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  • Mikroplastik in uns: eine Zeitbombe

    Kunststoff ist allgegenwärtig, schier unverwüstlich – und brandgefährlich, wenn er in unseren Körper gerät. Während die Industrie abwiegelt, Gesundheitsbehörden und Gesetzgeber zaudern, schlagen Wissenschaftler längst Alarm: Winzige Fasern und Bruchstücke aus Plastik, die wir ahnungslos über Trinkwasser und Nahrungsmittel, Atemluft und Haut aufnehmen, können chronisch krank machen. Mitten im Weihnachtsgeschäft 2017 musste der Schokoladenhersteller Feodora seine beliebten „Anthon Berg“-Pralinen zurückrufen: Es sei nicht auszuschließen, dass in die Packungen Kunststoffteile gelangt sind, so teilte das Unternehmen mit. Man solle die Produkte keinesfalls verzehren. Betroffene Kunden könnten sie zurückgeben. Den Preis erhielten sie erstattet, auch ohne Kassenbon. Die Logik dahinter ist ulkig. Konsequent weitergedacht, triebe sie nämlich unsere gesamte Lebensmittelindustrie umgehend in den Ruin. Denn Plastik ist längst überall: nicht nur in Gewässern, im Regen, in der Atmosphäre, sondern auch im Trinkwasser, in der Nahrungskette, in unserem Essen, und damit auch in unserem Körper. Es ist der Preis, den wir mit Verzögerung für den gedankenlosen Turbo-Eintritt ins bequeme Plastik-Zeitalter zahlen. Die Schleusen hatte ihm der belgische Chemiker Leo H. Bakeland geöffnet, als er zwischen 1905 und 1907 Bakelit entwickelte, den ersten vollsynthetischen Stoff aus Erdöl. Mitte der fünfziger Jahre produzierte unser Planet rund 1,5 Millionen Tonnen Kunststoff pro Jahr – inzwischen liegen wir bei ungefähr 280 Millionen Tonnen; ein Viertel davon stammt aus Europa, mit Deutschland als Exportprimus. Mittlerweile würde die Produktionsmenge ausreichen, um den gesamten Erdball sechsmal einzupacken. 8,3 Milliarden Tonnen Plastik wurden bisher in die Welt gesetzt – das entspricht dem Gewicht von 822.000 Eiffeltürmen, 25.000 Empire State Buildings, 80 Millionen Blauwalen oder einer Milliarde Elefanten, wie US-Forscher vorrechneten. Nur ein Zehntel wird wiederverwertet, zwölf Prozent verbrannt; der überwältigende Rest treibt sich in unserer Umwelt oder auf Deponien herum. Recycling schiebt zumeist bloß den Zeitpunkt hinaus, an dem das Material letztlich zu Abfall wird. Und so wird der Plastikmüllberg bis zur Jahrhundertmitte auf zwölf Milliarden Tonnen anwachsen, falls niemand gegensteuert. Innehalten, bremsen, umkehren: Zumindest den Herstellern steht der Sinn danach zuallerletzt. Denn Plastik ist Big Business: 800 Milliarden Euro Umsatz im Jahr macht die Kunststoff erzeugende und verarbeitende Industrie damit – rund 60 Milliarden allein in Deutschland -, wofür sie vier Prozent der Erdölvorkommen verbraucht. Kaum ein Material ist tückischer, kaum eines hartnäckiger. Denn Plastik ist so gut wie unzerstörbar. Es baut sich nicht biologisch ab, sondern zerbricht allenfalls in immer kleinere Teile. Inzwischen ist Mikromüll überall zu finden – um uns, in uns. Dass sich kaum jemand darüber aufregt, liegt daran, dass die Teile winzig sind, für das bloße Auge unsichtbar und erst unter dem Mikroskop aufzuspüren. Manche sind nur ein paar Nanometer groß – Tausendstel eines Tausendstels eines Millimeters. Die Quellen der Verseuchung Wie gelangt das Zeug in unsere Lebenswelt, in unseren Organismus? Die Quellen sind vielfältig. Fachleute unterscheiden „sekundäres“ Mikroplastik, das aus Zerfall und Abbau entsteht, von „primärem“, das von vornherein so winzig produziert wird. Bis zu zehn Millionen Tonnen Kunststoffe, so schätzt das Umweltbundesamt, geraten jedes Jahr in die Meere – von PET-Flaschen über Einkaufstüten bis hin zu Strohhalmen, den wohl überflüssigsten Konsummitteln; Tag für Tag kommt weltweit über eine Milliarde dieser eher kindischen Ansaughilfen zum Einsatz. In allen Ozeanen wabern inzwischen kilometergroße Abfallstrudel, die vornehmlich aus Plastikmüll bestehen. Im Pazifik zwischen Japan und Nordamerika treibt der „Great Garbage Patch“, eine gigantische Müllhalde voller Kunststoffrückstände, 2500 km im Durchmesser, bis zu 200 Metern tief reichend. Sogar rund um den Nordpol hat sich die Müllmenge binnen eines Jahrzehnts vervierfacht. Wellen und Wind zerschlagen und zerreiben die größeren Teile. Von Kruste umhüllt, sinken sie tiefer („Biofouling“). Oder die Meeresströmung spült sie an die Küsten. Erst im Laufe von Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten „nanofragmentieren“ sie, zerfallen in mikroskopisch kleine Bruchstücke; 400 bis tausend Jahre dauert es, ehe sie sich weitestgehend zersetzt haben. Die Teile, in die ein einziger Ein-Liter-Plastikbehälter zerbrechen kann, ergäben aneinandergereiht eine Strecke von 1,6 Kilometern. In jedem Quadratkilometer schwimmen mittlerweile zehntausende Teile Kunststoffmüll; ließe er sich vollständig herausholen, so würde er 38.500 Lastwagen füllen. Bis 2050 wird er sich verzehnfachen, wenn es ungebremst so weitergeht. Fische, Krebse, Muscheln und andere Meeresbewohner fressen die Minipartikel. Landen sie auf unserem Teller, essen wir unweigerlich mit. Chemikalienaustritte aus Plastikbesteck, Trinkbechern und -behältern, Gefrierbeuteln, Frischhaltefolien, Mikrowellengeschirr, Schüsseln, Dosen, Kanistern und einer Fülle weiterer Gebrauchsgegenstände. Allein 320.000 Einweg-Becher, die innen eine dünne Plastikschicht überzieht, verbrauchen Deutsche pro Stunde. Wäsche. Rund 36 Milliarden Mal pro Jahr starten in Europa Waschmaschinen. Eine Fleece-Jacke – sinnigerweise oft aus recycelten Plastikflaschen hergestellt - verliert während eines einzigen Waschgangs im Schnitt 1900 Synthetikfasern, wie die Umweltorganisation WWF schätzt; das 2014 ins Leben gerufene EU-gefördete Projekt MERMAIDS Life+ geht sogar von einer Million freigesetzter Mikroplastikteilchen aus, bei einem Acryl-Schal von 300.000, bei Nylon-Socken von 136.000. Schätzungsweise eine Million Tonnen Plastikabrieb geraten so pro Jahr ins Abwasser, von dort in Kläranlagen, Flüsse und Meere. Auch die Entlüfter von Wäschetrocknern blasen Kunstfasern in die Luft. Unzählige Mikrofasern lösen sich aus Teppichen und Polstermöbeln – erst recht, wenn wir sie ausklopfen - sowie aus Kleidung, während wir sie tragen. Farben. Bei den modischen Latex- und Acrylfarben handelt es sich im wesentlichen um flüssiges Plastik, dem Pigmente beigemengt wurden. Beim Auswaschen der Pinsel gerät es in die Kanalisation. Autoreifen. Annähernd zwei Milliarden werden weltweit pro Jahr produziert. Mehrere zehntausend Tonnen synthetischen Kautschuks bleiben jedes Jahr als Abrieb auf den Straßen liegen. Regen wäscht ihn in Abflüsse und Bäche, die leichtesten Partikel wirbeln in die Luft. Reinigungsmittel, sei es für die Säuberung von Maschinen oder für die Bodenpflege. Körperpflegeprodukte. Mikroperlen, die in Zahnpasta und Flüssigseifen, in Duschgels und Shampoos, in Hautpeelings und Gesichtscremes schleifend und scheuernd für mechanischen Abrieb sorgen sollen, spülen wir am Waschbecken, unter der Dusche, in der Badewanne ins Abwasser; über acht Billionen waren es im Jahre 2015 allein in den Vereinigten Staaten. Bei manchen Produkten liegt der Anteil der Plastikkügelchen am Gesamtinhalt nahe zehn Prozent. Ins Abwasser geraten, wandert Mikroplastik durch die Kanalisation in Kläranlagen, die es bloß teilweise herausfiltern können. Der Rest, nach Expertenschätzungen 10 bis 30 Prozent, verbleibt im Klärschlamm, von dem in Deutschland 40 Prozent auf Felder ausgebracht wird. Von trockenen Böden nimmt der Wind die leichten Fasern auf und verweht sie großflächig, wie auch von luftgetrockneter Wäsche. Über Atemluft, Trinkwasser und Nahrungsmittel schleicht sich Kleinstkunststoff in unseren Körper. In einer zehnmonatigen Untersuchung auf fünf Kontinenten fanden Wissenschaftler im Auftrag des US-Medienunternehmens Orb Mikroplastikfasern in vier von fünf Proben, die sie Leitungswasser an 159 Orten entnahmen. In Europa waren es 72 %, in den USA sogar 94 %. Entwicklungs- und Schwellenländer sind nicht minder betroffen wie Industriestaaten: von Quito, Ecuador (75 %) und Jakarta, Indonesien (76 %) über Kampala, Uganda (81 %) und New Delhi, Indien (82 %) bis nach Beirut, Libanon (94 %). Der deutsche Forscher Gerd Liebezeit, emeritierter Professor am Institut für Chemie und Biologie des Meeres der Universität Oldenburg, entdeckte Mikroplastik in zahlreichen Lebensmitteln, die er unter die Lupe nahm. Fasern und Fragmente aus Plastik tauchten sogar in 19 Honigproben auf; vermutlich trieb sie der Wind auf Blüten, wo Bienen sie einsammelten. Auch in Deutschlands beliebtesten Biersorten wurden Forscher fündig: Zwischen 42 und 79 Mikropartikel pro Liter mussten sie feststellen. Zwei von drei Shrimps aus der Nordsee sind mit Mikroplastik verseucht. Die Übeltäter lauern überall Beinahe schon im Monatsrhythmus verlängert freie Marktwirtschaft ungebremst innovativ die Liste der Übeltäter. Besonders verbreitet sind Polyvinylchlorid (PVC): Es steckt in Nahrungsmittelverpackungen, Plastikfolien, Kosmetik, Stoßschutz in Kinderbetten, Schnullern, Spielsachen, Bodenfliesen, Duschvorhängen, Sitzbezügen u.a. Phthalate (DEHP, DINP u.a.): Sie finden sich als Weichmacher in Kleidung, Emulsions- und Druckfarbe, Schuhwerk, Spielzeug, Lebensmittelverpackungen, Blutbeuteln, Atemmasken und anderen medizinischen Geräten. Polycarbonate, am häufigsten mit Bisphenol A als Bestandteil: Enthalten sind sie unter anderem in Trinkflaschen; in CDs, DVDs und Blu-ray Discs; in Brillengläsern und Kontaktlinsen; in der Verglasung von Wintergärten und Gewächshäusern; in Schutzhelmen; in Campinggeschirr; in medizinischen Einmalprodukten. Polystyrol (PS) mit Styrenen: Es verbirgt sich unter anderem in Lebensmittelbehältern für Wurst, Fisch, Käse, Joghurt; in Verpackungen von Nüssen und Chips; in Trinkbechern, Geschirr und Besteck; in Spielzeug. Polyethylen (PE): der weltweit mit Abstand am häufigsten verwendete Kunststoff, in erster Linie für Verpackungen verwendet, etwa für Frischhaltefolien, Tragetaschen, Milchkartonbeschichtungen und Müllsäcke. Polypropylen (PP): Der am zweithäufigsten eingesetzte Kunststoff wird häufig für Verpackungen verwendet, aber auch für Armaturen, Kindersitze und Fahrradhelme, für Draht- und Kabelummantelungen, für Rohrleitungen. PP-Fasern stecken in Heim- und Sporttextilien, in Teppichen, in medizinischen und Hygieneprodukten; in Bechern, Flaschenverschlüssen, Gespirrspülern, Warmhaltebehältern, Trinkhalmen und Klebefolien, sogar in Geldscheinen mancher Länder. Polyethylen-Terephthalat (PET) befindet sich in Getränkeflaschen, Teppichfasern, Kaugummi, Kaffeemaschinen, Essensbehältern, Plastiktaschen, Spielzeug. Polyester: Es lauert in Bettzeug, Kleidung, Windeln, Lebensmittelverpackungen, Tampons, Sitzbezügen u.a. Formaldehyd (Methanal): Es steckt in Anstrichfarben, Span-, Sperrholz- und Dämmplatten; in Bodenbelägen und Möbeln. Darüber hinaus dient es zur Textilveredelung („knitterfrei“); für Farb- und Arzneistoffe; als Konservierungsstoff in Kosmetika; in Impfstoffen zur Inaktivierung von Impfviren oder Bakteriengiften; als Bindemittel; als Zusatz in Desinfektionsmitteln, wie auch in Klebstoffen, Düngemitteln, Gerbstoffen, Giessharzen, Fungiziden. Polyurethane: Sie finden Verwendung als Schaumstoffe in Kissen, Matratzen, Polstern; für Isolierungen, Wärmedämmung und Flammschutz; in Lacken und Beschichtungen; für Textilfasern; für Fussbälle und Bowlingkugeln; für Gummistiefel, Kondome, Schuhsohlen und Stehmatten, in Lederimitaten, in Farbkosmetik-, Sonnenschutz-, Haut- und Haarpflegeprodukten. Acryl: Es befindet sich in Farben, Lacken und Klebstoffen; im Dentalbereich dient es als Werkstoff. Tetrafluoroethylen (TFE): Es versteckt sich in Bügeleisen, Bügelbrettbezügen, Rohr- leitungen; in Kochtöpfen und Pfannen, als Antihaft-Beschichtung; in Gefässprothesen und anderen Implantaten; in der Zahnmedizin als Barrieremembran zum Knochenaufbau; es ummantelt Metallsaiten für Gitarren und andere Musikinstrumente; es innenbeschichtet Ventile, Rohrleitungen und Behälter. Polyamide (PA) wie Nylon und Perlon: Sie werden überwiegend für Textilien verwendet, aber auch für Fallschirme, Ballons, Segel, Seile, Angelschnüre, zur Bespannung von Tennisschlägern, für Saiten von Streich- und Zupfinstrumenten; für Dübel, Schrauben, Gehäuse, Isolatoren, Kabelbinder; für Kellen, Löffel und andere Küchenutensilien; für Borsten von Zahnbürsten. Ethylenvinylacetat (EVA): Es verbirgt sich unter anderem in Einschweissfolien, Dusch- vorhängen, Fussbodenbelägen, Elektrokabeln, Klebstoffen, Tuft-Teppichen, Schuhsohlen, als Mikropellets in kosmetischen Peelings. Wie gefährlich für unsere Gesundheit sind diese Substanzen, wenn sie sich als synthetische Winzlinge durch Mund, Nase und Haut in uns einschleichen? Sind die Verunreinigungen am Ende harmlos? Immer mehr Hinweise auf Gesundheitsgefahren Die Industrie forscht emsig über Kunststoffe: über Zusammensetzung, Einsatzbereiche und Zweckoptimierung, über Verbraucherbedürfnisse und Marktakzeptanz. Herstellerstudien zu Gesundheitsgefahren hingegen machen sich rar: die veröffentlichten geben Entwarnung, besorgniserregende dürfen, als „Betriebsgeheimnisse“, folgenlos unter Verschluss bleiben. Kunden spielen schließlich nur mit, solange sie sich in Sicherheit wiegen. Behörden wiegeln ab, Regierungen zaudern, unabhängigen Wissenschaftlern fehlt das Geld für die dringend nötige Erforschung von Risiken und Nebenwirkungen. Die wenigen Ergebnisse jedoch, die bislang vorliegen, sorgen mühelos für Alarmstimmung. Bei Versuchen mit Miesmuscheln, Austern und Ringelwürmern, mit Ratten, Hasen und Hunden stellten mehrere Forschergruppen fest: Partikel, die kleiner als fünf bis 15 Mikrometer (10 hoch -6 = 0,000001 m) sind, können durch den Verdauungstrakt wandern, die Eingeweide und Magenwände durchdringen, sich in Lymphknoten, das Gehirn und andere Organe einnisten. Das Material reichert sich im Zellgewebe an, wo es den Stoffwechsel verändert und Entzündungen hervorruft. Bei kleinen Fischen, die über Wasser und Nahrung den Tüten- und Folienkunststoff Polyethylen aufnahmen, stellte eine Forschergruppe der University of California in Davis schon nach acht Wochen erhebliche Leberschäden fest. Auch bei Fischen, Fröschen, Meeresschnecken und bestimmten Alligatorenarten ergab sich: Phthalate und polychlorierte Biphenyle hemmen männliche Geschlechtshormone, verringern die Testosteronproduktion, beeinträchtigen die Hodenfunktionen, führen zu genitalen Missbildungen. Französische und belgische Biologen verglichen Austern, die in sauberem Wasser lebten, mit Artgenossen, deren Umgebung mit Mikroplastikteilchen verseucht war. Bereits in den ersten Wochen des Experiments hatten letztere knapp 20 Prozent weniger Nachwuchs. Nach zwei Monaten war das Minus auf rund 40 Prozent angewachsen, die Anzahl der Eizellen um 38 Prozent gesunken, ihr Durchmesser um 5 Prozent; die Spermien bewegten sich um 23 Prozent langsamer. Es entwickelten sich 41 Prozent weniger Larven. Von ähnlich besorgniserregenden Beobachtungen berichten Meeresbiologen des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven, nachdem sie Muscheln in Aquarien mit winzigen Polyethylen-Teilchen fütterten: „Bereits innerhalb von zwölf Stunden reichern sich diese Partikelchen im Magen auch in den Leberepithelien an, wie auch in einem vakuoligen Apparat in der Zelle, den wir ‚Mülleimer‘ nennen; von da aus werden sie wieder rausgeschmissen ins umgebende Körpergewebe“, wo sie „ganz extreme Entzündungsreaktionen auslösen. Es bilden sich bindegewebige Kapseln, um diese Fremdkörper einzuschließen.“ Diese pathologischen Vorgänge „erinnern uns sehr an das, womit im Menschen eine Asbestose anfängt“ - eine unheilbare, durch Asbestfasern ausgelöste Krankheit, die zumeist tödlich endet. Dass sich Menschen ahnungslos Mikroplastik einverleiben, wenn sie belastetes Fleisch essen, steht außer Frage. Die Menge kann stattlich sein, wie die Biologin Liesbeth van Cauwenberghe von der Universität Gent vorrechnet: „Wenn man zwölf Austern isst, dann nimmt man etwa hundert Mikroplastikpartikel auf; dasselbe gilt für 250 Gramm Muschelfleisch. Das scheint nicht sehr viel. Aber wenn man sich anschaut, was Europäer im Jahr an Schalentieren essen, dann schätzen wir, dass ein Topkonsument, der sehr viele Schalentiere isst, etwa 11.000 Mikroplastikpartikel pro Jahr aufnimmt. Das ist schockierend." Macht es auch krank? Weil sämtliche bisherigen Studien zur Bioverträglichkeit von Mikroplastik nur wenige Wochen dauerten, fehlen solide wissenschaftliche Erkenntnisse über langfristige gesundheitliche Folgen seines Verzehrs – bei Tieren, und erst recht beim Menschen. Immerhin häuften sich im vergangenen Jahrzehnt Beobachtungen von besorgniserregenden Zusammenhängen. Im September 2008 sorgten Mediziner der Universität Exeter für Aufsehen, als sie eine Studie an einem repräsentativen Querschnitt der US-Bevölkerung veröffentlichten, bestehend aus 1455 Erwachsenen zwischen 18 und 74 Jahren. Anhand der Blut- und Urinproben stellte sich heraus: Die 25 Prozent mit dem höchsten Anteil von Bisphenol A im Körper trugen ein doppelt so hohes Risiko für Herzleiden und Diabetes wie die 25 Prozent mit der niedrigsten BPA-Belastung. Ein australisches Forscherteam von der Universität Adelaide entdeckte Phthalate in 99,6 Prozent aller Urinproben, die sie von 1500 Männern über 35 Jahren genommen hatten. Mit höheren Plastikkonzentrationen stieg die Wahrscheinlichkeit von Koronarerkrankungen, Diabetes Typ 2 und Bluthochdruck. Wie vorangegangene Studien ergeben hatten, treten hohe Phthalatspiegel vornehmlich bei Menschen auf, die besonders oft plastikverpackte und industriell verarbeitete Lebensmittel zu sich nehmen. Immer länger wird die Liste von Gesundheitsrisiken, die Mediziner mit Plastik in Verbindung bringen: Polyvinylchlorid (PVC): Krebs, Geburtsschäden, genetische Veränderungen, chronische Bronchitis, Geschwüre, Hautkrankheiten, Taubheit, Sehstörungen, Verdauungsstörungen, Funktionsstörungen der Leber. Phthalate: Hormonstörungen, Asthma, Entwicklungs- und Fortpflanzungsstörungen, Krebs, Geburtsschäden, Endometriose, Beeinträchtigungen des Immunsystems. Polycarbonat mit Bisphenol A: Krebs, Immunschwäche, vorzeitige Pubertät, Fettleibigkeit, Diabetes, Hyperaktivität. Styrene: Reizung von Augen, Nase und Hals, Benommenheit, Bewusstlosigkeit, Nieren-, Magen- und Leberschäden, Veränderungen der roten Blutkörperchen, Lyphome, Leukämie. Polyethylen: Krebs. Polyester: Reizung von Augen und Atemtrakt, Hautausschlag. Formaldehyd: Krebs, Geburtsschäden, genetische Veränderungen, Atemnot, Kopfschmerzen, Hautleiden, Müdigkeit. Polyurethan: Bronchitis, Haut-, Augen- und Lungenprobleme. Acryl: Atembeschwerden, Übelkeit mit Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen, Erschöpfung. Tetrafluoroethylen: Reizungen von Auge, Nase und Hals, Atembeschwerden. Experimentelle Forschungen am Menschen stehen bislang völlig aus – aber wie sollten sie denn aussehen? Wollen wir Probanden zu Testzwecken mutmasslich toxische Substanzen einflößen, um dann interessiert zu beobachten, wie sie unheilbar erkranken? Untersuchen lässt sich eine Plastikbelastung lediglich im nachhinein. Selbst wenn sich dann zeigt, dass sie mit bestimmten Gesundheitsproblemen einhergeht – ein ursächlicher Zusammenhang lässt sich damit nie beweisen. Stets wiegeln Skeptiker ab, verweisen auf mögliche andere krankmachende Faktoren. Zu den routinierten Verharmlosern zählt, ausgerechnet, die Bundesanstalt für Risiko- bewertung (BfR) – dieselbe staatliche Einrichtung, die sich kürzlich dabei ertappen ließ, aus einem Unbedenklichkeitsgutachten des Glyphosat-Herstellers Monsanto abzuschreiben. „Nach jetzigem Kenntnisstand ist ein gesundheitliches Risiko für Verbraucher unwahrscheinlich“, beschwichtigt sie in einer Stellungnahme von 2014, die bis heute unaktualisiert geblieben ist. Noch sei es zu früh, um irgendwelche Einschätzungen über die mögliche Gesundheitsgefährdung durch Mikroplastik abzugeben, erklärt sie – eine verquere Form der Verniedlichung. Solange kein Geld in Forschung fließt, kann es auch keine Forschungsergebnisse geben, die eine fundierte Risikoabschätzung erlauben. Klar scheint immerhin: Die meisten Kunststoffe wirken auch im menschlichen Körper als „endokrine Disruptoren“ - sie stören den Hormonhaushalt, weil ihre Struktur das Östrogen nachahmt. Phthalate und Polyethylen fördern höchstwahrscheinlich hormonbedingte Tumorerkrankungen wie Brust-, Prostata- und Hodenkrebs, Fettleibigkeit und Diabetes Typ 2, verminderte Spermienqualität, Endometriose, vorzeitige Pubertät und Fehlbildungen der Fortpflanzungsorgane, wie neuerdings sogar die US-Umweltschutzbehörde EPA einräumt. Das in Polystyrol enthaltene Styren gilt als krebserregend. Plastikflaschen als Massenvergifter Zu den tückischsten Plastikgiftquellen zählen Getränkebehälter. Drei von vier Mineral- wasserflaschen, die wir den Herstellern abkaufen, bestehen nicht mehr aus Glas, sondern bequemerweise aus Plastik, vornehmlich PET. Wie praktisch, wie bequem, es erleichtert uns das Herumtragen, erst recht das Wegwerfen. Aus den Plastikhüllen lösen sich jedoch hochgiftige Chemikalien, insbesondere Bisphenol A, neben Acetaldehyden, Weichmachern wie DEHP, das strukturähnliche DEHF (Diethyhexylfumarat) und Phthalate. Dieses „Auslaugen“ ist zeit- und wärmeabhängig: Je länger sich eine Flüssigkeit in der Kunststoffverpackung befindet, desto mehr geht in sie über. Die austretende Giftmenge steigt mit der Temperatur. Je wärmer sie werden, je länger Lebensmittel Kontakt mit ihnen haben, desto mehr Kunststoffbestandteile gehen darauf über. Wer einmal bei Sommerhitze eine Plastikwasserflasche im Auto liegen ließ und anschließend daraus trank, der weiß: Diese Flüssigkeit schmeckt seltsam chemisch. Dafür sorgen Acetaldehyde, die der Kunststoff freigesetzt hat. Wer damit unbedarft seinen Durst löscht, ignoriert den Forschungsstand. In neun von zehn Urinproben, die 190 Männer mit Fruchtbarkeitsproblemen ablieferten, fand sich BPA; bei jenen, die besonders hohe BPA-Konzentrationen aufwiesen, ließen sich unter anderem eine um 23 Prozent geringere Samenkonzentration sowie rund 10 Prozent mehr DNA-Schäden feststellen. Besonders auffällig waren Störungen der Sexualfunktion bei Fabrikarbeitern, die Bisphenol A laufend ausgesetzt sind. Neue Studien deuten auf Zusammenhänge zwischen einem erhöhten BPA-Spiegel im Blut und Diabetes, Herz-Kreislaufproblemen, fehlender Libido, Fettleibigkeit hin. Darüber hinaus fanden Mediziner Zusammenhänge zwischen einer frühzeitigen Bisphenol-A-Exposition und Ängsten, Depressionen sowie ADHS bei Jugendlichen. Auch an Funktionsstörungen der Schilddrüse, an Hashimoto-Thyreoditis und anderen Autoimmunerkrankungen, an Demenz und Alzheimer, an Fehlgeburten und Brustkrebs könnte BPA beteiligt sein. Ferner steht es im Verdacht, die Bildung von Zahnschmelz zu stören („Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation“, MIH). Es beeinträchtigt die Funktion von Proteinen, die entscheidend für Wachstumsprozesse in Zellen sind, und fördert so eine Tumor- entwicklung. Zudem entfaltet Bisphenol A hormonähnliche Wirkungen: Bei Versuchstieren stört es die Sexual- und Hirnentwicklung. Männliche Mäuse gingen nach Bisphenol-A-Gaben zu weiblichen Verhaltensweisen über, woraufhin Artgenossinnen sie mieden. Viele Verbraucher lassen sich von der Werbung für „Bispenol-A-freie“ Kunststoffflaschen beeindrucken. In dem neuartigen Ersatzmaterial Tritan fand ein amerikanisches Forscherteam allerdings ebenfalls östrogenartige Substanzen. Welche weiteren langfristigen Wirkungen von ihnen ausgehen, weiß bisher niemand. „Tickende Zeitbombe“ Giftig sind nicht bloß die Mikroplastikteilchen selbst, sondern auch die im Wasser schwebenden Schadstoffe, die an sie andocken: darunter Spuren von Brandschutzmitteln, Pestiziden aus der Landwirtschaft, Abrieb von bioziden Anstrichen, Medikamentenrückstände, organische Chlorverbindungen, Schwermetalle wie Blei, Cadmium, Chrom, Arsen, Zink, Quecksilber und Nickel. Auch vielerlei Mikroorganismen besiedeln die Kunststoffoberfläche. Darunter fand der Mikrobiologe Gunnar Gerdts vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) etliche Krankheitserreger – etwa das Bakterium Vibrio parahaemolyticus, das Magen-Darm-Entzündungen und Brechdurchfall auslösen kann. „Wer weiss“, sagt er, „vielleicht wird das massenweise im Meer vorhandene Mikroplastik künftig zur Verbreitung von Krankheiten beitragen.“ Geraten Kunststoffpartikel in unseren Organismus, haben sie solche blinden Passagiere häufig im Gepäck. Viele stehen im Verdacht, ihrerseits krebserregend oder hormonell wirksam zu sein. Die Fähigkeit der Mikropartikel, andere Stoffe zu binden, machen sich Pharmahersteller zunutze, um Arzneimittel zeitverzögert im Körper freizusetzen. Die Plastikteilchen, so versichern sie, würden anschließend wieder ausgeschieden. Woher wissen sie das? Kurzum, Mikroplastik ist „eine tickende Zeitbombe", warnt Rolf Buschmann vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND). „Im schlimmsten Fall müssen wir einige hundert Jahre mit diesem Zeugs leben“, schwant dem Oldenburger Biochemiker Gerd Liebezeit. Dementieren, verharmlosen, hinhalten Freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie, auf welche die Bundesregierung wie schon im Diesel-Skandal blauäugig setzt, sprechen dem Ernst der Lage Hohn. Soll es einer Müllschleuder überlassen bleiben, nach eigenem Gutdünken darüber zu entscheiden, ob sie weitermachen darf? Zumal einer, die so tut, als gäbe es kein Problem? „Nach eingehender Überprüfung der Sachlage“, so stellt sich etwa der Spitzenverband der Lebenswirtschaft (BLL) blind und taub, „ist für uns ein kausaler Zusammenhang zwischen potentiellen Mikropartikeln in einzelnen Lebensmitteln und durch Kosmetika oder Textilien freigesetzte Kunststoffpartikel jedoch nicht ersichtlich. Es ist auszuschließen, dass Partikel aus Gewässern und Meeren ins Grundwasser und folglich über das Trinkwasser in die Lebensmittelverarbeitung bzw. Nahrungskette gelangen.“ Notfalls lancieren sie, wie der Deutsche Brauer-Bund, flugs gekaufte Gegengutachten, die „beweisen“, dass ihr Produkt unbedenklich sei – ohne offenzulegen, welche Untersuchungsmethoden dabei zum Einsatz kamen. Beim Dementieren, Verharmlosen, Hinhalten helfen Bundesregierung, Ministerien und Kontrollbehörden skandalöserweise mit. Auf die Orb-Media-Studie angesprochen, wiegelte das Umweltbundesamt ab: Die Befunde seien „nicht besorgniserregend“, ein paar Plastikteilchen pro Liter „sehr wenig – das sagt nichts aus, das ist Grundrauschen“. Eine Gesundheitsgefahr sei „sehr unwahrscheinlich“. Wie kann eine Gesundheitsschutzbehörde die Konzentration einer einzelnen Substanzgruppe isoliert betrachten? Kleinste Mengen unterschiedlichster Herkunft können sich gewaltig summieren – ganz zu schweigen von ihren unerforschten Wechselwirkungen untereinander. Auf eine Anfrage der „Grünen“ zu Mikroplastik in Kosmetika hin verwies die Bundesregierung Ende 2016 lapidar auf die Kennzeichnungspflicht für Inhaltsstoffe auf der Verpackung – so als wüsste der durchschnittliche Verbraucher mit der chemischen Nomenklatur dort etwas anzufangen und die richtigen Schlüsse zu ziehen. Über das „Verbraucherwissen bezüglich des Einsatzes und der Auswirkungen von Mikroplastik“ liegen der Bundesregierung indes „keine Erkenntnisse vor“. Sowohl das Bundesumweltministerium als auch das Bundesministerium für Ernährung erklärten auf eine Journalistenanfrage, für das Problem von Mikroplastik in Brauwasser nicht zuständig zu sein – und verwiesen jeweils auf das andere Ressort. Massenhafter Protest und Konsumverzicht, von geschäftsschädigendem Medienecho begleitet, beeindrucken die Industrie erheblich mehr als noch so viele alarmierende Studien – denn sie bedrohen ihren Profit unmittelbar. Mitunter denken sie dann verblüffend zügig um: Firmen wie Unilever, Body Shop, Johnson & Johnson, Procter & Gamble kündigten schon 2013 an, Plastik „in naher Zukunft“ aus ihren Produkten vollständig zu verbannen. Der Hersteller AOK ersetzte Mikroplastik in seinem Peelingprodukt bereits durch Silica, eine Art Sand, wie auch Elmex in seiner Zahncreme. Immerhin. Trotzdem ist Kontrolle besser als Vertrauen: Schon im Oktober 2015 hatten sich die Mitglieder des Branchenverbands Cosmetics Europe feierlich dazu verpflichtet, Mikroplastik aus ihren Produkten zügig auszuschleichen. Trotzdem fand Öko-Test sie Anfang 2017 in den meisten von 22 untersuchten Körperpeelings. Eine Liste des BUND auf dem Stand vom Juli 2017 zeigt, wie weitverbreitet Kunststoff nach wie vor in Körperpflegemitteln ist. Von gehaltenen Versprechen sei „nicht viel zu merken“, resümierte Codecheck, der größte deutschsprachige Online-Konsumentenratgeber, nachdem er knapp 103.000 Kosmetikprodukte der Jahre 2014 und 2016 vergleichen ließ. In vielen Erzeugnissen hatte der Einsatz von Polyethylenen sogar leicht zugenommen. Erst Ende 2017, über ein Vierteljahrhundert nach den ersten eindringlichen Warnungen von Wissenschaftlern, bequemte sich das Umweltbundesamt, der EU-Kommission ein europaweites Verbot von Mikroplastik zu empfehlen – kurioserweise beschränkt auf den Einsatz von Festpartikeln in Kosmetika. Keine Rede von allen anderen Einsatzgebieten, von flüssigen, gel- oder wachsartigen Kunststoffen. Da sind Connecticut und Kalifornien längst weiter. Im Jahr 2015 ordneten beide US- Bundesstaaten ein radikales Verbot durch, das fragwürdige Ersatzstoffe vorsorglich mit einschloss. Und anderswo? Wie meistens, wenn Wirtschaftsinteressen auf dem Spiel stehen, leisten staatliche Stellen hanebüchene Beihilfe, die Beweislast umzudrehen: „Solange nicht zweifelsfrei feststeht, dass ein Produkt gefährlich ist“, so lautet die Devise, „bleibt es auf dem Markt.“ Müsste für Volksvertreter, die lieber ihr Volk schützen als mächtige Konzerne, nicht andersherum gelten: „Solange begründete Zweifel an der Ungefährlichkeit eines Produkts nicht vollständig ausgeräumt sind, hat es in unserer Lebenswelt nichts zu suchen“? Sich berechtigte Bedenken nicht ausreden zu lassen, mag „innovationsfeindlich“ aussehen, ist aber klug und verantwortungsbewusst – bei Kunststoffen nicht weniger als bei Pestiziden, gentechnisch veränderten Lebewesen, Nanomaterialien, Strahlungsquellen und Arzneimitteln. Der gesetzliche Rahmen, in dem chemische Stoffe bewertet und zugelassen werden, öffnet der Bürger- und Umweltvergiftung weiterhin Tür und Tor. Im Jahre 2007 trat von Lissabon bis Athen REACH in Kraft (Verordnung 1907/2006): die Europäische Chemikalienverordnung, die „ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt sicherstellen“ soll, wie das Umweltbundesamt versichert. Dieser Schutz besteht worin genau? Dank REACH genügt es nicht mehr, dass Hersteller ihre neuen Substanzen bloß registrieren – nein, nunmehr müssen sie auch „Daten vorlegen“ und „Risiken selbst bewerten“. Selbst? In der Tat. Was sie einreichen, prüft die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) in Helsinki lediglich auf formale „Vollständigkeit“. Ordnet die Behörde bestimmte Stoffe aufgrund der vorgelegten Unterlagen ausnahmsweise als „besonders besorgniserregend“ ein – etwa weil sie krebserregend, erbgutverändernd, fortpflanzungsgefährdend sind, sich in Organismen anreichern oder hormonell wirken -, so führt dies nicht etwa zu eigenen Studien und Kontrollen, zu Verboten und öffentlichen Warnungen, sondern lediglich dazu, die Einsatzbereiche zu „beschränken“ und „zeitlich zu befristen“. Da haben Lobbyisten in Brüssel mal wieder ganze Arbeit geleistet. Was Verbraucher tun können Wie werden wir Kunststoffbelastungen wieder los? Die Naturheilkunde kennt Ausleitungsverfahren für Schadstoffe aller Art – gegen Plastik scheint auch sie weitgehend machtlos. Ob ein „Anti-Plastik-Tee“ aus Königskerzen- und Olivenblättern, Zitronenmelisse und den Samen des Bockshornklees Abhilfe schafft, wie ein Heilerpaar aus Oberbayern in Aussicht stellt, harrt des Beweises. In Internetforen raten manche Heilpraktiker zu „regelmässigem Saunieren und Schwitzen“, zur Aminosäure Glycin als Kunststoffbinder, zu Fettsäuren mit möglichst hohem Omega-3-Anteil, zu Leber- und Gallenunterstützung, zu Bindemitteln im Darm. Wirksamkeitsstudien darüber stehen aus. Was ist dem Konsumenten in dieser vertrackten Lage zu raten? Zumindest dem Mikroplastik im Trinkwasser entkommt er weitgehend: Statt kistenweise PET-Flaschen aus dem Supermarkt heimzuschleppen, dreht er besser den häuslichen Wasserhahn auf. Sein Leitungswasser wird weitaus besser kontrolliert als die abgefüllten Durstlöscher der Getränkeindustrie, und billiger ist es allzumal. Will er noch mehr Sicherheit, so legt er sich eine hochwertige Filteranlage zu. Ansonsten bleibt ihm nur, mit gutem Beispiel voranzugehen: Weniger Fasern verliert Kleidung, wenn sie kürzer, bei niedrigeren Temperaturen und geringerer Drehzahl gewaschen wird. Für Plastikkosmetika bieten Bio-Supermärkte und Reformhäuser umweltfreundliche Alternativen. Farbpinsel sollten wir in Eimern reinigen, deren Inhalt zu einer Sammelstelle für Sondermüll gehört. Darüber hinaus kann jeder von uns beim Umwelt- und Selbstschutz ein wenig mithelfen. Machen wir aus unserem Haushalt, so gut es geht, eine plastikfreie Zone. Vermeiden wir aufwändig verpackte Waren, Plastiktüten und Kunststoffbehälter, eingeschweißtes Obst und Gemüse. Bevorzugen wir Mehrwegverpackungen aus Glas. Setzen wir unsere Kinder keinen Schnullern, Spielzeugen, Trinkflaschen, Essensbehältern aus Kunststoff aus. Verzichten wir auf Körperpflege mit Mikroplastik-Kügelchen, greifen wir zu Naturkosmetik; in zertifizierten Bio-Hautreinigern etwa schrubben zerkleinerte Nussschalen, Fruchtkerne, fein zerkleinertes Vulkangestein, Salze, gemahlene Aprikosen- oder Traubenkerne, Mandelkleie, Heilerde oder Kieselsäure abgestorbene Hautschüppchen vom Körper. Verwenden wir Flüssigwaschmittel statt Pulver, waschen wir möglichst kurz, bei möglichst niedriger Temperatur, mit möglichst wenig Umdrehungen – dann werden nicht so viele Fasern ausgewaschen. Entleeren wir das Flusensieb von Waschmaschine und Trockner niemals in den Abfluss. Verwenden wir keine Putztücher aus Mikrofasern. Bevorzugen wir beim Kleiderkauf Naturfasern wie Baumwolle, Wolle, Seide und Leinen, die sich abbauen können, verzichten wir auf Polyester, Acryl, Nylon, GoreTex und ähnliche Synthetikfasern. Zu Einweg-Rasierern gibt es langlebige Alternativen aus Holz und Metall. Bevorzugen wir Geschäfte, die Produkte unverpackt anbieten. Trennen und sammeln wir unseren Müll sorgfältig. Verlassen wir unsere Wohnung nur noch mit einem Stoffbeutel in der Hand- oder Aktentasche. Trinken wir Coffee to go nur noch aus dem mitgebrachten Glas- oder Keramikbecher. Greifen wir altmodisch zu Omas hölzernen Kochlöffeln und Pfannenwendern. Ersetzen wir Frischhaltefolien, Plastiktütchen und Plastikdosen durch Schraubgläser, Tupperdosen durch Brotboxen aus Edelstahl und Glas. Unterstützen wir Parteien und Initiativen, die das Problem tatkräftig angehen, statt bloß Worte zu machen. Das Plastik-Zeitalter hat uns zu ahnungslosen Versuchskaninchen eines einmaligen, unkontrollierten globalen Experiments gemacht: Wieviel halten unser Planet, und insbesondere unser Organismus, durch unentwegte Giftinfusionen in Minidosis aus? „Allein unsere Gleichgültigkeit hat das Plastikproblem erschaffen“, erklärt der bengalische Ökonom Muhammad Yunus, der als Begründer des Mikrokredit-Gedankens im Jahr 2006 den Friedensnobelpreis erhielt. „Was jetzt not tut, ist die feste Entschlossenheit, es zu beseitigen – ehe es uns beseitigt.“ Quellen Kanishka Bhunia u.a.: „Migration of Chemical Compounds from Packaging Polymers during Microwave, Conventional Heat Treatment, and Storage“ (Migration chemischer Verbindungen aus Verpackungspolymeren während der Mikrowellenbehandlung, der konventionellen Wärmebehandlung und Lagerung), Comprehensive Reviews in Food Science and Food Safety 12 (5) 2013, S. 523-545, DOI: 10.1111/1541-4337.12028, http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1541-4337.12028/abstract# Werner Boote: Plastic Planet, Dokumentarfilm, USA 2013, 95 Min., Trailer: www.youtube.com/watch?v=mlgmG4OrdyU BUND: Mikroplastik – Die unsichtbare Gefahr. Der BUND-Einkaufsratgeber, Berlin 2017, www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/meer/meere_mikroplastik_einkaufsfuehrer.pdf BUND: Mikroplastik-Studie 2016 – Codecheck-Studie zu Mikroplastik in Kosmetika, http://corporate.codecheck.info/wp-content/uploads/2016/10/Codecheck_Mikroplastikstudie_2016.pdf. Bundesanstalt für Risikobewertung (BfR): „Fragen und Antworten zu Mikroplastik“, FAQ des BfR vom 1. Dezember 2014, www.bfr.bund.de/cm/343/fragen-und-antworten-zu-mikroplastik.pdf Lisbeth van Cauwenberghe/Colin Janssen: „Microplastics in bivalves cultured for human consumption“ (Mikroplastik in Muscheln für den menschlichen Verzehr), Environmental Pollution 193/2014, S. 65-70; DOI:10.1016/j.envpol.2014.06.010; als PDF: www.expeditionmed.eu/fr/wp-content/uploads/2015/02/Van-Cauwenberghe-2014-microplastics-in-cultured-shellfish1.pdf. Ecology Center: „Adverse Health Effects of Plastics“ (Schädliche Auswirkungen von Kunststoffen auf die Gesundheit), o.J., https://ecologycenter.org/factsheets/adverse-health-effects-of-plastics/ D. Gentilcore u.a.: „Bisphenol A interferes with thyroid specific gene expression“ (Bisphenol A stört die schilddrüsenspezifische Genexpression), Toxicology 304/2013, S. 21-31 Gunnar Gerdts/Lars Gutow: „Die Suche nach dem Mikroplastik“, zuletzt aktualisiert am 21.2.2017, https://www.awi.de/im-fokus/muell-im-meer/mikroplastik.html Roland Geyer u.a.: „Production, use, and fate of all plastics ever made“ (Herstellung, Einsatz und Schicksal von sämtlichem Plastik, das jemals produziert wurde), Science Advances 3 (7) 2017, DOI: 10.1126/sciadv.1700782, http://advances.sciencemag.org/content/3/7/e1700782.full. Johannes Kaiser: „Mikroplastik: Gefährlich, unsichtbar und unerforscht“, Deutschlandfunk Kultur – Zeitfragen, 30.10.2014, www.deutschlandfunkkultur.de/mikroplastik-gefaehrlich-unsichtbar-und- unerforscht.976.de.html?dram:article_id=300248. Datis Kharrazian: „The Effect of Plastic Products on Autoimmune Disease and Thyroid Function“ (Die Wirkung von Kunststofferzeugnissen auf Autoimmunerkrankungen und Schilddrüsenfunktion), Dr.K.News 27.7.2014, https://drknews.com/effect-plastic-products-autoimmune-disease-thyroid-function-stop-using-plastic-coffee-lids/ Kai Pohlmann: „Das Mikroplastik, das aus der Waschmaschine kommt“, Deutsche Meeresstiftung, 25.5.2016, www.meeresstiftung.de/das-mikroplastik-das-aus-der-waschmaschine-kommt Chris Tyree/Dan Morrison: Invisibles – The plastic inside us (Die Unsichtbaren – Das Plastik in uns), https://orbmedia.org/stories/Invisibles_plastics Medical News Today, 14.7.2017: „Common chemicals in plastic linked to chronic disease“ (Häufige chemische Substanzen in Kunststoffen, die mit chronischen Krankheiten in Verbindung gebracht werden), https://www.medicalnewstoday.com/articles/318422.php John D. Meeker u.a.: „Semen quality and sperm DNA damage in relation to urinary bisphenol A among men from an infertility clinic“ (Samenqualität und DNA-Schäden an Spermien im Zusammenhang mit Bisphenol A im Urin bei Männern aus einer Unfruchtbarkeitsklinik), Reproductive Toxicology 30 (4) 2010, S. 532–539, doi:10.1016/j.reprotox.2010.07.005. John D. Meeker/K.K. 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Rochman u.a.: „Ingested plastic transfers hazardous chemicals to fish and induces hepatic stress“ (Verschluckter Kunststoff überträgt gefährliche Chemikalien auf Fische und stresst die Leber), Scientific Reports 3/2013, doi:10.1038/srep03263, https://www.nature.com/articles/srep03263. Neda Smith/Patrick Lovegrove: „How Plastic Makes Your Brain Sick“ (Wie Plastik dein Gehirn krank macht), www.bewellbuzz.com/journalist-buzz/mental-illness-plastic-byproducts-connection-may-make-brain-sick/ Rossana Sussarellu u.a.: „Oyster reproduction is affected by exposure to polystyrene microplastics“ (Polystyrol-Mikroplastik beeinträchtigt die Fortpflanzung von Austern), Proceedings of the National Academy of Sciences 113 (9) 2015, S. 2430-2435, www.pnas.org/content/113/9/2430.abstract US Environmental Protection Agency (EPA): „Toxilogical Threats of Plastic“ (Toxikologische Bedrohungen aus Kunststoff), Update 2017, www.epa.gov/trash-free-waters/toxicological-threats-plastic Umweltbundesamt (Hrsg.): Bisphenol A – Massenchemikalie mit unerwünschten Nebenwirkungen (PDF; 522 kB), Dessau-Rosslau, Juli 2010; CHEM Trust publications on obesity and diabetes, Stand: 2012. University of Missouri, 27.6.2011: „BPA-Exposed Male Deer Mice are Demasculinized and Undesirable to Females“ (Männliche Hirschmäuse, die BPA ausgesetzt sind, werden unmännlich und von Weibchen gemieden), http://munews.missouri.edu/news-releases/2011/0627-bpa-exposed-male-deer-mice-are-demasculinized-and-undesirable-to-females-new-mu-study-finds/

  • Medizin-Nobelpreis für Putin?

    Covid? War da was? Seit Putin über die Ukraine herfiel, bewegen die Menschheit plötzlich ganz andere Sorgen und Ängste. Verdient der Kreml-Chef nicht den Medizin-Nobelpreis? Anscheinend befreite er die Welt schlagartig von Corona. Von Rotchina, Neuseeland und der Lauterbach-BRD abgesehen: Wen kümmert denn noch eine Virusinfektion, die ohnehin gerade dabei ist, auf ein immer harmloseres Erkältungs-Omikrönchen hinauszulaufen, wenn nicht gar auf ein symptomloses Nichts? Plötzlich Nebensache, mehr Alltag als Katastrophe. Seit Putin die Ukraine angreifen lässt, bewegen die Menschheit schlagartig ganz andere Sorgen und Ängste. Und so ätzen manche Internet-User: Ist Russlands Präsident nicht ein heißer Kandidat für den Medizin-Nobelpreis? Anscheinend heilte er die Welt von Corona, in geradezu biblischem Affenzahn. Einspruch: Gebührt Putin nicht eher der Friedensnobelpreis? Die ungeteilte mediale Aufmerksamkeit, die sein regionaler Angriffskrieg findet, beugt nämlich einem noch viel weiter reichenden Konflikt vor, indem er dringendst Notwendiges verhindert: die überfällige Aufarbeitung der absurdesten Seuche aller Zeiten. So viele drängende Fragen, jede hochexplosiv, warten auf unzensierte Erörterung: - Wie konnte der Pandemiebegriff derart verunstaltet werden, dass er selbst dann noch passen würde, wenn zwar alle infiziert, aber keiner ernstlich krank oder gar tot ist? Wer ließ diesen Irrwitz aushecken, wer profitiert davon? - Warum durfte ein Testverfahren, das selbst sein Erfinder für diagnostisch unbrauchbar erklärte, mit einer Falsch-Positiven-Rate bis zu 97 % beinahe jeden zum „Fall“ machen, der nicht bei Drei auf dem Baum ist? - Wie viele „Corona-Opfer“ starben wirklich an SARS-CoV-2? Wer zieht jene zur Rechenschaft, die den immer offenkundigeren Laborursprung des Virus vertuschten, Statistiken verheimlichten und fälschten, über Risiken und Schäden der neuartigen Impfstoffe hinwegtäuschten, Milliarden Menschen ohne informierte Zustimmung dazu nötigten, sich für ein unethisches Massenexperiment zur Verfügung zu stellen? - Wie konnte man weiterhin expertenhörig den Warnungen und Prophezeiungen von Leuten wie Ferguson und Drosten lauschen, die schon bei früheren Pandemien haarsträubend danebengelegen hatten? - Warum wurden bewährte, billige Alternativen zu Impfstoffen unterdrückt – von Ivermectin bis Vitamin D und andere Nahrungsergänzungsmittel bis zu vernebeltem Wasserstoffperoxid? - Warum versetzte man die Bevölkerung zwei Jahre lang in eine paranoide Panik, sie sei einem völlig neuartigen Virus „schutzlos ausgeliefert“, solange es keine Impfstoffe gibt? - Wieso hatten Virologen und Modellierer mehr zu sagen als Immunologen, Psychologen und Ökonomen? - Wie konnte man die globale Richtlinienkompetenz zur Seuchenbekämpfung über zwei Jahre lang einer der korruptesten Organisationen der Welt zutrauen: der WHO, an den Fäden eines stinkreichen Programmierers, von Big Pharma und der Kommunistischen Partei Chinas? - Welche Rolle spielten erpresserische Kredite und Schuldenmoratorien von IWF und Weltbank beim selbstzerstörerischen Pandemie-Management nach Pekings Vorbild? - Wie konnte Journalismus weltweit zu Regierungspropaganda verkommen, zu distanzloser Hofberichterstattung? Wer manipulierte die weltweiten Nachrichtenströme, mit welchen Mitteln? Wer legte die Big Three – Associated Press, AFP und Reuters – an die Leine, samt nationaler Marktführer wie dpa? Wer vergiftete Informationsquellen? - Wie konnte es gelingen, „Wissenschaft“ auf politisch genehme Handreichungen aus dem Drittmittelbordell zu reduzieren? - Welche Souffleure in Ministerien und Behörden verführten inkompetente Verantwortliche zu grotesk datenfernen Einschätzungen, Befürchtungen und Entscheidungen? - Wer sorgte dafür, dass Protestierende aus allen Bevölkerungsschichten als rechtsradikale Wirrköpfe dastanden, als dumme, verantwortungslose Sektierer aus einem anrüchigen „Milieu“? Wie konnte „Querdenker“ zum Synonym für „verachtenswerter Idiot“ werden? - War es eine gute Idee, Abertausende von kritischen Ärzten und Wissenschaftlern, Juristen und Journalisten zu diffamieren und mundtot zu machen? - Wo bleiben Faktenchecks der „Faktenchecker“? In wessen Auftrag spielen sie Wahrheitswächter, wer hat sie dafür gekauft? - Wie wären wir durch diese Pandemie gekommen mit Kristi Noem oder Ron DeSantis als Kanzler, mit Wolfgang Wodarg als Gesundheitsminister, Sucharit Bhakdi als Drosten-Ersatz und Anders Tegnell anstelle von Lothar Wieler an der Spitze des Robert-Koch-Instituts? - Wie arbeiteten das Weltwirtschaftsforum und sein Netzwerk von „Young Global Leaders“, elitäre Foren wie das Council on Foreign Relations, pseudo-philantropische Geldmaschinen wie die Rockefeller-, Gates- und Soros Foundation darauf hin, dass die Plandemie zum Türöffner für eine technokratische Neue Weltordnung wird? - Welche Rolle spielen weltweit agierende PR-Agenturen wie Edelman und Publicis? - Wer zieht Verfassungsrichter für ihre Untätigkeit zur Verantwortung? - Was taugt ein Verfassungsschutz, der Verfassungsbrüche am laufenden Band hinnimmt, sofern die Exekutive sie begeht? - Wie konnten Polizei und Justiz zu Vollzugshelfern eines wissenschaftsfernen Hygieneterrorismus werden? - Wer legt endlich den tatsächlichen Forschungsstand zu all den ineffektiven, zerstörerischen Lockdowns offen, zur weitgehend nutzlosen, schikanösen Zwangsmaskerade, zum wahren Nutzen und Schaden der Covid-Spritzen? Vor lauter Entsetzen über die russische Aggression bleiben all diese brennenden Fragen ungestellt. Sie gehen unter, verhallen ungehört im Bombendonner – zur klammheimlichen Freude aller Nutznießer dieser unsäglichen Plandemie und jeder künftigen. Ehrliche Antworten wären politischer Sprengstoff ohnegleichen. Wie könnte eine Bevölkerung reagieren, der allmählich dämmert, dass sie hinters Licht geführt wurde? Dass sie weitgehend umsonst gebangt, geschützt, verzichtet hat? Dass sie sich eher für die Katz pieksen ließ, mit sogenannten Impfstoffen, die diese Bezeichnung nicht verdienen und nur eines zuverlässig mit sich bringen: unkalkulierbare Risiken und Nebenwirkungen. Wenn wegzensierte Wahrheiten endlich ans Licht kämen, könnten sie von Washington über Paris und Berlin bis Melbourne und Wellington den sozialen Frieden gefährden, Vertrauen in Regierungen und Behörden, in Medien und Wissenschaft zutiefst erschüttern. Um den Globus ginge womöglich ein Aufschrei der Empörung, der erst verstummt, wenn Verantwortliche vor Gericht stehen - und Köpfe rollen. Insofern hat sich Putin um den Weltfrieden wahrlich verdient gemacht. Er entschärfte bis auf weiteres eine hochexplosive Bombe. Dafür ist ihm reichlich insgeheimer Applaus gewiss: von Pfizer und Konsorten, von Tedros, Xi Jinping, Gates und Schwab, von all den Fergusons, Drostens, den Brink-, Priese- und Brockmännern, die diese sonderbare Seuche ausgerufen, befeuert, alarmistisch begleitet, zum eigenen Vorteil genutzt haben. Nun stimmen sie uns bereits auf die nächste ein. Also blindlings auf zu Covid-27? (Harald Wiesendanger)

  • Neurologe belegt: Alzheimer ist heilbar

    Ein amerikanischer Neurologe hat eine Therapie gegen Morbus Alzheimer entwickelt: Sie bringt den geistigen Verfall zum Stillstand, macht ihn sogar rückgängig. Erst bei weit fortgeschrittener Krankheit versagt dieser Ansatz. Hunderte Betroffene hat er bereits gerettet. Big Pharma graut vor ihm, Wikipedia verschweigt ihn. Statt es weiterhin Pharmakonzernen zu überlassen, den Albtraum Alzheimer zu bannen, sollten wir den Tierschutz erweitern: Er muss auf ungefiederte Zweibeiner ausgedehnt werden. Denn wie bei allen Zivilisationskrankheiten, so bedarf es vor allem einer artgerechten Menschenhaltung, um der gefürchteten Neurodegeneration endlich beizukommen. Dazu hat ein US-Neurologe ein spektakulär erfolgreiches Behandlungskonzept entwickelt. Nicht nur Hunderte von Einzelfällen, auch klinische Studien bestätigen es inzwischen. Exemplarisch führt es vor Augen, wie dringend die Welt einer neuen Gesundheitskultur bedarf, die sie aus dem Klammergriff von Geschäftsinteressen befreit. Nein, man kann Wikipedia wahrlich nicht vorwerfen, es habe etwas gegen Bredesens. Es würdigt einen Skispringer, einen Fußballer, einen Nordischen Kombinierer, einen Pastor, einen Geschäftsmann mit diesem Familiennamen. Ausgerechnet einer jedoch fehlt: der US-amerikanische Neurologe Dale E. Bredesen. Ihm verdankt die Welt einen spektakulären, durchaus nobelpreiswürdigen Durchbruch bei der Behandlung des wohl gefürchtetsten Leidens: von Morbus Alzheimer, der schleichenden Neurodegeneration, die als unheilbar gilt. Die sonderbare Lücke im virtuellen „Weltgedächtnis“ lässt auf zweierlei schließen: Der Verschwiegene stört gewaltig die Geschäftsinteressen derer, die bei der Redaktion der Online-Enzyklopädie im Hintergrund die Fäden ziehen; und es lässt sich ihm nichts Rufschädigendes anhängen. Umgekehrt schadet dieser Bredesen dem Ruf der pharmalastigen Schulmedizin ungemein. Denn deren Grenzen treten bei kaum einer Krankheit offenkundiger zutage. 116 Jahre ist es inzwischen her, dass Alois Alzheimer (1864-1915), ein deutscher Psychiater und Neuropathologe, die nach ihm benannte Demenzerkrankung erstmals beschrieb. Schon er fand in den Gehirnen von Betroffenen, neben großflächig abgestorbenen Nervenzellen, ausgedehnte Ablagerungen, Plaques, von klebrigen Eiweißknäueln, vorwiegend aus Beta-Amyloiden. Seither herrscht in der Alzheimerforschung die Amyloid-Hypothese vor: Geradezu dogmatisch klammert sie sich an die Vermutung, diese Plaques seien es, die den schrecklichen geistigen Verfall verursachen. Folglich gelte es eine patentierbare pharmazeutische Maßnahme zu finden, welche diese Plaques auflöst oder an irgendeinem Punkt ihrer kausalen Vorgeschichte so dazwischenfunkt, dass sie erst gar nicht entstehen. Ein Armutszeugnis ohnegleichen Multimilliarden Forschungsgelder sind in diesen Ansatz geflossen, über 50.000 Fachartikel widmeten sich ihm. Wie viele Heilmittel hat er bisher hervorgebracht? Null. Ein Armutszeugnis ohnegleichen. Zwar kennt man eine Reihe von Substanzen, die im Reagenzglas, im Tierversuch ermutigende Ergebnisse liefern. Doch sobald sie am Menschen erprobt werden, enttäuschen sie. Bis Mitte 2021 scheiterten über 400 klinische Studien. 99,6 % aller Kandidaten erwiesen sich als Fehlschläge. „Die derzeit zugelassenen Medikamente“, so fasst die amerikanische Alzheimer-Gesellschaft zusammen, „können den Verlauf der Krankheit nicht aufhalten oder verlangsamen.“ Die wenigen vorhandenen Mittel könnten allenfalls „helfen, Symptome zu lindern, zum Beispiel Gedächtnisverlust und Verwirrung“, aber nur „für begrenzte Zeit“, zumeist begleitet von heftigen Nebenwirkungen. Weiterhin schreitet Alzheimer bei Millionen Betroffenen unerbittlich fort – und tötet jeden, statistisch zwischen 1,5 und 8,5 Jahre, nachdem erste Beeinträchtigungen aufgetreten sind. „Irgendetwas muss hier total falsch laufen“, dachte sich Bredesen. „Es ist, als würden unsere Weltraumraketen ausnahmslos jedes Mal auf der Startrampe explodieren.“ (1) Nicht eine Krankheit, sondern drei – mit 36 beteiligten Faktoren Dem Rätsel Alzheimer auf den Grund zu gehen, hat Bredesen, Professor für molekulare und medizinische Pharmakologie an der University of California, mittlerweile über drei Jahrzehnte seiner akademischen Laufbahn gewidmet. Seit 1989 forscht der Mediziner daran: zunächst mit sterbenden Gehirnzellen im Reagenzglas, wie auch mit gentechnisch manipulierten Versuchstieren, die alzheimerähnliche Symptome entwickeln. Er analysierte verwirrte Fruchtfliegen mit „Alzflymer“ und vergessliche transgene Mäuse mit „Mouzheimer“. Nach einem Jahrzehnt Grundlagenforschung begriff Bredesen, wie sehr bis dahin missverstanden worden war, was Alzheimer ist. Er entdeckte, wie diese tückische Krankheit entsteht. Er durchschaute, warum alle bisherigen Bemühungen, ihr beizukommen, so kläglich scheiterten. Und ihm wurde klar, wie sie zu vermeiden, zu stoppen, zu besiegen ist. Unser Gedächtnis, wie alles, was unseren Geist ausmacht, beruht auf einem gigantischen Netzwerk unter unserer Schädeldecke. Über 100 Milliarden Nervenzellen, Neuronen, bilden es. Jede einzelne ist über fast 10.000 Synapsen mit anderen verbunden. Das ergibt ein Geflecht von insgesamt knapp 1.000.000.000.000.000 Verbindungen – eine Billiarde. Jedes Neuron muss irgendwie registrieren und verarbeiten, was in seiner Umgebung los ist. Dazu besitzt es Tausende von Rezeptoren: Eiweißmoleküle, die es tief in seinem Inneren bildet und dann an die Oberfläche schafft. Die meisten Rezeptoren sind auf einen bestimmten Job spezialisiert: Manche spüren Sexualhormone auf, andere Vitamin D, wieder andere den Glücksbotenstoff Dopamin. Daraufhin weisen sie die Zelle an, angemessen zu reagieren. Dazu lösen sie vielerlei biochemische Reaktionen aus. Jeder Rezeptor tut das täglich viele Milliarden Male. Ein Rezeptor namens p75NTR erregte die besondere Aufmerksamkeit von Bredesens Team. Es stieß auf ihn im basalen Vorderhirn, einer Gehirnregion, die von Alzheimer besonders betroffen ist. Seine Funktion ist es, Neurotrophine an sich zu binden: „Nervennährstoffe“, nach der griechischen Wortbedeutung. Kommt eine solche Bindung zustande – was Neurotrophin zum „Liganden“ des Rezeptors macht, wie Biochemiker sagen -, signalisiert sie der Zelle, bestehende Verbindungen zu erhalten, zu stärken und neue zu knüpfen. Fehlt dieser Ligand jedoch, so startet ein regelrechtes Selbstmordprogramm: Die Synapsen lösen sich auf, die Zelle stirbt. Gibt es ein Molekül, das verhindern kann, dass Neurotrophine an ihre Rezeptoren binden – indem es ihren Platz einnimmt? Eben dies gelingt Amyloid-beta. Normalerweise ist dieser Sabotageakt nicht etwa schlimm, sondern sinnvoll und wünschenswert. Zellen müssen absterben, um neuen Platz zu machen – etwa wenn sie beschädigt und deshalb unfähig sind, ihre Aufgaben zu erfüllen - , und dieser Umbau im laufenden Betrieb findet unentwegt in uns statt. Bis Sie diesen einen Satz zu Ende gelesen haben, werden mehr als fünf Millionen Ihrer weißen Blutkörperchen Selbstmord begangen haben – und durch ebensoviele neue ersetzt worden sein. Ohne massenhaften zellulären Suizid, so gibt Bredesen zu bedenken, „hätten wir Schwimmhäute zwischen den Fingern (weil sie nicht abgebaut würden), ein Gehirn, das aus dem Schädel hinauswächst (weil bösartige Zellen überleben, anstatt Suizid zu begehen) und viele andere Probleme.“ (2) Insofern ist Amyloid-beta an sich kein Bösewicht, sondern dient normalerweise einem gesunden Zweck. Alzheimer entsteht folglich nicht, weil ein krankhafter biologischer Prozess abläuft – sondern weil ein lebensnotwendiger, eine Schutzreaktion, aus dem Ruder läuft. Der Abwehrmechanismus setzt ein, wenn Bedrohungen zu zahlreich, zu heftig, zu hartnäckig, chronisch werden: seien es anhaltende Entzündungen, Vergiftungen oder Nährstoffmängel. Dann „greift das Gehirn ebenfalls zu chronischen, zahlreichen, hartnäckigen und heftigen Verteidigungsstrategien – in einem so hohen Maße, dass eine Grenze überschritten wird und die Abwehr dem Körper schadet.“ (3) Das Wechselspiel von Ab- und Neubau, Verwüstung und Regeneration gerät aus dem Gleichgewicht, weil im Gehirn zuviel Amyloid-beta unterwegs ist und sich an Rezeptoren anlagert, wodurch es trophische, wachstumsfördernde Bindungen blockiert. Aber woher kommt der Amyloid-Überschuss? Die Spurensuche führte Bredesen zu einem Molekül, das passenderweise Amyloid-Vorläuferprotein, kurz APP heißt, von engl. amyloid precursor protein. Aus 695 Aminosäuren bestehend, perlenförmig aneinandergereiht, weist es eine recht stattliche Größe auf. Auch APP ist ein Rezeptor, allerdings in übergeordneter Stellung. Er reagiert nicht nur auf ein bestimmtes Molekül in der Zellumgebung, sondern auf Dutzende, darunter viele, die mit Alzheimer zusammenzuhängen scheinen: Östrogen, Testosteron, Schilddrüsenhormone, Insulin, Vitamin D, entzündungsfördernde Moleküle, Insulin, das „Langlebigkeitsmolekül“ Sirtuin SirTA. Bredesen vergleicht APP mit einem Finanzchef, dem spezialisierte Buchhalter – einfache Rezeptoren – ständig Statusberichte liefern: Wie oft, wovon sind sie aktiviert worden? Der APP-Chef zählt die Inputs zusammen und zieht Bilanz, um daraufhin zu entscheiden: Reichen die verfügbaren Ressourcen, um die weit verstreuten Synapsen zu ernähren, zu modellieren, neu zu bilden? Wenn ja, so dockt der APP-Rezeptor an ein Molekül namens Netrin-1 an, das an den Zellen vorbeitreibt. Daraufhin schickt er dem Neuron ein Signal, das bewirkt, dass es seine Aufgaben weiterhin erfüllt. Molekulare Scheren, Proteasen genannt, zerteilen APP nun an einer bestimmten Stelle. Die Schnitte erzeugen zwei Peptide: sAPPα und αCTF. Bredesen nennt sie „das konstruktive Duo“: Sie tragen dazu bei, dass die synaptischen Verbindungen beibehalten werden, fördern das Wachstum der Neuronen-„Finger“, die nach außen greifen, und blockieren das Selbstmordprogramm. Kurzum, es sind Anti-Alzheimer-Akteure. Aber wenn sich der APP-Rezeptor weder Netrin-1 noch andere trophische Moleküle schnappt – und stattdessen nach Amyloid-beta greift? Dann zerschneiden die Proteasen ihn an drei bestimmten Stellen, und es entstehen vier Peptide: sAPPβ, Jcasp, C31 – und, 40 bis 42 Aminosäuren lang, Amyloid-beta. Sie bilden das „destruktive Quartett“. Es wirkt entscheidend an dem Verfallsprozess mit, der Alzheimer zugrunde liegt: Gehirnsynapsen gehen verloren, der Verbindungsteil der Neuronen schrumpft, der zelluläre Suizid setzt ein. So kommt ein tückischer Kreislauf in Gang: Bei der Spaltung von APP entsteht Amyloid-beta, das sich an APP bindet und es veranlasst, mehr Amyloid-beta zu produzieren. Bredesen vergleicht: „Wie ein winziger Vampir beißt Amyloid-beta den APP-Rezeptor und erzeugt dadurch einen weiteren winzigen Vampir.“ (4) „Ich wette, Sie haben die Pointe erfasst“, schreibt Bredesen: „Um Ihr Alzheimer-Risiko zu senken, müssen Sie die Produktion des Alzheimer verursachenden Quartetts minimieren und die Produktion des Alzheimer hemmenden Duos maximieren.“ Wovon hängt es ab, welches innere Programm abläuft – das erhaltende, aufbauende oder das zerstörerische? Nach der einen ausschlaggebenden Ursache zu fahnden, um ein darauf zugeschnittenes Pharmaprodukt zu synthetisieren, betrachtet Bredesen als Irrweg. In seinem Buch The End of Alzheimer's - 2017 erschienen, ein Jahr später auch in deutscher Übersetzung - identifiziert er nicht weniger als 36 Faktoren, die daran beteiligt sein können, dass die verhängnisvolle APP-Schnipselei einsetzt und nicht mehr aufhört: von hormonellen Ungleichgewichten und oxidativen Schäden über gestörte Darmmikrobiota, überhöhten Blutzuckerwerten, Vitamin-D-Mangel und einer Gliose, Vernarbungen im Gehirn durch Gliazelle, bis hin zu hohem hs-CRP-Wert, einem Entzündungsmarker. Die 36 Alzheimer-„Löcher“ im neuronalen „Dach“ rühren von Einschlägen aus drei Richtungen her. Und so betrachtet Bredesen Alzheimer nicht als eine Krankheit - für ihn sind es drei. (5) Auch wenn sie oft gemeinsam auftreten und sich ihre Symptome gleichen, beruhen sie auf unterschiedlichen biochemischen Vorgängen: (1.) Entzündung; (2.) Vergiftung, zum Beispiel durch Schwermetalle oder Toxine aus Schimmel und Bakterien; (3.) ungünstige Versorgung mit Nährstoffen und anderen Molekülen, welche die Synapsen unterstützen. Warum versagt die Schulmedizin hier kläglich? Weil sie, wie üblich, bestenfalls typische Anzeichen der Krankheit zeitweilig ein wenig lindert. Aber sie behebt nicht die eigentliche Ursache. Es ist mehr als eine, mindestens 36 wirken mit. „Pharmaunternehmer gleichen Dachdeckern, die zu einem Haus gerufen werden, welches von baseballgroßen Hagelkörnern verwüstet wurde“, meint Bredesen. „Der Sturm schlug Dutzende von Löchern ins Dach, das die Eigentümer reparieren lassen wollen. Aber die Dachdecker waren auf ein einziges Loch fixiert. Vielleicht haben sie dieses Loch mit Teer sorgfältig abgedichtet, so dass es nicht mehr durchregnet. Leider kümmerten sie sich jedoch nicht um die anderen 35 Löcher.“ (6) Und deshalb füllt sich das Haus weiterhin mit zuviel Regenwasser. Personalisiert, den ganzen Menschen einbeziehend: Nur so ist Heilung möglich Als ausgebildeter Facharzt für Innere Medizin und Neurologie gab sich Bredesen mit Laborforschung nicht zufrieden. Von Anfang an ging es ihm um nichts Geringeres als ein umfassendes Konzept, mit dem sich das gefürchtetste Leiden unserer Zeit erfolgreich behandeln, besser noch vermeiden lässt. „Nichts ist wichtiger, als das Leben von Patienten zu verbessern“, sagt er. (7) Die Messlatte legt er dabei hoch: „Erfolg“ bedeutet für ihn nicht bloß lindern, verlangsamen, hinauszögern – sondern zum Stillstand bringen, rückgängig machen, dauerhaft heilen. Wenn Dutzende Faktoren mit unterschiedlichem Gewicht beteiligt sein können, bedarf es zuallererst eines persönlichen Risikoprofils. Für jeden Patienten muss zunächst ermittelt werden, welche physiologischen Parameter in seinem Fall eine ausschlaggebende Rolle spielen. „Kognoskopie“ nennt Bredesen die Gesamtheit der Untersuchungen, die dazu stattfinden müssen. Sie schließt Blutuntersuchungen, ein Stoffwechselprofil und ein MRT des Gehirns ebenso ein wie Gentests. Sie sucht nach Entzündungen und Infektionen, Vitaminmangel und hormonellen Ungleichgewichten. Sie checkt Parameter wie Insulinspiegel, Body-Mass-Index, Immunstatus; sie untersucht das Mikrobiom und die Durchlässigkeit des Darms („Leaky Gut“), die Mundflora, die Blut-Hirn-Schranke. „Bei Menschen mit kognitiven Symptomen wie Gedächtnisstörungen sind oft zehn bis 25 Laborwerte, die mit der Gehirnfunktion zusammenhängen, nicht optimal“, stellte Bredesen fest. „Wer noch keine Symptome hat, aber gefährdet ist, hat meist drei bis fünf suboptimale Werte.“ (8) Daraus ergibt sich ein ausgeklügeltes personalisiertes Therapiekonzept, auf jeden Hilfesuchenden individuell zugeschnitten. Bredesen nennt es „ReCODE“, eine Abkürzung für reversal of cognitive decline, „Umkehrung des geistigen Abbaus“. (9) Keine Behandlung gleicht der anderen. Um im Bild zu bleiben: Jedes hagelgeschädigte Dach weist unterschiedlich viele, unterschiedlich große Löcher auf, an unterschiedlichen Stellen. Danach richten sich Art und Aufwand der Reparaturarbeiten. Ein Loch ist dicht, wenn der betreffende Laborwert in den Normbereich zurückkehrt. Die Sanierung zielt auf nichts Geringeres, als „den kognitiven Verfall umzukehren“. (10) Was kann, was muss geschehen, um die 36 „Alzheimer-Löcher“ abzudichten? Benötigen Betroffene und Gefährdete 36 verschiedene Pharma-Kreationen, gleichzeitig einzunehmen ungeachtet fraglicher Wechsel- und Nebenwirkungen? Es geht viel einfacher, risikoloser, aussichtsreicher – und preiswerter. Dazu empfiehlt Bredesen sieben „Kernstrategien“, die Alzheimer-Risiken verringern, die Widerstandsfähigkeit steigern, und Hirnfunktionen optimieren. (11) Sie umfassen - eine überwiegend pflanzliche ketogene Ernährung, mit hohem Fettanteil, mäßigem Proteingehalt und wenig Kohlenhydraten. Im Vordergrund sollten wild gefangene Meeresfrüchte und Eier aus Weidehaltung stehen. Zu meiden sind Gluten, verarbeitete Lebensmittel und mehrfach ungesättigte Fettsäuren, auch PUFAs genannt, die in minderwertigen Speiseölen und Transfetten stecken. Jeder Tag sollte ein langes Fastenintervall von mindestens 12 Stunden einschließen, besser 16 bis 18. Auch rät Bredesen dazu, gezielt Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen, auf der Grundlage der jeweiligen Laborwerte; - ein Bewegungsprogramm für draußen und drinnen; langes Sitzen vermeiden; - ausreichend erholsamer Schlaf; - Stressbewältigung, mit Meditation und regelmäßigen Pausen zur bewussten Tiefenatmung; - regelmäßiges Gehirntraining; - sozialer Kontakte pflegen; - Giftstoffe vermeiden. Das alles klingt kompliziert, läuft im Kern aber auf eine simple Botschaft hinaus: Alzheimer verhindern und besiegen können wir auf dieselbe Weise wie jede sonstige Zivilisationskrankheit – durch eine umfassend gesunde Lebensweise. Vom Labor in die Praxis: Funktioniert ReCODE? Nach zwei Jahrzehnten Forschung wollte Bredesen endlich in klinischen Studien nachweisen, dass seine Konzepte tatsächlich bei Patienten wirksam sind. Doch zwei Mal, 2011 und erneut 2018, lehnten Prüfungskommissionen seine Anträge als „unwissenschaftlich“ ab. (12) Schließlich müsse das Design einer Studie schon feststehen, ehe sie beginnt; man könne nicht erst währenddessen entscheiden, wie die Versuchspersonen behandelt werden. Außerdem dürfe immer bloß eine einzelne Variable auf dem Prüfstand stehen – nicht ein ganzes Bündel von Komponenten gleichzeitig. Ein Unglück kommt selten allein: Die verweigerte Genehmigung veranlasste einen millionenschweren Philanthropen, den Geldhahn zuzudrehen; und auch eine Alzheimer-Stiftung stellte ihre Förderung ein. Damit wurde das Studienprojekt unfinanzierbar. Und so musste sich Bredesen jahrelang auf Fallberichte über Alzheimer-Patienten beschränken; 2014, 2016 und 2018 veröffentlichte er Behandlungsergebnisse. Und die hatten es in sich. Seine „Patientin Null“ (13), Kristin hieß sie, war 65, als kognitive Störungen einsetzten. Wenn sie auf der Autobahn fuhr, verirrte sie sich. Sie wusste nicht mehr, welche Ein- und Ausfahrten sie benutzen sollte, nicht einmal auf Strecken, die sie bestens kannte. Informationen, die für ihre Arbeit wichtig waren, begriff sie nicht mehr. Berichte zu verfassen und termingerecht abzugeben, überforderte sie. Telefonnummern konnte sie sich nicht mehr merken, auch einfache Zahlen nicht, wie etwa Hausnummern oder die Ziffern auf ihrem Autokennzeichen. Es fiel ihr zunehmend schwerer, sich zu merken, was sie soeben gelesen hatte; war sie auf einer Seite unten angelangt, musste sie wieder oben anfangen. Ihre Haustiere rief sie beim falschen Namen. In ihrem eigenen Zuhause musste sie Lichtschalter suchen, die sie jahrelang ein- und ausgeschaltet hatte. Zwei Jahre lang versuchte Kristin, diese Symptome zu ignorieren, obwohl sie immer schlimmer wurden. Schließlich konsultierte sie einen Arzt. Der diagnostizierte Demenz und erklärte, er könne nichts für sie tun. Auf Empfehlung einer Freundin fand Kristin im Jahr 2012 zu Bredesen. Stundenlange Gespräche überzeugten sie davon, sich auf sein ReCODE-Programm einzulassen. Drei Monate später rief sie ihn an, geradezu euphorisch: Sie könne kaum glauben, wie ihre geistigen Fähigkeiten sich entwickelt hätten. „Sie konnte wieder ganztags arbeiten“, berichtet Bredesen. (14) „Auto fahren, ohne sich zu verirren, und sich mühelos Telefonnummern merken. So gut wie jetzt sei es ihr seit Jahren nicht mehr gegangen, versicherte sie.“ Fünf Jahre später, inzwischen 73, befolgte Kristin ReCODE immer noch. Weiterhin bewältigte sie einen Vollzeitjob, reiste um die Welt - und war nach wie vor frei von Symptomen. Klinische Studie bestätigt Hunderte von Fallberichten Kristin blieb kein Einzelfall. Im Jahr 2014 berichtete Bredesen in Aging, der führenden Fachzeitschrift für Alternsforschung: Bei 9 von 10 Alzheimer-Patienten, die sich 5 bis 24 Monate lang ReCODE unterzogen, habe er den Gedächtnisverlust rückgängig machen können. (Beim Zehnten war die Erkrankung zu weit fortgeschritten.) (15) Zwei Jahre später, im Juni 2016, berichtete Bredesens Team im selben Fachjournal über zehn weitere erfolgreich behandelte Alzheimer-Patienten. (16) Im Mai 2018 präsentierte es eine Sammlung von 100 derart erfreulichen Fällen. (17) Hoffnung kann Bredesen selbst Besorgten machen, über denen das Damoklesschwert einer erblichen Vorbelastung schwebt. Wer eine Genvariante namens ApoE4 in sich trägt, für den steigt das Alzheimerrisiko drastisch an, von gewöhnlich 9 % auf 30 bis weit über 50 %. (18) Doch selbst wenn eine DNA-Analyse den Verdacht bestätigt, besteht kein Grund zu verzweifeln. Das Schicksal lässt sich abwenden, je früher, je länger, je konsequenter man Bredesens Empfehlungen folgt. Mehrere hundert Patienten haben mittlerweile das ReCODE-Programm durchlaufen. Die Zischenbilanz bestätigt Bredesens Optimismus. Nur in wenigen Ausnahmen – in einem sehr späten Stadium, wenn schon zu viele Neuronen und Synapsen verlorengegangen sind - bleibt der kognitive Abbau unumkehrbar, nachdem die Ursachen beseitigt sind. Ansonsten lässt sich Alzheimer verhindern, ja sogar heilen: während der symptomfreien Phase, die ein Jahrzehnt dauern kann; während der Zeit, die Neurologen „subjektive kognitive Beeinträchtigung nennen“ – sie kann mehrere Jahre dauern; und sogar während der milden bis moderaten Phase, wenn schon mehr oder minder deutliche Einschränkungen vorliegen, die sich bereits in neuropsychiatrischen Tests niederschlagen. ReCODE hundertprozentig umzusetzen, erfordert eiserne Disziplin, daraus macht Bredesen keinen Hehl. Konsequente Alzheimer-Therapie schließt etwa ein, „nie Zucker und andere einfache Kohlenhydrate zu essen, einschließlich Brot, Nudeln, Reis, Kekse, Kuchen, Süßigkeiten; Getreide, Milchprodukte, Fabriknahrungsmittel.“ (19) Andererseits: Wie schwer wiegt der Verzicht auf ungesunde Leckereien, wenn die Alternative darin besteht, tatenlos die geistige Selbstauflösung hinzunehmen? Wie streng man mit sich selbst sein sollte, hängt im übrigen vom Krankheitsstadium ab. Bei bloß leichten, gelegentlichen Aussetzern wäre permanente, größtmögliche Selbstkontrolle noch unnötig masochistisch – und als Stressquelle sogar kontraproduktiv. Im Jahre 2019 bekam Bredesen endlich grünes Licht, eine prospektive Studie durchzuführen (lat. prospectivus: vorausschauend), also eine, bei der – im Gegensatz zum Fallbericht, der Vergangenes zusammenfasst – das Ergebnis nicht schon eingetreten ist, sondern in der Zukunft liegt. Wie die Untersuchung ablief und was dabei herauskam, wurde im Mai 2021 zunächst als Preprint publik. (20) 25 Teilnehmer umfasste sie, zwischen 50 und 76 Jahre alt. Bei ihnen allen war ein „Prä-Alzheimer“ – leichte kognitive Einschränkungen – oder ein Frühstadium diagnostiziert worden. Jeden Patienten testete Bredesens Team auf vorliegende Risikofaktoren wie Entzündungen, Insulinresistenz, Nährstoff- und Hormonmangel, Cholesterin, spezifische Krankheitserreger, Belastung mit (Bio-)Toxinen sowie auf genetische Anomalien. Die anschließende Behandlung dauerte neun Monate. Sie folgte personalisierten Protokollen. Das äußerst vielversprechende Ergebnis: Bei 21 Studienteilnehmern, also 84%, besserte sich die Demenz signifikant; einer zeigte keine Veränderung, nur bei dreien verschlechterte sich die geistige Verfassung. Mehrere kognitive Tests belegten die Verbesserungen. Bildgebende Verfahren wie MRT zeigten, dass die Schrumpfung des Gehirns, die typischerweise bei Demenz auftritt, ausblieb. Eine noch umfangreichere Folgestudie, diesmal mit 255 Patienten, veröffentlichte Bredesen kurz darauf, im September 2021. (21) Dabei verglich er die Werte von dreimaligen Blutanalysen und kognitiven Tests, die vor Beginn sowie zwei Monate und ein Jahr nach Studienende stattfanden. Diesmal fiel die Erfolgsquote etwas niedriger aus: „Weder das Ausmaß der Verbesserungen noch der Anteil der Patienten, die Fortschritte machten, entsprachen den Ergebnissen der vorherigen Studie“, räumt Bredesen ein. (22) Er führt dies darauf zurück, dass die Ärzte, welche die Versuchspersonen berieten und anleiteten, diesmal unerfahrener und mit ReCODE weniger vertraut waren. In seinem jüngsten Buch The First Survivors of Alzheimer´s, im August 2021 erschienen, erzählt Bredesen die wundersame Geschichte von sieben Menschen, die ihren geistigen Verfall rückgängig machten, indem sie das ReCODE-Protokoll befolgten. Sie überlebten nicht nur – sie gewannen ein erfülltes Leben, tiefe Beziehungen, eine sinnvolle Arbeit zurück. Fingerzeige für Betroffene und Angehörige Detaillierte Anleitungen bietet Bredesen Betroffenen und ihren Angehörigen in einem 2021 erschienenen „Praxisbuch“. Einen ähnlichen Ansatz wie der amerikanische Neurologe verfolgt der deutsche Arzt und Molekulargenetiker Dr. Michael Nehls. Seit 2011 hat der ehemalige Genomforscher und Biotech-Unternehmer mehrere Bücher (23) über notwendige Verhaltensänderungen für ein gesundes Altern veröffentlicht; darin legt er seine eigene Theorie der Alzheimer-Entstehung dar und entwickelt, darauf aufbauend, eine Präventionsstrategie. Eine Liste mit 16 Ärzten, Heilpraktikern, Ernährungstherapeuten, Gesundheitsberatern und Coaches, die sich an Bredesens Behandlungsprotokoll orientieren, finden Sie hier. Weitere 60 Ärzte und Therapeuten, die Alzheimer-Therapie nach Dr. Nehls anbieten, sind hier verzeichnet. Mehrere hundert ReCODE-Practicioner, von den USA bis Australien, hat Bredesen persönlich ausgebildet; bis 2017 waren es bereits rund 450. (24) Eine Google-Suche nach „Bredesen Certified Practitioner“ liefert momentan über 34.000 Einträge. Dementes „Weltgedächtnis“ Stattliche 35 bzw. 54 Seiten lang sind die Ausdrucke der Einträge, welche die deutschsprachige und die englische Wikipedia-Ausgabe der Alzheimer-Krankheit widmen. (25) Wie viele Worte haben sie darin für Bredesen übrig? Kein einziges. Wie im Wiki-„Talk“nachzulesen, regte ein User schon vor sechs Jahren an, im Alzheimer-Artikel endlich einen Hinweis auf Bredesens Pionierarbeit zu ergänzen: „Soweit mir bekannt ist, hat niemand einen Versuch unternommen, ihr zu widersprechen, sie umzustoßen oder auch nur sinnvolle Kritik an ihr zu üben." (26) Diesen Vorschlag ließen Wiki-Administratoren leerlaufen, ohne Begründung. Wenn schon unser virtuelles „Weltgedächtnis“ an derart fortgeschrittener Demenz krankt, muss einem um die geistige Zukunft der Menschheit angst und bange werden. (Harald Wiesendanger) Anmerkungen (1) Dale E. Bredesen: Die Alzheimer-Revolution: Das erste Programm, um Demenz vorzubeugen und zu heilen, mvg Verlag. München 2018, 336 Seiten, S. 15 (2) a.a.O.,S. 75 (3) a.a.O., S. 34 (4) a.a.O., S. 89 (5) a.a.O., S. 113 ff. (6) a.a.O., S. 95 (7) a.a.O., S. 23 (8) a.a.O., S. 132 (9) Rao RV, Kumar S, Gregory J, Coward C, Okada S, Lipa W, Kelly L, Bredesen DE: „ReCODE: A Personalized, Targeted, Multi-Factorial Therapeutic Program for Reversal of Cognitive Decline“, Biomedicines 9 (10) 2021, PMID: 34680464; PMCID: PMC8533598, https://doi.org/10.3390/biomedicines9101348 (10) ebda., PDF S. 1 (11) ebda., PDF S. 4, 10 f. (12) Bredesen: Die Alzheimer-Revolution, s. Anm. 1, S. 102 ff. (13) a.a.O., S. 22, 29 ff. (14) a.a.O., S. 31 f. (15) Bredesen DE u.a.:„Reversal of cognitive decline: a novel therapeutic program“, Aging 6 (9) 2014, S. 707-17, PMID: 25324467; PMCID: PMC4221920, http://www.impactaging.com/papers/v6/n9/full/100690.html (16) Bredesen, D.E.; Amos, E.C.; Canick, J.; Ackerley, M.; Raji, C.; Fiala, M.; Ahdidan, J. „Reversal of cognitive decline in Alzheimer’s disease“, Aging (Albany NY) 8/2016, S. 1250–1258, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4931830/ (17) Bredesen, D.E.; Sharlin, K.; Jenkins, D.; Okuno, M.; Youngberg,W.; Cohen, S.H.; Stefani, A.; Brown, R.L.; Conger, S.; Tanio, C.; et al. „Reversal of Cognitive Decline: 100 Patients“, Journal of Alzheimers Disease & Parkinsonism 8 (5) 2018, S. 1–6, https://www.omicsonline.org/open-access/reversal-of-cognitive-decline-100-patients-2161-0460-1000450-105387.html (18) Bredesen: Die Alzheimer-Revolution, s. Anm. 1, S. 19 ff. (19) a.a.O., S. 300 (20) K Toups, A Hathaway, D Gordon, H Chung, C Raji, A Boyd, BD. Hill, S Hausman-Cohen, M Attarha, WJ Chwa, M Jarrett, DE Bredesen (2021): „Precision Medicine Approach to Alzheimer’s Disease: Successful Proof-of-Concept Trial“, medRxiv preprint 11. Mai 2021, https://doi.org/10.1101/2021.05.10.21256982 (21) Rao RV, Kumar S, Gregory J, Coward C, Okada S, Lipa W, Kelly L, Bredesen DE: „ReCODE: A Personalized, Targeted, Multi-Factorial Therapeutic Program for Reversal of Cognitive Decline“, Biomedicines 9 (10) 2021, PMID: 34680464; PMCID: PMC8533598, https://doi.org/10.3390/biomedicines9101348 (22) ebda. S. 12. (23) Die Alzheimer-Lüge: Die Wahrheit über eine vermeidbare Krankheit (2017), Alzheimer ist heilbar: Rechtzeitig zurück in ein gesundes Leben (2017), Die Formel gegen Alzheimer: Die Gebrauchsanweisung für ein gesundes Leben - Ganz einfach vorbeugen und rechtzeitig heilen (2018) (24) Bredesen: Die Alzheimer-Revolution, s. Anm. 1, S. 33. (25) Abgerufen am 27.1.2022. (26) „17 Propose inclusion of Bredesen research on reversing Alzheimer's/MCI and dividing Alzheimer's in subtypes“, https://en.wikipedia.org/wiki/Talk%3AAlzheimer%27s_disease%2FArchive_12#Propose_inclusion_of_Bredesen_research_on_reversing_Alzheimer's/MCI_and_dividing_Alzheimer's_in_subtypes

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    Über Harald Wiesendanger Noch Anfang 2020 konnte ich mich, nach über 35 Jahren als Wissenschaftsjournalist und Buchautor, in der Rückschau auf ein erfülltes Berufsleben ziemlich entspannt zurücklehnen, zufrieden und dankbar. Die unverdiente Gnade der Geburt zur rechten Zeit hatte mir bis dahin eine Medienwelt beschert, in der ich weitgehend ungehindert publizieren konnte. Das Gespenst der Zensur trieb sein Unwesen weit weg. In Moskau und Minsk, in Peking und Pyöngyang. Aber doch nicht hierzulande. Auch in dieser Hinsicht hat das Plandemie-Jahr 2020 eine Zeitenwende eingeleitet. Mehr denn je in Nachkriegsdeutschland, wie in allen übrigen vermeintlich gefestigten freiheitlich-demokratischen Rechtsstaaten, käme es seither auf eine starke, unabhängige Vierte Gewalt an, die kritische Distanz zu Mächtigen hält, um sie im vermeintlichen Notstand, auch und gerade dann, wirkungsvoll kontrollieren zu helfen – erst recht, wenn Volksvertretungen und Gerichte dabei jämmerlich versagen. Aber auch Journalisten versagen, in einem Ausmaß, das ich bis vor kurzem für völlig ausgeschlossen hielt. „Ich schäme mich. Meines Berufsstands “: So überschrieb ich schon im April 2020 einen entsetzten Facebook-Post, der damals noch 1,2 Millionen Leser erreichte – heute würden ihn Faktenchecker und Schnüffelalgorithmen im Nu löschen, meinen Account blockieren oder gleich dichtmachen. In Leitmedien überwiegen mittlerweile Hofberichterstattung und blindwütiger Alarmismus, expertengläubige Gesinnungsprosa und moralintriefende Volkserziehung. Fast durchweg verzichten sie auf investigative Hintergrundrecherche, leisten Beihilfe zur Panikmache, ignorieren und verschweigen missliebige Fakten, applaudieren zu hanebüchenen Verfassungsbrüchen, reichen manipulierte Statistiken unverdaut weiter. Sie unterdrücken überfällige Debatten, anstatt sie anzustoßen. Die Regierung loben sie, an deren Kritikern betreiben sie unerhörten Rufmord; Andersdenkende werden von ihnen als Spinner, Rechtsradikale, Gewissenlose und Psychopathen ausgegrenzt und verächtlich gemacht, hart an der Grenze zur Volksverhetzung, vereinzelt schon darüber hinaus. Ein Großteil ihrer Machwerke mutet an wie vorproduziert für eine alsbaldige Bewerbung: um einen Platz beim Zentralorgan der coronistischen Einheitspartei oder im Wahrheitsministerium. Es zeugt vom bestürzend raschen, tiefgreifenden Qualitätsverfall der sogenannten Leitmedien, dass man, um noch echten, unabhängigen Journalismus zu erleben, neuerdings besser den Fernseher ausschaltet und seine Zeitung in die grüne Tonne entsorgt. Eher liefern ihn mittlerweile Online-Magazine wie Rubikon, Multipolar und Achgut , oder Blogs von unverdrossenen Einzelkämpfern wie Reitschuster und Tichy, denen bei der fortschreitenden Selbstparalyse der Vierten Gewalt das Herz blutet. Auch meines blutet. Deshalb „Klartext“. Denn die Hoffnung stirbt zuletzt. Was mache ich außerdem, was tat ich zuvor? 1956 in Lörrach/Südbaden geboren, studierte ich Philosophie, Psychologie und Soziologe an den Universitäten Basel und Heidelberg. Seit Ende der achtziger Jahre veröffentlichte ich rund 50 Bücher, vorwiegend zu medizinischen und psychologischen Themen, neben über 5000 Artikeln in Zeitungen und Zeitschriften, Nachrichtendiensten und Internetportalen. Beeindruckt von wissenschaftlichen Studien über das umstrittene Geistige Heilen, wie auch von Begegnungen mit Hunderten von Anwendern und Patienten, rief ich 1994 eine Dachorganisation für Heilerverbände (DGH) ins Leben; bis 1998 leitete ich sie, zog mich dann aber zurück, weil auch Geisteskinder mitunter derart missraten, dass man sie schließlich mit einem Seufzer der Erleichterung zur Adoption freigibt. Ich gab eine Fachzeitschrift für Geistiges Heilen heraus (Der Heiler 1996-1998) und war an der EU-geförderten Fernheilstudie EUHEALS beteiligt (2001-2004). Von 1991 bis 2005 war ich Mitorganisator der „Basler Psi-Tage“, des seinerzeit größten Publikumskongresses für Grenzgebiete der Wissenschaft. 2005 gründete ich die Stiftung „Auswege“ für chronisch Kranke sowie die „Internationale Vermittlungsstelle für Herausragende Heilkundige“ (IVH ), die in der alternativen Gesundheitsszene mit einem aufwändigen Auswahlverfahren die Spreu vom Weizen trennen und die raren Könner herausfiltern will. Die meisten Buchtitel habe ich Medizinthemen gewidmet, zuletzt Corona-Rätsel (2020), Das Gesundheitsunwesen - Wie wir es durchschauen, überleben und verwandeln (2019), die zehnbändige Schriftenreihe Psycholügen (2017), Auswege - Kranken anders helfen (2015) sowie Heilen „Heiler“? Ein Wegweiser für Hilfesuchende (4. Aufl. 2011). In jüngster Zeit beschäftigten mich unter anderem die Expertengläubigkeit der psychologischen Gesellschaft, die unterschätzten Fähigkeiten von Laienhelfern, die Maßstäbe für Normalität und psychische Störung. Auf eine menschlichere Psychiatrie , wie auch auf eine neue Impfpolitik , drängt meine Stiftung in Petitionen an die Bundesregierung. Vor allem befasse ich mich seit über einem Jahrzehnt mit den gesundheitspolitischen und ökonomischen Hintergründen unseres kranken Gesundheitswesens – eines regelrechten Tummelplatzes organisierter Kriminalität, der es Ärzten immer schwerer macht, kompromisslos ihren Hippokratischen Eid zu befolgen. Die Chancenlosigkeit ganzheitlicher Behandlungsansätze in der profitorientierten westlichen Schulmedizin, die schier unerschöpflichen Propaganda- und Schmiermittel von Big Pharma, Big Food und Big Tech, ihre Lobbymacht erschütterten mich. Im Rückblick auf ein Vierteljahrhundert, in dem ich über das verkannte Potential von alternativen Heilweisen journalistisch aufzuklären versuchte, muss ich inzwischen einräumen: Ich war zu blauäugig. Egal, wie viele vorbildlich durchgeführte Studien zu Außenseiterverfahren man zitiert; egal, wie viele Patienten man präsentiert, denen eine solche Behandlung offenkundig nützte; egal, wie viele Ärzte unerwartet erfreuliche Heilungsverläufe bestätigen; egal, mit welch geringen Kosten und wenig bis keinen Nebenwirkungen alternative Ansätze verbunden sind; egal, wie zuverlässig sie Menschen vor Krankheit bewahren – Heilkunst, die sich nicht industriell vermarkten lässt, aber Geschäfte gewisser Industrien stört, bleibt im Abseits. Sie wird belächelt, verhöhnt, bekämpft, ebenso wie jeder, der sie praktiziert oder auch nur publik macht – absurderweise umso aggressiver, je mehr Menschen sie gut tut. Denn an Gesunden gibt es nichts zu verdienen. Meine Stiftung Auswege trägt im Namen ihr Programm: Chronisch Kranken versucht sie therapeutische Auswege in unkonventioneller, ganzheitlicher Medizin zu eröffnen – und vorbeugen zu helfen, damit sie erst gar nicht zu Patienten werden. Mit „Auswege“ will ich etwas von meinem unbegreiflichen Glück zurückgeben: selber drei gesunde Kinder zu haben. Die neue Normalität, die ihnen blüht, falls die Drahtzieher dieser unsäglichen Plandemie ihre „Reset“-Visionen umsetzen können, wünsche ich allenfalls meinem ärgsten Feind – aber gewiss nicht all jenen geliebten Menschen, die ich demnächst, ob nun mit, wegen oder ohne Covid-19, in einer drohenden zutiefst inhumanen Zukunft alleine lassen muss. „Je weiter sich eine Gesellschaft von der Wahrheit entfernt, desto mehr wird sie jene hassen, die sie aussprechen.“ George Orwell Eine Auswahl meiner Bücher GesundheitsUNwesen AUSWEGE - Kranken anders helfen Corona-Rätsel Unheilkunde - Die 12 Märchen der Psychiatrie Teufelszeug Psycholügen Seelentief - Ein Fall für Profis? Heilen "Heiler"? Geistheiler - Der Ratgeber Show More Psychofalle Das Märchen von der Psycho-Seuche Stochern im Nebel Küchenpsychologie Selbstvergessen Was nun? Heilzauber oder was? 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