­haft erachtet; immerhin 33 Prozent trauen Jesus nach wie vor sogar zu, Tote auferweckt zu haben. (3) Manchmal soll dem Gottessohn dazu ein einziges Wort oder ein knapper Befehl genügt haben, wie bei Matthäus 9,6: "Steh auf, nimm deine Tragbahre und geh!", oder bei Markus 7,13: "Er sprach zu dem Taub­stummen: Effata, das heißt: Öffne dich!" Ein andermal "berührte er ihre Hand, und das Fieber wich" (Mt. 8, 13). Hin und wieder verband er eine heilende Geste mit beschwö­ren­den Worten. ("Jesus streckte die Hand aus und sprach: Ich will, sei rein", Mt. 8, 3.) Oder er sprach ein Gebet. Oder er ließ Leidende sein Gewand be­rüh­ren. Oder er gab ihnen eingespeichelte Erde (Joh. 9,1-12). Sogar Fern­heilun­gen sind überliefert (Mk. 7,29 f.). Solche Krankenheilungen setzte Jesus zweifellos nicht bloß beiläufig als spektakuläre Zauberkunststücke ein, welche die tumben Massen auf ihn neugierig machen sollten (4) - sie waren essentieller Bestandteil seiner Botschaft. In seiner anscheinend grenzenlosen Macht zu heilen wollte er Zeugnis dafür ablegen, wessen Sohn er war und wer ihm beistand; er wollte sichtbare Zeichen setzen, die seine Verkündigung untermauerten: Das Gottesreich kommt nicht erst am fernen Ende aller Tage, es "ist nahe" (Mt. 10, 7). (»Wenn ich mit dem Finger Gottes die bösen Geister austreibe, dann ist das Reich Gottes zu euch gekommen«, zitiert ihn Lukas 11,20.) In der Möglichkeit, im Vertrauen auf Ihn selbst von vermeintlich ausweglosem Leid frei zu werden, sollte die Allmacht tiefer Religiosität offenbar werden: "Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt" (Mk. 9, 23). Die Heilungen Jesu waren Lektionen, wie sie überzeugender nicht ausfallen konnten. Entsprechend große Bedeutung maß Jesus dem Heilungsauftrag bei, als er seine Jünger aussandte - mit der Vollmacht, nicht nur das Wort Gottes zu verkün­den, sondern therapeutisch aktiv zu werden, um "alle Krankheiten und Leiden zu heilen" (Mt. 10,1): "Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus!" (Mt. 10, 5; ähnlich zitiert ihn das Lukas-Evange­lium 10,9.) Die ersten christlichen Wanderprediger hielten sich konsequent daran (5) - und darauf beruhte ein Großteil des Erfolgs ihrer Mission. Sich Kranker anzunehmen und ihr Leid durch Gebete, Salbungen und Handauflegen zu lindern, gehörte in den urchristlichen Gemeinden lange Zeit zum selbstverständlichen Alltag. Pflege­dienst war Gottesdienst. Treffen Geistheiler insofern nicht ein zentrales christliches Anliegen? Sollte ihnen daher nicht die Unterstützung der Kirchen in ihrem Bemühen um gesellschaftliche Anerkennung, um Integration ins Gesundheitswesen sicher sein? Soll­ten sie in Pfarrgemeinden und kirchlichen Einrichtungen nicht mithelfen dürfen, Leid zu lindern? Kein Heiler ist so vermessen, sich als Sohn Gottes auszugeben. Doch die meisten fühlen sich immerhin als Seine Kinder; die Energien, die sie vermitteln, führen sie auf einen göttlichen Ursprung zurück. Viele sind praktizierende, tiefgläubige Christen, die sich wie einst Jesus als Werkzeug des Allerhöchsten sehen - als "Kanal" für eine übermenschliche Kraft, die durch sie wirkt. Auf dieselbe Kraft beruft sich seit den sechziger Jahren eine innerkirchliche Bewegung, die weltweit bereits über dreißig Millionen Christen erfasst haben soll: die "Charismatische Erneuerung". (6) Heilungswunder spielen in ihr eine Schlüs­­sel­rolle: keineswegs als magisch beizubringende Glaubensprodukte, wohl aber als freie Zuwendungen Gottes, mit denen er uns seine Macht erweist - weshalb christliche Evangelisation und Mission sie nicht ausklammern dürfen. Die bedeutendsten Wegbereiter dieser Bewegung, die Ame­ri­kaner Agnes Sanford, Francis MacNutt und John Wimber, ziehen mit bewe­genden Heilungsevents oft mehrere tausend Gläubige in ihren Bann. Auch im deutschsprachigen Raum folgt ihrem Beispiel eine wachsende Zahl von Pfarrern, innerhalb der großen Glau­­bensgemeinschaften wie am freikirchlich-evangelistischen Rand; die Reso­nanz auf ihre "Heilungsgottesdienste" und "Ge­bets­nächte" übertrifft ihre kühnsten Erwartungen. (7) Sobald Heilung im Namen des Vaters angeboten wird, verwan­deln sich gähnend leere, leblose Gottes­häuser, in denen jedes dezente Hüsteln peinlich widerhallt, ziemlich zuverlässig in rappelvolle Stätten inniger Begegnung, in einer unter die Haut gehenden Atmosphäre, die vor Bewegtheit und Ergriffenheit, vor Hingabe und Be- Geist -erung geradezu vibriert. (8) “Dein Hauptkennzeichen ist Erbarmungslosigkeit”, war Gott von dem Freiburger Psy­choanalytiker Tilmann Moser 1976 in einer seinerzeit heißdiskutierten Generalabrechnung vorgehalten worden (9) - doch in der Heilung, oder auch nur in der Lin­de­rung, begegnen Schwerkranke einem barmherzigen Gott, der solche Vor­hal­tun­­gen Lügen straft. Aber gerade von Vertretern der großen christlichen Amtskirchen werden solche Strömungen mit kaum geringerem Argwohn verfolgt als von seiten weiter Kreise der Ärzteschaft. Allenfalls werden sie geduldet, selten sogar ermutigt - doch je höhere Würdenträger in der Kirchenhierarchie sich dazu äußern, desto größeres Unbehagen wird spürbar. In der protestantischen Kirche etwa spukt weithin noch immer der Ungeist jenes Verwaltungsakts, mit dem Pfarrer Blum­hardt 1846 die Hände gebunden wurden, die er bis dahin Tausenden von Kran­ken segensreich aufgelegt hatte. Und wann hat in jüngerer Zeit ein Bischof seine Stimme erhoben, um auf das Vorbild Jesu Christi und seiner Apostel hinzuweisen, wenn mit einem Geistheiler vor einer weltlichen Strafkammer wieder einmal kurzer Prozess gemacht wurde? Wer widersprach dem Vatikan, als dieser dem Erzbischof von Sambia, Emmanuel Milingo, 1991 strikt untersagte, in Rom und anderen Städten öffentliche "Heilungsmessen" abzuhalten? (10) "Ich lege die Hän­de auf und bete", hatte Milingo seine unkonventionellen Messfeiern verteidigt. "Alles andere ist Gottes Verdienst." Damit fiel er beim Vatikan in Ungnade: "Der Glaube beruht nicht auf derartigen mehr oder weniger aufsehenerregenden und magischen Mirakelveranstaltungen", ereiferte sich Antonio Silvestrelli, Prä­lat für Glaubens- und Moralfragen im Vatikan, in einer geharnischten Presse­erklärung. Aber standen "Mirakelveranstaltungen" einst nicht dutzendfach auch auf Jesu Tourneeplan, als er predigend durch Galiläa zog? Wäre der Nazarener heute unter uns - auch er könnte schwerlich mit kirchlichem Segen rechnen, falls er sich Kranker ebenso annähme wie einst. Der päpstliche Bannstrahl, der Emma­nuel Milingo ereilte, träfe auch ihn. Über acht Hemmschwellen hinweg Was hat die Kirche gegen solche Mirakel? Die Gründe dafür sind vielschichtig, und binnen zweier Jahrtausende haben sie sich zu einem gordischen Knoten verwurstelt. 1 Im Laufe der Kirchengeschichte trat Verkündigung und Bekehrung immer mehr in den Vordergrund der christlichen Mission, das Wort wog mehr als das Werk, Seelenheil mehr als Leibeswohl. Die Jünger Jesu waren vornehmlich einfache Menschen, Zöllner und Fischer vom See Genezareth, und auch ihre ersten Anhänger kamen in der Mehrzahl aus dem Kreis der Armen und Bedrückten. (Lukas war allerdings Arzt.) Es überwogen Handwerker, Frei­gelassene und Sklaven - Leute, die nicht viel Worte machten, sondern die Taten grenzenloser Nächstenliebe und unbedingten Gottvertrauens für sich selber sprechen ließen. Unter ihren Nachfolgern hingegen dominieren wortgewandte, hochgebildete Kirchenfunktionäre, beraten und gestützt von grübelfaltigen Theo­­logen, deren Gelehrsamkeit Mühe hat, zwischen zwei Buchdeckel zu passen - gedankenschwere Großhirnrindler, die mit Latein, Altgriechisch und Hebrä­­isch erheblich weniger Mühe haben als mit der Sprache des Herzens. Unter ihrer Deutungshoheit erreichte religiöser Glaube seine reifste, vollendetste Form erst, wenn er sich als Conclusio aus einem mindestens quadratkilometergroßen Geflecht von Argumentationsfäden ergab; Glaube war somit nicht mehr in erster Linie eine mit gewissen Praktiken, Einstellungen, Emotionen und Er­fah­rungen verbundene Lebensform, sondern die kognitive Leistung eines akademisch geschärften Verstandes. Der Schwerpunkt christlichen Glaubens verlagerte sich aus Hand und Herz in den Kopf, und damit auch weg von der heilenden Hand. 2 Hinzu kommt ein ungebrochener Hang, die Heilige Schrift zu "entmythologisieren". In ihm wirkt bis heute ein Rechtfertigungszwang weiter, an dem die Kirche seit der Aufklärung schwer trägt: Konfrontiert mit den Erkenntnis­an­sprü­chen und -zuwächsen der modernen Naturwissenschaften, schien es einer immer größeren Zahl von Theologen eine arge Zumutung für die kritische Vernunft, die biblischen Wunderberichte weiterhin wörtlich zu nehmen. Ob auferweckte Tote oder Schwebeschritte über Seen, selbstbrennende Büsche oder Zeichen an der Wand: Alles scheinbar "Übernatürliche" wurde zu Gleichnissen umgedeutet, auf bloß "symbolische" Schilderungen zurückgeführt. Seither sollen mit Blinden Uneinsichtige gemeint sein, Aussätzige erscheinen mit den Flecken der Sünde behaftet, und Gichtbrüchige gelten als Menschen, die nicht mehr auf dem rechten Pfad der sittlichen Gebote zu wandeln vermögen. Soweit die biblischen Heilungsberichte Tatsachen widerspiegeln, schildern sie angeblich bloße "Placebo-Reaktionen". (11) Aber die Religion braucht das Wunder - “des Glaubens liebstes Kind”, wie Goethes Faust wusste -, und wo sie es zur bloßen Allegorie verkümmern lässt, vernichtet sie es gründlicher, als die Naturwissen­schaft je zuwege brächte. 3 Haben die Kirchen, wie in Aesops Fabel vom Fuchs, Trauben für sauer erklärt, weil sie zu hoch hängen? Oder, psychoanalytisch tiefgeschürft: Ist hier ein Defizit rationalisiert, ein peinliches Manko bemäntelt worden? Hätte es, beispielsweise, in der evangelischen Kirche vor anderthalb Jahrhunderten nicht bloß einen handauflegenden Pfarrer Blumhardt (12) gegeben, sondern tausende - wäre es dann zu jenem kirchlichen Verwaltungsakt gekommen, mit dem 1846 spirituelles Heilen rigoros untersagt wurde? (13) Jesus war Verkünder und Heiler in Personalunion, seine zwölf Apostel waren es und mindestens 72 weitere (Lukas 10), die er aussandte, um "alle Krankheiten zu heilen"; welchen Sinn hätte es gemacht, seinen Jüngern einen Auftrag mitzugeben, den zu erfüllen sie überfordert hätte? Wer aus dem Neuen Testament nicht Schlüsselgeschehnisse wegradiert, die uns mehrere Evangelisten übereinstimmend überliefert haben, kommt schwer­lich um die Einschätzung herum: Jede Person, jede Gruppe, jede Institu­tion, die sich in die Nachfolge Christi stellt, kann sich das Bemühen um Heilung auch von körperlichen Leiden und Gebrechen nicht ersparen. Um es mit einem Mitautor meines Buchs Wie Jesus heilen , dem evangelischen Theologen Prof. Manfred Josut­tis zu sagen: "Kann man im Namen Jesu agieren, ohne an seiner Kraft zu partizipieren? Was für ein Reich wird realisiert, das nur in Worten beschworen, aber nicht mehr in Taten vergegenwärtigt wird?" Wird nicht "die Vergegenwärti­gung des Reiches Gottes einseitig verfolgt, wenn man sie auf die verbale Ansage beschränkt"? Doch wann hat sich zuletzt ein Heiliger Vater als Heilender Vater hervor­getan - und wenn ausnahmsweise doch, zeugte das Ergebnis seiner Bemühungen dann zuverlässig von gottgegebener “charismatischer” Kraft? (14) Pius XII., Papst zwischen 1939 und 1958, soll sich wiederholt an Fern-Exorzismen versucht haben, um Adolf Hitler von seinen mut­maßlichen Dämonen zu befreien (15); ob andern­falls zwölf statt sechs Millio­nen Juden unter dem Naziregime ihr Leben hätten lassen müssen, bleibt eine ebenso müßige wie geschmacklose Spekula­tion. Pius IX., Papst von 1846 bis 1878, müh­te sich, jenen Satan zu auszutreiben, der die italienischen Truppen 1870 gegen den Kir­chen­staat führte. (16) (Als das misslang, gab der Heilige Vater den Schieß­befehl, ehe er kapitulierte und sich in den Vatikan z­urück­zog.) Während Jesus seine Wunder innerhalb eines winzigen geographischen Dreiecks tat, das in vier bis fünf Stunden umwandert werden kann (17), ließ sich Papst Johannes Paul II. zuallerletzt nachsagen, dass er während seines 26jährigen Pontifikats auf einer Reisestrecke, die zuletzt der 3,23fachen Entfernung der Erde vom Mond entsprach (18), zuhauf mirakulöse “Zeichen” gesetzt habe. Und wievielen Bischö­fen, wievielen Kardi­nälen konnten in neuerer Zeit Heil­fähig­keiten attestiert werden? Wie­viele Pfarrer sind dadurch aufgefallen? Vom 9. Jahrhundert an hatte die Wei­he zum Exorzisten eine von vier Stufen gebildet, die jeder angehende Priester zu beschreiten hatte; später jedoch setzte die Kirche nur noch wenige Kandidaten offiziell als hauptamtliche Austreiber ein, und seit 1972, auf ein Dekret von Papst Paul VI. hin (19), werden katholische Priester nur noch bei beson­deren, äußerst raren Anlässen in bischöflichem Auftrag bestellt, nach bürokratisch aufwendiger Untersuchung je­des Ein­zel­falls. (20) Uneinge­schränkt segensreich, über jede Kritik erhaben scheint ihr Wir­ken keineswegs. (21) Vom Ende des 16. Jahr­hunderts bis 2004 sind in der katholischen Kirche 725 Menschen zu Heiligen, 2357 zu Seligen gekürt worden (22), wozu sie unter anderem “Wunderheilungen” zu vollbringen hatten; die imposante Statistik relativiert sich freilich, wenn sie ins Verhältnis zum gewaltigen Zeit- und Raum­segment gesetzt wird, auf das sich die mutmaßlichen Wundertaten verteilen. Ein Beweis, dass das Heilungscharisma kirchen­intern eher vorkommt als außerhalb, ist auf diese Weise nicht zu erbringen. Der in beiden großen Kirchen verbreitete Standpunkt, bei der Gabe des Hei­lens handle es sich eben um ein "nicht verfügbares" Charisma, dessen Zuteil­werden unergründlicher göttlicher Gnade unterliege, wirft in diesem Zusam­men­hang mehr heikle Fra­gen auf, als er löst: Wieso stattet Gott nicht gerade jene bevorzugt damit aus, die ihn hier auf Erden vertreten? Wieso gewährt er sie dem esoterisch Umnebelten von nebenan allem Anschein nach eher als seinem frommen Boden­personal? Die vielbeschworene “Krise der Kirche” gäbe es nicht, wenn sich ihr historischer Anspruch, als “Gemeinschaft der Heiligen” eine “originale Setzung Gottes” zu sein (23), im Walten charismatischer Kräfte exklusiv einlösen würde. Dass davon keine Rede sein kann, lieferte von je her Munition für Ketzer, die eben diesen Anspruch radikal in Frage stellen - und Kirche zumindest in ihrer institutionalisierten, von bürokratischen Abläufen, Befehlshierar­chien und Vollmachten kraft Amtes geprägten Organi­sa­tionsform jegliche Legi­ti­m­ation absprechen, sich in die Nachfolge Jesu zu stellen. (24) “Jesus wollte das ‘Reich Gottes’, gekommen ist die Kirche”, wie der französische Freigeist Alfred Loisy (1857-1940) das Dilemma zuspitzte. Derart befeuerte Kirchenaversionen verfehlen aber insofern ihr Ziel, als da­bei ein logischer Grundzug des Charisma-Begriffs verkannt wird. Wie alle Begabun­gen, so sind Charismen Dispositionen: Eigen­schaften, die ihr Träger unabhängig davon aufweisen kann, wie oft er sie in Hand­lun­gen manifestiert. Ihr Besitz mag “nicht verfügbar” sein - aber ist es auch ihre Anwendung? Was "nicht verfügbar" ist, kann sich niemand aneignen, wie sehr er sich auch bemüht. Aber wenngleich einem Großteil heutiger Geistheiler ihre Fähigkeit an­schei­nend eher schicksalshaft zuteil wurde (25) - zumindest manche lernten offenbar, mit ihr therapeutisch effizient umzugehen, bewunderte Vorbilder nachahmend oder Kurse absolvierend; zu ihnen zählen auch drei Pfarrer, die in meinem Buch Wie Jesus heilen über ihren Werde­gang zum Heiler berichten. (26) Indes denkt keiner von ihnen im entferntesten daran zu be­haup­ten, mit der Bezahlung von Kurs­gebühren habe er eine göttliche Gnaden­gabe käuflich erworben. Eine be­son­dere Begabung zu heilen hat vermut­lich je­der von ihnen schon mitgebracht; eine förmliche Aus­bildung half ihnen jedoch, diese Disposition in sich zu entdecken, zu ihr zu stehen, sie zu entfalten, ähnlich wie oftmals erst eine Gesangs­ausbildung aus einer guten Stimme eine formt, die auch die verschnörkeltste Opernarie virtuos be­wäl­tigt. Wer sich nicht ins Wasser traut, wird niemals herausfinden, ob er schwimmen kann. Doch was man nicht zu können meint, überlässt man gerne Anderen - und so empfanden es die christlichen Kirchen historisch eher als Erleichterung denn als Zumutung, als die moderne Medizin sich anschickte, ein Behandlungsmonopol zu beanspruchen. Seither haben sich Geistlichkeit und Ärzteschaft in einer mehr oder minder reibungslosen Arbeitsteilung arrangiert, die vermeintlich beiden nützt und keinem weh tut, weil sie dem Anderen großzügig sein Revier belässt, sich dafür aber Einmischungen in innere Angelegenheiten verbittet: die einen sorgen für Heilung, die anderen für Heil. Doch eben diese Demarkationslinien verschwimmen neuerdings zunehmend, aufgrund der wachsenden Einsicht in Grenzen der Medizin, die vermutlich nicht bloß historisch zufällig sind - d.h. durch noch wirksamere Medikamente, noch präzisere Instrumente, noch ausgefeiltere Technik auf kurz oder lang überschritten werden -, sondern grundsätzlicher Art sein könnten, von einer einseitig mechanistisch-materialistischen Aus­richtung herrührend. Immer mehr Ärzte öffnen sich für eine Zusammenarbeit mit Heilern, lassen sie in Praxen und Kliniken mitarbeiten, werden sogar selber zu Heilern, aus der Erfahrung, dass sie vermeintlich "Austherapierten" auf diese Weise selbst dann noch helfen können, wenn sie mit ihrem schulmedizinischen Latein am Ende sind. (27) Warum sollten Pfarrer zu dieser tatkräftigen Form von Nächstenliebe weniger geeignet und berufen sein als Medicusse? Ein ermutigendes, zugleich aber irreführendes Beispiel dafür bietet das heilsame Wirken des Kapuzinermönchs Francesco Forgione (1887-1968), des ersten stigmatisierten Priesters in der Geschichte der katholischen Kirche. Als "Pater Pio" linderte und heilte der Bauernsohn, der seit 1918 die fünf Wundmale Christi auf seinem Körper trug, von den vierziger Jahren an bis zu seinem Tode das Lei­den Abertausender von Pilgern, teils durch Handauflegen, teils durch bloßes Wort. Seine "Wunderheilungen" wurden in kirchlichem Auftrag von Ärzten über­prüft und als "medizinisch unerklärlich" testiert. 1999 wurde er selig-, drei Jahre später heiliggesprochen. Der Fall Pio macht einerseits Mut, weil er zeigt, dass scheinbar medizinisch "unmögliche" Therapieerfolge auf Wegen, die schon Jesus beschritt, auch zwei Jahrtausende später leibhaftig manifest werden können, in einer Deutlichkeit, der auch der Argwöhnischste die Anerkennung kaum versagen kann. Irre führt der Fall Pio andererseits insofern, als er in seiner dramatischen Einmaligkeit den Eindruck verstärkt, die Gabe des Heilens stelle ein außerordentlich rares, von Gott nur ausnahmsweise verliehenes Charisma dar, sozusagen die Blaue Mauritius des irdischen Gesundheitswesens; und ehe man befugt sei, von seinem Vorliegen auszugehen, müsse eine vielköpfige Ärzte­kom­mis­sion zuallererst jahrelang Aktenberge durchwühlen. (28) (Nach diesem Maß­stab käme Jesus nicht einmal für eine Seligsprechung in Betracht, denn die biblischen Belege für seine Heilungen verfehlen samt und sonders Mindest­stan­dards sauberer medizinischer Dokumentation.) Fürwahr, kein einziger unter Deutschlands Heilern trägt Stigmata, wohl keiner erreicht Pios Frömmigkeit und asketische Selbst­kasteiung, Hingebung und Entrücktheit; und nicht einmal eine Handvoll stand bislang in eingehenden medizinischen Studien auf dem Prüf­stand. Doch dass mehr als eine Handvoll unter ihnen den vermeintlich "Be­handlungsresistenten", den Aussortierten des herkömmlichen Medizinbetriebs, entgegen ärztlichen Prognosen erfreulich oft zu helfen vermag, kann schwerlich bezweifeln, wer die Erfahrungsberichte von Patienten, aber auch den inzwischen erreichten For­schungs­stand auf sich wirken lässt. (29) Beides deutet darauf hin, dass Träger des Heilungscharismas hier­­­zulande zumindest in die Hunderte gehen - und dass eine Lebensführung, die Strenggläubige pikiert, durchaus kein Hindernis darstellen muss. Die er­heb­lichen, mitunter bestürzenden Qualitäts­unter­schiede zwischen Heilern deuten außerdem darauf hin, dass "Heilkraft" kein Etwas ist, das jemand entweder hat oder nicht, gleich einem Präsent vom Weihnachtsmann - sondern eine Bega­bung, die wie jede andere in unterschiedlichstem Maße angelegt und ausgeprägt sein kann. Aber auch weit unterhalb der Vollendung bringen Geistheiler vielfach etwas zuwege, was kranken Kirchen­mitgliedern zumindest Linderung verschaffen und dadurch ihr Gottvertrauen stärken kann. 4 Bei etlichen Kirchenvertretern herrscht ein fatalistisches Krankheitsver­ständnis vor, das den Urchristen noch weitgehend fremd war, aber spätestens in der Zeit der verheerenden Seuchen, die Europa im Mittelalter heimsuchten, die Oberhand gewann. Unter den Händen Jesu und seiner Apostel schien noch jedes Leid zu weichen; doch den Wellen von Cholera, Typhus und vor allem von Pest, die bis zum Ende des 18. Jahrhunderts ganze Städte und Landstriche entvölkerten, fühlte sich das christliche Abendland trotz aller Glaubenskraft wehrlos ausgeliefert. Kein Geistlicher, ja nicht einmal der Papst vermochte sie zu bannen. Inbrünstige Gebete von Abermillionen blieben unerhört. Was blieb ihnen anderes übrig, als sich mit dem Unabwendbaren abzufinden? Trost schöpften sie aus dem Gedanken, dass Krankheit die Zuchtrute Gottes sei - die gerechte Strafe für offenbare oder heimliche Sünde. Vielleicht steckt auch eine “Prüfung” dahinter. So oder so scheint sich in gesundheitlichen Nöten der Wille eines göttlichen Gerichts auszudrücken. "Wunderheiler", die darauf aus sind, sie zu beenden, freveln somit, weil sie den Vollzug des Urteils zu vereiteln versuchen; derselbe Tadel trifft den Kranken, der glaubensschwach ihre theologisch suspekten Dienste sucht. Krankheit als Lektion: Statt nach "Wundern" Ausschau zu halten, sollten Betroffene eher lernen, sich in ihr Schicksal zu fügen - und seinen tieferen Sinn zu erkennen. In der Weigerung mancher christlich-fundamentalistischer Gruppierungen, medizinische Leistungen in Anspruch zu nehmen - so als wären nicht auch Ärzte Kinder Gottes -, steigert sich diese Einstellung zu einem oft lebensgefährlichen Exzess. Die Bibeltreue solcher Medicophobie darf bezweifelt werden. Konfrontiert mit Krankheit, Schmerz und Leid, erwies sich Jesus durchweg eher als Aktivist denn als Fatalist. Als ein Gelähmter zu ihm gebracht wurde (Mt. 9,1-8) - forderte ihn der Gottessohn dann auf, seine Reglosigkeit in eine wertvolle Prüfung umzudeuten? Als der Synagogenvorsteher ihn anflehte, seine Tochter wiederzubeleben (Mt. 9,18 ff.) - belehrte ihn Jesus daraufhin, mit dem Tod müsse man sich halt abfinden, was ein Leichtes sei, weil sich tröstlicherweise ja gleich anschließend die Pforten des Himmels öffnen? Als eine Frau an ihn herantrat, die seit zwölf Jahren an Blutungen litt (Mt. 9,20-22) - beschied er ihr, sie möge weiterbluten, auch da­mit setze ihr der Himm­li­sche Vater gewiss ein bedeutungsschwangeres Zeichen? Als ein Aussätziger (Mt. 8, 1-4), ein Hydrops-Geplagter ("Wasser­süchtiger", Lk. 14,1-6) und zwei Blinde sein Erbarmen erflehten (Mt. 9,27-31) - beließ es Jesus dann bei der Verheißung, das wahre Heil, auf das es letztlich ankomme, sei auch ihnen ge­wiss, weshalb sie ihre Malaise tapfer ertragen und begreifen lernen sollten, was Gott ihnen damit sagen will? Nie war irdische Not für den Nazarener etwas un­ab­änderlich Hinzunehmendes - "alles ist möglich dem, der da glaubt" (Mk. 9,23). 5 Hinzu kommt, dass sich Geistiges Heilen nicht konfessionell vereinnahmen lässt. Zwar haben alle christlichen Heiligen und Seligen, ehe sie kirchenamtlich zu solchen befördert werden konnten, mindestens eine wohldokumentierte "Wunderheilung" bewerkstelligt; doch nicht minder glaubwürdige Mirakel brach­­­ten auch herausragende Gestalten anderer Religionen zuwege. Zwar ­herrscht zumindest in der westlichen Welt unter praktizierenden Heilern nach wie vor ein christliches Glaubensbekenntnis vor - doch arbeiten ihre Kollegen aus anderen Kulturkreisen allem Anschein nach keineswegs therapeutisch uneffektiver. Zwar berufen sich die meisten Heiler auf Ihn als Kraftquelle - doch dabei haben pantheistisch-animistische, um eine "universelle Energie" kreisende Gottesbilder, die dem Christentum fremd sind, dem personalen "Vater im Himmel" längst den Rang abgelaufen; es überwiegen synkretistische Weltbilder Marke Eigenbau, in denen Versatzstücke aus mehreren Glaubensrichtungen hem­­mungslos vermischt werden mit Deutungsangeboten esoterischer Traditio­nen sowie Anleihen bei parapsychologischer Forschung, die üblicherweise überstrapazieren, was die Datenlage hergibt. Zwar waren an den überzeugendsten wissenschaftlichen Studien, die für geistige Heileffekte sprechen (30), katholische und protestantische Gebetsheiler beteiligt - aber auch Baptisten und Moravianer, "Qi"- und "Prana"-Vermittler, Schamanen und buddhistische Mönche. Zwar profitieren gläubige Patienten von Geistigem Heilen eher - doch woran sie glauben, scheint mehreren psychologischen Studien zufolge zweitrangig. (31) Allem An­schein nach recherchiert der Herrgott nicht erst in Mitgliederverzeichnissen, ehe er Charismen verteilt. Ist das etwa ein Grund zur Enttäuschung? “Gott ist nicht das Privateigentum der Kirche, er ist überhaupt niemandes Privateigen­tum”, stellt Johann Baptist Merz klar, Fundamentaltheologe an der Universität Mün­ster. “Er will nur ‘mein’ Gott sein, wenn er auch ‘dein’ Gott sein kann, nur ‘unser’ Gott, wenn er auch der Gott der Anderen sein kann, der Gott schließlich aller Menschen.” (32) Geistheilungen geschehen innerhalb wie außerhalb der Kirchen, und das verträgt sich nicht mit dem Sonderstatus, den jede von ihnen für sich beansprucht. Zudem stünde die besondere Kompetenz und Autorität der Kirchen, über Geistiges Heilen zu befinden, von vornherein in Zwei­fel: Mit Bedingungen und Wirkungen dieser Therapieform befassen sich seit Jahrzehn­ten Parapsycho­logen, Mediziner, Biologen, Biophysiker und Chemiker in For­schungs­instituten rund um den Globus - fernab von theologischen Fakultäten, Akademien und Bischofssitzen. Die Chancen, sie von dort wieder zurückzuholen, stehen schlecht: Denn auch wenn die physikalischen Gesetzmäßigkeiten, die den Erfolgen Geistigen Heilens zugrunde liegen, noch weitgehend im Dunkeln liegen - es besteht kein Grund zu der Annahme, dies sei für alle Zeiten unabänderlich, weil notwendigerweise so, wie manche Theologen mutmaßen. Zweifel sind angebracht, ob es sich beim "Wundercharisma (um) eine spontan auftretende Macht" handelt, die "sich nicht technisch ausnutzen (lässt), da sie nicht berechenbar auftritt. (...) Ihr liegen auch keine noch unerkannten Naturgesetze zugrunde, vielmehr scheint hier ein Spiel­raum der 'Natur' sich zu öffnen, der nicht durch Naturgesetze im üblichen Sinne determiniert wird." (So argumentierten unlängst Prof. Gerd Theißen und Annet­te Merz vom Theologischen Seminar der Universität Heidelberg.) (33) So ähnlich hätten griechische Gelehrte zu Zeiten Homers wohl auf die Prognose reagiert, Zeus´ Donnerkeile wären irgendwann auf elektrostatische Entladungen in der Atmosphäre zurückzuführen. (34) Aber muss Geistiges Heilen denn "übernatürlich" sein, ehe es Gottes Wirken zugeschrieben werden darf? Muss es zuerst a priori dem Zuständigkeitsbereich von Naturwissenschaftlern entrissen werden, bevor sich religiöser Glaube daran nähren kann? Wenn Er Schöpfer der Natur ist - zeugt die vermeintliche "Wunderheilung" nicht gerade, indem sie deren Geset­zen folgt und sich daraus ergibt, von seiner unfassbaren Größe? 6 Für weiteres Unbehagen sorgt die Befürchtung, mit Geistigem Heilen in Gottes­häusern handle man sich womöglich ein Trojanisches Pferd ein, dem ein Ungetüm namens Esoterik entsteigt: eine von vielen diffusen Ängsten, die etliche Kirchenvertreter chronisch umtreiben und in den polemischen Rundum­schlägen manches übereifrigen kirchlichen "Sektenbeauftragten" gipfeln. (35) Ihre Pauschalität befremdet. Denn "die" Esoterik gibt es nicht; das unbedachte Etikett klebt auf einem wirren Sammelsurium von Denkrichtungen und Praktiken aus vielerlei Kulturen und Epochen, die vor allem eines verbindet: Jahrhundertelang war es gefährlich, sich öffentlich zu ihnen zu bekennen oder auch nur für Tole­ranz ihnen gegenüber einzutreten - weshalb ihre Anhänger gut daran taten, sie "esoterisch", im Wortsinn "insgeheim", zu betreiben. Wie der evangelische Theo­loge Prof. Manfred Josuttis zurecht hervorhebt, sammelten sich im "Okkulten", Verborgenen, unter anderem auch "spirituelle Methoden, die in der kirchlichen Vergangenheit durchaus praktiziert, aber im Zuge der permanenten Anpassung an die jeweiligen Modernismen verstoßen worden sind" (36) - beispielsweise das Geistige Heilen. Und auch "den" Heiler gibt es nicht (37), ebensowenig wie "den" Arzt oder "den" Pfarrer. Unter Heilern habe ich Gottesfürchtige und Atheisten kennengelernt, Aske­ten und Lebenskünstler, Schweiger und Schwätzer, Liebevolle und Tech­nokraten, Altruisten und Egomanen - ein denkbar breites Spektrum von Persön­lichkeitstypen, wie man sie in jeder größeren sozialen Gruppe antrifft. Es reicht von der wahrlich durchgeknallten Eso-Tussie, die ihre letzten 28 Inkarnationen in- und auswendig kennt, ihren Speisezettel akribisch auspendelt, ihre Tiefkühl­truhe gegen eine Pyramide eintauscht, mit Außerirdischen Zwiesprache hält und nie versäumt, ihrem Blumenwasser Reiki zu geben, bis hin zur mustergültig frommen Gebetsheilerin, die zwar der Kirche, keineswegs aber dem Herrgott der Christenheit den Rücken gekehrt hat. Wer die Szene fair bewerten will, muss zuallererst unterscheiden lernen. Ein beträchtlicher Teil der Heiler hegt und lebt eine Gesinnung, die ihn für christliche Seelsorger durchaus zu akzeptablen Part­nern macht. Aber wie steht es mit jenen Heilern, die sich vom einen oder anderen christlichen Glaubensgrundsatz verabschiedet haben? Gegenfrage: Kann es wirklich in Seinem Sinne sein, Leidenden Hilfe vorzuenthalten - und ihnen auszureden, Hilfe zu suchen -, sofern sie von Anders- und Ungläubigen kommt? Auch wenn die religiösen Überzeugungen vieler Heiler teilweise in krassem Widerspruch dazu stehen, was Christen glauben - tun es auch ihre Taten und der Geist der Huma­nität, in dem sie vollbracht werden? Entsetztes Befremden darüber, was in den mental osterweiterten Köpfen mancher Heiler vorgeht, verstellt zudem den Blick darauf, in wievielen Hinsichten sie gleichwohl mehrheitlich dem Christen­tum zumindest nahestehen: - Kaum einer von ihnen gibt vor, aus eigener Kraft heilen zu können. Die meisten sehen sich keineswegs als Magier, wie ihnen esoterikkritische Theologen gebetsmühlenhaft unterstellen, sondern als "Kanal" für eine höhere Quelle, aus der sie schöpfen. (38) - Weder ist der typische Heiler ein gottloser Geselle, noch entspricht seine Vorstellung von Gott jener Karikatur, die ihm von kirchlicher Seite oft angedichtet wird: so als handle es sich um eine kalte “Energie”, die seelenlos das All durchwabert und strukturiert. Ein typischer Vertreter dieser verbreiteten Form von übler Nach­rede, der Dogmatik-Professor Medard Kehl von der Philoso­phisch-Theo­lo­gischen Hoch­schule St. Georgen in Frankfurt, meint das “Spezifi­kum des christlichen Glau­bens gegenüber New Age” ausgemacht zu haben: “Der Kosmos, das Universum gewinnt für uns erst dadurch ein ‘ansprechendes’ und bergendes Gesicht, wenn aus seiner Mitte uns eine Hand entgegenkommt, die uns einlädt und zu sich zieht, ein Du, dessen Zuneigung zu uns den ganzen Kosmos erst liebenswürdig macht.” (39) Wie jede halbwegs repräsentative Umfra­ge unter Heilern ergeben würde, setzt mindestens eine Dreiviertelmehrheit Gott vielmehr gleich mit allumfassender Liebe in ihrer reinsten, vollkommensten Form - ohne ihr allerdings zuzutrauen, dass sie uns hin und wieder eine Kopf­vorderseite zu­kehrt und Gliedmaßen entgegenstreckt. Hallt in Kehls Beschwö­rung eines höchsten Wesens mit Gesicht und Hand nicht jene naive Anthro­pozentrik vom “Vater im Himmel” wieder, die mit der biblischen Mahnung “Du sollst dir kein Bildnis machen” unvereinbar ist? Wer aber vom Gott der Christen­heit den Wust von Projektionen subtrahiert, in denen Menschen ihn sich anzugleichen, zu vermenscheln versuchten, der ist von jenem höchsten Wesen, von dem sich die meisten Heiler geführt wähnen, keineswegs mehr un­überbrückbar weit entfernt. Die "Lebenskraft", die sie aus ihm schöpfen und in den therapeutischen Prozess einbringen, "gehört für ein theologisches Weltbild zur guten Ausstattung der Schöp­­fung Gottes", wie zumindest mein Mitautor Manfred Josuttis anerkennt. - Kaum ein Heiler "will" bestimmte Therapieziele erreichen; die meisten überlassen es einer höheren Macht, ob und wie sie Heilung schenken will. ("Sein Wille geschehe"). - Kaum einer verspricht, wozu vermutlich nur Jesus jemals imstande war: jede Krankheit sofort zu heilen, und zwar vollständig. Omnipotenzgehabe ist den meisten Geistheilern fremd; in aller Regel kennen sie ihre Grenzen und be­nen­nen sie gegenüber Hilfesuchenden freimütig. - Keine Behandlungsmethode ist unter Geistheilern verbreiteter als Hand­auflegen und Fürbitte, zwei Heilweisen mit einer jahrtausendealten christlichen Tradition - auch wenn allein das Handauflegen mittlerweile in mehreren Dut­zend Varianten praktiziert wird und sich Fürbitten nicht immer an Gottvater richten, sondern oftmals eher an eine unpersönliche, das Universum durchdringende Kraftquelle, der allerdings göttliche Attribute zugeschrieben werden. (40) - Viele Geistheiler sehen in bedingungsloser Liebe das entscheidende therapeutische Agens. (41) - Ein Geistheiler behandelt nicht Krankheiten, sondern Kranke. Ihnen hilft er, Sinn im Schicksal zu finden - Symptome als Signale, das Leid als Chance zu be­greifen. - Krankheit wird von Heilern nicht als unglücklicher Zufall betrachtet, der vom Lebensweg abbringt, sondern als Teil dieses Wegs, mit der Chance, innerlich zu wachsen und zu reifen. Während Ärzte Ursachen diagnostizieren, sind viele Heiler darauf aus, Gründe aufzuzeigen. Statt eine Erkrankung nur zu erklä­ren, wollen sie verstehen lassen, wozu sie auftrat, wieso gerade jetzt, weshalb ausgerechnet bei diesem Menschen; der Betroffene soll einen tieferen Sinn darin er­ken­nen. - Unter wahrer Heilung verstehen die meisten Heiler weitaus mehr, als Sym­ptome zu beseitigen und zugrundeliegende Defekte zu beheben: Sie erfasst den Patienten als ganze Person, die rundum heil werden soll; wiederhergestellt werden sollen dabei nicht in erster Linie normgerechte Vitaldaten, Laborwerte und digitale Indizes, sondern eine aus dem Gleichgewicht geratene Einheit von Kör­per, Geist und Seele. Dies kann gegebenenfalls einschließen, sich unkuriert mit einem unabänderlichen Schicksal auszusöhnen - mit Jesus den Weg erlösenden Leidens zu gehen (Mk. 8,34; 2. Kor. 4,7-11; Kor. 1,24; Hebr. 5,8), wie mancher christliche Theologe sagen würde -, statt voller Verbitterung damit zu hadern und daran zu verzweifeln. - Als Ziel wahrer Heilung, aber auch als Voraussetzung dafür, überhaupt heilen zu können, betonen viele Geistheiler Spiritualität: das Bewusstsein der Gött­lichkeit der gesamten Schöpfung - und eine Lebensweise, die dieser Einsicht entspricht. (42) - In Geldangelegenheiten verfahren immer noch zahlreiche Geistheiler nach dem Gebot Jesu: "Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben" (Mt. 10,8). Diese Merkmale allein machen aus einem fernöstlich angehauchten Hand­aufleger zwar noch keinen Christen; doch erleichtern sie es Christen nicht, guten Gewissens auf Heiler zuzugehen, um sie in den Dienst an Leidenden einzubeziehen? Eine echte "Kultur des Miteinander trotz verschiedener Einstellungen und Ansichten", wie sie Dr. Wolfgang Habbel, aber auch allen übrigen Mit­autoren meines Buchs Wie Jesus heilen am Herzen liegt, lässt kaum eine andere Wahl. "Es ist nicht einzusehen", betont Prof. Dr. Theo Sundermeier in seinem Beitrag, "warum (...) kulturgeprägte Heilungsmethoden nicht angewandt werden können, wenn sie sich be­währt haben und dem christlichen Glauben nicht widersprechen. (...) Christliche Engherzigkeit ist fehl am Platz, wenn es um die Heilung und das Leben von Men­schen geht. (...) Weisheit und das Wissen um Krankheit und Hei­lung ist nicht auf Christen beschränkt. (...) Es ist dringend an der Zeit, dass die Gemein­den die Charismen ihrer Mitglieder entdecken und ihnen Raum geben." Wer Heilern einen innerkirchlichen Rahmen bietet, in dem sie segensreich wirken können, schafft dadurch nicht zwangsläufig eine Werbeplatt­form für Welt­bilder, die den Kirchen ein Graus sind. "Auch medizinisch unerklärliche Heilun­gen", so wird im Lexikon der Sekten, Sondergruppen und Weltanschauungen (43) zu­recht betont, "eignen sich nicht dazu, die Wahrheit einer Glaubenslehre oder Welt­anschauung zu begründen". Dass Geistheilungen stattfinden, steht auf dem inzwischen erreichten Forschungsstand (44) außer Frage - doch warum sie geschehen, weiß vorerst niemand, und vorentschieden werden muss diese Frage ebensowenig, wie unsereins erst zu kapieren hat, wie ein Computer funktioniert, bevor er ihn nutzen kann. (45) Wie die christlichen Kirchen, statt ab- und auszugrenzen, mit außerkirchlicher Geistheilerei ebenso souverän wie bibelkonform umgehen könnten, ist im Mar­kus-Evangelium nachzulesen (Mk. 9, 38-40); der Ratschlag stammt von Jesus persönlich.46 "Meister", so soll sich einst Johannes beschwert haben, "wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb; und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht nachfolgt." Darauf erwiderte Jesus: "Hin­dert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden. Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns", und erklärte Gegner Christi kommen unter Heilern nicht erheblich häufiger vor als Geld­fälscher in der Europäischen Zentralbank. 7 Ein weiteres, immer noch mächtiges Motiv, auf Distanz zu Geistheilern zu gehen, steckt im Hang orthodoxer Kirchenkreise, alles Wundersame zu verteufeln. Kündigt die Heilige Schrift nicht für die befürchtete "Endzeit" "Zeichen und Wunder" an (2. Thess. 2,9), durch welche die Gläubigen verführt werden sollen, von Gott abzufallen (Mt. 24)? Der Teufel kann sich "verstellen in einen Engel des Lichts", warnt die Bibel. So könne es geschehen, dass eine Bewegung den Namen Gottes rühme und doch einen "fremden Geist", ein "fremdes Feuer" in sich trage (3. Mose 10).47 Also beweisen Wunder gar nichts, auch keine Heil­wunder. Denn "der Geist aus dem Abgrund" wirkt ebenfalls Wunder (Offen­barung 13,13). Wen solche apokalyptischen Ängste plagen, der ist leicht versucht, in Geistheilern arglose oder gar vorsätzliche Vollzugsgehilfen teuf­lischer Verführungskünste zu sehen - sozusagen die therapeutische Vorhut der civitas diaboli, des Reichs Satans, der Leiber kuriert, um Seelen zu fangen. Dass derselbe Generalverdacht der Schulmedizin erspart bleibt, nimmt Wunder; die manchmal geradezu teuflischen Risiken und Nebenwirkungen, mit denen ihr Einsatz verbunden sein kann - bis hin zum schlimmstmöglichen Kollateral­schaden des tödlichen Kunstfehlers -, stellen schließlich mühelos in den Schatt­en, was die geballte "kosmische Energie" von tausend Reiki-Meistern schlimmstenfalls an­richten könnte. "Wann folgt die Ursache der Wirkung? Wenn ein Arzt hinter dem Sarg seines Patienten hergeht" - ein solcher Witz lässt sich über Geist­heiler schwerlich reißen. Unter ihnen gute und böse auseinanderzuhalten, sollten die Kirchen jedenfalls nicht wiederauferstandenen Hexenjägern überlassen, die hochtourig im Leerlauf die permanente Entscheidungsschlacht gegen den Anti­christ inszenieren - und vor lauter Weihrauch und Schwefel vergessen haben, wie frische Luft riecht. Diese hätten vermutlich nicht einmal vor Jesus selbst, wenn er unter uns wäre, Halt gemacht - wie einst jene Pharisäer, von denen der Evangelist Matthäus be­richtet (9, 32-34): Nachdem Jesus einen Stummen wieder zum Sprechen ge­bracht hatte, argwöhnten sie, er habe "die Dämo­nen mit Hilfe des Anführers der Dämonen ausgetrieben." Tatsächlich muss­te sich schon Jesus des Vorwurfs erwehren, er triebe die Dämonen durch Beelzebul aus, seine Heilungs­­praxis beruhe also auf einem Teufelspakt (Lk. 11, 18 f.) - insofern befinden sich heutige Geistheiler in bester Gesell­schaft. Wer in der aufgelegten Heilerhand die Pranke Satans durchschimmern sieht, könnte ihn ebensogut mittels allem und jeglichem nach uns grabschen wähnen, was uns in dieser Welt gut, edel, rein und göttlich vorkommt, es vielleicht aber bloß zu sein scheint. Tragen nicht womöglich sogar die orthodoxen Schimpf­tiraden gegen "dämonische" Geistheilerei die Handschrift des Bösen - der es Schwer­­kranken nicht gönnen mag, in liebevoller Begegnung Hilfe zu finden; der höllischen Spaß daran hat, sie weiterleiden zu sehen; der chronisch übereifrige Apokalyptiker dafür einspannt, ihnen ihre vielleicht letzte Chance auszureden? Wie gottesnah kommt die Anmaßung des selbstherrlichen Universaldurch­blickers daher, dessen Ego davon lebt, mehr zu wissen als der ahnungslose, para­medizinisch verblendete Rest der Menschheit - der wahrhaft Hellsichtige unter lauter Blinden, der Geheimnisträger inmitten von Ahnungslosen? Sofern der Schein stets trügt, zumal in "Endzeiten", so trügt er mit Sicherheit auch den, der ihn zuverlässig zu durchschauen meint. 8 Hinter dem Horror diaboli , ebenso wie hinter Esoterophobie, versteckt sich bei Kirchenvertretern nach meinen Eindrücken häufig ein weiteres, besonders schwer einzugestehendes Motiv: die Angst vor Nähe. Um Hand aufzulegen, muss der Heiler Distanz überwinden, dem Bedürftigen nahekommen, den Frem­­den wahrhaftig und nicht nur in Lippenbekenntnissen zum Nächsten machen - körperlich und emotional. Im übrigen wird, über das Behandlungs­ritual hinaus, in den meisten Heilerpraxen auch anderweitig reichlich Nähe hergestellt: Ein ums andere Mal werden Hände ergriffen, beruhigend gehalten, aufmunternd getätschelt, manchmal sogar sanft gestreichelt; ab und zu kommt es zu innigen Umarmungen; Blicke voller Vertrauen, die Helfer und Hilfesuchende füreinander öffnen, werden gewechselt - und ausgehalten. Solche Formen der Inti­mität können befremden. Generationen von Priesterseminaristen haben sie weitgehend verlernt - verkopft, entemotionalisiert von Professoren, die sie zu ihrer Berufung hin vorzugsweise den vermeintlichen Königsweg der reinen Ver­nunft beschreiten ließen. Dieser Ausbildungsweg prägt, begünstigt und ermutigt Charaktere, die eher zusammenzucken als lächeln, wenn sie angefasst werden, und jede Berührung als peinlichen Angriff auf ihre Intimsphäre empfinden. Und so kennzeichnet Abstand den Gottesdienst von heute: der Pfarrer fast immer meterweit weg von seiner Gemeinde, die Gemeindemitglieder kontaktfrei nebeneinander stehend, kniend, sitzend - und verlegen um Verzeihung bittend, wenn versehentlich eine Schulter die andere touchiert. Eine meiner Mit­autorinnen, Pfarrerin Esther Suter, begegnete dieser Art der Beklemmung in kirchlichen Kreisen mehr als einmal, als sie auf ihrem Entwicklungsweg daranging, "die rein verbale Ebene des Predigens zu verlassen. Die Angst vor Berüh­rung, auch als Segenshandlung, kam indirekt zum Ausdruck durch die Angst vor Magie. (...) Ist es letztlich eine Angst, Kontrolle abzugeben?" Das richtige Rezept dagegen bringt mein Mitautor Hendrik Herr auf den Punkt: "Wenn unsere Hand aber in Gottes Hand liegt, dann gibt es keinen Grund, vor der Berüh­rung des Anderen zurückzuschrecken, egal, wie ansteckend, bedrohlich oder unansehnlich die Situation sein mag." Ist Nähe nicht eine natürliche Aus­drucks­form jener Liebe, die in ihrer reinsten Form zu den Wesensmerkmalen Gottes gehört? Aus all diesen Gründen können immer mehr Christen über die reflexhaften Abwehrreaktionen gewisser kirchlicher Kreise nur fassungslos den Kopf schütteln. Sie denken nicht daran, sich bange machen zu lassen. Denn oftmals erleben sie Geistiges Heilen als praktisches Beispiel selbstloser Nächstenliebe und Güte, Mitleid und Barmherzigkeit - von Rachmones, wie sie der Wiener Theologe Adolf Holl in seinem Essay allen helfenden Berufen ans Herz legt -, vollbracht von Mitmenschen, deren tiefe Frömmigkeit und Demut manchem Priester alle Ehre machen würde. In Abgrenzung von den Ausgrenzern Eine wachsende Zahl von Christen - einfache Laien, aber auch Pfarrer und Theologen - weigert sich, sich für Abgrenzungsgefechte einspannen zu lassen. Immer mehr Gläubige lassen sich, wenn sie vermeintlich unheilbar erkranken, guten Gewissens auf Geistheiler ein - und erleben dort mitunter mehr liebevolle Zuwendung, als ihnen je in ihren Gemeinden zuteil wurde; indem sie das "Wunder" der Heilung am eigenen Leib erfahren, finden viele zu tiefem Glauben zurück. Immer mehr Religionswissenschaftler sperren sich dagegen, Geistiges Heilen in Bausch und Bogen zu dämonisieren, gewichten Jesu Heilungsauftrag neu, würdigen den Nazarener als begnadeten Therapeuten; gegenüber der Eso­te­rik­szene, in der sich die meisten Heiler bewegen, plädieren sie wie Manfred Josuttis dafür, sich einer "polemischen Pose" zu enthalten, "einseitige Verketze­rungen und pauschale Verfemungen durch klärende Wahrnehmungen abzulösen". (48) Und immer mehr Pfarrer öffnen, mit oder ohne den formellen Segen höherer Instanzen der Klerikalbürokratie, undogmatisch ihre Gotteshäuser für Heiler und Heilzeremonien, beziehen Handauflegen in Gemeindearbeit, Kran­kenhausseelsorge und Altenpflege ein. "Kommt zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen!": Dieses Jesus-Wort stand als Motto auf Handzetteln, mit denen Hansruedi Felix auf jene aufsehenerregenden Veranstaltungen aufmerksam machte, die er seit September 1995 - damals noch Pfarrer in Basel - in der reformierten Offenen Kirche Elisa­bethen anbot. Angekündigt wurde "Segnung und Handauflegung zur seelischen und körperlichen Unterstützung und ganzheitlichen Genesung durch HeilerIn­nen, die sich als VermittlerInnen der göttlichen Kraft verstehen und notleidenden Menschen durch Handauflegung Hilfe anbieten. Keine Voranmel­dung." Um wöchentlich 30 bis 60 Hilfesuchende kümmerten sich, an jedem Donnerstag von 14 bis 18 Uhr, jeweils vier von insgesamt neun Heilerinnen. Viele, die kamen, erfuhren Linderung - doch "Wunderheilungen" fanden nicht statt, wie Pfarrer Felix einräumt; wären sie geschehen, so hätte er über sie möglichst Stillschwei­gen bewahrt; denn traditionelle Wallfahrtsreklame ist ihm ein Greuel. Er wollte "zur Versöhnung zwischen Kirche und Heilungsbewegung beitragen", nichts weiter. In den Heilerinnen sieht der Geistliche Werkzeuge Gottes: "Auch ein Arzt kann nicht heilen. Er kann mit seinem wissenschaftlichen Instru­men­tarium lediglich dahingehend wirken, dass die Heilungskräfte im Patienten aktiv werden. Dasselbe tut die Heilerin auf ganz anderem Weg." Alle drei Mona­te gestaltete Pfarrer Felix, gemeinsam mit seinen handauflegenden Helferinnen, eine liturgische Heilungsfeier mit musikalischer Umrahmung, einem Bibeltext mit Ansprache, einer Segnung mit Öl und dem Angebot der Handauflegung. Seine Nachfolgerin im Pfarramt führt diese Tradition bis heute fort. Wie Hansruedi Felix, so schlug auch der Pastorin Renate Ebeling geharnischte interne Kritik entgegen, nachdem sie Anfang 1997 in der St. Nikolai-Kirche in Kiel erstmals zu einem zweistündigen "Heilungsgottesdienst" eingeladen hatte. Rund 300 Menschen waren gekommen, überwiegend Kranke. Lange Warte­schlangen bildeten sich vor dem Altar, an dem die Genesungswünsche mit Hand­auf­legen, Bittgebeten und einer Salbung bestärkt wurden. "Die Heilige Schrift trägt uns solches Tun auf", beharrte die Geistliche, die auch im Klinikum der Christian-Albrechts-Universität von Kiel tätig ist. "Vorwürfe, das sei okkult oder esoterisch, erweisen sich im Blick auf die biblischen Belege als haltlos." Als exponierte Einzelgänger lassen sich Geistliche wie Hansruedi Felix und Renate Ebeling nicht länger abtun. Denn für ihre mutigen Vorstöße ernten sie inzwischen schon weit über ihre Gemeinden hinaus wachsende Sympathien, Ermutigung und Zuspruch; im selben Maße wird das Murren über die dogmatische Unbeweglichkeit von Kirchenoberen vernehmlicher. In Abwandlung eines Lichtenberg-Aphorismus: In der Kirche gärt es. Ob es Wein oder Essig werden wird, ist indes ungewiss. (49) Gegen vielerlei Vorbehalte, die diesen Gärungsprozess beeinträchtigen, geht das vorliegende Buch an - mit Beiträgen von mehreren Heilern, die ihren Dienst an Kranken als praktiziertes Christentum verstehen: medizinische Laien wie Beatrice Anderegg, Gertrud Emde, Thomas Köb, Margarete Rauer und Pamela Sommer-Dickson; staatlich zugelassene Heilpraktiker wie Ute Sautter; Ärzte wie Wolf-S. Schriewersmann. Bestärkt fühlen sie sich von querdenkenden Religions­wissenschaftlern wie Adolf Holl, Walter Hollenweger, Manfred Josuttis und Theo Sundermeier, die ihre Bibel wohl kaum schlechter kennen als mancher mitunter unchristlich polemische Kritiker unter ihren Fakultätskolle­gen; von aufgeschlossenen Priestern wie Hans­ruedi Felix, Otto K. Fischer, Wolfgang Habbel, Gerhard Maier und Fritz Christian Schneider, die es nicht verdient haben, als unbedachte Türöffner für heidnische Subversion beargwöhnt zu werden. Ebenfalls in dieser Anthologie vertreten sind geistheilende Pfarrer wie Roman Grüter, Daniel Hari und Esther R. Suter, die in Wort und Tat schwerlich den Eindruck machen, als hätten sie sich insgeheim mit Satan verbündet. Einen engagierten Fürsprecher haben sie in Pfr. Jürgen Fliege, Moderator der erfolgreichen werktäglichen ARD-Talkshow, die seinen Namen trägt. Neben Katho­liken und Protestanten verdienen aber auch rand- und außenständige Glau­bens­gemeinschaften wie Christian Science Gehör, die hier von Klaus-Hendrik Herr, dem Leiter ihres Deutschland-Komitees für Ver­öffentlichungen, vertreten wird. Warum, so fragen meine Mitautoren, tun sich große Teile der Kirchen nach wie vor schwer mit dem Phänomen "Geistiges Heilen" - je weiter oben in der Ämterhierarchie, desto ausgeprägter? Was muss geschehen, damit es im Christentum wieder eine bedeutendere Rolle spielt? Welche Gründe erschweren eine Annäherung? Wie stichhaltig sind die Argu­mente dagegen? Denkanstöße zu mehr Offenheit sollen von dieser Anthologie ausgehen - auf dass wir dem geistheilenden Wanderprediger vom Bodensee, falls er denn eines Tages käme, nicht womöglich bitter Unrecht tun. Am Ende eines Monopols Nicht nur theologische, auch strategische Erwägungen sprechen dafür, sich für Geistiges Heilen zu öffnen. Zwar gibt es in Deutschland immer noch 26,5 Millionen Katholiken und 26,2 Millionen Protestanten: eine absolute Bevölke­rungs­mehrheit, zu der noch 1,5 Millionen Christlich-Orthodoxe, 382'000 Neu­apostoliker, 164'000 Zeugen Jehovas und mehrere zehntausend Mitglieder christ­­licher Splittergruppen kommen. (50) Doch sprechen diese Zahlen nicht eher für die Zählebigkeit von Traditionen als für die Christlichkeit der hiesigen Bevöl­ke­rung? Nur noch jeder vierte Deutsche betet täglich, 27 Prozent tun es nie. Vor vierzig Jahren besuchten noch 73 Prozent regelmäßig den Gottesdienst - heute tun es nur noch zehn Prozent der Katholiken und vier Prozent der Protestan­ten. (51) In der nachlassenden Bedeutung von Gebet und Kirchgang spiegelt sich der Niedergang praktizierten Christentums allgemein. Zwar gehören nach wie vor vier von fünf Westdeutschen einer der beiden großen christlichen Kirchen an. Aber diese Mitgliedschaft verkommt zunehmend zur Formsache; immer seltener, immer schwächer prägt sie den Alltag. Nur noch 56 Prozent erklären, an den biblischen Gott zu glauben. Andere grundlegende christliche Be­kennt­nisse - etwa der Glaube an Jesus als den von Gott gesandten Erlöser, an Himmel und Hölle, die Auferstehung der Toten und das Jüngste Gericht - finden schon keine Mehrheiten mehr. Zwei Drittel erklären die Religion für "ziemlich" oder "völlig unwichtig" in ihrem Leben. (52) Sich öffentlich zu seinem Christsein zu bekennen, gilt inzwischen weithin als eher peinlich; schon warnen Leitfäden guten Beneh­­mens davor, den Glauben überhaupt noch zum Gesprächsthema zu machen. Die größte Pilgerfahrt der Christenheit, die am erlösenden Ende von Karol Wojtilas qualvollem Leiden und Sterben Anfang April 2005 in Gang kam, widerlegt nicht den ernüchternden Befund, sondern passt zu ihm. Die verkümmerte Form von Frömmigkeit, die sieben Millionen gen Rom ziehen und Milliarden Trauer-TV marathongucken ließ, lebt weniger aus täglich gelebtem Glauben, sondern entzündet sich zunehmend an der unerhörten Begebenheit, an außeralltäglichem Spektakel. Von Medien eine kurze Weile entfacht, reißt sie ebenso kurz­zeitig mit, wenn Terroristen vollbesetzte Passagier­flug­zeuge in Wolken­kratzer rasen lassen oder eine Monsterwelle 300’000 Men­schen in den Tod reißt. Je stärker sich der Alltag säkularisiert, desto wichtiger werden religiöse Riten, wenn er ins Wanken gerät, wenn das Unerhörte nach Formen der Bewältigung sucht. Mit Rechristianisierung hat das herzlich wenig zu tun. Mehr noch als der christliche Glaube befinden sich die Institutionen, die ihn tragen, in der Krise. Als unlängst die Unternehmensbera­tung McKin­sey in ihrer großangelegten Online-Erhebung Perspektive Deutschland nach der Glaub­würdigkeit deutscher Institutionen fragte, landeten die Kirchen weit abgeschlagen hinter dem ADAC, Greenpeace oder der Bundeswehr; magere 17 Prozent gaben an, der evangelischen Kirche uneingeschränkt zu vertrauen, bei der katho­­li­schen Kirche waren es gar nur noch elf Prozent (53) - niederschmetternd für eine Einrichtung, die buchstäblich von ihrer Glaubwürdigkeit lebt. Gotteshäuser, in denen zwischen ein paar wenigen hohen Feiertagen gähnende Leere herrscht, werden reihenweise geschlossen, müssen vermietet werden, stehen zum Ver­kauf. Aus Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden werden Kreuze verbannt, der Religionsunterricht zunehmend zur inter- und überkonfessionellen Werteerziehung; ein dramatisch sinkendes Kirchensteueraufkommen zwingt zu Einschnitten und Einschränkungen, die vor kurzem noch undenkbar waren. 130’000 Menschen treten pro Jahr aus der Kirche aus, die meisten mit einem Seuf­zer der Erleichterung, der Umarmung durch einen schwerfälligen, dogmenstarren Koloss entkommen zu sein, der nahe daran ist, wie einst die Dino­saurier unter dem eigenen Gewicht zusammenzubrechen. Große Teile unserer Gesell­schaft sind offenkundig dabei, Abschied von Gott und seinem Bodenpersonal zu nehmen, nicht im Groll, sondern eher mit Gleichmut. An der Schwelle zum dritten Jahr­tausend leben wir in einem heidnischen Land mit christlichen Rest­bestän­den, wie der katholische Theologe Karl Rahner schon 1984 illusionslos befand. (54) "Die Nachchristlichkeit unserer Weltlage", urteilte der Karlsruher Phi­losoph Peter Slo­ter­dijk zwei Jahr­zehnte später, "ist eine historische Gegeben­heit". (55) In ihrem Angesicht wirken viele Kirchenrepräsentanten schreckensstarr und verzagt - so als hülfe, inmitten der Ruinen einstiger Macht, nur noch Psalm 69: “Rette mich, Gott, die Wasser reichen mir bis an die Kehle. Eingesunken bin ich in tiefem Schlamm, es findet mein Fuß keinen Grund. Ich kam in die Tiefen der Wasser, die Fluten strömen über mich.” Unter den zahlreichen Diagnosen für diesen kläglichen Niedergang, die auf kirchlichen Tagungen ratlos übereinandergetürmt werden, scheint mir zu­min­dest eine ins Schwarze zu treffen: Noch immer wollen Kirchenobere nicht wahrhaben - geschweige denn sich darauf einstellen -, dass sie ihr Sinngebungs­monopol unwiderbringlich eingebüßt haben, zumindest in der Ersten Welt. Mit ihrem Dienstleistungsangebot in Sachen seelischer Erbauung, Gemeinschafts­erfah­rung und Ritualversorgung, der Vermittlung von Werten und Vorbildern bewegt sich die Kirche, ob sie will oder nicht, inzwischen auf einem heiß umkämpften Markt, auf dem sie als ein Anbieter unter anderen wahrgenommen - und einem nüchternen Leistungsvergleich unter­­zogen wird. Den Mühseligen und Beladenen, unter ihnen mehr als zwanzig Mil­lionen chronisch Kranke allein in Deutschland (56), bietet sie in erster Linie erbauliche Worte, während Geistheiler mit warmherzigen Taten aufwarten. Unerträglich findet diesen Notstand Pfarrer Jürgen Fliege: “Was ist eine Religion wert, die sich um den Leib und seine Qual herumdrückt und auf ein ewiges Später verweist? Ich antworte: Nichts!” Empa­thie und Ausstrahlung vieler Kir­chen­­männer, vom Pfarramt bis zum Kardinals­sitz, werden zudem häufig als unter­entwickelt empfunden - die Heilerszene hingegen kann mit einer ganzen Reihe von charismatischen Persönlichkeiten aufwarten, deren Wärme, Weis­heit und Heilbegabung Menschen in ihren Bann ziehen. Immer mehr gesund­­­­heitlich Angeschlagene wollen ihr Leid nicht bloß religiös gedeutet, sondern tatkräftig gelindert wissen. Weitaus verbreiteter als das Bedürfnis nach tiefschürfenden Gedanken ist der Hunger nach ergreifenden Empfindungen und Emo­tionen - Geistiges Heilen bietet sie. "Erst kribbelte es intensiv, dann wurde mir plötzlich ganz heiß", "Es war so, als stünde ich unter Strom", "Es durchzuckte mich wie ein Blitz", "Es fühlte sich so an, als wogten unsichtbare Wellen durch mich hindurch", "Ich vibrierte am ganzen Körper": In solche Worte fassen viele Patienten, was ihnen bei Geistheilern bisweilen widerfährt, während sie behandelt werden. Sie schildern außergewöhnliche, nie zuvor erlebte Empfindungen von Wärme oder Kälte, von Schwere, von einem Kribbeln oder Pulsieren, von einem Durch­strömt­werden oder dem sanften Druck einer unsichtbaren Kraft, wie mehrere Umfragen seit den sechziger Jahren ergaben. (57) Um mit dem großen Schwei­zer Psychoana­ly­tiker Carl Gustav Jung zu sprechen: "Des Intellektualismus überdrüssig, will man von Wahrheit hören, die nicht enger macht, sondern weiter, die nicht verdunkelt, sondern erleuchtet, die nicht an einem abläuft wie Wasser, sondern ergreifend bis ins Mark der Knochen dringt." (58) All das kann Geistiges Heilen bieten. Es in den Gemeindealltag einzubeziehen, wäre deshalb klug. Ungute Gefühle, sich damit dem Zeit­geist anzubiedern, werden von mehreren Autoren dieser Anthologie besänftigt: Die Reform, für die sie plädieren, führt die Kirche keineswegs von ihren Wurzeln fort, sondern schnur­stracks zu ihnen zurück (59) - im Gegensatz zu mancherlei sonstigen, eher peinlichen Verrenkungen, um die Leute “dort abzuholen”, wo sie in Kirchenkrei­sen bevorzugt vermutet werden. Kuriositäten wie Motorrad-Gottesdienste für Biker (“Mogo”), “Berg-Gottesdienste” (“Dem Himmel so nah”), die Aktion “Va­ter­unser per SMS”, Raver-, Inlineskater-und Fußball-Messen, “Lappen-Gottes­dienste” für Führerscheinneulinge, ein bißchen Gitar­ren­zupf und geschlagzeugtes Dschingderassabäng neben dem Altar stehen nicht für Maßschneiderei, sondern für Beliebigkeit von der Stange, der Kurt Tucholsky schon 1930 die richtige Diagnose stellte: “Was an der Haltung beider Landes­kirchen auffällt, ist ihre heraushängende Zunge. Atemlos jappend laufen sie hinter der Zeit her, auf dass ihnen niemand entwische.” Statt in derlei PR-beraterinspirierte Hektik zu verfallen, könnten sich die Kirchen konsequent auf den Heilungsauftrag Jesu zurück­zubesinnen - und ein Gutteil ihrer Daseins­ängste würden sich verflüchtigen. Eine Annäherung käme freilich nicht allein den christlichen Kirchen zugute, sondern durchaus auch der Heiler­bewegung. Kein Religionsstifter hat die bedingungslose Liebe für den Nächsten jemals so nachdrücklich in den Mittelpunkt seiner Botschaft gestellt wie Jesus. Und gerade sie gerät allzuvielen Geistheilern von heute zunehmend aus dem Blick. Je größere Bedeutung esoterischen Techniken zum "Kanalisieren" mysteriöser "Energien", zum Glätten von Auren, zum Manipulieren von Chak­ras und anderen Sonderausstattungen "feinstofflicher" Körper beigemessen wird, desto mehr scheint sich die Kunst des Geistheilens darin zu erschöpfen, eine Energietechnik besonderer Art perfekt zu beherrschen und lehrbuchkonform zur Anwendung zu bringen. In den Hintergrund rücken dabei liebevolle, selbstlose Zuwendung, herzliche Anteilnahme, einfühlsames Verstehen, geduldiges Begleiten. Und auch andere unsympathische Begleiterscheinungen des Heilerbooms - die Kommerzialisierung der Szene, ihr Starkult, Eitelkeit und Macht­­gier, Scheinheiligkeit und Egozentrismus, die sanfte Diktatur selbsternannter “Erleuchteter”, der klägliche Niedergang von Demut und Bescheiden­heit - sind unvereinbar mit jenem Geist, in dem Jesus den Dienst am leidenden Nächsten beispielhaft vorlebte; mit seiner Hilfe wären sie durchaus exorzierbar. Die Chancen dafür standen allerdings noch nie schlechter als heute. Denn in den zurückliegenden vierzig Jahren hat sich das Heilerwesen, unter dem Ein­fluss der "Esoterikwelle", dramatisch gewandelt. Zuvor waren in Deutschland vermutlich nur wenige hundert Geistheiler tätig, neben Besprechern und ein paar Exorzisten vor allem christliche Handaufleger und Gebetsheiler. (60) Wenn sie fernbehandelten, dann zumeist, indem sie für Kranke eine Fürbitte an Gott richteten. (61) Es überwogen schlichte, bodenständige Gemüter mit geringer Bildung aus mittleren und unteren sozialen Schichten, die meist zurückgezogen in ländlicher Gegend wirkten und vornehmlich aus innerer Berufung halfen. Vollprofis fanden sich kaum darunter: Die meisten übten Geistiges Heilen nebenbei aus, an Feierabenden und Wochenenden - nicht in regelrechten "Praxen", sondern in Wohn­zimmern und Küchen; ihren Lebensunterhalt sicherten sie anderweitig. Kommerziell insofern nicht von Heilerhonoraren abhängig, arbeiteten sie vorwiegend unentgeltlich, allenfalls Spenden wurden angenommen. Da Geisthei­lung selten ein Geschäft war, wurde kaum je Werbung dafür getrieben; ihren Heiler fanden Hilfesuchende überwiegend durch Mundpropaganda, auf Emp­feh­lung von Verwandten und Kollegen, Freunden und Bekannten. Unter solchen Umständen hielten sich Heiler nur, wenn sie in bemerkenswert vielen Fällen tat­sächlich etwas therapeutisch Außergewöhnliches, aus ärztlicher Sicht Unerwar­te­tes zustande brachten; andernfalls blieben ihre Stuben leer. (Kein Markt selektiert härter als einer, der auf mündlich kolportierten "Geheimtipps" beruht, in denen Konsumenten ihre persönlichen Erfahrungen mit gewissen Produkten weitergeben.) Daher überwogen Heiler mit jahre-, oft jahrzehntelanger Erfah­rung. Ihre Heilbegabung hatte sich fast immer schon in der Kindheit oder Jugend gezeigt. Keiner hatte zuvor eine regelrechte "Schule" durchlaufen, denn es gab keine. Die typische Heilerkarriere begann vielmehr in einer privaten, mehr oder minder intensiven Zweierbeziehung mit einem erfahrenen, bewunderten Vorbild - etwa der Mutter, dem Großvater, dem Nachbarn, dem Bekann­ten -, das begabte Nacheiferer meist über einen längeren Zeitraum beaufsichtigte und anleitete; oder Heilerfähigkeiten stellten sich unvermittelt ein: etwa nach Eingebungen in Träumen, unter dem Eindruck einer Vision, von einer inneren Stimme angesprochen, auf dem Höhepunkt einer lebensbedrohlichen Erkran­kung oder nach einem schweren Unfall; oder sie kamen bei zufälligem Aus­probieren zum Vorschein. Der traditionelle Heiler ging weitgehend intuitiv vor: Wie von selbst fanden seine Hände jene Stellen, auf die sie aufgelegt werden mussten. Er diagnostizierte nicht eigentlich; er "spürte" irgendwie, wo "etwas nicht in Ordnung" war. Um das, was er tat, machte er wenig Worte. Dazu fehlte ihm das Vokabular. Wenn er erklären sollte, wie und warum er heilen kann, trug er keine ausgefeilte Theorie vor. Seine Kraft und Zuversicht schöpfte er aus Gott - traditionelle Heiler aus unserem Kulturkreis waren durchweg tiefgläubige, praktizierende Christen -, dessen unergründlicher Ratschluss ausgerechnet ihn berufen hatte. Doch dieser Heilertypus ist im Aussterben begriffen. (62) Seit den sechziger Jah­ren, als die "Esoterikwelle" über die alternative Gesundheitskultur des Westens hereinzubrechen begann, ist die Zahl der haupt- oder nebenberuflichen Geist­heiler in Deutschland zwar auf weit über 10'000 angeschwollen - diejenigen eingerechnet, die zumindest eine Heilerausbildung wie z.B. einen der zwei ersten Reiki-Grade absolviert haben, sogar auf mehrere Hunderttausend. Doch deutlich über neunzig Prozent dieser Heiler verkörpern inzwischen, auf einem zunehmend kommerzialisierten Markt, einen radikal anderen Therapeutentyp. Überdurchschnittlich viele relativ junge Leute sind darunter, aus der Alters­klasse zwischen zwanzig und vierzig, entlassen oder ausgestiegen aus bisherigen Berufen und kaputten Beziehungen - Unausgefüllte, Vereinsamte und Frust­rierte, von Selbstzweifeln und Sinnkrisen Geschüttelte, neuen Halt, Orientierung und Einkommen Suchende. Ihre Berufung entdeckten sie in Begegnungen mit Astrologen, "Hellsichtigen", Medien, "spirituellen Weisheitslehrern", Bhagwans oder anderen respektierten Autoritäten der Esoterikszene, in Kursen und Work­shops, an Messeständen, in Literaturstudien, auf ausgedehnten Selbstfindungs­trips zu den süßlich durchräucherten Szenetempeln im Großstadtdschungel oder zu Ashrams und anderen exotischen Retreats in der Dritten Welt. Traditio­nel­len Heilern wurde ihre Fähigkeit zuteil - esoterische erlernen sie, ähnlich wie die Kunst des Deutens von Horoskopen, Handlinien oder Tarotkarten. Um ihre Ausbildung kümmern sich hierzulande inzwischen mehrere hundert private Schulen, zumeist Ein-Mann/Frau-"Institute"; weil angeblich "in uns allen ein Heiler steckt", befördern sie jedermann, der die verlangten Gebühren bezahlt, im Schnelldurchlauf zu "Heilern" - manchmal schon an einem einzigen Wochenende, zumeist nach höchstens einem Dutzend Kurstagen. (Unrühmlich hervorgetan haben sich dabei auch Heiltraditionen, in denen sich einzelne Mitautoren dieser Anthologie zuhause fühlen, insbesondere Reiki (63), aber auch "Meister" Dangs Human Universal Energy (64) und die "Bioenergetische Medita­ti­on" (65).) Das befremdet Christen, die in der Fähigkeit zu heilen ein Charisma sehen, das "nicht verfügbar", sondern der Gnade Gottes überlassen ist. (Diesen Aspekt betont Dr. Wolfgang Habbel am Ende seines Beitrags.) "Der Film", meinte Alfred Hitchcock einmal, "ist vielleicht die einzige Branche, in der sich mancher als Meister fühlt, bevor seine Lehrzeit überhaupt begonnen hat." Mit der westlichen Heilerszene war er offensichtlich nicht vertraut. (66) Derart "ausgebildet", bemühen sich immer mehr Absolventen gleich an­schließend darum, auf der Geistheilerei eine neue berufliche Existenz aufbauen; das erfordert feste Honorarsätze - deren mitterweile branchenübliche, durch Verbands”richtlinien” abgesegnete Höhe schon manchen niedergelassenen Arzt oder Psychotherapeuten vor Neid erblassen lässt - und eine Eigenvermarktung, die hinlänglich viele Kunden lockt. Und so schaltet der neue Heilertypus vielversprechende Inserate, lässt imposante Visitenkarten, Flyer und Imagebroschü­ren drucken, präsentiert sich auf Esote­rik­messen und im Internet, biedert sich Journalisten an. Und er legt Wert auf Ver­mittlungsdienste, werbeträchtige Titel und Diplome. Die sind mittlerweile leicht zu ergattern, zumindest für Zahlungs­willige: Die meisten Heilerschulen bieten ihren Absolventen solchen Service, ebenso wie die Info-Dienste und Prüfungs­kommissionen etlicher Heiler­vereine (67) ihren zahlenden Mitgliedern - eine Hand wäscht die andere. In Erman­ge­lung wissenschaftlich abgesicherter Testmethoden, ob einer wirklich heilen kann (68), erwächst daraus die Gefahr eines monströsen, flächendeckenden Etiket­ten­schwindels, den ein paar Insider durchschauen mögen, aber wohl kaum der typische Hilfesuchende, und auch nicht jeder kooperationswillige Pfarrer. Das Risiko, an unerfahrene, mäßig begabte, sich selbst überschätzende Möchtegerns zu geraten, war für Menschen, die sich auf Geistiges Heilen einlassen möchten, noch nie größer als heute - die Chance, Könner anzutreffen, entsprechend gering. Inzwischen überwiegen aufrichtig bemüh­te Dilettanten, die ein warmherzig pulsierendes Beinahenichts mit spiritualistischen Girlanden umkränzen. Ausgesprochen tragisch ist diese Fehlentwicklung nicht nur für den Kranken, der Hilfe sucht, sondern letztlich auch für das Geistige Heilen als Therapieform: Einerseits fanden Anwender noch nie eine liberalere Rechtslage vor69; noch nie zeigten sich mehr Ärzte bereit, Heiler in ihre Praxen und Kliniken einzubeziehen, und sich ihre Vorgehensweisen zu eigen zu machen (70); noch nie richteten mehr Wissenschaftler Forschungsprojekte darauf (71); noch nie waren Massen­medien eher bereit, dafür Druckseiten und Sendeplätze freizuräumen. Dass ausgerechnet jetzt das unzweifelhafte Potential Geistigen Heilens von einer unheiligen Allianz aus esoterischen Nebelwerfern und geschäftstüchtigen Cleverles, Wichtigtuern und Wirrköpfen, Anfängern und Beihelfern verschüttet wird, ist traurig - und für Hilfesuchende fatal. Einer Geistheilung bedarf seit längerem zuallererst die Heilerszene selbst. Was also tun? Auch in noch so schwerer Krankheit dürfen Patienten nicht aufhören, mündige Bürger zu sein. Informationen, die nirgendwo bequem vorsortiert abzuholen sind, müssen sie wohl oder übel selbst zusammentragen und bewerten, im Vertrauen auf die eigene Kritikfähigkeit und Menschenkenntnis. Gleiches gilt für Kirchenvertreter auf der Suche nach Heilern, deren Befähigung und Gesinnung, Motivation und Charakter über Zweifel erhaben sind. (In dieselbe Klemme geraten aufgeschlossene Ärzte, wenn sie in der Heilerszene nach vertrauenswürdigen Mitarbeitern Ausschau halten.) (72) Im Laufe von rund fünfzehn Jahren, in denen ich beobachtend und forschend die sogenannte "spirituelle" Gesundheitsszene des deutschsprachigen Raums durchstreift habe, lernte ich weit über tausend Heiler kennen. Wieviele könnte ich guten Gewissens an kirchliche Einrichtungen weiterempfehlen? Nicht einmal jeden Hundertsten. Dieser Text entspricht der Einführung zu Harald Wiesendanger: Wie Jesus heilen. Geistiges Heilen: ein Akt christlicher Nächstenliebe (2004, 4. überarb. u. aktual. Aufl. 2008): „Geistiges Heilen und Kirche: Plädoyer für eine Annäherung, die beiden nützt“, S. 9-30. Anmerkungen 1 Siehe in meinem Buch Geistiges Heilen für eine neue Zeit - Vom "Wunderheilen" zur ganzheitlichen Medizin , Kösel: München 1999, den Beitrag "Jesus hinter Gitter? Wenn der Gottessohn zwei Jahrtausende später gelebt hätte - Protokoll einer fiktiven Ge­richts­verhandlung", S. 340-347. 2 Jesus´ bevorzugte geistige Heilweisen - Handauflegen, Gebetsheilen und Exor­zis­mus - stelle ich vor in Das Große Buch vom Geistigen Heilen - Möglichkeiten, Grenzen, Gefahren , Lea Verlag: 4. Aufl. 2003, S. 23 ff., 84 ff., 147 ff. 3 Nach einer Repräsentativumfrage des EMNID-Instituts im Frühjahr 1999 unter 2000 Erwachsenen; siehe Der Spiegel 21/1999, S. 222. 4 Als wohlbedachte Tricksereien sind die Heilwunder Jesu und seiner Jünger z.B. von Karl Friedrich Bahrdt (1741-1792) zurechtgedeutet worden, dem enfant terrible der deutschen Aufklärungstheologie: »Um etwas auszurichten, müssen sie (Jesus und seine Jünger) sich dem Aberglauben des Volkes akkommodieren und ihre Weis­heit unter dem Mantel der Torheit an die Leute bringen, ob die Menge, durch den Schein getäuscht, sich der Vernunftoffenbarung öffnen möchte und nach einiger Zeit imstande wäre, sich vom Aberglauben zu emanzipieren. Jesus sieht sich also genö­tigt, in der Rolle des erwarteten Volksmessias aufzutreten und sich zu entschließen, mit Wundern und Täuschungen zu operieren." Zit. nach Albert Schweitzer: Geschichte der Leben-Jesu-Forschung (1906), 6. Aufl. Tübingen 1951, S. 40 f. 5 Paulus etwa spricht in Röm. 15,19 und 2. Kor. 12,12 unmissverständlich von den "Zeichen und Wundern", die er wirkte, und nennt sie recht grundsätzlich "Zeichen des Apostels" (2. Kor. 12, 12) 6 "Charisma", im modernen Sprachgebrauch schlicht "außergewöhnliche Aus­strahlung", bedeutet im theologischen Sinn "Gnadengabe" und meint eine gottgegebene Fähigkeit. Derartige Begabungen, zu denen auch das Heilen von Kranken zählt, werden im Neuen Testament an mehreren Stellen aufgelistet (1. Kor. 12; 8-10, 28-30; Röm. 12, 7-8; 1. Kor. 13, 1-3; 1. Petr. 4, 10-11. 7 Siehe Süddeutsche Zeitung, 5. April 1989; Mittelbayrische Zeitung, 8. April 1989. 8 Zur "Charismatischen Erneuerung" siehe Das Große Buch vom Geistigen Heilen , a.a.O., S. 72, 86, 348 9 Tilmann Moser: Gottesvergiftung, Suhrkamp: Frankfurt a. M. 1976 10 Einen Eindruck davon vermitteln in diesem Buch die Beiträge von Pfr. Daniel Hari, Pfr. Hansruedi Felix, Pfr. Fritz Christian Schneider und Pfr. Esther R. Suter. 11 In "Placebo-Reaktoren" werden Geheilte umgedeutet z.B. von Carl Ludwig Paul Trüb: Heilige und Krankheit, Stuttgart 1978, S. 183. 12 Johann Christoph Blumhardt (1805-1880) sah sich als Pfarrer in Möttlingen bei Calw 1842/43 in furchtbare Kämpfe mit dämonischen Mächten verwickelt, über die er 1844 auf Verlangen seiner kirchlichen Behörde in der »Krankheitsgeschichte der Gottliebin Dittus« ausführlich berichtete. Im Anschluss an die Heilung dieses jungen Mädchens erlebte Blumhardt in seiner Gemeinde eine gewaltige Buß- und Er­weckungs­­­bewegung: Weitere wundersame Heilungen folgten, auch sonstige Gebete wurden er­hört. Bei staatlichen, aber auch bei kirchlichen Behörden stieß Blumhardt damit auf Un­verständnis. Das Ministerium verbot ihm im Januar 1844, »Heilungen in das Ge­biet des Seelsorgers hinüberzuziehen, statt auf den Arzt zu weisen«. Das Ober­kon­sistorium verlangte von ihm, seine Tätigkeit auf Trost und Erbauung zu be­schrän­ken und sich jedes Einflusses auf leibliche Genesung zu enthalten. Um sich den Kranken und Angefochtenen ganz und unbehindert widmen zu können, entschloss sich Blumhardt daraufhin, sein Pfarramt aufzugeben. Ab 1852 wirkte er im Schwefelbad Boll als Seelsorger und Hausvater einer großen Gemeinde von Kranken und Leidenden aus aller Welt, die bei ihm Hilfe und Heilung an Leib und Seele suchten.) 13 Zu Blumhardt siehe R. Kaufmann: Das Übersinnliche als Ärgernis, Düsseldorf/ Köln 1970; E. Michaelis, "Der Heilungs- und Dämonenkampf J. Chr. Blumhardts", in W. Bitter (Hrsg.): Magie und Wunder in der Heilkunde, Stuttgart 1959, S. 57-75. 14 Ziemlich singulär in der jüngeren Kirchengeschichte steht eine medizinisch ungeklärte Genesung da, die Papst Johannes XXIII. (1881-1963) zugeschrieben wird: Er soll einmal eine italienische Ordensschwester von einem Magendurchbruch ge­heilt haben. Mit der Anerkennung dieses “Wunders” Anfang 2000 war die letzte Hür­de für die Seligsprechung von Johannes XXIII. genommen. (Nach Süddeutsche Zei­tung, 28.1.2000; Nr. 22: “Vatikan erkennt Wunder von Johannes XXIII. an”) Papst Jo­han­nes Paul II. soll 1982 eine Frau von Besessenheit kuriert haben, indem er einen Tag lang für sie betete und eine Messe für sie las. (Nach SZ Magazin Nr. 13, 1.4.1999, S. 17. 15 Siehe Der Spiegel vom 4. Juni 2001 (“Der Exorzist. Wie Papst Pius Hitler den Teu­fel austreiben wollte”), einen Bericht in der Turiner Tageszeitung La Stampa aufgreifend; vgl. Rheinische Post vom 4.6.2001, Hamburger Abendblatt vom 16.9.2004 16 Siehe Hamburger Abendblatt vom 16. September 2004. 17 Unter Jesusforschern herrscht inzwischen weitgehend Einigkeit darüber, dass Jesus durch eine vergleichsweise winzige Teilregion Galiläas zog, ein geographisches Drei­eck am See Genezareth, markiert durch die Orte Kapernaum, Bethsaida und Cho­­ra­­zim. Siehe Cay Rademacher, “Wer war Jesus?”, Geo 1/2004, S. 134-162, ib. 151 18 Vorgerechnet von einem Redakteur der Süddeutschen Zeitung, Nr. 241, 16.10.2004, S. 1 19 Apostolisches Schreiben Ministeria quaedam, 15. August 1972 20 Dagegen wird angehenden Priestern in den Traditionalistengemeinschaften, z.B. der Bruderschaft St. Pius X. des 1991 verstorbenen Erzbischofs Marcel Lefebvre, nach wie vor mit den Niederen Weihen auch jene zum Exorzisten gespendet. Die Ost­kirche lässt auch “charismatisch begabte” Laien exorzieren; siehe Adolf Rodewijk: Dämonische Besessenheit. Tatsachen und Deutungen, Augsburg 1988, S. 12. 21 Den Exorzis­mus als Variante Geistigen Heilens diskutiere ich in Das Große Buch vom Geistigen Heilen, a.a.O., S. 147-163. Auf heftige Kritik stieß in Deutschland insbesondere der Fall der Anneliese Michel, einer Studentin aus der hessischen Kleinstadt Klingenberg: Vom September 1968 an, damals sechzehnjährig, entwickelte sie dramatische Symptome einer “Beses­sen­heit”, an denen sie 1976 starb; zwei katholische Priester, die Annelieses vermeintlichen Dämonen in bischöflichem Auf­trag beizukommen versucht hatten, wurden 1978 zu sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt - wegen fahrlässiger Tötung und unterlassener Hilfeleistung. Siehe Das Große Buch vom Geistigen Heilen . a.a.O., S. 147, Abschnitt “Der Leidensweg der Anneliese Michel”) 22 siehe die Statistiken bei http://mitglied.lycos.de/spyraMD/aktuellkanon.html (Stand: 18.10.2004) und die dort zitierten Quellen. Allein ins Pontifikat von Johannes Paul II. fielen 478 Heilig- und 1346 Seligsprechungen: einsamer Rekord in der Kirchen­historie. 23 Stichwort “Kirche” in Meyers Enzyklopädisches Lexikon, Bd. 13, Mannheim/ Wien/Zürich 1975, korr. Nachdruck 1980, S. 697 24 “Woher bezieht die Kirche ihre Autorität, wenn Jesus sie nicht gründen wollte, ja, ihm allein der Gedanke an eine Kirche fremd sein musste?”, so fragte der streitbare Verleger Rudolf Augstein in seinem Pamphlet Jesus Menschensohn von 1972 (erweiterte und überarbeitete Neuausgabe Hamburg 1999); siehe R. Augstein, “Ein Mensch namens Jesus”, Der Spiegel 21/1999, S. 216-231, dort S. 229. Auch habe Jesus “weder selbst Sünden vergeben, noch hat er eine Vollmacht erteilt, dies zu tun. Paulus jedenfalls weiß von dieser mächtigsten Waffe der jungen christlichen Kirche noch nichts. Und Jesus hat seinen Jüngern auch nicht das Kommen und den Beistand des Heiligen Geistes versprochen. Er wusste von ihm nichts und auch nicht, dass er selbst und dieser Geist zu Bestandteilen einer Dreiergottheit erklärt würden”, ebda. S. 227. 25 Die Vielfalt der Wege, Geistheiler zu werden, zeichne ich nach in Geistheiler - Der Ratgeber. Was Hilfesuchende wissen sollten: Ehrliche Antworten auf 51 spannende Fragen , Lea Verlag: Schönbrunn, 3. Aufl. 2004, Kap. 34: "Wem die Götter Flügel schenken - Inwieweit ist Geistiges Heilen erlernbar?" sowie in Fernheilen, Band 3 : Was Patienten bewegt: Antworten, Tipps und Warnungen, Lea Verlag: Schönbrunn 2004, Kap. "In den Fußstapfen der Könner - Ist Fernheilen erlernbar?", S. 125 ff. 26 Siehe die Beiträge von Pfr. Roman Grüter, Pfr. Daniel Hari, Pfr. Esther Suter. 27 Siebzehn solcher Ärzte outen sich in meiner Anthologie Geistiges Heilen in der ärztlichen Praxis, Lea Verlag: Schönbrunn, 4. erw. Aufl. 2004 28 Die Anerkennungskriterien, die der Vatikan z.B. an "Heil"wunder in Wallfahrts­orten wie Lourdes anlegt, kritisiere ich in Geistheiler - Der Ratgeber , a.a.O., Kap. 1 ("Die Sta­tistik des Wunders"). 29 Siehe Geistheiler - Der Ratgeber , a.a.O., Kap. 1 30 Siehe H. Wiesendanger: Fernheilen, Band 2: Fallbeispiele, Forschungen, Einwände, Erklärungen, Lea Verlag: Schönbrunn 2004 31 Siehe Geistheiler - Der Ratgeber , Kap 7: "Die Bedingungen - Wovon Erfolge abhängen" sowie Kap. 13: "Inwieweit Glaube wichtig ist". 32 Johann Baptist Merz, “Kein Leid, das uns nicht angeht”, Süddeutsche Zeitung Nr. 225, 28.9.2004, S. 17 33 G. Theißen/A, Merz: Der historische Jesus - Ein Lehrbuch, Göttingen 1996, S. 282. 34 Wenn eine kürzlich erschienene Sammlung theologischer Aufsätze an die "Ener­getische Medizin" bereits im Buchtitel die Frage stellt: "Gibt es heute nur physikalische Wirkprinzipien?" (P. Heusser (Hg.): ‚Energetische Medizin': gibt es heute nur phy­si­ka­lische Wirkprinzipien?, Bern 1998), so lautet die nüchterne, naheliegende Ant­wort: Ja, nicht erst heute, immer schon; es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir sie vollumfänglich begreifen - wozu wir vielleicht erst den Begriff des "Physikalischen" von seiner materialistisch-mechanistischen Erblast befreien, aber auch herkömmliche "Energie"-Konzepte hinter uns lassen müssen. "Wunder", so schwante schon Kirchen­vater Augu­stinus, "geschehen nicht in Widerspruch zur Natur, sondern nur im Wider­spruch zu dem, was wir von der Natur wissen". Das ist kein Szientismus, sondern die Konsequenz aus dem gescheiterten philosophischen Projekt, dem Begriff des "Nicht­physischen" Sinn zu geben. Siehe H. Wiesendanger: Mit Leib und Seele - Ursprung, Entwicklung und Auflösung eines philosophischen Problems, Bern/Frankfurt 1987. 35 Die "Angst vor der Esoterik" zählt David Jordahl zu den "zehn Ängsten der Kirche", siehe sein Buch Die zehn Ängste der Kirche, Stuttgart 1978, S. 107 ff. 36 Siehe Manfred Josuttis ´Beitrag "Eso­terik in pastoraltheologischer Sicht" in dieser Anthologie. 37 Siehe Das Große Buch vom Geistigen Heilen , a.a.O., S. 21 f., und H. Wiesendanger: Geistiges Heilen bei Krebs - Ein unkonventioneller Ausweg , Lea Verlag: Schönbrunn 2004, S. 132; http://www.psi-infos.de , Rubrik "Geistiges Heilen"/Die häufigsten Fragen. 38 Siehe Fernheilen, Band 1: Die Vielfalt der Methoden, Kapitel "Die Selbst­strahler", a.a.O. 39 Medard Kehl: New Age oder neuer Bund? Christen im Gespräch mit Wendezeit, Esoterik und Okkultismus, Mainz 1988, S. 13 40 Siehe Das Große Buch vom Geistigen Heilen , a.a.O., Kap. 1, sowie Fernheilen, a.a.O., Band 1 und 2. 41 Siehe dazu die Beiträge von Gertrud Emde, Dr. med. Wolf-S. Schriewersmann und Pamela Sommer-Dickson sowie Fernheilen , Band 1, Kap. "Die Liebenden". 42 Mit dem Wort "Spiritualität" ist das französische spiritualité eingedeutscht worden; dieses wiederum lässt sich auf das lateinische spiritualitas zurückführen, das erstmals im fünften Jahrhundert nach Christus auftaucht. ("Bemühe dich", so mahnte damals der englische Mönch und Kirchenschriftsteller Pelagius, "dass du in der Spiritualität (spiritualitas) voranschreitest.") Mit spiritualitas wurde "pneumatikós" (geistig) übersetzt, das in der griechischen Fassung des Neuen Testaments auftaucht. Wäh­rend der Begriff der Spiritualität zunächst konfessionell vereinnahmt wurde, um ein christliches "Leben aus dem Geist" (Karl Rahner) zu kennzeichnen, und vielfach schlicht mit tiefer "Frömmigkeit" gleichgesetzt wurde, steht er neuerdings eher für eine Grundhaltung, in der sich jede Religion auf eigene Weise ausprägen kann. Was Heiler meinen, wenn sie heute von "Spiritualität" sprechen, hat die Herausgeberin des Phoenix Magazins (3/2001), Mar-Isis Ghida Ferreira, recht zutreffend zusammengefasst: "Spi­ritualität ist nicht mit Esoterik im landläufigen Sinn zu verwechseln und besteht nicht aus bestimmten Handlungen, wie etwa Meditieren oder Kartenlegen. Spiritualität ist eine geistige Haltung, ist das Bewusstsein der Göttlichkeit aller Lebe­wesen; sie schöpft aus dem Respekt gegenüber dem Platz, der jedem Lebewesen innerhalb des Ganzen zusteht; sie sucht daher eine friedliche Koexistenz aller Wesen, welche dem Einzelnen - ob schwarz oder weiß, ob Mensch, Tier, oder Pflanze - er­mög­licht, in Würde und Selbstachtung sein persönliches Potential im Dienst des Gan­zen auszudrücken und auszuleben. Schon gar nicht ist Spiritualität alltagsfern oder gar weltfremd. Im Gegenteil: Echte Spiritualität äußert sich in einer konkret gelebten, verwirklichten geistigen Haltung der Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit aller Geschöpfe (...)" 43 Hans Gasper u.a. (Hrsg.): Lexikon der Sekten, Sondergruppen und Weltanschau­ungen. Fakten, Hintergründe, Klärungen, Freiburg/Basel/Wien, 2. Aufl. 1990, S. 1127 44 Siehe Fernheilen, Bd. 2: Fallbeispiele, Forschungen, Erklärungen, Einwände , sowie Das Große Buch vom Geistigen Heilen , ib. Kap. IV. 45 s. Fernheilen, Bd. 2 , Kap. 12, S. 282 ff. 46 Mit dieser Form fundamentalistischen Eiferertums konfrontiert werde ich in unerbittlicher Regelmäßigkeit alle zwei Jahre, anlässlich der “Weltkongresse für Gei­sti­ges Heilen” im Rahmen der “Basler Psi-Tage”, die ich gemeinsam mit Schweizer Kolle­gen organisiere (siehe www.psi-tage.ch und www.psi-infos.de, Rubrik “Event”). Wann immer dort der Themenkreis “Geistiges Heilen/Kirche/religiöser Glaube” auf dem Programm steht, fahren gewisse Kirchenkreise reaktionsschnell schwerstes Ge­schütz auf. Einen Eindruck davon vermittelte z.B. der Kirchenbote, in acht Schweizer Kan­tonen das ofizielle Organ der Evangelisch-reformierten Kirche, im November 2003 auf seiner Leserbriefseite; mehrere Verfasser verstiegen sich dort unter der redak­­tionellen, gleichwohl mit der Grammatik auf Kriegsfuß stehenden Überschrift “Psi und Christentum ist unvereinbar” zu dem Vorwurf: Bei unserem Kongress werde aus “dubiosen Quellen heidnischer Götter geschöpft” und Praktiken eine Büh­ne verschafft, die zweifelsohne eine “von Satan autorisierte Quacksalberei” darstellen. Mehrere Pfarrer und Theologen, die bei unserer Veranstaltung referierten, muss­ten sich vorhalten lassen, sich “jedem Zeitgeist gleichförmig anzupassen”, womit sie ihren Glauben “zu einer verschmutzten und kraftlosen Quelle” machen. 47 Den Hinweis auf diese Bibelstelle verdanke ich Prof. Walter J. Hollenweger, siehe sein Beitrag in dieser Anthologie. 48 So äußert sich Prof. Manfred Josuttis in seinem Essay über "Esoterik in pastoraltheologischer Sicht". 49 Der österreichische Schriftsteller und Physiker Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) schrieb dies einst über das Frankreich der Revolution von 1789. 50 Nach Focus 16/2004, S. 131 51 Nach einer vom Nachrichtenmagazin Focus in Auftrag gegebenen Repräsen­tativ­umfrage unter 1002 Bundesbürgern Anfang 2004, zit. in Focus 16/2004. 52 Nach einer Emnid-Umfrage im Sommer 1992, veröffentlicht in Der Spiegel 25/ 1992, S. 36-57 53 Nach Die Zeit Nr. 1/22.12.2003, S. 34 54 Zit. nach Der Spiegel 25/1992, S. 44 55 Zit. nach Focus 16/2004, S. 131 56 s. H. Wiesendanger: Fernheilen, Band 1 , Kap. "Das Ausmaß des Elends" 57 Siehe H. Wiesendanger: Geistheiler - Der Ratgeber , a.a.O., Kap. 9: "Wie sich Geist anfühlt", S. 77-82 58 Zit. in H. Wiesendanger (Hg.): Wiedergeburt - Herausforderung für das westliche Denken , Frankfurt/Main 1991, S. 11 59 Rührt der beträchtliche Zulauf, den die "Charismatische Erneuerung" erlebt, nicht vor allem von dem unguten Gefühl eines "schmerzlichen Abstands unserer gegen­­wärtigen Kirche von der des Neuen Testaments" her, wie es einer ihrer Spre­cher, der Geistliche Wolfram Kopfermann, auf den Punkt brachte? (In seinem Aufsatz "Charisma und Kirche", Erneuerung in Kirche und Gesellschaft 9/1981.) "Erwartung und Erfahrung von Krankenheilung durch Gebet", so beklagte er, "sind bei uns günstigenfalls Ausnahme, kaum Bestandteil normalen kirchlichen Lebens. Dabei wird doch das Klima von Gruppen und Gemeinden positiv verändert, wenn Offenheit für Gebetsheilung besteht! (...) Eine vom Neuen Testament ausgehende ‚Theologie der Hei­lung' entdeckt neue Perspektiven auch für Zweierbeziehungen, Familien, gesellschaftliche Zusammenhänge. Wo wir die urchristliche Geisterfahrung neu unter uns geschehen lassen, entdecken wir auch den ‚heilenden Christus' für unsere Gegen­wart." 60 Dem Handauflegen, Gebetsheilen und Besprechen widme ich jeweils ein Kapi­tel im Großen Buch vom Geistigen Heilen - Möglichkeiten, Grenzen, Gefahren , Lea Verlag: Schönbrunn, 4. Aufl. 2003, siehe S. 23 ff., 84 ff., 189 ff. 61 Siehe Fernheilen, Band 1: Die Vielfalt der Methoden , Kapitel über das Fern­heilen durch Gebet. 62 Am Beispiel des "geistigen" Fernbehandelns belege ich den bestürzenden Quali­tätsverlust in Fernheilen - Neue Hoffnung für chronisch Kranke , Lea Verlag: Schönbrunn 2004, Band 1: Die Vielfalt der Methoden. 63 Siehe Fernheilen , Band 1 , S. 117-139, Kapitel "Die Graduierten - Fern-Reiki nach Mikao Usui", sowie Das Große Buch vom Geistigen Heilen , a.a.O., S.43-49, Ab­schnitt "Reiki". 64 Siehe Fernheilen, Band 1 , S. 157-163, Kapitel "Die Einminütigen - ‚Spiri­tual Human Yoga' nach Meister Dang". 65 Siehe Fernheilen, Band 1 , S. 217-222, Kapitel "Die Philippi-nos - Bioenerge­tische Meditation nach Viktor Philippi". 66 Auswüchse und Hintergründe des Ausbildungs- und Diplomierungsbooms in der westlichen Heilerszene beleuchte ich in Geistheiler - Der Ratgeber , a.a.O., Kap. 31 ("Lieber zum ‚geprüften' Heiler?") und Kap. 34 ("Wem die Götter Flügel schenken - Inwieweit ist Geistiges Heilen erlernbar?") 67 Mit dem unrühmlichen Beitrag, den etliche Heilerverbände zum schleichenden Qualitätsverfall Geistigen Heilens und der Irreführung seiner Klientel leisten, ihren Beweggründen und Folgen setze ich mich auseinander in Geistheiler - Der Ratgeber , a.a.O., Kap. 32: "Vereinsmeier auf dem Vormarsch - Sind Verbandsmitglieder die besseren Heiler?", S. 261-268; siehe auch zwei Essays zu diesem Thema auf meinen Inter­netseiten www.psi-infos.de , Rubrik "Geistiges Heilen", Teil "Tipps und Warnungen" sowie im KLARTEXT "Heilen 'Heiler'? ". Dass ich dieser Fehlentwicklung selber, in bester Absicht, mit der Gründung einer Dachorganisation für Heilerverbände Vorschub geleistet habe, berührt mich im nachhinein aufs Peinlichste. (Siehe H. Wiesendanger (Hrsg.): Geistiges Heilen für eine neue Zeit - Vom "Wunderheilen" zur ganzheitlichen Medizin , München 1999, S. 381 ff.) 68 Siehe Geistheiler - Der Ratgeber , a.a.O., S. 249 ff. 69 In einem bahnbrechenden Urteil vom 2. März 2004 befreite das Bundesverfas­sungs­gericht in Karlsruhe, zum Entsetzen der Interessenvertretungen etablierter Heil­­berufe, geistig Heilende in Deutschland von dem Zwang, eine Heilpraktiker­prü­fung beim zuständigen Gesundheitsamt abzulegen. Seither bleiben Geistheiler unbehelligt, wenn sie ihr Tun als religiöses Ritual zur Anregung der Selbstheilungskräfte verstehen, keine Diagnosen stellen und ihre Klienten darauf hinweisen, dass Geisti­ges Heilen ärztliche Maßnahmen nicht ersetzen kann. (Siehe im Internet www.psi-infos.de, Rub­rik "News 1/2004".) Zweifel daran, ob die juristische Knebelung von Hei­lern mittels des "Heilpraktikergesetzes" (HPG) jemals mit verfassungsmäßig garan­­tierten Grund­rechten vereinbar war, hatte ich schon 1994 im Großen Buch vom Geisti­gen Heilen angemeldet (a.a.O., S. 305-319), ebenso wie 1999 in Geistiges Heilen für eine neue Zeit - Vom "Wunderheilen" zur ganzheitlichen Medizin , a.a.O., S. 309-347. 70 Siehe Geistiges Heilen in der ärztlichen Praxis - Damit die Humanmedizin humaner wird, Schönbrunn: Lea Verlag 2003, 4. erweiterte Aufl. 2004 71 Zum Forschungsstand s. Fernheilen, Band 2: Fallbeispiele, Forschungen, Erklärungen, Einwände , a.a.O., Band 2 sowie Das Große Buch vom Geistigen Heilen , a.a.O., Kap. “Im (Zerr-)Spiegel der Wissenschaft” 72 Siehe Geistiges Heilen in der ärztlichen Praxis , a.a.O., S. 37-41 (Vorwort)

  • Den Krebs einfach aushungern?

    Ein 64-Jähriger erfährt, dass in ihm ein besonders aggressiver, weit fortgeschrittener Prostatakrebs wuchert, mit Knochenmetastasen. Ärzte erklären seinen Fall für hoffnungslos. Aber er gibt nicht auf. Sechs Wochen lang fastet er strikt, danach stellt er seine Ernährung um und führt sich einen ausgeklügelten Mix von Nahrungsergänzungsmitteln zu. Und er überlebt. Inzwischen gilt er als vollständig geheilt – neun Jahre nach seiner Schreckensdiagnose. Nachahmenswert? Bis 2016 schien Guy Tenenbaum, ein französisch-amerikanischer Projektentwickler für Immobilien, einen Stammplatz auf der Sonnenseite des Lebens gepachtet zu haben. Nachdem er mit viel Geld in den Ruhestand ging, führte er ein sorgloses, glückliches Luxusleben in der Nähe von Miami, Florida. Seine Freizeit genoss er mit Vorliebe im Kreis guter Freunde in edlen Restaurants. Allerdings gingen seine Ernährungsgewohnheiten schließlich auf Kosten seiner Gesundheit: Tenenbaum wurde stark übergewichtig, entwickelte Bluthochdruck und Diabetes. Nach zwei Jahren zunehmender Schmerzen in den Rippen, die er vergeblich mit Tabletten zu betäuben versuchte, ließ er sich endlich gründlich durchchecken. Ein PSA-Test ergab einen alarmierend hohen Wert von 57. Sein Hausarzt schickte ihn sofort ins Krankenhaus, für eine Biopsie. Danach stand fest: Tenenbaum litt an Prostakrebs im Stadium 4, mit einen Gleason-Score von 9, dem aggressivsten Typ. Der Tumor hatte sich bereits auf sein Skelett ausgebreitet; in seinen Rippen wucherten sechs Metastasen, weitere saßen in Lymphknoten. „Mein Urologe sagte mir: ‚Okay, wir können nichts mehr tun – warum haben Sie so lange gewartet?‘” Von einem Onkologen hörte er: ‚Sie wissen, dass es zu spät ist. Sie werden bald sterben – in sechs Monaten, schätze ich.” Geschockt reiste Tenenbaum daraufhin nach Straßburg, seinem Geburtsort, um eine zweite Meinung einzuholen. Nach einer Computertomografie und weiteren Untersuchungen stellte ihm der Arzt seines Vertrauens die gleiche fatale Prognose : „Keine Chance – ich kann Ihnen nichts geben, weil Sie bereits so gut wie tot sind. Aber machen Sie sich keine Sorgen, wir haben ein gutes Medikament, um bis dahin Ihre Schmerzen zu dämpfen.“ Aufgeben? Kommt nicht in Frage. Das war´s also? Ans Aufgeben dachte Tenenbaum keinen Augenblick. “Am Tag nach meiner Rückkehr in die USA dachte ich: Das ist unmöglich, ich werde das nicht akzeptieren!” Er kam zu dem Schluss: Weil niemand ihn mehr rettet, muss er dies eben selbst in die Hand nehmen. Und das tat er mit enormer Wissbegier und Ausdauer. Eingehend recherchierte er in PubMed , einer kostenlosen Online-Datenbank für medizinische Fachliteratur, mit Zugang zu über 35 Millionen wissenschaftlichen Artikeln. Er studierte die Arbeiten von Thomas Seyfried (1),  er befasste sich mit den Forschungen von Otto Warburg (2) und Wilhelm Brünings (3). Aus der Lektüre schloss er: Krebs ist in erster Linie eine Stoffwechselerkrankung – und deshalb durch Ernährungsweisen beeinflussbar. Schließlich stieß Tenenbaum auf das Phänomen der Autophagie : einen natürlichen Recycling- und Reinigungsprozess in unserem Körper, bei dem Zellen ihre eigenen beschädigten Bestandteile abbauen. Dessen grundlegende Mechanismen hatte der japanische Wissenschaftler Yoshinori Ohsumi entdeckt, wofür er 2016 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet worden war. Viele Studien bauten seither auf Ohsumis Grundlagenarbeit auf,  wandten sie auf Krebs an und wiesen nach: Die Autophagie wird durch Fasten aktiviert und kann Tumore bekämpfen helfen. Sechs Wochen lang nur Wasser Dieses Wissen setzte Guy Tenenbaum in die Praxis um. Ab dem 19. Januar 2019 nahm der damals 67-Jährige 42 Tage lang nichts außer Wasser zu sich. 25 Kilo verlor er dabei. Seither fastet er beharrlich weiter, wenn auch nicht ständig: mal 48 Fastenstunden pro Woche, mal 72 Fastenstunden pro Monat, mal 7 Fastentage am Stück alle zwei Monate, oder mit einem Mini-Essfenster von bloß einer Stunde pro Tag. In Fastenphasen führt er sich weiterhin reichlich Wasser zu, Grün- und Kräutertee, ausreichend Elektrolyte, wie auch Salz – anderthalb Teelöffel Himalaya-Salz pro Tag -, Spurenelemente; Vitamin C, B-Komplex, D, E, K2; und Omega-3. In der übrigen Zeit ernährt er sich vorwiegend ketogen , also kohlenhydratarm und fettreich. Dies versetzt den Körper in den Stoffwechselzustand der Ketose , in dem er seine Energie überwiegend aus Fetten statt aus Kohlenhydraten bezieht. Krebszellen wird dabei ihre Lieblingsenergie entzogen: Zucker. Diesen Prozess unterstützen zwei metabolische Supplemente, auf die Tenenbaum schwört: -  Alpha-Liponsäure (ALA): 1,8–4,0 g/Tag, langsam über etwa drei Wochen aufdosiert. ALA Sie schützt vor schädlichen freien Radikalen und hilft den Zellkraftwerken – Mitochondrien -, besser zu arbeiten. -   Hydroxyzitrat (HCA) aus Garcinia cambogia: 1,2–3,0 g/Tag, ebenfalls einschleichend. HCA blockiert ein Enzym, das der Körper braucht, um Zucker in Fett umzuwandeln – ein Prozess, den viele Krebszellen lieben, da sie ständig neue Bausteine brauche, um weiterzuwuchern. HCA kann diesen „Nachschubweg“ stören und so das Tumorwachstum bremsen. Darüber hinaus schwört Tenenbaum auf einen ganzen Cocktail von weiteren Nahrungsergänzungsmitteln, die nach seiner Überzeugung Mitochondrien schützen, Entzündungen dämpfen und das Immunsystem unterstützen: -   Rotalgen: 8 g/Tag: eine blaugrüne Mikroalge, reich an Eiweiß, Eisen, Vitamin B12, Omega-3-Fettsäuren, Chlorophyll und Antioxidantien, die antiviral und entzündungshemmend wirken. -   Spirulina: 10–14 g/Tag: ein blaugrünes Cyanobakterium, reich an Eiweiß, Eisen, Vitamin B12, Chlorophyll und Antioxidantien. Sie stärkt das Immunsystem und hilft beim Entgiften. -   Schwarzkümmelöl ( Nigella sativa ): 500 mg, 2×/Tag. -   Knoblauch/Allicin: 500 mg, 4×/Tag, alternativ viel frischer/fermentierter Knoblauch. -   Grüner Tee / EGCG als zusätzliche Glutamin-Hemmer. Zusätzlich setzt Tenenbaum auf Brokkolisprossen, Curcumin, Ingwer und Quercetin, einen sekundären  Pflanzenstoff, der in vielen Obst- und Gemüsesorten vorkommt, bekannt für seine antioxidativen, entzündungshemmenden und zellschützenden Eigenschaften. “Machen Sie weiter so” Was brachte all dies? Eine vollständige Remission. Längst liegt Tenenbaums PSA-Wert konstant bei 0,1. Seit nunmehr neun Jahren ist er symptomfrei, Tumor samt Metastasen sind spurlos verschwunden, der Mann gilt als geheilt. “Mein Onkologe sagte mir immer wieder: 'Was auch immer Sie tun, machen Sie weiter so.'” Seinen Weg zum Überleben, ja zur vollständigen Genesung zeichnet der vorbildliche Selbstheiler nach in seinem 2023 erschienenen Buch My Battle Against Cancer: Survivor Protocol . Geschrieben hat er es “vor allem mit dem Ziel, allen Kranken zu helfen und ihnen Hoffnung zu geben, die wie ich von der traditionellen Medizin ihrem traurigen Schicksal überlassen wurden.“ Sein YouTube-Kanal SurviveFromCancer , mit 370.000 Aufrufen und 16.000 Abonnenten, präsentiert rund 200 Videos. Sein Erfolgsrezept bringt Tenenbaum auf den Punkt : “Ich habe den Krebs besiegt, als ich verstanden habe, dass es sich um eine Stoffwechselerkrankung handelt und ich ihn durch Hungern bekämpfen kann.” Warnung vor blindem Nacheifern Gleichwohl ist Tenenbaums Erfolgsgeschichte ein Einzelfall, vor voreiligen Verallgemeinerungen sollten sich andere Krebsbetroffene hüten. Jeder Tumor ist anders. Art, Genetik, Stadium, Wachstumstempo – was seinen speziellen Krebs bremste, kann bei einem anderen Tumor wirkungslos sein. Und jeder Körper ist anders: Alter, Gewicht, Organschäden, Arzneimittel entscheiden mit über den Behandlungsverlauf. Kein Stoffwechsel, kein Immunsystem gleicht exakt dem anderen. Was dem einen bekommt, verträgt der andere nicht. Was dem einen durchschlagend hilft, bringt dem anderen womöglich wenig bis nichts. Die von Tenenbaum gewählten Dosierungen sind hoch, könnten untereinander und mit gleichzeitig eingenommenen Medikamenten wechselwirken. Klinische Evidenz ist begrenzt. Manchen Kranken beschert eine strenge Fastenkur erhebliche, gut dokumentierte Probleme. In einer Studie mit 652 Patienten – darunter auch Krebsbetroffenen -,  die medizinisch betreut wasserfasteten, kam es bei 27,6 % zu schweren Nebenwirkungen. Häufig traten starke Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Kreislaufprobleme auf, bis hin zur Beinahe-Ohnmacht. Übersichtsarbeiten zum Fasten während einer Krebstherapie ergaben : Viele Betroffene vertragen Wasserfasten schlecht; sie entwickeln unter anderem Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Anämie und Schwäche. Strenges Fasten kann  bei robuster Konstitution gutgehen. Bei einem ohnehin geschwächten Organismus hingegen beschwört es womöglich gefährliche Komplikationen herauf, fördert Sarkopenie – einem weiteren Abbau von Muskelmasse – und schadet dem Immunsystem. Vor Blindlings-Experimenten auf eigene Faust, ohne fundiertes Wissen und ärztliche Begleitung, warnen Onkologen begeisterte Tenenbaum-Nachahmer deshalb aus gutem Grund. Klüger wäre es, präventiv zu fasten, in einem noch weitgehend gesunden Körper, dem ausgiebiges Hungern eher bekommt. Im Tierversuch senkt schon eine reduzierte Kalorienzufuhr – noch ohne Mangelernährung – die Tumorhäufigkeit um 20 bis 60 %. Bei Mäusen hemmt intermittierendes Fasten die Entstehung von Leber- und Darmkrebs deutlich. In zwei Humanstudien war eine lebenslang verringerte Kalorienaufnahme mit einem geringerem Brustkrebsrisiko verbunden. Unter 2.413 Frauen mit frühem Brustkrebs kam es bei denjenigen, die in einem Zeitfenster von mehr als 13 Stunden pro Tag nichts aßen, seltener zu einem Rückfall. Wie immer gilt: Vorsorgen erspart Sorgen. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1)   Der Forschungsschwerpunkt von Thomas N. Seyfried, eines US-amerikanischen Biologen und Professor für Biologie/Genetik/Biochemie am Boston College, liegt auf der Zell- und Stoffwechselbiologie, insbesondere der Lipid- und Mitochondrienbiochemie von Krebszellen. Seyfried sieht in Krebs vorrangig eine metabolische  Erkrankung sei, nicht primär eine genetische. Siehe sein Buch Cancer as a Metabolic Disease: On the Origin, Management and Prevention of Cancer (2012). (2)   Der deutsche Biochemiker, Mediziner und Physiologe Otto Heinrich Warburg (1883-1970) erhielt1931 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für seine Arbeiten zur Zellatmung. Er untersuchte unter anderem den Tumor-Metabolismus und formulierte die sogenannte „Warburg‑Effekt“-Hypothese: Tumorzellen erzeugen Energie vorrangig durch Fermentation (Glykolyse) anstatt oxidativ über die Mitochondrien. Siehe sein Buch Stoffwechsel der Tumoren (1930). (3)   Wilhelm Brünings, ein deutscher Mediziner, beschrieb bereits in den frühen 1940er Jahren eine sogenannte „Entzuckerungsmethode“: eine ketogene, d.h. extrem kohlenhydratarme Ernährung bei Tumorpatienten. Krebszellen könne man „verhungern lassen“, indem man ihnen den Zucker (Glukose) entzieht und so ihren Stoffwechsel angreift. Brünings Arbeiten gelten heute als historischer Vorläufer von Stoffwechseltherapien in der Onkologie. Siehe Rainer J. Klement: “Wilhelm Brünings' forgotten contribution to the metabolic treatment of cancer utilizing hypoglycemia and a very low carbohydrate (ketogenic) diet”, Journal of Traditional and Complementary Medicine  9 (3) Juli 2019, S. 192-200, https://doi.org/10.1016/j.jtcme.2018.06.002

  • Autismus durch Impfen? Kennedy lässt nachforschen

    Kennedy hält Wort: Auf Geheiß des neuen US-Gesundheitsministers startet eine großangelegte Studie darüber, ob Impfungen autistisch machen können – ein Zusammenhang, der jahrzehntelang als „längst widerlegt“ galt. Werden sich die Befürchtungen von Impfskeptikern bestätigen, sobald unabhängige Wissenschaftler ihnen nachgehen? 18 starke Argumente sprechen dafür. Wie Kennedy am 10. April in einer Kabinettsitzung ankündigte , startet die US-Regierung nun eine „massive Test- und Forschungsanstrengung“, um die Ursachen von Autismus zu ermitteln. Hunderte von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt seien daran beteiligt. Bereits bis September soll die Untersuchung abgeschlossen sein. Koordiniert wird sie von den National Institutes of Health  (NIH), der weltweit größten Einrichtung zur medizinischen Forschungsförderung – ausgestattet mit einem Jahresbudget von rund 50 Milliarden Dollar. Kurz vor Kennedys Ankündigung hatte Trump in einer Rede vor dem Kongress auf die Zunahme von Autismus bei Kindern hingewiesen. „Da stimmt etwas nicht“, sagte er. „Wir werden also herausfinden, was es ist, und es gibt niemand Besseren als Bobby.“ Dass Erklärungsbedarf besteht, steht außer Frage. Bis in die sechziger Jahre hinein war die Krankheit so gut wie unbekannt. Noch Anfang der Siebziger betraf sie in den USA erst eines von 10.000 Kindern, Ende der achtziger Jahre eines unter 2000. Als die US-Seuchenschutzbehörde CDC im Jahr 2000 damit begann, entsprechende Daten zu erheben, wurde bei 1 von 250 Kindern eine “Autismus-Spektrum-Störung” diagnostiziert. Bis 2021 stieg die Rate auf 1 von 44 ; bei 2,27 % der US-amerikanischen Achtjährigen lag Autismus vor. Eine Statistik von 2023 stellt fest: Schon 1 von 36 Achtjährigen, 2,8 %, sind betroffen. Allein rund um die Metropole New York haben die Diagnosen seit der Jahrtausendwende um 500 % zugenommen . Die allerneueste CDC-Statistik, veröffentlicht am 15. April, weist ein Verhältnis von 1 zu 31 aus – wobei einige Landesteile noch schlimmer betroffen sind. In Kalifornien erhält mittlerweile jeder achte Junge eine Autismus-Diagnose. Wird sich dieser haarsträubende Anstieg fortsetzen? Dann könnte die Autismusrate bis zum Jahr 2032  7 % überschreiten. Womöglich wird im Jahr 2060 jeder zehnte US-Amerikaner ein Autist sein. (1) Es droht ein Gesundheitsnotstand ohnegleichen, auch in finanzieller Hinsicht: Die Ausgaben für medizinische Versorgung, Betreuung und Folgekosten könnten bis 2060 auf 5,5 Billionen Dollar pro Jahr ansteigen, schlimmstenfalls auf 7 Billionen – jeweils pro Jahr  – allein in den USA, wie eine neue Studie vorrechnet. Wird die Katastrophe herbeigeimpft? Seit klar ist, dass Robert F. Kennedy Jr. die Macht seines neuen Amts nutzen wird, um dieser heiklen Frage nachzugehen, muss er Gegenwind in Orkanstärke aushalten. Mit kruden “Verschwörungstheorien” sorge er “für Entsetzen”, heißt es . “Längst entlarvt” seien angebliche Verbindungen zwischen Vakzinen und Autismus, glaubt die New York Times zu wissen. So gut wie alle Mainstream-Medien stimmen zu, von CNN  über das Time Magazine bis ABC News , Newsweek ,   USA Today und der Nachrichtenagentur AP . Das sieht Kennedy anders. „Die Studien, die sie durchgeführt haben, waren sehr, sehr begrenzt”, so bemängelte er in einem Interview mit dem Sender Fox News . “Sie haben etwa 17 Studien durchgeführt, und das Institute of Medicine , das zu den National Academies of Sciences gehört, hat festgestellt, dass 14 dieser Studien ungültig sind. Der größte Schwachpunkt dieser Studien ist, dass sie nie geimpfte und ungeimpfte Personen verglichen haben, was die einzige Möglichkeit ist, diese Feststellung zu treffen. Aber noch wichtiger ist, dass keiner der Impfstoffe, die Kindern in den ersten sechs Lebensmonaten verabreicht werden, jemals angemessen untersucht wurde.“ “Es geht um alles” Allerdings werde sich die Studie keineswegs ausschließlich auf Impfstoffe konzentrieren, so stellt Kennedy klar. „Es geht um alles - unser Lebensmittelsystem, unser Wasser, unsere Luft - wir werden herausfinden, was diese Epidemie auslöst. Wir wissen, dass es ein Umweltgift ist, das diese Katastrophe auslöst. Durch die Forschung am NIH werden wir eine Antwort auf diese Frage finden.“ Dass ein Sturm der Entrüstung über Kennedy hereinbricht, lässt ihn anscheinend kalt. Seine Wahl des Studienleiters  macht Hoffnung: Sie fiel nicht etwa auf ein berüchtigtes Pharma-Mietmaul, einen gekauften KOL - key opinion leader - von strenggläubigen Schulmedizinern. Taub für den Aufschrei “ schockierter Experten ”, entschied sich Kennedy für David Geier, Mitautor einer Reihe von Studien über Schäden durch thiomersalhaltige Vakzine – und als Impfskeptiker garantiert nicht mit der Arzneimittelindustrie verbandelt. (2) „Mein erster Gedanke war: Ist das ein Scherz?“, kommentierte der britische „Enthüllungsjournalist“ Brian Deer, der zweifelhaften Ruhm erlangte, indem er den impfkritischen Arzt Andrew Wakefield zur Strecke brachte. Geier habe „keine relevanten Qualifikationen. ... Er ist nicht qualifiziert, eine Meinung zu diesen Themen zu äußern. (…) Wenn man jemanden von der Straße holen wollte, der das Ergebnis liefert, das Kennedy gerne sehen würde, dann wäre das der richtige Mann.“ Was sagt es über eine Studie, wenn sie massivst diskreditiert wird, noch bevor sie begonnen hat? Dass Interessengruppen, die Rufmord multimedial steuern können, mächtig Schiss vor unangenehmen Resultaten haben. Der Epidemiologe Nicolas Hulscher kommentiert treffend: „Der so genannte 'Alarm' ist in Wirklichkeit Panik von Institutionen, die sich davor fürchten, was eine echte, unabhängige Untersuchung aufdecken könnte. Zum ersten Mal wird das Narrativ der Impfstoffsicherheit nicht mehr vollständig von Big Pharma kontrolliert - sie haben Angst, dass ihre falsche Religion der Impfideologie zusammenbricht.“ Was spricht dafür, dass die Studie am Ende Impfskeptiker bestätigen könnte - zum Entsetzen der Pharma-Mafia? Autismus durch Impfen? 18 starke Argumente sprechen dafür 1. Es stimmt keineswegs, dass “die Wissenschaft” den Zusammenhang längst widerlegt hat.  Die medizinische Fachliteratur umfasst über 214 Studien , die ihn bestätigen (3), und 164 Arbeiten , die keine Verbindung fanden. Von Konsens keine Spur. Gäbe es ihn – es wäre nicht Wissenschaft. "Um es klar zu sagen: Die Arbeit der Wissenschaft hat nichts mit einem Konsens zu tun“, betont der amerikanische Arzt, Schriftsteller und Filmproduzent Dr. Michael Crichton. „Konsens ist das Geschäft der Politik. In der Wissenschaft ist der Konsens irrelevant. Was zählt, sind reproduzierbare Ergebnisse. Die größten Wissenschaftler der Geschichte sind gerade deshalb so großartig, weil sie mit dem Konsens gebrochen haben." 2. Die wissenschaftliche Qualität der 164 Contra-Studien ist durchweg erbärmlich . Die meisten entstanden auf Geheiß staatlicher Stellen und/oder mit Industrieförderung, durchgeführt von Forschern, denen reichlich Geld von Pharmakonzernen zufloss. In vielen Fällen stellte sich heraus, dass sie missliebige Befunde im nachhinein zurechtbogen oder unter den Teppich kehrten. Sie weigerten sich, Rohdaten herauszurücken, ließen Anfragen unbeantwortet, schlugen Einladungen zu Diskussionen aus. Durchweg bestätigen sie den niederschmetternden Befund des Stanford-Statistikers John Ioannidis: „Die meisten veröffentlichen Forschungsergebnisse sind falsch.“ Mehrere Übersichtsarbeiten zerlegen gnadenlos die verharmlosenden Studien. (4) 3. Pro-Studien sind von vornherein glaubwürdiger, weil ihre Autoren nicht davon profitieren.  Im Gegenteil: Wer zu missliebigen Ergebnissen kommt und öffentlich zu ihnen steht, riskiert Rufmord, den Verlust von Forschungsgeldern, Ächtung durch Fachkollegen, das Ende seiner akademischen Laufbahn. Gegenüber dem Autor James Lyons-Weiler soll einer der weltweit führenden Autismusforscher, Dr. Richard Frye , vertraulich zugegeben haben: „Wir alle wissen, dass Autismus von Impfungen herrührt. Bloß darf das keiner von uns sagen.“ 4.       Ausgerechnet die CDC selbst stieß schon auf Tatsachen, die Impfskeptikern rechtgaben – und vertuschte sie.  Bei jeder Gelegenheit verweist sie auf die 2004 veröffentlichte Studie unter Leitung von Frank DeStefano, dem damaligen Direktor des CDC-Büros für Impfsicherheit. (5) Sie sollte herausfinden, ob ein Zusammenhang besteht zwischen dem Alter bei der ersten MMR-Impfung   (Masern-Mumps-Röteln) und der Diagnose Autismus  bei Kindern. Anhand des CDC-Impfregisters in Atlanta, Georgia, wurden 1.047 Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung (ASD) ermittelt; mit ihnen verglichen wurden 1.007 ungeimpfte Kontrollkinder. Geprüft wurde das Alter bei Erstimpfung mit MMR (vor 18, 24 und 36 Monaten). Das publizierte Ergebnis: Kein signifikanter Unterschied   im Alter der ersten MMR-Impfung zwischen Kindern mit und ohne Autismus - es gibt keine Hinweise, dass das Autismusrisiko wächst, je früher geimpft wird. Doch hierbei betrog die CDC massiv. Einer der Mitautoren, William Thompson, machte publik, dass sich in Wahrheit bei einer Untergruppe, nämlich afroamerikanischen Jungen, gegenteilige Befunde ergeben hatten. Diesen Verstoß gegen die Berufsethik gab Thompson in einer Pressemitteilung zu. Die CDC-Leitung hatte ihn angewiesen, alle Beweise zu vernichten. (6) Auszug aus einer Change.org -Petition im Jahr 2017. Sie forderte, dass Thompson vor dem Kongress aussagt – vergebens. 5.      Der stetige, explosionsartige Anstieg der Autismus-Fallkurve folgte auf zwei einschneidende Ereignisse.  Zum einen unterzeichnete Präsident Ronald Reagan   am 14. November 1986 den fatalen National Childhood Vaccine Injury Act (NCVIA), der Impfstoffhersteller weitgehend von der Produkthaftung befreite. (Anm.: Vorausgegangen war in den 1970er und 1980er Jahren eine Welle von Klagen gegen Impfstoffhersteller, insbesondere wegen Nebenwirkungen des DPT-Impfstoffs (gegen Diphtherie, Keuchhusten und Tetanus). Konfrontiert mit hohen Schadensersatzforderungen und teuren Gerichtsprozessen, drohten viele Pharmaunternehmen damit, aus der Impfstoffproduktion auszusteigen.) Von diesem Damoklesschwert erlöst, erkannten Pharmafirmen im Geschäft mit Vakzinen eine bombensichere Goldgrube. Zum zweiten wurden die Impfempfehlungen (“ Schedule ”) der CDC immer umfangreicher. Noch in den 1970-er Jahren bekamen amerikanische Kinder bloß 5 bis 7 Impfstoffe – gegen DTP (Diphtherie, Tetanus, Pertussis), Polio, Masern, Mumps und Röteln -, verteilt auf 10 bis 15 Dosen. Und heute? Rund 16 Impfstoffe gegen 17 Krankheiten, verabreicht in rund 70 Dosen, einschließlich Wiederholungen und Kombinationsimpfstoffe. In ihrem allerersten Lebensjahr erhielten amerikanische Kinder 1980 rund 6 bis 9 Impfdosen, im Jahr 2000 ca. 15 bis 18 – inzwischen sind es etwa 20 bis 26. Und diese "Piks"-Inflation soll medizinisch unbedenklich sein? 6. Alternative Erklärungen der explodierenden Fallzahlen sind unplausibel.  Veränderungen im Erbgut? Innerhalb von zwei, drei Jahrzehnten vermehren sich genetische Merkmale nicht exponentiell. Rührt der Autismus-Tsunami daher, dass und Eltern und Ärzte sensibler geworden sind, auf Anzeichen achten, eine verbesserte Diagnostik zum Einsatz kommt? Das spielt sicherlich mit, erklärt aber bei weitem nicht alle Merkwürdigkeiten. 7. Vergleich von Geimpften und Ungeimpften.  Wenn Impfstoffe keinen Autismus verursachen, dann müsste die Autismusrate bei Eltern, die ihr Kind ungeimpft ließen, identisch sein mit der Autismusrate bei Eltern, deren Kind beliebig oft geimpft wurde. In den USA trägt ein Kind, sobald es geimpft ist, jedoch ein 4,2-mal höheres Risiko, Autismus zu entwickeln, als ein ungeimpftes. (7) Eine weitere Studie fand 15 Autismusfälle unter 894 Patienten, bei denen der CDC-Impfplan befolgt wurde – und null  bei 561 Ungeimpften. (8) 16 Jahre ist es inzwischen her, dass eine Gesetzesvorlage im Repräsentantenhaus die National Institutes of Health  (NIH) - eine der wichtigsten und weltgrößten medizinischen Forschungsorganisationen, dem US-Gesundheitsministerium unterstellt – dazu aufforderte, endlich Geimpfte und Ungeimpfte zu vergleichen. Das Papier – HR 3069, eingebracht am 26. Juni 2009 - hat den Ausschuss nie verlassen. 8. Die Amischen.  Die Glaubensgemeinschaft der Amischen, von denen in den USA rund 400.000 leben – hauptsächlich in Pennsylvania, Ohio und Indiana -, lässt Kinder aus religiösen Gründen ungeimpft. "Ich habe bei den Amischen keinen einzigen Fall von Autismus gesehen", versichert Dr. Frank Noonan, ein Hausarzt in Lancaster County, Pennsylvania, der Tausende von Amischen behandelt hat. 9.      Der Dosis/Effekt-Zusammenhang.  Je häufiger Kinder geimpft werden, desto höher ist ihr Autismusrisiko - im Frühjahr 2025 bestätigt in einer Umfrage unter 12.000 betroffenen Eltern. 10.  Das Vorher/Nachher-Rätsel. Würden Impfungen keinerlei kausale Rolle spielen, dann träten Autismusssyptome nach  einem Impftermin nicht häufiger auf als vorher . So ist es aber nicht. Es gibt keinen einzigen Fall, in dem ein Kind vor  einem Impftermin "über Nacht autistisch" wurde. Hingegen berichten Abertausende von Eltern, dass ihr Kind innerhalb von 24 Stunden  nach einer Impfung Autismus-Symptome entwickelte . 11.  Das „Von heute auf morgen“-Rätsel.  Viele Eltern berichten, das Verhalten ihres Kindes habe sich nach der Impfung geradezu schlagartig verändert. (9) Wie kann ein Kind noch am Vortag noch völlig normal sein – und innerhalb weniger Stunden danach schwere Autismus-Symptome zeigen? Was, wenn nicht der „Piks“, könnte der Auslöser gewesen sein? Kein Umwelteinfluss, dem das Kind ansonsten ausgesetzt sein könnte, kommt dafür in Frage – er würde sich viel langsamer auswirken, wenn überhaupt. Der Kinderarzt Doug Hulstedt registrierte in seiner Praxis 44 Fälle von „plötzlich einsetzendem“ ( rapid onset ) Autismus. Ausnahmslos alle  44 traten innerhalb von 7 Tagen nach einer Impfung auf. 12.  Das Drillingsrätsel. In einem wohldokumentierten Fall, der McDowell-Familie , entwickelten Drillinge innerhalb weniger Stunden nach der Impfung Autismus. Wie ist das möglich? Ganz einfach: Sie erhielten alle am selben Tag, dem 25. Juni 2007 um 10 Uhr, beim selben Kinderarzt den gleichen Impfstoff, jenen gegen Pneumokokken. Damals waren sie 9 Monate und 4 Tage alt – kerrngesund, fröhlich, aufgeweckt, aktiv eines wie das andere. Nur zwei Stunden nach dem „Piks“ war Clair wie verwandelt, so als sei sie blind und taub; gegen 14 Uhr  folgte der erste Junge, Richie, abends schließlich auch Robbie. „Kein Kichern mehr, kein Lächeln mehr, kein Lallen mehr“, so beschrieb sie ein Reporter. „Alle ihre Reflexe haben aufgehört. Sie blinzelten nicht mehr, gähnten nicht mehr, niesten nicht mehr. Sie hielten nie wieder Händchen. Sie sahen einander nie mehr an.“ Ein konsultierter Genetiker bestätigte den verzweifelten Eltern, es sei völlig ausgeschlossen, dass diese Synchronizität erblich bedingt sei. 13.  Ländervergleich . In Vietnam war Autismus praktisch unbekannt. Dann führte die Regierung ein besonders striktes öffentliches Impfprogramm ein, mit hohen Durchimpfungsraten – und   der Autismus nahm Fahrt auf . Ein Zufall? Aus Japan kommen sogar noch erschütterndere Zahlen. Die jährliche Inzidenz von ASD bei Kindern, die 1987 geboren wurden, lag bei 20 von 10.000. Nach Einführung der MMR-Impfung im Jahr vervierfachte sie sich auf 85,9 von 10.000 für Kinder, die 1990 geboren wurden.   Weltweit zeigt sich: Je ausgiebiger ein Land impfen lässt, desto mehr Autismus handelt es sich ein. Deutet das nicht klar auf eine Kausalität hin? 14.  Vergleich von medizinischen Einrichtungen.  Arztpraxen und Kliniken, die Kinder seltener oder überhaupt nicht impfen, verzeichnen weniger bis gar keine Autismusfälle. Die Kinderärztin Dr. Elizabeth Mumper verringerte  die Autismushäufigkeit in ihrer Praxis um das 10-fache, indem sie die Anzahl verabreichter Impfungen einschränkte. Zu den wenigen Kinderkliniken in den USA, die auf Impfungen vollständig verzichten, zählt die Homefirst Medical Services in Chicago. "Wir haben etwa 30.000 oder 35.000 Kinder, die wir im Laufe der Jahre betreut haben“, berichtete ihr Gründer und Leiter, der Pädiater Mayer Eisenstein , „aber keinen einzigen  Fall von Autismus bei Kindern, die bei uns entbunden und nie geimpft wurden" – innerhalb  eines Zeitraums von 47 Jahren. 15.  Die VAERS-Beweise.  Aufschlussreiche Details sind dem Vaccine Adverse Event Reporting  System ( VAERS) zu entnehmen , dem von der CDC 1990 eingerichteten öffentlichen Meldesystem für Impfnebenwirkungen. Wenn verschiedene Impfstoffe zur gleichen Zeit und in der gleichen Anzahl verabreicht werden, dann sollten sie ungefähr gleich viele (oder wenige) VAERS-Autismusberichte auslösen. Das tun sie aber nicht. Die Melderaten hängen davon ab, welcher Impfstoff verabreicht wird. Das wäre unmöglich, wenn Impfstoffe keinen Autismus verursachen. Zudem hat sich herausgestellt, dass es bei einigen Impfstoffen um den 8. und 9. Tag zu einer ersten Spitze bei den Autismusmeldungen kommt; um den 15. bis 30. Tag herum häufen sie sich ein zweites Mal auffällig. Solche starken Schwankungen sind ein deutlicher Hinweis auf Kausalität:  Würde es sich bloß um einen Zufall handeln, dann gäbe es eine Spitze in der Nähe des Impfdatums, von da an würde die Kurve stetig abnehmen. Preisfrage: Bei welchen Impfstoffen treten diese Spitzen auf? Es sind dieselben, die Eltern am häufigsten als Ursache für Autismus nennen. 16.  Richterliches Urteil.  Dass Impfstoffe Autismus verursachen können, musste selbst der United States Court of Federal Claims  (“ Vaccine Court ”) einräumen: ein 1988 eingerichtetes Sondergericht, das sich ausschließlich mit Schadensersatzklagen von Impfopfern befasst. Zugunsten von Geschädigten entschied es in den aufsehenerregenden Fällen von Hannah Poling und Porter Bridges . Die Beweise waren erdrückend, niemand focht das Urteil jemals an, es wurde rechtskräftig. 17.  Impfungen können nachweislich zu dauerhaften Hirnschäden führen – warum nicht auch solche, die Autismus mit sich bringen?  Die bemerkenswerteste Studie, die diese Gefahr bestätigt, stammt aus dem Jahr 1998 – verfasst von CDC-Autoren. (10) Sie wurde nie in Frage gestellt, nie zurückgezogen und von über 90 Zeitungen zitiert: „Methoden . Die Krankenakten von Kindern, die die Einschlusskriterien erfüllten, weil sie zwischen 1970 und 1993 die erste Dosis dieser Impfstoffe erhalten hatten, und die innerhalb von 15 Tagen eine solche Enzephalopathie ohne erkennbare Ursache entwickelten, wurden identifiziert und analysiert. Ergebnisse . Insgesamt 48 Kinder im Alter von 10 bis 49 Monaten erfüllten die Einschlusskriterien, nachdem sie einen Masernimpfstoff - allein oder in Kombination - erhalten hatten. Acht Kinder starben, bei den übrigen kam es zu geistiger Regression und Retardierung, chronischen Krampfanfällen, motorischen und sensorischen Defiziten und Bewegungsstörungen. Das Auftreten von neurologischen Anzeichen oder Symptomen erfolgte mit einer nicht zufälligen, statistisch signifikanten Verteilung der Fälle an den Tagen 8 und 9. Nach der Verabreichung von monovalentem Mumps- oder Rötelnimpfstoff wurden keine Fälle festgestellt. Schlussfolgerungen . Diese Häufung deutet darauf hin, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen Masernimpfung und Enzephalopathie als seltene Komplikation der Masernimpfung bestehen könnte.“ Bis heute enthalten Vakzine Aluminium und Quecksilber, sei es als Wirkverstärker, als Konservierungsmittel oder als Verunreinigung aus dem Herstellungsprozess. Sie richten Gehirnschäden  an. Im Hirngewebe von Autisten stellte eine Studie einen konstant erhöhten Aluminiumgehalt fest. (11) Allein schon “der Aluminiumgehalt von Kinderimpfstoffen ist absurd hoch”, konstatiert Christopher Exley, Professor für Biochemie, in seinem Buch Imagine You Are an Aluminum Atom  (2020). 18.  Die Bradford/Hill-Kriterien für Kausalität sind weitgehend erfüllt . Korrelation beweist nicht Kausalität, so heißt es oft und zurecht. Dass B auf A folgt , bedeutet nicht, dass A es bewirkt . Das stimmt selbstverständlich – aber denkt Kennedy so simpel? Für die Hypothese „Impfen verursacht Autismus“ spricht, dass es die Bradford-Hill-Kriterien weitgehend erfüllt (12): neun Prinzipien, die in der medizinischen Forschung beurteilen helfen sollen, ob zwischen einem Risikofaktor (z. B. Rauchen) und einem beobachteten gesundheitlichen Effekt (z. B. Lungenkrebs) eine kausale Beziehung besteht. Ihren Namen haben sie von dem britischen Epidemiologen Austin Bradford Hill, der sie 1965 formulierte – in einem Essay, der bis heute zu den meistzitierten wissenschaftlichen Werken gehört. Hier seine Kriterien im Überblick: 1.      Stärke der Assoziation ( Strength ) : Je stärker der Zusammenhang, desto wahrscheinlicher ist er echt.  (Beispiel: Raucher bekommen viel häufiger Lungenkrebs als Nichtraucher.) 2.      Konsistenz ( Consistency ) : Viele Studien zeigen das Gleiche – in verschiedenen Ländern, Gruppen und Zeiten. (Egal ob in Deutschland, den USA oder Japan – überall zeigen Studien: Rauchen erhöht das Krebsrisiko.) 3.      Spezifität ( Specificity ) : Wenn ein Faktor hauptsächlich eine bestimmte Wirkung hat, spricht das für einen Zusammenhang. (Rauchen führt besonders oft zu Lungenkrebs, aber nicht in gleichem Maße zu allen möglichen sonstigen Krankheiten.) 4.      Zeitlicher Ablauf ( Temporality ) : Die Ursache geht der Wirkung voraus. (Wer mit dem Rauchen erst nach  einer Lungenkrebsdiagnose anfängt, kann dadurch nicht die Krankheit verursacht haben. Umgekehrt schon.) 5.      Dosis-Wirkungs-Beziehung (biologischer Gradient): Mehr von der Ursache = mehr vom Effekt. (Wer 30 Zigaretten täglich raucht, trägt ein viel höheres Krebsrisiko als jemand, der nur 5 raucht.) 6.      Plausibilität ( Plausibility ) : Der Zusammenhang  muss sinnvoll sein – er sollte zu vorhandenem biologischen oder medizinischen Wissen passen. (Tabakrauch enthält krebserregende Stoffe. Es ist also biologisch plausibel, dass er Krebs auslöst.) 7.      Kohärenz ( Coherence ) : Der Zusammenhang sollte zu dem passen, was man sonst noch über das Thema weiß. (Lungenkrebs war selten, bevor das Rauchen verbreitet war. Als immer mehr Leute rauchten, stiegen die Zahlen. Das passt zusammen, ist kohärent. 8.      Experimentelle Bestätigung : Kausale Zusammenhänge lassen sich idealerweise durch Experimente nachweisen, z.B. in Interventionsstudien. (In Ländern, wo viele Leute mit dem Rauchen aufhören, sinkt später die Krebsrate. Das zeigt: Nimmt man die Ursache weg, so verschwindet auch die Wirkung, zumindest teilweise.) 9.      Ähnlichkeit zu bekannten Zusammenhängen (Analogie). Wenn wir schon wissen, dass ein ähnlicher Stoff oder eine ähnliche Situation eine bestimmte Wirkung hat, liegt es nahe, dass das auch hier der Fall ist. (Wenn E-Zigaretten ebenfalls Nikotin enthalten – ebenso wie klassische Tabakprodukte -, so kann man durch Analogie schließen, dass auch sie abhängig machen können.) Bradford Hill verstand seine Kriterien nicht als starre Regeln, sondern als Orientierungshilfen. Um eine Kausalität anzunehmen, müssen nicht alle erfüllt sein - aber je mehr Kriterien zutreffen, desto wahrscheinlicher ist ein ursächlicher Zusammenhang. Wie könnten wissenschaftliche halbwegs gebildete Mitmenschen, denen an der Wahrheit liegt, über all diese Beweise hinweggehen? Wie konnten so viele kluge Forscher, so viele hochangesehene Institute sie seit Jahrzehnten ignorieren? Hier hat „evidenzbasierte“ Medizin ungeheuerlich versagt. Dafür fällt mir nur eine plausible Erklärung ein: Sie alle wurden dafür bezahlt, wegzusehen. (13) Mehr als eine Ursache – aber Impfen ist die ausschlaggebende Dass Autismus ausschließlich von Impfungen herrührt, hat Kennedy behauptet, und auch die CDC-Studie, die er nun durchführen lässt, wird keine kausale Einbahnstraße ergeben. Zweifellos spielen weitere Faktoren mit. Dazu zählen Umweltgifte wie Blei, Arsen und Kupfer, sogar in der Babynahrung, wie auch Phthalate, die häufig als Weichmacher in Polyvinylchlorid (PVC) und anderen Kunststoffen stecken, etwa in Bodenbelägen, Kinderspielzeug und Gummiprodukten. (14)   Auch hohe Luftverschmutzung (15) erhöht das Autismusrisiko – nachgewiesen etwa für eine vorgeburtliche Exposition gegenüber Ozon. (16)   Im Verdacht stehen ferner Arzneimittel. Wie mehrere Studien belegen, erhöhen werdende Mütter, wenn sie Paracetamol einnehmen, das Autismusrisiko ihres Nachwuchses um bis zu 214 % (17) - und noch mehr, wenn sie es Babies und Kleinkindern geben. Schwangere, die Antidepressiva einnehmen, verdoppeln damit das Autismusrisiko ihres ungeborenen Kinds, wie die Universität von Montreal bei Analyse der Daten von über 145.000 Frauen herausfand. (18) Selbst Medikamentenreste im Trinkwasser  sind in begründeten Verdacht geraten, Autismus zu fördern. Zahlreiche Studien deuten darauf hin, dass auch Pestizide eine erhebliche Rolle spielen. So untersuchten Forscher der Universität von Los Angeles fast 3000 ASD-Patienten, die zwischen 1998 und 2010 im kalifornischen Central Valley, einem landwirtschaftlich geprägten, 600 km langen Tal nördlich von San Francisco, zur Welt kamen; zum Vergleich bezogen sie 35.000 dort aufgewachsene Versuchspersonen ohne Autismus-Diagnose ein. Mit Hilfe von Kaliforniens Pestizideinsatz-Register analysierten die Wissenschaftler, welche Studienteilnehmer vor ihrer Geburt und während ihrer Kindheit mindestens einem von elf verbreiteten Pestiziden ausgesetzt waren. Bei dieser Gruppe kam eine um 10 % erhöhte Autismus-Wahrscheinlichkeit zum Vorschein. Hauptverdächtiger ist das allgegenwärtige Glyphosat , der Wirkstoff in Monsantos Unkrautvernichtungsmittel Roundup. Von Autismus sind Jungen viermal häufiger betroffen als Mädchen. Dieser “Gender Gap” ist ein Indiz dafür, dass genetische Faktoren mitentscheiden, wieviel Schaden Toxine anrichten. Ist ASD also “größtenteils genetisch bedingt ”? So argumentieren Verharmloser, die ablenken wollen. Ebensogut könnte man den Lungenkrebs von starken Rauchern hauptsächlich auf ein ungünstiges Erbgut zurückführen. Hätte die Genlotterie nämlich jeden Nikotinjunkie mit einem ebenso fabelhaften Immunsystem ausgestattet wie einst den legendären Kettenqualmer Helmut Schmidt: Käme Raucherkrebs dann nicht äußerst selten vor? Im übrigen, wie schon erwähnt: Erbgutveränderungen machen nicht innerhalb weniger Jahrzehnte massenhaft krank. „ Gene verursachen keine Epidemien “, stellt Kennedy klar. „Auch wenn eine genetische Anfälligkeit vorliegen kann, muss es auch ein Umweltgift geben.“ Wahrlich, 2025 wird ein besonders spannendes Forschungsjahr. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1)   Siehe https://www.publichealthpolicyjournal.com/_files/ugd/adf864_231644ca239249dc9ac579b5d332d872.pdf , S. 238. Näheres im KLARTEXT “ Dieser Tsunami wird Billionen kosten ” und “ Autismus-Seuche – Big Pharma frohlockt ”.  (2)   Siehe u.a. https://translationalneurodegeneration.biomedcentral.com/counter/pdf/10.1186/2047-9158-2-25.pdf ; Robert F. Kennedy Jr./Brian Hooker: Geimpft versus ungeimpft – Jetzt spricht die Wissenschaft , Rottenburg 2023, S. 67 ff. (3)   Hier die Liste zum Download: https://www.scribd.com/doc/220807175/214-Research-Papers-Supporting-the-Vaccine-Autism-Link  Eine kürzere Liste mit 30 Schlüsselarbeiten: https://healthimpactnews.com/2013/30-scientific-studies-showing-the-link-between-vaccines-and-autism/ . Darüber hinaus führen inzwischen 400 Arbeiten vor Augen, wie gefährlich die Impfstoffe im allgemeinen sind. Siehe Neil Z. Miller: Review of Critical Vaccine Studies: 400 Important Scientific Papers Summarized for Parents and Researchers . https://www.amazon.com/Millers-Review-Critical-Vaccine-Studies/dp/188121740X/ref=sr_1_1   (4)   Siehe z.B. SafeMinds:  „ Vaccines and Autism - What do Epidemiological Studies Really Tell Us? “; Jerry Hammond: " Why the Claim 'Vaccines Don't Cause Autism' Is Disinformation " . (5)   Frank DeStefano u.a.: „ Age at First Measles-Mumps-Rubella Vaccination in Children with Autism and School-Matched Control Subjects: A Population-Based Study in Metropolitan Atlanta “, Pediatrics 2004. (6)   Näheres über diesen Skandal in Kennedy/Hooker:  Geimpft versus ungeimpft , a.a.O., S. S. 81 ff. (7)   Anthony Mawson u.a.: „Pilot Comparative Study on the Health of Vaccinated and Unvaccinated 6- to 12-Year Old U.S. Children“, Journal of Translational Sciences 2017. (8)   James Lyons-Weiler/Paul Thomas: „ Relative Incidence of Office Visits and Cumulative Rates of Billed Diagnoses Along the Axis of Vaccination “ (2020), siehe auch https://nationalvanguard.org/2020/12/ten-year-study-unvaccinated-children-far-healthier-than-their-vaccinated-peers/ Warum diese Studie mittlerweile zurückgezogen werden musste, versteht nur, wer um die lukrative Pharmanähe medizinischer Fachzeitschriften weiß. (9)   Siehe diesen Tweet für eine Diskussion des Phänomens. (10)  Robert E. Weibel/Vito Caserta/David E. Benor/Geoffrey Evans: „Acute Encephalopathy Followed by Permanent Brain Injury or Death Associated With Further Attenuated Measles Vaccines: A Review of Claims Submitted to the National Vaccine Injury Compensation Program“, Pediatrics  (1998) 101 (3): 383–387, https://doi.org/10.1542/peds.101.3.383 ,   https://publications.aap.org/pediatrics/article-abstract/101/3/383/61917/Acute-Encephalopathy-Followed-by-Permanent-Brain?redirectedFrom=fulltexthttps://publications.aap.org/pediatrics/article/101/3/383/61917/Acute-Encephalopathy-Followed-by-Permanent-Brain (11) Siehe den tragischen Fall von Sawyer im KLARTEXT “ Damit sein Tod nicht sinnlos war ”. (12) Austin Bradford Hill: „The Environment and Disease: Association or Causation?“, Proceedings of the Royal Society of Medicine 58 (5) 1965, S. 295–300, PMC 1898525   (13) Näheres in Harald Wiesendanger: Das GesundheitsUNwesen - Wie wir es durchschauen, überleben und verwandeln  (2019). (14) Malin Larsson u.a.: “Associations between indoor environmental factors and parental-reported autistic spectrum disorders in children 6–8 years of age”, NeuroToxikology  30 (5) September 2009, S. 822–831, https://translate.google.com/website?sl=en&tl=de&hl=en&u=https://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/eutils/elink.fcgi?dbfrom%3Dpubmed%26retmode%3Dref%26cmd%3Dprlinks%26id%3D19822263 (15)  https://www-naturalnews-com.translate.goog/2019-05-06-studies-determine-link-between-air-pollution-autism-risk.html?_x_tr_sl=en&_x_tr_tl=de&_x_tr_hl=en  ; https://www-naturalnews-com.translate.goog/019470_Autism_air_pollution.html?_x_tr_sl=en&_x_tr_tl=de&_x_tr_hl=en (16)  Umweltgesundheitsperspektive 121 (3) März 2013, S. 380-386. doi: 10.1289/ehp.1205827. Epub 18. Dezember 2012, https://pubmed-ncbi-nlm-nih-gov.translate.goog/23249813/   (17) JAMA Psychiatry 30. Oktober 2019 DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2019.3259, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31664451/ (18)  https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2016/daz-4-2016/autismus-durch-antidepressiva ; https://www.zentrum-der-gesundheit.de/krankheiten/weitere-erkrankungen/autismus-uebersicht/autismus-antidepressiva

  • Wenn dich der Schlag trifft

    Plötzlich schwerstbehindert: Ein Schlaganfall kann schreckliche Folgen haben, die oft unumkehrbar fortbestehen. Schlimmstenfalls tötet er. Ihm vorzubeugen, zählt zu den besten Gründen für eine gesunde Lebensweise, wie die Stiftung AUSWEGE sie jedermann ans Herz legt. Erhöht eine Covid-19-„Impfung“ das Risiko? Gerade eben hast du noch im Supermarkt den Einkaufswagen gefüllt, den Rasen gemäht, in fröhlicher Runde beisammen gesessen, etwas Leckeres gekocht oder vor dem Fernseher gefaulenzt. Schlagartig wird dir schwindlig und übel, du erbrichst. Du bekommst höllische Kopfschmerzen. Du spürst eine Körperhälfte nicht mehr. Kannst einen Arm, eine Hand, ein Bein nicht mehr bewegen. Ein Mundwinkel hängt. Du siehst Doppelbilder, die Hälfte deines Gesichtsfelds fällt aus. Du sprichst verwaschen und abgehackt, du lallst, du betonst seltsam, kannst bestimmte Laute nicht mehr bilden. Dein Gedächtnis ist gestört. Womöglich wirst du bewusstlos, fällst gar ins Koma. So macht sich ein Schlaganfall zumeist bemerkbar – fast immer ohne Vorwarnung, wie aus heiterem Himmel. Manchmal treten nur ein paar der genannten Symptome auf, ganz selten überhaupt keine, oft aber alle zugleich. Im günstigsten Fall ist der Spuk nach ein paar Stunden vorbei, gelegentlich sogar schon binnen Minuten. Häufig aber bestehen die beängstigenden Einschränkungen monatelang fort, in jedem dritten Fall für immer, trotz intensiver Reha. Dann bleibst du womöglich für dein restliches Leben an den Rollstuhl gefesselt, gelähmt, inkontinent und blind; arbeitsunfähig, hilflos, ständig auf Pflege angewiesen; deiner Bewegungsfreiheit ebenso beraubt wie deiner Würde; mit zerstörten Zukunftsträumen, niedergeschlagen, voller Angst, oft zutiefst depressiv, zunehmend dement. Und stets schwebt über dir das Damoklesschwert des nächsten, womöglich noch schlimmeren Hirnschlags. Vorausgesetzt, er bringt dich nicht gleich um. In knapp jedem fünften Fall tut er das bei seinen überrumpelten Opfern innerhalb des ersten Jahres, bei jedem zehnten im ersten Vierteljahr, bei sieben Prozent schon im ersten Monat. (1) Monströse Gefahr Das gewaltige Ausmaß der Gefahr, von Gesunden vorzugsweise verdrängt, soll alljährlich der 29. Oktober, der Internationale Tag des Schlaganfalls, ins öffentliche Bewusstsein rücken, wenigstens für einen kurzen Moment. Allein in Deutschland erwischt es jährlich rund 270.000 Menschen – 200.000 erstmals, 70.000 erneut. (2) 2,5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung haben schon mindestens einen Schlaganfall erlitten – immerhin jeder Vierzigste. (3) Noch ist jeder zweite Betroffene über 75 Jahre alt – in dieser Altersgruppe hat es bereits über sechs Prozent erwischt; doch immer häufiger trifft es Jüngere . Mindestens jeder Fünfte wird dadurch langfristig – fünf Jahre und mehr – derart beeinträchtigt, dass er im Alltag Unterstützung benötigt. (5) Damit ist der Schlaganfall die häufigste Ursache für Behinderungen im Erwachsenenalter. (3) Weltweit sind Schlaganfälle die zweithäufigste Todesursache, die dritthäufigste Ursache für Behinderung und eine der häufigsten Ursachen für Demenz. In den vergangenen drei Jahrzehnten ist die Zahl der Betroffenen um rund 70 % auf über hundert Millionen gestiegen, die Zahl Schlaganfall-bedingter Todesfälle wuchs um 43 % auf annähernd sechs Millionen. (6) Die weiteren Aussichten sind verheerend: Im Jahr 2050, so prognostizieren Experten, werden Schlaganfälle rund zehn Millionen Menschen umbringen und 190 Millionen zu Behinderten machen. (7) Der Schaden? Demnächst mehr als 2000 Milliarden Dollar. Dabei entsteht ein schwindelerregender volkswirtschaftlicher Schaden – 17 Milliarden Euro pro Jahr allein in Deutschland . Weltweit beliefen sich die geschätzten Kosten – direkt durch Behandlung und Rehabilitation, indirekt durch Produktivitätsverlust – im Jahr 2017 auf über 891 Milliarden US-Dollar, allenfalls zur Freude von Reha-Klinikbetreibern und Herstellern von medizinischen Hilfsmitteln. Bis 2050 dürfte dieser Betrag auf schwindelerregende 2,31 Billionen US-Dollar pro Jahr steigen. Weit über 2000 Milliarden Dollar: Könnten WHO und nationale Gesundheitsbehörden damit nicht ein fabelhaftes, zweifellos nobelpreiswürdiges Aktionsprogramm rund um den Globus aufziehen? Neun von zehn Schlaganfällen wären zu verhindern, wenn eine gesundheitlich aufgeklärte, zur Vorsorge motivierte Bevölkerung ein paar bekannte Risikofaktoren meiden würde. Dazu müsste sie verstehen, wie es überhaupt zu einem Schlaganfall kommen kann. Hauptsächlich tritt er in zwei Formen auf: - Den Hirninfarkt – auch ischämischer Schlaganfall – verursacht ein Gefäßverschluss. Dafür kann ein Blutpfropf (Thrombus) sorgen, der sich beispielsweise im Herzen oder der Halsschlagader gebildet hat und sich von dort löst. Mit dem Blutstrom gelangt er in die Hirngefäße und verstopft sie. Oder eine fortgeschrittene Verkalkung verschließt Hals- oder Hirnarterien. - Bei der Hirnblutung – auch hämorrhagischer Schlaganfall – platzt im Gehirn ein Gefäß – meist durch hohen Blutdruck, krankhaft veränderte Gefäßwände oder Gefäßmissbildungen. Dort tritt daraufhin Blut aus und dringt in das umliegende Hirngewebe ein, manchmal auch in den mit Hirnwasser gefüllten Zwischenraum von Gehirn und weicher Hirnhaut. Ob verstopft oder geplatzt: In beiden Fällen sind die betroffenen Blutgefäße zumeist schon arteriosklerotisch vorgeschädigt, verhärtet und durch Ablagerungen verengt. Nach dem „Schlag“ werden dahinterliegende Hirnareale nicht mehr ausreichend durchblutet, mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Gehirnzellen sterben ab. Je nach ihrer Größe und Lage treten dann Störungen und Ausfälle verschiedener geistiger und körperlicher Funktionen auf. Wie verhindern? Das ist längst klar. Dieser neurologische Super-GAU ließe sich fast immer verhindern, wie auch einer Wiederholung vorbeugen - auf längst bekannte Weise. Allein ein Blutdruck im Normbereich verringert das Schlaganfall-Risiko um 60 %. (8) Auch gute Blutzuckerwerte senken es erheblich; Diabetiker tragen ein zwei- bis dreifach erhöhtes Schlaganfall-Risiko. Zur Prävention trägt darüber hinaus erheblich bei, körperlich aktiv zu sein, genügend Wasser zu trinken, von Tabak und Alkohol die Finger zu lassen, ständigen negativen Stress durch Angst und Sorgen, Zeit- und Leistungsdruck zu vermeiden. Zur verhängnisvollen Arteriosklerose, die über kurz oder lang die Blutgefäße verengt und verstopft, führt insbesondere ein gestörter Fettstoffwechsel , mit zuviel LDL-Cholesterin und Triglyzeriden im Blut. Ihn begünstigen Übergewicht, Bewegungsmangel und bestimmte Medikamente. Vor allem aber kommt es auf gesunde Ernährung an. Ausgewogen und vollwertig sollte sie sein, angelehnt an den mediterranen Stil. Pflanzliche Fette mindern die Gefahr, im Gegensatz zu tierischen, wie Studie der Daten von 117.000 Probanden aus einem 27-Jahres-Zeitraum ergab. (9) Auch ein hoher Konsum von Kochsalz erhöht das Risiko erheblich. (10) Hingegen schützt eine ausreichende Zufuhr von Kalium. (11) Besonders ergiebige Lieferanten dieses Mineralstoffs, der den Blutdruck senkt – während Natrium ihn erhöht -, sind Nüsse, Gemüse wie Grün- und Rosenkohl, Kartoffeln, Bananen, Trockenfrüchte, Vollkornprodukte. Kaffee-Junkies sollten berücksichtigen, dass Koffein Kalium aus dem Körper zieht; dies lässt sich aber durch die richtige Ernährung ausgleichen. Auch auf Vitamin D kommt es offenbar an. Mangelt es daran, wird ein Schlaganfall wahrscheinlicher, wie eine indische Studie 2017 ergeben hat. (12) Wer regelmäßig Tee trinkt, senkt einer chinesischen Studie zufolge ebenfalls sein Schlaganfall-Risiko - immerhin um 20 Prozent. Grüner Tee schützt demnach noch etwas wirksamer als schwarzer. (13) Weil solche statistischen Zusammenhänge voreilig zu Fehlschlüssen von Korrelation auf Kausalität verleiten können, sind sie allerdings mit Vorsicht zu genießen. Womöglich stellt sich auf dem Prüfstand empirischer Forschung heraus, dass Schlaganfall-Opfer signifikant häufiger Singles sind, einen Mercedes fahren, in Italien urlauben und einen Pudel halten. Heißt das, dass Vorsorgebewusste die Automarke wechseln, Reisepläne überdenken, den Pudel ins Tierheim bringen und, falls ledig, schleunigst heiraten sollten? Auch ohne weitere Evidenzbasierung abzuwarten, sind wir eher auf der sichereren Seite, wenn wir den längst bekannten Hauptrisikofaktor vermeiden: den in westlichen Industrieländern vorherrschenden Lebensstil, der am Fließband chronisch Kranke produziert. Wo bleibt eine präventive Gesundheitskultur? Das Beispiel Schlaganfall verdeutlicht Glanz und Elend der Schulmedizin. Einerseits gelingt es ihr, ein erhöhtes Risiko frühzeitig zu erkennen: durch Blutdruckmessung, im Blutbild, mittels Ultraschall – insbesondere der Halsschlagadern, um Verengungen aufzuspüren -, wie auch mit einem EKG, um festzustellen, ob ein Vorhofflimmern vorliegt. (Weil das Herz aufgrund der unregelmäßigen, zu schnellen Vorhofkontraktionen das Blut nicht mehr richtig herauspumpt, kann es sich im linken Vorhof ansammeln und ein Gerinnsel bilden, das dann womöglich weitertransportiert wird, bis es in einer Gehirnarterie stecken bleibt und einen Schlaganfall auslöst.) Das Ausmaß der angerichteten neurologischen Schäden vermag moderne Apparatemedizin dank CT und MRT präzise zu bestimmen. Betroffene können sich für jede Minute glücklich schätzen, die sie eher in die Obhut der Stroke Unit einer gut ausgestatteten Klinik gelangen. Und soweit Symptome bald nachlassen, haben sie dies vor allem bewährten Reha-Einrichtungen, Maßnahmen und Hilfsmitteln zu verdanken. Andererseits wären die allermeisten gar nicht erst in diese fürchterliche Notlage geraten, wenn sie in einer Gesundheitskultur aufgewachsen wären, die das eigenverantwortliche Gesundbleiben und Vorbeugen dem kostspieligen Überdiagnostizieren und Therapieren vorzieht. Mit gelegentlichen Appellen, Pressemeldungen und einem von gefühlt zehntausend Jahrestagen, zeitgleich mit dem „Welt-Psoriasis-Tag“ (ebenfalls am 29.10.) sowie irgendwo zwischen dem „Intersex Awareness Day“ (26.10.) und dem „Gedenktag für die Opfer politischer Gewalt“ (30.10.), ist es längst nicht getan. Wir bräuchten eine Medizin, die nicht erst stattfindet, nachdem Gesundheit verloren ging. Sie sollte darauf aus sein, diesen Verlust zu verhindern – ein Hauptanliegen meiner Stiftung Auswege . Die weiseste aller ärztlichen Gebührenordnungen entstand vor mindestens zweieinhalb Jahrtausenden. Gemäß dem ältesten Medizinlehrbuch der Welt, dem „Huangdi neijing“, erhielt in China ein Arzt seine volle Vergütung nur, solange alle Mitglieder der Sippe, die er zugewiesen bekam, gesund blieben. Erkrankte jemand, so wurde sein Honorar gekürzt, wenn nicht gestrichen. Würde dieser Typ Arzt bis heute vorherrschen: Zu wie vielen Schlaganfällen käme es wohl noch hierzulande? Und wie viel weniger hätte es insbesondere seit Ende 2020 gegeben? Schlaganfall herbei“gepikst“? Ein 21-jähriger Feuerwehrmann liegt drei Tage nach seiner zweiten Pfizer-mRNA-Spritze mit Gehirnschlag im Sterben. Vier Tage nach der zweiten Covid-„Impfung“ wird ein 23-Jähriger im Juli 2021 tot in der Badewanne gefunden. Zwei Tage nach der dritten Comirnaty-Injektion stirbt ein 17-jähriges Mädchen aus Wien an einem Aneurysma im Gehirn. Alle drei waren vorher anscheinend kerngesund. 1288 ähnliche Schicksale nach Covid-19-„Piks“ finden sich im Archiv des Portals impfopfer.info . Die breite Öffentlichkeit erfährt davon so gut wie nichts. Denn wie bestellt breiten die meisten Mainstream-Medien weiterhin den Mantel des Schweigens darüber aus: Ebenso wie Nervenschäden, Autoimmun-, Krebs- und Herzerkrankungen haben Schlaganfälle sprunghaft zugenommen, seit die Covid-19-„Impf“kampagne mit mRNA-Spritzen einsetzte. Selbst die US-Seuchenschutzbehörde CDC, ansonsten als berüchtigte Fake-News-Schleuder an vorderster Front der Verharmloser und Schadensleugner, sah sich im Januar 2023 genötigt, ein kleines bisschen Alarm zu schlagen: Sie meldeten eine auffällige Häufung von Schlaganfällen bei älteren US-Bürgern, nachdem sie „Comirnaty“ erhalten hatten, das Vakzin von Pfizer/BioNTech. Das Risiko war in den ersten drei Wochen nach dem „Piks“ um fast 50% erhöht. (14) Allerdings sei dieses „Sicherheitssignal“ dem VSD ( Vaccine Safety Datalink ), einem CDC-Projekt zur Überwachung von Impfnebenwirkungen, leider erst jetzt aufgefallen; erfreulicherweise zeige es sich jedoch weder im Vaccine Adverse Event Reporting System (VAERS), einem seit 1990 bestehenden Meldesystem mit mehreren hunderttausend Fallberichten, noch in den Datenbanken anderer Länder und denen von Pfizer-BioNTech - eine faustdicke Lüge . Schlechte Nachrichten für Covid-Geimpfte überbringt hingegen ein im Juni 2022 veröffentlichter Forschungsüberblick: Er bestätigt ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko. (15) Den Grund dafür sieht eine im November 2022 im Fachmagazin Nature erschienene britische Studie darin, dass die Vakzine bekannte Risikofaktoren für ischämische und hämorrhagische Schlaganfälle verstärken: Blutgerinnung, hoher Blutdruck und niedrige Thrombozytenzahlen - unter 150.000 pro pro Mikroliter (µl) liegt eine sogenannte “Thrombozytopenie” vor. Bei Covid-Geimpften treten sie häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. (16) Zwar konnten Daten aus England, den USA und Norwegen diese Befürchtung angeblich widerlegen (17), und auch die Weltgesundheitsorganisation beeilte sich, Entwarnung zu geben. (“ The best evidence is that there is no true association .”) Faktenchecker widerlegten die “Fake News” selbstverständlich umgehend. (18) Wie bestellt verbreiten Mainstream-Medien neuerdings sogar, das weitaus höhere Schlaganfall-Risiko gehe von einer SARS-CoV-2-Infektion aus (19) – und die Impfung schütze (!) davor. (20) Um die Statistik aufzuhübschen, werden Betroffene kurzerhand zu “Ungeimpften” erklärt, solange sie noch nicht die zweite Dosis erhalten haben; so lässt sich aussortieren, wen schon nach der ersten der Schlag trifft. Eine selten zitierte Studie aus Großbritannien unterstreicht, wie berechtigt die Sorge ist. Sie erfasste 29,1 Millionen Menschen über 16 Jahren, denen zwischen dem 1. Dezember 2020 und dem 24. April 2021 eine Covid-“Impf”dosis verabreicht worden war; 19,6 Millionen hatten das AstraZeneca-Vakzin erhalten, 9,5 jenes von Pfizer. Im darauffolgenden Monat mussten wegen Thromboembolien – Gefäßverschlüssen durch Blutgerinnsel, einer Hauptursache von Schlaganfällen - 112.711 ins Krankenhaus eingeliefert werden; 8404 verstarben. Bei 28.222 weiteren Geimpften war ein ischämischer Schlaganfall bereits eingetreten – 4204 überlebten ihn nicht. Wohlgemerkt: innerhalb der ersten vier Wochen . Und danach? Was Abertausende von Impfgeschädigten und Angehörigen, Pflegern und Ärzten in sozialen Medien berichten, bestätigt den Zusammenhang: Kaum mRNA-gespritzt, kam es massenhaft zu Hirnschlägen und Hirnblutungen, Thrombosen und Embolien. (21) Aber ist die Zahl der Todesfälle nach Schlaganfall denn nicht seit längerem leicht rückläufig? Selbst 2021 und 2022 waren es sogar etwas weniger als im ersten Coronajahr 2020. (22) Doch dieser Trend spricht eher dafür, dass Betroffene immer rascher und besser notfallversorgt werden – und deshalb immer öfter überleben. Die absoluten Fallzahlen hingegen - wie auch von Myo- und Perikarditis, von Herzinfarkten und -stillständen, von Thrombosen und Embolien aller Art – sind just seit Beginn der massenhaften „Jabs“ emporgeschnellt ; dabei trifft es immer mehr jüngere Menschen. Rettungseinsätze nehmen massiv zu, Notfallambulanzen sind überfüllt, Nachsorgeeinrichtungen ebenfalls. Bei der Berliner Feuerwehr stieg die Zahl der protokollierten Einsätze unter den Stichworten „Schlaganfall/Transitorisch Ischämische (TIA) Attacke“ im Jahr 2021 gegenüber den Durchschnittswerten aus den Jahren 2018/2019 um 27,4 Prozent auf insgesamt 13.096. „Derartige Steigerungsraten sind erklärungsbedürftig”, kommentiert ein Sprecher der Feuerwehrgemeinschaft. „Für das Jahr 2021 scheint aber offenbar ein weiterer unbekannter Faktor hinzugekommen zu sein, der den vormaligen Anstieg noch einmal wesentlich verstärkt.“ Zudem sei bei einem Vergleich der Altersgruppen auffällig, dass „die höchsten Steigerungsraten gerade in den Altersgruppen erfolgen, die gemeinhin nicht als vulnerable Gruppen im Hinblick auf die Covid-19-Erkrankung verstanden werden“. Unter Deutschlands rund 1100 Reha-Einrichtungen versorgen 269 auch Schlaganfall-Patienten. (23) Für Betroffene dort einen freien Nachsorgeplatz zu ergattern, ist ein Geduldsspiel, wie ein 67-jähriger Bekannter von mir erlebte, nachdem es ihn Mitte Oktober 2023 getroffen hatte. Während er auf der Intensivstation lag, fragte die Klinik telefonisch alle Reha-Einrichtungen in der näheren Umgebung ab, welche ihn denn aufnehmen könnte. Ausnahmslos alle waren rappelvoll. Erst über hundert Kilometer weiter nördlich fand sich für ihn schließlich noch ein freies Reha-Bett. Was dahintersteckt, bringen Wissenschaftler immer deutlicher zum Vorschein. Nach einer COVID-19-Impfung beginnen die Zellen, Unmengen von Spike-Proteinen zu produzieren. Diese können amyloidähnliche Substanzen bilden, die sich zu engen, fadenförmig verflochtenen Gebilden anordnen können, wie schwedische Forscher herausfanden. (24) Dadurch können Blutgerinnsel entstehen. (25) Darüber hinaus regt S1 – ein Teil des Spike-Proteins – die Produktion von Fibrin an. (26) Dieses wiederum ist resistent gegen die Fibrinolyse, die körpereigene Auflösung eines Blutgerinnsels. Auch auf diesem Weg bilden sich Mikroklumpen. Wehe, wenn sie ins Gehirn wandern. Besonders schwarz sieht Prof. Dr. Sucharit Bhakdi, Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie sowie ehemaliger Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Er befürchtet, dass ein Großteil, wenn nicht alle mRNA-“Gepiksten” eine mehr oder minder ausgeprägte Blutgerinnungsstörung entwickeln. Wie das? In den Muskel gespritzt, verbleiben die Vakzin-Genpäckchen keineswegs dort, wie Gesundheitsbehörden und Hersteller uns anfangs weismachten. Zunächst wandern die mRNA-Partikel in die Lymphknoten, anschließend gelangen sie in den Blutkreislauf, bis in die kleinsten Gefäße, einschließlich der Kapillaren im Gehirn. Vor allem dort, wo das Blut am langsamsten fließt, sammeln sie sich und werden von den Endothelzellen aufgenommen, die das Gefäßsystem gleich einer Wandtapete auskleiden. Diese beginnen nun, Spike-Proteine zu produzieren – und zusammen mit Abfallprodukten der Eiweißsynthese hinaus in den Blutkreislauf zu befördern. Sobald sie dort mit Thrombozyten, den weißen Blutkörperchen, in Kontakt kommen, wird die Blutgerinnung angeschaltet. Bhakdi zitiert zwei Ärzte, die das Blut all ihrer geimpften Patienten vor und nach der Spritze untersuchten. Eine Aktivierung der Blutgerinnung soll der eine bei jedem Dritten festgestellt haben, der andere sogar bei 100 Prozent. Ein Kerngesunder mag die herbeigespritzte Belastung schadlos überstehen – bei einem metabolischen Syndrom mit arteriosklerotisch vorgeschädigten Blutgefäßen hingegen könnte sie der sprichwörtlich letzte Tropfen sein, der ein randvolles Fass zum Überlaufen bringt. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen 1 Jona T. Stahmeyer u.a.: „The Frequency and Timing of Recurrent Stroke“, Deutsches Ärzteblatt Online, 2019, https://doi.org/10.3238/arztebl.2019.0711 2 Manio von Maravic: „Neurologische Notfälle“, in: Jörg Braun, Roland Preuss (Hrsg.): Klinikleitfaden Intensivmedizin. 9. Auflage München 2016, S. 311–356, dort S. 312–316 (Akute zerebrovaskuläre Erkrankungen). 3 Robert-Koch-Institut: Gesundheit in Deutschland. Gesundheitsberichterstattung des Bundes (2015), S. 1–129, doi: 10.17886/rkipubl-2015-003-2 4 M.A. Busch/Ronny Kuhnert: “12-Monats-Prävalenz von Schlaganfall oder chronischen Beschwerden infolge eines Schlaganfalls in Deutschland”, doi: 10.17886/RKI-GBE-2017-010 5 Ramon Luengo-Fernandez u.a.: “Population-Based Study of Disability and Institutionalization After Transient Ischemic Attack and Stroke”, Stroke 44.(10) 2013, S. 2854–61, doi: 10.1161/STROKEAHA.113.001584 6 https://www.medwiss.de/wp-content/uploads/pdfs/am-29-oktober-ist-welt-schlaganfalltag-immer-mehr-juengere-menschen-betroffen.pdf ; V. L. Feigin u.a.: „Global, regional, and national burden of stroke and its risk factors, 1990-2019: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2019“, Lancet Neurology 20 (10) Oktober 2021, S. 795-820 doi: 10.1016/S1474-4422(21)00252-0. 7 V. L. Feigin, M. O. Owolabi; World Stroke Organization–Lancet Neurology Commission Stroke Collaboration Group: “Pragmatic solutions to reduce the global burden of stroke: a World Stroke Organization-Lancet Neurology Commission”, Lancet Neurology, 6. Oktober 2023, S. 1474-4422, https://doi.org/10.1016/S1474-4422(23)00277-6 8 A. Kulshreshtha u.a.: “Life’s Simple 7 and Risk of Incident Stroke: The Reasons for Geographic and Racial Differences in Stroke Stud”, Stroke 44/2013, S. 1909–1914, doi:10.1161/STROKEAHA.111.000352 . 9 F. Wang u.a.: „Dietary Fat Intake and the Risk of Stroke: Results from Two Prospective Cohort Studies“ Abstract presented at American Heart Association’s Scientific Sessions 2021; November 13-15, 2021; virtual meeting; „Vegetable fat may decrease stroke risk, while animal fat increases it“, https://www.eurekalert.org/news-releases/933445 , abgerufen am 1.11.2023. 10 P. 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November 2021, https://doi.org/10.1371/journal.pmed.1003830 ; Xinyan Wang u.a.: „Tea consumption and the risk of atherosclerotic cardiovascular disease and all-cause mortality: The China-PAR project“, European Journal of Preventive Cardiology 27 (18), 1. Dezember 2020, S. 1956–1963, doi.org/10.1177/2047487319894685. 14 CDC & FDA identify preliminary COVID-19 vaccine safety signal for persons aged 65 years and older. Centers for Disease Control and Prevention. 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Impfopfer.info (aktuell 57.000 Mitglieder; s. auch das aufschlussreiche Archiv von Schadensfällen https://www.impfopfer.info/archive/impfopfer-archiv/gehirn/ ), Impfschäden Schweiz Coronaimpfung (26.000), Corona Impfschäden Deutschland (14.000), CovidVaccineVictims (89.000), CovidVaccineInjuries (57.000), CovidVaccVictims (3.100). 22 https://www.it.nrw/2019-starben-nrw-drei-prozent-weniger-menschen-durch-schlaganfaelle-als-ein-jahr-zuvor-17345 ; https://www.it.nrw/nrw-zwei-prozent-weniger-todesfaelle-durch-schlaganfall-im-jahr-2021-120767 23 Nach https://schlaganfallbegleitung.de/verzeichnis/ , abgerufen am 6.11.2023 24 Sofie Nyström/Per Hammarström: “Amyloidogenesis of SARS-CoV-2 Spike Protein”, Jiurnalof the American Chemical Society 144 (20) 17. Mai 2022, S. 8945-8950, doi.org/10.1021/jacs.2c03925 ] 25 Yi Zheng u.a.: “SARS-CoV-2 spike protein causes blood coagulation and thrombosis by competitive binding to heparan sulfate”, International Journal of Biological Macromolecules 193, Teil B, 15. Dezember 2021, S. 1124-1129, https://doi.org/10.1016%2Fj.ijbiomac.2021.10.112 26 Lize Grobbelaar u.a.: “SARS-CoV-2 spike protein S1 induces fibrin(ogen) resistant to fibrinolysis: implications for microclot formation in COVID-19”, Bioscience Reports 41 (8) 27. August 2021, doi.org/10.1042/BSR20210611 Titelbild: kjpargeter/Freepik

  • Der Grenzwert-Schwindel

    Angeblich sind Grenzwerte dazu da, uns zu schützen. In Wahrheit schützen sie eher Geschäftsinteressen: Sie wiegen uns in trügerischer Sicherheit, damit wir nicht nachfragen, uns keine Sorgen machen, nicht aufbegehren, den Konsum nicht verweigern. Somit dienen sie der Volksverdummung – vielfach in geradezu krimineller Absicht. Denn ein Staat, der Gefahren für Leib und Leben verharmlost („unterhalb der Schwelle X unbedenklich“), statt sie zu beseitigen, macht sich der Beihilfe zur Körperverletzung schuldig. Wer gesund bleiben will, muss den umfassenden, lobbygesteuerten Schwindel durchschauen. Anstatt uns vor mutmaßlichen Gefahren für unsere Gesundheit zu bewahren, drehen staatliche Stellen seit eh und je die Gebetsmühle. Stereotyp beruhigen sie uns mit Argumenten desselben Strickmusters: „Der von wissenschaftlichen Experten ermittelte Grenzwert für den Schadstoff X aus der Quelle Y wird nachweislich nicht überschritten – also besteht überhaupt kein Grund zur Sorge!“ Dazu sind auf nationaler und EU-Ebene Regelwerke erlassen worden, deren Komplexität jegliche Obergrenzen zu sprengen pflegt. Zulässige Höchstwerte festzulegen und ihre Einhaltung sicherzustellen, schreiben in Deutschland etwa die Trinkwasserverordnung, die Strahlenschutzverordnung, das Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch vor. Unterhalb dieser Werte gelten die Schadstoffe als harmlos. Das allgemeine Vertrauen auf diese Form von Verbraucher“schutz“ ist enorm, wie aufmerksame Blicke in die gefüllten Einkaufswägen von Supermarktkunden vor Augen führen. Eine Forsa-Umfrage vom August 2021 bestätigt die gesammelten Eindrücke. (1) So ist „Lebensmittelsicherheit“ für 88 % von Deutschlands Verbrauchern „sehr wichtig“, wenn sie Fleisch und Wurstwaren kaufen; 82 % betonen dies, wenn es um frisches Obst und Gemüse geht. Vier von Fünf erwarten, dass Grenzwerte für Rückstände von Schadstoffen eingehalten werden, wie beispielsweise beim Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung oder von Pflanzenschutzmitteln. Und 72 % haben großes Vertrauen, dass diese Erwartung vollauf erfüllt wird; bei 78 % hat sich dieses Sicherheitsgefühl sogar „in den letzten Jahren gefestigt“. Solche Zahlen belegen: Kein Volksverdummungsversuch ist dämlich genug, garantiert fehlzuschlagen. Der multimedialen Gehirnwäsche, die noch das monströseste Gesundheitsrisiko evidenzbasiert unter den Teppich kehrt, vermag sich nur eine kleine Bevölkerungsminderheit zu entziehen. 13 Argumente gegen trügerische Sicherheit • Grenzwerte beziehen sich immer nur auf eine einzelne, isoliert zugeführte Substanz . Der Mensch ist aber unentwegt einem Schadstoff gemisch ausgesetzt: einer unüberschaubaren Vielzahl an künstlichen Stoffen, die er laufend einatmet, oral oder über die Haut aufnimmt. Kein Grenzwert berücksichtigt ausreichend, wie sehr sich deren jeweilige Dosis aufaddieren, die negativen Folgen potenzieren können. • Kein Grenzwert trägt der Möglichkeit Rechnung, dass verschiedene Schadstoffe in unserem Körper miteinander wechselwirken , neue Verbindungen eingehen, sich in ihren negativen Effekten gegenseitig verstärken . „Es gibt gute Belege dafür, dass gemeinsame Effekte auftreten, selbst wenn jeder Bestandteil einer Kombination unterhalb von Konzentrationen vorliegt, bei denen beobachtbare Effekte auftreten“, warnte Andreas der Pharmakologe Andreas Kortenkamp von der University of London schon 2007 im Fachblatt Environmental Health Perspectives . (2) „Die Bewertung von Einzelstoffen verharmlost etliche Risiken“, räumt eine Mitarbeiterin des Umweltbundesamts ein: „Die Untersuchung möglicher Kombinationen ist eine unendliche Aufgabe.“ (3) • Ein und denselben Schadstoff verleiben wir uns unbemerkt aus den unterschiedlichsten Quellen ein. Beispiel Bisphenol A (BPA): Der allgegenwärtige Plastikgrundstoff fördert Diabetes und Stoffwechselstörungen, schwächt das Immunsystem, erhöht das Krebsrisiko, leitet eine vorzeitige Pubertät ein und kann unfruchtbar machen – denn er wirkt hormonell; als sogenannter „endokriner Disruptor“ löst er bei Kindern Entwicklungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten aus. Was nützt ein noch so strikter BPA-Grenzwert für Trinkflaschen aus Plastik, wenn wir BPA gleichzeitig über Verpackungen, Konservendosen, Milchtüten und Mikrowellengeschirr in uns aufnehmen, wie auch über Hautkontakte mit dem BPA-beschichteten Thermopapier von Kassenbons, Fahr- und Eintrittskarten? Was bringt ein Verbot des hochgiftigen Konservierungsmittels und Pestizids Ethoxyquin in der Obst-, Gemüse- und Fleischproduktion, wenn es weiterhin Fischfutter zugesetzt werden darf – und auf diesem Umweg am Ende doch auf unseren Tellern landet? (Siehe KLARTEXT „ Zuchtlachs: giftiges Junk Food ?“.) • Grenzwerte hängen vom Stand der Wissenschaft ab . Ihnen zugrunde liegen angeblich festgestellte „Wirkungsschwellen“: Welches ist die höchste unwirksame Dosis? Solange unklar ist, welche biologischen Prozesse eine Schadstoffexposition innerhalb welcher Zeiträume in Gang setzt, kann aber niemals Entwarnung gegeben werden. Weil sich Schäden oft erst Jahrzehnte nach der Exposition einstellen, beruhen „Wirkungsschwellen“ immer auf hochriskanten, weitgehend aus der Luft gegriffenen Vermutungen. Entsprechend absurd ist die gängige Kennzahl der „tolerierbaren täglichen Aufnahmemenge“ ( Tolerable Daily Intake , TDI): Der TDI-Wert gibt die Menge eines Stoffes an, die täglich „ über die gesamte Lebenszeit ohne erkennbares Gesundheitsrisiko “ aufgenommen werden kann. Wer weiß das denn im voraus mit der nötigen Sicherheit? Vermag außer einem Super-Nostradamus irgendwer vorauszusehen, welches Maß an Vergiftung sich nach mehreren Jahrzehnten als harmlos erwiesen haben wird? Beispiel Bisphenol A: Ab 2015 lag sein TDI innerhalb der Europäischen Union bei 4 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Zuvor hatten 50 Mikrogramm als hinnehmbar gegolten. Erst ein halbes Jahrzehnt später rang sich die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) dazu durch, mögliche gesundheitliche Risiken im Zusammenhang mit der Verwendung von Bisphenol A neu zu bewerten. Das Ergebnis veröffentlichte sie im Dezember 2021: Die neu abgeleitete „tolerierbare tägliche Aufnahmemenge“ betrug nun plötzlich 0,04 Nano gramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Das liegt rund 100.000-fach unter dem vorherigen gesundheitlichen Richtwert. So flexibel können „Toleranzen“ sein. Wer jenen vor 2015 vertraute, hat eben Pech gehabt. • Grenzwerte sind abhängig von Nachweismöglichkeiten. Oft fehlen aber noch geeignete Messtechniken – etwa für Mikroplastik und Nanopartikel im Trinkwasser. • Grenzwerte gehen vom gesunden Durchschnittsbürger in mittleren Jahren aus, mit intaktem Immunsystem und Stoffwechsel. Bezogen auf Kinder, Schwangere und Alte, Allergiker, besonders Schadstoffsensible (MCS) und chronisch Kranke sind sie viel zu hoch angesetzt. Auch einseitige Ernährung, Medikamentenkonsum oder berufsbedingt häufiger Kontakt mit den betreffenden oder anderen Giften sorgen für erhebliche Abweichungen vom Durchschnitt: Manche Menschen sind gewissen Schadstoffen weitaus häufiger, stärker, länger ausgesetzt als andere. Um solche Unterschiede zu berücksichtigen, werden Grenzwerte vorsichtshalber um einen „Sicherheitsfaktor“ erniedrigt. Weil aber niemand weiß, wie viel Schaden noch so kleine Mengen eines Gifts im Verbund mit unzähligen anderen, nicht berücksichtigten Stoffen auf die Dauer anrichten können, entspringt diese Rechengröße wohl eher einem Herumlesen im Kaffeesatz. • Grenzwerte folgen einem simplen Dosis-Effekt-Modell : Je mehr Schadstoff, desto größer die Wirkung. Oft haben geringere Mengen aber gefährlichere Folgen, etwa hormonelle Verunreinigungen. • Grenzwerte fördern, was sie eindämmen sollen: Für Verursacher bedeuten sie grünes Licht dafür, Schadstoffe freizusetzen – unterhalb des Limits. Krebserzeugende, erbgutverändernde und hormonell wirksame Stoffe können aber schon in kleinsten Mengen unumkehrbare Schäden anrichten. • Grenzwerte ergeben sich hauptsächlich aus Untersuchungen von Zellkulturen und Versuchstieren; doch solche Überprüfungen dauern viel zu kurz, um abschätzen zu können, was eine Exposition langfristig anrichtet. Ihre Übertragbarkeit auf den Menschen ist stets fraglich. „Bio-Monitorings“ der Körperfunktionen, Flüssigkeiten und Geweben von Versuchspersonen geben wenig Aufschluss über die vielfältigen Quellen ihrer Schadstoffbelastung. Auch noch so aufwändige „Morbiditäts- und Mortalitätsstudien“, auf die sich Experten berufen, besagen zuwenig. Wie soll sich irgendeine neu entwickelte Chemikalie, die zu Abertausenden schon freigesetzter Gifte hinzukommt, unverzüglich in Auffälligkeiten beim Krankenstand und der Todesursachenstatistik bemerkbar machen? Wegen dieser Ungewissheit werde in Grenzwerte vorsichtshalber ein großzügig bemessener Puffer eingebaut, so beruhigt man uns. Aus Tierversuchen oder epidemiologischen Daten ermitteln Wissenschaftler zunächst ein „ No Observed Adverse Effect Level “ (NOAEL): die Schwelle, unterhalb derer keine negativen Wirkungen festzustellen sind. Dieser Wert wird durch einen „Sicherheitsfaktor“ - meist 100 - dividiert, um die unterschiedlichen Empfindlichkeiten zwischen Mensch und Tier sowie zwischen Mitgliedern bestimmter Bevölkerungsgruppen zu berücksichtigen. Aber sind 100 genug? Im vergangenen Jahrzehnt sah sich die EU gezwungen, den Grenzwert für Bisphenol A schrittweise nicht etwa bloß um den Faktor 100 zu senken – sondern um ein Millionenfaches, wie oben erwähnt. • Ein Grenzwert ist kein objektives Faktum . Immer ergibt er sich aus Kompromissen zwischen unterschiedlichen Interessenvertretern, und diese Kompromisse sind in der Regel faul. Übermächtige Industrielobbies arbeiten seit eh und je erfolgreich darauf hin, dass Grenzwerte entweder überhaupt nicht oder verzögert und möglichst niedrig festgesetzt werden. „Wie Chemikalien den Menschen schädigen, hat ihre Produzenten nie besonders interessiert“, so beklagt der Kieler Toxikologe Prof. Dr. Ottmar Wassermann – „obwohl solche tiefgreifenden Schädigungen seit über 100 Jahren vorausgesagt wurden, seit über 30 Jahren bekannt waren und zahlenmäßig inzwischen exponentiell zugenommen haben.“ (4) Ob und welche Grenzwerte gelten, spiegelt folglich weniger den wissenschaftlichen Erkenntnisstand wieder als das Durchsetzungsvermögen gewisser Marktteilnehmer. „Die Entscheidung, ob eine Wirkung als kritisch eingestuft wird, hängt von den Prioritäten der Politik und der Bereitschaft der Gesellschaft ab, gewisse Risiken einzugehen“, so geben die Herausgeber einer Anthologie über „Risiko und Verantwortung in der modernen Gesellschaft“ zu bedenken. „Sie hängt auch davon ab, welchen Stellenwert wir gewissen Wirkungen einräumen. Ist es zum Beispiel wichtiger, dass Industriezweige ihre Gewinne maximieren unter einer gewissen Belastung der Umwelt, oder ist die Gesundheit und gesunde Ernährung der Bevölkerung wichtiger, mit dem Resultat, dass gewisse Technologien nicht wettbewerbsfähig sind?“ (5) Dass bei Grenzwerten Ökonomie vor Gesundheit geht, zeigt sich nirgendwo in obszönerer Ungeschminktheit als beim Thema hochfrequente Funkstrahlung. Von verkappten Lobbyvereinen festgelegt, sind sie letztlich dazu da, das Geschäftsmodell der Mobilfunkindustrie zu legitimieren. (6) • Finden lässt sich nur, wonach man sucht. Ein Großteil aller Schadstoffe fällt durchs Fahndungsraster , solange keiner nachforscht, wo sie überall drinstecken. Über Entdeckungen entscheiden oft Zufälle. Beispiel Wasserspielzeug, Schwimmringe und –flügel: Seit Jahrzehnten sind sie im Handel – und der Renner in Schwimmbädern, an Badeseen, am Strand. Doch erst im Jahre 2017 stellte das Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) in Freising fest: Drei von vier derartigen Produkten sind mit bedenklichen Mengen gefährlicher Lösungsmittel verunreinigt, selbst solche, die zuvor als „schadstoffgeprüft“ zertifiziert worden waren. Cyclohexanon verursacht Schwindel und Kopfschmerzen; Isophoron gilt als krebserregend; Phenol kann Schleimhäute, Haut und Augen reizen und verätzen; eingeatmet oder geschluckt, kann die Substanz Nieren, Blut, Nerven- und Herz-Kreislauf-System schädigen. Wie kam es überhaupt zu dieser Analyse? Einer Mitarbeiterin des Fraunhofer-Instituts war an Geburtstagsgeschenken für ihre Kinder – Plastiksachen zum Baden und Planschen – ein stechender Geruch aufgefallen. (7) • Was nützen die schärfsten Grenzwerte ohne ausreichende Kontrollen und Sanktionen ? • Mehrere tausend „Innovationen“ pro Jahr setzt die chemische Industrie in die Welt. Statistiken des europäischen Patentamts zufolge (8) ließ sie allein im Jahre 2012 nicht weniger als 5364 Pharmazeutika, 1434 Lebensmittelsubstanzen und 6002 organische Feinchemikalien patentieren. Wer kontrolliert, unabhängig und wissenschaftlich solide, jedes einzelne Tröpfchen dieser gewaltigen Flut auf medizinische Unbedenklichkeit – ganz zu schweigen von den Abertausenden von künstlichen Substanzen, die uns längst schon umgeben? In der Geschichte von Grenzwerten für Chemikalien sind Absenkungen die Regel. Je mehr man im Laufe von Jahren und Jahrzehnten über ihr Gefahrenpotential herausfindet, desto tiefer setzt man sie an. Legt dies nicht die Vermutung nahe, dass so gut wie alle gegenwärtig geltenden Grenzwerte zu hoch angesetzt sind – und die Sicherheit, in der sie uns wiegen, grundsätzlich trügerisch ist? Schließlich haben noch so viele Grenzwerte, allesamt notorisch „streng“, unsere schleichende Vergiftung mitnichten verhindert. Wie schutzlos sie uns tatsächlich lassen, kommt zuverlässig ans Licht, wann immer sich Forscher nachzuprüfen trauen. Schon im Blut Neugeborener wurden kürzlich 109 Industriechemikalien nachgewiesen , einige hiervon waren noch nie zuvor im Menschen gefunden worden. In 86 Prozent aller getesteten jungen Menschen fanden sich Perfluoroktansulfonsäure sowie Perfluoroktansäure, welche das Immunsystem schwächen und die Infektionsneigung erhöhen; die gemessenen Werte lagen weit oberhalb der vorsorglichen Gefahrenwerte. Im Blut sämtlicher untersuchter Minderjähriger schwimmen fortpflanzungsschädigende Weichmacher, die seit längerem „streng reguliert“ sind, perfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) – sie können zu Leberschäden, Schilddrüsenerkrankungen, Fettleibigkeit, Fruchtbarkeitsstörungen und Krebs führen - sowie zahlreiche gefährliche Mixturen von Industriechemikalien. „Im Körper kann man locker 300 Stoffe nachweisen“, räumt Marike Kolossa-Gehring vom Umweltbundesamt (UBA) ein. (9) Allein in der Muttermilch finden sich Hunderte solcher tickender Zeitbomben. Das Spektrum reicht von Bisphenol A über über das jüngst in Eiern nachgewiesene Biozid Fibronil bis hin zu Glyphosat, dem meistverkauften Pestizid der Welt. Wie fabelhaft uns bestehende Grenzwerte davor „schützen“, verdeutlicht besonders krass das Beispiel Glyphosat, von der WHO als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft: Nachdem die eingesetzte Menge seit Ende der neunziger Jahre um das 15-fache zunahm (10), haben inzwischen über 70 % der Bevölkerung, vom Säugling bis zum Greis, messbare Glyphosatkonzentrationen im Blut; von 1993 bis 2016 stiegen diese um 1208 %. (11) Wie lange bleiben die Gifte im Körper? Was richten sie auf längere Sicht darin an? Wie interagieren sie mit anderen einverleibten Toxinen? Darüber schweigen Grenzwertbürokraten – notgedrungen. Eine Mogelpackung namens REACH „Um ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und für die Umwelt sicherzustellen“, trat am 1. Juni 2007 EU-weit eine Chemikalien-Verordnung namens REACH in Kraft, ein Kürzel für „ R egistration, E valuation, A uthorisation and Restriction of Ch emicals“. Was bringt sie? Eine Registrierungspflicht, nach dem hehren Prinzip „ no data, no market “. Eine „Nachweis“pflicht: Hersteller müssen zumindest für besonders gefährliche Stoffe belegen, dass sie sich in den „vorgesehenen Verwendungen” nicht negativ auf Mensch und Umwelt auswirken. Und ein „Informationsrecht“ für Verbraucher: Hersteller müssen auf Anfragen hin binnen 45 Tagen Auskunft geben. Bei näherer Betrachtung erweist sich REACH freilich als dreiste Mogelpackung – „aus dem Löwen ist ein zahmes Kätzchen geworden“, wie eine Greenpeace-Sprecherin feststellt . 1. Registrierungsfarce. Gemeldet werden müssen lediglich Stoffname, Nummer, Name und Anschrift des Herstellers sowie von Kontaktpersonen. Die genaue chemische Zusammensetzung bleibt Betriebsgeheimnis. Polymere, die molekularen Bausteine aller Kunststoffe, müssen bisher überhaupt nicht registriert werden, es sei denn, sie sind als „gefährlich“ einzustufen, d.h. ihre Konzentration überschreitet bereits bestehende Grenzwerte. 2. Absurde „Bewertung“. Nach Abgabe der Registrierungsunterlagen findet in der Regel lediglich eine „Vollständigkeitsüberprüfung“ statt: Wurde die Gebühr bezahlt? Liegen alle Daten vor? 3. Keine unabhängige Untersuchung. Wie bei Arzneimitteln, so darf die Industrie auch bei neuen Chemikalien den Unbedenklichkeitsbeweis mit eigenen Studien führen; es findet keine unabhängige Qualitätsprüfung statt. Ebensogut könnte man der Mafia gestatten, die Unbedenklichkeit der Drogen, mit denen sie dealt, mittels gekaufter Gutachter zu belegen. 4. Großzügige Ausnahmen . Für „besonders gefährliche“ Stoffe (SVHC: „ substances of very high concern “ – kanzerogene, erbgut- und fortpflanzungsschädigende, toxische, hormonell wirksame – können Sondergenehmigungen beantragt werden. Bewilligt werden sie, (a) wenn die vom Stoff ausgehenden Risiken „ ausreichend beherrscht “ werden können; (b) wenn geeignete Alternativstoffe nicht verfügbar sind bzw. ihr Einsatz „wirtschaftlich und technisch nicht tragfähig“ wäre. Mit anderen Worten: Die Illusion der Kontrolle und ökonomisches Kalkül genügen, um ausgerechnet die bedrohlichsten Substanzen marktfähig zu machen. 5. Unbedenklichkeit bei Einhaltung von Grenzwerten . Aber, wie oben erwähnt: Bei hormonell wirksamen Chemikalien gilt der simple Grundsatz „Die Dosis macht das Gift“ nicht; kleine Mengen können mehr Schaden anrichten als größere. 6. Kein Substitutionszwang. „Es ist ein Skandal, dass Stoffe, die Fehlgeburten oder Entwicklungsstörungen bei Föten hervorrufen können, nicht ersetzt werden müssen“, bemängelt die REACH-Expertin der Initiative Women in Europe for a Common Future (WECF), Daniela Rosche. (12) 7. Befangene Kontrolleure. Die für die Risikobewertung zuständigen Behörden ECHA (Europäische Chemikalienagentur) und EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) sind berüchtigt industrienah, erweisen sich immer wieder als von Lobbyisten beherrscht. 8. Schneckentempo. Durchschnittlich zehn Jahre (!) dauert es, einen einzigen Stoff zu regulieren, wie die Verbraucherschutzinitiative EEB im Juli 2022 feststellte. https://eeb.org/library/the-need-for-speed-executive-summary/ So kam es, dass das fortpflanzungsschädliche Bisphenol A erst seit März 2018 offiziell auf der Kandidatenliste steht – obwohl längst bekannt war, welchen Schaden es anrichtet. 9. Absurde Informationspflicht. In den meisten Fällen darf sich die „Auskunft“ des Herstellers darauf beschränken, den Namen des Stoffs zu nennen und ein kostenloses „Sicherheitsdatenblatt“ zur Verfügung zu stellen. Und sie gilt nur für diejenigen Chemikalien, die auf der offiziellen Liste der Europäischen Union für besonders gefährliche Substanzen stehen, der sogenannten "Kandidatenliste": So eingestuft werden sie, wenn bereits erwiesen ist, dass sie Krebs verursachen, das Erbgut schädigen, die Fruchtbarkeit einschränken, den Fötus schädigen können, nicht im Körper abgebaut werden, sich dort über einen längeren Zeitraum ansammeln und/oder giftig sind; in das Hormonsystem eingreifen können. Bisher sind 205 Stoffe derart klassifiziert. Nach Ansicht der Umweltschutzorganisation BUND „ist das viel zu wenig, denn Schätzungen der Europäischen Union gehen davon aus, dass etwa 1.500 Chemikalien als besonders gefährlich eingestuft werden müssen. (…) Das Auskunftsrecht gilt für die meisten Alltagsprodukte wie Spielzeug, Sportartikel, Textilien, Fahrzeuge oder Verpackungen. Ausgeschlossen sind aber viele ‚flüssige Produkte‘ wie Kosmetika, Wasch- und Reinigungsmittel und Arzneimittel. Auch Lebensmittel fallen nicht unter REACH. Wenn Sie zu solchen Produkten Anfragen stellen, gelten diese nur für die Verpackung.“ Gegenwärtig sind rund 140.000 Chemikalien auf dem europäischen Markt. Deren Risiken, Vor- und Nachteile sollte REACH ursprünglich ermitteln - umfassend. „Nach jahrelangem Gezerre und Gerangel mit der Industrie sind es dann letztlich 30.000 geworden“, kritisiert Greenpeace. Ausgerechnet ein eigenes Forschungsprojekt, die European Human Biomonitoring Initiative (HBM4EU) von 2017 bis 2022, https://www.hbm4eu.eu/wp-content/uploads/2022/05/HBM4EU-Newspaper.pdf führte der EU kürzlich vor Augen, wie weit es her ist mit REACHs „Schutz“funktion. Bei Kindern und Jugendlichen wies es derart hohe Konzentrationen von Kunststoffzusätzen wie Weichmachern oder poly- und perfluorierten Verbindungen (PFAS) nach, „dass gesundheitliche Schäden nicht mehr ausgeschlossen sind“. Im Rahmen ihres ehrgeizigen „Green Deal“ (13) – mit dem Ziel, bis 2050 giftfrei zu sein - wollte die EU-Kommission bis Ende 2022 einen Vorschlag vorlegen, wie REACH zu aktualisieren ist. Doch Lobbyisten bremsten erfolgreich – nun soll eine „gezielte Überarbeitung“ von REACH erst im vierten Quartal 2023 stattfinden. Wo kein Grenzwert, da keine Gefahr? Finden und kontrollieren lässt sich nur, wonach man sucht. Unsere Nahrungsmittel, unsere Atemluft, unser Trinkwasser sind mittlerweile voller Mikroplastik , winziger Kunststoffteilchen, im Bereich von Mikrometern (0,000 001 m) bis Nanometern (0,000 000 001 m), für das menschliche Auge unsichtbar. (Siehe KLARTEXT „ Mikroplastik in uns: eine Zeitbombe “.) In unseren Körper geraten, kann es sich in allen Organen und Geweben einlagern, selbst Zellwände durchdringen. Schützt uns der Staat davor? Im Sommer 2018 wollten das mehrere Abgeordnete der Grünen-Fraktion von der Bundesregierung wissen. Deren trostlose Auskunft: Ein Dreivierteljahr zuvor hatte das Bundesforschungsministerium, im Rahmen eines neuen „Schwerpunkts“ namens „Plastik in der Umwelt“, 18 Projekte mit insgesamt 35 Millionen Euro gefördert. Mit „100 beteiligten Institutionen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis“, so hieß es aus Berlin, sei dies „eine der größten Forschungsaktivitäten in diesem Bereich, auch im internationalen Vergleich“. Es „soll dem immer noch lückenhaften Kenntnisstand entgegenwirken.“ Geschieht dies wirklich? Allein schon die seltsam eingeschränkten Fragestellungen schüren Zweifel daran: Erst mal geht es bloß darum, geeignete „Untersuchungsmethoden“ herauszufinden, mit denen dann „biologische Wirkungen von Mikro- und Nanoplastik auf lebende Wasserorganismen“ erforscht werden. Aber wie steht es denn mit biologischen Wirkungen in unsereinem ? Don´t worry, eine Gefährdung gibt es nicht, jedenfalls gemäß unseren Regierenden. Laut Bundesumweltministerium ist sie „nach gegenwärtigem Wissensstand (…) nicht zu befürchten“. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wiegelt ab: Es gebe „keine gesicherten Erkenntnisse“. Immerhin untersuche es derzeit aber schon mal Miesmuscheln auf Mikroplastik – na also. Solche kleinstformatigen „Forschungen“ sind Augenwischerei, und falls daraus nahe des Sanktnimmerleintags Grenzwerte abgeleitet werden sollten, so wären sie es ebenfalls. Denn jede endlich beschlossene Schutzmaßnahme, jedes Limit, jede Kontrolle verringert oder verhindert irgendwann bloß weitere Mikroplastik-Einträge in die Umwelt. Die Kontamination unseres Planeten, die bereits stattgefunden hat, lässt sich jedoch nicht mehr rückgängig machen. Aus Meeren lässt sich Mikroplastik nicht herausfiltern. Belastete landwirtschaftliche Flächen lassen sich global weder reinigen noch austauschen. Ebenso bedrohlich für unsere Gesundheit sind Nanoteilchen: Verbünde von wenigen bis einigen tausend Atomen oder oder Molekülen, in der Regel 1 bis 100 Nanometer (nm) groß. (Zum Vergleich: Ein Nanometer entspricht zehn nebeneinanderliegenden Wasserstoffatomen; ein Bakterium ist tausendmal größer. Das Größenverhältnis eines Siliziumoxid-Nanopartikels und einem Fußball ähnelt dem von einem Fußball und der Erde.) Immer mehr Lebensmitteln werden sie zugesetzt, wie auch Kosmetika; sie stecken in Verpackungen, Lacken, Reifen, Zahnfüllungen, Impfstoffen, Trinkwasser, in Pestiziden und Dünger. Na und? „Eine Gefährdung von Mensch und Umwelt durch die derzeit verwendeten Nanomaterialien ist nicht nachweisbar“, beruhigt Wikipedia im Eintrag über „Nanoteilchen“ – unisono mit dem Verband der Chemischen Industrie (VCI): „Es gibt keine Hinweise auf eine spezifische (Öko-)Toxizität von industriell hergestellten Nanomaterialien (…) Die Nanoskaligkeit eines Stoffes an sich ist keine Gefahreneigenschaft. Nanospezifische Vorschriften sind deshalb nicht erforderlich.“ (15) Tatsächlich? Wie Mikroplastik, so bedrohen Nanopartikel sämtliche Organe und Funktionen des menschlichen Organismus - bis hinab auf die Ebene von Zellen, Zellkernen und Erbgut. Dennoch gibt es bis heute keinerlei Sonderregelungen für künstlich miniaturisierte Substanzen. Gilt ein Stoff als unbedenklich, dann auch beliebig kleine Teile davon. Verkannt wird dabei, dass Mikro-/Nanoisierung zu völlig neuen physikalischen und chemischen Eigenschaften führt. Eine um ein Vielfaches vergrößerte Oberfläche macht die Stoffe reaktions- und bindungsfreudiger. Und je kleiner ein Teilchen ist, desto leichter passiert es physiologische Barrieren wie die Blut-/Hirn-Schranke, die Plazentaschranke, die Darmwand und Zellmembranen. Wo bleiben Grenzwerte, die uns vor dieser monströsen Gefahr bewahren? Auf eine Anfrage des Hessischen Rundfunks hin erklärte die EU-Kommission 2013: Und so gibt es innerhalb der Europäischen Union bis heute nicht einmal eine Meldepflicht für künstliche Nanopartikel. Eine Zulassungs- und Kennzeichnungspflicht gilt lediglich für Nano-Zusätze in Lebensmitteln und Kosmetika – ansonsten finden keinerlei gesonderte Prüfverfahren statt. Sie wären wachstumsfeindlich, so warnt der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI): „Damit Deutschland der europäisch bedeutendste Standort für die Produktion und Anwendung von Nanomaterialien bleibt, sollten keine nanospezifischen regulatorischen Hindernisse aufgebaut werden.“ (16) Darum geht es. Zumindest die Versicherungsbranche scheint sich des wahren Ausmaßes der Nano-Gefahr längst vollauf bewusst. SwissRe, der weltgrößte Rückversicherer, unterscheidet drei Arten von neu auftauchenden Risiken. (17) Zu den „potentiell niedrigen“ Risiken zählt er soziale Unruhen, Ernteausfall, „Roboter unter uns“. Unter die „potentiell mittleren Risiken“ fallen für ihn Cyberangriffe, Epidemien, Schuldenkrisen, Versorgungsengpässe, Antibiotika-Resistenzen. Darüber hinaus rechnet er mit drei „potentiell hohen“ Risiken: Elektromagnetische Felder von Mobilfunkgeräten und –anlagen; „Endokrine Disruptoren“, hormonähnlich wirkende Chemikalien; und Nanotechnologie . Hier weist SwissRe auf „ unvorhergesehene Folgen “ hin. Denn „ Partikel in Nanogröße weisen im Vergleich zu größeren Partikeln desselben Stoffes einzigartige Eigenschaften auf. Das ermöglicht neue Anwendungen, kann aber auch neue Risiken mit sich bringen. Derzeit ist wenig über die Toxizität von Nanomaterialien oder das Potenzial für latente Krankheiten, die Arbeitnehmer und Verbraucher betreffen könnten. Zusätzliche Forschung zum Lebenszyklus von Nanomaterialien und Produkten, die Nanomaterialien enthalten, sind notwendig, um um die potenzielle Exposition besser einschätzen zu können. Es gibt jedoch einige Hinweise darauf, dass bestimmte Nanostrukturen sich in Geweben und Organen anreichern und von einzelnen Zellen aufgenommen werden können. Nachteilige Auswirkungen auf die Gesundheit wurden in Studien mit Materialien wie Kohlenstoff-Nanoröhren, Nanopartikeln aus Titandioxid oder Siliziumdioxid-Nanopartikeln festgestellt. Aufgrund der relativ unbekannten Umwelt-, Gesundheits- und Sicherheitsbelastungen, die von Nanomaterialien während ihres gesamten Lebenszyklus entstehen, stellt die Nanotechnologie die Versicherungsbranche vor große Herausforderungen. Von zentraler Bedeutung sind die verzögerten Auswirkungen, d.h. die Frage, ob Nanomaterialien eine latente Gefahr darstellen. Ähnlich wie im Fall von Asbest, kann es zu großen Verlusten bei der Produkthaftung, der Arbeiterunfallversicherung und der Umwelthaftpflichtversicherungen kommen .“ Wird der Staat irgendwann mit Nano-Geschädigten ebenso verfahren wie mit PostVac-Opfern des Corona-Regimes? Placebos zur Volksberuhigung Aus all diesen Gründen dienen Grenzwerte für Schadstoffe in erster Linie als Placebos zur Volksberuhigung: Der trügerische Anschein von wissenschaftlicher Erkenntnis und behördlicher Kontrolle sichert und verlängert das Geschäft mit medizinisch hochriskanten Produkten. Ein Musterbeispiel hierfür ist Asbest: Dass dieser Baustoff hochgradig kanzerogen ist, war Verantwortlichen spätestens im Jahre 1936 klar, als Asbestose, ein durch Asbest hervorgerufener Lungenkrebs, als Berufskrankheit anerkannt wurde. Trotzdem durfte Asbest in Deutschland weiterhin, bis in die siebziger Jahre hinein, höchst profitabel vertrieben werden; in beinahe jedem Gebäude kam es zum Einsatz. Erst nach 1981 galten Einsatzbeschränkungen, erst seit 1990 ist das gefährliche Material EU-weit verboten. Ähnlich lange dauerte es, bis Lindan und Formaldehyd, Polychlorierte Biphenyle (PCB) und Pentachlorphenol (PCP) endlich vom Markt verschwanden. Die Liste ließe sich beliebig fortführen. Absurde Umkehr der Beweislast Dass der Staat lieber die Interessen von Konzernen als die Gesundheit seiner Bürger schützt, verrät er daran, dass er eine absurde Umkehr der Beweislast zulässt. Sollte nicht derjenige, der uns einer giftigen Chemikalie aussetzt, vorher deren Unbedenklichkeit zweifelsfrei belegt haben? Müssen verantwortungsvolle Regierungen und Behörden bis dahin nicht strikt am Vorsorgeprinzip festhalten? Stattdessen darf der Produzent das Gift freisetzen, solange es keine unwiderlegbare „wissenschaftliche Evidenz“ dafür gibt, dass es uns tatsächlich schadet. Ein hieb- und stichfester Beweis, dass eine bestimmte Substanz eine bestimmte Krankheit erzeugt, ist naturgemäß nie zu erbringen – dafür sind die beteiligten Vorgänge im menschlichen Organismus viel zu komplex. Und immer spielen weitere Belastungsfaktoren mit, die sich ebenfalls für festgestellte Gesundheitsschäden verantwortlich machen lassen. (Dass es schier unmöglich sein kann, nicht genehme Evidenz auch nur öffentlich zur Diskussion zu stellen, mussten Kritiker von Lockdowns, Masken und Social Distancing, von PCR-Tests und als „Impfung“ getarnten Genspritzen in der unsäglichen Coronakrise erleben.) Konsequent umgesetzt, würde das Vorsorgeprinzip erfordern, „Nulltoleranz“ walten zu lassen: Künstliche Chemie darf in Lebens- und Futtermitteln erst gar nicht vorkommen, solange unklar ist, was sie über kurz oder lang in uns anrichtet. Entsprechende Verbote, so erläutert das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), erlasse der Gesetzgeber durchaus hin und wieder, um „Belastungen von Lebensmitteln auszuschließen, z.B. weil er dieRisiken für nicht ausreichend kalkulierbar bzw. für nicht tolerabel hält. (…) Auch bei unzureichender toxikologischer Datenlage “, so betont die Behörde, „oder bei hinreichendem Verdacht auf weitere mögliche gesundheitsschädliche Wirkungen können Nulltoleranzen festgesetzt werden“. (18) Sind diese Voraussetzungen bei chemischen oder hochfrequenten „Innovationen“ , mit denen Menschen in Kontakt kommen, etwa nicht immer erfüllt? Wie können wir uns schützen? Wie können wir unter solchen Umständen uns und unsere Liebsten überhaupt noch schützen? Indem wir größtmögliche Vorsicht walten lassen, offiziellen Verharmlosungen grundsätzlich misstrauen, bei beschwichtigenden Politikern und Experten grundsätzlich mit Lobbyismus und Korruption rechnen. Bei Kontakten mit Giftschleudern sollten wir auf alles Vermeidbare verzichten, um den unabsehbaren Schaden einigermaßen zu begrenzen, den das Unvermeidliche in uns anrichten könnte. Das gilt für Trinkwasser und Nahrung, für Waschmittel und Kosmetika, für Verpackungen und künstliche Strahlung, für Medikamente und Impfstoffe gleichermaßen. Wäre Außerirdischen unser Planet tatsächlich eine Beobachtungsmission wert, so würden sie staunend feststellen, dass hier offenkundig seit längerem ein globales Langzeitexperiment stattfindet, das Leib und Leben aller Erdbewohner bedroht. Die Studienfrage lautet anscheinend: Wie weitgehend muss diese Spezies vergiftet werden, um die Gesundheit möglichst vieler langfristig zu zerstören – ohne dass sie durchschaut, was mit ihr geschieht, und sich dagegen zur Wehr setzt? Was die Menschheit in geradezu apokalyptischem Maße bedroht, bedeutet für Wenige geradezu ein Geschenk des Himmels: für all jene nämlich, denen es umso besser geht, je schlechter es uns geht. Je mehr Menschen chronisch krank werden, je früher sie es tun, je länger sie es bleiben, desto prächtiger sprudeln die Gewinne von pharmazeutischer und medizintechnischer Industrie, von Apothekern, Klinik- und Pflegeheimbetreibern, von Laboren, von Therapeuten aller Art. Je mächtiger diese Profiteure, desto unwahrscheinlicher wird es, dass das Experiment ein baldiges Ende findet. Wird ET jemals aus dem Staunen herauskommen? ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen 1 https://www.q-s.de/pressemeldungen/verbraucher-vertrauen-der-sicherheit-von-lebensmit.html ; https://www.q-s.de/services/files/pressemeldungen/pm-2021/QS_Pressegrafik_Verbrauchervertrauen_Lebensmittelsicherheit_Deutschland_300dpi-RGB.jpg 2 Andreas Kortenkamp u.a.: „Low-Level Exposure to Multiple Chemicals: Reason for Human Health Concerns?“, Environmental Health Perspectives 115, No. Suppl. 1, Dezember 2007, https://doi.org/10.1289/ehp.9358 3 Zit. nach https://www.welt.de/wissenschaft/article170262846/Im-Koerper-kann-man-locker-300-Stoffe-nachweisen.html 5 O. Wassermann/A. Carsten: Die gesellschaftspolitische Relevanz der Umwelttoxikologie , Berlin 1986; siehe auch O. Wassermann u.a.: Die schleichende Vergiftung. Die Grenzen der Belastbarkeit sind erreicht , Frankfurt a. M. 1990. 6 Hermann H. Hahn/Thomas W. Holstein/Silke Leopold (Hrsg.): Risiko und Verantwortung in der modernen Gesellschaft , Berlin/Heidelberg/New York 2014, S. 22. 7 https://www.diagnose-funk.org/aktuelles/artikel-archiv/detail?newsid=1937 ; https://www.diagnose-funk.org/aktuelles/artikel-archiv/detail?newsid=1910 ; https://www.diagnose-funk.org/download.php?field=filename&id=1555&class=NewsDownload 8 Süddeutsche Zeitung Nr. 91, 20.4.2018, S. 1: „Reizender Badespaß“. 9 https://www.epo.org/about-us/annual-reports-statistics/annual-report/2012/statistics-trends/patent-applications_de.html#tab5 , abgerufen am 20.4.2018. 10 Zit. nach https://www.welt.de/wissenschaft/article170262846/Im-Koerper-kann-man-locker-300-Stoffe-nachweisen.html 11 Environmental Sciences Europe 2016; 28: 3, https://enveurope.springeropen.com/articles/10.1186/s12302-016-0070-0 ; JAMA Internal Medicine 2018;178(1):17-26 , https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2659557 12 http://www.gmwatch.org/en/news/latest-news/17932-exposure-prevalence-to-glyphosate-has-increased-500-since-introduction-of-gm-crops ) ( https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/_migrated/publications/20050600_chemie_schadstoffe_muttermilch_studie.pdf 13 Women Engage for a Common Future (WECF), 2022: “Vorsicht! PFAS. #NotWastingOurFuture”, https://www.wecf.org/de/wp-content/uploads/2018/10/Vorsicht_PFAS_22.pdf 14 Europäische Kommission (2019): „Mitteilung der Kommission - Der Europäische Grüne Deal“, COM(2019) 640 final, ( https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=celex:52019DC0640 15 https://www.vci.de/top-themen/nanomaterialien.jsp , abgerufen am 5.11.2018. 16 BDI-Broschüre „Herausforderungen aus Sicht der Industrie“, S. 12, https://bdi.eu/media/presse/publikationen/Herausforderungen_Forschungs-_Innovations-_und_Technologiepolitik.pdf 17 SwissRe SONAR: „Emerging Risik Insights“ (2022), https://www.swissre.com/institute/research/sonar/swiss-re-sonar-2013-emerging-risk-insights.html 18 Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): „Nulltoleranzen in Lebens- und Futtermitteln“, Positionspapier des BfR vom 12.3.2007, www.bfr.bund.de/cm/343/nulltoleranzen_in_lebens_und_futtermitteln.pdf .

  • Eine unbequeme Wahrheit

    Geimpfte Kinder sind kranker: Das belegt die aufwändigste Studie, die sich je diesem Thema widmete. Im US-Kongress sorgte sie für heftige Wortgefechte. Während pharmanahe Experten und Faktenchecker sie wie bestellt zerreißen, sehen Impfkritiker ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Warum verschwiegen die beteiligten Wissenschaftler ihre Ergebnisse – und erklären sie neuerdings für wertlos? Del Bigtree: der Name bürgt für scharfzüngige Attacken gegen Big Pharma vor größtmöglichem Publikum. In der Anti-Impfbewegung spielt der Emmy-preisgekrönte US-Fernseh- und Filmproduzent seit langem eine herausragende Rolle. Sein   Informed Consent Action Network  ( ICAN ), das sich als “Watchdog” des Gesundheitswesens versteht, setzt   sich für informierte Zustimmung in medizinischen Entscheidungen ein. Bigtrees aufsehenerregender Dokumentarfilm Vaxxed: From Cover-Up to Catastrophe (2016) präsentierte Belege dafür, dass Impfstoffe Autismus fördern. Die Präsidentschaftskampagne von Robert F. Kennedy Jr. 2024 unterstützte er als angriffslustiger, rhetorisch brillanter “Kommunikationsdirektor”. Die MAHA-Initiative – Make America Healthy Again  -, Kennedys Großprojekt als Gesundheitsminister, findet in Bigtree einen leidenschaftlichen Fürsprecher. Im Jahr 2016 wandte sich der charismatische Aktivist an eine der weltweit angesehensten medizinischen Einrichtungen: das gemeinnützige „Henry Ford Health System“ (HFHS), so benannt nach dem Autobauer Henry Ford, der es 1915 gründete. An über 550 Standorten im US-Bundesstaat Michigan betreibt es mit rund 50.000 Mitarbeitern Arztpraxen und 13 Krankenhäuser. Auch eine Krankenversicherung bietet es an. Darüber hinaus betreibt und fördert es Forschung, unter anderem an seinem Hauptsitz in Detroit, in Zusammenarbeit mit der Wayne State University School of Medicine. Den Leiter der dortigen Abteilung für Infektionskrankheiten, den Internisten Dr. Marcus J. Zervos , rief Bigtree dazu auf, „die bislang umfassendste Studie zum Vergleich zwischen geimpften und ungeimpften Personen” durchzuführen. Der Angesprochene ließ sich auf die Herausforderung tatsächlich ein. Zusammen mit drei weiteren HFHS-Medizinern  nahm Zervos die gewünschte Studie in Angriff, um Bigtrees Impfskepsis zu widerlegen. Vier Jahre später, 2020, lag der Forschungsbericht vor - und verschwand in HFHS-Schubladen. Er blieb geheim, die Ergebnisse wurden vertuscht. Warum wohl? “Das könnte alles ändern” Doch Bigtree sorgte dafür, dass es dabei nicht blieb. Der New Yorker Rechtsanwalt Aaron Siri (1), der ICAN schon bei zahlreichen Klagen und Petitionen vertreten hatte, machte die Ergebnisse bei einer Anhörung im US-Senat am 9. September 2025 publik , wo sie prompt für einen heftigen Schlagabtausch sorgten. Große Medien griffen sie auf, im Internet gingen sie viral. Bigtree dokumentiert sie in seinem jüngsten Film An Inconvenient Study , der am 12. Oktober 2025 Premiere hatte. „ This could change everything “, hofft er. (Ein Trailer ist hier »  abrufbar, der ganze 80-minütige Film hier » ) Auf die Frage „Warum sind immer mehr Kinder chronisch krank?“ gibt die Studie eine klare Antwort: Impfungen tragen maßgeblich dazu bei. Wie gingen die Forscher vor? Sie analysierten die Krankenakten von 18.468 Kindern, die zwischen 2000 und 2016 zur Welt gekommen waren. Von ihnen waren 1.957 ungeimpft. 16.511 hatten mindestens eine Impfung erhalten – im Durchschnitt 18. „Ausgeschlossen wurden Kinder mit Chromosomenanomalien, Zerebralparese, Mukoviszidose, Spina bifida, angeborenen Herzfehlern oder angeborenen Gehirn‑/neurologischen Erkrankungen bzw. anderen angeborenen Störungen, die bei oder nach der Geburt vorhanden bzw. entdeckt wurden. Ziel war es, langfristige Gesundheitsausgänge in einer im Wesentlichen gesunden Geburtskohorte zu beurteilen.”   Im Vergleich beider Gruppen zeigte sich: Bestimmte chronische Erkrankungen traten bei geimpften Kindern deutlich häufiger auf als bei ungeimpften. Besonders deutlich zeigte sich dieser Zusammenhang bei Asthma, Neurodermitis, Heuschnupfen, allergischer Bindehautentzündung, Autoimmunerkrankungen, Ekzemen und neurologischen Entwicklungsstörungen. Ohrinfektionen traten unter geimpften Kindern sechs bis acht Mal häufiger auf. Trat bei keinem einzigen  Ungeimpften auf – während landesweit 11 % aller Kinder betroffen sind. Weniger ausgeprägt, aber noch immer statistisch auffällig war der Zusammenhang mit Impfungen bei Anaphylaxie – der schlimmsten Form der akuten allergischen Reaktion, die lebensbedrohlich werden kann – und schweren Asthma-Attacken. (Hingegen ergaben sich bei Krebs, Autismus, motorischer Behinderung und Epilepsien keine signifikanten Assoziationen.) Das Ford-Team kommt zu dem Schluss: „Die Wahrscheinlichkeit, nach 10 Jahren Nachbeobachtung frei von einer chronischen Erkrankung zu sein, betrug 43 % in der geimpften Gruppe, gegenüber und 83 % in der ungeimpften. (…) Eine Impfexposition bei Kindern ist mit einer etwa 2,5‑fach erhöhten Wahrscheinlichkeit verbunden, eine chronische Gesundheitsstörung zu entwickeln, verglichen mit ungeimpften Kindern.” Damit bestätigen sich Befürchtungen, zu denen schon neun frühere Studien Anlass gaben. Absehbarer Gegenwind Prompt setzte heftiger Gegenwind ein. Die Ford-Studie sei “unwissenschaftlich” und nicht weiter ernstzunehmen, so bemängelten eifrige Verfechter “evidenzbasierter” Medizin: Jeffrey Morris (2), Professor für Öffentliche Gesundheit und Präventivmedizin an der University of Pennsylvania, und Jake Scott , ein Facharzt für Infektionskrankheiten und Dozent an der Stanford University School of Medicine. Auch “ Science Feedback ” schießt scharf: eine Faktenchecker-Agentur, die für Meta, Google und die EU-Kommission Desinformanten jagt. Was haben sie auszusetzen? Problematisch sei eine „ Erhebungsverzerrung “ wegen „großen Ungleichgewichten bei der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen“: Geimpfte Kinder suchen durchschnittlich sieben Mal pro Jahr eine Klinik auf, ungeimpfte hingegen nur zwei Mal. (Ein ähnliches Missverhältnis besteht bei Terminen in Arztpraxen.) Kein Wunder, dass Diagnosen bei Geimpften häufiger vorkommen: Ohne Arztkontakt kein Befund. Deshalb werden Erkrankungen bei Geimpften öfters erkannt, während sie bei Ungeimpften eher übersehen werden. Aber weshalb  werden geimpfte Kinder um ein Vielfaches häufiger in Kliniken vorstellig? Die naheliegendste Vermutung: Eben weil sie häufiger krank sind.   In der Zervos-Studie weist die geimpfte Gruppe einen deutlich höheren Anteil an Kindern mit niedrigem Geburtsgewicht, Frühgeburtlichkeit, Geburtstrauma und Atemnot bei der Geburt auf. Diese Faktoren, so wenden Kritiker ein, erhöhen das Risiko für zukünftige Erkrankungen – unabhängig von irgendwelchen Impfungen. Aber weshalb  sind geimpfte Kinder schon bei der Geburt häufiger gehandicappt? Mütter, die mit “Piksen” für ihren Nachwuchs einverstanden sind, neigen eher dazu, sich selbst  während der Schwangerschaft impfen zu lassen – mit zwangsläufigen Folgen für das werdende Leben, das sie in sich tragen. So vervielfachten die Covid-Genspritzen bei Schwangeren das Risiko für Spontanaborte, Früh- und Totgeburten sowie Missbildungen. (3) Ein weiterer Makel der Zervos-Studie, so heißt es, bestehe in  unterschiedlichen Erhebungszeiträumen: Im Durchschnitt wurden die geimpften Kinder 2,7 Jahre lang nachbeobachtet, die ungeimpften bloß 1,3 Jahre. Dies schaffe bei den Geimpften „mehr Möglichkeiten für Diagnosen”, kritisiert Morris. Diese zeitliche Ungleichheit übersahen die Forscher aber nicht etwa, sondern trugen ihr Rechnung, indem sie mehrere Analysen für Untergruppen mit denselben Nachbeobachtungszeiträumen durchführten: ein Jahr, drei Jahre, fünf Jahre und länger. Auch dann wiesen die jeweiligen Gruppen geimpfter Kinder immer noch vergleichsweise höhere Erkrankungsraten auf. Alles in allem haften der Zervos-Studie angeblich “fatale Mängel” an, die ihre wissenschaftliche Aussagekraft gewaltig einschränke, so befinden Kritiker. Aber inwiefern ist das Design fehlerhaft? Immerhin orientierte es sich an offiziellen Richtlinien der US-Seuchenschutzbehörde CDC für Impfforschung. Wie, bitteschön, hätte sie denn “richtig” durchgeführt werden müssen? Darüber schweigen sich die Kritiker aus. Warum forschen sie nicht selber nach? Wissenschaft verlangt Replikation, nicht Gaslighting und PR-Exorzismus. Versuche, die Ford-Studie zu verunglimpfen, sind bisher jedenfalls kläglich gescheitert. Widerreden wie die von Scott und Murray kommen nicht deswegen zustande, weil eine Impfstudie zu dürftig war  - sondern weil sie zu stark, zu überzeugend ausgefallen ist. Ihre Ergebnisse kommen gewissen Interessen in die Quere. Letztlich bestätigen die Kritiker unbeabsichtigt die wichtigste Botschaft von Bigtrees Film: Vor die Wahl gestellt, die eigene Karriere zu retten - selbst wenn man kurz vor der Pensionierung steht -, anstatt die Wahrheit zu sagen, bevorzugen Wissenschaftler allzu oft den unanständigen Weg. In der Impfstoff-Forschung bedeutet das: Man opfert die Gesundheit von Kindern, um Job, Prestige und Geldquellen zu retten. Rolle rückwärts Dieser Versuchung erlag offenbar das Zervos-Team selbst: Jahrelang verschwieg es, was es fand, und beschloss, es unter den Teppich zu kehren. Funktioniert so echte Wissenschaft? Zu Wort meldete es sich erst, als Del Bigtree sich traute, die Ergebnisse gleichwohl an die große Glocke zu hängen. Dies brachte die Verantwortlichen beim Henry Ford Health System auf die Palme: “Diese ‘Dokumentation’” (zwischen Anführungszeichen), so erklärte die Einrichtung, „behauptet fälschlicherweise und gefährlicherweise, das HFHS habe einen Entwurf einer Forschungsarbeit aufgrund ihrer Ergebnisse unterdrückt. Das HFHS verurteilt auch die gezielte Verdrehung von Informationen und die Verbreitung von Falschinformationen zu diesem Thema, die eine direkte Gefahr für die öffentliche Gesundheit darstellen. (…) Letztendlich wurde dieser Bericht nicht veröffentlicht, weil er nicht einmal annähernd den strengen wissenschaftlichen Standards entsprach, die wir [Henry Ford] verlangen.” Am 13. Oktober reichte das HFHS einen “ Faktencheck ” in eigener Sache nach, um “größten Mythen rund um die ‘Impfstoffstudie’ zu entlarven”. Die Vorsitzende der HFHS-Abteilung für Public Health Service  in Detroit, Christine Cole Johnson, bezeichnete die “fatal fehlerhafte” Studie als “eine der schlechtesten, die ich je gesehen habe”. Ein weiterer HFHS-Kollege, der Gynökologe Dr. Adnan Munkarah – bei Henry Ford Health ist er Präsident der Clinical Enterprise & Chief Physician Executive , dort zuständig für strategische Ausrichtung und Koordination des medizinischen Personals – sah in der “ mit schwerwiegenden Mängeln behafteten ” Studie lediglich einen “Entwurf”, der “nicht einmal als Studie qualifiziert” sei. In Wahrheit – spätestens jetzt wird es haarsträubend - hätten die Daten der Zervos-Gruppe “durchweg gezeigt, dass Impfungen ein sicherer und wirksamer Weg sind, um Kinder vor potenziell lebensverändernden Krankheiten zu schützen.” Im Ernst? Nachträglich sich selber “faktenchecken”, um blamiert dazustehen: darauf muss man erst mal kommen. Und falls der erste Anlauf tatsächlich schiefging: Wieso nahm Zervos nicht unverzüglich einen besseren zweiten? Warum verzichtete  er auf eine Replikation, die frei von den angeblichen “fatalen Mängeln” ist? Weshalb hat er diese nicht von Anfang an vermieden? Del Bigtree ist fassungslos : „Das Unglaubliche daran ist, dass ein impfstofffreundlicher Wissenschaftler einer impfstofffreundlichen medizinischen Einrichtung eine Studie durchgeführt hat, um ‘Impfgegner’ zu widerlegen, stattdessen aber eine der vernichtendsten Anklagen gegen das Impfprogramm überhaupt vorgebracht hat. Wir stehen vor einer Krise der Transparenz im Gesundheitswesen, und die Bevölkerung hat ein Recht darauf, jetzt die Wahrheit zu erfahren.“ Wer diese Wahrheit unterdrückt, gefährdet die Gesundheit und das Leben von Millionen von Kindern. Ein medizinisches Establishment, das dazu nickt und schweigt, macht sich mitschuldig. Das Entsetzen darüber teilt der US-Unternehmer und Impfkritiker Steve Kirsch, der in den Coronajahren zu einem der weltweit meistbeachteten Blogger in Sachen Gesundheitswesen aufstieg: “Das Henry Ford Hospital und das Zervos-Forschungsteam vermitteln der Welt, dass Wissenschaftler korrupt sind. Immer wenn es eine Erkenntnis gibt, die der offiziellen Darstellung widerspricht, wird sie begraben, um den Arbeitsplatz zu sichern. Sie behaupten, sich um die öffentliche Gesundheit zu kümmern, aber wenn das ihre Karriere gefährdet, hat diese Vorrang. Das ist eine schreckliche Botschaft.” Eine Interviewanfrage von Kirsch ließ die Pressestelle des HFHS unbeantwortet. “Können Sie bitte erklären, warum diese Ablehnung im besten Interesse der Öffentlichkeit liegt und die Unklarheiten beseitigt?”, schrieb  Kirsch daraufhin dem dortigen “ Chief Scientific Officer ”. Reaktion: null. Auf den Punkt brachte es der amerikanische Schriftsteller Upton Sinclair schon vor 90 Jahren: „Es ist schwierig, einem Menschen etwas verständlich zu machen, wenn sein Gehalt davon abhängt, dass er es nicht versteht.“ (4) ( Harald Wiesendanger )   Anmerkungen (1)   In seiner Streitschrift Vaccines, Amen , erschienen im September 2025, widerlegt Aaron Siri die wesentlichen Überzeugungen, die Anhänger der Impfstoffreligion teilen, und zeigt auf, wie ihre Meinungen manipuliert wurden. Ab Seite 242 legt Siri bisher unbekannte Informationen über die Zervos-Studie offen. Er zeigt auf, dass die Ford-Klinik mehr Wert auf ihren Ruf in der wissenschaftlichen Gemeinschaft legt als darauf, mit der Wahrheit über die Schäden von Impfstoffen herauszurücken. Die Autoren der Studie hatten ursprünglich vor, sie zu veröffentlichen, wurden jedoch daran gehindert. (2)   Siehe https://theconversation.com/why-a-study-claiming-vaccines-cause-chronic-illness-is-severely-flawed-a-biostatistician-explains-the-biases-and-unsupported-conclusions-265470   und https://x.com/jsm2334/status/1966282058612838632 (3)   Siehe https://www.epochtimes.de/gesundheit/bis-zu-90-prozent-fehlgeburten-forscher-fordern-impfstopp-fuer-schwangere-a3644984.html , https://politikstube.com/grossbritannien-zahl-der-frauen-die-nach-der-impfung-fehlgeburten-hatten-steigt-um-2-000-prozent/ , https://articles.mercola.com/sites/articles/archive/2022/08/30/covid-vaccine-pregnant-woman.aspx?ui=d503235325038e7b4f1f46eb68a48ff02ee0b104fe815572e6d5504e6da7c48e&sd=20200215&cid_source=dnl&cid_medium=email&cid_content=art1ReadMore&cid=20220830&mid=DM1249705&rid=1590480599 , https://reitschuster.de/post/deutlich-erhoehtes-risiko-von-spontanaborten-bei-geimpften/ (4)   Upton Sinclair, I, Candidate for Governor: And How I Got Licked  (1935), S. 109.

  • Mehr bringt nicht mehr

    Na klar, Bewegung ist gesund. Aber mehr bringt nicht mehr, im Gegenteil: Zuviel körperliche Aktivität, etwa bei intensivem Fitnesstraining, tut niemandem gut. Ein Übermaß fördert Herzerkrankungen, die Lebenserwartung sinkt. Man vergeudet Zeit und Mühe, ohne zu profitieren. Diese bemerkenswerte Warnung belegt ein amerikanischer Arzt mit neuen Forschungsergebnissen. „Ich habe schon immer Sport getrieben, egal ob ich nervös, glücklich oder traurig war“, erklärt Dr. James O´Keefe, ein Kardiologe des Mid-America Heart Institute am St. Louis Hospital in Kansas City, US-Bundesstaat Missouri. „Sport war mein Bewältigungsmechanismus.“ Im College spielte er Basketball und war Leichtathlet. Sein Medizinstudium begann er mit dem Vorsatz, „dass ich jeden Tag Sport treiben muss, weil das für mich sehr wichtig ist.“ Wie die meisten Leute dachte er, „dass ein bisschen gut ist, aber mehr ist besser. Also nahm ich an Triathlons teil und lief 5 km, 10 km und gelegentlich Marathons. Ich war sehr, sehr fit und habe meinen Körper gefordert.“ Doch dafür zahlte der Arzt einen unerwarteten Preis. „Als ich Mitte Vierzig war, bekam ich Herzklopfen und manchmal auch Schmerzen nach einer sehr anstrengenden Fahrradtour oder Ähnlichem.“ O´Keefe stutzte. „Moment mal, woher habe ich eigentlich diese Vorstellung, dass Sport gut ist und dass extreme Bewegung im mittleren Alter besser ist? Das stimmt einfach nicht“, wie er am eigenen Leib erfuhr. Also begann er zu recherchieren. Dazu nutzte er weltweite Kontakte in der klinischen Forschungsgemeinschaft, sichtete alle hochwertigen Studien zum Thema, die zwischen 2011 und 2022 erschienen waren, und führte eigene durch. Seine Ergebnisse veröffentlichte er nun, gemeinsam mit drei Fachkollegen, in der Missouri Medicine, dem Fachjournal der Missouri State Medical Association. Einerseits bestätigte sich dabei Altbekanntes: Körperlich aktiv zu sein, tut gut. „70 % der Erwachsenen in den USA bewegen sich nicht genug und wären gesünder, wenn sie es mehr tun würden, egal wie. Schon ein Spaziergang ist viel besser, als auf der Couch, vor dem Bildschirm oder hinter der Windschutzscheibe zu hocken. Wir haben einen sitzenden Lebensstil, und wenn du nicht aktiv Bewegung in deinen Alltag einbaust, wirst du Probleme bekommen, keine Frage, genauso wie mit der westlichen Standardernährung.“ Schon nach einer Stunde Sitzen beginnen die Blutzucker-, Triglyzerid- und Entzündungswerte anzusteigen. (1) Warum funktionieren wir so? „In den letzten drei Millionen Jahren der Evolution war ein körperlich aktiver Lebensstil für unsere Vorfahren unabdingbar“, erklärt O´Keefe. „Erwachsene machten in der Regel 14.000 bis 16.000 Schritte pro Tag, meist in Form von zwei bis fünf Kilometern Fußmarsch, wobei sie oft Gegenstände wie Holz, Nahrung und Wasser trugen, wie auch ihre Kinder. Den täglichen Lebensunterhalt sicherzustellen, erforderte für Jäger und Sammler reichlich moderate Bewegung mit kleineren Dosen von intensiver körperlicher Aktivität – an dieses Muster sind wir genetisch angepasst. Aus dieser evolutionäre Vorlage ergibt sich ein logischer Leitfaden dafür, wie ein ideales Aktivitätsmuster aussehen muss, das optimale Gesundheit und Langlebigkeit fördert.“ Wie O'Keefes systematische Übersichtsarbeit bestätigt, nimmt das Risiko für vorzeitigen Tod, für Diabetes, Depressionen, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose, Sarkopenie – altersbedingter Muskelabbau -, Stürze und vieles mehr beim Stubenhocker dosisabhängig ab, sobald er mit Sport beginnt. Alterungsprozesse verlangsamen sich. Die Lebenserwartung steigt. Die „Gesundheitsspanne“ vergrößert sich: jener Lebensabschnitt, den man wohlauf verbringt, ohne altersbedingte Einschränkungen. Die Stimmung hellt sich auf. Zuviel intensives Training geht nach hinten los Aber „etwa 2% der Menschen, vielleicht sind es auch 5%, übertreiben es. Sehr aktive, wettbewerbsorientierte Menschen. Ich sehe solche Patienten ständig. Sie kommen mit Vorhofflimmern oder beschleunigter Arteriosklerose mit viel Kalzium in den Herzkranzgefäßen oder mit Herzkammerproblemen. Es kann sogar die Lebenserwartung verkürzen, wenn man es richtig extrem treibt." Vor allem ihr Herz belasten Fitness-Freaks übermäßig. „Wenn du im Alter von 40 oder 45 Jahren Triathlons über die volle Distanz absolvierst“, stellte O´Keefe fest, „dann steigt das Risiko für Vorhofflimmern um 500 % bis 800 %“, eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen: Dabei schlägt das Herz anhaltend unregelmäßig und oft so schnell, dass es weniger Blut in den Körper pumpt. Dies ist zwar nicht unmittelbar lebensbedrohlich,  auf Dauer erhöht es aber das Risiko für Schlaganfälle .   Lebenserwartung vorprogrammiert? O´Keefe erinnert sich an eine Begebenheit zu der Zeit, als er in der Mayo-Klinik seine kardiologische Ausbildung absolvierte. (2) Bevor er in einer Mittagspause joggen ging, ermahnte ihn sein Mentor: "Weißt du, James, du verschwendest nur deine Herzschläge. Alles scheint eine Art programmierte Lebenserwartung zu haben, die mit der Herzfrequenz zusammenhängt.“ Für die meisten Spezies gilt: Die Summe aller Herzschläge ist konstant . Das Herz von Säugetieren schlägt etwa 2,5 bis 3,5 Milliarden Mal. Ein Kolibri zum Beispiel hat eine Herzfrequenz von 500 Schlägen pro Minute und lebt ein oder zwei Jahre. Tiere mit einer sehr langsamen Herzfrequenz, wie beispielsweise Wale, können dagegen 200 Jahre alt werden.“ Manche Schildkröten bringen es mit 5 bis 15 Schlägen pro Minute auf eine Lebenserwartung bis zu 200 Jahre; andererseits lebt eine Springmaus mit über tausend Schlägen pro Minute bloß sieben bis zehn Tage. Und beim Menschen? Die höchste Lebenserwartung erreicht er bei einer Herzfrequenz um 60 Schläge pro Minute. Steigert er sie im Fitnesswahn unentwegt, so bringt er sich nicht bester Gesundheit näher, sondern vorzeitigem Exitus. Über einem Wert von 90 pro Minute wird ein kardiovaskuläres Ereignis wahrscheinlicher . Wo liegt der „Sweet Spot“? Wie viel ist zuviel? Wo liegt der sogenannte „Sweet Spot“ – jenes Maß an Sport, das den größten gesundheitlichen Nutzen bringt? „Das ist ein komplexes mathematisches Problem", sagt O'Keefe. „Du solltest dich so viel bewegen, dass dein Puls niedrig bleibt, auch wenn du nicht trainierst. So optimierst du deine Herzfrequenz. Aber du solltest nicht fünf oder sieben Stunden am Tag intensiv trainieren, geschweige denn einen Triathlon über die volle Distanz absolvieren. Dann verlangst du deinem Herzen einfach viel zu viel ab. Wie bei allem in der Natur ist es besser, wenn du dich nicht in den Extremen aufhältst“, sondern zwischen ihnen das rechte Maß findest. O'Keefe zitiert eine aktuelle groß angelegte Studie, in der rund eine Million Menschen ein Jahrzehnt lang beobachtet wurde. Während intensiver Sport von bis zu 75 Minuten pro Woche das Sterblichkeitsrisiko und die Gefahr chronischer Erkrankungen dosisabhängig senkte, stagnierte der Nutzen danach. In seinem Forschungsreview fand O´ Keefe unter anderem den „Sweet Spot“ für Krafttraining. "Ich war schon immer ein Fan davon. Aber auch hier steckt der Teufel im Detail, was die Dosierung angeht. (…) Wenn ich Krafttraining mache, gehe ich ins Fitnessstudio und trainiere zwischen 20 und 40 Minuten.“ Dabei „versuche ich, Gewichte zu benutzen, mit denen ich zehn Wiederholungen schaffe (...) Danach fühlst du dich wie ausgepowert und brauchst ein paar Tage, um dich zu erholen. Wenn du das zwei, höchstens drei Mal pro Woche machst, scheint das der Sweet Spot für Langlebigkeit zu sein." Mehr als 60 Minuten pro Woche hingegen machen die Vorteile des Krafttrainings zunichte, und du bist schlechter dran, als wenn du es ganz bleiben lässt. Mit der obigen Grafik veranschaulicht O´Keefe die J-förmige Dosis-Wirkungsbeziehung zwischen aktivem Krafttraining und der Gesamtsterblichkeit. Demnach erreicht der Nutzen seinen Höhepunkt bei 40 bis 60 Minuten pro Woche. Darüber hinaus sinkt er. Wer 130 bis 140 Minuten Krafttraining pro Woche absolviert – oder sich womöglich noch exzessiver abmüht -, profitiert davon in puncto Lebenserwartung nicht mehr, als wenn er gar nichts tut - ein schockierender Befund. Wer drei bis vier Stunden pro Woche Gewichte stemmt, wird sogar kürzer leben als jemand, der überhaupt kein Krafttraining macht. Das Fazit des Arztes lautet: 20 Minuten zweimal pro Woche an nicht aufeinanderfolgenden Tagen oder 40 Minuten einmal pro Woche sind der richtige Weg. Außerdem sollte sich das Fitnessprogramm nicht auf Krafttraining beschränken, sondern bloß ein Zusatz sein. Denn es lässt sich viel mehr erreichen, wenn man einfach nur geht oder andere moderate Übungen macht. Ein Hoch auf „mäßige“ Bewegung – am besten in Gesellschaft und im Freien Nachdrücklich plädiert O´Keefe für „mäßige Bewegung“ - definiert als Bewegung bis zu dem Punkt, an dem du leicht erschöpft bist, aber noch ein Gespräch führen kannst. "Wir reden hier von Garten- und Hausarbeit, Spazierengehen, gemächliches Radfahren“; darüber hinaus nennt er Yoga und nicht allzu kraftraubendes Schwimmen. Laufen, Wandern, Tanzen, Rudern, Squash, Golf, Tennis im Doppel zählen ebenfalls dazu. „Mäßig“ betrieben, wirken sie sich auf unsere Lebenserwartung günstiger aus als intensives Training – ungefähr doppelt so gut. Für die Praxis schließt der Arzt daraus: - Es gibt keinen Grund, sich mehr als 75 Minuten pro Woche körperlich intensiv zu fordern – das heißt, besonders anstrengenden Aktivitäten nachzugehen, die „das Herz zum Schlagen bringen, schweißtreibend sind und zu Atemnot führen“. - Ab Mitte Vierzig sollte man an körperlicher Aktivität in erster Linie Spaß haben und dabei Stress abbauen, aber keinen Leistungssport betreiben. O´Keefes Analyse erweist ihn als  „extrem kardiotoxisch“, weil er das Herz überlastet: „Ein hohes Maß an intensiver körperlicher Betätigung ist zwar notwendig, um körperliche Höchstleistungen zu erzielen, aber nicht unbedingt, um die Lebenserwartung und die Lebensdauer des Herzens zu maximieren. Sehr anstrengende sportliche Betätigung erhöht akut das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen - Herzinfarkt, plötzlicher Herzstillstand -, vor allem bei Menschen in der Lebensmitte und darüber hinaus.“ Dabei sollte man die Vorzüge bloßen Gehens nicht unterschätzen, wie O´Keefe betont. Der durchschnittliche Amerikaner geht etwa 3.800 Schritte pro Tag, das sind etwas mehr als drei Kilometer. "Es gibt immer mehr Studien zu diesem Thema, die mit Hilfe von Aktivitätstrackern durchgeführt werden“, sagt O´ Keefe. „Wir erhalten große Datenmengen, wie z. B. die britische Biobank, die eine halbe Million Menschen umfasst und teilweise seit zehn Jahren beobachtet werden. Mehr ist eindeutig besser. Wenn du von einem sitzenden Lebensstil - 2.000 bis 3.000 Schritte pro Tag - auf 7.000 oder 8.000 steigerst, kannst du große Fortschritte erzielen. Doch „bei rund 12.000 Schritten gibt es ein Plateau“ – längere Wegstrecken bringen keine gesundheitlichen Vorteile mehr.  In seiner Analyse unterstreicht O'Keefe auch die Bedeutung von "sozialem Sport" gegenüber dem Einzeltraining - zum Beispiel ein Tennismatch mit Freunden spielen. Vor einigen Jahren führte er gemeinsam mit dänischen Kollegen eine Studie durch, in der sie Daten über körperliche Aktivität und Langlebigkeit untersuchten. Dabei zeigte sich: regelmäßiges Tennisspielen bringt 9,5 Jahre zusätzliche Lebenserwartung, Badminton sieben Jahre, wohingegen Laufen, Schwimmen und Radfahren nur 3,5 zusätzliche Jahre bescheren. Aktivitäten im Fitnessstudio wie Gewichtheben und Laufen auf dem Crosstrainer oder Laufband bringen nur 1,5 Jahre mehr, verglichen mit dem Lebensstil bewegungsfauler Herumsitzer. Zunächst vermutete O'Keefe, seine Analyse sei an diesem Punkt irgendwie falsch gelaufen. Aber dann erkannte er: Es waren die sozialen Aspekte gewisser Sportarten, die den zusätzlichen Nutzen brachten. "Sport treiben und gleichzeitig  soziale Kontakte knüpfen, das ist eine absolute Goldgrube für die Langlebigkeit", sagt er. "Das bedeutet, dass selbst das Spazierengehen mit dem Hund oder einem Freund oder das Squashspielen sehr wichtig sind ... Es geht darum, deinen Körper auf spielerische Art und Weise zu bewegen und dies in Gesellschaft zu tun." Darüber hinaus nützt Bewegung in der Natur mehr als in geschlossenen Räumen. Einer britischen Studie zufolge sollte man seiner Gesundheit zuliebe mindestens 1,5 bis zwei Stunden pro Woche im Freien verbringen - selbst wenn es nur ein städtischer Park oder eine Allee ist. Von Shinrin-yoku , dem „Waldbaden“, hält O´Keefe ausgesprochen viel: "Japaner, die in Tokio leben, einer der größten Städte der Welt, steigen in einen Hochgeschwindigkeitszug und sind ein oder zwei Stunden später in den Bergen und im Wald. Sie gehen wandern oder sitzen einfach nur in der Natur und riechen die Kiefern und die frische Luft. Dann steigen sie in den Hochgeschwindigkeitszug und fahren wieder nach Hause.“ Dabei sinkt ihr Blutdruck, ihre Stimmung hellt sich auf, Ängste lassen nach, die Schlafqualität bessert sich, das Immunsystem wird gestärkt, Cortisol- und Entzündungswerte sinken. (3) Für die 10,3 Millionen Deutschen, die über 9000 Fitnessstudios frequentieren und der Branche einen Jahresumsatz von 4,9 Milliarden Euro sichern , folgt aus O´Keefes Analyse eine klare Botschaft: Ein Großteil dessen, was ihr dort für eure Gesundheit gebührenpflichtig zu erreichen versucht, bekämt ihr draußen preiswerter – mit geringerer Mühsal. ( Harald Wiesendanger ) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC10121111/ Anmerkungen 1        Dogra S, Wolf M, Jeffrey MP u.a.: "Disrupting prolonged sitting reduces IL-8 and lower leg swell in active young adults", BMC Sports Science, Medicine and Rehabilitation 11, Article number: 23 (2019) 2        Im Interview mit Joseph Mercola. 3        Siehe dazu „Auswege Infos“ Nr. 53 / Dezember 2017 :  “Rezeptfrei, unschädlich, wirkungsvoll: ‘Waldbaden’ gegen Krebs”.

  • Wer im Glashaus sitzt ...

    Wie kommt ausgerechnet Deutschlands oberster Desinformant der Coronajahre dazu, dem US-Gesundheitsminister Inkompetenz zu unterstellen? Wer der anscheinend unerschütterlichen Selbsteinschätzung von Karl Lauterbach folgt und ihn weiterhin für einen seriösen Arzt und Politiker hält, der hat während der Coronajahre vermutlich konsequent weggehört, wann immer der damalige Bundesgesundheitsminister reihenweise Äußerungen von sich gab, die nicht belegbar, teilweise sogar grob unwissenschaftlich waren. Wie kommt dieser notorische Desinformant dazu, weiterhin mit dem Nimbus der Wissenschaftlichkeit aufzutreten und jemanden wie Robert F. Kennedy Jr. herabzuwürdigen, der seinen medizinischen Sachverstand in zahlreichen Publikationen unter Beweis gestellt hat? Hat Lauterbach jemals ein Sachbuch der Qualität von “ Geimpft versus ungeimpft ”  und “ Das wahre Gesicht des Dr. Fauci” veröffentlicht? Welche “Verschwörungsphantasien” haben sich inzwischen denn nicht  bewahrheitet? Welche der gefeuerten “besten Vorbeugemediziner” Amerikas waren mit Big Pharma nicht  finanziell verbandelt? Beschert uns die nächste Pandemie nicht eher eine Katastrophe, wenn man uns dem haarsträubenden, lobbygesteuerten Krisenmanagement der WHO ausliefert? Wie viele “Piks”-Opfer , tote und chronisch kranke, wären Deutschland erspart geblieben, wenn ein Gesundheitsminister den unerprobten Corona-Genspritzen mit der nötigen Skepsis begegnet wäre, statt sie als nebenwirkungsfrei anzupreisen? Bräuchten wir etwa keinen Gesundheitsminister, der genügend Mut, Kraft und Visionen für ein “MGHA”-Programm aufbringt – Make Germany Healthy Again  -, wie Kennedy der Epidemie chronischer Krankheiten entschlossen den Kampf ansagt und endlich nach wissenschaftlichen Standards überprüfen lässt, wie wirksam und sicher Impfungen in Wahrheit sind? Hier ein paar besonders eindrucksvolle “Kompetenz”nachweise aus mehreren tausend Lauterbach-Tweets:  “ Eine Impflicht macht bei SarsCov2 so wenig Sinn wie bei Grippe. Wenn die Impfung gut wirkt wird sie auch freiwillig gemacht. Dann keine Impflicht nötig. Wenn sie viele Nebenwirkungen hat oder nicht so gut wirkt verbietet sich Impflicht. Daher nie sinnvoll .” ( Twitter 16.5.2020 .) Hier fehlt nicht bloß drei Mal ein "pf", sondern offenkundig auch ein Anker fürs Langzeitgedächtnis des Tweet-Verfassers. Aus einer Studie der US-Seuchenschutzbehörde CDC schließt Lauterbach, dass Restaurantaufenthalte und Cafébesuche das Risiko einer Corona-Infektion "mehr als verdoppeln", sogar "Terrassenbesuche" erhöhen das Risiko. In Wahrheit unterschied die Untersuchung aber nicht zwischen Innen-  und Außengastronomie. (Twitter am 12.9.2020, zit. hier .) “ Schulen sind Treiber der 2. Welle, dort gibt es Superspreading. (…) Expertin für Kinder-Covid: Schulen sind Cluster, treiben Pandemie, Studienlage klar .” (Twitter 24.11.2020, zit. hier .) Von wegen "klar" - da standen die falschen Sündenböcke am Pranger, mit fatalen Folgen für sie. Näheres hier und hier . “ Kai Nagel TU Berlin modelliert 2000 Inzidenz im Mai. Dies würde massive Zunahme der Covid Toten und Invaliden bedeuten ", schreibt Lauterbach  – und leitet daraus auch eine eindeutige politische Schlussfolgerung ab. "Wir brauchen daher Ausgangssperre ab 20 Uhr." ( Twitter, 25.3.2021 ). Die zweite Welle brach im April, und im Mai fiel die Inzidenz unter die Marke von 100. „ Es geht darum, weshalb eine Minderheit der Gesellschaft eine nebenwirkungsfreue Impfung nicht will, obwohl sie gratis ist und ihr Leben und das vieler anderer retten kann .“ (Twitter 14.8.2021) " Klar ist aber, dass die meisten Ungeimpften von heute bis dahin entweder geimpft, genesen oder leider verstorben sind, denn das Infektionsgeschehen mit schweren Verläufen betrifft vor allem Impfverweigerer .“ (Ende Oktober 2021, zit. hier .) „ Deutschland hat jetzt höchste Corona Inzidenz in Europa. Tendenz steigt, viele Tote .“ (Mitte März 2022, zit. hier .) „ Viele 40-80 Jährige werden einen Moment der Unachtsamkeit mit dem Tod oder Invalidität bezahlen. Junge Männer werden von Sportlern zu Lungenkranken mit Potenzproblemen. Frauen leiden oft unter Chronischem Erschöpfungssyndrom oder Tinnitus. Das hört niemand gerne, ist aber so .“ ( Twitter, 26.3.2021 ) “ Es geht darum, weshalb eine Minderheit der Gesellschaft eine nebenwirkungsfreie Impfung nicht will, obwohl sie gratis ist und ihr Leben und das vieler anderer retten kann .” ( Twitter, 14.8.2021 ) “ Späte Impfnebenwirkungen gibt es nicht .” ( Twitter, 5.10.2021 ) “ Bei Kindern im Alter 12-15 war BionTech zu 100% wirksam gegen Covid ohne Nebenwirkungen. Alles spricht für die Impfung von Kindern .” (Twitter, 22.11.2021) „ Es wird ja niemand gegen seinen Willen geimpft. Selbst die Impfpflicht führt ja dazu, daß man sich zum Schluss freiwillig impfen lässt .“ ( 19.1.2022 ) In Großbritannien “ist der Impfschutz ist so hoch, sie können die Tür ein Stück weit öffnen, aber wir können es nicht “. (Im Januar 2022 bei Markus Lanz, anzusehen hier ab 00:37:00.) Die tatsächlichen Impfquoten  zu jener Zeit: 71,4 % in Großbritannien (54,4 % geboostert), 72,7 % in Deutschland (47,6 % geboostert).  “ Wir müssen vermitteln, was ja auch so ist: Die Impfungen sind halt mehr oder weniger nebenwirkungsfrei. Das muss immer wieder gesagt werden .“ ( Twitter, 13.2.2022 ) “ Es ist durchaus möglich, dass wir eine hochansteckende Omikron-Variante  bekommen, die so tödlich wie Delta ist. Das wäre eine absolute Killervariante ." (17.4.2022, zit. hier .) „ Für alle, die noch immer im Unklaren sind, ob Masken gegen COVID schützen: Hier eine neue amerikanische Mega-Studie, die über 1.700 Studien auswertet. Der Nutzen der Masken ist sehr groß, unumstritten und gilt für viele Bereiche .” ( Twitter, 31.7.2022 .) Hingegen zeigen Hunderte Studien: Masken sind uneffektiv und gesundheitsschädlich, siehe z.B. hier und hier . Aber Lauterbachs "Mega-Studie"? Für sie waren zunächst 1.700 Studien ausgewählt, die meisten aber als minderwertig eingestuft worden. Bloß 61 kamen in die engere Auswahl, am Ende waren es 13, die für eine genaue Analyse in Betracht kamen. Im übrigen handelte sich um eine PrePrint- Studie, war also noch nicht von Fachleuten bewertet worden. Am Ende blieben 243 Patienten übrig – eine für wissenschaftliche Arbeiten sehr geringe Anzahl. "Lauterbach hat sich die Arbeit offensichtlich gar nicht angeschaut", vermutet Medizinstatistiker Gerd Antes. " Bin leider trotz großer Vorsicht an Corona erkrankt. Trotz 4. Impfung. Die Symptome sind noch leicht. Zur Vermeidung von Komplikationen nehme ich Paxlovid ." ( Twitter, 5.8.2022 ) Welche Schlüsse zog Lauterbach daraus bezüglich der Schutzwirkung der “Impfung”? Ein User mit dem Nicknamen "Professor Normal" schrieb: "Die Impfung schützt zuverlässig. Die 2. Impfung schützt zuverlässig. Die 3. Impfung schützt zuverlässig. Die 4. Impfung schützt zuverlässig. Manchmal weiß ich nicht, ob ich weinen oder lachen soll." “ Mit Regeln für den Herbst werden Maskenpflicht im Innenraum, Tests, neue Impfstoffe und Obergrenzen in Innenräumen ermöglicht wenn nötig. Viele wollen davon nichts mehr hören. Schon jetzt haben wir 100 Coronatote pro Tag, zu viele. Solidarität muss sein .” ( Twitter, 24.8.2022 ) “ In Deutschland wird COVID Medikament Paxlovid viel zu selten eingesetzt. Es könnte vielen das Leben retten. Daher wird Verschreibung jetzt einfach: Anruf beim Arzt mit Test und Symptomen, dann kann Bote kommen. Oder Gang zum Arzt: der händigt Paxlovid aus .” ( Twitter, 25.8.2022 ) “ In Israel zeigt Paxlovid bei Ü65 Senkung der Krankenhauseinweisungen von 75%. Auch bei Geimpften ähnlich wirksam. Wenn Paxlovid im Herbst schnell und gezielt eingesetzt wird kann es erheblich dazu beitragen, dass Krankenhäuser nicht überlastet werden ." ( Twitter 3.9.2022 ) Ende 2021 erreichte Pfizer für sein antivirales Medikament Paxlovid die Notfallzulassung in den USA und Europa. Als signifikant wirksam hatte es sich aber allenfalls bei ungeimpften Hochrisikopatienten erwiesen – aus dieser Gruppe waren aber schon fast alle geimpft, als Paxlovid verfügbar wurde. Paxlovid im Jahr 2022 flächendeckend einzusetzen, war deshalb nie gerechtfertigt . Demgegenüber stehen massive Nebenwirkungen wie Leberschäden, allergische Reaktionen bis hin zu anaphylaktischen Schocks sowie lebensgefährliche Blutgerinnsel, die Lauterbach verschwieg. (Siehe hier und hier .) " Paxlovid Tabletten, kurz nach Infektion bei Älteren eingesetzt, senken Krankenhauseinweisung um 90%. Es wird ein System mit Hausärzten vorbereitet, diese viel zu seltene COVID Lebensrettung regelmäßiger einzusetzen ." ( Twitter, 3.7.2022 ) " Es ist bedenklich, was wir bei Menschen beobachten, die mehrere Corona-Infektionen gehabt haben. Studien zeigen mittlerweile sehr deutlich, dass die Betroffenen es häufig mit einer nicht mehr zu heilenden Immunschwäche zu tun haben ." (In der “ Rheinischen Post ” Mitte Januar 2023.) „ Es verdichten sich die Studienhinweise, dass Long-Covid oft mit andauernder Entzündung des Gehirns einhergeht .” ( Twitter, 6.6.2022 ) Besagte Studie der Universität Amsterdam  hatte exakt zwei Probanden, die Kontrollgruppe bestand aus drei Personen. Wolfgang Kubicki kommentierte auf seiner Facebook-Seite : „Eine Studie mit zwei Probanden heranzuziehen, wäre vermutlich selbst jedem Shampoo-Hersteller für Werbezwecke zu peinlich.” Obwohl die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln im Februar 2023 endete, riet Lauterbach: “ Trotzdem sollte man freiwillig Maske tragen. Ich tue es auch. Um kein Long Covid zu riskieren und andere zu schützen ." ( Twitter 1.2.2023 .) Wiederholt berief sich Lauterbach auf Aussagen und Tweets eines gewissen Eric Feigl-Ding (1) – angeblich ein “profilierter” amerikanischer Epidemiologe und Gesundheitsökonom, der an der Harvard Medical School geforscht und gelehrt haben soll. So verbreitete er kritiklos-unüberprüft Beiträge von Feigl-Ding bezüglich der Gefährlichkeit bestimmter Virusvarianten oder Pandemieentwicklungen; In Floridas Krankenhäusern, so will er recherchiert haben, stapelten sich aufgrund laschen Seuchenschutzes die Särge von Corona-Infizierten bis zur Decke hinauf. (2) Dabei galt Feigl-Ding unter Kollegen längst als unseriöser Alarmist, in dem die “Covid-Heulboje” Lauterbach (O-Ton Oskar Lafontaine) anscheinend einen Bruder im Geiste fand. Zahlreiche Kollegen kritisieren seine Posts als übertrieben, ungenau und irreführend. Tara Smith, Infektiologin der University of Arizona, bezeichnete Feigl-Ding als "eine konstante Quelle von Wissenschafts-Fehlinformation". Eine Virologin der Columbia University, Angela Rasmussen, fand in seinen Beiträgen ein wiederkehrendes Muster: Er poste spektakuläre Aussagen ohne Kontext („ sensational and out of context “), wichtige Einschränkungen („ caveats “) tauchten erst später im Thread auf. Dieses Vorgehen scheint vor allem darauf aus, Aufmerksamkeit, Klicks und Follower zu generieren. Rasmussen schreibt: „Das ist sein modus operandi : Er tweetet etwas Sensationelles, lässt wichtige Vorbehalte weiter unten verschwinden und beobachtet, wie die Klicks und Retweets kommen.“ Die Zeitschrift Health Journalism   weist darauf hin, Feigl-Ding habe “überhaupt keine wissenschaftliche Erfahrung” mit Infektionskrankheiten – wie übrigens auch Lauterbach -, somit mangle es ihm an Qualifikation, fundierte Kommentare abzugeben. Er betreibe epistemic trespassing , d.h. er verlasse sein Fachgebiet. Das Online-Magazin The Daily Beast  wirft ihm “ Fearmongering hyperbole ” vor – Panikmache und Übertreibungen -, mittels überspitzter Sprache (“„ thermonuclear pandemic level “) als bevorzugtem Stilmittel. Der Harvard-Epidemiologe Marc Lipsitch nennt ihn einen „Scharlatan, der eine dürftige Verbindung zu Infektionsepidemiologie für Selbstpromotion ausnutzt“; er poste „80 % konventionelles Wissen, 20 % verrückte Pseudowissenschaft“ und sei zu „100 % derivativ“ – von irgendwoher abgeleitet statt selber erforscht. Was sagt es über Karl Lauterbach aus, aus einer solchen Quelle schöpfen zu müssen?  Wer im Glashaus sitzt, sollte selbst im schlechtesten Film nicht mit Steinen werfen.  ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1)   https://www.bz-berlin.de/deutschland/lauterbach-warnt-wieder-vor-corona ; https://x.com/karl_lauterbach/status/1690408278499405824 ; https://x.com/karl_lauterbach/status/1605116782678872064 , https://x.com/Karl_Lauterbach/status/1350781825896091648 , https://x.com/Karl_Lauterbach/status/1383469720058286097 , https://x.com/Karl_Lauterbach/status/1427777634755297285 , https://x.com/Karl_Lauterbach/status/1464179597709393937 , https://x.com/Karl_Lauterbach/status/1469725500016893955 , https://x.com/Karl_Lauterbach/status/1466843683114950665 (2)   https://www.infosperber.ch/gesundheit/mpox-professoren-verbreiteten-falschinformationen-auf-twitter/ , https://www.merkur.de/politik/corona-eskalation-new-york-lauterbach-twitter-92458749.html

  • Hoffnungslos? Von wegen.

    Wie jeder Schulmediziner zu wissen glaubt, schreitet die gefürchtete Nervenkrankheit ALS unerbittlich und unumkehrbar fort – zum sicheren Tod, ausnahmslos. Stillstand, Besserung, oder gar Heilung? Unmöglich. Ausgerechnet ein betroffener Arzt lässt sich trotzdem auf einen Geistheiler ein, wird „fernbehandelt“ – und schlagartig lassen seine Symptome nach. Ebenso Wundersames erleben weitere Patienten. Ein Hoffnungsschimmer? English version here » Heimtückisch schleichend beginnt sie, die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). (1) Erstes Anzeichen ist oft Muskelschwäche, meist in einer Hand, einem Arm oder Bein: Immer öfter stolpert man, lässt Gegenstände fallen. Heben und Tragen, Aufstehen und Treppensteigen werden mühsam. Die Feinmotorik ist zunehmend gestört – Auf- und Zuknöpfen, Nähen, Schreiben, Zeichnen, das Binden von Schnürsenkeln fallen seltsam schwer; man greift unsicher nach kleinen Objekten wie Nadeln und Büroklammern, hantiert ungeschickt mit Besteck. Muskeln zucken. Früher oder später sind Sprechen und Schlucken beeinträchtigt. Im weiteren Verlauf breiten sich Lähmungen und Muskelschwäche von einzelnen Körperregionen auf andere aus. Schließlich erfassen sie die Atemmuskulatur. Warum? Bei ALS sterben Motoneuronen – jene Nervenzellen, die für Bewegung zuständig sind – im Gehirn und Rückenmark nach und nach ab. Dadurch verlieren Muskeln ihre Steuerung, werden schwächer, bauen ab. ALS verläuft individuell unterschiedlich, aber immer fortschreitend, so heißt es – von ersten Symptomen bis zur vollständigen Lähmung aller willkürlichen Muskeln, oft mit Atemversagen als Todesursache. “Wie eine brennende Kerze” Denken und Gedächtnis, Gefühle und Sinneswahrnehmungen sind in der Regel nicht beeinträchtigt. ALS-Patienten erleben ihren gnadenlosen Verfall deshalb bis zuletzt bei vollem Bewusstsein. „ALS ist wie eine brennende Kerze”, sagte der US-Soziologe Morrie Schwartz, selbst ein Betroffener, kurz vor seinem Tod: “Sie schmilzt deine Nerven und lässt deinen Körper als Wachs zurück ... du kannst dich nicht mehr selbst tragen ... du kannst nicht mehr gerade sitzen. Am Ende, wenn du noch lebst, ist deine Seele, vollkommen wach, in einem schlaffen Körper eingesperrt ... wie in einem Science-Fiction-Film, der Mensch, gefangen im eigenen Fleisch.“ (2) Von 100.000 Menschen sind 3 bis 8 betroffen - 6000 bis 9000 allein in Deutschland (3), weltweit bis zu 640.000. Hoffnungslos? Droht ihnen allen ein vorzeitiges, qualvolles Sterben? Ja, zumindest aus Sicht der Schulmedizin. Spontane, gar dauerhafte Verbesserungen von ALS sind ihr nicht bekannt. Physiotherapie und Logopädie können Symptome anfangs zwar ein wenig lindern, Lebensqualität verbessern und Funktionen eine Weile einigermaßen erhalten. Doch keine Therapie, kein Medikament vermag die Krankheit zu stoppen, geschweige denn umzukehren. ALS gilt als unheilbar, irreversibel und progredient. Betroffener Arzt setzt auf Geistiges Heilen Was es bedeutet, in eine solche Notlage zu geraten, muss Dr. Werner Herbig* niemand erst noch erklären. Der 78-Jährige, Vater von fünf Kindern, ist Facharzt für Allgemein- und Sportmedizin, fast 50 Jahre lang in eigener Praxis – nun aber „mit dem schulmedizinischen Latein am Ende“, so bekennt er. „Polyneuropathie beider Füße, zunehmende Gangunsicherheit, inzwischen Schwäche der Beinmuskulatur, chronifiziert Wirbelsäulenschmerzen und zunehmende Angst vor dem Rollstuhl.“ Seine Selbstdiagnose: ALS. Was tun, wenn ärztliche Kunst an ihre Grenzen stößt? Darüber hinausgehen, statt stehenzubleiben. Dr. Herbig versuchte es mit der wohl umstrittensten aller „alternativen“ Heilweisen, die so gut wie alle seine Kollegen als esoterischen Quatsch abtun: Geistiges Heilen . Was er ihnen voraushat, sind Neugier, Offenheit und Bescheidwissen. Zahlreiche Fort- und Weiterbildungen hatten ihn mit erfahrungsheilkundlich-energetischer Medizin bereits vertraut gemacht: von Bioresonanz über Kinesiologie bis Quantenheilung, Healing Code  und Healing Hands . Und so fiel es Dr. Herbig nicht sonderlich schwer, sich einem medizinischen Laien wie Ferry Tufeis  anzuvertrauen. Seit der gebürtige Ungar, 1966 geboren, im Jahr 2016 zu praktizieren begann, gilt er für vermeintlich unheilbare Patienten aus aller Welt als Geheimtipp. Rund 7000 behandelte er bisher. Dass er tausende Kilometer von ihnen entfernt  wohnt – in Ostasien -, beeinträchtigt Erfolge anscheinend nicht im geringsten. Dabei konzentriert sich der Heiler auf Lähmungen aller Art, aufgrund besonders schwerer Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparats; überwiegend gelten sie als unumkehrbar und verschlimmern sich oft unerbittlich: von Wirbelsäulenleiden über Rheumatoide Arthritis und Multiple Sklerose bis hin zu Lähmungen nach Unfall oder Schlaganfall – und eben auch Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und andere Motoneuron-Erkrankungen. So sicher ist sich Ferry Tufeis seiner Fähigkeiten, dass er sich im Frühjahr 2025 auf einen außergewöhnlichen Test einließ, nachdem er Kontakt zu meiner Stiftung Auswege  aufgenommen hatte: Er erklärte sich bereit, Personen mit Lähmungen mehrere kostenlose Probebehandlungen anzubieten. Vier Interessenten ließen sich darauf ein. Was kam dabei heraus? Kurzum: eine Erfolgsquote von 100 %.   “Du bist wie neu!” Dies gibt auch Dr. Herbig zu denken. Was hat er schon zu verlieren? Kurz entschlossen setzt er sich mit dem außergewöhnlichen Heiler in Verbindung – und schon am darauffolgenden Tag, dem 20. Juni 2025, beginnt die Fernbehandlung. Fünf Tage später, nach der vierten Sitzung, berichtet der Arzt im Telegrammstil: „Beine insgesamt 50% besser, Gang auf Treppe nach oben bei 80% von normal, nach unten 60% von normal, freihändig. Gang insgesamt ‚beschwingter‘, sicherer. Mental plus 50%, gelegentliche kurze Stimmungseinbrüche.“  Ein vielversprechender Anfang. Und nach der fünften Sitzung? Am 28. Juni schildert der Arzt in Stichworten, wie für ihn die letzten drei Tage verlaufen sind: „Füße, Beine: gut, gleichbleibend 80 %. Treppe stagniert bei ungefähr 80%. Weiteres Gehen: nach ca. 300 Metern Ziehen im Rücken rechts unten, löst sich beim weitergehen, Gehstrecke um 100 % verbessert. Wirbelsäule: beim morgendlichen Aufstehen weiterhin Schmerzen rechts unten, dauern ca. 3 Stunden. Mental: Verbesserung um 100 % - gelöste, lockere, positive Stimmung. Am Abend nach unserer fünften Sitzung sagte meine Liebste“ , eine Heilpraktikerin und ehemalige Krankenschwester: „‚Du bist wie neu!‘ Auf ihre Frage ‚Bist du glücklich?‘ konnte ich nach vielen Monaten erstmals ganz ehrlich sagen: JA!“  (In Großbuchstaben.) So viel neue Kraft und Zuversicht schöpfte der Arzt – innerhalb von gerade mal acht Tagen Fernheilen -, dass er nun auf weitere Sitzungen erst mal verzichtet. Nach Tufeis‘ Instruktionen möchte er sich alleine weiterbehandeln. „Und jetzt ist das vorbei!“ – Heilerfolge machen ALS-Patientin „glücklich“ Neue Hoffnung schöpft auch Rita Neumann*. Dass sie ALS hat, eröffnete ihr ein Neurologe der Uniklinik Gießen Anfang Dezember 2024 – ein Jahr nachdem ein erstes Anzeichen auftrat, eine Fußheberschwäche: „Der rechte Fuß ließ sich nicht abrollen, Fersenstand war nicht mehr möglich, der Fuß drehte sich leicht nach innen.“ Ungefähr ein halbes Jahr später „konnte ich den rechten Fuß nicht mehr bewusst steuern, die Kraft im Fuß ließ nach, und nach und nach im gesamten rechten Bein.“ Bald darauf wird auch das linke Bein schwächer. Gleichgewichtsstörungen beim Stehen und Gehen beginnen. Ende 2024 setzen in allen Gliedmaßen feine Zuckungen ein. Arme und Hände verlieren an Kraft, die Feinmotorik beginnt nachzulassen. Und erstmals hat Rita beim Atmen Schwierigkeiten. Vorübergehend Erleichterung verschafft ihr ein Geistheiler aus dem Harz, von dem sie sich ab Anfang 2025 ein Vierteljahr lang behandeln lässt. „In den ersten vier Wochen verringerten sich drei Symptome und eines verschwand sogar ganz“, erinnert sich Rita. „Ich war unsagbar erleichtert und sehr dankbar! Doch ab Ende Februar stagnierten die Heilerfolge, und meine größte Einschränkung, die Schwäche in den Beinen, verschlimmerte sich weiter. Von Woche zu Woche konnte ich schlechter laufen, und auch in den Armen und Händen ließ die heilende Wirkung nach. Kleine Gegenstände fielen mir wieder öfter aus der Hand, und ich hatte Schwierigkeiten, auf einer Tastatur die richtigen Buchstaben zu treffen, am Laptop und vor allem am Handy. Ab März „gab es nicht nur einen Stillstand, sondern einen Rückschritt“, berichtet die Patientin. „Die Nervenzellen sterben weiter ab, das merke ich an den leichten, typischen Nervenzuckungen, die wieder häufiger auftreten, in Armen, Beinen und im Rumpf. Das Gehen wird viel schlechter. Fast wöchentlich kann ich hier eine Verschlechterung feststellen. Auch die Gleichgewichtsstörungen werden schlimmer. Wenn ich still stehen will, schwanke ich, und wenn ich gehen will, wanke und hinke ich.“ „Wie ein Lichtschimmer am dunklen Horizont“ „Wie ein Lichtschimmer, der am dunklen Horizont auftaucht“, ist für Rita in dieser Situation ein Internet-Artikel über Ferry Tufeis. Am 12. Juni findet eine erste Fernbehandlung statt; bis 1. Juli 2025 folgen ihr 19 weitere, per Video-Telefonie, immer zur selben Uhrzeit. „Bereits bei der ersten Sitzung fand ich Herrn Tufeis sympathisch, und schon bald  hatte er mein Vertrauen gewonnen, getragen von Zuneigung und  Respekt. Er geht sehr methodisch vor. Dazu gehört auch, dass der Patient nach jeder Sitzung seine Fortschritte, aber auch eventuelle Rückschritte protokolliert und ihm den Kurzbericht per E-Mail zuschickt. So hat er einen Überblick über den Heilungsprozess und weiß, woran er noch arbeiten muss, sprich welche Körperteile des Patienten er schwerpunktmäßig behandeln muss.“ Gleich nach dem ersten Termin schildert die 70-jährige ALS-Kranke ihrem Heiler, was sie erlebt hat: „Unmittelbar danach war ich total erschöpft, bin früh zu Bett gegangen und schlief zehn Stunden durch. Verbessert haben sich: -  Anheben des rechten Beins, um 30% -  Gleichgewicht beim Stehen und Gehen und auch Bücken, um 20%. -  Schmerzen im rechten Knie bei jedem Schritt, um 50% Gleichgeblieben sind Schmerzen im Ringfinger, wenn ich eine Faust mache. Während der Behandlung waren sie verschwunden, sind aber wiedergekommen. Ein wenig verschlechtert, um schätzungsweise 20 %, haben sich Schmerzen in der rechten Hüfte. Sie waren ganz weg, sind aber wiedergekommen, doch nur ganz leicht.“ Und „schon nach der zweiten Sitzung hatte sich die Feinmotorik der rechten Hand um 90% verbessert; mir fiel nichts mehr aus der Hand, und ganz leicht und schnell konnte ich eine Nachricht ins Handy tippen. Ich konnte wieder aus der Hocke aufstehen: Was vorher nur mit Mühen gelang, hatte sich um 30% verbessert, mittlerweile um 50%. Die Schmerzen im rechten Knie, durch Fehlhaltung beim Laufen entstanden, waren ganz verschwunden. Zu 100%!“ An den darauffolgenden sieben Tagen findet jeweils eine weitere Fernheilsitzung statt. Anschließend, am 20. Juni 2025, erstattet Rita den nächsten Bericht. Das Ausmaß von Veränderungen, verglichen mit ihrem Zustand vor Behandlungsbeginn, schätzt sie erneut in Prozent ein: „Verbesserungen: 1) Anheben des rechten Beins, um 70%, 2) Gehen auf gerader Ebene, um 30%, 3) Gleichgewicht beim Stehen und Gehen, um 20%, 4) Aufstehen aus der Hocke, um 30%, 5) Feinmotorik der Hände, der Finger, um 90%, 6) Schmerzen rechte Schulter, um 10% 7) Schmerzen rechter Zeigefinger, um 50% Zurückgekehrte Beschwerden: Schmerzen im rechten Knie bei jedem Schritt, um 10%; hatte sich direkt nach der 1. Behandlung um 50% verbessert, danach weitere Verbesserung auf gesamt 80%, jetzt zurückgefallen auf 10%. Gleichgeblieben: -  Eine Treppe zu gehen, ist nach wie vor mühsam, sowohl hinauf wie auch herunter. -   Fersenstand ist nicht möglich. Bei jedem Schritt trete ich zuerst mit dem Fußballen auf statt mit der Ferse. - Fußkreisen ist nicht möglich. - Zehen anheben geht im Stehen überhaupt nicht, im Sitzen kaum. -  Das Anwinkeln des rechten Unterschenkels nach hinten, Richtung Gesäß, ist nur minimal möglich. Verschlechterung: -  "neue" Schmerzen heute morgen -  Der linke Oberschenkelknochen, vor dem Übergang zur Hüfte, tut weh. Es ist keine Spannung, es ist ein Schmerz. Es kommt mir vor wie eine Entzündung, -  Schmerz im rechten Knie.“ „Über jeden Fortschritt freue ich mich wie ein Kind“ Am 23. Juni, nach der zwölften Behandlung, folgt der nächste positive Bericht. „1) Das Laufen hat sich um 40% verbessert, seit gestern. Heute morgen klingelte mein Handy, es lag etwa zehn Meter weit weg. Ich wollte mich beeilen, um den Anruf anzunehmen. Und es funktionierte! Ich konnte die 10 m viel schneller und sicherer gehen als gestern -  und auch vor einer Woche noch.  2) Das Aufstehen, wenn ich sitze, hat sich um 60% verbessert. Sei es vom Stuhl, von der Couch, von der Bettkante. Gerade beim Aufstehen von der Toilette fällt es mir seit drei, vier Tagen besonders auf. Ich musste mich vorher mit einer Hand abstützen und mit der anderen am Waschbecken hochziehen. Jetzt halte ich mich nur noch leicht am Waschbecken fest zur Unterstützung, damit ich einen Halt habe, falls ich das Gleichgewicht verliere.  3) Präzise Bewegungen mit der rechten Hand, haben sich verbessert um 60%, seit ca. 4 Tagen. Mir fällt nichts mehr aus der Hand. Tippen ins Handy klappt sehr viel besser.Wenn ich etwas getrunken hatte und das Glas oder die Tasse wieder abstellen wollte, konnte ich es nicht ohne ein leichtes Zittern tun. Und jetzt - ist das vorbei! Zielsicher und präzise kann ich ein Weinglas wieder abstellen. 4) Krämpfe in den Beinen in der Nacht: um 100 % verbessert. Seit dem ersten Behandlungstag habe ich keine Krämpfe mehr gehabt, auch nicht den leisesten Ansatz eines Krampfes.“ Ihren jüngsten Bericht verfasst Rita am 1. Juli, unmittelbar nach der 20. Behandlung. Die guten Nachrichten setzen sich fort: „Das Laufen hat sich seit gestern um 5% verbessert, seit Behandlungsstart um 35%. Feine Nerven- oder Muskelzuckungen, die sich wie leichte Stromschläge anfühlen, sind in den Beinen jetzt ganz verschwunden. Rückfälle gibt es keine, jedenfalls keine sehr auffälligen. Vielleicht die Feinmotorik der Hände. Ich meine, dass die Vertipperei beim Scheiben auf der Handytastatur wieder 20 bis 30 % öfter vorkommt als noch vor fünf Tagen - da war alles OK gewesen.“ „Die Liste könnte ich fortsetzen, denn die kleinen Verbesserungen habe ich hier gar nicht aufgeführt.“  Alles in allem  „kam nach fast jeder Sitzung ein ‚kleines Wunder‘ hinzu“, so lautet Ritas Zwischenbilanz.  „Über jeden Fortschritt freue ich mich wie ein Kind, fühle mich glücklich und bin Ihnen sehr, sehr dankbar“,  so schreibt Rita ihrem Heiler. „Mit Ihrer Hilfe hat sich schon vieles gebessert.“ Ritas momentanes „Hauptproblem ist der rechte Fuß und das rechte Bein. Bis das Gehen wieder so automatisch abläuft wie früher, müssen wir noch länger daran arbeiten, ein Jahr ungefähr, schätzt Ferry. Mit diesem begabten und empathischen Heiler an meiner Seite werde ich das schaffen, daran glaube ich ganz fest.“ Ebenso zuversichtlich ist Ferry Tufeis, mahnt aber zur Geduld: „Normalerweise benötigen ALS-Patienten mit einem ähnlichen Schweregrad wie bei Rita ein Jahr und mindestens 50 Behandlungen.“ Coronoia verhindert „Wunder“ Erst in fortgeschrittenem ALS-Stadium, bereits bettlägrig und den Tod vor Augen, wendet sich die 66-jährige Dóra Horváth* an Ferry Tufeis. Schon anderntags, am 27. September 2023,  findet die erste Sitzung statt.  In den darauffolgenden Wochen erlebt auch diese Patientin verblüffende Besserungen – bestätigt von medizinischem Fachpersonal. “Der Physiotherapeut hat mich heute wieder gelobt”, berichtet Dora nach sieben Wochen. “Er sagte, er sehe eine Besserung, nicht nur an meiner Hand, sondern auch an meinem Oberschenkel, der immer besser arbeite. Beide Daumen bewegen sich und ich kann sie immer fester drücken.” Schlucken und Atmen klappten wieder deutlich besser. Ihr Arzt staunte, “weil er mich in so guter Verfassung vorgefunden hat, nachdem er mich seit einem Jahr nicht mehr gesehen hatte”. Bereits gegen Ende der zweiten Behandlungswoche “reagieren meine rechte Hand und mein rechtes Bein bereits gut auf willentliche Anweisungen”. Finger werden beweglicher. In Händen und Beinen setzt “ein Kribbeln wie bei Nadelstichen” ein. Ihr Heiler sieht in dieser Empfindung ein gutes Zeichen: “Das ist völlig normal und tritt ausnahmslos bei allen meinen gelähmten Patienten auf. So beginnt der Rückbildungsprozess. Das passiert auch, wenn wir unsere Hände ‘einschlafen’ lassen und sie sich wie taub anfühlen - dann beginnt die Wiederbelebung der Gliedmaßen und es kommt zu den nadelstichartigen Empfindungen. Obwohl dies manchmal sehr unangenehm ist, sollte man es dennoch mit Freude annehmen, denn es ist einer der Schlüssel zur Heilung.” Ebenfalls schon nach zwei Wochen wundert sich Dora darüber, dass sie immer häufiger mit Muskelkater in Armen, Beinen und der Brust aufwacht. “Das sind sehr gute Nachrichten und gute Zeichen”, erklärt ihr der Heiler. “Sie haben Muskelkater, weil Sie Ihre Arme aus eigener Kraft bewegt haben, während die Nervenbahnen wieder aktiv werden. Würde jemand anderes Ihre Körperteile mit den abgestorbenen Nervenbahnen bewegen, so würden Sie keinen Muskelkater spüren, es sei denn, die für die Bewegung verantwortlichen Nervenzellen und Energiebahnen werden wieder aktiviert. Am meisten freue ich mich darüber, dass Sie den Muskelkater auch in der Brust gespürt haben – es bedeutet, dass auch die Nervenzellen, welche die Lunge umgeben, aktiviert wurden.” Trotzdem erlebt Dora das Jahresende 2023 nicht mehr. Aber nicht ALS tötete sie – sondern Fehlentscheidungen von pandemisch verwirrten Angehörigen und Ärzten. Nachdem ein Corona-Test positiv ausgefallen war, beschloss der Familienrat, Dora schnurstracks ins Krankenhaus zu schaffen. Dort wurde sie künstlich beatmet – und dadurch `binnen drei Tagen umgebracht, wie unzählige SARS-CoV-2-Infizierte vor ihr. (4) Keine Gesetzmäßigkeiten, keine Garantie Kein Fall gleicht dem anderen, wie Ferry Tufeis klarstellt. „Der Heilungsprozess verläuft nicht gleichmäßig und überall. Es ist nicht vorhersehbar, in welcher Reihenfolge und in welchem Tempo die Heilung voranschreiten wird. Bei jedem Patienten verlaufen die Prozesse anders, und es gibt keine zwei Fälle, die sich völlig gleich entwickeln.“ Und so kann der Heiler „ALS-Patienten nicht im voraus sagen, wie viele Sitzungen sie benötigen, weil dies von vielen Faktoren abhängt. Meine Therapie besteht aus zwei Phasen. Die erste Phase dauert so lange, bis wir das Fortschreiten der Krankheit stoppen und es zu keiner nennenswerten Verschlechterung oder Rückfall kommt. Dies verlief bisher bei jedem Patienten anders, maximal 25 Behandlungen waren dafür nötig. Der zweite Teil meiner Therapie besteht in der Regeneration, bis ein symptomfreier Zustand erreicht ist.“ Eine Genesung hänge entscheidend davon ab, ob der Patient strikt die Anleitungen des Heilers befolge – und zwischen den Terminen die „energetischen“ Übungen mache, die ihm aufgetragen werden. „Diejenigen, die auf mich hören und meine Anweisungen befolgen, genesen schneller als diejenigen, die nur halbherzig mitarbeiten.“ Immer wieder aufs neue bewahrheitet sich Tufeis´ Erfahrung: „Alle Krankheiten sind heilbar – aber nicht jeder Kranke.“ Ein „Immun-Booster“ hilft mit Zu Behandlungserfolgen trägt anscheinend etwas bei, das Tufeis „Immun-Booster“ nennt. Hilfesuchende bekommen von ihm ein Rezept, nach dem sie diesen selber herstellen können: eine „sorgfältig zusammengestellte Mischung natürlicher Substanzen – sie trägt magische Energie in sich und transportiert die Kraft und Schwingung der Natur“, wie der Heiler versichert. „Sie stärkt das Immunsystem, kann Krankheiten vorbeugen und den Heilungsprozess unterstützen.“ Dieses Nahrungsergänzungsmittel, einzunehmen als 14-tägige Kur, besteht aus 19 Zutaten – von Ingwer und Kurkuma über Oliven- und Kürbiskernöl bis zu Artemisia Annua , jenem Korbblütler, den die traditionelle chinesische Medizin seit Jahrhunderten verwendet. Zur Mixtur gehört auch kolloidales Gold , eine Flüssigkeit, in der sich winzige Goldpartikel - meist im Nanometerbereich - in Wasser oder einem anderen Lösungsmittel verteilen. Ebenfalls zur Mischung gehören hundert Milliliter Dimethylsulfoxid (DMSO):  Als “Wundermittel” gehypt, von Schulmedizinern zu Unrecht verteufelt, entfaltet es bei richtigem Einsatz tatsächlich oftmals verblüffende Heilwirkungen. Jedem Patienten schärft Tufeis ein, sich beim Zusammenstellen und Anwenden des “Immun-Boosters” genauestens an seine Vorgaben zu halten: sei es eine bestimmte Anzahl Gramm oder Milliliter der Zutaten, sei es das schrittweise Erhöhen der Dosis, sei es die Einnahme eine Stunde vor und zwei Stunden nach jeder Mahlzeit, sei es die Flüssigkeitsaufnahme dazwischen – erlaubt sind ausschließlich sauberes Wasser oder Kokossaft. Und nur Löffel aus Holz dürfen verwendet werden, keine aus Metall oder Plastik, denn solche würden mit der Mischung wechselwirken. Nachdem der Patient die Mixtur selber zubereitet hat, “energetisiert” der Heiler sie online: “Ich ergänze sie mit zusätzlichen Informationen und programmiere sie für ihre Aufgabe.” Ein „Unheilbar“ gibt es für Ferry Tufeis nicht. „Ich weiß, dass es immer einen Weg zurück gibt.“ Was Schulmediziner glauben, lässt ihn kalt. „In den Augen der Ärzte ist es ja schon ein Wunder, wenn sich der Zustand eines Patienten nicht verschlechtert. Dass er sich verbessert, ist für sie fast unvorstellbar. Ich habe das schon oft erlebt und gesehen, wie sie angesichts der Tatsachen fassungslos dastanden.“ Was bewirkt „energetisches Heilen“ bei ALS? Worauf beruht die Heilwirkung der mysteriösen „Energie“, die von Tufeis  ausgeht – anscheinend verstärkt durch seinen „Booster“ und die mentalen Übungen, die er Patienten machen lässt? Irgendwie regt diese sonderbare Komposition umfassende Selbstheilungsprozesse an: Entgiftung und Regeneration. Wovon entgiften? Nach Ansicht des Heilers „haben ALS und andere Formen von Motoneuronen-Erkrankungen (MND), Multiple Sklerose und Rheumatoide Arthritis ähnliche Ursachen. Ich glaube, dass sie alle durch Toxine verursacht werden: durch Schwermetalle, Pestizide, Medikamente, Bestandteile von Impfstoffen, chemische Zusätze in Nahrungsmitteln und Getränken, winzigste Plastikteilchen. Durch die Blut-Hirn-Schranke gelangen sie ins Gehirn. Dort greifen sie das zentrale Nervensystem und die Motoneuronen an.“ Für diese Vermutung liefert neuere Forschung durchaus Anhaltspunkte: Zahlreiche Studien zeigen inzwischen statistische Zusammenhänge zwischen ALS und Pestiziden (5), organischen Schadstoffen  wie PCB und OCP, Schwermetallen und Lösungsmitteln . Auch Mikro- und Nanoplastik werden als ALS-Risikofaktoren zunehmend diskutiert. (6) Darüber hinaus sieht Tufeis Parasiten am Werk: „Sie befallen nicht nur das Gehirn und das Nervensystem, sondern auch das Rücken- und Knochenmark. Ich glaube, dass Ärzte bei jeder Autopsie von Menschen, die an ALS gestorben sind, Parasiten in Gehirn, Wirbelsäule und Knochen finden würden, sobald sie gezielt danach suchen.“ Humbug? Auch diese Überzeugung ist in Wahrheit alles andere als abwegig, wie Neurobiologen wissen. Zwar scheitern die meisten Parasiten an der Blut-Hirn-Schranke (BHS): einer dünnen Zellschicht aus speziellen Endothelzellen, welche die Blutgefäße im Gehirn auskleidet. Sie schirmt das empfindliche Hirngewebe gegen Schadstoffe und Krankheitserreger ab. Gleichzeitig lässt sie wichtige Stoffe wie Sauerstoff, Glukose und bestimmte Aminosäuren durch – aber nur streng kontrolliert. Die BHS funktioniert wie eine Grenzkontrolle mit Hochsicherheitscheck: Nur bestimmte, ausgewählte Moleküle dürfen sie passieren. Das geschieht über aktive Transporter - wie kleine Förderbänder für z. B. Zucker - und Enzyme, die unerwünschte Stoffe abbauen; zudem sind in der BHS Zellen besonders eng verbunden ( tight junctions ), um fast nichts durchzulassen. Es gibt aber Parasiten, die sich gezielt anpassen, um ins Gehirn einzudringen. Dazu zählt Toxoplasma gondii:  ein Einzeller, der wie ein winziges U-Boot mit eingebautem Raupenantrieb über Oberflächen kriecht oder gleitet. Er ist imstande, Endothelzellen aktiv zu durchdringen. Auch gelingt es ihm, sich in Immunzellen einzunisten, die er dann als „Trojanisches Pferd“ nutzt. (7) Im Gehirn sorgt der Parasit für Gefäßveränderungen, Entzündungsreaktionen, Mikrothrombosen und winzige Zysten, Nekrosen von Nervenzellen und Gewebe; er beeinflusst Neurotransmitter und Signalwege. All dies geschieht lange Zeit unbemerkt, ohne jegliche Symptome. (8) Doch besonders bei immungeschwächten Menschen kann eine latente Toxoplasmose irgendwann neurodegenerative Schäden hervorrufen, die zu Bewegungsstörungen führen: Reaktionszeiten verlangsamen sich, die Koordination ist gestört, die motorische Feinsteuerung ist beeinträchtigt. (9) Kurzum: Wie es zu Motoneuronen-Erkrankungen wie ALS kommt, ahnt Ferry Tufeis womöglich eher als 99 % aller Ärzte, die damit zu tun bekommen. Aber können geschädigte oder gar abgestorbene Bewegungsnerven im Gehirn und Rückenmark überhaupt wiederhergestellt oder ersetzt werden? Die kurze Antwort heutiger Neurologen landet: Nein, ausgeschlossen. Allerdings arbeiten Wissenschaftler daran, die Regeneration zu fördern: mittels Wachstumsfaktoren, Stammzell- und Gentherapie. Deuten Tufeis´ Behandlungserfolge nicht auf einen weiteren Weg hin – einen, den nicht Medizintechnik eröffnet, sondern ein paraphysikalisches Mysterium, das ein begnadeter Heiler irgendwie therapeutisch zu nutzen versteht? Oder will uns jemand allen Ernstes weismachen, dass die Besserungen bei Dr. Herbig und Rita Neumann allein auf Suggestionen und dem Placebo-Effekt beruhen? Warnung vor überzogenen Erwartungen Seit sich Ferry Tufeis im Februar 2021 des ersten ALS-Patienten annahm – des Hausmeisters eines Krankenhauses -, hat er sechs weitere behandelt. Außer Dora starb noch keiner. Dass ALS-Kranke längere Zeit nach ihrer fatalen Diagnose noch immer leben, kommt freilich nicht überraschend. Die Lebenserwartung liegt im Durchschnitt bei 2 bis 5 Jahren – mit großen individuellen Unterschieden: Einigen Betroffenen bleiben nur wenige Monate, anderen zehn Jahre oder länger – wie z.B. dem bekannten Physiker Stephen Hawking, der Jahrzehnte mit der Krankheit lebte. „Der Arzt, der bei mir ALS diagnostizierte, sagte mir, dass es mich in zwei oder drei Jahren umbringen würde”, erinnert sich Hawking - doch diese Voraussage widerlegte er 55 weitere Jahre lang. Wie die Krankheit im Einzelfall verläuft, wie rasch sie fortschreitet, trauen sich bloß wirre Kaffeesatzleser und unseriöse Ärzte zu prophezeien. Von Ed Dobson (1949-2015).  1949 in Nordirland geboren, kam der Pastor 2014 in die USA, wo er eine wichtige Rolle in der Moral Majority  spielte, einer konservativen christlichen Organisation der 1980er Jahre. 2000 wurde bei ihm ALS diagnostiziert. Am 28. Dezember 2015 starb er daran. Wenn nicht auf ein mindestens ewiges Leben: Worauf können ALS-Patienten überhaupt hoffen, falls sie in höchster Not nach einem letzten Strohhalm namens Geistiges Heilen greifen? Zumindest auf einen längeren Zeitraum, in dem geschieht, was Schulmedizinern ausgeschlossen scheint: Stillstand der verheerenden Dynamik, deutliche Besserung mehrerer übler Symptome. Ist das etwa kein Geschenk des Himmels für Menschen, die als unrettbar todgeweiht gelten? Wäre es wertlos, falls es nicht von Dauer ist? Als Stephen Hawking seine Diagnose erfuhr , “wurden meine Erwartungen mit 21 auf null reduziert. Alles, was danach kam, war ein Bonus.“ Darüber, wie hoch dieser Bonus ausfällt, entscheiden zwei Faktoren mit, die auch der begnadetste Heiler nur begrenzt beeinflussen kann, wenn überhaupt: eine unerschütterlich lebensbejahende Einstellung und reichlich soziale Unterstützung. „Wenn du behindert bist, ist es wahrscheinlich nicht deine Schuld, aber es bringt nichts, der Welt die Schuld zu geben oder Mitleid zu erwarten”, mahnt Stephen Hawking. “Man muss positiv bleiben und das Beste aus der Situation machen, in der man sich befindet; wenn man körperlich behindert ist, kann man es sich nicht leisten, auch psychisch behindert zu sein. [...] Ich habe es nur geschafft, weil ich viel Hilfe von meiner Frau, meinen Kindern, Kollegen und Studenten bekommen habe. Ich finde, dass Menschen im Allgemeinen sehr bereit sind zu helfen, aber man sollte sie ermutigen, das Gefühl zu haben, dass ihre Bemühungen es wert sind, indem man selbst sein Bestes gibt.“ “Wie lange kann ich mit ALS leben?”, fragt sich eine Romanfigur der US-Neurowissenschaftlerin Lisa Genova. (10) “Ich dachte: Suche nicht nach Antworten. Lebe die Frage. Genieße das Leben wegen der Unsicherheit mehr, nicht weniger.“ P.S.: Beschimpft, gelöscht, blockiert - So reagierten ALS-Gruppen Angenommen, ich leide an einer schweren neurologischen Krankheit, die als unheilbar gilt und mich mit einem vorzeitigen, qual­vollen Tod bedroht. Wie würde ich dann auf einen Bericht über drei Leidensgefähr­ten reagieren – darunter ein Arzt -, denen es erheblich besser geht, seit sie sich auf eine unkonventionelle Therapie einließen, nämlich auf Geistiges Heilen? Ich wäre neugierig. Den Bericht würde ich gründ­lichst lesen, einschließlich der darin genannten Quellen, und weiterrecher­chieren. Ich würde mir sagen: Jede noch so geringe Chance ist besser als überhaupt keine mehr. Dem Hinweisgeber wäre ich dankbar. Um Näheres in Erfahrung zu bringen, würde ich ihn vielleicht kontaktieren. So ungefähr stellte ich mir die Reaktionen von acht Facebookgruppen für ALS-Betroffene vor,  mit denen ich am 5. Juli den folgenden Post teilte. (In meinem Account war er zwei Tage zuvor erschienen.) Dazu zählte eine besonders große Gruppe, der ich in der Vorwoche beigetreten war: ALS - Patient and Caregiver tips for every day living , mit knapp 37.000 Mitgliedern. Kaum hatte ich meinen Beitrag dort platziert, da brach über mich ein Shitstorm herein, auf den ich zuallerletzt gefasst war. Hier ein paar Kostproben: Was war da los? Würden Betroffene wirklich so reagieren: über jemanden, der sie freundlich zu informieren versucht, derart beleidigend, aggressiv, ja geradezu hasserfüllt herzufallen?  Kurz darauf verschwand mein Post – und mein Zugang zur Gruppe wurde blockiert. Rauswurf mit Ansage. Die übrigen ALS-Gruppen veröffentlichten meinen Beitrag gar nicht erst. Für ein derartiges Verhalten fallen mir nur drei Erklärungen ein: Angst und Verzweiflung fressen Verstand und Manieren. Besonders übel beleumundete Außenseitertherapien wie Geistiges Heilen wecken den Semmelweis-Reflex: Was nicht ins eigene Weltbild passt, wird von vornherein als Humbug abgetan. Und: Viele vermeintliche Selbsthilfegruppen in sozialen Medien verfolgen insgeheim eine schändliche Agenda. Ein Großteil von ihnen wurde von Pharmafirmen, ihren Interessenverbänden und Marketingagenturen ins Leben gerufen, und aus diesen Quellen fließen ihren Admins Gelder zu. Hinter vielen scheinbar Betroffenen verbergen sich in Wahrheit bezahlte Trolle, deren Job es ist, gegen unkonventionelle Heilweisen Stimmung zu machen. Jeden nicht­medikamentösen Weg, Leiden zu behandeln, ignorieren und verteufeln solche Gruppen deshalb von vornherein. ( Harald Wiesendanger ) P.S.: Am 6. September 2025 kam Ferry Tufeis bei einem Autounfall ums Leben - mit 59 Jahren. Wie viel Segensreiches hätte dieser herausragende Heiler noch bewirken können? Warum sind es so oft die Besten, die viel zu früh gehen müssen? Anmerkungen * Pseudonym (1)   Der Fachbegriff „Amyotrophe Lateralsklerose“ (ALS) stammt aus dem Griechischen und Lateinischen:   a - (griechisch) = „nicht“ oder „fehlend“; myo  (griechisch) = „Muskel“; troph (griechisch) = „Ernährung“;  lateralis (lateinisch) = „seitlich“; sklerose  (griechisch) = „Verhärtung“. Demnach benennt der Begriff eine Erkrankung, bei der es zu Muskelschwund durch fehlende Nervenversorgung (Muskelunterernährung) und zur Verhärtung (Sklerose) der seitlichen Anteile des Rückenmarks kommt, wo die motorischen Nervenbahnen verlaufen. (2)   Zitiert aus Tuesdays with Morrie : An Old Man, a Young Man, and Life's Greatest Lesson   (1997), verfasst von Schwartz’  ehemaligem Studenten Mitch Albom. In seinem Buch gibt er Gespräche mit seinem Professor während dessen letzten Lebenswochen wieder. (3)   https://als-charite.de/wp-content/uploads/2019/01/WAS-IST-ALS.pdf ; https://www.dzne.de/im-fokus/meldungen/2023/wissenschaftliche-erkenntnisse-im-kampf-gegen-als/ , https://www.dzne.de/aktuelles/hintergrund/amyotrophe-lateralsklerose-als/ , https://www.gelbe-liste.de/krankheiten/amyotrophe-lateralsklerose-als , https://www.betanet.de/als-allgemeines.html (4)   https://www.focus.de/gesundheit/news/bis-zu-50-prozent-sterben-daran-lungenarzt-fruehe-kuenstliche-beatmung-ist-groesster-fehler-im-kampf-gegen-corona_id_12787476.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=newsletter_GESUNDHEIT ; https://www.dailymail.co.uk/news/article-8290251/NYC-nurse-claims-coronavirus-patients-literally-murdered.html (5)   https://alsnc.org/research/scientific-focus-areas/environmental-factors/ , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22819005/ (6)   https://www.researchgate.net/publication/380446233_Nanoplastics_and_Neurodegeneration_in_ALS ; https://en.wikipedia.org/wiki/Microplastics_and_human_health (7)   Siehe Feustel SM u.a.: Toxoplasma gondii and the blood–brain barrier, Virulence 2012;3(2):182–192, PMID: 22460645, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22460645/ , Volltext (Open Access): https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3396697/ ; Ross EC u.a.: Early passage of Toxoplasma gondii across the blood–brain barrier. Trends in Parasitology  2022;38(6):450–461. DOI: 10.1016/j.pt.2022.02.003; https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35227615/ ; Volltext: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1471492222000332 ; Olivera GC u.a.: Blood–brain barrier–restricted translocation of T. gondii from cortical capillaries. eLife . 2021;10:e69182. DOI: 10.7554/eLife.69182; https://elifesciences.org/articles/69182 ; Ross EC u.a.: Toxoplasma effector-induced ICAM‑1 expression by infected dendritic cells potentiates transmigration across polarised endothelium. Fronters of Immunology  2022;13:950914. DOI: 10.3389/fimmu.2022.950914, https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fimmu.2022.950914/full ; Parlog A u.a.: Chronic murine toxoplasmosis is defined by subtle changes in neuronal connectivity. Disease Models & Mechanisms  2014;7(4):459–469. DOI: 10.1242/dmm.014183; https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fmicb.2024.1512233/full . (8)   https://doi.org/10.1186/s12879-021-05882-6 ; https://jneuroinflammation.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12974-024-03330-1 ; https://doi.org/10.1371/journal.pone.0258199 ; https://www.frontiersin.org/journals/nutrition/articles/10.3389/fnut.2022.827286/full (9)   https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11393824/ ; im Tierversuch: https://www.researchgate.net/figure/A-summary-of-past-studies-of-motor-performance-of-T-gondii-infected-mice_tbl1_263098844 (10) In Lisa Genova: Every Note Played  (2018).

  • Zum Haareraufen.

    Mit 600 Milliarden Euro könnte man unfassbar viel Sinnvolles bewerkstelligen – wenn man sie nicht schon verbraten hätte, um ebenso ineffektiv wie nebenwirkungsreich eine angebliche Seuche zu bekämpfen, von der frühzeitig klar war: Sie ist nicht gefährlicher als eine mittelschwere Grippewelle. Rund 600 Milliarden Euro: Mindestens so viel (1) war es dem deutschen Staat in den Jahr 2020 bis 2022 wert, die Corona-Krise zu bewältigen – obwohl diffamierten, mundtot gemachten Wissenschaftlern schon frühzeitig klar war, dass die sogenannte Pandemie wegen eines angeblichen „Killerkeims“ aus Wuhan in Wahrheit nicht tödlicher war als eine mittelschwere Grippewelle. (2) Allein der Bund verpulverte 63,5 Milliarden Euro für unergiebige Impfungen, Tests und Schutzausrüstung. Weitere 66,2 Milliarden flossen für Wirtschaftshilfen an Unternehmen, Sportvereine und Kulturveranstaltungen; 27,9 Milliarden für Steuererleichterungen wie die Senkung der Mehrwertsteuer; 24,2 Milliarden an die Agentur für Arbeit, unter anderem für Kurzarbeitergeld; 18,5 Milliarden Ausgleichszahlungen für Krankenhäuser. (3) Auf zusätzliche 116 Milliarden Euro beliefen sich die Mehrausgaben der Bundesländer und Gemeinden in den Jahren 2020 und 2021. Die Gesamtsumme der Corona-Hilfspakete von Bund, Ländern und Sozialversicherungen wird sogar auf 1,455 Billionen Euro beziffert – das entspräche 42 % des deutschen Bruttoinlandsprodukts vor der Krise. Und nun, da die Kohle weg und das Haushaltsloch abgrundtief ist, verfallen politisch Verantwortliche in Jammern und Wehklagen, so als träfe sie ein unabwendbarer Schicksalsschlag. Schuldbekenntnisse? Null. Zu keinem einzigen Rücktritt haben die haarsträubenden Fehlentscheidungen von hyperaktiven Coronoikern geführt. Vor Gericht stand keiner. Schadensersatz leistet keiner. Weiterhin ermittelt kein Staatsanwalt. Stattdessen stimmt man uns auf tiefe Einschnitte ins Sozialsystem ein. Höhere Steuern und Gebühren, weniger Rente, weniger Bürgergeld und Grundsicherung für Arbeitslose, höhere Kassenbeiträge undsoweiterundsofort. 600 Milliarden Euro: Wie viel Sinnvolles wäre damit möglich gewesen? Hier, verbunden mit einem wehmütigen Seufzer, ein paar alternative Ideen: -    Ein Jahrzehnt lang könnten die Renten um rund 15 % höher ausfallen, wenn jährlich 60 Milliarden Euro zusätzlich dafür zur Verfügung stünden. Oder: -     Der Beitragssatz der gesetzlichen Krankenversicherung könnte um rund 3,3 Prozentpunkte sinken. Oder: -    Ein Jahrzehnt lang ließen sich im Sozialbereich zusätzliche 924.000 Stellen voll finanzieren: für rund 268.000 Erzieher, 176.000 Lehrer, 480.000 Alten- und Krankenpfleger. (Ausgehend von 56.000 bis 85.000 Euro an jährlichen Kosten pro Stelle.) Oder: -    Zehn Jahre lang könnten 750 Kliniken betrieben werden. (Bei geschätzten mittleren Kosten von 80 Millionen Euro pro Klinik und Jahr.) Oder: -   Für alle 800.000 Bewohner von Alten- und Pflegeheimen stünden zwei Jahre lang täglich 10 Euro zusätzlich zur Verfügung, um ihnen vollwertiges Essen in Bio-Qualität zu bieten, das sie nicht krank macht. Oder: -   Alle 1700 Krankenhäuser Deutschlands könnte zwei Jahrzehnte lang einen jährlichen Zuschuss von 18 Millionen Euro erhalten, um jeden stationären Patienten endlich auf eine Weise zu verpflegen, die ihn nicht noch kränker macht, sondern seine Genesung fördert. -    Zwei Jahre lang könnte die Mehrwertsteuer vollständig entfallen. Auf 10 Jahre verteilt, könnte sie von 19 auf 15 % sinken. Oder:         -   Bis 2035 ließen sich pro Jahr 4000 Brücken sanieren – ausgehend von durchschnittlich 15 Millionen Euro pro Brücke. Oder:         -    Mit 600 Milliarden Euro ließe sich Deutschlands gewaltiger Schuldenberg von 2,645 Billionen Euro immerhin um knapp ein Viertel abtragen. Das brächte eine jährliche Zinsersparnis von rund 10 Milliarden Euro, bei einem Marktzins von 3 % sogar von 18 Milliarden. Und falls die 600 Milliarden Euro einmalig verschenkt worden wären? Dann hätte  jeder Mensch in Deutschland – vom Säugling bis zur Seniorin – rund 7.100 Euro erhalten. Was ließe sich mit über 7000 Euro Sinnvolles anstellen? Jeder der 72 Millionen Bundesbürger über 12 Jahren, die nicht in Berlin wohnen, könnte 16 Mal in die Bundeshauptstadt reisen, um gemeinsam mit Ortsansässigen bei regelmäßigen Massendemonstrationen mitzumachen (Motto: “Wir vergessen nicht”) – mit dem Ziel, die Verantwortlichen des ungeheuerlichen, weiterhin unaufgearbeiteten Corona-Skandals endlich zur Rechenschaft zu ziehen. (Berechnungsgrundlage: durchschnittlich rund 130 Euro pro Bahnticket für Hin- und Rückreise, 130 Euro für eine Übernachtung in einem 3- bis 4-Sterne-Hotel, 200 Euro für Verpflegung an zwei Reisetagen.) Ronald Reagan hatte wohl recht: „Die neun furchterregendsten Worte in der englischen Sprache sind: I’m from the government, and I’m here to help. “ Geld verbrennen ist verboten. Außer man nennt es Staatshaushalt. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1) https://www.focus.de/finanzen/boerse/die-corona-bilanz-was-deutschland-die-pandemie-kostet_id_12889279.html , https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/corona-pandemie-kostete-bund-mehr-als-440-milliarden-euro-18840435.html , https://www.welt.de/wirtschaft/article244932734/Steuerausgaben-Die-Corona-Pandemie-kostet-den-Bund-bisher-440-Milliarden-Euro.html , https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/politik/corona-massnahmen-kosten-bund-deutschland-100.html (2)   https://off-guardian.org/2020/10/08/who-accidentally-confirms-covid-is-no-more-dangerous-than-flu/ , https://www.transparenztest.de/post/neue-ioannidis-metastudie-nur-1-von-3000-sars-cov2-infizierten-unter-60-jahren-stirbt (3)   https://www.welt.de/wirtschaft/article244932734/Steuerausgaben-Die-Corona-Pandemie-kostet-den-Bund-bisher-440-Milliarden-Euro.html , https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/corona-pandemie-kostete-bund-mehr-als-440-milliarden-euro-18840435.html

  • Lyme-Borreliose: eine Biowaffe?

    Stammt der Erreger der Lyme-Borreliose, einer der tückischsten Infektionskrankheiten, aus einem amerikanischen Biowaffenprogramm? Wurden Zecken dabei „scharf“ gemacht? Hinweise darauf will eine US-Journalistin entdeckt haben. Beteiligte Wissenschaftler bestätigen ihren Verdacht. Barfuß über Wiesen laufen, leicht bekleidet durch Wälder streifen, abseits befestigter Wege, quer durch Gestrüpp und Unterholz: Das gehörte für Senioren wie den Autor dieses Artikels wie selbstverständlich zum unbeschwerten Teil der Jugend. Wenn wir hinterher eine Zecke auf unserer Haut entdeckten, entfernten wir sie ohne Panik; hatte sie sich schon festgebissen, zogen oder drehten wir sie heraus – und verschwendeten keinen weiteren Gedanken mehr daran, jedenfalls kaum mehr als an einen Schnakenstich. Denn so gut wie niemand klagte anschließend über heftige, anhaltende Beschwerden. Heutzutage hingegen geraten Aufenthalte ohne Schutzkleidung in freier Natur anscheinend immer mehr zur bescheuerten Mutprobe. Längst verängstigen uns Medien mit schrillem Daueralarm. Denn überall, wo es grünt, lauern auf uns die gefährlichsten Tiere dieses Planeten: heimtückische Blutsauger, die auf uns den Erreger der Lyme-Borreliose übertragen. Bei jährlich über 300.000 Deutschen ( https://www.versorgungsatlas.de/fileadmin/ziva_docs/115/VA_21-06_Bericht_Borreliose_2021-06-24.pdf ) bleibt es nicht bei dem typischen Hautausschlag, der sich kreisförmig ausbreitet, doch rasch wieder abklingt. Sie fühlen sich abgeschlagen und fiebern, Kopfweh und Schüttelfrost stellen sich ein. Schreitet die Erkrankung fort, so bringt sie weitere, heftigere Beschwerden mit sich: Muskeln krampfen, die Motorik wird unkoordinierbar. Betroffene sehen und hören schlechter, klagen über Gelenkschmerzen und Herzprobleme. Manchmal kommt es zu Hirnhautentzündungen und kognitiven Störungen, sogar psychiatrische Symptome können auftreten. Nicht rechtzeitig therapiert, führt die Lyme-Borreliose zu irreversiblen Organschäden. Weshalb sind Zeckenbisse neuerdings viel bedrohlicher geworden? Warum fiel die Borreliose erstmals Mitte der 70-er Jahre in Lyme auf, einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Connecticut? Warum trägt das Bakterium, das sie auslöst, den seltsamen Beinamen burgdorferi ? Einzigartig bedrohlich Und warum ist diese Mikrobe so besonders tückisch? Von den meisten anderen Bakterien unterscheidet sich Borrelia burgdorferi  durch eine einzigartige Kombination von Eigenschaften, die Infektionen besonders schwer behandelbar machen: -          Form und Beweglichkeit sind außergewöhnlich:  Dieser Erreger ist ein Spirochät – ein schraubenförmiges Bakterium. Statt äußerer Geißeln besitzt er „Innenmotoren“, mit denen er sich wie ein Korkenzieher bewegt. Damit kann er sich durch Gewebe, Gelenkknorpel, Haut und sogar die Blut-Hirn-Schranke bohren. Dort ist er für das Immunsystem und Antibiotika schlechter zugänglich. -          Er wechselt regelmäßig die Lipoproteine seiner Oberfläche , somit auch deren Antigenstruktur. Deshalb erkennt das Immunsystem den Erreger zwar zunächst und baut Antikörper auf – aber kurze Zeit später präsentiert die Borrelie ein „neues Gesicht“, vergleichbar mit einem Einbrecher, der ständig seine Kleidung wechselt. Infolgedessen bestehen Dauerinfektionen, trotz aktiver Immunabwehr. -          Stealth-Strategie gegen das Immunsystem.   Borrelia burgdorferi  kann sich in Bindegewebe, Nervensystem, Gelenken „verstecken“: Sie manipuliert Immunzellen und erzeugt entzündungshemmende Zytokine, die eine vollständige Abwehr verhindern. Manche Borrelien „verkleiden“ sich als Wirtsproteine - z. B. als „Plasminogen“, ein körpereigenes Eiweiß, das im Blutplasma vorkommt und eine zentrale Rolle bei der Auflösung von Blutgerinnseln spielt. Deswegen erkennt die Immunabwehr sie nicht als Fremdkörper. Infolgedessen kann sie jahrelang unentdeckt überleben. -          Dieser Erreger teilt sich sehr langsam.   Borrelia burgdorferi  hat eine ungewöhnlich lange Generationszeit von 12–24 Stunden, manche Forscher gehen sogar von bis zu 48 Stunden aus. (Zum Vergleich: Escherichia coli  teilt sich alle 20 Minuten.) Viele Antibiotika wirken aber nur bei aktiver Teilung. Folglich sind oft lange Antibiotikatherapien nötig – kurze Kuren, wie bei anderen bakteriellen Infektionen, reichen oft nicht aus. -          Unter Stress, etwa durch Arzneimittel, bildet Borrelia burgdorferii alternative „Schutzformen“:  Ursprünglich in länglicher Gestalt vorkommend, verwandeln sie sich in zystenartige Kugeln, die „schlafen“, aber reaktivierbar bleiben. Und sie bilden Biofilme: Kolonien im Schutzschleim, ähnlich wie Zahnbelag. Dazu kommunizieren die Erreger chemisch miteinander, durch ein sogenanntes „Quorum sensing“ mittels spezifischer Signalmoleküle. Auch diese Tricks machen sie widerstandsfähiger gegen Medikamente und Immunabwehr – und sorgen für Rückfälle nach scheinbar erfolgreicher Therapie. -          Genetische Besonderheiten:  Das Erbgut von Borrelia burgdorferii ist sehr ungewöhnlich. Bakterien weisen üblicherweise ein zirkuläres Chromosom auf – also ein DNA-Molekül, das wie ein geschlossener Kreis aussieht. Beim Borreliose-Erreger hingegen ist die DNA linear angeordnet: Wie bei Menschen bildet sie einen Strang mit Enden. Zusätzlich weist ihr Erbgut viele Plasmide auf: kleine DNA-Segmente mit Genen, die ihre Anpassungsfähigkeit erhöhen. Das macht es hoch flexibel und seltsam komplex für ein Bakterium. -          Multiorgan-Tropismus:  Andere Bakterien befallen oft bevorzugt einen abgegrenzten Teil des Körpers, z. B. Lunge oder Darm. Borrelia burgdorferii hingegen kann, wie SARS-CoV-2, über praktisch jedes Organsystem herfallen: von der Haut über Gelenke und Herz bis zum Nervensystem. Haben sich all diese Merkwürdigkeiten natürlich entwickelt? Mit diesen Fragen begann sich die Wissenschaftsjournalistin Kris Newby zu beschäftigen, nachdem sie und ihr Ehemann Paul sich im Jahre 2002 während eines Urlaubs auf Martha´s Vineyard, einer Insel vor der Südküste von Massachusetts, mit dem Borreliose-Erreger infizierten. "Es ist, als hätte man Multiple Sklerose, Alzheimer, chronische Müdigkeit und Gelenkschmerzen, alles zur gleichen Zeit”, so beschreibt sie ihre persönliche Erfahrung. “Es handelt sich in erster Linie um eine neurologische Krankheit, die zu einer Hyperinflammation führt. Und die Symptome wandern häufig durch den Körper. Du kannst sehr geschwächt sein, unfähig, die Aufgaben eines normalen Erwachsenen zu erfüllen. Wir waren verzweifelt und ein Jahr lang ohne Diagnose.” Bei zehn Ärzten war sie deswegen. Keiner erkannte, woran sie litt. Keiner wusste Rat. “Ich dachte, das wäre das Ende meines Lebens, wie ich es kannte.” "Diese Zeckenbisse raubten uns unsere Gesundheit", schreibt Newby, "und schickten mich auf die Suche nach einer fast unvorstellbaren Möglichkeit: dass wir Kollateralschäden in einem biologischen Waffenrennen waren, das während des Kalten Krieges begonnen hatte." “Vier bis fünf Jahre dauerte es, bis wir uns vollständig erholt hatten.” (1) Ihr überstandenes Martyrium motivierte Kris Newby 2008 zu einem bewegenden Dokumentarfilm “ Under Our Skin ”, der für einen Academy Award nominiert wurde; sechs Jahre später produzierte sie eine Fortsetzung: “ Under Our Skin 2: Emergence ”. Für Leitmedien zum Abschreiben: Die offizielle Version Als Entdecker der Borreliose gilt der Mann, der ihrem Erreger den Namen gab: Willy Burgdorfer, ein aus der Schweiz stammender Bakteriologe und Parasitologe. Sein ganzes Berufsleben lang arbeitete er in den Rocky Mountain Labs , einem Institut der höchsten Biosicherheitsstufe 4 (BSL 4) in Hamilton, Montana. Betrieben wurde es von den National Institutes of Health (NIH), einer Einrichtung des US-Gesundheitsministeriums, als deren wichtigste Behörde für biomedizinische Forschung. Mitte der siebziger Jahre, so besagt das offizielle Narrativ, erhielt Burgdorfer den Auftrag, den Ausbruch einer neuartigen Krankheit in Old Lyme, Connecticut, und Long Island zu untersuchen. Mehrere Kinder und Erwachsene hatten dort eine Reihe von ungewöhnlichen Symptomen entwickelt, darunter Hautausschläge, Fieber, Müdigkeit und Gelenkschmerzen. Woran sie litten, blieb zunächst schleierhaft, wurde schließlich aber auf Zecken zurückgeführt, die in den örtlichen Wäldern gefunden wurden. In den eingesammelten Blutsaugern soll Burgdorfer 1981 das Bakterium entdeckt haben, das heute zu seinen Ehren so heißt wie er; Borrelia burgdorferi . Wie er feststellte, verursachte es die Krankheit. Mittels Penicillin, so behauptete er, sei das Bakterium zuverlässig abzutöten. Also keine Bange. Wachsende Zweifel Wie kam Kris Newby dazu, an dieser Geschichte zu zweifeln? Einen eindeutigen Gegenbeweis habe sie nicht, bloß Indizien, so räumt sie ein. Zusammengenommen ergeben sie in Newbys Augen jedoch ein höchst verdächtiges Bild. Hellhörig wurde die Journalistin, als sie auf einer Party einen ehemaligen CIA-Agenten kennenlernte. Er prahlte mit einer Operation zu Zeiten des Kalten Kriegs, bei welcher infizierte Zecken auf Kuba abgeworfen wurden. "An diesem Punkt wusste ich, dass ich mit der Sache noch nicht fertig war", sagt Newby. “Ich fing an zu recherchieren, interviewte diesen CIA-Typen mehrmals und fand heraus, dass es eine nachprüfbare Geschichte war." Dass sie einer heißen Spur folgte, bestätigte sich, als sie während der Dreharbeiten zu ihrer Doku “Under Our Skin” Willy Burgdorfer persönlich begegnete. "Gegenüber  mehreren Leuten hat er einen unnatürlichen Ursprung des Ausbruchs angedeutet", so berichtet sie. "Wie sich herausstellte, stand er auch bei Fort Detrick unter Vertrag”: jenem berüchtigten Standort der US-Streitkräfte in Frederick/Maryland, wo seit dem Zweiten Weltkrieg biologische Waffen entwickelt und getestet wurden. (2) “Als ich Burgdorfer interviewte, sagte er: 'Ja, ich war im Biowaffenprogramm. Ich hatte die Aufgabe, Zecken und Moskitos in Massen zu produzieren.'” Dies sei im Rahmen von Gain-of-Function -Experimenten erfolgt, “indem sie Krankheitserreger - Bakterien und Viren - in Zecken mischten, um effektivere Biowaffen zu entwickeln”. Zu Burgdorfers Spezialgebieten zählte, Zecken mit Pathogenen zu infizieren. Dies tat er mit zwei nahen Verwandten des Lyme-Borreliose-Erregers: Borrelia latyschevii und Leptospirosa.  (3)   Newby erstellte eine Animation des ursprünglichen Ausbruchs, der anscheinend in Lyme begann, einem 2000-Einwohner-Städtchen an der Mündung des Connecticut River in der Nähe von Long Island, zwei Autostunden nordöstlich von New York City. Dabei machte die Journalistin eine aufschlussreiche Entdeckung: "Als ich einen 50-Meilen-Radius um diesen Punkt gezogen habe, gab es drei neue, hochvirulente, von Zecken übertragene Krankheiten, die dort zur gleichen Zeit, Ende der sechziger Jahre, auftraten”: -          Babesiose , ausgelöst von einem Einzeller ähnlich dem Malariaerreger. Erste Fälle traten 1969 in Nantucket Island (Massachusetts) auf, später auch in New York. Zu den Symptomen zählen malariaähnliche Fieberschübe, Anämie, Schüttelfrost. Für immungeschwächte Patienten ist die Babesiose oft lebensgefährlich. -          Anaplasmose – auch Human Granulozytäre Ehrlichiose (HGE) genannt -, verursacht durch ein kleines, intrazelluläres Bakterium, das weiße Blutkörperchen (Granulozyten) befällt und dort das Immunsystem stört. Auch sie fiel erstmals Ende der 1960-er Jahre an der US-Ostküste nahe New York auf. Schweren Verläufe führen zu Atemnot, weiße Blutkörperchen und Blutplättchen nehmen dramatisch ab, die Nierenfunktion fällt aus. Schlimmstenfalls versagen mehrere Organe – dann endet die Infektion tödlich. -          die Lyme-Borreliose selbst – “13 Jahre bevor das Lyme-Bakterium 1981 zu deren Ursache erklärt wurde”, wie Newby feststellte. Zecken im “Projekt 112” Nun begann Newby, “die Militärakten zu durchsuchen, um herauszufinden, ob der Ausbruch mit Biowaffenunfällen in Verbindung gebracht werden konnte. Dabei entdeckte ich ein umfangreiches Programm zur Herstellung von Insektenwaffen und ein Programm, bei dem Keime aus Flugzeugen über großen Gebieten versprüht wurden, das  " Projekt 112 ”:  ein angeblich 1973 eingestelltes experimentelles Projekt des US-Verteidigungsministeriums, dessen Existenz bis Mai 2000 kategorisch bestritten worden war. (4) Bei mindestens 18 von über 50 Tests wurden manipulierte Mikroben freigesetzt. (5) “Einige dieser Erreger”, so fand Newby heraus, "waren von Zecken übertragene Krankheiten, die gefriergetrocknet und als Aerosol versprüht wurden.” “Burgdorfer hatte mit Q-Fieber und Zecken gearbeitet, Erfahrungen, welche die Rocky Mountain Labs  für ihre Biowaffenarbeit brauchten. Sobald er eine Sicherheitsfreigabe erhalten hatte, begann er damit, die Pest in Flöhe und das tödliche Gelbfieber in Moskitos einzuschleusen und dann Viren und Bakterien in Zecken zu mischen, um die Virulenz dieser lebenden Waffen zu erhöhen.” “Die Waffenkonstrukteure in Fort Detrick suchten nach Zecken, die man auf einen Feind abwerfen konnte, ohne Verdacht zu erregen, und die mit Erregern gefüllt waren, gegen welche die Zielbevölkerung keine natürliche Immunität besaß (...) Zecken waren die perfekte Tarnkappenwaffe, unauffindbar und mit langer Wirkungsdauer (...) Was Burgdorfer enthüllte, versuchen sie zu vertuschen: 1) dass ein anderes Bakterium, vielleicht eine Rickettsie, die mit dem Rocky Mountain-Fleckfieber verwandt ist, im Kalten Krieg als Biowaffe entwickelt wurde; 2) dass es eine Kombination von Bazillen in den Zecken sein könnte, die Menschen krank macht." Zu den Topwissenschaftlern, die sich vom US-Militär in Fort Detrick einspannen ließen, zählte der Biologe James H. Oliver Jr., Professor an der Georgia Southern University. Wie er in einem Interview einräumte, habe er dort Zecken und Mücken gezüchtet, um sie aus Flugzeugen abzuwerfen. Man habe herausfinden wollen, "wie man Zecken dazu bringen kann, sich schnell und in großer Zahl zu vermehren, und wie man sie in bestimmten Gebieten verbreiten kann.“ (6) In einem Interview erklärte er: „Alles war sehr geheim, sehr vertraulich. Ich spreche immer noch nicht gerne darüber, weil ich glaube, dass man mich ins Gefängnis stecken könnte, weil ich Geheimnisse verrate. [Lacht.] Es war eine verrückte Zeit. Wir führten alle möglichen Tests durch, um herauszufinden, wohin sich diese Tiere bewegen, wenn man sie freilässt, und welche Faktoren ihre Wanderung beeinflussen. Können wir sie aus Flugzeugen abwerfen und wie bringen wir die Insekten zum Feind? Das war unsere Aufgabe.“ Was geschah auf Plum Island? Stutzig macht, dass die US-Regierung keine zehn Kilometer Luftlinie von Old Lyme entfernt - dem Ort des ersten amtlichen Borreliose-Ausbruchs -, auf Plum Island, einem 3,4 Quadratkilometer großen Inselchen, seit 1952 eine biologische Forschungseinrichtung betrieb – zugangsbeschränkt, hochgradig gesichert, geheimnisumwittert. Von dort bis Long Island ist es gerade mal eine Meile, rund 1600 Meter. Offiziell war es als “ Animal Disease Center ” dem US-Landwirtschaftsministerium unterstellt. Als es öffentliche Besichtigungen zuließ, räumte ein Pressesprecher ein: „Wir betreiben hier defensive biologische Kriegsführung.“ (7) Wie ein Bericht des U.S. Government Accountability Office (GAO) aus dem Jahr 2005 enthüllte, wurde auf Plum Island insgeheim mit tödlichen Krankheitserregern experimentiert, darunter mit dem West-Nil-Virus, dem Nipah-Virus und dem Rifttalfieber. (8) An die Küsten des gegenüberliegenden Festlands soll die Meeresströmung seltsame, genetisch missgebildete Kreaturen gespült haben. Als “Pate” der Einrichtung auf Plum Island gilt der Nazi-Biowaffenexperte Erich Traub. Ab 1942 hatte er ein Geheimlabor der Nationalsozialisten auf der Insel Riems nahe Rügen in der Ostsee geleitet; dort experimentierte er mit Erregern, welche Rinder in der Sowjetunion vergiften sollten. Nach Kriegsende lockte ihn die US Army in ihr Hauptquartier für biologische Kriegsführung nach Fort Detrick, wo er bis in die 1950-er Jahre hinein an biologischen Waffen forschte und mit mehr als 40 tödlichen Keimen arbeitete. (9) Plum Island besuchte er mehrfach . Auch der prominente Enthüllungsjournalist Karl Grossman, Professor an der State University von New York, hat Plum Island im Verdacht, die weltweite Epidemie der Lyme-Borreliose ausgelöst zu haben. (10) Am 7. April 2015 berichtete der Fernsehsender CBS News New York , in mehreren Gebieten um Lyme, Connecticut, sei ein relativ neues, durch Zecken übertragenes Virus namens “Powassan” aufgetaucht. Wieso ausgerechnet dort? Es werde innerhalb von Minuten nach dem Biss übertragen. Gegen alle bekannten Behandlungsmethoden sei es resistent. Es verursache ähnliche Symptome wie die Lyme-Borreliose, darunter Kopfschmerzen, Übelkeit und Fieber. Das Virus kann das zentrale Nervensystem befallen und zu Enzephalitis und Meningitis führen. Eine Infektion könne tödlich verlaufen. Etwa die Hälfte der Überlebenden entwickelt neurologische Symptome wie Muskelschwund und Gedächtnisstörungen. Eine vierteilige Filmreihe über Zusammenhänge zwischen Lyme-Borreliose und Biowaffenforschung ist (noch) bei YouTube abrufbar. Was geht in Manhattan, Kansas vor sich? Zu den Hochburgen der US-Biowaffenforschung zählt das Biosecurity Research Institute (BRI) in Manhattan im US-Bundesstaat Kansas – kürzlich erweitert um ein Hochsicherheits‑Biolab (BSL‑4), um humane und tierische Erreger mit extrem hohem Risiko zu erforschen. Auch dort wird vermutlich seit langem mit Zecken experimentiert. Ist es bloß ein sonderbarer Zufall, dass 200 Meilen südöstlich 2014 ein neues Zeckenvirus entdeckt wurde, das ”Bourbon-Virus” (abgekürzt BRBV) – so benannt nach einem Patienten aus Bourbon County (Kansas), der nach einem Zeckenbiss schwer erkrankte und starb? Und bloß 182 Meilen von Manhattan entfernt tauchte 2009 erstmals das ebenfalls lebensbedrohliche “Heartland-Virus” auf. (11) Beide werden von der besonders aggressiven „Lone Star“-Zecke ( Amblyomma americanum ) übertragen . Schockierende Indizien häufen sich Ein Bericht der US-Armee aus dem Jahr 1967 präsentiert ab Seite 600 Zecken, die man experimentell mit verschiedenen Krankheitserregern infizierte. (12) Auf Seite 301 wird beispielsweise beschrieben, dass Forscher in Boophilus australis – er befällt vor allem Rinder – und Dermacentor andersoni  – er bevorzugt neben Rindern auch Wild, Hunde und Menschen - Typhus-Rickettsien einbrachten. Dermacentor albopiotus  machten sie zu Überträgern von Fleckfieber und so weiter und so fort. In ihrem Buch „ God Science”  (13)   beschreibt die US-Autorin und Verlegerin Patricia J. Langhoff  ausführlich, wie sie als Kind in Illinois zusammen mit ihren Geschwistern einen Radiosprecher berichten hörte, dass Forscher aus einer nahe gelegenen Einrichtung Gegenstände aus einem Flugzeug werfen würden; man solle diese Gegenstände unbedingt liegen lassen. Kurz darauf gingen alle Kinder in der Nachbarschaft auf die Jagd danach. Patricia fand eine seltsame Kapsel, die beim Aufprall aufgebrochen war. Aus ihr krochen lustig aussehende Käfer, die sie nicht kannte. Einer biss sie. Daraufhin entwickelte sie einen perfekten ringförmigen Hautausschlag. Sie ging von Arzt zu Arzt, doch keiner hatte die geringste Ahnung, worum es sich handelte. Und so wurde Patricia vom Klassenprimus zu einer Schülerin mit enormen Lernschwierigkeiten. Seitdem kämpft sie mit anhaltenden Symptomen. Jahre später versuchte sie, offizielle Informationen über jenes Zeckenprogramm zu erhalten. Aber jegliche Hinweise darauf waren aus allen Unterlagen verschwunden, obwohl sich alle ihre Geschwister daran erinnern, als sei es gestern gewesen. Als Pete Hegseth noch nicht US-Verteidigungsminister unter Trump, sondern polarisierender Moderator beim Sender Fox News  war, hatte er auch Kris Newby zu Gast. Ob die Regierung die Zecken denn absichtlich oder bloß versehentlich freigesetzt habe, fragte er die Journalistin. Newby zitierte daraufhin aus ihren Gesprächen mit Willy Burgdorfer: “Es ist nicht hundertprozentig klar, aber Willy sagte: ‚Unfälle passieren.‘ Es gab viele Tests und Pilotprogramme, um die perfekte Kombination aus Zecken und Krankheiten zu finden. Es gab Freilandversuche. Ich bin auf einen Versuch an der Küste von Virginia gestoßen, bei dem mehr als 100.000 besonders aggressive Lone-Star -Zecken freigesetzt wurden.” (14) Weniger als einen Zentimeter lang, können diese Spinnentiere - benannt nach dem weißen Fleck auf dem Rücken der erwachsenen Weibchen - die von Menschen abgegebene Wärme und Kohlendioxid schon aus mehreren Metern Entfernung wahrnehmen. Dann „jagen sie dich regelrecht“, erklärt  Richard Ostfeld, Krankheitsökologe am Cary Institute of Ecosystem Studies in Millbrook, New York. „Sie rennen tatsächlich auf dich zu.“ Ein Thriller schlägt Wellen – bis Washington Was Kris Newby herausfand, präsentierte sie 2019 in ihrem Buch “ Bitten: The Secret History of Lyme Disease and Biological Weapons ” – einem wahren Thriller, der Wellen schlug. Einen Kongressabgeordneten, den Republikaner Chris Smith , beeindruckten die zusammengetragenen Indizien derart, dass er eine Überprüfung beantragte. Damit hatte er Erfolg: Im Juli 2019 wies das US-Repräsentantenhaus den Generalinspekteur des Pentagon tatsächlich an, zu untersuchen, ob das Verteidigungsministerium "zwischen 1950 und 1975 mit Zecken und anderen Insekten im Hinblick auf die Verwendung als biologische Waffen experimentierte” – und infizierte Zecken “versehentlich oder durch einen Versuch” auf die ahnungslose amerikanische Öffentlichkeit losgelassen hat. (15) Grundlose Zweifel an sinnlosem Projekt? Wie zu erwarten, verlief die Untersuchung im Sande. Stichhaltige Beweise fehlten, namhafte Experten erklärten Newbys Verdacht umgehend für absurd. “Zecken und Borreliose wären eine sehr merkwürdige Wahl für eine gezielte Biowaffe, denn Zecken sind schwer zu handhaben, haben keine Flügel, und Borreliose wäre kaum ein Krafträuber", erklärte Robert Peterson, Professor für Entomologie an der Montana State University. “Das ist eine wirklich schwache Anschuldigung", so befand auch Jeffrey Lockwood, der an der Universität von Wyoming Natur- und Geisteswissenschaften unterrichtet. In seinem Buch " Six-Legged Soldiers: Using Insects as Weapons of War " hatte er im Jahr 2010 über Versuche der US-Army zur biologischen Kriegsführung mit Zecken, Fliegen und Flöhen berichtet. Während des Kalten Krieges erforschte sie, ob Zecken zur Verbreitung von Tularämie, Rückfallfieber und Colorado-Fieber eingesetzt werden können. Trotzdem bleibt Lockwood "zutiefst skeptisch", dass das Militär Zecken zur Übertragung von Borreliose eingesetzt hat. „Zecken sind nicht der beste Vektor für die Verbreitung von Biowaffen, weil sie nicht sehr weit kommen und die Borreliose ein langsam wirkender Erreger ist.“ Andere von Zecken übertragene Krankheiten seien für den Menschen viel schlimmer. "Die Borreliose mit einem Zeckenvektor als Waffe einzusetzen, macht einfach keinen Sinn", so Lockwood – was freilich nicht ausschließt, dass dennoch eine Zeitlang daran herumgebastelt wurde. "Andererseits war die Entwicklung von US-Militärwaffen ehrlich gesagt auch nicht immer sinnvoll.“ Zwar kommen Fälle von Borreliose nahe der Nordostküste der USA, dem angeblichen Testgebiet, tatsächlich auffallend häufiger vor als in den meisten übrigen Regionen  – sind dort aber nicht verbreiteter als beispielsweise in Teilen Wisconsins, über 1500 km weiter westlich: “Verschwörungstheorien” seien wissenschaftlich widerlegt, erklären Faktenchecker. Weitere Nachforschungen seien Zeit- und Geldverschwendung. Sie zitieren Studien, denen zufolge Borrelia burgdorferi  bereits Jahrzehnte vor Biolab-Forschungen in der Wildnis nachgewiesen wurde, beispielsweise in Museumsexemplaren von Weißfußmäusen und Hirschzecken aus den Jahren 1894 bzw. 1945. Aber schließt dies aus, dass Biowaffenforscher den Erreger noch weitaus gefährlicher machten, als er jemals zuvor gewesen war? Auch SARS-CoV-Viren gab es lange vor der Corona-Pandemie – aber erst Virologen "optimierten" sie zu etwas hochinfektiös Lebensbedrohlichem. (16) Falls Militärs in Connecticut  tatsächlich Zecken mit biotechnisch scharfgemachten Erregern freigesetzt haben – müssten seither dort nicht viel schlimmere  Krankheitsverläufe auftreten als in anderen US-Bundesstaaten, geschweige denn in Europa und Nordasien, wo sich die Lyme-Borreliose ja ebenfalls seit Jahrzehnten epidemisch verbreitet? Im übrigen ist Borrelia burgdorferi ja nicht bloß in Nordamerika verbreitet, sondern auch in Europa. Wie sollte der Erreger, selbst wenn er irgendwo in den USA gentechnisch manipuliert und freigesetzt wurde, jemals den Atlantik überquert haben? Um die Schwimm- und Flugkünste von Zecken ist es bekanntlich schlecht bestellt. Doch Zugvögel könnten infizierte Zecken als „blinde Passagiere“ von Kontinent zu Kontinent getragen haben. Oder die Bakterien ließen sich in exportierten Pelzen, Haus- und Nutztieren zu uns einschleppen. Kronzeuge Burgdorfer selbst kann zu alledem leider nicht mehr Stellung nehmen. Er starb 2014. (Erich Traub schon 1985.) Mit Gain-of-Function -Forschung muss endlich Schluss sein. Sofort. Ob Lyme-Borreliose, Ebola , Covid-19 oder sonstige Infektionskrankheiten auf biotechnologische Tüfteleien in Laboratorien zurückgehen oder nicht; wenn ja, ob solche teuflischen Kreationen versehentlich entwichen oder absichtlich freigesetzt wurden: Kommt es letztlich darauf an? Entscheidend ist: Es könnte  so gewesen sein. Und jederzeit könnte  es sich wiederholen, mit katastrophalen Folgen, die bei weitem schlimmer wären als jeder atomare Super-GAU. Rund um den Globus arbeiten Heerscharen fleißiger Wissenschaftler, im Auftrag von Militärs, Geheimdiensten und Konzernen, in Hunderten von Hochsicherheitslaboren wie von Sinnen daran, ohnehin gefährliche Krankheitserreger noch ansteckender, noch pathogener, noch tödlicher zu machen. Immer wieder kommt es zu Lecks. Schon das nächste könnte das Ende der Menschheit bedeuten. Oder es beschert uns eine umfassend “beschützende”, biofaschistische Hygienediktatur nach rotchinesischer Vorlage. Drei unsägliche Corona-Pandemiejahre haben uns einen vergleichsweise harmlosen Vorgeschmack darauf geboten. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1) So Newby in einem Interview mit dem Journalisten Paul D. Thacker, veröffentlicht am 28. Februar 2023.  (2) Offizielle Historie von Fort Detrick , Memento vom 21. Januar 2012, https://web.archive.org/web/20120121062629/http:/www.detrick.army.mil/cutting_edge/index.cfm?chapter=contents ; B.D. Green, L. Battisti and C.B. Thorne, "Involvement of Tn4430 in Transfer of Bacillus anthracis  Plasmids Mediated by Bacillus thringiensis  Plasmid pX012a", Journal of Bacteriology  171 (1989), S. 104–113; „Gefährliche Viren sind weg“, Frankfurter Rundschau , 25. September 1986. (3) https://madisonarealymesupportgroup.com/2018/07/01/surveillance-for-heartland-bourbon-viruses-in-eastern-kansas/ ; https://galacticconnection.com/lyme-disease-mycoplasma-and-bioweapons-development-timeline/ (4)  https://en.wikipedia.org/wiki/Project_112 , Abschnitt “Declassification” (5) Jeanne Guillemin : Biological Weapons: From The Invention Of State-Sponsored Programs To Contemporary Bioterrorism  (2005), S. 109-110.  (6) Siehe https://madisonarealymesupportgroup.com/2019/07/31/tick-expert-admits-to-working-on-ticks-dropping-them-out-of-airplanes/ ; Marlin E. Rice & James H. Oliver, Jr.: „Ticks, Lyme Disease, and a Golden Gloves Champion“, American Entomologist  62 (4) 2016, S. 206–213, doi:10.1093/ae/tmw073. (7) Zit. nach https://madisonarealymesupportgroup.com/2021/11/12/interview-u-s-bioweapon-lab-suspected-of-source-of-lyme-disease/ (8) 7 news.cn , 25.8.2021: “ Interview: U.S. bioweapon lab suspected of source of lyme disease: expert ”.      (9) Glen Yeadon/John Hawkins: The Nazi Hydra in America: Suppressed History of a Century. Joshua Tree CA 2008, S. 381. (10) Andrew Nikiforuk lastet den Aktivitäten auf Plum Island ebenfalls die Verbreitung der Lyme-Borreliose  an, s. sein Buch Pandemonium: How Globalization and Trade are Putting the World at Risk , St. Lucia, Queensland 2007, S. 208. (11)   http://www.fstribune.com/story/2150107.html ; https://madisonarealymesupportgroup.com/21.07.2019/got-15-minutes-the-officially-ignored-link-between-lyme-plum-island/ (12) pps.dtic.mil/dtic/tr/fulltext/u2/660311.pdf , neuerdings nicht mehr abrufbar; siehe  https://madisonarealymesupportgroup.com/2018/12/19/its-1984/ (13) Patricia J. Langhoff : God Science - The Secret World of Rampant Genetics, Hidden Illness, and Biotech Profiteering ” (Gott, Wissenschaft: Die geheime Welt der grassierenden Genetik, versteckten Krankheiten und Biotech-Profite) (2011). In einem 2008 erschienenen Buch It's All In Your Head, Around the World in 80 Lyme Patient Stories: Valid Reasons to Debate Current Treatment Guidelines sammelt und dokumentiert 80 Patientenerfahrungen mit Lyme-Borreliose aus verschiedenen Ländern. Viele Betroffene berichten, dass chronische Verläufe von der Schulmedizin oft nicht anerkannt oder als „psychosomatisch“ abgetan wurden. Langhoff stellt die umstrittenen offiziellen Behandlungsrichtlinien infrage. (14) Zit. nach https://www.foxnews.com/media/fox-friends-lyme-disease-weaponization ? (15) Siehe British Medical Journal  366/2019: “ US Pentagon is told to investigate claims that Lyme disease is escaped bioweapon from cold war ”; nj.com , 24.9.2021: “Did Pentagon turn ticks into bioweapons that spread Lyme Disease? House just approved a study”, https://www.nj.com/politics/2021/09/did-pentagon-turn-ticks-into-bioweapons-that-spread-lyme-disease-house-just-approved-a-study.html (16) Siehe Harald Wiesendanger: Corona-Rätsel - Was steckt wirklich hinter dieser Pandemie? Wem nützt sie? Was bringt uns die nächste? ,  Juni 2020.   Bildquellen: Bakterium Borrelia burgdorferi : Von Photo Credit:Content Providers(s): CDC - Dieses Medium stammt aus der Public Health Image Library (PHIL), mit der Identifikationsnummer #6631 der Centers for Disease Control and Prevention.Hinweis: Cropped and uploaded originally to ( http://en.wikipedia.org/wiki/Image:Borrelia_image.jpg ), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=302837 Foto Zecke: Sven/Nicooografie – Pixabay Grafik Verbreitung Lyme-Borreliose in USA: https://www.forbes.com/sites/judystone/2019/05/29/more-ticked-off-the-growing-threat-of-lyme-and-tick-borne-diseases/   Plum Island – Luftaufnahme: https://madisonarealymesupportgroup.com/21.07.2019/got-15-minutes-the-officially-ignored-link-between-lyme-plum-island/

  • Zuviel des Guten – Die Omega-3-Falle

    Gesundheitsbewusste wissen: Ihr Körper benötigt Omega-3-Fettsäuren, kann sie aber nicht selber herstellen. Also greifen viele übereifrig zu Supplementen – und richten dabei womöglich größeren Schaden an, als sie zu verhindern hoffen. „Immer eine gute Idee für Ihr Herz“, „Hilft jeder Zelle Ihres Körpers“, „Die erste Wahl zur Unterstützung der Herz-Kreislauf-Gesundheit“, “Reines Wohlbefinden”, “Pflanzliche Power für Herz, Gehirn und Zellschutz”, “Die Kraft des Meeres für deinen Körper” (1): Wen lassen solche Verheißungen schon kalt? Wer sich richtig ernähren will, kommt anscheinend nicht daran vorbei: Omega-3-Fettsäuren sind „essentiell“ – der Körper kann sie nicht selbst herstellen, wir müssen sie also über die Nahrung aufnehmen, ähnlich wie fast alle Vitamine und 9 von 20 Aminosäuren. Gleiches gilt für Omega-6. Beide erfüllen lebenswichtige Funktionen: Sie sind Bausteine von Zellmembranen, regulieren Entzündungsprozesse, beeinflussen Blutdruck und Blutgerinnung, spielen eine wichtige Rolle für Herz, Gehirn und Immunsystem. Während Omega-6-Fettsäuren - z. B. in Sonnenblumen-, Mais- oder Sojaöl - vor allem entzündungsfördernde Signalstoffe begünstigen, wirken Omega-3-Fettsäuren – beispielsweise aus fettem Seefisch, Algen, Leinsamen, Walnüssen -, insbesondere EPA und DPA, nach vorherrschender Lehrmeinung eher entgegengesetzt: Sie hemmen Entzündungen und schützen Gefäße. Dabei kommt es auf ihr Verhältnis an: Als ideal gilt 1:3 bis 1:5 (Omega-3 zu Omega-6). Bei vorherrschenden westlichen Ernährungsweisen liegt es jedoch oft bei 1:15 oder schlechter. Das begünstigt chronische Entzündungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Gelenkbeschwerden. Um gegenzusteuern, greifen immer mehr Gesundheitsbewusste eifrig zu Nahrungsergänzungsmitteln. Der Markt ist gigantisch und wächst rasant weiter: Der weltweite Jahresumsatz mit Omega-3-Supplementen dürfte bis Ende 2025 bei rund 52 Milliarden US-Dollar liegen; bis 2033 könnte er auf sage und schreibe 102 Milliarden anwachsen. Noch gefragter sind nur Vitaminpräparate. Zuviel des Guten Was den meisten Konsumenten unklar ist: Sie tun womöglich zuviel des Guten. Zwar verursachen die üblichen Dosen - 250–800 mg EPA/DHA täglich - bei den meisten Menschen keinerlei akute Beschwerden, insoweit gelten sie als sicher . Wer sich jedoch Tag für Tag mehr als 10 g Omega-3-Fettsäuren zuführt – mittels hochdosierter Präparate, zusätzlich zu fettreicher Ernährung –, riskiert eine folgenschwere Überversorgung: ·  Erhöhte Blutungsneigung: Omega-3 hemmt die Blutgerinnung. Bei sehr hohen Dosen kann es zu Nasenbluten und Hämatomen kommen, im Extremfall zu inneren Blutungen - besonders riskant, wenn man gleichzeitig Blutverdünner wie ASS, Warfarin, DOAKs einnimmt. ·  Schwächung des   Immunsystems: Zu starke Entzündungshemmung kann die Fähigkeit des Körpers beeinträchtigen, Infektionen zu bekämpfen. ·  Ungünstige Lipidveränderungen : Manche Studien zeigen, dass extrem hohe Dosen das LDL-Cholesterin anheben können. ·  Oxidationsrisiko : Überschüssige Omega-3-Fettsäuren sind oxidationsanfällig. Ohne genügend Antioxidantien wie Vitamin E kann dies mehr oxidativen Stress im Körper erzeugen. ·  Vorhofflimmern : Herzrhythmusstörungen. Aber schon ab einer Tagesdosis von mehr als 2 bis 3 Gramm, so heißt es, können unangenehme Nebenwirkungen auftreten – von Übelkeit über Blähungen und fischiges Aufstoßen bis Sodbrennen -, langfristig steigen Risiken. Oder wird es womöglich schon bei noch geringeren Mengen gefährlich? Omega-3 kann Entzündungen fördern, statt sie zu hemmen Zur Vorsicht mahnt jedenfalls ein britisch-australisches Forscherteam in einer soeben im International Journal of Epidemiology veröffentlichten Studie . Sie hinterfragt die Vorstellung, mehr Omega-3 sei automatisch gleichbedeutend mit besserer Gesundheit. Schaden die Kapseln mit Fischöl und Algenpulver womöglich mehr, als sie nützen? Die Wissenschaftler analysierten Daten von über 15.000 gesunden Menschen aus der UK Biobank  – sie umfasst detaillierte Informationen über Gesundheit und Lebensstil von rund 500.000 Briten im Alter von 40 bis 69 Jahren (2) –   sowie aus der Avon Longitudinal Study of Parents and Children , die seit Anfang der 1990-er Jahre die Kinder von rund 14.000 schwangeren Frauen, deren Geburtstermin zwischen April 1991 und Dezember 1992 lag, kontinuierlich wissenschaftlich begleitet. (2) Dabei konzentrierten sich die Wissenschaftler auf drei wichtige Marker im Blut, die Entzündungen anzeigen: -          das C-reaktive Protein (CRP) : ein Eiweiß, das in der Leber gebildet wird – und zwar immer dann, wenn im Körper eine Entzündungsreaktion abläuft. Es gehört zu den sogenannten Akute-Phase-Proteinen, deren Spiegel im Blut sehr schnell ansteigt – innerhalb von 6 bis 12 Stunden -, wenn der Organismus auf Infektionen, Verletzungen oder andere Reize reagiert. -          Interleukin-6 (IL-6) : ein Botenstoff (Zytokin) des Immunsystems, der eine Schlüsselrolle bei Entzündungsreaktionen spielt. Ihn bilden vor allem Immunzellen (Makrophagen, T-Zellen), aber auch Zellen der Gefäßwand oder Fibroblasten, die Baumeister und Instandhalter des Bindegewebes. IL-6 regt die Leber an, Akute-Phase-Proteine wie besagtes CRP   zu produzieren. Es fördert Bildung von Antikörpern, aktiviert T-Zellen, um die Immunantwort zu verstärken, und lockt neutrophile Granulozyten an den Entzündungsort: spezialisierte weiße Blutkörperchen (Leukozyten), welche die häufigste Untergruppe der Immunzellen im Blut bilden. Sie sind die „Frontsoldaten“ der Immunabwehr: Extrem schnell und hochaggressiv gegenüber Eindringlingen, sterben sie nach getaner Arbeit oft selbst ab. Zudem wirkt IL-6 auf das Gehirn, um Fieber auszulösen – ein klassisches Entzündungszeichen. -          Glykoprotein-Acetyl (GlycA): Es bestimmt die „Zucker-Signatur“ mehrerer Entzündungsproteine gleichzeitig – vergleichbar mit einer Feuerwehr, die ausrückt, wenn etwas nicht stimmt, zum Beispiel bei einer Infektion, Verletzung oder bei „stillen“ Entzündungen im Gewebe. Die GlycA-Feuerwehr besteht aus bestimmten Eiweißen im Blut, die sich sofort vermehrt bilden, wenn irgendwo ein Brand (eine Entzündung) lodert. Diese Eiweiße tragen kleine Zuckeranhängsel – vergleichbar mit bunten Flaggen, die man an Einsatzfahrzeugen befestigt. Wenn viele solcher Fahrzeuge gleichzeitig unterwegs sind, sieht man plötzlich überall diese Flaggen. Und genau das misst GlycA: Wie ein Verkehrszähler an der Feuerwehrwache erfasst er sozusagen die Zucker-Flaggen der ganzen Flotte von Entzündungs-Eiweißen auf einmal – so zeigt er an, wie ausgelastet die Feuerwehr insgesamt ist. GlycA gilt als besonders empfindlicher Marker für unterschwellige, dauerhafte Entzündungen, wie sie bei Adipositas, Typ-2-Diabetes, Arteriosklerose, Herz-Kreislauf- und Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis oder Lupus vorkommen.   Auch wenn kein Großbrand tobt – eine manifeste Infektion, die mit Symptomen spürbar in Erscheinung tritt -, lässt GlycA erkennen, ob ständig irgendwo unterschwellig kleine Schwelbrände im Körper glimmen. Zur Überraschung der Wissenschaftler gingen sowohl  Omega-3- als auch Omega-6-Fettsäuren mit höheren GlycA-Werten einher. Dazu zählten Docosahexaensäure (DHA), eine Omega-3-Fettsäure, die in Fischöl vorkommt, und Linolsäure (LA), eine mehrfach ungesättigte Omega-6-Fettsäure in Pflanzenölen. Beide  erhöhten auch den CRP-Wert. Das ist besorgniserregend, denn beide Marker stehen mit langfristigen Gesundheitsproblemen wie Herzerkrankungen und Typ-2-Diabetes in Verbindung. Der Zusammenhang war eindeutig: Die Gesamtmenge an Omega-3-Fettsäuren führte zu einem Anstieg des CRP um 0,09 Punkte und des GlycA um 0,12 Punkte – genug, um Alarm zu schlagen. Immer noch herrscht die Lehrmeinung vor, das Hauptproblem sei ein unausgewogenes Verhältnis – zuviel Omega-6, zuwenig Omega-3. Die britisch-australische Studie ergab jedoch, dass beide  Fette, für sich genommen, einen Anstieg von GlycA verursachten. (Werte aller drei Entzündungsmarker waren allerdings umso höher, je mehr Omega-6 in Relation zu Omega-3 vorlag – insofern bleibt ihr Verhältnis wichtig.)   Zwar bestätigt die Studie auch Altbekanntes: Omega-6-Fettsäuren fördern Entzündungen. Mehr Omega-3 löst das Problem aber nicht unbedingt, und zwar aus einem simplen Grund: Beide durchlaufen in unserem Körper die gleichen biochemischen Wege – sie werden mit denselben Enzymen verarbeitet. Da sie auf denselben Mechanismus angewiesen sind, konkurrieren sie miteinander. Wenn unser System mit Omega-6-Fettsäuren überflutet ist, verlangsamt dies die Verarbeitung von Omega-3, und umgekehrt. Einige Nebenprodukte, die bei diesem Prozess entstehen, fördern Entzündungen oder erhöhen die Blutgerinnung, je nachdem, wie viel von jedem Fett vorhanden ist. Wie wir auf diese Fette reagieren, hängt in erster Linie von unserem Erbgut ab – von bestimmten Genen, die steuern, wie unser Körper sie verstoffwechselt. Je nach Genvariante haben manche Menschen nach Omega-Aufnahme höhere CRP-Werte, bei andere fallen die CRP-Werte etwas niedriger aus. Der Schuss kann nach hinten losgehen Weder Omega-3 noch Omega-6 wirkten entzündungshemmend. In Wirklichkeit hatten in der Studie beide  Arten von Fetten entweder überhaupt keine Wirkung - oder sie verstärkten die Entzündung. Die Schlussfolgerung ist klar: Wer blindlings Fischöl oder „herzgesunde” Pflanzenöle zu sich nimmt, verschlimmert die Situation womöglich, anstatt sie zu verbessern. Heißt das etwa, dass wir darauf verzichten sollten, ein bestehendes Missverhältnis von Omega-3 zu Omega-6 zu beheben? Nein – aber wir sollten es auf die richtige, nachhaltige Weise tun. Wenn ein Schiff nach Backbord Schlagseite hat, könnten wir auf Steuerbord Wasser einlassen – so wäre die Schieflage auszugleichen. Aber die eigentliche Ursache bestünde fort: ein Leck unter Wasser. Solange wir sie nicht beheben, müssen wir auf ein übles Ende gefasst sein. Ähnlich verhält es sich mit einem Missverhältnis zwischen Omega-3 und Omega-6: Es zeigt längst nicht bloß an, dass mit zwei speziellen Arten von Fettsäuren in uns etwas nicht stimmt; vielmehr weist es darauf hin, dass mit unserem Stoffwechsel insgesamt etwas im argen liegt. Heraufbeschworen haben wir dies nicht etwa dadurch, dass wir es versäumten, in der Drogerie klug einzukaufen – wir haben unklug gelebt. Denn Fettsäuren wirken im Körper nicht unabhängig davon, was wir uns ansonsten alles einverleiben. Wenn wir uns schlecht ernähren – mit einem Übermaß an verarbeiteten, nährstoffarmen Lebensmitteln, zuwenig Ballaststoffen, zuviel Alkohol, zuvielen Kalorien, zuvielen minderwertigen Pflanzenölen, die unsere Zellen mit entzündungsfördernden Fetten fluten -, so kann die einfache Zugabe von Omega-3-Fettsäuren das zugrunde liegende Ungleichgewicht im Immunsystem nicht beheben. Stattdessen könnte der Schuss sogar nach hinten losgehen, wie die britisch-australische Studie belegt: nämlich Entzündungen weiter verstärken, falls unser Körper bereits unter metabolischem Stress steht. Nahrungsergänzungsmittel: das Alibi der Faulen Das sind Bad News  für alle, die mit Supplementen bequem auszugleichen versuchen, was sie ihrem Körper ansonsten Übles antun – nach dem Motto: „Drei Donuts am Morgen, drei Fischölkapseln am Abend: fertig ist die ausgewogene Ernährung.“ Eine Handvoll Tabletten, hie und da ein grüner Smoothie  mag schlechtes Gewissen neutralisieren. Eine alles in allem miserable Ernährung lässt sich aber weder mit ein paar „gesunden” Lebensmitteln noch mit Supplementen wettmachen. Was wirklich zählt, ist die Gesamtqualität und Ausgewogenheit bei alledem, was wir essen und trinken. Erst dann kommen wir der häufigsten Ursache für chronische Entzündungen bei – denn diese sind ernährungsbedingt. Dabei geht es bei Entzündungen nie bloß darum, was man zu sich nimmt, sondern auch darum, was man weglässt. Und nie ist ein einzelner Nährstoff das Allheilmittel. Und daraus folgen Good News : Den Umsatz der Nahrungsergänzungsmittelbranche zu erhöhen, ist meistens überflüssig. Wie wäre es, sich stattdessen einfach abwechslungsreich, vollwertig und ausgewogen zu ernähren - möglichst in Bio-Qualität und ohne industrielle Fertigprodukte? Dann gibt es von vornherein kein Zuviel an Omega-6. Und zwangsläufig stehen dann auch ausreichend Omega-3-haltige Lebensmittel auf dem Speiseplan: fettreiche Kaltwasserfische wie Heringe, Makrelen, Sardinen und Lachs; pflanzliche Quellen wie Samen und Nüsse, Hanf- und Rapsöl. Wer sich´s leisten kann, greift zu teurem Krillöl, einer hochwertigen, besonders gut bioverfügbaren Omega-3-Quelle, gewonnen aus winzigen Krebstieren im Südpolarmeer. Darüber hinaus auf reichlich Bewegung, viele wertvolle Sozialkontakte und eine sinnvolle Aufgabe zu achten, hat ebenfalls noch niemandem geschadet. Rund um den Globus leben Abertausende von “Centenarians”, die bei guter Gesundheit über 100 Jahre alt geworden sind, ohne jemals zu Omega-3-Kapseln gegriffen zu haben. Wie findet man heraus, ob überhaupt Omega-3 fehlt? Sinnvoll, ja notwendig sind Supplemente einzelner Nährstoffe im allgemeinen nur in speziellen Lebenssituationen – während der Schwangerschaft und der Stillzeit, im Alter, bei veganer Ernährung, bei bestimmten Krankheiten und genetisch bedingten Defiziten. Eine ganze Reihe von Beschwerden kann  auf einen Omega-3-Mangel hindeuten: von trockener, schuppiger Haut, Hautunreinheiten und Ekzeme, trockenen Augen und Sehstörungen über Müdigkeit, Erschöpfung, Muskelschwäche, Konzentrationsprobleme, Gedächtnisstörungen, Stimmungsschwankungen und Depressionen bis hin zu häufige Infekten, einer erhöhten Neigung zu Entzündungen, Gelenkschmerzen und Wassereinlagerungen. Leider sind all diese Symptome alles andere als eindeutig – sie passen zu vielerlei Grunderkrankungen. Und selbst wenn mehr Omega-3 angebracht wäre: Wie hoch sollte dieses „Mehr“ sein? Die allermeisten Supplementkäufer peilen über den Daumen, im blinden Vertrauen auf pauschale Verzehrempfehlungen der Hersteller, ohne ihren persönlichen Bedarf zu kennen. Genau feststellen lässt sich der Status über einen Bluttest, den Omega-3-Index: Er misst den Anteil von EPA und DHA in den Membranen roter Blutkörperchen. Werte unter 4 % gelten als kritisch, 8–11 % als optimal. Dazu muss man nicht unbedingt zum Arzt. Mit speziellen Test-Kits lässt sich die Messung auch bequem zu Hause durchführen. Angebote mit gutem Preis-/Leistungsverhältnis liegen zwischen 54 und 90 Euro.   Um nach Ernährungsumstellung oder beim Supplementieren auf Nummer Bombensicher zu gehen, müssten zur Kontrolle vierteljährlich Blutanalysen stattfinden. Wäre da der viel billigere, unkompliziertere, natürliche Weg zu ausreichend Fettsäuren im Körper, seit Hunderttausenden von Jahren bewährt, nicht der sinnvollere: wahrhaft gesund zu leben? Balance statt Extrem: Das muss dabei das Ziel sein. Wie überhaupt im Leben, pflegt auch bei Ernährungsfragen der Mittelweg fast immer der goldene zu sein. ( Harald Wiesendanger )   P.S.: Dieser Artikel darf nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, er ersetzt nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Anmerkungen (1)   https://www.newhope.com/industry-insights/the-omega-3-coalition-putting-rivalries-aside-for-the-greater-good ; https://www.ispot.tv/products/Ya/omega-3 , https://www.youtube.com/watch?v=u_qguuhm-Ck , https://www.rossmann.de/de/gesundheit-optimum-performance-omega-3-vegan/p/0745202590057 , https://www.amazon.de/Hochdosiert-Omega-Kapseln-Testsieger-Zitronengeschmack/dp/B0FCC7HF7H/ref=sr , https://www.amazon.de/Omega-Fisch%C3%B6l-Einf%C3%BChrungspreis-Triglycerid-Form-aufgereinigt/dp/B07L6K4HNC/ref=sr (2)   Die Datensammlung für die UK Biobank  zwischen 2006 und 2010 schloss ein: Fragebögen zu Lebensstil, Ernährung, sozialem Umfeld; körperliche Messungen, z. B. Blutdruck, BMI, Augenuntersuchungen; Blut-, Urin- und Speichelproben; genetische Daten (DNA-Analysen, Whole Genome Sequencing); bildgebende Verfahren, insbesondere MRT von Gehirn, Herz, Gelenken usw. Sie wurden verknüpft mit elektronischen Gesundheitsakten und Statistiken über Todesursachen. Ziel war es, Ursachen von Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes, Alzheimer, Depression besser zu verstehen; genetische Risikofaktoren und Gene-Umwelt-Interaktionen aufzuspüren; Prävention und personalisierte Medizin voranzubringen. Die UK Biobank gilt als Goldstandard für groß angelegte Kohortenstudien, weil sie sehr umfangreich und standardisiert Daten erhebt, die Teilnehmer über Jahrzehnte nachverfolgt und Forschern weltweit einen offenen Zugang bietet. (3)   Über Jahrzehnte hinweg erhebt ALSPAC - auch bekannt als "Children of the 90s" - medizinische, biologische, psychologische, soziale und umweltbezogene Informationen. Die Studie umfasst: Fragebögen zu Gesundheit, Lebensstil, Ernährung, psychischer Befindlichkeit, sozialem Umfeld; körperliche Untersuchungen, z. B. von Wachstum, Blutdruck, Augen; Proben von Blut, Urin, Nabelschnurblut, Speichel, DNA; genetische Daten; bildgebende Verfahren wie (MRT und DEXA-Knochendichtemessungen. Inzwischen bezieht ALSPAC auch Eltern und mittlerweile die Kinder der ursprünglichen Kinder ("Second Generation") ein.

  • Mit Gott reden? – Was Gebete heilsam macht

    „Beten Sie?“ In Umfragen antworten ­inzwischen vier von zehn Deutschen darauf: „nie“. Nur 17 % beten täglich. Einigermaßen regel­mäßig, vor allem sonntags und an christlichen Feiertagen, tun es 27 %. In schwierigen Lebenslagen – beispielsweise bei schwerer Krankheit, in Beziehungskrisen, in finanzieller Not, bei drohendem Jobverlust – wächst dieser Anteil auf 40 %.  Was bringt´s? Warum ist die Zwiesprache mit Gott weitgehend aus der Mode gekommen?   Ein Hauptgrund ist: fortwährende Frustration. In früher Kindheit wurde uns ein Gottesbild anerzogen, das uns an einen himmlischen Vater glauben ließ: für die Augen unsichtbar, aber allgegenwärtig, allwissend, allmächtig, obendrein der Inbegriff von Liebe. Wie ein total perfekter Märchenpapa, allzeit bereit und fähig, uns zu beschützen und weiterzuhelfen. Beten bedeutete für uns Dreikäsehochs , diesen Vater um etwas zu bitten. Doch allzu selten erfüllten sich unsere Anliegen daraufhin. Wenn wir insbesondere um Heilung baten – für uns selbst, für einen schwerkranken Angehörigen oder Freund -, wie oft trat sie daraufhin tatsächlich ein? Je öfter unsere Gebete unerhört blieben – gleichgültig, wie andächtig und inbrünstig wir sie vortrugen -, desto mehr wuchsen unsere Zweifel: Warum lässt Gott mich, oder meinen Nächsten, derart leiden, so stark, so lange, so unverdient? Schreit diese Not denn nicht buchstäblich zum Himmel? Wieso unternimmt Er nichts dagegen, obwohl er doch könnte? Kommt das nicht unterlassener Hilfeleistung gleich? Ein Vater, der seine Kinder leiden lässt, obwohl er eingreifen könnte, vernachlässigt Fürsorgepflichten. Er wird unglaubwürdig. Aber diese Enttäuschung könnte von einem Missverständnis herrühren, was Beten ausmacht – und auf welche Weise es hilft. Viele stellen es sich vor als eine Bestellung bei einem transzendenten Amazon, verbunden mit der Erwartung, dass zü­gig, vollständig und frei von Mängeln geliefert wird. Geschieht das nicht, sind wir ungehalten. Träte Gott als Webshop-Betreiber auf: Seine Kundenbewertungen wären von fünf Sternen jedenfalls weit entfernt, eher lägen sie im tiefsten Keller. Ist Beten nicht unlogisch? Irgendwann werden unsere Zweifel grundsätzlicher: Wie logisch ist der Akt des Betens überhaupt? Der christliche Glaube versieht seinen Gott mit den Attributen der Allgegenwart, der Allwissenheit, der Allmacht und der allumfassenden Liebe. Bitten an ein derartiges We­sen zu richten – vorausgesetzt, es existiert überhaupt -, kam mir von früher Jugend an zunehmend absurd vor. Entweder weiß dieser Überallundnirgends-Jenseitige, wie sehr ich leide, kann es aber nicht ändern – dann wäre Er ohnmächtig; oder Er will es nicht ändern – dann wäre Er grausam; oder Er ahnt nichts davon – das widerspräche seiner Allwissenheit. Entweder Er weiß, was ich brauche – dann bekomme ich es ohnehin. Oder ich brauche es nicht, zumindest nicht von Seiner höheren Warte aus betrachtet – dann ist das Flehen darum ebenfalls müßig. Wenn Er alles jederzeit und überall zu unserem Besten bestimmt und lenkt, dann drückt sich auch in schwerster Krankheit eine göttliche Intention aus, den eine menschliche Willensäußerung, gleichgültig wie fromm und inbrünstig vorgetragen, schwerlich umbiegen kann; sie vollzieht sich unabhängig da­von, was der Betroffene anstellt oder bleibenlässt. (1) Schon Immanuel Kant bemängelte: «Das Beten, als ein innerer, förmlicher Gottesdienst, ist ein abergläubischer Wahn (ein Fetischmachen); denn es ist ein bloß erklärtes Wünschen gegen ein Wesen, das keiner Erklärung der inneren Gesinnung des Wünschenden bedarf.»  (2) Von Ärzten dokumentiert: Gebete helfen Trotzdem nutzen Gebete manchmal, zweifellos. Ganze Regal­wände ließen sich mit sorgfältigen Dokumentatio­nen von Gebetsheilungen füllen – vereinzelt sogar ärztlich bestätigten. (3) So berichtet der britische Arzt Rex Gardner über eine Kollegin, Jennifer Fendick (4), die sich 1975 mit Meningokokken-Bakterien infizierte. In lebensbedrohlichem Zustand wurde sie eines frühen Morgens ins Krankenhaus eingeliefert. Die Diagnose lautete auf «Waterhouse-Friderichsen-Syndrom»: ein geradezu schlagartig einsetzendes Leiden, das fast immer nach wenigen Stunden zum Tod führt. Seinen Namen gab ihm der Arzt Rupert Waterhouse, der 1958 starb. Im medizinischen Fachjargon gilt es als «<perakut» (von lat. acutus : zugespitzt; sinngemäß: höchst gefährlich) und «<foudroyant» (von frz. foudroyer : durch den Blitz erschlagen; sinngemäß: blitzartig einsetzend). Solche Diagnosen sorgen auf Intensivstationen stets für hektische Betriebsamkeit. In rasender Geschwindigkeit werden beim Waterhouse-Friderichsen-Syndrom beide Nebennieren irreversibel zersetzt. Hohes Fieber setzt ein. Der Infizierte wird leichenblaß, erbricht sich, hat Durchfall und zeigt alle Anzeichen eines Kollapses. Am ganzen Körper platzt die Haut auf, und Blut tritt aus. «Kein solcher Patient ist bei uns jemals durchgekommen», so resignierten Jennifers Ärzte von Anfang an. Gegen 8:30 Uhr begannen vier Heilgruppen einer Sekte gleichzeitig, für Jennifer zu beten, ohne ihr Wissen. Jede war kilometerweit von ihr entfernt – doch beinahe augenblicklich begann sich der körperliche Zustand der Frau zu bessern, auch wenn sie noch vier weitere Tage im Koma lag. Eine Röntgenaufnahme von Jennifers Brustkorb hatte in der linken Lunge eine ausgedehnte Pneumonie, mit Zusammenbruch des Mittellappens, gezeigt – 48 Stunden später war sie verschwunden. Ein Augenarzt hatte an Jennifers linkem Auge ein zentrales Skotom festgestellt und fotografisch belegt: einen Ausfall des Gesichtsfeldes, der von einer Blutung im Augapfel herrührte. Jennifer würde auf diesem Auge für immer blind bleiben, so hatte er vorausgesagt – doch nachdem sie wieder zu Bewußtsein kam, konnte sie vollkommen klar sehen, und an ihrem Auge war keinerlei Schaden mehr feststellbar. Sie erholte sich vollständig.' Ähnliche kaum fassbare Spontanheilungen nach Gebeten hat die amerikanische Ärztin Dr. Rebecca Beard dokumentiert. Eine davon widerfuhr ihrer Freundin Alice Newton, deren Bauch von einer riesigen Geschwulst „stärker angeschwollen war als der einer hochschwangeren Frau», wie die Ärztin notierte. Jeden operativen Eingriff lehnte die Patientin ab. Zwei Jahre brachte die tiefgläubige Frau mit Gebet und Bibellesen zu - dann verschwand der Tumor buchstäblich über Nacht, nach einem erschütternden Traum, in dem ihr der gekreuzigte Heiland zulächelte. In einem anderen Fall aus Dr. Beards Sammlung wurde ein vierjähriger Junge, unter flehentlichen Gebeten von Angehörigen und der Ärztin selbst, schlagartig einen ausgedehnten, inoperablen Gehirntumor los; dabei hätte er, laut klinischer Prognose, binnen 12 bis 24 Stunden daran sterben müssen. (5) Teilweise vorbildlich belegt sind auch die Gebetsheilungen des italienischen Franziskaners Francesco Forgione (1887-1968), besser bekannt als Pater Pio, der fast fünfzig Jahre lang die Wundmale Christi an Händen und Füßen trug. (Der Rechtsanwalt Alberto del Fante veröffentlichte 47 Gebetsheilungen Pios, die durch ärztliche Zeugnisse und Dokumente belegt sind. (6) An solchen Fakten ist schwer zu rütteln; Mutmaßungen über «zufällige Koinzidenzen» muten eher hilflos an. Gebetsheilung: ein rein psychologisches Phänomen? Die Heilkraft des Gebets  scheint  Skeptikern rein psychologisch erklärbar. Sie argumentieren: Die Geisteshaltung, in der es gesprochen wird, sowie der feste Glaube  an diese Kraft kann zu Bewusstseinszuständen und emotionalen Erregungsgipfeln hinführen, auf denen bei tiefreligiösen Menschen therapeutisch wirksame Autosuggestionen und Placebo-Effekte bisweilen biologische Selbstheilungsprozesse in Gang setzen. Das gleiche geschieht womöglich, wenn sich Gebete auf eine andere Person richten – vorausgesetzt, diese weiß davon. Das Geheimnis des Voodoo-Zaubers, ins Positive verkehrt. Trotzdem bleiben medizinisch-psychologische Deutungen unvollständig. Denn drei Phänomenen werden sie nicht gerecht (7):   • Wie sind Fern heilungen durch Gebete möglich - selbst dann, wenn Kranke nicht davon wissen? (8) • Wie können Gebete mitunter selbst Kleinkinder und Bewusstlose erreichen? • Und warum sind Gebetseffekte selbst bei Tieren und Pflanzen experimentell nachweisbar? So deuten mehrere Studien an größeren Patientenstichproben auf einen statistisch bedeutsamen Gebetseffekt bei koronarer Herzkrankheit, bei Leukämie, bei chronisch stillstehenden oder sich verschlechternden psychotischen Erkrankungen und rheumatoider Arthritis hin, ebenso bei seelischen Problemen wie Angst oder verringertem Selbstwertgefühl. (9) Dabei war ein Großteil dieser Untersuchungen «doppelblind» angelegt: Weder die behandelten Patienten noch die Versuchsleiter, noch die beteiligten Ärzte wussten, für wen gebetet wurde und wer lediglich einer Kontrollgruppe zugelost worden war. Statistisch signifikant ergab sich: Auf wen sich Gebete richteten, der hatte eine größere Genesungschance, erholte sich rascher von Operationen, benötigte weniger Medikamente, wurde seltener zum Notfall. Was kümmern Gott irdische Forschungsdesigns? Wie ist dieses Phänomen zu erklären? Gehen wir es theo­logisch an, landen wir bei der heiklen Frage, was das für ein seltsamer Herrgott ist, der sich   in For­schungs­designs von irdischen Medizinern einspannen lässt und Kranken Hilfe verweigert, nachdem sie einer „Placebo-Gruppe“ zugelost worden sind. Was geschieht eigentlich in uns, während wir uns an Gott wenden? Vielleicht sollten wir Beten als eine Bewusst­seins­technik verstehen: eine Methode, unseren Geist in einen besonderen Zustand zu versetzen, in dem wir erfüllt sind von dem Gedanken und Gefühl: „Dein Wille geschehe“ –  Dein Wille, nicht meiner. Wir hören auf zu wollen, zu verlangen, zu fordern. Stattdessen legen wir, demütig und vertrauensvoll, unser Schicksal in die Hän­de von Etwas, das viel größer ist als wir. Ähnelt ein solcher meditativer Bewusstseinszustand jenem, in den sich erfolgreiche Heiler begeben, wenn sie arbeiten? Könnte es nicht sein, dass man in diesem Zustand leichter Zugang findet zu dem, was Heiler „universelle Energien“ oder „kosmische Felder“ nennen? Dem Geheimnis des Gebetsheilens sind Parapsychologen womöglich eher auf der Spur als Theologen. (10) Konfessionelle Fesseln ablegen Sollte man also beten, wenn man erkrankt? Sollte man andere Kranke in seine Gebete einschließen? Ja, sofern man sich von ein paar verbreiteten Missverständnissen und Irrtümern freimachen kann. Christliche Gebetsheilungen, wie zahlreich auch immer, beweisen nicht, dass man erst ein guter Christ werden muss, um eines ähnlichen Gnadenakts Gottes würdig zu sein. Denn solche Fälle «treten vermutlich nicht öfter auf als bei Navajo-Gesängen», wie der amerikanische Arzt Andrew Weil nüchtern konstatiert hat. (11) Dass Fürbitten von Moslems, Hindus oder orthodoxen Juden weniger oder mehr ausrichten als die eines frommen Katholiken, hat noch niemand belegt. Ebenso aus der Luft gegriffen ist die Vorstellung, ein Gebet müsse ganz bestimmte Formen und Inhalte aufweisen, die genau einzuhalten seien – andernfalls werde seine Wirkung beeinträchtigt. Jedes beliebige Gebet kann heilsam sein; die Intention dahinter entscheidet. Wenn Gebete erhört werden, dann vermutlich nicht aufgrund einer ihnen innewohnenden Kraft oder irgendeiner anderen Eigenschaft – sondern um des Menschen willen, der sie spricht. Nicht auf Wörter kommt es an, sondern auf den Geist, der dahintersteht. Auch sind Gebete keine magischen Beschwörungsformeln: keine Abrakadabras, die Viren und Bakterien wegzaubern. Eine Erfüllungsgarantie gibt es nicht. Beten. heißt bitten, nicht mehr. Weder ein Gebet noch sonst irgendein religiöses Ritual, noch alle zusammengenommen reichen aus, einen Menschen vor Krankheit zu bewahren. Könnten sie dies, so müssten Personen, die allein von Berufs wegen vermutlich mehr beten als andere – nämlich Geistliche – , eine höhere Lebenserwartung aufweisen als der Bevölkerungsdurchschnitt. Das gleiche gilt für Personen, auf die sich besonders viele Fürbitten anderer Menschen richten – zum Beispiel Staatsoberhäupter. Dieser Hypothese ging der britische Naturforscher Sir Francis Galton (1822-1911) schon vor anderthalb Jahrhunderten empirisch nach. In einer britischen Fachzeitschrift für Statistik veröffentlichte er eine aufweädige Untersuchung, die das Durchschnittsalter von mehreren tausend männlichen Briten über dreißig Jahre aus verschiedenen sozialen Gruppen miteinander verglich, die zwischen 1758 und 1843 gestorben waren. (12) (Ausgeschlossen wurden Todesfälle durch Unfälle oder Gewalt.) Dabei fanden Berücksichtigung: 294 Rechtsanwälte, 244 Ärzte, 1179 Vertreter des englischen Hochadels und 1632 aus dem niederen Landadel, 513 Handel- und Gewerbetreibende, 366 Offiziere der Landstreitkräfte und weitere 569 aus der Marine, 395 Schriftsteller und Wissenschaftler sowie 239 Künstler. Das durchschnittliche Sterbealter der einzelnen Gruppen betrug 66 bis über 70 Jahre. Daran gemessen, lagen 97 Mitglieder des englischen Königshauses mit durchschnittlich 64 Jahren deutlich unter dem Mittelwert, und 945 Geistliche ragten mit mittleren 69,4 Jahren keineswegs heraus. Bei besonders bedeutenden Angehörigen des Königshauses und des Klerus sank die mittlere Lebenserwartung sogar auf 66,4 bzw. 66,5 Jahre. Offenbar entscheidet also eine Fülle anderer, teilweise wohl erheblich gewichtigerer Faktoren mit über die Lebensdauer. (So lebten die meisten Geistlichen damals in ländlichen Gebieten, während Angehörige anderer Berufsgruppen mehrheitlich in der Stadt wohnten.) Ebensowenig spricht für die Macht des Gebets, dass Mitglieder vieler Sekten erwiesenermaßen seltener krank werden und länger leben. Denn in der Regel pflegen sie eine Lebensweise, die ganz allgemein der Gesundheit förderlich ist; sie trinken und rauchen wenig oder gar nicht, und aus- schweifender Lebenswandel kommt selten vor. Da sie Medikamente möglichst meiden, spricht ihr Körper im Notfall auch schneller und positiver auf sie an. Nicht das Beten allein, wohl aber tiefe Religiosität ist der Gesundheit überaus förderlich, der körperlichen ebenso wie der seelischen, wie die Mehrzahl der inzwischen über 200 empirischen Studien darüber belegt. (13) So beobachtete ein Psychologenteam acht Jahre lang, von 1982 bis 1989, über 2800 ältere Einwohner von New Haven. Diejenigen, in deren Leben Religion eine wichtige Rolle spielte, erkrankten im allgemeinen seltener, lebten länger, waren psychisch ausgeglichener, kamen länger ohne fremde Hilfe zurecht. Starke Glaubensbindung, so zeigte sich, wirkte sich dabei sogar stärker aus als soziale Kontakte oder ärztliche Betreuung. (14) Wie der australische Psychologe Jack Schumaker in Testreihen an Studenten fand, besteht auch umgekehrt zwischen Glaubensdefiziten und Krankheitsanfälligkeit oder anderen Merkmalen schlechter körperlicher Verfassung ein deutlicher statistischer Zusammenhang. (15) Zwischen christlich und eher esoterisch orientierten Versuchspersonen war dabei allerdings kein Unterschied feststellbar. Religiöse Überzeugungen, egal wovon, dienen als wichtiger «Puffer gegen Stress», erklärt der Psychologe: Der Glaube an eine andere Wirklichkeit, höhere Werte und einen letzten Sinn könne Spannungen abbauen, die nachweislich krank machen. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen Die eingangs erwähnten Repräsentativumfragen: von TNS Infratest Sozialforschung unter 3480 Erwachsenen zwischen April und September 2012; sowie 2006 von der GfK Marktforschung Nürn­berg unter 1970 Bundesbürgern, im Auftrag der Zeit­schrift Apo­theken Umschau . (1)   Harald Wiesendanger: Auf der Suche nach Sinn – Allerletzte Antwor­ten auf letzte Fragen , Lea Verlag: Schönbrunn 2005, S. 57 und 65. (2)   Immanuel Kant: Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft ,   Erstes Stück, Vierter Abschnitt: Der Dienst und das Pseudodienstwesen der Religion, 2. Aufl. 1794 (3)   Fallbeispiele in Harald Wiesendanger: Das Große Buch vom Geistigen Heilen – Möglichkeiten, Grenzen, Gefahren , Schönbrunn 2000, S. 87 f.; Harald Wiesendanger : Fernheilen, Band 2: Fallbeispiele, Forschungen, Erklärungen, Einwände , Schönbrunn 2004, S. 87 ff. (4)   Ein Pseudonym . (5)   Auszüge aus Beards Buch Was Jedermann sucht gibt der Parapsychologe Wilhelm Otto Roesermüller wieder in Wenn die Schulmedizin versagt. Religiöse und ärztliche außerschulmäßige Heilweisen , Bietigheim 1975, S. 42-47. (6)   So genas der Arzt Dr. Francesco Ricciardi, ein radikaler Atheist, buchstäblich auf dem Sterbebett von einem schweren Krebsleiden , nachdem Pater Pio ihn in seine Gebete eingeschlossen hatte. Bei dem Chirurgen Dr. Antonio Scarparo verschwand ein Unterleibstumor mit Lungenmetastasen. Die Fabrikantentochter Nicoletta Mazoni, die an Gehirnstörungen mit Zungenparalyse erkrankt war, hatte ihre Eltern seit sechs Monaten nicht mehr erkannt; die Ärzte hatten sie aufgegeben, doch seit einer Fürbitte Pater Pios galt sie als vollständig geheilt. Gemma di Giorgi war blind, ohne Augäpfel zur Welt gekommen - trotzdem schien Pio sie sehend gemacht zu haben, wie ein fassungsloser Augenarzt in Wahrnehmungstests bestätigt fand. Psychologen der Universität Freiburg i . Br. verbürgen sich für einen Fall von Fernheilung eines organischen Leidens im Anschluss an Pios Gebete, dem sie einge hend nachforschten : Ein an beiden Beinen gelähmter italienischer Landarbeiter, der sich 1940 eine schwere Wirbelsäulenverletzung zugezogen hatte, konnte wieder ungehindert gehen . (Siehe Roesermüller, a. a. O., S. 52–56; s. Anm. 127.) (7)   Siehe Harald Wiesen­danger: Fernheilen, Band 2: Fallbeispiele, Forschungen, Erklärun­gen, Einwände , Lea Verlag: Schönbrunn 2004. (8)   Dem niederländischen Parapsychologen Wilhelm Tenhaeff berichtete ein Klinikdirektor über einen Kranken, der an Herzkammerflimmern litt und den er schon aufgegeben hatte. Plötzlich trat, entgegen allen Erwartungen, eine Besserung ein ; schließlich konnte der Mann als geheilt entlassen werden. Später erst stellte sich heraus, daß sich die Frau des Kranken, ohne dessen Wissen, an einen Gesundbeter gewandt hatte. Beinahe zeitgleich mit dem Beginn der Heilgebete setzte die Genesung ein. Siehe Tenhaeff: A ußergewöhnliche Heilkräfte , Olten/Freiburg i. Br. 1957, S. 306 . (9)   Siehe Harald Wiesen­danger: Das Große Buch vom Geistigen Heilen , a.a.O., S. 90;   Fernheilen, Band 2: Fallbeispiele, Forschungen, Erklärun­gen, Einwände , Lea Verlag: Schönbrunn 2004, S. 117 ff. (10)  Mehr zur Parapsychologie des Gebetsheilens in Das Große Buch vom Geistigen Heilen , a.a.O., S. 90 ff. (11)   Andrew Weil : Heilung und Selbstheilung, Weinheim 1988, S. 205. (12)   Journal of the Statistical Society Bd. 12,   S. 355; auch in F. Galton: "Statistical Studies in the Efficacy of Prayer», Fortnightly Review 12/1872, S. 125-135, nachgedruckt in C. G. Roland: "Does Prayer Preserve ? » Archives of Internal Medicine 125/1970, S. 580-587. (13)   Unter 24 Studien aus den Jahren 1951 bis 1979, die der britische Psychologe Allen Bergin von der Universität Brigham auswertete, deuteten 47 Prozent auf einen günstigen Einfluss religiösen Glaubens auf geistige Gesundheit hin. Nur knapp jede fünfte Studie wies dagegen psychopathologische Gefahren nach. Ein Drittel der Studien ging unterschiedlich aus. (Siehe Allen Bergin: «Religiosity and Mental Health : A Critical Reevaluation and Metaanalysis » , Professional Psychology 14/1983, S. 170-184). Damit stimmt ein kürzlicher Literaturüberblick des amerikanischen Psychologen John Gartner aus Baltimore überein, der rund 200 Studien auswertete (Journal of Psychology and Theology 19/1992 , S. 6–25). (14)  Die beiden Psychologen Ellen Idler und Stanislav Kasl berichten über diese Langzeitstudie im American Journal of Sociology 97/1992, S. 1052-1079. (15)  Jack Schumaker : « Mental Health, Belief Deficit Compensation, and Paranormal Beliefs » , Journal of Psychology September 1987. Dieser Betrag enthält Auszüge aus dem Buch von Harald Wiesendanger: Auswege – Kranken anders helfen (2015)

  • Das Märchen vom bösen Salz

    Salzarm essen: Gesundheitsbewussten kommt das selbstverständlich vor. Denn Salz, so heißt es, erhöhe das Risiko für Nierenschäden, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall. Entsprechend strikt beraten Ärzte, entsprechend fad müssen sich Insassen von Krankenhäusern, Altenheimen, Pflegeeinrichtungen bekochen lassen. In Wahrheit ist es viel leichter und gefährlicher, zuwenig Salz zu sich zu nehmen als zuviel. Im übrigen: Salz ist nicht gleich Salz - die Qualität entscheidet. Ein medizinischer Mythos kostet Abermillionen ihre Vitalität. „Erst Salz, dann Sense“: So martialisch betitelte eine Heidelberger Allgemeinmedizinerin einen Beitrag im Infoportal doccheck – so als sei der Salzstreuer ein bevorzugtes Tatwerkzeug von Gevatter Tod. Schließlich sei ja „bekannt, dass ein zu hoher täglicher Salzkonsum ein erheblicher Risikofaktor für Bluthochdruck ist und damit auch für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, insbesondere Schlafanfall“. Die Bangemache der Ärztin folgt gängiger Lehrmeinung. Diese entsprang ein paar unkontrollierten Fallberichten aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts, die voreilig Eingang in Lehrbücher fanden. Schier unausrottbar hält sie sich seither. In der Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), täglich höchstens 6 Gramm Salz zu sich zu nehmen, spiegelt sie sich ebenso wie in der Obergrenze von 5 Gramm, für die sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausspricht. Dabei gäbe die Studienlage längst Anlass, das Dogma zu hinterfragen. Schon Mitte des vorigen Jahrhunderts hatte eine Auswertung aller bis dahin vorliegenden Forschungsergebnisse gezeigt: Die Beweislage war mitnichten eindeutig. (1) „Da Natrium und Chlorid praktisch die Grundbausteine der biochemischen Struktur von Säugetieren sind“, so kommentierten die Autoren seinerzeit, „ist es kaum verwunderlich, dass der Verzicht auf diese Stoffe in der Ernährung letztendlich zu unerwünschten oder sogar katastrophalen Folgen führt.“ Und daran änderte sich anschließend nichts: Im Jahr 2018 ergab eine systematische Übersicht über neun hochwertige Studien, dass es weiterhin keine handfesten Belege gibt, die eindeutig für eine natriumarme Ernährung sprechen. Lehrbuchweisheit widerlegt – die SODIUM-HF-Studie Für Klarheit sorgen sollte die großangelegte SODIUM-HF-Studie, deren Ergebnisse im April 2022 publik wurden. (2) An ihr beteiligt waren 806 erwachsene Patienten an 26 Standorten in sechs Ländern. Im Schnitt 66 Jahre alt, litten sie an chronischer Herzinsuffizienz im Stadium II bis III gemäß Einteilung der New York Heart Association (NYHA), d.h. mit leichten bis starken Einschränkungen der Belastbarkeit, aber noch mit Beschwerdefreiheit in Ruhe. Medikamentös waren sie allesamt leitlinienkonform versorgt. Aus diesen Probanden wurden zwei gleich große Gruppen gebildet: Die eine erhielt bloß allgemeine Ratschläge zur Natriumzufuhr in der Ernährung; die andere sollte eine strikt natriumarme Diät von möglichst nicht mehr als 1500 mg täglich einhalten. Sechs Jahre lang beobachteten Kardiologen, wie sich diese Vorgaben gesundheitlich auswirkten. Im ersten Jahr nach Studienbeginn sank in der Diätgruppe die durchschnittliche Natriumaufnahme von 2.286 mg pro Tag auf 1.658 mg, in der Kontrollgruppe von 2.119 auf 2.073 mg. Wie wirkte sich diese Differenz bis zum Ende des sechsjährigen Beobachtungszeitraums aus? Bis dahin mussten sich 15 % der natriumarmen Gruppe und 17 % der Kontrollgruppe kardiovaskulär bedingt ins Krankenhaus einweisen lassen, suchten deswegen die Notaufnahme auf oder verstarben - ein Unterschied in puncto Inzidenz, der statistisch bedeutungslos war. Erstaunlicherweise lag die Gesamtsterblichkeit in der Diätgruppe mit 6 % sogar leicht höher als in der Kontrollgruppe mit 4 %. Und so schlossen die Autoren kurz und bündig: „Bei ambulanten Patienten mit Herzinsuffizienz führte eine diätetische Intervention, um die Natriumaufnahme zu reduzieren, nicht zu einer Verringerung der klinischen Ereignisse." Ein Manko der Studie könnte die Ergebnisse verfälscht haben: der Umstand, dass auch die Kontrollgruppe keine besonders hohen Salzmengen zu sich nahm. In dieser Hinsicht unterschieden sich die beiden Gruppen nur um 415 mg pro Tag. Ein erwachsener Deutscher konsumiert im Schnitt 8 bis 10 Gramm Salz pro Tag, ein US-Amerikaner 9,6 Gramm, so dass die Kontrollgruppe nicht wirklich eine Bevölkerung repräsentiert, die einem typisch westlichen (Fehl-)Ernährungsstil frönt. Ein weiterer Kritikpunkt lautet: Die einbezogenen Patienten könnten nicht krank genug gewesen sein, um von einer natriumarmen Ernährung zu profitieren. Womöglich hätte sich ein Nutzen ergeben, wenn auch Patienten mit schwerster Herzinsuffizienz – im Stadium IV – teilgenommen hätten. Diese Unzulänglichkeiten entwerten die Ergebnisse aber keineswegs. In seiner Analyse für das Infoportal Medscape stellt der Elektrophysiologe Dr. John Mandrola fest: "SODIUM-HF (…) hat gezeigt, dass bei einer typischen Herzinsuffizienz-Kohorte die Empfehlung einer strengeren natriumarmen Diät im Vergleich zu allgemeinen Ratschlägen keinen Unterschied bei den Behandlungsergebnissen ausmacht ... Mein Fazit ist, dass wir keine Zeit und Energie darauf verwenden müssen, die Patienten zu einer extrem natriumarmen Ernährung zu bewegen." Entwarnung gibt auch der Heidelberger Ernährungsmediziner und Präventionsarzt Dr. Gregor Dornschneider , der in den Therapiecamps  meiner Stiftung AUSWEGE  mitwirkt:  „Menschen mit normalem Blutdruck – bei Werten von 120/80 bis 130/85 mmHg - sind zu etwa 80 % nicht salzsensitiv; das heißt, selbst bei erhöhtem Salzkonsum bleibt ihr Blutdruck davon unbeeindruckt. Auch unter den sogenannten Prä-Hypertonikern - mit "hochnormalen" Blutdruckwerten bis 140/90 mmHg - reagieren ca. 75 % wenig bis gar nicht auf vermehrte Salz-Zufuhr.“ (3) Selbst unter „manifesten“ Hypertonikern – mit dauerhaft höheren Werten als 140/90 mmHG – steigert bei jedem Zweiten Salz nicht  den Blutdruck. Ein weitaus größeres Problem: Salzmangel In Wahrheit ist es ziemlich schwierig, sich schädliche Mengen an Natrium einzuverleiben – jedoch leicht, zuwenig davon zu sich zu nehmen. Entsprechend große Mühe sollten sich Ärzte geben, ihre Patienten auf die extremen Gefahren einer allzu salzarmen Ernährung hinzuweisen, statt ihnen eine Heidenangst vor Salz einzujagen. Als Elektrolyt - eine Substanz, die Elektrizität leitet - trägt Natrium dazu bei, die Wassermenge in und um die Zellen zu regulieren, wie auch den Blutdruck. Wessen Salzgehalt zu niedrig ist, der kann chronisch dehydriert werden. Werte unter 125 mmol/l können Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Verwirrtheit auslösen. Natriumwerte unter 115 mmol/l sind lebensbedrohlich, sie erfordern sofortige intensivmedizinische Behandlung. Dann kommt es zu einer verstärkten Wasserverschiebung ins Zellinnere, mit Funktionsstörungen verschiedener Organe – etwa einer Nierenschwäche – und der Gefahr einer Hirnschwellung, die zu Bewusstseinsstörungen bis hin zu Krämpfen und Koma führt. Ein Natriumwert von unter 110 mmol/l, der nicht schleunigst behoben wird, kann tödlich enden. Wie eine Studie in 181 Ländern ergab, ist die Lebenserwartung überall dort niedriger, wo weniger Salz konsumiert wird. Sogar schon eine leichte Hyponatriämie - ein zu niedriger Natriumspiegel – erhöht das Sterberisiko signifikant. (4) Noch weit entfernt von Lebensgefahr provoziert eine andauernde Unterversorgung mit Salz, heraufbeschworen durch eine natriumarme Ernährung, eine Fülle von hartnäckigen Beschwerden, welche die Lebensqualität enorm beeinträchtigen können. Sie reichen von Müdigkeit und Schlaflosigkeit über Übelkeit und Erbrechen, Kopf- und Muskelschmerzen bis hin zu erektiler Dysfunktion, Konzentrationsstörungen und Verwirrtheitszuständen. Dass zuwenig Salz das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöht , belegte im Jahr 2014 die PURE-Studie mit rund 102.000 Teilnehmern aus 19 Ländern. Weitere Untersuchungen bestätigten sie. Thomas Lüscher, Leiter des Zentrums für Molekulare Kardiologie an der Uniklinik Zürich, sieht den Grund darin, dass der Organismus bei sehr niedrigem Salzkonsum Hormone ausschüttet, die den Blutdruck hochtreiben. "Das ist ähnlich wie mit dem Blutzucker bei Diabetikern", erklärt er, "zuviel ist gefährlich, zuwenig aber auch." (5) Unser Blutdruck sinkt tatsächlich, wenn wir unseren Salzkonsum drastisch reduzieren – in  der Regel allerdings um weniger als 1 % . Leider verschlechtert sich dabei das Verhältnis von Gesamtcholesterin zum „guten“, schützenden High-Density-Lipoprotein (HDL), das ein viel zuverlässigerer Prädiktor für Herzkrankheiten ist als das „böse“, Gefäßwände schädigende Low-Density-Lipoprotein (LDL). Auch Triglycerid- und Insulinspiegel sind erhöht. Somit steigt  das Risiko für Herzkrankheiten eher, als dass es sinkt, auch wenn die Blutdruckwerte besser erscheinen. Schlimmer noch: Salzmangel erhöht auch das Risiko, eine Insulinresistenz zu entwickeln, da der Körper Salz unter anderem durch einen Anstieg des Insulinspiegels konserviert. Ein höherer Insulinspiegel hilft den Nieren, mehr Salz zurückzuhalten. Insulinresistenz wiederum ist ein Merkmal nicht nur von Herzkrankheiten, sondern der meisten chronischen Erkrankungen. Unser Salzstatus wirkt sich auch unmittelbar auf unseren Magnesium- und Kalziumspiegel aus. Wenn wir nicht genügend Salz zu uns nehmen, so beginnt unser Körper nicht nur, sich Natrium aus dem Skelett zu holen - er entzieht den Knochen auch Magnesium und Kalzium, um einen normalen Natriumspiegel aufrechtzuerhalten. Zum selben Zweck verringert er die über den Schweiß verlorene Natriummenge,  stattdessen scheidet er Magnesium und Kalzium aus. Außerdem erhöht ein niedriger Natriumspiegel das Aldosteron, ein natriumbindendes Hormon, das ebenfalls Magnesium reduziert, indem es dafür sorgt, dass das lebenswichtige Mineral über den Urin ausgeschieden wird. Eine rigoros natriumarme Ernährung zählt demnach zum Übelsten, was wir unserer Gesundheit antun können - insbesondere dem Zustand unserer Knochen und unseres Herzens. Viele Patienten mit Bluthochdruck bekommen Diuretika verschrieben: harntreibende Mittel, welche die Situation noch verschlimmern können. Auch den Kaffeekonsum berücksichtigen Empfehlungen eines niedrigen Salzgehalts nur selten - obwohl Kaffeetrinken die Salzspeicher zügig leert. Wer vier Tassen Kaffee an einem Tag trinkt, kann innerhalb von vier Stunden leicht mehr als 1 Teelöffel Salz - etwa 5 g - mit dem Urin ausscheiden. Dennoch legen ihm Ärzte ans Herz, höchstens 1 Teelöffel Salz pro Tag zu sich zu nehmen. Wer sich als Kaffeetrinker an diesen Ratschlag hält, kann innerhalb weniger Tage einen erheblichen Natriummangel erleiden, da sein Körper große Mengen an Salz verliert. Noch gefährdeter ist der Kaffeetrinker, wenn er intensiv Sport betreibt, regelmäßig die Sauna besucht oder körperlich anstrengende Tätigkeiten erledigt. Denn auch mit dem Schweiß scheidet sein Körper Natrium aus: 700 bis 2000 mg pro Liter. Wer also viel schwitzt, wird möglicherweise mehr Salz los, als er sich bei einer salzarmen Diät wieder zuführt. Pflichtlektüre für alle Salzphobiker im weißen Kittel Einst lag die Salzzufuhr zehn Mal höher Auch historisch und interkulturell betrachtet ist die allgemeine Empfehlung, die Salzzufuhr einzuschränken, nicht sonderlich sinnvoll, wie der Kardiologe James DiNicolantonio vom Saint Luke´s Mid America Heart Institute in Kansas City in einem lesenswerten Buch darlegt. (6) In Wahrheit schluckten Menschen jahrtausendelang erheblich mehr Salz als unsereins – allerdings bei Mahlzeiten, die ausnahmslos boten, was die Natur hergab, ohne künstliche Zusätze. An die WHO-Empfehlung – maximal 5 g pro Tag – hielten sich unsere Vorfahren bloß im allerfrühesten Abschnitt der Menschheitsgeschichte, in der Steinzeit, die vor etwa 2,5 Millionen Jahren begann und, je nach Region, zwischen 3000 und 2000 vor Christus endete. Der tägliche Salzkonsum damaliger Jäger und Sammler wird auf ein halbes bis ganzes Gramm geschätzt , aufgenommen ausschließlich aus natürlichen Lebensmitteln wie Fleisch, Blut und Pflanzen. In  der Antike wurde Salz zum wichtigsten Konservierungsmittel und blieb es zwei Jahrtausende lang. Soldaten erhielten ihren Lohn teilweise in Salz – daher stammt das Wort salarium , “Salär”. Die alten Römer nahmen pro Tag 7 bis 12 g zu sich. Im Mittelalter bis weit ins 19. Jahrhundert hinein war es schon doppelt so viel, zumindest in Europa. (7) Die tägliche Salzaufnahme stieg auf 15 bis 30 Gramm, denn Fleisch, Fisch, Käse pflegte man zu pökeln, zu räuchern und einzusalzen. Das übertrifft die 8 bis 10 Gramm, die der heutige Deutsche pro Tag laut DGE zu sich nimmt, um das Dreifache. (Erst 1876 erfand Carl von Linde die erste industriell nutzbare Kältemaschine – sie revolutionierte  Kühlhäuser, Brauereien und die Fleischindustrie –, 1913 ließ Fred Wolf den ersten elektrischen Haushaltskühlschrank folgen.) Der Spitzenreiter, ein typischer Schwede des 16. Jahrhunderts, soll Schätzungen zufolge sogar durchschnittlich 100 Gramm Salz pro Tag konsumiert haben. Aber kamen infolgedessen einst Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle, Nierenversagen, Osteoporose, Magenkrebs, Ödeme, Autoimmunerkrankungen und Demenz um ein Vielfaches häufiger vor? Chinesen und Japaner, deren Lebenserwartung zu den stattlichsten der Welt gehört, konsumieren zugleich die höchsten Salzmengen : im Schnitt 13,4 bzw. 11,7 Gramm pro Tag. Warum ignorieren Salzpanikmacher, dass Patienten im Krankenhaus routinemäßig große Mengen an 0,9%-iger Natriumchloridlösung intravenös verabreicht bekommen? Dabei erhalten sie häufig das Zehnfache der empfohlenen Tagesdosis an Natriumchlorid – trotzdem steigt ihr Blutdruck oft kaum an. Spätestens an diesem Punkt muss jedem halbwegs wachen Geist ein Licht aufgehen: An der Rufmordkampagne gegen das Salz ist etwas oberfaul. Die fixe Idee, die Salzaufnahme korreliere mit dem Blutdruck, gewann durch die 1999 veröffentlichte DASH-Studie ( Dietary Approaches to Stop Hypertension ) an Popularität. Tatsächlich schränkt die DASH-Diät die Salzaufnahme ein – zugleich aber auch den Konsum von zuckerhaltigen und verarbeiteten Lebensmitteln, die den Blutdruck weitaus stärker beeinflussen können als Salz. Womöglich ist beim vorherrschenden westlichen Ernährungsstil also gar nicht so sehr das Salz das Problem, sondern die Qualität der salzhaltigen Lebensmittel, die man zu sich nimmt – insbesondere wenn es sich um Industrieprodukte handelt. Pro 100 Gramm stecken in Salzstangen und Chips 2,5 bis 4 g Salz, in Schmelzkäse und Fertigsuppen 3 bis 5 g, in Wurstwaren 2,5 bis 4,5 g – mit Salami am oberen Ende -, in Fertigsoßen bis zu 15 g, in Brühwürfeln und Bouillonpulver gar bis zu 60 g. Am meisten Salz, 75 bis 90 % , nimmt der deutsche  Durchschnittsesser heutzutage aus verarbeiteten Lebensmitteln auf. Ja, diese Produkte machen auf Dauer krank. Aber tun sie es wegen ihres Salzgehalts – oder vielmehr wegen alledem, was man sich ansonsten mit ihnen einverleibt? Sie liefern zuviel Zucker, zuviele minderwertige gesättigte Fette, zuviele Kalorien, zuviele Konservierungs-, Farbstoffe und Aromen, Emulgatoren, Stabilisatoren, modifizierte Stärken und andere technisch veränderte Zutaten - aber zuwenig Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe, zuwenig sekundäre Pflanzenstoffe. Eine derart einseitige Ernährung fördert Übergewicht – und dies  ist der hauptverantwortliche Faktor bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Von diesem eigentlichen Gesundheitsskandal lenkt uns die Salzdebatte fatal ab. Galileo-Grafik: https://cms-api.galileo.tv/app/uploads/2020/05/grafik_salz.png Hier wird zur Kategorie „natürliches Salz“ anscheinend auch industrielles Pseudosalz gezählt – von einem Wissenschaftsmagazin erwartet man etwas mehr Differenzierungsvermögen. Hören wir besser auf unseren Körper als auf fragwürdige Experten Kurzum: Es gibt keinen schwerwiegenden Grund, sich über zuviel Salz in der Ernährung Sorgen zu machen. Wie eine Studie aus dem Jahr 2017 bestätigt (8), behält ein gesunder Körper stets ein relativ konstantes Natriumgleichgewicht bei , erstaunlich unabhängig davon, wie viel er aufnimmt. Gesunde Nieren kriegen es ohne weiteres hin, überschüssige Salzmengen auszuscheiden und den Blutdruck stabil zu halten. Laut DiNicolantonio kann eine Person mit intakten Nieren mindestens 86 Gramm Salz pro Tag zu sich nehmen. Außerdem verfügt unser Organismus über einen eingebauten "Salzthermostaten", der uns die benötigte Menge anzeigt, indem er unser Verlangen nach Salzigem reguliert . Wer zuviel Salz zu sich genommen hat, wird durstig und trinkt Wasser; dabei verdünnt er sein Blut ausreichend, um die richtige Natriumkonzentration aufrechtzuerhalten . Lernen wir also, auf unseren Körper zu hören. Und denken wir daran, dass wir bei starkem Schwitzen und reichlich Kaffeegenuss automatisch mehr Salz benötigen als sonst. Viel wichtiger: das Natrium-Kalium-Verhältnis Während Salz als Ursache für Bluthochdruck und Herzkrankheiten weiterhin verteufelt wird, zeigen Forschungsergebnisse: Der wahre Schlüssel zur Normalisierung des Blutdrucks ist das Verhältnis von Natrium und Kalium - und nicht die Natriumzufuhr allein. (7) Wie Salz, so ist auch Kalium ein Elektrolyt. Doch während sich das Kalium größtenteils in den Zellen befindet, schwimmt das Natrium überwiegend außerhalb. Kalium sorgt dafür, dass sich unsere Arterienwände entspannen, unsere Muskeln nicht verkrampfen und unser Blutdruck sinkt. (8) Als Faustregel gilt: Wir sollten fünf Mal mehr Kalium als Natrium zu uns nehmen. Wer eine westliche Standardernährung mit verarbeiteten Lebensmitteln bevorzugt, der verleibt sich wahrscheinlich doppelt so viel Natrium wie Kalium ein. Wie fatal sich eine solche Fehlernährung auswirken kann, führen Forschungsergebnisse vor Augen, auf welche die eingangs zitierte doccheck -Autorin ihren Sensenhorror stützt. Sie verweist auf eine Anfang August 2022 im European Heart Journal veröffentlichte Studie , in die Gesundheitsdaten von 501.379 Personen eingingen. Zu Beginn gaben die Probanden unter anderem an,ob und wie häufig sie fertige Speisen bei Tisch nachsalzen – ein ungefähres Maß dafür, wie groß die individuelle Vorliebe für salzig schmeckende Lebensmittel und die gewöhnliche Salzzufuhr ist. Mehr als die Hälfte, 277.931, gan zu Protokoll, nie oder nur sehr selten nachzusalzen; weitere 140.618 Personen taten dies nach eigenen Angaben „manchmal“, 58.399 „für gewöhnlich“, 24.431 „immer“. Am Ende des neunjährigen Studienzeitraums war es unter den Teilnehmern zu 18.474 Todesfällen gekommen. Bei gelegentlichen Nachsalzern ergab sich eine mäßig über dem Durchschnitt liegende Mortalität, bei ständigen ein um enorme 28 % erhöhtes Sterberisiko. Allerdings lässt Team Salzphobie einen entscheidenden Aspekt dieser Studie unter den Tisch fallen:  Der regelmäßige Verzehr von Obst und Gemüse machte den signifikanten statistischen Zusammenhang zwischen Nachsalzen und Mortalität zunichte. Wieso? Weil Obst und Gemüse reichlich Kalium liefern. (Besonders ergiebig sind Bananen und Aprikosen, wie auch Karotten, Avovcado, Tomaten, Kohlrabi, Kartoffeln, Rosenkohl, Paprika, Champignons. Auch Nüsse, Zartbitterschokolade und bestimmte Mehlsorten punkten als Kaliumlieferanten .) Daraus folgt: Der ausgiebige Griff zum Salzstreuer schadet in erster Linie jenen, die keinen Wert auf gesunde, vollwertige Ernährung legen. Follow the Money – auf einen Holzweg Wie kann die Schulmedizin bloß so beharrlich einen Irrweg beschreiten? Follow the Money : Sie will Geld verdienen. Allen Menschen Angst vor Salz einzujagen, ist „ein Eckpfeiler zur Festigung des Blutdruckmarkts“, ätzt ein systemkritischer US-Arzt, der weiterhin unbehelligt  praktizieren will, weshalb er sich hinter dem Autorennamen „ A Midwestern Doctor “ versteckt. Inwiefern? Indem man Salz zum Hauptschuldigen für Bluthochdruck erklärt, benennt man einen scheinbar klaren, einfachen Risikofaktor. Das schafft Angst – auch bei Gesunden – und fördert: die Bereitschaft zur „ Vorsorge “, nicht im Sinne von echtem Vorbeugen, sondern von Überprüfen gewisser Messwerte; folglich regelmäßige Blutdruckkontrollen; die Verschreibung von Medikamenten schon bei leicht erhöhten Werten; eine verstärkte Gesundheitsüberwachung mit regelmäßigen Check-ups. Hypertonie, echte wie vermeintliche, ist ein milliardenschweres Business – es beschert der Pharmaindustrie einen globalen Jahresumsatz von rund 25 Milliarden Dollar. Blutdrucksenker wie ACE-Hemmer, Betablocker, Diuretika und Sartane zählen zu den meistverkauften Arzneimitteln. Die Behandlung ist langfristig und dauerhaft lukrativ. Wenn sich viele Menschen einreden lassen, ihr Blutdruck sei „behandlungsbedürftig“ , entsteht ein riesiger Markt für Pharmaunternehmen. Und je mehr Menschen man durch Angst - „Salz ist gefährlich!“ - in die Vorsorge und Therapie bringt, desto stärker wächst dieser Markt. Wie überall in unserem profitgetriebenen Gesundheitssystem, so lebt auch hier das Geschäft mit der Prävention entscheidend von Angstmarketing: Salz = Risiko = Krankheit = Behandlung. Diese Logik folgt einem typischen Schema: -          Definiere ein ubiquitäres Verhalten wie „Salzkonsum“ als problematisch. -           Betone mögliche Gefahren – dramatisiere das Risiko von Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall. -          Erzeuge Verunsicherung -  durch mediale Alarmmeldungen, durch hirngewaschene Ärzte. -           Biete Lösungen an: frühe Diagnose („Prä-Hypertonie“) gemäß niedrigeren Schwellenwerten; Frühbehandeln mit Pharmaprodukten. So wird aus einem natürlichen Mineral ein medizinökonomischer Hebel: Salz wird zum Sündenbock gemacht, um ein lukratives medizinisches Dauer-Abo zu rechtfertigen. Auf dem Friedhof entsorgter Ernährungsmythen Wie stets im Leben gilt es, auch beim Salz einen Mittelweg zu finden: zwischen Verteufelung und Exzess. Dabei helfen kann es, sich die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu vergegenwärtigen, die moderner, vermeintlich wissenschaftlich felsenfest abgesegneter Ernährungsforschung seit eh und je anhaftet. Welche Essensvorliebe hat sie nicht schon als ungesund, ja lebensbedrohlich entlarvt? Wie oft hat sie unsinnigen, oft sogar kontraproduktiven Verzicht auf guten Geschmack gepredigt? Zumeist bloß für begrenzte Zeit – bis sich irgendwann zeigte, dass zum Beispiel Eier nicht unbedingt den Cholesterinspiegel ankurbeln und damit Arterienverkalkung und Herz-Kreislauferkrankungen hervorrufen ; oder dass vegane Ernährung keineswegs Mangelernährung sein muss. Ebenfalls auf dem Friedhof entsorgter Ernährungsmythen befinden sich mittlerweile:  „Fett macht fett“,  „Fünf Mahlzeiten am Tag sind ideal“,  „Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages",  „Zucker ist nur wegen der Kalorien problematisch", „Light-Produkte helfen beim Abnehmen", „Alle Kalorien sind gleich", „Milch ist ein Muss für starke Knochen", „Gluten ist nur für Zöliakie-Patienten relevant".   Viele Ratschläge zur „richtigen“ Ernährungsweise „fallen unter die Rubrik Religionsfreiheit“, meint Prof. Volker Schusdziara von der TU München. „Das sind Glaubensbekenntnisse, die jeder haben darf. Aber sie sind nicht medizinisch und naturwissenschaftlich untermauert." Leider verhält es sich mit Askese-Geboten so ähnlich wie mit Gerüchten und genetisch modifizierten Organismen: Einmal in die Welt gesetzt, sind sie kaum leichter wieder einzufangen als Aladdins Geist aus der Flasche. Im Streit ums Salz herrscht auf beiden Seiten ein Tunnelblick vor. Man dürfe sich nicht bloß darauf konzentrieren, mahnt Joachim Hoyer, Nephrologe an der Uni-Klinik Marburg.  "Viel besser belegt ist, dass Übergewicht, Rauchen oder zu wenig körperliche Bewegung das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen. Statt sich mühsam das Salzen zu verkneifen, sollte man sich vielleicht lieber öfter an der frischen Luft bewegen." Ernährungsmediziner Dr. Gregor Dornschneider stellt klar: „Der weitaus größere Feind unserer Gesundheit ist ein völlig anderes kristallines Produkt, nämlich der industriell-gefertigte weiße Haushaltszucker.“  Salz ist nicht gleich Salz Im übrigen: Salz ist nicht gleich Salz - die Qualität entscheidet. Um seine physiologischen Vorzüge zu nutzen, sollten wir darauf achten, dass es nicht raffiniert und möglichst wenig verarbeitet ist. Das spricht beispielsweise für das rosagetönte Himalaya-Salz; es ist reich an natürlich vorkommenden Spurenelementen, die für gesunde Knochen, den Flüssigkeitshaushalt und die allgemeine Gesundheit benötigt werden. Eine weitere gute Wahl sind andere rohe Steinsalze, naturbelassene Meersalze, Kristallsalze oder das erlesene Fleur de Sel. Von billigem, industriell hergestelltem Kochsalz hingegen sollten wir aus mehreren Gründen die Finger lassen. Bis zu 99,9 % besteht es aus Natriumchlorid – wertvolle Mikronährstoffe, die unser Körper nicht selber herstellen kann, sind vollständig ausgewaschen. Hinzu kommen künstlich hergestellte Chemikalien wie Feuchtigkeitsabsorber und Rieselhilfen, darunter Aluminiumoxid. In Kochsalz für Wurstwaren steckt darüber hinaus krebsförderndes Natriumnitrit. Auch geringe Mengen von synthetischer Jod und Fluorid können zugesetzt sein – obwohl wir unseren Bedarf an diesen Spurenelementen auf gesündere Weise anderweitig decken könnten. Zudem ist rund 90 % des Speisesalzes mit Mikroplastik verunreinigt. Hinzu kommt, dass die industrielle Verarbeitung auch die chemische Struktur des Salzes radikal verändert. Übrig bleibt „ein totes Würzmittel“, bemängelt Gregor Dornschneider. Naturbelassenes Salz hingegen enthält in der Regel, neben 84 % NaCl, auch 16 % natürlich vorkommende Mineralstoffe wie Kalium, Calcium, Magnesium, Phosphor und Schwefel. Diese tragen wesentlich dazu bei, ein ausgewogenes Säure-Basen-Verhältnis aufrechtzuerhalten und eine ordnungsgemäße Reizleitung in Nerven- und Muskelzellen sicherzustellen.  Auch ist Salz unentbehrlich, um Nährstoffe im Körper zu transportieren, sie in Zellen aufzunehmen, Abfallstoffe abzuleiten. Darüber hinaus erfüllen  wertvolle Spurenelemente im Salz - darunter Selen, Eisen, Zink, Silizium, Kupfer, Mangan und Vanadium - vielerlei Aufgaben bei zahlreichen Stoffwechselprozessen: vom Zellschutz vor oxidativem Stress über die Energiegewinnung in Mitochondrien bis hin zur Wundheilung, Blutbildung, Hormonregulierung und dem Aufbau von Gewebe. (Eine ausgewogene Ernährung mit Vollkorn, Nüssen, Samen, Hülsenfrüchten, Gemüse, Fisch und Fleisch liefert allerdings deutlich mehr dieser Stoffe, als naturbelassenes Salz es tut.) Viele Menschen stellen verblüfft fest, wie sich ihre Gesundheit dramatisch verbessert, sobald sie beginnen, gesunde Salze zu sich zu nehmen. Plötzlich spüren sie mehr Energie und geistige Klarheit. Erst jetzt geht ihnen ein Licht auf: Hinter dem Kampf gegen das Salz verbirgt sich ein medizinischer Mythos, der Abermillionen ihre Vitalität kostet. Langen  Textes kurzer Sinn: Für eine optimale Gesundheit benötigen wir unbedingt Salz – aber nicht jedes. Was unser Körper braucht, ist naturbelassenes, unraffiniertes Salz, ohne Zusatz von Chemikalien. Bis der Sensenmann auch den letzten Salzverzichtsdogmatiker heimgesucht hat, dürfte es allerdings noch ein Weilchen dauern. ( Harald Wiesendanger ) Anmerkungen (1) Justin A. Ezekovitz u.a..: Reduction of dietary sodium to less than 100 mmol in heart failure (SODIUM-HF): an international, open-label, randomised, controlled trial. Lancet, 2.4.2022. DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(22)00359-5) (2) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3041211/ ; https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3064042/ (3) Zit. nach https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/ernaehrung-schadet-zu-viel-salz-im-essen-wirklich-a-1020274.html (4) James DiNicolantonio: The Salt Fix: Why the Experts Got It All Wrong - and How Eating More Might Save Your Life , New York 2017 (5) Cardiology Review September-October 1999; 7(5): 284-288 , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11208239/ . Weitere Studien, die für eine Reduzierung der Salzzufuhr zur Vorbeugung von Bluthochdruck zu sprechen scheinen, werden hier zusammengefasst. (6) Journal of Clinical Investigation 2017;127(5):1944–1959 , https://doi.org/10.1172/JCI88532 ; New York Times May 8, 2017 , https://www.nytimes.com/2017/05/08/health/salt-health-effects.html (7) Advances in Nutrition, 2014; 5:712 , http://advances.nutrition.org/content/5/6/712.full (8) Harvard Health Publications, January 23, 2017 , http://www.health.harvard.edu/heart-health/potassium-lowers-blood-pressure ; Journal of the American Medical Association 1997;277(20):1624 , https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9168293 ; Journal of Human Hypertension 2003; 17(7):471 , https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12821954 ; British Medical Journal 2013; 346:f1378 , http://www.bmj.com/content/346/bmj.f1378 (9) https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29507099/ , zusammengefasst hier (10) Zit. nach https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/ernaehrung-schadet-zu-viel-salz-im-essen-wirklich-a-1020274.html

  • „Unheilbar“ – Wenn ein Wort zum Hammer wird

    Manchmal genügt ein einziges Wort, um ein Gegenüber mit der Wucht eines Vorschlaghammers zu treffen. Die ärztliche Einschätzung, eine Heilung sei unmöglich, zählt dazu. Sie ist verantwortungslos – und allzu oft voreilig. Falls mir ein Arzt eines Tages eröffnet, meine Erkrankung sei „unheilbar“: Wie ginge ich damit um? Verharre ich in Schockstarre? Falle ich psychisch ins Bodenlose? Gebe ich auf? Statt zu verzweifeln, würde ich seine Äußerung hinterfragen. Er sagt: Er kenne keine effektive Behandlungsweise mehr, seine Mittel reichen nicht aus. Aber wie steht es mit anderen? „Da kann ich Ihnen leider keine Hoffnung machen“, erwidert er vermutlich. „Die Möglichkeiten der Medizin sind in Ihrem Fall ausgeschöpft.“ Welche Medizin meint er? Die konventionelle, die er sich während seines Studiums angeeignet hat? Sie kennt 30'000 Krankheiten, aber nur einem Drittel davon kommt sie vollständig bei oder kann sie zumindest lindern. An Grenzen – ihre Grenzen – stößt sie, trotz eines immer gigantischeren technischen und finanziellen Aufwands, bei einer Vielzahl von chronischen Leiden, mit denen Expertenschätzungen zufolge etwa 40 %  der Gesamtbevölkerung leben müssen – das entspricht rund 33 Millionen Menschen allein in Deutschland. Ungeheilt ist nicht unheilbar Aber ungeheilt ist nicht unheilbar. Was bei vermeintlich „behandlungsresistenten“, wenn nicht gar „austherapierten“ Patienten noch möglich ist, belegen verblüffende Genesungsverläufe in den Therapiecamps  meiner Stiftung Auswege  ebenso wie in den Praxen von Therapeuten, die dem “Auswege”-Netzwerk  (IVH) angehören: sei es bei Multipler Sklerose oder fortgeschrittenem Krebs , bei Allergien , bei Tinnitus , bei Stoffwechselstörungen, bei Epilepsie  oder Fibromyalgie , bei rheumatischen Leiden, bei fortschreitenden Lähmungen wie der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS)  und anderen körperlichen Behinderungen, bei Alzheimer , bei schweren psychischen Erkrankungen wie chronischen Depressionen , Ängsten , Autismus . Und noch in jedem der 42 „Auswege“-Therapiecamps seit 2007  ließ sich aus nächster Nähe mitverfolgen, wie segensreich ganzheitliche, spirituelle, energetische Ansätze gerade in vermeintlich „ausweglosen“ Fällen wirken können. Aus Erfahrung wissen wir: Es gibt keine unheilbaren Krankheiten – nur unheilbare Patienten. Aber ist weniger als Heilung nie genug? Auch bei „Auswege“-Therapeuten werden die wenigsten Hilfesuchenden vollständig symptomfrei. Doch erstaunlich häufig lassen hartnäckige, teilweise jahrzehntelange Beschwerden nach; verbessern sich psychische Verfassung, Allgemeinbefinden und Lebensqualität; werden Medikamente und belastende Therapien besser vertragen; wachsen Fähigkeit und Bereitschaft, die eigene Erkrankung anzunehmen: als Signal, als Lektion, als Weg, als Chance. Ist es für einen Schwerkranken „vernünftig“, zu resignieren? Ein Arzt, der mich für „unheilbar krank“ erklärt, meint darüber hinaus in der Regel: „Ich kann nichts mehr für Sie tun.“ Doch selbst wenn seine fragwürdige Prognose zuträfe, Heilung oder auch nur eine Besserung sei in meinem Fall ein für allemal ausgeschlossen, läge er mit einer solchen Bemerkung falsch. Auch für Sterbenskranke, für Todgeweihte könnte ein Arzt durchaus immer etwas tun – mit etwas Empathie und der Bereitschaft, sich Zeit zu nehmen. Gerade dann, wenn das kurative Potenzial aller verfügbaren Therapien ausgeschöpft ist, beginnen einige der anspruchsvollsten ärztlichen Aufgaben: die Fürsorge, das Vermitteln von Sinn, die liebevolle Zuwendung, das einfühlsame Begleiten bis zum letzten Atemzug. Auch insofern handeln viele „Auswege“-Therapeuten vorbildlich – sie machen die Humanmedizin humaner. Wie human verfährt andererseits ein Arzt, der Schwerkranke nötigen will, in seinem Sinne „vernünftig“ zu sein? "Damit müssen Sie sich abfinden", so bekommen Betroffene dann zu hören; bei einer lebensbedrohlichen Erkrankung wird ihnen, statistisch sauber und menschlich unterkühlt, sogar vorgerechnet, "wieviel Zeit Ihnen noch bleibt". Solche entmutigenden Äußerungen, zumal aus dem Mund von Ärzten, sind verantwortungslos. Sie deprimieren, rauben jegliche Hoffnung, zerstören Lebensqualität. Bei Betroffenen richten sie oft schlimmeren seelischen Schaden an, als es ihrer Erkrankung je gelänge. Der ärgste Schmerz, die fürchterlichste Entstellung, die schwerste Behinderung kann immer noch leichter zu ertragen sein als der Verlust jeglicher Zuversicht, es könnte eines Tages doch noch eine Wende zum Besseren eintreten. So werden medizinische Prognosen letztlich zu Prophezeiungen, die sich selbst erfüllen, ähnlich der Unfallvision des Wahrsagers oder der Warnung des Charttechnikers vor "Widerständen" bei Aktienkursentwicklungen. "Hoffnung", so meinte der Philosoph Arthur Schopenhauer einst aufklärerisch, sei "die Verwechslung des Wunsches nach einer Begebenheit mit ihrer Wahrscheinlichkeit" - und verkannte dabei, dass Begebenheiten um so wahrscheinlicher werden, je beharrlicher sich Hoffnung auf sie richtet. Ist es nicht besser, eine Kerze anzuzünden, als bloß zu konstatieren, wie dunkel es ist? Unbeirrbarer Optimismus ist eine weithin unterschätzte therapeutische Größe, die mitentscheidet, welchen Verlauf eine Erkrankung nimmt. Wer um seine Gesundheit kämpft, kann verlieren, zugegeben. Doch wer nicht kämpft, hat schon verloren. Dem Münchner Komiker Karl Valentin wird das Bonmot zugeschrieben: „Prognosen sind immer heikel – besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“ Wenn ein Arzt sich zur Vorhersage hinreißen lässt, für mich gebe es keinen therapeutischen Ausweg mehr, versagt er mehrfach: Er entmutigt. Er verweigert sich. Und er verschweigt Chancen, um die er wissen müsste. Das Phänomen der „Spontanremission“ legt nahe: Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist. Die Statistik des „Wunders“ Als "Spontanremission" bezeichnen Mediziner eine Genesung (lat. remittere = sich erholen) ohne erkennbare äußere Ursache, insbesondere ohne dass eine anerkannte Therapie stattfand - sozusagen von selbst. (Das lateinische Wort sponte bedeutet wörtlich "aus eigenem Willen", "von innen heraus".) Obwohl von Ärzten seit über einem Jahrhundert dokumentiert (1), waren Spontanremissionen in der Medizin bis vor kurzem ein Tabuthema: Weil vorherrschende Lehrmeinungen sie nicht erklären konnten, wurden sie schlichtweg als Phantom abgetan, als Produkt unseriöser Sensationsmeldungen, und auf Fehleinschätzungen der Patienten oder Diagnoseirrtümer der behandelnden Ärzte zurückgeführt. Einen Stimmungsumschwung in Fachkreisen leitete erst das Jahr 1974 ein: mit einer ersten wissenschaftlichen Konferenz über Spontanheilungen bei Krebs in Baltimore, USA. Seither haben sich größere Forschungsprojekte des Phänomens angenommen. Übereinstimmend gelangten sie zum Ergebnis, dass es in der Unmenge von berichteten Spontanheilungen tatsächlich einen harten Kern gibt, an dessen Echtheit und Glaubwürdigkeit kein vernünftiger Zweifel besteht. Pionierarbeit leistete dabei die amerikanische Biochemikerin Caryle Hirshberg vom Institute of Noetic Sciences in Kalifornien: Gemeinsam mit ihrem Kollegen Brendan O´Regan - er starb bald darauf an einem malignen Melanom, bösartigem Hautkrebs - durchforstete sie nahezu die gesamte medizinische Weltliteratur der vorangegangenen 120 Jahre nach medizinisch unerklärbaren Heilungen. Dabei stieß sie auf rund 4000 Fälle aus 20 Ländern, davon 1051 Spontanremissionen bei Krebs. (2) (Fünfzig besonders überzeugende Fälle stellte sie in ihrem Buch "Unerwartete Genesungen" vor.) (3) Als die Deutsche Krebsgesellschaft im April 1997 zu einem vielbeachteten Symposium über "Spontanremissionen bei Krebserkrankungen" nach Heidelberg lud, gehörte Caryle Hirshberg zu den Stargästen. Bei derselben Veranstaltung machte eine deutsche Forschergruppe um Professor Dr. Walter Gallmeier und dem Oberarzt Dr. Herbert Kappauf auf sich aufmerksam, die am Klinikum Nürnberg seit 1990 unerwartete Heilungen bei Krebspatienten erforschte. (4) "Unser wichtigstes Anliegen ist zu zeigen, dass diese Phä­nomene real sind", erklärte Kappauf. Aus seiner stattlichen Fallsammlung stellte er 20 gutdokumentierte Beispiele vor, für welche die Schulmedizin keine plausible Erklärung anbot. Doch auf eine Spontanheilung zu hoffen, so der Tenor des Heidelberger Symposiums, sei für Betroffene müßig. Denn allenfalls bei einem unter 60.000 bis 100.000  Krebspatienten trete eine solche Remission auf. Das wären gerade mal 0,001 Prozent. Nicht von Prozentzahlen entmutigen lassen Auf Hilfesuchende wirken solche Statistiken niederschmetternd: Bedeuten sie nicht, dass unter mehreren zehntausend Tumorpatienten, die schwerkrank und von Ärzten aufgegeben in „alternative“ Heilweisen ihre letzte Hoffnung setzen, am Ende bloß ein einziger nicht enttäuscht wird? Wenn beispielsweise alle 340’000 Deutschen, die jedes Jahr neu an Krebs erkranken, einen Heiler aufsuchen würden - fänden dann gerade mal drei bis vier von ihnen durchschlagende Hilfe? Und steht nicht zu befürchten, dass die Erfolgsbilanzen „alternativer“ Therapeuten bei anderen Erkrankungen kaum besser ausfallen, sobald ihnen mit wissenschaftlicher Akribie auf den Grund gegangen wird? Man kann Patienten gar nicht eindringlich genug davor warnen, sich davon entmutigen zu lassen. Um die Datenbasis von Schwarzsehern ist es nämlich nicht besser bestellt als um die von Optimisten. Ja, um überzeugende Schilderungen von Spontanremissionen zu zählen, die pro Jahr in den wichtigsten medizinischen Fachzeitschriften auftauchen, genügen meist schon die Finger beider Hände. Doch wieviele rätselhafte Remissionen bleiben unpubliziert - etwa weil der behandelnde Arzt sie nicht dokumentierte; weil er keine Redaktion fand, die seinen Bericht haben wollte; weil ihm die Zeit zur Auswertung und Veröffentlichung fehlte; oder weil sich der Patient außerhalb ärztlicher Aufsicht und Aufmerksamkeit erholte? Hinterfragen sollten Patienten vor allem die angelegten Maßstäbe: Inwieweit taugen sie als Entscheidungshilfen? Als "spontan" erkennen Mediziner eine Heilung nur an, wenn sie durch eine aktuelle Diagnose gesichert ist und sich innerhalb eines Zeitraums ereignete, in dem keinerlei therapeutische Maßnahmen stattfanden, die nach gegenwärtigem medizinischem Erkenntnisstand wirksam sein könnten. Solche Kriterien benötigt die Forschung, um "reine" Fälle zu isolieren - aber benötigt sie der Patient? Für seine Urteilsbildung sind sie unrealistisch streng: Denn bei einem Großteil derer, die bei Geistheilern Hilfe suchen, liegt die letzte ärztliche Untersuchung schon Monate, wenn nicht Jahre zurück. Und vernünftigerweise schlägt kaum einer von ihnen, während er sich geistig behandeln lässt, jegliche sonstigen therapeutischen Chancen aus. Die bisherige Spontanremissionsforschung gleicht dem Fischer, der kaum etwas fängt: nicht weil es, wie er glaubt, zuwenig Fische gibt, sondern weil er Netze mit fehldimensionierter Maschengröße durchs Meer zieht. Verdienen etwa nur „Wunder“ Anerkennung? In einem vergleichbaren Zustand befindet sich die Medizinforschung über die "Wunder"heilungen von Lourdes. Unter den drei bis vier Millionen Pilgern, die jedes Jahr in den berühmten Marienwallfahrtsort am Fuße der französischen Pyrenäen pilgern, vermuten Experten 30’000 bis 60’000 Kranke. Lächerlich gering scheint demgegenüber jene Zahl von rund 70 "Wunderheilungen" zu wiegen, die von der Kirche bislang offiziell abgesegnet wurden, nachdem ein internationales, aus dreißig Ärzten bestehendes Komitee sie gründlich durchleuchtet hat. Um Anerkennung zu finden, muss ein Fall strengsten Anforderungen genügen, die schon 1734 von Kardinal Lambertini, dem späteren Papst Benedikt XIV., in einem Kanon festgelegt wurden: Die Heilung muss plötzlich, unvorhersehbar, vollständig und ohne Rückfall erfolgt sein; das Leiden muss lebensbedrohlich und organischen Ursprungs gewesen sein; es muss gänzlich ausgeschlossen werden können, dass es nicht ärztliche Behandlung war, die zum Erfolg führte. Die Heilung muss "die Kräfte der Natur übersteigen, eine Umkeh­rung der Naturgesetze bedeuten und wissenschaftlich unerklärbar sein". Kranke Pilger stützen ihre Hoffnungen zurecht auf andere Zahlen und Kriterien: In der Geschichte von Lourdes sind dem örtlichen Bureau Medical immerhin über 6’000 Heilungen gemeldet und dort registriert worden. Dass ihnen die Anerkennung letztlich versagt blieb, spricht nicht unbedingt gegen ihre Glaubwürdigkeit. Denn wieso soll sich ein "Wunder" nicht auch langsam, bloß teilweise, bei Leiden ohne erkennbare organische Ursache und von Rückfällen begleitet vollziehen? Warum soll es unangebracht sein, auch dann von einem "Wunder" zu sprechen, solange ein Leben nicht akut bedroht ist? Wieso, wundern sich Gläubige, sollten Spontanremissionen nicht auf nachvollziehbaren biologischen Vorgängen beruhen und Naturgesetzen folgen dürfen? Erweist sich die Macht Gottes denn erst in Verstößen gegen die Weltordnung, die er schuf? Viele Kranke melden in Lourdes eine positive Wende gar nicht erst, zumal dann nicht, wenn sich diese - und das ist die Regel - erst längere Zeit nach ihrer Rückkehr abzeichnet: sei es aus Bequemlichkeit, aus dem entmutigenden Wissen um die strengen ärztlichen Prüfungskriterien oder in der (möglicherweise irrigen) Meinung, eine vorausgegangene oder begleitende Therapie habe die Besserung herbeigeführt. Solange die Medizinforschung nicht mit brauchbareren Entscheidungshilfen aufwarten kann, orientieren sich Patienten besser an Patienten: an persönlichen Eindrücken und Erfahrungen, welche Betroffene selbst sammelten, nachdem sie sich auf die „andere“ Medizin eingelassen haben. Zu finden sind sie beispielsweise unter jenen Tausenden von Hilfesuchenden, denen die Stiftung Auswege seit ihrer Gründung 2005 erfahrene, seriöse Therapeuten vermittelte oder in ihre Therapiecamps einlud. „Ob ich wieder gesund werde, weiß ich nicht“, sagte uns ein Campteilnehmer beim Abschied. „Aber ich weiß endlich wieder, dass ich eine Chance habe.“ Mit der Wucht des Hammers, der mit der „Unheilbar“-Prognose seines Arztes auf ihn niederging, reißt er die Mauer der Ausweglosigkeit ein. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, heißt es – völlig zurecht. Zuversichtlich bleiben, sich den Glauben an eine Besserung zu bewahren, trägt gerade bei Schwerkranken ganz entscheidend dazu bei, dass Leiden erträglich bleibt. Dadurch bewahrt sie ein letztes Stück Lebensqualität. Die Hoffnung mag sich letztlich als Illusion erweisen. Doch muss sie schulmedizinisch unterkühlt zerstört werden, bevor es so weit ist? „Wir müssen zwischen Leiden und Verzweifeln unterscheiden“, schrieb der österreichische Psychiater Viktor Frankl. „Ein Leiden mag unheilbar sein, aber der Patient verzweifelt erst dann, wenn er im Leiden keinen Sinn mehr sehen kann.“ ( Harald Wiesendanger ) Dieser Beitrag ist die überarbeitete Fassung eines Kapitels aus dem Buch von Harald Wiesendanger: Auswege – Kranken anders helfen (2015). Anmerkungen (1) Schon im Jahre 1918 beschrieb Rohdenburg 185 beobachtete Spontanremissionen („Fluctuations in the growth energy of tumors in man, with especial reference to spontaneous recession“,  Journal of Cancer Research  3/1918, S.193-225); Fauvet berichtete über 202 Fälle zwischen 1960–1964 („Spontaneous cancer cures and regressions“, Revue du Practicien  14/1964, S. 2177–2180); Boyd stellte 1966 über 98 Fälle vor ( The spontaneous regression of cancer , Springfield Ill. 1966); Cole und Everson berichten von 176 Fällen im Zeitraum von 1900–1960 (W.H. Cole: „Spontaneous regression of cancer and the importance of finding its cause“, National Cancer Institute Monographies  44/1976, S. 5-9; W.H. Cole/T.C. Everson: Spontaneous Regression of Cancer , Philadelphia, PA. 1966; „Spontaneous Regres­sion of Cancer: Preliminary Report“, Annals of Surgery  144/1956, S. 366–380); Challis präsentierte 489 Fälle aus den Jahren 1900-1987 („The spontaneous regression of cancer. A review of cases from 1900 to 1987“, Acta Oncologica  29/1990, S. 545–550). (2) Brendan O´Regan/Caryle Hirshberg: Spontaneous Remission - An Annotated Bibliography , Institute of Noetic Sciences, Sauso­lito 1993; darin berichten sie über 1385 Spontanremissionen bei Krebs im Zeitraum zwischen 1900 und 1987. (3) Caryle Hirshberg/Marc Ian Barasch: Unerwartete Genesung - Die Kraft zur Hei­lung kommt aus uns selbst , München 1995. (4) Zwischenergebnisse veröffentlichten Walter Gallmeier und Herbert Kappauf 1995 in ihrem Buch Nach der Diagnose Krebs - Leben ist eine Alternative , Freiburg 1995; s. auch Herbert Kappauf: Wunder sind möglich - Spontanheilung bei Krebs . Freiburg 2003; Manfred E. Heim/Reinhold Schwarz (Hrsg.): Spontanremissionen in der Onkologie , Stuttgart 1998.

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