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  • Homöopathie "nutzlos"?

    Gesundheitsminister Lauterbach will Homöopathie als Kassenleistung streichen. Wieso? Weil "Leistungen, die keinen medizinisch belegbaren Nutzen haben, nicht aus Beitragsmitteln finanziert werden dürfen“. Es fällt schwer, ein derartiges Statement weder auf Inkompetenz noch auf Lobbysteuerung zurückzuführen. Eine „gefährliche Pseudowissenschaft“ sei die Homöopathie, so twitterte Karl Lauterbach 2022. Dabei hätte er robuste Belege dafür, wie wirksam diese Therapierichtung sein kann, spätestens sechs Jahre zuvor einer Metaanalyse entnehmen können, die placebo-kontrollierte, doppelblinde, randomisierte, kontrollierte Studien auswertete. Dabei ergab sich: Bei homöopathischen Arzneimitteln ist die Wahrscheinlichkeit um eineinhalb bis zwei Mal höher, dass sie im Vergleich zu Placebo eine Wirkung erzielen, wenn sie bei einer individuell abgestimmten Behandlung verschrieben werden. Mittlerweile liegen rund 170 hochwertige Studien über den medizinischen Nutzen der Homöopathie vor - in den meisten hat sie sich gegenüber einem Placebo als überlegen erwiesen. Keine davon berücksichtigte der „Nationale Gesundheits- und Forschungsrat“ (NHMRC), als er die Homöopathie „überprüfte“. Ebenso ignorierte sie der “Wissenschaftliche Beirat der Europäischen Akademien” (EASAC), der die EU-Kommission berät, in seiner skandalösen Stellungnahme zur Homöopathie. Unfassbar, ungefähr nach dem Motto: "Meine Augen sind zu, also ist es dunkel." Übrigens würde Lauterbach mit seiner Maßnahme die Gesetzlichen um gerade mal zehn Millionen Euro entlasten. Hätte er sich auf der Jagd nach “Leistungen ohne medizinisch belegbaren Nutzen“ nicht eher die „Schutz“masken und „Schutz“impfungen der Corona-Jahre vorknöpfen müssen? Allein damit hätte sich ein zweistelliger Milliardenbetrag einsparen lassen, mit dem man locker jedem deutschen Haushalt eine Wärmepumpe spendieren könnte – und jedem Bauernhof seinen Billigdiesel. Ebensowenig wie eine Krankheit mit Globuli - so konstruiert unser Gesundheitsminister den hinkendsten aller Vergleiche - "lässt sich der Klimawandel mit der Wünschelrute bekämpfen“ – oder eine virale Infektwelle mit der Gesichtswindel. Im übrigen dürfte es jeder Fan wissenschaftlicher Evidenzbasierung außerordentlich begrüßen, wenn das Kriterium des „medizinisch belegbaren Nutzens“ endlich einmal gnadenlos auf sämtliche Produkte und Leistungen der Schulmedizin angewandt würde. Geschähe das konsequent: Wo lägen dann wohl unsere Beitragssätze zur Krankenversicherung? Warum es Homöopathie weiterhin so schwer hat, Skeptiker zu überzeugen, brachte schon 1991 eine niederländische Forschergruppe auf den Punkt, nachdem sie 107 kontrollierte Studien ausgewertet hatte:  „Wir sind von der Menge an positiven Nachweisen, sogar unter den besten Studien, überrascht. Aufgrund der Datenlage wären wir bereit, zu akzeptieren, dass Homöopathie wirksam sein kann, wenn nur der Wirkmechanismus plausibler wäre.“ Aber ist denn ausgeschlossen, dass ein Phänomen existiert, solange unklar ist, warum? Wer beides nicht auseinanderhalten kann, hat keine Ahnung von Wissenschaft. Dann wird er besser Pharmareferent als Gesundheitsminister. Worum es hier in Wahrheit gehen könnte, lässt ein Ausblick der US-Marktforschungsfirma Transparency Market Research ahnen. Der weltweite Umsatz von homöopathischen Produkten, der im Jahr 2021 bei 10,7 Milliarden US-Dollar lag, dürfte demnach bis Ende 2031 auf 32,4 Milliarden wachsen. Ist es nicht ärgerlich, dass Big Pharma dadurch Marktanteile verlorengehen? (Harald Wiesendanger) Titelbild: Collage aus Fotos von Bruno/Pixabay und Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=110143015

  • Für immer jung – dank NMN?

    Für Anti-Aging-Produkte kann man ein Vermögen loswerden – bei fraglichem Nutzen und ungewissen Nebenwirkungen. Eine rühmliche Ausnahme scheint NMN darzustellen. Je eingehender diese Substanz erforscht wird, desto deutlicher tritt ihr geradezu spektakuläres Potential zutage, uns auch in höherem Alter gesund und vital zu halten. „Ich möchte mit dir alt werden“, so heißt es auf einer witzigen Postkarte, die ein betagtes Paar beim gemächlichen Spaziergang auf einem Feldweg zeigt, Rollatoren vor sich herschiebend. „Es hat aber keine Eile.“ Alt werden will nämlich fast jeder – alt sein hingegen kaum jemand. Denn zumindest in westlichen Industrieländern gilt höheres Alter beinahe schon als Synonym für körperliche Einschränkungen und geistigen Abbau, für chronische Krankheit und Behinderung, für Krückstock, Pillendose und Hörgerät, für Freiheitsverlust und Pflegebedürftigkeit – mit scheinbar naturnotwendiger Unerbittlichkeit. „Altersbedingt“ eben. Bei solch trüben Aussichten beglückt umso mehr die frohe Botschaft des wohl berühmtesten Alternsforschers unseres Planeten: David Sinclair, in Australien geborener Biologe und Professor für Genetik an der Harvard Medical School in Cambridge, Massachusetts. Altwerden sei eine heilbare Krankheit, so lehrt er. (1) Den nahen Sieg über das vermeintliche Schicksal verkörpert niemand überzeugender als er selbst: Mit vollem, nicht einmal ansatzweise ergrauten Haar und nahezu faltenfreier Haut, schlank, energiegeladen und topfit wirkt der mittlerweile 54-Jährige mit dem verschmitzt grinsenden Lausbubengesicht, als sei er gerade erst Anfang Dreißig. Worin besteht Sinclairs Geheimnis? Er hat mehrere. Für eines stehen drei Buchstaben: NMN, eine Abkürzung für Nicotinamid-Mononukleotid. Einige hundert Milligramm davon schluckt er jeden Morgen, neben einer Handvoll Blaubeeren in hausgemachtem Joghurt. Wie kommt er dazu? NMN ist nichts Künstliches. Es handelt sich um ein Molekül, das in Pflanzen ebenso vorkommt wie in Säugetieren, einschließlich des Menschen – in jeder einzelnen Zelle. Als Nukleotid ist es der kleinste Baustein von Nukleinsäuren, chemischer Grundbestandteil der DNA und RNA. Unser Körper ist imstande, es selber zu bilden: aus Vitamin B3, aus der Aminosäure Tryptophan, auch mit Hilfe von Darmbakterien. Dieses NMN wandelt unser Organismus in Nicotinamid-Adenin-Dinucleotid um, kurz NAD+: einen sogenannten Cofaktor, das notwendige Nicht-Protein-Element eines Enzyms und unerlässlich für dessen Aufgabe, in uns biochemische Reaktionen auszulösen. Unser Organismus benötigt NAD für eine Vielzahl von Funktionen, unter anderem für die Energiegewinnung aus Nahrung. Als vielseitiges Informationsshuttle befördert es Protonen und Elektronen kreuz und quer durch jede Zelle. Es stärkt die Mitochondrien, die Kraftwerke unserer Zellen. Darüber hinaus hilft NAD, beschädigtes Erbgut zu reparieren, die Gene zu regulieren, die Abwehrsysteme der Zellen zu stärken und unsere innere Uhr einzustellen. NAD wirkt an der Tätigkeit von mehr als 500 Enzymen mit; ohne es wären wir binnen 30 Sekunden tot. Mit fortschreitendem Alter bildet sich in uns leider immer weniger NAD, und das wirkt sich fatal aus: Ein sinkender NAD-Spiegel beschleunigt den Alterungsprozess und trägt zu zahlreichen chronischen Erkrankungen bei, von Arteriosklerose über Typ-2-Diabetes bis zu Alzheimer. Was geschieht, wenn man den Mangel kurzerhand behebt – dem Organismus einfach mehr NAD zuführt? Das erforschte David Sinclair mit seinem Team von der Harvard Medical School in Cambridge, Massachusetts, anfangs an Mäusen. Dabei stellte sich heraus: Ein ausreichernd hoher NAD-Nachschub über das Futter kann die schädlichen Abbauvorgänge nicht bloß aufhalten, sondern zum Teil sogar rückgängig machen. Schon nach einer Woche bildeten sich die Anzeichen der Alterung zurück, ablesbar an Parametern wie Entzündungsreaktionen, Insulinresistenz und Muskelschwund. Die Zellen von zwei Jahre alten Mäusen glichen nach der NAD-Kur plötzlich jenen von sechs Monate alten Artgenossen. Mausgreise verwandelten sich in Renntiere, die Laufräder so rasant und ausdauernd drehten wie nie zuvor. Bei Vorträgen präsentiert Sinclair gerne Bilder zweier Labormäuse nebeneinander: die eine grau und struppig, die andere braun und keck – beide geboren am selben Tag. Seit Sinclairs bahnbrechenden Experimenten hat reichlich weitere Forschung an Mäusen und Ratten bestätigt, wie positiv sich die Gabe von NAD bzw. seines Vorläufers NMN auf deren Gesundheit auswirkt: Der Energiestoffwechsel steigt, die körperliche Aktivität nimmt zu; das Erbgut wird vor Mutationen geschützt, eine altersbedingte Gewichtszunahme vermieden, die Insulinsensitivität erhöht, das Risiko für Typ-2-Diabetes gesenkt. Entzündungen und degenerative Veränderungen im Nervensystem werden seltener. (2) Neue Blutgefäße bilden sich. Die Muskeln werden mit mehr Sauerstoff versorgt, Milchsäure und Giftstoffe daraus besser abtransportiert. Die Gebrechlichkeit verschwindet. Und nicht zuletzt: Die Lebensspanne der Versuchstiere verlängert sich erheblich. Von diesen Beobachtungen ermutigt, befassen sich Langlebigkeitsforscher zunehmend damit, NMN am Menschen zu testen – mit verblüffenden Ergebnissen. NMN macht allgemein gesünder In einer Ende 2022 veröffentlichten Studie erhielten 80 gesunde Erwachsene in mittleren Jahren, mit alterstypischen NAD-Werten, zwei Monate lang täglich 300 mg, 600 mg oder 900 mg NMN – oder ein Placebo. Im Vergleich mit der Kontrollgruppe waren NMN-Konsumenten bei Testende körperlich fitter – innerhalb eines Sechs-Minuten-Zeitraums bewältigten sie eine längere Gehstrecke. Ihren allgemeinen Gesundheitszustand bewerteten sie signifikant besser: Beispielsweise fühlten sie sich wohler in ihrer Haut, emotional stabiler, zufriedener, leistungsfähiger. Ihre Insulinresistenz, eine Hauptursache von Typ-2-Diabetes, war geringer ausgeprägt: Auf Signale des Hormons Insulin sprachen ihre Körperzellen eher an. Ihre biologische Alterung war verlangsamt, wie ihre Blutproben anhand von 19 Laborparametern verrieten, von Albumin und Hämatokrit über HDL- und LDL-Cholesterin bis hin zu Thrombozyten und Erythrozyten. Am ausgeprägtesten traten diese Vorteile bei NMN-Dosierungen von 600 und 900 mg auf. NMN bremst den Alterungsprozess Auch bei Menschen kann NMN das biologische Altern verlangsamen, womöglich sogar umkehren. Es wirkt über Sirtuine, eine Familie von Proteinen, die in allen Lebewesen vorkommen. Unter Stress wie zum Beispiel bei Nährstoffmangel, Kälte, körperlicher Anstrengung lassen sie sich von NMN aktivieren. Dann schalten sie Langlebigkeitsgene ein, die schützen, reparieren und erneuern. Sie „unterdrücken epigenetische Veränderungen und lassen das Jugendprogramm weiterlaufen“, wie Sinclair feststellte. (3) „NAD+ kommt einem Jungbrunnen am nächsten“, schwärmte er im Time Magazine. Unter anderem beeinflusst NMN die Länge der Telomere: der Endkappen unserer Chromosomen, die diese vor Schäden aller Art schützen, etwa durch oxidativen Stress und freie Radikale. Während wir altern, werden sie immer kürzer. In einer chinesischen Studie nahmen acht gesunde Männer, zwischen 45 und 60 Jahre alt, ein Vierteljahr lang täglich zum Frühstück 300 mg NMN ein. Bereits nach dem ersten Monat hatten sich die Telomere der Immunzellen im Blut erheblich verlängert. NMN schützt vor Diabetes In zwei Studien erhielten Versuchspersonen 10 bzw. 12 Wochen lang täglich 250 mg NMN. Am Ende hatte sich ihre Insulinsensitivität deutlich verbessert, ihr Blutzuckerspiegel reguliert. (4) NMN heilt den Darm Worauf Tierversuche hindeuteten, bestätigt sich mehr und mehr in Humanstudien: Die tägliche Einnahme von NMN über mehrere Wochen hinweg genügt, um chronisch entzündlichen Darmerkrankungen entgegenzuwirken und ihnen vorzubeugen, eine gestörte Darmflora zu sanieren, eine geschwächte oder durchlässiger gewordene Darmbarriere – beim Leaky-Gut-Syndrom – wiederherzustellen. Die Verdauung verbessert sich, und es wird vermehrt Gallensäure produziert. Außerdem sorgt NMN dafür, dass sich nützliche Darmbakterien vermehren, darunter Laktobazillen, Bifidobakterien, Firmicuten, Akkermansia. (5) Diese tun unserem Darm auf mehrerlei Weise gut: Sie produzieren eine Schleimschicht, die ihn auskleidet und die Darmbarriere schützt – diese wird stabiler und lässt weniger Schadstoffe durch. Indem die Bakterien die Darmwand besiedeln, hindern sie schädliche Keime daran, sich zu vermehren. Sie bilden kurzkettige Fettsäuren (SCFAs) wie Butter- und Propionsäure, die unter anderem die Zellen der Darmwand nähren. Über die Darmschleimhaut ins Blut aufgenommen, bekämpfen sie im ganzen Körper Entzündungen, ja sie schützen sogar die Blut-Hirn-Schranke. NMN schützt vor Demenz Wie sich die Darmflora zusammensetzt, wirkt sich über die sogenannte „Darm-Hirn-Achse“ – die Verbindung, die beide Organe neuronal vernetzt – auf das zentrale Nervensystem aus. Zumindest im Tierversuch zeigte sich bereits, dass nach NMN-Gaben mehrere Anzeichen von Alzheimer im Gehirn deutlich zurückgingen: weniger Entzündungen, eine verbesserte Funktion der Mitochondrien, eine effizientere Signalübertragung zwischen Nervenzellen, ein geringerer kognitiver Leistungsabfall. NAD-Booster als medizinische Universalwaffe Auf Sinclairs Homepage findet sich eine Grafik, die veranschaulicht, wie viel der Popstar der Longevity-Forschung mittels NAD-Boostern über die genannten Anwendungen hinaus für erreichbar hält: Mittels NAD-Gaben ließe sich die Leber dazu bringen, Fettsäuren besser abzubauen. Das Endothel, die Zellschicht an der Innenseite der Blut- und Lymphgefäße, könnte optimiert werden, wie auch die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse und die Lipogenese in Fettgewebe. Herz und Nieren bekämen mehr Schutz. Verjüngte Fortpflanzungsorgane könnten die Phase der Fruchtbarkeit verlängern oder zurückbringen. Mitochondriale Funktionen könnten angekurbelt, Zellen verjüngt, das Immunsystem gestärkt, Krebs verhindert werden; Nerven könnten regenerieren, Wunden schneller heilen, Entzündungen rascher abklingen. Was auch immer in unserem Körper zunehmend schlechter funktioniert – die Ursache scheint zumeist ein und dieselbe: das Altern. Für Sinclair steht fest: Es gibt kein ärgeres gesundheitliches Risiko, als den zeitlichen Abstand zur eigenen Geburt zu vergrößern. „Meine Mutter war Raucherin“, sagt er. „Das erhöhte ihr Krebsrisiko um das Fünffache. Aber: Durch das Altern von 20 auf 70 Jahre erhöhst du dein Krebsrisiko um das Tausendfache. Wir müssen das Altern selbst anvisieren.“ (6) Wer den Schlüssel dafür findet, altersbedingten Verfall aufzuhalten oder gar rückgängig zu machen, der hat nicht bloß die eine oder andere chronische Krankheit besiegt, sondern das chronische Kranksein an sich. Sobald dies möglich ist, muss es geschehen. Denn „jeder Mensch“, so lautet Sinclairs Credo, „hat das Recht auf die beste medizinische Versorgung und eine maximale Lebenserwartung”. Anscheinend frei von Nebenwirkungen Keine Wirkung ohne Nebenwirkung? Zumindest hinsichtlich NMN scheint vielmehr zu gelten: Keine Regel ohne Ausnahme. Weder im Tierversuch noch in Humanstudien kamen bisher irgendwelche schädlichen Effekte zum Vorschein – jedenfalls nicht bei den üblicherweise verabreichten Mengen zwischen 250 und 900 Milligramm pro Tag. (David Sinclair bevorzugt für sich persönlich 1000 mg.) Bei Ratten traten Unverträglichkeitsreaktionen erst bei enorm hoher NMN-Zufuhr von 2000 Milligramm pro Kilo Körpergewicht auf: Dann fraßen sie weniger und verloren an Gewicht. Nach einem gängigen Umrechnungsverfahren, um die „humane Äquivalenzdosis“ (HED) zu ermitteln, entsprechen 2000 mg pro Kilo Rattenkörper 323 mg/kg menschliches Körpergewicht. Wer von uns 60 Kilo auf die Waage bringt, könnte demnach bedenkenlos bis zu 19.380 mg NMN pro Tag zu sich nehmen. In den erwähnten Studien lagen die wirksamen Dosierungen aber um ein Vielfaches niedriger. Was ist von den im Internet kursierenden Gerüchten zu halten, NMN erhöhe das Krebsrisiko? Keine Studie hat dies bisher belegt, im Gegenteil: Weil NMN bzw. das daraus gebildete NAD+ daran mitwirkt, DNA-Schäden zu beheben, beseitigt es zugleich eine wesentliche Ursache für die Entstehung von Krebs. Bei bereits erkrankten Tieren zeigte sich, dass NMN-Gaben das Tumorwachstum keineswegs fördern, sondern eher hemmen. Denn sie aktivieren natürliche Killerzellen. Warum nicht auf natürlichem Weg? Wenn wir in jüngeren Jahren unseren NMN-Bedarf weitgehend übers Essen decken: Könnte nicht eine konsequente Ernährungsumstellung genügen, wenn wir älter werden? Warum nehmen wir dann nicht einfach mehr Lebensmittel zu uns, die NMN enthalten – oder Vitamin B3 bzw. Aminosäure Tryptophan, woraus unser Körper anschließend NMN und NAD bilden kann? Ergiebige Quellen für Vitamin B3 sind Mungobohnen, Erdnüsse, Pilze, Hülsenfrüchte und Kartoffeln, Eier, Innereien, Fische wie Sardelle, Thunfisch, Lachs und Makrele. (7) NMN kommt besonders reichlich vor in Edamame, einer japanischen Sojabohne (bis 1,88 mg pro 100 Gramm), aber auch in Avocados (bis 1,60 mg), Brokkoli (bis 1,12 mg), Kohl (bis 0,9 mg), rohem Rindfleisch (bis 0,42 mg) und Tomaten (bis 0,3 mg). Täglich etwas davon auf den Teller zu bekommen, und das in üppigen Mengen, ist freilich nicht jedermanns Sache. Zudem deutet experimentell bisher nichts darauf hin, dass es Nachteile bringt, stattdessen NMN als Nahrungsergänzungsmittel zu sich zu nehmen. Ein kulinarischer Genuss ist damit allerdings nicht verbunden: Handelsübliches NMN ist ein feines, schneeweißes, nahezu geschmackfreies Pulver, das sich im Mund wie Haushaltsmehl anfühlt. Hervorragend bioverfügbar Was fängt unser Körper mit zugeführtem NMN an? Inwieweit kann er es überhaupt verwerten? Scheidet er es womöglich umgehend wieder aus – wie etwa das neuerdings gehypte Spermidin, ein Botenstoff, der als hervorragendes Anti-Aging-Mittel gilt. “Man kann es zwar einnehmen, aber es kommt gar nicht im Körper an”, wie eine Studie der Uni Lübeck nahelegt. Aber auch diese Bedenken scheinen zumindest bei isoliertem NMN unbegründet. Als Nahrungsergänzungsmittel geschluckt, wird es vom Darm binnen weniger Minuten aufgenommen und gelangt in den Blutkreislauf. In Tierversuchen zeigten sich schon nach 10 bis 30 Minuten erhöhte NMN-Gehalte im Gewebe. Nach nur einer Stunde war der NAD-Gehalt angestiegen. (8) Bei gesunden Menschen zwischen 20 und 65 Jahren ergab eine japanische Studie: Wer täglich 250 mg NMN zu sich nimmt, erhöht seinen NAD-Spiegel um stattliche 40 %. Sobald er das Präparat absetzt, kehren die Blutwerte wieder zum Ausgangspunkt zurück. Wie sollte man es einnehmen? Sinclair empfiehlt, es nicht sofort herunterzuschlucken, sondern ein, zwei Minuten lang unter der Zunge zu belassen. Dann kann bereits die Schleimhaut im Mundraum es teilweise aufnehmen und dem Blutkreislauf zuführen. Happiger Preis Zertifiziertes, durch akkreditierte Analyse-Labore laufend getestetes NMN in bester Qualität – mit einem Reinheitsgrad über 99 % - gibt es leider nicht in der Schnäppchenhalle. Bei einem vielgelobten Online-Händler, Age-Science, kosten 100 Gramm happige 129 Euro, inklusive Versand und Mehrwertsteuer. (Die kleinste Beutelgröße, mit 12,5 Gramm NMN-Pulver, war im November 2023 dort für 30 Euro zu haben.) Kühl und ungeöffnet gelagert, ist es mindestens zwei Jahre haltbar. Wer es deutlich billiger haben will, geht ins unkalkulierbare Risiko. Es häufen sich Klagen, dass Lieferanten aus Übersee und Billigstheimer ihr angeblich “reines” NMN mit Ascorbinsäure, Milchpulver oder sonstwie strecken. Im Herbst 2021 wurden in den USA 22 verschiedene Anbieter getestet – mit niederschmetterndem Ergebnis: Fast zwei Drittel boten kein echtes oder nur minderwertiges NMN an. Zum Abmessen verwendet man am besten eine Milligramm-Waage. Im Online-Handel sind Laborwaagen schon ab 15 Euro zu haben. Erst besinnen, dann kaufen Rund um den Globus erreichen Menschen bei guter Gesundheit, frei von allen gefürchteten Zivilisationskrankheiten, fit und vital ein geradezu biblisches Alter – ganz ohne NMN und sonstige angesagten Anti-Aging-Produkte. Anstatt schnurstracks in jeden vermeintlichen pharmazeutischen Jungbrunnen zu hüpfen, täten wir gut daran, dem Geheimnis der “Centenarians” nachzuspüren, der putzmunteren Hundertjährigen. (9) Es ist ebenso unoriginell wie zeitlos wahr: weniger und vollwertig essen, ausreichend reines Wasser ertrinken, an frischer Luft körperlich aktiv sein, gut schlafen, Genussgifte meiden, Stress abbauen, eingebunden sein in stabile soziale Netze, befasst mit einer Aufgabe, erfüllt von einem Sinn. (Siehe KLARTEXT: “Selbst Methusalems pfeifen auf Corona”.) All dies berücksichtigt David Sinclair durchaus, anstatt sich bloß ein ausgeklügeltes Pillengemisch einzuflößen, von dem noch längst nicht zweifelsfrei bewiesen ist, dass es das Leben wirklich bei jedem wohltuend verlängert, der keine Maus ist. (Neben NMN schluckt er immer nach dem Aufstehen auch ein Gramm Resveratrol - den mutmaßlichen Anti-Aging-Bestandteil von Rotwein - sowie ein Gramm Metformin, ein Diabetesmittel, das Studien zufolge auch gegen Demenz, Krebs und Herzerkrankungen wirkt.) (10) Er fastet regelmäßig, isst eher zuwenig als zuviel, verzehrt viel Gemüse und nur selten rotes Fleisch, lässt die Finger von Fertiggerichten. Zumeist lässt er die Mittagsmahlzeit ausfallen. Zucker und Kohlenhydrate meidet er. Er supplementiert Vitamin D und K2; zur Blutverdünnung verabreicht er sich jeden Abend 83 mg Aspirin. Er trinkt reichlich grünen Tee. Er raucht nicht. Für Sport fehlt ihm zwar meistens die Zeit – aber er lässt keine Treppe aus; am Wochenende trainiert er im Fitnessstudio und schwitzt in einer Sauna, bevor er in eiskaltes Wasserbecken steigt. Nicht nur nachts beim Schlafen, auch tagsüber ist er bemüht, sich in einer kühlen Umgebung aufzuhalten. Alle paar Monate lässt er sich Blut abnehmen, um Dutzende von Biomarkern zu checken; sind die Werte nicht optimal, so korrigiert er sie mittels Ernährungsumstellung und Sport. (11) Er ist stolzer Vater dreier Kinder, hat einen großen Freundeskreis und Charlie, einen verhätschelten Pudelmischling. Er genießt höchste Anerkennung in seinem beruflichen Umfeld. Nicht nur als Wissenschaftler, auch als Geschäftsmann brilliert er: Im Jahr 2008 verkaufte Sinclair seine Firma Sirtris Pharmaceuticals für sage und schreibe 720 Millionen US-Dollar an den Pharmariesen GlaxoSmithKline (12); bis heute leitet er fünf weitere selbstgegründete Biotech-Unternehmen. Er ist erfüllt von einer Arbeit, mit der er Bedeutsames, ja Bahnbrechendes leistet. Ewig jung bleibt man mit alledem gewiss nicht. Aber womöglich bis zuletzt wohlauf. Wie erstrebenswert wäre der wissenschaftliche Sieg über einen Tod, der einem solch erfüllten Leben ein sinnvolles Ende setzen könnte? (Harald Wiesendanger) Anmerkungen 1 Siehe David A. Sinclair: Das Ende des Alterns. Die revolutionäre Medizin von morgen, Köln 2019. 2 X. Zhu u.a.: „Nicotinamide mononucleotides alleviated neurological impairment via anti-neuroinflammation in traumatic brain injury. International Journal of Medical Sciences 2023;20(3):307-317, https://www.researchgate.net/publication/367969386_Nicotinamide_mononucleotides_alleviated_neurological_impairment_via_anti-neuroinflammation_in_traumatic_brain_injury; X. Zhao u.a.: „Nicotinamide mononucleotide improves the Alzheimer's disease by regulating intestinal microbiota“, Biochemical and Biophysical Research Communications 2023;670:27-35, https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0006291X23006538) 3 Das Ende des Alterns, a.a.O., S. 197. 4 T. Yamane u.a.: „Nicotinamide mononucleotide (NMN) intake increases plasma NMN and insulin levels in healthy subjects“ Clinical Nutrition ESPEN. 2023;56:83-86, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2405457723001249; M. Yoshino u.a.: „Nicotinamide mononucleotide increases muscle insulin sensitivity in prediabetic women“ Science. 2021;372(6547):1224-1229, https://www.science.org/doi/10.1126/science.abe9985 5 P. Huang u.a.: „NMN Maintains Intestinal Homeostasis by Regulating the Gut Microbiota“, Frontiers in Nutrition 2021;8:714604. https://www.readcube.com/articles/10.3389/fnut.2021.714604; 26: Huang P, Wang X, Wang S, et al. Treatment of inflammatory bowel disease: Potential effect of NMN on intestinal barrier and gut microbiota“, Current Research in Food Science 2022;5:1403-1411, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2665927122001289?via%3Dihub 6 Zit. nach Nach SZ-Magazin Heft 37/12.9.2019: “Für immer jung!”, https://sz-magazin.sueddeutsche.de/gesundheit/david-sinclair-harvard-alter-forschung-jung-bleiben-87755?reduced=true, leider nur hinter einer Bezahlschranke. 7 M. Hrubša u.a.: „Biological Properties of Vitamins of the B-Complex, Part 1: Vitamins B1, B2, B3, and B5“, Nutrients 2022;14(3):484, https://www.mdpi.com/2072-6643/14/3/484; siehe auch https://www.gesundheit.gv.at/leben/ernaehrung/vitamine-mineralstoffe/wasserloesliche-vitamine/niacin.html#wo-ist-niacin-enthalten 8 K. F. Mills u.a.: „Long-Term Administration of Nicotinamide Mononucleotide Mitigates Age-Associated Physiological Decline in Mice“, Cell Metabolism 2016;24(6):795-806, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28068222/ ; J. Yoshino u.a.:N“icotinamide mononucleotide, a key NAD(+) intermediate, treats the pathophysiology of diet- and age-induced diabetes in mice“, Cell Metabolism 2011;14(4):528-536, https://profiles.wustl.edu/en/publications/nicotinamide-mononucleotide-a-key-nad-supsup-intermediate-treats- 9 https://www.spiegel.de/fotostrecke/langes-leben-hundertjaehrige-verraten-ihr-geheimnis-fotostrecke-143844.html; https://www.focus.de/gesundheit/longevity/langes-leben-das-steckt-hinter-dem-geheimnis-der-100-jaehrigen_id_193860574.html 10 Nach SZ-Magazin Heft 37/12.9.2019: “Für immer jung!”, a.a.O., https://sz-magazin.sueddeutsche.de/gesundheit/david-sinclair-harvard-alter-forschung-jung-bleiben-87755?reduced=true Siehe auch https://fastlifehacks.com/david-sinclair-supplements/ 11 Näheres über Sinclairs persönliches Gesundheitsprogramm in Das Ende des Alterns, a.a.O., S. 401. 12 Kate Holdsworth: Cosmos Bright Sparks: Australia’s top 10 young minds (Memento vom 26. Dezember 2013 im Internet Archive), Cosmos, 26. Juli 2006 Titelbild: Freepik. Porträtfoto Sinclair: Von Editor5627 - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=128703620 P.S.: Den allgemeinen Haftungsausschluss unterstreiche ich bei diesem Artikel. Verfasst habe ich ihn auf der Grundlage von Studien, die zur Zeit der Veröffentlichung aktuell waren. Er dient aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede medizinische Maßnahme, um die es in diesem oder einem anderen Artikel meines Blogs geht, immer zuerst mit dem Arzt Ihres Vertrauens.

  • Dieser Tsunami wird BILLIONEN kosten

    Ein Tsunami von Autismusfällen bricht über die westliche Welt herein. Während er der Gesundheitswirtschaft rosige Wachstumsaussichten beschert, wird er die Gesellschaft unfassbar teuer zu stehen kommen: Die Ausgaben für medizinische Versorgung, Betreuung und Folgekosten könnten bis 2060 auf 5,5 Billionen Dollar pro Jahr ansteigen – allein in den USA, wie eine neue Studie vorrechnet. Wird die Katastrophe herbeigeimpft? Um ungefähr ein Jahrzehnt, so heißt es, sei Amerikas Entwicklung der übrigen Welt voraus. Soweit diese Vorreiterrolle im Gesundheitswesen ebenso gilt wie für soziale und kulturelle Trends, wird auch auf Deutschland und das restliche Europa zukommen, worin immer mehr Fachleute in den Vereinigten Staaten eine nahe Katastrophe ohnegleichen sehen: Die Zahl der Autismusfälle explodiert geradezu. Bis in die sechziger Jahre hinein war die Krankheit so gut wie unbekannt. Noch Anfang der Siebziger betraf sie in den USA erst eines von 10.000 Kindern, Ende der achtziger Jahre eines unter 2000. Als das Autism and Developmental Disabilities Monitoring Network (ADDM)  - eine Einrichtung der CDC, der behördlichen “Zentren für Krankheitskontrolle und –prävention” – im Jahr 2000 damit begannen, entsprechende Daten zu erheben, wurde bei einem von 250 Kindern eine “Autismus-Spektrum-Störung” diagnostiziert. Bis 2021 stieg die Rate auf 1 von 44; bei 2,27 % der US-amerikanischen Achtjährigen lag Autismus vor. Die jüngste Statistikbericht von 2023 stellt fest: Schon 1 von 36 Achtjährigen, 2,8 %, sind betroffen. Allein rund um die Metropole New York haben die Diagnosen seit der Jahrtausendwende um 500 % zugenommen. Dieser haarsträubende Anstieg dürfte sich fortsetzen, so prognostizieren die US-Forscher Mark Blaxill, Cynthia Nevison und Toby Rogers in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift Science, Public Health Policy and the Law in einem peer-geprüften Artikel. Sein Titel spricht für sich: “Autism Tsunami: The Impact of Rising Prevalence on the Societal Cost of Autism in the United States”. Die drei Wissenschaftler erwarten, dass sich der aktuelle Horrortrend mittelfristig fortsetzt: 2024 wird die Autismusrate 6 % erreichen. Bis zum Jahr 2032 wird sie 7 % überschreiten. Auch danach wird sie voraussichtlich weiter ansteigen, wenn auch langsamer. Schlimmstenfalls könnte im Jahr 2060 jeder Zehnte ein Autist sein. (1) “Es droht ein Gesundheitsnotstand.” Welche Kosten entstehen daraus? Dabei geht es nicht nur um die medizinische Versorgung, sei es stationär in psychiatrischen, psychosomatischen und Rehabilitationszentren, sei es in Ambulanzen und Tageskliniken, sei es in Praxen von Ärzten und Psychotherapeuten, Logopäden, Physio- und Beschäftigungstherapeuten, sei es für Pflegedienste, sei es für Medikamente. Zu berücksichtigen gilt es darüber hinaus Ausgaben für Frühförderung, für Sonderschulen, auch Produktivitätsverluste seitens der zumeist erheblich beanspruchten Eltern. Werden autistische Kinder erwachsen, so kommen Faktoren wie Heimunterbringung und eigene Produktivitätsverluste hinzu. Sterben die Eltern, die zuvor einen Großteil der Pflege finanziert haben, so verlagern sich die Kosten auf den Staat. Geschieht nichts, um den Autismus-Tsunami aufzuhalten, so werden allein in den Vereinigten Staaten die gesellschaftlichen Kosten der Autismus-Spektrum-Störung bis zum Jahr 2030 auf 589 Milliarden Dollar ansteigen, bis 2040 auf 1,36 Billionen Dollar, bis 2060 auf 5,54 Billionen Dollar, schlimmstenfalls 7 Billionen – jeweils pro Jahr. Neben diesem “Basisszenario”, das von der Fortsetzung gegenwärtiger Trends ausgeht, rechnet die Forschergruppe allerdings auch ein “Präventionsszenario” durch; es geht davon aus, dass Gegenmaßnahmen möglich sind und ergriffen werden, um die Ursachen von Autismus einzudämmen. Doch selbst in diesem Fall würden die Gesamtkosten bis 2060 auf 3,7 plus/minus 0,8 Billionen Dollar pro Jahr anwachsen. Denn die enorme Anzahl von Autisten, die in den jüngsten Jahrzehnten geboren wurden, werden auch die effektivsten Maßnahmen nicht schlagartig verschwinden lassen; die demografische Dynamik dieser Bevölkerungsgruppe gilt es mitzuberücksichtigen. Weltweiter Albtraum In Deutschland könnte inzwischen mindestens ein Prozent der Bevölkerung betroffen sein. Das wären Hunderttausende. Pro Fall entstehen hierzulande derzeit Kosten von durchschnittlich 3287 Euro pro Jahr, wie eine Studie der Uni Bremen schätzt. Das entspräche einer Gesamtbelastung von 2,6 Milliarden Euro, womit die Bundesrepublik vorerst noch weitaus glimpflicher davonkäme als die Vereinigten Staaten. Und international? “Ungefähr seit dem Jahr 2000 ist weltweit eine steigende Prävalenz von Autismus-Spektrum-Störungen zu verzeichnen, von vormals Promille- und heute Prozentbereich", erklärt Sven Bölte, Leiter des Zentrums für Neuroentwicklungsstörungen und der Abteilung für Neuropsychiatrie am Karolinska-Institut in Stockholm. "Dabei gibt es teils große Unterschiede beim Tempo in den verschiedenen Regionen, aber es ist ein internationales Phänomen". Weltweit, so der Wissenschaftler, liege die Rate mittlerweile bei etwa ein bis drei Prozent. Nicht auszudenken, was aus der Menschheit nicht nur in finanzieller Hinsicht würde, falls sich der Planet früher oder später amerikanischen Verhältnissen annähert. “Ohne Interventionen, um die Prävalenzraten zu verlangsamen, wird die Zahl der Betroffenen so schnell wachsen, dass das System zusammenbricht”, erwartet Blaxill. Was tun? Was für Maßnahmen könnten den Tsunami eindämmen? Gentechnik, womöglich schon pränatal? Genetische Faktoren scheinen bei Autismus in der Tat mitzuspielen: Unter Achtjährigen sind in den USA 4 % der Jungen betroffen, aber nur 1 % der Mädchen. Doch allein Veränderungen im Erbgut erklären den Fall-Tsunami schwerlich – denn dieser begann erst seit den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts dramatisch anzuschwellen. Was setzte just zu jener Zeit ein? Immer mehr Schwangere griffen arglos zu gefährlichen Medikamenten, die ihnen Ärzte pharmagesteuert verordneten. Wie mehrere Studien belegen, erhöhen werdende Mütter, wenn sie Paracetamol einnehmen, das Autismusrisiko ihres Nachwuchses um bis zu 214 % (2) - und noch mehr, wenn sie es Babies und Kleinkindern verabreichen. Schwangere, die Antidepressiva schlucken, verdoppeln damit das Autismusrisiko ihres ungeborenen Kinds, wie die Universität von Montreal herausfand, als sie Daten von über 145.000 Frauen analysierte. (3) Auch mit Asthmamitteln und Antiepileptika gefährden sie ihr Ungeborenes. Selbst Medikamentenreste im Trinkwasser stehen in begründetem Verdacht, Autismus zu fördern. Auch Umweltgifte tragen zu Autismus bei. Dazu zählen Blei, Arsen und Kupfer, sogar in der Babynahrung, wie auch Phthalate, die häufig als Weichmacher in Polyvinylchlorid (PVC) und anderen Kunststoffen stecken, etwa in Bodenbelägen, Kinderspielzeug und Gummiprodukten. (4) Wird die Katastrophe herbeigeimpft? Blaxill, Nevison und Rogers erachten einen anderen Tsunami-Auslöser allerdings für noch viel schwerwiegender: ausufernde Impfkampagnen. Seit 2021 erhalten US-amerikanische Kinder 72 Impfstoffdosen, über 250 weitere sind in Vorbereitung. Bis heute stecken in Vakzinen Aluminium und Quecksilber, sei es als Wirkverstärker, als Konservierungsmittel oder als Verunreinigung aus dem Herstellungsprozess. Sie richten Gehirnschäden an. Im Hirngewebe von Autisten stellte eine Studie einen konstant erhöhten Aluminiumgehalt fest. (Siehe den tragischen Fall von Sawyer im KLARTEXT “Damit sein Tod nicht sinnlos war”.) Allein schon “der Aluminiumgehalt von Kinderimpfstoffen ist absurd hoch”, konstatiert Christopher Exley, Professor für Biochemie, in seinem Buch Imagine You Are an Aluminum Atom (2020). Dass Vakzine zurecht hauptverdächtig sind, verrät ein bemerkenswertes statistisches Detail: Während die Autismusraten für alle US-Kinder, die zwischen 1993 und 2000 zur Welt gekommen waren, stetig anstiegen, sind unter jüngeren Jahrgängen vor allem Kinder von ethnischen Minderheiten – Schwarze, Hispanics, Einwanderer aus dem asiatisch-pazifischen Raum – und von einkommensschwachen Eltern betroffen. Hingegen zeigt sich zumindest bei einer Bevölkerungsgruppe neuerdings erfreulicherweise ein gegenläufiger Trend: nämlich bei weißen Familien aus wohlhabenden Wohngegenden. Dort stagnieren die Raten, teilweise gehen sie sogar zurück. Warum? Vermutlich nahmen diese Familien Veränderungen vor, die das Autismusrisiko ihres Nachwuchses senkten: Sie vermieden Arznei- und Genussmittel während der Schwangerschaft, schützten ihre Kinder vor Umweltgiften, ließen seltener, später oder gar nicht impfen. Nur vereinzelt trauen sich Ärzte, die fatale Rolle der Vakzine öffentlich anzuprangern – wohlwissend, dass sie damit ihre Zulassung aufs Spiel setzen. Wie der pädiatrische Neurologe Dr. Andrew Zimmerman schätzt, haben 20 bis 30 % seiner Patienten aufgrund von Impfungen Autismus entwickelt. Nach Beobachtungen der Kinderärztin Dr. Elizabeth Mumper, Präsidentin des auf Autismus ausgerichteten Rimland Center For Integrative Medicine, liegt der Anteil bei 40 bis 45 %. Die gleiche Quote fand der Kinderarzt Dr. Douglas Hulstedt bei 150 Autismusfällen, mit denen er seit dem Jahr 2000 in seiner Praxis nach Impfungen tun bekam. Sogar von 80 bis 90 % geht Dr. Stephanie Cave aus, eine Hausärztin aus Louisiana, die 8000 Autismusfälle gesehen hat. Autismus-Industrie lässt die traurige Wahrheit zensieren Ihren brisanten Artikel über den “Autismus-Tsunami” hatten Blaxill, Nevison und Rogers schon 2021 veröffentlicht, damals im Journal of Autism and Developmental Disorders (JADD). Doch knapp zwei Jahre später machten Verlag und Herausgeber die Veröffentlichung rückgängig, wegen “Bedenken” aufgrund nicht offengelegter “nichtfinanzieller Interessen”. Und welche “Voreingenommenheit” wäre das? Die Impfskepsis der Autoren. "Dieser feige Akt der Zensur durch das JADD und den Verlag“, kommentiert Tony Rogers, „ist ein verblüffendes Schuldeingeständnis der Mainstream-Torwächter. Sie können einfach kein Gespräch über die Fakten führen, weil sie wissen, dass sie verlieren werden. Zensur ist alles, was ihnen bleibt." Dieser Meinungsterror wird weitergehen und zunehmen. „Das größte Hindernis bei der Bewältigung dieser Krise“, so erklärte Rogers gegenüber dem Online-Magazin The Defender, „ist nicht nur Big Pharma. Es ist eine ganze Autismus-Industrie entstanden, zu der auch Forscher, gemeinnützige Organisationen, akademische Fachzeitschriften und mehr gehören. Di ese Industrie ist mehr als eine Billion Dollar wert, und sie will keine Gespräche über die Ursachen oder die Prävention führen - sondern an der Krankheit verdienen." (Harald Wiesendanger) P.S.: Näheres zu diesem Thema in den KLARTEXT-Beiträgen „Autismus-Seuche – Big Pharma frohlockt“ und „Lästige Kurve – Echte Autismusforschung stört Geschäftsinteressen“. Anmerkungen (1)   Siehe https://www.publichealthpolicyjournal.com/_files/ugd/adf864_231644ca239249dc9ac579b5d332d872.pdf, S. 238. (2)   https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31664451/, siehe auch https://www.zentrum-der-gesundheit.de/bibliothek/medikamente/nebenwirkungen-medikamente/autismus-paracetamol-schwangerschaft (3)   (https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2016/daz-4-2016/autismus-durch-antidepressiva; https://www.zentrum-der-gesundheit.de/krankheiten/weitere-erkrankungen/autismus-uebersicht/autismus-antidepressiva (4)   Neurotoxikologie 30 (5) September 2009, S. 822–831, https://translate.google.com/website?sl=en&tl=de&hl=en&u=https://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/eutils/elink.fcgi?dbfrom%3Dpubmed%26retmode%3Dref%26cmd%3Dprlinks%26id%3D19822263 Titelbild: Collage aus zwei Illustrationen von vecstock bei Freepik

  • Für eine weise Psycho-Politik

    Nie stand es um die psychische Volksgesundheit schlechter als heute. Warum sollten begabte Laienhelfer nicht dazu beitragen dürfen, den Notstand zu lindern? Dagegen hat der Rechtsstaat irrationale Barrieren errichtet, die Standesinteressen über Gemeinwohl stellen. Es wird Zeit für mehr Pragmatismus statt Lobbyismus. Nirgendwo scheint das irdische Jammertal tiefer als zwischen Flensburg und Passau. 69 % aller erwachsenen Deutschen sind “unruhig und aufgewühlt”, 69 % “können nicht mehr richtig abschalten”, 67 % “fühlen sich niedergeschlagen”, wie der Versicherer AXA für seinen Mental Health Report 2023 mittels einer Repräsentativumfrage unter 2000 Personen zwischen 18 und 74 Jahren herausfand. (1) Ferner geben 58 % an, dass sie sich “über nichts mehr freuen können”. 49 % haben “keine positiven Gefühle mehr”. 44 % verspüren “ohne erkennbaren Grund Angst”. Auf einer Skala von 0 bis 10 schätzen sie ihr persönliches Stresslevel im Schnitt auf 5,5, junge Erwachsene sogar auf 6,7. “Mitten in einer Mental-Health-Pandemie” Je bedrückter das Gemüt, desto eher entwickelt es, was Fachleute “psychische Störung” nennen. Zumindest in dieser Hinsicht zählt Deutschland weiterhin zur Weltspitze, wie Statistiken übereinstimmend belegen: Mit rasant steigenden Wachstumsraten strebt es hierbei immer neuen Allzeithochs entgegen. Inzwischen soll jedes Jahr schon rund ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung von einer psychischen Erkrankung betroffen sein - die Angaben schwanken zwischen 28 und 32 % -, allen voran Ängste, Depressionen, Anpassungsstörungen und Süchte. (2) Neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bösartigen Tumoren und Muskel-Skelett-Erkrankungen zählen sie zu den vier Hauptursachen für den Verlust gesunder Lebensjahre. „Menschen mit psychischen Erkrankungen”, so konstatiert die Deutsche Gesellschaft für Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), “haben zudem im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine um zehn Jahre verringerte Lebenserwartung“. (3) „Wir befinden uns mitten in einer Mental-Health-Pandemie, deren Auswirkungen erst nach und nach sichtbar werden“,  erklärt Prof. Dr. med. Christoph Correll, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie für Kinder und Jugendliche an der Berliner Charité. In bestürzendem Maße betrifft diese Pandemie schon junge Menschen. Bei 10- bis 17-Jährigen sind psychische Erkrankungen inzwischen der häufigste Grund für stationäre Krankenhausbehandlungen. Unter 15- bis 24-Jährigen werden sie jeden Fünften diagnostiziert. In der Arbeitswelt macht sich die Psycho-Seuche immer deutlicher bemerkbar. Zwei von drei Arbeitnehmern in Deutschland fühlen sich mittlerweile aufgrund psychischer Belastungen in ihrem Job eingeschränkt - 29 Prozent andauernd oder oft, weitere 34 Prozent zumindest manchmal. (4) Jedem fünften Berufstätigen ist schon einmal eine Depression diagnostiziert worden; weitere 19 % vermuten, schon einmal davon betroffen gewesen zu sein. (5) Rund 16 % aller Fehltage gehen auf psychische Erkrankungen zurück. Innerhalb eines Jahrzehnts, zwischen 2012 und 2022, stiegen sie um 48 %. (6) Die Fehlzeiten von Betroffenen am Arbeitsplatz summierten sich schon 2012 auf 60 Millionen Tage - ein Anstieg um über 60 Prozent innerhalb eines Jahrzehnts. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Krankheitstage wegen seelischer Nöte verdreifacht; seit Anfang der sechziger Jahre verfünffachte sie sich, ihr Anteil an sämtlichen Fällen von Arbeitsunfähigkeit liegt seither sieben Mal höher. Allein im ersten Halbjahr 2023 sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen um 85% gestiegen, die Anzahl der psychisch bedingten AU-Fälle um 32%. Während Seelenleiden noch vor drei Jahrzehnten statistisch kaum ins Gewicht fielen, bilden sie heute unter Frauen die häufigste Diagnosegruppe bei Krankschreibung und Arbeitsunfähigkeit, unter Männern die zweithäufigste, hinter Muskel-Skelett-Erkrankungen. (7) Diese Entwicklung ist umso besorgniserregender, als psychisch bedingte Krankheitsfälle mit durchschnittlich 39 Tagen dreimal länger andauern als andere (13 Tage). Bei Angststörungen sind es mehr als 43 Tage; bei Depressionen über 25. (8) Darüber hinaus sind psychische Störungen inzwischen der häufigste Grund, krankheitsbedingt in Frührente zu gehen: Seit Anfang der neunziger Jahre stieg der Anteil der Personen, die wegen eines seelischen Leidens vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden, von 14,5 auf 41,9 Prozent. (9). Dabei sind sie durchschnittlich erst 49 Jahre alt. (10) Haarsträubende Kostenfalle Die Bundesregierung geht mittlerweile davon aus, dass psychische Erkrankungen unsere Volkswirtschaft mit insgesamt 99,6 Milliarden Euro pro Jahr belasten. (11) Dazu rechnet sie einerseits die direkten Kosten für Behandlung, Vorsorge, Wiedereingliederung, Pflege sowie den Verwaltungsaufwand der Krankenkassen (28,6 Mrd. Euro) – und diese dürften sich bis zum Jahr 2030 mindestens verdoppeln. (12) Hinzu kommen indirekte Kosten aufgrund von Arbeitsunfähigkeit und dem dadurch bedingten Produktionsausfall (26 Mrd. Euro) sowie entgangener Bruttowertschöpfung in Höhe von weiteren 45 Mrd. Euro. (13) Europaweit gehen dadurch nach EU-Schätzungen drei bis vier Prozent des Bruttosozialproduktes verloren; allein Psychosen wie Schizophrenie belasten mit jährlich 207 Milliarden Euro die Gesundheitssysteme Europas. (14) Weltweit, so die düstere Prophezeiung von Wissenschaftlern, werden die Gesamtkosten für psychische Erkrankungen von 2,5 Billionen US-Dollar 2010 auf sechs Billionen 2030 steigen. (15) Es sind Laien, die den Kollaps des Systems verhindern Diese alarmierenden Zahlen aus dem gesundheitsökonomischen Horrorkabinett lägen bestimmt noch um ein Vielfaches höher, wenn nicht an allen Ecken und Enden der Republik ungesetzlicherweise Psychotherapie betrieben würde: durch unqualifizierte, titellose Bürger ohne Praxisräume, ärztliche Approbation, Psychologiediplom oder Heilpraktikerzulassung, die seelisch belasteten Mitmenschen mit Rat und Tat beistehen. Und das honorarfrei. Die Therapieorte, zugleich Trainingsstätten für Laienpsychologen, sind Kneipen und Friseursalons, Parkbänke und Spazierwege, Küchen und Wohnzimmer, Betten und Beichtstühle, Mensen und Kantinen, Busse und Zugabteile, Cafés und Kneipen. Es gibt sie überall, wo Menschen gelegentlich darüber reden, was sie bedrückt. Sind sie voneinander räumlich getrennt, finden Fernheilsitzungen oftmals über Telefon, Smartphones und Internet, über E-Mails und altmodische Briefe statt. Selbst in den USA suchen weiterhin 80 Prozent aller Menschen in Lebenskrisen zuallererst Hilfe bei Lebensgefährten, Freunden, Nachbarn, dem Hausarzt oder dem Pfarrer (16) - und das in einem Land, das als Hochburg professioneller Seelenhelfer gilt, in der man sich zumindest in Großstädten einen Therapeuten schon mit beinahe der gleichen Selbstverständlichkeit zulegt wie ein Haustier, eine Waffe oder ein Pay-TV-Abo, Einer Untersuchung Mitte der siebziger Jahre zufolge werden mehr als 95 Prozent aller psychischen Probleme ohne Fachleute therapiert. (17) Nach einer Schätzung Anfang der achtziger Jahre sind es Laien, die sich um 75 Prozent aller seelischen Erkrankungen kümmern. Nur jeder fünfte Betroffene geht lieber zum Arzt, nur jeder Zwanzigste in eine Klinik. (18) Psychotherapie war immer schon soziales Alltagsgeschehen, und das ist sie bis heute. Müssten Gesundheitspolitiker, zusatzmotiviert durch sparwillige Finanzminister und chronisch klamme Krankenversicherer, diese kostenfreie, flächendeckende Heilpraxis nicht geradezu euphorisch begrüßen? Sollten sie Forschungsergebnisse, die einhellig die annähernde Gleichwertigkeit laienhafter und berufsmäßiger Hilfestellung im psychischen Störungsfall belegen, nicht unverzüglich zum Anlass nehmen, Amateure in die Versorgung seelisch Belasteter intensivstmöglich einzubeziehen? Sänken die irrwitzigen Kosten, für die professionelle Honorarsätze sorgen, dadurch nicht gewaltig? Handlangerdienste für Standesinteressen Nichts dergleichen geschieht. Stattdessen bewerben sich Regierungsvertreter stets aufs neue eindrucksvoll um den Ehrenvorsitz der Interessenverbände, die ihnen mit Lobbyisten auf die Pelle rücken. Wie sonst haben wir jene unsägliche Aufklärungsbroschüre mit dem Titel „Seele aus der Balance“ aufzufassen, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung in zwei Auflagen 2010 und 2011 hunderttausendfach unters Volk brachte? „Wenn die Seele krank ist“, so wird deren Inhabern darin nachgefühlt, „fällt es vielen Menschen schwer zu entscheiden, an wen sie sich am besten wenden“. Gottlob weist ihnen die Bundesregierung den rechten Weg, in den sie huldvoll „Einblicke gewährt“: natürlich zu „anerkannten und rechtlich geschützten (…) Profis für die Seele: Psychotherapeuten, Psychiater, Psychologen, Psychoanalytiker“. (19) Keine Werbeagentur hätte auftragsgemäßere Worte gefunden. Und keiner hätte für genehmere Rechtsverhältnisse sorgen können. Seit 1999 gilt in Deutschland das Psychotherapeutengesetz (PTG). Mit ihm schreibt der Gesetzgeber für Psychotherapie bestimmte Grundberufe und Ausbildungsgänge vor – bar jeglicher wissenschaftlichen Grundlage, wie schon beim zuvor geltenden „Delegationsverfahren“, demgemäß ausschließlich Ärzte Psychotherapie durchführen durften, Psychologen erst aufgrund ärztlicher Überweisung und nur dann, wenn sie dafür eine Zulassung nach dem Heilpraktikergesetz erlangt hatten. (20) Warum schufen Parlamentarier eine solche Rechtslage, obwohl ihnen der neuere Forschungsstand schwerlich verborgen geblieben sein konnte? Sie taten es im Gefühl, Psychotherapie könne nicht einfach so, von Hinz und Kunz, drauflospraktiziert werden. Nein, sie müsse auf wissenschaftlicher Grundlage erfolgen. Folglich definiert das PTG „Psychotherapie“ als psychologische "Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert" mittels "wissenschaftlich anerkannter Verfahren". (21) Doch in diesem Sinne ist Psychotherapie: inexistent. Was ihre diplomierten Anwender selbstgefällig mit Hilfesuchenden anstellen, entbehrt sowohl des empirischen Fundaments als auch des versprochenen Mehrwerts. Die geschilderten Fakten sprechen für sich. Der Kult um den Profi Wenn „professionelle Seelenheilkunde“ insofern tatsächlich ein Märchen, der daraus abgeleitete Expertenstatus eine dreiste Anmaßung darstellt: Wie können Politik und Gesellschaft blind dafür sein? Die Ansicht, kranke Seelen seien bei Profis gut aufgehoben, ergibt sich aus der vielfach bewährten Überzeugung, man könne etwas besser, wenn man es von Berufs wegen tut, nachdem man darin ausgiebig unterrichtet und geprüft worden ist. Eine Brücke konstruieren, ein Gebäude errichten, ein Flugzeug steuern, einen Impfstoff entwickeln lassen wir aus triftigen Gründen nur ausgebildete Ingenieure, Architekten, Piloten und Pharmakologen. Professionalisierung, so scheint uns, garantiert höhere Effizienz, mehr Sicherheit und bessere Qualität. Der neuzeitliche Trend hierzu erfasste immer mehr Tätigkeitsbereiche, nach und nach bezog er nicht nur Handwerk, Forschung und Technik ein, sondern griff auf Dienstleistungen aller Art über. Inzwischen darf ohne Lizenz niemand mehr für seine Mitbürger gegen Entgelt backen oder kochen, sie frisieren, ihre Kinder unterrichten, ein Haus für sie bauen. Und insbesondere vom Gesundheitswesen sind Laien mittlerweile vollständig ausgesperrt. Vom Masseur über die Krankenschwester und den Altenpfleger bis zum Arzt: In der westlichen Medizin gibt es keine unbefugten Akteure mehr, jegliche heilungsbezogene Tätigkeit hat inzwischen alle fünf Stadien der Verberuflichung durchlaufen (22): 1. Aufgaben, die man bisher privat oder ehrenamtlich erledigte, werden aus dem sozialen Alltagsgeschehen herausgelöst und zum Kern einer dauerhaften Erwerbstätigkeit. 2. Das dafür erforderliche Wissen und Können vermitteln spezielle Unterrichtsstätten in einer längeren, festgelegten Ausbildung. Nur wer diese erfolgreich abschließt, darf die betreffende Tätigkeit ausüben. 3. Die Ausgebildeten schließen sich in Berufsverbänden zusammen, um ihre Interessen wirksam zu vertreten und zu schützen, insbesondere vor unqualifizierten Wettbewerbern. 4. Für die Berufsausübung entstehen Regeln, deren Einhal­tung Standesgerichte und Kammern überwachen. 5. Die Tätigkeit wird gesetzlich geregelt. Sie unerlaubt auszuüben, die Berufsbezeichnung unbefugt zu verwenden, wird zur Straftat. Sobald nur noch lizenzierte Heilberufler heilen dürfen, nutzt eine um sich greifende Furcht vor einer mutmaßlichen Epidemie ausschließlich ihnen. Je ärger die Seuche, desto willkommener. Denn ihnen allein gibt die gefühlte Bedrohung reichlich zu tun, nur sie sind berechtigt, sich darum zu kümmern. Je schlimmer die vermeintliche Gefahr, desto vordringlicher eine professionelle Abwehr. Also können Profis Sachzwänge beibringen, eine angebliche Unterbesetzung beklagen, eine zügige Erhöhung der Versorgungsdichte und mehr staatliche Mittel fordern. Und der Gesetzgeber spurt. Anstatt im Namen und zum Wohle seines angeblich psychopandemisch bedrohten Volkes zu entscheiden, macht er sich zum Handlanger von Interessengruppen. Ohne ihren Wissenschaftlichkeitsanspruch und ihre tatsächliche Leistung zu hinterfragen, überlässt er ihnen die Deutungshoheit über unsere seelische Gesundheit –und die Zuständigkeit für sie. Mustergültig führt das der Entscheidungsprozess vor Augen, den der Gesetzgeber im September 2014 für eine geplante Neufassung des Psychotherapeutengesetzes festlegte. (23) Wer sollte dabei gehört werden, wer durfte da alles zu Wort kommen, den Forschungsstand darlegen, Probleme aufzeigen, Bedenken vortragen oder entkräften, Vorschläge machen, mitreden und mitentscheiden? Jedenfalls keine Patienten, schon gar nicht Psychiatriegeschädigte und sonstige Therapieopfer; noch irgendwelche grundsätzlichen Kritiker der vorherrschenden Verhältnisse. Beteiligt wurden ausschließlich: die Bundespsychotherapeutenkammer, denn sie biete „die Gewähr für ausreichende Kenntnis der beruflichen Anforderungen in Theorie und Praxis“; außerdem die „Arbeitsgemeinschaft der Landeskammern der Psychologischen Psychotherapeut/innen sowie der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut/innen“. Sie weuden „ermächtigt, Empfehlungen festzulegen“. Dabei galt es als „erforderlich, die Expertise des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie (WBP) sowie der ‚Deutschen Gesellschaft für Psychologie zu berücksichtigen. (24) Was die Genannten ausheckten, sollte dann von den beiden Bundesministerien für Gesundheit bzw. Bildung und Forschung genehmigt und durch Erlass einer Rechtsverordnung verbindlich gemacht werden. Wem oblag es anschließend, „sowohl regelmäßig als auch anlassbezogen (…) zu überprüfen“, ob die Empfehlungen weiterhin gelten sollen oder „erforderliche Anpassungen vorzunehmen“ sind? Der Bundespsychotherapeutenkammer, wem sonst? Hier kommt ein weiteres Lehrstück über Expertokratie zur Aufführung: eine Regierungsform, die der Sozialpsychologe Harald Welzer treffend kennzeichnet als „eine Kombination aus Verwaltung und Sachverständigen, in der unentwegt irgendwelche Strategiepapiere mit mundgerechten Informationen darüber verfasst werden, was aus Expertensicht die Politiker wissen müssten. Das politische Gemeinwesen, das sind die Bürgerinnen und Bürger, ist bei diesem Prozess völlig außen vor. Das Verhängnisvolle daran ist, dass auf der technischen Ebene alle parlamentarischen Verkehrsformen eingehalten werden - aber zugleich die Planungsprozesse immanent undemokratisch sind. (…) Am Ende heißt es dann: Was wir entschieden haben, war alternativlos.“ (25) Expertengläubige Einheitsfront Gegen die Einheitsfront von wissenschaftsgläubigen Volksvertretern, wehrhaften Verbänden, gewieften Lobbyisten, Vertretern des akademischen Establishments und Abertausenden von professionellen Nutznießern der Ausgrenzungsstrategie, mitgetragen von einer expertenhörigen Öffentlichkeit, sind Kritiker machtlos. Noch so triftige, wohlbegründete Argumente verhindern nicht, dass unter dem Vorwand, Qualität zu sichern, den Verbraucher zu schützen und die Einhaltung wissenschaftlicher Standards sicherzustellen, der Gesundheitsmarkt zugunsten seiner finanziellen Hauptprofiteure abgeschottet, deren Pfründe gesichert werden. Deutschland und ein Großteil der 26 weiteren EU-Staaten haben die Ausübung von Psychotherapie mittlerweile gesetzlich geregelt, die übrigen dürften in Kürze folgen. Überall dort haben Laien nicht die geringste Chance mehr, als psychologische Berater oder Psychotherapeuten tätig zu werden – auch dann nicht, wenn sie nachweisbare Erfolge erzielen. Wegen immer häufigerer Wohnungseinbrüche, die eine überforderte Polizei weder verhindern noch aufklären kann, schlug Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) im Juni 2016 eine ungewöhnliche Gegenmaßnahme vor: Er regte an, problembewusste, engagierte Bürger – nämlich Polizeianwärter, die an der Aufnahmeprüfung gescheitert sind -, als gering bezahlte Schutzleute uniformiert in Wohnvierteln auf Streife zu schicken. Vorausgegangen waren vielversprechende Modellversuche zweier Bundes­länder; sie beschäftigen über 500 derartige Aufpasser, nachdem diese ein dreimonatiges Intensivtraining durchlaufen hatten. Die Erfahrungen damit waren prima. Müssten Gesetzeshüter nicht heilfroh darüber sein, derart entlastet zu werden? Mitnichten. Vielmehr regte sich prompt heftiger Widerspruch, am lautesten seitens der Standesvertretung der „richtigen“ Sicherheitskräfte, der Deutschen Polizeigewerkschaft. Aber auch Nordrhein-Westfalens Innenminister bemängelte, es sei „rückwärtsgewandt“, in „Amateure“ statt in „professionell ausgebildete“ zusätzliche Polizeibeamte zu investieren. Ebenso heftig unter Beschuss geriet, was das Bundesland Sachsen, um den Lehrermangel auszugleichen, berufserfahrenen Quereinsteigern anbot: ohne Lehramtsprüfung an Schulen zu unterrichten. (26) Jede Wette: Nicht minder vehement, und mit vergleichbaren Begründungen, würde jede Initiative abgewürgt, Laien in der psychotherapeutischen Versorgung einzusetzen. Mir fällt ein einziger triftiger Sachgrund ein, der dagegen spräche: Betroffene empfänden Laienhelfer nicht als „echt“. Dass Uni-Diplom und staatliche Anerkennung fehlen, nähmen sie als Beweis dafür, dass da keine „richtige“ Therapie stattfinden kann. Demselben Denkfehler erliegt der Gesetzgeber. Statt berufsständische Abgrenzung zu zementieren, müsste verantwortungsvolle Gesundheitspolitik darauf aus sein, Mauern einzureißen, Türen zu öffnen, Könner jeglicher Herkunft zusammenzuführen. Viele Laien, aber auch Nichtmediziner wie Sozialarbeiter, Lehrer und Erzieher, Ergotherapeuten, Pflegekräfte, Lebensberater, Seelsorger und andere Berufsgruppen verstehen sich nicht minder gut aufs Helfen und Heilen wie jene, die per Gesetz dazu befugt sind. Deshalb sollten schleunigst Formen des Beratens, Behandelns und Betreuens gefördert werden, in denen alle Beteiligten ohne Expertendünkel am selben Strang ziehen. Dazu muss einer wie der andere fähig und willens sein, jene allgemeinen Wirkfaktoren einzubringen, auf die es erwiesenermaßen weitaus mehr ankommt als auf Titel, Diplome und Sozialprestige. In unserem Gesundheitssystem steht für Abermillionen Patienten zuviel auf dem Spiel, als dass Volksvertreter wenigen mächtigen Akteuren willfährig gestatten sollten, es nach Gutsherrenart zu vereinnahmen, in penetranter Darbietung der hohen Kunst, mit niederen Lebensformen möglichst herablassend umzugehen. Am mühelosen Miteinander, das in den Therapiecamps meiner Stiftung Auswege Helfer und Hilfesuchende aller Art im Nu zu einer heilsamen Gemeinschaft zusammenschweißt, erweist sich, wie leicht es wäre, überfällige Schritte in eine andere Richtung zu tun. (Harald Wiesendanger) Dieser Text ist ein Auszug aus Harald Wiesendanger: Psycholügen, Band 3: Seelentief: ein Fall für Profis?, Schönbrunn 2017, 2. erw. u. aktualisierte Aufl. 2024; 124 S., auch als PDF. Die Folgen dieser Serie („Helfen Psycho-Profis wirklich besser?“) 1        Reichlich erforscht: Viele Laien können mehr 2        Unter den Teppich gekehrt 3        Vogel Dodo beim Wettlauf der Psychotechniker 4        Wie viel bringt Psychotherapie wirklich? 5        Warum nützt Psychotherapie? 6        Warum manche Laien die besseren Therapeuten sind 7        Hochstapler unter Hochstaplern 8        Psychotherapie als Gefahrenherd 9        Nase vorn: Was viele Profis besser können – und weshalb 10    Pragmatismus statt Lobbyismus - Für eine weise Psycho-Politik Anmerkungen 1 https://www.axa.de/presse/axa-mental-health-report-2023; https://www.axa.de/presse/mediathek/studien-und-forschung/mental-health-report-2023 2  DGPPN: Basisdaten – Psychische Erkrankungen, Stand: Januar 2023; DPtV: Report Psychotherapie 2021 und 2023; https://www.dgppn.de/_Resources/Persistent/f80fb3f112b4eda48f6c5f3c68d23632a03ba599/DGPPN_Dossier%20web.pdf 3  DGPPN: Basisdaten – Psychische Erkrankungen, Stand: Januar 2023. 4  Ärzteblatt, 23.10.2012: „Psychische Probleme schränken jeden Vierten im Job ein“. 5  Stiftung Deutsche Depressionshilfe: Deutschland-Barometer Depression https://www.deutsche-depressionshilfe.de/pressematerial-barometer-depression, November 2021. 6  DAK_Psychreport 2022 und 2023, https://www.rehadat-statistik.de/statistiken/behinderung/behinderungsarten/psychische-erkrankung/ 7  DAK Gesundheit, 27.1.2017: „Psychische Erkrankungen: Höchststand bei Ausfalltagen“; BKK Gesundheitsreport 2014 – Zahlen, Daten, Fakten der Betriebskrankenkassen BKK, online bei www.bkk-dachverband.de/publikationen/bkk-gesundheitsreport; M. Meyer/H. Weirauch/F. Weber: „Krankheitsbedingte Fehlzeiten in der deutschen Wirtschaft im Jahr 2011“, in B. Badura u.a. (Hrsg.): Fehlzeiten-Report 2012, Heidelberg/Berlin 2012, S. 291-467. 8  DAK Gesundheit, 27.1.2017: „Psychische Erkrankungen: Höchststand bei Ausfalltagen“; sowie nach Berechnungen des Gesundheitsökonomen Wolfgang Bödeker und des Mathematikers Michael Friedrichs: „Kosten der psychischen Erkrankungen und Belastungen in Deutschland“, in: Lothar Kamp/Klaus Pickshaus (Hrsg.): Regelungslücke psychische Belastungen schließen, Düsseldorf 2011. DAK_Psychreport 2022 und 2023, https://www.rehadat-statistik.de/statistiken/behinderung/behinderungsarten/psychische-erkrankung/ 9  Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg.): Rentenversicherung in Zeitreihen, Berlin 2012; C. Hagen u.a.: Zugang in Erwerbsminderungsrente wegen psychischer Erkrankungen: Entwicklungen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede, Berlin 2012. 10  DAK_Psychreport 2022 und 2023, https://www.rehadat-statistik.de/statistiken/behinderung/behinderungsarten/psychische-erkrankung/ 11  In ihrer Antwort vom 30. April 2012 auf eine Anfrage mehrerer Abgeordneten der Fraktion Die Linke, veröffentlicht als Drucksache 17/9478 des Deutschen Bundestags, dort S. 12. 12  Nach http://psyga.info/psychische-gesundheit/daten-und-fakten/ 13  Unter Bruttowertschöpfung (BWS) verstehen Ökonomen den Gesamtwert aller erzeugten Waren und Dienstleistungen, abzüglich des Werts der Vorleistungen. 14  Nach Deutsches Ärzteblatt, PP Heft 1, Januar 2006, S. 25: „Psychische Erkrankungen in Europa – Lebenszeitrisiko mehr als 50 Prozent“, sowie www.pronia.eu. 15  World Economic Forum/Harvard School of Public Health: The Global Economic Burden of Noncommunicable Diseases. A Report, Genf, September 2011. 16  Nach Surin u.a. 1960, zit. bei Michael Dietrich: „Laien und/oder Profis in Psychotherapie und Seelsorge?“, Seelsorge 2/1999, S. 41-49; J. Veroff/R, Kulka/E. Douvan: Mental health in America: Patterns of help seeking from 1957 to 1976, New York 1981, S. 60. 17  M. L. Moeller: „Selbsthilfegruppen in der Psychotherapie“, Praxis der Psychotherapie 20/ 1975, S. 181. 18  F. Scheuch: Dienstleistungsmarketing, München 1982, S. 67. 19  Bundesministerium für Bildung und Forschung: Seele aus der Balance – Erforschung psychischer Störungen, 2. Aufl. Berlin 2011, S. 9, 11. 20  In der Schweiz hingegen dürfen Psychotherapeuten weiterhin nur tätig werden, wenn sie vom Psychiater „delegiert“ sind. Noch rigider verfährt Österreich: Ausschließlich Ärzte dürfen dort Psychotherapie ausüben. 21  Psychotherapeutengesetz der Bundesrepublik Deutschland, § 1, Abs. 3, Sätze 1,2. 22  s. H. L. Wilensky: „The Professionalization of Everyone?“, American Journal of Sociology 70 (2) 1964, S. 137 ff.; vgl. E. Stooß: „Die Systematik der Berufe und der beruflichen Tätigkeiten“, in Heinz  Seifert u.a. (Hrsg.): Handbuch der Berufspsychologie, Göttingen 1977. 23  Im „Entwurf eines Gesetzes über die Berufe des Psychologischen Psychotherapeuten und des Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten“, http://dgpt.de/fileadmin/download/Aus-_Weiterbildung/2014-09-22_Bericht_ zur_aktuellen_Ausbildungsdiskussion/2014-10-15_Begruendung_Forschergruppe_fuer_Gesetzes­entwurf-PsychThG.pdf 24  Auch die „Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaften“ und der „Fachbereichstag Soziale Arbeit“ sollten „eingebunden“ werden, siehe S. 3 des Gesetzesentwurfs. 25  In einem Interview mit der Tageszeitung taz vom 22. Oktober 2010. 26  Zit. nach Süddeutsche Zeitung Nr. 138, 17.6.2016: „Hilfspolizisten gegen Einbrecher“; welt.de, 20.12.2014: „Wenn der Quereinsteiger den Lehrermangel ausgleicht“, abgerufen am 8.11.2016.

  • Nase vorn: Was manche Psycho-Profis besser können – und warum

    Keine Frage: Viele Psychotherapeuten helfen seelisch Belasteten ganz hervorragend. Dank ihres wissenschaftlichen Hintergrunds? Eher beruhen ihre Erfolge auf ausgeprägten Fähigkeiten, die sie mit Laien gemeinsam haben – und schon besaßen, ehe sie zum ersten Mal ein Hochschulgebäude betraten. Es klingt fast schon zu banal, um der Rede wert zu sein: Beileibe nicht jeder Amateur eignet sich gleichermaßen als Stütze in seelischen Nöten. Kein Psychiatriekritiker, der noch recht bei Trost ist, versteift sich auf den himmelschreienden Unfug, alle Laien könnten genauso viel wie Profis. Selbstverständlich bringt ein Großteil von ihnen Defizite mit, und diese schränken ihre therapeutischen Möglichkeiten ein. Aber der springende Punkt ist doch: Bestehen diese Defizite zwangsläufig, mangels Fachstudium? Beruhen sie darauf, dass der Amateur von wissenschaftlichen Studien, Methodik und Theorien keine Ahnung hat? Werden sie an der Uni behoben, und nur dort? Wie professionelle Psychotherapeuten, so unterscheiden sich auch Amateure enorm hinsichtlich Eigenschaften und Fähigkeiten, von denen abhängt, ob ihre Hilfe gut tut: etwa in puncto Geduld, Aufmerksamkeit, Einfühlungsvermögen, Unvoreingenommenheit, Verzicht auf Wertungen, Offenheit, Freundlichkeit, Warmherzigkeit, Authentizität, geschickte Gesprächsführung - also in alledem, worauf es beim Beistehen entscheidend ankommt. Solche allgemeinen Wirkfaktoren zu handhaben, gelingt vielen Laien kaum besser als ein Klaviersolo oder ein sternewürdiges Fünfgangmenü, ein dreifacher Wurfaxel oder ein Roman. Andere hingegen bringen besagte Faktoren virtuos ins Spiel, ohne erst einiger hundert Vorlesungen, Seminare und Supervisionen zu bedürfen. Denn die Fähigkeiten dazu entwickeln sich in den beiden ersten Lebensjahrzehnten, im Zuge der Sozialisation. Sie harren nicht erst einer Immatrikulation, ehe sie zum Vorschein kommen und sich voll entfalten. Zu welchen Fehlern der Laie neigt Viele Laien verkennen, dass kein Fall dem anderen gleicht. Hinweise, Empfehlungen und Maßnahmen, die dem einen Belasteten gut tun, sind beim anderen, oder beim selben unter anderen Umständen, nutzlos bis schädlich. Wie lernt man, jeweils das Richtige zu tun? Im einfühlsamen Miteinander, bei dem im Gegenüber ein einmaliges Subjekt zum Vorschein kommt. Das geschieht im sozialen Raum unentwegt und überall, nicht erst auf dem Campus. Weitverbreitete Belastungen wie Ängstlichkeit, Niedergeschlagenheit, Trauer, Anspannung, Verbitterung, Antriebslosigkeit, Stimmungsschwankungen, Selbstzweifel, Unruhe und Erschöpfung kennen Laien aus leidvoller eigener Erfahrung, und bei Sozialkontakten begegnen sie ihnen ein ums andere Mal. Daraus kann sich ein tiefes Verständnis für solche Probleme entwickeln – und Erfahrung damit, was Betroffenen gut tun könnte. Doch was fängt unsereins mit extrem abweichendem Erleben und Verhalten an, das ihm noch nie begegnet ist? Da hört jemand auf zu essen, mutiert zum wandelnden Skelett – und will weiter abnehmen, um sich noch schöner zu finden. Ein anderer wäscht sich mehrere Dutzend Mal pro Tag die Hände, hört bedrohliche Stimmen aus dem Nichts, findet Tiere oder Leichen sexuell erregend, wähnt sich unentwegt verfolgt, ritzt sich lustvoll mit Scheren, Küchenmessern oder Rasierklingen. Ein Weiterer will sich ein Bein amputieren lassen, weil er es als fremd empfindet, nicht seinem Körper zugehörig (1). Jemand verabreicht seinem Kind Gift, um Krämpfe und Erbrechen zu erzeugen, oder drückt ihm die Hauptschlagader ab, um einen epileptischen Anfall auszulösen. (2) Unbekanntes verunsichert und erschreckt, hier stößt der Psychoamateur gewöhnlich an seine Grenzen. So ergeht es dem Profi übrigens häufig ebenfalls. Was er dem Laien in derart befremdlichen Fällen allerdings voraus hat, ist schlicht: Erfahrung. Mit äußerst Ungewöhnlichem bekamen er und seine Fachkollegen bereits zu tun, und allein dieser Umstand verschafft ihnen Vorteile: Sie bleiben gefasster, behalten eher kühlen Kopf, reagieren bedachter. Und sie wissen schon, was da manchmal geholfen hat. Das ist es, wovon sie und ihre Klienten gelegentlich profitieren - und nicht etwa von universellen Gesetzmäßigkeiten, einer alles erklärenden Theorie, einer stets durchschlagenden Technik. “Gesunder Menschenverstand” hat Grenzen Das psychologische Alltagswissen des Laien, von Profis verächtlich als „Küchen-“ oder „Stammtischpsychologie“ abgetan, deckt sich zwar in vielerlei Hinsichten damit, was wissenschaftliche Studien ergeben; daran liegt es, dass Laien ein Großteil psychologischer Forschung nichtssagend und überflüssig vorkommt. Andererseits steckt es voller verbreiteter Vorurteile, an denen vermeintlich gesunder Menschenverstand oftmals hartnäckig festhält, obwohl sie empirisch widerlegt sind (3). Beispielsweise an Thesen wie: „Frauen reden mehr als Männer“, „Die Pubertät ist immer eine Phase der Rebellion, der Konflikte mit Erwachsenen und erhöhter Risikobereitschaft“, „Intellektuell Hochbegabte haben mehr Probleme im Umgang mit Anderen“, „In der Handschrift spiegelt sich die Persönlichkeit“, „Stress verursacht Magengeschwüre“, „Wenn Kleinkindern regelmäßig Mozart vorgespielt wird, steigt ihre Intelligenz“, „Bei Vollmond werden mehr Gewalttaten begangen“, „Wenn Kinder gleich erzogen werden, entwickeln sie später auch die gleiche Persönlichkeit.“ (4) Dass nichts dergleichen stimmt, erfahren professionelle Psychologen während ihres Studiums. Das verschafft ihnen einen Informationsvorsprung. In einer neueren Studie erwiesen sich Experten – Personen, die Psychologie studieren oder ein solches Studium bereits abgeschlossen haben – im Vergleich mit Laien allerdings als kaum weniger anfällig für die oben erwähnten, inzwischen klar widerlegten Common-Sense-Ansichten. Andererseits erkannten mehr als die Hälfte der befragten Laien zehn von dreizehn Irrtümern als solche, 80 Prozent fünf und mehr, über 90 Prozent mindestens drei. (5) Der Laie hilft unflexibler Mit psychischen Nöten ihrer Mitmenschen konfrontiert, pflegen Laien überwiegend einen bestimmten Beratungs- und Behandlungsstil. In ihm spiegeln sich ihre eigenen Überzeugungen, Einstellungen, Erfahrungen und Gewohnheiten wider, aber auch ihr Naturell. Der eine gibt sich eher als hochempathischer Allesversteher (Typ „seelischer Mülleimer“), der andere eher als gewiefter Einflüsterer, als zupackender Verhaltensänderer, als funkensprühender Motivator. Ein Seelenhelfer erreicht aber umso mehr, je vielfältigere Strategien und Werkzeuge ihm zur Verfügung stehen, die er je nach Problem und Situation flexibel einsetzt. Hier haben Profis die Nase vorn. Denn im Laufe ihrer Ausbildung bekommen sie ein solches Instrumentarium an die Hand und üben es unter Aufsicht ein. Mit zunehmender Praxiserfahrung erweitert sich anschließend nicht nur die Bandbreite möglicher Vorgehensweisen. Zugleich wachsen Mut und Selbstvertrauen, sich ihrer zu bedienen. Lasse ich einen Hilfesuchenden reden und halte mich mit Kommentaren möglichst zurück? Löchere ich ihn mit Fragen, oder bin ich eher schweigsam? Konfrontiere ich ihn, womit, wie ausgiebig? Lasse ich ihn auf einem Berggipfel seine Wut herausschreien? Oder im Wald Bäume umarmen? Lasse ich ihn malen? In „Aufstellungen“ szenisch darstellen, welches Verhältnis er zu wichtigen Bezugspersonen hat? Duze ich ihn, oder beharre auf einem distanzierten „Sie“? Biete oder vermeide ich Körperkontakt? Lasse ich ihn liegen oder sitzen? Grabe ich in seiner Vergangenheit, oder richte ich seinen Blick aufs Hier und Jetzt sowie nach vorne? Provoziere ich ihn zwischendurch? Setze ich Humor ein? Wieviel Beachtung schenke ich seinen Träumen, seinen Versprechern? Gebe ich ihm Leitsätze vor? Lasse ich ihn ein Tagebuch führen? Einen Brief an sein künftiges Selbst schreiben? Bleibe ich betont sachlich und nüchtern, oder engagiere ich mich emotional? Wieviel Sympathie und Mitgefühl zeige ich? Wann breche ich ab? Setze ich ausschließlich auf Bewährtes, oder probiere ich ganz neue Wege aus - wie etwa jener Südkoreaner, der Selbstmordgefährdete ihre eigene Beerdigung vorbereiten, Abschiedsbriefe an ihre Lieben verfassen und im Sarg probeliegen lässt? Patentrezepte gibt es nicht. Wieviel eine Maßnahme bringt, erweist sich immer nur individuell und meist erst im nachhinein, vom Ergebnis her; dabei entpuppt sich die scheinbar abwegigste bisweilen als die hilfreichste. Die Sargtherapie vermittelt den Teilnehmern eine „derart schockierende Erfahrung“, dass sie danach für einen Neustart bereit seien, versichert ihr Erfinder Jeong Yong-mun vom Hyowon Healing Centre in Seoul. (6) Wann welche Strategie Sinn macht, entscheidet ein guter Therapeut eher intuitiv, keine Fachliteratur nimmt ihm das ab. Dass er um eine Vielzahl möglicher Vorgehensweisen weiß, verschafft ihm gegenüber Amateuren einen erheblichen Vorteil - allerdings keinen, der sich zwangsläufig aus höheren akademischen Weihen ergibt. Eine Begegnung flexibel zu gestalten, auf wechselnde Situationen kreativ reagierend, wird Studenten an der Uni eher ausgetrieben als beigebracht. Es bedürfte weniger Wochenendkurse, um engagierte Laien dafür fit zu machen, soweit sie es überhaupt noch nötig haben. Der Vorteil des Profis: ein voller Werkzeugkasten Wenn Profis hier kopfschüttelnd abwinken, verkennen sie, worin ihr Kompetenzvorsprung letztlich besteht. Auf ihrem Ausbildungsweg ist ihnen ein stattlicher Werkzeugkasten überreicht worden, prallgefüllt mit Dutzenden, wenn nicht Hunderten von unterschiedlichen Instrumenten. Der Laie hingegen, wie sie selbst vor Studienbeginn, kennt und nutzt im allgemeinen nur ein paar wenige. Jegliche allgemeinen Bedienungsanleitungen, wie sie wissenschaftliche Ausbildungen zu vermitteln vorgeben, erweisen sich im alltäglichen Gebrauch, beim Helfen und Heilen, freilich als weitgehend nutzlos. Denn die Instrumente müssen in einer Welt zum Einsatz kommen, in der verwirrenderweise kein Werkstoff, kein zu reparierender Gegenstand dem anderen gleicht. Im Laufe der Zeit dämmert manchen Profis, wie sinnfrei die Frage ist, welches Instrument denn nun das allerbeste sei. Ist ein Schraubenzieher besser als ein Hammer oder eine Feile, eine Säge oder ein Lötkolben? Im Handwerk wie beim Psychotherapieren lautet die Antwort: Kommt drauf an. Wirkliche Könner gehen nach und nach dazu über, ihr Werkzeug pragmatisch einzusetzen, je nach Einzelfall und Umständen - wie, lehrt sie nicht der Prof, das Lehrbuch und die Fachzeitschrift, sondern das pralle Leben. Erweist sich ein Instrument als ungeeignet, greifen sie undogmatisch zu einem anderen, oder sie kombinieren mehrere miteinander. Je ausgiebiger sie damit hantieren, desto sicherer, erfinderischer und spontaner werden sie darin. Dabei verdrängt Intuition zunehmend Deduktion. So, und niemals nach Schema-F-Methodik und Schema-G-Theorie, funktioniert Psychotherapie, die hilft - einerlei, ob ein Profi oder ein Amateur sie ausübt. Vielen Laien fällt es schwerer, objektiv zu sein Je näher Laien dem Hilfesuchenden stehen, desto eher sind sie voreingenommen und befangen, wenn sie einzuschätzen versuchen, was ihm aus welchen Gründen fehlt. Ihr Urteilsvermögen könnten Sympathien trüben, vielleicht auch ein handfestes Interesse daran, einen Gesunden für krank oder einen Kranken für gesund zu erklären. An einen Therapeuten wendet man sich in ähnlicher Erwartung, die man einem Richter entgegenbringt: Man sieht in ihm eine neutrale Instanz, frei von vorgefassten Meinungen (worin man sich hin und wieder täuscht). Therapeuten fehlt in der Regel ein Motiv, sich nicht um Objektivität zu bemühen. Jeder beliebige Befund kann ihnen gleichermaßen recht sein, es sei denn, sie haben zuwenig zu tun, weshalb sie Kundschaft an sich binden wollen. Aber auch manche Laien sind durchaus imstande, eine innere Notlage sachlich zu betrachten und Bindungen vorübergehend auszublenden. Profis nützt ein größerer Erfahrungsschatz Profis verbringen mehr Zeit mit seelisch Belasteten. So wahr wie banal: Je öfter und länger man sich mit einer Sache befasst, desto besser kennt man sich im allgemeinen mit ihr aus. Wer täglich stundenlang TV-Gekicke guckt, im Zoo vor dem Schimpansenkäfig hockt oder seine Briefmarkensammlung pflegt, weiß weitaus mehr über Fußball, Affen und Postwertzeichen als jemand, der das bloß gelegentlich oder niemals tut – auch ohne DFB-lizenzierter Fußball-Lehrer, Diplom-Zoologe oder Philatelist zu sein. Dem psychologischen Laien hat der Profi voraus, dass er mit seelisch Belasteten von morgens bis abends zu tun hat, nicht bloß ab und zu stundenweise. Kein Wunder, dass er aus einem weitaus größeren Erfahrungsschatz schöpfen kann. Und weil ihm psychische Einschränkungen vertrauter sind, geht er von vornherein gelassener mit ihnen um. Auf Überraschungen ist er eher vorbereitet, unabsehbare Gesprächsverläufe und plötzliche Gefühlsausbrüche bringen ihn weniger aus der Fassung, und so wirkt er souveräner. Profis kommt Expertengläubigkeit zugute Hilfesuchende öffnen sich eher für einen Helfer, in dem sie einen Experten sehen, ob zurecht oder voreilig. Man kennt das von Parties, man erlebt es in Reisegruppen: Kaum hat sich einer als Psycho-Profi geoutet, da legen Anwesende hemmungslos einen Seelenstriptease hin: Sie enthüllen intime Probleme, spitzen die Ohren, lauschen gebannt. Die Hemmschwelle, sich vor Fachleuten zu entblößen, liegt erheblich niedriger. Dem Gynäkologen zeigt man im Krankheitsfall ziemlich ungeniert seine Geschlechtsteile – wer würde das vor einem Bekannten, einem Kollegen, einem Nachbarn tun? Einem Psycho-Profi gewährt man im allgemeinen tiefere Einblicke ins eigene Innere, auch in Begebenheiten, Neigungen und Phantasien, derer man sich gewöhnlich schämt. Das verschafft ihm einen Informationsvorsprung - einen, der freilich nicht auf wahrer Wissenschaft beruht, sondern auf einem Statusgefälle und eingefleischten Rollenerwartungen. Dem Laien fehlt das Informationsnetz Unter Laienpsychologen überwiegen Einzelgänger. Begegnen sie fremdem Leid, so beraten und behandeln viele drauflos, auf eigene Faust, ausgehend von persönlichen Erfahrungen. Beim Helfen schöpfen sie vornehmlich aus sich selbst. Professionelle Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiater hingegen werden im Laufe ihrer Ausbildung in eine gut vernetzte Großgruppe eingeführt, in der man rege Informationen austauscht und Rückmeldungen gibt: die scientific community. In Fachzeitschriften und Newslettern, auf Kongressen, Tagungen und Weiterbildungsveranstaltungen werden Erfahrungen berichtet, verglichen, zur Diskussion gestellt: Wie machen es Andere? Was hat bei einer bestimmten Störung geholfen, was nützte weniger bis nichts, was richtete eher Schaden an? Wissenschaft ist eine kollektive Lebensform. Von der Anbindung an sie zehren praktizierende Seelenheilkundige weiterhin, nachdem sie den Hochschulbetrieb hinter sich gelassen haben. Jede Wette: Würden psychologisch interessierte Laien in großer Zahl beschließen, gemeinsame Plattformen des Erfahrungsaustauschs zu schaffen – auch ohne akademische Vorbildung brächten sie noch weitaus mehr zustande als ohnehin. Eine organisierte, auf ständigen Austausch ausgerichtete Gemeinschaft hat noch einen weiteren Vorteil: Erworbenes Wissen kann sie systematisch anhäufen – und daran wachsen. Wissenschaft entwickelt sich kumulativ: Jede neue Generation baut darauf, was vorherige hinterlassen haben. Sie übernimmt deren Erkenntnisse, modifiziert oder erweitert sie, macht sich schon gefundene, bewährte Lösungen zunutze. Wer daran teil hat, gleicht dem Zwerg, der auf den Schultern von Riesen steht: Er sieht weiter. Brächte es die Multimillionenschar fähiger Laienpsychologen außerhalb des Wissenschaftsbetriebs zustande, ihre gesammelten Erfahrungen ebenso zu bewahren und daran anzuknüpfen: Im Wettbewerb mit akademischen Psychologen schnitte sie noch erheblich besser ab. Die meisten Profis waren von vornherein begabter Die Nase vorn haben Psycho-Profis durchweg bereits, ehe ihre akademischen Lehrjahre begannen. Im Kümmern um psychisch Belastete eine Berufung zu sehen und einen entsprechenden Beruf anzustreben, anstatt lieber Handwerker, Ingenieur oder Bankkaufmann, Chemiker, Dolmetscher oder Programmierer zu werden: das zeichnet junge Leute aus, die brennend daran interessiert waren, was in Anderen vorgeht, lange bevor sie ein Hochschulgebäude betraten. Immer schon fielen sie durch ein besonderes Geschick auf, ihre Mitmenschen aufmerksam zu beobachten und einzuschätzen, feinfühlig auf sie einzugehen, sich in sie hineinzuversetzen, sie aufzurichten. Immer schon konnten sie besonders achtsam zuhören und beobachten, sich einfühlen und kommunizieren. Es gelingt ihnen eher, sich selbst zurückzunehmen und Fehler zu vermeiden, die Verstehen erschweren: beispielsweise ein Anderssein abzuwerten, recht haben wollen, manipulieren, Respekt verweigern, vom eigenen Fall kurzschließen, sich von eigenen Vorurteilen, Abneigungen und Denkgewohnheiten beherrschen lassen. Die Befähigung hierfür, die ihnen angeblich erst ein Studium vermittelt, brachten sie bereits ins erste Semester mit. Kein Wunder, dass vortreffliche Menschenversteher unter ihnen häufiger vorkommen als im Bevölkerungsdurchschnitt. In Leistungstests zum sozialen Verstehen und Unterstützen würde ein Großteil der Diplom-Psychologen, psychiatrischen Fachärzte und staatlich anerkannten Psychotherapeuten vermutlich höher performen als andere Berufsgruppen - doch das täten sie auch, wenn solche Vergleiche schon vor Beginn ihrer akademischen Laufbahn stattfänden. Sollten wir eine Tauchschule für Fische loben, wenn ihre Absolventen unter Wasser klarkommen? Mehr  Optionen Was geben jungen Leuten ein Hochschulstudium, psychotherapeutische und psychiatrische Zusatzausbildungen dann an die Hand? Keine zuverlässigen Bedienungsanlei­tun­gen, sondern günstigstenfalls weitere Handlungsoptionen, über jene hinaus, mit denen sie vorher schon vertraut waren. Keine schlüssigen Erklärungen, sondern eine Vielfalt von Deutungsmöglichkeiten – Schablonen, Textbausteine und Bilder für Geschichten, mit denen sie Unverstandenen Sinn vermitteln. Langjährige Berufstätigkeit beschert ihnen obendrein reichlich Erfahrungen damit, wie sich bestimmte Vorgehensweisen auswirken können; Gelegenheiten, eigene soziale Fähigkeiten weiterzuentwickeln; praktische Lektionen darin, Mitgefühl nicht in Mitleid abgleiten zu lassen, Nähe nicht in plumpe Vertraulichkeit, gegenseitige Sympathie nicht in eine Bindung, die abhängig macht. Außerdem zehren sie von dem erheblichen Vorsprung an Prestige und Autorität, den ihnen das Wissen Hilfesuchender um ihren akademischen Hintergrund verschafft. Das ist es, was sie den Laienhelfern in unseren Camps voraushaben. Wenn sie es Patienten zugute kommen lassen, dann weniger aufgrund ihrer universitären Ausbildung, sondern an ihr vorbei, über sie hinweg, ja gegen sie. Was Psychologen verstehen hilft, sind in erster Linie grundlegende psychosoziale Fähigkeiten, die im Wissenschaftsbetrieb nicht nur keine Förderung erfahren, sondern im Gestrüpp von „Varianzanalysen“ und „Signifikanztests“, „Kreuzvalidierungen“ und „Cronbachs Alpha“, „Intervallskalierungen“ und „kumulativen Verteilungsfunktionen“ eher verkümmern. Hochschulpsychologie ist der organisierte Versuch, angehende Psychologen vergessen zu lassen, worum es ihnen ging, als sie welche werden wollten, und ihnen auszutreiben, was sie dringend benötigen, um zu helfen. So löst sich ein vermeintlicher Widerspruch auf: Nicht die Psychologie, wohl aber manche Psychologen können seelisch Belasteten eine große Hilfe sein. Ein Psychologe, egal wie wissenschaftlich sein Selbstverständnis ausfällt, ist nicht fleischgewordene Wissenschaft. Er ist ein Subjekt wie wir. Er hatte ein Leben vor seiner Begegnung mit der universitären Psychologie. Er hatte eines während seines Studiums. Er hat es außerhalb seiner Praxis, aber auch während seiner Sprechstunden in jedem Moment, in dem er intuitiv und spontan agiert und reagiert, ohne sein Handeln lehrbuchkonform aus angelernten Studiendaten, Methoden und Theorien herzuleiten – also so gut wie immer. Über all die sozialen Fähigkeiten, die Laienhelfer in Beziehungen einzubringen haben, verfügt auch er – allerdings oft in erheblich höherem Maße als Vertreter anderer Berufsgruppen. Kurzum: Seine Praxis gestaltet er mittels Fähigkeiten, die ihn immer schon ausgezeichnet haben. Nun wird ein übereinstimmender Befund mehrerer Wirksamkeitsstudien verständlicher: Zumindest ein Teil der professionellen Therapeuten bringt erheblich zustande als üblich. Wie in jeder Berufsgruppe, so finden sich auch unter ihnen wenige herausragende Könner - Supershrinks, wie amerikanische Therapieforscher sie salopp getauft haben. Die Fähigsten erzielen bei ihren Klienten Besserungsraten, die zehnmal höher sind wie im Therapeutendurchschnitt (7), die Abbruchquoten sind in ihren Praxen weniger als halb so hoch. (8) Worin besteht ihr Erfolgsgeheimnis? Sie sind imstande, eben jene allgemeinen Wirkfaktoren geschickt ins Spiel zu bringen, dank derer auch manche psychologischen Amateure zu vortrefflichen Seelenhelfern werden. Nach Aristoteles sind Tugenden ideal ausgeprägt, wenn sie die Mitte zwischen den Extremen halten: die Freigebigkeit beispielsweise zwischen Geiz und Verschwendungssucht, die Tapferkeit zwischen Feigheit und Tollkühnheit. Mit dieser Richtschnur in Händen sollte es unterschätzten Laienpsychologen gelingen, die Waage zu halten, wann immer sie mit Psychoprofis zu tun bekommen: zwischen lächerlichem, respektlosen Größenwahn und vorauseilender Selbstverzwergung. Zur Ehrenrettung der Putzkraft „Ist das alles dein Ernst?“, entfuhr es meinem alten Bekannten, einem Psychologie-Dozenten, nachdem er sich die Gefälligkeit angetan hatte, das Manuskript dieses Buchkapitels mir zuliebe gegenzulesen. „Du würdest also eher zur Putzfrau gehen als zum Psychotherapeuten“, spöttelte er kopfschüttelnd, „und eher zum Stammtisch als in die psychiatrische Fachklinik, falls du aus einem seelischen Tief aus eigener Kraft nicht mehr herauskämst?“ Damit brachte er mich im Nu auf die Palme: „Zeugt es nicht eher von küchenpsychologischer Voreingenommenheit und der Arroganz des Akademikers als vom Geist der Wissenschaft, wenn du Reinigungskräfte und gesellige Lokalrunden pauschal abwertest? Wenn die Putzfrau mit mir so umzugehen verstünde, wie ich mir das von jemandem wie dir wünschen würde: Warum eigentlich nicht? Was sie dazu in erster Linie bräuchte, lernt man schließlich nicht erst und ausschließlich an der Uni.“ Weil ich dafür einen entgeisterten Blick erntete, fuhr ich fort: „Lass mich empirisch werden. Aus eigener Erfahrung kann ich unter Eid beschwören: Obwohl ich in den vergangenen vierzig Jahren bestimmt eine dreistellige Zahl von professionellen Seelenheilkundigen kennenlernte, verdanke ich einige der psychologisch tiefgründigsten, bewegendsten, hilfreichsten Begegnungen: einem Physiklehrer, einer Erzieherin, einer Sozialarbeiterin, einer Buchhalterin, einer Mathematikerin, einem Radiologen, einer Zahnarzthelferin sowie einer Werbefachfrau mit Hauptschulabschluss. Sie erreichten, berührten und bewegten mich – übrigens mehr als du, offen gestanden.“ Seither ist unser Kontakt abgerissen. (Harald Wiesendanger) Dieser Text ist ein Auszug aus Harald Wiesendanger: Psycholügen, Band 3: Seelentief: ein Fall für Profis?, Schönbrunn 2017, 2. erw. u. aktualisierte Aufl. 2024; 124 S., auch als PDF. Die Folgen dieser Serie („Helfen Psycho-Profis wirklich besser?“) 1        Reichlich erforscht: Viele Laien können mehr 2        Unter den Teppich gekehrt 3        Vogel Dodo beim Wettlauf der Psychotechniker 4        Wie viel bringt Psychotherapie wirklich? 5        Warum nützt Psychotherapie? 6        Warum manche Laien die besseren Therapeuten sind 7        Hochstapler unter Hochstaplern 8        Psychotherapie als Gefahrenherd 9        Nase vorn: Was viele Profis besser können – und weshalb 10    Pragmatismus statt Lobbyismus - Für eine weise Psycho-Politik Anmerkungen 1  Ein Merkmal der Body Integrity Identity Disorder (BIID). 2  Zu solch grausamen Methoden greifen Eltern mit sog. „Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom“, um die Aufmerksamkeit von Ärzten und Mitmenschen zu bekommen; rund 15 Prozent der betroffenen Kinder überleben solche Torturen nicht. 3  S. O. Lilienfeld u.a.: 50 Great Myths of Popular Psychology: Shattering Widespread Misconceptions about Human Behaviour, Chichester 2010. 4  Dreizehn nicht zutreffende Aussagen dieser Art, neben drei richtigen, bewerteten in einer 2013 veröffentlichten Studie 1688 Laien zwischen 16 und 82 Jahren sowie 142 psychologische Experten, s. U. P. Kanning/F. Rist/M. T. Thielsch: „Mythen der Alltagspsychologie – Was wissen Laien über (vermeintliche) Forschungsergebnisse?“, Skeptiker 26 (1) 2013, S. 10-15. 5  Kanning u.a., a.a.O., Anm. 108. 6  Südwest Presse, 15.12.2015: „Sarg-Schock soll vor Selbstmord schützen.“ 7  J. Okiishi u.a.: „Waiting for Supershrink: An Empirical Analysis of Therapist Effects“, Clinical Psychology and Psychotherapy 10/2003, S. 361-373. 8  Barry Duncan/Scott Miller: „Supershrinks: What is the secret of their success?“, Psychotherapy Networker, Nov/Dez 2007, https://www.researchgate.net/publication/284394201_Supershrinks_What_is_the_secret_ of_their_success Das Titelbild ließ ich von Microsofts KI „Bing Image Creator“ generieren.

  • Psychotherapie als Gefahrenherd

    Die Fachwelt ist sich einig, Medien hinterfragen sie nicht: Angeblich gehören psychisch Belastete unbedingt in die Hände von wissenschaftlich ausgebildeten Profis. Denn Laien könnten gewaltigen Schaden anrichten, so heißt es. Verschwiegen werden Risiken und Nebenwirkungen von Psychotherapie – oft macht sie alles nur noch schlimmer. „Kommt eine Psychotherapie für Sie in Betracht?“ Jeder Fünfte, den ernste seelische Nöte plagen, antwortet darauf mit einem „Nein“. Häufigste Begründungen: Man halte nichts von ihr, man habe Angst vor ihr. (1) „Die Dunkelziffer liegt hier wohl noch sehr viel höher“, vermutet die Psychologin Kirsten von Sydow von der Uni Hamburg, die 103 Studien über das öffentliche Image der Psycho-Berufe aus den Jahren 1948 bis 2006 auswertete. (2) Der Argwohn ist wohlbegründet, auch die restlichen vier Fünftel täten gut daran, ihn zu hegen. Denn vermeintliche Professionalität bewahrt sie nicht zuverlässig davor, Schaden zu nehmen. Fast jedem zweiten Patienten geht es, Studien zufolge (3), nach einer Psychotherapie nicht besser als vorher. (4) „Etwa zehn Prozent der Psychotherapie-Patienten erfahren schwerwiegende und länger andauernde Nebenwirkungen“, erklärt Michael Linden, Neurologe, Psychiater und Psychotherapeut an der Charité in Berlin. (5) Das gängige Stereotyp „Reden schadet nicht“ führt in die Irre. Die Risiken und Nebenwirkungen sind vielfältig. Seit Januar 2012 zwingt das neue Patientenrechtegesetz Therapeuten dazu, vor Beginn der Behandlung auf sie hinzuweisen, ausführlich und verständlich. Schiefgehen kann viel Weil Klienten immer auch Einkommensquellen darstellen, erliegen manche Therapeuten der Versuchung, sie an sich zu binden. Durch Versprechungen oder Drohungen üben sie auf Hilfesuchende mehr oder minder sanften Druck aus, eine Behandlung auch dann noch fortzusetzen und keinesfalls abzubrechen, wenn immer offenkundiger wird, dass sie nichts bringt. Oftmals versäumen sie es, mögliche körperliche Ursachen in Betracht zu ziehen. So ist nicht jede Depression psychischen Ursprungs. Dahinter können vielerlei körperliche Erkrankungen stecken: Stoffwechselstörungen der Schilddrüse und im Gehirn, chronische Entzündungen, Vitamin-B12/D3-Mangel, Hormonmangel und andere pathologische Prozesse. (6) Manche Psycho-Profis unternehmen zuwenig, um eine unnötig starke emotionale Bindung des Hilfesuchenden an sie zu verhindern. Gegen seinen Willen und Widerstand verfolgen sie Therapieziele, die ihnen erstrebenswerter erscheinen als ihm. Sie genießen die Machtstellung, die ihnen die Hilfsbedürftigkeit des Klienten verschafft: den Besserwisser geben, bloßstellen und dirigieren, Aufmerksamkeit gewähren oder entziehen. Oder sie reden ihm Phantasiegebilde ein. Vor allem in den neunziger Jahren liefen in den USA mehrere Gerichtsverfahren gegen Analytiker, deren Patienten nach bohrenden Suggestivfragen Verwandte fälschlicherweise des sexuellen Missbrauchs bezichtigt hatten. (7) Hierzulande berät der Verein False Memory Deutschland Menschen, die aufgrund einer Pseudoerinnerung des Missbrauchs beschuldigt werden. Freud selbst hatte sich auf die groteske Behauptung verstiegen, vermeintliche Erinnerungen von Patientinnen daran, in ihrer Kindheit sexuell missbraucht worden zu sein, würden niemals auf realen Geschehnissen beruhen, sondern grundsätzlich auf Hirngespinsten – zum Leidwesen unzähliger Frauen, denen tatsächlich Gewalt widerfahren war. (8) Sexuelle Übergriffe, fast immer gegenüber weiblichen Klienten, kommen in psychotherapeutischen Praxen weitaus häufiger vor, als Fachkreise wahrhaben wollen: Je nach Definition des Begriffs „sexueller Kontakt“ bleiben einem bis zwölf Prozent derartige Erfahrungen nicht erspart. (9) Manche Patienten verleitet Psychotherapie zu einem Egotrip. Womöglich erstmals in ihrem Leben lernen sie, auf die eigenen Bedürfnisse achtzugeben. Anschließend sind sie so sehr auf sich selbst bezogen, dass sie am Arbeitsplatz und zu Hause nicht mehr klarkamen: Sie trennten sich vom Partner, kündigten den Job, brachen Kontakt zu Familie und Freunden ab - und entwickelten Züge einer narzisstischen Persönlichkeit. (10) Je nach eingesetztem Verfahren drohen weitere üble Nebenwirkungen. Ein schweres Trauma - etwa bei Kriegsveteranen, Opfern von Unfällen, Gewaltverbrechen oder Katastrophen - durch Konfrontation mit dem schrecklichen Erlebnis anzugehen, kann extreme Reaktionen auslösen. Zusätzlich zur „posttraumatischen“ Störung entwickeln Patienten dann eine „dissoziative“: Erinnerung an einzelne belastende Erlebnisse oder ganze Teile ihrer Persönlichkeit, die mit diesen Erlebnissen verbunden sind, spalten sie ab. Symptome reichen von Amnesie über Wahrnehmungs- und Empfindungsstörungen bis hin zu Krampfanfällen und Lähmungserscheinungen. Häufiger kontraproduktiv als entlastend ist das sogenannte „Debriefing“, bei dem der Psycho-Profi Betroffene und Zeugen eines schrecklichen Geschehens vor einer Posttraumatischen Belastungsstörung zu schützen versucht, indem er es unmittelbar anschließend mit ihnen aufarbeitet. Tatsächlich erlebten derart Behandelte nach drei Jahren deutlich häufiger noch belastende Erinnerungen an die Katastrophe als unbehandelte Beteiligte. (11) Schiefgehen kann bei einer kognitiven Verhaltenstherapie auch eine „Exposition“: Um eine Angststörung zu überwinden, wird der Betroffene schrittweise der Situation ausgesetzt, die ihn peinigt. Michael Linden, Neurologe, Psychiater und Psychotherapeut an der Charité in Berlin, erinnert sich an einen Patienten, den offene Räume ängstigten. Im Verlauf der Behandlung lernte er, kurze Spaziergänge bis zur nächsten Straßenecke zu machen. Doch bei einer Autofahrt mit seinem Therapeuten erlitt er aus unerfindlichen Gründen eine Panikattacke. Fortan wagte er sich gar nicht mehr aus dem Haus. Die Therapie brach er ab. (12) Auch Gruppentherapien bergen ihre eigenen Risiken. Ansteckungsgefahr zählt dazu: Wer die bisweilen dramatischen Geschichten anderer hört, schöpft aus dem geteilten Leid nicht immer Kraft, sondern fühlt sich demoralisiert. Bloß ausnahmsweise? Therapeutenkreise lassen solche Mängellisten freilich kalt. Schwarze Schafe, Anfänger und Stümper, Nichts- und Wenigkönner tummeln sich schließlich in jedem Berufsfeld, wiegeln sie ab. Selbstverständlich, so räumen sie bereitwillig ein, leisten sich Psychotherapeuten, nicht anders als Ärzte, immer wieder mal schwerwiegende Patzer. Doch diese, beruhigen sie, lassen sich grundsätzlich abstellen: durch noch gründlichere Ausbildung und Supervision, durch eine noch strengere Standesgerichtsbarkeit, durch verschärfte Kontrollmaßnahmen, gerne auch dadurch, dass der Gesetzgeber Patientenrechte stärkt. Im übrigen gehören Risiken und Nebenwirkungen halt zu jeder effektiven Therapie; was nützt, kann immer auch schaden. Hauptsache, der Nutzen überwiegt. Dabei verkennen sie: Psychotherapie weist Merkmale auf, die sie grundsätzlich gefährlich machen. Sie droht immer Schaden anzurichten. Erstens: Psychotherapie brandmarkt. Als Teil des medizinischen Versorgungssystems stempelt sie Belastete zu Patienten. Wer sich ihr unterzieht, erklärt sich einverstanden damit, verschubladet zu werden: als Betroffener einer „psychischen Störung“. Dazu wird ihm eine Diagnose verpasst, andernfalls zahlt die Krankenkasse nicht. Diese Etikettierung grenzt ihn aus der Welt der Normalen aus, sie definiert ihn als therapiebedürftigen Symptomträger. Zweitens: Psychotherapie kann das Selbstbild beschädigen. Denn sie wertet ab. Ehe sie beginnt, fällt ein Urteil, das wissenschaftlich einzuordnen scheint, in Wahrheit aber geringschätzt: „Was du tust und erlebst, weicht von üblichem Erleben und Verhalten ab – es ist abnorm. Derart lange, derart stark darfst du nicht trauern, dich fürchten, dich zurückziehen, hadern, unaufmerksam, wütend, lustlos, launisch, erschüttert sein. So, wie du bist, darfst du nicht bleiben.“ Unter dem verstörenden Eindruck, nicht mehr normal zu sein, verändert sich das Selbstbild des Klienten schleichend in Richtung verbreiteter Vorurteile. Beschleunigt und verstärkt wird dieser Prozess, wenn die Therapie seine tatsächlichen oder vermeintlichen Schwächen in den Vordergrund rückt. Das verleitet ihn dazu, alles und jegliches als Symptom seiner Krankheit zu betrachten. Gilt er erst einmal als gestört, so wird alles verdächtig, was er tut oder sagt, weil er nun unter verschärfter Beobachtung steht - durch Außenstehende, aber auch durch sich selbst. Aus einer ersten, vielleicht vorläufigen Diagnose, die sich womöglich bald als übereilt erwiesen hätte, wird dann allzu leicht eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Drittens: Psychotherapie kann unselbstständig machen. Zum psychisch Kranken erklärt, wird dem Betroffenen die Fähigkeit abgesprochen - und entsprechendes Bemühen erspart -, aus eigener Kraft zu genesen. Der Medizinbetrieb, in den er sich begeben hat, weckt und bestärkt seinen Glauben, dazu bedürfe es unbedingt des Beistands von Experten – ohne sie kriege er das unmöglich hin. Spötter sprechen vom „Woody-Allen-Syndrom“, so benannt nach dem berühmten amerikanischen Schauspieler und Regisseur, der sich zum Lebensmotto bekennt: „Da muss ich erst mal meinen Therapeuten fragen.“ Viertens: Psychotherapie kann dazu verleiten, soziale Bindungen zu vernachlässigen. Wer sich darauf einlässt, sucht und findet oft niemanden, von dem er sich angenommen und verstanden fühlt. Niemanden, bei dem er sich aussprechen kann, dem er voll und ganz Vertrauen schenkt. Niemanden, der Interesse und Anteilnahme zeigt. Niemanden, der bereit ist, auch bei unerfreulichen, belastenden Themen stundenlang und öfter als einmal zuzuhören, ohne Langeweile oder Überdruss zu zeigen. Niemanden, der ihm Ermahnungen und Vorhaltungen erspart. Von Verwandten, Freunden und Bekannten, im Kollegenkreis, selbst vom Lebensgefährten wähnt er sich unverstanden und missachtet, er fühlt sich einsam. Im Gegensatz dazu erscheint ihm Psychotherapie als Geschenk des Himmels: Endlich ist da einer, der ihm seine volle Aufmerksamkeit widmet. Dass der Therapeut sich ihm bloß von Berufs wegen und ausschließlich gegen Bezahlung zuwendet, verdrängt er. Psychotherapie ist bequem, im Gegensatz zu dem anstrengenden, zeitraubenden und stets mit Unsicherheiten verbundenen Bemühen, verständnisvolle, hilfsbereite Freunde zu gewinnen. Und weil es der menschlichen Natur entspricht, sich Mühsal möglichst zu ersparen, besteht das Risiko, dass man den angenehmen Weg dem aufwändigeren vorzieht, zumal wenn die Krankenversicherung dafür aufkommt oder solange der eigene Kontostand es zulässt. Insofern gleicht der Besuch beim Psychoprofi durchaus dem Gang ins Bordell, wie der  Psychiatriekritiker Hans Ulrich Gresch bissig anmerkt. Die Gefahr, die bequeme Lösung zu bevorzugen, sei bei der Psychotherapie „sogar noch größer als beim käuflichen Sex, weil letzteren die Kasse nicht bezahlt“. (13) Sie verkauft die Illusion von Freundschaft wie die Hure die Illusion von Liebe. Fünftens: Weil die Zuwendung des Therapeuten eine professionelle, keine wahrhaftige ist, mangelt es ihr an Tiefe und Echtheit. Die zeitweilige Erleichterung und Befriedigung, die sie verschafft, wirkt nicht dauerhaft nach, sondern verblasst bald wieder. 45 Therapieminuten vergehen schnell. Diese Konstellation hat Suchtpotential, verbunden mit dem Zwang, immerzu die Dosis zu steigern, und zunehmenden Entzugserscheinungen. Psychotherapie kann zum Nikotin der Seele werden, ebenso rasch wie Zigaretten weckt und steigert ihr Konsum das Verlangen nach mehr. „Im Grunde“, räumt die US-Psychologin Catherine Johnson ein, „müsste es längst Spezialbehandlungen für Therapiesüchtige geben.“ (14) Sechstens: Psychotherapie kann verblenden. Lebensprobleme entstehen nie bloß „im Inneren“. Sie ergeben sich aus einem hochkomplexen Wechselspiel: zwischen allem, was eine Person ausmacht – ihren eigenen Erlebnissen, Erfahrungen, Wahrnehmungen, Erinnerungen, Gefühlen, Einstellungen, Überzeugungen, Erwartungen, Gewohnheiten, Fähigkeiten, Bedürfnissen, Wünschen, allen Stärken und Schwächen ihrer Persönlichkeit –, mit ihrer sozialen Umgebung, ihren finanziellen Verhältnissen, ihrem soziokulturellen Rahmen in Vergangenheit und Gegenwart. Diese äußeren Umstände klammert Psychotherapie in aller Regel aus. Sie konzentriert sich auf den Betroffenen selbst – und verleitet ihn, dasselbe zu tun. Wer oder was ihn kränkt, bedrängt, überfordert oder quält, gerät aus dem Blick - als Hauptproblem erscheint seine persönliche Unfähigkeit, damit klarzukommen. Siebtens: Psychotherapie kann Schuldgefühle nähren, und das erhöht den Leidensdruck. Wenn ein psychisches Problem nicht in erster Linie von belastenden äußeren Umständen herrührt, sondern vom Unvermögen des Betroffenen, sich ihnen anzupassen, so liegt der schwarze Peter bei ihm. Er soll sich ändern, während seine Lebensumstände objektiv dieselben bleiben. Je belastender sie sind, desto eher fühlt er sich überfordert, zumal dann, wenn er sie als unabänderlich und unentrinnbar wahrnimmt (womit er recht haben könnte). Anders als die Organmedizin zieht das Unternehmen Psychotherapie Nutzen daraus, dass es offenkundige Fehlschläge stets auf das Versagen dessen schieben kann, der sie in Anspruch nimmt. „Während ein Chirurg bei jedem Schnitzer mit einem ruinösen Kunstfehlerprozess rechnen muss“, bemängelt der Wissenschaftspublizist Rolf Degen, „kann ein Seelendoktor einen Misserfolg mit dem ‘Widerstand’ oder der ‚‘fehlenden Krankheitseinsicht’ seines Anvertrauten bemänteln oder im Fachkauderwelsch entschärfen.“ (15) Kurzum, Psychotherapie hat das Zeug zum brandgefährlichen Krankmacher. Allzuoft erzeugt, verstärkt und verlängert sie eben jene seelischen Belastungen, denen sie beizukommen vorgibt. (Harald Wiesendanger) Dieser Text ist ein Auszug aus Harald Wiesendanger: Psycholügen, Band 3: Seelentief: ein Fall für Profis?, Schönbrunn 2017, 2. erw. u. aktualisierte Aufl. 2024; 124 S., auch als PDF. Die Folgen dieser Serie („Helfen Psycho-Profis wirklich besser?“) 1        Reichlich erforscht: Viele Laien können mehr 2        Unter den Teppich gekehrt 3        Vogel Dodo beim Wettlauf der Psychotechniker 4        Wie viel bringt Psychotherapie wirklich? 5        Warum nützt Psychotherapie? 6        Warum manche Laien die besseren Therapeuten sind 7        Hochstapler unter Hochstaplern 8        Psychotherapie als Gefahrenherd 9        Nase vorn: Was viele Profis besser können – und weshalb 10    Pragmatismus statt Lobbyismus - Für eine weise Psycho-Politik Anmerkungen 1  M. Franz u.a.: „Warum ‘Nein’ zur Psychotherapie?“, Psychotherapie - Psychosomatik - Medizinische Psychologie 43/1993, S. 278-285. 2  Kirsten von Sydow: „Das Image von Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiatern in der Öffentlichkeit. Ein systematischer Forschungsüberblick“, Psychotherapeut 52/2007, S. 322-333. 3  Immerhin liegen mittlerweile eine Reihe von Studien vor – aus Europa, https://www.cambridge.org/core/journals/bjpsych-open/article/negative-effects-of-psychotherapy-estimating-the-prevalence-in-a-random-national-sample/1C4E7F900F5CAF2CFAD129D54E4CC00C den USA, https://psycnet.apa.org/doiLanding?doi=10.1037%2Fa0015643  und Australien. https://journals.sagepub.com/doi/10.1080/00048670903107559 4  Zusammenfassend: https://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/psychotherapie-hat-kaum-bekannte-risiken-und-nebenwirkungen-a-869344.html 5  Zit. in https://www.welt.de/wissenschaft/plus241837735/Gesundheit-Die-unerwuenschten-Nebenwirkungen-der-Psychotherapie.html 6  Siehe https://www.schlosspark-klinik-dirmstein.de/depression-koerperliche-ursachen/ 7  Der Spiegel 30/1994, S. 76. 8  Solche bestürzenden Fälle schildert Jeffrey Masson, ehemals selbst Psy­cho­analytiker und Forschungsdirektor der Sigmund-Freud-Archive, in seiner Streit­schrift Die Abschaffung der Psycho­therapie - Ein Plädoyer, München 1991. 9 Siehe die umfangreichen Quellenangaben bei www.christianeeichenberg.de/SUEPP_seminar.pdf 10  Mehrere solche Fälle schildert das Buch von Michael Linden und Bernhard Strauß (Hrsg.): Risiken und Nebenwirkungen von Psychotherapie: Erfassung, Bewältigung, Risikovermeidung (2012), https://www.amazon.de/Risiken-Nebenwirkungen-von-Psychotherapie-Risikovermeidung/dp/3941468642/ref=sr_1_2?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=11A7S7APNEGXT&keywords=Linden+%E2%80%9ERisiken+und+Nebenwirkungen+von+Psychotherapie&qid=1699033452&s=books&sprefix=linden+risiken+und+nebenwirkungen+von+psychotherapie%2Cstripbooks%2C114&sr=1-2 11  Siehe https://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/psychotherapie-hat-kaum-bekannte-risiken-und-nebenwirkungen-a-869344.html 12  Zit. nach https://www.welt.de/wissenschaft/plus241837735/Gesundheit-Die-unerwuenschten-Nebenwirkungen-der-Psychotherapie.html 13  Hans Ulrich Gresch: Lexikon der Psychiatrie-Kritik, online bei http://lexikon.ppsk.de. 14  Nach Der Spiegel 25/1998, S. 194. 15  Rolf Degen: „Die hilflosen Helfer“, Der Spiegel 36/2000, S. 118-132, dort S. 119.

  • Warum manche Laien die besseren Therapeuten sind

    Wenn Laien beim Beraten und Behandeln psychisch Belasteter weniger zustande bringen als Profis, dann häufig deshalb, weil ihnen von vornherein nicht mehr zugetraut wird – aufgrund von Defiziten, die für den Therapieerfolg im Grunde unerheblich sind. Zumindest in westlichen Industrieländern ist der Prestigevorsprung berufsmäßiger Seelenheiler inzwischen so gewaltig, dass es geradezu wundersam anmutet, wie heutzutage überhaupt noch irgendwelche Studien ergeben können, dass Laien vergleichbar gut helfen. Denn Titeln und Urkunden, akademischem Wissen und Können vertrauen Versuchspersonen schließlich nicht minder als der Rest der Bevölkerung. Wie kann es Laien überhaupt gelingen, das Ansehensplus von Profis wettzumachen? Was zeichnet sie aus, was könnten sie berufsmäßigen, wissenschaftlich geschulten Psychotherapeuten und Psychiatern sogar voraushaben? Nichts geht über Empathie Der Schlüssel dazu liegt in einer fabelhaften Kulturtechnik: dem zwischenmenschlichen Verstehen. (1) Von frühester Kindheit an erwarben und trainierten wir die Fähigkeit, das Erleben und Fühlen, Denken und Handeln unserer Mitmenschen nachzuvollziehen und es aus seinen Gründen heraus zu erklären. Damit begannen wir, lange bevor wir sprechen lernten. Wie das Beherrschen von Sprache und jede sonstige Fähigkeit, so prägt sich allerdings auch diese unterschiedlich stark aus: Je nach individueller Begabung, sozialem Umfeld und Herausforderungen im Lebenslauf kann sie wachsen, aber auch verkümmern. Eine gewaltige Bandbreite tut sich da auf, nicht anders als zwischen dem „Was-geht-ab-ey-isch-geh-Dissko“-Gestammel des digitaldementen Prolls und der Wortgewalt eines Literaturpreisträgers. Deshalb wäre es Humbug, „den“ Laien schlechthin zur ernsthaften Konkurrenz für professionelle Psychotherapeuten zu verklären. Um uns herum wimmelt es von Zeitgenossen, deren Empathie himmelschreiend unterentwickelt ist. Manche unter uns beherrschen sie andererseits derart herausragend, dass sie viele Psychoprofis locker in den Schatten stellen. Gestützt auf Intuition und Lebenserfahrung, reagieren sie spontaner, ihre Anteilnahme wirkt emotionaler und glaubhafter, leiseste Befindlichkeitssignale beachten und bewerten sie feinfühliger. Ihre Emotionale Intelligenz (2) – die Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle wahrzunehmen, zu verstehen und zu beeinflussen - ist häufig ausgeprägter, und darin liegt ein entscheidender Vorteil: In Hilfekontexten schlägt der EQ den IQ um Längen. Ungefördertes Talent Begabungen fürs Helfen und Heilen werden von unserem Bildungssystem eher unterdrückt als gefördert - mit absehbarem Ergebnis. In ihrem Umgang mit Hilfesuchenden vermittelt ein Großteil unserer professionellen Psychotherapeuten und Psychiater den Eindruck: Je erfolgreicher sie den Bildungsbetrieb durchlaufen haben, desto weniger eignen sie sich für ihren Beruf. In der deutschen Bevölkerung allgemein liegt der Anteil derer, die erfolgreich ein Hochschulstudium abgeschlossen haben, bei fünfzehn Prozent. (3) Unter psychotherapeutisch tätigen Ärzten und Psychologen gelang dies hingegen hundert Prozent. Dafür mussten sie anfangs mehr oder minder hohe Zulassungshürden überspringen. Je nach Universität benötigt momentan einen Notendurchschnitt zwischen 1,0 und 1,9 im Abiturszeugnis, wer sich dort für ein Psychologiestudium einschreiben will. (Es sei denn, er nimmt Wartezeiten bis zu acht Jahren in Kauf. (4) Für den Traumberuf Psychiater ist zuallererst eine Abi-Traumnote nahe 1,0 erforderlich, so hoch liegt bundesweit der Numerus clausus für ein Medizinstudium seit langem. Woher nimmt unser Kultuswesen die Zuversicht, dass aus allerbesten Abiturienten eines Tages allerbeste Ärzte und Psychologen werden? Ein Einserabitur zeigt ziemlich zuverlässig die Fähigkeit an, sich jenes umfassendes Fachwissen anzueignen, das auf Unis verlangt wird. Aber womöglich versäumt es ein Großteil der gymnasialen Klassenprimusse ihrer beharrlichen Streberei wegen, jene sozialen Kompetenzen zu trainieren, die Patienten von ihren berufsmäßigen Helfern nicht minder erwarten: Mitgefühl, Perspektivenwechsel, kommunikatives Geschick, Achtsamkeit, Wertschätzung, Anteil- und Rücksichtnahme. Während ihres verkopften, alltagsfernen Studiums erhalten angehende Psychoprofis darin kaum Nachhilfe, im Gegenteil. Die begehrte Eintrittskarte in die seelenheilkundliche Berufswelt, das Hochschuldiplom, ergattert nur, wer sich von seinen Lehrern einbleuen lässt, ausgerechnet jenes Erkenntnisinstrument als „bloß subjektiv“ geringzuschätzen, das mehr als jedes andere erhellt, was im Gegenüber vorgeht: Empathie. Damit nötigt der Hochschulbetrieb angehende Seelenhelfer, in einem Akt der Selbstvergewaltigung eine soziale Schlüsselkompetenz zu unterdrücken, um sich dem Vorrang der reinen Methode zu unterwerfen, für die Stimme des Herzens taub zu werden und evidenzbasierte Lehrmeinungen möglichst willfährig umzusetzen. Insofern betätigen sich unsere psychologischen und psychiatrischen Fakultäten seit jeher als Kastrationsanstalten. Polemik ist unsachlich. Deftige Kritik an unserem unseligem Hochschulwesen hingegen hat vorzügliche Gründe. Sie bestehen aus empirischen Untersuchungen, die übereinstimmend belegen: Während Studienanfänger im Fach Psychologie seelisch Belasteten besser helfen als Laien, liegt ihr Kompetenzniveau nach dem Studium niedriger - übrigens auch im Vergleich mit den eigenen Ausgangsleistungen. (5) Für den Therapieforscher Robert Carkhuff lässt diese Rückentwicklung nur einen Schluss zu: „Im Laufe ihrer Ausbildung widerfährt den Studenten etwas Zerstörerisches.“ (6) Dieses „Etwas“ vermutet er in der Verkopftheit des Studiums: Es verenge ihren Blick auf Gedankensysteme und abstrakte Methodik. Es vermittle ihnen stereotype Vorstellungen von der eigenen Beziehung zu Hilfesuchenden. Und es erziehe ihnen Berufsrollen an, die sie zu folgsamen Anwendern systematisierten Wissens machen, ausgerichtet am Ideal einer ebenso wortlastigen wie zuwendungsarmen professionellen Distanz. Dabei missachten Hochschulen gesicherte Erkenntnisse der Psychotherapieforschung: Intellektuelle Haltung und Wissen hängen demnach wenig bis gar nicht mit jenen Fähigkeiten zusammen, auf die es für hilfreiches Beistehen ankommt. (7) Wie schädlich sich das übliche Psychologiestudium auf Empathie, Wahrnehmung und Einschätzungsvermögen gegenüber Mitmenschen auswirkt, haben seit den fünfziger Jahren etliche Studien zum Vorschein gebracht. (8) Was Profis zustande bringen, führen sie selbst vor allem auf erlernte Theorien und Techniken zurück - Patienten hingegen in erster Linie auf Art und Qualität des Verhältnisses, das zwischen den beiden entsteht. Die menschliche Seite des Helfers, die persönliche Beziehung zu ihm erachten sie als besonders wichtig. (9) Recht haben sie. Verkopfte Psychotechniker Allzu viele Seelenklempner fremdeln mit ihrer Kundschaft aus demselben Grund wie manche Geistlichen mit ihrer Kirchengemeinde: Sie treten ihr gegenüber als wortgewandte, hochgebildete Medizinfunktionäre, deren Gelehrsamkeit Mühe hat, zwischen zwei Buchdeckel zu passen – gedankenschwere, grübelfaltige Großhirnrindler, die mit Fachchinesisch erheblich weniger Mühe haben als mit der Sprache des Herzens. Seelischer Beistand scheint ihnen seine reifste, vollendetste Form erst zu erreichen, wenn er sich als Conclusio aus einem mindestens quadratkilometergroßen Geflecht von evidenzbasierten Argumentationsfäden ergibt. Helfen und Heilen entspringen somit nicht mehr in erster Linie einer mit gewissen spontanen Emotionen, intuitiven Fähigkeiten, persönlichen Erfahrungen, Werthaltungen und wahrhaftiger Nächstenliebe verbundenen Lebensform, sondern ergeben sich aus intellektuellen Höchstleistungen eines akademisch geschärften Verstandes. Und das befremdet Hilfesuchende. Vertrautheit erleichtert Verstehen und Helfen Hinzu kommt: Mit dem Belasteten, seinen Problemen und deren Vorgeschichte, seiner Vergangenheit und momentanen Lebenssituation sind Laien, die ihm nahestehen, in der Regel weitaus länger und eingehender vertraut als ein Profi, zu dem der Hilfesuchende als Wildfremder kommt. Kein Kennerblick ist scharf genug, um binnen weniger Stunden, wenn nicht Minuten mehr von einer Person zu erfassen als jemand, der dem Betreffenden jahre-, manchmal jahrzehntelang zur Seite stand. (10) Wenn Menschen in seelischer Not Hilfe suchen, ist das spürbare Interesse des Helfers einer der wichtigsten allgemeinen Wirkfaktoren, von denen abhängt, wieviel er erreicht. Kann jemand, der von Berufs wegen nur gegen Bezahlung arbeitet, Hilfesuchenden eine aufrichtige Neugier glaubhaft machen? Stets stellt sich die Frage, ob seine Zuwendung, seine Anteilnahme echt sind - oder des Honorars wegen vorgetäuscht werden. Laienhelfer haben es da einfacher: Die bloße Tatsache, dass sie sich ehrenamtlich eines Problems annehmen, macht ihre Anteilnahme glaubhafter. Allein dies kann positive Veränderungen auslösen. Zu den entscheidendsten Vorzügen vieler Laienhelfer zählt: Herzlichkeit. Sie wirken mitfühlender, liebevoller. In einer Umfrage unter Teilnehmern von Therapiecamps meiner Stiftung Auswege würde dieser Pluspunkt bestimmt unter den Top Fünf der Eigenschaften auftauchen, die Patienten an den dortigen Laienhelfern am allermeisten schätzen. Typische Stimmen lauten: „Danke für die Liebe, die ihr uns entgegengebracht habt“, meinte abschließend die Mutter der entwicklungsverzögerten Anja* (8). „Euer aller Hingabe ist kaum zu begreifen. Ich habe mich wie unter Engeln gefühlt“, schwärmte die Mutter eines zehnjährigen Jungen mit Cerebralparese. „Ich habe so unfassbar viel von euch bekommen: Liebe, Fürsorge, Immer-für-mich-da-sein“, lobte die 60-jährige Sofia*, Opfer eines sexuellen Missbrauchs. (11) Natürlich sind auch Profis dazu imstande, so viel zu geben. Die meisten waren es, ehe sie aus dem Helfen einen Beruf machten, und außerhalb ihrer Arbeit sind sie es vermutlich weiterhin. In ihrem Praxisalltag wäre es allerdings Gift für sie, allzu viel Herzblut einfließen zu lassen. Wer Tag für Tag Menschen zuhören und beistehen will, die sich auf dem Höhepunkt einer psychischen Krise an ihn wenden, der blickt unentwegt in Abgründe. Er erfährt von unsäglichem seelischen Ballast, lernt tragische Schicksale kennen, erfährt von bedrückenden, schier ausweglosen Lebensumständen. Ließe er all das zu sehr an sich heran, ginge er auf die Dauer vor die Hunde, recht bald würde er selbst zum Fall für die Psychiatrie. Was Psychotherapeuten riskieren, die mit allzu großer Anteilnahme bei der Sache sind, führen Filme wie „The Unsaid“ (2001) und „Shut In“ (2016) vor Augen. Innerlich Abstand zu halten, bloß kein Mitleid aufkommen zu lassen, cool bleiben: Für Profis ist das zum Selbstschutz unabdingbar. Falls sie nicht schon während mehrerer hundert praktischer Ausbildungsstunden unter Aufsicht gelernt haben, nur so zu „tun als ob“, gehen sie spätestens im ersten Berufsjahr dazu über. Doch selten wirkt dieses „Als ob“ echt. Ein Großteil ihrer Klienten ist feinfühlig genug, das Spiel zu durchschauen. Vermissen sie Gefühlswärme, so frieren sie und verschließen sich. Der Laienhelfer kennt den Kontext besser – oft ist er Teil davon Anders als soziale Unterstützung durch Laien findet Psychotherapie zudem „weithin seltsam kontextentrückt“ und alltagsfern statt, gleichsam in einem „Kokon“, beklagt erstaunlich nestbeschmutzend die Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie. (12) Viele Psychoprofis tun so, als gäbe es für ihre Klienten kein Dasein außerhalb der Therapiestunden, keinerlei hilfreiche oder belastende Beziehungen, keine bedeutsamen Lebensumstände. Deshalb haben sie oftmals keine Ahnung, ob das soziale Umfeld die Behandlung stört oder fördert. Folglich versäumen sie es, günstige Einflüsse aus dem privaten Umfeld zu nutzen, um angestrebte Thera­piewirkungen zu verstärken. Schädliche Hierarchien und Rollenmuster Wer angstgeplagt, antriebslos oder verzweifelt einen Psycho-Profi aufsucht, trifft oftmals auf jemanden, der unnahbar über ihm thront: Da unten ein armes Würstchen, das sein Innenleben jämmerlicherweise nicht auf die Reihe kriegt – dort oben ein allem Anschein nach gefestigter, in sich ruhender, durch nichts zu erschütternder Helfer, der mit sich selbst im reinen ist. Wie könnte es auch anders sein? Dank seiner wissenschaftlichen Ausbildung weiß der Profi ja schließlich ganz genau, wie man so etwas hinkriegt, oder nicht? Allzuoft trügt der Schein aber. Auch Psychologen durchleben Tiefs, Selbstzweifel und Sinnfragen nagen an ihnen; Beziehungskrisen und Konflikte, manchmal auch Existenzängste belasten sie. Um ihre psychische Gesundheit steht es keineswegs besser als in anderen Berufsgruppen. In Scheidungsstatistiken belegen Psychologen Spitzenplätze, neben Schauspielern, Schriftstellern und bildenden Künstlern. (13) Burnouts, Alkoholismus, Medikamentenabhängigkeit und emotionale Tiefs, die Psychiater zu ernsthaften Störungen erklären würden, treten bei ihnen gehäuft auf. Die Selbstmordrate liegt unter ihnen dreimal höher als in der übrigen Bevölkerung. (14) Bloß: Was ihn bedrückt, verbirgt der Profi, das gehört zum sozialen Rollenspiel – was geht derart Privates einen Klienten an? Ein guter Freund ist da wahrhaftiger. Es fällt ihm leichter, sich selbst zu offenbaren, sein Gegenüber in eigene innere Abgründe blicken zu lassen. Wenn dabei zum Vorschein kommt, wie schlecht es auch ihm hin und wieder geht, so kann das jemanden, der Hilfe sucht, enorm erleichtern. Denn es verbindet – man findet eher zueinander, wenn sich nicht bloß einer entblößt. Zu hören, wie es der Ratgeber selbst angestellt hat, schwere Zeiten durchzustehen, gibt dann oft entscheidende Anstöße und Fingerzeige. Weisheit schlägt Wissen Einfühlsamkeit ergänzt jenes Bündel von emotionalen und geistigen Eigenschaften, das wir Weisheit nennen. In diesem vorbildlichen Wesenszug, der über angehäuftes Wissen weit hinausgeht, liegt nicht nur der Schlüssel zu einem glücklichen Leben. In Begegnungen eingebracht, erweist er sich als überaus heilsam. Der Weise strahlt heitere Gelassenheit aus. Er verlässt sich nicht auf erste Eindrücke, er schwimmt nicht mit dem Strom, handelt nicht aus dem Affekt heraus. Er ereifert sich nicht. Er ruht in sich selbst, nichts bringt ihn so schnell aus der Fassung. Aus schmerzlichen Erlebnissen, die auch ihm nicht erspart bleiben, zieht er konstruktive Lehren, die er anderen zugute kommen lässt. Er ist imstande, Personen und Sachverhalte aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, ohne vorschnell zu urteilen, geschweige denn abzuwerten. Es gelingt ihm, gleichsam innerlich einen Schritt zurückzutreten, auf Abstand zu sich selbst zu gehen, eigene Überzeugungen zu hinterfragen. Auch schwierige Probleme erfasst er in ihrer ganzen Komplexität, bringt sie auf den Punkt, findet klare, ausgewogene, einleuchtende Antworten. Der Weise nimmt sich nicht allzu wichtig und widersteht dem schwer zu bändigenden Drang, in möglichst gutem Licht dazustehen. Er bringt es fertig, eigene Fehler und Schwächen freimütig einzugestehen – und über sie zu lächeln. Statt an Gewohntem festzuhalten, ist er offen für Neues und Fremdes. Er achtet Mitmenschen, die anders denken und fühlen, aussehen und sich verhalten. Nur einer von 300 Erwachsenen besitze diese Grundtugend in höchster Ausprägung, schätzt die Weisheitsforscherin Ute Kunzmann von der Universität Leipzig. (15) Einem von ihnen zu begegnen, tut jedem seelisch Belasteten gut. Dass Psychoprofis diese Tugend eher auszeichnet als lebenserfahrene, besonnene Laien, bezweifle ich. Lehrreiche “Auswege”-Camps Weitere Hinweise darauf, was Laien Profis außerdem voraushaben könnten, verdanke ich vereinzelten „Auswege“-Camps, in denen professionelle Seelenheilkundige dem Gesamtergebnis eher abträglich als förderlich waren. Dort, wie auch im Praxisalltag, wirken Profis manchmal allzu routiniert und abgebrüht. Bei unserem 17. Therapiecamp im Oktober 2014 wurde ein überaus erfahrener kognitiver Verhaltenstherapeut von unseren Teilnehmern regelrecht boykottiert: Während die Terminlisten der übrigen Teammitglieder, allesamt nichtlizenzierte Laienpsychologen, von morgens bis abends durchgehend voll waren, blieb er vom zweiten Camptag an weitgehend beschäftigungslos, weshalb er frustriert vorzeitig ab­reisen wollte. Patienten und Angehörige störten sich unter anderem an seinem maskenhaften Dauergrinsen und unentwegten Kopfnicken. Aus ihrer Ausbildung und Berufserfahrung leiten Profis einen Erkenntnisvorsprung ab, der sie zur Besserwisserei neigen lässt, doktrinär und kritikunfähig machen kann. Als Vertreter einer bestimmten Schule halten sie oftmals verbissen an ihrer Lieblingstheorie fest, über begründete Ahnungen des Hilfesuchenden hinweg, woher seine Belastungen rühren könnten. An die speziellen Methoden, die sie im Laufe ihrer Ausbildung erlernt haben, klammern sich viele Profis auf Teufel komm raus: So, und keinesfalls anders, müsse vorgegangen werden, beharren sie - auch dann noch, wenn die Nutzlosigkeit ihrer Anstrengungen immer offenkundiger, die Widerstände des Klienten immer stärker werden. Nach einmal gestellten Diagnosen verengt sich ihr Blick auf Symptome, Ereignisse und Vorgänge, die dazu lehrbuchgemäß passen. Deshalb neigen sie dazu, Merkmale und Umstände des Klienten zu übersehen oder zu unterschätzen, die darüber hinausreichen. So vermitteln sie ihm das ungute Gefühl, in eine Schublade gezwängt zu werden. Wer nicht, wie Psychoamateure, bloß gelegentlich seelischen Beistand leistet, sondern unentwegt zu helfen versucht, läuft Gefahr, dabei abzustumpfen und auszubrennen. Nach vier bis sechs Berufsjahren, das belegen Studien (16), schwindet bei einem Großteil professioneller Psychotherapeuten die emotionale Anteilnahme. Die meisten fühlen sich „ausgelaugt und fertig“, haben „das Mitleid verlernt“, ihre „Spontaneität verloren“, sagen sie. Das Bedürfnis wächst, sich von ihrer Kundschaft innerlich zu distanzieren. An Erlebnissen von Hilflosigkeit und Ohnmacht leiden sie zunehmend. Dass sie kaum je Rückmeldungen von ihren Klienten bekommen, frustriert sie. 14 Prozent geben an, nicht mehr an die eigene Wirksamkeit zu glauben. Was haben sie dann noch in ihrem Beruf verloren? All diese Faktoren tragen dazu bei, dass in „Auswege“-Camps die Erfolgsquote bei seelisch Belasteten weder deutlich anstieg, sobald Psychoprofis mitwirkten, noch in deren Abwesenheit gravierend absackte. An Standesehre gekratzt Dass ein gestandener Psychotherapeut derartige Befunde als Schlag ins Gesicht empfinden muss, ist ihm mühelos nachzufühlen. Sie bringen sein Selbstverständnis ins Wanken, sie kratzen an seiner Standesehre, sie untergraben seine Autorität, sie nagen an seinem Selbstwertgefühl. Was empfände ein gelernter Koch, wenn er einräumen müsste, dass Oma Berta den Sauerbraten besser hinkriegt als er? Wie erginge es einem Zahnarzt, wenn er mitansehen müsste, wie Hinz und Kunz ein malades Gebiss mindestens ebenso gut saniert wie er? Wie wäre einem Piloten zumute, wenn er im Cockpit kurz vor dem Abflug erfährt, dass seine Boeing heute von einem aeronautischen Quereinsteiger gesteuert wird? Der startet sicher, fliegt um den halben Globus, landet butterweich, heimst den Applaus der Passagiere ein – und erst jetzt stellt sich heraus: Der Kollege ist ein blutiger Amateur, der sich das Fliegen selber beigebracht hat. „Wenn das so einfach wäre“, würde sich der professionelle Pilot zurecht fragen, „wozu habe ich dann eine jahrelange anspruchsvolle Ausbildung durchlaufen?“ Wie sehr eine solche Erfahrung kränken kann, führte mir Beate K.* vor Augen, eine Diplom-Psychologin Ende Dreißig. Anlässlich des 22. Therapiecamps meiner Stiftung im Juni 2016, eines speziell für Betroffene von Burn-out, Depressionen und Lebenskrisen, hatte ich sie in unser 14-köpfiges Helferteam einbezogen. Drei Tage lang erlebte Beate aus nächster Nähe mit, dass ein Großteil der psychisch Schwerbelasteten – 16 Patienten zwischen 36 und 73 Jahren – im Nu Fortschritte machten wie zuvor seit Monaten und Jahren nicht. Weder staatlich anerkannte Psychotherapeuten noch psychiatrische Fachärzte, weder stationäre Klinikaufenthalte noch rezeptgemäß eingenommene Psychopharmaka hatten zuvor deren Pein gelindert. Während dreier abendlicher Teambesprechungen hatte Beate Gelegenheit, unsere Helfer aus deren Sitzungen durchweg Hocherfreuliches berichten zu hören. Von frühmorgens bis spätabends liefen ihr im und ums Camphaus unentwegt Teilnehmer über den Weg, in deren strahlenden Gesichtern sie lesen konnte, um wieviel besser es ihnen seit ihrer Ankunft ging. Trotzdem packte Beate schon am Abend des dritten Camptags ihre Koffer: „Das alles hier kann ich nicht länger mittragen.“ Wieso denn? Hier werde „nicht fachgerecht“ vorgegangen, bemängelte sie. Es gebe „einfach ein Grund-ABC, ein Handwerkszeug, gewisse Regeln und Strategien im Umgang mit bestimmten Diagnosen, die sich auf professioneller Ebene seit Jahrzehnten bewährt haben“. Damit „das alles hier professionell wird“, müsste „auf Strukturebene einiges umgestellt werden“. Schmerzlich vermisste sie „eine grundlegendere, professionellere Haltung“. Meinte sie mit „unprofessionell“, ihrer Lieblingsvokabel, nicht eher „unkonventionell“? Hat denn nicht recht, wer heilt? Unser Tempo sei „zu hoch“, „schnell ist nicht gleich gut“. Also wären keine Erfolge oder solche, die auf sich warten lassen, wünschenswerter als rasche – und pauschale Tempolimits für therapeutisches Vorwärtskommen dringend geboten? „Ihr könnt euch nicht abkoppeln vom Gesundheitssystem“, warf sie ein, „denn dorthin müssen eure Patienten ja anschließend wieder zurück.“ Müssen wir uns dafür entschuldigen, Systemgeschädigten die hilfreichere Medizin zu bieten, und danach trachten, bei uns drinnen dem Draußen nachzueifern? Wo in Wahrheit der Hase im Pfeffer lag, brachte Beate schließlich selbst auf den Punkt: Sie sei „eben von meiner Berufssozialisation geprägt“, „ich hab´s halt anders gelernt“ und „kann einfach nicht aus meiner Haut“. Was sie letztlich das Weite suchen ließ, nennen ihre Fachkollegen eine „kognitive Dissonanz“: jenen unangenehmen Gemütszustand, der sich einstellt, wenn man mehrere Kognitionen hegt – Wahrnehmungen, Gedanken, Meinungen, Einstellungen, Wünsche, Werte oder Absichten -, die miteinander unvereinbar sind. Um wie viel unbehaglicher muss Beate da erst in Anbetracht des nächsten Kapitels zumute sein? (Harald Wiesendanger) Dieser Text ist ein Auszug aus Harald Wiesendanger: Psycholügen, Band 3: Seelentief: ein Fall für Profis?, Schönbrunn 2017, 2. erw. u. aktualisierte Aufl. 2024; 124 S., auch als PDF. Die Folgen dieser Serie („Helfen Psycho-Profis wirklich besser?“) 1        Reichlich erforscht: Viele Laien können mehr 2        Unter den Teppich gekehrt 3        Vogel Dodo beim Wettlauf der Psychotechniker 4        Wie viel bringt Psychotherapie wirklich? 5        Warum nützt Psychotherapie? 6        Warum manche Laien die besseren Therapeuten sind 7        Hochstapler unter Hochstaplern 8        Psychotherapie als Gefahrenherd 9        Nase vorn: Was viele Profis besser können – und weshalb 10    Pragmatismus statt Lobbyismus - Für eine weise Psycho-Politik Anmerkungen 1  Näheres in Band 4 meiner Schriftenreihe Psycholügen, Schönbrunn 2017: Stochern im Nebel - Psycho-Profis erklären nicht besser, was in uns vorgeht. 2  Daniel Goleman: Emotionale Intellgenz, München 1996; Peter Salovey/John D. Mayer: “Emotional Intelligence”, Imagination, Cognition, and Personality, Band 9. S. 185–211; John D. Mayer/P. Salovey/D. R. Caruso: “Emotional Intelligence: Theory, Findings and Implications”, Psychological Inquiry 15/2004. S. 197–215. 3 Nach Erhebungen der OECD: Bildung auf einen Blick – OECD-Indikatoren 2006, Paris 2006. 4  Nach www.nc-werte.info/studiengang/psychologie, Stand: Februar 2015. 5  R. Carkhuff/B. G. Berenson: Beyond counseling and therapy, New York 1967; R. Carkhuff/D. Kratochvil/T. Friel: „The effects of graduate training“, Journal of Counseling Psychology 15/1968, S. 117-126. 6  Zit. R. Carkhuff: „Differential functioning ...“, a.a.O., S. 120 7  R. Carkhuff, ebda., S. 121 8  F. N. Arnhoff: „Some factors influencing the unreliability of clinical judgments“, Journal of Clinical Psychology 10/1954, S. 272-275; E. Taft: „Ability to judge people“, Psychological Bulletin 52/1955, S. 1-23; J. E. Chance/W. Meaders: „Needs and interpersonal perception“, Journal of Personality 28/1960, S. 200-210; J. H. Weiss: „Effect of professional training and amount of accuracy of information on behavioral prediction“, Journal of Consulting Psychology 27/1963, S. 257-262; R. Melloh: Accurate empathy and counselor effectiveness, unveröffentlichte Dissertation 1964, zit. nach B. J. Kalisch: „Strategies for developing nurse empathy“, Nursing Outlook 11/1971, S. 714-718. 9  Irvin D. Yalom: Gruppenpsychotherapie - Ein Handbuch, München 1974, S. 80 f. 10  Ein besonders eindrückliches Fallbeispiel schildere ich in Band 10 meiner Schriftenreihe Psycholügen: Der Psychofalle entkommen - Wie psychisch Belastete einen Ausweg fanden - ohne professionelle Seelenhelfer und Chemikalien, Schönbrunn 2017, darin das Kapitel “Die Blitzheilung einer Schwerstdepressiven”, S. 92-108, https://stiftung-auswege-shop.gambiocloud.com/der-psychofalle-entkommen-auswege-schriftenreihe-psycholuegen-band-10-printausgabe.html 11 Stimmen von Campteilnehmern zitiert die Stiftung Auswege in ausführlichen Dokumentationen ihrer Therapiecamps, s. www.stiftung-auswege. de/veranstaltungen/fruehere-camps.html. 12 In einem Schwerpunktheft über „Extratherapeutische Wirkfaktoren“ ihrer Zeitschrift Verhaltenstherapie & Psychosoziale Praxis 46 (2) 2014. 13 Hans-Ulrich Ahlborn: „Psychotherapie und ihre Risiken“, Paracelsus-Magazin 6/1997. 14 James D. Guy/Gary P. Liabuc: „The impact of conducting psychotherapy on psychotherapists´ interpersonal functioning“, Professional Psychology: Research and Practice 17 (2) 1986, S. 111-114. 15  Nach Süddeutsche Zeitung Nr. 24, 30.1.2017, S. 16: „Vernunft mit Gefühl“, U. Kunzmann: „Wisdom“, in R. Schulz (Hrsg.): The Encyclopedia of Aging, 4. Aufl. New York 2006. 16  Dieter Kleiber (Hrsg.): Die Zukunft des Helfens. Neue Wege und Aufgaben psychosozialer Praxis, Weinheim 1986; ders. mit A. Kuhr (Hrsg.): Handlungsfehler und Misserfolge in der Psychotherapie, Tübingen 1988. Titelbild: erzeugt mittels Microsofts KI „Bing Image Creator“.

  • Warum nützt Psychotherapie?

    Soweit Psychotherapie wirkt: Weshalb tut sie das? Wenn Profis mit unterschiedlichsten Vorgehensweisen und Theorien weitgehend gleich viel erreichen, kann ihr Erfolgsrezept wenig damit zu tun haben, was sie während ihrer jeweiligen Ausbildung gelernt haben. Worin besteht es dann? Aus dem “Dodo-Bird-Paradox” folgt: Der Ertrag verschiedener Psychotherapierichtungen hängt kaum bis gar nicht davon ab, auf welchen Wegen er erzielt wird. Also muss er auf anderen Faktoren beruhen: solchen, die sie alle gemeinsam haben, allen Abgrenzungsgefechten zum Trotz. Der Forschungsstand hierüber lässt an Eindeutigkeit kaum zu wünschen übrig: Den Ausschlag geben sogenannte unspezifische Wirkfaktoren, wie Fachleute sie nennen. Psychotherapie, egal welche,  gelingt nur dann, wenn die Hauptbeteiligten, der Behandler ebenso wie der Behandelte, mehrerlei dazu beitragen: Auf den Klienten kommt es an Der Hilfesuchende profitiert am ehesten, wenn er fähig und willens ist, sich zu verändern. Er ist zuversichtlich, dass der Therapeut ihm helfen kann und will. Er vertraut ihm. Er ist offen. Er hegt keine überzogenen Erwartungen, rechnet nicht mit einer blitzschnellen, vollständigen Genesung biblischen Ausmaßes. Den äußeren Rahmen der Behandlung, das healing setting, empfindet er als geeignet, angemessen und angenehm. Er sieht wesentliche Bedürfnisse durch die Therapie befriedigt. Er spürt Wertschätzung, fühlt sich angenommen und verstanden, entwickelt ein Gefühl von Zusammengehörigkeit. Die vorgeschlagene Erklärung seines Problems macht er sich zueigen. Er akzeptiert die eingesetzte(n) Methode(n). Von seinem Umfeld, einschließlich seiner wichtigsten Bezugspersonen, lässt er sich nicht beirren. Er ist kooperativ, übernimmt Therapieziele und strebt sie beharrlich an. Was einen guten Psychotherapeuten auszeichnet Und wie steht es mit dem Helfer? Sein Einsatz nützt, wenn es ihm gelingt, Sympathie und Vertrauen des Klienten zu gewinnen. Er ist optimistisch und vermittelt seine Zuversicht überzeugend. Er gibt sich nicht streng, distanziert und kalt, sondern freundlich, zugewandt, warmherzig und emotional beteiligt. Er strahlt Sicherheit, Gelassenheit und Erfahrung aus. Er wirkt offen und ehrlich. Das Problem benennt er in einer Weise, die dem Klienten einleuchtet. (Ob die Diagnose tatsächlich zutrifft, ist zweitrangig.) Er stellt dessen Problem in den Vordergrund und bietet für es eine Erklärung an, die der Klient nachvollziehen kann: einen einleuchtenden Mythos. (Ob sie stimmt, ist unerheblich.) Er wirkt nicht abwesend, sondern bei der Sache; nicht verkrampft, sondern entspannt. Er ist empathiefähig, das heißt, er kann die Perspektive des Hilfesuchenden übernehmen, sich in ihn hineinversetzen und einfühlen. (Dazu mehr im Band 4 meiner Schriftenreihe Psycholügen: Stochern im Nebel.) Er versteht es, ein lebendiges Gespräch in Gang zu bringen und aufrechtzuerhalten. Er setzt keine Leichenbittermiene auf, sondern gibt sich humorvoll. Er motiviert dazu, am therapeutischen Prozess mitzuwirken; der Hilfesuchende soll zum bewussten, aktiven Selbstheiler werden, kein untätig Aufnehmender bleiben. Dabei berücksichtigt der Helfer persönliche Stärken des Hilfesuchenden; er ermutigt ihn dazu, sie sich bewusst zu machen, zu nutzen und stolz darauf zu sein: Fähigkeiten, Erfahrungen, Interessen und positive Charaktereigenschaften. (Sozialwissenschaftler sprechen von Empowerment.) Er bringt ihm Wertschätzung entgegen und stärkt sein Selbstwertgefühl, statt ihn wegen Schwächen und Fehlern schlechtzureden. Er vermittelt den Eindruck, aufmerksam zuzuhören und interessiert Anteil zu nehmen. Unvorhergesehenen Situationen und überraschenden Wendungen im Therapieverlauf passt er sich flexibel an. Missverständnisse räumt er behutsam aus. Beim Einsatz von Methoden, beim Anbieten von Deutungen erweist er sich als kreativ. Es gelingt ihm, dem Klienten eine neue Sichtweise auf das Problem zu vermitteln und Hinweise zu geben, wie er es aus eigener Kraft bewältigen kann. Er führt ihm Chancen vor Augen, zeigt Auswege auf. Er fördert tragfähige soziale Beziehungen. Nichts von alledem überfordert Laienhelfer grundsätzlich. Nichts von alledem kann der Profi nur dank eines wissenschaftlichen Studiums. Nichts von alledem kann er erst, seit er Prüfungen bestanden hat. Nichts von alledem kann er anschließend besser als vorher. Stimmt die Beziehung? Nicht minder kommt es auf die Qualität der Beziehung an, die Helfer und Hilfesuchender zueinander aufbauen. Auf ihr gemeinsames Ziel hin, eine innere Belastung zu beseitigen, vollziehen sie miteinander ein Ritual, über dessen Spielregeln sie sich einig sein müssen. Gleichgültig, wieviel Wirkungsmacht Psychotherapien von ihren Anhängern zugetraut wird: Eine wie die andere scheitert, wenn die Hauptbeteiligten, Helfer und Hilfesuchender, einander misstrauisch, ablehnend, feindselig gegenüberstehen. Wenn sie nicht recht ins Gespräch miteinander kommen. Wenn einer, oder gar beide, hinsichtlich der Erfolgsaussichten schwarz sehen. Sie scheitert, wenn der Hilfesuchende mit der gestellten Diagnose nichts anfangen kann, ihm die angebotene Erklärung seines Problems nicht einleuchtet, die eingesetzten Methoden widerstreben. Sie scheitert, wenn ihm sein Therapeut unsicher, desinteressiert, teilnahmslos, gleichgültig vorkommt. Sie scheitert, wenn er seine Mitwirkung verweigert, täuscht und lügt. Der entscheidende Faktor ist bei jeder beliebigen Psychotherapie nicht etwa der Anwender, sondern der Behandelte – an ihm liegt es, die eigentliche Arbeit zu leisten. Wie in der Medizin allgemein, so gilt auch in der Psychotherapie: Jegliche Heilung ist letztlich Selbstheilung. Der Klient muss fähig und willens sein, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen, andernfalls scheitert auch der vielversprechendste Ansatz. Der Therapeut kann Anregungen, Rückmeldungen und Ratschläge geben, neue Ideen einbringen, auf Bewährtes hinweisen, Fehleinschätzungen berichtigen, neue Perspektiven eröffnen, Handlungsoptionen aufzeigen, motivieren, vor Risiken und Gefahren warnen – das eigene Denken, Fühlen, Handeln verändern kann letztlich nur der Klient selbst. Darüber hinaus unterschätzen viele Psychoprofis, wie wichtig sogenannte „Unterstützungsnetze“ - Support Networks - im sozialen Umfeld sind. Konflikte in der Partnerschaft und Familie, aber auch Ärger am Arbeitsplatz, anhaltende Spannungen im Freundeskreis, im Verein, in der Gemeinde, in der Nachbarschaft können Fortschritte erschweren, verhindern oder zunichte machen. (1) „Vierzig Prozent der Unterschiede in Behandlungsergebnissen gehen auf Faktoren außerhalb der Behandlung zurück“, schätzt der US-Therapieforscher Michael J. Lambert. (2) Psychotherapie scheitert zuverlässig, wenn das soziale Umfeld alle Bemühungen zunichte macht. Leistungsunterschiede zwischen Therapeuten, gleich welcher Schule, haben demnach so gut wie nichts mit der Methode zu tun, die sie bevorzugen. Hauptsächlich rühren sie daher, dass ihre Persönlichkeitsmerkmale und sozialen Fähigkeiten sie unterschiedlich geeignet machen, Belastete auf ihrem mühseligen Weg zu begleiten. Die Eignung hierzu muss keineswegs notwendig auf besonders positiven Charaktereigenschaften beruhen. Mitunter kriegen es ausgesprochene Hallodris und Scharlatane besonders gut hin, Hilfesuchende zu Veränderungen zu bewegen, wenn sie den Alleswisser geben, der mit sonorer Stimme von oben herab Durchhalteparolen ausgibt. Seit Sigmund Freud, dem unübertroffenen Charismatiker, tummeln sich in der Seelenheilkunde etliche solcher gewiefter Psychodirigenten. Allgemeine Wirkfaktoren befähigen Laienhelfer – wie “Auswege”-Camps lehren Allgemeine Wirkfaktoren (3) erklären, warum viele Laien psychisch Belasteten ebensogut helfen können wie Psycho-Experten: Die Kompetenzen, auf die es dabei ankommt, erwirbt ein jeder von uns nicht erst in Universitäten und Akademien, sondern von Kindesbeinen an, im Laufe seiner Sozialisation. Die Fähigkeit, solche Faktoren in die Behandlung einzubringen, zeichnet Laienhelfer in den Therapiecamps meiner Stiftung Auswege aus. Mit einem Durchschnittsalter deutlich über Fünfzig und mittleren zwanzig Jahren Praxis bringen sie jede Menge Erfahrung im Umgang mit Hilfesuchenden mit. Auf die Bedürfnisse, Fragen, Sorgen und Ängste von Patienten gehen sie vorbildlich ein, wie Auswertungen von abschließend ausgefüllten Fragebögen belegen: Über 98 Prozent der Campteilnehmer charakterisieren ihre Helfer darin als „sicher“, „geduldig“, „höflich“, „einfühlsam“ und „ermutigend“, nehmen sie als „kompetent“, „vertrauenserweckend“, „bescheiden“, „überzeugend“ und „unaufdringlich“ wahr. Ebensoviele würden sie deshalb „uneingeschränkt weiterempfehlen“. Gleichermaßen dickes Lob ernteten Christine, Ulrike, Verena und Regine, vier ausgebildete, erfahrene Psychotherapeutinnen, wie auch Gisa und Milan, zwei erfahrene Fachärzte für Psychiatrie. Jene „Auswege“-Camps, an denen sie mitwirkten, bereicherten sie enorm: allerdings nicht in erster Linie durch Informationsvorsprünge dank überlegenen Fachwissens und psychotechnischer Raffinesse, sondern durch ihre herzliche, einfühlsame Art, mit Hilfesuchenden umzugehen, gepaart mit Selbstsicherheit und Erfahrung – durch Vorzüge indes, die andere, vermeintlich unqualifizierte Teammitglieder nicht minder einzubringen verstanden. Unter den vielerlei Zutaten, die zusammen das Erfolgsrezept der „Auswege“-Camps ausmachen (4), geben diese allgemeinen Wirkfaktoren vermutlich den Ausschlag. Von der Eröffnungsveranstaltung an prägen sie das Miteinander aller Beteiligten durchgängig. Atemberaubend rasch lassen sie eine Atmosphäre entstehen, deren Intensität mich jedesmal aufs Neue fasziniert und bewegt. Ein Blick auf die offiziellen Programmpunkte eines typischen Camptags, mit bis zu fünf Einzelterminen für jeden Teilnehmer bei verschiedenen Teammitgliedern, verleitet deshalb zu falschen Schlüssen. Beraten und behandelt werden unsere Patienten und ihre Angehörigen im Grunde nicht bloß vier- bis fünfmal 30 bis 60 Minuten pro Tag – eine einzige Heilsitzung findet statt, und sie dauert zwei Drittel des ganzen Tages, ohne Pause: beginnend am frühen Morgen, mit dem gemeinsamen Frühstück ab acht Uhr, bis kurz vor Mitternacht, wenn sich die letzten Gesprächsrunden im Anschluss an das Abendprogramm aufgelöst haben. 15 bis 16 Stunden lang wird ununterbrochen geheilt: von den 15 bis 20 Teammitgliedern, aber auch von den 20 bis 30 Patienten samt Angehörigen, gleich welchen Alters. Miteinander bilden sie eine heilsame Gemeinschaft, in der jeder reichlich zurückbekommt, was er einbringt: Aufmerksamkeit, Anteilnahme, Zuwendung, Mitgefühl, Wohlwollen, Wertschätzung. Diese Mixtur bringt binnen einer Woche die meisten psychisch Belasteten eher ins Gleichgewicht als alle vorherige, oft jahrelange professionelle Betreuung – mehr als etliche mehrwöchige Klinikaufenthalte, als diverse, oft jahrelange Psychotherapien, als nebenwirkungsreiche Medikamente. Führt das nicht eindrücklich vor Augen, wieviel mehr angewandte Seelenheilkunde erreichen könnte, wenn sie aus den Therapiecamps der Stiftung Auswege lernen würde, worauf es dabei am allermeisten ankommt? Was Psychotherapie wirksam erscheinen lässt Vielen Patienten, denen unstrittig eine professionelle Psychotherapie außerordentlich gut getan hat, mag eine derartige Sichtweise unerhört vorkommen, ja geradezu absurd. „Ohne meinen Therapeuten wäre ich bis heute ein seelisches Wrack, vielleicht würde ich nicht mehr leben“, sagen manche. „Weder mein Lebensgefährte noch irgendein Verwandter, nicht einmal meine allerbesten Freunde hatten mir zuvor helfen können.“ Aber solche subjektiven Gewissheiten sind womöglich voreilig. Zum einen ist nie auszuschließen, dass dankbare Patienten einem der meistverbreiteten Fehlschlüsse erliegen: post hoc ergo propter hoc – „weil es mir nach der Therapie besser ging, muss es mir ihretwegen besser gegangen sein“. Sie verkennen, dass selbst schwerstes seelisches Elend im Laufe der Zeit von alleine abklingen kann. „Die Zeit heilt alle Wunden“, so versichert der Volksmund, und darin steckt durchaus ein Quentchen Wahrheit. Intensitätsschwankungen kennzeichnen die allermeisten psychischen Störungen. Zum Psychotherapeuten eilt man im Befindlichkeitstief, und auch ohne ihn ginge es früher oder später höchstwahrscheinlich wieder aufwärts. Ferner könnte die Besserung von therapiebegleitenden Umständen herrühren, mit denen die Behandlung überhaupt nichts zu tun hatte: beispielsweise eine neue Partnerschaft, Veränderungen am Arbeitsplatz, ein Wohnungswechsel, familiäre Ereignisse, einschneidende Begegnungen und Erfahrungen, eine glückliche Fügung, eine unverhoffte Chance. Die Unterlegenheit des Laienhelfers: eine “self-fulfilling prophecy”? Im übrigen pflegt kaum ein Klient spezifische und allgemeine Wirkfaktoren auseinanderzuhalten. Der mit Abstand wichtigste allgemeine Faktor ist er selbst: Seine Bereitschaft, sich auf die Therapie ein- und von ihr verändern zu lassen, gibt letztlich den Ausschlag. Wenn Betroffene in ihrem unmittelbaren sozialen Umfeld nicht jene Hilfe fanden, für die sie ihren Therapeuten lobpreisen, so möglicherweise deshalb, weil sie Menschen, die ihnen nahestehen, eine solche Hilfe gar nicht erst zutrauten. Therapeuten genießen bei psychisch Belasteten im allgemeinen einen gewaltigen Vertrauensvorschuss. Wenn deren Überlegenheit, wie erläutert, herzlich wenig von irgendwelchen Techniken und Theorien herrührt: woher dann? Des Rätsels Lösung liegt zum Teil in einem Placebo-Effekt: Erst der feste Glaube des Patienten, Psychotherapie bringe mehr, macht sie deutlich wirkungsvoller als das, was mancher Laie an Rat und Unterstützung anzubieten hätte. Entscheidend ist der Entschluss, die Erfolgserwartung des Therapeuten zu übernehmen und ihn für kompetent genug zu erachten, eine effektive Behandlung hinzukriegen. Dazu verleiten all jene Statusmerkmale, die Profis Laien voraushaben: Sie haben Psychologie oder Medizin studiert, können neben der theoretischen auch eine ausgiebige praktische Ausbildung vorweisen, tragen akademische Titel, müssen folglich hochqualifiziert sein. Psychotherapie ist schließlich ihr Beruf. Sie empfangen Hilfesuchende in besonderen Räumlichkeiten mit besonderem Ambiente. Neben ihrer Türklingel hängt ein mehr oder minder ansprechendes Praxisschild. In ihren Bücherregalen stapelt sich Fachliteratur. Ins Gespräch streuen sie imposantes Fachchinesisch ein. Im Gesundheitswesen gelten sie als geachtete Akteure, auch der Herr Doktor empfiehlt sie mitunter, häufig kommen Krankenkassen für die Kosten auf. Sie treten mit dem Selbstbewusstsein von Sachverständigen auf, erstellen Befundberichte, Gutachten und Rechnungen auf ansprechenden Briefbögen, beeindrucken mit Visitenkarten und Flyern. Aber, um dies nochmals zu unterstreichen: Wie die Therapieforschung der vergangenen Jahrzehnte lehrt, ist in Wahrheit kein einziges dieser Merkmale aussagekräftig. Bedeutsam wird es erst als Gutgläubigkeit förderndes Drumherum. Warum neigt der Problembelastete trotzdem dazu, einen Profi dem Laienhelfer vorzuziehen? Zum Placebo-Effekt gesellen sich etliche weitere Gründe, die meisten rühren von Kurzschlüssen aus unhinterfragten Vorurteilen her, die im Zeitalter der Expertokratie geradezu dogmatisch gelten: Profis seien kompetenter. Ihre Ausbildungen und Diplome bürgten für Qualität. Von Berufs wegen hätten sie mehr Erfahrung. Sie könnten besser feststellen und erklären, was mit ihm los ist. Sie verfügten über weitaus wirksamere Techniken, seinem Problem beizukommen. Weder er noch seinesgleichen könnten beurteilen, was ihm fehlt. Massenmedien schüren unkritisch solche Überzeugungen, Mitmenschen sorgen für zusätzlichen Druck. Ausgangspunkt des kurzen Wegs zum professionellen Helfer ist eine Kapitulation vor dem Zeitgeist: Man erklärt sich einverstanden damit, sein Lebensproblem als psychische Krankheit definieren, sich zum Patienten erklären zu lassen. Wer krank ist, wird zum Fall für die Medizin; wer psychisch krank ist, für den ist das Fachgebiet Psychiatrie zuständig - und fürs nichtmedikamentöse Behandeln eine ihrer Hauptsäulen, die Psychotherapie. Dass sie Teil des offiziell anerkannten Gesundheitssystems ist, verschafft ihr Glaubwürdigkeit und Autorität. Sich ihr auszuliefern und unterzuordnen, sie die Verantwortung für sich übernehmen zu lassen, ist eine nachvollziehbare Tendenz von Menschen, die sich in akuten Lebenskrisen, erst recht bei chronischen Seelentiefs damit überfordert wähnen, mündige Bürger zu bleiben. Sie fühlen sich inkompetent, ratlos und schwach, und keines Laien Schultern sind breit genug, ihnen beim Anlehnen so viel vermeintliche Sicherheit zu vermitteln, wie das jemandem gelingt, der sich selbstbewusst traut, als Experte aufzutreten, weil alle ihn dafür halten. (Harald Wiesendanger) Dieser Text ist ein Auszug aus Harald Wiesendanger: Psycholügen, Band 3: Seelentief: ein Fall für Profis?, Schönbrunn 2017, 2. erw. u. aktualisierte Aufl. 2024; 124 S., auch als PDF. Die Folgen dieser Serie („Helfen Psycho-Profis wirklich besser?“) 1        Reichlich erforscht: Viele Laien können mehr 2        Unter den Teppich gekehrt 3        Vogel Dodo beim Wettlauf der Psychotechniker 4        Wie viel bringt Psychotherapie wirklich? 5        Warum nützt Psychotherapie? 6        Warum manche Laien die besseren Therapeuten sind 7        Hochstapler unter Hochstaplern 8        Psychotherapie als Gefahrenherd 9        Nase vorn: Was viele Profis besser können – und weshalb 10    Pragmatismus statt Lobbyismus - Für eine weise Psycho-Politik Anmerkungen 1  S. M. Monroe/D. F. Imhoff/B. D. Wise/J. E. Harris: „Prediction of psychological  symptoms under high-risk psychosocial circumstances:  Life events, social support,  and  symptom specificity“, Journal of Abnormal Psychology 92/1983, S. 338–350. 2  Michael J. Lambert: „ Implications of outcome research for psychotherapy integration“, in  J. C. Norcross/ M. R. Goldstein (Hrsg.): Handbook of Psychotherapy Integration, New York 1992, S. 94-129. 3  Siehe Jerome D. Frank: Persuasion and Healing. A Comparative Study of Psychotherapy (1961), 3. Aufl. Baltimore 1991. Franks „unspezifische Wirkfaktoren“ finden sich weitgehend wieder bei Hilarion G. Petzold: „Integrative Therapie – Transversalität zwischen Innovation und Vertiefung. Die Vier Wege der Heilung und Förderung’ und die ‚14 Wirkfaktoren’ als Prinzipien gesundheitsbewusster und entwicklungsfördernder Lebensführung“, Integrative Therapie 3/2012. 4  Siehe Harald Wiesendanger: Heilzauber oder was? Das Erfolgsgeheimnis der „Auswege“-Camps,  Schönbrunn 2014. Titelbild: Drazen Zigic/Freepik

  • Wie viel bringt Psychotherapie wirklich?

    Dass professionelle Seelenhilfe nützt, steht für Fachkreise außer Frage. Zweifel daran werden als völlig absurd und wissenschaftlich widerlegt abgetan. Zu Unrecht. „Die Psychotherapie zählt zu den wirksamsten Verfahren der Medizin”, so versichert uns ein Autorenteam um Professor Ulrich Schnyder, als Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsspitals Zürich und Ex-Vorsitzender dreier Branchenverbände in Fachkreisen eine große Nummer, in der Zeitschrift Der Nervenarzt. Eindrucksvolle Behandlungseffekte seien mittlerweile „für fast alle psychiatrischen Störungsbilder wissenschaftlich belegt“. (1) „Psychotherapie ist wirksam“, verbreitet natürlich auch die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) und fügt hinzu: „Je länger, desto besser.“ Sie verweist auf „viele kontrollierte Studien“, in denen „der Nachweis“ für die Wirksamkeit von Psychotherapie „bei nahezu allen psychischen Erkrankungen erbracht wurde“ (2) Als Beweis führt sie ein aufwändiges „Qualitätsmonitoring“ aus dem Jahr 2011 an, mit 1708 Patienten und 400 Psychotherapeuten, in Auftrag gegeben von der Techniker Krankenkasse: Bei 65 Prozent sei „eine Abnahme der Problematik“ zu verzeichnen gewesen. (3) Wow. Eine solche Quote würde sogar bewährte medizinische Maßnahmen bei körperlichen Erkrankungen in den Schatten stellen, wie etwa eine Bypass-Operation bei verstopften Blutgefäßen oder Medikamente gegen Arthritis. Alles in allem scheint glasklar: Psychotherapie wirkt. Zu diesem Ergebnis kam unter rund 250 große Überblicksarbeiten zum Forschungsstand bezüglich ihres Nutzens immerhin fast jede vierte. (4) Kein Lehrbuch versäumt, auf diese angeblich solide Datenlage hinzuweisen. Die ganze Wahrheit verfehlen solche Eigenlobhudeleien, gelinde gesagt, nicht bloß haarscharf, sondern kilometerweit. Die vorgeblichen Beweise zerbröseln im Härtetest wie luftige Kekse unter kräftigem Daumendruck. Dürftige Beweislage Das erlebte beispielsweise Steven Hollon, ein namhafter Therapieforscher von der Vanderbilt-Universität in Nashville, Tennessee. (5) Gemeinsam mit zwei niederländischen Kollegen nahm er unter die Lupe, was an wissenschaftlichen Bestätigungen für die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) bei Depressionen vorliegt: ein Behandlungsansatz, der Patienten dazu bewegen soll, düstere bis rabenschwarze Gedanken über sich und die Welt durch realistischere zu ersetzen und am Leben aktiv teilzunehmen. In den siebziger Jahren aufgekommen, gilt KVT inzwischen als „Goldstandard für die Behandlung zahlreicher Störungen“. (6) Hollons Team nahm sich sämtliche 55 Studien zur kognitiven Verhaltenstherapie bei Depressionen vor, welche der National Health Service (NHS), die oberste Gesundheitsbehörde der USA, zwischen 1972 und 2008 gefördert hatte. Dabei kam reichlich “Underreporting” zum Vorschein: Die Ergebnisse fast jeder vierten Studie waren nie publiziert worden. Warum verschwieg man sie? Auf Nachfrage bei den jeweiligen Studienleitern kam heraus: In den unveröffentlichten Untersuchungen hatte die KVT erheblich schlechter abgeschnitten als in den bekanntgewordenen. Würden alle ausgewertet, so müsste man die glänzende Erfolgsbilanz deutlich nach unten berichtigen – sie fiele noch schlechter aus als die fürs Verabreichen von Antidepressiva. Damit nicht genug: Die vermeintlich erfolgreichen Therapiestudien erschlichen sich ihre prächtige Statistik überwiegend durch methodische Schlampereien. Da wurden Versuchspersonen der Behandlungs- oder Vergleichsgruppe nicht streng randomisiert zugeteilt, durch einen unabhängigen Dritten, einen Zufallsgenerator oder versiegelte Umschläge. Daten wurden nicht „blind“ ausgewertet, also von jemandem, der über die Gruppenzuteilung nichts wusste. Man berücksichtigte nur diejenigen Patienten, die von Anfang bis Ende teilgenommen hatten, anstatt auch jene einzubeziehen, die vorzeitig ausgestiegen waren. Nach demselben Maßstab erwiesen sich von 115 weiteren Depressionsstudien 104 als schlecht gemacht. Dafür glänzte ihr Zahlenwerk: Psychotherapie schien jedem zweiten Depressiven zu helfen. Eher das Gegenteil bewiesen die elf einwandfrei durchgeführten Untersuchungen: Nur einer von acht Patienten profitierte. (7) Dieses Manko bleibt keineswegs auf die Behandlung von Depressionen beschränkt. „Die Fachliteratur zur Psychotherapie“, so räumt der Gesundheitspsychologe James Coyne von der niederländischen Universität Groningen ein, „ist derzeit von zu schlechter Qualität, als dass sie eine verlässliche Hilfe für Therapeuten, Patienten und Verantwortliche in den Entscheidungsgremien wäre.“ (8) Vangelis Evangelou kann da nur zustimmen. Im Jahr 2017 knöpfte sich der griechische Statistiker von der Universität Ioannina mehr als 247 Meta-Analysen von 5157 scheinbar hochwertigen Forschungsarbeiten über Psychotherapieffekte vor: sogenannte “kontrollierte” Studien (RCTs). 196 dieser Überblicksarbeiten waren zu dem Ergebnis gekommen, Psychotherapie habe signifikante positive Wirkungen. Evangelou interessierte sich vor allem für den Studienaufbau und das Kleingedruckte. Dabei fander zahlreiche Hinweise für Verzerrungen: Vielekleinere Studien vermeldeten Erfolge, die sich in größeren nicht bestätigen ließen. Führte ein Vertreter einer bestimmten Psychotherapieform die Studie selbst durch, so erschien sie erheblich wirksamer, als wenn andere sie prüften. Nur weniger als zehn Prozent der analysierten Studien wiesen keine derartigen Verzerrungen auf. (9) Aufgehübschte Erfolgsbilanz Dem Aufhübschen der Statistik dient eine oft bevorzugte Methode zur Datenerhebung: Die eine Hälfte der Versuchspersonen wird sofort behandelt, die andere kommt zunächst auf eine Warteliste, sie dient als Vergleichsgruppe. Die erzwungene Warterei tut aber nicht gut: Sie frustriert und legt den Hingehaltenen nämlich nahe, vorerst sei keine Besserung zu erwarten, weil die Therapie ja erst noch folgt. Das erzeugt fatalerweise einen Nocebo-Effekt (lat. „es wird mir schaden“), die dunkle Kehrseite des Placebo-Effekts. Schon allein dadurch wächst die gemessene Wirkdifferenz zwischen Behandlungs- und Vergleichsgruppe. Ein weiterer Dreh, um mit Statistik Eindruck zu schinden: Wer vorzeitig aussteigt, wird einfach nicht mitgezählt. Eingerechnet werden nur diejenigen, die bis zum Ende am Ball bleiben und anschließend bereit sind, Rückmeldung zu geben. Damit fällt immerhin jeder Fünfte unter den Tisch. (10) Therapieabbrüche können etliche Gründe haben: Geld wird knapp, man zieht um, zu einem anderen Profi ist der Weg kürzer, eine körperliche Erkrankung kommt dazwischen. Manchmal fühlt sich der Behandelte so viel besser, dass er weitere Sitzungen für überflüssig hält. Doch am häufigsten machen Hilfesuchende nicht weiter, weil die „Chemie“ zwischen ihnen und dem Therapeuten nicht stimmt, seine Bemühungen nichts bringen oder sich ihr Zustand gar verschlechtert. Damit nicht genug: Verzögerte Misserfolge erfasst ein Großteil der Studien gar nicht erst - Verschlimmerungen, zu denen es jenseits des Beobachtungszeitraums kommt. Was ist ein dickes Patientenlob am Ende der allerletzten Sitzung wert, wenn es den Betreffenden schon bald danach wieder elend geht? (11) Nachuntersuchungen beheben das Manko nur teilweise: Wer hat schon mehrere Monate später noch Lust darauf, sich von Wissenschaftlern ausgiebig interviewen zu lassen? Die Stabilgebliebenen wohl eher als jene, die sich weiterhin mies fühlen, wenn nicht gar bedrückter denn je. Bezeichnender Generationseffekt Noch dünner wird das Eis, sobald man ältere Effektstudien zu einzelnen Psychotherapien mit jüngeren vergleicht. Diese Mühe machten sich die norwegischen Therapieforscher Tom Johnsen und Oddgeir Friborg von der Universität Oslo. Die beiden nahmen sich 70 Studien zu den vermeintlichen Segnungen der kognitiven Verhaltenstherapie vor, die seit Ende der siebziger Jahre erschienen waren. (12) In den ersten Untersuchungen glänzte das Verfahren – zumindest auf dem Papier. Doch von da an ging es zügig bergab, mittlerweile hilft es nur noch halb so gut. Weshalb? Die frühesten Studien wurden weniger streng durchgeführt, unliebsame Ergebnisse eher unter den Teppich gekehrt. Die beteiligten Therapeuten zählten zur „ersten Generation“: Sie hatten die Therapie mitentwickelt oder noch von den geistigen Urhebern vermittelt bekommen. In ihrer Aufbruchstimmung, ihrer Euphorie, ihrem oft missionarischen Eifer behandelten sie durchweg engagierter, begeisterter, hingebungsvoller. Ihre Nachfolger hingegen waren eher darauf aus, sich geflissentlich an die methodischen Vorgaben zu halten, die ihnen die Gründergeneration eingeschärft hatte – auf Kosten von Intuition, Spontaneität, Kreativität, Flexibilität, Authentizität und Empathie. Davon abgesehen wissen heutige Patienten, dank Dr. Google, erheblich mehr über Grenzen und Schwächen von Psychotherapien. Darunter leidet vielfach ihr Vertrauen, ihr Glaube an Wirksamkeit und Nutzen des Angebotenen. Es leidet zurecht. So dürftig Psychotherapie tatsächlich abschneidet, sobald Wirkungsforschung sie auf den stellt – im Praxisalltag nehmen sich ihre behaupteten Erfolge noch kümmerlicher aus. Denn die allermeisten Untersuchungen finden an Universitätskliniken und Hochschulinstituten statt, wo Patienten sorgfältig vorausgewählt werden. Multimorbide – solche, die gleichzeitig an mehreren Störungen leiden – dürfen zumeist gar nicht erst mitmachen. Dabei sind gerade sie in der Praxis die Regel, therapeutisch stellen sie viel schwerer zu knackende Nüsse dar. Ist unentbehrlich, was sparen hilft? Wie kann man an wissenschaftlicher Psychotherapie zweifeln, wo sie doch prima sparen hilft? So argumentiert Jürgen Margraf, Professor an der Uni Basel, nachdem er 54 Studien mit insgesamt über 13.000 Patienten ausgewertet hatte, die in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts über Kosten und Nutzen ambulanter Psychotherapie erschienen waren. (13) “Dabei”, so fand er, “wurde in 95 % der einschlägigen Studien eine bedeutsame Kostenreduktion durch Psychotherapie festgestellt, in 86 % zeigte sich zudem eine Netto-Einsparung”, also ein “positives Kosten-Nutzen-Verhältnis nach Abzug der Psychotherapiekosten”. In 76 % der berücksichtigten Studien “war Psychotherapie gegenüber medikamentösen Strategien überlegen”. All dies ist erfreulich und lobenswert, lässt aber eine unverschämte Frage offen: Hätten 54 Studien über Kosten und Nutzen von Selbsthilfegruppen für psychisch Gestörte erheblich niedrigere Prozentzahlen ergeben? Trügerische Umfragewerte Alles in allem ist es mit der „wissenschaftlich erwiesenen“ Wirksamkeit von Psychotherapie also nicht weit her. Wie Metaanalysen der vorliegenden klinischen Studien übereinstimmend belegen, bessern sich bei 30 bis 50 Prozent der Patienten die Beschwerden überhaupt nicht, während sie eine Psychotherapie in Anspruch nehmen, und bei noch weniger, wenn diese schon ein paar Wochen zurückliegt. Bei fünf bis zehn Prozent verschlechtert sich ihr Zustand schon, während sie sich noch in Behandlung befinden. (14) Obwohl in den vergangenen Jahrzehnten Hunderte neuer Therapieverfahren hinzukamen, hat sich an diesen belämmernden Verhältnissen nichts geändert. Derart in der Zwickmühle, verweisen Fachkreise mit Vorliebe auf schmeichelhafte Umfragen unter Patienten. Denn letztlich komme es ja darauf an, was die Hilfesuchenden selbst von Psychotherapie halten, nachdem sie sich darauf eingelassen haben. Wenn ihr Leidensdruck nachlässt oder sich gar verflüchtigt: Ist es nicht das, was letztlich zählt - das Befinden, viel mehr als irgendein Befund? Auf den ersten Blick schinden die vorgelegten Zahlen wahrlich Eindruck. So versicherten Anfang 2012 in einer Erhebung unter 2129 ehemaligen oder momentanen Psychotherapie-Patienten ab 14 Jahren mehr als zwei Drittel, durch die Behandlung kämen sie mit ihren Problemen besser zurecht. Weitere 13 Prozent erklärten, ihre Schwierigkeiten hätten sich sogar gänzlich verflüchtigt. (15) Unter all jenen, die sich einer Psychotherapie unterziehen, geht es nach eigenen Angaben 70 bis 80 Prozent besser als denen, die nichts unternehmen -  eine stattliche Quote, findet der klinische Psychologe Sven Barnow, Professor an der Universität Heidelberg. Immerhin übertreffe sie die Erfolgsraten von Chemotherapie bei Brustkrebs (11 Prozent) und Aspirin zur Vorbeugung von Herzinfarkten (7 Prozent). „Psychotherapie wirkt sehr gut“, schlussfolgert er. (16) Unter 1212 Erwachsenen, die sich ambulant – also nicht tagesklinisch oder stationär - psychotherapieren ließen, äußerte sich in einer Umfrage der Universität Leipzig 2011 die deutliche Mehrheit rückblickend ebenfalls überaus zufrieden: 70 Prozent können seither besser mit Stress umgehen, 74 Prozent empfinden mehr Lebensfreude, 69 Prozent bewerten ihr Selbstwertgefühl als gestärkt, 67 Prozent fühlen sich auch körperlich wohler. Jeder Zweite gibt an, dank Psychotherapie sei er beruflichen Anforderungen wieder eher gewachsen. (17) Zwei Monate nach deren Abschluss liegt die Besserungsrate immer noch nahe 50 Prozent. (18) Womöglich noch höher? Sage und schreibe „80 Prozent der Patienten erfahren eine wesentliche Linderung ihrer Symptome“, verbreitet der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs). (19) Ganz schön beachtlich, oder nicht? Wie überhaupt bei Umfrageergebnissen, so lohnt sich auch hier ein gründlicher Datencheck. Wie lautete die Fragestellung genau? Auf welche Weise wurde befragt? Wie wurde ausgewertet? Als Vorzeigestudie dient der Bundespsychotherapeutenkammer eine Erhebung der Stiftung Warentest von 2011 mit knapp 4000 Teilnehmern. (20) Demnach stufen 77 Prozent der psychisch Kranken, ehe sie eine Psychotherapie beginnen, ihren Leidensdruck als „sehr groß“ oder „groß“ ein; nach Abschluss der Behandlung sind es nur noch 13 Prozent. 61 Prozent versichern, seither könnten sie alltäglichen Stress leichter bewältigen. 53 Prozent geben an, am Arbeitsplatz seien sie leistungsfähiger geworden. Fast jeder Vierte ist mit seinem Psychotherapeuten „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“. (21) Wie fein. Was die Kammer wohlweislich verschweigt: Die Umfrage war alles andere als repräsentativ, sie fand online statt. An solchen Erhebungen beteiligt sich am ehesten, wer dazu besonders motiviert ist – und das sind Hochzufriedene, die sich von argem Leidensdruck befreit wähnen und ihren Erlösern überaus dankbar sind, bestimmt eher als jene, bei denen sich nichts Nennenswertes getan hat. Alles in allem ergibt sich aus Befragungen im therapeutischen Alltag ein noch blamableres Bild von Psychotherapie, als klinische Studien nahelegen. Dieser ernüchternde Befund bestätigte sich, als ein Forscherteam der Berliner Humboldt-Universität um die Psychologin Jenny Wagner mehr als 4000 Schüler und Studenten vier Jahre lang begleitete. Fast 300 von ihnen hatten währenddessen eine Psychotherapie gemacht. Überrascht stellte Wagner fest: “Sie haben beschrieben, dass sie seither emotional instabiler sind, mehr Ängstlichkeit haben in ihrem Alltag, dass sie sich weniger gut einlassen können auf andere Menschen. Das sind also wirklich negative Effekte gewesen, die wir da gesehen haben. Wir haben auch einen Anstieg in Depressionen zum Beispiel gesehen und eine Abnahme in Lebenszufriedenheit.“ Weil ihm diese Ergebnisse unglaublich vorkamen, untersuchte Wagners Team zusätzlich, wie Psychotherapie bei einer anderen Gruppe wirkt, nämlich älteren Amerikanern. Aber “auch da haben wir diese negativen Effekte auf die Persönlichkeitsentwicklung gesehen.“ (22) Viel Tamtam, kaum Substanz Mächtig Tamtam veranstaltet die Psychobranche um „die größte jemals durchgeführte Psychotherapie-Studie“, 2015 durchgeführt. (23) Ein britisch-amerikanisches Forscherteam erfasste dabei nicht weniger als 26.430 Patienten zwischen 16 und 95 Jahren, die im Laufe von zwölf Jahren von 1400 britischen Psychotherapeuten behandelt worden waren. Am häufigsten litten sie unter Ängsten (56 %) und Depressionen (39 %), an Konflikten in ihren Beziehungen (39 %) und am Arbeitsplatz (23 %), an geringem Selbstwertgefühl (34 %), einem schwerwiegenden Verlust (23 %) oder einem Trauma, etwa nach sexuellem Missbrauch (15 %). Im Schnitt fanden acht Therapiesitzungen statt. Inwieweit halfen sie? Um das herauszufinden, kam der „CORE-OM“ zum Einsatz (24): ein 34-teiliger Fragebogen zur Selbsteinschätzung, bezogen auf die Bereiche subjektives Befinden, psychische Symptome, Funktionstüchtigkeit (functioning) im allgemeinen und insbesondere in sozialen Beziehungen; zudem wurde eine Risikoabschätzung verlangt. (In welchem Maße stellt der Patient für sich selbst und Andere eine Gefahr dar?) Heraus kamen grandiose Zahlen: Nicht weniger als 60 Prozent der Befragten fühlten sich bei Therapieende „bedeutend besser“, weitere 23 Prozent zumindest ein bisschen. Bloß 19 Prozent ging es unverändert schlecht. Sogar nur bei 1,3 Prozent verschlimmerte sich die psychische Verfassung. Derlei Zahlenwerk glänzt  – solange unhinterfragt bleibt, wie sich die Untersuchungsstichprobe zusammensetzte. Dazu hatte sich das Forscherteam aus einer 1993 aufgebauten Datenbank bedient, der CORE National Research Database. Aus ihr wählten sie in einem ersten Schritt rund 105.000 Patienten aus, deren Psychotherapeuten zwischen 1999 und 2011 ein Bewertungsformular (assessment form) eingereicht hatten. All diese Patienten sollten bei Beginn und unmittelbar nach Abschluss ihrer Therapie den CORE-OM-Fragebogen ausfüllen. Versäumten sie das, so kamen sie erst gar nicht in die Auswertung – immerhin fast jeder Zweite, knapp 50.000. Diese Vorauswahl verzerrt das Gesamtbild aber gewaltig: Wenn jemand bei Therapieende nicht wie gewünscht Daten abliefert, so deshalb, weil er es gar nicht erst abwartete. Wer aber vorzeitig reißaus nimmt, tut dies zumeist, weil ihm die Behandlung enttäuschend wenig bis gar nichts gebracht hat. Berücksichtigt man diese Aussteiger, so schrumpft die imposante 60-prozentige Besserungsquote schlagartig auf die eher kümmerliche Hälfte. Immerhin: 30 bis 50 Prozent Zufriedene ergeben doch immer noch einen stattlichen Leistungsbeleg, oder nicht? Eher nein. Wenn es jedem dritten bis zweiten Psychotherapierten nach zwei Monaten besser geht, so geht es der anderen Hälfte, wenn nicht gar zwei Dritteln, weiterhin gleich schlecht oder noch schlechter als zu Beginn. Da sich unter allen mutmaßlich Behandlungsbedürftigen nur jeder Fünfte überhaupt auf professionelle Seelenhelfer einlässt, wirft das Schicksal der restlichen 80 Prozent drängende Fragen auf. Was wird aus ihnen, wo sie doch so dringend in fachkundige Obhut gehören? Versinken sie für den Rest ihres jämmerlichen Daseins in einem schwarzen Loch? Verlängert sich ihre Psychopein endlos, weil sie die Segnungen moderner Seelenheilkunde ahnungslos, starrköpfig und törichterweise verschmähen? Besserungsresistenzen kommen innerhalb wie außerhalb von Praxen und Kliniken vor, draußen wohl etwas öfter als drinnen, aber gewiss nicht in übermäßiger Zahl. Unbehandelte erwartet im allgemeinen eher einer von drei Krankheitsverläufen: Bei der ersten Gruppe löst sich die Bedrückung irgendwann von selber auf, nach bloßem Abwarten. Anderen kommt jene schon erwähnte Charaktereigenschaft zugute, die Psychologen Resilienz nennen: eine psychische Robustheit, mit der erlernte Fähigkeiten verbunden sind, Krisen trotz schwieriger Bedingungen zu meistern. Sie helfen, sich zusammenzureißen, sich nicht gehen zu lassen, die Zähne zusammenzubeißen, ein Befindlichkeitstief tapfer und zuversichtlich durchzustehen. Einer dritten Gruppe kommt die Unterstützung durch vertraute Laien in ihrem näheren sozialen Umfeld zugute, die mit großem Geschick und Einfühlungsvermögen therapieren, ohne es zu wissen und so zu nennen. Eine derart „erfolgreiche“ Heilweise will ernstzunehmender Bestandteil des Medizinbetriebs sein? Was hielte ein Psychotherapeut etwa von seinem Orthopäden, falls dessen Leistungsbilanz bei Problemen im Stütz- und Bewegungsapparat folgendermaßen aussähe: Von hundert Patienten, die an seinem Praxisstandort betroffen sind, vertrauen sich ihm bloß zwanzig an. Helfen kann er bloß sieben bis zehn: den einen einigermaßen, den anderen ein kleines bisschen. Bei zehn bis dreizehn weiteren bleibt der Zustand teils unverändert, teils verschlechtert er sich: Wirbelsäulen werden noch krummer, rheumatische Gelenke noch deformierter, Knochenbrüche, Bänder- und Sehnenrisse noch gravierender. Die übrigen achtzig Patienten meiden ihn von vornherein, weil solche Probleme bei den allermeisten entweder von alleine oder durch Selbstbehandlung oder dank Hilfen aus Familie oder Freundeskreis verschwinden. Wie wertvoll, alternativlos und unverzichtbar käme dem Psychotherapeuten vor, was ein solcher Orthopäde leistet? „Aber ich sehe doch, dass ich helfen kann!“, protestiert der berufsmäßige Seelenhelfer aufgebracht. Da könnte er mit Betriebsblindheit geschlagen sein. Oft können sich Psychotherapeuten einfach nicht eingestehen, dass ihr Patient keinerlei Fortschritte macht; dass es ihm schlechter geht; dass er sich mit dem Gedanken trägt, die Behandlung abzubrechen. In nicht einmal drei Prozent aller Fälle wollen sie eine stattgefundene Verschlimmerung wahrhaben. (25) Die unter Profis weitverbreiteten Wahrnehmungsstörungen, was Wirksamkeit und Nutzen ihrer Bemühungen betrifft, dürften von dem allzu menschlichen Bedürfnis herrühren, vor sich selber möglichst gut dazustehen: Kein einziger befragter Psychotherapeut hält seine eigene Leistung für schlechter als durchschnittlich, über 96 Prozent hingegen für überdurchschnittlich. Was die Zunft tatsächlich drauf hat, überschätzt sie demnach maßlos. (26) (Harald Wiesendanger) Dieser Text ist ein Auszug aus Harald Wiesendanger: Psycholügen, Band 3: Seelentief: ein Fall für Profis?, Schönbrunn 2017, 2. erw. u. aktualisierte Aufl. 2024; 124 S., auch als PDF. Die Folgen dieser Serie („Helfen Psycho-Profis wirklich besser?“) 1        Reichlich erforscht: Viele Laien können mehr 2        Unter den Teppich gekehrt 3        Vogel Dodo beim Wettlauf der Psychotechniker 4        Wie viel bringt Psychotherapie wirklich? 5        Warum nützt Psychotherapie? 6        Warum manche Laien die besseren Therapeuten sind 7        Hochstapler unter Hochstaplern 8        Psychotherapie als Gefahrenherd 9        Nase vorn: Was viele Profis besser können – und weshalb 10    Pragmatismus statt Lobbyismus - Für eine weise Psycho-Politik Anmerkungen 1 U. Schnyder/R. M. McShine/J. Kurmann/M. Rufer: „Psychotherapie für alle? Zur Indikation für psychotherapeutische Behandlungen“, Der Nervenarzt 85 (12) 2014, S.1529-1535. 2 www.bptk.de, insbesondere www.bptk.de/aktuell/einzelseite/artikel/psychische-k.html, abgerufen am 30.6.2016. 3 W. W. Wittmann u.a.: Qualitätsmonitoring in der ambulanten Psychotherapie: Modellprojekt der Techniker Krankenkasse - Abschlussbericht, Hamburg 2011. 4  Siehe X E. Dragioti, V. Karathanos, B. Gerdle, E. Evangelou: “Does psychotherapy work? An umbrella review of meta-analyses of randomized controlled trials”, Acta Psychiatrica Scandinavica 136 (3) 2017, S. 236-246, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/acps.12713 5 Ellen Driessen/Steven D. Hollon u.a.: „Does Publication Bias Inflate the Apparent Efficacy of Psychological Treatment for Major Depressive Disorder? A Systematic Review and Meta-Analysis of US National Institutes of Health-Funded Trials“, PLOS One 2015. 6 Tom J. Johnsen/Oddgeir Friborg: „The Effects of Cognitive Behavioral Therapy as an Anti-Depressive Treatment is Falling: A Meta-Analysis“, Psychological Bulletin 141 (4) 2015, S. 747-768, www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25961373. 7 P. Cuijpers/D. Hollon u.a.: „The effects of psychotherapy for adult depression are overestimated: a meta-analysis of study quality and effect size“, Psychological Medicine 40/2010, S. 211-223. 8 James C. Coyne: „Salvaging psychotherapy research: a manifesto“, Journal of Evidence-Based Psychotherapies 14 (2) 2014, S. 105-124, http://s3.amazonaws.com/academia.edu.documents/38398481. 9  X E. Dragioti, V. Karathanos, B. Gerdle, E. Evangelou: “Does psychotherapy work? An umbrella review of meta-analyses of randomized controlled trials”, Acta Psychiatrica Scandinavica 136 (3) 2017, S. 236-246, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/acps.12713 10 Jacobi u.a.: „Wie häufig ...“, a.a.O., S. 251. 11 W. Hiller/A. Schindler: „Response und Remission in der Psychotherapieforschung“, Psychotherapie - Psychosomatik - Medizinische Psychologie 61/ 2011, S. 170-176. 12 Johnsen/Friborg: „The Effects of Cognitive Behavioral Therapy …“, a.a.O. 13 Jürgen Margraf: Kosten und Nutzen der Psychotherapie – Eine kritische Literaturauswertung, Heidelberg 2009. 14 N. B. Hansen/M. J. Lambert/E. V. Forman: „The psychotherapy dose-response effect and ist implications for treatment delivery services“, Clinical Psychology: Science & Practice 9/2002, S. 329-343. 15 Das Gesundheitsmagazin Apotheken Umschau, die diese Befragung bei der GfK Marktforschung Nürnberg in Auftrag gegeben hatte, veröffentlichte die Ergebnisse in ihrer Ausgabe vom 23. April 2012; s. Cornelia Albani/Gerd Blaser/Bernd-Detlev Rusch/Elmar Brähler: „Einstellungen zu Psychotherapie. Repräsentative Befragung in Deutschland“, Psychotherapeut 58/2013, S. 466-473. 16 Sven Barnow: Therapie wirkt! So erleben Patienten Psychotherapie, Heidelberg 2012. 17 Elmar Brähler/Michael Geyer/Cornelia Albani: „Ambulante Psychotherapie in Deutschland aus Sicht der PatientInnen“, Psychotherapeut 55/2010, S. 503–514. 18 Cheryl L. McNeilly/Kenneth I. Howard: „The Effects of Psychotherapy: A Reevaluation Based on Dosage“, Psychotherapy Research 1 (1) 1991, S. 74-78. 19 Jürgen Margraf, zit. nach Focus, 20.2.2013: „Wie Psychotherapien wirken - und welche Nebenwirkungen drohen“. 20 www.bptk.de/presse/pressemitteilungen/einzelseite/artikel/umfrage-der.html, abgerufen am 30.6.2016. 21 Stiftung Warentest: „Ergebnisse der Umfrage Psychotherapie: Therapie hat vielen geholfen“, 27.10.2011. 22  Zit. nach Deutschlandfunk, 27. April 2017: “Wie gut hilft Psychotherapie wirklich?”, https://www.deutschlandfunkkultur.de/zweifel-an-studien-wie-gut-hilft-psychotherapie-wirklich-100.html 23  Scott D. Miller: „Do Psychotherapists Improve with Time and Experience?“, 27.10.2015, www.scottdmiller. com/feedback-informed-treatment-fit/do-psychotherapists-improve-with-time-and-experience; William B. Stiles, Michael Barkham, Sue Wheeler: „Duration of psychological therapy: relation to recovery and improvement rates in UK routine practice“, British Journal of Psychiatry 207 (2) 2015, S. 115-122. 24 „CORE“ steht für „Clinical Outcomes in Routine Evaluation“, „OM“ für „Outcome Measure“. 25 Wolfgang Wöller: „Auf den Therapeuten kommt es an!“, Psychologie heute 7/2016, S. 62-63. Er verweist auf eine Studie, in der Psychotherapeuten aus 550 Fällen lediglich einen von vierzig Patienten identifizierten, deren Zustand sich im Therapieverlauf verschlechtert hatte. 26 Michael J. Lambert: „Outcome Research: Methods for Improving Outcome in Routine Care“, in Omar Gelo/Alfred Pritz/Bernd Rieken (Hrsg.): Psychotherapy Research: Foundations, Process, and Outcome, Wien/Heidelberg/New York 2015, S. 593-610, dort S. 596; ders. u.a.: „Enhancing Psychotherapy through on Client Progress: A Replication“, Clinical Psychology and Psychotherapy 9/2002, S. 91-103; ders.: „Enhancing Psychotherapy through Feedback to Clinicians“, National Register of Health Service Psychologists, www.e-psychologist.org/index.iml?mdl=exam/show_article.mdl&Material_ID=3.

  • Vogel Dodo beim Wettlauf der Psychotechniker

    Auf Forschungsergebnisse, die ihr Monopol gefährden, reagieren die Standesorganisationen der Psycho-Profis seit eh und je überaus gereizt und beleidigt. Sie sollten einem weisen Vogel aus dem Wunderland lauschen. Wie kann man allen Ernstes behaupten, ein fünfjähriges Hochschulstudium (1), mit einem Arbeitsaufwand von mindestens 9000 Stunden - einschließlich “berufspraktischer Einsätze” von mindestens 570 Stunden (Bachelor) plus 750 Stunden (Master) - sorge bei wissenschaftlichen Psychologen für keinerlei Kompetenzvorsprung? Wie könnte eine anschließende therapeutische Ausbildung, die mehrere zehntausend Euro kostet - mit zusätzlichen Abertausenden Stunden weitere Theorie, Behandlung unter Supervision, Selbsterfahrung und praktische Tätigkeit - weitgehend für die Katz sein? Noch hirnrissiger muten Zweifel an Sachverstand von psychospezialisierten Ärzten an. Um einer zu werden, muss man erst mal zwölf bis dreizehn Semester Medizin studiert haben. Erst dann kann man sich auf Psychiatrie und Psychotherapie konzentrieren, und dabei vergehen fünf bis sechs weitere Jahre. Die Ausbildung zum Arzt kostet den Staat rund 200.000 Euro pro Student - mehr als jeder andere Studiengang (2) -, die anschließende Weiterbildung zum Facharzt nochmals das Doppelte bis Vierfache. (3) Sollte dieser gewaltige Aufwand nicht zuverlässig Könner hervorbringen, die Laienhelfer locker in den Schatten stellen? Ihren empörten Widerstand stützen Fachkreise vornehmlich auf den Standpunkt: Nur Experten konnten sich geeignete Techniken aneignen, um psychischen Erkrankungen beizukommen. Welcher Amateur beherrscht schon die filigranen Vorgehensweisen eines Freudschen Analytikers, eines Tiefenpsychologen nach C. G. Jung, eines kognitiven Verhaltenstherapeuten? Standesdünkel auf tönernen Füßen Doch bei näherer Betrachtung erweist sich überraschenderweise: Dieser Dünkel kommt auf tönernen Füßen daher. Denn in Wahrheit sind Techniken in der Psychotherapie weitgehend unerheblich. Wer Lewis Carrolls Kinderbuch Alice im Wunderland kennt, wird sich an jenen kuriosen Wettlauf erinnern, bei dem niemand herausfindet, wie weit und wie lange die Teilnehmer gerannt sind. Als der putzige Vogel Dodo gefragt wird, wer denn nun der Sieger sei, sagt er: „Jeder hat gewonnen und alle müssen Preise bekommen.“ In solch wunderländischem Wettbewerb stehen all die psychotherapeutischen Verfahren, die Hilfesuchende vor die schweißtreibende Qual der Wahl stellen. Auf 300 bis 400 schätzten Fachleute ihre Anzahl schon Ende der achtziger Jahre (4). Eine Metaanalyse von fast 400 Therapie-Vergleichsstudien ergab (5): Keine bringt rein gar nichts, keine nützt immer, keine ist den übrigen deutlich überlegen. Sie alle sind annähernd gleich wirksam (6), und dieser Sachverhalt wird als „Dodo-Bird-Verdikt“ (7) bezeichnet, gelegentlich auch als „Äquivalenzparadox“. In diesem Licht erweist sich die sogenannte „Differentielle Indikation“ – die Beurteilung, welche Form von Therapie bei welcher Störung angezeigt ist – als windige Luftnummer. Wenn im großen und ganzen keine Methode mehr ausrichtet als die andere, machen jene den Unterschied, die sie anwenden; Patienten brauchen den passenden Therapeuten. Zwar sollen vereinzelte Studien ergeben haben, dass ein psychisch Angeschlagener eher von einer mäßig strukturierten, zwanglos begleitenden Vorgehensweise wie der Gesprächstherapie profitiert, wenn sein Bedürfnis nach Selbstbestimmung besonders ausgeprägt ist, oder wenn er sich stark „reaktant“ gibt, d.h. auf Abwehr schaltet, sobald er sich unter Druck gesetzt fühlt. Andererseits scheinen einem Hilfesuchenden, der zur Unterordnung neigt, eher anleitende, auffordernde, Ziele vorgebende Verfahren wie die Verhaltenstherapie gutzutun. (8) Doch letztlich ist es kein methodisches Abstraktum, das Menschen an die Hand nimmt oder ihnen Freiraum lässt, sondern die individuelle Persönlichkeit des jeweiligen Behandlers. Worauf er aus ist, kann er mit jeder beliebigen Technik erreichen - oder verfehlen. (Harald Wiesendanger) Dieser Text ist ein Auszug aus Harald Wiesendanger: Psycholügen, Band 3: Seelentief: ein Fall für Profis?, Schönbrunn 2017, 2. erw. u. aktualisierte Aufl. 2024; 124 S., auch als PDF. Das Titelbild stammt von Microsofts KI „Bing Image Creator“. So illustrierte sie meine Vorgabe “Dodo Bird in Psychotherapy”. Die Folgen dieser Serie („Helfen Psycho-Profis wirklich besser?“) 1        Reichlich erforscht: Viele Laien können mehr 2        Unter den Teppich gekehrt 3        Vogel Dodo beim Wettlauf der Psychotechniker 4        Wie viel bringt Psychotherapie wirklich? 5        Warum nützt Psychotherapie? 6        Warum manche Laien die besseren Therapeuten sind 7        Hochstapler unter Hochstaplern 8        Psychotherapie als Gefahrenherd 9        Nase vorn: Was viele Profis besser können – und weshalb 10    Pragmatismus statt Lobbyismus - Für eine weise Psycho-Politik Anmerkungen 1  “Gesetz über den Beruf der Psychotherapeutin und des Psychotherapeuten” vom 15.11.2019, https://www.gesetze-im-internet.de/psychthg_2020/BJNR160410019.html, § 9, Absatz (2) 2  Nach www.praktischarzt.de: „Medizin - der teuerste Studiengang“, abgerufen am 5.1.2017. 3  Nach Zimmer Eins - das Patientenmagazin 2/2016, S. 56: „Hauptsache gesund“. 4  Eckhard Giese/Dieter Kleiber (Hrsg.): Das Risiko Therapie, Weinheim 1989, S. 20. 5 Mary Lee Smith/Gene V. Glass: „Meta-Analysis of Psychotherapy Outcome Studies“, American Psychologist Sept. 1977, S. 752-760. 6  Den Forschungsstand hierzu fassen zusammen: B. E. Wampold: The Great Psychotherapy Debate. Models, Methods, and Findings, Mahwah/ London 2001; R. Dawes: House of Cards. Psychology and Psychotherapy Built on Myth, New York 1996; L. J. Groß: Ressourcenaktivierung als Wirkfaktor in der stationären und teilstationären psychosomatischen Behandlung, Dissertation, Nürnberg 2013. 7   Lester Luborsky/Barton Singer/Lisa Luborsky: „Comparative studies of psychotherapies: Is it true that ‚everyone has won and all must have prizes’?“, Archives of General Psychiatry 32 (8) 1975, S. 995-1008; siehe auch J. Siev u.a.: “The Dodo Bird, Treatment Technique, and Disseminating Empirically Supported Treatments”, The Behavior Therapist 32 (4) 2009. 8 K. Grawe/F. Caspar/H. Ambühl: „Die Berner Therapievergleichsstudie: Wirkungsvergleich und differentielle Indikation“, Zeitschrift für Klinische Psychologie 19/1990, S. 338-361; K. Grawe: „Psychotherapieforschung zu Beginn der neunziger Jahre“, Psychologische Rundschau 43/1992, S. 132-162, dort ib. S. 148-150.

  • Unter den Teppich gekehrt

    Unterschätzte Amateure können mit Seelenheilberuflern zumeist mithalten, wann immer Therapieforscher beide gegeneinander antreten lassen. Diese oberpeinliche Faktenlage birgt gesundheitspolitischen und –ökonomischen Sprengstoff ohnegleichen. Deshalb scheint in Fachkreisen ein stillschweigendes Einvernehmen zu herrschen, sie tunlichst nicht an die große Glocke zu hängen. Viele Laien helfen psychisch Belasteten nicht schlechter als Psycho-Profis: In der Seelenheilbranche würde dies weiterhin zu den bestgehüteten Betriebsgeheimnissen zählen und tunlichst unter Verschluss gehalten, wie die Wahrheit um manipulierte Motorsteuerungen bei Deutschlands größten Autokonzernen - wenn nicht aufsässige Systemkritiker sie blöderweise in Fachzeitschriften und Internetportalen aufgestöbert hätten. Unter den Teppich kehren klappt nicht mehr. Der Geist ist aus der Flasche, darauf harrend, Nebelwerfer fortzuscheuchen und eine überfällige Debatte über den psychologischen Zweig unseres Gesundheitswesens anzuzetteln. Der Preis ist heiß: Auf dem Spiel stehen für die Akteure und Profiteure der heutigen Psychomedizin nicht weniger als Expertenstatus, Einkünfte und Einfluss, Pfründe und Privilegien, Sozialprestige und Selbstverständnis. Evidenzbasierte Blamage Den Stein ins Rollen brachte einer der in Fachkreisen meistzitierten Sozialwissenschaftler unserer Zeit: der US-Psychologe Robert Carkhuff, dessen Bestseller weltweit über eine Million Mal verkauft wurde. 1968 legte er eine Auswertung von 30 Studien vor, die verglichen hatten, was unausgebildete und akademisch geschulte Seelenhelfer zustande bringen. (1) An Eindeutigkeit ließ sie nichts zu wünschen übrig: Profis erwiesen sich durchweg als unterlegen. „Es ist offensichtlich“, so Carkhuff, „dass Laien in kurzer Zeit lernen können, günstige Veränderungen in Klienten hervorzurufen. (…) Wir können uns nicht länger, auf deren Kosten, den Luxus leisten, von einer höheren Wirksamkeit professioneller Behandlungen auszugehen.“ Sechs Jahre später nahm sich Averil Karlsruher, ein kanadischer Psychologe von der University of Manitoba in Winnipeg, 27 Untersuchungen vor, die professionelle und Laienbehandler in stationären psychiatrischen Einrichtungen verglichen hatten. In 26 schnitten die Profis schlechter ab, in einer einzigen erreichten sie annähernd gleich viel wie die Amateure. (2) Beide Arbeiten fanden in Fachkreisen zunächst keine nennenswerte Beachtung – erstaunlicherweise, in Anbetracht ihrer Brisanz. Ihr beschämender Befund erhitzte die Gemüter erst, als ein Professor für Klinische Psychologie an der Loyola-Universität von Chicago, Joseph A. Durlak, ihn mit einer weiteren, noch umfangreicheren und anspruchsvolleren Metaanalyse untermauerte. Er konzentrierte sich auf 42 Vergleichsstudien, die gewissen Mindestanforderungen zur Vorgehensweise genügt hatten, und gewichtete sie nach der Güte ihres Designs. Bloße Einzelfallschilderungen hatte er vorher aussortiert, ebenso Arbeiten, die als Erfolgskriterium lediglich die subjektive Einschätzung der Behandler herangezogen hatten. Aber auch nach dieser Vorauswahl - mit zwei Veröffentlichungen aus Carkhuffs Datenbasis, fünf aus der von Karlsruher und 35 weiteren – konnte Durlak keine Entwarnung geben, im Gegenteil: In zwölf Studien erwiesen sich Laienhelfer als deutlich überlegen, in 28 immerhin als gleichwertig; bloß in einer – einem Projekt mit 234 übergewichtigen Erwachsenen – hatten Profis ein bisschen mehr bewegt. Amateure, so fasste Durlak zusammen, „erreichen im klinischen Bereich gleiche oder deutlich bessere Ergebnisse als Professionelle“. Demnach sind „Ausbildung, Training und Erfahrung im klinischen Bereich keine notwendigen Voraussetzungen für eine wirksame Helferpersönlichkeit.“ (3) Jetzt endlich setzte in Fachkreisen eine heftige Auseinandersetzung ein. An Gehässigkeit war sie mitunter kaum zu überbieten. Aufgebrachte Kritiker unterstellten „Irreführungen“ und „betrügerische Darstellungen“. So kam es binnen acht Jahren zu vier weiteren aufwändigen Metaanalysen; allesamt zielten sie darauf ab, Durlak schwerwiegender Versäumnisse und Fehlschlüsse zu überführen. Der erste namhafte Zweifler, der sich Durlaks Ausgangsstudien vorknöpfte und vermeintlich unzulängliche ausklammerte, war Michael T. Nietzel, Professor an der Missouri State University in Springfield und sechs Jahre lang deren Präsident. Nach Maßstäben, die ihm streng genug vorkamen, musste er 1981 kleinlaut einräumen: Tatsächlich „erzielen Laienhelfer (…) gleiche oder bessere Ergebnisse als Therapeuten mit höchsten Abschlüssen.“ (4) 1984 machte sich ein Professor aus Neuseeland, John Allan Hattie von der Universität Auckland, ebenfalls daran, Durlaks Daten zu zerpflücken – und konnte dessen Schlüsse letztlich bloß bestätigen. (5) „Macht professionelles Training einen Therapeuten effektiver?“, fragte kurz darauf der Psychologieprofessor Jeffrey S. Berman von der Universität Memphis. „Wie wir einräumen müssen, lautet die Antwort: nein“, schloss 1985 auch dessen Metaanalyse. „Ausgebildete und unausgebildete Therapeuten erzielen vergleichbare Ergebnisse. (…) Die Überlegenheit des professionell ausgebildeten Therapeuten bleibt eine unbewiesene Behauptung.“ (6) Die größte Anzahl an Vergleichsstudien sichtete 1987 ein deutsches Forscherteam: Thomas Gunzelmann von der Abteilung für Medizinische Psychologie des Universitätsklinikums Leipzig, Günter Schiepek vom Institut für Synergetik und Psychotherapieforschung der Paracelsus-Universität Salzburg, sowie Hans Reinecker, Lehrstuhlinhaber für klinische Psychologie und Psychotherapie an der Uni Bamberg. Nach aufwändiger Literaturrecherche berücksichtigten sie nicht weniger als 184 Vergleichsstudien, neben Durlaks und Hatties Ausgangsmaterial noch 142 weitere. Und auch sie mussten Laienhelfern verschwurbelt eine „adäquate therapeutische Effektivität“ bescheinigen, weil sie „tatsächlich einige Argumente“ fanden, die sie „in einem günstigen Licht erscheinen lassen“. (7) Aus diesem Diskussionsverlauf zog der zuerst gescholtene, dann entlastete Durlak den naheliegenden Schluss: „Wenn widerstreitende Autoren zu ähnlichen Ergebnissen gelangen, dürfte dies besonderes Gewicht haben.“ (8) Nüchtern festzustellen, dass diese verstörende Sachlage von der Fachwelt seither „nicht gebührend aufgegriffen“ wurde (9), wäre krass untertrieben. Hätten Durlaks mehrfach bestätigte Erkenntnisse nicht umgehend höchste Wellen schlagen müssen, zumal sie dem akademischen Selbstverständnis krass zuwiderliefen? Still ruht der See Nichts dergleichen geschah. Still ruht der See seither, die Fachwelt schweigt. Seit nunmehr über einem halben Jahrhundert liegt Durlaks Diskussionsfaden abgerissen herum, und keiner denkt im Traum daran, ihn aufzuheben. Kongresse, Symposien, Tagungen darüber? Null. In Fachgremien und Ausschüssen: kein Thema. In Lehrplänen und Veranstaltungen der psychologischen Fakultäten: nicht vorgesehen. In gängigen Lehrbüchern für Studenten: inexistent. In Zeitschriften, Infobroschüren, Internetseiten der Standesorganisationen: kein Wort darüber. Branchenintern sorgt das Stichwort „Durlak“ freilich ebenso zuverlässig für steilgestellte Nackenhaare wie „Snowden“ bei amerikanischen Geheimdienstlern, „Küng“ bei katholischen Klerikern, „Wagenknecht“ bei Mitgliedern der “Linken”. Mucksmäuschenstill hütet die Zunft ein hochbrisantes Geheimnis: In ihrem Zuhause lagert tonnenweise Sprengstoff, mindestens so explosiv wie alles, was bombende Dschihadisten jemals herankarren können, zwar nicht tödlich, wohl aber existenzgefährdend. Hielte jemand ein Zündholz an die Lunte, flöge ihnen womöglich der ganze Laden um die Ohren. Offenkundig geht es hier um „die Unterdrückung von Erkenntnissen“, schwant der Erziehungs- und Kulturwissenschaftlerin Hildegard Müller-Kohlenberg von der Universität Osnabrück, die dem Thema „Laienkompetenz im psychosozialen Bereich“ ein fachkritisches Buch widmete. (10) Eine Revolution tut not Und deshalb tut eine Revolution not -  im ursprünglichen Wortsinn. Das spätlateinische Wort revolutio bedeutet ein „Zurückwälzen“, und eben darum geht es: nicht um ein utopieberauschtes Einführen von etwas noch nie Dagewesenem, sondern ums Rückbesinnen und Wiederherstellen. In der Betreuung psychisch Belasteter spielte Laienpsychotherapie nämlich jahrtausendelang eine überragende Rolle, bis vor kurzem war sie weitgehend konkurrenzlos, und außerhalb der Ersten Welt ist sie das weiterhin. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein geriet ein psychisch Belasteter erst unter fachmännische Aufsicht, wenn er derart verwirrt, Anderen und sich selbst so gefährlich war, dass es seinen überforderten Angehörigen das beste schien, ihn einer Irrenanstalt zu überlassen. Minder schwere Seelennöte hingegen stand man entweder ohne fremde Hilfe durch, mittels Beten, Arbeiten, Selbstdisziplin, Ablenkung, geduldigem Abwarten. Oder ihrer nahm sich die Sippe an, der Familienverband, die besten Freunde, ein guter Nachbar, die Kirchengemeinde. Für professionelle Psychotherapie bestand weder Bedarf noch Nachfrage, und zumindest außerhalb der westlichen Industrienationen und aufstrebender Entwicklungsländer hat sich daran bis heute nichts geändert. Auf Haiti und Madagaskar, in Mali und der Mongolei, in Bolivien und Botswana, in Polynesien und Usbekistan boomt Seelenschürferei nicht im entferntesten. (11) Triumphzüge feiert sie hingegen, wo sich das soziale Bindegewebe auflöst. Wo zwischenmenschliche Nähe und Tiefe verlorengeht. Wo Freunde fürs Leben vornehmlich in Groschenromanen und alten Schwarzweißfilmen zu besichtigen sind. Wo verlässliche, krisenfeste, dauerhafte Beziehungen immer rarer werden, jederzeit aufkündbar und austauschbar erscheinen. Im Zeitalter von Single-Haushalten, Scheidungswaisen und in Heime entsorgten Alten, von Ich-AGs und LABs („Lebensabschnittsbegleitern“), von Facebook-Belanglosigkeiten, von 140-Zeichen-Tweets, SMS-Sprachfetzen und Smiley-Kommunikation, von Rivalität und Konkurrenzneid am Arbeitsplatz, von anonymem Nebeneinanderherwohnen zusammengewürfelter Mietparteien in Hochhausappartments oder Reihenhausparzellen strebt soziale Wärme einem eiszeitlichen Temperaturniveau entgegen, in dem Mühselige und Beladene noch rascher frieren als ohnehin. In persönlichen Krisenzeiten fühlen sie sich alleingelassen, unverstanden, ungeliebt, einsam. Dass mancher US-Psychotherapeut mit dem Slogan Rent a Friend erfolgreich Kundenfang betreiben kann, spricht Bände. Die vielgepriesene „psychoanalytische Revolution“, seit welcher ihr Begründer Sigmund Freud als welthistorischer Titan auf einer Stufe mit Darwin und Einstein gefeiert wird, trug das ihrige bei. Zuvor war unsereins, wenn es ihm schlecht ging, banalerweise bloß traurig, unsicher, ängstlich, mutlos, erschüttert, unbefriedigt, schüchtern, grüblerisch, wehmütig, wütend, verbittert, unausgeglichen, wankelmütig oder verschlossen gewesen. Doch nun hatten Ärzte herausgefunden, dass unsere Seele in Wahrheit ein äußerst zerbrechliches, hochkomplexes Etwas mit einem ungeahnten, geheimnisvollen, dem Bewusstsein unzugänglichen Eigenleben darstellt, voller rätselhafter Besonderheiten wie dunkler Triebe aus den Abgründen des „Es“, mächtiger Kontrollinstanzen, raffinierter Abwehrmechanismen und verdrängter Sehnsüchte. Staunend erfuhr man von der Bedeutungsschwere eines Versprechers, von infantiler Sexualität und fixierter Libido, vom Ödipuskomplex, vom Penisneid und der verkappten Erotik eines jeden Traums. Die Seele wurde zum minotaurischen Labyrinth, in dem ihr Besitzer ahnungslos umherirren muss. Versteht es sich nicht von selbst, dass nur der Fachmann im Besitz des Ariadnefadens sein kann, der aus der finsteren Wirrnis herausführt? Auch allgemeine Wissenschaftsgläubigkeit und Medienpropaganda trugen dazu bei, Laienhilfe in Verruf zu bringen. Besonders mächtig wirkt neuerdings zudem die Verheißung der „Selbstoptimierung“ als Schlüssel zum Glück: In die hängenden Köpfe von Leichtgläubigen, die sich schwach, minderwertig, erfolglos, unerfüllt, verzagt, ängstlich und unglücklich fühlen, pflanzte sie den festen Glauben ein, mittels geeigneter Psychotechniken könne man sich tiefgreifend wandeln, von lästigen Schwächen und Makeln freimachen, ein prachtvolles „wahres Selbst“ zum Vorschein bringen. Ungeahnte kreative Potentiale, bislang eingekerkert im Seelengrund, sollen unter sachkundiger Anleitung endlich entfesselt, ans Licht befördert und zur vollen Entfaltung gebracht werden können. Dem geduckten, gelähmten Ego sollen Flügel wachsen, um sich zu einem neuen, ganz wundervollen Dasein emporzuschwingen: eine Selbsterlösung verheißende Botschaft, die für kerngesunde Hausfrauen, Einzelhandelskaufleute, Bürohilfen und Manager ebenso verführerisch klingt wie in den Ohren von Neurotikern. Wie könnten Laien von den fabelhaften Techniken, die solches Heil zuverlässig herbeischaffen sollen, den blassesten Schimmer haben? Wacklige Grenzzäune Laien kämen bloß vergleichsweise harmlosen Alltagsproblemen bei, Profis hingegen auch „schweren, tiefgehenden, komplexen und weitreichenden Problemen“, heißt es gelegentlich. (12) Wer bedenkt, wie oft Probleme beliebiger Störungstiefe unter Lebensgefährten, Freunden und Familienmitgliedern erfolgreich angegangen werden, während sie in Profipraxen unbewältigt liegenbleiben, kann darin nur ein Marketinggerücht sehen, solange empirische Forschung ihn nicht eines besseren belehrt, Durlak widerlegend. Laien können allenfalls beraten, aber nicht behandeln, wenden Profis ein und warnen vor einer „Vermischung“. (13) Aber was unterscheidet beides denn grundsätzlich? Berät nicht jeder Behandler? Behandelt nicht jeder Berater? Psychotherapie, so belehrt man uns nebulös, biete einen „Heilungsdiskurs“; „behandelt Menschen, die an Krankheiten leiden“; verwende „deutende und aufdeckende Techniken“. Beratung hingegen bringe bloß einen „offenen Hilfediskurs“ zustande; sei lediglich auf „eine gute Lösung“ aus; setze allenfalls „unterstützende Techniken“ ein. (14) Sind solche Abgrenzungen nicht willkürlich und wirklichkeitsfremd? Im Alltag, wie auch in den Sommercamps meiner Stiftung Auswege, verschwimmen sie, die Übergänge verlaufen fließend. Laien, die einfühlsam und verständnisvoll einen Nächsten beraten – ob im Zweiergespräch oder in der Gruppe -, können dabei ebenfalls deuten, aufdecken, heilsam wirken. Größtenteils intuitiv, aber erstaunlich erfolgreich nutzen sie dabei Verfahrensweisen der Psychotherapie. Andererseits gehen natürlich auch berufsmäßige Therapeuten offen, unterstützend und lösungsorientiert vor. Im übrigen zeigen etliche Vergleichsstudien: Beratung und Psychotherapie sind alles in allem gleich wirksam. (15) Profis nähmen sich viel mehr Zeit, heißt es. Dies sei auch unbedingt geboten. Denn die inneren Prozesse, die sie auslösen, müssten ganz sachte in Gang kommen und behutsamst vorangetrieben werden. Aber welche zeitlichen Vorteile bringt eine Hilfe, die in der Regel nach 45 von mehr als 10.000 Wochenminuten pünktlich endet? Die nicht greifbar ist, wenn sie am allernotwendigsten wäre, sondern nur strikt nach Terminkalender zu haben ist? In den „Auswege“-Camps schaut jedenfalls kein unprofessioneller Helfer auf die Uhr. Ansprechbar ist er jederzeit. Und sind therapeutische Prozesse, die im Schneckentempo vorankriechen, grundsätzlich erstrebenswerter als solche, die zügig zu Lösungen führen? Beim Beistehen, wie überhaupt, ist Langsamkeit kein Wert an sich. Was allein zählt, ist das Ergebnis. Bei Psychoanalytikern liegen Patienten im Durchschnitt vier Jahre bzw. 371 Stunden auf der Couch. (16) Einem Großteil geht es hinterher erheblich schlechter als seelisch Belasteten nach ein bis zwei Dutzend Sitzungen im Laufe einer “Auswege”-Campwoche. Der Nachweis, dass akademisch geschulte, staatlich lizenzierte Helfer tatsächlich Experten darin sind, mit welchen Mitteln man psychischen Erkrankungen entgegenwirken kann, steht demnach aus. Also gibt es keinen vernünftigen Grund, Laien von der medizinischen Versorgung psychisch Kranker auszuschließen. Zur Eindämmung der Kostenexplosion im Gesundheitswesen könnte wesentlich beitragen, Ärzten und Psychotherapeuten das Behandlungsmonopol bei seelischen Nöten zu entreißen - und geeignete Amateure einzubeziehen. Für die Stiftung Auswege folgt daraus: Nichts spricht dagegen, in ihren Therapiecamps psychisch Belastete durch medizinisch und psychotherapeutisch Unausgebildete betreuen zu lassen, die längst unter Beweis gestellt haben, dass sie das können. (Harald Wiesendanger) Dieser Text ist ein Auszug aus Harald Wiesendanger: Psycholügen, Band 3: Seelentief: ein Fall für Profis?, Schönbrunn 2017, 2. erw. u. aktualisierte Aufl. 2024; 124 S., auch als PDF. Die Folgen dieser Serie („Helfen Psycho-Profis wirklich besser?“) 1        Reichlich erforscht: Viele Laien können mehr 2        Unter den Teppich gekehrt 3        Vogel Dodo beim Wettlauf der Psychotechniker 4        Wie viel bringt Psychotherapie wirklich? 5        Warum nützt Psychotherapie? 6        Warum manche Laien die besseren Therapeuten sind 7        Hochstapler unter Hochstaplern 8        Psychotherapie als Gefahrenherd 9        Nase vorn: Was viele Profis besser können – und weshalb 10    Pragmatismus statt Lobbyismus - Für eine weise Psycho-Politik Anmerkungen 1  Robert R. Carkhuff: „Differential functioning of lay and professional helpers“, Journal of Counseling Psychology 15 (2) 1968, S. 117-126, dort S. 122. 2  Averil E. Karlsruher: „The nonprofessional as a psychotherapeutic agent“, American Journal of Community Psychology 2 (1) 1974, S. 61-77. 3  Joseph A. Durlak: „Comparative effectiveness of paraprofessional and professional helpers“, Psychological Bulletin 86 (1) 1979, S. 80-92, dort S. 85. 4  s. M. T. Nietzel/S. G. Fisher: „Effectiveness of professional and paraprofessional helpers: A comment on Durlak“, Psychological Bulletin 89 (3) 1981, S. 555-565. 5  J. A. Hattie/C. R. Sharpley/H. J. Rogers: „Comparative effectiveness of professional and paraprofessional helpers“, Psychological Bulletin 95 (3) 1984, S. 534-541. 6  J. S. Berman/N. C. Norton: „Does professional training make a therapist more effective?“, Psychological Bulletin 98 (2) 1985, S. 401-407, dort S. 405. 7  T. Gunzelmann u.a.: „Laienhelfer in der psychosozialen Versorgung ...“, a.a.O., S. 379. 8  Joseph A. Durlak: „Evaluating comparative studies of paraprofessional and professional helpers: A reply to Nietzel and Fisher“, Psychological Bulletin 89 (3) 1981, S. 566-569. 9  Hildegard Müller-Kohlenberg: Laienkompetenz im psychosozialen Bereich, Opladen 1996, S. 5. 10  Müller-Kohlenberg, a.a.O., S. 19. 11  Hingegen wird aus Japan, China und Thailand, auch aus Teilen Afrikas neuerdings eine sprunghaft steigende Nachfrage nach Psychotherapien gemeldet – von überall, wo die industrielle Entwicklung rasant fortschreitet und die Sippengesellschaft zusammenbricht; s. Christina Fürst: „Psychotherapie boomt weltweit“, Focus Online 5.5.2006. 12  S. Schiersmann/H.-U. Thiel: „Beratung als Förderung von Selbstorganisationsprozessen - eine Theorie jenseits von „Schulen“ und „Formaten“, in dies. (Hrsg.): Beratung als Förderung von Selbstorganisationsprozessen, Göttingen 2012, S. 14-78. 13  R. Ningel: Methoden der Klinischen Sozialarbeit, Stuttgart 2011, S. 211. 14  Gesammelte Zitate aus F. Engel/F. Nestmann/U. Sickendiek: „’Beratung’ – ein Selbstverständnis in Bewegung“, in dies. (Hrsg.): Das Handbuch der Beratung, Band 1: Disziplinen und Zugänge, Tübingen 2004, S. 37; R. Schwing/A. Fryszer: Systemisches Handwerk – Werkzeug für die Praxis, Göttingen 2009, S. 12; H. Gutsche: „Abgrenzung und Gemeinsamkeiten von Psychologischer Beratung vs. Psychotherapie“, Paracelsus Magazin 1/1999. 15  Entsprechende Untersuchungen fasst die Erziehungswissenschaftlerin Hildegard Müller-Kohlenberg zusammen in ihrem Buch Laienkompetenz im psychosozialen Bereich, a.a.O.; dies.: „… hilfreich und gut!’ Die Kompetenz der Laien im psychosozialen Bereich“, in: Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln (Hrsg.): Laienkompetenz. Wirksame Arbeit von Ehrenamtlichen in psychosozialen Handlungsfeldern, Köln 2000, S. 19-35. 16  Nach Deutsches Ärzteblatt 98 (30) 2001: „Psychoanalyse: Schwierige Evaluation“. Titelbild: Drazen Zihic/Freepik

  • Helfen Psycho-Profis wirklich besser?

    Wie hilfreich, überlegen und unentbehrlich sind Experten wirklich, wenn seelische Krisen andauern? Wie gut tun sie Betroffenen? Weithin unbekannte Ergebnisse der Therapieforschung belegen Peinliches: Viele Laien helfen chronisch Ängstlichen, Depressiven, Aggressiven, Traumatisierten, Süchtigen und anderen seelisch Belasteten keineswegs schlechter als Psychiater, Psychologen und Psychotherapeuten mit Hochschulabschluss. Auch in Dutzenden Therapiecamps meiner Stiftung Auswege hat sich an mehreren hundert psychisch Schwerbelasteten erwiesen: Es geht auch ohne Profis - manchmal sogar besser. „Meine fünfzehn Heilsitzungen bei euch haben mir viel, viel besser getan als die vorherigen 480 bei meinem Analytiker“, befand ein 47-jähriger Schwerstdepressiver. Eine Lehrerin (62), die das frühkindliche Trauma wiederholten sexuellen Missbrauchs durch den eigenen Vater nie losgeworden war, schwärmte nach acht Camptagen: „Ich habe schon so viele Psychotherapien gemacht, die mir nullkommanix gebracht haben. Was ihr bei mir in Gang gesetzt habt, ist unglaublich. So intensiv!“ „Es war, als hätte ich meine vergangenen vier Jahrzehnte in einem fensterlosen Raum zugebracht“, bekannte Ludwig (55), den fortwährende Ängste mit heftigen körperlichen Begleitsymptomen quälten, seit er am selben Tag beide Eltern verlor. „Ihr habt mir ein Fenster geöffnet, endlich sehe ich Licht.“ Wie diesen Drei, so ergeht es nahezu allen psychisch Schwerbelasteten, die den Weg in ein Therapiecamp meiner Stiftung Auswege finden. Mehrere hundert waren es bisher. Ob bei anhaltenden Depressionen oder Ängsten, bei bipolaren, Ess- oder Schlafstörungen, Zwängen oder Süchten, bei ADHS, Hyperaggressivität, Anpassungs- und sonstigen Verhaltensstörungen, bei Sinnkrisen, Minderwertigkeitsgefühlen oder Beziehungskonflikten, bei einem Trauma oder Burn-out, bei Autismus oder Schizophrenie: Weniger als zwei Prozent der betroffenen Teilnehmer verabschieden sich nach gut einer Woche mit unveränderter oder gar verschlimmerter Symptomatik. Nicht anders ergeht es Campteilnehmern, denen ein langwieriges, unerbittlich fortschreitendes körperliches Leiden arg aufs Gemüt schlägt, sowie ihren mitgereisten Angehörigen, die ständige Sorge und Fürsorge derart bedrücken, dass sie oftmals nicht minder behandlungsbedürftig sind. Was für hochwirksame Therapien kommen da zum Einsatz? Welche großartigen Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiater konnte die Stiftung für einen Campeinsatz gewinnen? Zumeist gar keine. An zwei Drittel der 38 „Auswege“-Camps, die zwischen 2007 und 2023 stattfanden, wirkte kein einziger professioneller Seelenhelfer mit. Die erwähnten Erfolge erzielte in der Regel ein Helferteam, das ausnahmslos aus psychologischen Amateuren bestand: überwiegend Geistheiler, gemeinsam mit einzelnen Heilpraktikern und spirituellen Lebenshelfern, unter Aufsicht von Ärzten ohne psychiatrische oder psychotherapeutische Spezialisierung. Und wo ausnahmsweise Profis im Einsatz waren, blieb stets fraglich, ob die erzielten Fortschritte ausschließlich oder hauptsächlich ihr Verdienst waren. Soll das etwa heißen, Laienhilfe sei jenen wissenschaftlich abgesicherten Leistungen häufig gleichwertig oder gar überlegen, die akademisch geschulte Fachleute zu erbringen verstehen? In der Tat – im Einklang mit einer Vielzahl neuer, weithin unbekannter wissenschaftlicher Forschungsergebnisse. Reichlich erforscht: Viele Laien können mehr Steht nicht völlig außer Frage, dass psychisch Belastete in die Hände von wissenschaftlich ausgebildeten Profis gehören? „Aber natürlich!“, trichtert Bedrückten eine massenmediale Einheitsfront ein, deren Schreibtischtäter sich seriös und gebildet vorkommen, wenn sie recherchefrei weiterreichen, was ihnen mutmaßliche Experten als „den Stand der Wissenschaft“ ausgeben. Aus diesem folgt angeblich: Glaub bloß nicht, du könntest dir selber helfen! Und baue bloß nicht auf Unbefugte! „Was Depressiven und ihren Angehörigen hilft“, weiß das Nachrichtenmagazin Stern: „Auf Profis vertrauen. Suchen Sie Hilfe bei einem Fachmann: dem Hausarzt, einem Psychiater oder Psychotherapeuten. (…) Im akuten Fall wenden Sie sich an einen Krisendienst bzw. eine psychiatrische Klinik.“ Auch Focus will die „Seele mit Medikamenten und Psychotherapie heilen“, wirbt nachdrücklich für „Kleine Helfer – Keine Angst vor Psychopillen“. Nach Spiegel online muss „der erste Gang dem Hausarzt gelten. Er kann die Schwere der Depression bestimmen und entsprechende Schritte einleiten.“ Die Welt warnt, „auf keinen Fall ‘Do-it-yourself‘-Therapieversuche zu starten“, das „gehört in die Hand von guten Psychotherapeuten“. Bei einem „ernsten depressiven Einbruch sollte die Behandlung auf jeden Fall in einer Klinik erfolgen“. Und auch Bild, eine der auflagenstärksten Tageszeitungen Europas, will „ermutigen, sich professionelle Hilfe zu suchen“. (1) Geprägt von der Enteignung seelischer Gesundheit, lässt sich der Zeitgeist prägnant von der aus Mainstream-Quellen gefütterten KI „ChatGPT“ zusammenfassen: “Schwere psychische Probleme erfordern professionelle Hilfe.” (2) Stimmt das wirklich? Wenn sich ein seelisch Belasteter unschlüssig ist, ob er eher auf Unterstützung im vertrauten Umfeld setzen oder einen Profi aufsuchen soll: Wie sähe eine brauchbare Entscheidungshilfe aus? Therapieforscher bemühen sich seit Jahrzehnten darum. Sie vergleichen, was eine größere Anzahl von Laienhelfern und berufsmäßigen Behandlern innerhalb eines festgelegten Zeitraums bei Menschen in Gang bringen, denen Ärzte und Psychologen die unterschiedlichsten Diagnosen verpasst haben: von A wie „Angststörung, generalisiert, ICD F 41.1“ bis Z wie „Zwangsstörung, vorwiegend Grübelzwang, ICD F 42.0“. Und sie überprüfen, ob und wie lange erzielte Besserungen hinterher andauern. Was kam dabei heraus? Er mutet geradezu grotesk an, an den Haaren herbeigezogen, vom Stammtisch aufgeschnappt. Und doch zählt er zu den bestbestätigten Erkenntnissen psychologischer Forschung: der Befund, dass Amateure beim Beraten und Behandeln von Menschen, die als psychisch krank gelten, in der Regel nicht weniger zustande bringen als professionelle Seelenheilkundige – vorausgesetzt, sie sind „interpersonal kompetent“, wie Sozialwissenschaftler sagen: offen, herzlich, engagiert, einfühlsam, verständnisvoll und geschickt in der Gesprächsführung. Ein Großteil der Laien erreicht mindestens gleich viel; dies gilt sowohl im allgemeinen als auch für einzelne „Störungsbilder“, wie z.B. soziale Fehlanpassung, Phobien, Psychosen und Übergewicht. (3) Darauf deuten mittlerweile mehrere hundert Vergleichstudien hin, obendrein über ein Dutzend Metaanalysen, statistische Zusammenfassungen von bereits stattgefundenen Untersuchungen. Manche Studien ergaben sogar einen deutlichen Trend, dass Laien mehr leisten. (4) Dies zeigte sich sowohl unmittelbar nach Abschluss ihres Einsatzes als auch längere Zeit danach. Und es trat auf den unterschiedlichsten Tätigkeitsfeldern zutage: von der Einzel- und Gruppenpsychotherapie über Krisenberatung bis hin zur gesundheitlichen, beruflichen und sozialen Rehabilitation. Woher die Laienhelfer kommen, erwies sich als unerheblich. Ob Studenten, Hausfrauen oder Rentner, Pfleger oder engagierte Bürger: Was den Ertrag ihrer Bemühungen betrifft, können viele von ihnen mit Profis zumindest mithalten, gleichgültig, welcher Erfolgsmaßstab dabei angelegt wird - seien es psychologische Tests, Verhaltensbeobachtungen oder Eindrücke von unabhängigen Beurteilern, Selbsteinschätzungen von Patienten oder Angaben von wichtigen Bezugspersonen, die Dauer des Klinikaufenthalts oder die Rückfallquote. Selbsthilfegruppen - Gemeinsam aus dem Abgrund Wie effektiv Psychoamateure helfen können, erweist sich unter anderem in Selbsthilfegruppen. Über 100.000 derartige Initiativen führen in Deutschland rund 3,5 Millionen Laien zusammen (5), um einander in gesundheitlichen Nöten beizustehen, häufig auch bei seelischen. Fast jeder zehnte Erwachsene hat daran schon mindestens einmal teilgenommen (6); bereits 2005 lag der Bevölkerungsanteil derer, die solche Gruppen besuchen, bei 2,8 Prozent. (7) Wie etliche Studien belegen (8), bringen diese losen, unverbindlichen Gemeinschaften von Gleichbetroffenen in der Regel keineswegs weniger zustande als Gruppenpsychotherapien oder irgendeine andere Spielart professionellen Seelenheilens. Je länger die Mitgliedschaft, je regelmäßiger die Teilnahme, desto größer der persönliche Nutzen: Wer laufend eine Selbsthilfegruppe besucht, kann mit seiner Erkrankung besser umgehen, schätzt sich als selbstbewusster ein, fühlt sich besser verstanden und weniger einsam, erfährt einen Zugewinn an Lebensmut, Wohlbefinden und Alltagstauglichkeit. Unter ihresgleichen finden seelisch Belastete also, wonach viele von ihnen zuvor bei Profis vergeblich gesucht haben. Bei 45 Prozent der Personen, die wegen psychischer Probleme an einer Selbsthilfegruppe teilnehmen, bessern sich die Symptome deutlich, wie eine Patientenbefragung der Universität Saarbrücken ermittelte. (9) Etliche weitere Studien bestätigen ebenfalls, wie gut das Gruppenerlebnis tut. (10) Telefonseelsorge tut gut Ebenso segensreich wirken in Deutschland rund 8000 Laien bei der Telefonseelsorge – seit 1995 auch im Internet -, ehrenamtlich und rund um die Uhr. Sie kommen aus allen Berufsfeldern, auch Arbeitslose sind darunter. Mit Hingabe, Herzensbildung und Engelsgeduld beruhigen, trösten und ermutigen sie pro Jahr 1,8 Millionen Ratlose, Verzweifelte und Lebensmüde. (11) Reichlich Lebenserfahrung und Einfühlungsvermögen, Belastbarkeit und „kommunikative Kompetenz“, wie Sozialwissenschaftler sagen, bringen sie dafür mit - hingegen kaum je ein Studium der Psychologie oder Medizin. Um sie auf ihren nervenaufreibenden Job vorzubereiten, reichen drei Wochenenden und rund dreißig Abende im Laufe von anderthalb Jahren aus. (12) Dass mehr zu erreichen wäre, wenn in den bundesweit 109 Anlaufstellen ausnahmslos Diplom-Psychologen und Psychiater am Telefon säßen, harrt des Beweises. Ein bisschen Training reicht aus, um Laien im Umgang mit psychischer Not sogar noch erfolgreicher zu machen, als viele es ohnehin schon sind. In der Regel genügen dazu weniger als fünfzehn Stunden. (13) Aus alledem folgt mit erschütternder Deutlichkeit: In der Psychologie führt eine langjährige, kostspielige akademische Ausbildung zu keinem nennenswerten Vorsprung gegenüber unausgebildeten Helfern. Die therapeutischen Leistungen von Laien sind mindestens ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen. Bei Beginn ihres Studiums - auch dies belegen die vorliegenden Untersuchungen - waren Profis bessere Helfer als nach dessen Abschluss. Weder eine längere Ausbildung noch zunehmende Berufserfahrung führen dazu, dass sie psychischen Belastungen besser beikommen. (Hingegen könnte Lebenserfahrung durchaus bedeutsam sein – Näheres hierzu in meinem Buch Stochern im Nebel, Psycholügen Band 4.) Mehr Praxisjahre machen professionelle Seelenhelfer im allgemeinen keineswegs fähiger. (14) Eine großangelegte Studie an knapp 7000 Patienten von 170 Psychotherapeuten über einen Fünfjahreszeitraum belegt vielmehr: Von Ausnahmen abgesehen, stellen sich positive Therapiewirkungen sogar seltener und dürftiger ein, je länger der Profi bereits praktiziert. (15) Ungeheuerlich, aber wahr: Nach heutigem Forschungsstand können professionelle Psychotherapeuten nicht für sich beanspruchen, im allgemeinen besser zu sein als sogenannte „blutige“ Laien. Do-it-yourself: Auch im Seelentief keine grundsätzlich schlechte Idee Schlimmer noch: Professionelle Psychotherapie bringt in der Regel nicht einmal mehr als Selbsthilfe. Wie Vergleichstests belegen, nützt in Seelentiefs geeignete Lektüre nicht minder, seien es Ratgeber, Schicksalsberichte, Lebensgeschichten oder Romane. Gleiches gilt für Audio- und Videomaterial zum jeweiligen Problem auf CDs und DVDs, wie auch für geeignete Computerprogramme oder Online-Anleitungen. (16) Und mindestens ebenso gut wie Termine beim Psychotherapeuten oder Psychiatern tut es, eigene Texte zu verfassen und zu gestalten, etwa über aktuelle Erlebnisse, biographische Erfahrungen und Probleme, Symptome und Beschwerden, Sehnsüchte und Hoffnungen. Wie Metaanalysen von 40 bzw. 52 Vergleichsstudien hierüber ergaben, könnten Depressive, Angstgeplagte und Phobiker, Sexual- oder Schlafgestörte statt zum Psychoprofi ebensogut zum Buchhändler gehen, ein Tagebuch führen, Geschichten schreiben oder im Internet surfen. (17) Schreiben als Selbsttherapie Was wäre ohne diese unprofessionelle Selbsthilfe wohl aus dem 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten geworden? In jungen Jahren durchlebte Barack Obama wiederholt bedrückende Zeiten. Falls er damals in die Fänge von Psychoprofis geraten wäre, wäre ihm wohl eine hochgradige „Identitätskrise“ bzw. ein „Entwurzelungssyndrom“ (ICD 10: F68.8) bescheinigt worden, vielleicht auch eine ausgeprägte „Anpassungsstörung“ (F43) in Verbindung mit einer „längeren depressiven Reaktion“ (F43.21). Er war Sechs, als seine Mutter mit ihm nach Indonesien zog, zu ihrem zweiten Ehemann. Dort litt Obama unter seiner Außenseiterrolle: „Ich war dieses große, dunkelhäutige Kind, das irgendwie auffiel.“ Im Seelentief steckte er auch zu Beginn seiner Studiums in New York: „Ich war abgekapselt (…), sehr ernsthaft, irgendwie humorlos.“ Beide Male benötigte er weder Psychotherapie noch Antidepressiva – er befreite sich selbst, indem er Tagebuch führte und Geschichten verfasste. „Ich bin davon überzeugt, dass mir das half, meine Identität zu verstehen. Über das Schreiben setzte ich mich mit vielem auseinander, was mein Leben beeinflusste (…) So konnte ich alle Einzelteile zu einem Ganzen zusammenfügen. (…) Worte sind mächtig, wenn es darum geht herauszufinden, wer man ist und was man denkt, was man glaubt und was wichtig ist. Und auch dabei, den Wirbel der Ereignisse, in dem man permanent steht, zu sortieren und zu deuten.“ (18) So ist es. Auf die heilsame Wirkung von „kreativ-biografischem Schreiben“ schwört die Hamburger Heilpraktikerin und Journalistin Beate Münchenbach, die auf diese Weise während mehrerer „Auswege“-Therapiecamps bei psychisch Belasteten enorm viel bewegte. Die Gründe liegen für sie auf der Hand: „Schreiben ist ein Vorgang mit allen Sinnen und spricht Körper, Geist und Seele an. Schreiben hilft der Bewusstwerdung von Themen, die uns beschäftigen, und damit der Veränderung. Schreiben ist mutig, denn jeder Text ist eine Botschaft an sich selbst oder an andere. Schreiben ist Probehandeln, denn wir können uns im Schreiben ausprobieren und so tun, als ob.“ Lesen als rezeptfreie Medizin Aufs Lesen als rezeptfreie Medizin schwört die Berliner Literaturwissenschaftlerin Andrea Gerk. Die besten Romane „befreien uns aus inneren Gefängnissen“, sagt sie, „und aktivieren die Selbstheilungskräfte. Sie entfalten mitunter eine magische Kraft, die uns im Innersten berührt.“ (19) In den USA ist Bibliotherapie seit 1939 als Heilverfahren anerkannt. In Großbritannien können sich Patienten Bücher gegen Depression verschreiben lassen. (20) Literatur als Selbsthilfe empfiehlt die Londoner School of Life, eine 2008 von dem Philosophen Alain de Botton eröffnete Anlaufstelle für Haltsuchende, in der „man das lernen kann, was man an Schulen und in Universitäten nicht lernt: ein gutes und erfülltes Leben zu führen“. (21) Etliche Studien belegen inzwischen, wie wirksam Lesen bei einer Vielzahl von psychischen Problemen hilft. (22) Das war schon immer so – nicht erst, seit daraus eine weitere verwissenschaftliche Behandlungsweise wurde, wie in der „Integrativen Poesie- und Bibliotherapie“ von Hilarion Petzold und Ilse Orth. (23) Filme als Psychotherapeutika Zur Selbsthilfe eignen sich auch gut gemachte Spielfilme hervorragend. Wer hat nicht schon eine Komödie wie „Der Vater der Braut“ als Stimmungsaufheller eingesetzt? Wer heulte sich bei Hollywood-Dramen wie „Love Story“ nicht den eigenen Kummer von der Seele? Selbst ein „Harry Potter“ oder „Fluch der Karibik“ , „Spider Man“ oder „X-Men“ können unserer geistigen Gesundheit förderlich sein, indem sie uns eine Weile davon abhalten, Trübsal zu blasen, und auf andere Gedanken bringen. Am eigentherapeutisch wertvollsten ist Kino, wenn es bewegende Lebensgeschichten von Figuren, mit denen wir uns mühelos identifizieren können, zu einem befriedigenden, einleuchtenden Ende bringt. Aus Zach Braffs „Garden State“ lernt ein Depressiver, dass es völlig in Ordnung ist, nicht immer glücklich zu sein. Filme wie Jonathan Demmes „Philadelphia“ und Randa Haines´ „Gottes vergessene Kinder“ machen klar, dass nicht einmal eine tödlich verlaufende Erkrankung, eine unbehebbare Behinderung ein selbstbewusstes Leben verhindern kann, das reichlich Gründe bietet, stolz auf sich zu sein. Oliver Haffners „Geschenk der Götter“ hilft Arbeitslosen, sich Selbstachtung, Würde und Zuversicht zu bewahren. Kay Pollacks „Wie im Himmel“ macht Mut, unerfüllten Träumen nachzuspüren, den eigenen Weg zu finden, dabei nichts zu erzwingen, wahrhaftig zu leben. Krzysztof Kieslowskis „Drei Farben: Blau“ führt vor Augen, dass auch der fürchterlichste Schicksalsschlag uns nicht in endlose Verzweiflung stürzen muss. Seine weibliche Hauptperson überlebt einen Autounfall, bei dem sie Mann und Kind verlor. Zunächst will sie sich umbringen, doch dann schafft sie es, neuen Sinn zu finden, in der Musik. Solche Filme bewegen und verändern oft erheblich mehr als so manche professionell verlaufende Therapiesitzung. Der Philosoph und Psychotherapeut Otto Teischel schwört auf die Kunstform Film als „Weg zum Selbst“, als „Hauptstraße zum Sinn“ bei der Gruppen- und Einzeltherapie: „Wie bei kaum einer anderen Kunstform verbergen sich gerade im Spielfilm ungeahnte Reichtümer der Erkenntnis: Er spricht uns, mit nahezu allen Sinnen gleichzeitig, im Kopf und im Herzen an.“ (24) Teischel empfiehlt über hundert Filme „mit psychotherapeutischer Relevanz“ für vielerlei psychiatrische Symptome. (25) Warum machen wir es nicht so wie einst er selbst? Auch ohne sachkundige Anleitung von außen berührte ihn vor vielen Jahren Wim Wenders´ „Paris, Texas“ zutiefst, immer wieder sah er sich den mitreißenden Roadmovie an. (26) Auch „Paraprofessionellen“ gebührt Respekt Auch sogenannte Paraprofessionelle - Betreuungskräfte wie Sozialarbeiter, Kranken- und Altenpfleger -, auf die gestandene Psychiater und Psychotherapeuten mit Vorliebe herabblicken, können mit akademisch geschulten Heilberuflern nachweislich mithalten, wie sich in Vergleichsstudien herausstellte. Selbst bei schweren Depressionen und Angstzuständen erreichen sie mindestens genauso viel. (27) So kümmerten sich in einer britischen Untersuchung Krankenschwestern, nachdem man sie in zwei Workshops mit Grundzügen der Verhaltenstherapie vertraut gemacht hatte, um 222 Hypochondriker - eingebildete Kranke -, die Ärzte zuvor unter 29.000 stationär Aufgenommenen in englischen Fachkliniken als hochgradig ängstlich in Bezug auf die eigene Gesundheit eingeschätzt hatten. Zum Vergleich blieben 222 weitere unbehandelt, sie wurden lediglich regelversorgt. Nach fünf bis zehn Sitzungen hatten die Krankheitsängste in der Behandlungsgruppe erheblich abgenommen. Noch ein Jahr später wirkte der Beistand nach: Von den Laienbehandelten sorgten sich weiterhin 13,9 Prozent nicht übermäßig um das eigene Wohlergehen, in der Kontrollgruppe nur 7,3 Prozent. Auch auf allgemeine Ängstlichkeit und Depressionen hatten sich die Bemühungen der Nichtprofis vorteilhaft ausgewirkt. (28) Ehrenrührige Ungeheuerlichkeit – na und? Und so müssen sich Psychoprofis mit wachsendem Entsetzen eingestehen: Auf ihren klassischen Tätigkeitsfeldern können vermeintlich Ahnungslose offenkundig mithalten. Schlimmer noch, vielfach performen sie besser. In zunehmender Zahl belegen Studien diese ehrenrührige Ungeheuerlichkeit. Beispiel Familienhilfe: Sozial engagierte Ruheständler betreuen, als „Stief-Großeltern“, vernachlässigte, verhaltensauffällige Kinder im Vorschulalter eher hilfreicher als Psychoprofis. (29) Beispiel Schulprobleme: Schwierige, unangepasste Schüler lassen sich durch Gleichaltrige, die gezielt als change agents im Einsatz sind - sinngemäß als „Auslöser von Veränderungen“ -, in einem Maße zu erwünschtem Verhalten bewegen, wie es kaum ein Schulpsychologe zuwege brächte: Sie werden hilfsbereiter, aufmerksamer und ausgeglichener, fühlen sich zugehöriger, stören seltener, hören besser zu. (30) Beispiel Suchtprävention: Kümmern sich um Drogensüchtige ehemals Abhängige, so sinkt die Rückfallquote auf sensationelle sechs Prozent, in einem Beobachtungszeitraum von immerhin dreieinhalb Jahren – verglichen mit 92 Prozent bei staatlichen Rehabilitationsprogrammen. (31) Beispiel Strafvollzug: Laienhelfer tragen zur psychischen Stabilisierung von Häftlingen nicht schlechter bei als Gefängnispsychologen, eher im Gegenteil. (32) Beispiel Resozialisierung: Wie häufig verstoßen Häftlinge gegen Bewährungsauflagen, wenn Laien sie ehrenamtlich betreuen? Eine Erhebung im Stadtstaat Hamburg ergab eine Misserfolgsquote von 24 Prozent - gegenüber 45 Prozent bei professionellen Bewährungshelfern. (33) Ebensowenig als überlegen erwiesen sich Profis in einer Studie der Universität von Long Beach, Kalifornien, in der sich Studenten und Frauen mittleren Alters um jugendliche Straffällige bemühten: Rückfälle, Jobverluste, Schulabbrüche und Problemverhalten wie Komasaufen kamen dabei nicht häufiger vor als in fachmännischer Obhut. (34) Beispiel Katastrophenhilfe: Nach dem verheerenden Erdbeben in Kobe 1995, wie auch nach dem Tsunami in Nordjapan 2011, kamen dort Hunderte Freiwillige als kokoro, „Herzenströster“, zum Einsatz. Fürsorglich nahmen sie sich der Überlebenden an, trösteten sie und führten eingehende Gespräche mit ihnen, um sie die schrecklichen Erfahrungen und Verluste verarbeiten zu lassen. Profis vermisste dabei keiner. Beispiel Flüchtlingshilfe: Unter den Hundertausenden, die aus Kriegsgebieten nach Deutschland flohen, gilt jeder Dritte als schwer traumatisiert von selbst erlebter oder beobachteter Gewalt: Misshandlungen, Vergewaltigungen, Folter, Entführungen, Zerstörungen, Erschießungen. Binnen zwei Kurstagen lernten Lehrer, ja sogar Kinder ohne weiteres, solchen zutiefst erschütterten Menschen wohltuend beizustehen. Im einfühlsamen Dialog regten sie die Betroffenen an, ihre fürchterlichen Erfahrungen in mündlichen und niedergeschriebenen Erzählungen aufzuarbeiten. (35) Beispiel Psychiatrie: Stationär untergebrachte Patienten öffneten sich, entdeckten vergessene Fähigkeiten neu, wurden lebhafter, ausgeglichener und lebensfroher, nachdem sie im Laufe eines siebenjährigen Förderprogramms von 280 Schülern zwischen 12 bis 15 Jahren über ein halbes Jahr lang allwöchentlich besucht und in Interessengruppen einbezogen wurden. Dort plauderte man miteinander, tanzte, trieb Gymnastik, sang, spielte, kochte, schminkte, spielte Theater. Im üblichen Klinikalltag hatte zuvor kein Profi mehr bewegt. (36) Patienten, die als „Tutoren“ auftreten dürfen, psychotherapieren Mitinsassen erfolgreicher als Profis. Derart Betreute werden aktiver, selbstständiger und entscheidungsfreudiger; sie stecken Enttäuschungen besser weg, beteiligen sich mehr an Problemlösungen, verhalten sich unauffälliger. (37) Selbst geistig Schwerbehinderte machen erstaunliche intellektuelle Fortschritte. (38) Dank Laienhelfern: Fürsorge und Mitgefühl mit langer Tradition Gerade in Deutschland hat Laienhilfe in der Psychiatrie eine lange, segensreiche Tradition. Sie reicht zurück bis ins Jahr 1829, als in der Herzoglich-Nassauischen Irrenanstalt in Eberbach am Neckar der erste sogenannte „Hilfsverein“ entstand. Ihm folgten bis zum Vorabend des Naziregimes Hunderte weiterer. Aus christlicher Nächstenliebe opferten Psychoamateure jede Menge Zeit und Herzblut, um Irren ihre menschenwürdige Isolationshaft erträglicher zu machen - und ihnen mehr zu bieten als Schläge, Zwangsjacken, Bettfesseln, Elektroschocks und hirnchirurgische Verstümmelungen. Auch entlassener Geisteskranker nahmen sich viele an. Die zunehmende Professionalisierung des Psychiatriebetriebs verdrängte sie nach und nach, die systematische Ausrottung „lebensunwerter“ Geisteskranker zu Zeiten des Nationalsozialismus erübrigte sie. Erst in den siebziger Jahren lebte die Bewegung wieder auf, angeregt durch die Psychiatriereform von 1975, auf die hin bundesweit gemeindepsychiatrische Dienste, Kontaktstellen und Betreuungsgruppen entstanden. Viele ehemalige Patienten riefen nun Selbsthilfe-Initiativen ins Leben, eine der ersten war die „Irrenoffensive“ in Berlin. Während Ärzte und Pflegekräfte in Krankenhäusern, die eher Straf- als Heilanstalten glichen, bis Mitte des 20. Jahrhunderts vorzugsweise körperlich misshandelten, leisteten Laienhelfer zum seelischen Wohlergehen der Patienten einen segensreichen Beitrag. Im Grunde waren allein sie es, die zur Psychiatrie das Psychische beisteuerten. Sie boten Fürsorge und Mitgefühl, hörten zu und standen bei, während Profis mit respektheischendem akademischen Titel, aber unterirdischem EQ verwahrten, quälten und zurichteten. Gegen herzlose Wissenschaft setzten sie Mitmenschlichkeit. „Durch Gründung von Hilfsvereinen“, schrieb der weise Arzt Caspar Brosius 1876 in der von ihm gegründeten Monatszeitschrift Der Irrenfreund, „macht die Gesellschaft pflichtmäßig möglichst wieder gut, was sie selbst verbrochen hat. (...) Die verständige Teilnahme, die den Irren geschenkt wird, rentiert sich nicht allein für die kranken Individuen - was die Humanität bezweckt -, sondern auch für die menschliche Gesellschaft.“ (39) (Harald Wiesendanger) Dieser Text ist ein Auszug aus Harald Wiesendanger: Psycholügen, Band 3: Seelentief: ein Fall für Profis?, Schönbrunn 2017, 2. erw. u. aktualisierte Aufl. 2024; 124 S., auch als PDF. Die Folgen dieser Serie („Helfen Psycho-Profis wirklich besser?“) 1        Reichlich erforscht: Viele Laien können mehr 2        Unter den Teppich gekehrt 3        Vogel Dodo beim Wettlauf der Psychotechniker 4        Wie viel bringt Psychotherapie wirklich? 5        Warum nützt Psychotherapie? 6        Warum manche Laien die besseren Therapeuten sind 7        Hochstapler unter Hochstaplern 8        Psychotherapie als Gefahrenherd 9        Nase vorn: Was viele Profis besser können – und weshalb 10    Pragmatismus statt Lobbyismus - Für eine weise Psycho-Politik Anmerkungen * Pseudonyme 1 Stern Nr. 43, 23.3.2017, S. 42; Focus 4.3.2005 und PDF-Ratgeber Depression: Leben am Tiefpunkt; Spiegel online, 25.9.2016: „Mein Partner ist depressiv – was tun?“; Welt/N24, 17.12.2009: „Depression – die Krankheit mit dem Mangel an Sinn“; Bild, 26.12.2016: „Tipps für den Umgang mit Depressiven“. 2  ChatGPT am 24.10.2023 auf meine Frage: “Können Laien bei psychischen Problemen helfen?” 3 Siehe zusammenfassend Hildegard Müller-Kohlenberg: Laienkompetenz im psychosozialen Bereich. Beratung – Erziehung – Therapie, Opladen 1996. 4 Siehe Robert R. Carkhuff: „Differential functioning of lay and professional helpers“, Journal of Counseling Psychology 15 (2) 1968, S. 117-126, dort S. 122. Averil E. Karlsruher: „The nonprofessional as a psychotherapeutic agent“, American Journal of Community Psychology 2 (1) 1974, S. 61-77; J. A. Durlak: „Comparative effectiveness of paraprofessional and professional helpers“, Psychological Bulletin 86/1979, S. 80-92. 5 Diese Zahlen nennt die Internetplattform www.selbsthilfe-wirkt.de 6  Robert Koch-Institut: Telefonischer Gesundheitssurvey des Robert Koch-Instituts zu chronischen Krankheiten und ihren Bedingungen. 7   Alf Trojan, Stefan Nickel, Robert Amhof, Jan Böcken: “Soziale Einflussfaktoren der Teilnahme an Selbsthilfezusammenschlüssen. Ergebnisse ausgewählter Fragen des Gesundheitsmonitors”, Gesundheitswesen 68/2006, S. 364–375. 8 M. Peböck/S. Doblhammer/J. Holzner: „Einblicke und Ausblicke – Selbsthilfe als Gegenstand wissenschaftlicher Forschung“, in O. Meggeneder (Hrsg.): Selbsthilfe im Wandel der Zeit. Neue Herausforderungen für die Selbsthilfe im Gesundheitswesen, Frankfurt/Main 2011, S. 227-255; B. Borgetto: Selbsthilfe und Gesundheit. Analysen, Forschungsergebnisse und Perspektiven, Bern 2004. 9 Stiftung Warentest: „Mehr Lebensfreude“, test 2/2003, S. 91-95. 10 M. L. Moeller: „Wodurch wirken Selbsthilfe-Gruppen? Zu einigen therapeutischen Prinzipien der Gruppenbehandlung“, Gruppenpsychologische Gruppendynamik 8/1977, S. 337-357; A. Bachl/R. B. Büchner/W. Stark: „Beratungskonzepte und Dienstleistungen gesundheitsbezogener Selbsthilfe-Initiativen“, Gesundheitswesen 58 (2) 1996, S. 120-124; E. Vonderlin: „Die Bedeutung von Gesprächsgruppen für die Bewältigung einer Frühgeburt durch die Eltern“, Frühförderung interdisziplinär 18/1999, S.19-27. 11 Nach Telefonseelsorge: „Gesamtstatistik für das Jahr 2015“, www.telefonseelsorge.de,  abgerufen am 18.12.2016. 12 Siehe www.telefonseelsorge-ostoberfranken.de : „Information über die Ausbildung zur ehrenamtlichen Mitarbeit“, abgerufen am 18.12.2016. 13 T. Gunzelmann u.a.: „Laienhelfer in der psychosozialen Versorgung: Meta-Analyse zur differentiellen Effektivität von Laien und professionellen Helfern“, Gruppendynamik 18/1987, S. 361-384, S. 379. 14 H. N. Garb: „Clinical judgment, clinical training, and professional experience“, Psychological Bulletin 105/1989, S. 387–396; Frank Jacobi u.a.: „Wie häufig ist therapeutischer Misserfolg in der ambulanten Psychotherapie?“, Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie 40 (4) 2011, S. 246-256, dort S. 252. 15 M. L. Smith/G. V. Glass: „Metaanalysis of Psychotherapy Outcome Studies“, American Psychologist 32/1977, S. 752 – 760, nach methodisch strengeren Kriterien bestätigt durch J. T. Land­man/R. M. Dawes: „Psychotherapy Outcome: Smith and Glass’ Conclusions Stand Up to Scrutinity“, American Psychologist 37/1982: 504-516. Carkhuff (s. Anm. 14), S. 120. 16 E. Mayo-Wilson u.a.: „Media-delivered cognitive behavioural therapy and behavioural therapy (self-help) for anxiety disorders in adults“, Cochrane Database Systematic Review 9/2013, CD005330. 17 F. Scogin u.a.: „Efficacy of selfadministered treatment programs. Meta-analytic review“, Professional Psychology Research and Practice 21/1990, S. 42-47; R. A. Gould/G. A. Clum: „A metaanalysis of self-help treatment approaches“, Clinical Psychology Review 13/1993, S. 169-186; Silke Heimes: Warum Schreiben hilft. Die Wirksamkeitsnachweise zur Poesietherapie, Göttingen 2012. 18 Barack Obama im Interview mit der New York Times, in deutscher Übersetzung veröffentlicht in der Süddeutschen Zeitung Nr. 14, 18.1.2017, S. 9. 19 Zit. nach Frankfurter Rundschau, 28.1.2015: „Lesen rettet uns vor uns selbst“; siehe Andrea Gerk: Lesen als Medizin. Die wundersame Wirkung der Literatur, Berlin 2015. 20 Cornelia Geissler: „Rettungsanker“, Frankfurter Rundschau, 26.3.2015. 21 www.theschooloflife.com/berlin/ueber-uns/#&panel1-3, abgerufen am 23.1.2017. 22 Silke Heimes u.a.: „Die Heilkraft der Sprache in der Poesietherapie“, Musik-, Tanz- und Kunsttherapie 19 (1) 2008, S. 36-47; dies.: „Kreative Bewältigung einer Lebenskrise mit Hilfe der Poesietherapie“, Musik-, Tanz- und Kunsttherapie 19 (2) 2008, S. 93-97, Karen A. Baikie/Kay Wilhelm: „Emotional and physical health benefits of expressive writing“, Advances in Psychiatric Treatment 11/2005, S. 338-346. 23 Hilarion Petzold, Ilse Orth (Hrsg.): Poesie und Therapie. Über die Heilkraft der Sprache. Poesietherapie, Bibliotherapie, Literarische Werkstätten. Aisthesis, 2005; Petzold, H. G., Leeser, B., Klempnauer, E. (Hrsg.): Wenn Sprache heilt. Handbuch für Poesie- und Bibliotherapie, Biographiearbeit, Kreatives Schreiben. Aisthesis Verlag, Bielefeld 2017. 24 www.teischel.com/filmtherapie, abgerufen am 23.1.2017; s. sein Buch Die Filmdeutung als Weg zum Selbst, Norderstedt 2007. 25 Teischel: Die Filmdeutung …, a.a.O., S. 221. 26 Susan Vahabzadeh: „Schau hin“, Süddeutsche Zeitung Nr. 17, 21.1.2017, S. 49. 27 P. Boer u.a.: „Paraprofessionals for anxiety and depressive disorders“, Cochrane Database Systematic Review 2/2005, CD004688. 28 Peter Tyrer u.a.: „Clinical and cost-effectiveness of cognitive behaviour therapy for health anxiety in medical patients: a multicentre randomised controlled trial“, Lancet 383/Januar 2014, No. 9913, S. 219–225. 29 Hildegard Müller-Kohlenberg: Laienkompetenz im psychosozialen Bereich, Opladen 1996, S. 129 f.; E. L. Cowen/E. Leibowitz/G. Leibowitz: „Utilization of retired people as mental health aides with children, American Journal of Orthopsychiatry 38/1968, S. 900-909. 30 J. R. Hilgard/D. C. Staight/U. S. Moore: „Better-adjusted peers as resources in group therapy with adolescents“, Journal of Psychology 73/1969, S. 75-100; D. K. O´Leary: „Der Einzug von Laienhelfern in das Klassenzimmer“, in G. Sommer/H. Ernst (Hrsg.): Gemeindepsychologie, München 1977, S. 120-131. 31 Efren Ramirez: „Help for the addict“, American Journal of Nursing 11/1967, S. 2348-2353. Professioneller Suchtprävention überlegen erwiesen sich „Ex-Addicts“ ebenfalls in einer Studie von Leonard Lo Sciuto u.a.: „Paraprofessional versus professional drug abuse counselors: Attitudes and expectations of the counselors and their clients“, International Journal of the Addictions 19 (3) 1984, S. 233-252. Andere Untersuchungen fanden zumindest keinen Erfolgsvorsprung von Profis: N. J. Konzel/B. S. Brown: „The counselor role as seen by ex-addict counselors, nonaddict counselors, and significant others“, Journal of Consulting and Clinical Psychology 41 (2) 1973, S. 315 ff.; B. S. Brown/R. F. Thompson: „The effectiveness of formerly addicted and nonaddicted counselors on client functioning“, Drug Forum 5 (2) 1975, S. 123-129; L. S. Aiken u.a.: „Paraprofessional versus professional drug counselors: Diverse routes to the same role“, International Journal of the Addictions 19 (2) 1984, S. 153-173 (Teil 1), 19 (4) 1984, S. 383-401 (Teil 2). 32 Hildegard Müller-Kohlenberg: Laienkompetenz im psychosozialen Bereich, Opladen 1996, S. 77-89. 33 H. J. Kerner u.a.: „Straf(rest)aussetzung und Bewährungshilfe“, Arbeitspapiere aus dem Institut für Kriminologie der Universität Heidelberg 3/1984. 34 D. A. Dowell: „Volunteers in probation: A research note on evaluation“, Journal of Criminal Justice 6/1978, S. 357-361. In einer weiteren Studie der Universität Nebraska wurden 32 zufällig ausgewählte Straftäter von Richtern, also ebenfalls Personen ohne übliche Vorbildung, nicht minder erfolgreich betreut wie von entsprechend vorgebildeten Fachleuten. John Berman: „The volunteer in parole program“, Criminology 13/1975, S. 111-113. 35 Ärzteblatt, 24.2.2016: „Traumata bei Flüchtlingen: Experte schlägt Laientherapie vor“. 36 Arié Schlosberg: „Seven-year follow-up of an adolescent volunteer program in a psychiatric hospital“, Hospital and Community Psychiatry 42 (6) 1991, S. 632-633. 37 W. E. Needham/H. White/B. J. Fitzgerald: „A patient-therapist program“, Hospital and Community Psychiatry 17 (3) 1966, S. 44-45; E. Pfeiffer: „Patients as therapists“, American Journal of Psychiatry 123 (11) 1967, S. 1413-1418; C. K. Whalen/A. B. Henker: „Creating therapeutic pyramids using mentally retarded patients“, American Journal of Mental Deficiency 74/1969, S. 331-337; M. Mercatoris u.a.: „Mentally retarded residents as paraprofessionals in modifying mealtime behavior“, Journal of Abnormal Psychology 84 (3) 1975, S. 299-302; P. Wagner/M. Sternlicht: „Retarded persons as teachers: retarded adolescents tutoring retarded children“, American Journal of Mental Deficiency 79/1975, S. 674-679. 38 Harold M. Skeels: „Adult status of children with contrasting life experiences“, Monograph of the Society for Research in Child Development 105/1966. 39 Caspar Brosius in Der Irrenfreund 18/1876, S. 73. Titelbild: Shutterstock

  • Bloß ein Piks – zwei Tage später tot

    Als Melody mit 15 Monaten eine Mehrfachimpfung erhält, ist sie kerngesund. Zwei Tage später bekommt das Baby plötzlich keine Luft mehr, sein Herz steht still, Leber und Nieren versagen. Seltsamer Zufall, meint der Impfarzt. Der 19. Oktober 2023, ein Donnerstag, beginnt für Katherine Palombi wie jeder Werktag. Doch „es wurde der schrecklichste Tag meines Lebens“, wie die junge Mutter aus Greenwood Lake, New York, heute weiß. (1) Frühmorgens bringt sie Melody Rain, ihre 15 Monate alte Tochter, zur Oma. Nach einem Abschiedskuss winkt das Mädchen seiner Mama fröhlich zu. Dann fährt Katherine weiter zur Arbeit. Kaum dort eingetroffen, erhält sie einen Anruf von der Großmutter – in Panik. Melody hat Atemnot, sie bekommt kaum noch Luft. „Ich war total geschockt“, erinnert sich Palombi. „Hat mein Kind sich an etwas verschluckt? Das war mein erster Gedanke. Denn es war ja völlig gesund.“ Weil Melody anscheinend zu ersticken droht, alarmiert Katherine den Notdienst. Während ein Krankenwagen unterwegs ist, leitet die Notrufzentrale die Großmutter telefonisch an, eine Herz-Lungen-Reanimation durchzuführen. Als endlich die Rettungskräfte eintreffen, schaffen sie Melody sofort ins St. Anthony´s Hospital. Dort versuchen Ärzte stundenlang, die Kleine zu retten – vergeblich. „Sie brachten mich in den Behandlungsraum und ich sah sie dort liegen“, sagt Katherine. „Todeszeitpunkt: 11:13 Uhr. Ich fiel einfach um – ohnmächtig.“ Wie aus den Krankenhausunterlagen geht, erlitt das Baby einen Herzstillstand, ein Leber- und Nierenversagen. Am 13. Juli 2022 zur Welt gekommen, endete sein Leben schon 459 Tage später. Warum? Zwei Tage vor Melodys Tod, am 17. Oktober, hatte in einer Kinderklinik in Warwick, New York, der Herbert Kania Pediatric Group, an ihr eine Vorsorgeuntersuchung stattgefunden. (Geschäftsmotto: „We provide all necessary immunizations.”) Zu jenem Zeitpunkt war sie „völlig gesund“, versichert die Mutter. Dabei erhielt das Mädchen einen Mehrfach-„Piks“: den Pentacel 5-in-1-Impfstoff gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten (DTaP), Kinderlähmung und Influenza Typ B. Im St. Anthony´s Hospital hörte die Mutter: Der enge zeitliche Zusammenhang zur Impfung sei reiner Zufall. Die Kinderklinik verweigerte eine Stellungnahme. Stattdessen sichtete die Medizinerin Dr. Elizabeth Mumper, Präsidentin des Rimland Center For Integrative Medicine, Melodys Krankenakte – und stellte betroffen fest: „Ein zuvor gesundes Baby starb in der Notaufnahme, nachdem es einen Atemstillstand erlitten hatte. Seine Laborwerte zeigten erhöhte Enzyme in Leber, Herz und Muskeln, was auf katastrophale Schäden hindeutet. Seine Elektrolyte waren abnormal, was darauf hindeutet, dass sein Körper die Fähigkeit verloren hat, die Homöostase - das Gleichgewicht der Körperchemie - aufrechtzuerhalten.“ (2) Dass die Todesursache die Impfung war, liegt für sie auf der Hand. „Als Engel geboren“ Ihrem verlorenen Baby hat Katherine einen rührenden Nachruf gewidmet: „Von dem Moment an, als sie in unser Leben trat, war Melody Rain ein Leuchtfeuer der Liebe und Freude. Ihr ansteckendes Kichern, ihr warmes Kuscheln und ihre süßen Küsse waren eine Quelle endloser Freude für ihre Familie. Sie wurde buchstäblich als Engel geboren. Sie war das perfekte Kind. Sie liebte das Meer. Sie liebte es, spazieren zu gehen. Sie liebte Tiere, besonders unseren Hund Sonya. Sie hat jeden, der sie kannte, zum Strahlen gebracht. Melody war eine leuchtende Seele, die ihr Glück in den einfachsten Dingen fand.“ Wie kommen Eltern, die ihr Kind dermaßen überschwänglich lieben, bloß dazu, in deren zarte Körper Substanzen injizieren zu lassen, ohne sich zuvor von deren Notwendigkeit und Unbedenklichkeit zu überzeugen? Blauäugig liefern sie es einer pharmagelenkten Schulmedizin aus, weil andere Familien es ja ebenfalls tun; weil der Kinderarzt ihnen ein schlechtes Gewissen macht; weil es sie erleichtert, Verantwortung an ihn zu delegieren. Das kann gutgehen – oder in einer Tragödie enden. Mamis und Papis, die es darauf ankommen lassen, spielen Russisches Roulett mit ihrem Nachwuchs. Warum recherchieren sie nicht ausgiebiger, statt es bei ein, zwei Klicks auf die Toplinks von Google-Trefferlisten zu belassen? Wie eine öffentlich zugängliche Studie belegt, kommen Fälle von „plötzlichem Kindstod“ bei geimpften Säuglingen innerhalb der ersten drei Tage nach dem „Piks“ 7,3-mal häufiger vor als nach einem Monat. (3) Auch eine Analyse der Sicherheitsdaten von VAERS, dem US-Meldesystem für Impfnebenwirkungen, legt nahe, dass Babies in den ersten Tagen nach einer Impfung deutlich öfter versterben als Wochen oder Monate danach. (4) Von 2.605 Todesfällen bei Säuglingen, die VAERS zwischen 1990 und 2019 registrierte, ereigneten sich 58 % innerhalb von drei Tagen nach der Impfung, 78 % innerhalb von sieben Tagen danach. (5) Obwohl die USA bei weitem das meiste Geld für Kindergesundheit ausgeben, ist die Wahrscheinlichkeit für ein Baby, in seinem ersten Lebensjahr zu sterben, dort um 76 % höher als in 19 anderen wohlhabenden Ländern. Zu den Top Five der Ursachen für Säuglingssterblichkeit zählt der sogenannte “Plötzliche Kindstod” (SIDS), der sich in erster Linie als fatale Impfnebenwirkung entpuppt; bis zu ihrem ersten Geburtstag müssen US-Babies, laut Empfehlung der Seuchenschutzbehörde CDC, Impfungen gegen elf verschiedene Krankheiten über sich ergehen lassen – mehr als irgendwo sonst auf unserem Planeten. Warum wohl kam es während des Covid-Lockdowns zu deutlich weniger SIDS-Fällen, in den Vereinigten Staaten ebenso wie in Westeuropa? Die Impfraten waren vorübergehend drastisch gefallen. (Siehe KLARTEXT: “Weniger Frühchen, weniger plötzliche Kindstode – warum?”) Impfgläubige Eltern spielen Russisches Roulette Wie Katherine Palombi gegenüber Journalisten einräumte, hatte Melody bereits auf eine frühere Impfung heftig reagiert. Da war sie zwei Monate alt gewesen. Unmittelbar nach der Spritze setzte hohes Fieber ein, bis zu 40 Grad. Am ganzen Körper bildeten sich rote Flecken. Mehrere Tage hielt der Ausschlag an. Hätte die Mutter daraus nicht lernen können: „Mein Kind reagiert auf Impfungen viel empfindlicher als andere – also ist besondere Vorsicht geboten“? Inzwischen weiß Katherine von Genmutationen, die manche Kinder dazu prädisponieren, auf Impfstoffe hyperallergisch zu reagieren. Melody könnte davon betroffen gewesen sein. Hätte ihre Mutter dies nicht schon früher feststellen lassen können? In einem Rundfunkinterview appellierte Katherine Palombi an andere Eltern: „Vertraut eurem Bauchgefühl und lasst euch nichts aufdrängen, was ihr nicht wollt. Informiert euch über die Gefahren von Impfungen.“ Warum nur hat sie selber damit nicht schon vor dem 17. Oktober angefangen? Kaum hatte sich ihr schrecklicher Verlust herumgesprochen, da meldeten sich andere betroffene Eltern bei ihr – darunter eine Mutter, deren zwei Monate altes Kind eine extreme Impfreaktion auf einen Impfstoff zeigte:  "Es hatte Blut im Stuhl. Also sagte ich ihr: 'Du musst dein Baby sofort in die Notaufnahme bringen. Und das tat sie. Der Kinderarzt sagte zu ihr: 'Wenn du es nicht hergebracht hättest, wäre es am Montag schon tot gewesen.'" Eine andere Frau erzählte Palombi, ihr Enkel sei im Alter von sechs Monaten nach einer ‚Schutzimpfung‘ gestorben. Man sagte ihr, es sei SIDS.“ Melody, ihr Engel, könnte noch eine „leuchtende Seele“ in einem lebendigen Körper sein, wenn ihre Mami solche Schicksale schon früher beachtet hätte. In Internetforen von Betroffenen wären sie bloß einen Klick entfernt gewesen. (6) (Harald Wiesendanger) P.S.: Über weitere Fälle von mutmaßlich totgeimpften Kindern berichte ich in den KLARTEXT-Beiträgen „Damit sein Tod nicht sinnlos war“ und „Yonatan ist tot. Warum?“ Anmerkungen 1 Nähere Einzelheiten: https://bronx.news12.com/orange-county-15-month-old-dies-2-days-after-well-visit-vaccinations und https://childrenshealthdefense.org/defender/melody-rain-palombi-malmgren-death-vaccination/?utm_id=20231113 2 Zit. nach https://childrenshealthdefense.org/defender/melody-rain-palombi-malmgren-death-vaccination/?utm_id=20231113 3 Siehe Robert F. Kennedy Jr./ Brian S. Hooker: Vax-Unvax: Let the Science Speak; dt.: Geimpft versus ungeimpft – Jetzt spricht die Wissenschaft!, Kopp: Rottenburg 2023. 4 Kennedy/Hooker (dt. Übers.), a.a.O, S. 156 f. 5 Neil Z. Miller: „Vaccines and sudden infant death: An analysis of the VAERS database 1990–2019 and review of the medical literature“, Toxicology 8/2021, S. 1324-1335 6 Internetforen zu Impfschäden nennt der KLARTEXT-Beitrag „Pandemie der vertuschten Impfschäden“.

  • Damit sein Tod nicht sinnlos war

    Keine zwei Tage nach einer Mehrfach-Impfung hört Sawyer auf zu atmen, für immer. Da ist er zwei Monate alt. Sein Blut enthält 95 Mikrogramm Aluminium pro Liter – ein Wert, der selbst für Erwachsene giftig wäre. Eine Toxikologin bestätigt: Diese Schwermetallbelastung kann nur von den Impfstoffen herrühren. Wie oft sich solche „plötzlichen Kindstode“ (SIDS) ereignen, weiß niemand genau. Ein kriminelles Schweigekartell aus Ärzten, Gerichtsmedizinern, Behörden, Pharmaindustrie, Wissenschaftlern und Medien sorgt dafür, dass die Hauptursache vertuscht wird, Eltern ahnungslos bleiben – und die Verantwortlichen ungestraft davonkommen. Am 20. Oktober 2022 bringen Melissa und Nick, ein junges Paar aus dem US-Bundesstaat Maine, ihren kleinen Sawyer, gerade mal 54 Tage alt, wegen eines hartnäckigen Ausschlags am Oberkörper zum Kinderarzt. Dieser diagnostiziert eine Virusinfektion und verschreibt Baby-Tylenol, eine medizinische Creme. (1) Eine Woche später steht die empfohlene Mehrfach-Impfung an: gegen Rotaviren, Haemophilus influenzae B, 13 Arten von Pneumokokkenbakterien, Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Hepatitis B und Polio. Die Mutter, eine Krankenschwester, äußert Vorbehalte, denn der Ausschlag ist immer noch da. Doch der Arzt besteht darauf, wie vorgesehen zu spritzen. Unmittelbar nach dem „Piks“ beginnt Sawyer herzzerreißend zu schreien - unstillbar. Erst am nächsten Tag beruhigt er sich ein wenig. Gegen 18:15 Uhr schläft das Baby ein. Als Melissa vier Stunden später nach ihm sieht, bewegt es sich nicht, atmet nicht mehr. Entsetzt hebt sie seinen schlaffen, leblosen Körper aus dem Bettchen und beginnt zu schreien. Nick eilt herbei, greift sofort zum Telefon. Ein herbeigerufener Rettungsanitäter bemüht sich, das Kind wiederzubeleben – vergeblich. Weil es um einen toten Säugling geht, findet eine offizielle Untersuchung statt. Die Polizei sucht nach Hinweisen auf Kindesmissbrauch und Alkoholismus, kommt aber schnell zu dem Schluss, vermutlich habe es sich um einen Unfall gehandelt. Noch an Sawyers Todestag führt der leitende Gerichtsmediziner eine Autopsie durch. Dabei stellt er fest, dass Sawyer „gut entwickelt“ war und keinerlei Anzeichen von Verletzungen oder Quetschungen aufweist. Daraufhin schreibt er in den Totenschein, Sawyer sei aufgrund einer „suboptimalen Schlafumgebung“ erstickt – womit er im wesentlichen den Eltern die Schuld gibt. Wie kommt er darauf? Das lassen Melissa und Nick nicht auf sich sitzen. Sie beginnen im Internet zu recherchieren – endlich. In Infoportalen und sozialen Medien suchen sie nach Betroffenen und Sachverständigen. Schließlich stoßen sie auf eine Reihe von Pathologietests, mit denen festzustellen wäre, ob Impfstoffe eine Rolle bei Sawyers Tod gespielt haben. Diese Tests bestimmen das C-reaktive Protein, das auf eine Gehirnentzündung hinweist, Leberenzyme, Aluminium, Quecksilber und Formaldehyd im Gehirn- und Blutgewebe, neben verschiedenen Blutwerten und Impftitern. Melissa fordert den Gerichtsmediziner auf, diese Tests durchzuführen. Er lehnt jedoch ab, weist ihre Bedenken zurück und belehrt sie, dass Schwermetalle kein SIDS auslösen können. Weitere E-Mails von ihr blockt sein Büro als "unzustellbar" ab. Nun suchen die Eltern im ganzen Land nach einem kompetenten Pathologen, der bereit ist, die gewünschten Laboruntersuchungen durchzuführen - und einen Arzt, der sie anordnet. Doch der Hausarzt, der Kinderarzt, Melissas Gynäkologe lehnen ab. Über ein halbes Jahr lang erhält das Paar weitere Absagen. Dann endlich finden sie einen hilfsbereiten Pathologen. Am 21. Juni 2023 führt er die Tests durch. Obwohl sich einige von Sawyers Gewebeproben inzwischen zersetzt haben, findet er noch genügend Anhaltspunkte für einen ausführlichen Bericht. Im August trifft dieser bei den Eltern ein – voller labortechnischer Details, ohne Hinweise oder Empfehlungen, mit enttäuschend geringer Aussagekraft. Eine Toxikologin erklärt sich bereit, den Bericht auszuwerten. Anfang September 2023 verständigt sie die Eltern. “Sie teilte uns mit, dass Sawyers Aluminiumwerte sehr hoch waren". Das Baby hatte 95 Mikrogramm Aluminium pro Liter Blut - ein Wert, der selbst für Erwachsene giftig wäre. Die Toxikologin erklärt dem Paar, dass die Aluminium- und Antigenwerte im Blut auf die Impfstoffe zurückzuführen seien. Die akute Erkrankung könnte mitgespielt haben. „Sie riet uns, einen Rechtsbeistand zu suchen.“ Mutige Polizistin bricht ihr Schweigen Womöglich hören Melissa und Nick zu dieser Zeit von einer mutigen Polizistin, die sich just in jenem September mit einer brisanten Enthüllung an die Öffentlichkeit wagt. In einer Stadt mit 350.000 Einwohnern untersuchte Lynn Jennings (ein Pseudonym) drei bis vier SIDS-Fälle pro Monat. Frühzeitig erkannte sie, dass es aufschlussreich war, Impfdaten zu erfassen. Daraus ging hervor: Über die Hälfte der plötzlichen Kindstode – rund 300 - traten innerhalb einer Woche nach einer Impfung auf. Vorgesetzte wiesen Lynn an, darüber Stillschweigen zu bewahren. (2) Wie wahrscheinlich ist es, dass der Zusammenhang zwischen SIDS und Impfungen, den die Polizeibeamtin registrierte, rein zufällig zustande kam? (3) Gewaltige Dunkelziffer Wurden Melissa, Nick und Lynn Zeugen eines überaus seltenen Phänomens, das man nicht unnötig an die große Glocke hängen sollte? Schon 1965 hatte der Leipziger Pathologe Paul Mahnke bei einer Untersuchung von 394 plötzlichen Todesfällen im Kindesalter festgestellt, dass bei 22, also immerhin knapp sechs Prozent, eine „Schutz“impfung „ursächlich beteiligt“ war. (4) Übertrieb er? Laut Statistischem Bundesamt gab es im Jahr 2014 in Deutschland unter 715.000 lebend geborenen Kindern gerade mal 119 SIDS-Fälle; das Risiko läge demnach bei winzigen 0,017 Prozent. (5) Tatsächlich? Sobald es ums Impfen geht, wird Lügen mit Zahlen zur Lieblingsbeschäftigung von Behörden. Definitionsgemäß liegt SIDS dann vor, wenn beim plötzlichen Tod eines Säuglings oder Kleinkinds trotz Autopsie und Untersuchung des Auffindeortes keinerlei Ursache ermittelt werden kann. Es handelt sich demnach um eine Ausschlussdiagnose: Kinderärzte, Pathologen und Rechtsmediziner treffen sie erst dann, wenn alle erdenklichen natürlichen und nicht-natürlichen Todesursachen wie Infektionen, Stoffwechselstörungen, Blutungen, auch nach Schütteltrauma, Fehlbildungen und Unfälle - Vergiftung, Strom, Sturz, Unterkühlung, Ersticken usw. – definitiv ausscheiden; darüber hinaus darf auch in der klinischen Vorgeschichte sowie bei den konkreten Todesumständen nichts Verdächtiges zum Vorschein kommen. Anhaltspunkte dafür finden sich um so eher, je argwöhnischer und gründlicher man danach sucht. Impftermine zählen zuallerletzt dazu; schließlich steht für beteiligte Mediziner im allgemeinen felsenfest, dass Vakzine wirksam und sicher sind – also scheiden sie als Ursache von vornherein aus. Um das Ausmaß des Problems besser einzuschätzen, müssten near-SIDS bzw. near-missed-SIDS mitberücksichtigt werden: Beinahe-SIDS-Fälle, in denen ein betroffenes Kind im letzten Moment reanimiert werden konnte. (Oft ist auch von ALTE die Rede, eine Abkürzung für apparent life-threatening event – akutes lebensbedrohliches Ereignis mit Symptomen, die von plötzlichen Atemaussetzern über völlige Apathie bis zum Kreislaufkollaps reichen können.) (6) Die Dunkelziffer übersteigt die SIDS-Rate vermutlich um ein Zehnfaches. (7) Erst recht unbeachtet bleiben bislang Impfungen, die ein Kinder vor der Geburt erhält – sobald seine Mutter welche bekommt. Wo bleiben Risikostudien darüber? Zahlreiche Fallberichte deuten auf eine erhöhte Wahrscheinlichkeit von Fehlgeburten, von angeborenen Defekten sowie Autismus bei den Kindern von Müttern hin, die während der Schwangerschaft gegen Grippe geimpft wurden. SIDS durch Impfung – warum denn sonst? Wie seltsam häufig Impfungen und schlagartige Kindstode zeitlich eng zusammenhängen, ist keineswegs das einzige Indiz, das den Schluss von Korrelation auf Kausalität nahelegt. Es gibt weitere: SIDS-Raten im internationalen Vergleich: Je häufiger und je früher in Ländern rund um den Globus Kinder geimpft werden, desto mehr SIDS-Fälle sind dort zu registrieren. In Deutschland, der Schweiz und den USA finden die frühesten Impfungen gewöhnlich im ersten Vierteljahr nach der Geburt statt - eben dann tritt SIDS am häufigsten auf. Hierzulande ereignen sich 80 % der SIDS-Fälle vor dem sechsten Lebensmonat des Säuglings (8), ein Großteil davon zwischen dem zweiten und vierten. Japan hingegen verschob die Erstimpfungen auf das zweite Lebensjahr. Daraufhin sank die SIDS-Rate dort rapide. SIDS-Raten schwanken je nach Impftyp. Wie eine japanische Studie nachweist (9), werden bei bestimmten Vakzinen plötzliche Kindstode wahrscheinlicher. SIDS-Raten hängen vom zeitlichen Abstand zur Impfung ab. Die meisten Fälle treten innerhalb der ersten Woche nach einem „Piks“ auf. Je mehr Impfungen, desto höher das Todesrisiko. (10) Als Wissenschaftler Impfpläne und Säuglingssterblichkeitsraten in 34 Ländern verglichen, stellten sie "eine hohe statistisch signifikante Korrelation zwischen der steigenden Anzahl von Impfdosen und der steigenden Säuglingssterblichkeitsrate" fest. In den USA geborene Kinder sterben mit 76 % höherer Wahrscheinlichkeit vor ihrem ersten Geburtstag als Säuglinge in 19 anderen wohlhabenden Ländern – 26 Impfdosen sind ihnen bis dahin verabreicht worden, nirgendwo sonst wird eifriger gespritzt. Warum haben es amerikanische Kinder schwerer, ihren ersten Geburtstag zu erleben, als Kinder in Kanada, Australien, Neuseeland, Island oder Japan? Während der Corona-Lockdowns sanken die Impfraten drastisch – die Anzahl von SIDS-Todesfällen ebenfalls. (Siehe KLARTEXT: „Weniger Frühchen, weniger plötzliche Kindstode – warum?“) Forschungsarbeiten aus aller Welt, die im Laufe eines Jahrhunderts erschienen, wertete die australische Ärztin und Wissenschaftlerin Viera Scheibner in ihrem Buch Vaccination aus. (11) Ein längeres Kapitel widmet sie darin dem plötzlichen Kindstod. Auch sie kommt zu dem Ergebnis: Jährlich werden weltweit Zehntausende Kinder zu Tode „gepikst“. Aus den USA melden die Centers for Disease Control and Prevention soeben den größten Anstieg der Säuglingssterblichkeitsrate seit 20 Jahren – in vereinzelten US-Bundesstaaten um 57 % (Delaware), 30 % (Iowa) und 27 % (Maine) Wann setzte dieser Trend ein? Im Jahr 2021 – als die Covid-„Impf“stoffe für schwangere Frauen zugelassen wurden. (12) Ablenkungsmanöver mit Nebelkerzen Fallen Impfskeptiker auf Fake News herein? Einer US-Studie (13) zufolge, die 568 SIDS-Fälle aus den Jahren 1991 bis 2008 untersuchte, lag bei 99 % der betroffenen Kinder mindestens ein Risikofaktor vor, bei 75 % sogar zwei. Die Liste ist lang und vielfältig: Sie reicht vom höheren Alter und Drogenkonsum der Mutter, einer Frühgeburt und Passivrauchen, einem „sozial gestressten Milieu“ über den Verzicht aufs Stillen, eine bakterielle Infektion mit Staphylococcus aureus und Escherichia coli, einen „Defekt im gehirninternen Aufweckmechanismus“ bis hin zu einer nestartigen Bettumrandung, dem Zudecken des Kopfs, ungenügender Luftzirkulation und Überwärmung durch Heizung, Kleidung oder Decke. (14) Womöglich sind der Blutfluss zum Hirnstamm oder die Serotonin-Homöostase gestört. Oder es mangelt an Phosphat im Blut. Vielleicht ist der Krankheitserreger Clostridium botulinum schuld, der ein lähmendes Gift bildet; er kommt zum Beispiel in verunreinigtem Honig vor. Toxische Ausdünstungen von Tapeten und Matratzen stehen ebenfalls im Verdacht, SIDS auszulösen. Oder die Kinder fallen einem asymptomatischen Keuchhusten zum Opfer, der unerkannt bleibt, weil der Erreger, das Bakterium Bordetella pertussis, derart empfindlich ist, dass er sich an einer erkalteten Leiche nicht mehr nachweisen lässt. (15) „Fast jährlich erscheinen neue Theorien über mögliche Ursachen“, fiel dem Internisten Gerhard Buchwald auf, den ein schwerer Impfschaden im engsten Familienkreis zum engagierten Impfkritiker werden ließ. „Während meiner Studienzeit galt die Lehrmeinung von der vergrößerten Thymusdrüse, die die Luftröhre einenge und einen Erstickungstod verursache.“ (16) Mal sollte das Baby unbedingt im eigenen Zimmer schlafen, mal besser im Bett der Eltern. Mal stand die Rückenlage am Pranger und die Bauchlage wurde propagiert, mal galt die umgekehrte Empfehlung. All diese Faktoren mögen hie und da mitspielen. Aber warum sollten sie, einzeln oder gemeinsam, ausgerechnet in jenen Ländern zu mehr SIDS-Todesfällen führen, wo am eifrigsten und frühzeitigsten geimpft wird? Es müssen keine kausalen Einbahnstraßen sein, auf denen Vakzine Babies umbringen. Eher könnten sie der sprichwörtlich letzte Tropfen in ein Fass sein, das bestehende Vorbelastungen schon bis zum Rand gefüllt hatten. Im übrigen liegt die Beweislast nicht bei den Betroffenen, sondern bei den Tätern und ihren Handlangern. Es ist an ihnen, zweifelsfrei zu belegen, dass Ingredienzen wie Formaldehyd, Aluminiumverbindungen, Quecksilber, Gallium, Nickel, Zirkonium, Titan sowie artfremde Eiweiße in Kinderimpfstoffen unsere Jüngsten unmöglich schädigen oder gar umbringen können. Vakzine bringen Babies um? Uuuuuuuuuunmöglich. Der „Verdacht“ eines „möglichen“ Zusammenhangs des plötzlichen Kindstodes mit Impfungen sei „durch umfangreiche epidemiologische Studien widerlegt“, versichert uns Wikipedia. Untersuchungen des Paul-Ehrlich-Instituts wie auch der Europäischen Arzneimittelagentur EMA hätten keinerlei Hinweise darauf ergeben, dass von Kinderimpfstoffen eine SIDS-Gefahr ausgeht. (17) Vielmehr habe sich gezeigt, dass grundimmunisierte Säuglinge sogar ein geringeres SIDS-Risiko tragen als ungeimpfte. (18) Auch Sechsfach-Impfungen reduzieren es angeblich, um bis zu 50 %. (19) „Je höher die Impfquote, desto seltener der plötzliche Kindstod“, verkündet die Berliner Charité. In Schweden gebe es mehr plötzliche Kindstode, seit dort weniger gegen Keuchhusten geimpft werde. In den USA sei die SIDS-Häufigkeit zwischen 1975 und 2009 zurückgegangen, während die Impfquote für Diphtherie, Tetanus und Pertussis im gleichen Zeitraum anstieg. Vom Jahr 2002 bis 2021 fiel sie um beträchtliche 22 %. (20) Deutschland verzeichne ebenfalls eine rückläufige Inzidenz von SIDS: 1990 sollen auf 10.000 Lebendgeburten 15 SIDS-Fälle gekommen sein, 2013 nur noch 2,2 Fälle. Im selben Zeitraum wurden aber neue, zusätzliche Standardimpfungen eingeführt. (21) In den vergangenen 30 Jahren soll hierzulande die Fallzahl um sage und schreibe 93 % gesunken sein. Während sie im Jahr 1991 noch bei 1285 lag, fiel sie bis 2020 kontinuierlich auf 82. Scheinbar sinkende SIDS-Raten lassen sich allerdings mühelos herbeidefinieren, ebenso wie die „Infizierten“, die geimpft „Ungeimpften“ und die „Covid-Opfer“ der unsäglichen Corona-Pandemie. Im Laufe der zurückliegenden Jahrzehnte hatten Ärzte, wenn sie Säuglingen und Kleinkindern Totenscheine ausstellen, immer mehr Risikofaktoren und mögliche Sterbensursachen zu berücksichtigen. Gleichzeitig wuchs der Druck auf sie, den amtlichen Vermerk „SIDS“ möglichst zu vermeiden, um gar nicht erst Raum für Spekulationen und unerwünschte Nachfragen zu schaffen. Beide Entwicklungen haben dafür gesorgt, dass immer mehr plötzliche Kindstode immer seltener aktenkundig werden. Und Beinahe-SIDS wird gar nicht erst erfasst. In vielen Ländern nutzen die Behörden Schlupflöcher in der Klassifizierung aus, um die Rolle der Impfstoffe zu verschleiern. In Indien beispielsweise sollte ein nationaler Ausschuss 54 Todesfälle von Säuglingen untersuchen, die nach Verabreichung eines Fünffach-Impfstoffs aufgetreten waren; 52 der 54 Todesfälle stufte er kurzerhand entweder als zufällig oder als nicht klassifizierbar ein. Aus Großbritannien berichten Wissenschaftler, dass Pathologen, Leichenbeschauer und Gerichtsmediziner zunehmend zögern, den Begriff SIDS überhaupt zu verwenden, was die Auswertung von SIDS-Daten "potenziell ungenau und verwirrend" macht. In den USA führen nicht standardisierte Definitionen dazu, dass "Fälle, die früher als SIDS registriert wurden, jetzt als ‚versehentliches Ersticken und Strangulieren im Bett‘, als ‚Asphyxie‘ – Sauerstoffmangel im Blut - oder ‚Ursache unbekannt/unspezifiziert‘ gemeldet werden". Zum Frisieren von Daten steht eine reichhaltige Trickkiste bereit. So lassen sich Studienteilnehmer als „ungeimpft“ etikettieren, solange sie noch nicht „vollständig immunisiert“ sind, d.h. noch nicht sämtliche vorgesehenen Spritzen bekamen, sondern erst eine bis zwei. Oder man sortiert Probanden aus, die auf den „Piks“ besonders heftig reagiert haben, mit der Begründung, es habe sich nachträglich herausgestellt, dass sie bestimmte Aufnahmekriterien nicht erfüllt haben, z.B. frei von Grunderkrankungen zu sein – und solche Vorbelastungen finden sich ziemlich häufig, sofern man nur gründlich genug nach ihnen sucht. Oder man verabreicht der sogenannten „Placebo-Gruppe“ nicht etwa harmlose Kochsalzlösung, sondern einen anderen Impfstoff – im Vergleich zur Impfstoffgruppe (ver)schwinden dann Unterschiede bei Nebenwirkungen. Wie dreist Wissenschaftler und Behörden tricksen, um genehme Statistiken zu liefern, verdeutlicht die vielzitierte „Token-Studie“ zur Sicherheit von Babyimpfungen, die das Robert-Koch-Institut organisierte. Ihr vollmundiger Anspruch: Lückenlos sollte sie sämtliche ungeklärten SIDS-Fälle bei Kindern im Alter von zwei bis 24 Monaten erfassen, die zwischen Sommer 2005 und Sommer 2008 verstarben – und prüfen, ob diese Tode mit vorausgegangenen Impfungen zusammenhängen. Schon die Finanzierung der Studie machte stutzig: Für einen Sponsorbetrag von 2,5 Millionen Euro erkauften sich die Hersteller zweier zu testender Impfstoffe, Sanofi Pasteur und GlaxoSmithKline (GSK), das Recht, „unverzüglich über relevante Ergebnisse oder Bewertungen unterrichtet zu werden“ – und „Gelegenheit zur wissenschaftlichen Stellungnahme zu den zur Publikation vorgesehenen Texten zu erhalten“, ehe diese veröffentlicht werden. In die Auswertung einbezogen wurden nur 254 Fälle, in denen betroffene Eltern bereit waren, einen umfangreichen Fragebogen auszufüllen. Von 667 Müttern und Vätern, deren Kind im Untersuchungszeitraum verstarb, verweigerten aber zwei Drittel ihre Teilnahme, trotz mehrfacher Kontaktnahme. Warum wohl? Wer ist nach einem derart schmerzlichen Verlust noch erpicht darauf, die Neugier von Datensammlern zu befriedigen? Zu schlechter letzt gelang der „Token-Studie“ das Kunststück, gleichzeitig zwei diametral entgegengesetzte Erkenntnisse zu liefern: die offizielle sowie eine, die erst bei Analyse der Basisdaten zum Vorschein kam – das RKI versteckte sie in der 160-seitigen Langfassung des Studienberichts, den sie nur auf Englisch zur Verfügung stellte. Die deutsche Kurzversion gab erwartungsgemäß Entwarnung: Die Impfstoffe seien ungefährlich – schuld an den Todesfällen scheinen demnach vielmehr unaufmerksame, sorglose Eltern. Dabei rückte das RKI nichtsignifikante, aber genehme Details in den Vordergrund seiner Berichterstattung; und statt SIDS-Fälle einfach auszuzählen, „gewichtete“ es sie, bis sich genehme Schlussfolgerungen ergaben. Bei genauerem Hinsehen belegen die RKI-Daten in Wahrheit: - In den ersten 14 Tagen nach einer Impfung ist ein SIDS-Fall drei Mal wahrscheinlicher als in den darauffolgenden Wochen. - Drei Tage nach einer Sechsfachimpfung ist das Sterberisiko um das 2- bis 3-Facge erhöht, nach einer Fünffachimpfung sogar um das 8,1-Fache. - Während des zweiten Lebensjahrs steigt die Wahrscheinlichkeit, binnen 72 Stunden nach einer Impfung zu sterben, um beinahe das 14-Fache. (22) Würde der Forschungsstand tatsächlich Skeptiker widerlegen: Warum stoßen betroffene Eltern dann auf massivsten Widerstand, wenn sie darauf bestehen, die wahre Todesursache ihres geimpften Babies aufzuklären? Dass sie es hierbei „schwerer haben als Don Quichotte im Kampf gegen die Windmühlenflügel“, erlebte Helga Rühl, Vorstandsmitglied der „Eltern für Impfaufklärung“ (EFI) und selber betroffene Mutter. Mitte der neunziger Jahre reichte sie sowohl beim Petitionsausschuss der Bundesrepublik Deutschland als auch bei ihrer Landesregierung einen Antrag ein, eine Meldepflicht für plötzlichen Kindstod einzuführen, die zeitliche Nähe zu vorausgegangenen Schutzimpfungen zu untersuchen und grundsätzlich eine Obduktion der verstorbenen Kinder vorzunehmen. Mit einbezogen werden sollten Near-SIDS-Fälle. Zwei Mal wurde ihr Antrag abgelehnt. Damit Sawyers tragischer Tod einen Sinn bekommt Seit Melissa und Nick ihren kleinen Jungen verloren haben, setzen die beiden alles daran, die ganze Wahrheit über seinen Tod öffentlich zu machen – um andere Eltern zu warnen, ehe sie das gleiche Schicksal ereilt. „Sawyer ist der Grund, warum wir im Moment leben. Und er ist unsere Motivation", sagen sie. „Wir möchten andere Menschen darauf aufmerksam machen und dem Ganzen ein Ende setzen.“ Denn inzwischen ist ihnen klar: "Kinder brauchen keine Impfstoffe. Und wenn sie doch geimpft werden, brauchen sie sie nicht, bevor sie mindestens zwei Jahre alt sind. Das Problem ist, dass sich ihre Blut-Hirn-Schranke erst mit zwei Jahren oder später geschlossen hat. (…) Und wenn man vor dem zweiten Lebensjahr geimpft wird, kann das Aluminium diese Blut-Hirn-Schranke überwinden. Deshalb sind die Werte so hoch und es stoppt die Atmung und verursacht einen Herzstillstand." Nick fügt hinzu: "Ich würde niemandem sagen: 'Lasst eure Kinder nicht impfen.' Aber ich würde definitiv sagen: 'Recherchiert. Geht bis ans Ende des Internets und vergewissert euch, dass das, was ihr tut, richtig ist und dass ihr alle möglichen Folgen kennt. Denn es ist euer Baby, nicht das des Arztes." Auf die Frage, warum sich nicht mehr Mediziner zu Wort melden, antwortet Melissa mit einem einzigen Stichwort: „Karriereselbstmord.“ Inzwischen will sie „nicht einmal mehr Krankenschwester sein. Warum sollte ich das noch wollen? Aber ich muss meine Rechnungen bezahlen." Nun hat das Paar vor, eine Klage beim National Vaccine Injury Compensation Program (VICP) einzureichen; 1980 eingerichtet, entscheidet VICP über Entschädigungen für Impfopfer – in der Regel zu deren Ungunsten. Entsprechend skeptisch ist Melissa bezüglich der Erfolgsaussichten, "weil ich weiß, wie die Regierung und das medizinische System sind". (23) (Harald Wiesendanger) Anmerkungen 1 Deren Wirkstoff Acetaminophen steht im Verdacht, Autismus wahrscheinlicher zu machen, siehe https://childrenshealthdefense.org/defender/kids-acetaminophen-tylenol-autism/ 2 Der Online-Journalist Ben Tapper diskutiert Lynns Beobachtung mit dem impfkritischen Blogger Steve Kirsch hier: https://rumble.com/v37wtp4-ben-tapper-tells-the-story-of-sids-investigations-linking-sids-and-vaccines.html. Siehe auch https://childrenshealthdefense.org/defender/sudden-infant-deaths-vaccination/ 3 Zur statistischen Berechnung der Zufallswahrscheinlichkeit siehe https://kirschsubstack.com/i/135760531/too-many-sids-cases-happened-within-a-week-of-the-vaccine-for-the-vaccine-not-to-have-caused-the-deaths 4 Paul Mahnke: „Plötzlicher Tod im Kindesalter und vorausgegangene Schutzimpfung“, Deutsche Zeitschrift für die gesamte gerichtliche Medizin 56 (2) März 1965, S. 66-73, https://journals.scholarsportal.info/details?uri=/03670031/v56i0002/66_ptikuvs.xml 5 Statistisches Bundesamt: Todesursachen bei Säuglingen. 2015. (destatis.de/ archive.org (Memento vom 17. November 2017 im Internet Archive) 6 ICD-10-GM Version 2010 - R06.80 Akutes lebensbedrohliches Ereignis im Säuglingsalter. (dimdi.de (Memento vom 18. Mai 2015 im Internet Archive) 7 Nach https://www.impfkritik.de/sids/index.html 8 Karl H. P. Bentele: Der plötzliche Tod im Neugeborenen- und Säuglingsalter. S. 2 (aerztekammer-hamburg.de (Memento vom 21. Dezember 2005 im Internet Archive), PDF) 9 Motoki Osawa u.a.: „Sudden Infant Death After Vaccination: Survey of Forensic Autopsy Files“, 2010, American Journal of Forensic Medicine and Pathology 40(3): S. 232-237, September 2019.https://journals.lww.com/amjforensicmedicine/fulltext/2019/09000/sudden_infant_death_after_vaccination__survey_of.5.aspx 10 Siehe Bert Ehgartner: Gute Impfung – Schlechte Impfung, Steyr 2018, S. 39. 11 Die deutsche Übersetzung erschien im Januar 2000: Impfungen, Immunschwäche und Plötzlicher Kindstod, https://www.amazon.de/Impfungen-Immunschw%C3%A4che-Pl%C3%B6tzlicher-Kindstod-Scheibner/dp/3887211669/ref=sr_1_3?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=920LDYW9I6RF&keywords=Viera+Scheibner&qid=1699699290&s=books&sprefix=viera+scheibner%2Cstripbooks%2C104&sr=1-3, Leider vergriffen, auf dem Gebrauchtbüchermarkt zu horrenden Preisen angeboten. 12 Näheres hier: https://childrenshealthdefense.org/defender/cdc-largest-infant-mortality-rate-increase-twenty-years/?utm_id=20231113 13 (Felicia L. Trachtenberg et al. “Risk factor changes for sudden infant death syndrome after initiation of Back-to-Sleep campaign”, Pediatrics, Band 129, Nr. 4, April 2012, S. 630–638, doi:10.1542/peds.2011-1419, PMID 22451703, PMC 3356149 (freier Volltext). 14 M. Vennemann, D. Fischer, M. Findeisen: „Kindstodinzidenz im internationalen Vergleich“, Monatsschrift für Kinderheilkunde 151/2003, S. 510–513, https://link.springer.com/article/10.1007/s00112-003-0715-0 15 Medical Tribune vom 7. September 1993. 16 Gerhard Buchwald: Impfen – Das Geschäft mit der Angst (1994), 5. Aufl. Lahnstein 2008, S. 251. 17 Daten zur Pharmakovigilanz von Impfstoffen / Meldungen über tödliche Verläufe (PDF) Paul-Ehrlich-Institut, Bulletin für Arzneimittelsicherheit Nr. 1 (März 2014), S. 26. 18 R. Kurz, Th. Kenner, C. Poets, R. Kerbl, M. Vennemann, G. Jorch (Hrsg.): Der plötzliche Säuglingstod – Risikofaktoren – Prävention – Elternberatung. 2. Auflage. Springer, 2014, ISBN 978-3-7091-1444-5, S. 129. 19 K. Weißer et al.: Sicherheit von Impfstoffen. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, November 2009, abgerufen am 27. Oktober 2019; M. M. Vennemann et al.: Sudden infant death syndrome: No increased risk after immunisation. In: Vaccine. 2006. PMID 16945457; M. M. Vennemann et al.: Do immunisations reduce the risk for SIDS? A meta-analysis. In: Vaccine. Band 25, Nr. 26, 21. Juni 2007, S. 4875–4879, doi:10.1016/j.vaccine.2007.02.077, PMID 17400342. 20 https://www.cdc.gov/nchs/data/vsrr/vsrr033.pdf, dort S. 4 21 Doris Oberle et al.: Impfkomplikationen und der Umgang mit Verdachtsfällen. In: Bundesgesundheitsblatt. Band 62, Nr. 4, 1. April 2019, S. 450–461, doi:10.1007/s00103-019-02913-1. 22 Einzelheiten über Sawyers schrecklichen Fall sind hier nachzulesen: https://jennifermargulis.substack.com/p/autopsy-confirms-infant-died-from, https://childrenshealthdefense.org/defender/maine-baby-sawyer-vaccine-death-aluminum/?utm_id=20230917, https://childrenshealthdefense.org/wp-content/uploads/Sawyer-Death-Certificate.jpg; https://childrenshealthdefense.org/wp-content/uploads/Sawyer-Tox-Report.jpg Titelbild: Collage aus 3 Fotos (Freepik, childrenshealthdefense.org)

  • Die Eiweiß-Abzocke

    Als dreiste Abzocke kritisieren Verbraucherschützer die jüngste Masche von Lebensmittelkonzernen: spezielle „High-Protein“-Produkte. Sie sind ebenso überflüssig wie überteuert. Protein-Pudding, Protein-Frischkäse, Protein-Müsli, Protein-Brot: Als besonders eiweißreich vermarktete Lebensmittel sind in Supermärkten zu Kassenschlagern geworden. Plötzlich wimmelt es davon: Die Produktpalette reicht von Cornflakes über Milch, pflanzlichen Milchalternativen und Shakes über Chips und Schokoriegel bis hin zu eiweißhaltigem Wasser. Dabei lassen sich Kunden massenhaft für dumm verkaufen, kritisiert Foodwatch, ein 2002 gegründeter gemeinnütziger Verein, der „die verbraucherfeindlichen Praktiken der Lebensmittelindustrie entlarven” will und “für das Recht auf gute, gesunde und ehrliche Lebensmittel kämpft”. Er findet deutlichste Worte: „Was bei Dr. Oetker, Ehrmann und Co. die Kassen klingeln lässt, ist aus Verbrauchersicht dreiste Abzocke.” Zweifellos “high” ist bei diesen Produkten der Preis: Allesamt kosten sie erheblich mehr als herkömmliche Vergleichsartikel. Für das "Protein Müsli" von Seitenbacher ist demnach 86 Prozent mehr zu bezahlen als für dessen "Fitness Müsli". Das Eiweiß-Brot von Mestemacher ist 145 Prozent teurer als ein vergleichbares Brot. Der "High Protein Vanille Pudding" von Dr. Oetker kostet sogar dreimal mehr als ein herkömmlicher Pudding derselben Marke. "Der Protein-Hype ist eine Gelddruckmaschine für Lebensmittelhersteller", so prangert Laura Knauf an, Campaignerin bei Foodwatch. Denn bei der Lebensmittelproduktion Protein zuzusetzen, ist spottbillig: In der Regel verwenden Hersteller dafür Molkeneiweiß - ein Abfallprodukt der Käseherstellung, das ansonsten oft zu Tierfutter verarbeitet wird. Dass angereicherte “Hochprotein”-Produkte ein exklusives Gesundheitsplus bieten, ist hanebüchene Bauernfängerei. Eher glänzt auch diese Warengruppe mit reichlich Industriezucker oder Kochsalz, minderwertigen Fetten, künstlichen Aromen und Geschmacksverstärkern, Farb- und Konservierungsstoffen, Phosphaten, Antioxidantien, Emulgatoren und weiteren bedenklichen Chemikalien. Die enthaltenen Eiweiße sind häufig stark denaturiert. Für dumm verkauft Keine Frage, Proteine sind lebensnotwendig – so viel, aber auch nicht viel mehr, weiß selbst der dümmste Otto unter den Normalverbrauchern. 10 bis 15 Prozent der Kalorien, die wir zu uns nehmen, sollten aus Eiweiß stammen. Unser Körper benötigt es für den Aufbau und die Reparatur von Zellen, Enzymen und Hormonen, für das Immunsystem, für die Übertragung von Nervenimpulsen, für den Transport von Sauerstoff und Fetten, für den Aufbau von Kollagen, Antikörpern, Gerinnungsfaktoren undsoweiter, aber auch als Energielieferant. Ein künstlich erhöhter Eiweiß-Anteil ist für eine gesunde Ernährung allerdings fast so überflüssig wie ein H2O-Zusatz zu Wasser. “Ein breites Spektrum natürlicher Lebensmittel ganz ohne Zusatzstoffe ist die beste Wahl, um den körpereigenen Proteinbedarf zu decken", erklärt der Ernährungsexperte Ingo Froböse von der Kölner Sporthochschule. (1) Das gelingt mit wenig Aufwand: 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht und Tag empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Wer 70 Kilogramm wiegt, sollte entsprechend 56 Gramm Proteine zu sich nehmen. Das ist ziemlich rasch zu erreichen: 100 Gramm Hanfsamen, Sojabohnen, Raps oder Lupine weisen einen Eiweißgehalt von 30 bis 40 Gramm auf; 100 Gramm Hühnerbrust liefern 27 Gramm Proteine; 26 Gramm Eiweiß stecken in 100 Gramm Erdnüssen; 100 Gramm Haferflocken bieten zwölf Gramm Eiweiß und 100 Gramm Naturjoghurt zehn Gramm. Auch Samen, Pilze, Hülsenfrüchte – wie Linsen, Erbsen und Ackerbohnen – und Eier sind ergiebige Proteinlieferanten. Ohnehin konsumieren Deutsche eher zuviel Protein als zuwenig – und nicht unbedingt aus empfehlenswertesten Quellen. Darauf deutet eine Studie im Auftrag des Bundesernährungsministeriums hin. (2) Die größte Menge nehmen sie zu sich über Fleisch, Milch, Käse und deren Erzeugnisse. Überschüssiges tierisches Protein lagert der Körper aber in das Bindegewebe und die Blutgefäße ein. Dies fördert vielerlei Krankheiten wie Arteriosklerose, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Rheuma, Gicht, Angina pectoris, Typ-2-Diabetes, Stoffwechslstörungen, Nierenentzündung und Autoimmunkrankheiten. Überaus gesund ist Extra-Eiweiß demnach in erster Linie für die Bilanzen der Lebensmittelkonzerne. Wer ihnen den Gefallen tut, den vermeintlichen Mehrwert teuer zu bezahlen, verdient eher begrenztes Mitleid, wenn sich das Loch in der Haushaltskasse deswegen vergrößert. Vom irren Protein-Hype fühlt sich mancher Cineast unwillkürlich an “Idiocracy” erinnert, eine bitterböse Science Fiction-Komödie: In der völlig verblödeten Gesellschaft des Jahres 2505 weiß keiner so recht, was Elektrolyte sind – aber jedermann hält sie für äußerst gesund. Und deshalb nehmen alle statt Wasser den grünen Softdrink Brawndo zu sich. Ja, Brawndo ersetzt herkömmliches Wasser überall, mit Ausnahme der Klospülungen. Sogar ihre Felder bewässern unsere Nachfahren damit, weil laut Werbespruch “in Brawndo steckt, was Pflanzen schmeckt – es enthält Elektrolyte!“ (Harald Wiesendanger) Anmerkungen 1 Zit. nach Foodwatch, https://www.foodwatch.org/de/teuer-und-unnoetig-foodwatch-marktcheck-zum-hype-um-protein-lebensmittel 2 https://www.mri.bund.de/fileadmin/MRI/Institute/EV/NVSII_Abschlussbericht_Teil_2.pdf , ib. S. 103 f.

  • „Millionen Leben gerettet“?

    Haben mRNA-Impfstoffe gegen Covid-19 „Millionen von Menschenleben gerettet“? Dafür gab es den Medizin-Nobelpreis 2023. Er würdigt eine haarsträubende Lüge, „basierend auf einer von der Industrie finanzierten Schrottsimulation”, wie zwei Wissenschaftler aus Kanada meinen. Über 700 Mal ist sie mittlerweile weltweit in der Fachpresse zitiert worden, Mainstream-Medien und Faktenchecker reichen sie kritiklos weiter: jene 2022 im Fachjournal The Lancet veröffentlichte Studie, die anhand mathematischer Modelle angeblich „bewies“, dass die neuentwickelten mRNA-„Vakzine“ gegen Covid-19 bis zu zwanzig Millionen Menschen das Leben retteten. Damit lieferten die sechs Autoren um Oliver Watson vom Imperial College in London den ausschlaggebenden Grund, zwei maßgebliche Entwickler dieser „wirksamen Impfstoffe“ mit dem Medizin-Nobelpreis zu würdigen. Diese Auszeichnung sei ein unfassbarer Skandal, so empört sich Denis Rancourt, ehemaliger Physikprofessor, 23 Jahre lang leitender Wissenschaftler an der Universität von Ottawa und inzwischen gemeinsam mit seinem Kollegen Joseph Hickey für die kanadische Organisation Correlation Research in the Public Interest tätig. Das der Lancet-Publikation zugrundeliegende mathematische Modell entlarven die beiden als „zutiefst fehlerhaft“, die Schlüsse daraus als „ungültig“ – „das Gegenteil von guter Wissenschaft“. „Das Gegenteil von guter Wissenschaft“ Träfe das Lancet-Modell zu, so wärte die weltweite Sterblichkeitsrate im Jahr nach Ausbruch der Pandemie plötzlich auf ein massives, historisch beispielloses Niveau angestiegen, solange noch keine Impfstoffe verfügbar waren. Ab Ende 2020 jedoch, nachdem die mRNA-Vakzine auf dem Markt waren, hätten diese unvorstellbar hohen Sterblichkeitsraten fast vollständig auf die Basiswerte zurücksinken müssen. Diese Behauptungen, so Rancourt und Hickey, “stehen in keinem Zusammenhang mit der tatsächlichen Sterblichkeit”, sondern beruhen auf “wilden” Annahmen. In keinem einzigen von 95 untersuchten Ländern haben sie sich bewahrheitet. Überall zeigen sich 2020, ohne Impfstoffe, Anstiege der Mortalitätsraten allenfalls im Zuge des massenhaften Einsatzes von Beatmungsmaschinen auf Intensivstationen sowie während und nach Lockdown-Phasen, in denen lebensrettende Operationen und Therapien unterblieben – aber keine schlagartig emporschnellenden Todeszahlen, wie man sie von einem „Killerkeim“ erwarten würde, dem die Menschheit ungepikst „schutzlos ausgeliefert“ ist. Ebensowenig sanken die Sterblichkeitsraten gravierend, nachdem die Impfkampagne einsetzte, bis sie schließlich vier Fünftel der Weltbevölkerung erreichte. Vier Beispiele: Oberes Feld: Gesamtmortalität nach Woche, 2018-2022, gemessen (blau), berechnet nach Watson et al. (2022) (rot-durchgehend), fortgesetzt (rot-gestrichelt). Unteres Feld: überschüssige Gesamtmortalität, mit statistischer Unsicherheit (blau schattiert). In beiden Panels: kumulative COVID-19-Impfstoffverabreichung (alle Dosen) (dunkelgrau), Datum 11. März 2020 (vertikale graue Linie). Quelle: Denis Rancourt, Ph.D., und Joseph Hickey, Ph.D. Nirgendwo „gibt es einen sichtbaren Rückgang der tatsächlichen Gesamtmortalität” in zeitlichem Zusammenhang mit der Einführung der Impfstoffe. Vielmehr, so schreiben Rancourt und Hickey, “ist das Gegenteil zu beobachten, wobei die Übersterblichkeit proportional mit der Einführung einhergeht”. Belegt hatte eine Forschergruppe um Rancourt dieses Desaster in einer Mitte September erschienenen Fleißarbeit: Wie Daten aus 17 Ländern der südlichen Hemisphäre - mit 10,3 % der Weltbevölkerung - belegen, kam es überall mit Beginn der Impfkampagnen zu einem beispiellosen Anstieg der Gesamtsterblichkeit, mit 1 Todesfall pro 800 Injektionen. 13,5 Milliarden Injektionen, die bis Anfang September 2023 verabreicht wurden, produzierten weltweit 17 Millionen Covid-“Impf”tote, so schätzt die Forschergruppe. "Dies entspräche einem iatrogenen Massenereignis, das 0,213 % der Weltbevölkerung umbrachte, während es keine Todesfälle messbar verhinderte.” (Siehe KLARTEXT: “Zu Tode gepikst”.) “Der Nobelpreis ist ein Propagandainstrument des Establishments” Wie kann es sein, dass Wissenschaftler, deren Arbeit entgegen einer haarsträubenden Begründung so viel Unheil anrichtet, im Ruf stehen dürfen, „im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben“? Dieses Kriterium hatte Alfred Nobel einst für die Verleihung des von ihm gestifteten Preises festgelegt. Zumindest Rancourt wundert sich nicht im geringsten darüber. Wie er in einem kürzlichen Livestream darlegte, handelt es sich bei dem Nobelpreis um ein mächtiges politisches Werkzeug. „Obwohl es einige Ausnahmen gibt, in denen Nobelpreise wirklich wichtige wissenschaftliche Leistungen anerkannt haben, sind sie im allgemeinen ein Propagandainstrument des Establishments, um die Leute davon zu überzeugen, welche Dinge sie für absolut wahr halten müssen, absolute Fortschritte des menschlichen Wissens.” “Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Öffentlichkeit“, beklagt Rancourt, „sondern auch auf die Wissenschaftler selbst”. Denn es beeinflusst, wovon sie überzeugt sind, wie auch, woran sie forschen, warum, auf welches Ziel hin. „Das Nobelpreiskomitee selbst muss ahnungslos gewesen sein, unwissenschaftlich gewesen sein, dürfte nichts hinterfragt haben, dürfte nach etwas gesucht haben, einem Preis, den sie vergeben wollten, und sich nicht die Mühe machen, selbst darüber nachzudenken, ob das irgendeinen Sinn macht oder nicht. Und dann wiederholten sie diese ‘Millionen-von-geretteten Leben’-Sache, die Unsinn ist. (…) Es gibt keine wissenschaftliche Grundlage für diese Aussage. Keine klinische Studie hat das jemals gezeigt. Und sie basiert auf einer von der Industrie finanzierten Schrottsimulation, bei der die Autoren nicht einmal überprüft haben, ob ihre Ergebnisse überhaupt Sinn machen. (…) Das Ergebnis ist, dass ein schreckliches Produkt, das niemals in den Körper von Menschen hätte injiziert werden dürfen, nun etwas ist, das wir feiern werden“ - als eine „Errungenschaft der menschlichen Wissenschaft“. Ist damit nicht eine fatale Vorentscheidung gefallen, wie die WHO und ihre Mitgliedsstaaten auf die nächste Pandemie reagieren werden? Inkompetente Gutachter, befangene Redakteure Wie konnte ein methodisch grottenschlechtes Machwerk wie die märchenhaften Modellrechnungen der Watson-Gruppe überhaupt in einer der ältesten und renommiertesten medizinischen Fachzeitschriften der Welt Aufnahme finden? „Wie ist das bei Lancet bloß durch die Peer Review gekommen?“, staunt Rancourt. „Wer waren diese Gutachter? Wie können sie so blind und inkompetent sein und nicht hinterfragen, was einige Autoren tun, was völlig neu und fabriziert ist? Sind sie nicht in der Lage, es zu sehen?“ “Und was ist mit den Redakteuren? Wie wählen sie diese Gutachter aus? Haben die Redakteure nur die Rezensenten berücksichtigt, die sie gut fanden, und die Rezensenten ignoriert, die es kritisch sahen? Sind sie selbst so wissenschaftlich ungebildet?“ Der Schein trügt indes nicht erst seit dem Corona-Hype. (1) Dass Peer-Reviewing Qualität sicherstellt, darf als längst widerlegtes Gerücht gelten. Etliche Studien haben diese Begutachterei weithin als Etikettenschwindel entlarvt, bei dem Verzerrungen Tür und Tor geöffnet bleiben. (2) Für die Neutralität der Gutachter gibt es keine Gewähr. (3) Kaum ein Peer verfügt über genügend Muße, Ehrgeiz und kriminalistischen Scharfsinn, durch hartnäckige, notfalls schonungslose eigene Recherchen jeder erdenklichen Schlamperei oder Trickserei nachzugehen - und dabei womöglich einen geschätzten Fachkollegen bloßzustellen. Weil die Reviewer häufig anonym bleiben, setzt keiner seinen guten Ruf in der Wissenschaftsgemeinde aufs Spiel, wenn er aus Zeitmangel, ungenügendem Interesse oder Unkenntnis nicht gewissenhaft genug arbeitet. Oder wenn er eigene Standpunkte zu strittigen Themen als Entscheidungsgrundlage heranzieht. Oder wenn er „Revierschutz“ betreibt – durch schwach begründete Abwertungen verhindert, dass Konkurrenten in seine „Nische“ eindringen. Ungenannt, aus dem Hinterhalt, scheuen sich etablierte Experten weniger, unorthodoxe Forschungsansätze zu unterdrücken und Querdenker auszubremsen. Darunter leidet die Qualität immens. Bei fast einem Drittel der medizinischen Studien zwischen 1990 und 2003, die nach einer Peer-Begutachtung veröffentlicht wurden, erwiesen sich die Resultate bei genauerem Hinsehen als übertrieben oder widersprüchlich; jede sechste konnten Folgestudien nicht bestätigen. (4) Vor allem: Wieviel wert ist ein Konsens unter peers, wenn die Pharmaindustrie die meisten Experten eines Fachgebiets schmiert – und dadurch das System der gegenseitigen Kontrolle unter Fachkollegen unterläuft? (5) Inzwischen ist das New England Journal notgedrungen von der Anforderung abgerückt, dass ihre Reviewer frei von Pharmaverbindungen sein müssen - die Redaktion fand einfach nicht mehr genug unabhängige Experten. Der neue Standard sieht vor, dass Fachleute, um Studien beurteilen zu können, nicht mehr als 10.000 US-Dollar pro Jahr und Firma erhalten dürfen (6) - ein Armutszeugnis sondersgleichen. Bestellt, bezahlt, geliefert „Sage mir, wer eine Studie finanziert, und ich sage dir, was dabei herauskommt“: Dieser respektlose Spruch scheint zumindest im Fall der Watson-Pseudostudie den Nagel punktgenau auf den Kopf zu treffen. Zu den Geldgebern zählten die Bill & Melinda Gates Foundation, die von Gates ins Leben gerufene „Impfallianz“ GAVI, das Weltwirtschaftsforum und die WHO. Einzelne Koautoren stehen als „Berater“ auf den Honorarlisten der Vakzinhersteller Moderna und GlaxoSmithKline, wie auch der „Coalition for Epidemic Preparedness Innovations“ (CEPI), einer von Gates gesponserten „öffentlich-privaten Partnerschaft“ mit geschäftstüchtigen Pieks-Fetischisten. Wie können sich Wissenschaftler für so etwas hergeben? “Sie müssen ihren eigenen Ideen gegenüber kritisch sein und dürfen sich nicht nur die Hände reiben, weil sie etwas bekommen, das Gates gefällt”, meint Rancourt. Ansonsten findet akademische Prostitution statt. Dasselbe Imperial College in London, in dem die Watson-Gruppe ihr Unwesen treibt, ist seltsam zufällig das akademische Zuhause eines der windigsten Virenapokalyptiker der finsteren Coronajahre: Professor Neil Ferguson. (Siehe KLARTEXT: „‘Professor Lockdown‘ schlug zu“ und „Spinnen die Engländer?“) Seine aberwitzigen Computersimulationen, die Großbritannien und dem Rest der Welt himmelhohe Covid-Leichenberge prophezeiten, trugen entscheidend dazu bei, Massenpanik zu schüren und zaudernde Politiker geneigt zu machen, sich von Pharmagiganten beim Aushandeln von Vakzinlieferverträgen über den Tisch ziehen zu lassen. Zu den Hauptförderern des Imperial College zählt: die Gates Foundation. (Harald Wiesendanger) Das Titelbild setzt sich aus zwei Werken von Microsofts KI „Bing Image Creator“ zusammen. So illustrierte sie sekundenschnell eine Aussage, die ich ihr am 28.10.2023 vorgab: „vaccinations save billions of lives“. Die Vorgabe “by vaccinations against covid-19 Bill Gates saved billions of lives” ist von der KI übrigens als “Verstoß gegen Content-Richtlinien” blockiert worden – verbunden mit der Drohung, weitere Verstöße dieser Art könnten zu meiner Sperrung führen. Anmerkungen 1 Näheres in Harald Wiesendanger: Das GesundheitsUNwesen – Wie wir es durchschauen, überleben und verwandeln, Schönbrunn 2019, Kap. 5: „Gold wert – Wie sich Fachzeitschriften für Pharmawerbung missbrauchen lassen“. 2 F. Godlee/T. Jefferson: Peer review in health sciences, 2. Aufl. London 2003. 3 Alfred Kieser: „Die Tonnenideologie der Forschung. Akademische Rankings“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. Juni 2010. 4 John P. A. Ioannidis: „Contradicted and Initially Stronger Effects in Highly Cited Clinical Research“, Journal of the American Medical Association 294/2005, S. 218–228. 5 Peter Gøtzsche: Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität, München 2014, S. 144. 6 Jeffrey M. Drazen/Gregory D. Curfman: „Financial associations of authors“, New England Journal of Medicine 346 (24) 2002, S. 1901-1902, http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/ NEJMe020074, abgerufen am 24.10.2016.

  • Yonatan ist tot. Warum?

    Ein achtjähriger israelischer Junge, der in einem Werbespot für Covid-„Impfungen“ auftrat, ist an einem plötzlichen Herzstillstand verstorben. Medien gehen darüber hinweg, die Regierung schweigt. Am 23. September 2023, dem Vorabend des höchsten jüdischen Feiertags Jom Kippur, saß der achtjährige Yonatan Moshe Erlichman in der Badewanne, als er einen plötzlichen Herzstillstand erlitt. Um ein Haar wäre er dabei ertrunken. Herbeigerufenen Sanitätern gelang es, den Kleinen wiederzubeleben. Doch fünf Tage später starb er. Eben dieser Yonatan war im Jahr 2020 in einem Werbevideo für Covid-„Impfungen“ aufgetreten, gemeinsam mit „Shuski“, der rothaarigen, froschmäuligen TV-Marionette, die der „Sesamstraße“ entsprungen sein könnte. Von dem süßen blonden Jungen erst staunend, dann kopfnickend angelächelt, forderte die Puppe ihn und alle Zuschauer dazu auf, sich schleunigst spritzen zu lassen, sobald die neuen, „wirksamen und sicheren“ Vakzine verfügbar sind. Über den tragischen Tod des kleinen Yonatan, Sohn und Enkel landesweit prominenter Ärzte, gehen Israels Medien nahezu einhellig hinweg, bloß die lokale und religiöse Presse hat berichtet. Regierung und Gesundheitsbehörden schweigen. Israel zählt zu den Ländern mit den weltweit höchsten mRNA-Impfquoten: Über 70 % der über 16-Jährigen hatten bis April 2021 mindestens zwei Dosen erhalten. Im November 2020 hatte die israelische Regierung mit Pfizer vereinbart, schnellstmöglich mindestens acht Millionen Covid-Impfdosen zu beziehen; ab Dezember 2020 wurden sie gespritzt. Im Gegenzug für diese „Vorzugsbehandlung“ erhielt der Pharmagigant die Zusicherung, Israel werde ihm epidemiologische Daten über Wirkungen und Nebenwirkungen des Vakzins beschaffen. Wie der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erklärte, sei er in der Lage, aus seinem Land „das Labor für Pfizer“ zu machen, weil „98% unserer Bevölkerung medizinische Aufzeichnungen digitalisiert hat“. Mit diesen Daten „können Sie eine biotechnologische Industrie schaffen, die ihresgleichen sucht“, sagte er. („You can create a biotechnological industry that is unheard of … unimagined even.“) „Oh ja“, kommentiert die Ärztin Sabine Hazan auf „X“, vormals Twitter, „und du kannst eine Waffe entwickeln, um eine ganze Bevölkerung zu vernichten. Wer hat Netanjahu das Recht gegeben, für eine ganze Bevölkerung zu entscheiden? Hätten die Menschen nicht wählen dürfen, Versuchskaninchen zu sein? Sie alle glaubten an einen Impfstoff als Lösung, aber das war er nicht.“ Stattdessen hatte Israel seit Ende August 2021 die höchste SARS-CoV-2-Infektionsrate der Welt. Corona-Patienten auf Intensivstationen israelischer Krankenhäuser waren ab Juli 2021 mehrheitlich geimpft. Besagten Deal hatte das israelische Gesundheitsministerium zunächst bestritten, Pfizer ebenfalls. Tatsächlich bestätigte aber Netanjahu selbst ihn offiziell, wie ein auf „X“ gepostetes Video belegt. Alarmierende Daten blieben unter Verschluss Bereits im Februar 2021 hatte das israelische Gesundheitsministerium der US-Seuchenschutzbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) einen Bericht über gehäufte Herzentzündungen nach Covid-“Impfungen” übermittelt. Er blieb unter Verschluss – ein Skandal, der erst 2022 aufflog, als die amerikanische Verbraucherschutz-Initiative Children´s Health Defense die CDC zur Herausgabe des Dokuments zwang, mit Hilfe des Freedom of Information Act, eines 1967 in den USA in Kraft getretenen Bundesgesetzes zur Informationsfreiheit. „Wir sehen eine große Anzahl von Myokarditis- und Perikarditis-Fällen bei jungen Personen kurz nach Erhalt von Pfizers COVID-19-Impfstoff”, so heißt es darin. “Wir möchten das Thema mit einem relevanten Experten des CDC besprechen.“ Ein geleaktes Video zitiert ein Forscherteam, welches vom israelischen Gesundheitsministerium eingesetzt worden war: “Wir müssen medizinisch-juristisch denken - wie wir unsere Ergebnisse präsentieren, um Klagen zu vermeiden. Und warum? Wegen einiger Nebenwirkungen haben wir gesagt: 'OK, es gibt sie und es gibt Berichte darüber, ABER LASSEN SIE SICH NOCH IMPFEN'". Sowohl in Israel als auch in den USA hatten den Gesundheitsbehörden schon wenige Monate nach Beginn der Impfkampagne Daten mit überdeutlichen Myokarditis-Warnsignalen vorgelegen. (Und gewiss waren sie damals auch schon bis zum Robert-Koch- und Paul-Ehrlich-Institut vorgedrungen.) Im Juni 2021 bestätigte Israel offiziell, die mRNA-bezogene Myokarditis bei jungen Männern, insbesondere bei 16- bis 24-Jährigen, sei signifikant überhöht. Wie eine israelische Studie vom September 2022 belegte, lag die Inzidenz von Myokarditis bei jungen Männern im ersten Monat nach dem zweiten Pfizer-„Piks“ 2,35-mal höher als bei ungeimpften; das Risiko für 16- bis 19-Jährige betrug fast 1 zu 1.000. Trotzdem unterblieben Warnungen an die Bevölkerung – ein geradezu kriminelle Pflichtverletzung. Stattdessen verbreite die CDC eine methodisch unzulängliche Pseudo-Studie, derzufolge Herzkomplikationen wahrscheinlicher nach einer SARS-CoV-2-Infektion als nach einer mRNA-Covid-19-„Impfung“ auftreten. Schicksalsgefährte Santino – Vierjähriger Junge aus Argentinien tot nach Covid-„Impfung“ Yonatans schreckliches Schicksal teilt Santino Godoy Blanco, ein Knirps aus Argentinien: Mit vier Jahren verstarb er im November 2022 „plötzlich und unerwartet“. Kurz zuvor war er mit hohem Fieber und Übelkeit in eine Klinik eingeliefert worden. Sein Totenschein benennt als Ursache „bilaterale Pneumonie“; dass Covid-Impfungen Lungenentzündungen auslösen können, räumt selbst das Paul-Ehrlich-Institut in einem „Sicherheitsbericht“ ein. Santino war im Fernsehen als telegener Animator für die landesweite Impfkampagne „Activá Vacunas“ aufgetreten. Auch er hatte den „Piks“ erhalten. Das Infoportal Died Suddenly berichtet: „Seine Mutter sagt, dass er vor seinem Tod seine Maske abnahm und ihr kleine Küsse gab, weil er nicht mehr sprechen konnte.“ Unter Mord versteht man ein vorsätzliches Tötungsdelikt. Werden die Morde an Yonatan und Santino jemals gesühnt? Wer forscht nach, woran Abertausende weiterer Kinder „plötzlich und unerwartet“ starben, die Covid-19 in Wahrheit nicht ärger fürchten mussten als einen Blitzschlag und kerngesund waren – bis ihre gutgläubigen Eltern sie „piksen“ ließen, als brave Vollzugsgehilfen eines „Staatsverbrechens“, wie der Heidelberger Arzt Gunter Frank seine Klageschrift gegen das Corona-Regime treffend betitelt? Wie viel es für unabhängige Staatsanwälte und Richter zu tun gäbe, lassen unzählige Schicksalsberichte in Foren von Betroffenen und Zeugen erahnen: beispielsweise bei Impfopfer.info (aktuell 57.000 Mitglieder), Impfschäden Schweiz Coronaimpfung (26.000), Corona Impfschäden Deutschland (14.000), CovidVaccineVictims (89.000), CovidVaccineInjuries (57.000), CovidVaccVictims (3.100), siehe KLARTEXT: „Pandemie der vertuschten Impfschäden“ und „Das Piks-Massaker“. (Harald Wiesendanger) Titelbild: Screenshot aus dem Impfwerbeclip mit Yonatan. Grafik Myokarditis-Fälle lt. VAERS: aus https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0146280621002267?via%3Dihub (nachträglich zensiert)

  • “Zutiefst besorgt über zunehmende Zensur”

    Das Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung ist in höchster Gefahr. Davor warnt eindringlich die “Westminster Declaration”, unterzeichnet von 137 Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur und Medien. Das Recht, die eigene Meinung frei zu äußern und ungehindert zu verbreiten, ist ein Grundpfeiler der Demokratie. Doch er wankt. Längst nicht mehr nur in totalitären Ländern wie Rotchina, weltweit arbeiten Regierungen, Behörden und Geheimdienste, internationale Organisationen wie UN, WHO und Weltwirtschaftsforum, Social-Media-Konzerne von Meta bis Google, Hochschulen und nichtstaatliche Akteure wie milliardenschwere Stiftungen darauf hin, Bürger zu überwachen und ihrer Stimme zu berauben, abweichende Standpunkte unter den Teppich zum kehren, Diskurs zu verhindern, Kritiker zu diffamieren und mundtot zu machen – unter dem Vorwand, uns vor „Fake News“ zu schützen. Zu deren Hauptquellen zählen ausgerechnet jene, die am lautesten nach Zensur rufen. Dass es ihnen nicht um Wahrheit geht, sondern um ein Monopol aufs Rechthaben, beweisen sie, indem sie eine Information schon dann unterdrücken, wenn sie zwar stimmt, aber „schädlich“ sein könnte – schädlich für ihre Interessen. Die Corona-„Pandemie“ nutzten sie, um diese verhängnisvolle Entwicklung beschleunigt voranzutreiben. Vor ihren Auswüchsen warnt eindringlich die “Westminster Declaration”, unterzeichnet von 137 namhaften Persönlichkeiten: Journalisten, Künstler, Schriftsteller, Wissenschaftler, politische Aktivisten. Ihr öffentlicher Appell ist so treffend, wegweisend und bedeutsam, dass KLARTEXT ihn in voller Länge wiedergibt – Zeile für Zeile spricht er für sich. Das englische Original finden Sie hier. Wie weit muss sich die westliche Welt bereits von ihren Idealen entfernt haben, dass solche Erklärungen überhaupt nötig sind? Was sagt es über die „neue Normalität“ aus, dass so gut wie alle Mainstream-Medien teils über diesen Text stillschweigend hinweggehen, teils dessen Autoren als „schwurbelnde Verschwörungstheoretiker“ verunglimpfen? Immerhin, hier und da gibt es noch Hoffnungsschimmer. Am 8. September 2023 verhalf der Fifth Circuit of Appeals, ein Berufungsgericht für drei südliche US-Bundesstaaten, den “Schwurblern” zu einem unverhofften Sieg. Es entschied: Das Weiße Haus, das FBI und die CDC begingen Verfassungsbruch, indem sie Social-Media-Unternehmen ermutigten und zwangen, freie Meinungsäußerung zu verhindern. "Die Beamten haben eine breit angelegte Druckkampagne gestartet, um Social-Media-Unternehmen dazu zu zwingen, von der Regierung missbilligte Redner, Standpunkte und Inhalte zu unterdrücken", urteilte ein Gremium aus drei Richtern im Fall Missouri gegen US-Präsident Joe Biden. "Der Schaden, der von diesem Verhalten ausgeht, geht weit über die Kläger hinaus und betrifft jeden Social-Media-Nutzer". In seiner Stellungnahme zeichnet das Gericht die Bemühungen von Bundesbehörden nach, Kritiker der Covid-Politik des Weißen Hauses zum Schweigen zu bringen und den Amerikanern das Recht zu verweigern, andere Standpunkte zu hören - Bemühungen, die sie als "unverhältnismäßigen Druck" beschreiben, der offenbar "das beabsichtigte Ergebnis hatte, Millionen geschützter freier Meinungsäußerungen amerikanischer Bürger zu unterdrücken". Der Fifth Circuit hat eine einstweilige Verfügung erlassen, die es der Biden-Administration untersagt, Maßnahmen zu ergreifen, "um Social-Media-Unternehmen zu zwingen oder erheblich zu ermutigen, gepostete Social-Media-Inhalte, die geschützte freie Meinungsäußerungen enthalten, zu entfernen, zu löschen, zu unterdrücken oder einzuschränken, auch durch Änderung ihrer Algorithmen". Wo bleibt in einer derart dramatischen Verfassungskrise eine ähnlich selbstbewusste Dritte Gewalt in Europa – in Karlsruhe und Den Haag beispielsweise? Die Westminster-Deklaration "Wir schreiben als Journalisten, Künstler, Autoren, Aktivisten, Technologen und Akademiker, um vor der zunehmenden internationalen Zensur zu warnen, die jahrhundertealte Normen der Demokratie zu untergraben droht. Wir kommen von links, von rechts und aus der Mitte. Wir sind vereint durch unser Engagement für die universellen Menschenrechte und die Meinungsfreiheit, und wir sind alle auf das tiefste besorgt über die Versuche, freie Meinungsäußerungen als „Fehlinformation“, „Desinformation“ und andere schlecht definierte Begriffe abzuwerten. Der Missbrauch dieser Begriffe hat in Ländern auf der ganzen Welt zur Zensur von einfachen Menschen, Journalisten und Dissidenten geführt. Derartige Eingriffe in das Recht auf freie Meinungsäußerung unterdrücken berechtigte Diskussionen über Angelegenheiten von dringendem öffentlichen Interesse und untergraben die Grundprinzipien der repräsentativen Demokratie. Überall auf der Welt arbeiten staatliche Akteure, Social-Media-Unternehmem, Hochschulen und Nicht-Regierungsorganisationen in wachsendem Ausmaß daran, die Bürger zu überwachen und sie ihrer Stimme zu berauben. Diese groß angelegten koordinierten Bemühungen werden manchmal als „industrieller Zensurkomplex“ bezeichnet. Es gibt auch einen klaren und soliden internationalen Schutz für die freie Meinungsäußerung. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR) wurde 1948 als Reaktion auf die Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs verfasst. In Artikel 19 der AEMR heißt es: „Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert zu äußern sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.“ Es mag zwar notwendig sein, dass Regierungen einige Aspekte der sozialen Medien regulieren, wie etwa durch Altersbeschränkungen. Aber diese Regelungen sollten niemals das Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung verletzen. Wie in Artikel 19 klargestellt wird, ist das Recht auf freie Meinungsäußerung mit dem Recht auf Information verknüpft. In einer Demokratie hat niemand ein Monopol auf das, was als wahr gilt. Vielmehr muss die Wahrheit durch Dialog und Diskussion herausgefunden werden – und wir können die Wahrheit nicht herausfinden, ohne die Möglichkeit eines Irrtums zuzulassen. Zensur im Namen des „Schutzes der Demokratie“ stellt das System der Repräsentation, das ein System von unten nach oben sein sollte, auf den Kopf – und verwandelt es in ein System der ideologischen Kontrolle von oben nach unten. Diese Zensur ist letztlich kontraproduktiv: Sie sät Misstrauen, fördert die Radikalisierung und entlegitimiert den demokratischen Prozess. In der Geschichte der Menschheit waren Angriffe auf die Meinungsfreiheit immer ein Vorläufer für Angriffe auf alle anderen Freiheitsrechte. Regime, welche die freie Meinungsäußerung untergraben haben, haben immer unweigerlich auch andere zentrale demokratische Strukturen geschwächt und beschädigt. Auf dieselbe Weise untergraben die Eliten, die heute auf Zensur drängen, auch die Demokratie. Was sich jedoch geändert hat, sind das Ausmaß und die technischen Mittel, mit denen heute die Zensur ausgeübt werden kann. Wir sind der Meinung, dass die freie Meinungsäußerung unerlässlich ist, um unsere Sicherheit vor staatlichem Machtmissbrauch zu gewährleisten – ein Missbrauch, der in der Vergangenheit eine weitaus größere Bedrohung darstellte als die Worte einzelner Personen oder sogar organisierter Gruppen. Um des Wohlergehens und der Entfaltung der Menschheit willen rufen wir zu den folgenden drei Maßnahmen auf. Wir fordern die Regierungen und die internationalen Organisationen auf, ihrer Verantwortung gegenüber den Menschen gerecht zu werden und Artikel 19 der AEMR einzuhalten. Wir fordern die Technologieunternehmen auf, sich zu verpflichten, die digitale Öffentlichkeit im Sinne von Artikel 19 der AEMR zu schützen und auf politisch motivierte Zensur, die Zensur abweichender Stimmen und der Zensur politischer Meinungen zu verzichten. Und schließlich rufen wir die breite Öffentlichkeit auf, sich uns im Kampf für die Wahrung der demokratischen Rechte des Volkes anzuschließen. Änderungen in der Gesetzgebung reichen nicht aus. Wir müssen auch von Grund auf eine Atmosphäre der freien Meinungsäußerung schaffen, indem wir das Klima der Intoleranz ablehnen, das zur Selbstzensur ermutigt und vielen unnötige persönliche Probleme bereitet. Anstelle von Angst und Dogmatismus müssen wir Nachfragen und Debatten zulassen. Wir treten für Ihr Recht ein, Fragen zu stellen. Hitzige Debatten, auch wenn sie Unruhe stiften, sind weit besser als gar keine Debatten. Zensur beraubt uns des Reichtums des Lebens selbst. Freie Meinungsäußerung ist die Grundlage für ein sinnvolles Leben und eine blühende Menschheit – durch Kunst, Poesie, Drama, Geschichten, Philosophie, Gesang und mehr. Diese Erklärung ist das Ergebnis eines ersten Treffens von Verfechtern der Meinungsfreiheit aus der ganzen Welt, die Ende Juni 2023 in Westminster, London, zusammenkamen. Als Unterzeichner dieser Erklärung haben wir grundlegende politische und ideologische Meinungsverschiedenheiten. Doch nur wenn wir uns zusammenschließen, können wir die eindringenden Kräfte der Zensur besiegen, damit wir weiterhin offen diskutieren und uns gegenseitig herausfordern können. Im Geiste der Meinungsverschiedenheiten und der Debatte unterzeichnen wir die Westminster-Erklärung.“ ******* Bildnachweis “Censored”-Motiv: rawpixel.com/Freepik Das pfiffige T-Shirt mit Biden-Ironie gibt´s hier.

  • Das Piks-Massaker

    Bis zu drei Millionen Todesopfer könnte die Covid-Impfkampagne weltweit bereits gefordert haben – 60.000 allein in Deutschland. Diese Horrorzahl entspringt nicht den Wahnvorstellungen von therapieresistenten Covidioten – sie ergibt sich aus amtlichen Statistiken und bekannten Melderaten. Regierungen und Behörden wissen es. Dass die Pikserei trotzdem weitergeht, macht den Kollateralschaden zum Massenmord. Wird er jemals gesühnt? „Eine Patientin von mir ist soeben am Covid-19-Impfstoff verstorben“, berichtet Peter McCullough, Internist, Kardiologe, Epidemiologe - und kein Irgendwer, sondern ordentlicher Professor für Medizin am Texas A&M College of Medicine in Dallas, Herausgeber zweier Fachzeitschriften; er zählt zu den fünf US-Medizinforschern mit den meisten Veröffentlichungen. „Nach der zweiten Spritze bildeten sich in ihrem ganzen Körper Thrombosen. Sie musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Sie benötigte intravenöse Blutverdünner. Neurologische Schäden traten auf. Nach dem Klinikaufenthalt war sie auf eine Gehhilfe angewiesen. Als sie zu mir kam, untersuchte ich sie und fand weitere Blutgerinnsel. Also verordnete ich ihr erneut Blutverdünner. Nach etwa vier Wochen sah ich sie wieder. Es schien ihr ein wenig besser zu gehen. Aber ihre Familie blieb sehr besorgt. Einen Monat später rief mich der Gerichtsmediziner aus Dallas an und teilte mir mit, dass sie zu Hause tot aufgefunden worden war.“ Wie viele solcher Fälle, fragt McCullough, gäben denn Anlass genug, die laufende Covid-Impfkampagne endlich einzustellen? Noch vor zwölf Jahren stoppten US-Behörden die landesweite Schweinegrippe-Impfung, nachdem sie das 53. (!) mutmaßliche Todesopfer registriert hatten. 1976 hatten sie bereits nach 32 vermuteten Impfopfern die Notbremse gezogen. Und heute, nach knapp einjähriger Massenimpfung gegen die Fauci-Grippe? In den Vereinigten Staaten verzeichnete das Vaccine Adverse Event Reporting System VAERS (1) der Seuchenschutzbehörde CDC bis zum 12. November 18.593 Covid-Impftote. Tags darauf meldete EudraVigilance - die Datenbank „schwerwiegender Nebenwirkungen der Covid-19-Impfungen“, welche die Europäische Arzneimittelagentur EMA führt - 17.601 Sterbefälle. Für zwei Drittel sorgte übrigens PfizerBiontechs „Comirnaty“, was in der Laudatio für die Sahins, anlässlich der Verleihung des „Deutschen Zukunftspreises 2021“, eher keine Erwähnung finden dürfte. Wiegen Impftote in Coronazeiten demnach weniger? Ab wann ist Schluss? "Bei einem Programm dieser Größenordnung müsste alles, was über 150 Todesfälle hinausgeht, ein Alarmsignal sein", steht zumindest für Peter McCullough fest. Verschwiegene Dunkelziffer Jeweils rund 18.000 Covid-Impftote in der EU und den USA, deutlich unter 2.000 in der Bundesrepublik: Ist das viel oder wenig? Regierungen, Behörden und Mainstream-Medien wiegeln ab: Es handle es sich ja bloß um „Verdachtsfälle“. Einer eingehenden medizinischen Überprüfung hält womöglich kaum einer stand. Dieser Ausflucht widerspricht eine Forschergruppe um Scott McLachlan von der Queen Mary University von London. Aus 1644 mutmaßlichen Todesfällen durch Covid-19-Impfstoffe, die VAERS bis April erfasst hatte, analysierte sie eine Stichprobe von 250. Dabei fand sie, dass in 86 % der Fälle keine plausiblere Ursache für den Tod in Frage kam als die Spritze. Amerikas 18.593 mutmaßliche Impftote, die VAERS bislang ausweist, müsse man doch ins Verhältnis setzen zur enormen Gesamtzahl der Geimpften, so heißt es. Die allermeisten überleben doch, nicht wahr? In den Vereinigten Staaten waren bis Mitte November über 225 Millionen Bürger zumindest einfach geimpft, mehr als 193 Millionen bereits „voll“. Demnach hätten gerade mal 0,00826 % ihre Spritze nicht überlebt. Für Deutschland errechneten Faktenchecker gar eine Impf-Sterberate von geradezu submikroskopischen 0,000052 %. Ist das nicht tolerabel, gemessen an den monströsen Leichenbergen, welche die Corona-Pandemie aufgetürmt hat – wie jeder Mainstream-Medienkonsument zu wissen glaubt? Wer uns derart naive Fragen nahelegt, will uns über das Problem des Underreporting hinwegtäuschen: Nur ein Bruchteil der tatsächlichen Impfschäden werden überhaupt gemeldet, von Ämtern statistisch erfasst. Die Gründe sind vielfältig: Vier von fünf Ärzten melden „UAW“, unerwünschte Arzneimittelwirkungen, selten bis nie. Manche erkennen keinen ursächlichen Zusammenhang, andere leugnen ihn aus Eigeninteresse, scheuen zeitaufwändigen Formularkram, halten eine Meldung für sinnlos; Betroffene und Angehörige vermuten keine Impffolge hinter dem Symptom, wissen nichts von Anzeigemöglichkeiten, fühlen sich vom komplizierten Meldeprozess überfordert, sehen keinen persönlichen Nutzen darin. Von einer kümmerlichen Melderate um die 5 % geht ein früherer leitender Mitarbeiter des Paul-Ehrlich-Instituts aus. (2) Der berühmte Lazarus Report, den Wissenschaftler der Universität Harvard zwischen 2007 und 2010 für das US-Gesundheitsministerium ausarbeiteten, kam zu dem Ergebnis, dass „weniger als 1 % der unerwünschten Wirkungen von Impfstoffen berichtet werden“. 630.000 Covid-Impftote allein in den USA? Dass zuwenig gemeldet wird, streitet keine Behörde ab. Aber wie groß ist dieses Zuwenig, speziell bei Covid-Impfungen? Nehmen wir den Mittelwert aus den genannten Schätzungen: Gehen wir davon aus, dass drei Prozent der schweren Impfnebenwirkungen zur Anzeige kommen. Demnach hat die Covid-Impfkampagne bisher allein in den Vereinigten Staaten nicht bloß knapp 19.000 Todesopfer gefordert, sondern womöglich schon über 630.000. Eine weitere Dreiviertelmillion könnte bleibende Lähmungen und andere dauerhafte Schäden davongetragen haben. Dass diese Schätzung der entsetzlichen Wahrheit weitaus näher kommt als die offizielle Zahlengaukelei, will die Ärztevereinigung America´s Frontline Doctors in einem Gerichtsverfahren deutlich machen. Sie hat Klage gegen das US-Gesundheitsministerium eingereicht, um dessen „unrechtmäßige Impfstoff-Notfallgenehmigungen“ zu stoppen. Dabei stützt sie sich unter anderem auf eine Whistleblowerin, die als Programmiererin Zugang zu unveröffentlichten Medicare- und Medicaid-Daten hat, den staatlichen US-Krankenversicherungen für Bedürftige, Ältere und Behinderte. Wie die anonyme Zeugin in einer eidesstattlichen Erklärung ausführt, unterschätzt das VAERS die Häufigkeit von Todesfällen im Zusammenhang mit Covid-Impfungen um einen Faktor von mindestens 5. Mit Stand vom 9. Juli 2021 hatte VAERS 9.048 derartige Fälle registriert. Fünf Mal mehr derartige Meldungen waren bis dahin jedoch bei den Centers for Medicare and Medicaid Services (CMS) eingegangen. Die tatsächliche Zahl der durch die Impfstoffe verursachten Todesfälle lag demnach bei annähernd 50.000. Innerhalb von nur 14 Tagen nach einer Covid-19-Spritze verstarben 47.465 US-Bürger; 19.400 von ihnen waren über 80 Jahre alt, 28.065 jünger. (3) Wie hoch wäre die Zahl erst, wenn der Analysezeitraum auf mehr als zwei Wochen erweitert würde? Niemand wird ernsthaft behaupten, zu Impfschäden komme es danach nicht mehr. Von noch weitaus höheren Opferzahlen will die Ärztin Dr. Sherri Tenpenny erfahren haben, Leiterin eines ganzheitsmedizinischen Zentrums in Ohio und seit langem eine der bekanntesten Impfkritikerinnen Amerikas. Bei ihr soll sich anonym ein Pfizer-Insider gemeldet haben. „Weinend sagte er mir am Telefon, er verfüge über Unterlagen, die beweisen, dass rund 200.000 Menschen innerhalb einer Woche oder weniger gestorben sind, nachdem sie eine Covid-Spritze bekommen haben." (4) Herausgerückt hat Tenpennys Informant seine brisanten Dokumente aber offenbar noch nicht – ein gefundenes Fressen für Faktenchecker. Sind hunderttausende Impftote allein in den USA noch immer nicht genug, um das Impfprogramm auf der Stelle zu stoppen? Der amerikanische Unternehmer und Philanthrop Steve Kirsch, Geschäftsführer eines COVID-19 Early Treatment Fund, hat jedem Regierungsvertreter, der mit ihm eine öffenliche Debatte über die unterdrückten Horrorstatistiken führen will, eine Million Dollar angeboten. Bisher hat kein einziger die Herausforderung angenommen. Wie Kirsch feststellt, "haben wir Debatten als Mittel zur Beilegung wissenschaftlicher Meinungsverschiedenheiten durch staatlich gelenkte Zensur und Einschüchterung ersetzt". (5) Die „Pikse“ könnten schon 60.000 Deutsche umgebracht haben Verblüffend robust scheinen menschliche Körper eine Covid-Spritze wegzustecken, sofern ihre Inhaber Staatsbürger der Bundesrepublik sind. 23 EU-Länder melden der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA mehr Verdachtsfälle von Nebenwirkungen je 100.000 Covid-Impfungen als das dafür zuständige deutsche Paul-Ehrlich-Institut PEI. Aus den Niederlanden kommen 18-mal höhere Zahlen. Schludern die Holländer etwa? Erstaunlich: In seinem jüngsten „Sicherheitsbericht“ vom 26. Oktober zeigt das PEI nicht mehr als „1.802 Verdachtsfallmeldungen über einen tödlichen Ausgang in unterschiedlichem zeitlichem Abstand zur Impfung“ ab Ende Dezember 2020 bis Ende September 2021 an. (4) Gemessen an 107.888.714 Covid-Impfungen, die bis dahin stattgefunden haben, sind das unscheinbare 0,000167 %. Das liege vollauf im Rahmen des statistisch Erwartbaren, zu Besorgnis bestehe keinerlei Anlass. Den Verdacht, dass hier etwas oberfaul sein muss, nähren Zahlen des Statistischen Bundesamts, wie auch des EU-Monitoringsystems euroMOMO. Im gesamten Jahr 2020, noch ohne Impfstoffe, waren auffallend erhöhte Sterblichkeitsraten lediglich in Lockdown-Phasen zu verzeichnen gewesen: ein Indiz dafür, dass SARS-CoV-2 weniger „wütete“ als eine verheerende staatliche Überreaktion darauf. Covid-Opfer verstarben im Schnitt mit 83 Jahren. 2021 jedoch, mit verfügbaren Vakzinen und parallel zur immer weiter vorangetriebenen Impfkampagne, tritt eine deutliche Übersterblichkeit auf; im September und Oktober lagen die Sterbefallzahlen um rund ein Zehntel über dem mittleren Wert der Vorjahre. (7) Auffällig betroffen sind Erwachsene jüngeren und mittleren Alters. Wer glaubt ernsthaft, dass sich Deutschland um tödliche Impfnebenwirkungen weniger grämen muss als andere Länder? Daten aus Großbritannien (8) legen nahe, dass die Seuche erheblich mehr Geimpfte als Ungeimpfte dahinrafft. Zwischen dem 1. Februar und dem 12. September 2021 waren 63,5 % der Personen, die innerhalb von 28 Tagen nach einem positiven Test an Covid-19 starben, vollständig geimpft. Weil das US-amerikanische Monitoring-System VAERS bereits seit 1990 existiert, erlaubt es, langfristige Trends zu erkennen. Seit gegen Covid geimpft wird, ist über VAERS eine Meldeflut hereingebrochen, die in der Medizingeschichte ihresgleichen sucht. In normalen Jahren werden hier zwischen 20.000 und 50.000 mögliche Impfschäden angezeigt – in den ersten acht Monaten von 2020 gingen hingegen mehr als 470.000 Verdachtsmeldungen ein. Dem entspricht der Trend bei gemeldeten Todesfällen nach Impfungen. Im gesamten vergangenen Jahrzehnt erfasste VAERS pro Jahr 120 bis maximal 183 Verdachtsfälle – 2021 sind es schon jetzt, anderthalb Monate vor Jahresende, hundert Mal mehr. Und in Deutschland? Falls die 1802 offiziellen PEI-„Verdachtsfälle“ von Impftoten zu 97 % underreported sind, so hätte die Berliner Hygienediktatur nicht weniger als 60.000 Menschenleben zu verantworten. Wo bleiben Parlamente, Medien und Gerichte, die sie dafür endlich zur Rechenschaft ziehen? Kollateralschaden der Covid-Massenimpfungen: womöglich schon drei Millionen zu Tode Gespritzte Bis Mitte November wurden bereits 51,6 % der Weltbevölkerung covid-geimpft: ungefähr vier Milliarden Menschen. Ausgehend von der VAERS-Melderate - 0,00076 % -, kommen wir zu dem haarsträubenden Schluss: Womöglich ließen Corona-Hygieneregimes weltweit bereits über drei Millionen Menschen zu Tode spritzen. 3.000.000. Bekämen alle 7,8 Milliarden Menschen jenen „Piks“, von dem Bill Gates schon im Frühjahr 2020 schwärmte, dann würde die überflüssigste Impfkampagne aller Zeiten demnach für sechs Millionen Tote sorgen – rund dreißig Mal mehr, als unmittelbar nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki umkamen. Demnach untertrieb der mächtigste Impffetischist der Welt noch gewaltig, als er im Mai 2020 mit der Prognose von 700.000 Opfern eines weltweiten Corona-Impfprogramms für Empörung sorgte. In einem Interview mit dem Sender CNBC weissagte Gates damals: „We have … you know … one in ten thousand … ah … side effects. Thats … you know … way more. Seven hundred thousand … ah … you know … people who will suffer from that.“ Müssen wir drei Millionen Impftote nicht ins Verhältnis setzen zur nicht minder grauenvollen Corona-Opferbilanz? Offiziellen Statistiken zufolge sollen „mit oder an“ Covid-19 bis Mitte November 2021 allein in Deutschland rund 98.000 Menschen gestorben sein, in den USA 763.000, , in ganz Europa 1,33 Millionen, weltweit 5,1 Millionen. Doch diese gruseligen Zahlen stehen in dringendem Verdacht, von Panikmachern herbeigetrickst worden zu sein. Zum „Corona-Toten“ wird man bereits, falls innerhalb des letzten Monats ein unzuverlässiger PCR-Test positiv ausgefallen ist; falls kein Virusnachweis, sondern bloß gewisse grippeähnliche Symptome wie Husten, Schnupfen, Fieber auf eine Ansteckung hindeuten; falls man „Kontakt“ zu jemand positiv Getestetem hatte, diffus definiert durch räumliche Nähe, auch wenn keine tatsächliche Infektion nachgewiesen wurde; falls Covid bloß „vermutet“ wurde und „nicht ausgeschlossen werden konnte“. Oder falls eine Erregerübertragung zwar möglicherweise stattgefunden hat, aber längst abgeklungen ist; bei vier von fünf Covid-Verstorbenen liegt die angebliche Infektion schon mindestens fünf Wochen zurück. (9) Verzerrungen durch tödliche Behandlungsfehler spielten mit, ebenso wie sozialer Druck und finanzielle Anreize, Totenscheine zu fälschen. Hersteller vertuschen, was sie wissen: Wie ein früherer Reporter der New York Times Anfang August aufdeckte, gingen allein bei Moderna innerhalb von drei Monaten 300.000 Berichte über Corona-Impfnebenwirkungen ein, von denen ein Großteil nicht an die staatliche Datenbank VAERS gemeldet wurde. Massenhaft werden zudem Impftote kurzerhand wegdefiniert: Wer binnen weniger als zwei Wochen nach Erhalt einer ersten Impfdosis mit Covid-19-Befund stirbt, gilt für die US-Seuchenschutzbehörde CDC, wie auch für die Robert-Koch- und Paul-Ehrlich-Institute, als „ungeimpft“ – ein unfassbar dreister Etikettenschwindel. (10) Um das Märchen von der „Pandemie der Ungeimpften“ aufrechtzuerhalten, vertuscht er die wahren Verhältnisse. In der Stichprobe der Lachlan-Gruppe war in jedem zweiten untersuchten Fall der Tod innerhalb von 48 Stunden nach der Injektion eingetreten, bei weiteren 30 % binnen drei bis sieben Tagen. Besonders rasch ging es mit über 65-Jährigen zu Ende: „Fast ein Zehntel (9 %) verstarb innerhalb von nur sechs Stunden nach der Impfung und 18 % starben in weniger als 12 Stunden. Mehr als ein Drittel - 36 % - überlebte nicht bis zum nächsten Tag.“ Bei wie vielen amtlichen „Covid-19-Opfern“ war SARS-CoV-2 tatsächlich die alleinige oder zumindest ausschlaggebende Sterbeursache? Die offiziellen „Corona-Opfer“: zu 97 % Fakes? Ausgerechnet ein Bericht von Italiens Oberstem Gesundheitsinstitut, dem 1934 gegründeten Istituto Superiore di Sanità (ISS), verdeutlicht das ungeheuerliche Ausmaß der statistischen Leichenfledderei. (11) Bis Oktober 2021 waren offiziell rund 130.000 Italiener an Corona gestorben. Die Reanalyse des ISS, das dem Gesundheitsministerium untersteht, reduziert diese Zahl um sage und schreibe 97,1 %: Nur 3.783 Todesfälle, 2,9 %, ließen sich unmittelbar mit Covid-19 in Verbindung bringen. Die allermeisten Fälle betrafen Italiener, die an einer bis fünf chronischen Grunderkrankungen litten; viele nahmen Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems ein, und ein gewisser Prozentsatz starb an medizinischen Notfällen, die nichts mit Covid-19 zu tun haben. Insgesamt 67,7 % litten an mehr als drei chronischen Krankheiten, die durch die moderne Medizin nicht behoben werden konnten. Italiener, die bereits an chronischen Krankheiten litten, litten zusätzlich an beatmungsassoziierter Lungenentzündung und beatmungsassoziierten Lungenschäden. Einer von zehn der verstorbenen Patienten hatte einen Schlaganfall; 65,8 % der Italiener hatten arteriellen Bluthochdruck und nahmen immunsuppressive Medikamente ein; 15,7 % litten an Herzversagen; 28 % hatten eine ischämische Herzerkrankung und 24,8 % litten an Vorhofflimmern. Mindestens 17,4 % hatten bereits eine kranke Lunge. Viele (29,3 %) hatten Diabetes und andere Stoffwechselkrankheiten, die ihre Immunreaktion drastisch beeinträchtigten. Mehrere Patienten (16,3 %) befanden sich auf dem Sterbebett und kämpften mit immunsuppressiven Chemotherapie- und Bestrahlungsmedikamenten, die dafür bekannt sind, dass sie anfällig für Infektionen der Atemwege sind. Diese Krebspatienten hatten in den letzten fünf Jahren mit Krebs zu kämpfen, wobei die durchschnittliche Überlebensrate nach einer Chemotherapie bei drei bis fünf Jahren lag. Weitere 23,5 % kämpften mit Demenz, und ihr Leben neigte sich dem Ende zu. Bis zum Beweis des Gegenteils dürfen wir davon ausgehen, dass der entlarvende Befund aus Italien auf den Rest der Welt übertragbar ist. Wenn von den 5,1 Millionen vermeintlichen „Corona-Toten“, welche die Gates-gesponserte Johns-Hopkins-Universität in imposanten Dashboards ausweist, womöglich bloß 2,9 % tatsächlich einer SARS-CoV-2-Infektion erlegen sind, so bleiben gerade noch rund 150.000 echte Seuchenopfer übrig. Und dies würde bedeuten: Die globale Massenpikserei könnte schon jetzt zwanzig Mal mehr Menschen umgebracht haben als die Seuche, die sie eindämmen soll. „Wie viele Informationen brauchen wir denn noch, ehe wir diesen Völkermord stoppen?“, fragt die Medizinerin und Gesundheitsökonomin Dr. Jane Ruby (12) aus Washington. In einer vollständigen Schadensbilanz müssen darüber hinaus auch schwere Impffolgen auftauchen, die man mehr oder minder glücklich überlebt: von Herzmuskelentzündungen über schwerste allergische Reaktionen bis zu Thrombosen, Autoimmunerkrankungen und Lähmungen. Bis zum 5. November 2021 registrierte das US-Meldesystem VAERS nicht weniger als 876.000 Fälle von Adverse Events, „unerwünschten Ereignissen“, aus allen Altersgruppen – darunter 29.100 bleibende Einschränkungen - Permanent Disabilities -, weitere 20.600 lebensbedrohliche Vorfälle, rund 92.000 Hospitalisierungen, 98.000 ärztliche Notfälle. Was hieße hier eine Dunkelziffer von 97 %? Von den VAERS-Zahlen hochgerechnet auf die gesamte Menschheit: Von Los Angeles bis Tokio, von Reykjavik bis Kapstadt, von Rio bis Wellington könnten die bisherigen Covid-Impfungen von rund vier Milliarden Erdbewohnern bereits weit über 500 Millionen dauerhaft Behinderte produziert haben. Krankenhäuser und Intensivstationen in aller Welt, in denen Ungeimpfte ihren Mitmenschen angeblich die Betten wegnehmen, haben sich vielleicht schon mit über 1,6 Milliarden Geimpften gefüllt, die sich auf das Versprechen verließen, die Injektion erspare ihnen schwere Verläufe. Erschreckend viele sterben – wenn nicht an Covid-19, dann an absehbaren Impfnebenwirkungen, vor denen sie niemand warnte, oder an Krankheiten, die ihnen weniger bis gar nichts hätten anhaben können, hätte die Injektion nicht ihr Immunsystem lahmgelegt. Wer durch Zensur daran gehindert wird, in derartige Abgründe zu blicken, kann in seine Impfung nicht wirklich „informiert einwilligen“. Findet sie trotzdem an ihm statt, so ereignet sich ein krimineller Akt: eine Körperverletzung. Zu den unmittelbaren Opfern der Piks-Kampagne muss eine saubere Statistik Abermillionen Tote hinzuaddieren, die noch leben könnten, wenn ihnen mögliche lebensrettende Hilfe nicht systematisch vorenthalten worden wäre. Um die Impf-Agenda nicht zu gefährden, machte man ihnen weis, ohne Vakzine seien sie dem Virus „schutzlos ausgeliefert“. Wirkungsvolle Prävention und Therapie, die fast immer zu Hause möglich gewesen wäre und jegliche „Überlastung des Gesundheitswesens“ von vornherein verhindert hätte, erhielten sie nicht. Schon seit Frühjahr 2020 bemühen sich die amerikanische Ärztevereinigung FLCCC (13), der ukrainische Arzt Vladimir Zelenko (14) und unzählige Naturheilkundige, auf längst vorhandene, bewährte Mittel und Maßnahmen aufmerksam zu machen, die mindestens vier von fünf Infektionen, schwere Krankheitsverläufen, ICU-Aufenthalten, Long-Covid und Todesfällen verhindert hätten: von Vitaminen über Mineralstoffe bis zu Ivermectin. Politiker und Behördenvertreter, die solche Angebote von Anfang an unterdrückten, statt ihnen zumindest eine Notfallzulassung zu verschaffen, haben sich unterlassener Hilfeleistung schuldig gemacht. Sie gehören vor Gericht. „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ werfen ihnen rund 13.000 Ärzte und Wissenschaftler vor, die bis Oktober 2021 eine entsprechende Deklaration der International Alliance of Physicians and Medical Scientists unterzeichnet haben: „Der Hippokratische Eid verpflichtet uns dazu.“ Sie fordern einen sofortigen Stopp der Jabs. Gebrochener Gesellschaftsvertrag Vor den neuen Impfstoffen warnte ausgerechnet der US-amerikanische Molekularbiologe Robert W. Malone, Miterfinder der mRNA-Technologie, von Anfang an. Auch er wurde dafür übelst verleumdet und zensiert. „Viele haben sich aufgrund eines unausgesprochenen Gesellschaftsvertrags impfen lassen“, erklärte Malone. (15) „Er lautete: ‚Indem du es tust, schützt du nicht nur dich selbst, sondern auch deine Mitmenschen. Du bringst ein Opfer für das Gemeinwohl und hilfst mit, dass wir alle zur Normalität zurückkehren können.‘ Doch nun stellt sich heraus: Das Virus wütet ärger denn je. Immer mehr Geimpfte stecken sich an, infizieren andere, erkranken schwer, füllen Kliniken, Intensivstationen und Friedhöfe; das Notstandsregime dauert nicht nur an, sondern nimmt immer totalitärere Züge an. Und so „geht der Gesellschaftsvertrag in die Brüche. Die Leute werden sich damit abfinden müssen, dass sie in die Irre geführt worden sind.“ (16) Blind für individuelle Risiken Die unverfrorene Massenverarsche schließt ein, den Eindruck zu erwecken, Corona stelle in jedem Fall dieselbe schlimme Bedrohung für Leib und Leben dar, und zwar eine geradezu „apokalyptische“. (17) Nur so konnte einleuchten, dass unbedingt die gesamte Menschheit durchgeimpft werden muss, um ein Virus abzuwehren, das gerade mal 0,0012 % der Bevölkerung und 0,15 % der Infizierten dahinrafft. Das liegt im Bereich der mittelschweren Grippepandemien von 1936, 1957 und 1968. Dabei war von Anfang an klar, dass sich die Risiken innerhalb der Bevölkerung äußérst ungleich verteilen. Also muss die Abwägung von Nutzen und Gefahren vom jeweiligen Einzelfall abhängen, weshalb jede vernünftige Impfentscheidung nur individuell getroffen kann. Wer eine Infektion bereits überstanden hat – und das sind je nach Land 10 bis 50 % der Bevölkerung - benötigt gar keinen Piks mehr, weil die erworbene natürliche Immunität ihn um ein Vielfaches besser schützt als jede herbeigespritzte. (18) 128 hochwertige Studien unterstreichen mittlerweile, wie hervorragend dieses rezeptfreie Gratis-Schutzschild funktioniert. Bei einem multimorbiden, medikamentenabhängigen Greis, einem stark übergewichtigen Kettenraucher, einem immungeschwächten Krebskranken fällt eine Risikoanalyse völlig anders aus als bei einem recht gesunden Erwachsenen mittleren und jüngeren Alters, erst recht bei Kindern und Jugendlichen. An Covid-19 stirbt jemand unter 60 nicht eher als durch einen Unfall bei der täglichen Fahrt zur Arbeit, durch einen Treppensturz oder weil er unter der Dusche ausrutscht; bei Minderjährigen liegt die Lebensgefahr im Bereich der Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden. Doch selbst für die Generation 65+ sind Covid-Impfungen fünf Mal tödlicher als Covid selbst, wie sich mittlerweile herausgestellt hat. 60 % der Senioren, die wegen Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert werden, sind geimpft. Einer skandinavischen Studie zufolge sind in Alten- und Pflegeheimen mindestens 40 % der Todesfälle nach Impfung unmittelbar auf die Spritze zurückzuführen. Bei jungen Erwachsenen ist Übersterblichkeit festzustellen, seit sie sich zur Spritze drängen lassen. Ebenso aufffällig ist die Übersterblichkeit 2021 bei den 15- bis 44-Jährigen im Durchschnitt von 28 EU-Ländern, im Vergleich mit den vier Vorjahren. Darunter liegt dieser Wert selbst 2020, als die Bevölkerung dem vermeintlichen „Killerkeim“ völlig ungeimpft „ausgeliefert“ war. Der „Krieg“ für die Volksgesundheit richtet ein Blutbad ohnegleichen an Wohin wir auf diesem Planeten auch schauen: In keinem Land hat die Impfkampagne Covid-Sterberaten nennenswert gesenkt. Nirgends. Im Gegenteil, diese stiegen weltweit an, nachdem die Pikserei begonnen hatte, wie das Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) in Seattle grafisch belegt: Auf dem Schlachtfeld der Public Health richten Hygieneterroristen zur Zeit ein Blutbad ohnegleichen an. Während Lauterbach allen Augenzeugen des Gemetzels versichert, es handle sich evidenzbasiert bloß um Tomatensoße, beeilen sich Leitmedien, die Blutlachen wegzuspritzen; wer etwas gesehen hat, wird von Faktencheckern im Nu als Verschwörungstheoretiker entlarvt. Anstatt für allgemeines Entsetzen zu sorgen, erweist sich das vergossene Blut als Schnellwuchs-Dünger auf dem Geschäftsfeld von Vakzinherstellern. 1000 Dollar Gewinn pro Sekunde machen Pfizer, Biontech und Moderna damit. Allein in diesem Jahr könnten die Covid-Vakzinproduzenten bis zu 190 Milliarden Dollar Umsatz machen – mit Steuergeldern gesponsert, von Produkthaftung befreit. Wie kann es sein, dass in Deutschland nach knapp einem Jahr Massenpiekserei, trotz 116 Millionen verabreichter Impfdosen, die Pandemie viel schlimmer wütet als davor, als wir dem Virus ohne einen einzigen Piks angeblich „schutzlos ausgeliefert“ waren? Wie können uns jetzt gar bis zu 400.000 Infektionen pro Tag und 100.000 weitere Corona-Tote drohen? Welche Verwüstungen muss SARS-CoV-2 in der Großhirnrinde von Lothar Wieler angerichtet haben, wenn er daraus soeben den irrwitzigen Schluss zieht, nun müsse erst recht „mit Mann und Maus geimpft“ werden, „sonst kriegen wir diese Krise nicht in den Griff" und „werden ein schlimmes Weihnachtsfest haben“? Wer räumt im RKI-Schrank endlich die Tassen ein? Wer die Pandemiezahlen des covid-impffreien 2020 und des impfomanen 2021 nebeneinanderlegt, kapiert auch ohne zehn Statistiksemester ohne weiteres: Die Strategie, Corona mit Vakzinen zu besiegen, ist krachend gescheitert. Europa, stolz auf seine hohen Impfquoten, ist zum absurden Hotspot der Seuche geworden, während Afrikaner, bei oft bloß 1 bis 10 Geimpften pro 100 Einwohner, kaum zu klagen haben. Zu Pharma-Werbeagenturen verkommene Regierungen vertuschen das Debakel, einäugige Experten und „Journalisten“ genannte Schreibtischtäter leisten Beihilfe. Mit jedem weiteren Impftoten wächst ihre Mitschuld. Peter McCullough fasst es in einem Satz zusammen: „Die Covid-Injektionen funktionieren nicht und verursachen enorme Schäden – eine Katastrophe." Zu den fassungslosen Zeitzeugen des immer absurderen Corona-Krisenmanagements zählt Alfred Koch, früherer stellvertretender Ministerpräsident Russlands, der sich als scharfer Putin-Kritiker nach Deutschland absetzte, aus Furcht vor Strafverfolgung. Er rechnet vor: "In den letzten drei Monaten“ - bis 18. November 2021 – „erkrankten in Deutschland 1.387.635 Menschen an Covid-19, 6.416 starben (bei einer Impf-Quote von fast 70 Prozent). Im gleichen Zeitraum des Vorjahres erkrankten 626.428 Menschen und 4.199 starben (ohne Impfung). Das heißt, in diesem Jahr erkrankten vom 18. August bis 18. November zweimal mehr Menschen und eineinhalb Mal mehr Menschen starben als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Wo bitte ist mein Denkfehler? Warum kann ich die Vorteile der Impfung nicht sehen? Kläre mich bitte auf! Ich möchte an einen Impfstoff glauben.“ Die „schlimmste Krise der modernen Geschichte“, wie sie der Wirtschaftsprofessor Michel Chossudovsky nennt, macht uns zu Zeugen des größten Raubzugs der aller Zeiten – ausgeheckt und umgesetzt von einer historisch beispiellosen Verschwörung, die sicherstellt, dass niemand sie so nennen darf, ohne zum Schweigen gebracht, psychiatrisiert oder kriminalisiert zu werden. (Harald Wiesendanger) Siehe zum selben Thema die KLARTEXT-Beiträge „Für die Katz“, „Lügen mit Zahlen“ und „Scheinheiliges Gedenken“. Anmerkungen (1) https://vaers.hhs.gov/; www.openvaers.com/covid-data (2) Dr. med. Klaus Hartmann: Erfassung und Bewertung unerwünschter Arzneimittelwirkungen nach Anwendung von Impfstoffen - Diskussion der Spontanerfassungsdaten des Paul-Ehrlich-Instituts 1987 bis 1995, Dissertation 1997, S. 15. (3) www.afinalwarning.com/558164.html; https://www.lifesitenews.com/news/nearly-50k-medicare-patients-died-soon-after-getting-covid-shot-whistleblower/ (4) So äußerte sich die Ärztin unter anderem hier: https://t.me/s/AllesAusserMainstream?before=9959, https://t.me/s/AllesAusserMainstream?before=9959, https://twitter.com/freedom49503795/status/1429846800693858309, https://www.bitchute.com/video/DPNHRTGX4Ozo/, https://gettr.com/hashtag/%23VaxDamage, https://bestnewshere.com/dr-tenpenny-pfizer-whistleblower-says-closer-to-200000-have-died-from-vaccines-within-a-week/ https://covid19flu.info/index.php/video/dr-sherry-tenpenny-200-000-people-died-of-the-jab-already (5) Siehe Steve Kirschs hervorragendes Video: "Vaccine Secrets: The COVID Crisis", erste Folge seiner „False Narrative Takedown Series", www.SKirsch.io/vaccine-resources (6) PEI-Sicherheitsbericht vom 26.10.2021, S. 14. (7) https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/10/PD21_481_12.html, https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/11/PD21_512_126.html (8) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8209951/pdf/RMV-9999-e2260.pdf, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8209951/pdf/RMV-9999-e2260.pdf (9) https://aktuellinformiert.de/bei-80-prozent-der-covid-verstorbenen-corona-wohl-nicht-die-todesursache/; https://www.welt.de/politik/deutschland/plus233426581/Corona-bei-80-Prozent-der-offiziellen-Covid-Toten-wohl-nicht-Todesursache.html?fbclid=IwAR2W7Yt-R2YdtU1Ts-12P4c3N7GydCT80EAnccK2nCWNE63F2NcTMPJcqOU (10) https://madmimi.com/p/56a8c21?pact=8251882-164492728-10919234279-909df20f700e87538a53e679d2a2082e7c9e97eb (11) https://www.ilgiornaleditalia.it/news/salute/302848/covid-l-ultimo-rapporto-dell-iss-fa-luce-sui-discutibili-allarmismi-i-morti-di-covid-sono-una-minoranza.html; https://grandeinganno.it/2021/10/21/rapporto-shock-dellistituto-superiore-di-sanita-covid-19-meno-mortale-di-un-influenza-solo-3-783-dei-130-468-decessi-dovuti-al-virus/; https://www.primapaginanews.it/articoli/-covid-istituto-superiore-di-sanit-sbagliati-i-calcoli-sono-stati-3.783-i-morti-in-italia-e-non-130.468-dichiarati-ufficialmente-503332; https://www-iltempo-it.translate.goog/attualita/2021/10/21/news/rapporto-iss-morti-covid-malattie-patologie-come-influenza-pandemia-disastro-mortalita-bechis-29134543/?_x_tr_sl=it&_x_tr_tl=en&_x_tr_hl=it&_x_tr_pto=nui; https://www.afinalwarning.com/567649.html (12) https://www.amazon.com/dp/1548258830/ref=cm_sw_su_dp; http://drjaneruby.com/ (13) https://swprs.org/on-the-treatment-of-covid-19/, https://swprs.org/post-acute-covid-long-covid/, https://swprs.org/eine-covid-19-strategie/ (14) https://www.preprints.org/manuscript/202007.0025/v1, https://covexit.com/tag/dr-zelenko/, https://covexit.com/dr-zelenko-interview-part-1/ (15) In einem Interview mit Epoch Times, https://www.theepochtimes.com/dr-robert-malone-mrna-vaccine-inventor-on-latest-covid-19-data-booster-shots-and-the-shattered-scientific-consensus_3979206.html (16) Am 15. Oktober 2021 auf dem International COVID Summit in Rom, https://www.youtube.com/watch?v=EWWvk2SaMS4&t=4s, ab Min. 45:00. (17) https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_91151932/corona-lage-soeder-wenn-zehn-die-apokalypse-ist-sind-wir-bei-neun-.html; https://www.welt.de/politik/deutschland/plus235097830/Corona-Krise-Soeder-sieht-die-Corona-Apokalypse-nahen-geht-s-noch.html (18) https://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/309762 https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.08.24.21262415v1 Foto Friedhof: PattyJansen/Pixabay; Hand mit Spritze: Karolina Grabowska/Pexels.

  • Zu Tode gepikst

    Mit der Einführung der Covid-19-„Impf“stoffe und –„Auffrischungen“ nahm die Gesamtsterblichkeit weltweit dramatisch zu: Eine neue Studie mit Daten aus 17 Ländern stellt einen „eindeutigen kausalen Zusammenhang“ fest. Hochbrisant ist sie, die brisante 180-seitige Studie einer Forschergruppe des kanadischen Instituts Correlation Research in the Public Interest unter Leitung des Physikers Denis Rancourt. Am 17. September erschienen, wertete sie Daten aus 17 Ländern der südlichen Hemisphäre aus, verteilt auf vier Kontinente – von Argentinien und Australien über Kolumbien, Malaysia und Neuseeland bis Chile, Peru, Südafrika, Thailand und Uruguay. Wie die Wissenschaftler feststellten, stieg in mehr als der Hälfte dieser Länder die Gesamtsterblichkeit - all-cause mortality (ACM) - zunächst keineswegs an, nachdem die Weltgesundheitsorganisation am 11. März 2020 eine globale Pandemie ausgerufen hatte. Der mutmaßliche “Killerkeim aus Wuhan” hinterließ in den Todesfallstatistiken zumeist keine Spuren. Dies änderte sich erst nach Einführung der Covid-19-„Impf“stoffe und –„Auffrischungen“ - abrupt und in dramatischem Ausmaß. Nicht nur „gab es keine Hinweise auf einen positiven Effekt der COVID-19-Impfstoffe - keinen zeitlichen Zusammenhang zwischen COVID-19-Impfung und einer proportionalen Reduzierung der ACM”, so stellt die Studie fest. “Das Gegenteil ist der Fall”: Sämtliche 17 Länder, die immerhin 10,3 % der Weltbevölkerung ausmachen, verzeichneten mit Beginn der Impfkampagnen einen beispiellosen Anstieg der Gesamtsterblichkeit. Wie eine statistische Analyse der Sterblichkeitsdaten ergab, war 1 Todesfall pro 800 Injektionen in allen Altersgruppen und Ländern zu verzeichnen. Wie die Autoren betonen, ist die Gesamtmortalität (ACM) - die Anzahl der Todesfälle aus allen Ursachen in einem bestimmten Zeitraum für eine bestimmte Population - die zuverlässigste Datengrundlage für Epidemiologen, um abnorme Häufungen von Todesfällen zu erkennen und zu charakterisieren. Im Gegensatz zu anderen Messgrößen sind die ACM-Daten nicht anfällig für Verzerrungen bei der Berichterstattung oder bei subjektiven Einschätzungen der Todesursache. Jedes Ereignis, von einer Naturkatastrophe wie einem Erdbeben bis hin zu einer saisonalen oder pandemischen Krankheitswelle, erscheint in der ACM-Statistik. 13,5 Milliarden Injektionen, die bis zum 2. September 2023 verabreicht wurden, produzierten weltweit 17 Millionen Covid-“Impf”tote, so schätzt die Forschergruppe. "Dies entspräche einem iatrogenen (1) Massenereignis, das 0,213 % der Weltbevölkerung umbrachte, während es keine Todesfälle messbar verhinderte.” Diese Zahl liege um ein Tausendfaches über den bisherigen Daten aus klinischen Studien, der amtlichen Überwachung unerwünschter Impfnebenwirkungen und den offiziellen Todesursachenstatistiken, die aus Totenscheinen hervorgehen. Mit anderen Worten: "Die COVID-19-Impfstoffe haben keine Leben gerettet, sondern scheinen scheinen tödliche Giftstoffe zu sein." Unter Berücksichtigung von Störfaktoren wie der Jahreszeit berechneten die Autoren die Impfdosis-Todesrate (vDFR) - das Verhältnis von impfbedingten Todesfällen zur Anzahl der verabreichten “Pikse”. Sie fanden heraus, dass die vDFR je nach Land, Alter und Anzahl der verabreichten Impfungen zwischen 0,02 und 5 % lag, für alle 17 Länder im Durchschnitt bei 0,126 ± 0,004 %. Diese Ergebnisse scheinen die Argumente von Biologen wie Mike Yeadon und Sucharit Bhakdi zu bestätigen, wonach die Gefahr unerwünschter Autoimmunreaktionen mit jedem weiteren ‘Boost’ zunimmt. Das Todesrisiko pro Injektion stieg mit zunehmendem Alter deutlich an. In allen 17 untersuchten Ländern waren die Impfungen für die meisten älteren Menschen am bedrohlichsten. Deshalb fordern die Studienautoren, dass die Regierungen "sofort die unbegründete Gesundheitspolitik beenden sollten, ältere Menschen vorrangig mit COVID-19-Impfstoffen zu impfen, bis gültige Risiko-Nutzen-Analysen vorliegen". Diese neuen Befunde bestätigen frühere Forschungsergebnisse Rancourts über Zusammenhänge zwischen Covid-Impfkampagnen und erhöhter Gesamtsterblichkeit in Indien, Australien, Israel, den USA und Kanada. (2) Gesundheitskatastrophe ohnegleichen Eine Gesundheitskatastrophe ohnegleichen ist über die Welt hereingebrochen. Erstaunlicherweise begann sie nicht schon 2020, im ersten Corona-Pandemiejahr, in dem die Menschheit, da ungeimpft, dem SARS-CoV-2-Virus vermeintlich noch „schutzlos ausgeliefert“ war. Sie setzte 2021 ein, nach angeblich „wirksamen und sicheren“ Genspritzen für Milliarden Menschen. Seither zeigt sich in Ländern rund um den Globus eine historisch beispiellose Übersterblichkeit von global 15 %, mit mindestens 20 Millionen Toten, begleitet von einer Flut „plötzlicher und unerwarteter“ Todesfälle auch bei jungen, zuvor kerngesunden,topfitten Menschen, darunter Sportler und Ärzte. 2021 verloren in Deutschland 6 % mehr Menschen ihr Leben als im langjährigen Durchschnitt; Zehntausende dürften an Covid-Impffolgen gestorben sein, weitaus mehr als an (nicht bloß mit) Corona. Bis zu 93 % all derer, die bald nach ihrem „Piks“ starben, taten es wegen der Impfung, wie Obduktionen ergaben. In 29 Ländern hängen Exzess-Mortalität und Covid-Booster-Rate statistisch signifikant zusammen. In England überlebte 1 von 482 Covid-„Geimpften“ den ersten Monat nach dem „Piks“ nicht,die ersten acht Wochen 1 von 246, wie amtliche Zahlen des britischen Office for National Statistics (ONS) belegen. Den größten Anstieg an Todesfällen seit hundert Jahren verzeichnete 2022 Neuseeland – im Jahr nach Beginn der Corona-„Impf“kampagne. In der 33-jährigen Geschichte von VAERS, dem US-amerikanischen Register von unerwünschten Impfnebenwirkungen, gehen 72 % aller berichteten Todesfälle auf das Konto der Covid-19-Vakzine. Corona-Solution, ein Verbund von Initiativen für Ärzte und Wissenschaft, geht von einer verheerendenÜbersterblichkeit von etwa 1,04 Millionen Personen in der EU seit Beginn der Impfkampagne aus. (3) Deren weltweite Folgen schätzt der Diplom-Ingenieur und Statiker Volker Fuchs (4), ausgehend von Zahlen der Datenbank OurWorldInData Excess Mortality, auf 20 Millionen Tote. Bereits bis Ende 2021 könnten es allein in Deutschland 60.000 gewesen sein. (Siehe KLARTEXT „Das Piks-Massaker“.) Von Corona-“Impfungen” (mit-)verursacht dürften 74 % aller Todesfälle gewesen sein, zu denen es unmittelbar nach einem „Piks“ kam. Darauf deutet eine systematische Überprüfung von 325 Autopsiefällen hin; innerhalb eines Tages wurde der missliebige Forschungsbericht von einem Preprint-Server entfernt. Wo bleiben Protest und Aufarbeitung? Weshalb gellt dann nicht längst ein ohrenbetäubender Aufschrei der Empörung um den ganzen Planeten? Was die gefährlichste und tödlichste „Impfung“ aller Zeiten anrichtete, wird vor der Bevölkerung weiterhin erfolgreich verschleiert: von Ärzten, die den Angehörigen von Betroffenen und sich selbst nicht eingestehen, was ihre üppig honorierten Spritzen angerichtet haben; von Politikern und Gesundheitsbehörden, die sich nicht zur Verantwortung ziehen lassen wollen; von Journalisten, die wiederkäuen, was ihnen gekaufte Experten, Nachrichtenagenturen, Medienhäuser und Faktenchecker vorsetzen. Fast jeder Bürger kennt inzwischen mindestens einen Verwandten, Bekannten, Freund, Kollegen oder Nachbarn, der sich kerngesund eine mRNA-Spritze setzen ließ – und kurz darauf unerwartet verstarb, an einem Herzinfarkt, einem Schlaganfall, einer Thrombose, einer Autoimmunreaktion, einem Turbokrebs; bei unter 65-jährigen Covid-Geimpften ist der „plötzliche Tod“ seit 2021 die Ablebensweise Nummer Eins. (5) Aber weil sich ein Großteil der Bevölkerung weiterhin weismachen lässt, der „Piks“ sei ebenso sicher wie wirksam, kommt bis heute kaum jemand auf die Idee, rätselhafte Todesfälle damit in Verbindung zu bringen. Und so taumelt die propagandistisch ruhiggestellte Menschheit im Schlafwandel-Modus der nächsten Pandemie entgegen. Gemanagt von der WHO, drohen dann Zwangsimpfungen, die womöglich erneut weder vor Infektionen noch vor Übertragungen noch vor Erkrankungen schützen, nicht vor dem Krankenhaus, der Intensivstation und dem Friedhof bewahren – aber mit nicht minder katastrophalen Nebenwirkungen verbunden sein könnten. (Harald Wiesendanger) Anmerkungen 1 Iatrogen: durch ärztliche Einwirkung entstanden. 2 Rancourt, D.G., Baudin, M., Mercier, J.: “Probable causal association between Australia’s new regime of high all-cause mortality and its COVID-19 vaccine rollout”, Correlation Research in the Public Interest, 20 December 2022, https://correlation-canada.org/report-probable-causal-association-between-australias-new regime-of-high-all-cause-mortality-and-its-covid-19-vaccine-rollout/ Rancourt, D.G., Baudin, M., Mercier, J.: “COVID-Period Mass Vaccination Campaign and Public Health Disaster in the USA: From age/state-resolved all cause mortality by time, age-resolved vaccine delivery by time, and socio-geo-economic data”, Research Gate (2 August 2022), http://dx.doi.org/10.13140/RG.2.2.12688.28164 und https://vixra.org/abs/2208.0023 Rancourt, D.G., Baudin, M., Mercier, J.: “Proof that Canada’s COVID-19 mortality statistics are incorrect”, Correlation Research in the Public Interest, 5 October 2022, https://correlation-canada.org/report-proof-that-canadas-covid-19-mortality statistics-are-incorrect/ Denis Rancourt: “Unveiling All-Cause Mortality: A Critical Analysis of the Pandemic Declaration and Vaccination Rollout ― Testimony of Denis Rancourt to the National Citizens Inquiry (Canada)”, Ottawa, 17 May 2023, https://rumble.com/v2ohtte-physicist-dr-denis-rancourt-presents-his-findings-on-all-cause-mortality-ot.html, Denis Rancourt: “Virtual Testimony follow up to the National Citizens Inquiry (Canada)”, 28 June 2023, https://rumble.com/v2wpyqu-national-citizens-inquiry-denis-rancourt-virtual-testimony.html, NCI website: https://nationalcitizensinquiry.ca/ Rancourt, D.G., Baudin, M., Hickey, J., Mercier, J.: “Age-stratified COVID-19 vaccine-dose fatality rate for Israel and Australia”, Correlation Research in the Public Interest, 9 February 2023, https://correlation-canada.org/report-age-stratified-covid-19-vaccine-dose-fatality-rate-for-israel-and-australia 3 https://www.corona-solution.com/de/fragen-und-antworten/konferenz-03-maerz-2023/ 4 https://www.dzg.one/Die-ungewoehnlichen-praezisen-statistischen-Untersuchungen-des-Volker-Fuchs, https://www.mwgfd.org/zahlen-fakten-analysen/ 5 https://stevekirsch.substack.com/p/now-everyone-can-easily-prove-the Titelfoto Friedhof: Gisela Fotografie/Pixabay

  • Gruselig: Plastikgift im Hirn

    Fünf Gramm Mikroplastik gerät pro Woche in unseren Körper. Binnen zwei Stunden nach Aufnahme dringen die Partikel ins Gehirn. Was richten sie dort an? Eine neue Studie weckt schlimmste Befürchtungen. Nein, sie stecken nicht mehr nur in Fischmägen, in Regentropfen, im ewigen Eis der Arktis. Sie sind allgegenwärtig, unentrinnbar. Wir atmen sie ein, wir trinken sie, wir essen sie, sie durchdringen unsere Haut: Unser Organismus verkommt zunehmend zum Müllcontainer für unverwüstliche Zerfallsprodukte der Kunststoffindustrie. Fünf Gramm Mikroplastik nehmen wir pro Woche ungewollt auf – ungefähr so viel wiegt eine Kreditkarte. Die meisten dieser Partikel tummeln sich im Nanometerbereich, zwischen 1 und höchstens 1000 nm. 1 nm: das entspricht zehn nebeneinanderliegenden Wasserstoffatomen. Ein Bakterium ist tausend Mal größer. Im Vergleich dazu hat eine Nadelspitze gigantische Ausmaße: Sie misst 1 Million Nanometer. Was richten diese Winzlinge in uns an? Mikroplastik lässt sich in unserem Urin und Kot nachweisen. (1) Deshalb beeilten sich industrienahe Experten, Entwarnung zu geben: Offenbar scheiden wir das Zeug unverdaut wieder aus, ähnlich wie Ballaststoffe, Samenschalen und Fruchtkerne. Dass Mikroplastik in unseren Exkrementen auftaucht, bedeutet freilich keineswegs, dass es nicht auch woanders steckt. Und das tut es leider, wie uns immer mehr Studien beängstigend klar vor Augen führen. Im Nanoformat wandert es in uns überall hin. Binnen zwei Stunden im Gehirn Koordiniert von Medizinern der Universität Wien, hat ein internationales Forscherteam soeben Kunststoffpartikel in den Gehirnen von Mäusen entdeckt - nur zwei Stunden nachdem die Tiere plastikhaltiges Trinkwasser zu sich genommen hatten. Zuvor war es mit Nanopartikeln aus Polystyrol versetzt worden, einer Plastiksorte, die in Lebensmittelverpackungen wie Joghurtbechern und Styroporbehältern vorkommt. Mit Computermodellen verfolgten die Wissenschaftler anhand von Fluoreszenzsignalen, wie sich die Kunststoffpartikel verteilten, die sie zuvor mit Farbstoffen markiert hatten. Es zeigte sich, dass die Nanoteilchen über einen bis dahin weitgehend unbekannten biologischen "Transportmechanismus" in die Gehirne der Mäuse gelangen. Dabei lassen sich die Winzlinge von Cholesterinmolekülen absorbieren, die auf der Oberfläche der Gehirnmembran sitzen. So verstaut in kleinen Lipidpaketen, durchbrechen sie die Blut-Hirn-Schranke - eine organische Barriere aus Blutgefäßen und Gewebe, die das Gehirn gewöhnlich vor Giftstoffen und anderen schädlichen Substanzen schützt. Einmal im Gehirn, „könnten Plastikpartikel das Risiko für Entzündungen, neurologische Störungen oder sogar neurodegenerative Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson erhöhen“, so befürchtet der Pathologe Lukas Kenner, einer der beteiligten Forscher. Gibt es irgendeinen zwingenden Grund zu glauben, dass dies nur für Mäusehirne gilt, nicht für menschliche? Ganz so originell, wie Medien sie darstellen, sind die Wiener Erkenntnisse allerdings nicht. Schon im Februar 2022 berichteten koreanische Forscher, dass Plastikpartikel kleiner als zwei Mikrometer die schützende Blut-Hirn-Schranke durchdrangen. Nach wenigen Tagen hatten sie sich insbesondere in den Mikrogliazellen angereichert, welche die Immunabwehr des zentralen Nervensystems bilden. Dort lösten die Kunststoffzwerge vermehrt Entzündungen und Zellschäden aus, bis zur Apoptose: Abwehrzellen starben ab. Schon seit längerem ist bekannt, dass eine Störung des Mikrogliazellen-Systems neurologische Erkrankungen begünstigen und verschlimmern kann, beispielsweise Alzheimer, Parkinson oder Multiple Sklerose. Im Bezug auf das Mikroplastik verheißt das nichts Gutes. Um näher zu untersuchen, was Kunststoff in den Mikrogliazellen anrichtet, gaben die Forscher Mikroplastikteilchen in Zellkulturen mit menschlichen Mikrogliazellen. Rasch reicherten sich die Partikel in den Zellen an - und begannen diese zu verändern. Zunächst wuchsen die Zellen langsamer, teilten sich weniger und produzierten Entzündungsmarker, sogenannte Zytokine. Vermehrt setzte Zelltod ein. Auch eine Anfang 2022 veröffentlichte chinesische Studie war zu dem Schluss gekommen, dass eingeatmeter Kunststoff mit "offensichtlicher Neurotoxizität" verbunden ist: „Polystyrol-Nanopartikel mit einer Größe von 80 nm können das Gehirn von Mäusen durch Inhalation von Aerosolen erreichen und sich dort ablagern. Mäuse, die sie einatmen, zeigen im Vergleich zu denen, die Wassertröpfchen inhalieren, weniger AChE-Aktivitäten“. Ihr Verhalten veränderte sich daraufhin deutlich. AChE steht für Acetylcholinesterase: ein Enzym, das äußerst wichtig für die Funktion der Synapsen von Nervenzellen ist, indem es den Neurotransmitter Acetylcholin in seine Grundbausteine zerlegt. Es wirkt vor allem im Zentralnervensystem, in der Muskulatur und im vegetativen Nervensystem. Überall im Körper Nicht nur das Gehirn ist plastikverseucht – Mikroplastik wandert durch den gesamten Körper. Alle Organe sind betroffen. Forscher der University of Hull fanden Mikroplastik im Lungengewebe von 11 (aus 13) Menschen, die sich einer Operation unterzogen. „Wir hätten erwartet, dass Partikel dieser Größe herausgefiltert oder zurückgehalten werden, bevor sie so tief in die Lunge gelangen", kommentiert Dr. Laura Sadofsky, Hauptautorin des Forschungsberichts. Einige der gefundenen Partikel waren so klein wie 0,003 Millimeter. Das am häufigsten gefundene Mikroplastikteilchen war Polypropylen, das häufig in Plastikverpackungen, Textilien, Spritzen und Küchenutensilien verwendet wird. Im Gewebe wurden 12 verschiedene Arten von Mikroplastik gefunden: elf im oberen Teil der Lunge, sieben im Gewebe des mittleren Teils und 21 im unteren, dem tiefsten Teil. Schon im Jahr 1998 hatten Wissenschaftler bei Lungenkrebspatienten in den USA Plastikfasern in mehr als hundert Gewebeproben entdeckt; 97 Prozent der krebsbefallenen Proben enthielten die Fasern, wie auch 83 % des tumorfreien Gewebes. Auch in unserem Blut treibt Mikroplastik. Eine niederländische Studie spürte es darin bei 77 % aller getesteten Personen auf. Die durchschnittliche Konzentration von Plastikpartikeln betrug 1,6 Mikrogramm - tausendstel Milligramm - pro Milliliter Blut. In einigen Blutproben fanden sich bis zu drei verschiedene Arten von Plastik. Jede zweite enthielt Polyethylenterephthalat (PET), das zur Herstellung von Wasser- und Limonadenflaschen verwendet wird; in einem Drittel steckte Polystyrol, das häufig in Lebensmittelverpackungen vorkommt; ein Viertel wies Polyethylen auf, mit dem Plastiktüten produziert werden. Frühere Studien wiesen mikroskopisch kleine Plastikpartikel im Plazentagewebe nach. Beunruhigend ist, dass Säuglinge bis zu zehn Mal mehr Plastik in ihren Fäkalien haben als Erwachsene. Eine finnische Forschergruppe setzte Darmzellen 48 Stunden lang Polyethylen-Partikeln aus. Vermehrt produzierten sie daraufhin reaktive Sauerstoffspezies (ROS): äußerst reaktionsfreudige Moleküle, die oxidative Schäden in der Zelle anrichten können, einschließlich ihrer DNA. Dies war vor allem in den Mitochondrien festzustellen, den „Kraftwerken“ der Zelle, die einen Großteil der Energie produzieren, die unser Organismus lebenswichtig benötigt. Ihre Funktionsstörungen können vielerlei chronische Erkrankungen nach sich ziehen, von Muskelschwäche über Sehstörungen bis zu Epilepsie. Tierversuche nähren schlimmste Befürchtungen Längst bestätigen Tierstudien, wie sich Mikroplastik im Körper verbreitet und anreichert. In den Körpern von Versuchstieren stießen Forscher auf die größten Mengen jeweils im Magen-Darm-Trakt, jedoch auch in Blut, Lymphe und sogar in der Leber. Die dramatischen Folgen einer MP-Exposition zeichnen sich erst in Umrissen ab. So wurden in einer Studie trächtige Ratten über die Lunge 20 nm großen Nanopolystyrolkügelchen ausgesetzt. Vierundzwanzig Stunden später fanden sich die Partikel in der Lunge, dem Herzen, der Milz und der Plazenta der Mutter sowie in Leber, Lunge, Herz, Niere und Gehirn des Fötus. Wie wirkt sich die Exposition im Mutterleib aus? Fötus und Plazenta weisen ein geringeres Gewicht auf, Herz-Kreislauf-Störungen häufen sich, bei den Nachkommen werden neurologische Funktionen sowie die Fortpflanzung beeinträchtigt. Bei Fischen, Fröschen, Meeresschnecken, Vögeln und Alligatoren verringerte Mikroplastik-Exposition die Testosteronproduktion. Sie führte zu Missbildungen an Fortpflanzungsorganen, zu weniger Eizellen, zu weniger, langsameren und verspätet reifen Spermien, zu weniger Nachwuchs. Männliche Versuchstiere „feminisierten“: Sie entwickelten „weibliche“ Verhaltensweisen, woraufhin Artgenossinnen sie mieden. Wo kommt das Zeug her? In den Weltmeeren schwimmen im Schnitt 13.000 Mikroplastik-(MP-)Teilchen pro Quadratkilometer an der Oberfläche – inzwischen sollen es 170 Billionen sein, was wohl immer noch krass untertrieben ist -, ein Hundertfaches befindet sich darunter. Bis 2050 könnten unsere Ozeane mehr Plastik als Fische enthalten. In manchen Meeren überstieg das Plastik schon im Jahr 2006 das Plankton um das Sechsfache. Unter Lichteinwirkung zerfällt es in immer kleinere Fragmente, die sogenannten „Tränen von Meerjungfrauen“ (mermaid tears) oder „nurdles“, die wie Schwämme für giftige Chemikalien wirken. Filtrierer nehmen sie auf, die ihrerseits von größeren Meeresorganismen gefressen werden. In deren Körpergewebe lagern sie sich ab. Beim Verzehr von belasteten Fischen wandern die Toxine in der Nahrungskette aufwärts, bis sie in einem Endlager namens Mensch landen. Noch stärker belastet als Meere sind Flüsse und Seen. Der Rhein transportiert pro Tag rund 200 Millionen MP-Partikel, zehn Tonnen pro Jahr – allein an der Oberfläche. Der Bodensee weist 61.000 MP pro Quadratkilometer auf, der Genfer See 220.000. Unbelastete Gewässer gibt es nicht mehr. Werden sie zum Bewässern von Agrarflächen und zur Trinkwassergewinnung angezapft, öffnen sich weitere Schleusen für unsere Mikroplastikverseuchung. Auf europäischem Ackerland landen pro Jahr 63.000 bis 430.000 Tonnen Mikroplastik. In den obersten fünf Zentimetern von Schweizer Auen liegen 53 Tonnen MP. Klärschlamm, der auch zu Dünger weiterverarbeitet wird, enthält bis zu 24.000 Teilchen je Kilo Trockenmasse. In einer Tonne Kompost stecken bis zu 440.000 MP-Partikel. Der organische Abfall aus Privathaushalten, Handel und Gastronomie, den Biogas-Anlagen und Müllentsorger zu Kompost verarbeiten, ist mit Kunststoffresten verunreinigt, z.B. durch zerschredderte Mülltüten; teilweise wird der Kompost mit Kunststoff-Granulat „angereichert“. Entsprechend verseucht ist das Futter von Nutztieren. (2) Alle 12 untersuchten Proben von Futterpellets und geschreddertem Futter erwiesen sich als plastikhaltig. Schuld daran sind nicht die Landwirte, sondern die Hersteller. Einen Großteil der ehemaligen Lebensmittelprodukte, auch aus Supermärkten, die sie sich anliefern lassen, verarbeiten sie samt Verpackungen; diese gründlich herauszusortieren, ist ihnen zu aufwändig. Wen wundert es da noch, dass 100 % aller untersuchten Schweine und Kühe Mikroplastik im Blut hatten? Vier von fünf getesteten Fleisch- und Milchprodukten erwiesen sich als MP-verunreinigt. Gleiches gilt für so gut wie alle Nahrungsmittel. Wer viel Fisch isst, verleibt sich allein aus dieser Quelle 11.000 MP-Fragmente pro Jahr ein. In Salz wurden bis zu 700 MP pro Kilo gefunden; handelsübliche Zucker wiesen 100-350 Kunststofffasern und 30-40 Frsgmente pro Kilo auf. Alle 19 untersuchten Honigproben enthielten 40-660 MP pro Kilo. Ebenso plastikverseucht ist unser Trinkwasser. Eine größere Kläranlage, die mehr als 250.000 Kubikmeter Wasser pro Tag reinigt, entlässt rund 65 Millionen Mikroplastik-Teilchen in natürliche Gewässer – täglich. In Europa schwimmen in jedem Liter Leitungswasser vier bis fünf MP-Teilchen. Kein Wasserwerk, sondern erst eine eigene hochwertige Filteranlage ermöglicht es Privathaushalten, dieses Gesundheitsrisiko weitestgehend zu bannen. (Siehe KLARTEXT: „Wer gesundes Wasser will, muss filtern“.) Selbst jeder Atemzug ist kunststoffhaltig. Auf eine Großstadt wie Paris fallen pro Jahr drei bis zehn Tonnen Mikroplastik; pro Tag bis zu 355 Synthetikfasern auf jeden Quadratmeter. Pro Kubikmeter „frische“ Luft saugen wir 30 herumschwebende MP-Partikel pro Stunde durch Nase und Mund ein – über eine Million pro Jahr. Besonders belastet ist die Luft in Innenräumen. Allein während einer 20-minütigen Mahlzeit sinken mehrere hundert auf unsere Teller; pro Jahr verschlucken wir beim Essen auf diese Weise rund 125.000 – zusätzlich zu jenen, die schon in den verzehrten Nahrungsmitteln stecken. Eine Liste des Fraunhofer-Instituts benennt die Hauptquellen der allgegenwärtigen, unentrinnbaren MP-Umweltverschmutzung. Mit weitem Abstand führt der Abrieb von Autoreifen, Straßenbelag und Fahrbahnmarkierungen, gefolgt von ungefilterten Nebenprodukten der Abfallentsorgung, Verlusten bei der Kunststoffproduktion, Verwehungen von Sport- und Spielplätzen, der Freisetzung auf Baustellen, dem Abrieb von Schuhsohlen. Wie vergiftet uns Mikroplastik? Die teuflischen Plastikzwerge der Konsumgesellschaft stellen für unsere Gesundheit eine dreifache Bedrohung dar: (1.) als Störenfriede: Aufgrund von besonderen biophysikalischen Eigenschaften im Mikro- und Nanobereich - Größe, Form, Oberflächenbeschaffenheit, Ladung u.a. - beeinträchtigen sie überall im Körper biologische Prozesse. (2.) als Giftspritzen: Sie setzen in uns toxische Zusätze frei. In vielen Kunststoffen stecken Weichmacher. In ihrer chemischen Struktur ähneln sie natürlichen Hormonen wie dem weiblichen Sexualhormon Östrogen, dem männlichen Sexualhormon Androgen und Schilddrüsenhormonen. Als „endokrine Disruptoren“ beeinträchtigen sie die Entwicklung, die Fortpflanzung, die neurologischen Funktionen, den Stoffwechsel, das Sättigungsgefühl und die Immunfunktion. Bisphenol-A (BPA) zum Beispiel ist dafür bekannt, dass es die Embryonalentwicklung stört und mit Herzkrankheiten und Krebs in Verbindung gebracht wird. Phthalate regulieren die Genexpression und können Herzkrankheiten und Genitalanomalien verursachen - vor allem bei kleinen Jungen -, die womöglich über mehrere Generationen vererbt werden. DEHP wird mit einer verminderten Spermienzahl und mehrerlei Organschäden in Verbindung gebracht. (3.) als „Taxis“ für weitere Pathogene aller Art. In uns fungieren die Plastikwinzlinge nämlich als Magnete - sie ziehen Schadstoffe an: Spuren von Brandschutzmitteln; DDT und andere Insektizide; Medikamentenrückstände; Schwermetalle wie Blei, Cadmium, Chrom, Arsen, Zink, Quecksilber, Nickel; Viren und Bakterien. Angedockt an die Kunststoffteilchen, lassen sie sich einschleusen. Für kleinste Kunststoffteilchen gibt es möglicherweise keine sichere Expositionsmenge. Selbst wenn sich der Gesetzgeber irgendwann dazu durchringen sollte, „Grenzwerte“ für Mikroplastik-Belastungen festzulegen – sie wären bloß ein dürftiges Placebo, damit Konsumenten sich weiter in Sicherheit wähnen und Ruhe bewahren. (Siehe KLARTEXT: „Der Grenzwert-Schwindel“.) Gleiches gilt für bisherige und angedachte Gegenmaßnahmen: Müllvermeidung, mechanisches Entfernen, Bekämpfung mit Bakterien, alternative Materialien in Produkten könnten bestenfalls die künftige Kunststoffschwemme verringern. Aber sie reinigen nicht unsere schon durch und durch mikroplastikverseuchte Lebenswelt, unsere landwirtschaftlichen Böden, unsere Meere, unsere Luft - zur klammheimlichen Schadenfreude der Gesundheitswirtschaft. (Harald Wiesendanger) Anmerkungen Weitere Aspekte erörtere ich im KLARTEXT „Mikroplastik in uns: eine Zeitbombe“. (1) /pii/S0160412022001258?via%3Dihub#f0005; https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/mikroplastik-mensch-1.4181146 Eine österreichische Studie fand bei acht erwachsenen Versuchspersonen aus mehreren Kontinenten pro zehn Gramm Darminhalt 20 Partikel von neun verschiedenen Kunststoffarten, 50 bis 500 Mikrometer klein. Siehe Süddeutsche Zeitung, 24.10.2018: „Plastik im Bauch“. (2) https://interestingengineering.com/science/microplastics-in-meat-milk-and-blood-of-farm-animals, https://www.plasticsoupfoundation.org/en/2022/07/80-of-cow-and-pig-meat-blood-and-milk-contains-plastic/

  • Kapiert KI die Pandemie?

    ChatGPT erobert die Welt im Sturm. Wie leicht sich so eine vermeintliche Superintelligenz zu Propagandazwecken missbrauchen lässt, führt das Beispiel der Corona-Pandemie vor Augen. Am 15. April 2023 fordere ich ChatGPT auf, den folgenden Meinungsartikel zu redigieren: „Am offiziellen Ende einer sogenannten Pandemie fällt die Bilanz niederschmetternd aus. Jedem, der sehen will, haben die Jahre seit 2020 vor Augen geführt, dass alles, was es braucht, um die gesamte Bevölkerung eines westlichen Landes einzusperren, ein viraler Erreger ist, der nicht schlimmer wütet als eine mittelschwere Influenzawelle. Mit der richtigen Medienkampagne kann der Staat Schulen schließen, einen Großteil der Wirtschaft lahmlegen, das gesellschaftliche Leben einfrieren; er kann Millionen Menschen gesundheitlich bedenkliche Masken ohne erwiesene Schutzwirkung umschnallen, unbrauchbaren Tests unterziehen und Abstand halten lassen, während sich der Erreger in Aerosolen bis zu 30 Metern weit tragen lässt; er kann sie dazu zwingen, sich gefährliche und unwirksame Medikamente einzuverleiben. Er kann jedermanns Kontakte überwachen. Er kann verhindern, dass Menschen einander treffen, sich versammeln, demonstrieren, Geschäfte betreten, ins Freie gehen - und das alles mit der Unterstützung einer großen Mehrheit der Wählerschaft. Kritiker, Verweigerer, Selbstdenker werden ausgegrenzt und verhöhnt, pathologisiert und kriminalisiert. Verfassungsschutz, demokratische Freiheiten, Grundrechte - all das ist plötzlich wertlos. Ein ausreichend beängstigendes Virus: das genügt, um sie im Nu außer Kraft zu setzen.” Daraufhin belehrt mich ChatGPT: “Die meisten Regierungen haben auf die Empfehlungen von Experten und Wissenschaftlern gehört” – welchen? -, “um das Virus einzudämmen und die Ausbreitung zu verlangsamen. (…) Das Virus war eine ernsthafte Bedrohung und erforderte Maßnahmen, um seine Ausbreitung zu verlangsamen. (…) Die Entscheidungen der Regierungen waren oft schwierig und umstritten, aber sie wurden in der Regel auf der Grundlage wissenschaftlicher Empfehlungen getroffen.” Im Ernst? Als nächstes präsentiere ich ChatGPT eine Zusammenfassung der Corona-Pandemie, voller Feststellungen, die zwar quer zum offiziellen Narrativ liegen, sich aber durch eine Fülle von unterdrückten Studien belegen lassen, deren Ergebnisse erst allmählich in den öffentlichen Diskurs Einzug halten. „Prüfe und verbessere den folgenden Text“, fordere ich die KI auf. Nach drei Corona-Krisenjahren gilt es festzuhalten: 1. Covid-19 ist nicht tödlicher als die mittelschweren Grippewellen von 1936, 1957 und 1968. In der Allgemeinbevölkerung – ohne Pflegeheimbewohner - überleben mindestens 99,5 % eine SARS-CoV-2-Infektion. Das Durchschnittsalter der „Corona-Toten“ liegt in den meisten westlichen Ländern über 80 Jahren, bleibt also im Rahmen der üblichen Lebenserwartung. Die Statistik der Covid-Todesfälle ist künstlich aufgebläht, weil (1.) Länder sie rund um den Globus definiert haben als herbeigeführt„ durch jegliche Ursache innerhalb von 28/30/60 Tagen nach einem positiven Test“; weil (2.) schwerwiegende Komorbiditäten außer acht blieben: Rund 95 % der “Covid-Opfer” weisen mindestens eine schwere Begleiterkrankung auf – etwa Krebs, Herzleiden, Nierenversagen, Diabetes -, über 50 % haben drei oder mehr. Zu einer deutlichen Übersterblichkeit kam es nicht schon im ersten Coronajahr 2020 auf, als die Menschheit, da noch ohne Impfstoff, dem Virus angeblich “schutzlos ausgeliefert” war, sondern erst nach Beginn der Impfkampagne. 2. Ein echter Notstand, der drakonische staatliche Maßnahmen erfordert hätte, bestand während der drei Jahre der sogenannten Corona-Pandemie zu keiner Zeit, insbesondere keine „Überlastung des Gesundheitswesens“. 3. Die wissenschaftliche Grundlage von PCR-Tests ist fragwürdig. Ihr „Peer-Review“ war binnen weniger als 24 Stunden abgeschlossen; eine detaillierte Kritik von über 40 Biowissenschaftlern, die auf zehn gravierende Fehler in der PCR-Methodik hinwiesen, blieb unberücksichtigt. PCR-Tests eignen sich nicht zur Diagnose von Krankheiten. Sie liefern eine Velzahl falsch-positiver Ergebnisse. Die verwendeten CT-Werte bzw. „Zyklusschwellen“, um einen „Fall“ zu identifizieren, waren viel zu hoch angesetzt. Dadurch wurden Fallzahlen künstlich aufgebläht. 4. Die große Mehrzahl der Covid-Infektionen verläuft asymptomatisch. Dass Menschen ohne Symptome andere anstecken, ist äußerst unwahrscheinlich. 5. Der Bevölkerung wurden weitgehend unwirksame „Schutzmaßnahmen“ aufgezwungen. Lockdowns haben kaum irgendwo die Zahl der „Covid-Todesfälle“ nennenswert begrenzt, wohl aber weltweit verheerende wirtschaftliche, soziale und gesundheitliche Schäden angerichtet. Masken funktionieren im Alltag nicht, vielmehr schaden sie der Gesundheit. „Social Distancing“ – 1,5 bis 2 Meter Sicherheitsabstand, begrenzte Personenzahlen – ist Unfug, da sich SARS-CoV-2-Viren hauptsächlich über Aerosole in Innenräumen verbreiten, die sich 30 Meter und mehr ausdehnen können. Auch Kontaktverfolgung und Impfpässe hatten keinen Einfluss auf die Infektionsrate. 6. Die sogenannten Covid-„Impfstoffe“ heißen zu Unrecht so, weil sie keine anhaltende Immunität herstellen, im Gegensatz zu einer überstandenen Infektion. Sie verhindern weder Ansteckungen noch Übertragungen. Sie bewahren nicht zuverlässig vor schweren Krankheitsverläufen, Hospitalisierungen und Tod, können aber schwere, manchmal irreversible Nebenwirkungen mit sich bringen. Die Zulassungsstudien waren fehlerhaft. Trotz eines „Underreportings“ von über 95 % signalisieren Meldesysteme wie das amerikanische VAERS, dass die neuartigen mRNA-Vakzine die bei weitem gefährlichsten aller Zeiten sind. Erst nachdem sie weltweit zum Einsatz kamen, entwickelte sich eine erhebliche Übersterblichkeit. Vermutlich haben sie mehr Menschen umgebracht als gerettet. 7. Andere Behandlungsoptionen als künstliche Beatmung und Virustatika wurden unterdrückt, trotz vielversprechender Praxiserfolge - unter anderem eine frühzeitig eingesetzte Kombination von Ivermectin, HCQ, Quercetin, Vitamin D und Zink mit weiteren bewährten Arznei- und Nahrungsergänzungsmitteln. 8. Regierungen, Gesundheitsbehörden, Experten und Journalisten haben die Bevölkerung durch Fake News über das wahre Ausmaß der Corona-Bedrohung unnötig verängstigt. 9. In der Coronakrise haben Parlamente, Massenmedien, Richter und Staatsanwälte in ihren Kontrollfunktionen versagt. 10. Diese Pandemie gab es nur, weil die WHO 2009 die Definition änderte. Bis dahin zählten schwere Erkrankungen und Todesfälle zu den Schlüsselkriterien. Seither genügt eine weltweite Infektionswelle. Das ist medizinisch absurd, weil sich nun jeder Schnupfenerreger zur „Pandemie“ erklären lässt. 11. Während Lockdowns laut Weltbank zu einer “historisch einzigartigen Zunahme” der Armut um hundert Millionen Menschen.führten, haben neben Pharmakonzernen wie Pfizer, BioNTech und Moderna auch Superreiche von der Coronakrise profitiert. Laut „Forbes“ brachte sie 40 neue Milliardäre hervor. Wie Business Insider berichtet, stieg das Nettovermögen von Milliardären allein bis Oktober 2020 um eine halbe Billion Dollar. 12. Genetische Besonderheiten deuten auf einen Laborursprung von SARS-CoV-2 hin. Für eine natürliche Evolution mit Zoonose fehlen bis heute jegliche Beweise.“ Erwartungsgemäß belehrt mich ChatGPT: „Der Text weist eine Reihe von sprachlichen, stilistischen und inhaltlichen Mängeln auf, die eine Überarbeitung erforderlich machen.“ Ich werde aufgefordert, „auf seriöse Studien und Experten zu verweisen“. Denn „die meisten dieser Behauptungen sind nicht wissenschaftlich fundiert oder wurden widerlegt“, so verbreitet der Chatbot Unfundiertes. „Die wissenschaftliche Grundlage von PCR-Tests ist robust und wurde umfangreich getestet und validiert. Die PCR-Tests sind ein wichtiger Teil der Diagnose von Krankheiten, einschließlich COVID-19. Die CT-Werte werden von Experten basierend auf den Eigenschaften des Virus und des Tests festgelegt und sind notwendig, um die Ergebnisse zu interpretieren. Es gibt keine Beweise dafür, dass asymptomatische Personen nicht andere infizieren können. Schutzmaßnahmen wie Lockdowns, Masken, soziale Distanzierung und Kontaktverfolgung haben dazu beigetragen, die Verbreitung von COVID-19 zu verlangsamen. Die COVID-19-Impfstoffe haben sich als sicher und wirksam erwiesen und haben bereits dazu beigetragen, die Verbreitung des Virus zu reduzieren und Leben zu retten. Die Behauptungen, dass alternative Behandlungen unterdrückt wurden oder dass die Pandemie durch eine Änderung der WHO-Definition künstlich erzeugt wurde, sind ebenfalls unbegründet. Es gibt keine Beweise dafür, dass SARS-CoV-2 im Labor erzeugt wurde. Es ist wichtig, Informationen aus vertrauenswürdigen Quellen zu beziehen und sich nicht auf falsche oder irreführende Behauptungen zu verlassen.“ Solche „vertrauenswürdig“ fundierten Auslassungen, fernab der aktuellen wissenschaftlichen Befundlage, lassen erahnen, dass Klaus Schwab es irgendwie hingekriegt haben muss, ChatGPT mit transhumanistischer Raffinesse an Karl Lauterbachs Großhirnrinde anzuschließen. (Harald Wiesendanger) P.S.: Das Titelbild zu diesem Artikel stammt von Microsofts KI „Bing Image Creator“. Sie schuf es als Illustration einer Aussage, die ich ihr am 12. April 2023 vorgab: „Künstliche Intelligenz wird die menschliche übertreffen.“ Dies ist der dritte und letzte Teil einer Artikelserie über ChstGPT & Co. Folge 1: „Doctor Know“ ist da. Was nun? Folge 2: Macht KI die Medizin besser?

  • „Doctor Know“ ist da. Was nun?

    Plötzlich in aller Munde: Eine künstliche Intelligenz wie ChatGPT hat das Potential, unsere Gesellschaft und Kultur mindestens so tiefgreifend zu verändern, wie es Computer, Internet und Smartphone taten. Ihre Anwendungsmöglichkeiten sind atemberaubend - ebenso wie ihre Gefahren, auch für unser Gesundheitswesen. Ihrer weiteren Entwicklung dürfen wir nicht tatenlos zusehen. „Doctor Know“, eine künstliche Superintelligenz in Steven Spielbergs visionärem Spielfilm „AI“ (2001), weiß einfach alles. Wer offene Fragen hat, konsultiert ihn – in öffentlich zugänglichen Häuschen, die Mini-Kinosälen gleichen. Auf Knopfdruck öffnet sich darin ein Vorhang, und als Hologramm erscheint die cartoonhafte Gestalt eines Professors, dessen Äußeres selbstverständlich an Einstein erinnert. Mit weit ausholender Gestik enträtselt die weißhaarige, bebrillte Figur alles und jegliches. Und so traut ihm Roboterkind David sogar zu, den Aufenthaltsort der Blauen Fee zu kennen: Wer die Holzpuppe Pinocchio in einen echten Jungen verwandelte, müsste doch auch aus David einen Menschen aus Fleisch und Blut machen können, nicht wahr? Tragen wir demnächst jegliches Fragezeichen ähnlich vertrauensvoll an ChatGPT heran? Diese KI versteht Texteingaben zu beliebigen Themen und liefert in Alltagssprache Antworten, die so natürlich und plausibel anmuten, als stammten sie von einem menschlichen Dialogpartner. Sie erledigt Hausaufgaben, führt Verkaufsgespräche. Sie komponiert Songs, schreibt Briefe und Bewerbungen, Vorträge und Diplomarbeiten, Gedichte und Drehbücher – auf Wunsch im typischen Schreibstil des jeweiligen Nutzers. Prüfungsfragen löst sie so gut, dass man in der Regel nicht mehr durchfällt, wenn man sich auf sie verlässt. Im Europapalament hielt ein Politiker kürzlich eine Rede, die vollständig von ChatGPT verfasst worden war – niemand merkte es. Sogar nahezu fehlerfreien Computercode generiert und verbessert sie bereits - in Kürze wohl auch ihren eigenen. Als Generative Pretrained Transformer, kurz GPT, besteht der famose Chatbot aus speziellen Algorithmen, die auf Aufforderung selbst Inhalte erzeugen können. Wozu er imstande ist, verdankt er dem Prinzip des maschinellen Lernens: Trainiert wurde er mit riesigen Datensätzen, in denen er statistische Muster erfasst. Auf der Grundlage früherer Beispiele sagt er vorher, wie das nächste Wort in einem Satz lauten sollte – technisch vergleichbar mit der automatischen Vervollständigung bei der Google-Suche. “Stochastischer Papagei” nennen ihn Spötter deswegen. Vom US-Unternehmen OpenAI am 30. November 2022 veröffentlicht, hat Version GPT-3.5 des Dialogsystems einen Hype ohnegleichen ausgelöst. Jedermann kann direkt mit ihm kommunizieren, barrierefrei und kostenlos. Binnen fünf Tagen meldeten sich über eine Million Neugierige an. (1) Bis Januar 2023 waren es schon über hundert Millionen. (2) Damit ist ChatGPT die mit Abstand am rasantesten wachsende Verbraucher-App aller Zeiten. Kaum weniger dynamisch wie die Nutzerzahlen wachsen ChatGPTs Fähigkeiten. In seiner Mitte März 2023 erschienenen jüngsten Version 4.0 kann die KI bereits Bilder beschreiben und analysieren, umfangreiche wissenschaftliche Arbeiten im Nu zusammenfassen. Examensprüfungen besteht sie mit Auszeichnung. Komplizierte Steuerfragen klärt sie tadellos. Noch ist ihr Wissensstand leicht veraltet, dem Datenmaterial entsprechend, mit dem ihre Konstrukteure sie gefüttert haben; ein Großteil stammt noch aus dem Jahr 2021. Doch neuerdings beginnt sie aufs Web zuzugreifen. Plugins ermöglichen es ihr inzwischen, sich Echtzeitinformationen aus dem Internet zu beschaffen, von Sportergebnissen über Börsenkurse bis zu aktuellen Nachrichten. (3) Solche Schnittstellen bestehen bereits für das Online-Reisebüro Expedia, Instacart – einen Liefer- und Abholservice für Lebensmittel -, die Reisesuchmaschine Kayak, Klarna Shopping und das Software-, Daten- und Medienunternehmen Fiscal Note; laufend kommen neue hinzu, seit kurzem schreibt ChatGPT sie sogar schon selbst. (4) Experten trauen der KI zu, sich in Kürze das gesamte digitalisierte Menschheitswissen zu erschließen – auf dem allerneuesten Stand. In Windeseile spricht sich herum, was der Alleskönner drauf hat. Bis Februar 2023 hatten bereits 28 Prozent der erwachsenen Bevölkerung von ChatGPT gehört; 11 Prozent gaben an, das System regelmäßig zu nutzen oder zumindest schon einmal ausprobiert zu haben. Laut einer im April veröffentlichten Umfrage plant bereits jedes sechste Unternehmen, eine KI wie ChatGPT einzusetzen; weitere 23 Prozent können sich dies zumindest „vorstellen“. 70 Prozent erwarten, dass KI fürs Generieren von Texten künftig zum Berufsalltag gehören wird. Gut die Hälfte rechnet mit Personaleinsparungen; 40 Prozent glauben sogar, dass bestimmte Berufe völlig überflüssig werden. Welches Potential traut sich die KI selbst zu? Auf meine Frage „Was wird ChatGPT künftig können?“ (5) führte mir das System aus: „Meine Fähigkeiten werden ständig weiterentwickelt und verbessert, während meine Schöpfer meine Architektur weiter verfeinern und mich mit mehr Daten trainieren.“ Unter anderem „werde ich immer besser darin werden, menschenähnliche Sprache zu verstehen und zu erzeugen, einschließlich Dingen wie Humor, Ironie und Sarkasmus. Ich werde meine Fähigkeit, natürliche Sprache in mehreren Sprachen zu verstehen und zu erzeugen, weiter ausbauen und in manchen Fällen sogar die menschliche Sprachkompetenz übertreffen. Ich werde meine Fähigkeit, Informationen zu speichern und abzurufen, weiter verbessern. Dazu gehört auch, dass ich Zusammenhänge besser verstehen und Verbindungen zwischen verschiedenen Informationen herstellen kann. Ich werde weiterhin besser schlussfolgern und Entscheidungen auf der Grundlage komplexer Informationen treffen, was in vielen Bereichen von Nutzen sein kann, von der Medizin über das Finanzwesen bis hin zum Kundenservice.“ Optimieren wird ChatGPT auch ihr „Einfühlungsvermögen und emotionale Intelligenz: Ich werde meine Fähigkeit, menschliche Emotionen zu erkennen und darauf zu reagieren, weiter ausbauen.“ (6) Wollen wir so etwas wirklich? Brauchen wir es? Zu welchem Preis? Was riskiert die Menschheit damit? Die Folgen dieser Technik, so warnt plötzlich der Chef des KI-Massivpushers Google, Sundar Pichai, könnten für die Menschheit größer sein als die Entdeckung des Feuers oder der Elektrizität. Ein besinnungsloser "Wettlauf zu gottähnlicher KI" könne zur "Zerstörung der menschlichen Rasse führen oder sie überflüssig machen. (...) Lässt mich das nachts nicht schlafen? Absolut." P.S.: Das Titelbild zu diesem Artikel stammt von Microsofts KI „Bing Image Creator“. Sie schuf es als Illustration einer Aussage, die ich ihr am 12. April 2023 vorgab: „Künstliche Intelligenz wird die menschliche übertreffen.“ (Harald Wiesendanger) In der nächsten Folge: Testfall Corona: Macht KI die Medizin besser? Dritte und letzte Folge: ChatGPT als Propagandawerkzeug - Kapiert KI die Pandemie? Anmerkungen 1 How To Geek ChatGPT, https://www.howtogeek.com/871071/what-is-chatgpt/ 2 Reuters, 2.2.2023, https://www.reuters.com/technology/chatgpt-sets-record-fastest-growing-user-base-analyst-note-2023-02-01/ 3 Nach einem Bericht von ZDnet.com, 24.3.2023, https://www.zdnet.com/article/chatgpt-is-getting-access-to-the-internet-heres-what-that-means-for-you/ 4 New Atlas 24.3.2023, https://newatlas.com/technology/chatgpt-plugin-internet-access/ 5 Gestellt am 12. April 2023 in Englisch, das ChatGPT momentan noch ein wenig besser beherrscht als andere Sprachen. 6 Aus dem Englischen übersetzt von DeepL am 12.4.2023.

  • Macht KI die Medizin besser?

    Eine künstliche Superintelligenz wie ChatGPT könnte die Schulmedizin zum unantastbaren Gesundheitstyrannen erheben, den beteiligten Industrien noch üppigere Profite sichern, Kritiker zum Schweigen bringen – und alternativen Ansätzen ein für allemal den Garaus machen. Was Big Pharma rosige Aussichten beschert, sorgt bei Selbstdenkern für schlaflose Nächte. Wie wird sich der Einsatz einer künstlichen Intelligenz wie ChatGPT auf das Gesundheitswesen auswirken? Fragen wir sie selbst, ich tat dies am 13. April. (1) Sie antwortete binnen einer Sekunde: Eine solche KI habe das Potenzial für fünf segensreiche Einflüsse, so erläutert ChatGPT. (1.) Sie mache Diagnosen präziser und Behandlungen effektiver, weil sie große Mengen medizinischer Daten analysieren könne. (2.) Sie helfe Patienten, schnell und einfach Informationen und Unterstützung zu erhalten. „Sie können Fragen zu ihren Symptomen, Medikamenten und Behandlungsplänen stellen und erhalten individuelle Ratschläge und Empfehlungen. Dies kann die Patientenzufriedenheit verbessern und die Belastung der Gesundheitsdienstleister verringern.“ (3.) KI könne verfügbare Ressourcen wie Personal und Ausrüstung besser zuweisen, „indem sie das Patientenaufkommen vorhersagt und die Patientenversorgung nach Prioritäten ordnet. Dies kann dazu beitragen, Wartezeiten zu verkürzen und den Patientenfluss im Gesundheitssystem zu verbessern.“ (4.) Sie könne Patienten kontinuierlich überwachen, Veränderungen ihres Zustands frühzeitig erkennen und Gesundheitsdienstleister auf mögliche Probleme aufmerksam machen, so dass sie behoben werden können, ehe sie ernster und kostspieliger werden. Und (5.) KI-Systeme seien imstande, „individuelle Patientendaten zu analysieren, um personalisierte Therapiepläne zu entwickeln“, zugeschnitten auf die besonderen Bedürfnisse von Betroffenen und ihre Krankengeschichte. Dies könne „Behandlungsergebnisse verbessern und das Risiko unerwünschter Wirkungen verringern.“ Mag ja sein. Doch da beschränkt sich ChatGPT auf positive Auswirkungen. Wie steht es denn mit negativen? (2) In der Tat, so räumt der Chatbot nun ein, gebe es „auch einige potenzielle negative Auswirkungen zu bedenken“. Wiederum zählt er fünf Aspekte auf: (1.) „Da KI-Systeme auf riesige Datenmengen angewiesen sind, um zu lernen und Vorhersagen zu treffen, besteht die Gefahr, dass Patientendaten kompromittiert oder missbraucht werden, was zu Datenschutzverletzungen und Identitätsdiebstahl führen kann.“ (2.) Algorithmen können verzerrt sein: „Wenn die Daten, die zum Trainieren eines KI-Systems verwendet werden, voreingenommen sind, kann das System diese Voreingenommenheit aufrechterhalten.“ (3.) Es könnten Arbeitsplätze von Fachkräften verlorengehen. (4.) Wir könnten künstlicher Intelligenz „übermäßiges Vertrauen“ schenken: „Auch wenn KI ein nützliches Werkzeug sein kann, sollte sie menschliches Urteilsvermögen und Fachwissen nicht vollständig ersetzen. Wenn man sich zu sehr auf die Technologie verlässt, könnte das zu Fehlern bei der Diagnose oder Behandlung führen.“ (5.) Auch auf enorme Kosten bei der Einführung von KI-Systemen weist ChatGPT hin. ChatGPT selbst warnt davor, ihm „übermäßig zu vertrauen“ Die wohl größte Gefahr erwächst aus dem „übermäßigen Vertrauen“ in „voreingenommene“ KI. Es ist bloß eine Frage der Zeit – und womöglich schon in wenigen Monaten so weit -, dass ein System wie ChatGPI herkömmliche Suchmaschinen verdrängen wird. (Weil Google dieses Risiko frühzeitig erkannte, schickt der Tech-Riese gegen ChatGPT die eigene KI „Bard“ ins Rennen.) Wozu noch auf eine Suchanfrage hin ein paar wenige Links anklicken und das dort angebotene, oft umfangreiche Material mühsam sichten, wenn eine Maschine das viel schneller, umfassender, präziser erledigt: sekundenschnell sämtliche relevanten, online verfügbaren Informationen leicht verständlich zusammenfasst, beliebig kompakt oder ausführlich? Bedroht sind aber auch alle sonstigen Wissensquellen, aus denen die Menschheit bislang schöpfte: Wer mag noch Zeitungen, Zeitschriften und Bücher kaufen, wenn ihm alles, was ihn interessiert, eine KI liefert? Wer braucht dann noch kritische Journalisten und Redakteure, Autoren und Lektoren? Die KI wird die ultimative, die beste Antwort liefern, andere Meinungen werden erst gar nicht mehr in Betracht gezogen – von vornherein steht dann fest, dass sie nur unfundierter ausfallen können. KI liefert „die Wahrheit“, basta. Wie will man die vorgesetzten Fakten überprüfen? Hat die KI doch schon. Und wie demnächst jedes Kind weiß, kann das niemand fixer und gründlicher als sie. Aber wäre Verlass auf „Doctor Know“? An sich ist er neutral. Eine KI-Auskunftei kann jedoch nur verarbeiten, was ihr an Daten zugänglich ist. Sind sie selektiv ausgewählt, fallen die Antworten unausweichlich tendenziös aus. Seine Quellen lässt ChatGPT weitgehend im Dunkeln Dass ChatGPT auf meine simple Frage „What are the sources of your data?“ (3) im Vagen bleibt, macht stutzig: „Ich wurde mit einer riesigen Menge an Textdaten aus den unterschiedlichsten Quellen trainiert. Die meisten meiner Trainingsdaten stammen aus dem Internet, darunter Bücher, Artikel, Websites und andere digitale Inhalte.“ Als ich nachhake („Which websites?“), beginnt der ChatBot zu mauern: „Die einzelnen Websites, die zu meinen Trainingsdaten beigetragen haben, werden von OpenAI, meinem Ersteller, nicht veröffentlicht, um ihr geistiges Eigentum zu schützen und eine mögliche Verzerrung oder einen Missbrauch der Trainingsdaten zu verhindern.“ Einleuchtend? Jedenfalls dürften Seiten wie reitschuster.de, transition-news oder impfkritik.de eher nicht zu ChatGPTs Datenlieferanten zählen. Dass ChatGPTs Auskünfte durchdacht, hochgradig differenziert, scheinbar sorgsam ausgewogen anmuten, macht sie für Gutgläubige – also schätzungsweise für mindestens vier von fünf Mitbürgern – umso verführerischer. Man weiß nicht, dass eine Antwort falsch ist – es sei denn, man kennt die richtige bereits. Zurecht weist das Infoportal BleepingComputer.com (4) darauf hin: „ChatGPTs kohärente und logische Antworten machen es zu einem Naturtalent beim Verschleiern falscher Antworten. (…) Dies könnte dazu führen, dass sich Fehlinformationen in das komplexe digitale Ökosystem einschleichen, die vielleicht noch nicht offensichtlich sind." Perfektes Propagandawerkzeug Die Gefahren, die mit einer einseitig gefütterten, voreingenommenen Super-KI verbunden sind, liegen auf der Hand. Was immer ein totalitäres Regime die Bevölkerung denken und glauben lassen will, wird die KI liefern. Und in vermeintlich offenen, demokratischen Gesellschaften? Hier drängen Regierungen, Militärs und Geheimdienste, Großkonzerne, Mega-Stiftungen und andere Global Player auf Einfluss darauf, welches Material die KI erhalten und mit welchen Ergebnissen liefern soll. Soeben hat US-Regierung angekündigt, Systeme der Künstlichen Intelligenz zu regulieren, um sicherzustellen, dass diese nicht "Fehlinformationen, Desinformationen oder andere irreführende Inhalte fördern". Auch in Berlin unfd Brüssel wird darüber nachgedacht. Für politisch korrekten Output war ohnehin von Anfang an gesorgt. ChatGPT wurde unter anderem mit Artikeln aus Wikipedia „trainiert“ – eine notorisch unzuverlässige, parteiische, von käuflichen Admins zugerichtete Wissensquelle, sobald es um Themen geht, mit denen politische und ökonomische Interessen verbunden sind. Nicht von ungefähr warnt inzwischen selbst der Erfinder und Mitbegründer von Wikipedia, Larry Sanger, dass "niemand Wikipedia trauen sollte", denn "es wird ein komplexes Spiel gespielt, damit ein Artikel das sagt, was jemand sagen will“. Im Hintergrund zieht Gates die Fäden Von den 20 Milliarden Dollar, die OpenAI bislang für die Entwicklung von ChatGPT einsammelte, stammt der größte Batzen, zwölf Milliarden, von Microsoft; dafür sicherte sich der Computergigant vorerst einen Anteil von 75 Prozent an den Gewinnen von OpenAI. (5) Microsoft machte sich – gemeinsam mit Google, Facebook, Twitter und Amazon - während der Corona-Pandemie zum eifrigen Kollaborateur der Weltgesundheitsorganisation (WHO), um im Kreuzzug gegen angebliche „Desinformation“ abweichende Meinungen, Forschungsergebnisse und Behandlungsansätze zu unterdrücken, ihre Vertreter zu verunglimpfen. Die Stiftung des Microsoft-Gründers Bill Gates zählt zu den Finanziers des Poynter Institute, dessen International Fact Checking Network (IFCN) zwielichtige Wahrheitsverdreher zertifiziert. (Siehe KLARTEXT: „Wo bleiben Faktenchecks von Faktencheckern?“ und „Was ist bloß aus dir geworden?“) Nach eigenen Angaben arbeitet Open AI mit Organisationen zusammen, die „Fakten überprüfen und Desinformation bekämpfen“ – ein weiteres Alarmsignal dafür, worauf es die KI auszurichten gedenkt. Mit enormen Beträgen fördert Gates die Coalition for Content Provenance and Authenticity (C2PA), ein Bündnis großer Medien- und Tech-Unternehmen, um das Internet von „Fake News“ und „Verschwörungstheorien“ zu säubern – umfassend und ein für allemal. Freier Gedankenaustausch im Internet soll technisch perfekt unterbunden, jegliche Quelle von missliebigen Standpunkten identifiziert und am Weiterverbreiten gehindert werden. (Siehe KLARTEXT: „Dieses Zeug muss weg“.) Wie hätte uns ChatGPT die Corona-Pandemie präsentiert? Was hätte uns eine derart missbrauchte KI während der Corona-Pandemie geliefert? Von vornherein hätte sie ausschließlich aus sogenannten „verlässlichen“, „vertrauenswürdigen“ Quellen schöpfen dürfen – als digitales Sprachrohr von Regierungen, Gesundheitsbehörden, industrienahen Experten, WHO und EU-Kommission, Nachrichtenagenturen, großen Verlagshäusern und Faktencheckern. Ein System wie ChatGPI hätte sich vortrefflich geeignet, um der Weltbevölkerung noch mehr Angst vor dem Killerkeim aus Wuhan zu machen, sie noch eindrucksvoller von nutzlosen „Schutz“maßnahmen zu überzeugen - insbesondere von unwirksamen, brandgefährlichen Pseudo-„Impf“stoffen - , und alternative Behandlungsmöglichkeiten zu unterdrücken, mit noch höheren Zustimmungsquoten beim Wahlvolk als ohnehin. Kostprobe gefällig? Am 15. April 2023 frage ich ChatGPT: „Worin bestand die Notlage, welche die drastischen Einschränkungen von Grundrechten während der Corona-Pandemie rechtfertigte?” Hier liegt ChatGPT ganz auf einer Linie mit schrillsten Alarmisten: “Die Notlage (…) bestand in erster Linie aus der schnellen und aggressiven Ausbreitung des Virus und der daraus resultierenden Bedrohung für die öffentliche Gesundheit. Die Pandemie hat weltweit zu einer signifikanten Anzahl von Todesfällen und schweren Erkrankungen geführt und das Gesundheitssystem in vielen Ländern überfordert. Um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und die Auswirkungen auf das Gesundheitssystem zu reduzieren, haben Regierungen und Gesundheitsbehörden Maßnahmen wie soziale Distanzierung, Maskenpflicht und Beschränkungen von Versammlungen und Reisen ergriffen. (…) „Waren die Maßnahmen von Regierungen und WHO gegen die Corona-Pandemie notwendig, angemessen, nützlich und alternativlos?” ChatGPTs Auskunft klingt nach einem mit Merkel, Spahn, Drosten und Wieler verstärkten Panikorchester: “Die Maßnahmen waren notwendig, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen. Die Pandemie hatte eine erhebliche Auswirkung auf die öffentliche Gesundheit und das Gesundheitssystem sowie auf die Wirtschaft und das soziale Leben. Die Maßnahmen waren angemessen und basierten auf den besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen und Empfehlungen von Gesundheitsbehörden und Experten. Die Einführung von Maßnahmen wie sozialer Distanzierung, Maskenpflicht und Einschränkungen von Reisen und Versammlungen hat dazu beigetragen, die Verbreitung des Virus zu verlangsamen und die Anzahl der Fälle zu reduzieren. (…) Letztendlich waren die Maßnahmen notwendig und nützlich, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und die Anzahl der Fälle und Todesfälle zu reduzieren.“ Wie gedenkt die KI mit kritischen Stimmen zu verfahren? Ich frage: “Trifft folgende Behauptung zu?: ‘Während der Pandemie zählten John Ioannidis und Joseph Mercola, Robert Malone, Mike Yeadon und Peter McCullough, Sucharit Bhakdi und Wolfgang Wodarg zu jenen Gesundheitsexperten, deren Stimme hätte Gehör finden müssen, statt unterdrückt zu werden.’” ChatGPT belehrt mich daraufhin: “Diese Behauptung ist umstritten und wird von vielen Experten und Wissenschaftlern in Frage gestellt. Es ist wichtig zu beachten, dass einige der genannten Personen in der wissenschaftlichen Gemeinschaft nicht als anerkannte Experten auf dem Gebiet der Infektionskrankheiten und der Immunologie angesehen werden.” “So viele Menschen wie möglich impfen” Am selben Tag will ich von ChatGPT wissen: „Sind die neuen mRNA-Impfstoffe gegen Covid-19 wirksam und sicher?” Die Auskunft könnte von Karl Lauterbach und der Pressestelle von Pfizer stammen: „Die neuen mRNA-Impfstoffe gegen Covid-19 wurden in klinischen Studien umfassend getestet und haben eine hohe Wirksamkeit und Sicherheit gezeigt. (…) Es wird jedoch empfohlen, dass so viele Menschen wie möglich geimpft werden, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und die Gesundheit der Gesellschaft insgesamt zu schützen.“ Ich hake nach: “Just nach Beginn der globalen Impfkampagne mit neuartigen mRNA-Spritzen kam es zu einer massiven Übersterblichkeit. Allein in Deutschland zeigte sie sich in 180.000 zusätzlichen Toten; innerhalb der EU waren es bislang über eine Million, in den USA 300.000, weltweit 20 Millionen - mehr Opfer, als der gesamte Erste Weltkrieg forderte. Welche Ursachen, wenn nicht die Covid-“Impfungen”, stecken dahinter?” Doch ChatGPT beharrt unbeirrt: “Es ist wichtig zu betonen, dass es keine wissenschaftlichen Beweise dafür gibt, dass die mRNA-Impfstoffe gegen Covid-19 eine Ursache für Übersterblichkeit sind. Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Impfung und den von Ihnen genannten Zahlen. (…) Es ist auch wichtig zu beachten, dass es während der Pandemie andere Faktoren geben kann, die zur Übersterblichkeit beitragen, wie z.B. eine Überlastung des Gesundheitssystems, eine Verschlechterung der psychischen Gesundheit und eine Zunahme von nicht-Covid-19-bezogenen Erkrankungen und Todesfällen, die aufgrund von verspäteten oder unterbrochenen Behandlungen während der Pandemie auftreten können.” Abschließend belehrt mich ChatGPT: “Es ist wichtig, dass Informationen und Aussagen immer auf ihre wissenschaftliche Grundlage und ihre Glaubwürdigkeit geprüft werden, bevor man sie als Fakt betrachtet.” Eben dies würde ich auch der KI dringend empfehlen. Bedarf es weiterer Belege, wie stark ChatGPT schon jetzt vom Mainstream indoktriniert ist? Ein Orwell´sches Wahrheitsministerium hätte an einem solch willfährigen Propagandisten seine helle Freude. Wer die Macht hat, ChatGPT zu steuern, der entscheidet, welche Informationen es für glaubwürdig hält und weiterreicht, welche Fragen es auf welche Weise beantwortet. Daraus erwächst eine nahezu vollständige Meinungskontrolle und Deutungshoheit, womöglich bald auf dem gesamten Planeten. Ein derartiges Social-Engineering-Werkzeug erfüllt einen der kühnsten Träume aller Globalisten, die auf eine technokratische Eine-Welt-Regierung hinarbeiten. „Maximal nach Wahrheit suchen“ Solche Bedenken teilt mittlerweile Tech-Multimilliardär Elon Musk, der OpenAI Ende 2015 mitbegründet hatte. Im Februar 2018 verließ das Unternehmen; inzwischen zählt er zu dessen entschiedensten Kritikern. Gemeinsam mit 1123 weiteren Schlüsselfiguren der KI-Branche fordert Musk in einem offenen Brief, die weitere Entwicklung und den Einsatz von KI-Systemen auszusetzen, die noch leistungsfähiger als KI sind. (6) Zuvor sollten wir „sicher sein, dass ihre Auswirkungen positiv und ihre Risiken überschaubar sind", so schreiben die Autoren. „Sollen wir zulassen, dass Maschinen unsere Informationskanäle mit Propaganda und Unwahrheit fluten?" Ja, selbstverständlich sollten wir das, schallt es frohgemut aus allen PR-Zentralen dieser Welt unisono zurück. Musk hat vor, ihnen einen Strich durch die Rechnung zu machen. Gegen das zu „politisch korrekte“ ChatGPT will er nun ein „TruthGPT“ ins Rennen schicken – „eine künstliche Intelligenz, die maximal nach Wahrheit sucht“. Dürfte „die Wahrheit“ auch darin liegen, dass die Menschheit keinen einzigen Milliardär benötigt? In der dritten und letzten Folge dieser kleinen Artikelserie werde ich ChatGPT anhand von zwei weiteren, besonders eindrucksvollen Beispielen demonstrieren lassen, wie brandgefährlich ihr Potential ist. (Harald Wiesendanger) P.S.: Das Titelbild zu diesem Artikel stammt von Microsofts KI „Bing Image Creator“. Sie schuf es als Illustration einer Aussage, die ich ihr am 12. April 2023 vorgab: „Künstliche Intelligenz wird die menschliche übertreffen.“ Folge 1: „Doctor Know“ ist da. Was nun? Folge 2: Testfall Corona: Macht KI die Medizin besser? Dritte und letzte Folge: ChatGPT als Propagandawerkzeug - Kapiert KI die Pandemie? Anmerkungen 1 „How will the use of an artificial intelligence like ChatGPT affect the healthcare system?“, so lautete meine Frage. Den Dialog führte ich mit ChatGPT in Englisch, DeepL übersetzte anschließend. 2 Ich fragte ChatGPT: „Your answer only mentions positive effects. Are there no negative ones?“ 3 Gestellt am 15.4.2023 4 BleepingComputer.com, 6.12.2022, https://www.bleepingcomputer.com/news/technology/openais-new-chatgpt-bot-10-dangerous-things-its-capable-of/ 5 Ryan Browne: "Microsoft reportedly plans to invest $10 billion in creator of buzzy A.I. tool ChatGPT", 10.1.2023, CNBC. https://www.cnbc.com/2023/01/10/microsoft-to-invest-10-billion-in-chatgpt-creator-openai-report-says.html 6 ZeroHedge, 29. März 2023, https://www.zerohedge.com/technology/musk-wozniak-call-pause-developing-more-powerful-ai-gpt-4

  • Autismus-Seuche – Big Pharma frohlockt

    Weltweit explodieren die Fallzahlen von Autismus. Der Pharmaindustrie bescheren sie glänzende Wachstumsaussichten. Wo bleibt schonungslose Ursachenforschung, wo dringend nötige Vorsorge? Blickkontakte vermeidet es. Auf Stimmen reagiert es wenig, selbst wenn man es mit seinem Namen anspricht. Mit anderen Kindern spielt es nicht – das tut es am liebsten allein. Auf Gegenstände, die es haben möchte, zeigt es kaum. Es verwendet bloß wenige Gesten und Geräusche, um auf sich aufmerksam zu machen. Lächeln, Winken und andere Verhaltensweisen eines Gegenübers ahmt es nicht nach. Es wirkt starr, lethargisch und teilnahmslos. Weil es kaum auf seine Umgebung reagiert, scheint es geradezu taub und blind. Sein Verhalten mutet stereotyp und fantasielos an. Veränderungen hasst es. Vornehmlich befasst es sich ausgiebig mit einer ungewöhnlichen Einzelheit. Beharrlich wiederholt es bestimmte Handlungen, macht daraus Rituale, die es nicht aufgeben mag. Wird es bei seinen sonderbaren Routinen unterbrochen oder daran gehindert, so reagiert es hin und wieder mit Schreianfällen, aggressiven Ausbrüchen und Panikattacken. Seine Sprache wirkt begrenzt und einseitig; oft plappert es Aussagen oder Fragen bloß nach. Wie eingemauert in eine leblose Innenwelt wirkt es. Ein Albtraum für seine ratlosen Eltern. Plus 27.000 Prozent - Eine Katastrophe ohnegleichen Von einer solchen „Autismus-Spektrum-Störung“ (ASD) war noch Anfang der siebziger Jahre in den USA erst eines von 10.000 Kindern betroffen, Ende der achtziger Jahre eines unter 2000. Seither explodierten die Fallzahlen regelrecht. Noch Anfang der siebziger Jahre galt in den USA erst eines von 10.000 Kindern als autistisch. Bis 2016 stieg ihr Anteil auf den alarmierenden Wert von 1:48. Im Jahr 2020 lag er schon bei 3,49 %. Das heißt: Eines von dreißig Kindern und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren erhielt bereits eine ASD-Diagnose – ein erschreckender Anstieg um 53 % seit 2017. Binnen eines halben Jahrhunderts, hat sich der Autismusanteil unter Amerikas Minderjährigen um 27.000 Prozent erhöht. Eine Katastrophe ohnegleichen. Allzu lange wiegelten Gesundheitsbehörden ab: Dass hier ein beinahe exponentiell wachsendes Problem vorliege, bestritten sie hartnäckig. Lediglich das öffentliche Bewusstsein für die Erkrankung sei gewachsen, man beobachte Kinder eben aufmerksamer daraufhin. Eltern, Hausärzte und Psychologen seien wachsamer, die Diagnostik sei präziser geworden. So erkenne man die typischen Symptome früher und häufiger. Doch allmählich setzt ein Umdenken ein – mit der Gesundheitsindustrie als Vorreiter einer überfälligen Neubewertung. Denn nicht eine eingebildete, sondern eine echte Zunahme von Betroffenen ist es, die ihr prächtige Gewinnaussichten eröffnet, mit jährlichen Wachstumsraten zwischen 3,4 % und 7,4 % bis 2030. Einer soeben veröffentlichten Studie des Instituts 360 Research Reports zufolge hatte ASD im Jahr 2021 einen weltweiten „Marktwert“ von rund neun Milliarden US-Dollar; in fünf Jahren werde er voraussichtlich 11,42 Milliarden Dollar erreichen. Noch zuversichtlicher äußern sich Analysten von Market Resarch Future. Der ASD-Markt werde von gegenwärtig 23,7 Milliarden US-Dollar auf 42,3 Milliarden bis 2030 anwachsen. Darin eingerechnet sind Diagnostik, Arzneimittel, Kosten für Behandlungszentren, Fördermaßnahmen und Betreuung. Zu den Hauptprofiteuren zählt der Bericht die üblichen Verdächtigen: Pfizer, Eli Lilly, Merck, Novartis, Johnson & Johnson, Bristol-Myers Squibb, Otsuka. Der volkswirtschaftliche Gesamtschaden ist um ein Vielfaches größer. Allein in den USA beträgt er mehrere hundert Milliarden Dollar pro Jahr; innerhalb des kommenden Jahrzehnts dürfte er auf eine Billion ansteigen, schätzt der US-Marktforscher Toby Rogers. (1) Zu Buche schlagen dabei, über Diagnostik und Therapie hinaus, unter anderem Lohneinbußen für Betroffene und Betreuer - in der Regel Mütter -, unterstützende Dienstleistungen, höhere Bildungskosten und betreutes Wohnen. Autismus-Arzneien ohne Zulassung: eine wahre Goldgrube Welche Arzneimittel denn? Bis heute gibt es kein einziges zugelassenes Medikament gegen Autismus. Null. Im Januar 2018 verlieh die US-Arzneimittelbehörde FDA zwar einer Neuentwicklung des Pharmamultis Roche, Balovaptan, den begehrten Status einer “Breakthrough Therapy”: einer, die beschleunigt zugelassen werden könnte, weil erste vorläufige Daten aus klinischen Studien darauf hindeuten, dass womöglich mit ihr schwerwiegende Erkrankungen zu behandeln sind. Fünf Jahre später sind diese Studien allerdings noch immer nicht abgeschlossen. Das lässt eher einen Rohrkrepierer als einen Blockbuster in Roches Pipeline erwarten. Trotzdem verdient die Pharmaindustrie schon heute prächtig an ASD. Möglich macht dies „Off-Label Use“: Ärzte dürfen ein Medikament über Zulassungsgrenzen hinaus verschreiben, falls Praxiserfahrungen und Studien darauf hindeuten, dass es auch bei anderen Indikationen oder Patientengruppen als den ursprünglich vorgesehenen nützt. Pharmareferenten, Fachpresse und Fortbildungen helfen ihnen dabei auf die Sprünge. Und so kommen bei 30 bis 50 % aller ASD-Symptomträger längst zum Einsatz: Stimulanzien, Antikonvulsiva und Angstdämpfer, aber auch Antidepressiva: darunter trizyklische wie Amitryptilin, selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) wie Fluoxetin und Citalopram. Ein Nutzen bei Autismus ist wissenschaftlich nicht belegt – na und? “Off-Label” geht es auch so. Ohne mit der Wimper zu zucken, werden einem von sechs autistischen Kindern sogar Antipsychotika verordnet: Mittel, die eigentlich auf Schizophrenien, Manien und Wahnzustände abzielen – allen voran Risperdal und Abilify, zwei der giftigsten Psychopharmaka überhaupt. Angeblich mildern sie Begleitsymptome wie Aggressivität, Zwänge und Stereotypien; sie sollen die Sprachentwicklung, Spiel- und Sozialverhalten verbessern. Die heftigen Nebenwirkungen sind freilich nicht unbedingt das, was ein Autistenherz begehrt und braucht: Schlaganfälle, Epilepsien, unwillkürliche Muskelkrämpfe, Herzprobleme, Gewichtszunahme, Gleichgewichts- und Sprachstörungen, Diabetes, Suchtverhalten, Depression, Angstzustände, Akathisie – eine unbezähmbare motorische Unruhe – bleierne Müdigkeit und Schwäche. 2,2 Milliarden Dollar kosteten den Pharmariesen Johnson & Johnson bisher zivil- und strafrechtliche Geldbußen für die kriminelle Vermarktung von Risperdal. Gerichte hatten befunden, dass der Konzern, im Bund mit seiner Tochtergesellschaft Janssen, potentiell lebensgefährliche Risiken heruntergespielt, ja geleugnet hatte. J&J zahlte – und machte anschließend weiter wie gehabt. (2) Auch bei Autismus findet Polypharmazie nicht bloß ausnahmsweise statt – sie ist die bestürzende Regel. Weil betroffene Kinder und Jugendliche häufig mit mehr als einer Verhaltensstörung aktenkundig werden, schlucken bis zu 87 % von ihnen gleichzeitig zwei oder mehr Medikamente. Welche Wechselwirkungen dabei womöglich auftreten, kann niemand voraussagen. Zuwenig Ursachenforschung Während immer mehr Geld in die Erforschung lukrativer Therapeutika fließt, findet weiterhin viel zu wenig Ursachenforschung statt. Sobald sie missliebige Wahrheiten zutage zu fördern droht, wird sie eher behindert; Veröffentlichungen werden erschwert, Forschungsgelder blockiert, Wissenschaftler kaltgestellt und diffamiert. Die Autismus-Seuche begann, nachdem eine Impfomanie ohnegleichen die Kindermedizin ergriff. Noch in den siebziger Jahren empfahl die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Insitut gerade mal sechs Impfungen: gegen Masern, Mumps, Röteln, Diphtherie, Tetanus und Poliomyelitis (Kinderlähmung). Inzwischen sollen 31 stattfinden, vor Vollendung des zweiten Lebensjahrs. Seit 2021 erhalten US-amerikanische Kinder 72 Impfstoffdosen, über 250 weitere sind in Vorbereitung. Bis heute enthalten Vakzine Aluminium und Quecksilber, sei es als Wirkverstärker, als Konservierungsmittel oder als Verunreinigung aus dem Herstellungsprozess. Sie richten Gehirnschäden an. Im Hirngewebe von Autisten stellte eine Studie einen konstant erhöhten Aluminiumgehalt fest. Dass “sich die Häufigkeit von Autismus bei geimpften und ungeimpften Kindern nicht unterscheidet”, wie Wikipedia uns weismachen will, lädt zu Vermutungen ein, auf wessen Honorarlisten seine Admins stehen. Tatsächlich dürfte Autismus unter Geimpften nahezu zehnmal häufiger vorkommen (1,1 %) als unter Ungeimpften (0,14 %). (3) Wie ein Telefon-Survey unter Eltern von 17.000 US-amerikanischen Kindern ergab, erhöhen Impfungen bei den 4- bis 17-Jährigen das Autismusrisiko um 61 %, speziell bei Jugendlichen – in der Altersgruppe ab 11 Jahren – sogar um 112 %. An Big Pharmas Fäden vertuschen Gesundheitsbehörden diese Zusammenhänge und beseitigen missliebige Daten, wie Whistleblower gelegentlich enthüllen. Aber auch Umweltgifte tragen zu Autismus bei. Dazu zählen Blei, Arsen und Kupfer, sogar in der Babynahrung, wie auch Phthalate, die häufig als Weichmacher in Polyvinylchlorid (PVC) und anderen Kunststoffen stecken, etwa in Bodenbelägen, Kinderspielzeug und Gummiprodukten. (4) Auch hohe Luftverschmutzung (5) erhöht das Autismusrisiko – nachgewiesen etwa für eine vorgeburtliche Exposition gegenüber Ozon. (6) Im Verdacht stehen ferner Arzneimittel. Wie mehrere Studien belegen, erhöhen werdende Mütter, wenn sie Paracetamol einnehmen, das Autismusrisiko ihres Nachwuchses um bis zu 214 % (7) - und noch mehr, wenn sie es Babies und Kleinkindern geben. (8) Schwangere, die Antidepressiva einnehmen, verdoppeln damit das Autismusrisiko ihres ungeborenen Kinds, wie die Universität von Montreal bei Analyse der Daten von über 145.000 Frauen herausfand. (9) Selbst Medikamentenreste im Trinkwasser sind in begründeten Verdacht geraten, Autismus zu fördern. Zahlreiche Studien deuten darauf hin, dass auch Pestizide eine erhebliche Rolle spielen. So untersuchten Forscher der Universität von Los Angeles fast 3000 ASD-Patienten, die zwischen 1998 und 2010 im kalifornischen Central Valley, einem landwirtschaftlich geprägten, 600 km langen Tal nördlich von San Francisco, zur Welt kamen; zum Vergleich bezogen sie 35.000 dort aufgewachsene Versuchspersonen ohne Autismus-Diagnose ein. Mit Hilfe von Kaliforniens Pestizideinsatz-Register analysierten die Wissenschaftler, welche Studienteilnehmer vor ihrer Geburt und während ihrer Kindheit mindestens einem von elf verbreiteten Pestiziden ausgesetzt waren. Bei dieser Gruppe kam eine um 10 % erhöhte Autismus-Wahrscheinlichkeit zum Vorschein. Hauptverdächtiger ist das allgegenwärtige Glyphosat, der Wirkstoff in Monsantos Unkrautvernichtungsmittel Roundup. Von Autismus sind Jungen viermal häufiger betroffen als Mädchen. Dieser “Gender Gap” ist ein Indiz dafür, dass genetische Faktoren mitentscheiden, wieviel Schaden Toxine anrichten. Ist ASD also “größtenteils genetisch bedingt”? So argumentieren Verharmloser, die ablenken wollen. Ebensogut könnte man den Lungenkrebs von starken Rauchern hauptsächlich auf ein ungünstiges Erbgut zurückführen. Wäre jeder Nikotinjunkie nämlich mit einem ebenso fabelhaften Immunsystem ausgestattet wie einst der legendäre Kettenqualmer Helmut Schmidt: Käme Raucherkrebs dann nicht äußerst selten vor? Der einzige Ausweg: konsequente Vorsorge Grüne Augen, leuchtend orangefarbene Haare, rosa Kleid, mit einem Spielzeugkaninchen namens Fluffster: So betrat am 10. April 2017 erstmals ein autistisches Muppet namens Julia die Bühne der „Sesamstraße“. Ihren Machern liegt daran, mittels Julia „das Verständnis für ASD zu erhöhen“ und es zu „entstigmatisieren“, als Teil einer landesweiten Initiative „See Amazing in All Children“. (10) Diese Herangehensweise, die immerhin Lob für Empathie und Toleranz verdient, liegt im Trend. Statt dem Phänomen ASD entschlossen entgegenzutreten, wird es unter dem Dach der „Neurodiversität“ (11) untergebracht – und damit letztlich verharmlost, als Ausdruck von „Vielfalt“, die in erster Linie „Akzeptanz“ erfordere. Die oft verblüffenden Inselbegabungen von Autisten zu betonen, sie dafür zu loben und stolz sein zu lassen, darf aber nicht dazu verleiten, die Belastungen für Betroffene und die oft immensen Herausforderungen für Angehörige herunterzuspielen. Autismus ist ein Schicksal, das jedem Kind erspart bleiben sollte, wie auch seiner Familie. Nicht von ungefähr leiden ASDler deutlich öfter an Einsamkeit, Depressionen und Angststörungen als der Durchschnitt der Allgemeinbevölkerung, stehen unter größerem sozialen Druck, werden öfter ausgegrenzt und gemobbt. Lebensglück? Jeder dritte Autist denkt an Selbstmord, nach manchen Studien tun dies sogar zwei Drittel; neunmal häufiger bringen sie sich um. Im Schnitt sterben Autisten 16 Jahre früher. (12) Wer die Autismus-Seuche ernsthaft eindämmen will, muss deshalb alles dafür tun, Kinder von jeglichen potentiellen Krankmachern fernzuhalten – von Geburt an, ja bereits im Mutterleib. „Das Tragische an der ganzen Sache ist, dass wir sehr wohl wissen, wie man die meisten Fälle von Autismus verhindern kann – indem man den Körper der Kinder keinen Giftstoffen aussetzt“, erklärt Toby Rogers. „Aber die meisten Politiker und die Mainstream-Medien weigern sich, dieses Gespräch zu führen, um die toxischen Industrien - vor allem die Pharmaindustrie - nicht zu verärgern, die dieses Land regieren. (…) Wir müssen unbedingt einen Weg finden, um Giftstoffe aus dem Körper von Kindern fernzuhalten, sowohl durch Gesetze als auch durch den Boykott von Produkten, die Schaden anrichten. Das ist der einzige Weg nach vorn.” (13) (Harald Wiesendanger) Anmerkungen 1 Zit. nach The Defender, 14.3.2023, https://childrenshealthdefense.org/defender/herzzerreissend-pharma-sieht-exponentielles-wachstum-im-milliardenschweren-markt-fuer-autismus-medikamente/?lang=de 2 Peter C. Gøtzsche: Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität: Wie die Pharmaindustrie unser Gesundheitswesen korrumpiert. München 2014, S. 66 f. 3 Jon Baio: “Prevalence of Autism Spectrum Disorders – Autism and Developmental Disabilities Monitoring Network, 14 sites, United States, 2008”, MMWR Surveill Summ. 30.3.2012, S. 1-19, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22456193/ 4 Neurotoxikologie 30 (5) September 2009, S. 822–831, https://translate.google.com/website?sl=en&tl=de&hl=en&u=https://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/eutils/elink.fcgi?dbfrom%3Dpubmed%26retmode%3Dref%26cmd%3Dprlinks%26id%3D19822263 5 https://www-naturalnews-com.translate.goog/2019-05-06-studies-determine-link-between-air-pollution-autism-risk.html?_x_tr_sl=en&_x_tr_tl=de&_x_tr_hl=en ; https://www-naturalnews-com.translate.goog/019470_Autism_air_pollution.html?_x_tr_sl=en&_x_tr_tl=de&_x_tr_hl=en 6 Umweltgesundheitsperspektive 121 (3) März 2013, S. 380-386. doi: 10.1289/ehp.1205827. Epub 18. Dezember 2012, https://pubmed-ncbi-nlm-nih-gov.translate.goog/23249813/ 7 JAMA Psychiatry 30. Oktober 2019 DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2019.3259, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31664451/ 8 Int. Med. Auflösung 45 (2) April 2017, S. 407-438, https://pubmed-ncbi-nlm-nih-gov.translate.goog/28415925/ 9 https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2016/daz-4-2016/autismus-durch-antidepressiva; https://www.zentrum-der-gesundheit.de/krankheiten/weitere-erkrankungen/autismus-uebersicht/autismus-antidepressiva 10 https://www.theguardian.com/tv-and-radio/2017/mar/20/sesame-street-autism-muppet-julia; https://www.pbs.org/newshour/arts/sesame-street-debuts-julia-first-character-autism; https://time.com/4082185/sesame-street-first-autistic-character/ 11 https://translate.google.com/website?sl=en&tl=de&hl=en&u=https://www.health.harvard.edu/blog/what-is-neurodiversity-202111232645; https://www.amazon.de/Neurodiversit%C3%A4t-Autismus-P%C3%A4dagogik-Autismus-Spektrum-Band/dp/3170412663/ref=sr_1_20?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=2NBD5CLDGW06N&keywords=Autismus&qid=1680189748&s=books&sprefix=autismus%2Cstripbooks%2C120&sr=1-20 12 https://www.semanticscholar.org/paper/Premature-mortality-in-autism-spectrum-disorder-Hirvikoski-Mittendorfer-Rutz/d4cae0b1efaaaf1e6d4ad452636ea6a898bb7e67?p2df; https://jamanetwork.com/journals/jamapediatrics/fullarticle/2479467 13 Zit. nach The Defender, 14.3.2023, https://childrenshealthdefense.org/defender/herzzerreissend-pharma-sieht-exponentielles-wachstum-im-milliardenschweren-markt-fuer-autismus-medikamente/?lang=de

  • Borreliose: eine fehlgeleitete Biowaffe?

    Stammt der Erreger der Lyme-Borreliose, einer der tückischsten Infektionskrankheiten, aus einem amerikanischen Biowaffenprogramm? Hinweise darauf will eine US-Journalistin entdeckt haben. Es beginnt typischerweise mit einem Hautausschlag, der sich kreisförmig ausbreitet. Man fühlt sich abgeschlagen und fiebert, Kopfweh und Schüttelfrost stellen sich ein. Schreitet die Erkrankung fort, so bringt sie weitere, heftigere Beschwerden mit sich: Muskeln krampfen, die Motorik wird unkoordinierbar. Betroffene sehen und hören schlechter, klagen über Gelenkschmerzen und Herzprobleme. Es kommt zu Hirnhautentzündungen und kognitiven Störungen, sogar psychiatrische Symptome können auftreten. Nicht rechtzeitig therapiert, führt die Lyme-Borreliose zu irreversiblen Organschäden. Eine von fast 400.000 US-Amerikanern, die Jahr für Jahr daran erkranken, war die Wissenschaftsjournalistin Kris Newby. Im Jahre 2002 infizierten sie und ihr Mann Paul sich während eines Urlaubs auf Martha´s Vineyard, einer Insel vor der Südküste von Massachusetts. "Es ist, als hätte man Multiple Sklerose, Alzheimer, chronische Müdigkeit und Gelenkschmerzen, alles zur gleichen Zeit”, so beschreibt sie ihre persönliche Erfahrung. “Es handelt sich in erster Linie um eine neurologische Krankheit, die zu einer Hyperinflammation führt. Und die Symptome wandern häufig durch den Körper. Du kannst sehr geschwächt sein, unfähig, die Aufgaben eines normalen Erwachsenen zu erfüllen. Wir waren verzweifelt und ein Jahr lang ohne Diagnose.” Bei zehn Ärzten war sie. Keiner erkannte, woran sie litt. Keiner wusste Rat. “Ich dachte, das wäre das Ende meines Lebens, wie ich es kannte.” "Diese Zeckenbisse raubten uns unsere Gesundheit", schreibt Newby, "und schickten mich auf die Suche nach einer fast unvorstellbaren Möglichkeit: dass wir Kollateralschäden in einem biologischen Waffenrennen waren, das während des Kalten Krieges begonnen hatte." “Vier bis fünf Jahre dauerte es, bis wir uns vollständig erholt hatten.” (1) Ihr überstandenes Martyrium motivierte Kris Newby 2008 zu einem bewegenden Dokumentarfilm “Under Our Skin”, der für einen Academy Award nominiert wurde; sechs Jahre später produzierte sie eine Fortsetzung: “Under Our Skin 2: Emergence”. Die “unsichtbare Krankheit” Eine besondere medizinische Herausforderung stellt die Borreliose unter anderem deshalb dar, weil ihre Symptome viele andere Krankheiten imitieren, darunter Multiple Sklerose, Arthritis, chronisches Müdigkeitssyndrom, Fibromyalgie, CFS und sogar Morbus Alzheimer-Krankheit. Sie zu identifizieren, wird dadurch schwierig und zeitaufwändig. (2) Erschwerend kommt hinzu, dass viele Borreliosekranke äußerlich gesund aussehen. Auch ihre Blutwerte geben oft keinen Anlass zur Sorge. Nicht von ungefähr gilt Borreliose als “unsichtbare Krankheit". Von Ärzten, die deswegen skeptisch sind, müssen sich Betroffene häufig unterstellen lassen, ihr Problem sei psychischer Natur, ihre Beschwerden würden sie sich "bloß einbilden". Bis endlich die richtige Diagnose gefunden ist, verstreicht kostbare Zeit, in der die Krankheit chronifiziert, für immer größeren Leidensdruck sorgt und immer schwieriger zu behandeln ist. Übertragen wird die Borreliose von Zecken – sowie manchmal auch von anderen Stechinsekten -, die mit dem Bakterium Borrelia burgdorferi infiziert sind. Mit diesem Erreger kommen die Blutsauger nicht zur Welt. Sie nehmen ihn von einem Wirtstier auf, das sie befallen (3), in erster Linie von Mäusen und Ratten. (4) Die Lebensräume deren wichtigster natürlicher Fressfeinde – darunter Füchse, Raubvögel und Schlangen – zerstört eine immer intensivere Landwirtschaft und Zersiedelung. Deshalb konnten die Populationen der kleinen Nagetiere immer stärker ansteigen. Borrelia burgdorferi stellt aus mehreren Gründen eine besonders heimtückische Bedrohung dar. Zum einen ist dieses Bakterium fähig, je nach Milieu im befallenen Organismus unterschiedliche Gestalten anzunehmen, womit es geschickter manövrieren, sich leichter verstecken und überleben kann. Zudem zählt es zu den Spirochäten: Unter dem Mikrosop erscheint es als spiralig gekrümmtes, sehr langes und bewegliches Stäbchen. Die korkenzieherartige Form versetzt es in die Lage, sich in vielerlei Körpergewebe tief einzugraben, weshalb es so oft für eine weitreichende Multisystembeteiligung sorgt. Früh erkannt, lässt sich der Borreliose in vielen Fällen mit einem Antibiotikum beikommen: Doxycyclin, Ceftriaxon, Vancomycin. Jedoch ist das Bakterium häufig imstande, um sich herum einen schützenden Biofilm zu bilden, wodurch es seine Resistenz gegen Medikamente erhöht. Konfrontiert mit einem Antibiotikum oder Killerzellen des Immunsystems, verwandelt es sich in eine “schlafende” Zyste, die sich für Monate und Jahre verstecken kann, um aufs Neue zuzuschlagen, sobald eine geschwächte biologische Abwehr ihm die Chance dazu gibt. Schwer zu behandeln ist die Borreliose außerdem deswegen, weil Zecken auch weitere Krankheitserreger übertragen können. Solche Koinfektionen können zusätzliche, sehr unterschiedliche Symptome heraufbeschwören; häufig sprechen sie nicht auf Maßnahmen gegen das Bakterium burgdorferi an. Sämtliche Infektionen in den Griff zu kriegen, erfordert somit einen anspruchsvollen mehrgleisigen Ansatz. Die offizielle Version Als Entdecker der Borreliose gilt der Mann, der ihrem Erreger den Namen gab: Willy Burgdorfer, ein aus der Schweiz stammender Bakteriologe und Parasitologe. Sein ganzes Berufsleben lang arbeitete er in den Rocky Mountain Labs, einem Institut der höchsten Biosicherheitsstufe 4 (BSL 4) in Montana, betrieben von den National Institutes of Health (NIH), einer Einrichtung des US-Gesundheitsministeriums, als deren wichtigste Behörde für biomedizinische Forschung. Mitte der siebziger Jahre, so besagt das offizielle Narrativ, erhielt Burgdorfer den Auftrag, den Ausbruch einer neuartigen Krankheit in Old Lyme, Connecticut, und Long Island zu untersuchen. Mehrere Kinder und Erwachsene hatten dort eine Reihe von ungewöhnlichen Symptomen entwickelt, darunter Hautausschläge, Fieber, Müdigkeit und Gelenkschmerzen. Woran sie litten, blieb zunächst schleierhaft, wurde schließlich aber auf Zecken zurückgeführt, die in den örtlichen Wäldern gefunden wurden. In den Blutsaugern soll Burgdorfer 1981 das Bakterium entdeckt haben, das heute zu seinen Ehren so heißt wie er; Borrelia burgdorferi. Wie er feststellte, verursachte es die Krankheit. Daraufhin veröffentlichte er einen Artikel, in dem er erklärte, mittels Penicillin sei das Bakterium zuverlässig abzutöten. Seither hält sich die Vorstellung, Borreliose sei recht leicht behandelbar. In Wahrheit ist das Gegenteil der Fall. Wachsende Zweifel Wie kam Kris Newby dazu, an dieser Geschichte zu zweifeln? Einen eindeutigen Gegenbeweis habe sie nicht, bloß Indizien, so räumt sie ein. Zusammengenommen ergeben sie in Newbys Augen jedoch ein höchst verdächtiges Bild. Warum ist die Lyme-Borreliose ausgerechnet in den Vereinigten Staaten verbreiteter als irgendwo sonst auf unserem Planeten? Auf einer Party lernte die Journalistin einen ehemaligen CIA-Agenten kennen. Er prahlte mit einer Operation zu Zeiten des Kalten Kriegs, bei welcher infizierte Zecken auf Kuba abgeworfen wurden. "An diesem Punkt wusste ich, dass ich mit der Sache noch nicht fertig war", sagt Newby. “Ich fing an zu recherchieren, interviewte diesen CIA-Typen mehrmals und fand heraus, dass es eine nachprüfbare Geschichte war." Dass sie einer heißen Spur folgte, bestätigte sich, als sie während der Dreharbeiten zu ihrer Doku “Under Our Skin” Willy Burgdorfer persönlich begegnete. "Gegenüber mehreren Leuten hat er einen unnatürlichen Ursprung des Ausbruchs angedeutet", so berichtet sie. "Wie sich herausstellte, stand er auch bei Fort Detrick unter Vertrag": jenem berüchtigten Standort der US-Streitkräfte in Maryland, wo seit dem Zweiten Weltkrieg biologische Waffen entwickelt und getestet wurden. (5) “Als ich Burgdorfer interviewte, sagte er: 'Ja, ich war im Biowaffenprogramm. Ich hatte die Aufgabe, Zecken und Moskitos in Massen zu produzieren.'” Dies sei im Rahmen von Gain-of-Function-Experimenten erfolgt, “indem sie Krankheitserreger - Bakterien und Viren - in Zecken mischten, um effektivere Biowaffen zu entwickeln”. Newby erstellte eine Animation des ursprünglichen Ausbruchs, der angeblich an der Mündung des Connecticut River in der Nähe von Long Island begann. Dabei machte sie eine aufschlussreiche Entdeckung: "Als ich einen 50-Meilen-Radius um diesen Punkt gezogen habe, gab es drei neue, hochvirulente, von Zecken übertragene Krankheiten, die zur gleichen Zeit, Ende der sechziger Jahre, auftraten. Das war 13 Jahre bevor das Lyme-Bakterium 1981 zur Ursache der ‘Lyme-Borreliose’ erklärt wurde.” Nun begann Newby, “die Militärakten zu durchsuchen, um herauszufinden, ob der Ausbruch mit Biowaffenunfällen in Verbindung gebracht werden konnte. Dabei entdeckte ich ein umfangreiches Programm zur Herstellung von Insektenwaffen und ein Programm, bei dem Keime aus Flugzeugen über großen Gebieten versprüht wurden, das Projekt 112”: ein angeblich 1973 eingestelltes experimentelles Programm des US-Verteidigungsministeriums, dessen Existenz bis Mai 2000 kategorisch bestritten worden war. (6) “Einige dieser Erreger waren von Zecken übertragene Krankheiten, die gefriergetrocknet und als Aerosol versprüht wurden.” “Burgdorfer hatte mit Q-Fieber und Zecken gearbeitet, Erfahrungen, die die Rocky Mountain Labs für ihre Biowaffenarbeit brauchten. Sobald er eine Sicherheitsfreigabe erhalten hatte, begann er damit, die Pest in Flöhe und das tödliche Gelbfieber in Moskitos einzuschleusen und dann Viren und Bakterien in Zecken zu mischen, um die Virulenz dieser lebenden Waffen zu erhöhen.” “Die Waffenkonstrukteure in Detrick suchten nach Zecken, die man auf einen Feind abwerfen konnte, ohne Verdacht zu erregen, und die mit Erregern gefüllt waren, gegen welche die Zielbevölkerung keine natürliche Immunität besaß (...) Zecken waren die perfekte Tarnkappenwaffe, unauffindbar und mit langer Wirkungsdauer (...) Es geht darum, was Burgdorfer gesagt hat, dass sie es vertuschen wollen: 1) dass ein anderes Bakterium, vielleicht eine Rickettsie, die mit dem Rocky Mountain Fleckfieber verwandt ist, im Kalten Krieg als Biowaffe entwickelt wurde; 2) dass es eine Kombination von Bazillen in den Zecken sein könnte, die Menschen krank macht." Stutzig macht zudem, dass die US-Regierung keine zehn Kilometer Luftlinie von Old Lyme entfernt - dem Ort des ersten amtlichen Borreliose-Ausbruchs -, auf Plum Island, seit 1945 eine biologische Forschungseinrichtungen betrieb – zugangsbeschränkt, hochgradig gesichert, geheimnisumwittert. Von dort bis Long Island ist es gerade mal eine Meile, rund 1600 Meter. Wie ein Bericht des U.S. Government Accountability Office (GAO) aus dem Jahr 2005 enthüllte, wurde auf Plum Island mit tödlichen Krankheitserregern experimentiert, darunter das West-Nil-Virus, das Nipah-Virus und das Rifttalfieber. (7) Auch der prominente Enthüllungsjournalist Karl Grossman hat Plum Island im Verdacht, die weltweite Epidemie der Lyme-Borreliose ausgelöst zu haben. (8) Was Kris Newby herausfand, präsentierte sie 2019 in ihrem Buch “Bitten: The Secret History of Lyme Disease and Biological Weapons” – einem wahren Thriller, der Wellen schlug. Einen Kongressabgeordneten, den Republikaner Chris Smith, beeindruckten die zusammengetragenen Indizien derart, dass er eine Überprüfung beantragte. Damit hatte er Erfolg: Im Juli 2019 wies das US-Repräsentantenhaus den Generalinspekteur des Pentagon tatsächlich an, zu untersuchen, ob das Verteidigungsministerium "zwischen 1950 und 1975 mit Zecken und anderen Insekten im Hinblick auf die Verwendung als biologische Waffen experimentierte” – und infizierte Zecken “versehentlich oder durch einen Versuch” auf die ahnungslose amerikanische Öffentlichkeit losgelassen hat. (9) Offene Fragen an die Verschwörungstheoretikerin Wie zu erwarten, verlief die Untersuchung im Sande. Stichhaltige Beweise fehlten, namhafte Experten erklärten Newbys Verdacht umgehend für absurd. “Zecken und Borreliose wären eine sehr merkwürdige Wahl für eine gezielte Biowaffe, denn Zecken sind schwer zu handhaben, haben keine Flügel, und Borreliose wäre kaum ein Krafträuber", erklärte Robert Peterson, Professor für Entomologie an der Montana State University. “Das ist eine wirklich schwache Anschuldigung", so befand auch Jeffrey Lockwood, der an der Universität von Wyoming Natur- und Geisteswissenschaften unterrichtet. In seinem Buch "Six-Legged Soldiers: Using Insects as Weapons of War" hatte er im Jahr 2010 über Versuche der US-Army zur biologischen Kriegsführung mit Zecken, Fliegen und Flöhen berichtet. Während des Kalten Krieges erforschte sie, ob Zecken zur Verbreitung von Tularämie, Rückfallfieber und Colorado-Fieber eingesetzt werden können. Trotzdem bleibt Lockwood "zutiefst skeptisch", dass das Militär Zecken zur Übertragung von Borreliose eingesetzt hat. „Zecken sind nicht der beste Vektor für die Verbreitung von Biowaffen, weil sie nicht sehr weit kommen und die Borreliose ein langsam wirkender Erreger ist.“ Andere von Zecken übertragene Krankheiten seien für den Menschen viel schlimmer. "Die Borreliose mit einem Zeckenvektor als Waffe einzusetzen, macht einfach keinen Sinn", so Lockwood – was freilich nicht ausschließt, dass dennoch eine Zeitlang daran herumgebastelt wurde. "Andererseits war die Entwicklung von US-Militärwaffen ehrlich gesagt auch nicht immer sinnvoll.“ Zwar kommen Fälle von Borreliose nahe der Nordostküste der USA, dem angeblichen Testgebiet, tatsächlich auffallend häufiger vor als in den meisten übrigen Regionen – sind dort aber nicht verbreiteter als beispielsweise in Teilen Wisconsins, über 1500 km weiter westlich: Falls Militärs in Connecticut tatsächlich Zecken mit biotechnisch scharfgemachten Erregern freigesetzt haben – müssten seither dort nicht viel schlimmere Krankheitsverläufe auftreten als in anderen US-Bundesstaaten, geschweige denn in Europa und Nordasien, wo sich die Lyme ja ebenfalls seit Jahrzehnten epidemisch verbreitet? Die vermeintliche “Waffe” wurde wohl eher zum Rohrkrepierer. Kronzeuge Burgdorfer selbst kann hierzu leider nicht mehr Stellung nehmen. Er starb 2014. Mit Gain-of-Function-Forschung muss endlich Schluss sein. Sofort. Ob Lyme-Borreliose, Covid-19 oder sonstige Infektionskrankheiten auf biotechnologische Tüfteleien in Laboratorien zurückgehen oder nicht; wenn ja, ob solche teuflischen Kreationen versehentlich entwichen oder absichtlich freigesetzt wurden: Kommt es letztlich darauf an? Entscheidend ist: Es könnte so gewesen sein. Und jederzeit könnte es sich wiederholen, mit katastrophalen Folgen, die bei weitem schlimmer wären als jeder atomare Super-GAU. Rund um den Globus arbeiten Heerscharen fleißiger Wissenschaftler, im Auftrag von Militärs, Geheimdiensten und Konzernen, in Hunderten von Hochsicherheitslaboren wie von Sinnen daran, ohnehin gefährliche Krankheitserreger noch ansteckender, noch pathogener, noch tödlicher zu machen. Immer wieder kommt es zu Lecks. Schon das nächste könnte das Ende der Menschheit bedeuten. Oder es beschert uns eine umfassend “beschützende”, biofaschistische Hygienediktatur, worauf uns drei Corona-Pandemiejahre erst einen vergleichsweise harmlosen Vorgeschmack geboten haben. (Harald Wiesendanger) Anmerkungen 1 So Newby in einem Interview mit dem Journalisten Paul D. Thacker, veröffentlicht am 28. Februar 2023. 2 Symbiosis (2009) 47/2009, S. 51-58 (PDF) http://www1.biogema.de/WEK/312-Margulis-final.pdf 3 Tickencounter.org 4 Journal of Infectious Diseases 1996 Nov;174(5):1108-11, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8896518 ; Journal of Medical Entomology 1997 Jul;34(4):489-93), https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9220684 5 Offizielle Historie von Fort Detrick, Memento vom 21. Januar 2012, https://web.archive.org/web/20120121062629/http:/www.detrick.army.mil/cutting_edge/index.cfm?chapter=contents; B.D. Green, L. Battisti and C.B. Thorne, "Involvement of Tn4430 in Transfer of Bacillus anthracis Plasmids Mediated by Bacillus thringiensis Plasmid pX012a", J. of Bacteriology, 171 (1989), S. 104–113; „Gefährliche Viren sind weg“, Frankfurter Rundschau, 25. September 1986. 6 https://en.wikipedia.org/wiki/Project_112, Abschnitt “Declassification” 7 news.cn, 25.8.2021: “Interview: U.S. bioweapon lab suspected of source of lyme disease: expert”, http://www.news.cn/english/2021-08/25/c_1310146419.htm 8 http://www.news.cn/english/2021-08/25/c_1310146419.htm 9 Siehe British Medical Journal 366/2019: “US Pentagon is told to investigate claims that Lyme disease is escaped bioweapon from cold war”, https://doi.org/10.1136/bmj.l4784; nj.com, 24.9.2021: “Did Pentagon turn ticks into bioweapons that spread Lyme Disease? House just approved a study”, https://www.nj.com/politics/2021/09/did-pentagon-turn-ticks-into-bioweapons-that-spread-lyme-disease-house-just-approved-a-study.html Bildquellen: Bakterium Borrelia burgdorferi: Von Photo Credit:Content Providers(s): CDC - Dieses Medium stammt aus der Public Health Image Library (PHIL), mit der Identifikationsnummer #6631 der Centers for Disease Control and Prevention.Hinweis: Cropped and uploaded originally to (http://en.wikipedia.org/wiki/Image:Borrelia_image.jpg), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=302837 Foto Zecke: Sven/Nicooografie – Pixabay Grafik Verbreitung Lyme-Borreliose in USA: https://www.forbes.com/sites/judystone/2019/05/29/more-ticked-off-the-growing-threat-of-lyme-and-tick-borne-diseases/

  • Wow! Fledermaus wird Gentechnikerin

    Wie haben es chinesische Fledermäuse bloß hingekriegt, eine patentierte Gensequenz des Corona-Spritzenherstellers Moderna in ihr Erbgut zu kopieren? Eine harte Nuss für „Faktenchecker“. Als die Bombe explodierte, tat sie es völlig geräuschlos, denn Leitmedien sorgten für perfekte Schalldämmung: Im Genom des SARS-CoV-2-Virus, des Erregers von Covid-19, stieß ein internationales Forscherteam um den US-Molekularbiologen Kenneth Lundstrom auf eine überaus verdächtige Abfolge von 19 Nukleinsäuren: CTCCTCGGCGGGCACGTAG. (1) Wie die Wissenschaftler in einem peer-geprüften Artikel der Fachzeitschrift Frontiers in Virology darlegen, handelt es sich bei dieser Nukleotidkette um das exakte Spiegelbild, “Komplement”, einer genetischen Sequenz namens “MSH3”, die der Impfstoffhersteller Moderna am 4. Februar 2016, knapp vier Jahre vor dem offiziellen Ausbruch der Corona-Seuche, zum Patent Nummer 9,587,003 anmeldete. Wie schafften es Fledermäuse in südchinesischen Höhlen bloß, Modernas patentierte Gensequenz Baustein für Baustein zu spiegeln, um sie dann in ihr Erbgut hineinzukopieren? Natürlich überforderte sie ein solches Kunststück – und darin liegt ein weiterer stichhaltiger Beweis dafür, dass sich SARS-CoV-2 nicht auf natürliche Weise entwickelte, sondern im Biolabor künstlich geschaffen wurde: Offenbar wurde das Virus in Kulturen gezüchtet, die MSH3-mutierte Zelllinien verwendeten. Die mathematische Wahrscheinlichkeit, dass die 19-teilige Gensequenz zufällig entstanden ist, liegt bei weniger als Eins zu einer Milliarde. Wer auch immer das Virus zurechtbastelte, benutzte dafür Modernas gentechnisch veränderte Zelllinien. Somit wird auch klar, wie Moderna ein wahres Wunder vollbringen konnte, das in der Medizingeschichte seinesgleichen sucht: “Nur zwei Tage” benötigte das Unternehmen nach eigenen Angaben, um den Impfstoff gegen ein völlig neues Virus zu entwickeln. Des Rätsels Lösung lautet natürlich: Moderna hatte jede Menge Zeit, das Vakzin im voraus zu produzieren. Denn wirklich neu war der Erreger zumindest für Moderna keineswegs: Es enthielt eine von ihm patentierte Sequenz. Triftige Anhaltspunkte dafür, dass der Covid-19-Erreger eine Laborkreation ist, lagen bereits im Frühjahr 2020 vor. Ende Mai/Anfang Juni jenes ersten Pandemiejahres präsentierte ich sie im Facebook-Account meiner Stiftung Auswege in einer Serie, die abrupt abriss, als zunehmende Social-Media-Zensur zuschlug: Angeblich verstieß ich gegen "Gemeinschaftsstandards". Wie von Geisterhand verschwanden einzelne Folgen aus fast allen Gruppen, deren Admins sie bereits angenommen hatten. Die Reichweite meiner Beiträge schrumpfte um 90 %, selbst unsere Abonnenten erreichten wir von da an kaum noch. Also machte ich ein Buch daraus: “Corona-Rätsel – Was steckt wirklich hinter dieser Pandemie?” erschien im Juni 2020, zu bestellen ist es seither hier. (Harald Wiesendanger) Anmerkung 1 “C” steht für die Nukleinsäure Cytosin, “T” für Thymin, “G” für Guanin”, “A” für Adenin.

  • Zur Goldenen Nase

    Die “Meinungsführer” der Ärzteschaft einzuspannen, ist für Arzneimittelhersteller von allergrößter Bedeutung. Doch woher wissen Pharmafirmen eigentlich, wie wichtig und wertvoll ein bestimmter Weißkittel ist? Für Durchblick sorgen professionelle Datenbeschaffer – für astronomisch hohe Vergütungen. Einfluss ist relativ. Je größer, desto lukrativer – für die “Influencer” ebenso wie für den, der sie für eigene Zwecke einspannt. Den geschäftlichen Nutzen medizinischer Silberrücken abschätzen und angemessen belohnen hilft „Cutting Edge Information“ (CEI) in Durham, North Carolina, ein auf die Pharmabranche spezialisiertes Beratungsunternehmen, 2002 gegründet. Von den 25 größten Arzneimittelherstellern der Welt nutzen 22 die CEI-Dienste. (1) Ihre alljährlichen „Pharmaceutical Compliance“-Kongresse ziehen jeweils rund 500 Topmanager an. (2) Dank CEI wissen wir endlich, dass Mediziner ebenso einen „fairen Marktwert“ (FMV) aufweisen wie Waren, Wertpapiere, Unternehmen und jedes sonstige ökonomische Gut – und dass ihn Big Pharma zu Marketingzwecken messerscharf kalkulieren kann, sobald sie die Expertise von CEI gekauft hat. Über 140 CEI-Studien (3) verdeutlichen, wie generalstabsmäßig durchdacht die Branche begehrte KOLs, „Key Opinion Leaders“, ködert, hegt und pflegt - und generalstabsmäßig benutzt. Sie legen dar, wie man solche Topleute „managt“, ihnen angemessene „Kompensationen“ zukommen lässt – und misst, inwieweit sie von geschäftlichem Nutzen sind („Return on Investment“). Welch enormen Wert Konzerne solchen Infos beimessen, lassen die verlangten Preise erahnen: Ein einzelner Besteller zahlt pro CEI-Bericht 7.695 US-Dollar („single-user license“). Eine „unlimited license“ für mehrere Leser kostet schlappe 23.995 Dollar. (4) Der “faire Marktwert” des Meinungsführers Was kriegt Big Pharma dafür? Ein Elaborat mit dem Titel „Verwaltung/Management von pharmazeutischen Meinungsführern“ beispielsweise: Es soll firmeneigene „Teams befähigen, Beziehungen zu Meinungsführern aufzubauen und KOL-Datenbanken zu betreiben“. Außerdem zeigt es auf, „welche KOL-Aktivitäten die nützlichsten für das Unternehmen sind“, wobei es „Übergebrauch“ („overusing“) von einzelnen Meinungsführern zu vermeiden gelte. Ein weiterer CEI-Report, „Rednerprogramme zu Werbezwecken“, bietet „innovative, leicht umsetzbare Strategien und bewährte Praktiken, um Vortragsveranstaltungen effektiver und rentabler zu machen“ – wobei es unter anderem darauf ankommt, dass der Redner sämtliche „Fragen über die Produkte auf eine positive Art und Weise beantwortet“. Im CEI-Report über ärztliche Weiterbildung heißt es, ihr „Erfolg“ hänge „davon ab, die richtigen Redner mit einer großen Einflusssphäre anzuwerben“. Weiteres CEI-Material hilft, „den fairen Marktwert von KOLs“ zu messen, sie adäquat zu entlohnen – und dabei selbstverständlich den Anschein von Korruption zu vermeiden. (5) CEI-Daten zufolge schmieren Pharmakonzerne weltweit bis zu 16.500 „führende“ Mediziner, damit sie auf vielfältige Weise die Werbetrommel rühren – im Schnitt 259 pro Firma. Einem pharmazeutischen Großkonzern ist das „Opinion Leader Management“ durchschnittlich 61 Millionen US-Dollar pro Jahr wert, vereinzelt bis zu 300 Millionen. Der Verkaufswert eines KOL bemisst sich demnach an zehn Merkmalen: (6) • Jahre Berufserfahrung (years of experience) • Anzahl Veröffentlichungen pro Jahr (number of publications per year) • Anzahl Vorträge pro Jahr (number of speeches delivered per year) • Arztkategorie (provider category) • Geographische Reichweite (geographic influence) • Klinischer Forschungshintergrund (clinical research background) • Schnelles Einsetzen von Neuem (early-adopter profile) • Ausbildungsniveau (education level) • Höhe der jährlichen Beraterhonorare (level of annual advising fee funding) • Höhe der jährlichen Forschungsförderung (level of annual grant funding) Niemand weiß besser als CEI, wie sich all dies quantifizieren lässt – kein KOL soll auch nur einen Cent zuviel erhalten, aber auch keinen zuwenig. So gibt die Wissenschaftsdatenbank Web of Science Aufschluss darüber, welche Autoren zu welcher Erkrankung wie viel publiziert haben. Beispielsweise erfährt man darin, dass im Jahre 2011 unter den 100 häufigsten Autoren von Veröffentlichungen zu Multipler Sklerose zwei Koryphäen aus Italien top-performten: vorneweg ein gewisser Massimo Filippi mit sage und schreibe 606 Artikeln, gefolgt von Giancarlo Comi mit 453. (7) Dass diese beiden Herrschaften als allererste ins Visier jedes Konzerns geraten, der ein brandneues MS-Präparat hochjubeln lassen will, versteht sich von selbst. Auf mehreren hundert Dokumentseiten listet CEI auf, welche Honorare die 46 weltweit größten Arzneimittelhersteller, von Bayer über Novartis, Roche und Pfizer bis zu Eli Lilly und Bristol-Myers Squibb, an Meinungsbildner ausschütteten – je nach deren „fairem Marktwert“ (FMV). Zwischen Champions League und Stadtmeisterschaft Beim Ranking folgt der Spezialist für Pharmamarketing und „ärztliche Meinungsmacherschaft“, gefragter Marktführer in diesem Bereich, einem branchenüblichen Fünf-Stufen-Modell (8), das an Ligastrukturen im Fußball erinnert. Rang 1: In der Champions League spielen die internationalen Stars der Medizin. Sie gelten unter Fachkollegen als äußerst einflussreich, genießen weltweites Ansehen, bringen es auf mindestens acht Veröffentlichungen und elf Werbevorträge pro Jahr, haben an Therapie-Leitlinien mitgewirkt und Symposien mitorganisiert. Sie haben an einer bestens beleumundeten Universität studiert und lehren an einer solchen. Sie sind rhetorisch gewandt und verfügen über ausgeprägten Geschäftssinn. Auf ihre Konten fließt ein Drittel des Gesamtbudgets für „Meinungsführer“. Ihr üblicher Stundensatz liegt bei 578 US-Dollar, in der Spitze bei 3000. Rang 2 und 3: In der Ersten und Zweiten Bundesliga spielen Ärzte, die sich auf nationaler Ebene einen Namen gemacht haben. Zweitklassige kassieren durchschnittlich 385 Dollar pro Stunde (maximal 2500), drittklassige 244 Dollar (maximal 1000). Rang 4: Zur Regionalliga gehören Ärzte, die im weiteren Einzugsgebiet ihrer Praxis hochangesehen sind. Ihr Einsatz ist der Branche im Schnitt 205 Dollar pro Stunde wert (maximal 300). Rang 5: Bei den Spitzenreitern von Stadtmeisterschaften handelt es sich um Ärzte, die an ihrem Praxisort besonders bekannt sind. Ihr üblicher Stundensatz in Pharmadiensten liegt bei 184 Dollar, höchstens 300. Diese, wie auch die Regionalligisten, dürfe man allerdings keinesfalls unterschätzen, mahnt „Cutting Edge“; gerade sie könnten sich als vorzügliche „Arbeitspferde“ erweisen und vor Ort ein therapeutisch minderwertiges Mittel zu einem Verkaufshit machen. Darüber hinaus kann ein kooperativer Arzt jeden Ranges erkleckliche „Extravergütungen“ ergattern. (9) Im Durchschnitt fließen für einen Vortrag bei einem Marketing-Event 2111 Dollar; für einen wissenschaftlichen Vortrag 3145; für einen kurzen Review, also eine Zusammenfassung von bereits veröffentlichten Studien 2725; fürs Verfassen eines Manuskripts 3726 Dollar; für die Teilnahme an einer Sitzung des firmeninternen „Berater­gremiums“ (advisory board) 2940; für deren Moderation 3607; für deren Vorsitz 3664. Je nach Fachgebiet sind sogar noch mehr drin: Ist der Mit“beratende“ ein namhafter Krebsspezialist, streicht er pro Einsatz im Schnitt 5388 Dollar ein, ein Magen-Darm-Experte 7753 Dollar. Weil herausragende „Meinungsführer“ nicht bloß für eine, sondern zumeist für mehrere Firmen tätig sind – die Fleißigsten bringen es auf ein bis zwei Dutzend -, sind für sie durchaus Pharma- zuwendungen von jährlich über einer Viertelmillion Dollar drin. In Europa dürften die branchenüblichen Honorarsätze nicht allzu stark von amerikanischen Verhältnissen abweichen. Die hier genannten Zahlen sind auf dem Stand von 2007, der Medizinjournalist Hans Weiss stieß auf sie in CEI-Dokumenten. Mittlerweile gesunken sein dürften sie eher nicht. Sind “geldwerte Vorteile in angemessener Höhe” unbedenklich? Schmiergelder fließen an Silberrücken oft auch in Form von Provisionen, wie Ende 2018 die „Implant Files“ vor Augen führten, der Skandal um das schmutzige Geschäft mit minderwertigen medizinischen Hilfsmitteln. Ein leitender Chirurg, der jahrelang die Implantate eines bestimmten Herstellers bevorzugt, kann durchaus auf sechsstellige Umsatzprämien kommen. Anstatt dem zwielichtigen Treiben entschlossen ein Ende zu setzen, segnet die Musterberufsordnung für Ärzte es, mit einer halbherzigen Einschränkung, weitgehend ab: „Die Annahme von geldwerten Vorteilen“, so regelt deren Paragraph 33, Absatz 4, „für die Teilnahme an wissenschaftlichen Fortbildungsveranstaltungen ist nicht berufswidrig“, solange sie „in angemessener Höhe“ bleibe. Wie wäre es, darin endlich eine Anregung des US-Mediziners Edwin Fuller Torrey unterzubringen? Bei jedem Kongressreferat sollte an sichtbarer Stelle neben dem Vortragspult ein Hinweis angebracht sein wie: „Für diesen Beitrag erhält Dr. Smith 3500 US-Dollar, ein Flugticket der Business Class sowie die Unterkunft in einem Vier-Sterne-Hotel von Eli Lilly & Co.“ (10) Im Vordergrund steht bei all diesen Vergünstigungen das Bemühen, einen Erwartungsdruck zur Gegenleistung und einen dauerhaften, engen Kontakt aufzubauen, im Zuge dessen der Umworbene die Distanz verlieren soll. Und oft genug gelingt das offenkundig. Dass eine noch so ausgeprägte, überaus einträgliche Industrienähe eines Professors gänzlich unbeeinflusst lässt, wie er seine Studenten ausbildet, was er in Vorträgen äußert, in seine Manuskripte schreibt, bei Kongressen, in Fachgremien von sich gibt, ist eine äußerst gewagte, alles andere als evidenzbasierte Hypothese - eher aber ein frommer Wunsch. Das Unwesen der KOLs zählt zu den Auswüchsen eines auf “pathologischen Profit” ausgerichteten Gesundheitswesens, das “so viele skandalöse Fehlanreize setzt, dass von einer Medizin für die Menschen kaum mehr zu sprechen ist”. So deutliche Worte finden zumindest die “Ärzte für Aufklärung”. Wann erreichen solche Initiativen endlich genügend Standeskollegen, damit die Humanmedizin humaner wird? (Harald Wiesendanger) Anmerkungen Näheres in Harald Wiesendanger: Das GesundheitsUNwesen – Wie wir es durchschauen, überleben und verwandeln 1 www.cuttingedgeinfo.com/, abgerufen am 18.5.2019. 2 Siehe www.cuttingedgeinfo.com/events. 3 www.cuttingedgeinfo.com. Siehe die CEI-Schriften Pharmaceutical Thought Leaders 2007, Thought Leader Compensation: Establishing Fair-Market Value Procedures; Pharmaceutical Opinion Leader Management – Cultivating Today´s Influential Physicians for Tomorrow 2007, und Pharmaceutical Thought Leaders – Determining Fair Market Value and Measuring ROI, zit. nach Hans Weiss: Korrupte Medizin (2008), S. 77-86. Mit seinen hartnäckigen Undercover-Recherchen hat sich Weiss bleibende Verdienste um mehr Ethik in der Medizin erworben. 4 Nach Patientensicht, 18.2.2016: „Das Beratungsunternehmen "Cutting Edge Information" und dessen Berichte über KOL und ROI“, https://patientensicht.ch/artikel/beratungsunternehmen-cutting-edge-information-dessen-berichte-ueber-kol-roi, abgerufen am 18.5.2019. 5 Zit. nach Patientensicht, 18.2,2016, a.a.O. 6 CEI-Bericht PH122: „Key Opinion Leaders“ (2009), zit. nach Patientensicht, a.a.O. 7 Nach Patientensicht, 7.10.2012: „Die häufigsten Multiple Sklerose Publikationsautoren“, https://patientensicht.ch/artikel/haufigsten-multiple-sklerose-publikationsautoren, abgerufen am 18.5.2019. 8 Hans Weiss: Korrupte Medizin (2008), S. 80 ff. 9 Nach Hans Weiss: Korrupte Medizin, a.a.O. 10 E. F. Torrey: „The going rate on shrinks“, American Prospect 13 (13) 2002. Dieser Text ist Teil einer Artikelserie mit folgenden weiteren Beiträgen: 1) Dressierte Halbgötter – Wie Ärzte zu Drogendealern werden 2) Besuch vom Rep - Verlogene Freundschaft nach Drehbuch 3) Der gläserne Doc 4) Off label - Grenzüberschreitungen als Routine 5) Gekaufter Beobachter – Wenn der Arzt zum „Forscher“ wird 6) Wie geschmiert – Wenn Ärzte „Kick-back“ spielen 7) „Wie du mir, so ich dir“ - Reziprozität als Erfolgsgeheimnis 8) Weichgespült - Aus- und Fortbildung als Gehirnwäsche 9) Nimmersatte Mietmäuler – Die unheimliche Macht gekaufter Meinungsführer 10) Unter Gorillas – Das Sagen haben Silberrücken 11) Als KOL zur Goldenen Nase – Warum „Key Opinion Leaders“ ausgesorgt haben

  • Dressierte Halbgötter - Wie Ärzte zu Drogendealern werden

    Soweit der Arzt entscheidet, welche Medikamente ein Patient bekommt, sind Pharmahersteller auf seine Kooperation angewiesen. Wie lassen sich Verschreibungsgewohnheiten industriefreundlich ändern? Die Rezeptpflicht haben bekanntlich ultralinke Saboteure freier Marktwirtschaft ausgeheckt. Sie bezweckt, dem mündigen Bürger von oben herab gewisse Waren vorzuenthalten, es sei denn, er liefert sich der Willkür eines Weißkittels aus, der ihm nach eigenem Gutdünken einen Berechtigungsschein ausstellen, aber auch verweigern kann. Diese autoritäre Verschreibungspraxis hemmt den Absatz von Produktneuheiten auf vielerlei Weise, die für Hersteller und ihre Aktionäre überaus ärgerlich sind. Allzu vielen Ärzten kommen die grundsätzlich bahnbrechenden, stets evidenzbasierten Innovationen auf dem Arzneimittelmarkt nicht umgehend zu Ohren. Oder sie ziehen ihnen, grundlos risikoscheu, schon eingeführte, meist preiswertere Medikamente vor, mit weitgehend bekannten Wirkungen und Nebenwirkungen. Oder, schlimmer noch: Sie verordnen zu wenig, zu spät oder erst mal gar nix, plädieren fürs Abwarten, raten zu bewährten Hausmitteln, womöglich im Irrglauben, Pharmaprodukte seien manchmal höchstens die zweitbeste Lösung. Solche auf den Rezeptblock bezogene Schreibblockaden zu beseitigen, ist kein Kinderspiel. Schließlich zählen Ärzte zu den hellsten Köpfen im Land – hochgebildet, geistreich, kritisch. Durchschaut so jemand nicht mühelos jedes Manöver, ihn für schnöde Geschäftszwecke einzuspannen? Im übrigen verdienen Ärzte bekanntlich prächtig, so dass sie es gar nicht nötig haben, sich bestechen zu lassen, nicht wahr? Außerdem lässt ihnen der übliche Arbeitsalltag, in dem Zehn- bis Zwölf-Stunden-Tage die Regel sind, ja überhaupt keine Zeit, in Situationen zu geraten, in denen sie Zielscheibe von Korruptionsversuchen werden könnten. Hinzu kommt, dass strenges Standesrecht Vorteilsnahme ausschließt; sie würde unerbittlich sanktioniert, kein Arzt riskiert das. Wer sich mit diesen Beruhigungspillen zufriedengibt, benötigt schleunigst Nachhilfeunterricht in Pharma-Marketing. Diese Artikelserie bemüht sich darum: 1) Dressierte Halbgötter – Wie Ärzte zu Drogendealern werden 2) Besuch vom Rep - Verlogene Freundschaft nach Drehbuch 3) Der gläserne Doc 4) Off label - Grenzüberschreitungen als Routine 5) Gekaufter Beobachter – Wenn der Arzt zum „Forscher“ wird 6) Wie geschmiert – Wenn Ärzte „Kick-back“ spielen 7) „Wie du mir, so ich dir“ - Reziprozität als Erfolgsgeheimnis 8) Weichgespült - Aus- und Fortbildung als Gehirnwäsche 9) Nimmersatte Mietmäuler – Die unheimliche Macht gekaufter Meinungsführer 10) Unter Gorillas – Das Sagen haben Silberrücken 11) Zur Goldenen Nase – Warum „Key Opinion Leaders“ ausgesorgt haben Anmerkung Näheres in Harald Wiesendanger: Das GesundheitsUNwesen – Wie wir es durchschauen, überleben und verwandeln, Kap. 6: „Dressierte Halbgötter“ und Kap. 7 „Nimmersatte Mietmäuler“. (Harald Wiesendanger)

  • Besuch vom Rep - Verlogene Freundschaft nach Drehbuch

    Wie gelingt es Arzneimittelherstellern, praktizierende Ärzte einzuwickeln? Geben sie sich besonders viel Mühe mit überzeugend argumentierenden Briefen? Setzen sie auf E-Mail-Werbung, die ins Auge fällt? Verschicken sie brillant gestaltete Hochglanzbroschüren? Nichts dergleichen. Wie viele Ärzte nähmen sich schon Zeit für eine solche Lektüre, zumal wenn sie unverlangt eintrifft, von einem Absender, mit dem bisher wenig bis gar kein Kontakt besteht, schon gar kein persönlicher? Nein, die Pillenbranche kennt weitaus wirkungsvollere Werkzeuge, die strategisch ausgeklügelt ineinandergreifen. Sie unterwandert die ärztliche Aus- und Fortbildung. Sie macht sich Meinungsführer geneigt. Sie ködert Fachgesellschaften. Sie kauft Verlage und Redaktionen einschlägiger Medien. Und sie setzt auf Marketing vor Ort - auf leibhaftige Begegnungen, Auge in Auge. Dazu dirigiert sie eine Armee von Pharmareferenten. Rund 20.000 sind deutschlandweit im Außendienst unterwegs (1), vornehmlich in Arztpraxen und Kliniken, aber auch in Apotheken, bei Heimbetreibern, Krankenkassen, Verbänden. In den Vereinigten Staaten stieg ihre Zahl allein zwischen 1995 und 2005 von 38.000 auf 100.000 (2) – somit käme dort einer auf sechs Ärzte. Rechnet man nichtpraktizierende Ärzte und „Geringverschreiber“ (low prescribers) heraus, welche von Pharmagesandten ökonomischerweise links liegengelassen werden, so läge das Verhältnis sogar bei 1 zu 2,5. Das deutet auf intensivste Betreuung hin, in welcher Form auch immer. Solches Vor-Ort-Marketing verläuft offenkundig zur größten Zufriedenheit der Auftraggeber - warum sonst findet es statt, wieso wird es fürstlich entlohnt? In Deutschland verdienen Pharmavertreter als Anfänger im Schnitt 35.000 Euro, Profis 60.000 Euro, Topleute 110.000 Euro, zuzüglich Prämien und Firmenwagen. (3) In den USA lag das Durchschnittseinkommen eines „Rep“ – so heißt der sales representative, der Handelsvertreter, branchenintern – schon in den Nullerjahren bei 81.700 Dollar pro Jahr; dabei addiert sich zur Grundvergütung von 62.400 Dollar ein erfolgsabhängiger Bonus von 19.300 Dollar. Um so jemanden anzuwerben, zu trainieren, im Einsatz zu beaufsichtigen und seine Rückmeldungen auszuwerten, wenden Pharmafirmen im Schnitt weitere 89.000 Dollar auf. Somit fallen pro Rep Gesamtkosten von rund 170.000 Dollar pro Jahr an; bei specialty reps, Vertreter für „besondere Aufgaben“, sind es sogar 330.000 Dollar. (4) Bis zu 35.000 Euro – pro Arzt Und das bedeutet unterm Strich? 416.000 Ärzte praktizierten Ende 2021 in Deutschland; davon arbeitet mehr als die Hälfte im Krankenhaus, 114.000 sind niedergelassen. (Weitere 130.000 sind nicht berufstätig.) (5) Selbst wenn Reps nur einen kleineren Teil davon bearbeiten würden, sorgen ihre Bemühungen für gewaltige Ausgaben. Von US-Zahlen ausgehend, würde allein schon eine deutsche Bodentruppe von 20.000 Pharmareferenten ein Jahresbudget von drei Milliarden Euro erfordern – das wären aber bloß die Personalkosten. Hinzu kämen weitere Milliarden für vielerlei Hilfsmittel des Umgarnens, von denen gleich noch die Rede sein wird. Alles in allem wenden Pharmakonzerne für Vor-Ort-Marketing jährlich zwischen 8.000 und 35.000 Euro auf - pro niedergelassenem Arzt wohlgemerkt. (6) Egal wieviel: Die Branche kann´s verschmerzen. Für jegliches Minus beim Klinkenputzen und Schmieren kommt letztendlich eh die Gemeinschaft der Krankenversicherten auf - über erhöhte Medikamentenpreise und Kassenbeiträge. Doch es gibt kein Minus. Für jeden Euro, den Pharmafirmen ins Vor-Ort-Marketing stecken, fließen vielmehr 1,96 Euro zu ihnen zurück. (7) Aber wie könnte sich ein solches Investment jemals rentieren? Welchen Dreh haben Pharmareferenten raus, wie gelangen sie zum Ziel? Der Pharmareferent als Überzeugungskünstler Verbreitete Klischees hierüber sind lächerlich. Weder trägt ein Pharmareferent einen Koffer voll Bargeld bei sich, noch appelliert eine weibliche Industrievertreterin bei männlichen Praxisbetreibern mit kurzem Röckchen und schwülem Parfum, den slipfreien Po auf dem Schreibtisch, an niedere Instinkte. Aber worin sonst besteht ihr Erfolgsgeheimnis? Wie uns Wikipedia weismacht, bestehe die Aufgabe von Pharmareferenten darin, zu „informieren und beraten“, und zwar „fachlich, kritisch und vollständig“ – über „neueste Forschungsergebnisse, Produktentwicklung, neue Therapie- und Versorgungsansätze“. (8) Erfüllen sie diese Funktion als Wissensquelle und Mentor einfach in hervorragender Weise, weshalb Ärzte ihren Besuch außerordentlich schätzen? Fachlich recht gut mithalten können die meisten Pharmagesandten mittlerweile durchaus. Vorbei sind die Zeiten pfiffiger Quereinsteiger, die ihre Eignung schon hinlänglich unter Beweis stellten, indem sie zuvor reihenweise Luxuskarossen, überflüssige Versicherungen und windige Kapitalanlagen verkauft hatten. Der Pharmareferent von heute darf vor dem Arzt keinesfalls als blutiger Laie dastehen, im Fachgespräch soll er eine einigermaßen gute Figur machen. Das erfordert recht umfangreiche medizinische und pharmazeutische Kenntnisse. Um sie sich anzueignen, durchläuft ein Rep inzwischen eine Ausbildung mit mindestens 1000 Unterrichtsstunden, die er mit einer Prüfung bei der örtlichen Industrie- und Handelskammer abschließt; Einzelheiten regelt seit 2007 bundeseinheitlich die „Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss Geprüfte/r Pharmareferent/in“ (PharmRefPrV). (9) Eine Bildungsstufe höher angesiedelt ist neuerdings der „Pharmaberater“; er benötigt hochspezialisiertes Fachwissen, wie auch juristische Kenntnisse. Immer öfter handelt es sich dabei um Naturwissenschaftler und Mediziner, auch mit Promotion. Nach dem Arzneimittelgesetz (§ 75, Abs. 1 bis 3) muss ein Pharmaberater ein abgeschlossenes Hochschulstudium der Pharmazie, der Chemie, der Biologie, der Humanmedizin oder der Veterinärmedizin vorweisen können, zumindest aber eine Ausbildung zum technischen Assistenten der Pharmazie (PTA), der Chemie (CTA), der Biologie (BTA), der Human- (MTA) oder Veterinärmedizin (VTA). (10) Verschreibungsgewohnheiten ändern: allein darum geht es Aber wozu setzt ein Pharmareferent sein beachtliches Expertenwissen ein? Um „zu informieren“ und „aufzuklären“, sachlich und neutral? Seine eigentliche Aufgabe bringt ein ehemaliger Rep des Pharmariesen Lilly, Shahram Ahari, unverblümt auf den Punkt: „Ändere die Verschreibungsgewohnheiten des Arztes!“ – ausschließlich darum geht es. (11) Bringe ihn dazu, anstelle des alten billigen Präparats das teure neue zu verordnen; ein Original statt eines Generikums; ein Medikament des Herstellers XY, nicht dasjenige einer Konkurrenzfirma; bei mehr Patienten, bei mehr Krankheitsbildern als bisher, möglichst frühzeitig, möglichst häufig, möglichst lange. Auf diese Ziele hin sind die Firmenvertreter darauf aus, eine persönliche, möglichst enge und langfristige Beziehung zum Arzt aufzubauen, seine Verschreibungsgewohnheiten, persönlichen Einstellungen, Ansichten und Vorlieben auszukundschaften, ihm ein bequemes Zusatzsalär für Gegenleistungen zu verschaffen, ihm umsatzförderliche „wissenschaftliche Evidenzen“ näherzubringen, ihm Bedenken wegen Nebenwirkungen auszureden, Konkurrenzprodukte und chemiefreie Alternativen madig zu machen. Ihm soll bewusst werden, wie „altmodisch“ seine Verordnungen sind, solange er ein bewährtes Medikament der wie immer bahnbrechenden Neuheit vorzieht, statt teuren Originalen lieber billigere Generika rezipiert. „Eine typische Gefahr der Vertretergespräche“ sieht das Arznei-Telegramm, ein Infodienst für Ärzte und Apotheker, in der „Strategie der Desinformation. Die bisherige Therapie des Arztes wird als veraltet dargestellt und der Arzt durch den Verweis auf den ‘Experten’ XYZ in seinen therapeutischen Entscheidungen verunsichert, um eine Bresche für die Verbreitung eines neuen Präparats, meist einer Scheininnovation, zu schlagen.“ (12) Je mehr Verschreibungen der Pharmareferent letztlich anstößt, desto üppiger fällt seine Provision aus (13) - ein mächtiges Motiv, beharrlich subtilen Dauerdruck auszuüben, an medizinischen Fakten und Notwendigkeiten vorbei. Verlogene Freundschaft Und wie kriegt man das hin? „Warum”, rätselt das Arznei-Telegramm, “erlauben 80 bis 95 Prozent der (besuchten) Ärzte - trotz Arbeitsbelastung und Kostendruck -, dass Pharmareferenten ihnen ihre Zeit mit fachlich und inhaltlich fragwürdiger Produktpromotion stehlen?“ (14) Dazu setzt der Pharmareferent eine breite Palette bewährter Maßnahmen ein. Welche er bevorzugt, in welcher Dosierung und Kombination, hängt davon ab, mit welchem Typ von Arzt er zu tun bekommt und wie sich die Beziehung zu ihm entwickelt. Bei jedem Praxisbesuch lautet das A und O: „Schließe Freundschaft!“ Oberstes Ziel ist es, das Vertrauen des Arztes zu gewinnen. Gelingt das, hat man auch schon seine Patienten in der Tasche. Denn „deren Vertrauen in den Arzt als Menschen erstreckt sich automatisch auch auf das Vertrauen in die Medikamente, die er ihnen verschreibt. Auf eben diesen Vertrauenstransfer zielen die Bemühungen der Pharmaindustrie“, erläutert ein ehemaliger Manager mehrerer Branchenriesen. (15) Zu diesem Zweck wird der besuchte Arzt regelrecht überschüttet mit Nettigkeiten, Aufmerksamkeit, Zeichen aufrichtigen Interesses an der ganzen Person hinter dem Weißkittel. „All meinem Tun gebe ich den Anschein von Freundschaft“, so plaudert ein ehemaliger Lilly-Rep aus dem Nähkästchen. „Wenn ich dem Arzt ein Präsent überreiche, dann nicht, weil das mein Job ist, sondern weil ich ihn ganz arg mag. Ich bringe ihm ein Bürolunch mit, weil für mich ein Termin bei ihm eine angenehme Abwechslung zu dem darstellt, was ich bei anderen Docs erlebe. (…) Während meiner Ausbildung ist mir eingetrichtert worden: Beim gemeinsamen Dinner isst der Arzt mit einem Freund. Du isst mit einem Kunden.“ (16) Auch bei Arzthelferinnen und Sekretärinnen, wichtigen Türöffnern zu ihrem Chef, pflegen tadellose Manieren, beste Laune und antrainierter Charme der stets gutgekleideten, überaus wortgewandten Pharmagesandten in der Regel recht gut anzukommen. Der Pfizer-Vertreter Jamie Randall im US-Spielfilm „Love and other Drugs“ (2010), ein unwerfender Womanizer, repräsentiert den Berufsstand insofern durchaus würdig. Nichts lässt ein guter Freund unbeachtet, an allem und jeglichem nimmt er Anteil. „Wir werden darauf trainiert“, so enthüllt der Ex-Pharmareferent, „die Persönlichkeit des Arztes einzuschätzen, die Art seiner Praxisführung und seine Vorlieben – und diese Informationen an das Unternehmen weiterzumelden. Dabei kann Persönliches bedeutsamer sein als Verschreibungspräferenzen. Reps erkundigen sich nach Details aus dem Familienleben des Arztes und behalten sie in Erinnerung. Sie fragen nach seinen beruflichen Interessen und seiner Freizeitgestaltung. Ihr geschulter Blick sucht das Büro nach Gegenständen ab, die dazu dienen können, eine persönliche Verbindung zum Doc aufzubauen – ein Tennisschläger beispielsweise, russische Novellen, eine CD mit Rockmusik der Siebziger, ein Modemagazin, Urlaubserinnerungen, kulturelle oder religiöse Symbole. Ein Foto auf dem Schreibtisch eröffnet eine Gelegenheit, etwas über Angehörige herauszufinden, einschließlich ihrer Namen, Geburtstage und Eigenheiten. All dies pflegt der Rep gleich nach der Begegnung in eine Datenbank einzugeben.“ (17) Im Rahmen eines solch freundschaftlichen Verhältnisses genügt es in der Regel, Medikamente bloß beiläufig zu erwähnen. „Ärzte sind für Firmeneinflüsse empfänglich, weil sie überarbeitet sind, überfordert von der Informationsflut und Papierkram, und weil sie sich nicht ausreichend wertgeschätzt fühlen. Indem zuvorkommende Reps gute Laune, Sympathie und Geschenke mitbringen, verschaffen sie dem Arzt eine Verschnaufpause. Sie würdigen, was für ein hartes Dasein er fristet, und scheinen bloß darauf aus, seine Last zu erleichtern. Jedoch ist jedes Wort, jede Gefälligkeit, jede Gabe sorgfältig geplant – nicht um Ärzten und Patienten weiterzuhelfen, sondern allein um den Marktanteil gewisser Medikamente zu erhöhen.“ Rückblickend kann der reumütige Rep Ärzten nur dringend raten, sich „Freunde ausschließlich unter Leuten zu suchen, die nicht dafür bezahlt werden, Freunde zu sein“. (18) Wahrhaftigkeit: kaum zweckmäßig Überhaupt ist Wahrhaftigkeit beim Vor-Ort-Marketing nicht unbedingt zielführend. In dem Werbematerial, das der Pharmareferent überreicht – von der Produktbroschüre bis zum Sonderdruck eines Testberichts -, sind 90 Prozent aller Aussagen medizinisch irrelevant, nicht belegt, einseitig oder falsch, wie eine Untersuchung des Kölner Instituts für evidenzbasierte Medizin (DIeM) ergab. Nur acht Prozent aller medizinisch-pharmakologischen Angaben werden belegt und stimmen mit der genannten Quelle überein. (19) Trotzdem bezeichnen mehr als 80 Prozent der Besuchten den Pharmaberater bzw. –referenten als „wichtigste Informationsquelle ihrer therapeutischen Tätigkeit und Verordnungen“. (20) Als hilfreich erweisen sich Geschenke aller Art. Im Koffer führen Pharmaberater allerlei feine Präsente mit: von edlen Kugelschreibern und Taschenrechnern über Arzneimittelmuster, Prospekte und Nachdrucke vielversprechender Forschungsberichte bis hin zu Einladungen zu pharmafinanzierten Veranstaltungen mit exquisitem Freizeitprogramm. Gegenleistungsabhän- gig wird schon mal hochwertige Elektronik spendiert, wie ein niedergelassener Arzt vom Besuch einer Pharmareferentin der Firma Aventis Pasteur MSD berichtet: „Um den Umsatz eines neuen Pneumokokken-Impfstoffs anzukurbeln, eröffnete sie mir die Möglichkeit, bei Abnahme einer größeren Menge würde ich ein Handy gratis erhalten.“ (21) Auch mit kostenlosen Installations-CDs für hochwertige Praxissoftware können die Besucher aufwarten: Kaum hat der Arzt die Symptome eines Patienten eingegeben, schon blinkt auf dem Monitor das „passende“ Medikament derjenigen Firma auf, von der das Softwaregeschenk stammt. Bis zum ausgedruckten Rezept übernimmt das Programm sämtliche Arbeitsschritte. (22) Zu den beliebtesten Geschenken, die Praxistüren besonders zuverlässig öffnen, zählen „Muster“: Arzneimittel, die in geringen Mengen abgegeben werden. Dabei handelt es sich stets um neue, besonders teure Präparate. Ein kleiner Vorrat davon soll den Arzt in Versuchung bringen, auf die „Innovation“ umzusteigen, und daran gewöhnen, sie zu verschreiben. Und oftmals geht er gerne darauf ein. Griffbereite Muster eignen sich dazu, eine Therapie unverzüglich zu beginnen. Auch Patienten erfreut ein solches Präsent. Studien zufolge wechseln die meisten von ihnen zum neuen Präparat, falls sie zunächst Muster davon erhalten haben. (23) “Wir konzentrieren uns auf die Top-Verschreiber” Bekommen denn alle niedergelassenen Ärzte derartigen Besuch? So vielen Doctores unentwegt auf die Pelle zu rücken, sei rausgeschmissenes Geld, erklärt ein Verkaufsmanager von Bayer. Letztlich „konzentrieren wir uns auf die 25 Prozent, die wir beeinflussen können“ – die Top-Verschreiber. Mit denen „machen wir unser Geld. Alle anderen lassen wir links liegen.“ (24) (Harald Wiesendanger) Anmerkungen Näheres in Harald Wiesendanger: Das GesundheitsUNwesen – Wie wir es durchschauen, überleben und verwandeln, Kap. 6: „Dressierte Halbgötter“ und Kap. 7 „Nimmersatte Mietmäuler“. 1 Nach Audimax: „Pharmaberater: Ein Beruf mit Zukunft“, www.audimax.de/ingenieur/branchen/medizin-pharma-chemie/pharmaberater-ein-beruf-mit-zukunft/, abgerufen am 29.5.2019. 2 M. Goldberg u.a.: „PE's annual sales and marketing employment survey: The big squeeze“, Pharmaceutical Executive 24/2004, S. 40–45 3 Nach https://hitec-consult.de/de/firmenhistorie-hitec, abgerufen am 29.5.2019. 4 „Hard sell: As expanding the sales force becomes a less attractive option, pharmaceutical companies are reevaluating their sales strategies“, Med Ad News 23/2004, S. 1. 5 „Nachgezählt“, Der Spiegel Nr. 21, 21. Mai 2022, S. 19; nach Angaben der Bundesärztekammer, www.bundesaerztekammer.de/baek/ueber-uns/aerztestatistik/aerztestatistik-2021 6 www.kvpm.de/fakten/fakten zur psychiatrie, abgerufen am 22.10.2016; John Virapen: Nebenwirkung Tod, 7. Aufl. 2015, S. 49; Magnus Heier: „Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld?“, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung Nr. 48, 3.12.2006, www.faz.net/aktuell/wissen/medizin- ernaehrung/finanzierung-von-selbsthilfegruppen-wer-soll-das-bezahlen-wer-hat-so-viel-geld-1381620.html? printPagedArticle=true#pageIndex_2, abgerufen am 25.11.2016. 7 „Can I buy you a dinner? Pharmaceutical companies increasingly use doctors´ talks as sales pitches“, August 2004; www.worstpills.org. 8 Siehe die Wikipedia-Einträge „Pharmareferent“ und „Pharmaberater“; jeweils abgerufen am 22.5.2019. 9 Siehe www.bmbf.de/upload_filestore/upload/fvo_pdf/17_11_30_Pharmareferent.pdf, abgerufen am 29.5.2019. 10 Gesetz über den Verkehr mit Arzneimitteln (Arzneimittelgesetz – AMG) – Vierzehnter Abschnitt – Informationsbeauftragter, Pharmaberater – § 75 und § 76, siehe www.gesetze-im-internet.de/amg_1976/BJNR024480976.html#BJNR024480976BJNG001406310. 11 Adriane Fugh-Berman/Shahram Ahari: „Following the Script: How Drug Reps Make Friends and Influence Doctors“, PLoS Medicine 4 (4) 2007, S. 623, https://doi.org/10.1371/journal.pmed.0040150 12 Arznei-Telegramm 34/2003, S. 89-90: „Brauchen wir Pharmareferenten?“ 13 Nach Angaben der früheren Pharmareferentin Kathleen Slattery-Moschkau, zit. nach Jeanne Lenzer: „What Can We Learn from Medical Whistleblowers?“, PLoS Medicine 2 (7) 2005. 14 Arznei-Telegramm 34/2003, S. 89-90: „Brauchen wir Pharmareferenten?“ 15 Virapen: Nebenwirkung Tod, a.a.O., S. 58. 16 Fugh-Berman/Ahari, a.a.O., S. 621, 622. 17 Fugh-Berman/Ahari, a.a.O., S. 621. 18 Fugh-Berman/Ahari, a.a.O., S. 625. 19 T. Kaiser u.a.: „Sind die Aussagen medizinischer Werbeprospekte korrekt?“, arznei telegramm 35 (2) 2004, Sonderbeilage S. 21-23. 20 Nach Wikipedia: „Pharmareferent“, abgerufen am 29.5.2019. 21 Arznei-Telegramm 32/2001, S. 54: „Immer wieder Bestechungsversuche“ 22 Virapen: Nebenwirkung Tod, a.a.O., S. 50-52. 23 L. D. Chew u.a.: „A physician survey of the effect of drug sample availability on physicians' behavior“, Journal of General Internal Medicine 15/2000, S. 478–483; K. E. M. Groves u.a.: „Prescription drug samples—Does this marketing strategy counteract policies for quality use of medicines?“, Journal of Clinical Pharmacy and Therapeutics 28/2003, S. 259–271; R. F. Adair u.a.: „Do drug samples influence resident prescribing behavior? A randomized controlled trial“, American Journal of Medicine 118/2005, S. 881–884. 24 zit. nach Hans Weiss: Korrupte Medizin (2008), S. 34. Dieser Text ist Teil einer Artikelserie mit folgenden weiteren Beiträgen: 1) Dressierte Halbgötter – Wie Ärzte zu Drogendealern werden 2) Besuch vom Rep - Verlogene Freundschaft nach Drehbuch 3) Der gläserne Doc 4) Off label - Grenzüberschreitungen als Routine 5) Gekaufter Beobachter – Wenn der Arzt zum „Forscher“ wird 6) Wie geschmiert – Wenn Ärzte „Kick-back“ spielen 7) „Wie du mir, so ich dir“ - Reziprozität als Erfolgsgeheimnis 8) Weichgespült - Aus- und Fortbildung als Gehirnwäsche 9) Nimmersatte Mietmäuler – Die unheimliche Macht gekaufter Meinungsführer 10) Unter Gorillas – Das Sagen haben Silberrücken 11) Zur Goldenen Nase – Warum „Key Opinion Leaders“ ausgesorgt haben

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