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  • Die „zweite Welle“ kommt bestimmt – unsere Regierung sorgt dafür.

    Weiterhin stehen wir angeblich „erst am Anfang der Pandemie“, wie Kanzlerin Merkel der verängstigten Nation in ihrer jüngsten Regierungserklärung vom 23. April 2020 aufs Neue weismachte. Mit einem „Wiederaufflammen“, einer noch weitaus schlimmeren „zweiten Welle“ müsse gerechnet werden, orakelt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. (Wo bleibt die erste?) Sein jüngster Plan sorgt dafür, dass sie ganz bestimmt kommen wird. Spahn will die Corona-Tests nämlich massiv ausweiten – von derzeit 650.000 auf bis zu 4,5 Millionen pro Woche. Diese Versiebenfachung wird die Häufigkeit festgestellter Infektionen regelrecht explodieren lassen – selbst wenn die tatsächliche Anzahl Infizierter innerhalb der Bevölkerung konstant bleibt oder sogar deutlich sinkt. Zum Beweis genügen Grundrechenarten. Angenommen, 20 % aller Bundesdeutschen hätten sich mit SARS-CoV-2 angesteckt, und Spahn ließe flächendeckend repräsentative Stichproben untersuchen. Dann würden 650.000 Tests in jedem fünften Fall positiv ausfallen – also 130.000 Infizierte ausfindig machen. 4,5 Millionen Tests, die in jedem fünften Fall einen SARS-CoV-2-Befall anzeigen, ergäben hingegen 900.000 Infizierte. Prompt könnte das Robert-Koch-Institut eine regelrechte „Explosion“ der Fallzahlen melden: um fast 600 Prozent, oh mein Gott, wie entsetzlich! Notstand hoch Zwei! Strikteste Quarantäne! Verschärfter Lockdown! Eine Steigerung ließe sich auf diese Weise selbst dann noch herbeitricksen, wenn die absolute Zahl der Infizierten in Wahrheit bereits drastisch zurückgegangen wäre. Daraus folgt, was uns der übelst verleumdete Arzt Dr. Wolfgang Wodarg von Krisenbeginn an zu bedenken gab: Die vermeintliche Pandemie ist im wesentlichen ein Test-Artefakt – sprunghaft steigende Infektionszahlen spiegeln in erster Linie sprunghaft zunehmendes Herumtesten: „Wir beobachten nicht die Krankheiten, sondern die Aktivität der nach ihnen suchenden Virologen.“ War es etwa dies, was Jens Spahn meinte, als er am 21. April 2020 im Bundestag während einer Fragestunde zur Corona-Krise die Anwesenden mit dem kleinlauten Eingeständnis verblüffte: „Alle“ hätten mittlerweile „viel dazugelernt“. Man werde wohl noch zu der Feststellung kommen, „vielleicht an der einen oder anderen Stelle falsch gelegen zu haben“. Ein Beispiel lieferte Spahn, als AfD-Abgeordnete von ihm wissen wollten, ob der Regierung bei Beginn des Shutdown im März denn nicht die Erkenntnisse des Robert-Koch-Instituts vorgelegen hätten: Jeder Corona-Infizierte steckte schon vorher weniger als einen weiteren Menschen an? Wäre der Shutdown dann im angeordneten Maß überhaupt erforderlich gewesen? Darauf antwortete Spahn: Das habe der Regierung noch gar nicht klar gewesen sein können, weil die genauen Berechnungen noch nicht vorhanden gewesen seien. Seine Antwort laute daher: „Klipp und klar: Nein.“ Warum dann weiterhin? Weshalb nicht sofort weg damit? Die Antwort liegt nahe: Selbst wenn sich alle rationalen Gründe für Lockdown, Kontaktbeschränkungen, Maskenpflicht längst erledigt hätten, bleiben propagandistische und strategische: Fortdauernde Zumutungen erhalten das Gefühl der Bedrohung aufrecht, sie hindern die Massenhysterie daran, allmählich abzuebben. Das nützt wem? Ganz bestimmt all jenen, die sich Bombengeschäfte mit Virentests, Kontrolltechnik und Impfstoffen erhoffen. In deren Entwicklung fließen zur Zeit Hunderte Millionen Euro. Sie flössen bestimmt nicht, wenn ein hohes Risiko bestünde, dass die Hersteller am Ende auf ihren Produkten sitzen bleiben, weil kein Bedarf mehr besteht. Bei den CEOs der betreffenden Unternehmen handelt es sich weder um Glücksritter noch um Kaffeesatzleser noch im Philanthropen; sie investieren, weil es sich auszahlen wird – weil ihnen ein vorkalkuliert stattliches ROI (Return on Investment) sicher ist. Aber wie KÖNNTE es sicher sein, wenn Industrie und Regierungen nicht schon insgeheime Deals getroffen hätten, ungefähr des Inhalts: „Wir pumpen jetzt Unsummen in die Entwicklung von Testkits, Tracking-Apps und Vakzinen, und ihr sorgt dafür, dass sie zum Einsatz kommen werden“? Lief es anders, als Telekommunikationsriesen UMTS- und 5G-Lizenzen für Zig Milliarden ersteigerten? Und vergessen wir nicht den „Schweinegrippe“-Skandal von 2009: Genasführt von herstellerfinanzierten Wirksamkeitsstudien, deckten sich die Bundesländer im Juli 2009 beim Pharmagiganten GlaxoSmithKline (GSK) für rund 700 Millionen Euro mit 50 Millionen Impfdosen „Pandemrix“ ein – für geplante Massenimpfungen von 30 Prozent der Bevölkerung gegen eine „Pandemie“, die uns schließlich einen der mildesten Grippewinter aller Zeiten bescherte. Im Pandemiefall vertraglich zum Kauf verpflichtet hatten sich Bund und Länder gegenüber GSK übrigens schon Ende 2007 (!). Und so wäre es verwunderlich, wenn politisch Verantwortliche seit Beginn der Corona-Krise nicht noch häufiger als sonst von Lobbyisten der pharmazeutischen, medizin- und informationstechnischen Industrie umschwirrt und bedrängt würden. Frau Merkel, Herr Braun, Herr Spahn, Herr Söder, Herr Kretschmann: Lassen Sie uns bitte mal einen Blick in Ihre Terminkalender 2020 werfen – und jene Ihrer leitenden Ministerialbeamten? Déjà-vu´s ohne Ende: Schrille Warnungen vor einer ganz schlimmen Wiederkehr gab es auch schon 2009. Damals im September war das Schweinegrippevirus H1N1 schon so gut wie in der Versenkung verschwunden. Als auf der nördlichen Erdhalbkugel die kühlere Jahreszeit näherrückte, warnte die WHO dennoch, „immer noch in Alarm und in Sorge“, erneut die Welt, Vorkehrungen für eine „zweite Welle“ der Pandemie zu treffen: „Jeder muss bereit sein.“ (*) Erst pharmazeutische „Innovationen“ sollen es sein, die uns vom Joch der Hygienediktatur erlösen; wer sich ihnen verschließt, muss womöglich mit Sanktionen rechnen. Warum nicht Reisebeschränkungen für Corona-Impfverweigerer? Fortbestehende und verschärfte Maskenpflicht exklusiv für solche uneinsichtigen „asozialen Trittbrettfahrer“ (O-Ton Eckart von Hirschhausen)? Ein Verbot, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen? Arbeitserlaubnis nur noch im Home Office? Zutrittssperren zu Gastronomiebetrieben, Museen und Kinos, zu Sohnemanns Kindergarten, Töchterchens Schule und Omas Pflegeheim? Allen Ernstes sagte Spahn während der Berliner Fragestunde voraus, „dass wir einander wahrscheinlich viel werden verzeihen müssen in ein paar Monaten“. Gute Idee. Ein vielversprechender erster Schritt wäre es, nicht erst „in ein paar Monaten“, sondern unverzüglich den nutzlosen, kontraproduktiven Lockdown zu beenden – und sich bei Wodarg, Bhakdi und anderen klugen Querdenkern zu entschuldigen: für Ignoranz, Geringschätzung und üble Nachrede. (Harald Wiesendanger) Anmerkungen Merkels Behauptung, wir stünden „erst am Anfang der Pandemie“: https://www.spiegel.de/politik/deutschland/corona-krise-angela-merkel-nennt-vorgehen-der-laender-teils-zu-forsch-a-d9907811-8531-4b76-bb28-139fa09d162b Spahns Prognose der „zweiten Welle“: https://www.focus.de/gesundheit/coronavirus/jens-spahn-warnt-vor-zweiter-corona-welle-massnahmen-werden-wir-laenger-brauchen_id_11858332.html Pflichtlektüre für alle, die an Gedächtnisschwäche leiden: Dr. Henri T. Winter/Bernhard Schweitzer: Der Schweinegrippe-Skandal. Hintergründe einer fragwürdigen Pandemie (2010) – bitte NICHT bei Amazon bestellen, sondern bei Ihrem existenzbedrohten kleinen Buchhändler vor Ort! Wer gute Filmdokus vorzieht: Profiteure der Angst – Das Geschäft mit der Schweinegrippe (Arte 2009), Schweinegrippe - Falscher Alarm (21.1.2010) So geht Lobby - Das Geschäft mit der Schweinegrippe (Plusminus/ARD, 19.3.2010) Tamiflu, der Milliardenbetrug (Odysso/ARD 8.4.2012) * Zit. nach Winter/Schweitzer, a.a.O., S. 40 f.

  • In stiller Trauer gedenken wir: der Meinungsfreiheit

    5094 deutsche Covid-19-Opfer meldete das Robert-Koch-Institut am 23. April 2020. Es unterschlug das 5095. – das einzige, dessen Todesursache eindeutig feststeht: die Meinungsfreiheit. Stimmt, bisher hat keiner unsere Verfassung abgeschafft. Weiterhin gilt Artikel 5, Absatz 1: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten.“ Ihn zu streichen, war auch gar nicht nötig. Es ist ja „Krieg“ (Macron), „es geht um Leben und Tod“ (Laschet), „278.000 Corona-Todesopfer“ drohen (Drosten), schlimmstenfalls „Millionen“ (Seehofer). Also herrscht „Notstand“. Und der genügt, um Grundrechte im Nu auszuhebeln, einen freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat kurzerhand in einen „faschistoid-hysterischen Hygiene­staat“ zu verwandeln. (So mahnt der Verfassungsrechtler Hans Michael Heinig.) Ist ja bloß vorübergehend? Darum geht es nicht. Egal ob wir schon ab Ende der Osterferien wieder zur Normalität zurückkehren dürfen, ab Mai, im Herbst oder erst 2021, nach zwangsweisen Massenimpfungen: Das Unfassbare, das scheinbar ganz und gar Ausgeschlossene ist eingetreten – atemberaubend schnell, beklemmend widerstandslos. 75 Jahre, nachdem der Albtraum des Nationalsozialismus endete, tauchen wir in einen neuen ein, der schreckliche Erinnerungen an das finsterste Kapitel deutscher Geschichte wachruft. Ja, weiterhin darf jeder ungehindert seine Meinung äußern – solange sie der offiziellen Linie folgt. Widerrede bleibt jederzeit und überall möglich - aber nur, solange sie nicht allzu viele mitkriegen. Seit die Corona-Krise begann, lauert diese beklemmende Erfahrung beinahe an jeder Straßenecke, in jedem Supermarkt, in jedem Internetforum. Jeder zehnte Bundesbürger macht sie: So viele, haarsträubenderweise nicht mehr, sind Umfragen zufolge mit dem hyperaktiven „Krisenmanagement“ einer Regierung aus Medizinlaien NICHT einverstanden. Von aufgewiegelten Volksmassen muss sich dieses Zehntel verhöhnen und beleidigen lassen. Zur Minderheit zählen: Journalisten, deren kritische Beiträge, egal wie gut fundiert, keine einzige größere Redaktion haben will. Oder Wissenschaftler, die ihren Ruf, ihre Position, künftige Forschungsmittel, ihre weitere akademische Laufbahn aufs Spiel setzen, falls sie nicht die Klappe halten. Selbst Ärzte und Lehrstuhlinhaber verschienener Fachrichtungen – Mediziner, Biologen, Ökonomen, Juristen – sehen sich mundtot gemacht, sobald sie zu protestieren wagen. So gut wie alle Leitmedien, die überheblichen Hüter des „Qualitätsjournalismus“, recherchieren in weitem Bogen an ihnen vorbei. Verschweigen ihre Standpunkte und Argumente. Lassen sie in keiner Druckzeile, keiner Sendeminute zu Wort kommen. Warnen Leser und Zuschauer in Kommentaren vor ihnen. Übergehen sie konsequent auf den Gästelisten von Talkshows. Ohne Skrupel, ohne Zögern verwandelt sich die sogenannte „Vierte Gewalt“, im Namen „der“ Wissenschaft oder was sie dafür hält, in eine willige Beihelferin von Rufmordkampagnen gegen abtrünnige Experten. Dazu musste niemand sie erst „gleichschalten“. Die Schere im Kopf genügt. Derart übergangen und angeprangert, bleibt selbst international angesehenen Professoren nichts anderes übrig, als in soziale Medien auszuweichen – wohin auch sonst noch? Dort müssen sie sich vorkommen wie Sebastian Vettel unter Fahrschülern: Sie werden Freiwild für gehässige Trolle und ahnungslose Dumpfbacken, mit IQ-Quotienten vermutlich unter 50, aber Spitzenwerten auf der nach oben offenen Niedertrachtskala, im Einsatz nach der Devise des Satirikers Karl Kraus: „Gedankenfreiheit haben wir. Jetzt brauchen wir nur noch die Gedanken.“ Obendrein widerfährt Kritikern eine Zensur, die weithin unbemerkt schon seit längerem stattfindet: - Google verbannt ihre Internetseiten auf hintere Plätze von Suchergebnislisten. Browser bieten neuerdings kostenlose Apps wie „Web of Trust“ und „NewsGuard“ an: Kaum installiert, warnen sie vor „minderwertigen“, „irreführenden“ Webseiten von Alternativdenkern und Systemkritikern, dirigieren User zu „vertrauenswürdigen“ anderen Quellen: - Facebook, Instagram, Pinterest hindern Abweichler daran, Informationen zu teilen, selbst in Gruppen, deren Mitglied sie sind – oder sperren kurzerhand ihre ganzen Accounts. - Wikipedia-Administratoren ignorieren sie – oder ergänzen ihre Einträge um herabwürdigende Passagen. - Twitter schließt sich an: Wie der Mikroblogging-Dienst seinen Usern schon am 29. Januar mitteilte, verschaffe er fortan „Zugang zu glaubwürdigen Informationen, insbesondere wenn es um die öffentliche Gesundheit geht. Deshalb haben wir in Schlüsselländern (key countries) unsere Suchfunktion so angepasst, dass verlässliche (authoritative) Quellen für dich besonders hervorgehoben werden, wenn du nach Themen im Zusammenhang mit dem neuen Coronavirus suchst.“ - Um das Verbreiten von „Falschmeldungen“ einzudämmen, begrenzt der Messenger-Dienst WhatsApp das Weiterleiten von Nachrichten. Als Beispiel nennt er „die falsche Behauptung“, die Corona-Krise hänge mit 5G zusammen – obwohl eine Reihe von wissenschaftlichen Studien darauf hindeuten, dass fortgesetzte Mikrowellenbestrahlung im 5G-Frequenz­bereich das Immunsystem schwächen kann. Obendrein richtet WhatsApp ein „Informations­zentrum“ ein, unter anderem mit Angaben der WHO, einer der eifrigsten Fake News-Produzenten, was Pandemien oder den Nutzen und Risiken von Impfstoffen betrifft. - Der kriminelle Internetpranger „Psiram“ wirft „Nicht-Vertrauenswürdigen“ Dreck hinterher. - „Myth Busters“ der Weltgesundheitsorganisation und „ARD-Faktenfinder“ stempeln sie zu lächerlichen Verschwörungstheoretikern, die in dieselbe Schublade wie Ufo-, Flat Earth- und Chemtrails-Gläubige gehören, folglich in psychiatrische Obhut. „Mimikawa.at“ überführt sie des „Internet-Missbrauchs“. - „Monitor“ (ARD) ordnet sie einem „alternativen Netzwerk“ zu, mit mutmaßlichen Verbindungen zu rechtsradikalen und anarchistischen Medien. - YouTube versieht ihre Video-Statements mit Warnhinweisen und Links zu angeblich verlässlicheren Quellen, von der WHO bis zur Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. - Webprovider verwandeln Websites von Kritikern in entleerte „Baustellen“, ohne die geringste Angabe von Gründen. So sperrte Jimdo, ein Internet-Dienstleister aus Hamburg, wiederholt die gesamte Homepage eines der frühesten, meistbeachteten Kritikers des Corona-Hypes, des Arztes Dr. Wolfgang Wodarg. Eine erste Löschung am 5. April wurde nach wenigen Stunden rückgängig gemacht, ohne jegliche Erklärung, anscheinend unter dem Druck zahlreicher Proteste. Doch zwei Tage später war Wodargs Homepage erneut „zurzeit leider nicht erreichbar“, diesmal tagelang. - Selbst persönlicher Schriftverkehr wird behindert. Das musste der Biologe Prof. Sucharit Bhakdi erleben, einer der meistzitierten Medizinforscher Deutschlands – mit seiner unbestrittenen Fachkompetenz nimmt es vermutlich nicht einmal ein ganzer Rettungswagen voller Panikvirologen auf. 22 Jahre lang leitete Bhakdi das Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene an der Johannes-Gutenburg-Universität Mainz. Egal: Nachdem er allzu penetrant den Corona-Wahn anprangerte, zuletzt in einem Offenen Brief an die Bundeskanzlerin, wurde sein Universitäts-E-Mail-Account zeitweilig deaktiviert. (1) In allen sozialen Medien nehmen rigorose Löschungen zu, ohne Angabe von Gründen. Proteste lassen die Betreiber kalt. Allenfalls versenden sie den niemals näher begründeten Standard-Hinweis, es läge ein Verstoß gegen „Gemeinschaftsstandards“ vor. Diesen zufolge dürfen keine „Falschinformationen“ verbreitet werden. Dies wird mit immer größerer informationstechnischer Perfektion sichergestellt: Algorithmen sortieren missliebige Infos in Sekundenbruchteilen automatisch aus.Was ihnen entgeht, tilgen anonyme „Fake News“-Jäger in Diensten der Netzwerkbetreiber. Kurzum: Selbst das bisschen Meinungsfreiheit, das Kritikern des Corona-Hypes noch bleibt, ist hochgradig gefährdet. Sie völlig zu beseitigen, durch gänzliches Aussperren von Social Media, wäre technisch inzwischen ein Kinderspiel. Wie beschämend, wie beängstigend: Westliche Demokratien eifern dabei ohne Skrupel dem totalitären Vorbild Chinas nach. Angesichts der Krise unternahm Peking von Anfang an alles, um sich das Informations- und Deutungsmonopol zu sichern. Kritiker wurden schikaniert, eingeschüchtert und zum Schweigen gebracht, örtliche Behörden bestraften sie wegen „Verbreitung von Gerüchten“. Ist Peking demnächst überall, im Namen „der“ Wahrheit? Vor einer „Infodemie mit Fake News“ warnen Weltgesundheitsorganisation und Vereinte Nationen. (2) Vergeblich mahnt Amnesty International: „Zensur, Diskriminierung und Menschenrechtsverletzungen haben keinen Platz im Kampf gegen das Coronavirus.“ Zu den Wenigen, die „einen irritierenden Konformismus“ beklagen, zählt der Historiker Paul Nolte von der Freien Universität Berlin. „Gerade in einer solchen Situation brauchen wir eine lebendige und kritische Zivilgesellschaft. Wir brauchen streitbare Intellektuelle, die der Politik widersprechen, andere Szenarien entwickeln. Wo ist eigentlich die Linke, die müsste diese Diskurse doch jetzt führen? (…) Jetzt ist der Punkt, wo wir aus dem Tal heraustreten, uns auf den Hügel stellen und warnend den Zeigefinger erheben müssen.“ Doch weiterhin sind auf Noltes „Hügel“ bloß ein paar einsame Querdenker anzutreffen. Von dort oben sehen sie am Horizont eine schöne neue Medienwelt heraufdämmern, in der die abweichende Meinung als staatsgefährdende Untat dasteht. Wer am verordneten Seuchenschutz etwas auszusetzen hat oder gar die Seuche selbst bezweifelt, der gefährdet die Volksgesundheit. Er untergräbt das Vertrauen in die Staatsorgane, die doch bloß das Beste für uns alle wollen und tun. Solche Leute gehören mundtot gemacht. Ja, man sollte sie nicht nur „auf das Schärfste verurteilen“, sondern strafrechtlich verfolgen, wie Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (CDU) kürzlich forderte: "Es muss verboten werden, öffentlich unwahre Behauptungen über die Versorgungslage der Bevölkerung, die medizinische Versorgung oder Ursache, Ansteckungswege, Diagnose und Therapie von Covid-19 zu verbreiten." Ging daraufhin ein Aufschrei der Empörung durch Deutschlands Medien? Ich muss ihn überhört haben. Und jenseits der Medienwelt, im echten Leben? Dort hinterlässt die Einheitspropaganda tiefe, nachhaltige Spuren - zumindest in den Köpfen jener 80 Prozent, die mit dem „Krisenmanagement“ ihrer Regierung nicht nur zufrieden sind (Deutschlandtrend/ARD, Politbarometer/ZDF), sondern sogar noch härtere „Seuchen“schutzmaßnahmen begrüßen würden; Scharfmachern wie Spahn und Söder verhelfen sie zu sprunghaft steigenden Popularitätswerten, was diese ermutigt, noch schärfer zu sein. Vermeintlich seriös aufgeklärt und voller Dankbarkeit für ihre tatkräftigen Beschützer da oben, treten Abermillionen Viruspaniker als allzeit wachsame Verteidiger der bedrohten Volksgesundheit auf, als seuchenbehördliche „Bürgerwehr“, nach dänischem Vorbild. Aufgewiegelte beschimpfen, verhöhnen, verleumden und mobben Zweifler. Sie bespitzeln Verdächtige, denunzieren Abweichler – und machen sich dabei zu willigen Beihelfern einer außer Rand und Band geratenen Staatsmacht. Jeder Fünfte würde Mitbürger, die gegen das Kontaktverbot verstoßen, bei der Polizei anzeigen. Dass Mitmenschen, bloß weil sie anderer Meinung sind, angeschwärzt, angefeindet, verachtet, ihrer Würde beraubt, psychisch kaputtgemacht, existenzbedrohend geschädigt werden: All das nimmt die klorollenhamsternde Bevölkerungsmehrheit, selbst wenn sie nicht aktiv mitschnüffelt und mithetzt, inzwischen billigend in Kauf. Die Zivilgesellschaft ist verstummt – wo Politik „alternativlos“ erscheint, bedarf es keiner Stimme mehr, die sich gegen sie erhebt. Wie selbstverständlich gilt das Motto des englischen Philosophen Thomas Hobbes aus dem 17. Jahrhundert: „Wenn der Bürger vom Staat geschützt werden will, schuldet er ihm Gefolgsamkeit“ – selbst wenn dieser Staat das Bedrohungsgefühl, das er bekämpft, überhaupt erst selbst erzeugt hat. „Je mehr sich eine Gesellschaft von der Wahrheit entfernt“, so warnte George Orwell, „desto mehr wird sie jene hassen, die sie aussprechen.“ Wie weit Meinungskontrolle bereits in DIESER Krise geht, ist zweitrangig. Das reformierte „Infektionsschutzgesetz“ ließe Fake-News-Justiz à la Pistorius in jedem künftigen Pandemiefall zu, Verfassung hin oder her. Und der nächste tritt WANN ein? Vielleicht schon im kommenden Winter, mit Beginn der nächsten Grippesaison. Was gibt es aus der Corona-Krise zu lernen - für alle Möchtegern-Führerfiguren dieser Welt, wie auch für alle, die aus Pandemie-Szenarien Geschäftsideen entwickeln? Atemberaubend rasch und leicht kämen sie ans Ziel ihrer Träume. Herzlich wenig genügt dazu: (1.) ein neues Virus, das sich ebenso rasch verbreitet wie SARS-CoV-2, aber noch ein bisschen tödlicher ist – für moderne Gentechnik ein Klacks. (2.) ein weiterer Pandemie-Alarm der WHO – kein Problem, wie soeben wieder erlebt. (3.) eine kleine Experten-Clique, auf die sich Regierungen und Behörden berufen können, weil sie vermeintlich den Segen „der“ Wissenschaft beisteuert – als ob es nur eine einzige gäbe, die unantastbare, ruckzuck politisch verwertbare Wahrheiten liefert. Den Rest erledigt die Hofberichterstattung von wissenschaftsgläubigen Medien: Mit ideologisch einförmiger Rund-um-die-Uhr-Berieselung, mit hochemotionalen Bildern von Kranken, Sterbenden und Leichen versetzen sie ganze Völker in hysterische Panik, wiegeln sie auf, immunisieren sie gegen Bedenken, machen sie gefügig. Mit der ganzen Wucht moderner Propagandakunst beschaffen sie Hardlinern Umfragewerte, die geradezu nordkoreanische Mehrheitsverhältnisse widerspiegeln. Binnen Wochen erwächst daraus ein vergiftetes geistiges Klima, in dem gegen Quertreiber, als mutmaßliche Gefährder der Volksgesundheit, fast schon Pogromstimmung aufkommt. So mulmig, wie mir deswegen zumute ist, muss es meinen Großeltern am Vorabend des Dritten Reichs ums Herz gewesen sein. Geschichte wiederholt sich nicht? Ich wüsste kein Naturgesetz, welches das auf immer und ewig ausschließt. In der Nachkriegsgeschichte hat uns jedenfalls kein anderes Jahr „1984“ näher gebracht als 2020. Selbst wenn wir Freiheit demnächst zurückerhalten, wird sie vorläufig bleiben. Das war sie immer schon, aber selten wurde offenkundiger: Von selbst versteht sie sich mitnichten. Wie blitzschnell sie verlorengehen kann, sollten wir niemals vergessen, während wir wieder Gebrauch von ihr machen dürfen. Wie recht doch Joachim Gauck hatte, unser elfter Bundespräsident: „Freiheit will immer wieder neu errungen sein.“ (Harald Wiesendanger) Anmerkung (1) https://www.facebook.com/Dr-Wolfgang-Wodarg-83788386909/, s. Wodargs Beitrag vom 6. April (2) https://www.tagesschau.de/faktenfinder/whatsapp-falschmeldungen-corona-101.html Infos/Links: Paul Nolte (Historiker) im Interview mit der Frankfurter Rundschau (29.3.2020): „‘Widerwille und Trotz werden zunehmen‘ – Corona als Gefahr für die Demokratie?“, https://www.fr.de/politik/corona-krise-gefahr-demokratie-interview-historiker-paul-nolte-13631157.html Raphael M. Bonelli (österreichischer Neurowissenschaftler und Psychiater): „Corona Aktuell: Warum das Virus eine Gefahr für unsere Meinungsfreiheit darstellt“, https://www.youtube.com/watch?v=-8hdnNVezlw Harald Wiesendanger: Das GesundheitsUNwesen – Wie wir es durchschauen, überleben und verwandeln (2019), https://stiftung-auswege-shop.gambiocloud.com/das-gesundheitsunwesen-wie-wir-es-durchschauen-ueberleben-und-verwandeln-printausgabe.html Fotoausschnitt Spahn: © Martin Kraft (photo.martinkraft.com), creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/de

  • „Wir müssen mehr Ansteckungen zulassen“

    Warum nicht gleich? "Wir müssen mehr Ansteckungen zulassen! Je schneller, desto besser": Mit diesem arg verspäteten Vorschlag, die Corona-Krise zu bewältigen, bringt der Infektiologe Prof. Ansgar Lohse, Direktor der Uniklinik Hamburg-Eppendorf, Regierungen und Behörden in Verlegenheit. Nur so könne in der Bevölkerung nämlich „Herdenimmunität“ entstehen. Immun werden wir nur dann, wenn wir uns infizieren – je schneller, desto besser. Auf dieses Ziel müsse man sich nun konzentrieren. „Um das Konflikpotenzial in Familien zu mindern, um die Wirtschaft vor einer schweren Krise zu bewahren“, sieht der Facharzt für Innere Medizin gar keinen anderen Ausweg. Der Bild-Zeitung erklärte Prof. Lohse: „Die Betreuung von psychisch Kranken ist schwieriger geworden, die Familiensituation in engen Räumen birgt extremes Konfliktpotenzial und eine Wirtschaftskrise wirkt sich direkt auf die Sterblichkeit aus." Je länger die strikten Maßnahmen fortbestünden, desto schlimmere Folgen hätten sie. „Viele Menschen werden leiden und sterben, weil andere Krankenhausbetten reduziert werden, weil soziale und ärztliche Dienste nicht mehr funktionieren, weil Menschen vereinsamt und andere zusammengepfercht leben müssen, weil Karrieren und Existenzen gefährdet werden.“ Mit seiner Meinung weiß sich Lohse keineswegs allein: "Ich bin mit vielen Kollegen aus ganz verschiedenen Fachrichtungen im Diskurs, die ähnlich denken", so zitiert ihn das Nachrichtenmagazin Focus. "Wir sind uns einig, dass wir nicht nur auf Corona schauen dürfen. Auf Dauer richten wir sonst zu große Schäden an." Wo, um Himmels willen, hat dieser Herr bisher seinen Winterschlaf gehalten? Warum halten Mediziner wie er zwei Monate den Mund, ehe sie sich an die Öffentlichkeit trauen? Wieso räumen Focus, Bild und Hamburger Morgenpost dafür erst jetzt ein paar Druckzeilen frei? Warum haben Lohse und seine „vielen Kollegen“ nicht von Anfang an Wirbel gemacht, ehe das desaströse „Krisenmanagement“ des Panikorchesters Angela&Jens seinen unheilvollen Lauf nahm? Wie könnte die Bundesregierung jetzt noch umschwenken? Sich eine historisch einmalige Blamage zu ersparen, wird ihr mit jedem weiteren Krisentag wichtiger, als noch ihren Amtseid zu erfüllen: „Schaden vom deutschen Volk abzuwenden“ – zumindest aber diesem Volk noch verheerenderen Schaden zu ersparen, als bereits angerichtet wurde. Was Lohse vorschlägt, ist ebenso dringendst notwendig wie äußerst unoriginell: Ehe die WHO die Staatenlenker dieser Welt zum „Krieg“ gegen ein angebliches „Killervirus“ anstiftete, ging man immer schon auf die Lohse-Tour mit alljährlichen Grippewellen um: Man ließ sie kommen und gehen. Sie gingen, sobald es genügend Infizierte gab, die Bevölkerung also ausreichend „durchseucht“ war. Bis dahin achtete man auf Hygiene, nahm Rücksicht, stärkte sein Immunsystem, passte besonders auf Alte und Vorerkrankte auf. Längst steht fest: SARS-CoV-2 ist nicht Ebola, nicht die Pest – eine Infektion tötet nicht mehr Menschen, als es viele saisonale Grippen taten. Worin besteht nun der größere Skandal? Dass inkompetente, expertengläubige Regierungen hyperaktiv eine Massenpanik schüren, ihre Länder in seuchenbehördlich überwachte Haftanstalten verwandeln, die Wirtschaft ruinieren? Oder dass die Masse blöd genug ist, sich so mühelos verrückt machen zu lassen? (Harald Wiesendanger) Anmerkung Prof.Lohses Statements zum Nachlesen: https://www.mopo.de/hamburg/uke-infektiologe-fordert-es-muessen-sich-mehr-menschen-mit-corona-infizieren-36483636; https://www.bild.de/ratgeber/gesundheit/gesundheit/corona-infektiologe-fordert-wir-muessen-mehr-ansteckungen-zulassen-69698472.bild.html; https://www.focus.de/gesundheit/news/ansgar-lohse-muessen-mehr-ansteckungen-zulassen-infektiologe-will-herdenimmunitaet-schaffen_id_11826323.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=newsletter_GESUNDHEIT

  • Schützt Erkältung vor Covid-19?

    Eine harmlose Erkältung könnte ausreichen, um gegen Covid-19 immun zu machen: Mit dieser Nachricht verblüfft der chronisch zerzauste Chefdirigent des Berliner Panikorchesters, der Virologe Christian Drosten, nun plötzlich die erfolgreich verängstigte Nation. Was lernen wir über die Gefährlichkeit des Corona-„Killerkeims“ aus seiner verspäteten Erkenntnis? Wie Drosten in seinem NDR-Podcast erklärt, könne es durchaus sein, dass Menschen unbemerkt immun gegen Covid-19 wurden, weil sie in der Vergangenheit eine vergleichsweise harmlose Corona-Erkältung durchgemacht haben. „Wir rechnen damit, dass es möglicherweise eine unbemerkte Hintergrundimmunität gibt – durch die Erkältungscoronaviren. Denn die sind auf eine gewisse Art und Weise verwandt mit dem SARS-CoV-2-Virus". Bereits eine Woche zuvor hatte Drosten darauf hingewiesen, dass 15 Prozent der Erkältungen durch altbekannte Coronaviren hervorgerufen werden. Diese ähneln dem jetzigen Virus so stark, dass sie sogar für falsch-positive Tests sorgen. Aber machen sie auch immun? "Es könnte sein“, so räumt der Virologe ein, „dass gewisse Personen, die einen Erkältungsvirus vor ein bis zwei Jahren hatten, auf eine bisher unbemerkte Art und Weise geschützt sind." Drosten berichtet von einer Studie aus China, bei welcher die Haushalte von Infizierten intensiv beobachtet wurden. Dabei sei die sogenannte "sekundäre Attack-Rate" überraschend niedrig gewesen. (Diese Rate gibt an, wie viel Prozent der Menschen, mit denen ein Infizierter Kontakt hat, sich innerhalb der Inkubationszeit bei ihm anstecken.) "Die liegt bei 12 bis 17 Prozent", so Drosten. "Wie kann das sein, dass sich so viele NICHT infizierten, die mit im Haus waren? Spielt dabei so etwas wie Hintergrundimmunität eine Rolle?" Und wenn ja, hat sich Drosten da gerade die Sympathien von Impffetischisten wie Bill Gates verscherzt? Das Phänomen der Hintergrundimmunität wirft Licht auf einen rätselhaften Fall, der soeben für Schlagzeilen sorgt: In Ostfrankreich nahm ein neunjähriger Junge, nachdem er sich mit dem Coronavirus infiziert hatte, an mehreren Ski-Kursen teil. Dort hatte das Kind Kontakt zu mindestens 172 Personen, wie Gesundheitsbehörden ermittelten – doch KEINE EINZIGE steckte sich bei ihm an. Selbst bei seinen eigenen Geschwistern fielen Tests auf SARS-CoV-2 negativ aus. 64 Prozent der Kontaktpersonen hatten allerdings Erkältungen und grippale Infekte durchgemacht. Wie kann es sein, dass Herr Drosten eine solche „Hintergrundimmunität“ erst seit ein paar Tagen laut in Erwägung zieht – zwei Monate nachdem er, mehr als jeder andere Wissenschaftler dieser Republik, medizinisch ahnungslose Regierende in Panik versetzt und zu überstürzten Maßnahmen verleitet hat? Wenn der angebliche „Killerkeim“ harmlosen Erkältungserregern derart ähnelt, dass ein paar Tage Niesen, Hüsteln und Fiebern ausreichen können, gegen ihn immun zu machen: Wo bleiben dann ausreichende Gründe dafür, ein ganzes Land in eine Haftanstalt zu verwandeln, elementarste Freiheitsrechte mit Füßen zu treten, alles soziale Leben zu ersticken, eine Volkswirtschaft zu ruinieren? Bedurfte es eines Lockdowns, um unserem Gesundheitswesen eine Überlastung durch zu viele stark Erkältete und Vergrippte zu ersparen? Folgt aus einer weitverbreiteten „Hintergrundimmunität“ nicht, dass Politiker und Experten Infektionsraten und –risiken maßlos überschätzt haben und es weiterhin tun? Liegt die „sekundäre Attack-Rate“ erheblich niedriger als erwartet, dann müsste logischerweise auch jene ominöse Zahl, auf die RKI und Drosten uns starren lassen wie das Kaninchen auf die Schlange, viel zu hoch geschätzt sein: die Reproduktionsrate R. Diese Kennziffer zeigt an, wie viele Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Anfang März bezifferte das RKI sie auf 3, mittlerweile soll sie bei 0,8 liegen, das heißt: Zehn Infizierte stecken somit nur acht weitere Menschen an. Dies tun sie aber nur unter dieser Voraussetzung, dass die Acht noch keinerlei Immunität aufweisen. Zieht man diesen Faktor in Rechnung, so dürfte R eher Richtung 0,1 tendieren, oder nicht? Vier glänzende Argumente sprechen dafür, dass er dies längst tut: (1.) Weitaus weniger Menschen als von Bangemachern prophezeit gehen wegen Atembeschwerden zum Arzt. (2.) Bei weitaus weniger Menschen als von Bangemachern prophezeit diagnostizieren Ärzte eine akute Atemwegserkrankung - ohne (ARE) oder mit Fieber (ILI) -, die gefährlichste Begleiterscheinung von Covid-19. (3.) Weitaus weniger Menschen als von Bangemachern prophezeit werden wegen ARE/ILI stationär ins Krankenhaus aufgenommen. (4.) Weitaus weniger Menschen als von Bangemachern prophezeit sterben mit ARE/ILI. (Siehe der KLARTEXT-Beitrag „Wir werden getäuscht“.) Und all diese Zahlenwerte SINKEN bereits seit Monaten – insbesondere schon lange VOR irgendwelchen unnützen, verspäteten Seuchenschutzmaßnahmen. Oder sprach da ein Doppelgänger, der dem echten Drosten zum Verwechseln ähnlich sieht? Orakelte das Original nicht kürzlich noch von einer „Naturkatastrophe“, die allein in Deutschland 278.000 Todesopfer fordern könne? Der einfachste Weg, dieser sogenannten „Pandemie“ schleunigst Einhalt zu gebieten: Isoliert endlich die Alarmisten! (Harald Wiesendanger) Anmerkungen Drosten über das Phänomen der Hintergrundimmunität: https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast4684.html; https://www.ndr.de/nachrichten/info/32-Jetzt-mit-Hochdruck-Forschungsfragen-klaeren,podcastcoronavirus190.html; https://www.youtube.com/watch?v=sK_1V1MeHuw , ab Min. 13:10 https://www.watson.de/leben/gesundes%20leben/324026684-virologe-christian-drosten-warum-eine-erkaeltung-gegen-corona-immun-machen-koennte Zu Drostens Schreckensprognosen: (https://www.focus.de/gesundheit/news/pandemie-virologe-klaert-ueber-neuartiges-virus-auf-immunitaet-sterblichkeit-dauer_id_11723764.html; https://www.wa.de/deutschland-welt/corona-impfstoff-deutschland-impfung-curevac-hoffnung-drosten-rki-china-usa-zr-13507549.html) Titelbild: Myriams-Fotos/Pixabay

  • Corona-Angst ist „völlig überzogen“

    „Eine vergleichsweise harmlose Viruserkrankung“ sieht der Hamburger Rechtsmediziner Professor Dr. Klaus Püschel in Covid-19; die Deutschen müssten lernen, damit zu leben, und zwar ohne Quarantäne. Folglich appelliert Prof. Püschel eindringlich an Bundeskanzlerin Angela Merkel, Deutschland langsam wieder aufzumachen: „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür.“ Und er fügte hinzu: «Die Zeit der Virologen ist vorbei. Wir sollten jetzt andere fragen, was in der Coronakrise das Richtige ist, etwa die Intensivmediziner.» Aber wer fragt ihn schon, wer fragt andere Abweichler von der offiziellen Paniklinie? Die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder tun es jedenfalls nicht – wie hätten sie sonst am 15. April 2020 beschließen können, den Lockdown bis Anfang Mai zu verlängern? Professor Püschel, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin im Uniklinikum Hamburg-Eppendorf, untersucht Verstorbene, bei denen eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus vorlag. KEIN EINZIGER war frei von schweren Vorerkrankungen: „ALLE hatten Krebs, eine chronische Lungenerkrankung, waren starke Raucher oder fettleibig, litten an Diabetes oder hatten eine Herz-Kreislauf-Erkrankung.“ Daran „wären sie, auch wenn das hart klingt, alle im Verlauf dieses Jahres gestorben», sagt Prof. Püschel. SARS-CoV-2 sei lediglich der letzte Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Die unsaubere Zählweise des Robert-Koch-Instituts, das am Fließband Horrorstatistiken produziert, kritisiert Prof. Püschel entsprechend scharf: „Ohne eine pathologische oder rechtsmedizinische Untersuchung eines Leichnams ist nicht zu unterscheiden, ob ein Todesfall in Folge einer Corona-Infektion vorliegt oder ob es sich um eine andere Todes­ursache handelt, die mit einer Corona-Infektion zufällig assoziiert ist.“ Prof. Püschel liegt viel daran, die verängstigte, von Politikern und Medien in eine regelrechte Massenhysterie getriebene Bevölkerung zu beruhigen: „Durch eine starke Fokussierung auf die eher negativen Abläufe werden Ängste geschürt, die sehr belasten“, erklärt der Mediziner. Für Todesangst bestehe kein Grund: „Covid-19 ist nur im Ausnahmefall eine tödliche Krankheit, in den meisten Fällen aber eine überwiegend harmlos verlaufende Virusinfektion.“ Und so „beeinflusst dieses Virus in einer völlig überzogenen Weise unser Leben. Das steht in keinem Verhältnis zu der Gefahr, die von ihm ausgeht. Ich bin überzeugt, dass sich die Corona-Sterblichkeit nicht mal als Peak (Gipfel) in der Jahressterblichkeit bemerkbar machen wird.“ Püschels Standpunkt unterstützt Prof. Dr. med. Michael Schulte-Markwort, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Hamburg: „Keine der Zahlen, die wir kennen, rechtfertigt die Angst, die in Deutschland vor dem Virus geschürt wird.“ Nach seinem Eindruck verselbstständigt sich die Angst allmählich derart, dass gute Nachrichten im Zusammenhang mit dem Virus gar nicht mehr wahrgenommen werden. (Harald Wiesendanger) Zum Nachlesen: https://www.welt.de/regionales/hamburg/article207270421/Experte-Pueschel-Zeit-der-Virologen-ist-vorbei.html, https://www.hamburg.de/nachrichten-hamburg/13855666/experte-pueschel-zeit-der-virologen-ist-vorbei/, https://www.deutschland-kurier.org/einer-der-besten-rechtsmediziner-deutschlands-sagt-corona-angst-ist-voellig-ueberzogen/, https://www.mopo.de/hamburg/rechtsmediziner--ohne-vorerkrankung-ist-in-hamburg-an-covid-19-noch-keiner-gestorben--36508928 P.S.: P.S.: Im September 2020 ließ sich Prof. Püschel – leider – in den Ruhestand verabschieden. Seither ist es still geworden um ihn.

  • War da was? Neue Studie blamiert Panikmacher

    Wie viele Corona-Infizierte sterben? In Wuhan: 0,04 bis 0,12 Prozent, wie eine neue Studie belegt. Die mittlere Sterberate bei saisonaler Grippe liegt bei 0,1 Prozent. War da was? Ein rundes Vierteljahr ist es erst her, seit sich zwei neuartige Virentypen von Wuhan aus in Windeseile pandemisch verbreiteten: das Corona-Panikvirus, das menschliche Gehirne rund um den Globus derart rasch infizierte, dass sich eine bislang behandlungsresistente Massenparanoia entwickelte. Und das SARS-CoV-2-Virus, von dem immer klarer wird, dass es nicht pathogener und tödlicher daherkommt als eine hundsgewöhnliche Grippe. Ausgerechnet aus Wuhan erreichen uns jetzt Zahlen, welche die offizielle Panikmache vollends ad absurdum führen: Wie eine Forschergruppe aus Japan und den USA soeben feststellte, beträgt die Corona-Sterberate in Wuhan lediglich 0,04 (!) bis 0,12 % (!). Somit liegt sie noch NIEDRIGER als bei der saisonalen Grippe: Deren Mortalität beträgt etwa 0,1 Prozent. Die Studie berücksichtigt 19.559 bestätigte Fälle von SARS-CoV-2-Infektionen, einschließlich 820 Todesfälle. Die Dunkelziffer von Infizierten schätzt sie um ein Hundertfaches höher, nämlich auf 1,9 Millionen. Weltweit dürfte die Pandemie sogar NOCH HARMLOSERE Folgen haben. Denn in Wuhan wirken zwei besonders ungünstige Sonderfaktoren zusammen: (1.) In Wuhan, dem industriellen Schwerpunkt Mittelchinas, herrscht eine extreme Luftverschmutzung, die Atemwegserkrankungen dort lange vor der Corona-Krise zum Normalfall gemacht hat. (2.) Bei elf Millionen Einwohnern, die in der Metropolregion auf 8500 Quadratkilometern zusammengepfercht leben - 1268 Menschen pro qkm – kommt es unvermeidlich zu besonders häufigen, engen Sozialkontakten. Ist es zu fassen? Der alarmistische Fachmann errötet, der besorgte Laie wundert sich. Wie konnten „Experten“, mit und ohne Anführungszeichen, zunächst so hanebüchen verkennen, wie fatal Covid-19 in Wahrheit ist? (Und weshalb halten viele weiterhin stur daran fest?) Als Grund vermuten die Forscher, dass in Wuhan anfangs bloß ein kleiner Teil der Infizierten erfasst wurde, da die Krankheit bei vielen Personen völlig symptomlos verlief - oder so mild, dass sie nicht schlimmer aussah als eine stinknormale Erkältung. Schon gelesen, Herr Drosten? Halten Sie auch nach der Lektüre dieser Studie „278.000 Corona-Todesopfer in Deutschland“ für möglich? Und Sie, liebe Herren Wieler, Spahn, Seehofer? Wollen Sie uns weiterhin auf mögliche „Millionen“ Covid-19-Tote einstimmen? Im Ernst? P.S.: Sollte die brisante Studie wie von Geisterhand aus dem Internet verschwinden – was bei missliebigen Daten und Websites immer häufiger vorkommt -, senden wir Ihnen den 32-seitigen Vorabdruck des Forschungsberichts gerne als PDF zu. Anmerkungen Quelle: Kenji Mizumoto/Katsushi Kagaya/Gerardo Chowell: „Early epidemiological assessment of the transmission potential and virulence of coronavirus disease 2019 (COVID-19) in Wuhan City: China, January-February“, British Medical Journal/medRxiv – The Preprint Server for Health Sciences, doi: https://doi.org/10.1101/2020.02.12.20022434 Wuhan - Satellitenaufnahme Luftverschmutzung: https://www.scinexx.de/news/geowissen/coronavirus-effekt-auf-wirtschaft-aus-der-luft-sichtbar/ ; https://www.mdr.de/wissen/umwelt-profitiert-von-corona-100.html Titelbild: Gerd Altmann/Pixabay

  • „Wir sollten Widerstand leisten“

    Scharf verurteilt ein namhafter Epidemiologe, Dr. Knut Wittkowski, die überstürzten, verfassungswidrigen Infektionsschutzmaßnahmen von Regierungen in aller Welt. Sinnlos, gefährlich, kontraproduktiv nennt ein hochangesehener Epidemiologe, Dr. Knut Wittkowski aus New York, die überstürzten, weitreichenden Infektionsschutzmaßnahmen fast aller Regierungen weltweit. Maßnahmen wie Kontaktverbote („Social Distancing“), Ausgangssperren, Atemschutz, Versammlungsverbote, Schul- und Betriebsschließungen verhindern nicht, dass SARS-CoV-2 sich verbreitet – sie verlangsamen die Ausbreitung nur. Somit dauert es länger, bis „Herdenimmunität“ erreicht ist: bis sich eine ausreichende Zahl von Menschen – 60 bis 80 % der Bevölkerung – infiziert hat, danach vor weiteren Ansteckungen geschützt ist und selber das Virus nicht mehr übertragen kann. Um so länger bleiben jene gefährdet, deren Schutz Regierungen über grundlegende Freiheitsrechte stellen: Senioren und andere Risikogruppen. Frühzeitig zeichnete sich ab, dass die vermeintliche „Jahrhundert-Pandemie“ nicht pathogener und tödlicher ist als frühere Grippewellen. Weshalb, so wundert sich Wittkowski, ließ man also der „Pandemie“ nicht einfach ihren Lauf – und beschränkte sich darauf, die tatsächlich Gefährdeten vor Ansteckung zu bewahren? „Wie bei jeder Atemwegserkrankung sollten wir die älteren und gebrechlichen Menschen schützen, denn wenn sie eine Lungenentzündung bekommen, haben sie ein hohes Risiko, daran zu sterben. Auf der anderen Seite kommen Kinder mit diesen Krankheiten sehr gut zurecht. Die Evolution hat sie dafür gerüstet, im Laufe ihres Lebens allen möglichen Viren ausgesetzt zu sein, und deshalb sollten sie weiterhin zur Schule gehen und sich gegenseitig anstecken. Das trägt dann zur Herdenimmunität bei – und spätestens nach vier Wochen könnten die älteren Menschen anfangen, in ihre Familie zu kommen. Denn dann wäre das Virus bereits besiegt.“ Uns stattdessen in geschlossene Räume einzusperren, hält bloß eines garantiert gesund: das Virus. Alarmisten verweisen gerne auf das Gebot der Vorsorge: „Wir wussten einfach nichts über die Letalität dieses Virus. Deshalb war es das Klügste, das zu tun, was wir getan haben, weil wir einfach nicht die Daten hatten.“ Was entgegnet Prof. Wittkowski solchen Leuten? „SARS-CoV-2 ist nicht das erste Coronavirus, das ausbricht, und es wird auch nicht das letzte sein. Bei allen Atemwegserkrankungen erleben wir die gleiche Art von Epidemie. Wenn man sie in Ruhe lässt, kommt sie zwei Wochen lang, erreicht ihren Höhepunkt, zieht sich zwei Wochen lang zurück und ist dann verschwunden. (…) Wenn die Regierung nicht eingegriffen hätte, so wäre diese Corona-Epidemie, wie jede andere Epidemie von Atemwegserkrankungen, schon vorbei.“ Eifrige Infektionsschützer verweisen auf die Vorbilder China und Südkorea: Hat dort nicht erst strikteste Kontaktverbote und Ausgangssperren die Epidemie erfolgreich eingedämmt? „Ich habe mir die Daten angesehen. In beiden Ländern begann die soziale Distanzierung erst lange, nachdem die Zahl der Infektionen bereits rückläufig war, sie hat sich daher nur sehr wenig auf die Epidemie ausgewirkt. Das bedeutet, dass man dort bereits Herdenimmunität erreicht hatte, oder man stand kurz davor. Aber die Anordnung der sozialen Distanzierung verhinderte, dass es tatsächlich zum Endpunkt kam, weshalb wir auch einige Wochen nach dem Höhepunkt noch immer neue Fälle in Südkorea sehen.“ Was hält Wittkowski von Horrorzahlen wie jenen Millionen Toten, die allein „Social Distancing“ verhindert habe? „Ich weiß nicht, wo diese Zahlen herkommen - sie sind völlig unrealistisch. Es gibt keine Hinweise darauf, dass sich diese Grippe grundlegend von jeder anderen Grippe unterscheidet.“ Über das Bemühen, „die Kurve abzuflachen“, kann Wittkowski bloß den Kopf schütteln. „Tut man das, so verbreitert man sie auch. Aber ich sehe keinen guten Grund dafür, dass eine eine Atemwegserkrankung länger als nötig in der Bevölkerung bleibt.“ Benötigen wir dringendst einen Impfstoff, auf den die WHO, Bill Gates und natürlich auch die Pharmaindustrie drängen? „Aus irgendeinem Grund, den wir noch nicht vollständig verstanden haben, hat die Menschheit alle Arten von Atemwegserkrankungen überlebt. Die Natur fand einen Weg, um sicherzustellen, dass wir überleben“ – ohne Vakzine. Dass Wittkowski damit aneckt, ist ihm klar. Aber „ich werde nicht von der Regierung bezahlt, also habe ich das Recht, tatsächlich Wissenschaft zu betreiben“. Im übrigen empfiehlt uns der Epidemiologe, nicht länger stillzuhalten, den irrationalen Seuchenschutz unserer Regierung nicht länger brav hinzunehmen. „Wir sollten Widerstand leisten, und wir sollten unsere Politiker zur Verantwortung ziehen. (…) Ich glaube, die Menschen sind fügsamer, als sie sein sollten.“ Seine Argumente erläutert Dr. Wittkowski in einem rund 40-minütigen Video-Interview („Perspectives on the Pandemic“). Was er darin vorträgt, deckt sich voll und ganz mit Bedenken und Empfehlungen, für die sich der deutsche Arzt Dr. Wolfgang Wodarg, hierzulande der früheste und meistbeachtete Kritiker der offiziellen Linie, seit Monaten schmähen lassen muss, ebenso wie der Mikrobiologe Prof. Sucharit Bhakdi, der Infektiologe Prof. Ansgar Lohse, der Toxikologe Prof. Stefan Hockertz, die Virologin Prof. Karin Mölling, der Arzt Dr. Bodo Schiffmann. Nach einem Informatikstudium habilitierte sich Dr. Wittkowski in Medizinischer Biometrie an der Universität Tübingen. 15 Jahre lang arbeitete er mit Klaus Dietz - einem weltweit geachteten Epidemiologen, der den Begriff "Reproduktionszahl" prägte - über die Verbreitung des HIV-Virus zusammen, ehe er 20 Jahre lang die Abteilung für Biostatistik, Epidemiologie und Forschungsdesign an der Rockefeller University in New York leitete. (Harald Wiesendanger) Anmerkungen Das Video-Interview (41:30) mit Dr. Wittkowski verschwand bei YouTube nach kurzer Zeit: Vorerst ist es noch hier zu sehen: https://www.facebook.com/perspectivesonthepandemic/videos/258992005297175/ Zu einer (englischen) Anschrift des Interviews: https://ratical.org/PerspectivesOnPandemic-II.html

  • „In Wohnungen eindringen, Familienmitglieder entfernen“

    Schlimmer geht´s immer. Um die weitere Verbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen, empfiehlt ein hochrangiger Offizieller der Weltgesundheitsorganisation, bisherige Maßnahmen drastisch zu verschärfen. Laut Michael Ryan, Exekutivdirektor des Programms für „Gesundheitsnotfälle“ (Health Emergencies), „findet in den meisten Teilen der Welt wegen des Lockdowns ein Großteil der Übertragung im Haushalt statt, im familiären Rahmen. In gewisser Weise wurde die Übertragung von der Straße geholt und in die Familien zurückgedrängt. Jetzt müssen wir in den Familien suchen, die möglicherweise kranken Menschen finden und sie auf sichere und würdige Weise entfernen und isolieren (in a safe and dignified manner)". So äußerte sich der frühere Unfallchirurg und Epidemiologe, der seit 1996 bei der WHO tätig ist und sich dort auf Infektionskrankheiten und öffentliche Gesundheit spezialisiert hat, während einer Pressekonferenz allen Ernstes. Mit der Bill & Melinda Gates Foundation arbeitete Ryan eng zusammen. Na dann, all ihr Mitbürger, die ihr mit einer 95%-Mehrheit Seuchenschutz à la Spahn, Söder & Co. begrüßt, ja noch verschärft sehen wollt: Es wäre doch nur zu eurem Besten und dem Wohle der Volksgesundheit, wenn demnächst bewaffnete Polizei unangekündigt und ohne Gerichtsbeschluss gewaltsam in eure Wohnung eindringt, per Augenschein, Fieberthermometer oder Wärmebildkamera Hinweise auf das Vorliegen des "spezifischen klinischen Bilds" von Covid-19 ermittelt - und dann sofort zur Tat schreitet, bei Gegenwehr notfalls unter Einsatz von roher Muskelkraft, Schlagstock, Tränengas oder Pistole. Falls euer weinendes, schreiendes Kind das einzige infektionsverdächtige Familienmitglied ist, wird es, ohne euch, in eine unzugängliche Quarantänestation verschleppt, selbstverständlich „auf würdige Weise“. Zwei Wochen lang gilt für euch striktes Besuchsverbot. Oder ihr selbst werdet dort eingesperrt, von euren Lieben getrennt. Leistet dabei bloß keinen Widerstand gegen die Staatsgewalt, so eine Ordnungswidrigkeit kann teuer werden. Und falls euer entführtes, interniertes Kind ein Trauma davonträgt? Keine Sorge, der Staat dürfte eine Psychotherapie unbürokratisch rasch und großzügig bezuschussen. Ryans Pressekonferenz fand am 30. März 2020 statt. (1) Eine Woche später legte die WHO nach: Eindringlich warne sie vor „zu frühen Lockerungen in Europa“, so erklärte ihr Regionalbüro am 8. April. Stattdessen müssten die Anstrengungen zur Eindämmung des Virus "noch einmal verdoppelt und verdreifacht" werden – unter anderem „ BEI DER TRENNUNG VON GESUNDEN UND VERDACHTSFÄLLEN“. (2) All das wegen eines vermeintlichen „Killerkeims“, der nicht ansteckender, pathogener und tödlicher ist als ein hundsgewöhnliches Grippevirus, wie sich immer deutlicher herausstellt … Mir fehlen die Worte. (Harald Wiesendanger) Anmerkungen (1) Knapp 1-minütiger Videoausschnitt der WHO-Pressekonferenz: https://www.youtube.com/watch?v=bmtEGNdee2Y&feature=share; https://www.youtube.com/watch?v=kgHeuzM6mDU https://youtu.be/bmtEGNdee2Y (2) https://www.welt.de/vermischtes/live206935325/Corona-aktuell-WHO-kontert-Trump-mit-dramatischer-Warnung.html, 8. April, 13:38 Uhr Titelbild: James Paramecio/Pixabay

  • „Ohne Augenmaß! Wo ist die Notwendigkeit?“

    Hätten Regierende, ehe sie den Planeten in eine seuchenbehördlich überwachte Haftanstalt verwandeln, doch bloß ihren Rat eingeholt! Wäre es nach der Virologin Prof. Karin Mölling gegangen, so hätte es in der Corona-Krise niemals Kontakt- und Ausgangssperren gegeben. „Was im Moment läuft, ist das, was wir mehr oder weniger jeden Winter erleben“, erklärt die Professorin. „Hier schaut man sich selektiv nur eine Sache an und erfüllt sie mit Panik. Sie kriegen jetzt jeden Tag mitgeteilt, wie viele SARS-CoV-2-Tote man hat. Sie bekommen aber nicht gesagt, wie viele Influenza schon in diesem Winter infiziert hat und wie viele Todesfälle es dadurch gab. (…) Die Influenza-Epidemie von 2018 mit 25.000 Toten hat die Presse überhaupt nicht aus den Fugen gebracht. 60.000 Patienten hatten die Kliniken zusätzlich zu bewältigen, auch das war kein Problem gewesen!“ Vor staatlichen „Überreaktionen“ hat Prof. Mölling von Anfang an gewarnt: „Augenmaß ist in meinen Augen etwas Anderes.“ Leider gebe es unter Virologen auch „Scharfmacher“. Von diesen verleitet, wollen Politiker nun plötzlich mit drastischen Eingriffen verhindern, dass es zu mehreren zehntausend Toten kommt. Aber „vor zwei Jahren hat das auch keiner getan. Wo ist JETZT die Notwendigkeit? (…) Ist das angemessen, was wir jetzt tun, die Streckung der Epidemie in einer Weise, die die gesamte Weltwirtschaft fast lahmlegt?“ Medien spielen in dieser Krise eine verheerende Rolle, so findet Prof. Mölling: „Wenn man ohne einen Bezug die einzelnen Toten und die Zahl der Infizierten meldet, heute 16 Tote, heute 1.000 mehr infiziert, das schürt Ängste.“ Insbesondere Ausgangssperren hält Prof. Mölling für groben Unfug. „Das ist falsch! Deshalb engagiere ich mich. Wir brauchen Luft und Sonne, Luft verdünnt die Viren und Sonne mit UV-Licht tötet sie. Das ist auf Kinderspielplätzen gut, das ist für die Kinder im Sport gut. Draußen ist gut! Immer draußen sein, das ist das Beste. (…) Auf der Straße steckt man sich nicht an! (…) Die Leute sollen auch ins Restaurant gehen, auf eigene Verantwortung. Bei dem schönen Wetter kann man doch die Leute nicht einschließen.“ Dürfen auch die Alten spazieren gehen? „Ja, sie sollen es machen.“ Von Anfang an, so Prof. Mölling, hätte die Politik sich auf zwei Hauptziele konzentrieren sollen. Erstens: „Herdenimmunität“. Warum sollten „die jungen Leute nicht ihre Parties machen und sich untereinander anstecken“? „Wir müssen doch irgendwie auch Immunität aufbauen. Wie soll das ohne Kontakte möglich sein?“ Und zweitens: Risikogruppen SELEKTIV schützen, die Übrigen zu verstärkter Hygiene, Vorsicht, Rücksicht ermuntern – und uns alle „auf eigene Verantwortung“ handeln lassen. Oder ist der „mündige Bürger“ inzwischen ein Auslaufmodell? Wie alle Kritiker der offiziellen Linie, so ist auch Prof. Mölling zur Zielscheibe von übler Nachrede und Polemik geworden. Bezeichnend: Nachdem sie am 14. März in einem Interview mit Radio Eins ihre Argumente vorgetragen hatte, fühlte sich die Redaktion virenkompetent genug, sich von ihr öffentlich zu distanzieren: Sie lasse Wichtiges „außer Acht“, treffe „zynische“ Vergleiche und „verharmlose“. Prompt ließ ein anonymer Wikipedia-Administrator Frau Möllings Eintrag um Hinweise auf diese dreiste „Klarstellung“ ergänzen. Im Abschnitt über Frau Möllings Lebenswerk füllt diese öffentliche Rüge neuerdings 10 von 22 Zeilen. So weit sind wir schon. In Fachkreisen zählt Professor Karin Mölling, Jg. 1942, zu den weltweit angesehensten Viren-Expertinnen, die in puncto Kompetenz und Lebensleistung mit einem Herrn Drosten ohne weiteres mithalten kann. Am Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik in Berlin leitete sie 17 Jahre lang eine Forschungsgruppe (1976-1993). Sie war Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie an der Universität Zürich, wo sie einen Lehrstuhl innehatte (1993–2008). Was sie auf ihren Hauptforschungsgebieten Krebs und HIV leistete, hat ihr zahlreiche Auszeichnungen gebracht – unter anderem für einen wichtigen Durchbruch in der Aids-Bekämpfung: eine Methode, wie sich das HIV-Virus selber «umbringt». Diese Entdeckung galt als eine medizinische Sensation, ein Lichtblick für Aids-Kranke. 2018 erhielt Karin Mölling das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse sowie den Verdienstorden des Landes Berlin. (Harald Wiesendanger) Anmerkungen Interviews, Audio- und Video-Stellungnahmen von Prof. Karin Mölling: https://www.rubikon.news/artikel/die-stimme-der-vernunft https://www.radioeins.de/…/corona-virus-kein-killervirus.ht… https://kenfm.de/am-telefon-zur-corona-virologie-karin-moe…/ https://www.youtube.com/watch?v=slgqyDCUmsg&t=208s https://www.youtube.com/watch… Frau Möllings Homepage: http://moelling.ch/ Titelbild: Mylene2401/Pixabay

  • Ausgangssperre für Stubentiger?

    Die Corona-Krise erklimmt die nächste Eskalationsstufe, und schuld daran ist Nadia: eine vier Jahre alte Malaysische Tigerkatze im Zoo der New Yorker Bronx. Nadia fiel durch trockenen Husten, schweren Atem und schwachen Appetit auf – nun ist sie positiv auf das Coronavirus getestet worden. Angesteckt hat sie vermutlich ein SARS-CoV-2-infizierter Tierpfleger. Auch Nadias Schwester Azul, zwei Sibirische Tiger sowie drei Löwen zeigen verdächtige Symptome, ein „spezifisches klinisches Bild“. Genügt dies gemäß Falldefinition des Robert-Koch-Instituts nicht vollauf, sie allesamt zu Covid19-Betroffenen zu erklären? Oh Schreck! Begann die Corona-Pandemie nicht damit, dass in Wuhan das Virus von einem Wildtier auf einen Menschen übersprang? Also ist vorsorglich nun sofortiges Handeln geboten. Denn was für große Katzen gilt, lässt sich für kleine nicht vollständig ausschließen. Zum Wohle der Volksgesundheit fordert die Stiftung Auswege daher eine umgehende, unbefristete Ausgangssperrre für alle zehn Millionen Stubentiger hierzulande. Zudem sollte ab sofort jede Katze von ihren Haltern, aber auch von anderen Katzen einen Mindestabstand von 1,50 Metern einhalten sowie eine Atemschutzmaske tragen – sicherzustellen durch laufende Kontrollen von Polizei und Ordnungsamt. Jede außerhäusliche Notdurft ist unverzüglich aufzulesen und beim nächstgelegenen Veterinäramt abzugeben, zwecks Stuhlanalyse. Bei Verstößen sollte ein Bußgeld von 500 Euro fällig werden. (Herumstreuner, die sich keinem Haushalt zuordnen lassen, sind Tierheimen zuzuführen, wo seuchenschutzbehördlich zertifizierte Quarantänestationen für sie einzurichten sind.) Bei rund zehn Millionen Katzen und mutmaßlich mehreren Dutzend virologisch bedenklichen Kontakten pro Tag - flächendeckende Überwachung derartiger Ordnungswidrigkeiten vorausgesetzt – kämen bis Jahresende locker Hunderte Milliarden Euro zusammen. Prima, da könnte unser Finanzminister die „schwarze Null“ ja vielleicht doch noch retten. Doch Olaf Scholz denkt, Nadia sei Dank, womöglich schon weiter: Die Bundesrepublik bevölkern ja auch noch 12 Millionen Hunde. Ganz abgesehen von ungezählten Stall- und Zootieren. Sollte sich herausstellen, dass auch Insekten den Killerkeim übertragen können, regen wir an, per Notstandsverordnung ein drastisch erhöhtes Ausbringen von Glyphosat, Abamectin, Bifentrin, Lambda-Cyhalothrin und anderen hochgiftigen Pestiziden in die Wege zu leiten. Sicher ist sicher. Infektionsschutz geht schließlich vor. Blödes Gedankenspiel? Zugegeben, bisher scheint SARS-CoV-2 nur ausnahmsweise von Mensch auf Tier, von Tier auf Mensch überzugehen. Was aber, wenn diesem Virus biologische Grenzzäune wurscht WÄREN? Wenn ihm ALLE Arten von Wirten gleich recht wären? Müsste, könnte dann die gesamte Fauna unter Quarantäne gestellt werden? Oder wäre alles halb so schlimm, wenn für Lebewesen insgesamt gälte, worüber seit Wochen bei Homo sapiens weitgehend Klarheit herrscht: Mindestens die Hälfte aller Infizierten, von der Maus bis zum Elefanten, würde symptomfrei bleiben; bei 45 % würden sich grippeähnliche Beschwerden nach einer bis drei Wochen legen; ungefähr 4,9 % würden Atemwegserkrankungen zu schaffen machen; und geschätzte 0,1 % würden daraufhin sterben – darunter hoffentlich überproportional viele Schnaken, Zecken und Küchenschaben. Müsste sich unser Planet deswegen in eine seuchenbehördlich überwachte Haftanstalt verwandeln? Oder würden Weltenlenker spätestens dann weise entscheiden: Alles halb so wild – schließlich tragen ja auch neun von zehn Menschen Herpes-Viren mit sich herum, ohne dass die WHO jemals Pandemie-Alarm geschlagen hätte. Wieso tat sie es eigentlich nie? Neben unschönen Hautbläschen und Ekzemen kann Herpes immerhin vielerlei Erkrankungen auslösen bzw. begünstigen, die mindestens so übel verlaufen und enden können wie Covid-19: von Gürtelrose über Pfeiffer´sches Drüsenfieber, Erblindung infolge entzündeten Netzhautgewebes, Enzephalitis, einer Lähmung des Gesichtsnervs bis hin zu bösartigen Tumoren. Warum sollten wir Coronaviren nicht ähnlich panikreduziert mit uns spazierenführen können wie Herpesviren? Und falls wir uns unter den fiktiven Umständen des obigen Gedankenspiels zu psychoimmunologisch hilfreicher Gelassenheit durchringen würden: Wieso nicht gleich heute? (Harald Wiesendanger) Anmerkung Zur Tigerlady Nadia siehe z. B. https://www.welt.de/vermischtes/article207053649/Coronavirus-USA-Tiger-im-New-Yorker-Bronx-Zoo-infiziert.html

  • WHO lässt Big Tech Jagd auf Selbstdenker machen

    Kritik an der Hygienediktatur und ihrer pseudowissenschaftlichen Legitimation könnte rascher verschwinden als Covid-19 und die hysterische Angst davor. Denn die weltgrößten Infotech-Konzerne, allen voran Google, Amazon, Facebook und Twitter, haben angeblichen „Falschinformationen“ zum Corona-Thema den gemeinsamen Kampf angesagt. Dazu arbeiten sie zur Zeit an Konzepten, Techniken und Partnerschaften – in enger Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO), ausgerechnet mit ihr. Sobald diese unheimliche Koalition ihre Pläne umsetzt, wären Kritiker vollends mundtot gemacht. Von Mainstream-Medien übergangen oder verunglimpft, bieten ihnen eigene Websites und Social Media bisher letzte Rückzugsräume, in denen sie ihre Standpunkte und Argumente vortragen, Informationen austauschen, sich organisieren, eine breitere Öffentlichkeit erreichen konnten. Damit könnte schon in wenigen Wochen Schluss sein. Dazu begann die WHO Anfang Februar 2020 eine umfassende Allianz zu schmieden. Über ein Dutzend Tech-Giganten führte sie zu einer „Arbeitsgruppe“ zusammen, die fortan alle paar Wochen tagen soll – auch nach Ende der Corona-Krise. Mit dabei sind Google, Facebook, Twitter, YouTube, Amazon, Dropbox, Twilio, Verizon, Salesforce; selbst AirBnB, Kinsa und Mapbox saßen mit am Tisch. (Bloß Wikipedia fehlte auf der Gästeliste – vermutlich weil die Internet-Enzyklopädie ohnehin schon längst auf Kurs liegt.) Wichtigster Punkt der Tagesordnung: Wie unterdrücken wir (tamp down) die Verbreitung von „Unwahrheiten“? WHO-Repräsentant Andy Pattison warnte bei der Zusammenkunft vor „schlimmen Akteuren (bad actors), welche die Neugier der Menschen zum eigenen Vorteil ausnutzen“. Dies gelte für „Fake News-Stories“ auf Facebook ebenso wie für Bücher im Amazon-Sortiment, die „Angst schüren“. Auch „Twitter, You Tube und andere Social-Media-Plattformen werden von Fehlinformationen überschwemmt“, einer regelrechten „Infodemie“. Beim Bekämpfen seien viele Konzerne „schon weiter als andere“; manche „räumen ein, dass sie bisher noch nicht genug getan haben“. Zweck des ersten Meetings, so Pattison, sei es deshalb gewesen, „neue Ideensamen zu pflanzen, und das hat geklappt. Ich habe zur Zusammenarbeit und Innovation ermutigt. Eine Krise ist eine gute Zeit dafür.“ Mit neuen Algorithmen und anonymen „Faktencheckern“ zensiert Facebook bereits seit Monaten systemkritische Gruppen – auch „Auswege“ ist längst davon betroffen. Auf missliebige Posts folgten immer wieder tagelange Sperren. Das „Teilen“ von Beiträgen war uns zeitweise unmöglich; seit längerem ist es auf maximal 10 Gruppen beschränkt, deren Mitglied wir sind. Weitere dürfen wir nicht erreichen, obwohl wir ihnen angehören. Unsere Reichweite wurde drastisch gedrosselt; „deboosting“ oder „dethrottling“ heißt das im hausinternen Facebook-Jargon, bewerkstelligt von einer Software namens „Sigma“, die anfänglich zum Einsatz kam, um Selbstmordankündigungen zu erkennen. Immer mehr Kritiker müssen damit leben, dass ihre Posts als „Spam“ abqualifizert werden; in den Newsfeeds ihrer Freunde und Abonnenten tauchen sie plötzlich nicht mehr auf. Ganz oben auf „schlimmen“ Accounts platziert Facebook Warnhinweise und empfiehlt „vertrauenswürdige“ Quellen. Beiträge werden gelöscht, Profile gesperrt. Proteste bleiben grundsätzlich erfolglos. Falls überhaupt eine Antwort kommt, besteht sie stets im allgemeinen Hinweis, es seien „Community Standards“ verletzt worden. Technisch möglich wäre noch weitaus mehr. Hausintern testet Facebook bereits wiederholte Auto-Logouts sowie die Sabotage von Uploads – automatisiert. User, die sich mit diesen künstlich generierten „technischen Fehlern“ konfrontiert sehen, hätten keine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren. Unliebsame Nutzer lassen sich auch über die Auswertung der Freundeslisten von bereits Gesperrten ausfindig machen – und ebenfalls aus dem Netzwerk verbannen. Was sich diese WHO-moderierte Allianz unter Informationskontrolle im Dienste der reinen Wahrheit vorstellt, ist unschwer zu erraten. Natürlich dürfen künftig keinerlei Hinweise mehr darauf verbreitet werden, dass es sich bei der WHO um eine der korruptesten, lobbygesteuertsten Institutionen auf diesem Planeten handelt, die sich spätestens mit dem Schweinegrippe-Fehlalarm 2009 als brandgefährliche Fake-News-Schleuder an Big Pharmas Fäden profilierte. Niemand darf mehr die Aussagekraft von bloßen Infektionsraten und die Zuverlässigkeit von Tests bezweifeln, die Kriterien eines „Covid-19-Todesfalls“ hinterfragen, staatliche Infektionsschutzmaßnahmen für überstürzt, verspätet und ineffektiv erklären, vor Impfungen warnen, die Massenhysterie eine Massenhysterie nennen, kritische Ärzte und Wissenschaftler zustimmend zitieren, „unseriöse“ Quellen angeben. Schon vor der WHO-Initiative war die Zensur missliebiger Meinungen auch im Internet längst in vollem Gange. Google schiebt systemkritische und alternativmedizinische Seiten auf hintere Plätze von Suchergebnislisten, zu denen sich kaum mehr jemand durchklickt. YouTube löscht hochgeladene Filme. Das Videoportal Vimeo verfuhr so mit einer Doku („TrustWHO“), welche die zweifelhafte Rolle der WHO im Rahmen der „Schweinegrippe“ thematisierte; vorausgegangen waren eine sieben(!)jährige Recherche und Faktenchecks durch Anwälte und Mediziner. Wikipedia ignoriert Kritiker – oder versieht ihre Einträge mit abwertenden Kommentaren. Die kriminelle Online-Dreckschleuder „Psiram“ denunziert und verhöhnt sie. Provider sperren ihre Homepages und E-Mail-Konten. Aufgewiegelte oder bezahlte Trolle hetzen und pöbeln gegen sie. Besonders eifrig ist Facebook behilflich, „schlechte Inhalte“ auszumerzen. Schon Anfang Oktober 2019 entfernte es über 800 oppositionelle Seiten und Accounts kurzerhand aus dem Internet, die „darauf ausgelegt sind, politische Debatten zu schüren“. Unter den gelöschten Seiten befinden sich „Police the Police“ mit über 1,9 Millionen Followern, „Cop Block“ mit 1,7 Millionen Followern, „Filming Cops“ mit 1,5 Millionen Followern. Ferner betroffen sind „Anti-Media“ mit 2,1 Millionen Followern, „Reverb Press“ mit 800.000, „Counter Current News“ mit 500.000 und „Resistance“ mit 240.000 Followern. Auch gegen „Corona Fakes“ eifert Facebook an vorderster Front. Schon seit Januar, kurz nachdem die WHO den weltweiten Gesundheitsnotstand ausgerufen hatte, brandmarkt und entfernt Zuckerbergs Allesvernetzer angebliche „Fake News und Verschwörungstheorien“ über Corona von seinen Plattformen. Wie der Mediengigant am 16. April stolz verkündete, habe er bereits „Hunderttausende Falschinformationen über das Virus“ beseitigt – beispielsweise „die unrichtige Behauptung, Sicherheitsabstand sei zur Seuchenbekämpfung ineffektiv“. Die Zahl der „Partner“ beim Faktenchecken, „um die Verbreitung unwahrer Behauptungen einzuschränken“, werde momentan verdoppelt – auch für Instagram und Twitter. Neuerdings blende man Pop-ups mit Links zu „offiziellen Medizinquellen“ ein; auf diese Weise habe man bereits über zwei Milliarden Menschen zu echten „Gesundheitsautoritäten“ geführt. Die WHO darf kostenlos auf Facebook werben. Wie der US-Sender CNBC meldete, will Facebook bereits „in den nächsten Wochen“ die Zensurschraube noch weiter anziehen. „Fehlinformationen“ über Covid-19 sollen rigoros gelöscht werden, weil „von ihnen eine Gefahr ausgeht, physischen Schaden anzurichten“. Jeder User, der einen solchen „schädlichen“ Post geliked, kommentiert, geteilt oder sonstwie darauf reagiert hat, erhält künftig eine entsprechende „Warnung“. Solche Nachrichten „werden die Leute zu Covid-19-Mythen führen, welche die WHO entlarvt hat“, erklärte Gary Rosen, Facebook Vizepräsident „für Integrität“. (Im Ernst, so etwas gibt es bei Facebook wirklich.) „Wir werden sie zur Wahrheit aus glaubwürdigen (authoritative) Quellen hinführen.“ Solche Vorgehensweisen sind krass verfassungswidrig, sie verletzen das Recht auf freie Meinungsäußerung. Mediengiganten, die Meinungen unterdrücken oder generieren, gehören abgestraft, zerschlagen und unabhängigen Kontrollinstanzen unterstellt. Angeheuerte „Faktenchecker“ wie die Deutsche Presseagentur – ein sogenannter „Verification Officer“ leitet ihr Zensurteam -, Arvato, Correctiv, perNetzDG und die Amadeu-Antonio-Stiftung machen sich zu Komplizen krimineller Machenschaften. Aber warum sollte ein Staat dagegen vorgehen, wo ihm die Zensur doch hochwillkommen ist, um sein Notstandsregime vor Protest zu bewahren? Druck vom Wahlvolk fehlt – Massenpropaganda rund um die Uhr stellt sicher, dass 95 Prozent die Panikmache mittragen; totalitäre Eingriffe finden sie angebracht und nötig, Kritik erscheint ihnen unverantwortlich, also verurteilenswert und verzichtbar. Weg damit. Der Kolumnist Selwyn Duke hat recht: „Je weiter sich eine Gesellschaft von der Wahrheit entfernt, desto mehr wird sie jene hassen, die sie aussprechen.“ Und ja, „in Zeiten der universellen Täuschung wird das Aussprechen der Wahrheit zur revolutionären Tat“, wie schon George Orwell wusste. Was tun? Die Wenigen, die gegen den Mainstream schwimmen, werden sich eher früher als später aus den großen sozialen Netzwerken zurückziehen müssen. Tun sie es nicht freiwillig, so werden sie in Kürze dazu gezwungen. Zwar gibt es sympathische Alternativen wie das Netzwerk „Human Connection“ oder Suchmaschinen wie Ecosia, DuckDuckGo und Lilo – doch wer dorthin umzieht, verschwindet (noch) in der Versenkung. Also, liebe KLARTEXT-Sympathisanten: Sollte ich von einem Tag zum anderen bei Facebook nicht mehr auffindbar sein, so wisst ihr, warum. (Harald Wiesendanger) Anmerkungen Zu jüngsten Berichten über die Zensur-Allianz: https://www.cnbc.com/2020/04/16/facebook-will-warn-people-who-like-or-react-to-fake-coronavirus-news.html; https://www.cnbc.com/2020/01/31/facebook-to-remove-misinformation-about-the-coronavirus.html; https://www.cnbc.com/2020/02/14/facebook-google-amazon-met-with-who-to-talk-coronavirus-misinformation.html; https://www.cnbc.com/2020/03/04/coronavirus-facebook-offers-free-ads-to-who-will-remove-flase-claims.html; https://www.cnbc.com/2020/03/04/coronavirus-facebook-offers-free-ads-to-who-will-remove-flase-claims.html Zum Ende der Meinungsfreiheit in der Corona-Krise: Siehe den KLARTEXT-Beitrag „In stiller Trauer“. Zur „Fake News“-Jagd als Vorwand zur Unterdrückung missliebiger Meinungen: s. den KLARTEXT-Beitrag „Fake Hunting: die jüngste Bedrohung der Anderen Medizin“), https://www.stiftung-auswege.de/images/downloads/auswege-newsl48.pdf (PDF S. 1-5) Eine Facebook-Insiderin packt aus: https://www.journalistenwatch.com/2019/03/05/zensur-facebook-insider/; https://genius-verlag.de/blog/2017/10/22/facebook-zensur-mitarbeiterin-im-loeschzentrum-packt-aus/; https://dieunbestechlichen.com/2017/10/fakebook/ Zur universellen Vergiftung von Informationsquellen: s. Harald Wiesendanger: Das Gesundheitsunwesen (2019), Kap. 11, https://stiftung-auswege-shop.gambiocloud.com/das-gesundheitsunwesen-wie-wir-es-durchschauen-ueberleben-und-verwandeln-printausgabe.html Titelbild: S. Hermann & F. Richter/Pixabay

  • Chef-Pandemiker in der Klemme

    Was nun, Jens? Weiterhin macht der Corona-„Killerkeim“ keinerlei Anstalten, wenigstens ein kleines bisschen tödlicher zu sein als eine hundsgewöhnliche Grippe. Dafür crasht die Wirtschaft, das öffentliche Leben erstarrt. Entrechtete Bürger harren in Isolationshaft aus, verängstigte mobben zweifelnde. Einsame Alte werden vor jeglichen Sozialkontakten „geschützt“, ob sie wollen oder nicht. Düsseldorfs OB beklagt eine „signifikante Zunahme häuslicher Gewalt“. Draußen patroulliert Polizei. Noch ertönen kritische Stimmen von Wissenschaftlern und Ärzten, Ökonomen und Verfassungsrechtlern spärlich – aber allmählich werden sie zahlreicher und lauter. Hinter den Kulissen machen Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, Banken, Industrie und Handwerk Druck. Der Städte- und Gemeindebund fordert eine „Ausstiegs-Strategie“. Unionsfraktionsvize Carsten Linnemann will „spätestens nach Ostern die Wirtschaft wieder schrittweise hochfahren“. Selbst bei den Leitmedien, die bisher stramm auf Linie lagen, beginnt die Einheitsfront zu bröckeln. Und das Volk? Brav stillhalten dürfte es nicht mehr lange. DAS BLÖDE IST NUR: Der alleinige Grund, auf Teufel komm raus Massenpanik zu schüren und in einen absurden Überbietungswettbewerb einzusteigen („Wer schützt sein Volk am gnadenlosesten?“), besteht ja unvermindert fort: eine von der WHO ausgerufene „Pandemie“, die sich darin erschöpft, dass es weltweit immer mehr Infizierte gibt. Und deren Zahl wächst auch in Deutschland weiterhin – „rasant“, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) soeben erneut feststellte. „Wir stehen erst am Anfang dieser Epidemie“, ernüchterte uns am 25. März 2020 RKI-Präsident Lothar Wieler. Einen Tag später vermeldete das RKI den bislang stärksten Anstieg von Neuinfektionen: plus 4995 binnen eines Tages. Mit bis zu zehn Millionen Infizierten in den nächsten 2 bis 3 Monaten rechnet es. Womöglich müssen wir „gesellschaftlich ein Jahr im Ausnahmezustand verbringen“, orakelt des Ministers Lieblingsvirologe, Christian Drosten. Hat uns Jens ́ Parteifreund, NRW-Ministerpräsident und Möchtegern-Kanzler Armin Laschet (CDU), nicht kürzlich eingeschärft, es gehe um nichts Geringeres als um „Leben und Tod“? Ist die Gefahrenlage in ein paar Wochen nicht „eher noch schwieriger als heute“, wie Weltärztepräsident Montgomery mahnt? Hat die Weltgesundheitsorganisation nicht am 26. März nochmals eindringlich davor gewarnt, die strikten Maßnahmen zur Eindämmung des neuartigen Coronavirus aufzuheben? Müsste unsere Regierung ihr Krisenmanagement also nicht eher noch weiter VERSCHÄRFEN? Benötigt diese virenverseuchte Republik, deren Generation 65plus gerade von Covid-19 dahingerafft wird, nicht eher noch MEHR Schutzhaft? Versicherte uns Spahn nicht am 26. März bei der Bundespressekonferenz, die „vielen Infizierten und vielen Toten“ seien „noch die Ruhe vor dem Sturm“? Doch Karriere geht vor Logik. Unserem Ungesundheitsminister ist klar: Konsequent hartnäckig zu bleiben, könnte ihn alsbald den Kopf kosten. Also beginnt er nun zaghaft zurückzurudern, inspiriert von einen SARS-Cov-2-frei dahingeschiedenen Adenauer: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?“. Das führt zu ersten grotesken Verrenkungen wie jenen in der jüngsten Ausgabe der Wochenzeitung Die Zeit. Man müsse „den Krisenmodus neu denken“, schwafelt Spahn schlagartig. Bis Ostern wolle er der Nation „neue Ideen“ vorstellen, „wie das öffentliche Leben zumindest teilweise wieder möglich werden kann“. Wozu eigentlich diese Mühe, solange die angebliche Gefahr nicht nur dieselbe bleibt, sondern weiter wächst? Plötzlich scheinen Jens „neue Konzepte“ nötig, wie Ältere und chronisch Kranke geschützt werden können. Hätte er nicht besser schon im Januar/Februar darüber nachgedacht, ob das Volk dies womöglich von Anfang an ganz alleine hingekriegt hätte, ohne obrigkeitsstaatliche Notstands-knute, mittels Vorsicht, Rücksicht und Hygiene – wie bei früheren Grippewellen? Auf „Einsicht“ will er nun setzen – als ob dies erst jetzt eine tolle Idee wäre. Wichtig erscheint es Jens plötzlich, eine „Balance zwischen Eigenverantwortung und staatlicher Kontrolle“ hinzukriegen. Denn „Vorschriften alleine reichen nicht. Allein mit Zwang halten wir diese Einschränkungen nicht durch.“ Deren „Verhältnismäßigkeit“ müsse immer wieder neu bewertet werden. Waren sie dies bisher denn im entferntesten: VERHÄLTNISMÄßIG? Hätte sich unsere Regierung um die angestrebte „Balance“ nicht anderthalb Monate früher kümmern sollen? Plötzlich „irritiert“ Spahn „der dezidierte Ruf mancher nach immer härteren Maßnahmen“. Hat er nicht anderthalb Monate lang irritierend laut mitgerufen? Halbwegs glaubwürdig zurückrudern könnte Jens nur noch, falls die Ansteckungsrate in Kürze merklich sinkt. Doch dagegen sprechen – siehe oben - die düsteren Prognosen des Robert-Koch-Instituts, wie auch des Weltärztepräsidenten: Demnach müsste der Albtraum bis Jahresende weitergehen, vielleicht sogar bis weit ins Jahr 2021 hinein. Was wäre Jens nun zu raten? Ansteckungsraten sind Messgrößen, in denen sich diagnostische Aktivität niederschlägt. Sie sinken, sobald weniger eifrig getestet wird. Dann fallen weniger Infizierte auf, die Kurve verflacht. Wäre das Spahns Rettung? Eher nein. Zum einen widerspräche es dem offiziellen Credo, es könne gar nicht genug getestet werden – im Idealfall jedermann, am besten wiederholt. Zum anderen würde der Winkelzug ahnen lassen: Die Notlage war immer schon relativ. Ohne Tests hätte sich niemand um den Ernst der Lage ärger gesorgt als um die neuesten Influenza-Viren der Saison. Was sich pandemisch verbreitete, war kein „Killerkeim“, sondern die Hyperaktivität von testenden Virologen und sensationslüsternen Journalisten, wie sich jetzt herausstellt. Auch Jens dämmert das allmählich. Und so beginnt er nun, um seinen Ministerstuhl, seine politische Zukunft zu kämpfen. Dabei dürfte er sich um Kopf und Kragen reden. Denn jede Rolle rückwärts könnte mit Genickbruch enden. Spahns verunglückter Auftritt als tatkräftiger Retter der Nation, in dessen Großhirnrinde eine haarsträubende fachliche Inkompetenz, emotionale Ansteckung, Expertenhörigkeit und Profilierungssucht auf fatalste Weise interagiert haben, wird Tag für Tag offenkundiger, wie das Totalversagen des gesamten Kabinetts. Angelas Panikorchester ist dabei, Geschichte zu schreiben – für ein Buch, in dem niemand stehen will, ein Äquivalent zu Hollywoods Schmähpreis der „Goldenen Himbeere“. Schon jetzt gäbe es ausreichend Gründe für eine gesundheitspolitische Vollbremsung, für Rücktritte, für Institutsschließungen, fürs Aufkündigen der WHO-Mitgliedschaft, für Schadensersatz- und Verfassungsklagen, für einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss, für Ermittlungen der Staatsanwaltschaft – und fürs Auswandern. Bloß: wohin? (Harald Wiesendanger) Titelbild: PublicDomainPictures/Pixabay

  • Wir werden getäuscht.

    Auch die jüngsten Zahlen aus dem Hause Robert Koch machen wenig Hoffnung, dass es endlich spannend wird: dass der apokalyptischen Weisssagung jetzt aber wirklich die reale Seuchenkatastrophe folgt, die zweite Pest, die grauenvolle „Jahrhundert-Pandemie“. Ganz im Gegenteil: Auch für die 14. Kalenderwoche 2020 signalisieren alle relevanten Kennzahlen „Entwarnung“. „Warten auf Godot“ heißt eines der ereignisärmsten Bühnenstücke der Theatergeschichte. Von Anfang bis Ende harren darin Estragon und Wladimir, die beiden Hauptfiguren, in gespannter Erwartung eines Irgendwer, der einfach nicht kommt. Gibt es ihn überhaupt? Fast scheint es so, als hätten sich Lothar Wieler und Christian Drosten dazu verabredet, Samuel Becketts berühmte Vorlage von zweieinhalb Stunden auf mindestens ein Vierteljahr auszudehnen. Ihr „Godot“ ist „die Welle“ – wo bleibt sie nur? Zwischendurch kommen die Schaulustigen Angela, Jens, Markus und Horst vorbei: „Ja, wann isses denn nun endlich so weit?“, drängeln sie. Doch weiterhin können Lothar und Christian bloß ratlos mit den Achseln zucken. Auch die allerneuesten Zahlen aus dem Robert-Koch-Institut machen wenig Hoffnung, dass es endlich spannend wird: dass der apokalyptischen Weisssagung jetzt aber wirklich die reale Seuchenkatastrophe folgt, die zweite Pest, die grauenvolle „Jahrhundert-Pandemie“. Ganz im Gegenteil: Auch für die 14. Kalenderwoche 2020, vom 28. März bis 3. April, signalisieren ALLE relevanten Statistiken „Entwarnung“, noch deutlicher als in der Vorwoche. Dies kann man höflich kommentieren - oder derb. Die derbe Version lautet: Leute, wir werden verarscht. Aber sind sie weiterhin nicht ganz arg schlimm, die offiziellen Pandemie-Zahlen? Kommt noch viel Schlimmeres auf uns zu? Für den 12. April 0:00 Uhr meldet das Robert-Koch-Institut 120.479 sogenannte „Covid-19-Fälle“: ein Plus von 2821 gegenüber dem Vortag, eine Steigerung um entsetzliche 236.000 Prozent (!) seit dem 1. März – da waren es nämlich erst 51 gewesen. Und 2673 Corona-Tote - oh mein Gott! Übereinandergestapelt ergäben 2673 Särge, bei Standardmaßen von 200 x 70 x 65 cm (LxBxH), einen Wolkenkratzer von 1737 Meter: fast sechs Mal so hoch wie der Eiffelturm. ARD und ZDF wären beim Auftürmen bestimmt live dabei, und Jens Spahn würde mit dem Zollstock nachmessen, ob alle beteiligten Bauarbeiter den gebotenen Sicherheitsabstand einhalten. Lasst uns der dreisten Gaukelei mit Horrorzahlen nicht auf den Leim gehen. Wer sie, mit oder ohne Professorentitel, in die Welt hinausbläst, will uns emotionalisieren, um uns vom Denken abzuhalten. Denken wir logisch: Bei Covid-19 handelt es sich, auf Medizinerdeutsch, um eine akute respiratorische Erkrankung (ARE), am häufigsten begleitet von trockenem Husten, manchmal auch von Hals- und Gliederschmerzen, Kopfweh, Müdigkeit und Kurzatmigkeit; tritt zusätzlich Fieber auf, liegt eine grippeähnliche Erkrankung vor (ILI, influenza-like illness). WÜRDEN Covid-19-Fälle sprunghaft zunehmen, insbesondere solche mit schwerem Verlauf, und auch nur annähernd so gefährlich sein, wie Regierende, Behörden und Medien uns eintrichtern, dann müsste unser Gesundheitswesen – ein knappes Vierteljahr, nachdem das RKI am 27. Januar die erste bestätigte SARS-CoV-2 Infektion in Deutschland zu vermelden hatte – bereits von vier Entwicklungen überrollt werden: 1. Weil sprunghaft mehr Menschen über starke Atemnot, Husten, Fieber klagen, müsste längst ein beispielloser Run auf Arztpraxen eingesetzt haben. 2. Niedergelassene Ärzte müssten längst dramatisch mehr schwere Atemwegserkrankungen diagnostizieren. 3. Die pneumologischen und Intensivstationen unserer Krankenhäuser müssten bereits überfüllt sein. 4. Die Sterberate bei ARE/ILI-Betroffenen müsste rapide in die Höhe geschnellt sein. Selbst wenn uns die ominöse „große Welle“ erst noch bevorstünde, wie uns das RKI-Chef Lothar Wieler im Tagesrhythmus an die desinfizierte Wand malt: Zumindest ein klitzekleines Bisschen müsste sich doch jetzt schon in den Fallstatistiken niederschlagen, dass der Monster-Tsunami Anstalten macht, sich aufzubauen. Hat er inzwischen damit begonnen? Dies sollten uns am ehesten die laufend aktualisierten Zahlen anzeigen, welche das Robert-Koch-Institut regelmäßig in seinem „Epidemiologischen Bulletin“ sowie im „Wochenbericht“ veröffentlicht. Innerhalb des RKI trägt diese Zahlen die „Arbeitsgemeinschaft Influenza“ (AGI) zusammen, für Deutschland insgesamt, aber auch für jedes Bundesland. Wichtigste Datenquelle sind dabei über 600 „primärversorgende“ Hausarztpraxen: Allgemeinmediziner, Pädiater, Internisten. Seit 1994 melden sie festgestellte Fälle von akuten Atemwegserkrankungen (ARE) in allen Altersgruppen. Müssten sich daraus nicht Diagramme mit Horrorkurven ergeben, die neuerdings steil himmelwärts schießen? Doch davon kann weiterhin keine Rede sein – nicht im geringsten. Ganz im Gegenteil. 1.) Wie steht es mit dem „Konsultationsindex“, der verrät, wie häufig Atemwegserkrankte einen Arzt aufsuchen? Dessen Werte, so räumt das RKI ein, „sind in der 14. KW 2020 im Vergleich zur Vorwoche STARK GESUNKEN“, „insgesamt und in allen Altersgruppen“. (Wochenbericht 14/2020, S. 3, s. Grafik) 2.) Wie verhält es sich mit ärztlich festgestellten Atemwegserkrankungen? Deren Häufigkeit zeigt der „Praxis-Index“ des RKI an. Und was verrät er uns? Das steht schon groß und fett in der Überschrift des „Epidemiologischen Bulletin“ Nr. 16, Seite 3: „Abrupter Rückgang der Raten an Atemwegserkrankungen in der deutschen Bevölkerung“. Dies unterstreicht der jüngste Wochenbericht Nr. 14, Seite 2 (s. Grafik): „Die Rate von Personen mit einer neu aufgetretenen akuten Atemwegserkrankung (ARE, mit Fieber oder ohne Fieber) ist in der 14. Kalenderwoche (30.03. – 05.04.2020) im Vergleich zur Vorwoche WEITER STARK GESUNKEN (1,7 %, Vorwoche: 3,0 %). Die Rate der grippeähnlichen Erkrankungen (ILI, definiert als ARE mit Fieber) ist im Vergleich zur Vorwoche ebenfalls GESUNKEN (0,2 %; Vorwoche: 0,4 %) und liegt jetzt auf einem DEUTLICH NIEDRIGEREN Niveau als in den Vorsaisons zur gleichen Zeit“, wie das RKI einräumen muss. Diese Trends setzten schon deutlich VOR BEGINN staatlicher Maßnahmen ein. Ganz unten auf dieser Seite, nach dem Anmerkungsteil, folgen die Praxis-Indices einzelner Bundesländer. 3.) Wie geht es in Deutschlands Krankenhäusern zu? Müssten dort stationär behandelte Fälle von SCHWEREN Atemwegserkrankungen (SARI) nicht schon sprunghaft zugenommen haben, mit weiter steigender Tendenz? Im Gegenteil: Wie das Robert-Koch-Institut ausgehend von Meldungen aus 73 Kliniken auch im allerneuesten Wochenbericht einräumt, „ist die Gesamtzahl WEITER GESUNKEN“. (Wochenbericht KW 14, S. 6) Aber die Senioren? „In der Altersgruppe 60 bis 79 Jahre sowie 80 Jahre und älter sind die SARI-Fallzahlen STABIL GEBLIEBEN“. In der Vorwoche (KW 13) hatten sie sich im Vergleich zu KW 12 sogar „fast HALBIERT.“ Müssten bei SARI-Fällen nicht besonders häufig Covid-19-Diagnosen vorkommen? Auch davon kann keine Rede sein. Nicht einmal bei jedem vierten Klinikpatienten mit Atemwegserkrankung liegt Covid-19 vor. Bei den über 80-Jährigen sind sogar nur 14 Prozent (!) betroffen, bei Kindern und Jugendlichen bis 14 Jahren NULL Prozent. Aber wie sieht es in den Intensivabteilungen aus? Müssten überall dort erschöpfte Ärzte und tränenüberströmte Krankenschwestern, alle am Rande des Nervenzusammenbruchs, nicht schon vor der Flut von Covid-19-Intensivpatienten kapitulieren – oder kurz davor stehen? Ja, es trifft zu, dass vereinzelte deutschen Kliniken keine Patienten mehr aufnehmen – aber nicht etwa, weil es zuviele Patienten oder zuwenig Betten gäbe, sondern weil das Pflegepersonal positiv getestet wurde – so seit Ende März in Wolfsburg. Das führt automatisch zum Arbeitsverbot, obwohl meistens gar keine oder kaum Symptome auftreten. Und über Wolfsburg hinaus? Halten wir uns auch hier besser an harte Fakten als an suggestive Bilder. DIVI, das Register der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, zeigt entgegen Medienberichten weiterhin durchweg KEINE ERHÖHTE BELEGUNG an. Deutschlands Intensivstationen befinden sie nach wie vor größtenteils im „low care“-Status. Wie ein Mitarbeiter einer Münchner Klinik erklärt, „warten wir seit Wochen auf die Welle“, aber es gebe „keine Steigerung der Patientenzahlen“. Die Aussagen der Politiker würden sich nicht mit den eigenen Erfahrungen decken, der „Mythos des Killervirus“ könne „nicht bestätigt“ werden. In Wahrheit dürfte das deutsche Volk längst millionenfach SARS-CoV-2-durchseucht sein – ebenso wie beispielsweise das britische. Eine Studie der Universität Oxford kommt zum Ergebnis, dass Covid-19 vermutlich bereits seit Januar 2020 in Großbritannien existierte. Inzwischen dürfte weit mehr als die Hälfte der Bevölkerung infiziert und somit immunisiert sein, wobei die meisten Menschen keine oder nur sehr milde Symptome erlebten. Dies bedeute: Höchstens eine von tausend Personen müsse wegen Covid19 hospitalisiert werden. Sehen so Katastrophenwerte aus? 4.) Und wie steht es mit den Todeszahlen? Bis 12. April starben 2673 Deutsche, im Schnitt 80 Jahre alt und mehrfach vorerkrankt, MIT festgestellter SARS-Cov-2-Infektion – aber wie oft WEGEN ihr, ausschließlich oder hauptsächlich? Wie hoch ist die Sterberate tatsächlich? Über die Letalität von Covid-19 „gibt es keine zuverlässigen Zahlen“, stellt das „Deutsche Netzwerk für Evidenzbasierte Medizin“ klar. „Sicher ist, dass die simple Division der Anzahl der Todesfälle durch die Anzahl der nachgewiesenen Erkrankungen zu einer substantiellen Überschätzung der sogenannten ‚Case Fatality Rate‘ (CFR) führt.“ Ziehen wir die Dunkelziffer von 80 bis 95 % heran, so hätten wir mit Stand vom 1. April 2020 über die registrierten 120.000 Fälle hinaus von mindestens einer Million UNERKANNT Infizierten auszugehen, möglicherweise sogar mehreren Millionen. Um die wahre Gefährlichkeit des neuen Corona-Virus realistisch einzuschätzen, müssten sich RKI, Politik und Medien vornehmlich an DIESER Größe orientieren. Täten sie es, so bräuchten sie auf dem Taschenrechner lediglich ein paar Tasten zu drücken, um herauszufinden: Die (angeblichen) Covid-19-Opfer machen womöglich bloß 0,05 bis 0,1 Prozent aller Infizierten aus. Wütet so ein „Killerkeim“? Wer besichtigen will, wie so einer zuschlägt, guckt besser Hollywood-Schocker wie „Contagion“ oder „Outbreak“ als Tagesschau, heute-Nachrichten oder Wielers Pressekonferenzen. Zusammengefasst: Der Kontrast zwischen den öffentlichen Auftritten des RKI-Chefs Lothar Wieler und den statistischen Daten aus seinem eigenen Hause ist an absurder Peinlichkeit kaum zu überbieten. Wie schon in den Vorwochen, so führen jedem, der sehen will und lesen kann, auch die allerneuesten RKI-Zahlen zweifelsfrei vor Augen, was einsame Mahner wie die übelst verleumdeten Ärzte Wolfgang Wodarg, Bodo Schiffmann und Marc Fiddeke seit Krisenbeginn der breiten Öffentlichkeit vergeblich zu bedenken geben: Weder die Zahl der Arztbesuche, noch ARE-bedingte Hospitalisierungen, noch ARE-bedingte Todesfälle, noch die allgemeine Sterberate haben neuerdings ungewöhnlich zugenommen, weit über die Vergleichszahlen früherer Jahre hinaus. Im Gegenteil: Still ruht weiterhin der See, von Hamburg bis München, von Düsseldorf bis Berlin –wie in der Bundesrepublik insgesamt. Durchweg zeigt der Trend sogar nach unten: Die gemeldeten ARE-Fallzahlen sind zuletzt gesunken – ja, GESUNKEN! Deutschlandweit! In jedem einzelnen Bundesland! Einschließlich Söders bajuwarischem Mega-Gefängnis! An die Fallzahlen von 2017/18 beispielsweise, die von einer etwas heftigeren Influenza-Welle geprägt waren, reicht diese pseudo-apokalyptische „Pandemie“-Saison weiterhin nicht annähernd heran. „Na also, da beginnen sich unsere konsequenten Infektionsschutzmaßnahmen auszuzahlen!“, so werden uns Angela, Jens, Markus & Co. weismachen. Was denn sonst? Doch diese rhetorische Rolle rückwärts erspart ihnen nicht die immer unangenehmere Zwickmühle, in der sie stecken. Alle erwähnten Positivtrends setzten nämlich schon deutlich VOR der staatsterroristischen Freiheitsberaubung namens „Shutdown“ ein! Ausgerechnet Zahlen des Robert-Koch-Instituts belegen diesen Sachverhalt Woche für Woche aufs Neue – wie peinlich, wie absurd. Übrigens erfasste das RKI bis Ende März 2020 rund 182.000 nachgewiesene Influenza-Vergrippte, von denen 377 starben. Kräht in Berlin und sonstwo momentan irgendein Hahn nach ihnen? Und TÄGLICH erliegen im Schnitt 190 Menschen respiratorischen Erkrankungen aller Art – über 68.000 pro Jahr. Weltweit sterben 2,6 Millionen Menschen jedes Jahr an Atemwegsinfekten; wie schwer wiegen demgegenüber die 110.000 Toten bis zum 10. April, in deren Körper auch SARS-CoV-2 festgestellt wurde, neben vielerlei sonstigen Viren und Bakterien? Welchen Anteil an den Covid-19-Toten hatten die gutgemeinten, teilweise aber hochaggressiven Behandlungsmethoden, die immer mehr Infizierten zum Einsatz kommen: insbesondere Steroide, Antibiotika und antivirale Medikamente, einzeln oder kombiniert? Wie sich schon bei SARS-1-Patienten gezeigt hatte, ging es den meisten mit einer solchen Therapie schlechter als ohne, und sie starben häufiger als Unbehandelte. Wie sieht es europaweit aus? Geht den Friedhöfen allmählich der Platz aus? „EuroMOMO“, das wöchentlich aktualisierte Monitoring von Todesfällen in 24 europäischen Ländern, zeigt auch für die 14. Kalenderwoche 2020, wie schon vorher, für Deutschland NICHT DIE GERINGSTE Auffälligkeit, die Anlass zur Besorgnis gäbe – im Gegenteil, die Kurve kippt längst nach unten, sie begann damit bereits vor irgendwelchen Infektionsschutzmaßnahmen. (1) Warum wollen die Statistiken, auf die es ankommt, partout keinen Stoff für „Pandemie“-Thriller hergeben, wo das Virus doch gerade den ganzen Planeten befällt? Weil es kein „Killerkeim“ ist. Studien aus mehreren Ländern belegen mittlerweile: 50 bis 80 % aller testpositiven Personen zeigen „keinerlei Symptome“, die anderen 20 bis 50% ZUMEIST nur „sehr moderate, erkältungsähnliche“. Die Sterblichkeit bei Covid-19 liegt in Wahrheit IM UNTEREN PROMILLEBEREICH, d.h. im Bereich der Grippe, wenn nicht gar darunter. (2) Und all das bedeutet? Für Massenhysterie, für Notstandsschikanen, für die Beseitigung von Grundrechten, für die mutwillige Zerstörung von Wirtschaft und öffentlichem Leben fehlen weiterhin zwingende Argumente – zumindest jene, auf die es ankäme. Und dies ist ein zwingendes Argument dafür, die Verantwortlichen zur Verantwortung zu ziehen. Wer zieht endlich die Notbremse in diesem absurden Theaterstück, das uns alle zu zwangsweisen Statisten macht? Wem liegt daran, dass die Aufführung weiterläuft und keiner den Saal verlässt? Und wo ist eigentlich Ihr Hut, Herr Wieler? Es wird Zeit, ihn zu nehmen. (Harald Wiesendanger) Anmerkungen (1) https://www.euromomo.eu/outputs/number.html; https://www.euromomo.eu/outputs/zscore_country_total.html (Siehe Bildergalerie.) (2) Für Südkorea: https://www.businessinsider.com/south-korea-coronavirus-testing-death-rate-2020-3?r=DE&IR=T; für Island: https://www.covid.is/data; für Deutschland (Heinsberg): https://www.tagesschau.de/regional/nordrheinwestfalen/corona-studie-heinsberg-101.html; für Dänemark: https://www.dr.dk/nyheder/indland/doedelighed-skal-formentlig-taelles-i-promiller-danske-blodproever-kaster-nyt-lys.

  • Aufklärer vom Panikvirus infiziert

    Verblüffend: Selbst der TV-Oberlehrer der Nation streut jetzt Fake News. Das „exponentielle Wachstum“, mit dem er sein Millionenpublikum das Gruseln lehrt, kennzeichnet am ehesten die Panikviren, mit denen er sich selbst infiziert hat. Viral geht seit dem 20. März 2020 eine 9-Minuten-Ansprache, in welcher der TV-Aufklärer der Nation, der Astrophysiker und Moderator Harald Lesch, uns klarzumachen versucht, weshalb allergrößte Corona-Sorgen angebracht und die staatlichen „Schutz“maßnahmen vollauf berechtigt sind. Innerhalb von zwei Tagen wurde der Videoclip über 2 Millionen Mal abgerufen – leider, denn offenbar befindet sich auch Lesch mittlerweile voll im Griff des Panikvirus. Entsprechend dürftig kommen seine fünf Argumente daher: 1) Italiens Todesstatistik. Bei 60 Millionen Einwohnern sterben dort täglich im Durchschnitt 2000. „Am 18. März waren es aber 475 mehr – eine Steigerung von deutlich mehr als 20 %!“, referiert Lesch entsetzt. Dass unter 365 Tagen jeder einzelne und viele hintereinander vom statistischen Mittelwert abweichen, ihn mehr oder minder deutlich übertreffen können, zumal in einer Grippesaison: Ist das etwa sensationell und zutiefst besorgniserregend? Im Ernst? 2) Das Massensterben in Bergamo. Bei 120.000 Einwohnern, so berichtet Lesch, sterben im Schnitt 10 pro Tag. Gegenwärtig seien es aber 20, also doppelt so viele. Ist das etwa nicht ganz arg schlimm? Doch, natürlich – aber statistisch vorerst erwartbar, insofern belanglos, siehe Punkt 1.) Hat Lesch Bergamos tägliche Todeszahlen aus frühen Grippewintern zum Vergleich herangezogen? Erwägt er weitere mögliche Faktoren? Wenn ja, schweigt er sich im Clip darüber beharrlich aus. 3) Das Amok-Argument. Auch niedrige Opferzahlen rechtfertigen sofortige, einschneidende Gegenmaßnahmen, meint Lesch. Dazu bemüht er einen haarsträubenden Vergleich, der bloß deshalb nicht mehr hinken kann, weil ihm mehr als ein Bein fehlt: „Wenn ein Amokläufer 10 Leute abknallt, dann unternehmen wir ja auch etwas, obwohl die Erschossenen in der Statistik verschwinden.“ Ja, natürlich sollte man dagegen vorgehen. Aber verhältnismäßig muss es sein. Verhängt man etwa über alle potentiellen Amok-Zielscheiben vorsorglich eine Ausgangssperre? 4) Das Argument der drohenden „Überforderung des Gesundheitswesens“. Eine „totale Mangelsituation“ würde ein sogenanntes „Triagieren“ erzwingen: ein grausames Aussortieren, wer beatmet wird und wer nicht – „und das wäre das Ende der Zivilgesellschaft“. Dann „kommen in den Krankenhäusern viel mehr Patienten an, als dort überhaupt noch behandelt werden können.“ In Deutschland stehen 28.000 Intensivbetten zur Verfügung, von denen momentan die Hälfte, also 14.000 noch zur Beatmung von Corona-Infizierten genutzt werden könnten. Beatmet werden muss im Schnitt etwa eine Woche lang – also könnten pro Tag 2000 neue Patienten auf diese Weise versorgt werden. Die Neuinfektionsrate, weiß Lesch, steige täglich um ein Viertel bis ein Drittel an. Aus 4000 Neuinfizierten heute werden also, bei einem 1/3-Zuwachs, morgen etwa 5300, übermorgen 7000. „Und in 8 Tagen hätten wir 39.000 Neuinfizierte – ohne Gegenmaßnahmen, bei ungebremstem exponentiellen Wachstum.“ Und bei einem ¼-Anstieg wäre das Gesundheitswesen „nach 11 Tagen an seine Grenzen gekommen.“ Nach Lesch wäre dann ein Punkt erreicht, an dem „acht Mal mehr Intensivbetten benötigt würden, als vorhanden sind“. Hier bringt Lesch peinlicherweise „Infektion“ und „Erkrankung“ durcheinander. Unter jenen, die sich SARS-Cov-2-Viren eingefangen haben, entwickelt bloß ein Teil überhaupt Symptome, und diese fallen häufig milde aus; intensiv therapiebedürftig, in lebensbedrohlichem Zustand, sind fast nur Senioren, Vorerkrankte und Immunschwache. Dass „5 % der Covid-19-ERKRANKTEN beatmungspflichtig sind“, ist eine Horrorspekukation, die Lesch an allen verfügbaren Kopf-, Brust- und Schamhaaren herbeizieht. Und schon gar nicht belegen irgendwelche Studien, dass womöglich sogar jeder 20. INFIZIERTE (5%) aufs Intensivbett gehört. Von dieser haarsträubenden Verwechslung ausgehend, füllt Lesch sich und uns die Sorgenfalten mit Angstschweißperlen. Mit demselben Verwirrspiel versuchen uns Regierung, Behörden, WHO, Institute, Mainstream-Medien seit Krisenbeginn zu beeindrucken. Ja, SARS-Cov-2 verbreitet sich in Windeseile - wie es „Grippe“erreger alljährlich zu tun pflegen. Und wie immer infizieren sich Millionen – na und? Entscheidend ist doch: Produziert diese angebliche „Jahrhundert-Pandemie“ weitaus mehr schwer Atemwegserkrankte und Tote als gewöhnliche Grippewellen früherer Jahre? Dafür liefert auch Lesch nicht den Hauch eines Beweises; sollten ihm empirische Studien vorliegen, die seinen Alarmismus stützen, so versteckt er sie neun Minuten lang erfolgreich. Und auch Lesch versucht uns zu einem Denkfehler zu verleiten, den Studenten schon im ersten Semester vermeiden lernen: zum Kurzschluss von Korrelation auf Kausalität. Man kann MIT einem Virus sterben, ohne AN ihm zu sterben. Ein positiver SARS-Cov2-Test allein ist klinisch irrelevant. In wie vielen Fällen konnten Mediziner denn plausibel feststellen, dass der SARS-Cov2-Virus alleinverantwortlich dafür war, dass ein Infizierter starb? Mir ist bisher kein einziger zu Ohren gekommen. Diesem Coronavirus die Alleinschuld zuzuschieben, ist nicht nur falsch – weil es von anderen, nicht minder wichtigen Todesursachen ablenkt -, sondern gefährlich irreführend. Wieso? Weil es zu übereilten, törichten, weitgehend nutzlosen Gegenmaßnahmen verleitet, die uns allen, der gesamten Welt einen irrwitzigen sozialen und wirtschaftlichen Schaden zufügen. Im übrigen: Überall, wo ein Bedarf nicht (mehr) befriedigt werden kann, trifft eine zu hohe Nachfrage auf ein zu geringes Angebot. Je mehr Betten, je mehr Beatmungstechnik, je mehr Personal, desto kleiner der Behandlungsengpass. Wer ein Gesundheitssystem hemmungslos privatisiert, der Profitmaximierung unterwirft und einspart, wo es geht, der braucht sich hinterher nicht zu wundern, wenn es rasch an Grenzen stößt. 5) Die gruselige Hochrechnung des Imperial College in London. Ohne jegliche staatlichen Gegenmaßnahmen, so macht es uns soeben weis, würde Covid-19 allein in Großbritannien zu 500.000 Todesopfern führen, in den USA zu 2,2 Millionen. Selbst MIT schärfsten Einschnitten ließe sich die Sterberate bestenfalls noch halbieren. Hier, wie auch mit Argument 4), beschwören Zahlenjongleure Panikstimmung herauf und stiften zu Maßnahmen an, die von den gegenwärtig verfügbaren epidemiologischen Daten in keiner Weise gedeckt sind. In Wahrheit weiß bisher NIEMAND, wie viele Menschen bereits infiziert sind; wie rasch sich die Infektion in der Allgemeinbevölkerung verbreitet; wie hoch der Anteil der schwer Erkrankten ist; wie viele davon tatsächlich intensivmedizinisch zu versorgen wären. Dazu müsste eine repräsentative Stichprobe der Allgemeinbevölkerung wiederholt getestet und laufend beobachtet werden. Nirgendwo, auch nicht in Deutschland, Großbritannien und den USA, hat ein solches Monitoring bisher stattgefunden. Stattdessen konzentriert man sich auf Personen, die schon durch Symptome auffällig geworden sind, und deren Kontaktpersonen; man checkt Kranke, Schwerstkranke und Tote. Dieser Selection Bias sorgt für eine enorme Unsicherheit bezüglich des wahren Risikos, an Covid-19 zu sterben. Und so könnte Leschs klügster Satz sein allererster gewesen sein: „Möglicherweise reden wir heute über etwas, worüber wir in einem Monat nur milde lächeln können.“ (Harald Wiesendanger)

  • Das Blaue vom Himmel

    Wann immer ein Spitzenpolitiker als Wahrsager auftritt, ist Skepsis angebracht – erst recht, wenn es sich dabei um einen gelernten Bankkaufmann handelt, der die Zukunft der Medizin zu kennen vorgibt. Krebs könne „in 10 bis 20 Jahren besiegt“ sein, verkündete soeben Bundes­gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Wer ihm das einflüsterte? Seriöse Ärzte und Wissenschaftler wohl kaum. Die hätten ihm umgehend klargemacht, wie blamabel er danebenliegt. Zwar ist die Diagnostik treffsicherer geworden, die Früherkennung effektiver; zumindest bei der Behandlung von Leukämien, Brust- und Hodenkrebs gab es Fortschritte. Der besteht aber häufig darin, dass sich zwar Geschwülste verkleinern, nicht aber das Leid. Laborwerte bessern sich, das Befinden eher nicht. Oft verlängert sich mit den paar zusätzlichen Wochen und Monaten, die ein Patient angeblich „gewinnt“, lediglich seine Qual. Er lebt nicht besser, er stirbt bloß langsamer. Weiterhin sind die Nebenwirkungen der Therapien, die der Erkrankung beikommen sollen, vielfach schrecklicher als die Erkrankung selbst. Von den tausend Gesichtern dieses „Königs aller Krankheiten“, wie der Harvard-Onkologe Mukherjee den Krebs nannte, sind nach wie vor nur wenige ergründet, die meisten noch unverstanden. Um zu erahnen, was Jens Spahn da geritten hat, sollte man die Karrierestationen dieses Berliner Senkrechtstarters bedenken – und die lange politische Tradition von haltlosen Ankündigungen, die er vollmundig fortsetzt. Im Jahre 2003 prophezeite ein industrienaher Ärztefunktionär vor dem US-Senat, bis 2015 werde alles krebsbedingte Leiden und Sterben ein Ende haben; um dieses Ziel schon 2010 zu erreichen, bedürfe es bloß 600 Millionen Dollar Forschungsmittel jährlich. Und mittlerweile ein knappes halbes Jahrhundert liegt jene berühmte Fernsehansprache zurück, in welcher US-Präsident Richard Nixon einen Tag vor Heiligabend 1971 der freudig erregten Nation ein vorgezogenes Weihnachtspräsent unter den Christbaum legte: Er erklärte den „Krieg gegen den Krebs“, wofür er „die Bereitstellung von zusätzlichen 100 Millionen US-Dollar“ vorschlug, „um eine intensive Kampagne zur Suche nach einer Heilung innerhalb der nächsten 25 Jahre zu starten“. Über 200 Milliarden Dollar haben allein die USA seither für die Krebsforschung ausgegeben. Spahn hat nun, gemeinsam mit Bundesforschungs­ministerin Anja Karliczek, soeben eine „Nationale Dekade gegen Krebs“ ausgerufen, für die in einem ersten Schritt 62 Millionen Euro lockergemacht wird. Von Onkologie versteht Jens Spahn vermutlich nicht viel mehr als seinerzeit Nixon – wohl aber die Pharma-Lobbyisten, die Regierende dauerbearbeiten. Denn zumindest eines kriegen solche Kampagnen zuverlässig hin: Konjunkturspritzen für Arzneimittelhersteller. Wie stand es um die Krebsmedizin vor Nixons Rede? Seit den sechziger Jahren war die Medikamentenbranche zunehmend in die Defensive geraten, sie sah ihre Felle davonschwimmen. Immer offenkundiger wurde, dass der chemotherapeutische Ansatz in Sackgassen führte. Zugleich sorgten alternative Ärzte für Aufsehen, die mit unkonventionellen Mitteln Krebskranke offenkundig erfolgreich behandelten: in den USA unter anderem Max Gerson, Royal Raymond Rife, William Coley, Harry Hoxsey und Emanuel Revici, in Deutschland Koryphäen wie Paul Gerhard Seeger, Otto Warburg, Johanna Budwig, Joachim Kuhl und Josef Issels. Einfach als Spinner und Scharlatane ließen sie sich schwerlich abtun. Pharmamanager sahen die wachsende Gefahr, dass solche Ärzte eine weltweite Bewegung auslösten, mit dem Ergebnis, dass sich die Bevölkerung in Scharen von den hochlukrativen Chemotherapien abwandte. Und so galt es für die Industrie damals, Vertrauen zurückzugewinnen – wie auch heute. Bewährtes Marketingrezept hierfür seit eh und je: Angst schüren und zugleich Hoffnung wecken, das Blaue vom Himmel versprechen. Die Betroffenenzahlen explodieren, schon heute erkranken allein in Deutschland jährlich 500.000 Menschen neu an Krebs, bis zur Jahrhundertmitte könnten es 600.000 sein, weltweit über 15 Millionen. Doch keinerlei Mühen scheuend, arbeiten Konzerne gottlob an revolutionär neuen Ansätzen, die der Menschheit den baldigen Durchbruch bescheren werden; zu Nixons Zeiten war es Genmanipulation, heute ist es Genmanipulation plus Immunmodulation. Die klassische Chemotherapie rentiert sich immer weniger, seit Patentfristen abliefen; dank Nachahmerpräparaten, „Generika“, kostet ein Behandlungszyklus inzwischen oft bloß noch ein paar hundert Euro. Und nicht immer funktioniert der Trick, für alte Substanzen mit geringfügig veränderter chemischer Struktur ein erneutes Patent zu ergattern. Da tut noch mehr „Innovation“ not, und als solche gelten Medikamente, die der körpereigenen Abwehr mit labortechnisch maßgeschneiderten T-Zellen, Antikörpern und Antigenen auf die Sprünge helfen sollen. Der Preis solcher Präparate kann 300.000 Euro übersteigen, bei den „Innovationen“ seit 2017 liegt er im Schnitt bei 135.000 Euro – pro Patient. (1) Da winken traumhafte Renditen: Bis 2022, sagte das IQVIA Institut im Dezember 2017 voraus, werde der globale Umsatz mit Onkologika von derzeit 120 auf 200 Milliarden US-Dollar ansteigen, mit jährlichen Wachtumsraten von 10 bis 13 Prozent. (2) Vorläufiger Wermutstropfen der „neuen“ Arzneigeneration: ein hohes Risiko extremer Nebenwirkungen, von Entzündungen im ganzen Körper („Zytokinsturm“) bis hin zum zügigen Exitus. Die Erlösung ist also wieder mal nahe, es muss halt bloß noch etwas intensiver geforscht werden. Dafür sind staatliche Mittel hochwill­kommen. Sobald sie fließen, kehrt in Big Pharmas Chefetagen Champagnerlaune ein. Der Steuerzahler finanziert Studien, deren Ergebnisse die Industrie abgreift, um sie zu Mondpreisen zu vermarkten, für die der Steuerzahler dann ein zweites Mal blecht – über die Beiträge zu seiner Krankenversicherung. Wie sähe die Agenda einer Regierung aus, wenn sie den „Kampf gegen den Krebs“ ernst nähme? In erster Linie wäre sie darauf aus, dass er erst gar nicht entsteht. 62 Millionen Euro: Damit ließe sich eine Initiative anschieben, die Gesundheitsunterricht bundesweit zum Hauptfach macht; für vollwertige Ernährung wirbt und sie in allen Schulen, Mensen und Kantinen vorschreibt; die Bedeutung von regelmäßiger körperlicher Aktivität betont; ungesunde Nahrungsmittel unübersehbar kennzeichnet und drastisch verteuert, etwa über Sondersteuern; Menschen vor Kanzerogenen in Atemluft und Trinkwasser, Gebrauchsgegenständen und künstlicher Strahlung schützt; mit Anreizen und Sanktionen, etwa über Beitragssätze zur Krankenversicherung, Verbrauchergewohnheiten steuert; natur- und erfahrungsheilkundliche Ansätze erforscht und fördert, die seit je her erfolgreich darauf aus sind, das Immunsystem im Kampf gegen entartete Zellen zu stärken. Dass alternativer Medizin aus Spahns Fördertopf kein Cent zufließen soll, macht aus Lobbyistensicht Sinn: Wo keine gesundheitswirtschaftlich unergiebige Forschung, da auch keine geschäftsschädigende Evidenz. Aber vielleicht kam Spahn diesmal ja ganz ohne Einflüsterer aus. Denn Lobbying konnte er vorher schon. Schließlich war er an einer Beratungsagentur namens „Politas“ beteiligt, die Kunden aus der Pharmaindustrie beste Kontakte zum Bundestag versprach: „Ganz gleich, ob es um eine Anhörung, ein Hintergrundgespräch oder um eine Plenardebatte geht. Wir sind für Sie dabei." Bei einem Hannoveraner Pharmaunternehmen saß er im Aufsichtsrat. (3) Gute Arbeit, Jens. (Harald Wiesendanger) Anmerkungen 1 https://www.process.vogel.de/das-sind-die-globalen-trends-in-der-onkologie-a-728297/ 2 https://www.process.vogel.de/index.cfm?pid=7513&pk=728297&fk=0&type=article#4 3 Siehe Auswege Infos Nr. 55, April 2018, S. 3-4.

  • Hinter den Kulissen: WHO-Experten räumen Impfrisiken ein

    Bei einer Fachtagung der Weltgesundheits­organisa­tion haben Ärzte und Wissenschaftler beträchtliche Risiken von Impfungen ein­geräumt und Verständnis für zunehmende Impfskepsis geäußert – entgegen dem offiziellen Mantra der WHO, Impfungen seien „wirksam und sicher“, Impfkritiker ahnungs- und verantwortungslos. Wie reagieren unsere Leitmedien darauf? Sie schweigen. Am 28. November 2019 veröffentlichte die WHO ein Werbevideo für Impfungen – wieder einmal voller uneingeschränkter Zusicherungen, dass Impfstoffe zuverlässig schützen, Bedenken seien unangebracht. Zu Wort kam dabei unter anderem die Kinderärztin Dr. Soumya Swaminathan (Foto u.), „Chief Scientist“ der WHO und seit 2017 stellvertretende General­direktorin für WHO-Programme. „Impfstoffe sind sehr sicher“, sagte sie wörtlich. „Wenn jemand nach einer Impfung erkrankt, ist das gewöhnlich reiner Zufall, oder es liegt an einer fehlerhaften Anwendung. Nur sehr selten gibt es ein Problem mit dem Impfstoff selbst. Deshalb haben wir zuverlässige Vakzinsicherheitssysteme, die es Gesundheitspersonal und Experten ermöglichen, auf jedes erdenkliche Problem unverzüglich zu reagieren. Sie können das Problem rigoros untersuchen, einen wissenschaftlichen Blick auf die Daten werfen und das Problem dann prompt angehen. Die WHO arbeitet eng mit Ländern zusammen, um sicherzu­stellen, dass Impfstoffe leisten, was sie am besten können: Krankheiten verhindern, ohne jegliche Risiken. Jeder neue Impfstoff wird mit Unterstützung der WHO sorgfältig überwacht. Impfstoffe zählen zu den sichersten Werkzeugen, über die wir verfügen, um Krankheit vorzubeugen und für alle Kinder eine gesunde Zukunft sicherzustellen.“ Nur wenige Tage später, am 2. und 3. Dezember 2019, nahm dieselbe Dr. Swaminathan an dem „Global Vaccine Safety Summit“ in Genf teil: einer nichtöffentlichen Konferenz, bei der die WHO einen Entwurf ihrer „Vakzinsicherheitsstrategie 2021 bis 2030“ vorstellte. Dazu eingeladen waren ausschließlich sogenannte key stakeholders: Mitglieder des „Globalen Beraterkomitees für Impfstoffsicherheit“ (GACVS) der WHO, Leiter von Impfprogrammen, Behördenvertreter von Mitgliedsstaaten, akademische Einrichtungen, Vertreter von Krankenversicherungen, von Pharmaunternehmen und deren Dachorganisationen. Und hier, in dieser trauten Runde, schlug die WHO-„Chefwissenschaftlerin“ plötzlich ganz andere Töne an: „Wir können die Tatsache gar nicht überbetonen, dass wir in Wirklichkeit in vielen Ländern keine besonders guten Systeme zur Überwachung der Vakzinsicherheit haben“, so räumte sie ein. „Wenn Leute uns nach Todesfällen fragen, zu denen es durch einen bestimmten Impfstoff kam, sind wir unfähig, darauf klare Antworten zu geben. Man sollte doch imstande sein, eine sachliche Erklärung zu geben, was genau geschehen ist und was die Ursache von Todes­fällen sind. In den meisten Fällen findet hier eine gewisse Verschleierung statt (obfuscation), weshalb das Vertrauen in das System mehr und mehr schwindet. (…) Nach Einführung eines neuen Impfstoffs können unerwartete Dinge geschehen. Die Geschichte vieler Impfstoffe lehrt, dass schädliche Nebenwirkungen erst auffallen, nachdem sie zugelassen und der Bevölkerung verabreicht werden. Und so denke ich, dass stets ein Risiko besteht (risk is always there) und die Öffentlichkeit dies verstehen muss.“ Ließ sich die Dame im WHO-Werbevideo durch eine Doppel­gängerin vertreten? Leidet sie an fortgeschrittener Amnesie oder an multipler Persönlichkeit? Weitere prominente Tagungsteilnehmer teilten und verschärften Swaminathans Bedenken, wie Videomit­schnitte von Vorträgen und Diskussonsrunden belegen: Dr. Stephen Evans, Professor für Pharmakoepidemiologie: „Mir scheint, dass Adjuvantien – den Impfstoffen beigemengte Wirkverstärker, um eine erhöhte Antikörperbildung und eine verstärkte Immunantwort zu erreichen – in vielen Fällen die Häufigkeit von Nebenwirkungen vervielfachen.“ Prof. Dr. Heidi Larson, Anthropologin, Leiterin des „Vaccine Confidence Project“: Auch immer mehr Ärzte „beginnen die Sicherheit von Impfstoffen in Frage zu stellen. Sie haben das Gefühl, dass sie nicht genug Vertrauen in die Sicherheit haben, um Personen standzuhalten, die sie danach fragen.“ Larson verweist auf „die meisten Lehrpläne von medizinischen Fakultäten und Krankenpflegeschulen“: „Sie können von Glück sagen, wenn sie dort auch nur einen halben Tag lang etwas über Impfungen erfahren. Egal, ob Sie auf dem Laufenden sind oder nicht. (…) Wir brauchen viel mehr Investitionen in die Sicherheitsforschung.“ Dr. Marion Gruber, Direktorin des Büros für Impfstoffforschung (OVRR) und des Zentrums zur Bewertung und Erfor­schung von Biologika der US-Aufsichts­behörde FDA: „Klinische Studien vor der Zulassung von Impfstoffen sind möglicherweise nicht leistungsfähig genug. Dabei geht es unter anderem um die Probandenpopulation, der das Adjuvans verabreicht wird. Dass es bei älteren Personen nichts bewirkt, heißt nicht, dass es für Kinder harmlos ist.“ Dr. Martin Howell Friede, Koordinator der WHO-Initiative für Impfstoffforschung: „Ohne Adjuvantien wird es keine Impfstoffe der nächsten Generation geben. Und viele der Impfstoffe, die wir haben, von Tetanus bis HPV, benötigen Adjuvantien, damit sie wirken. Wir fügen Impfstoffen nicht Adjuvantien hinzu, weil wir das wollen.“ Hinter verschlossenen Türen geben führende WHO-Experten demnach Impfskeptikern recht: Vakzine sind gefährlich, sie können töten. Weder die WHO noch sonstwer ist bislang imstande, für Sicherheit zu sorgen. Niemand weiß genau, warum und in welchem Ausmaß Vakzine schaden. Risiken werden vertuscht. Auf Zulassungsstudien ist kein Verlass. (Harald Wiesendanger) Anmerkungen Mitschnitt von Dr. Swaminathans Statement beim WHO-Konferenz hier https://assets.infowarsmedia.com/videos/66da24d8-3f7a-42e6-a8b7-943f0b25d4fc.mp4 https://www.youtube.com/watch?v=2DudhNvr1AU (mit UNO-Werbevideo) Weitere Eingeständnisse von Konferenzteilnehmern hier: https://www.brighteon.com/3dec332d-fd96-4654-a72f-55b702bd9262 https://www.youtube.com/watch?v=s2IujhTdCLE&feature=youtu.be Zum Nachlesen: https://thehighwire.com/ignored-warnings-an-unauthorized-history-of-the-who/ https://myemail.constantcontact.com/-Call-to-Action--WHO-questions-vaccine-safety--.html?aid=98ky8uZr3ms&soid=1101800214009 https://bbsradio.com/tnt/shocking-footage-inside-who-global-vaccine-safety-summit-dec-23-2019-explodes-vaccines-are-safe https://thebl.com/world-news/leaked-video-exposes-chief-scientist-contradicting-herself-on-safety-issues-at-who-vaccine-summit.html https://www.legitim.ch/post/stv-generaldirektorin-der-who-l%C3%A4sst-bombe-platzen-impfungen-t%C3%B6ten-ursachen-werden-vertuscht

  • Grippeimpfung gegen Coronavirus?

    Die grassierende Angst vor einer Coronavirus-Epidemie bietet Bundesgesundheitsminister Jens Spahn eine weitere Gelegenheit, seinem Ruf als Pharmalobbyist gerecht zu werden. Während nach einhelliger Expertenmeinung ein geeigneter Impfstoff frühestens in der zweiten Jahreshälfte entwickelt sein wird, weiß zumindest der gelernte Bankkaufmann schon seit Mitte Februar, wie wir uns schützen können: Über „Händewaschen und Desinfizieren“ hinaus „kann ich alle nur ermuntern, die Grippeimpfung zu machen“, so verkündete der Chef-Immunologe der Nation allen Ernstes. (1) Dabei fehlt bislang jeglicher wissenschaftliche Beleg dafür, dass sich Sars-Cov-2 durch einen handelsüblichen Influenza-Impfstoff im geringsten beeindrucken lässt. Zumindest nütze eine Grippeimpfung aber indirekt, so lässt sich Tropenmediziner Emil Reisinger, Dekan der Universitätsmedizin Rostock, vom „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ zitieren: Die Symptome einer Grippe und einer Coronaviruserkrankung ähneln sich stark. Wer über einen „ausreichenden Grippeschutz“ verfüge, könne somit für sich selbst, Ärzte und Behörden ausschließen, wegen einer Grippe zu einem Verdachtsfall zu werden und so allen Beteiligten Arbeit und Sorge ersparen. „Die ähnlichen Symptome beider Infektionskrankheiten könnten dazu führen, dass ein mit Influenzaviren infizierter Patient irrtümlicherweise in einer Isolationsstation aufgenommen wird“, so Reisinger. Diese Art der notwendigen Vorsichtsmaßnahme sei teuer. Die Kosten könnten durch eine Grippeschutzimpfung eingespart werden. (2) Reisingers Empfehlung teilt Jeremy Farrar, Chef des britischen Wellcome Trust, der mit 27 Milliarden britischen Pfund (3) weltweit reichsten Stiftung zur Förderung medizinischer Forschung. Schon Ende Januar 2020, als der Corona-Hype gerade erst eingesetzt hatte, twitterte er flugs: "Eine Sache, die helfen würde, ist, sich gegen Grippe impfen zu lassen." (4) „Grippeimpfung schützt“: regierungsamtliche Fake News Doch schon bei gewöhnlichen saisonalen Grippewellen ist der Nutzen von Influenza-Vakzinen in Wahrheit äußerst fraglich. Im Jahr 1997 waren erst 7 zugelassene Grippe-Impfstoffe auf dem Markt; bis 2004 verdoppelte sich ihre Zahl auf 14. Während des Winters 1992/1993 wurden noch 2,5 Millionen Dosen verimpft, im Winter 2003/2004 waren es 14,9 Millionen Dosen, also fast sechs Mal so viele. Gingen im selben Zeitraum die Erkrankungs- und Todesfälle bei Influenza zurück? Das statistische Bundesamt liefert für laborbestätigte Influenza-Todesfälle die Zahlen erst ab 1998. In jenem Jahr waren es 11, dann 34 (1999), 22 (2000), 9 (2001) und 2002 waren es 10 erfasste Fälle. Meldezahlen über Influenzaerkrankungen liegen ab 2001 vor, nachdem das Infektionsschutzgesetz (IfSG) in Kraft getreten war. Im Jahr 2001 waren es 2487; 2002 wurden 2574 Fälle gemeldet, 2003 sogar 8473. Herstellerunabhängige Statistiken liefern demnach keinerlei Hinweis, dass die wachsende Anzahl von Impfstoffen und verimpften Dosen tatsächlich die jährlichen Influenza-Epidemien verringert. (5) Ausgerechnet das Robert-Koch-Institut (RKI), Deutschlands oberste Gesundheitsbehörde für die Bekämpfung von Infektionskrankheiten, musste Ende 2004, nachdem in einem Seniorenwohnheim eine Virusgrippe ausgebrochen war, kleinlaut einräumen: „Bewohner mit einer zeitgerechten Grippeschutzimpfung hatten die gleiche Wahrscheinlichkeit zu erkranken wie ungeimpfte Bewohner." (6) Im September 2003 veröffentlichte die renommierte medizinische Fachzeitschrift JAMA eine Studie zur Frage, ob die Grippeimpfung bei Kindern einen zusätzlichen Schutz gegen Mittelohrentzündung bietet. Das Ergebnis erbrachte nicht nur den Nachweis, dass dies nicht der Fall ist, sondern auch, dass die geimpften Kinder insgesamt häufiger und länger krank waren als die ungeimpfte Kontrollgruppe. (7) Die WDR-Sendung "rundum gesund" zitierte am 20. September 2004 das Ergebnis einer weiteren Studie, die den Gesundheitszustand von Grippegeimpften und nur mit einem Placebo geimpften Belegschaftsmitglieder der Ford-Werke miteinander verglich: "Dabei zeigte sich, dass der tatsächlich gegen Grippe geimpfte Teil der Belegschaft im folgenden Winter deutlich öfter zum Arzt ging, mehr Tage an Erkältungsbeschwerden litt und sich häufiger krank melden musste, als der nur mit Placebo geimpfte Teil der Belegschaft." (8) Auch Cochrane, ein weltweites Netz von Wissenschaftlern und Ärzten, muss Impfbefürworter enttäuschen: In mehreren Metaanalysen, die Hunderte von Impfstudien systematisch einbezogen, fand es keine Anhaltspunkte dafür, dass Grippeimpfungen für weniger Todesfälle und Einweisungen ins Krankenhaus sorgen. (9) Fragwürdigem "Nutzen" stehen Impfkomplikationen mit unbekannter Dunkelziffer gegenüber. Entsprechende Bedenken scheinen gerade unter medizinischem und pflegendem Personal weit verbreitet zu sein: Warum wohl liegt in diesen Berufsgruppen die Grippe-Durchimpfungsrate mit geschätzten 10 bis 15 Prozent besonders niedrig? (10) Das Problem beginnt bereits bei den Zulassungsstudien. Ob Impfstoffe nützen, misst die zuständige Zulassungsbehörde, das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), nicht etwa an ihrer tatsächlichen Fähigkeit, den Ausbruch einer Krankheit zu verhindern, sondern daran, ob sie die Menge der spezifischen Antikörper im Blut erhöhen. Eine systematische Nachkontrolle nach der Zulassung, die den tatsächlichen Wirkungsgrad erfasst, hält man für überflüssig, was auch bei vielen Ärzten Kopfschütteln auslöst. (11) Wir wissen also nicht mit letzter Sicherheit, ob der bei der Zulassung festgestellte erhöhte Antikörpertiter auch tatsächlich immun gegen eine spezifische Krankheit macht. Wie das RKI selbst einräumt, handelt es sich bei der Titerhöhe bloß um eine Ersatzmessgröße; nicht sie allein entscheidet über den Grad der Immunität. (12) Tatsächlich schwankt der Wirkungsgrad selbst nach offiziellen Schätzungen zwischen 30 und 90 Prozent. (13) Fragwürdige Experten Zitierter Emil Reisinger versichert in Publikationen übrigens regelmäßig, bei ihm lägen „keine Interessenkonflikte“ vor. Mit etwas Recherche hätte das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ allerdings darauf stoßen können, dass etliche Pharmariesen mehrere Lehrstühle der Rostocker Universitätsmedizin mitfinanzieren, der Reisinger vorsteht; dortige „Stiftungsprofessuren“ sind Pascoe, Shire, Bayer, CSL Behring, Roche und Octapharma zu verdanken – sowie zweien der weltweit umsatzstärksten Impfstoffhersteller: GlaxoSmithKline und Sanofi-Aventis. (14) Und was ist von Impfempfehlungen des Wellcome Trust zu halten? 1936 aus dem Nachlass des Pharma-Magnaten Sir Henry Wellcome in die Welt gesetzt, ging aus ihm 1995 GlaxoWellcome hervor, das fünf Jahre später mit SmithKlineBeecham zum größten Impfstoffhersteller der Welt verschmolz: GlaxoSmithKline. (15) Laut Financial Times (16) ist diese Stiftung Großbritanniens größter nichtstaatlicher Geldgeber für wissenschaftliche Forschung. Welche Art von „Wissenschaft“ erscheint einem solchen Sponsor wohl förderungswürdig? Wozu überhaupt all die Corona-Panik, die an die schrillste Hochphase der unsäglichen Vogel- und Schweinegrippenhysterie erinnert? „Was wir gerade mit dem Coronavirus erleben, erleben wir jedes Jahr mit der Grippe“, beruhigt der Würzburger Tropenmediziner Professor August Stich dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das Grippevirus sei nach derzeitiger Faktenlage viel gefährlicher. (17) Und ausgerechnet aus dem rheinländischen Heinsberg, wo der erste deutsche Corona-Infizierte auffiel, meldet sich ein Apotheker zu Wort, der Spahns PR-wirksame Epidemiewarnungen als „unverantwortliche“ Bangemache einstuft: Der betreffende Patient sei durch eine Lungenerkrankung vorbelastet gewesen. "In so einem gesundheitlichen Zustand ist jeder Infekt gefährlich, egal ob Coronavirus oder nicht." Wer allerdings nicht unter einem geschwächten Immunsystem leide, müsse sich zunächst keine größeren Sorgen machen, so Apotheker Lutz Steinfurth. (18) Dass die Apokalypse wohl auch diesmal ausbleiben wird, lehren Zahlenvergleiche mit der „echten“ Grippe. Nach WHO-Schätzungen sorgen Influenzaviren pro Jahr für bis zu 650.000 Tote – wo bleibt da die Panik? Wieso verwandelt sich die Republik nicht ab jedem Herbst für ein paar Monate in einen gesundheitsbehördlich überwachten Hochsicherheitstrakt? Laut Robert-Koch-Institut stecken sich alljährlich 2 bis 14 Millionen Bundesdeutsche mit Influenza an; demgegenüber stehen bislang unter 100.000 Corona-Infizierte, von denen ein Großteil schon wieder gesund ist. Bei den unter 40-Jährigen liegt die Sterberate weit unter 1 Prozent, in Ländern mit guter medizinischer Versorgung weitaus niedriger als in China oder Nordkorea. Doch solche Hinweise dringen momentan kaum durch, Besonnenheit ist kaum gefragt. Wer will sich von gelassenen Beruhigern schon die schauerlich-schöne Angstlust verderben lassen? Wer will schon hören, dass das Coronavirus, wie alle sogenannten Erreger, überhaupt erst gefährlich werden kann, wenn andere Faktoren vorliegen: etwa eine Immunschwäche, Vorerkrankungen, Stress? Warum gibt es bei ausnahmslos jeder Infektionskrankheit Menschen, die sie völlig beschwerdefrei durchmachen, beispielsweise bei den Masern als "stille Feiung"? Bei Polio verlaufen 90 Prozent der Infektionen symptomlos, bei HPV 99 Prozent, selbst bei Ebola bis zu 20 Prozent. Auch unter HIV-Infizierten kommen symptomlose Langzeitüberlebende vor. Stets ist es ein Zusammenspiel mehrerer ungünstiger Faktoren, das schließlich zur Krankheit führt - kaum je eine einzige, klar eingrenzbare Ursache. Statt bloß auf Virusbekämpfung aus zu sein, täte ein ganzheitlicher Ansatz not; auf ihn würde ein weiser Bevölkerungsschutz vorrangig setzen. Angst ansteckender als das Virus - Wem nützt die Panikmache? Wem, wenn nicht der Volksgesundheit, nutzen so drastische Maßnahmen wie Einreiseverbote, Polizeikontrollen in Zügen, an Flughäfen und Grenzübergängen, Sperrzonen, Quarantänelager, Zwangsinternierungen, Isolierstationen, Krisenstäbe, Kontaktsperren, Hausarreste, abgeriegelte Hotels, geschlossene Schulen und Betriebe, Verbote von Großveranstaltungen, überall Atemschutzmaskierte? „Bis zu 70 Prozent der deutschen Bevölkerung könnten sich infizieren“ (19), schwant einem Virologen der Berliner Charité, von dem der NDR versichert, er habe „SARS-CoV-2 so gut erforscht wie kaum ein anderer, alle Welt fragt jetzt um seinen Rat“. (20) Siebzig! Prozent! Weiß! Der! Experte! Massenmedien bietet eine derartige Entwicklung ein gefundenes Fressen, denn sie sorgt für die fabelhaft telegene Dramaturgie einer sich schrittweise zuspitzenden Katastrophe – endlich mal wieder haarsträubender Stoff für Sondersendungen auf allen Kanälen, für minütlich aktualisierte Newsblogs und Live-Ticker mit jüngsten Schreckensmeldungen, für alarmistisches Palaver in Talkrunden. Zudem fördert der Horror die weiteren Karrierepläne eines von Ehrgeiz strotzenden Gesundheitsministers, der sich einmal mehr als tatkräftig zupackender Kümmerer profilieren kann. Und er erhöht die Impfbereitschaft der verunsicherten Bevölkerung: Je ärger das Gruseln, desto schwächer die Widerstände. Ein solches Szenario folgt einer Marketingstrategie, mit der sich Vakzinproduzenten immer schon Goldgruben zu erschließen wussten. Im Jahr 2018 bescherte ihnen das Impfstoffbusiness einen Umsatz von 49 Milliarden US-Dollar weltweit; bis 2024 soll er auf 60 Milliarden ansteigen. Würden die Impfempfehlungen der berüchtigt industrienahen STIKO auf alle Bewohner dieses Planeten angewandt, so brächte allein diese Produktsparte über eine Billion Dollar ein – annähernd so viel, wie die Branche inzwischen insgesamt umsetzt. Erst dann wäre der Markt wahrlich „gesättigt“, vorher gibt Big Pharma schwerlich Ruhe. Und erst dann ließe sich nicht mehr herausfinden, ob Ungeimpfte womöglich gesünder sind – diese lästige Kontrollgruppe wäre erfolgreich weggespritzt. (Harald Wiesendanger) Anmerkungen 1 https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/coronavirus-wollen-sie-die-deutschen-china-rueckkehrer-einsperren-herr-spahn-67654220.bild.html 2 RND: „Ärzte raten wegen Coronavirus zu Grippeschutzimpfung“, https://www.rnd.de/gesundheit/arzte-raten-wegen-coronavirus-zu-grippeschutzimpfung-6YRHUB73YFAATATC72GVU3HOEE.html 3 https://wellcome.ac.uk/about-us; https://wellcome.ac.uk/about-us/history-wellcome 4 www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-01/impfungen-grippe-coronavirus-gesundheit-praevention-infektion 5 https://www.impfkritik.de/grippe/index.html 6 Robert-Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin Bull Nr. 12/2005 7 Journal of the American Medical Association (JAMA) 290 (12) 2003 8 https://www.impfkritik.de/grippe/index.html 9 Joseph Mercola: „Cochrane Founder Warns Flu Vaccine Research Is Corrupted“, 25.2.2020, mercola.com. (Inzwischen gelöscht.) https://articles.mercola.com/sites/articles/archive/2020/02/25/cochrane-collaboration-flu-vaccine.aspx?cid_source=dnl&cid_medium=email&cid_content=art1HL&cid=20200225Z1&et_cid=DM466572&et_rid=817607529 10 RKI/PEI-Presseerklärung vom 22. September 2003 11 "impf-report" Newsletter Nr. 14/2005 12 Email der RKI-Pressestelle vom 2.2.2005 an Tolzin 13 Focus 47/2004, S. 12 14 https://fragdenstaat.de/files/foi/122058/Anfrage34841_geschwaerzt.pdf?download 15 https://wellcome.ac.uk/about-us/history-wellcome 16 "Wellcome Trust extends Seeding Drug Discovery initiative", AngelNews, 14.5.2010, https://web.archive.org/web/20150114231852/http://www.angelnews.co.uk/article.jsf?articleId=9796# 17 Frankfurter Rundschau: „Grippe ist ‚nach derzeitiger Faktenlage‘ gefährlicher als Coronavirus - Tropenmediziner warnt vor Panik“, 5.2.2020, www.fr.de/ratgeber/gesundheit/grippewelle-grippe-grippeimpfung-krankheit-impfen-impfung-influenza-krank-13053034.html 18 Zit. nach www.watson.de/deutschland/coronavirus/609024276-heinsberger-apotheker-zu-coronavirus-was-spahn-gesagt-hat-ist-unverantwortlich 19 www.t-online.de/nachrichten/panorama/id_87426310/coronavirus-ausbruch-virologe-rechnet-mit-bis-zu-70-prozent-infizierten.html 20 www.ndr.de/nachrichten/info/podcast4684.html Titelfoto: DoroT Schenk/Pixabay

  • Lästige Kurve – Echte Autismusforschung stört Geschäftsinteressen

    Immer mehr Kinder erkranken in den westlichen Industrie­ländern an Autismus – seit den siebziger Jahren explodieren die Fallzahlen regelrecht. Was staatliche Stellen zur Erklärung anbieten, vernebelt eher die mutmaßlichen Haupt­ursachen, statt sie zu erhellen. Denn auf dem Spiel stehen Image und Business von Schlüsselindustrien, allen voran Big Pharma, der Chemiesektor, Agrarwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie. Besonders in den Vereinigten Staaten nehmen Autismusfälle unter Minderjährigen inzwischen Ausmaße einer Epidemie an. War Mitte der siebziger Jahre noch eines von 5000 Kindern betroffen, so war es 20 Jahre später schon eines von 500, um die Jahrtausendwende eines von 250. Im Jahre 2009 wurde Autismus bereits bei einem von 110 US-amerikanischen Kindern diagnostiziert, 2016 bei einem von 48. (In Deutschland ist, laut Umweltbundesamt, jedes hundertste Kind betroffen.) Die niederschmetternde Prognose: Falls sich der Trend fortsetzt, wäre im Jahr 2025 zumindest in den USA schon jedes zweite Kind Autist. Neue Diagnosekriterien und gestiegenes Krankheitsbewusstsein erklären den Anstieg nur teilweise. Unabhängige Mediziner haben Chemikalien im Verdacht – doch ihre Warnungen dringen kaum durch, ihre Forschungsmittel reichen nicht aus. Eine Spur führt zu Pestiziden. Ungeborene reagieren besonders empfindlich auf sie. Werden sie schon im Mutterleib größeren Mengen an Pflanzenschutzmitteln ausgesetzt, so wächst ihr Autismusrisiko. Zu diesem Ergebnis kommt eine kalifornische Studie, in der Wissenschaftler ermittelten, wo sich rund 1000 Müttern während ihrer Schwangerschaft aufgehalten hatten; diese Orte setzten sie in Beziehung zum Einsatz von Pestiziden. In Kalifornien müssen Bauern in sogenannten „Pesticide Use Reports“ schriftlich festhalten, was sie wann und wo auf ihre Felder sprühen. Mütter, die während der Schwangerschaft in einem Umkreis von 1,25 bis 1,7 Kilometer von behandelten Feldern wohnten, trugen ein um zwei Drittel erhöhtes Risiko, ein Kind mit Autismus oder einer anderen geistigen Entwicklungsstörung. Im August 2018 erschien im American Journal of Psychiatry eine Studie, die ebenfalls auf einen Zusammenhang zwischen Autismusrisiko und Pestizidbelastung hindeutet. Dabei kooperierten Forscher der Columbia University's Mailman School of Public Health in New York City und Wissenschaftlern von der finnischen University of Turku und dem National Institute of Health and Welfare, Finnland. Im Fokus der Forscher stand dabei DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan). DDT gilt als krebserregender Stoff und als sog. endokriner Disruptor, es ist somit ein Stoff, der den Hormonhaushalt beeinträchtigt und die Entwicklung von Embryonen und Kindern stören kann. Da DDT die Plazenta überwinden kann, strömt das Gift direkt zum ungeborenen Kind und kann dessen Entwicklung beeinträchtigen. Auch die Muttermilch ist nach wie vor DDT-belastet. Für die oben genannte Studie analysierten die Forscher Daten und Blutproben von mehr als 750 autistischen Kindern und einer passenden Zahl gesunder Kinder sowie deren Mütter. (Die Daten stammten aus der Finnish Prenatal Study of Autism.) Es zeigte sich, dass die Gefahr, mit Autismus geboren zu werden, durchschnittlich um ein Drittel höher war, wenn die Mutter erhöhte DDE-Werte im Blut hatte. DDE ist ein Abbauprodukt von DDT. Bei sehr hohen Werten war das Autismusrisiko gar doppelt so hoch. Aber auch Arzneimittel stehen in begründetem Verdacht. Wenn werdende Mütter Asthma-Medikamente, Antidepressiva oder frei verkäufliche Schmerzmittel wie Paracetamol schlucken, erhöhen sie das Autismusrisiko ihres Kindes drastisch. Eine Studie der Universität Montreal analysierte die Daten von über 145.000 Schwangeren, die Antidepressiva eingenommen hatten. Damit erhöhten sie das Autismusrisiko um erschrecken­de 87 Prozent; am stärksten fiel der Effekt bei den sog. Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) aus. (6 bis 10 Prozent aller Schwangeren bekommen von ihren Ärzten Antidepressiva verordnet.) Schätzungen zufolge nehmen 65 Prozent aller schwangeren Frauen während der Schwanger­schaft das frei verkäufliche Schmerz- und Fiebermittel Paracetamol (Acetaminophen) ein. Eine norwegische Studie wertete Daten von 48.000 norwegischen Kindern aus, deren Mütter an einer Umfrage über ihre Medikamenten­gewohnheiten in der 17. und der 30. Woche ihrer Schwangerschaft teilgenommen hatten. Zudem wurden weitere Daten sechs Monate nach der Entbindung erhoben. Mit Beginn des dritten Lebensjahres wurde die geistige Entwicklung der Kinder untersucht. Die so erhaltenen Ergebnisse konnten jetzt in Zusammenhang mit der Medikamenteinnahme in der späten Schwangerschaftsphase gebracht werden. Dabei fanden die Forscher heraus, dass ungefähr 4 Prozent der Frauen während der Schwangerschaft für mindestens 28 Tage Paracetamol eingenommen hatten. Die Kinder dieser statistischen Untergruppe wiesen gleichzeitig überdurchschnittlich häufiger Entwicklungs- und Verhaltens­störungen auf als Kinder, deren Mütter seltener bzw. gar kein Paracetamol zu sich nahmen. "Unsere Ergebnisse deuten an, dass Paracetamol nicht so harmlos ist, wie wir immer angenommen haben", erklärte Ragnhild Brandlistuen, die Studienleiterin an der Universität Oslo. "Der längerfristige Gebrauch von Acetaminophen erhöhte in unserer Studie das Risiko auf Verhaltensstörungen um bemerkenswerte 70 Prozent." Asthma-Medikamente scheinen ebenfalls das Risiko für Autismus zu erhöhen, wenn sie von der werdenden Mutter während der Schwangerschaft eingenommen werden. Dänische Forscher hatten über neun Jahre hinweg diese Zusammenhänge untersucht; dazu nutzten sie Daten zu über 57.000 Kindern, die zwischen 1996 und 2006 zur Welt kamen; darunter waren 52.000 ohne u d 5200 mit einer Autismus-Diagnose. Es zeigte sich, dass Kinder um 30 Prozent häufiger eine Autismus-Diagnose erhalten, wenn ihre Mütter bestimmte Asthma-Medikamente eingenommen hatten, die sog. Beta-2-Agonisten, Sie wirken bronchienerweiternd, entzündungshemmend und erleichtern das Abhusten von Schleim. Über die Plazenta gelangen die Medikamente zum Embryo und beeinflussen dort die sich entwickelnden Nervenzellen. Zu den Beta-2-Agonisten gehören Wirkstoffe wie Salbutamol, Fenoterol und Reproterol. Auch Zusatzstoffe in Impfseren, insbesondere Aluminium, könnten die Autismus-Epidemie anheizen. Bereits im Jahr 2011 hatte die Fachzeitschrift Journal of Inorganic Biochemistry festgestellt: Kinder aus Ländern mit der höchsten Autismus-Rate weisen die höchste Belastung mit Aluminium aus Impfstoffen auf. - Das Fachmagazin Entropy veröffentlichte 2012 eine Studie, derzufolge die Zahl der Autismus-Neuerkrankungen stetig anstieg, nachdem der Aluminiumanteil in Impfstoffen erhöht worden war. Eine Rolle spielen wohl alle Chemikalien, die sich auf das sich entwickelnde Gehirn des Kindes auswirken, aber auch solche, die das hormonelle oder das Immunsystem beeinflussen. Zu nennen sind hier Schwermetalle wie Blei und Quecksilber, Flammschutzmittel, polychlorierte Biphenyle und Phthalate sowie einige flüchtige organische Verbindungen (VOC) wie Trichlorethylen und Styrol. (Harald Wiesendanger) Quellen Janie F. Shelton u.a.: „Neurodevelopmental Disorders and Prenatal Residential Proximity to Agricultural Pesticides: The CHARGE Study“, Environmental Health Perspectives 122, 23.6.2014, S. 1103-1109, http://dx.doi.org/10.1289/ehp.1307044. Alan S. Brown u.a.: „Association of Maternal Insecticide Levels With Autism in Offspring From a National Birth Cohort“, 16. August 2018, American Journal of Psychiatry Takoua Boukhris u.a.: „Antidepressant Use During Pregnancy and the Risk of Autism Spectrum Disorder in Children“, JAMA Pediatrics 1/2015, DOI: 10.1001/jamapediatrics.2015.3356 R. E. Brandlistuen u.a.: „Prenatal paracetamol exposure and child neurodevelopment: a sibling-controlled cohort study”, Dezember 2013, International Journal of Epidemiology, B. Gidaya u.a.: „In utero Exposure to β-2-Adrenergic Receptor Agonist Drugs and Risk for Autism Spectrum Disorders”, PEDIATRICS, 2016. L. Tomljeniovic u.a.: "Do aluminum vaccine adjuvants contribute to the rising prevalence of autism?", Journal Inorg Biochem, November 2011 S. Seneff u.a.: "Empirical Data Confirm Autism Symptoms Related to Aluminum and Acetaminophen Exposure", Entropy 2012. Grafik: K. Weintraub: „Autism counts“, Nature 479/2011, S. 22-24. Statistik ab 2010: CDC, www.cdc.gov/ncbddd/autism/data.html

  • Wie geschmiert

    An Gesunden gibt es nichts zu verdienen. An Toten ebensowenig. Lukrativ sind die dazwischen: die chronisch Kranken. Was ist das für ein System, dem es umso besser geht, je schlechter es uns geht? Dieser Frage gehe ich in meinem Buch Das Gesundheitsunwesen nach. Einen Sachverhalt nicht bloß zur Kenntnis zu nehmen, sondern zu verstehen bedeutet: den Zusammenhang zu erfassen, in dem er steht. Insofern gibt der Zeitgeist Anlass zu größter Sorge. Läge er beim Psychiater auf der Couch, so käme er um die Diagnose „Demenz“ schwerlich herum. Denn bestürzend gestört ist sein Langzeitgedächtnis. Zwar treiben ihn mancherlei Skandale, Missstände und Horrorstatistiken um, die ihm Medien gestern und heute zugetragen haben. Doch erinnert er sich kaum noch bis überhaupt nicht mehr an ganz ähnliche Nachrichten aus früheren Jahren, geschweige denn an Jahrzehnte zurückliegende. Fallen sie ihm ausnahmsweise ein, tut er sich schwer damit, Einst und Jetzt miteinander in Beziehung zu bringen. Er erkennt sie nicht als Erscheinungsformen ein und desselben anhaltenden Zustands oder Vorgangs. Anscheinend vermag er nicht abschätzen, wie sie einander bedingen und worauf sie hinauslaufen. Er macht sich nicht klar, was das alles mit ihm zu tun hat – und warum es auch deswegen geschieht, weil er es geschehen lässt. Aber gerade auf diese kognitiven Fähigkeiten kommt es an, um die Tatsachen einzuordnen, um die es in meinem Buch Das Gesundheitsunwesen geht, und die Schlüsse daraus nachzuvollziehen. Es enthüllt so gut wie nichts, was nicht längst bekannt wäre. Vielmehr puzzelt es gleichsam: Es zeigt, welches Gesamtbild sich aus einer Fülle einzelner Elemente ergibt, die auf den ersten Blick wenig bis nichts miteinander zu tun haben. Das Bild, das Kapitel für Kapitel immer klarer zum Vorschein kommen wird, ist das einer monströsen, weltumspannenden Maschine, die umso besser funktioniert, je schlechter wir es tun – je mehr wir verlieren, was wir für unser höchstes Gut erachten. Nichts geht Menschen über ihre Gesundheit. Von Meinungsforschern befragt, was ihnen am wichtigsten ist, belegt sie zuverlässig den Spitzenplatz, vor Werten wie Freiheit und Erfolg, Partnerschaft und Familie, Arbeit und Wohlstand, Freunden und Freizeit. Und erst recht zählt Gesundheit am allermeisten für jene Abermillionen, die sie verloren haben. Also ist ein Gesundheitssystem dazu da, eine humanitäre Aufgabe von überragender Bedeutung zu erfüllen: In möglichst vielen Fällen soll es Krankheiten und Gebrechen möglichst rasch und dauerhaft beseitigen oder zumindest lindern, besser noch vorbeugen, damit sie erst gar nicht auftreten. Freie Marktwirtschaft, so versichert man uns, bringt uns diesem Ziel näher: Im Wettbewerb unterschiedlicher Waren und Dienstleistungen setzen sich über kurz oder lang zwangsläufig die besten durch. Denn unter Verbrauchern finden sie naturgemäß die größte Nachfrage. Bei medizinischen Angeboten sei das im Prinzip nicht anders als bei Staubsaugern und Autos, Waschmitteln und Fernsehern. Also bringt die Medizin mit ökonomischer Notwendigkeit zunehmend heilsamere Mittel hervor, die körperliches und psychisches Leid immer umfassender, immer rascher, immer nachhaltiger lindern und schließlich beseitigen. Diese Verheißung beruhigt uns aber nur unter vier Voraussetzungen: 1. Der Verbraucher wählt und entscheidet vollständig informiert: Er kennt alle verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten, ihre Vorzüge und Nachteile, ihre kurz- und langfristigen Wirkungen und Nebenwirkungen. 2. Die Informationsquellen, aus denen der Verbraucher schöpft, sind sauber - unbeeinflusst von Leuten, die an Therapien verdienen, weshalb sie verständlicherweise darauf aus sind, den Nutzen ihrer Angebote überzubetonen, Grenzen und Risiken herunterzuspielen oder zu verschweigen, Wettbewerber abzuwerten. 3. Der Wettbewerb findet tatsächlich statt: Die Anbieter stellen sich der Konkurrenz; Nutzen/Risiko-Vergleiche sind möglich, werden laufend gezogen und publik. 4. Anbieterunabhängige Instanzen stellen sicher, dass diese drei Bedingungen erfüllt bleiben: der Gesetzgeber, Zulassungs- und Aufsichtsbehörden, Gerichte und Medien. Wem schleierhaft ist, weshalb die sogenannte moderne Medizin mit immer größerem technischem und finanziellem Aufwand immer mehr chronisch Kranke produziert, findet hier die Antwort: Unser Gesundheitswesen versagt, weil in Wahrheit keine dieser vier Voraussetzungen erfüllt ist. Und so beleuchtet das vorliegende Buch einen Markt, der längst außer Rand und Band geraten ist. Auf ihm fällt wenigen Anbietern, weil sie über irrwitzige finanzielle Mittel verfügen, eine schier grenzenlose Macht zu, Verbraucher über Nutzen und Schaden ihrer Produkte umfassend zu täuschen, missliebige Wettbewerber zu diskreditieren, Regulierungen zu verhindern, Gesetze zu umgehen, wirksamen Kontrollen auszuweichen, sämtliche Informationsquellen zu vergiften, Kritiker kaltzustellen, sich alle wichtigen Player gefügig zu machen – zu einem einzigen Zweck: um Gewinne zu maximieren. Unser Gesundheitswesen, man muss es so deutlich sagen, ist weitgehend zu einem Spielball organisierter Kriminalität verkommen – einer wie geschmiert laufenden Versorgungsmaschine, die sich der mit Abstand profitabelste Wirtschaftszweig dieses Planeten, auch zum Entsetzen vieler Ärzte, längst mafiös zurechtgebaut hat. Das zu ändern, erfordert mehr als bloß ein paar zaghafte, letztlich doch lobbygesteuerte Reförmchen. Das Versagen des Systems schreit nach Revolution. Und diese Revolution wird ausbleiben, solange wir sie nicht beharrlich einfordern und mittragen. Warum mir dieser Sachverhalt wichtig genug ist, ihm ein dickes Buch zu widmen, hat drei recht persönliche Gründe. Da ist tiefe Betroffenheit über die haarsträubenden Schicksale hunderter Patienten, denen ich in den vergangenen drei Jahrzehnten begegnete – Menschen, die sich gutgläubig einer Medizin anvertraut hatten, die sie krank und kränker machte, statt ihr Leid zu lindern. Da ist Fassungslosigkeit darüber, welch dürftige Resonanz Initiativen wie jene finden, die ich 2005 mit der Stiftung Auswege2 für chronisch Kranke ins Leben gerufen habe: eine karitative Einrichtung, auf die ein Hilfesuchender eher zufällig stößt, weil die Marktmacht derer, denen sie in die Quere kommt, dafür sorgt, dass sie öffentlich kaum wahrgenommen wird, gleichgültig wie viel sie erreicht. Und da ist vor allem die Sorge um meine eigenen Kinder und Enkel: Mich schaudert, wenn ich mir ausmale, was all die unentrinnbaren Pathogene, denen skrupellose Industrien und ein untätiger Staat sie aussetzen, eher früher als später in ihnen anrichten werden. Und mir graut davor, was ihnen widerfahren könnte, wenn sie sich daraufhin unbedarft einem kranken Gesundheitssystem ausliefern, dessen Hauptakteuren es umso besser geht, je schlechter es uns geht. Dieses Buch soll erhellen, warum das so ist; wie es dazu kommen konnte; wie viel geschehen müsste, um wirksam gegenzusteuern; warum es dabei auch auf dich und mich ankommt. Blieben meine Kinder die einzigen, die dieses Buch jemals zur Hand nehmen und daraus auch nur einen einzigen Anstoß mitnehmen, weniger blauäugig weiterzumachen wie bisher, so hätte sich für mich die Mühe schon gelohnt. „Die Wahrheit ist einfach“, lehrte Buddha. An das westliche Gesundheitswesen dachte er dabei wohl kaum, läge aber auch hier goldrichtig. Die simple Wahrheit lautet: An Gesunden gibt es nichts zu verdienen. An Toten ebensowenig. Lukrativ sind die dazwischen: die chronisch Kranken. Was folgt daraus logisch über das wahre, oberste Ziel der Medizinindustrie? Über Ärzte, die ihr Beihilfe leisten? Über Politiker, die daran nichts ändern? Über Wähler, die solchen Politikern ihre Stimme geben? Über Medien, die schweigen? Und über Patienten, die mitspielen? Die moderne Medizin kümmert sich um deine Krankheit. Davon lebt sie. Um deine Gesundheit musst du dich selbst kümmern. Davon lebst du. Bei diesem Beitrag handelt es sich um das Vorwort von Harald Wiesendangers Buch Das GesundheitsUNwesen – Wie wir es durchschauen, überleben und verwandeln (2019).

  • Vorsicht, Giftzwerge!

    Künstlich erzeugte Minipartikel häufen sich seit wenigen Jahrzehnten in der menschlichen Lebenswelt dramatisch an. Mikroplastik, Ultrafeinstaub, Nanoteilchen machen krank, chronisch und unheilbar, wenn wir sie über längere Zeit in uns aufnehmen und anreichern. Sie töten uns. Sie gefährden den Fortbestand unserer Spezies. Warum nehmen wir sie nicht ernst genug? So grundlegend sind manche Erfahrungen, dass sie sich tief ins kollektive Gedächtnis graben/einbrennen. Jede nächste Generation muss sie sich nicht erst von neuem aneignen, durch Versuch und Irrtum. Als Verhaltensprogramme bekommt man sie buchstäblich in die Wiege gelegt: über das Genom, über vorverschaltete Neuronennetze im Gehirn. Häufig erwuchsen solche Urerfahrungen aus immer wiederkehrenden Situationen, in denen es um Leben oder Tod ging. Plötzlich tauchte eine Bedrohung auf – und es blieb keine Zeit, vor einer Reaktion erst noch anspruchsvolle kognitive Prozesse des Überprüfens, Bewertens und Entscheidens zu durchlaufen. In Sekundenbruchteilen musste klar sein: Fliehen? Kämpfen? Oder nichts tun? Aus derartigen Urerfahrungen erwuchs beispielsweise die Faustregel „Je größer, desto gefährlicher“, wie auch ihr Gegenstück „Je kleiner, desto harmloser“. Vor großen Mammuts, vor ausgewachsenen Säbelzahntigern nahmen unsere fernsten Ahnen, wenn sie alleine und unbewaffnet waren, zurecht reißaus – nicht aber vor deren neugeborenem Nachwuchs. Rollte ein Felsbrocken auf sie zu, wichen sie ihm aus – nicht aber einem heranfliegenden Sandkorn. Bis in die Moderne wirken die Überlebensmaximen der Steinzeit verhaltensbiologisch nach. Überall auf der Welt, unabhängig von Rasse, Geschlecht und Kultur, reagieren Babies unwillkürlich gleich, wenn vor ihnen unvermittelt etwas Großes auftaucht oder im Nu riesenhaft anschwillt: Sie zeigen nicht Neugier und freudige Erwartung, sondern erschrecken, beginnen zu weinen, wenden den Kopf ab, suchen Schutz, versuchen sich wegzubewegen. Nur weil die Verknüpfung, die hinter diesen Reaktionen steckt, in den Köpfen unserer Spezies so tiefverwurzelt ist, war ein Blockbuster wie „King Kong“ möglich: Von der Bedrohlichkeit des Riesenhaften geht unser Unterbewusstsein so selbstverständlich aus, dass die blödsinnige Idee eines turmhohen Gorillas, der zärtliche Gefühle für ein feingliedriges Blondinenmenschlein entwickelt, Kinobesucher rund um den Globus fasziniert. Hätten sich die Israeliten hinter dem tollkühnen David mit seiner Steinschleuder versteckt, wenn ihnen Goliath gerade mal bis ans Knie gewachsen wäre? Faustregeln haben es an sich, bloß im großen und ganzen zuzutreffen; sie lassen Ausnahmen zu. Somit wiegen sie uns stets in einer trügerischen Sicherheit, die brandgefährlich werden kann, wenn sie uns sorglos machen – sobald sie uns dazu verleiten, Bedrohungen zu übersehen, ihr Ausmaß fatal zu unterschätzen. Nicht der Wolf ist in unseren Breitengraden das gefährlichste Tier, sondern die Zecke. Zu unseren schlimmsten Feinden zählen solche, vor denen uns kein Sinn warnt – wir sehen und hören, schmecken, riechen und spüren nichts, wenn sie uns angreifen. Bakterien und Viren, die kein Infizierter je wahrgenommen hat, sorgten für millionenfach mehr Tote als alle jemals stattgefundenen Kriege zusammengenommen. Dem menschlichen Organismus blieben aber immerhin Hunderttausende von Jahren Zeit, sich an eine Umwelt voller mikroskopisch winziger Krankheitserreger anzupassen. Er entwickelte ein filigranes Abwehrsystem, das einen Großteil davon unschädlich macht. Um dem Rest beizukommen, entstanden vielerlei wirkungsvolle Medikamente. Dieser Schutz, der immunologische wie auch der pharmazeutische, fehlt uns, um weitaus monströsere Bedrohungen abzuwehren: künstlich erzeugte Minipartikel, manche kaum größer als ein paar Atome. Seit wenigen Jahrzehnten häufen sie sich in der menschlichen Lebenswelt dramatisch an. Mikroplastik, Ultrafeinstaub, Nanoteilchen machen krank, chronisch und unheilbar, wenn wir sie über längere Zeit in uns aufnehmen und anreichern. Sie töten uns. Sie gefährden den Fortbestand unserer Spezies. Was können, was müssen wir gegen diese Giftzwerge unternehmen? Wie bändigen wir sie? Zuallererst sollten wir: aufwachen. Falls Außerirdische seit längerem die Erde beobachten, kämen sie vermutlich zu dem Schluss: In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begann auf diesem sonderbaren Planeten ein globales Experiment, mit allen Bewohnern, vom Säugling bis zum Greis, als unfreiwilligen Versuchskaninchen. Es widmet sich offenbar drei Fragen: Wie viele Schadstoffe aus den unterschiedlichsten Quellen – einschließlich Nahrung, Trinkwasser, Atemluft, Kleidung, Reinigungsmittel, Medikamente und Impfstoffe, tausenderlei alltäglicher Gebrauchsgegenstände - lassen sich dem menschlichen Organismus zuführen, bis auch der widerstandsfähigste chronisch erkrankt? Wie viel Profit lässt sich daraus gesundheitswirtschaftlich ziehen? Welcher Aufwand an Marketing, Lobbyarbeit und Korruption ist nötig, um Regierungen die schleichende Massenvergiftung geschehen zu lassen - und die Bevölkerungsmehrheit davon abzuhalten, dagegen aufzubegehren? Nichts wird sich ändern, solange wir nicht damit beginnen. Das sollten wir bald, denn die Zeit wird knapp. (Harald Wiesendanger) Titelbild: kasiaczernik/Pixabay

  • Austherapiert? Vielleicht gibt ja es doch Auswege …

    Die Herausgeberin des Online-Magazins FRIEDA, Beate Wiemers, im Gespräch mit Dr. Harald Wiesendanger. Das Interview erschien online im Juni 2018. „30.000 Krankheiten kennt die Schulmedizin. Doch bloß ein Drittel davon kann sie vollständig heilen oder zumindest deutlich lindern, und dies oft nur mit Nebenwirkungen, mit seelischen Belastungen, mit erheblichen Kosten. Zu den Leidtragenden zählen Millionen chronisch Kranker – sei es mit Herz-/Kreislauferkrankungen, Diabetes, Rheuma, Krebs, Asthma, Neurodermitis, Allergien, Epilepsie oder psychischen Störungen. Bestürzend viele gelten als ‚therapieresistent‘, wenn nicht gar als ‚unheilbar‘.“ So steht es auf der Website der Stiftung AUSWEGE. Wer selbst von einer chronischen Krankheit betroffen ist oder im näheren Umfeld jemanden in einer solchen Situation kennt, hat womöglich schon erlebt, welche Odysseen Menschen mitunter auf sich nehmen müssen, um Linderung ihrer Symptome oder gar Heilung erfahren zu können. Immer häufiger handelt es sich dabei auch um sehr junge Menschen, um Kinder wie vielleicht der an Enuresis, unwillkürlichem Einnässen, leidende Chris oder wie Nick, bei dem das Asperger Syndrom diagnostiziert wurde. Beiden Jugendlichen konnte nach einem langen Leidensweg im Therapiecamp der Stiftung AUSWEGE geholfen werden. Und vielen anderen Menschen ebenso. Die im Jahre 2005 von Dr. Harald Wiesendanger gegründete Stiftung AUSWEGE hat sich zum Ziel gesetzt, chronisch kranken Kindern und Erwachsenen auf ganzheitliche Weise zu helfen." FRIEDA: Sie studierten Psychologie, Philosophie und Soziologie, promovierten schließlich in Philosophie. Als Wissenschaftsjournalist publizierten Sie mehr als 50 Bücher und Tausende Artikel in Zeitungen, Zeitschriften und Internetportalen. Wie kamen Sie als Nicht-Therapeut dazu, eine Stiftung ins Leben zu rufen, die chronisch kranken Kindern und Erwachsenen Zugang zu komplementärmedizinischen Therapien verschaffen soll? WIESENDANGER: Glück verpflichtet, und davon hatte ich eine Menge. Das Schicksal hat mir drei kerngesunde Kinder geschenkt, die Kliniken nur von außen kennen, und ich selbst bin nun schon sechs Jahrzehnte lang von schweren Krankheiten verschont geblieben. Es erfüllt mich, von diesem Glück etwas zurückzugeben. Mittels der sogenannten Anderen Medizin kann ich es. FRIEDA: Stets dann, wenn die Massen mittels der Fußball-WM sediert werden, verabschiedet die Regierung Gesetze, die sich auf die eine oder andere Weise in der Regel nachteilig auf die Bevölkerung auswirken. So wurde während der diesjährigen Fußball-WM – besonders auf Drängen der SPD - unter anderem im Eilverfahren beschlossen, die Parteienfinanzierung von bisher 165 Millionen jährlich auf 190 Millionen anzuheben. Gleichzeitig werden die Daumenschrauben für beispielsweise Heilpraktiker immer enger gedreht und das, obwohl vielfach belegt ist, dass ganzheitliche Behandlungskonzepte, insbesondere bei chronisch Kranken, sehr effektiv sein können. Die Stiftung AUSWEGE gibt es seit nunmehr 13 Jahren. Wie haben Sie die Entwicklung in unserem Gesundheitssystem seitdem wahrgenommen? WIESENDANGER: Mit wachsendem Entsetzen. Die Ökonomisierung dieses kranken Systems schreitet ungebremst voran. Daraus erklärt sich sein Grundzug: Mit immer gewaltigerem Aufwand – allein in Deutschland eine Milliarde Euro pro Tag – produziert es immer weniger Gesundheit. Allmählich begriff ich: Insofern versagt es nicht etwa; genau dazu ist es vielmehr da, zumindest in den Augen der übermächtigen Interessengruppen, die in ihm die Fäden ziehen. Als Wirtschaftszweig betrachtet, geht es der Gesundheitsbranche nämlich umso besser, je schlechter es uns geht. Florieren und wachsen kann sie nur, wenn immer mehr Menschen immer früher zu Patienten werden und es immer länger bleiben. An Gesunden gibt es nichts zu verdienen, an Toten ebensowenig. Lukrativ sind die dazwischen: die chronisch Kranken. Nichts gefährdet Geschäfte in der Medizin mehr als Gesunde, die es bleiben; als Kranke, die wieder gesund werden; als Ansätze, die ihnen dazu verhelfen. Sobald uns dieser Grundzug des Systems einleuchtet, fällt es uns wie Schuppen von den Augen. Schlagartig durchschauen wir all seine Besonderheiten: von Überdiagnostik und Übertherapie, der chemie- und technologielastigen Karikatur von wahrer Heilkunst über Preiswucher, Lobbyismus und Korruption, die Instrumentalisierung von Wissenschaft und Ärzteschaft bis hin zum Rufmord an Kritikern und alternativen Heilkundigen. All das stellt eine monströse Manipulationsmaschine mit schier unbegrenzten Werbe-, Druck- und Schmiermitteln sicher. Allein die Pharmaindustrie schöpft dazu aus einem Marketingtopf von mehreren hundert Milliarden Euro – pro Jahr. Vor diesem Hintergrund ist systemgefährdend, was in bisher 28 Therapiecamps der Stiftung Auswege seit 2007 herauskam: Von rund 500 vermeintlich behandlungsresistenten chronisch Kranken machten über 80 Prozent binnen neun Tagen gesundheitliche Fortschritte wie zuvor seit Jahren, teilweise Jahrzehnten nicht – im Fall von sogenannten „psychischen Störungen“ sogar über 95 Prozent. So etwas darf sich keinesfalls herumsprechen, größere Nachfrage schaffen, Zweifel an der Schulmedizin schüren und verstärken, Alternativen aufwerten. FRIEDA: Welche Menschen kommen überwiegend zu Ihnen? WIESENDANGER: Das Diagnosespektrum ist denkbar breit. Zu „Auswege“ findet so gut wie jeder Typ von Patient, dem es seit längerem gesundheitlich schlecht geht, ohne dass die Schulmedizin ihm Linderung verschafft hat, geschweige denn Heilung. FRIEDA: Gibt es bei diesen Menschen, die ja meistens eine längere Ärzteodyssee hinter sich haben dürften, eine Art gemeinsamen Nenner mit Blick auf ihre Erfahrungen im Gesundheitssystem? WIESENDANGER: Sie bekamen nicht, was sie am dringendsten bräuchten: Hinweise auf tieferliegende Krankheitsursachen hinter dem manifesten Symptom, der gestörten Funktion, dem geschädigten Organ. Aufklärung über pharmaziefreie Behandlungsalternativen, die sich aus Erfahrung bewährt haben. Aufmerksamkeit, Zuwendung, Empathie. Und Impulse, endlich Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen – zum Selbstheiler zu werden. FRIEDA: Auf Ihrer Website stellen Sie einige Fallbeispiele vor, bei denen große Erfolge durch Ihr Therapiekonzept zu verzeichnen waren. Eigentlich wäre es aus menschlich-empathischer Sicht doch wünschenswert, dass solche Erfolgsstories viel mehr öffentlich gemacht würden, denn uns allen, als Menschen und als Steuerzahler, sollte doch daran gelegen sein, bestmögliche Rahmenbedingungen für ein vitales Leben mitzugestalten. Sie selbst sind Journalist. Worauf führen Sie zurück, dass die meisten Medien komplementärmedizinische Verfahren nach wie vor eher stiefmütterlich behandeln, teilweise sogar diffamieren? WIESENDANGER: Da versagt die vermeintliche Vierte Gewalt im Staat erbärmlich. Viele Redakteure, die meisten freien Journalisten und erst recht die inflationär zunehmenden Blogger werden beschämend mies entlohnt. Neben der Tastatur liegt allzu oft ein durchgenagtes Hungertuch. Das macht anfällig dafür, sich als Schreibknecht zu prostituieren. Medienschaffende pauschal als korrumpiert zu beargwöhnen, wäre freilich absurd. Das ist die Minderheit, zumal bei überregionalen Tages- und Wochenzeitungen, bei hochauflagigen Zeitschriften, bei großen TV-Sendern. Zu Dienern des Systems werden sie, in bester Absicht, auf einem Umweg, den sie ihre eigene Standesethik einschlagen lässt. Als Journalisten haben sie gelernt, Informationen gegenzuchecken, mittels seriöser Quellen. Und welche Quelle scheint verlässlicher als die heilige Kuh der Neuzeit, die Naturwissenschaft? Dass deren Maßstäbe für Evidenz und Wahrheit dem Subjekt Mensch womöglich unangemessen sind, kümmert so gut wie keinen. Dass der Forscher X, der Lehrstuhlinhaber Y, der Gutachter Z, den sie zu Rate ziehen und zitieren, auf der Honorarliste von Konzernen steht, erkundet kaum einer. Erst recht unter Zeitdruck. Lieber schreibt man dann von Wikipedia ab – ohne damit zu rechnen, dass deren Administratoren ebenfalls gekauft sein könnten, nicht bei Artikeln über Brunnenkresse, die Waldameise und den Titicacasee, wohl aber, wenn es um Themen geht, die kommerziell bedeutsam sind. Und dazu zählen Einträge über Krankheiten, deren Diagnose und Behandlung, über Anbieter von medizinischen Leistungen in besonderem Maße. FRIEDA: Sie machen sich für einen stärkeren Dialog zwischen Schulmedizin und komplementärmedizinischen Verfahren stark und wünschen sich mehr Miteinander statt Nebeneinander beider Disziplinen. Wie sind Ihre Erfahrungen in dieser Hinsicht mit jenen Ärzten, bei denen Ihre Patienten in Behandlung waren, bevor sie zu Ihnen gekommen sind? Gibt es dort Interesse an Kooperation mit Ihnen oder reagiert man eher mit Abwehr oder Desinteresse? WIESENDANGER: Teils, teils. Ärzte, die ihren Hippokratischen Eid ernstnehmen, öffnen sich zunehmend für unkonventionelle Heilweisen, ihren Patienten zuliebe. Der eine oder andere schaut sogar in unseren Camps vorbei, wirkt anschließend ehrenamtlich mit. (Näheres in meinem Buch „Geistiges Heilen in der ärztlichen Praxis“.) Doch weiterhin überwiegen betonköpfige Schulmediziner, die vollziehen, wofür das System sie zurechtbiegt: während ihres pharma- und techniklastigen Studiums, in der industriegesponserten Fortbildung, durch gekaufte Meinungsführer ihres Fachs, durch eloquente Pharmareferenten, durch PR-missbrauchte Fachjournale. FRIEDA: Natürlich ist jede Krankengeschichte so individuell wie der dazugehörige Mensch. Gibt es trotzdem Fälle, die Sie persönlich besonders berührt haben während der Jahre Ihrer Tätigkeit und wenn ja, könnten sie ein paar davon näher beschreiben? WIESENDANGER: Als Vater aus Leidenschaft sind mir Kinderschicksale besonders nahegegangen. Unvergesslich ist mir die fünfjährige Mira geblieben, eine schwere Epileptikerin, die seit ihrem zweiten Lebensjahr heftig krampfte, mit bis zu 20 Anfällen pro Tag. Seither stand ihre geistige Entwicklung still. Weil Medikamente nicht halfen, setzte die Mutter ihre letzte Hoffnung auf ein „Auswege“-Therapiecamp. Ich erinnere mich an den späten Vormittag des vierten Camptags: Da spielte Mira zunächst im Garten ausgelassen Fußball mit mir, eine Viertelstunde später saß sie neben mir am Mittagstisch. Plötzlich begann sie zu zucken, verdrehte die Augen, sackte in sich zusammen – und krampfte minutenlang in meinen Armen. Als ihr Hirngewitter endlich vorbei war, blieb sie eine knappe Stunde lang apathisch, nicht ansprechbar. Mir blutete schier das Herz. Dieses Kind könnte mein eigenes sein – was würde das für mich bedeuten? Nach Campende wurde Mira von einem Heiler sowie einem homöopathischen Arzt aus unserem Netzwerk weiterbetreut. Nach einem Monat war die Kleine erstmals eine ganze Nacht anfallsfrei, nach sechs Wochen zwei aufeinanderfolgende Tage. Nach knapp einem Vierteljahr geschah das Unfassbare: Die Epilepsie verschwand. Das war 2008. Zehn Jahre später kommt es nur noch zwei-, dreimal pro Jahr zu kurzen, leichten Attacken. Ihren Entwicklungsrückstand hat Mira seither in Riesenschritten verkürzt. Auch Daniel, 11, fällt mir ein: extrem unruhig und unaufmerksam, ständig in Bewegung, ein klassischer Fall von „ADHS“. Am Abend des vierten Camptags, nach einem Dutzend Heilsitzungen, spielte er knapp zwei Stunden lang mit mir Mühle – hochkonzentriert, durch nichts und niemanden abzulenken. Wie er, so sind 37 von 39 „ADHS“-Diagnostizierten in unseren Camps vollständig symptomfrei geworden, unter ärztlicher Kontrolle. Ritalin, Medikinet? Überflüssig. Fast immer erwies sich das Elternhaus als Schlüssel zur Heilung: In Verhaltensauffälligkeiten - bei ADHS ebenso wie bei einer vermeintlich pathologischen „Depression“, einer „autistischen“, „Anpassungs-“ oder „Angststörung“ - spiegeln Kinder fast immer ein unheiles Umfeld, überforderte Eltern, schwerwiegende Erziehungsfehler. Deshalb setzen wir systemisch an, laden möglichst viele nächste Angehörige mit ein. Besonders betroffen machen mich immer wieder haarsträubende Schicksale von Menschen, die in die Mühlen der modernen Psychiatrie geraten sind, nachdem ihnen Diagnose-Etiketten für „psychische Störungen“ verpasst wurden. Die Eltern einer 17-jährigen angeblich Schizophrenen konnte ich während eines Camps dazu bewegen, ihr Kind nach vierjähriger psychiatrischer Internierung, mit fortgesetzter pharmazeutischer Körperverletzung, endlich heimzuholen. Bei einer 44-jährigen mit derselben Diagnose konnten wir bloß noch Begleitsymptome lindern – ihre Persönlichkeit war bereits unumkehrbar deformiert, ihr Leben verpfuscht, nach zwei Jahrzehnten Dauermedikation in psychiatrischen Einrichtungen. Wie war sie dorthin geraten? Ein Arzt wies sie kurzerhand ein, nachdem sie „durchdrehte“, weil sie unentwegt gemobbt wurde und bei der Abiprüfung durchgefallen war. Für eine menschlichere Psychiatrie, die sich endlich aus dem Klammergriff von Big Pharma befreit, wirbt die Stiftung Auswege zur Zeit mit einer Petition. Besonders eindrucksvolle Behandlungserfolge bei seelisch Belasteten stellt mein neues Buch „Der Psychofalle entkommen“ vor FRIEDA: Ihr Behandlungskonzept, das eine breite Palette an alternativmedizinischen Verfahren beinhaltet, die Sie also anbieten oder zumindest empfehlen, spannt auch den Bogen zum Geistigen Heilen. In England hat bereits jeder Krankenhauspatient das Recht darauf, einen Geistheiler hinzuzuziehen. In britischen Krankenhäusern arbeiten geistige Heiler schon längst als feste oder freie Mitarbeiter, sofern sie entsprechende Qualifikationen nachweisen können. Deutschland hinkt auch in diesem Bereich hinterher. In der Stiftung AUSWEGE spielt die Geistheilung eine gleichwertige Rolle neben anderen Methoden. Wie ist die Akzeptanz darauf bei Ihren Patienten und welche Erfahrungen werden damit gemacht? WIESENDANGER: Aus tiefer Überzeugung, schon als esoterisch Bekehrte, lassen sich die Wenigsten die Hand auflegen. Zurecht überwiegt Pragmatismus: Hauptsache, es nützt. Und das tut es verblüffend oft. In den „Auswege“-Camps zählt Geistiges Heilen – zumindest wenn Könner es praktizieren – zu jenen Heilweisen, die auch bei hartnäckigen Leiden besonders rasch und tiefgreifend wirken. FRIEDA: Im Rahmen von jährlich stattfindenden Therapiecamps können sich chronisch kranke Kinder und Erwachsene bei Ihnen durch sehr erfahrene Therapeuten behandeln lassen. Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um an einem solchen Therapiecamp teilnehmen zu können und welche Kosten entstehen für die Teilnehmenden? WIESENDANGER: Herzlich willkommen ist so gut wie jeder, bei dem die Schulmedizin seit längerem an ihre Grenzen stößt. Beratung und Behandlung bieten wir Minderjährigen kostenlos, Erwachsene zahlen eine Tagespauschale von 40 Euro. Hinzu kommen Unterkunft und Verpflegung. Von einer Teilnahme abraten würde ich allerdings bei genetischen Defekten, schweren körperlichen und geistigen Behinderungen. Zwar sind Symptomlinderungen erfahrungsgemäß selbst in solchen Fällen möglich – aber eher in der langfristigen Obhut eines wohnortnahen Therapeuten aus unserem Netzwerk als binnen einer Campwoche. FRIEDA: Das, was es zur Gesundheit braucht, ist ja eigentlich recht einfach. Neben einer nährstoffreichen und wenig durch Toxine belasteten Ernährung, spielen das soziale Umfeld eine wichtige Rolle, die Qualität des Wassers, die Möglichkeit, sich selbst kreativ und mitgestaltend auszudrücken, Bewegung und frische Luft, der möglichst komplette oder weitgehende Verzicht auf Medikamente. Doch all das ist heute nicht mehr selbstverständlich. Sie bieten kranken Menschen nicht nur Hilfe an, wenn die Symptome die Lebensqualität bereits schwer beeinträchtigen, sondern sind auch engagiert im Bereich Prävention. Was machen Sie in dem Bereich konkret? WIESENDANGER: Eine Menge. Wir bemühen uns um Aufklärung über unsere umfangreiche Website, unseren Gratis-Newsletter „Auswege Infos“ (), über Präsenzen bei Social Media wie Facebook und Telegram, mit Dutzenden von Büchern und Broschüren, durch Infoveranstaltungen. Nicht nur über Behandlungsoptionen, auch über intelligente Vorsorge beraten wir Hilfesuchende in unseren Camps sowie über unseren telefonischen Infodienst, an dem rund 30 Ärzte, Psychotherapeuten, Heilpraktiker ehrenamtlich mitwirken. FRIEDA: Zu Ihrem Netzwerk gehören derzeit etwa 200 ausgewählte Therapeuten aus 35 Ländern, vorwiegend jedoch aus dem deutschsprachigen Raum. Interessierte können mittels der Postleitzahl auf Ihrer Website herausfinden, ob sich in der Nähe einer der von Ihnen empfohlenen Ärzte oder Heiler befindet. Welche wesentlichen Kriterien müssen Therapeuten erfüllen, um bei Ihnen gelistet zu werden? WIESENDANGER: Erstens: Sie sollten ethisch tadellos arbeiten. Dazu verpflichten wir sie auf einen achtteiligen Verhaltenskodex. Er verlangt von ihnen unter anderem, nichts zu versprechen, keinerlei Druck auszuüben, keine unüberprüfbaren Diagnosen zu stellen, vorab klare Honorarvereinbarungen zu treffen. Zweitens: Sie sollten therapeutisch außergewöhnlich fähig sein. Das versuchen wir anhand eines zehnteiligen Kriterienkatalogs abzuschätzen. Unter anderem werten wir Erfahrungsberichte von Patienten aus, nachdem wir sie vermittelt haben. Wir lassen sogenannte „Meldebögen“ ausfüllen, mit denen wir zwei Dutzend wichtige Details von Behandlungsverläufen erfassen. Rund 20 „Screener“ suchen in unserem Auftrag Praxen auf, um dort nach dem Rechten zu sehen – verdeckt, vorgeblich als gewöhnliche Hilfesuchende. Auch Erfahrung zählt: Wir empfehlen niemanden, der nicht seit längerem praktiziert. Außerdem wir verschaffen uns möglichst einen persönlichen Eindruck; dazu laden wir Kandidaten zu Infonachmittagen ein, zu „Schnupper“besuchen in unseren Camps, zu Begegnungen unter vier Augen. All das liefert keine Qualitätsgarantie, zugegeben. Zumindest aber verringert es erheblich das Risiko für Hilfesuchende, mit vermeintlichen „Wunderheilern“ ihr blaues Wunder zu erleben. FRIEDA: Die Stiftung AUSWEGE trägt sich durch Spenden und viel ehrenamtliche Mitarbeit. Interessierte können auch vor Ort Veranstaltungen organisieren. Was es dazu braucht und inwieweit Sie dabei Unterstützung anbieten, ist unter dem Punkt „Helfen Sie mit!“ auf Ihrer Website zu finden. Welche Erfahrungen haben Sie dazu bisher gemacht? Steigt das Interesse, Ihre Arbeit und Ihr Wissen auf diese Weise bekannter zu machen? WIESENDANGER: Leider nein. Für „Auswege“ einen erfolgreichen, vielbeachteten Benefizabend hinzukriegen, der die Mühe lohnt, erfordert reichlich Zeit, Organisationstalent und ein gutes Beziehungsnetz vor Ort. Unter unseren Sympathisanten bringen das die Wenigsten mit. Allerdings unterstützen wir jeden Interessenten nach Kräften bei der monatelangen Vorarbeit. FRIEDA: Ich führte für FRIEDA-online im Jahre 2017 eine Parteienumfrage zum Gesundheitssystem durch, deren Ergebnisse mich insgesamt nicht gerade fröhlich stimmten. Wären Sie Gesundheitsminister, welche Reformen hätten für Sie absolute Priorität? WIESENDANGER: Wie viele Gigabyte Webspace hat „Frieda“? Im Ernst: Nach vielen verlorenen Jahrzehnten gäbe so bedrückend viel nachzuholen, gegenzusteuern, um- und aufzubauen, dass ich kaum wüsste, wo ich anfangen soll. Achtzehn sogenannte „Gesundheitsreformen“ sind den drängendsten Fragen, die unsere überteuerte, ineffiziente Medizin aufwirft, beharrlich ausgewichen. Die eine oder andere Gesetzesänderung tat dem medizinisch-industriellen Komplex zwar ein bisschen weh – an entscheidende Strukturen, Zielsetzungen und Weichenstellungen traute sich indes keine einzige heran, nicht einmal ansatzweise. Durchweg handelte es sich um Notwehrreaktionen auf äußerste monetäre Engpässe: leere öffentliche Kassen, malade gesetzliche Krankenversicherungen, überforderte Beitragszahler. Soweit Bundesregierungen in Versorgung und Regulierung eingriffen, ging es ausnahmslos darum, Kosten zu dämpfen und finanzielle Lasten umzuverteilen – um Themen wie Beitragshöhe, Arbeitgeberzuschüsse, Einschränkung von Leistungen, Vergütung der Leistungserbringer, Praxisgebühren, Zuzahlungen zu Arzneimitteln, Selbstbeteiligung, Ausgabenbudgets, Preisgestaltung, Festbeträge, Rationalisierung. Niemals nahm der Staat echte, dringend notwendige Reformvorhaben in Angriff: Wann endlich entzieht er sich der Dauerbelagerung durch Lobbyisten? Wann endlich gewährt er Patienten die gleiche Chance, Gehör zu finden, wie der Pharma- und Versicherungswirtschaft, Vertretern von Ärzten und Apothekern? Warum schiebt er der routinemäßigen Studientrickserei von Industrieseite nicht einen Riegel vor, legt Forschung und Entwicklung neuer Arzneimittel nicht ganz in die öffentliche Hand oder unterwirft sie zumindest strikter Aufsicht? Wann überarbeitet er endlich das Patentrecht, um dessen dreistem Missbrauch durch pharmazeutische Scheininnovationen einzudämmen, die einen einzigen Zweck verfolgen: Vermarktungsmonopole aufrechtzuerhalten? Weshalb setzt er dreister Preistreiberei nicht ein rigoroses Ende? Wo bleibt die seit Jahrzehnten angekündigte „Positivliste“, die Ärzten und Verbrauchern vorgibt, welche Arzneimittel wirklich hilfreich, nötig und preiswert sind? Wo bleibt eine unabhängige „Stiftung Warentest“ für den Arznei- und Nahrungsmittelsektor? Wann endlich verpflichtet der Staat die gesetzlichen Kassen dazu, nicht mehr für teure Originale aufzukommen, wenn mindestens ebenso wirksame, längst bewährte ältere Mittel oder Nachahmerpräparate, Generika, zu einem Bruchteil des Preises erhältlich wären? Wieso verschärft er Antikorruptions- und Transparenzgesetze nicht drastisch? Wann endlich zieht er Manager persönlich zur Verantwortung, wenn ihre Produkte schwere, bleibende Gesundheitsschäden anrichten? Wieso baut er kein unabhängiges öffentliches Informationssystem auf, finanziert aus möglichen Milliardeneinsparungen im Arzneimittelsektor und dem prallgefüllten Marketingtopf der Konzerne? Weshalb fördert er so gut wie gar nicht die Erforschung chemiefreier Behandlungsansätze, hilfreicher psychosozialer Projekte sowie selbstverantwortlicher Gesundheitsfürsorge? Wo bleibt dringend notwendiger, intensiver Gesundheitsunterricht, vom Kindergarten bis zum Schulabschluss – sollten Kinder nicht eher über industrielle Fertignahrung, über ein Übermaß an tierischem Eiweiß, verstecktem Zucker und Salz Bescheid wissen als über die Keilerei 333 bei Issos, die 8848 Höhenmeter des Mount Everest, über Integral- und Vektorrechnung? Wann endlich sorgt der Staat dafür, dass die ärztliche Aus- und Weiterbildung pharmafrei wird? Wann endlich wird Ärzten verboten, Zuwendungen jeglicher Art von der Industrie anzunehmen? Wann endlich wird Inhabern politischer Ämter untersagt, in die Industrie zu wechseln? Wann bläst Berlin endlich das kläglich gescheiterte Experiment der „Selbstverwaltung“ im Gesundheitswesen ab, die seit Jahr und Tag auf die gemeinschaftliche Selbstbereicherung der beteiligten Interessengruppen hinausläuft? Wenn Pharmazie ein Multimilliardengeschäft ist, für das staatliche Institute ohnehin einen Großteil der Grundlagenforschung leisten – weshalb macht er dieses Geschäft nicht besser gleich selbst, statt bei den Selbstbereicherungsorgien von Managern, Investoren und Aktionären tatenlos zuzusehen? Und niemals ging es bisher um brennende Grundsatzfragen wie: Worin besteht Gesundheit eigentlich? Was bedeutet Heilung? Was erhöht und sichert Wohlbefinden und Lebensqualität? Was motiviert Patienten über finanzielle Anreize hinaus, Verantwortung für das eigene Wohlergehen zu übernehmen, zu ihrer Genesung aktiv beizutragen? Welche präventiven Ansätze können dafür sorgen, dass Krankheiten erst gar nicht entstehen? Vertragen Helfen, Heilen und Pflegen überhaupt Kommerz, dürfen sie betriebswirtschaftlichem Kalkül unterworfen werden? Gibt es zu Pharmazeutika preiswertere, nebenwirkungsärmere, patientenfreundlichere Alternativen? Wie fördern und gestalten wir eine integrative Medizin, die das Beste aus unterschiedlichen Heiltraditionen und Therapierichtungen verbindet? Wie wird Humanmedizin humaner, wie befriedigt sie grundlegende menschliche Bedürfnisse? FRIEDA: Wie zuversichtlich sind Sie denn, dass unser Gesundheitswesen insofern die Kurve kriegt? Wie sieht Ihres Erachtens die Medizin der Zukunft aus? WIESENDANGER: Einerseits stimmen manche Entwicklungen hoffnungsfroh. Immer mehr Menschen nehmen übliche medizinische Maßnahmen nicht mehr brav hin, sondern hinterfragen sie. Die Nachfrage nach Behandlungsalternativen ist ungebrochen und wächst weiter. Es wächst die Zahl der Stiftungen, Vereine, Akademien und Institute, die sich mit viel Herzblut und Esprit für ein anderes Gesundheitswesen einsetzen. Immer mehr Menschen ernähren sich vollwertig, verhalten sich auch sonst gesundheitsbewusster. Manchen systemkritischen Webseiten und Facebook-Accounts folgen Zehntausende. Jene „Enteignung der Gesundheit“, die der Philosoph Ivan Illich schon in den siebziger Jahren anprangerte, bricht ja nicht als unabwend­bares Schicksal über uns herein. Sie kann nur stattfinden, weil und solange wir sie zulassen: durch Experten­gläubigkeit, durch Gedankenlosigkeit, Gleichgültigkeit und Bequemlichkeit, durch die falschen Wahl­entscheidungen, durch einen Mangel an politischem Engagement. Ein Milliardengeschäft sind synthetische Arzneien nur, solange wir sie uns arglos verschreiben lassen und brav schlucken. FRIEDA: Aber andererseits? WIESENDANGER: Eine humanere, patienten- statt profitorientierte Medizin fordern weiterhin zuwenige, sie bewegen zuwenig, sie sind zu unorganisiert und finanziell impotent, die Gegenkräfte des Systems sind übermächtig. Und so stelle ich in meinem Bekanntenkreis bei vielen klugen, sensiblen Leuten zunehmende Weltflucht fest: Die Nachrichtenlage ist niederschmetternd – also kündigt man das Zeitungsabo, guckt keine Tagesschau mehr. Zwar setzt man eifrig „Likes“ und „Shares“ in sozialen Medien, man sendet „geistige Energien“, „das Licht der Liebe“ irgendwohin, meint aber, damit schon genug zu tun. Man harrt eines New Age, das bestimmt von ganz alleine kommt, wie für einen Zeugen Jehovas die Tausend-Jahre-Herrschaft des Allmächtigen. Man arrangiert sich neobuddhistisch mit dem Lauf der Dinge: Alle Übel dieser Welt ergeben sich bloß aus glücksverhindernder Wahrnehmung und emotionaler Anhaftung. Man bevorzugt Selbsterlösung. FRIEDA: Belegen die Erfolge der Friedens-, Öko-, Antikernkraft-Bewegung, auch die Nachwirkungen der ´68er-Proteste nicht, dass Sie da allzu schwarz sehen? WIESENDANGER: Atompilze und tote Bäume verbreiten Angst und Schrecken durch starke Bilder, die mobilisieren, indem sie Gefahren anschaulich machen. Chronische Krankheit hingegen bedroht schleichend. Wirklich greifbar wird sie erst, wenn sie eintritt – also zu spät. Sie vorher vollauf zu erfassen, setzt Neugier und Flexibilität, Intelligenz und Bildung voraus; ein gewisses Maß an Respektlosigkeit gegenüber Akademikern, insbesondere gegenüber den Halbgöttern in Weiß; und ausreichend Zeit, sich schlau zu machen. Wenn ich in Wartezimmern von Arztpraxen, in Fußgängerzonen, in Gasthäusern, auf Volksfesten in die Gesichter meiner Mitmenschen schaue: Wie vielen traue ich zu, das Not-Wendige zu begreifen? Wie viele würden mir auch nur ein paar Minuten lang aufgeschlossen zuhören, innehalten und ins Grübeln kommen, ein Buch zur Hand nehmen, geschweige denn grundlegende Einstellungen, Denkmuster und Gewohnheiten aufgeben? Wie viele würden ihre Smartphones und VR-Brillen beiseite legen, ihren PC und TV ausschalten, um hinzuzulernen und zu handeln? Uns umgeben fünf Millionen funktionale Analphabeten, die nur einzelne, kurze Sätze lesen und schreiben können; weitere zwei Millionen kommen über einzelne Wörter nicht hinaus, rund 300 000 Menschen scheitern selbst daran. Anderthalb Millionen gelten laut Statistischem Bundesamt als geistig schwerbehindert. Beim Rest reicht die Aufmerksamkeitsspanne oft nicht weiter als eine Minute, der Interessenhorizont nicht weiter als die Sonderangebote beim Discounter, die neue VW-Generation und das nächste Reiseziel. Moderne Freizeitgestaltung tendiert dazu, Neil Postmans Buchtitel „Wir amüsieren uns zu Tode“ zum Lebensmotto zu machen. Ein Fußballspiel, bei der 22 Multimillionäre anderthalb Stunden lang einem Ball hinterherjagen, um ihn zwischen zwei Pfosten zu treten, lockt bis zu 30 Millionen Bundesbürger vor die Glotze, manchmal mit 70 Prozent Marktanteil und mehr; die meisten kennen die Namen jedes einzelnen Kickers auswendig. Sollten sie nicht besser 22 Toxine kennen, die sie ihren Babies mit jeder Impfung in die Blutbahn spritzen lassen? 22 Chemikalien, die ihnen auf die Dauer Allergien, Krebs, MS, Demenz und Alzheimer bescheren können? Die 22 nährstoffreichsten Lebensmittel? FRIEDA: Manchmal folgt die Masse, wenn Pioniere voranschreiten … WIESENDANGER: Selbst wenn unermüdliche Aktivisten im Gesundheitsbereich irgendwann eine kraftvolle soziale Bewegung in Gang brächten: Sie dürfte zu spät kommen. Um redlicherweise bei mir selbst zu beginnen: Obwohl ich mich für weder überdurchschnittlich ungebildet noch desinteressiert noch unreflektiert noch verantwortungslos halte, dauerte es Jahrzehnte, bis mir endlich ein Licht aufging, bis ich endlich in meiner eigenen Lebensweise Entscheidendes änderte. Wie viele weitere Jahrzehnte dauert es wohl, bis bestens begründete Warnungen in unserem Land zu einem politischem Kurswechsel führen – unter bestürzend visionslosen Regierungen und fachlich inkompetenten Gesundheitsministern, umlagert von einem Lobbyistenheer, beraten von gekauften Sachverständigen? Wie viele Jahrzehnte, bis ein globales Umsteuern stattfindet? Zum Vergleich: Von den ersten triftigen Hinweisen, dass Asbest schwere Lungenerkrankungen verursacht, bis zu einem gesetzlichen Verbot, diesen teuflischen Baustoff herzustellen und zu verwenden, dauerte es über 90 Jahre. FRIEDA: Immerhin: Irgendwann tat sich doch etwas. WIESENDANGER: Wie beim Klimawandel, so haben wir auch im Gesundheitswesen aber nicht mehr Jahrzehnte Zeit, befürchte ich. Längst hat sich ein neoliberaler Turbokapitalismus dem bändigenden Sozialstaat entzogen. Von ethischen Skrupeln unbelastet, agiert er weltweit, und weltweit schafft er längst vollendete Tatsachen, ob im Energie- oder Rüstungssektor, im Ernährungsbereich oder der Medizin. Genmanipulierte Organismen, Mikroplastik, künstliche Nanopartikel sind längst in unserer Umwelt, unserer Nahrungskette, unseren Körpern. Die Massenvergiftung durch Industrienahrung, verseuchtes Trinkwasser, Ultrafeinstaub, Medikamente und Impfstoffe tut ein übriges. Sie wird sich fortsetzen. Denn, wie gesagt: Es ist Teil eines billionenschweren Geschäftsmodells, dass immer mehr Menschen immer früher, immer länger krank werden. Aus Furcht davor werden die meisten eine digital revolutio­nierte Hi-Tech-Medizin begrüßen, die von der Wiege bis zur Bahre konstant Vitalfunktionen, aber auch psychische Befindlichkeiten überwacht, um möglichst früh einzugreifen, vorgeblich präventiv: durch Pharmazeutika, durch Hautsensoren und Implantate, durch Manipulationen im Gehirn und am Erbgut. Ob Homo sapiens dadurch nicht nur kontrollierbarer, sondern auch gesünder wird, bezweifle ich. Aus der Erde könnte noch in diesem Jahrhundert ein Planet werden, auf dem am ehesten eine nichtmenschliche Intelligenz überlebt – die Evolution könnte über unsere Spezies hinweggehen, sie braucht uns nicht. Was Stephen Hawking in Bezug auf KI orakelte, gilt nicht minder für andere gefeierte Schlüsseltechnologien, die „next Big Things“: Robotik, Bio- und Nanotechnologie. Jede „könnte die großartigste Errungenschaft der Menschheit werden, aber auch ihre letzte“. Bei solchen apokalyptischen Aussichten halte ich es bezüglich meiner Stiftung Auswege mit Hoimar von Ditfurth: „Selbst wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“. Allerdings keine weiteren Kinder mehr zeugen.

  • Die Blitzheilung - Was eine Schwerstdepressive bei Psycho-Profis erlebte

    Wenn einer jungen Frau eine „Depression höchsten Schweregrades“ diagnostiziert wird, ist das ein glasklarer Fall für die moderne Psychiatrie, nicht wahr? Ihr eigener Vater erlebte fassungslos mit, was dabei herauskam. Anfang Januar 2015 wandte sich der 60jährige Martin* an mich, in heller Aufregung: Soeben sei bei seiner 18jährigen ­Tochter Nora*, nach einem miss­glückten Selbstmordversuch kurz vor Silvester, in einer psychiatrischen Klinik eine „De­pression höchsten Schwe­regrades“ diagnostiziert ­worden. Eine ambulante Behand­lung wurde ihr strikt verweigert, das sei viel zu riskant. Stattdessen wurde ihr dringend geraten, sich mindestens einen Monat lang stationär therapieren zu lassen. „Ich bezweifle so­wohl die Diagnose als auch die Notwendigkeit, sie in die Psychiatrie einzuweisen“, sagte der Vater. „Viel lieber hätte ich sie für ein ‘Auswege’-Camp angemeldet. Aber Nora besteht darauf: Nur in der Klinik könne ihr geholfen werden, meint sie. Was soll ich tun? Könnten Sie nicht mal mit ihr reden?“ Weil der Mann nicht allzu weit von mir entfernt wohnte, bot ich ihm ein sofortiges Treffen an. Am darauf­folgenden Tag schilderte er mir ­weitgehend ge­fasst und doch ­zwischendurch sichtlich bewegt, mit Trä­nen in den Augen, bebender Stimme und leicht zitternden Hän­den, ein bezeichnendes Geschehen, an dem sich wie un­ter einer Lupe studieren lässt, wie die Psychiatrie eine akute Lebenskrise, die offenkundig bedrückende äußere Umstände auslösten, in eine be­handlungsbedürftige „Krank­heit“ umdeutet und entsprechend mit ihr verfährt, mit gutgläubigem Einverständnis der Betroffenen. „Was haben Sie denn gegen die moderne Psychiatrie?“, wollte ich zunächst von Martin wissen. „Weil ich ihre Segnungen aus Erfahrung kenne“, erklärte er. Schon im Sommer 2010 hatte seine Tochter zwei Monate in der geschlossenen Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie einer Universitätsklinik zugebracht. Ihre Einweisung betrieben hatte die Mut­ter, eine Grundschullehrerin, die seit Ende der neunziger Jahre an schweren Depressionen litt, mit heftigen Panikattacken und massiven körperlichen Begleiterscheinungen, die sie immer wieder arbeitsunfähig machten - was sie Nora verheimlichte. Bei Nora liege eine ausgeprägte „Anpassungsstörung“ vor, wie Klinikärzte im Nu herausfanden, mittels mehrerer psychodiagnostischer Testverfahren, bei denen Noras Werte „im klinisch hoch auffälligen Bereich“ lagen. Woran vermochte sich das Mädchen nicht „anzupassen“? Vor kurzem war, wie aus heiterem Himmel, die Scheidung der Eltern über sie hereingebrochen. Noch weitaus schlimmer als der Um­stand, dass die geliebte Mama nach zwanzig Beziehungsjah­ren den geliebten Papa verließ, war für sie, dass Mama sie und ihre zwei Jahre ältere Schwester Sandra* fortan ­unablässig ge­gen Papa aufwiegelte. Dazu griff sie zu ab­strusen Lügen: ‘Immer hat er mich furchtbar unterdrückt, ­manipuliert und kontrolliert’, ‚‘Kinder gehören gesetzlich zur Mutter’, ‚‘Er hat dich, als du noch klein warst, in der Bade­wan­ne ganz oft sexuell ­miss­braucht, in deinen Zeichnun­gen haben Ärzte und Psycholo­gen eindeutige Hinweise darauf entdeckt’, ‚‘Er ist ein Betrü­ger und hat Mil­lionen Schwarz­geld in der Schweiz’, ‚‘Er hatte heimlich Geliebte, mit denen er mich betrogen hat’. Permanent setzte sie die Kinder unter Erwartungsdruck, sich mit ihr gegen den bösen Papa zu verbünden und ausschließlich bei ihr zu wohnen. Sandra ging der mütter­li­chen Propaganda auf den Leim; für diesen Papa, mit dem sie zuvor 14 Jahre lang ein ebenso inniges, liebevolles Ver­hältnis verband wie Nora, hatte sie fortan nur noch Verachtung und Hass übrig. Nora hingegen hing weiterhin an mir. Tapfer setzte sie sich gegen die Entfremdungsbemü­hun­gen zur Wehr. Dafür nahm sie in Kauf, von ihrer Mama un­entwegt mit Vorwürfen und Lie­besentzug bestraft zu werden. Deren düstere Prophe­zeiung, in meiner Obhut werde sie ‘zugrundegehen’, ignorierte Nora.“ Dieses verhängnisvolle Spannungsfeld fiel den Klinikpsychiatern durchaus auf. Ihr Befundbericht erwähnt ein „angespanntes, disharmonisches Familiensystem. Die Patientin erscheint durch die schwierige Trennung der Eltern sehr belastet. Sie beginnt zu weinen, wenn das Gespräch darauf kommt.“ Immer wieder „the­ma­tisiert sie das angespannte Verhältnis zwischen und zu ihren Eltern, worunter sie stark leidet“. Doch anstatt dieses Verhältnis anzugehen, um die äußeren Ursachen von Noras desolatem Zustand zu beseitigen – was erfordert hätte, die zerstrittenen Eltern „systemisch“ in die Therapie einzubeziehen -, ging es während der gesamten Klinikzeit vorrangig um Noras Unvermögen, damit klar­zukommen. Kein Wunder, dass die­ses Manko trotz siebenwöchiger Internierung fortbestand, nicht bloß unvermindert, sondern eher noch verschärft. Dazu trugen geradezu surreale Schreckenserlebnisse bei, die sich tief in Noras Gedächtnis einbrannten: etwa demütigende Bloßstellungen wegen einer angeblichen „Sexualisierung“. Einziger diagnostischer Anhaltspunkt hierfür: Das Mädchen, eine ebenso leidenschaftliche wie hochbegabte Zeichnerin, bildete am liebsten nackte menschliche Körper ab, deren Anatomie sie faszinierte - Körper, die nicht etwa obszön posierten oder gar sexuell aktiv waren, sondern schlicht unbekleidet. (Fünf Jahre später begann das Mädchen eine Ausbildung zur Designerin.) Schon mit Zwölf hatte Nora, dank einer Sondererlaubnis der Schulleitung, einen VHS-Kurs im Aktzeichnen besuchen dürfen, an dem ansonsten nur ältere Erwachsene teilnahmen. Um sich die quälend lange Wartezeit zwischen den spärlichen Klinikterminen zu vertreiben, malte sie auch auf ihrem Zimmer in beinahe jeder freien Minute. Als das auffiel, veranstaltete der Chefarzt bei der nächsten Visite, umgeben von Assistenzärzten, Psychologen und Pflegern, ein regelrechtes Tribunal: Noras „unanständige“ Bilder wurden an die Wand gepinnt und minutiös auf pathologische Sexualmotive hin analysiert - wieviele nackte Hintern, wieviele entblößte Brüste? -, während das Mädchen vor Scham schier im Erdboden versank. („Ich kam mir vor wie eine Schweinkram produzierende Triebtäterin.“) Im Anschluss daran erhielt sie ein striktes Malverbot; Zeichnungen, Block und Stifte wurden ihr weggenommen. Viele weitere traumatische Erinnerungen sind ihr bis heute ebenso lebhaft präsent. Einem netten Pfleger – dem „einzigen Menschen auf der ganzen Station, der wirklich auf mich einging“ – hatte sie beiläufig anvertraut, dass sie gerne singt. Ein paar Tage später tauchte eine Frau in ihrem Zimmer auf, führte sie in den Keller, wies ihr einen fensterlosen Raum zu und meinte dann: „Ich hab‘ gehört, dass du gerne singst. Das kannst du jetzt gerne eine halbe Stunde lang machen.“ Dann ließ sie Nora stehen, sperrte die Tür zu und hielt davor auf einem Hocker genau dreißig Minuten lang Wache. Drinnen wimmerte unterdessen das verängstigte Kind. Im Nebenzimmer war ein zwölfjähriges Mädchen untergebracht, das mehrmals täglich von „hypochondrischen Asthmaanfällen“ gepeinigt wurde. „Als ich sie wieder einmal grauenvoll husten hörte, lief ich vor ihr Zimmer, und durch die halb geöffnete Tür sah ich sie zusammengekauert auf ihrem Bett liegen, die Hände auf ihren Brustkorb gepresst. In Todesangst rang sie keuchend nach Luft. Irgendwann tauchte kurz ein Pfleger auf, baute sich im Türrahmen auf, die Hände in den Hüften, und brüllte sie an: „Nun hab´ dich mal nicht so, Lisa! Man kann´s auch übertreiben!“ Dann verzog er sich wieder. Kurz darauf erlebte Nora mit, wie eine Mitgefangene auszubüchsen versuchte: ein dort seit Monaten interniertes Mädchen, das sich nicht bloß oberflächlich „ritzte“ - ihre Arme und Beine richtete sie mit Messern und Scheren derart zu, dass sie mit tiefen, blutroten Schnittwunden übersät waren, „manche zentimetertief bis auf die Knochen; an manchen Stellen fehlte die Haut großflächig“. Therapieerfolg: null - die Selbstverstümmelungen hatten eher noch zugenommen. Der verzweifelte Fluchtversuch scheiterte nach wenigen Metern: „Zwei Pfleger packten sie brutal, schrien sie an, zerrten sie zurück in ihr Zimmer, fesselten sie ans Bett, ließen sie dort einfach liegen.“ Niemand beruhigte, niemand tröstete, niemand kümmerte sich um das Kind. Hatten die Kinder auf der Station Hunger, weil die Mahlzeiten spärlich portioniert waren, so mussten sie sich mit lauwarmem Tee begnügen. Kurzum: moderne Psychiatrie vom Feinsten, „leitlinienorientiert und evidenzbasiert“, wie die Klinik auf ihrer Homepage versichert. Am Ende verließ Nora die Psychiatrie eher noch belasteter, als sie eingeliefert worden war, weshalb der Kli­nikbericht abschließend dringend eine „mindestens teilstationäre“ Weiterbehandlung empfahl, „um eine weitere Chronifizierung der Symptomatik zu verhindern“. Die umgehende Verlegung in eine weitere Klinik, dies­mal für mindestens ein Jahr, versuchte die Mutter, unterstützt vom Ju­gendamt, daraufhin juristisch durchzusetzen, denn Martin stell­te sich quer, während die demoralisierte Nora zunächst hin- und hergerissen war. Weil eine wei­se Familienrichterin dafür war, erst noch eine Weile abzuwarten, holte er Nora zu sich, suchte eine neue Schule für sie, brachte sie jede Woche zu einer Bekannten, die in langen, einfühlsamen Gesprächen ihr erschüttertes Selbstbewusstsein stärkte. Ein halbes Jahr später war das Kind klinisch völlig symptomfrei. „Nora zog zu mir, der Kontakt zu Mutter und Schwester riss weitgehend ab, in einer neuen Schule war sie rasch integriert, sie fand Freun­de und ­Bekannte, ihr Verhältnis zu mir war zutiefst vertrauensvoll. So blühte sie von Woche zu Woche auf. Ab Anfang 2011 hatte sie sich restlos gefangen, sie war psychisch vollauf stabil.“ „Bis Mitte 2014“, so berichtete mir Martin weiter, „war aus Nora eine fröh­liche, selbstbewusste, un­be­schwerte junge Frau geworden, mit einem großen Bekanntenkreis, mehreren leidenschaftlich ­ge­pflegten Talenten – sie kann phan­tastisch zeichnen und foto­grafieren – und voller Stolz auf ihre erste ­eigene Wohnung in einer aufregenden Groß­stadt, die ich ein Jahr zuvor für sie angemietet hatte. Von dort aus erreichte sie eine Akademie für ­Modedesign, in der sie ihre Lieblingshobbies zum Traum­be­ruf ­machen wollte. Zuvor bestand sie eine ­Aufnahmeprüfung eben­so mühelos, wie sie zuvor die Real­schule ab­geschlossen hatte. In der Aka­de­mie begegnete sie nach wenigen Wochen ihrer ‘großen ­Lie­be’, einem Klassenkameraden. Mit ihm verbrachte sie fortan, auf Wolke Sie­ben schwebend, beinahe je­de freie ­Minute. Ihre gelegent­lichen Stim­mungs­tiefs waren nicht tiefer und länger als bei mir oder sonstwem, der als psychisch vollauf gesund gilt.“ Was änderte sich denn daran vom Sommer 2014 an? „Bei unseren regelmäßigen Treffen“, so ­erzählte mir der Vater, „wirkte Nora auf mich immer öfter niedergeschlagen, grüblerisch, antriebslos, ge­reizt. Sie klagte mir, dass sie sich an manchen Tagen ‘über nichts mehr richtig freuen’ und oft erst weit nach Mitternacht einschlafen könne. Ab Herbst hat­te sie dreimal einen ‘Zusam­men­bruch’, wie sie es nannte: Ihr wurde schwindlig, dann ver­lor sie kurz­zeitig das Be­wusstsein. Seit Ende 2014 be­rich­tete sie von ‘Essstörungen’ – ‚‘ich habe fünf Kilo zugenommen’ – und einem Gefühl, ‚‘nichts wert’ und ‚schuld’ zu sein.“ Was steckte dahinter? „Da kamen kurz hintereinander ­mehrere Belastungsfakto­ren zu­sammen“, erläuterte mir der Vater. „Zum einen ernüchterte sie ihre Ausbildung. Da­von versprochen hatte sie sich, vor allem noch besser zeichnen und fotografieren zu lernen. ‘Dem Lehrplan nach’, klagte sie mir, ‚‘ist Medientechnik nur ein Fach neben vielen anderen. In Wahrheit aber ist beim Mode­de­sign alles Medientechnik! Selbst das sogenannte „Freie Zeichnen“ bedeutet nicht mehr ­Gestalten von Hand auf Papier, ­sondern elektronisches ‘Malen’ mit einem Ein­gabestift am Gra­fik­tablet oder mit der Maus am Computer, und dazu muss man komplizierte Software perfekt beherrschen’.“ Das hatte sich No­ra ganz anders vor­gestellt. Und so verlor sie jegliche Lern­motiva­tion, schwänzte, erledigte Haus­aufgaben nicht mehr, be­rei­tete sich nicht auf Tests vor. Entsprechend mies waren ihre Noten, das jüngste Halb­jahres­zeugnis fiel katastrophal aus. „Im Herbst“, so erinnerte sich ihr Vater, „äußerte sie mir ge­gen­­über erstmals, dass sie die Ausbildung ­abbrechen möchte. Doch ich bedrängte sie, weiterzumachen, weil ich fand, so schnell dürfe man nicht die Flinte ins Korn werfen, wenn etwas unangenehm und mühsam wird. Erst gestern gab ich ihr grünes Licht, nach einer Alternative zu ­suchen.“ Ab Au­gust 2014 – jenem Monat, von dem an dem Vater eine deutliche Veränderung in Noras ­psychischer Verfassung auffiel - rückte das neue Akademie-Schuljahr näher, und damit wuchs das Grauen vor tägli­chen neuen Erfahrungen der ei­genen Unzulänglichkeit. („All meine Mitschüler kommen mit ­Computern klar – bloß ich nicht.“) Damit einher ging die Angst, ihren Dad zu enttäuschen, gerade vor ihm, ­ihrem groß­zügigen Sponsor, als Ver­sa­gerin dazustehen. Das nährte Schuldgefühle. Beides zusammengenommen vermit­tel­­te Nora das Gefühl, ausweglos in der Falle zu setzen: Setzt sie die Ausbildung fort, dann trotz allergrößten Wider­willens und ohne Zukunftsper­spektive. Bricht sie ab, steht sie vor ihrem Vater und sich selbst da als je­mand, der lustlos aufgibt, et­was nicht zu Ende bringt. Das weckte Existenz­äng­ste: Was sollte ohne Ausbil­dung, ohne Job bloß aus ihr werden, falls ihr Vater enttäuscht seine Un­terstützung ein­stellt, wenn sie die Schule ver­lässt? Wovon sollte sie leben? Würde sie ihre Woh­nung verlieren? Hinzu kam, dass Nora die Tren­nung von ihrer „großen Liebe“ verkraften musste. Ihr angehimmelter Märchenprinz hatte die Beziehung brutalstmöglich beendet, wobei er No­ra zu verstehen gab, sie sei zu blöd für ihn. Nachträglich kam heraus, dass er sie schon seit Monaten mit einer Klassenkameradin betrog. Über diese De­mü­­ti­­gung kam sie nicht hinweg, weiterhin war sie ­zutiefst verletzt und voller Hass. In ihrer Klasse fühlte sich Nora außerdem mehr und mehr ausgegrenzt – prompt lebten traumatische Erinnerungen an frühere Schulmobbings wieder auf. „Damit nicht genug“, fuhr ihr Va­ter fort: „Just in jenem ­Au­gust, in dem Nora zunehmend aus dem Gleichgewicht geriet, war es zu einer Aussprache und Versöhnung mit ihrer Mut­ter und Schwester gekommen. Die Wiederannäherung an beide befriedigte einerseits ihre Sehnsucht nach deren Liebe – andererseits geriet sie wieder in den Bannkreis zweier Perso­nen, von denen sie sich nicht re­spektiert fühlte und die ihrem Selbstwertgefühl nicht gut ta­ten. Denn weiterhin ließ die Mutter kaum ein gutes Haar an ihr. Weiterhin hielt sie ihr vor, zu ‘diesem Schwein zu halten, den du Vater nennst’. Weiterhin wartete Nora vergeb­lich auf eine ­Entschuldigung. Wei­terhin, wie schon früher, gab die große ­Schwester ihr bei jeder Gelegenheit zu ­verstehen, wieviel intelligenter, ­grandioser, erfolgreicher sie doch ist“. Hinzu kamen wie­derholte ­Misserfolgserlebnisse auch außerhalb der Akademie, bei der vergeblichen Suche nach einem Nebenjob, der Nora auch deshalb so wichtig war, weil sie ihren Vater finanziell ent­lasten wollte. Nur zweimal war sie angenommen wor­den: Als Bedienung in einem Bistro musste sie gehen, nachdem dieser im Frühjahr dichtmachte; als Aushilfskraft in einer Im­biss­bude nahm sie nach zwei Tagen reißaus, weil der Inhaber sie sexuell belästigte. Minde­stens ein Dutzend weiterer Vor­stellungs­- ­gespräche, oft mit stun­denlangem ­unbezahlten ‘Pro­be­arbeiten’, endeten in Absa­gen, zumeist mit faden­scheinigen Begründungen.“ All dies zu­sammengenommen hatte offenbar ausgereicht, um Noras Selbst­bewusstsein schwer zu erschüttern. Sie fühlte sich minderwertig. Drei Tage vor Silvester 2014 spitzte sich Noras Krise dramatisch zu: „Überwältigt von ih­rem multiplen Elend, versuchte sie sich umzubringen - mit ‚‘Nikotintee’. Dazu löste sie den Tabak aus zwei Zigarettenschachteln heraus, kochte ihn in Wasser auf und trank den Sud. Als heftige Ver­giftungs­symptome einsetzten und sie sich ­unentwegt übergeben musste, bekam sie es mit der Angst zu tun. Sie rief einen Notarzt, der sie für eine Nacht ins Krankenhaus brachte. Dar­aufhin beschloss sie, professionelle Hilfe zu suchen. Bei der ­Ambulanz einer psychiatrischen ­Klinik besorgte sie sich einen Termin. Innerhalb von knapp zwei Stunden wurde dort von einer klinischen Psychologin mittels ­Standardinterview eine ‚‘schwerste depressive Episode’ festgestellt – und von einer hinzugezogenen Psychia­­t­e­rin nach nur zehn­minütigem Gespräch bestätigt. Das könne un­mög­lich bloß ambulant behandelt werden, ‘weil du dann vorsichtshalber sehr starke Psychopharmaka nehmen müsstest’, wie meine Tochter zu hören bekam. ‘Dringendst’ wurde ihr zu einer‚‘mindestens einmonatigen’ stationären Un­terbringung geraten. Einge­schüchtert und verängstigt willigte Nora sofort ein.“ Demnach war die Entschei­dung bereits gefallen. Welchen Sinn machte es da noch, dass ich Martins Wunsch nachkam und mit seiner Tochter sprach? Nach drei Stunden verabschiedete ich mich von ihm, bat ihn aber, mich auf dem laufenden zu ­halten. Eine Woche später saßen wir erneut zusammen. Was, so frag­te ich Martin, hatte er denn dagegen einzuwenden, dass sich seine geliebte Tochter in ihrer offensichtlich desolaten Verfas­sung psychiatrisch versorgen lässt? Nahm er ihren alarmie­ren­den Suizid­ver­such etwa nicht ernst genug? Wollte er riskieren, sein Kind zu ­verlieren? „Um Himmels willen!“, fuhr er mich aufgebracht an. „Wie können Sie so etwas fragen? Allerdings bezweifle ich, dass sie sich ernsthaft umbringen wollte, so planlos, aus einem Augen­blicks­affekt heraus und wider besseres Wissen. Denn schon vorher, so gestand sie mir nachträglich, sei ihr klargewesen, dass dazu der Tabak­inhalt von zwei Zigarettenschachteln un­möglich ausreichen konn­te; mindestens vier wären nötig gewesen. Mir das eher wie ein verzweifelter Hilfeschrei vor: ‚‘Schaut her, wie furchtbar schlecht es mir geht!’ Nehmt ihr meine Not jetzt endlich ernst?’“ Auf all das, was sie monatelang belastete, reagierte sie keineswegs krankhaft, sondern absolut angemessen, nach­­­vollziehbar und ­rational. Was ist denn neurotisch daran, sich von objektiv bestehendem Druck bedrücken zu lassen?“ Andererseits: Tot ist tot, egal ob ­sorgfältig und mit Bedacht vor­bereitet oder im Affekt herbeigeführt. Kennt der Vater denn nicht Statistiken, denen zufolge zwei Drittel aller Selbstmörder depressiv sind? „Selbstverständlich ist mir das ­bewusst“, erwiderte Mar­tin. „Und natürlich ist mir klar, dass meine Tochter dringendst Hilfe benötigt – aber nicht, weil sie ‘psychisch krank’ ist. Denn ich bezweifle sowohl die ­ge­stellte Diagnose als auch die ­Not­­wendigkeit, sie stationär zu versorgen.“ Was maßt sich dieser Laie an? Wie kommt er dazu? „Natürlich interessierte mich ­brennend, wie der Befund einer ‘schwersten Depression’ zu­stan­de kam.“ Den Ausschlag gab der „QIDS-C 16“-Test - QIDS steht für „Quick Inventory of Depressive Sympto­ma­to­logy“ -, ein 2003 entwickelter Fragebo­gen, dessen 16 Items die Haupt­­symptome einer De­pres­sion ab­decken sollen: von Traurigkeit über vermindertes Selbstwert­gefühl, Kon­zentrations- und Entschei­dungsschwäche, Ener­gie- und In­teresselosigkeit bis hin zu Schlaf- und Essstörun­gen, innerer Unruhe und Selbstmord­­gedanken – „innerhalb der letzten sieben Tage“. Dabei hat sich der Pati­ent jeweils für eine von vier Ant­wort­mög­lichkeiten zu entscheiden. Erreicht er auf einer Werte­skala von 0 bis 27 einen Score von 21 oder höher, muss er als „sehr schwer“ depressiv gelten. Wie könnte ein noch so ausgeprägtes seelisches Tief innerhalb der zurückliegenden Wo­che auf eine psychische Er­kran­kung „schwersten“ Aus­prä­gungs­grads hindeuten? Noras Vater berichtete: „Interessehal­ber habe ich diesen QIDS-16 für mich selbst ausgefüllt. Mein Punktwert lag bei 20, also nur knapp unterhalb der Schwelle zur allerdringendsten Behand­lungsbedürftigkeit. Demnach hätte ich mich am besten gleich ­gemeinsam mit meiner Tochter in die Psychiatrie einweisen las­sen sollen. Ich halte mich al­ler­dings für seelisch überaus sta­bil, und derselben Ansicht sind meine neue Lebensgefährtin, meine Ver­wand­ten, Freunde und Kolle­gen. Was mein ­Befinden in jüngster Zeit massiv ­beeinträchtigt hat, ist schlicht die tiefe Sorge um ein Kind, das ich über alles liebe. Sobald ich sehe, dass es sich wieder fängt und seinen Weg findet, punkte ich im QIDS prompt deutlich unter 5, jede Wette.“ Worauf Martin stieß, verdeutlicht ein Grundproblem jeglicher psy­-cholo­gischer Diagnostik. Bei der Unter­suchung einer Gesteinsprobe, eines Fos­sils, einer Flüssigkeit ist gleich­gültig, wer sie wann unter welchen Umständen vornimmt. Wer hingegen die Psyche einer Person erkundet, widmet sich Eigenschaften, die hochgradig situationsabhängig sind. Vier Tage vor dem Kliniktest war No­ra ihr Handy gestohlen worden. Nachdem der Dieb darin mehrere Nacktfotos von ihr entdeckt hatte, postete er sie, mit geknacktem Passwort, auf ihrer Facebook-Seite und verschickte sie, mit obszönen Kom­mentaren versehen, an alle ihre Verwandten, Freunde, Klassenkameraden und Lehrer, deren Adressen er im Handy gespeichert fand. Diese Bloß­stellung in ihrem engsten sozialen Umfeld hatte Nora zutiefst erschüttert, voller Scham dachte sie aber­mals an Selbstmord. Psychisch belastet war sie schon vorher gewesen; doch dieser Vorfall vergrößerte ihr Elend dramatisch. Dass eine Neurosenmessung, die inmitten einer derartigen Krise stattfindet, Spitzenwerte ergibt, liegt auf der Hand. Übersieht oder verharmlost der Vater, dass bei Nora tatsächlich etliche ­klinische Merkmale einer Depression vorliegen? Wie kann er die Schlüsse be­zweifeln, die Psychiater daraus ­ziehen? „Gegenfrage“, erwi­der­te mir Martin: „Wie kann ein noch so erfahrener Experte meine Tochter besser kennen als ihr Vater, der sie all ihre bisherigen achtzehn Lebensjahre lang nicht nur fürsorglich begleitet, sondern auch aufmerksam beobachtet hat? Seit Noras Elternhaus kaputtging, führe ich Tagebuch über ihre weitere Entwick­- lung. Würden Sie es lesen, so fänden Sie zu beinahe jedem der über 2000 Tage, die seither ­vergangen sind, einen Eintrag über sie. Dieses Kind kenne ich besser als irgendwer sonst, keiner kann mir das ausreden. Und die klinischen Kriterien einer Depression“, fährt Martin fort, „sehe ich bei ihr definitiv nicht erfüllt. Keineswegs ist sie durchgängig niedergeschlagen und traurig ­gestimmt, unabhängig von Umständen und Situatio­nen. Jegliche Freude und Interesse hat sie nicht im entferntesten verloren. Sie ist durchaus nicht ohne jeglichen Antrieb. Weiterhin sucht und genießt sie ­aus­giebig Kontakte zu Freun­den, Verwandten und Bekann­ten, liebt Pubs und Parties, Shoppen und fein essen gehen. Sie verabredet sich gerne, empfängt gerne Besucher. Sie ist stolz auf ihr neues, riesiges ­Rü­cken-Tattoo und darauf, dass es in Kürze bei einer großen Fachmesse auf der Bühne prä­sentieren darf, wobei sie für ein Magazin fotografiert wird. Daheim hält sie eher viel besser Ordnung als noch vor einem halben Jahr. Sie streicht ihre Woh­nung neu und freut sich über das Er­gebnis. Weiter­hin zeichnet und fotografiert sie mit Leidenschaft, und gelegentliche bezahlte Aufträge aus ihrem Bekanntenkreis, die sie zügig und gewissenhaft ­erledigt, machen sie stolz. Vor zwei Wochen genoss sie, fröhlich und ­aus­-geglichen, einen dreitägigen Ausflug mit mir nach Düsseldorf und Köln. Sie sucht und genießt Sex­kontakte. Sie sehnt sich nach einem Freund, hält Ausschau und ‚‘testet’ ­etliche Kandidaten. Zwischendurch ist sie immer wieder mal verliebt, ­zuletzt in ihren charmanten Tätowierer. Sie bastelt, gemeinsam mit einem Bekann­ten, an einer eigenen Homepa­ge, auf der sie ihre Werke präsentieren kann. Sie freut sich auf einen bezahlten Hairsty­ling-Termin, bei dem ihr ein Top­coiffeur eine neue Frisur ver­passen will, für einen ­Wer­be­­ka­ta­log. Sie nimmt interessiert Anteil daran, was ihre Freunde und Verwandten tun, denken und fühlen. Arbeiten, die ihr Spaß machen, ­erledigt sie stundenlang hochkonzentriert. Undsoweiter.“ „Kurzum“, schlussfolgert Martin: „Die psychiatrischen Haupt­kriterien einer ‘depressiven Episode’ sind in keiner Weise erfüllt. Allenfalls, das gebe ich zu, bestehen ein paar Begleitsymptome. Innere Un­ru­he. Mangelndes Selbstwertbewusstsein. Schuldgefüh­le, vor allem gegenüber ihrem Vater. Pessimistische Zukunfts­­per­spekti­ven. Schlafstörungen - monatelang konnte sie nachts nicht ein­schlafen, wohingegen sie neuerdings ständig müde ist. Zeitweilige Gefühllosigkeit (‘Kann nichts mehr richtig empfinden’). Mal zu großer Appe­tit, mal gar keiner. All das recht­fertigt die Diagno­se aber nicht im entferntesten. Dazu verführen ließen sich Ärzte, weil sich No­ra in der Anamnese-Situation offenbar weitaus kranker und hilfsbedürftiger darstellte, als ich sie tatsächlich erlebe.“ Aber warum liegt Nora so viel daran, als dringendst behandlungsbedürftig dazustehen? „Wo­möglich, weil sie sich da­durch entlastet“, vermutet ihr Vater. „Ihr subjektiver Krank­heits­gewinn könnte da­rin be­stehen, ihre Schuld- und Versa­gensgefühle zu mildern: ‚‘Je schwerer ich krank bin, desto weniger kann mich mein Dad – und ich mich selbst – da­für verantwortlich machen, was ich in den ­vergangenen anderthalb Jahren aus meinem Leben gemacht habe: Ich war stinkfaul, habe nie richtig ge­lernt, habe unentwegt die Schu­le ­geschwänzt. Mein erstes Schul­halbjahr habe ich dadurch verbockt, dass ich in jeder frei­en Minute meine ‚‘große Lie­be’ genossen habe; das zweite Halbjahr, weil ich dieser Liebe un­- ent­wegt hinterherschmachtete, nachdem sie in die Brüche gegangen war; und das soeben zu Ende gegangene dritte, weil ich null Bock hatte, mich in Computerprogramme ein­zuarbeiten. Ich habe auf ganzer Li­nie versagt. Aber als Fall für die Psychiatrie kann ich daran nicht schuld sein, ich brauche kein schlechtes Gewissen zu haben, und Dad kann mir keine Vorwürfe machen.’ Der kläglich gescheiterte Nikotinsuizid passt dazu: ‘Wenn die Welt sieht, dass ich sogar zu so et­was fähig bin, muss sie mir end­lich glauben, wie furchtbar schlecht es mir geht.’ Könnte der ­gewaltige Leidensdruck, den vermeintliche Experten wahrzunehmen meinen, nicht Teil eines Rollen­spiels mit dem Titel ‘Ich, das Opfer’ sein, in das Nora sich hineinsteigert, wenn sie interviewt und getestet wird?“ Andererseits räumt der Vater durchaus ein, dass sein Kind schleunigst Hilfe braucht. Wenn nicht aufgrund einer „höchstgradigen depressiven Episode“ – weshalb dann? Auf diese Frage hin imponiert mir Nichtpsychiater Martin aufs Neue mit einer mustergültig differenzierten Einschätzung. „Zum einen belasten Nora weiterhin Erinnerungen daran, wie oft und grausam sie im Kindergarten und drei Schulen gemobbt wurde. Wann immer sie sich irgendwo unverstanden, abgewertet, unbeachtet, abgelehnt fühlt, leben diese Erinnerungen wieder auf.“ Zudem sei sie „hypersensibel, deshalb besonders leicht zu verletzen. Es mangelt ihr Selbstbewusst­sein, ­mitbedingt durch eine nör­gelnde, herrische, verbitterte, rachsüchtige Mutter, eine überhebliche Schwester, schikanöse Klassen­kameraden. Ihre Fru­strations­toleranz ist gering: Kritik nimmt sie grundsätzlich persönlich und empfindet sie als be­leidigend. Sie neigt dazu, vor ­Herausforderun­-gen davonzulaufen, statt sich ihnen zu stellen. (‘Das ist zu schwer für mich’, ‘Das schaffe ich ja doch nicht’.) Obendrein macht ihr zu schaffen, was Psychologen ‘Desorganisation’ und ‘Selbst­regulati­ons­schwäche’ nennen würden, nahe am ­sogenannten ‘Messie-Syn­drom’ – „und dies“, räumt Martin zerknirscht ein, „ruht zu einem ­Großteil von Erzie­hungsfehlern her. Meine Frau und ich hatten ihr ein ­extrem un­strukturiertes Elternhaus ge­boten. Es brachte Nora leider nicht bei, Dinge selber auf die Reihe zu bringen, planmäßig und zügig, statt der Aufschieberitis zu fröhnen. Auch mangelt es ihr an Ehrgeiz; für sie geht nichts über Ge­nießen, und was nicht unmit­tel­bar angenehm ist, wird eher gemieden, ‚‘darauf habe ich keinen Bock’.“ „All dies“, so glaubt der Vater felsenfest, „wäre mit einer einfühl­samen Wegbegleitung durch echte Freunde, auch durch mich selbst durchaus in den Griff zu bekommen. Eine Inter­nie­rung in Form eines statio­nären Klinikaufenthalts ist da doch eher kontraproduktiv. Denn sie verstärkt Noras fatales Grund­gefühl, sie selbst sei zu schwach, mit dem Leben klarzukommen, weshalb sie sich von ­Fachleuten, die sie vorgeblich besser kennen als sie selbst, an die Hand nehmen lassen muss.“ Zur Stressreduktion hat Martin ­inzwischen schon seinen Teil bei­getragen: „Seit ein paar Ta­gen weiß Nora von mir: Mit meinem Einverständnis kann sie die Akademie ­verlassen, in ihre belastende Klasse braucht sie nicht mehr zurückzu­kehren. Sie darf sich eine andere ­Be­rufsausbildung suchen, die ihr eher zusagt. Auch künftig unterstütze ich sie finanziell. Ih­re Woh­nung darf sie be­hal­ten. Und vor allem habe ich ihr überdeutlich klargemacht: Weiterhin liebe ich sie über alles. Ich bin ihr keineswegs böse und maßlos enttäuscht. Vielmehr verstehe ich jetzt, warum sie die Lust aufs Lernen verlor und verzweifelt war.“ Somit sind nach Martins plausib­- ler Einschätzung „mittlerweile mehrere der schwerwiegendsten Belastungsfak­to­ren entfallen. Nora hat ab sofort viele gute Grün­de, auf­zuatmen. Das wird sie in nächster Zeit realisieren - und sich bestimmt wie erlöst fühlen. Falls eine Diagnostik erst in ein, zwei Monaten stattfände, würde sie mit Sicher­heit zu ganz ­anderen Ergebnis­sen, einerlei ob mit professioneller Psycho­therapie oder ohne sie.“ Trotzdem zog es Nora in die Kli­nik, von der zweiten Febru­ar­woche 2015 an war sie stationär untergebracht. Ging es ihr dort etwa nicht gut? „Doch, durchaus“, räumt Mar­tin ein. „Wann immer ich sie be­suchte, wirkte sie ausgeglichen, zufrieden, zuversichtlich, zumeist vergnügt und zu jedem Späß­chen aufgelegt. Ihre Stim­mungs­tiefs wurden seltener, Schlaf- und Essverhalten be­gannen sich zu normalisieren. Die spannende Frage lautet für mich aber, weshalb. Ich meine, aus zwei Gründen: ­Erstens profitiert Nora schlicht von der sich selbst erfüllenden Prophe­zeiung, ausschließlich hier fän­de sie Hilfe. Zweitens atmet sie auf, weil sie meinen Erwar­tungs­druck und die Angst, mei­ne Liebe und Unter­stüt­­zung zu verlieren, losgeworden ist. Bietet eine psychiatrische Klinik meiner Toch­ter denn über synthetische Drogen hinaus irgend­etwas, was sie nicht auch von einem ‘Auswege’-Camp ha­ben könnte? So gut wie alles, was dort mit ihr stattfindet, kenne ich vom Konzept Ihrer The­rapiecamps her: Tapetenwechsel. Ständig greifbare, zugewandte Ansprechpartner. Enger Kontakt mit Leidensgenossen. Ein klar strukturierter Tagesablauf. Ab und zu ein sinnvoller Zeitvertreib. Kein Internetzugang. All das“, lobt der Vater, „ist prima und sinnvoll, meiner Tochter tut es bestimmt gut. Aber hätten ihr das nicht ebensogut Ihre Camps bieten können?“ „Haben Sie diese Frage Ihrer Tochter gestellt?“, erkundige ich mich. „Natürlich. Die Camps Ihrer Stiftung kennt sie inzwischen aus dem Internet. Doch sie bevorzugt ‘Fachleu­te’, sagt sie. In den Camps hingegen trifft man keine Psychiater und Psychologen an, wie sie herausgefunden hat. Und ‘du als Vater stehst mir zu nahe, du hängst zu arg an mir. Ich traue dir nicht zu, dass du mich objektiv beurteilen kannst’, so erklärte sie mir“. Da dürfte sie sich täuschen. Nicht bieten würden wir Nora hin­gegen eine medikamentöse Versorgung: Wir hätten ihr kein Neuro­­leptikum wie Quetiapin verabreicht, von dem sie gleich nach ihrer Ein­weisung täglich 50 mg schlucken musste. „Mir helfen diese Pillen enorm“, schwärmte Nora anfangs – „sie schieben negative Gedanken nach hinten, wenn sie in mir hochkommen“. Von einer indikations­spezifischen Therapie kann hierbei allerdings keine Rede sein: Quetiapin zählt zu jenen chemischen Breitband­-Ruhig­stellern, die in den Gehir­nen vieler, die aus unterschiedlichsten Gründen psychisch down sind, entspannende und angstlösende Wir­kungen entfalten. Nach unseren zwei langen Begegnungen stand für mich fest, dass Noras Vater mitnichten übertrieb: Niemand kennt sein Kind besser als er. Niemand sieht klarer, was ihm fehlt und woran das liegt. Niemand weiß besser, wie ihm zu helfen wäre. „Hat denn irgendein Arzt oder ­Psychologe, der in der Klinik mit ihrer Tochter befasst war, Sie zu einem Ge­spräch eingeladen?“, ­erkundigte ich mich. Daraufhin ­lächelte er gequält: „Kein einziges Mal - obwohl ich das mehrfach anbot.“ Keine zwei Wochen befand sich Nora in der Klinik, als mir ihr Vater erstaun­liche Neuigkeiten zu berichten hatte. Sie unterstrichen, wie treffend er sein Kind eingeschätzt hatte: „Schon nach fünf Tagen wurde ihr eine ‘weiße Karte’ ausgehändigt, mit der sie die Station jederzeit ohne Begleitung ­verlassen durfte. Drei Tage später bekam sie die Erlaubnis, wieder in ihrer Wohnung zu übernachten.“ So viel Freiheit für eine angeblich Schwerstdepressive, die akut selbstmordgefährdet sein soll? „Nora ­berichtete mir von einem weiteren Diagnose­test. Der habe bessere Werte ­ergeben. Außerdem habe der Ober­arzt eingesehen, dass ‘die The­rapien hier offenbar nicht ganz das Richtige für dich sind’. Daraufhin gab sie schlagfertig zurück­: ‘Welche ­Therapien denn? Es haben doch gar keine stattgefunden. Ich bekam bloß Tabletten. Ganze drei Mal sprach ein Psycho­lo­ge kurz mit mir, nie länger als 45 Minuten. Und Sie haben zweimal pro Woche bei mir zur ‘Visite’ vorbeigeschaut, nach ein paar Minuten waren Sie schon wieder weg. Die sogenannte ­Ergotherapie bestand darin, dass ich Tag für Tag eine Stunde lang mit den übrigen Sta­tionsinsassen in einem größeren Raum zusammensitzen und auf Kommando irgendetwas zeich­nen sollte. Das Essen war ein Fraß. Und schlafen konnte ich schlechter als vorher, nachdem man mir eine nach ranzigem Kü­chen­fett stinkende Türkin um die Sechzig ins Zimmer gelegt hat, die unentwegt schnarch­te, bei eingeschaltetem Licht und lautem Radio.’“ Noras Ver­trau­­en in die ­Psychiatrie blieb al­lerdings intakt: „Ich lasse mich jetzt ambulant weiterbehandeln“, mit Gesprächs- und ­Ver­hal­tenstherapie. Was brachten ihr die zweieinhalb Klinik­wo­chen? „Eine neue Freundin. Mehr Selbstdisziplin beim Es­sen und meinen Schlafens­zei­ten. Und mehrere Kilos zusätzlich, wegen dieser blöden Tab­letten. Die setze ich sofort ab.“ Ist sie vorab denn nicht über die Neben­wirkun­gen von Quetiapin aufgeklärt ­wor­den? „Mit keinem Wort.“ Was brachte die ambulante Weiter­betreuung? Sie bestand aus einer einzigen Sitzung - danach brach Nora eigenmächtig ab. „Das brauche ich jetzt nicht mehr“, entschied sie. Denn unverhofft taten sich zwei Lichtblicke auf: eine neue, schönere Wohnung, dank welcher sie ihr bisheriges Zuhause voller schlechter Erinnerungen hinter sich lassen konnte. Obendrein ein Job in einem Eiscafé, in dem sie eine perfekte Umgebung vorfand, mit netten Kollegen und einer Chefin, die sie sofort ins Herz schloss und beinahe wie eine eigene Tochter ­behandelte. Dort verdiente sie prächtig, so viel, dass sie davon zum ersten Mal in ihrem jungen Leben ihren gesamten Unterhalt ganz alleine bestreiten könnte, unabhängig von elterlichen Zuschüssen. Darauf war sie mächtig stolz. Seit sich Nora eigenmächtig von der modernen Psychiatrie verabschiedete, sind bis Redaktionsschluss dieses Buches zwei Jahre vergangen. Weiterhin geht es der jungen Frau prächtig - ohne eine einzige weitere Therapiesitzung, ohne irgendein Psychopharmakon. „Wenn ich sie gelegentlich auf ihre Krisenzeit anspreche“, so der Vater, „dann lächelt sie nur: ‘Ach Dad, wie kann denn irgendwer ernsthaft glauben, dass ich jemals ‘psychisch gestört’ war?’“ (Harald Wiesendanger) Dieser Beitrag stammt aus der 10-bändigen Schriftenreihe Psycholügen von Harald Wiesendanger, Bd. 10: Der Psychofalle entkommen (2018)

  • Dem Druck standhalten

    Impfen – ja oder nein? Kaum ein anderes Gesundheitsthema wird so kontrovers diskutiert wie das Impfen. Eine übermächtige Allianz von Schulmedizinern, Pharmaindustrie, Zulassungs- und Aufsichtsbehörden, Politikern und Journalisten tut so, als bedürften Skeptiker dringend der „wissenschaftlichen Aufklärung“, seien dumm und verantwortungslos. Zwischen den Fronten ringen verunsicherte Eltern mit der Gewissensfrage, womit sie sich und ihr Kind größeren Risiken aussetzen: durchs Impfen oder den Verzicht darauf? Verhält es sich mit dem Impfen denn nicht wie mit dem Stillen, Wickeln oder Taufen? Als es uns widerfuhr, konnte uns keiner fragen, ob wir es überhaupt wollen. Das entschieden unsere Eltern für uns, denn es schien ihnen zu unserem Besten. Aber wussten sie es? Dass Muttermilch, Windeln und Weihwasser der Gesundheit abträglich sind, kommt freilich eher selten vor. Das unterscheidet sie gewaltig von Impfungen. Ohne informierte Zustimmung eines Betroffenen oder seiner gesetzlichen Vertreter wird das Injizieren eines Serums, wie jeder medizinische Eingriff, zum Straftatbestand der Körperverletzung. Ihr Einverständnis geben Eltern im Vertrauen auf den Kinderarzt. Der versichert ihnen, Impfen schüt­ze und sei unbedenklich. Aber woher weiß er das? Er verlässt sich auf die Meinungsführer seines Fachs, auf Lehrbücher, auf veröffentlichte Studien in Fachzeitschriften, auf Vorträge bei Kongressen und Fortbildungsveranstaltungen, auf Verlautbarungen von Zu­lassungs- und Aufsichtsbehörden, auf Empfehlungen von Kom­­missionen, auf Leitlinien seiner Fachgesellschaft. Presse, Funk und Fernsehen machen, belämmernd recherchefrei, diesen Expertenkonsens zur öffentlichen Meinung. Willfährige Regierungen und Parlamente gießen ihn in Auflagen zur Beratungspflicht oder gar in Gesetze zum Impfzwang, vermeintlich zum Wohle der Volksgesundheit. Weil all diese Institutionen einmütig das „Sicher-wirksam-gut-verträglich“-Mantra anstimmen, mutet Impfskepsis abwegig an, medizinisch ahnungslos, geradezu dumm, obendrein verantwor­- tungs­los. Wer Bedenken äußert oder auch nur naheliegende Fragen stellt, erscheint aufklärungsbedürftig. Beharrt er, statt sich umstimmen zu lassen, so wird ihm mächtig bange gemacht: „Falls du dein Kind ungeimpft lässt, riskierst du, dass es schlimm erkranken wird, womöglich unheilbar!“ Und er steht als fahrlässiger Verräter am Gemeinwohl da: „Ungeimpfte stecken Andere an!“ Diesem immensen Druck aus allen Richtungen geben die meisten Eltern kleinlaut nach. Und falls ihre Kinder die Impfungen schadlos überstehen, sehen sie sich im Gefühl bestätigt, richtig entschieden zu haben. In Wahrheit haben sie mit ihrem Nachwuchs Russisches Roulette gespielt. Die Augen geöffnet haben mir schreckliche Schicksale, mit denen ich in den Therapiecamps meiner Stiftung Auswege reihenweise konfrontiert worden bin. In beinahe jedem von mittlerweile rund 30 Camps begegnete ich Kindern, die von Geburt an kerngesund gewesen waren und sich prächtig entwickelt hatten – bis man sie impfte. Danach verwandelten sie sich in körperlich Schwerstbehinderte. Sie entwickelten Neurodermitis und Asthma, Enzephalopathien und andere Hirnschäden, Lähmungen und Spastiken, Immunschwächen und Autoimmunerkrankungen. Sie wurden apathisch und unruhig. Sie schrien unstillbar. Sie erlitten anaphylaktische Schocks, schwere Unverträglichkeitsreaktionen auf körperfremdes Eiweiß, mit dem die Impfstoffe verunreinigt waren. Ihr Wesen veränderte sich. Ihre geistige Entwicklung blieb stehen. Sie wurden zu Epileptikern und Autisten, zu Diabetikern, Allergikern und Rheumatikern. Allein im September 2013, im 12. „Auswege“-Camp in Lützensömmern 30 km nördlich von Erfurt, bekam unser Helferteam mit drei Fällen von offenkundigen Impfschäden zu tun. (1) - Bei der 20 Monate alten Miriam* wurde im April 2012, vier Monate nach ihrer Geburt, kurz nach einer Impfung ein West-Syndrom festgestellt: eine seltene, besonders schwer zu behandelnde Form von Epilepsie. Typischerweise führt sie zu „BNS-Anfällen“ („Blitz-Nick-Salaam“), die drei Besonderheiten aufweisen: blitzartig auftretende Myoklonien – rasche, unwillkürliche Muskelzuckungen - mit gebeugten Extremitäten, insbesondere der Beine (Blitz-Anfall); krampfartige Beugung des Kopfes (Nick-Anfall); Hochwerfen und Beugen der Arme, wobei die Hände vor der Brust zusammengeführt werden und der Rumpf gebeugt wird (Salaam-Anfall). Stationäre Behandlung mit mehrerlei Antiepileptika machten das Mädchen kurzzeitig anfallsfrei, bald traten jedoch wieder mehrere Anfälle pro Tag auf. Erfreulicherweise verschwanden sie im April 2013, nach homöopathischer Behandlung und Akupunktur, so dass die Kleine bereits anfallsfrei ins Camp kam. Jedoch brachte sie eine deutliche Entwicklungsverzögerung mit, wie sie bei Kindern mit dem Einsetzen einer Epilepsie typischerweise einhergeht: Mit ihren knapp zwei Jahren konnte Miriam noch immer nicht sitzen, nicht einmal krabbeln. - Noch mit drei Monaten war Ella*, jetzt Drei, ein gesundes, völlig normal entwickeltes Baby gewesen – bis sie siebenfach geimpft wurde, trotz vorliegender Pilzinfektion. „Kurz nach der Impfung“, erinnert sich ihre Oma, „begann Ella heftig und langanhaltend zu schreien. Ein Fuß schwoll an“, am ganzen Körper traten Hauteinblutungen auf. „Ellas Sprachvermögen entwickelte sich sehr langsam, auch heute ist es auf wenige Worte beschränkt. Sie hört und versteht aber alles.“ Im Kindergarten „fügt sie sich gut ein, kann jedoch viele Beschäftigungen nicht mitmachen, da sie nicht sprechen kann. Zusätzlich zu den wenigen einfachen Wörtern, die sie spricht, hat sie eine ‚eigene Sprache’ entwickelt und versucht sich so zu verständigen.“ Nach und nach entwickelte sie „Verhaltensauffälligkeiten, die ihr Umfeld sehr belasten, wie lange Schreiattacken, Aggressionen, Trotz, Wut, Treten, Beißen, Kratzen, Spucken“. Kürzlich stellte ein Heilpraktiker, der den Verdacht eines Impfschadens bestätigte, „autistische Verhaltensweisen“ fest; im Laufe seiner homöopathischen Behandlung „hat sich Ellas Verhalten etwas normalisiert“. Allerdings könne sie weiterhin „kaum Empathie empfinden“. - Wegen einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung mit „cerebellarer Ataxie“ - einer Störung der Bewegungskoordination, die durch krankhafte Veränderungen im Kleinhirn (Cerebellum) ausgelöst wird – ist Thomas* (11) seit seinem fünften Lebensmonat bei einer Kinderärztin in Behandlung. Obwohl die ersten Anzeichen auftraten, kurz nachdem der Kleine geimpft worden waren, sprechen Mediziner von „unklarer Genese“. „Der Junge“, so attestierte die Kinderärztin im Mai 2013, „zeigt erhebliche fein- und grobmotorische Störungen.“ Bei Erregung trete „ein erheblicher Intensionstremor“ auf – die Gliedmaßen zittern bei einer zielgerichteten Bewegung -, „so dass einfache Handfunktionen fast nicht möglich sind. Die Kommunikation mit Fremdpersonen ist erheblich gestört, in der Familie gibt es interne Verständigungsmöglichkeiten. Sprachliche Elemente sind nur ansatzweise vorhanden.“ Die Eltern müssen Thomas „durch den Alltag begleiten: aus- und ankleiden, waschen, windeln, ersatzweise füttern“. Immer noch ist Thomas inkontinent. Zwei weiteren Fällen von offenkundigen Impfschäden, die mir unvergesslich geblieben sind, begegnete ich im 16. „Auswege“-Camp, das im August 2014 in Oberkirch/Schwarzwald stattfand. (2) - Bis zu ihrem fünften Lebensjahr war Svenja* (* Pseudonym), nunmehr Elf, „ein kerngesundes Kind“, wie die Eltern versichern. Umso entsetzter waren sie im Sommer 2008 über eine fatale Dia­gnose: „zerebrale Vaskulitis“, eine Entzündung der Hirngefäßwände, mit begleitenden Beschwerden wie Kopfschmerzen, Erbrechen, Müdigkeit, Gewichtsabnahme, Konzentrationsstörungen, neurologischen Ausfällen und Wesensänderungen. Bei Svenja führte sie zu einer „deutlichen Teillähmung der linken Körperhälfte“, wie es in einem Befundbericht vom Mai 2013 heißt: „Die linke Hand kann aufgrund der Kraftminderung und eingeschränkten Feinkoordination in Arm und Hand nur eingeschränkt zu Haltezwecken eingesetzt werden. Beidhändige Tätigkeiten können nicht selbständig ohne fremde Hilfe durchgeführt werden. Auch bei einhändigen Tätigkeiten, z.B. Schreiben, hat Svenja Probleme, da das Fixieren des Blatts mit der linken Hand nur eingeschränkt gelingt. Aufgrund der Kraftminderung des linken Beines besteht eine deutliche Störung der Bewegungsabläufe und des Gleichgewichts.“ Erste Symptome beobachteten die Eltern „drei Monate nach einer Masernimpfung“, die erfolgte, obwohl das Mädchen zeitgleich an einer Borrelien-Infektion litt. „Danach begann eine Odyssee für uns: Zuerst hieß es ‚psychische Ursachen’, dann ‘Borreliose’, schließlich ‘zerebrale Vaskulitis’. Als die Dia­gnose stand, bekam Svenja sehr hochdosiert Kortison, was für uns alle ein regelrechter Horrortrip war, ihr sehr geschadet hat und letztlich keinen Nutzen brachte.“ - Mit vier Wochen hatte Katja*, inzwischen 15, eine Mehrfachimpfung erhalten. Kurz darauf fiel den Eltern auf, dass ihre geistige und körperliche Entwicklung verzögert verlief. Bis heute fand kein Arzt eine organische Ursache dafür, weshalb „keine wirkliche Therapie stattfand, sondern bloß Symptome behandelt wurden“. Vor allem Katjas sprachlicher Rückstand ist groß: Sie versteht recht viel, spricht aber nicht. Häufig zeigt sie autoaggressives Verhalten. Das Mädchen trägt noch Windeln. Katjas Feinmotorik funktioniert schlecht, die Bewegungsabläufe sind spastisch beeinträchtigt, der rechte Fuß dreht beim Gehen stark nach innen. Zudem liegt eine Seh- und Hörschwäche vor. In jedem Fall erreichte das „Auswege“-Therapeutenteam während der Campwoche mit unkonventionellen Heilweisen immerhin leichte Veränderungen: Die Motorik besserte sich, die Kinder griffen und liefen sicherer, wirkten etwas aufmerksamer und wacher, sprachen ein wenig mehr. Aber wie viel wiegen solche Minifortschritte, gemessen an dem unumkehrbaren Verlust ihrer Gesundheit, ihrer Zukunft? „Das Tragische an jeder Erfahrung ist, dass man sie erst macht, nachdem man sie gebraucht hätte“, wusste Nietzsche. Solche haarsträubenden Schicksale waren es, die den Anstoß gaben, das Buch Die Impflüge herauszubringen – und zum Selbstkostenpreis abzugeben, um möglichst viele zu erreichen, die seine Orientierungshilfen gut gebrauchen könnten. Hervorgegangen ist es aus einer Artikelserie im Informationsjournal Aegis Impuls, welche die deutsche Sozialpädagogin Anita Petek-Dimmer verfasste, Mutter zweier Kinder und eine der bekanntesten und aktivsten Impfkritikerinnen im deutschsprachigen Raum. (Dazu wurde sie nach einer heftigen Auseinandersetzung mit einem Arzt über das Thema Impfen; daraufhin beschloss sie, sich so gründlich mit dem Thema zu befassen, wie alle Eltern es tun sollten.) Punkt für Punkt setzt sich die Autorin in den folgenden Kapiteln mit den angeblich zwingenden Beweisen von Impfbefürwortern auseinander – und stellt ihnen bedenkenswerte Argumente gegenüber. Nach der Lektüre kommt man schwerlich um den Schluss herum: Kein Vater, keine Mutter stimmt jemals einer Impfung wahrhaft informiert zu. Sie werden getäuscht. Vom ganzen Ausmaß der Risiken und Gefahren, von begründeten Zweifeln am behaupteten Nutzen, von alarmierenden Forschungsergebnissen, von triftigen wissenschaftlichen Einwänden erfahren sie ebensowenig wie davon, dass zu den Skeptikern immer mehr Ärzte zählen; allein im 2006 gegründeten Verein „Ärzte für individuelle Impfentscheidung“ (3) haben sich mittlerweile mehrere hundert von ihnen zusammengeschlossen. Impfkritischen Ärzten ist klar: Offiziellen Zahlen über „vernachlässigbar seltene“ Impfschäden im statistischen Promillebe­reich ist nicht zu trauen. Nur jeder 20. Fall wird überhaupt gemeldet, wie Experten einräumen4, unter ihnen ein ehemaliger PEI-Mitarbeiter (5). Entwarnungen stützen sich weitgehend auf Studien der Hersteller - und diese treiben naheliegende Motive um, Gefahren herunterzuspielen, geschäftsschädigende Erkenntnisse unter den Teppich zu kehren. Kaum je dauern diese Studien länger als ein paar Wochen und Monate; Impfschäden hingegen können erst Jahre später auftreten: etwa Allergien, ein Diabetes mellitus, Entwicklungsstörungen, neurologische Erkrankungen wie MS. Der „wissenschaftliche Nachweis eines ursächlichen Zusammenhangs“ ist dann schwerlich zu erbringen, die Forderung danach ein durchsichtiges Ablenkungsmanöver. Wären Impfungen unbedenklich: Wieso bekommen Eltern den Beipackzettel kaum je zu sehen? Ihnen würden die Haare zu Berge stehen. Was in „modernen“ Impfstoffen steckt, kann schwerlich „gut verträglich sein“: von jeder Menge chemischer Stabilisatoren, Neutralisatoren, Konservierungsmittel, Trägersubstanzen und Farbstoffen über Verunreinigungen aus Nähr­­böden bis hin zu schlimmsten Nervengiften wie Queck­silber und Aluminiumverbindungen. Dass blindwütige Impferei kleine Kinder noch weitaus stärker gefährdet als Erwachsene, liegt für jeden, der im Biologieunterricht aufgepasst hat, auf der Hand. Die lebenswichtige „Blut-Hirn-Schranke“, die das Eindringen von Giften und anderen Fremdstoffen verhindert, ist bei ihnen noch nicht fertig ausgebildet. Auch werden sie ohne die erst entstehenden Myelinhüllen geboren, welche die Nervenstränge ummanteln und schützen. Warum warnen selbst viele Impfbefürworter davor, Kinder vor dem dritten Lebensjahr impfen zu lassen? Wieso dringen solche Sachverhalte nicht durch? Warum wird jede Sachdiskussion im Keim erstickt? Im aggressiven Umgang mit Impfskepsis, im rigorosen Unterdrücken abweichender Meinungen verrät sich die Natur eines Gesundheitssystems, das umso kranker wird, je bereitwilliger es die Interessen seiner Profiteure bedient. Aus einem Marketingtopf von mehreren hundert Milliarden Dollar pro Jahr schöpft die Arzneimittelindustrie mühelos die nötigen Werbe-, Druck- und Schmiermittel, um sich alle wichtigen Akteure gefügig zu machen – und geschäftsschädigende Kritiker als „Verschwörungstheoretiker“ zu verhöhnen, mit Rufmord zu überziehen, der Lächerlichkeit preiszugeben, notfalls beruflich zu vernichten. Von der Tumortherapie über die Psychiatrie bis zur Infektionsbekämpfung: Auf jedem Fachgebiet der Medizin stehen astronomische Gewinnspannen auf dem Spiel, die Big Pharma nach allen Regeln der freien Marktwirtschaft, und oftmals jenseits davon, mit Klauen und Zähnen zu verteidigen weiß. Allein Impfstoffe sorgten im Jahr 2016 weltweit für einen Umsatz von 27,5 Milliarden US-Dollar. (6) Auch Anita Petek-Dimmer (1957-2010) entkam nicht der Hexenjagd auf Abweichler. Zeitlebens, und über ihren Tod hinaus, wurde sie als „Medizinlaiin mit offenkundig fehlender Kompetenz“ (7) verunglimpft – als eine „durchgedrehte, hysterische Hausfrau“, die sich „einen besseren Zeitvertreib suchen könnte, als traurigen Weltverschwörungen anzuhängen, die auch noch unnütz tote Kinder zur Folge haben“. (8) „Mit ihrer Weltbild-Kapsel“, so ätzt ein Blogger, habe sie sich „völlig vom Mutterschiff der Realität abgekoppelt und schwebt nun ohne Sicherungsleine durch den freien Raum der Fantasie“. (9) Den Systemkritiker der Lächerlichkeit preiszugeben, indem man ihn zum wirren „Verschwörungstheoretiker“ stempelt, zählt zu den beliebtesten Totschlag-Argumenten von Pharmalobbyisten, um Sachdiskussionen abzuwürgen. Dadurch gerät er in eine Schub­­lade mit Zeitgenossen, die tatsächlich nicht ganz bei Trost scheinen: Unbeirrbar halten sie die Mondlandung für eine Hollywood-Inszenierung, die Evolutionstheorie für eine Erfindung von Gottlosen, Elvis für untot und Angela Merkel für ein außerirdisches Reptil. Ein Verschwörungstheoretiker mutmaßt fakten­resistent über dunkle Mächte als Schuldige, deren Machenschaften er allein durchschaut, wäh­rend dem verblendeten Rest der Mensch­heit der Durchblick fehlt. Wer sich nicht dagegen wehren kann, dem Lager solchermaßen Bescheuerter zugerechnet zu werden, scheint selber einer. Und damit ist sein Ruf ruiniert. Seine naheliegenden Fragen gelten nicht mehr als Ausdruck berechtigter Sorge, sondern als Symptom geistiger Verwirrung – er wird zum Fall für den Psychiater. Dafür sorgen Internetportale wie Hoaxilla.com, die Facebook-Gruppe „Nothing but the truth“, der berüchtigte Online-Pranger Psiram und der mit ihm verbandelte Verein „Der goldene Aluhut“, der alljährlich „die dümmste Verschwörungstheorie“ kürt. Zu den Hintermännern von Hoaxilla zählen Sebastian Bartoschek und Bernd Harder, rührige Mitglieder der „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ (GWUP), die ein Vierteljahrhundert nach ihrer Gründung noch immer daran scheitert, gesunde Skepsis und blind­wütigen Skeptizismus auseinanderzuhalten. Mit einem aufklärerischen Sendungsbewusstsein ohnegleichen würdigt diese Rufmordtruppe ebenso pauschal wie aggressiv herab, was ihnen „unwissenschaftlich“ vorkommt. „Man muss den Leuten klipp und klar sagen, dass sie bekloppt sind“, giftet Harder. Denen dürfe man „keinen Zentimeter nachgeben, das wird dir sofort als Schwäche ausgelegt“. Genauso sieht das Rayk Anders, gefeierter YouTube-Star der Anti-Verschwörer und Verfasser der Schmähschrift Eure Dummheit kotzt mich an – Wie Bullshit unser Land vergiftet (2016). „Irgendwann“, so „kotzt“ er zurück, „wirst du wahnsinnig, weil der Markt überschwemmt wird mit diesem Mist.“ (10) In Wahrheit sind es verbohrte Eiferer wie Anders, die es sich in einer zurechtgedachten Parallelwelt gemütlich machen. Es ist eine, in der die Mächtigen aus Politik und Wirtschaft immerzu mit offenen Karten spielen, keine insgeheimen Interessen verfolgen, nur lautere Ab­sich­ten hegen, sich dem Gemeinwohl verpflichtet fühlen, grundsätzlich zu unserem Besten handeln, nichts verschleiern und ver­schweigen, was uns angeht. In dieser besten aller möglichen Welten ist alles so, wie es scheint. Eine Pharma-Mafia gibt es darin ebensowenig wie Watergate, die Korruptionsexzesse der Waffenlobby und Rüstungsindustrie, die globale Datenschnüffelei von Geheimdiensten oder ein Autokartell, in dem sich die fünf Großen von Deutschlands wichtigster Industriebranche insgeheim in mehr als 1000 Treffen von über 60 Arbeitskreisen abstimmten. (11) In unserem kranken Gesundheitswesen besorgt jeder eifernde „Anti-Verschwörer“ letztlich das Geschäft von Big Phar­ma: Seine Dreck­schleu­der erspart ihr, sich selber die Hände schmutzig zu machen. Falls es sich bei der „Verschwörungstheorie“ von Pharma­kritikern um bloße Hirngespinste handelt: Weshalb geben sich alle mächtigen Player des Medizinsystems dann größte Mühe, sie unentwegt zu bestätigen? Wäre das Gesundheitswesen kein Spielball organisierter Kriminalität – warum sieht es dann ganz danach aus? Den schönen Schein entlarven Verschwörungsempiriker: mutige Aussteiger aus Management und Forschung von Pharmakonzernen, aus Zulassungs- und Aufsichtsbe­hör­den, die kriminelle Machenschaften aus nächster Nähe miterlebten. Ihr „Whistleblowing“ kostete sie ihre berufliche Existenz, lässt sie zumindest aber wieder ruhig schlafen. Anita Petek-Dimmer durchschaute das Spiel, und sie ließ sich nicht beirren. Auch insofern bleibt sie ein Vorbild für Eltern. Anstatt der geballten Meinungsmache zu erliegen, dürfen sie nicht aufhören, lästige Fragen zu stellen: Was genau soll meinem Kind da eigentlich gespritzt werden? Schützt es wirklich, wie gut und wie lange tut es das? Sind die Risiken tatsächlich vernachlässigbar gering, Impfschäden die allerseltenste Ausnahme? Sind Geimpfte gesünder? Welche Alternativen zum Impfen gibt es? Solche Fragen in investigativer Wallraff-Manier anzugehen, wäre Sache unabhängiger Medien, der vielbeschworenen Vierten Gewalt im Staat. Doch gerade sie geben bei der Impfthematik ein erbärmliches Bild ab, vorneweg die vermeintlich besonders „seriösen“. Einhellig feuern sie Breitseiten gegen Impfkritiker – gegen „pseudomedizinische Kreuzzügler“, die an „irrationaler Wissenschaftsfeindlichkeit“ leiden, wie das Nachrichtenmagazin Focus weiß. (12) „Dummdreiste, unverantwortliche Ignoranz“, „unwissenschaftlichen Unfug“ wirft ihnen die Süddeutsche vor, Deutschlands auflagenstärkste Tageszeitung. „Ungeimpfte Kinder werden in Gefahr bracht“, warnt das Magazin Eltern alle Mamis und Papis. (13) Das „irrationale und ideologische Verhalten“ der Impfgegner habe „null Toleranz“ verdient, steht für die Frankfurter Allgemeine fest; da helfe „nur noch Zwang“. (14) Oh ja, denn Zwang sei „heilsam“, pflichtet die Welt bei, um Eltern ihre „anti-modernen Reflexe“ auszutreiben, weil „Mahnungen und Zureden auf taube Ohren treffen“. (15) In der Schweiz wütet Ex-Tagesanzeiger-Redakteur Hugo Stamm, vielbeachteter „Sekten“schreck, gegen Impfkritiker als „unheilige Allianz des Irrationalen mit dem Aberglauben“, zu der „primär radikale Esoteriker“ zählen, wie er herausgefunden haben will. (16) Was sind das für Leute, die presseethikfrei blindwütige Kom­­mentare als Ergebnis gründlicher Recherche ausgeben, sich als Aufklärer der Nation aufspielen? Woher beziehen sie ihre Kennt­­nisse, worin besteht ihre Fachkompetenz? SZ-Redakteur Kim Björn Becker, Produzent des „dummdreisten Ignoranz“-Vorwurfs: ein studierter Politologe und Kunstgeschichtler Ende Dreißig, seit 2015 Redakteur im SZ-Ressort Innenpolitik. Seine junge Kollegin, die „Unfug“-Anprangerin Kathrin Zinkant: studierte Biochemikerin, die nach eigenen Angaben über allerlei „schöne Dinge geschrieben hat – von der Versorgung eines Kratzers bis hin zum Krötentunnel“. „Eltern“-Autorin Christine Brasch: freie Journalistin aus Hamburg, nebenbei Projektmanagerin für Printmedien und Internetauftritte. FAZ-Kommentator Rainer Hank: neoliberaler Wirtschaftsjournalist, studierter Litera­- tur­wissen­schaftler, Philosoph, katholischer Theologe. Focus-Redakteur Christian Weber: studierte Politik, Wirtschaft, Soziologie und International Relations. Welt-Scharfschütze Michael Stürmer: Historiker, lehrte als Professor für Mittlere und Neuere Geschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg. Hugo Stamm: Lehrerseminarist, abgebrochener Philosophiestudent. Von höchstem medizinischen Sachverstand zeugt keiner dieser Lebensläufe. Ob die Betreffenden selber impfgeschädigte Kinder haben, ist unbekannt. Woher wissen sie eigentlich so präzise und felsenfest, was sie über die grandiosen Vorzüge und vernachlässigbaren Gefahren des Impfens verbreiten? Von Informanten, die ihnen glaubwürdig vorkommen. Für Journalisten, die zu Gesundheitsthemen recherchieren, sind das: die Meinungsführer des medizinischen Establish­ments, das nahezu vollzählig auf den Honorarlisten von Phar­makonzer­nen steht; die Internet-Enzyklopädie Wikipedia, die im Gesundheitsbereich von industrienahen, über Marketingagenturen phar­mafinanzierten Administratoren längst unterwandert ist; pharmanahe Sachbuchautoren; staatliche Institute, Aufsichtsbehörden und Kommissionen, in denen sich niemand hält, der begründeten Befürchtungen nachzugehen wagt; und andere Jour­nalisten, die aus den gleichen Quellen schöpfen. Haben Becker, Stamm & Co. jemals einem warnenden Arzt zugehört, ein impfkritisches Sachbuch auf sich wirken lassen? Begegneten sie jemals einem impfgeschädigten Kind und seinen verzweifelten Eltern? Ließen sie sich von Whistleblowern berich­ten? Ist ihnen klar, wie unbedarft sie je­dem Populisten in die Karten spielen, der die Vierte Gewalt in unserer Demo­kratie kurzerhand als „Lügenpresse“ verunglimpft? Unter solchen Verhältnissen tun Gegengewichte not: Organisationen, die aufklären. In ihrer Wahlheimat Schweiz hatte Anita Petek-Dimmer am Aufbau des impfkritischen Netzwerks AEGIS – ein Kürzel für „Aktives Eigenes Gesundes Immunsystem“ – mitgewirkt. In drei Aus­gaben von dessen (inzwischen eingestellter) Zeitschrift Aegis Impuls (17) setzte sie sich mit dürftigen Bemühungen zweier deutscher Gesundheitsbehörden auseinander, die 20 häufigsten Einwände von Impfskeptikern zu entkräften: des Robert-Koch-Insti­tuts (RKI), der zentralen Überwachungs- und For­- schungs­­­einrichtung der Bundesrepublik Deutschland für Infektionskrankheiten, und des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel; beide sind direkt dem Bundesgesundheitsministerium unterstellt. Von ihrer Berechtigung, ihrer Brisanz haben Frau Petek-Dim­mers Argumente nichts verloren; jüngste alarmierende Forschungsergebnisse, die sie nicht mehr berücksichtigen konnte, untermauern ihre Skepsis. "Es gibt keine Entscheidung für das Impfen. Denn Entscheidungen setzen Wissen voraus. Und wer weiß, impft nicht!", stand für den 2011 verstorbenen Alternativmediziner Dr. Fritz Roithinger fest. Noch drastischer hatte sich der Arzt Dr. Franz Hartmann, neben Rudolf Steiner einer der Hauptgründer der Theosophischen Bewegung in Mitteleuropa, bereits Anfang des 20. Jahrhunderts geäußert: "Das Impfen ist, wenn man dessen Gefahren nicht kennt, eine Dummheit; wenn man sie kennt, ein Verbrechen." Wer kommt Ihnen glaubwürdiger vor: ein Impfkritiker, dem seine Aufklärungsarbeit keinerlei persönlichen Nutzen, aber jede Menge Hohn und Verleumdungen einbringt - oder eine Industrielobby, der das Impfen ein Multimilliardenbusiness beschert? Bis zum Beweis des Gegenteils besteht der sicherste „Impfschutz“ im Schutz vor Impfern. Anmerkungen * Pseudonyme 1 Auswege Infos Nr. 32, April 2014, http://newsletter.stiftung-auswege.de/ infos32/html/12__auswege-camp_in_thuringen.html. 2 Siehe Auswege Infos Nr. 36, Oktober 2014, http://newsletter.stiftung-auswege.de/infos36. 3 www.individuelle-impfentscheidung.de 4 R. Lasek/B. Mathias/J.D. Tiaden: „Erfassung unerwünschter Arzneimittelwirkungen“, Deutsches Ärzteblatt 88/1991, S. 173-176. 5 Dr. med. Klaus Hartmann: Erfassung und Bewertung unerwünschter Arzneimittelwirkungen nach Anwendung von Impfstoffen - Diskussion der Spontanerfassungsdaten des Paul-Ehrlich-Instituts 1987 bis 1995, Dissertation 1997, S. 15. 6 Nach Statista: „Weltweiter Arzneimittelumsatz im Therapiegebiet Impfstoffe in den Jahren 2013 bis 2016 (in Milliarden US-Dollar)", https://de.statista.com/ statistik/daten/studie/734115/umfrage/weltweiter-arzneimittelumsatz-im-therapiegebiet-impfstoffe, aufgerufen am 2.10.2017. 7 Siehe den Eintrag zu Anita Petek-Dimmer bei der berüchtigten Online-Dreckschleuder Psiram, https://www.psiram.com/de/index.php/Anita_ Petek-Dimmer, aufgerufen am 2.10.2017. 8 Psiram-Blog: „Wenn Hausfrauen durchdrehen“, 24.11.2008, https://blog. psiram.com/tag/anita-petek-dimmer/, abgerufen am 3.10.2017. 9 Michael Hohner: „Die 140 Sünden der Anita Petek-Dimmer“, RatioBlog, 18.12.2009, https://www.ratioblog.de/entry/die-140-suenden-der-anita-petek-dimmer, abgerufen am 3.10.2017. 10 Zit. nach Hannes Vollmuth: „Fight Club“, Süddeutsche Zeitung Nr. 286, 10.12.2016, S. 3. 11 Der Spiegel 30/22.7.2017: „Das Kartell“ 12 Christian Weber: „Die seltsame Welt der Impfgegner“, Focus.de, 1.10.2017. 13 Christine Brasch: „Masernwelle in Deutschland bringt ungeimpfte Kinder in Gefahr“, Eltern.de, 2017. 14 Rainer Hank: „Null Toleranz für die Impfgegner“, FAZ.net, 5.6.2017. 15 Michael Stürmer: „Bei manchen Eltern braucht es den heilsamen Zwang“, Welt.de, 22.2.2015. 16 Hugo Stamm bei www.watson.ch/!479444359, abgerufen am 3.10.2017. 17 Aegis Impuls 32/2007, S. 20-38; 33/2008, S. 18-31; 34/2008, S. 20-34. 18 Siehe www.impfentscheid.ch. 19 Siehe http://www.stiftung-auswege.de/images/downloads/auswege-newsl51.pdf Bei diesem Text handelt es sich um Harald Wiesendangers Vorwort zu dem Buch Die Impflüge – Fragwürdiger Nutzen, verharmloste Gefahren (2017), das eine Artikelserie der Impfskeptikerin Anita Petek-Dimmer präsentiert.

  • Wähler ohne Wahl

    Ein gesundheitspolitischer Programmcheck zur Bundestagswahl 2017. Nichts geht den Deutschen über ihre Gesundheit. Von Meinungsforschern befragt, was ihnen am wichtigsten ist, belegt sie zuverlässig den Spitzenplatz, vor Werten wie Freiheit und Erfolg (1), Partnerschaft und Familie, Arbeit und Wohlstand, Freunden und Frei­zeit. Und erst recht zählt Gesundheit am aller­meisten für jene Abermillionen, die sie verloren haben. Müsste Gesundheitspolitik folglich nicht im Mittelpunkt aller Wahlprogramme stehen, mit denen 48 zugelassene Parteien, so viele wie noch nie seit der Wiedervereinigung, derzeit kostspielig und phrasenhaft wie immer um unsere Stimmen bei der Bundestagswahl am 24. September 2017 werben, dafür 92 Millionen Euro verpulvernd? Wer sich die Mühe macht, sie alle zu sichten, muss ernüchtert feststellen: Tatsächlich tauchen Medizinthemen in nahezu sämtlichen Wahlprogrammen bloß auf hinteren Seiten auf. Um die drängendsten Probleme unseres kranken Gesundheitswesens machen vor allem jene Parteien, die sicher oder wahrscheinlich im Bundestag vertreten sein werden, einen weiten Bogen. Im Wahlkampf streiten sie darüber, an welchen Stellschräubchen der großen Maschine um wieviel Grad gedreht werden darf – anstatt sich an deren überfälligen Umbau zu machen, im Bewusstsein, was sie leisten könnte und sollte. Verzagter, konzeptloser, visionsfreier geht es kaum. Es ist wie immer: Wir dürfen wählen, doch im Grunde haben wir keine Wahl. Ginge es allein um die besten gesundheitspolitischen Absichten, müssten wir das Törichte oder das Aussichtslose tun: nämlich die unsägliche „Alternative für Deutschland“ oder die zwergwüchsige „Deutsche Mitte“ wählen. KLARTEXT ist überparteilich, aber nicht unparteiisch. Wir wünschen uns eine Regierung, eine Parlamentsmehrheit, die nicht Lobbyisten auf den Leim geht, an den Fäden der mächtigen Player in unserem Gesundheitssystem tanzt und deren ökonomische Interessen bedient, sondern verantwortungsbewusst auf eine humanere, effektivere Medizin hinarbeitet, die wahrhaft hilft und heilt, patienten- statt profitorientiert. Und so bedrückt uns die Aussicht, dass die Bundesrepublik insofern auch in der nächsten Legislaturperiode auf der Stelle tritt, egal wer sie regieren wird. Schließen Sie daraus nicht: „Wählen macht keinen Sinn.“ Nichtwählen erst recht nicht. Dann schenken Sie Ihr Kreuzchen halt der separatistischen Bayernpartei, den spirituellen Violetten oder den „Urbanen“, für die alles gut wird, sofern sich Hip-Hop als „globale emanzipatorische Bewegung“ durchsetzt … CDU/CSU. Dass Angela Merkels Union überhaupt zur Wahl steht, sorgt landauf, landab für Verblüffung, denn bekanntlich ist sie alternativlos. Bereitet ihre Devise „Mut zu Deutschland“ einer Ausbürgerungsinitative den Weg: Das Leben in diesem Land ist nix für Zaudernde, Angsthasen und Jammerlappen? Schwerpunkte des Wahlprogramms: 76 Seiten mutloses „Weiter so“. Arbeit für alle, bis 2025 Vollbeschäftigung. Steuerentlastungen um gut 15 Milliarden Euro, schrittweiser Abbau des Solidaritätszuschlags ab 2020. 1,5 Millionen neue Wohnungen in den nächsten vier Jahren. Grunderwerbssteuer beim Kauf des ersten Eigenheims abschaffen. Höhere Kinderfreibeträge; Kindergeld auf 393 Euro pro Monat erhöhen, den Kinderzuschlag für ärmere Familien um 31 Euro. Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung für Grundschüler. Schulen bekommen 5 Milliarden Euro für Computer und Wlan. 15.000 zusätzliche Polizisten in Bund und Ländern. Den Verteidigungsetat auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöhen. Internet überall. Doppelte Staatsbürgerschaft begrenzen. Gleichstellung von Frauen in Führungspositionen „entschlossen vorantreiben“, bis 2025 „abschließen“. Ministerium für Digitalisierung. Gesundheitsfragen tauchen unter den „10 wichtigsten Punkten“ (2) mit keinem Wort auf. Anliegen: keine staatliche Einheitsversicherung, keine aktive Sterbehilfe. Neue Pflege-Bürgerversicherung, mehr Lohn für Pflegekräfte, der Beitrag zur Pflegeversicherung soll „moderat“ steigen. Mehr Steuergelder für Krankenversicherungen; Kassen sollen Prämien rückerstatten müssen, wenn ihre Rücklagen die Mindestreserve um ein Vielfaches übersteigen. Patientenrechte stärken, durch das Angebot „unabhängiger“ und verständlicher Informationen über Versicherungs- und Behandlungsmöglichkeiten, etwa über Internet-Portale. (Auf deren „Unabhängigkeit“ darf man gespannt sein.) Drei Milliarden Euro Forschungsgelder für Behandlungsmöglichkeiten von Krebs, Demenz, Alzheimer sollen fließen. SPD. Im beharrlichen Bestreben, sich der Fünf-Prozent-Hürde von oben anzunähern, tritt die schrumpfsüchtige Splitterpartei mit einem Merkelverhinderungskandidaten an, der für eine weitere Merkel­koalition grundsätzlich offen ist. Schwerpunkte des Wahlprogramms: „Eher legt ein Hund einen Wurstvorrat an als ein Sozi einen ausgeglichenen Haushalt vor“ – Franz-Josef Strauß´ bösen Satz zu bewahrheiten, gibt sich die SPD auch diesmal alle Mühe. Punkten will sie mit dem „Chancenkonto“, einem Guthaben für jeden Bürger zur Weiterbildung und Existenzgründung – als gäbe es nicht schon genügend Förderinstrumente für jeden, der konkret Hilfe benötigt, um auf dem Arbeitsmarkt Land zu sehen. Hätte jeder von uns lediglich 5000 Euro auf seinem „Chancenkonto“ – für Existenzgründer ein Witz - und griffe nur jeder fünfte Bundesbürger darauf zu, so wären allein dafür 80 Milliarden Euro fällig. Darüber hinaus möchte die SPD: Kita-Gebühren abschaffen. 300 Euro „Familiengeld“. Ein Rentenniveau von 48 Prozent des Durchschnittslohns erhalten. Gleicher Lohn für Männer und Frauen. Den Zuzug ausländischer Fachkräfte fördern. Mehr Vollzeitarbeitsplätze, zurückhaltendere Abschiebung von Asylanten in Konfliktregionen. Mehr Polizisten. Mittlere und untere Einkommen steuerlich entlasten, große Erbschaften höher besteuern, höhere Reichensteuer ab einem Jahreseinkommen von 250.000 Euro. Kein Soli-Zuschlag mehr ab 2020. Wahlrecht ab 16. Verbesserte Mietpreisbremse. Zu Gesundheitsfragen: „Zwei-Klassen-Versorgung“ beenden, Bürgerversicherung für alle. Höhe der Krankenkassenbeiträge soll sich nicht bloß nach dem Erwerbseinkommen richten, sondern auch Kapitaleinkünfte, Mieteinnahmen und andere Einkünfte berücksichtigen. Einheitliche Honorarregelungen für Ärzte. Höhere Ausgaben für Prävention. Bessere Versorgung in strukturschwachen Gegenden. Ein Patientenrechtegesetz einführen, mit Anspruch auf Zweitmeinung vor bestimmten Behandlungen. Mehr Unterstützung für pflegende Angehörige: Recht auf Job-Rückkehr, Lohnersatzleistungen. BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN. Unbestätigten Gerüchten zufolge wurden die Grünen zur Wahl nur unter der Auflage zugelassen, sämtliche Plakate mit der hirnrissigen Phrase „Zukunft wird aus Mut gemacht“ unverzüglich abzuhängen und sich dafür beim Wahlvolk zu entschuldigen. Schwerpunkte des Wahlprogramms: 248 Seiten „Mut zur Zukunft“, und die braucht anscheinend am allerdringendsten Natur-, Tier- und Klimaschutz. Kohle- und Atomausstieg vervollständigen; erneuerbare „grüne“ Energien fördern – einschließlich der katastrophalen Umweltverschandler und Infraschallschleudern „Windkraftanlagen“; Nachtflugverbote verschärfen; Fracking-Bohrtechnik verbieten. Ab 2030 nur noch abgasfreie Autos zulassen. Industrielle Massentierhaltung binnen zwei Jahrzehnten beenden. Tierschutz soll fester Bestandteil der Lehrpläne und Lehrerausbildung werden. Ferner: Wahlfreiheit zwischen acht- und neunjährigem Weg zum Abitur; Studiengebühren abschaffen. Neues Feiertagsgesetz. Die Fahrgastzahlen im Personennahverkehr um 50 Prozent steigern. Zu Gesundheitsfragen: Nichts läge für Grüne näher als der Einsatz für die „grüne“ Naturheilkunde. Mag aber keiner. Hauptanliegen: die Zwei-Klassen-Medizin mit ihren privaten Krankenversicherungen abschaffen, denn „ärztliche Versorgung und Pflege sind ein Grundrecht jedes Menschen“. Den Begriff der Pflegebedürftigkeit erweitern, damit Demenzkranke besser versorgt werden. Kontrollierte legale Abgabe von Cannabis. Wer mag den Grünen widersprechen?: „Umwelt ist nicht alles. Aber ohne Umwelt ist alles nichts.“ Und ohne Gesundheit noch viel weniger. FDP. Woran liegt den Freiesten aller Demokaten, über die subtile Botschaft ihrer Christian-Lindner-Selbstdarstellungsorgien auf Litfasssäulen und Plakattafeln hinaus: den Vorrang der Schwarz-Weiß-Fotografie grundgesetzlich zu verankern? Schwerpunkte des Wahlprogramms: Lindner. Ferner Lindner. Und drittens Lindner. Außerdem auf 95 Seiten: Steuerentlastungen von mindestens 30 Milliarden Euro bis 2021. Soli-Zuschlag abschaffen, Mindestlohn weg. Keine Vermögens- und Finanztransaktionssteuer. Bürokratieabbau, Privatisierungen und Deregulierung. Weitere Investitionen in die digitale Infrastruktur. „Weltbeste Bildung für jeden“. Gegen neue und schärfere Sicherheitsgesetze, keine Vorratsdatenspeicherung. Für Volksabstimmungen auf Bundesebene. Gesamteuropäisches Asylrecht mit Quotensystem. Klare Regeln für Zuwanderung: Topforscher ja, "Desperados aus dem Maghreb" nein. Forschungsfeindliche Gesetze und Verordnungen ändern oder abschaffen. Mix aus Kernkraft, Kohle, Öl und Gas sowie Erneuerbaren Energien. Ein Digitalministerium einrichten. Flächendeckendes Glasfasernetz. Abrüstung. Menschenrechte entschiedener durchsetzen. EU-Aufnahmegespräche mit der Türkei beenden. Zu Gesundheitsfragen: Freie Arzt-, Krankenhaus-, Therapie- und Krankenkassenwahl. „Wohnortnahe und qualitativ hochwertige medizinische Versorgung“ für alle sichern. Detaillierte Arztrechnungen für alle Patienten, dadurch mehr Transparenz und Kostenbewusstsein. Keine als „Bürgerversicherung“ getarnte Zwangskasse. Wechsel zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung vereinfachen. Mehr Wettbewerb zwischen den Kassen. „Die Chancen des medizinischen und digitalen Fortschritts nutzen und das Gesundheitssystem an die demografische Entwicklung anpassen.“ Bürokratie und Dokumentationspflichten für Heil- und Pflegeberufe abbauen. Ökonomische Fehlanreize im System der Fallpauschalen beseitigen, Ergebnisqualität besser vergüten. Die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum verbessern. Palliativ- und Hospizmedizin ausbauen. Cannabis legalisieren. DIE LINKE. Ihr gelingt es ein weiteres Mal, ihre Mitregierungsbereitschaft mit einem Programm zu unterstreichen, das ihr künftiges Mitregieren zuverlässig erspart. Schwerpunkte des Wahlprogramms: 136 Seiten „100 Prozent sozial“, zu 100 minus x Prozent unfinanzierbar. Steuerfreibetrag anheben, Reichensteuer bis zu 75 Prozent des Einkommens, Millionenvermögen und üppige Erbschaften hoch besteuern. Mindestlohn auf 12 Euro pro Stunde anheben, Arbeitslosengeld verlängern; Arbeitszeit auf 30 Stunden verkürzen, bei vollem Lohnausgleich; Mindestsicherung, einschließlich Mindestrente, von 1050 Euro statt Hartz IV; Rentenniveau auf 53 Prozent anheben; Rente ab 65 wieder abschlagsfrei. Kindergeld anheben; Kindergrundsicherung von 573 Euro für alle; gebührenfreie Bildung, von der Kita bis zur Uni; für alle Kinder freie Fahrt in Bus und Bahn, kostenloses Essen in allen Kitas und Schulen. Flächendeckende Mietpreisbindung. Über 120 Milliarden Euro in sozialen Wohnungsbau, Bildungseinrichtungen, Krankenhäuser, Straßen und Schienen investieren. Uneingeschränktes Grundrecht auf Asyl. NATO, Verfassungsschutz und alle Geheimdienste abschaffen. Alle Auslandseinsätze der Bundeswehr beenden. EU-Sanktionen gegen Russland aufheben; keine Aufrüstung der NATO an ihrer Ostgrenze. Zu Gesundheitsfragen: „solidarische“ Gesundheitsversicherung, in die Arbeitnehmer und Arbeitgeber den gleichen Anteil einzahlen. Der Beitragssatz soll dadurch auf unter zwölf Prozent absinken. Die Zuzahlungen für Medikamente, Zahnersatz und Brillen sollen gestrichen werden. Mehr Personal in der Pflege. 160.000 neue Stellen in Krankenhäusern. Private Krankenhäuser in öffentliche Trägerschaften überführen. Fallpauschalen abschaffen. Preisgrenze für Medikamente. Versandapotheken verbieten. Aktionsprogramm? Das Wichtigste unerledigt liegenlassen. Das Bemerkenswerteste an all diesen Wahlprogrammen ist all das, was ihre Verfasser ausklammern – Bereiche, auf denen sie anscheinend keinen Handlungsbedarf sehen. Mit unserem Gesundheitswesen scheint demnach alles bestens; bloß mehr Geld, Technik, Personal fehlen hie und da. Wer das allen Ernstes glaubt, lebt auf einem fernen Planeten. Dort trifft er auf keine real existierenden chronisch Kranken, lernt keine Arztpraxis, kein Krankenhaus, keine psychiatrische Klinik von innen kennen, stattet keinen „alternativen“ Heilkundigen Besuche ab, kommt mit keinem Systemkritiker ins Gespräch. Seine Sozialkontakte beschränken sich, von seinesgleichen, Vorgesetzten und Untergebenen abgesehen, im wesentlichen auf Begegnungen mit rhetorisch beschlagenen Vertretern jener mächtigen Interessengruppen, die am Medizinsystem, wie es ist, lediglich stört, dass es nicht noch mehr Profite abwirft. Was sie von diesem System wissen, lernen sie aus den Powerpoint-Präsentationen und Hochglanzbroschüren jener Gruppen, aus Vorträgen und Gutachten ihrer angeheuerten „Mietmäuler“, aus Einflüsterungen ihrer Lobbyisten, die in Parlamenten und Ministerien mit Hausausweisen ein und aus gehen. AfD. Kommt die Alternative von einer Partei, die schon im eigenen Namen eine sein will? Was will die Alternative für deutschtümelnde Dumpfbacken, kurz AfD, über das originelle Müllkonzept hinaus, die türkischstämmige Integrationsbeauftragte der Bundes­regierung zügig in Anatolien zu „entsorgen“? Schwerpunkte des Wahlprogramms: der Hauptgefahr für die Demokratie entgegenwirken - „heimlicher Souverän ist eine kleine, machtvolle politische Oligarchie, die sich in den bestehenden politischen Parteien ausgebildet hat“. Die Macht der Parteien beschränken, Lobbyismus eindämmen. Volksabstimmungen nach Schweizer Vorbild. Germany first, Deutschland den Deutschen: „ungeregelte Massenimmigration sofort beenden“, kein Familiennachzug für Flüchtlinge, Immigranten müssen sich „anpassen“; jährliche Mindestabschiebequote. Deutsche Leitkultur statt „Multikulturalismus“. Kopftuch im öffentlichen Dienst verbieten, Burka generell in der Öffentlichkeit. Ausländerkriminalität wirksamer bekämpfen. Staatliche Anreize für Deutsche, mehr Kinder in die Welt zu setzen. Meldepflicht für Abtreibungen. Vater/Mutter/Kind als Leitbild der Familienpolitik. Den Euro-Raum verlassen, zurück zur D-Mark. Umsatzsteuer um sieben Prozent senken. Renteneintritt nach Lebensarbeitszeit, nicht nach Alter. Zu Gesundheitsfragen: Ärztliche Versorgung auf dem Land sicherstellen. Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser „durch Abbau von Investitionsstaus verbessern“. Dem „Pflegenotstand“ entgegenwirken. Darüber hinaus findet sich das wolkige Ansinnen, „alternative Medizin als Ergänzung traditioneller Medizin“ zu begreifen: „‘Alternative‘ Behandlungen (…) können bei Einhaltung von zu definierenden Qualitätsstandards eine sinnvolle Ergänzung zur herkömmlichen Medizin darstellen.“ Und wer, liebe AfD-Funktionäre, definiert diese Standards? Die Meinungsführer der Schulmedizin, die als Forscher, Berater, Autoren und Redner mehrheitlich auf den Honorarlisten von Big Pharma stehen. Von ihnen wird die AfD zu hören bekommen, dass es so einen „Standard“ gottlob längst gibt: die randomisierte Mehrfachblindstudie, welche die allerbesten „Evidenzen“ liefere – und die Alternativmedizin als unwissenschaftlichen Unfug entlarve, der höchstens Placebowirkungen entfalte. (3) „In jedem Fall ist eine ganzheitliche Betrachtung und Behandlung des Patienten notwendig, um der Zunahme von chronischen Erkrankungen und von Therapieresistenzen entgegenzuwirken.“ Solchem Betrachten und Behandeln mangelt es an „Evidenzbasierung“, wie AfD-lern von unserer akademischen Elite zügig beigebracht werden würde, falls die Alternativler jemals mitregieren würden. In dem Befund, dass „die Finanzierung unseres Gesundheitssystems in Gefahr“ ist, wird der AfD kaum jemand widersprechen. Karnevalistischen Unterhaltungswert hat freilich ihre Begründung: Als Gefahrenquellen benennt sie „die von den Kassen zu tragenden Kosten für Migranten, Flüchtlinge und Asylbewerber“, die „aus dem Ruder laufen“; außerdem „die verfehlte Zinspolitik der europäischen Zentralbank“, die schuld daran sei, dass „die kapitalgedeckten privaten Krankenversicherungen keine ausreichenden Rücklagen mehr bilden können“ (AfD-Wahlprogramm S. 59). Explodierende Preise für Arzneimittel und Medizintechnik? Die Kostentreiberei der Gesundheitslobby von Ärzten, Apothekern, Krankenhausbetreibern? Anscheinend nicht der Rede wert. Wie wäre es stattdessen mit DEUTSCHE MITTE ? Schwerpunkte des Wahlprogramms: Haben es in sich. Das „globale Finanzkartell“ müsse „unter öffentliche Kontrolle“, Banken zu „ehrlichen Dienstleistern“ gemacht werden – „Zockerei, Zins und Zinseszins werden abgeschafft“. Euro-Ausstieg. Internationale Gewerkschaftspolitik fördern. Weg mit Handelsverträgen wie TTIP, CETA, TISA. „Ungerechte und sinnlose Sanktionen“ beenden, nicht „in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einmischen“. Mehr und besser bezahlte Polizisten. Neues Ausländergesetz mit „klaren Einwanderungsregeln und niedrigen Obergrenzen“. Mehr Volksinitiativen und Volksentscheide. Unternehmen fördern, die „sozial, ökologisch, menschenfreundlich und flexibel arbeiten“, von „lokaler Wirtschaft und handwerklicher Eigenproduktion“. Unzensiertes, freies Internet. Atom-Ausstieg, Förderung Erneuerbarer Energien. „Geheimdokumente offenlegen, z.B. über Spionage, neue Technologien und außerirdisches Leben“. Damit „jeder arbeitsfähige Mensch einer Beschäftigung nachgeht“, soll es – nur für deutsche Staatsbürger - ein „Solidarisches Grundeinkommen (SGE)“ geben: „alle Beschäftigungslosen erhalten eine Liste der in ihrer Umgebung tätigen gemeinnützigen Organisatio­nen. Wer Grundeinkommen erhalten will, wählt den künftigen Wirkungskreis aus und nimmt seine Tätigkeit auf – oder setzt mit amtlicher Zustimmung eigene Ideen um.“ Eine „neue Verteidigungs­strategie“ – „Full Spectrum Defense“ soll „sicherstellen, Deutschland auf jedem Gebiet – entweder eigenständig oder im Verbund mit anderen Nationen – abschreckend verteidigungsfähig wird. Die Bundeswehr erhält insgesamt eine strukturelle Nichtangriffsfähigkeit.“ – „Große Investitionen“ in Bildung und Forschung. Familien mit Kindern „großzügig fördern“. Zu Gesundheitsfragen: Grundrecht auf „natürliche, gesunde Lebensmittel“. „Schrittweise Umstellung auf ökologische, pestizid- und gentechnikfreie Landwirtschaft“. „Die Deutsche Mitte strebt schrittweise eine kostenlose medizinische Grundversorgung für alle an. Wir stehen für ursachenbezogene ganzheitliche Heilkunde und natürliche Medizin, die sich am Menschen orientiert – bei deutlich gestärkter individueller Betreuung. Überteuerte Kartellmedizin wird durch wirkungsvollere, höherwertige und preisgünstigere natürliche Methoden ersetzt – wissenschaftlich untermauert. Aufbau ganzheitlicher Gesundheitszentren und Förderung von Solidargemeinschaften und alternativer Absicherungen im Krankheitsfall mit dem Recht auf freie Therapiewahl. Das ungerechte Abrechnungsverfahren wird stark vereinfacht. Die Zulassungsbedingungen für neue Impfstoffe, (nicht natürliche) Medikamente und Therapien werden verschärft, für zugelassene gilt eine Übergangsfrist. Die Haftungsbefreiung der Impfstoffhersteller sowie das Impf-Mobbing werden beendet. Die wahren Krankheitsursachen wie z. B. Pestizide, Umwelt- und Medikamentengifte, Elektrosmog, Junk-Food oder Luftverschmutzung werden identifiziert und Schritt für Schritt beseitigt. Profitorientierung hat im Gesundheitswesen nichts verloren. Krankenhäuser, Pflegeheime und Psychiatrien werden personell aufgestockt, die Bezahlung verbessert und menschliche Zuwendung aufgewertet. Selbstverwaltung wird allgemein gefördert. Strengere Grenzwerte für Elektrosmog und Radioaktivität.“ In weitem Bogen um Grundlegendes herum Wieso umkurven ausnahmslos alle größeren Parteien in weitem Bogen die wirklich grundlegenden Fragen, die unser überteuertes, ineffizientes Medizinsystem aufwirft? Achtzehn sogenannte „Gesundheitsreformen“ wichen ihnen beharrlich aus. Die eine oder andere Gesetzesänderung tat dem medizinisch-industriellen Komplex zwar ein bisschen weh – an entscheidende Strukturen, Weichenstellungen und Werte traute sich indes keine einzige heran, nicht einmal ansatzweise. Durchweg handelte es sich um Notwehrreaktionen auf äußerste monetäre Engpässe: leere öffentliche Kassen, malade gesetzliche Krankenversicherungen, überforderte Beitragszahler. Soweit Bundesregierungen in Versorgung und Regulierung eingriffen, ging es ausnahmslos darum, Kosten zu dämpfen und finanzielle Lasten umzuverteilen – um Themen wie Beitragshöhe, Arbeitgeberzuschüsse, Einschränkung von Leistungen, Vergütung der Leistungserbringer, Praxisgebühren, Zuzahlungen zu Arzneimitteln, Selbstbeteiligung, Ausgabenbudgets, Preisgestaltung, Festbeträge, Rationalisierung. Niemals nahm der Staat echte, dringend notwendige Reformvorhaben in Angriff: · Wann endlich entzieht er sich der Dauerbelagerung durch Lobbyisten? Wann endlich gewährt er Patienten die gleiche Chance, Gehör zu finden, wie der Pharma- und Versicherungswirtschaft, Vertretern von Ärzten und Apothekern? · Warum schiebt er der routinemäßigen Studientrickserei von Industrieseite nicht einen Riegel vor, legt Forschung und Entwicklung neuer Arzneimittel nicht ganz in die öffentliche Hand oder unterwirft sie zumindest strikter Aufsicht? · Wann überarbeitet er endlich das Patentrecht, um dessen dreistem Missbrauch durch pharmazeutische Scheininnovationen einzudämmen, die einen einzigen Zweck verfolgen: Vermarktungsmonopole aufrechtzuerhalten? · Weshalb setzt er dreister Preistreiberei nicht mit Obergrenzen ein rigoroses Ende? · Wo bleibt die seit Jahrzehnten angekündigte „Positivliste“, die Ärzten und Verbrauchern vorgibt, welche Arzneimittel wirklich hilfreich, nötig und preiswert sind? · Wo bleibt eine unabhängige „Stiftung Warentest“ für den Arznei- und Nahrungsmittelsektor? · Wann endlich verpflichtet der Staat die gesetzlichen Kassen dazu, nicht mehr für teure Originale aufzukommen, wenn mindestens ebenso wirksame, längst bewährte ältere Mittel oder Nachahmerpräparate, Generika, zu einem Bruchteil des Preises erhältlich wären? · Wieso verschärft er Antikorruptions- und Transparenzgesetze nicht drastisch? · Wann endlich zieht er Manager persönlich zur Verantwortung, wenn ihre Produkte schwere, bleibende Gesundheitsschäden anrichten? · Wieso baut er kein unabhängiges öffentliches Informationssystem auf, finanziert aus möglichen Milliardeneinsparungen im Arzneimittelsektor und dem prallgefüllten Marketingtopf der Konzerne? · Weshalb fördert er so gut wie gar nicht die Erforschung chemiefreier Behandlungsansätze, hilfreicher psychosozialer Projekte sowie selbstverantwortlicher Gesundheitsfürsorge? · Wann endlich sorgt er dafür, dass die ärztliche Aus- und Weiterbildung pharmafrei wird? · Wann endlich wird Ärzten verboten, Zuwendungen jeglicher Art von der Industrie anzunehmen? · Wann endlich wird Inhabern politischer Ämter untersagt, in die Industrie zu wechseln? · Wann bläst Berlin endlich das kläglich gescheiterte Experiment der „Selbstverwaltung“ im Gesundheitswesen ab, die seit Jahr und Tag auf die gemeinschaftliche Selbstbereicherung der beteiligten Interessengruppen hinausläuft? · Wenn Pharmazie ein Multimilliardengeschäft ist, für das staatliche Institute ohnehin einen Großteil der Grundlagenforschung leisten – weshalb macht er dieses Geschäft nicht besser gleich selbst, statt bei den Selbstbereicherungsorgien von Managern, Investoren und Aktionären tatenlos zuzusehen? Und niemals ging es bislang um brennende Grundsatzfragen wie: Worin besteht Gesundheit eigentlich? Was bedeutet Heilung? Was erhöht und sichert Wohlbefinden und Lebensqualität? Was motiviert Patienten über finanzielle Anreize hinaus, Verantwortung für das eigene Wohl-ergehen zu übernehmen, zu ihrer Genesung aktiv beizutragen? Welche präventiven Ansätze können dafür sorgen, dass Krankheiten erst gar nicht entstehen? Gibt es zu Pharmazeutika preiswertere, nebenwirkungsärmere, patientenfreundlichere Alternativen? Wie fördern und gestalten wir eine integrative Medizin, die das Beste aus unterschiedlichen Heiltraditionen und Therapierichtungen verbindet? Wie wird Humanmedizin humaner, wie befriedigt sie grundlegende menschliche Bedürfnisse? Keine Antwort ist auch eine. Mündige Bürger lernen daraus. Wie eine echte Gesundheitsreform aussähe, hat schon Mitte der neunziger Jahre Ellis Huber skizziert, damals noch Präsident der Berliner Ärztekammer: in seinem fabelhaften Buch „Liebe statt Valium“. (4) Zu Kanzlerzeiten Gerhard Schröders wäre er um ein Haar Bundesgesundheitsminister geworden, ehe Seilschaften und Klüngelrunden, die ihm fehlten, die unsägliche Andrea Fischer favorisierten - eine weitere tragische Verirrung der Berliner Ministermacher. Haben wir am 24. September "die Qual der Wahl"? Eher die Wahl der Qual. (Harald Wiesendanger) Anmerkungen 1 Nach dem „Werte-Index 2016“ des Marktforschungsinstituts TNS Infratest, http://www.wiwo.de/erfolg/coach/optimierung/werte-index-2016-was-den-deutschen-wirklich-wichtig-ist/12661298.html 2 https://www.cdu.de/sites/default/files/media/dokumente/regierungsprogramm-in-leichter-sprache-btw13.pdf 3 Mehr über die heilige Kuh der modernen Medizinforschung, die „kontrollierte Studie“, in unserer Schrift Außer Kontrolle. Warum die Stiftung Auswege „unwissenschaftlich“ verfährt – und dazu steht (2016). 4 Ellis Huber: Liebe statt Valium. Konzepte für eine neue Gesundheitsreform, München 1995.

  • Schluss mit der Pillenpsychiatrie

    Für eine echte Psychiatrie-Reform startete ich über meine Stiftung Auswege im Herbst 2017 eine Petition, die an einem 10. Oktober, dem „Welttag der psychischen Gesundheit“, im Bundeskanzleramt in Berlin überreicht werden. Dazu kam es leider nie, weil knapp über 1000 Unterstützer zuwenig waren. Den folgenden Text ließ ich sie mitunterzeichnen. Wir, die Unterzeichner, fordern die Bundeskanzlerin, die Bundesregierung, alle im Bundestag vertretenen Parteien, zuständige Bundesministerien und Ausschüsse auf: Sorgen Sie endlich für eine Psychiatrie-Reform, die ihren Namen verdient. Machen Sie Schluss mit der vorherrschenden Pillenpsychiatrie. Bewahren Sie Millionen seelisch Belastete, unter ihnen Hunderttausende von Kindern, vor bleibenden Arzneimittelschäden. Das Grundgesetz verpflichtet Sie dazu. Lassen Sie den Staat seine umfassende Schutzpflicht erfüllen – auch für die Gesundheit seiner Bevölkerung. Hindern Sie nachlässige, irregeführte oder korrumpierte Ärzte daran, weiterhin Grund­rechte zu verletzen: auf körperliche, seelische und geistige Unversehrtheit, auf das Selbstbestimmungs­recht, auf Menschenwürde. Unter­binden Sie den routinemäßigen Einsatz von Psychophar­maka, die bei minimalem Nutzen maximalen Schaden anrichten. Wir fordern ein Psychiatrie-Gesetz, das - Ärzte dazu verpflichtet, psychisch Belastete immer zuerst der erwiesenermaßen wirkungs­­vollsten Behandlungsweise zuzuführen - sozialer Unterstützung, psychologischer Beratung und Psychotherapie - und Psychopharmaka nur ausnahmsweise, kurzfristig und möglichst niedrig dosiert einzusetzen; - Ärzte und Pharma-Manager für unvollständige, verfälschte oder verschwiegene Informa­tio­nen über Risiken und Nebenwirkungen persönlich haften lässt; - Ärzten verbietet, jegliche Zuwendungen von der Pharmaindustrie anzunehmen; - Patientenrechte stärkt; - menschenunwürdigen Zwangsunterbringungen und -behandlungen ein Ende setzt; - Laien- und Selbsthilfe fördert, statt einseitig auf professionelle Angebote zu setzen; - die willkürliche psychiatrische Diagnostik beseitigt; - die ärztliche Aus- und Fortbildung von Industrieeinflüssen befreit. Wir fordern, im Gesetzgebungsverfahren auf unabhängige Experten zu setzen – und Personen davon auszuschließen, die finanzielle Verbindungen zur Pharmaindustrie einge­gan­gen sind. Wir fordern verschärfte Antikorruptions- und Transparenzgesetze für alle an der Erforschung, Begutachtung, Zulassung und Anwendung von Arzneimitteln Beteiligten. Wir fordern einschneidende Korrekturen am politischen System, um den allgegenwärtigen Lobbyismus zurück­zudrängen, der den Psychiatrienotstand mitverschuldet. Das Grundgesetz (Art. 2 Abs. 2) garantiert jedem Bürger „das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit“. Wie das Bundesverfassungsgericht 1981 befand, gilt dies auch für die psychische Gesundheit. Daraus erwächst dem Staat eine umfassende Schutz­ver­pflich­tung. Auch im psychiatrischen Bereich unseres Gesundheitswesens sollte er sie endlich wahrnehmen. Im Einzelnen Die bisherige „Psychiatrie-Reform“ greift viel zu kurz. Der Reformprozess, den die Psychiatrie-Enquête von 1975 einleitete, hat die Lage psychisch belasteter Menschen in Deutschland durchaus verbessert. Er führte zu mehr Personal in psy­chia­­trischen Kliniken, modernisierten und verkleinerten Anstalten, mehr psychiatrischen Ab­tei­lungen in Allgemeinkrankenhäusern; zu kürzerer Verweildauer; zu mehr psychologischer Hilfe, mehr Tageskliniken, Ambulanzen und Beratungsstellen, mehr sozialpsychiatrischen Diensten, mehr betreuten Wohnformen, Heimen und Werkstätten. Aber besser als katastrophal ist nicht gleich gut und ausreichend. Nicht nur finden immer noch menschenunwürdige Zwangseinweisungen und -behandlungen statt. Auch andere grund­legen­de Probleme bestehen fort. Inzwischen sperrt die Psychiatrie zwar seltener und kürzer weg – doch weiterhin vergiftet sie, außerhalb ihrer Einrichtungen noch ausgiebiger als drinnen. Die chemi­sche Zwangsjacke ist gang und gäbe. Immer mehr psychisch Belastete geraten in die Mühlen eines Medizinbetriebs, der ihnen immer früher und immer länger hochtoxische Substanzen einflößt. Dafür sorgen: eine Über­diagnostik, die bloßes Anderssein und zeitweilige Befindlichkeitstiefs zu Krankheiten, Auf­fällige zu Patien­ten stem­pelt; das Vorherrschen einer Behandlungsweise, die auf synthetische Drogen setzt; mangelnde Aufklä­rung über wirksamere, risikoärmere, kosten­günstigere und humanere Alter­nativen. Verant­wortlich dafür ist in erster Linie die innige Verflechtung der Psychiatrie mit der Pharma­indu­strie. Sie macht Ärzte zu Erfüllungs­gehilfen von Profitinter­essen: mög­lichst viele Menschen für krank zu erklären und ihnen Arzneimittel­ zu verabrei­chen, die sie kaum je brauchen; an Gesunden gibt es schließlich nichts zu verdienen. Diese Praxis breitet sich seit längerem wie ein Krebsgeschwür in unserer Gesellschaft aus. Die Folgen sind: schwere, oft unumkehr­bare Schäden an Körper, Geist und Seele bei medika­mentös Behandel­ten; mensch­liche Tragö­dien zuhauf; immer mehr frühverrentete Psycho­invalide; ein immenser volks­­wirt­schaftlicher Scha­den. Nach wie vor gilt jener lapidare Satz, mit dem vor 43 Jahren die Psy­chiatrie-Enquete begann: „Die Versorgung psychisch Kranker und Behinderter in Deutsch­­land ist dringend verbesse­rungs­bedürftig.“ Die Reform ist in halbherzigen Ansätzen stecken­geblie­ben. Es ist an der Zeit, die wahren Miss­stände zu benen­nen und auszuräumen. Wir brauchen radikale Ver­ände­rungen. Das Versagen des Systems schreit nach Revolution. Ihnen wird vorgemacht: - Psychische Störungen greifen neuerdings geradezu epidemisch um sich. - Ihre Behandlung erfordert Arzneimittel. - Psychopharmaka sind wirksam, sicher und gut verträglich. - Um Patienten mit immer besseren Medikamenten zu versorgen, investieren Arzneimit­tel­hersteller Milliardensummen in Forschung und Entwicklung – daher die hohen Preise. Nichts davon stimmt. Bitte nehmen Sie zur Kenntnis: - Psychiatrie ist keine evidenzbasierte Medizin. Solide Forschung widerlegt ihre grund­legenden Studien, Hypothesen und Vorstellungen. - Seit den fünfziger Jahren haben psychische Störungen mitnichten zugenommen, wie Metaanalysen hunderter von Studien belegen. Was hingegen explosionsartig anstieg, ist die Anzahl der gestellten Diagnosen, von ADHS über Autismus, Depression, bipo­lare, Angst- und Anpassungsstörung bis hin zu Schizophrenie. Mittlerweile erklären Fachleute bereits jeden dritten Deutschen für „psychisch gestört“ und therapie­bedürf­tig; mehrere Millionen werden ambulant versorgt, 1,2 Millionen stationär. 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung schlucken Antidepressiva, Neuroleptika, chemische Angst­löser, An­re­ger oder Beruhi­ger. Schon jedes zehnte Kind erhält Psychopharmaka, über 50.000 befinden sich in psychiatri­schen Einrichtungen. - Für die vermeintliche Psycho-Epidemie sorgen die weltweit verbindlichen Diagnose-Handbücher DSM und ICD. Mit jeder Neuauflage führten sie weitere „Krankheiten“ ein­, senkten die Schwellenwerte für bekannte ab – nicht aufgrund von objekti­ven Befunden, sondern per Mehrheitsbeschluss. In den dafür verantwortlichen Kom­mis­sionen überwiegen Fachleute, die sich von Pharmaherstellern bezahlen lassen. Je verwäs­ser­ter die Diagnostik, desto mehr Menschen erfüllen ihre Kriterien – desto mehr lassen sich zu Arzneimittelkonsumenten machen. Darauf abzielend, erweisen sich ICD und DSM als willkürliche, schädliche und überflüssige Industrie­produkte. Sie stigmatisieren und grenzen aus. Es ist aber normal, von der Norm abzuweichen. Anderssein ist keine Krankheit. - Die herkömmliche Psychiatrie hängt einem reduktionistischen Menschenbild an, das Patienten zu defekten Biomaschinen mit „Stoffwechselstörungen im Gehirn“ herabwürdigt. Aber psychische Krisen haben Gründe, nicht bloß Ursachen; sie sind subjektiv sinnhafte Lebens­phasen, die aus der einmaligen Geschichte der Betroffenen, ihrer besonderen Situati­on, ihren Ein­schrän­kun­gen und Ressourcen heraus verständ­lich und behandelbar sind – natürliche, zumeist angemessene Reaktionen auf äußeren oder inneren Stress, unter dem nicht zu leiden geradezu „gestört“ wäre. - In der Medikalisierung psychischen Andersseins, wie auch in der Professionalisierung des Helfens, spiegelt sich ein expertengläubiger Zeitgeist, der es Betroffenen erschwert, eine Grund­­vor­aus­set­zung fürs Heilwerden zu schaffen: Eigenverantwor­tung zu überneh­men. „Ande­re müssen mich gesund machen. Ich und meinesgleichen können das nicht.“ - Eine Fülle von Studien belegt mittlerweile: Bei allen Arten von psychischen Störun­gen, in nahezu jedem Stadium, sind Psychotherapie, soziale Unterstützung, Selbsthilfe und empathischer Laienbeistand Medikamenten mindestens ebenbürtig, wenn nicht überlegen. Ohne Psychopharmaka genesen Patienten im allgemeinen rascher, kommen Rückfälle seltener vor. - Der Schlüssel zum Behandlungserfolg sind sogenannte „unspezifische Wirkfaktoren“, unabhängig von den eingesetzten Methoden. Laienhelfer wie Fachkräfte sind erfolg­reich, wenn sie dem Hilfesuchenden respektvoll als Person begegnen, seine Würde achten; mit ihm einen authentischen, offenen Dialog eingehen; seine Bedürfnisse und Inter­essen, seine ausgeprägte Sensibilität und andere wertvolle Fähigkeiten berücksichti­gen; sein Denken und Empfinden vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen, sei­ner einmaligen Geschichte, seinen besonderen Lebensumständen verstehen; die Kränkung hinter der Krankheit begreifen; sich an seiner „Störung“ nicht stören; ihn nicht auf vorhandene Symptome und Defizite reduzieren; ihn stärken und anleiten, auf vorhandene Ressour­cen aufbauend, statt aufs Reparieren aus zu sein; sich für all das die nötige Zeit nehmen. - Weil Pharmakonzerne Forschungsergebnisse in großem Stil manipulieren oder verschwei­gen, wird der Nut­zen von Psychopharmaka bei weitem überschätzt, Gefah­ren verharmlost. Tatsäch­lich erhöhen Psychopillen bei längerem Gebrauch das Risiko drastisch, schwe­ren körperlichen, geistigen und seelischen Schaden zu nehmen: von Überge­wicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes über Hirnschwund und damit einher­gehenden kognitiven Einschränkungen bis hin zu unumkehrbaren motori­schen Schä­den. Sie machen müde, lustlos, antriebslos, desinteressiert. Sie stumpfen emotional ab, verändern die Persönlichkeit tiefgreifend, senken die Lebenserwartung. „Para­doxe Reaktionen“ wie erhöhte Depression, verstärkte Ängste, innere Unruhe und un­be­zähmbarer Bewegungsdrang („Akathisie“), zunehmende Gewalttätig­keit, Amokläufe, Suizid­versu­che und Selbstmorde kommen viel häufiger vor als offiziell behaup­tet. Von Psycho­phar­maka loszukom­men, fällt mitnichten leichter als ein Entzug von „harten“ Drogen, „Absetz­psychosen“ keine Ausnahme, ein Rückfall in die Medikamen­ten­sucht häufig. - „Antipsychotika“ hießen besser „Antipsychika“ – auf die Dauer deformieren sie die Psyche. Oder „Anti­sexualia“ – sie ruinieren das Sexualleben. Oder „Antihumanika“ – sie beein­träch­tigen spezifisch menschliche Fähigkeiten wie Urteilsvermögen und Krea­­ti­vi­tät. - Psychopharmaka erschweren, ja vereiteln Heilung. Sie übertünchen Symptome, statt deren Gründe zu beheben. Sie behindern auf­deckende Psychothera­pie, vernebeln Einsichtsfähigkeit, schwächen Motivation und Eigenverantwortung, unter­drücken Selbsthei­lungs­kräfte, chronifizie­ren vorübergehende Tiefs, hindern psycho­ti­sche Prozesse an der Rückbildung. - Gegen die ärztliche Informationspflicht wird in der Psychiatrie routinemäßig verstoßen. So gut wie nie werden Patienten und Angehörige umfassend über bekannte Risiken, Nebenwirkungen und Behandlungsalternativen aufgeklärt. Wären sie im Bilde: Keiner würde bei klarem Verstand einem langfristigen Einsatz von Psychophar­ma­­ka zustimmen. - Nach Krebs und Herzinfarkten sind Arzneimittel in der westlichen Welt die dritthäufigste Todesursache. Medikamentös ausgelösten Selbstmord eingerechnet, brach­ten allein Psychopharmaka dort seit der Jahrtausendwende 8,8 Millionen Menschen um, wie Experten schätzen. - Alle Psychopharmaka wurden aufgrund von Studien zugelassen, die im Auftrag der Hersteller stattfanden. Deren Motive, verkaufsschädigende Fakten zu verschweigen, liegen auf der Hand. Die Liste der Firmen, die bereits wegen irreführender Marketingpraktiken rechtskräftig verurteilt wurden, liest sich wie das Who Is Who der Branche. Deshalb ist ihr nicht zu trauen. - Zulassungsstudien enden nach wenigen Wochen und Monaten. Über langfristige Folgen geben sie keinen Aufschluss. Deren ganzes Ausmaß zeigt sich oft erst nach Jahrzehnten. - Statistiken belegen: Je mehr seelisch Belastete psychopharmazeutisch behandelt werden, desto mehr Langzeitpatienten gibt es unter ihnen; desto länger werden Phasen zeitweiliger Arbeitsunfähigkeit, desto häufiger sind Frühverrentungen – mit volkswirtschaftlichem Multimilliarden­schaden. Parallel zu sprunghaft ansteigenden Psycho­phar­ma­ka-Verordnungen hat sich seit den fünfziger Jahren die Zahl krankheitsbeding­ter Fehltage wegen psychischer Nöte verfünffacht, ihr Anteil an sämtlichen Fällen vorübergehender Arbeitsunfähigkeit versiebenfacht, die durchschnittliche Dauer auf 38 Tage erhöht. Der Anteil der Personen, die bei angeblich immer besserer psychiatri­scher Versorgung wegen eines seelischen Leidens vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden, stieg seit Anfang der neunziger Jahre von 14,5 auf 41,9 Prozent. - Auf Forschung und Entwicklung entfallen in Wahrheit lediglich 10 bis 15 Prozent der horrenden Profite, die Pharmakonzerne erzielen. Der Löwenanteil landet in einem gigantisch gefüllten Marke­tingtopf, dank Jahresumsätzen jenseits der Billio­nengrenze und traumhaften Gewinnspannen bis zu 40 Prozent. Aus ihm werden prak­ti­zierende Ärzte, Medizinprofessoren, Klinikleiter, Kom­missions­mitglieder, Veranstal­ter, Fachgesellschaften, die Opinion Leaders des Fachs ebenso großzügig bedacht wie PR- und Werbeagenturen, Redakteure, freie Journalisten und Buchauto­ren, Betreiber von Inter­net­portalen, Foren und Blogs, Administratoren von Online-Enzy­klopädien, Patientenorganisatio­nen, ein Heer von Lobbyisten und Pharmareferen­ten. All diese Erfüllungsgehilfen sorgen in der Öffentlichkeit, unter Hilfe­suchenden und ihren Angehörigen, innerhalb der Medizin, aber auch bei politisch Verantwort­lichen für ein grotesk verzerrtes Bild der wahren Verhältnisse. Sie tragen dazu bei, Kritiker und Anbieter alternativer Ansätze zu diskreditieren. - Keine polemische Zuspitzung, sondern ein nüchterner juristischer Befund: Das psychiatrische Versorgungssystem, wie weitere Bereiche unseres Gesundheitswesens, erfüllt die Hauptkriterien organisierter Kriminalität. Dagegen muss ein Rechtsstaat entschlossen vorgehen, statt auf die Selbstheilungskräfte des freien Marktes zu bauen. Verschaffen Sie sich ein eigenes Bild vom psychiatrischen Versorgungsnotstand. Vertrauen Sie keinem Gesprächspartner, ohne seine Interessenkonflikte zu berücksichtigen. Lassen Sie sich nicht länger von Lobbyisten beeindrucken, die Sie unablässig umlagern und bedrängen. Seien Sie skeptisch gegenüber den Meinungsführern der Ärzteschaft - als Berater, Sprecher, Autoren, Forscher stehen sie nahezu ausnahmslos auf den Honorarlisten von Arznei­­­mittel­unter­nehmen. Ein Großteil der Organisationen und Initiativen, die Patienten „aufzu­klären“ und deren Inter­essen zu vertreten vorgeben, hängt am Tropf der Pharma­indu­strie. Lassen Sie unabhängige Einrichtungen Stellung nehmen, die Ihnen ein unverzerrtes Bild vom aktuellen Forschungsstand, von den tatsächlichen Möglichkeiten, Grenzen und Gefahren der Psychiatrie, von verfügbaren Alternativen verschaffen - wie etwa die Cochrane Collaborati­on, die Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP), das Institut für Sozialpsy­chia­trie der Universität Greifs­wald, die Stiftung Auswege. Lassen Sie erfahrene Mediziner zu Wort kommen, die sich entsetzt vom psychiatrischen Main­stream abgewandt haben, wie etwa Dr. med. Volker Aderhold, Dr. med. Marcia Angell, Dr. med. Peter Breggin, Dr. med. Peter Gøtzsche, Dr. med. David Healy, Dr. med. Irving Kirsch, Dr. med. Joanna Moncrieff, Dr. med. Marc Rufer, Dr. med. Josef Zehentbauer. Verschaffen Sie sich, am besten incognito, einen persönlichen Eindruck davon, wie in übli­chen psychiatrischen Praxen, Kliniken und Ambulanzen tatsächlich mit Menschen verfahren wird, die aus dem inneren Gleichgewicht geraten sind. Sie würden Zeuge einer weitgehend sprach- und herzlosen „Fünf-Minuten-Medizin“, die Checklisten abarbeitet, um Diagnose-Etiketten zu verteilen und Bezugs­scheine für synthetische Drogen auszustellen. Im stationären Rahmen zählt individuelle psycho­logische Betreuung, zumeist höchstens 45 bis 90 Minuten pro Woche, zum bloßen Beiwerk einer überwachten Pillenverfütterung; die Verwahr- ist zur Vergiftungs­psychiatrie geworden. Besuchen Sie Kliniken, Einrichtungen und Modellprojekte, die psychisch Angeschlagenen erfolgreich mit Zuwendung und Empathie, sozialer Unterstützung und der Stärkung innerer Ressourcen helfen statt mit Pillen – beispielsweise die Median-Klinik in Bad Gottleuba, die sysTelios-Klinik in Wald-Michelbach, die Habichts­wald-Klinik in Kassel. Lassen Sie sich direkt von ehemaligen Psychiatrie-Patienten berichten, hören Sie Vertreter ihrer Betroffe­nen­organisationen an, z.B. des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener (BPE). „Willst du etwas wissen, so frage einen Erfahrenen, keinen Gelehrten“, sagt ein chinesisches Sprichwort. Verschaffen Sie sich einen Überblick über den tatsächlichen Forschungsstand, die verhängnis­volle Industriebindung der herkömmlichen Psychiatrie, die verheerenden Schäden, die sie bei Betroffenen anrichtet. Dazu eignen sich zusammenfassende Bücher wie Dr. med. Marcia Angell: Der Pharma-Bluff (2005); Dr. med. Peter R. Breggin: Giftige Psychiatrie, 2 Bände (1996/97); DGSP (Hrsg.): Eine Generation wird krankgeschrieben (2013); Dr. med. Peter Gøtzsche: Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität (2014), Tödliche Psychopharmaka (2016); Dr. med. David Healy: Let Them Eat Prozac (2004); Irving Kirsch: The Emperor's New Drugs: Exploding the Antidepressant Myth (2009); Peter Lehmann: Schöne neue Psychiatrie, 2 Bände (1996); ders. mit Peter Stastny (Hrsg.): Statt Psychiatrie, 2 Bände (1993, 2007); Dr. med. Joanna Moncrieff: The Myth of the Chemical Cure: A Critique of Psychiatric Drug Treatment (2007), The Bitterest Pills (2013); Marc Rufer: Irrsinn Psychiatrie (1988, 4. Aufl. 2009); Robert Whitaker: Mad in America (2001), Anatomy of an Epidemic (2010); Dr. Harald Wiesen­­danger: Das Märchen von der Psycho-Seuche (2017), Seelentief: ein Fall für Profis? (2017), Unheilkunde. Die 12 Märchen der Psychiatrie – Wie eine Pseudo­medizin Hilfe­­­suchende täuscht (2017), Die Krankmacher (2018); Josef Zehentbauer: Chemie für die Seele (1986, 11. Aufl. 2010). Lesen Sie, was frühere Pharma-Manager über die üblichen Machenschaften der Branche und ihre Instrumentalisierung der Psychiatrie enthüllten, z.B. John Virapen: Nebenwirkung Tod (4. Aufl. 2008) und Peter Rost: The Whistleblower: Confessions of a Healthcare Hitman (2006). Stellen Sie die entscheidenden Fragen: Warum nehmen psychische Störungen zu, je mehr Psychiater es gibt? Wäre eine psychische Störung nichts weiter als ein „biochemisches Ungleichgewicht im Gehirn“: Wieso hat kein Psychiater jemals irgendeine Diagnose aufgrund eines neurologi­schen Befunds erstellt? Gibt es irgendein anderes Fachgebiet der Medizin, in dem Ärzte eine langfristige symptoma­tische Behandlung befürworten würden, ohne zu wissen, was die Symptome hervorruft? Warum werden „psychische Störungen“ immer langwieriger und gravierender, wo doch die eingesetzten Arznei­mittel nicht bloß ständig teurer, sondern angeblich immer besser gewor­den sind? Warum dauern sie umso hartnäckiger an, je früher, je höher dosiert, je länger sie mit Psycho­pharmaka behandelt werden? Warum verkürzen Psychopharmaka nicht die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in psychia­tri­schen Einrichtungen? Wieso kommt man im allgemeinen schneller heraus, wenn man auf sie verzichtet? Wieso verlaufen Psychosen in Entwicklungs- und Schwellenländern, mit dürftiger bis keiner psychiatrischen und psychopharmazeutischen Versorgung, im allgemeinen glimpflicher und kürzer? Weshalb kommen Rückfälle dort seltener vor? Warum wirkt kein einziges Psychopharmakon indikationsspezifisch, d.h. gezielt bei jener Art von „Störung“, gegen die es verordnet wird? Wirklich „selektiv“ ist keines. Bei den unter­schied­lichsten Krankheitsbildern lösen sie Anspannung und Angst, hellen die Stimmung auf, steigern den Antrieb, dämpfen oder beruhigen. Die Phar­ma­­psychiatrie verkauft demnach Schrot­flinten als Hochpräzisionsgewehre. Was hielten Sie von einem Schlüs­sel­dienst, der mit Brecheisen und Vorschlag­hammer an­rücken muss, weil er über keinen einzigen passenden Schlüssel verfügt? Warum geht es medikamentös Behandelten auf lange Sicht schlechter als anderen? Warum kommen Rückfälle unter ihnen häufiger vor – im Durchschnitt aller vorliegenden Studien in 60 Prozent aller Fälle, gegenüber 30 Prozent bei Psychotherapie? Warum sind Betroffene, denen Psychopharmaka erspart bleiben oder die frühzeitig darauf verzichten, auf lange Sicht besser dran? Warum haben parallel zu sprunghaft steigenden Verordnungszahlen von Antidepressiva, Neu­ro­leptika und anderen Psychopharmaka schwere, chronische Verläufe bei psy­chisch Belaste­ten dramatisch zugenommen? Warum bringen Psychopharmaka überhaupt schlimme Nebenwirkungen und Langzeitschäden mit sich, wo sie angeblich doch „gezielt“ jenes „biochemische Ungleichgewicht“, jene „Stoff­wechsel­störung im Gehirn“ beheben, die der psychischen Störung zugrunde liegt? Wenn Psychopharmaka der „neuen Generation“ angeblich nicht süchtig machen: Weshalb führen Versuche, von ihnen loszukommen, dann zu schwersten Entzugserscheinungen und „Absetzpsychosen“? Warum verkürzt langfristige Psychopharmaka-Behandlung die durchschnittliche Lebenserwar­tung um 25 Jahre? Warum starben in Deutschlands psychiatrischen Kliniken, unter ständiger fachärztlicher Auf­sicht und medikamentös „optimal“ versorgt, in den vergangenen 20 Jahren über 57.000 Pati­en­ten, deren Krankheiten unbehandelt nur selten tödlich enden? Warum werden Zwangsbehandelte in Deutschland durchschnittlich 10 Stunden fixiert, in England hingegen bloß 20 Minuten? Warum setzen fast alle Psychiater auf synthetische Chemie, obwohl die Therapieforschung seit langem belegt, dass andere Behandlungsansätze im allgemeinen hilfreicher sind, zudem weitaus risiko­ärmer? Warum machen Psychiatriepatienten mit Psychopharmaka überwiegend Erfahrungen, die den behaupteten Wirkungen in industriefinanzierten Zulassungsstudien, Expertengutachten und der Fachliteratur krass zuwiderlaufen? Warum erklärt nur jeder Zehnte, ihm sei in der Psy­chia­trie geholfen worden? Wieviele psychisch Belastete würden bei klarem Verstand jemals einer längerfristigen Phar­makotherapie zustimmen, wenn sie vollständig über alle mittlerweile bekannten Risiken und Nebenwirkungen, über die Erfolgsaussichten aller verfügbaren Behandlungsalter­nati­ven aufge­klärt würden? Würde ein Psychiater selber die Chemikalien schlucken oder seinem eigenen Kind ein­flößen, die er seinen Patienten verschreibt? Welches Interesse an möglichst häufigen, möglichst raschen Genesungen sollte ein Industrie­zweig haben, der davon lebt, dass möglichst viele Menschen krank sind und es möglichst lange bleiben? Warum verhält es sich mit dem psychopharmazeutischen Heilerfolg wie mit dem Yeti? Manche glauben, es gebe ihn, aber keiner hat ihn je gesehen. Sorgen Sie für notwendige Gesetze und Verordnungen – im psychiatrischen Bereich … - Anstelle chemischer Keulen benötigen psychisch Belastete offene Ohren, mitfühlende Herzen und helfende Hände. Inner- wie außerhalb psychiatrischer Ein­rich­tungen dür­fen Psychopharmaka nur noch notfalls, bloß kurzfristig und möglichst niedrig dosiert zum Einsatz kommen, nachdem chemiefreie Ansätze geschei­tert sind. Was das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizin­produkte (BfArM) im Herbst 2009 auf Druck der Europäischen Kommission zur Risikobewer­tung für den Sonderfall von Stimulan­zien wie Methylphenidat (Ritalin) umsetzte und den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) zu einer geänderten Arzneimittelricht­linie veranlasste, muss für Psychophar­ma­ka allgemein gelten: Die Behandlung hat ohne Medikamente zu beginnen; verord­net werden dürfen sie nur noch in Ausnahme­fällen. - Verbieten Sie inbesondere, Kindern Psychopharmaka zu verabreichen, mit sehr seltenen Aus­nahmen. Ihr noch unausgereiftes Gehirn mit Chemikalien zu schädigen, ist nicht weni­ger verwerflich und folgenschwer, als sie zu misshandeln oder sexuell zu missbrau­chen. Statt Anti­depres­si­va, Neuroleptika und Stimulanzien benötigen sie ein heiles Um­­­­feld in Familie und Schule, aufmerksame Begleitung und Anleitung, ein­fühl­samen Beistand bei Trau­ma­ta und Krisen. - In Alten- und Pflegeheimen werden, meist ohne medizinische Indikation, Psycho­pharmaka einge­setzt, um anstrengende Senioren ruhigzustellen. Jeder fünfte Insasse erhält Neuroleptika, jeder dritte Antidepressiva; unter Dementen sind es sogar 40 Prozent. Das ist unverantwortlich – und ohne informierte Zustimmung der Betrof­fe­nen bzw. ihrer Angehörigen kriminell. Schieben Sie dieser gängigen Praxis einen Riegel vor. - Fördern Sie psychologischen Beistand durch mobile Krisendienste, ambulante und teilstationäre Einrichtungen, Beratung und Unterstüt­zung von überforderten Angehörigen; Daueraufenthalte in psychiatrischen Kliniken erübrigen sich dadurch zumeist. - Sorgen Sie dafür, dass Ärzte gesetzlich verpflichtet werden, psychisch Belastete zuallererst der nachweislich wirkungsvollsten und weitaus unschädlicheren Behandlungs­­weise zuzuführen: einer Psychotherapie. Und stellen Sie sicher, dass diese aus­reichend angeboten wird. Was nützt ein Rechtsanspruch auf Psycho­­therapie, auf einen Termin innerhalb von vier Wochen nach Anfrage, solange zu­wenige Anbieter hoffnungs­los überfordert sind? - Das soziale Umfeld von psychisch Belasteten muss über seine maßgebliche Rolle aufgeklärt, an der Behandlung beteiligt und ausreichend unterstützt werden. - Selbsthilfe ist oftmals möglich, wirksam und kostengünstiger als professionelle Beratung und Behandlung, wie die Erfolge von Einrichtungen wie der Telefonseel­sorge oder den Anonymen Alkoholikern belegen. Sie verdient erheblich größere staatliche Förderung. - Psychiatrie-Erfahrene müssen in die Beratung, Behandlung und Betreuung von Patienten einbezogen, an der Entwicklung von Qualitätskriterien für psychiatrische Maßnah­men und deren Qualitätskontrolle beteiligt werden. - Laienhilfe muss aufgewertet und gefördert werden, sie kann Fachkräftemangel ausgleichen. Was vergleichende Therapie­forschung seit langem belegt, bestätigt sich seit 2007 in den Therapiecamps der Stif­tung Auswege: Bei psychischen Störungen aller Art erreichen empathische, lebens­erfah­re­ne, kommunikativ geschickte, weise Psychoamateu­re binnen einer Woche in der Regel mehr als professionelle Psycholo­gen, Psy­cho­­the­ra­­­peu­ten und Psychiater zuvor. Die Verberuflichung des Helfens bei seelischen Nöten ist nicht die Lösung, sondern Teil des Problems. Sie missachtet und entwertet ein gewaltiges therapeutisches Potenzial. So bedeutet „ambulante Ver­sor­gung mit Psy­cho­therapie“ fak­tisch: wöchentlich ein 50-minütiger Termin bei einem Profi. Doch was ist mit den übri­gen 10.000 Minuten pro Woche? - Gesetzliche Krankenkassen vergeuden Unsummen für Medikamente, ohne die es den Versicherten besser ginge. Für die Pharmakotherapie „psychischer Störungen“ sollten sie nur noch aufkommen, nachdem sich andere Hilfsangebote als unwirksam erwiesen haben – Einsparungen in Milliardenhöhe wären dadurch möglich. - Menschenunwürdige Zwangsbehandlungen und zwangsweise Unterbringungen müssen ein Ende haben. Sie traumatisieren; sie erschweren Heilung; und sie verletzen Grund­rechte, wie der Europäische Gerichtshof bereits 2005 urteilte. - Die „Prinzipien für den Schutz von Personen mit geistigen Krankheiten“, welche die UN-Generalversammlung 1991 verabschiedete, müssen endlich vollständig umgesetzt werden. - Im Interesse von Hilfesuchenden sollten Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen Pflicht werden, Behandlungsvereinbarungen zu rechtswirksa­men Verträgen. Sie sind nicht unwichtiger als eine gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung. - Therapeutische Partnerschaft setzt Gleichberechtigung voraus. Die Rechte von Psychia­­­trie­­betroffenen müssen auf allen Entscheidungsebenen gestärkt, Machtgefälle abgebaut werden. - Wir brauchen ein Gesetz, nach dem Ärzte persönlich haften müssen, wenn sie ihrer umfassenden Aufklärungspflicht nicht nachkommen; das ganze Ausmaß von Psychophar­ma­ka-Risiken und verfügbare Behandlungsalternativen verschweigen; wenn ihre langfristige Verordnung von psycho­tropen Substanzen zu bleibenden Schä­den an Leib und Seele führt. - Auch in psychiatrischen Fällen dürfen Ärzte Befundberichte, Patientenblätter und sonstige Akten nicht unter Verschluss halten. Was sie warum mit welchem Ergebnis veranlassten, müssen Betroffene, zumindest aber ihre Angehörigen nachvollzie­hen können. Allzuoft wird die Herausgabe von Unterlagen nicht verweigert, um den Pati­enten zu schüt­zen, sondern um sich Diskussionen zu ersparen, um Kunstfehler zu vertuschen und Prozessrisiken vorzu­beugen. - Sorgen Sie dafür, dass Ärzte von der Pflicht zur Diagnoseverschlüsselung psychischer Belastungen nach ICD befreit werden, ändern Sie das Sozial­gesetzbuch entsprechend (SGB V, §295 und 301). Betroffene dürfen nicht länger voreilig patholo­gisiert, mit fragwürdigen Diagnose-Etiketten versehen, zu „Patienten“ gestempelt und einer brandgefährlichen Pillenmedizin zugeführt werden. - Verhindern Sie, dass die zunehmende Digitalisierung der Medizin daraus einen Automa­tismus macht: mit aufgerüsteten Smartphones als Taschen-Ärzten, deren Algorithmen einer Sofortdiagnose – mittels Checklisten und Sensoren – eine psychiatrische Therapie­­empfeh­lung folgen lassen. - Verweigern Sie Massen-Screenings auf vermeintliche „Vorzeichen“ und „Früh­stadi­en“ psychischer Erkrankungen die Zustimmung. Ihnen mangelt es an wissenschaft­licher Absicherung. Ihren vehementesten Fürsprechern liegt vornehmlich daran, den Absatzmarkt für Psycho­pharmaka zu erweitern. - Hilfesuchende vertrauen in hohem Maße Patientenorganisationen, die sich zu einem Groß­teil von der Arzneimittelindustrie sponsern lassen; dafür zeigen sie sich durch pharma­freundliche Informationen und Empfehlungen erkenntlich. Sorgen Sie dafür, dass solche Einrichtungen in Internetauftritten, in Drucksachen, bei Veranstaltungen unübersehbar offenlegen müssen, von wem sie wofür wieviel Geld erhalten. … wie im Gesundheitswesen allgemein: - Zerstreuen Sie den Eindruck, Arzneimittelbehörden seien ein verlängerter Arm der Pharmaindustrie. Lassen Sie das Zulassungsverfahren ändern. Veran­lassen Sie, dass die Anforderungen an Beweise für Nützlichkeit und Unbedenklichkeit von Medika­menten verschärft werden, gefährliche Produkte mit fragwürdigem Mehr­wert aus den Apotheken ver­schwin­den, neue erst gar nicht dorthin gelangen. Ehe sie auf den Markt kommen, müssen sie mit den besten verfügbaren Alternativen verglichen werden, nicht bloß mit weiteren Chemikalien oder Placebos. Die überzeu­gendste Evidenz da­für, was sie bringen und anrichten, liefern im übrigen nicht praxis­ferne, fehler­anfäl­li­ge, leicht manipulierbare „kontrollierte Studien“, sondern die übereinstimmenden Erfah­­run­gen derer, die sie über längere Zeit einnehmen. - Nicht die Hersteller, sondern Arzneimittelbehörden sollten entscheiden, welche Institute Medikamente prüfen dürfen. Klinische Studien sind eine öffentliche Aufgabe, sie haben dem Gemeinwohl zu dienen. Deshalb gehören sie in die Hände unabhängi­ger akademischer Einrichtungen. - Alle klinischen Daten über Arzneimittel müssen öffentlich zugänglich sein. Betriebsgeheimnisse dürfen nicht schwerer wiegen als die Volksgesundheit. - Jeder Beipackzettel sollte den Hinweis enthalten: „Es ist nicht nachgewiesen, dass dieses neue Medikament besser ist als schon verfügbare. Über seine unerwünschten Neben­wirkungen, einschließlich der tödlichen, wissen wir viel weniger als bei jahre­lang erprobten. Es fehlen Beweise dafür, dass erhebliche therapeutische Vorteile sei­nen erheblich höheren Preis rechtfertigen. Im allgemeinen ist es ratsam, schon länger eingesetzte Arzneimittel zu bevorzugen, weil viele neue nachträglich wegen Sicherheitspro­ble­men vom Markt genommen werden.“ - Um der Medikalisierung der Heilens entgegenzuwirken, muss die Aus- und Weiterbildung von Ärzten frei von Pharmaeinflüssen erfolgen. - Die herkömmliche Medizin baut weitgehend auf industriegeförderter Medikamentenforschung. Verantwortliche Forschungspolitik muss ausreichende Mittel bereit­stellen, die Potenziale von vielversprechenden anderen Therapieformen zu ergründen. - Die Anwendung von offenkundig hilfreichen chemiefreien, eindeutig gefahrloseren Behandlungs- und Betreuungs­ansätzen muss finan­ziell gefördert werden. - Humanmedizin muss zuallererst eines sein: human. Das erfordert Ärzte, die sich Zeit nehmen, zuhören, sprechen, verstehen und mitfühlen – ihre Patienten als ganze Personen achten und behandeln, statt sie als reparaturbedürftige Biomaschinen abzufertigen. Die Gebühren­ordnung muss Anreize dazu schaffen. Wozu verleiten wir einen Zimmer­­mann, wenn wir ihn nicht fürs Dach entlohnen, sondern für die Anzahl der Hammerschläge? - Ärzten muss es strikt untersagt sein, Zuwendungen seitens der Pharmaindustrie anzunehmen. Denn jede Zuwendung verpflichtet – sonst fände sie nicht statt. Verbreitete Formen legaler Korruption, wie „Seeding Trials“ und die wissenschaftlich weitgehend wertlosen „An­wen­­dungs­beobachtungen“, muss der Gesetzgeber endlich unterbinden. - Arzneimittel-Marketing sollte verboten werden. Es gibt weder ein medizinisches Erforder­­nis noch einen öffentlichen Bedarf für Medikamentenwerbung, für Pharmareferen­ten, für industriefinanzierte „Fortbildung“, für verkappte Bestechung durch Pseudostudien in Arztpraxen. - Die Preistreiberei der Pharmakonzerne muss endlich juristisch und per Gesetz eingedämmt werden. Die straf- und zivilrechtlichen Tatbestände von Wucher und Sittenwidrigkeit sind erfüllt. - Es bedarf offener Karten im Gesundheitswesen, nach dem Vorbild des US-amerikanischen „Sunshine Act“. Einer öffentlich zugänglichen Datenbank müssen Patienten entnehmen können, von wem ihr Arzt wofür wieviel Geld bekommt. Frei­willige An­ga­ben genügen nicht, nur jeder Vierte macht mit. Was haben die Übrigen zu verbergen? - Personen mit finanziellen Verbindungen zu Pharmaunternehmen dürfen in maßgeblichen Ausschüssen und Beratungsgremien, in Aufsichtsbehörden, in Arzneimittel- und Leitlinienkom­mis­sio­nen, in Facharztverbänden nicht län­ger vertreten sein. Dem Gesundheitswesen bekommt akademische Prostitution nicht, ohne sie wäre es heiler. - Manager von Pharmakonzernen, die Studienergebnisse über gefährliche Neben­wirkungen und Langzeitschäden durch Psychopharmaka verzerren oder verschweigen, oder Ärzte durch falsche oder unvollständige Angaben zu nicht zugelassenen Anwendun­gen verleiten („off-label“), müssen persönlich zur Rechenschaft gezogen werden können. - Patienten und ihre Angehörigen, aber auch Ärzte benötigen unabhängige Informations­quellen, um aus verfügbaren Behandlungsoptionen sachkundig wählen zu können. Herstellerangaben zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von Psychophar­ma­ka ist nicht zu trauen. Nach dem Vorbild der „Stiftung Warentest“ tut eine „Stif­tung Arzneimittel­test“ not. - Soweit eine Psychiatrie-Reform Mehrkosten verursacht, sollten und können sie durch überfälli­ge, wiederholt gescheiterte Maßnahmen wie eine „Positivliste“ und rigorose Preisober­grenzen für Arzneimittel finanziert werden, wie auch aus Milliarden-Einsparungen durch weniger Psychopharmaka-Einsatz. - Soweit die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen den Reformprozess behindert, muss der Staat sie einschränken, zum Wohl seiner Bürger. - Geschädigte Patienten müssen Pharmakonzerne mit Sammelklagen zur Rechenschaft ziehen können, nach US-amerikanischem Vorbild. … und darüber hinaus im politischen System: - Demokratie lebt von Vertrauen, Vertrauen erfordert vollständige Transparenz. Bürger müssen wissen, welche Industriebezie­hun­gen ihre gewählten Vertreter daran hindern könnten, sich für nötige Veränderungen einzusetzen. Regierungsmit­glieder und Abgeord­­ne­te, aber auch leitende Ministerialbeamte sollten Art, Höhe und Quelle ihrer Neben­­­­einkünfte vollständig offenlegen müssen, ebenso wie An­zahl, Dauer und Anlass ihrer Kontakte mit Indu­strie­vertretern. - Eben noch Politiker, jetzt schon Lobbyist, manchmal auch umgekehrt: Wie durch eine Drehtür wechseln immer wieder Volksvertreter in Unternehmen und Verbände. Dadurch erkaufen sich mächtige Interessengruppen, auch im Gesundheitswesen, einen direkten Draht zur Gesetzgebung. Die Drehtür zum Seitenwechsel muss blockiert werden: Wir fordern eine mehrjährige Katenzzeit für Regierungsmitglieder, Staatsminister, Staatssekretäre und Abteilungsleiter in Ministerien. - Um verdeckte Einflussnahmen zu erschweren und Verflechtungen kenntlich zu machen, tut ein verpflichtendes Lobbyregister not, wie es in den Vereinigten Staaten bereits seit 1995 existiert. Darin müssen alle Lobbyisten angeben, mit wel­chem Budget, in wessen Auftrag und zu welchem Thema sie Einfluss auf die Politik nehmen. - Ausschusssitzungen des Bundestages sollten grundsätzlich öffentlich stattfinden. - Gesetze zu erarbeiten, ist ausschließlich Aufgabe des Parlaments und der Ministerien. Dies an private Beratungsunternehmen und Kanzleien auszulagern, die in der Regel Wirtschafts­interessen vertreten, ist ein demokratisches Unding. Ist es ausnahmsweise gerechtfertigt, müssen Art und Umfang der Beteiligung vollständig offengelegt werden. - Bundesministerien und Bundesbehörden dürfen nicht länger Unternehmens- und Verbandsvertreter beschäftigen. Indem solche Mitarbeiter Einblick in interne Abläufe und vertrauli­che Themen bekommen, persönliche Kontakte knüpfen und pflegen können, verschaf­fen sie den Entsendern weitreichende Einflussmöglichkeiten, die im Kon­flikt­fall eher wirt­schaft­lichen als Bürgerinteressen dienen. Wir fordern die Bundesregierung auf, zügig eine neue Psychiatrie-Enquête erarbeiten zu lassen, die fortbestehenden Missständen und neuen Erkenntnissen Rechnung trägt. Die Enquê­­­te-­Kommission darf nicht von jenen Interessengruppen dominiert werden, die eine Mitverantwortung am psychiatrischen Versorgungsnotstand tragen. Die Unterzeichner dieser Petition erwarten ein Mitspracherecht; ihre Vertreter sind bereit, die Federführung zu über­nehmen. Um Stillstand und halbherzige Lösungen zu verhindern, fordern wir die Bundesregierung auf, dem Parlament regelmäßig, mindestens einmal in jeder Legislaturperiode, einen Bericht zur Lage der Psychiatrie in Deutschland vorzulegen. Mit weiterer Untätigkeit entzieht sich die Bundesregierung nicht nur ihrer Pflicht, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden. Sie schürt die ohnehin wachsende Demokratieverdrossen­heit; sie gießt Wasser auf die Mühlen von Popu­li­sten, die den Staat der Übermacht korrupter Eliten, multi­natio­naler Konzerne und ihrer Lobbyisten ausgeliefert wähnen. Notfalls fordern wir die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses, um zu klären, weshalb die Bundesregierung seit Jahrzehnten die psychiatrische Verletzung von Grundrechten weit­gehend tatenlos hinnimmt: des Rechts auf Leben und Unversehrtheit, auf Achtung und Schutz menschlicher Würde, auf Selbstbestimmung. Damit verletzt sie Amtspflichten. Warum wenden wir uns nicht zuständigkeitshalber an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags? Die Missstände, die wir aufzeigen, sind dramatisch, verletzen fundamentale Menschenrechte, betreffen Millionen Bürger, bedürfen breiter öffentlicher Aufmerksamkeit und Diskussion, müssen rasch behoben werden. Jedes weitere verlorene Jahr bedeutet: weitere Tausende von iatrogenen Todesfällen, weitere Hunderttausende von körperlich, geistig und psy­chisch Geschädigten, von verspielten therapeutischen Chancen. Es wäre fahrlässig, die Bewer­­tung unserer Anliegen einem Gremium zu überlassen, das für lange Bearbeitungszeiten berüchtigt ist (kein Wunder, bei über 60 Eingaben pro Tag); dessen Tätigkeit kaum wahrge­nom­men wird; das nach Parteienproporz entscheidet und im Ruf steht, unliebsame Themen vom Parlament fernzuhalten. (H.W.) ________________________________________ Eine Initiative der Stiftung Auswege, mitgetragen von: Dr. phil. Thomas Deutschbein, psychologischer Psychotherapeut, Gesprächs-, kognitive Verhaltenstherapie; Autor von „Freiheit von der Eifersucht – Wege zu einer neuen Partnerschaft“ (2010) Andreas Diemer, Arzt für Allgemeinmedizin/Naturheilverfahren, Diplom-Physiker, Ärztlicher Leiter der Akademie Lebenskunst & Gesundheit, Sprecher der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für unabhängige Impfaufklärung (DAGIA), Autor von „Die fünf Dimensionen der Quantenheilung: Für eine erweiterte und menschliche Medizin“ (2012) Dr. med. Dorothea Fuckert, Fachärztin für Allgemeinmedizin und Psychotherapie, Leiterin des Wilhelm-Reich-Instituts, Mitherausgeberin der Zeitschrift „Lebensenergie“, Autorin des Buches „Seelenreise in das Leben zwischen den Leben“ (2013) Dr. med. Milan J. Meder, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie, Sozialmedizin Petra & Jacqueline Schneider, Angehörige eines toten Psychiatrie-Opfers Liz. Phil. Maria de Lourdes Stiegeler, Logotherapeutin, Existenzanalytikerin, langjähriges Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse (DGLE) Prof. Dr. Dr. Harald Walach, klinischer Psychologe, Philosoph und Wissenschaftshistoriker, derzeit Gastprofessor an der Universität Witten-Herdecke, bis 2016 Professor für Forschungsmethodik an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder; Autor bzw. Herausgeber von 24 Sachbüchern. Dr. med. Fela-Maria Winkler, Allgemeinmedizinerin und Ärztin für Naturheilkunde

  • Des Kaisers neue Kleider

    Das Psycho-Profitum, das die moderne Seelenheilkunde in der westlichen Welt installiert hat, beruht auf fünf Grundvoraussetzungen. Jede sollten seelisch Belastete hinterfragen, anstatt sich blind vertrauend vermeintlichen Experten ausliefern. Angeblich gestützt auf wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse, können Experten geistig-seelische Erkrankungen 1. zuverlässig erkennen, 2. wirksam behandeln, 3. plausibel erklären und 4. ziemlich präzise vorhersagen - 5. jedenfalls weitaus besser als Laien, denn diese hängen einer minderwertigen „Küchenpsychologie“ an. Dass all dies stimmt, nehmen Öffentlichkeit, Medien und staatliche Stellen, Krankenkassen und andere Einrichtungen unseres Gesundheitswesens inzwischen wie selbstverständlich an. Diese breite Einverständnis beschert Psychologen, Psychotherapeuten, Psychiatern eine Führungsrolle, die Laien kaum je hinterfragen. Sie sollten es aber. Ausgehend von Erfahrungen aus den Therapiecamps meiner Stiftung Auswege erklärt die vorliegende Schriftenreihe alle fünf Annahmen zu Mythen. „Das Volk“, so sah es Kurt Tucholsky, „versteht das meiste falsch, aber es fühlt das meiste richtig.“ Dass in den Psychofächern etwas oberfaul ist, ahnen viele: Studenten spüren es am erschreckenden Mangel an Praxisbezogenheit und Nutzwert ihrer Ausbildung, Ratsuchende an Merkwürdigkeiten psychologischer Beratungsgespräche, Patienten an haarsträubenden Therapieverläufen in psychiatrischen Einrichtungen und psychotherapeutischen Praxen. Trotzdem traut sich die Mehrheit nicht, aufzubegehren. Unzählige Leidtragende und Zeugen eines anmaßenden Psycho-Expertentums müssten sich längst zu benehmen trauen wie jener Knirps in Hans Christian Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“, der vor versammelter Festgesellschaft ausruft: „Der hat ja gar nichts an!“ Warum geschieht das nicht? Es scheint so, als müsste man uns gar nicht mehr belügen - das erledigen wir inzwischen selber. Denn die Illusion ist Teil unserer Weltorientierung und dient dazu, sie aufrechtzuerhalten. Darin ähnelt sie durchaus dem Wahn jener Abermillionen unbedarfter Bürger, die sich von Experten einst dazu hinreißen ließen, Hexen bei der Inquisition zu verpfeifen, für den besessenen Angehörigen einen Exorzisten einzubestellen, sich vor einer „Verschwörung des Weltjudentums“ oder Saddam Husseins ABC-Waffen zu fürchten. Warum schwant uns nicht, dass wir einer Selbsttäuschung erliegen, die der nobelpreisgeehrte US-Psychologe Daniel Kahneman „Kompetenzillusion“ nannte? Die „stärkste psychologische Ursache“ für diesen allgegenwärtigen Irrtum scheint ihm: Der Laie bewundert Experten dafür, dass sie ganz ohne Frage „hohe kognitive Leistungen erbringen“. Mit technisch hochkomplizierten Methoden sammeln, sichten und analysieren sie Berge von Daten, lassen modernste Computer dafür rechnen, verpacken die Ergebnisse mathematisch, bewerten diese nach kniffligen Maßstäben, ziehen überaus feinsinnige Schlüsse daraus, und das in Ehrfurcht gebietendem Fachkauderwelsch. „All dies ist anspruchsvolle Arbeit“, die zweifellos „eine umfassende Ausbildung erfordert“, so Kahneman. (1) Es ist dieser offenkundig riesige Aufwand, der bei Laien gewaltig Eindruck schindet – und sie davon abhält, ihn an seinen Früchten zu messen. Obendrein, betont Kahneman, stützt eine mächtige Berufskultur die Kompetenzillusion. Sie bestärkt nicht nur unsereins, sondern auch die Experten selbst darin, dass sie tatsächlich welche sind. Von einer Überzeugung, und sei sie noch so abwegig, können Menschen unerschütterlich erfüllt sein, wenn eine Gruppe Gleichgesinnter sie fortwährend darin bestärkt. Dieser allseitige Zuspruch ermutigt dazu, „sich zu den wenigen Auserwählten zu zählen, die ihres Erachtens etwas können, was Andere nicht können.“ (2) Mit Sachverständigen können freilich auch Ufo-Gläubige, Kornkreis-Bewegte, Apokalyptiker aufwarten. Warum schweben Psychoexperten im öffentlichen Ansehen himmelhoch über ihnen? Was sie uns auftischen, scheint sich zwingend aus Erkenntnissen zu ergeben, die eine der heiligsten Institutionen der Neuzeit angehäuft hat: die empirische Wissenschaft. Ihr gegenüber kapituliert die Mehrheit. Allzu viele verneigen sich in übermäßigem Respekt vor akademischen Titeln. Beeindruckt bewundern sie offenkundige Gelehrsamkeit, lassen sich von Massenmedien zu Expertenkult verführen. Andächtig erschaudern sie beim Anblick von Fassaden und Innenausstattungen der Wissenschaftskathedralen, ohnmächtig ergeben sie sich einer geschliffenen Rhetorik, deren Winkelzügen sie nur ein paar Schritte folgen können. Doch fügen sie sich dabei nicht der Macht des besseren Arguments, wie dieses Buch hoffentlich verdeutlicht. Sie nehmen ein zeitgeschichtliches Drama hin, das die akademische Psychologie in ihren Lehranstalten, Forschungsinstituten und Hilfseinrichtungen seit über einem Jahrhundert unter dem Titel aufführt: „Wie ich mich verloren habe“, ihre hervorstechendste Begabung ausspielend: eine „Inkompetenzkompensationskompetenz“. (3) Psychologie heute ist gewis­ser­maßen die Maultasche des Wissenschaftsbetriebs: ein „Bscheißerle“, wie die Schwaben ihr Nationalgericht nennen, weil es ursprünglich dazu diente, auch während der Fastenzeit ein bisschen Fleisch auf den Teller zu schmuggeln. Im Laufe ihrer selbstauferlegten Dauerabstinenz im naturwissenschaftlichen Exil kam ihr die Fleischfüllung allerdings gänzlich abhanden. Davon übrig blieb eine alte Begrifflichkeit, die so tut, als ginge es noch um Geist und Seele, Subjekt und Bewusstsein. Seither passt auf die Psychologie ein Ausspruch des berühmten deutschen Chemikers Justus von Liebig (1803-1873): „Die Wissenschaft fängt eigentlich erst da an, interessant zu werden, wo sie aufhört.“ (4) Was Psychologie und Psychiatrie in ihrer gegenwärtigen Form scheinbar unerschütterlich am Leben hält, ist ihre feste Verankerung im universitären Lehr- und Forschungsbetrieb. Im erlauchten Kreis anerkannter Wissenschaften untergekommen, färbt deren Prestige auf sie ab. Insofern gleicht sie der gelehrten Astrologie in deren Blütezeit, von der Renaissance bis ins späte 17. Jahrhundert. Gepflegt wurde die Sterndeuterei in allen Machtzentren Europas. Universitäten richteten Lehrstühle für sie ein, manche gaben alljährliche iudicia heraus, astrologische Weissagungen. In der abendländischen Hochschullandschaft hatte die Sterndeuterei ihren festen Platz, mit der Astronomie ebenso eng verknüpft wie das heutige Psycho-Expertentum mit Medizin, Neurobiologie und Informatik. Die meisten Natur- und Geisteswissenschaftler hingen ihr an, viele betrieben sie aktiv, allen voran Galilei und Kepler. Päpste förderten sie. Königshäuser hielten sich Hofastrologen von Amts wegen. Staatsmänner vertrauten ihr. Auch einfache Leute nahmen ihre Dienste in Anspruch, so selbstverständlich, wie ihre Nachfahren zum Psychoprofi gehen. Sogar in Töpfen und Pfannen gerührt wurde nach den Sternen – getreu dem kulinarischen Vordenker aller Lafers, Lichters, Mälzers und Schubecks, dem antiken Meisterkoch Sikon: Der wahre Könner müsse um den Lauf der Gestirne wissen und berücksichtigen, „wie alle Speisen, je nach den Bewegungen des Weltalls, ihre Würze empfangen“. (5) Das Horoskop entschied, zu welchem Zeitpunkt die Sterne besonders günstig standen, um ein wichtiges Vorhaben umzusetzen, sei es eine weite Reise, eine Hochzeit, eine Konferenz oder ein Feldzug. Ihre selbstgewissen, hochgebildeten Geistesgrößen schienen unantastbar, nicht weniger als die imposanten Lehrstuhlinhaber an unseren medizinischen und psychologischen Fakultäten. Widerlegt wurde die Astrologie nie (6), weder durch die Abkehr von ihrem geozentrischen Weltbild noch durch den Ansehensverlust ihrer Deutungsschemata. Und so hält sie sich bis heute – allerdings im akademischen Abseits, belächelt von neuzeitlich „Aufgeklärten“. Den heutigen Psychodisziplinen könnte das gleiche Schicksal blühen – es sei denn, sie erfinden sich auf eine Weise neu, die sie zu ihrem verlorenen Gegenstand zurückführt: dem menschlichen Subjekt. Statt sich im ausgehenden 19. Jahrhundert zu vernaturwissenschaftlichen, hätte der wahre Fortschritt der Psychologie darin bestanden, sich dem Allwissenheitsanspruch von Naturforschern selbstbewusst zu entziehen, auf der Einmaligkeit ihres Gegenstands zu beharren, eine Begrifflichkeit und Methodik zu entwickeln, die ihm gerecht werden. Dass sie sich stattdessen für Anbiederung und Nachahmung entschied, war intellektuell rückschrittlich, psycholo­gisch ein Fall von Selbstverblindung und institutionell selbstmörderisch. Die Leitbilder, von denen sie sich seither beherrschen ließ – vom Behaviorismus bis zum Neurokognitivismus – setzten Meilensteine auf einem Irrweg, der zielstrebig auf Selbsterübrigung hinausläuft. Wer sich vornimmt, vom Menschen nur übrig zu lassen, was es objektiv an und in ihm festzustellen gibt, wird früher oder später das Feld für andere, „härtere“ Disziplinen räumen müssen, die an Objektivität schwerlich zu überbieten sind. Der Neuro-Hype, der seit Ende des 20. Jahrhunderts fächerübergreifende Erregungsschwellen schlägt, vermittelt eine Vorahnung davon. Die Therapie­camps der Stiftung Auswege hingegen geben Subjekten Raum, helfenden wie hilfesuchenden. Und darin liegt ein Hauptgrund ihres erstaunlichen Erfolgs, den zuallerletzt ihre Wissenschaftsferne gefährdet. In meinen schlimmsten Alpträumen kommt eine lehrbuchbewaffnete Horde von besserwissenden Behavioristen, Psychoanalytikern, psychophysischen Materialisten und Neurokognitivisten vor, die unser Camp entert, die laienhaften Helfer in die Abstellkammer ihrer Küchenpsychologie wegsperrt - und das Beraten und Behandeln unserer Teilnehmer dann ersatzweise so erledigt, wie sich das „evidenzbasiert“ gehört. Wer lügt, verdreht die Wahrheit, bewusst und meist zweckdienlich. Nicht nur einzelne Beteiligte, sondern einen ganzen Wissenschaftszweig der Lüge zu bezichtigen, ist harter Tobak, in diesem besonderen Fall aber mehr als Billigstpolemik. Hier geht es nicht um vereinzelte Datenfälschungen; in der Psychologie kommen sie vermutlich nicht häufiger vor als anderswo. Es geht ums große Ganze: Gemeint sind Unwahrheiten, was den Gegenstandsbereich dieses Fachs, seinen Stellenwert als Naturwissenschaft, seine Leistungsfähigkeit, seine Bedeutsamkeit betrifft - Unwahrheiten, die wider besseres Wissen verbreitet werden, um das eigene Revier zu hüten, sich Einfluss, Pfründe und Prestige zu sichern. Seit es die „wissenschaftliche“ Psychologie gibt, begleiten sie Zweifel an ihren Ansprüchen, vorgetragen nicht nur von Außenstehenden im Verdacht ahnungsloser Gehässigkeit, sondern von unbeliebten Nestbeschmutzern aus den eigenen Reihen. Zu ihnen zählt ausgerechnet jener Fachmann, der im Auftrag der mächtigen American Psychological Association eine der bedeutendsten enzyklopädischen Bestandsaufnahmen des erreichten Erkenntnisstands in sechs Bänden (7) herausgab: „Seit mehr als hundert Jahren“, so befand der 1996 verstorbene Sigmund Koch, einst Professor für Psychologie an der Duke-Universität in Durham, North Carolina, sowie an der Uni Boston, „haben wir mit gewaltigen Anstrengungen eine Disziplin auf einem Fundament begründet, das in der akademischen Geschichte einzigartig ist. Die Merkmale dieser Disziplin sind: statt Fortschritt leere Versprechungen und lautstarke Bekundungen, statt Wahrheit Trivialisierung, statt wissenschaflicher Strenge Rollenspiel. Will man dies eine Wissenschaft nennen, so ist es eine Disziplin der Täuschungen. Ihre wissenschaftliche Literatur besteht aus einer endlosen Reklame für die leersten Konzepte, die hochtrabendsten und aufgeblasensten Theorien und die belanglosesten Befunde in der Geschichte der Wissenschaften.“ (8) „Leer, aufgeblasen, belanglos“: Übertreibt der streitbare Professor da nicht gehörig? Von Belang wäre eine Psychologie, die dazu beiträgt, dass wir einander wie auch uns selbst besser verstehen, und uns hilft, wieder ins seelische Gleichgewicht zu kommen, wenn wir es verloren haben - besser hilft, als wir das ohne sie hinkriegen könnten. Doch dabei versagt sie größtenteils. Noch befremdlicher als dieser Befund ist die Herkunft der schwerwiegendsten Argumente, die ihn stützen. Die Munition, derer sich Abweichler wie Koch bedienen, stammt nicht etwa von ahnungslosen, böswilligen Nichtpsychologen, sondern kurioserweise aus den Datenbeständen der eigenen Disziplin: Hunderte von weithin unbekannten Studien aus der psychotherapeutischen und psychiatrischen Wirkungsforschung, die Fachkreise tunlichst übergehen, herunterspielen oder verschweigen. Das wäre ungefähr so, als würde die Bundeswehrhochschule militärwissenschaftliche Hinweise darauf hüten, dass sich Zivilisten zur Landesverteidigung mindestens gleich gut eignen wie ausgebildete Soldaten; oder als hätte die Lateran-Universität des Vatikan Belege dafür angehäuft, dass theologische Laien die besseren Priester wären. Die Erfahrungen, die ich in den Therapiecamps der Stiftung Auswege machen durfte, bestärken mich in dem Eindruck: Koch hatte recht, es wird Zeit für ein Umdenken. Psychologie im ursprünglichen Wortsinn eines vernünftigen Zugangs zu den seelischen Eigenschaften, die Menschen kennzeichnen, erfordert Abstand zu dem, was das akademische Establishment aus ihr ge­macht hat. Es ist an der Zeit, dass aus eingeschüchterten Kopfnickern, braven Mitläufern und willigen Vollzugsobjekten der Seelenheilindustrie, die an ihnen gesundheitsökonomisch optimierte Maßnahmen nach Lehrbuchschema F verrichtet, beharr­liche Systemkritiker, aufmüpfige Kon­- sum­verweigerer und selbstbewusste Widerstandskämpfer werden. An Wissenschaftsskepsis sei ein Mangel an Bildung schuld, heißt es. Das Gegenteil stimmt, zumindest in Bezug auf die moderne Seelenkunde. Den Erkenntnisansprüchen von Psychoprofis beugen sich am bereitwilligsten Denkfaule und Gutgläubige, die nicht näher Bescheid wissen wollen. Sie ersparen sich Mühsal und Abenteuer wahrer Bildung, die immer Selbstaufklärung einschließt; ausgebildet wird man, doch man bildet sich. (9) Dazu gehört eine mitunter anstrengende Bereitschaft, sich mit grundsätzlichen Fragen auseinanderzusetzen wie: „Was weiß ich über mich?“, „Wie verstehe ich Andere, wann gelingt es mir, wann scheitere ich dabei?“, „Was können Andere über mich überhaupt besser wissen als ich selbst?“, „Worauf stütze ich meine Meinungen dar­über?“, „Wie verlässlich sind meine Informationsquellen wirklich?“, „Habe ich begriffen, oder überlasse ich das Anderen?“ Ebenso gehört dazu, sich grundsätzliche Fragen an Andere nicht zu verkneifen: „Was genau heißt das?“, „Woher weißt du, dass es so ist?“ All das erfordert einen bedachten Umgang mit den Worten, die in solchen Fragen und den Antworten darauf auftauchen: „Was meine ich mit ‘Ich’ und ‘Bewusstsein’, ‚‘Handeln’ und ‘Grund’? Was bedeuten Begriffe wie ‘Geist’ und ‘Seele’?“ Nur wer in diesem Sinne hellwach ist, kann Distanz wahren, statt nachzuplappern und mitzulaufen. So sorgt Bildung für innere Freiheit und psychohygienischen Selbstschutz. Sie bewahrt vor blinden Denkgewohnheiten, sie stärkt die Widerstandskraft gegen rhetorische Überrumpelung, kurzschlüssige Argumente und trügerische Spitzfindigkeiten, gegen überzogene Versprechungen und dreiste Anmaßungen. Der Gebildete kann irren; doch wenn er das einräumt, dann aus Einsicht und nicht, weil er sich dem Zeitgeist, Denkmoden und vermeintlichen Autoritäten fügt. Um für die nötige Klarheit zu sorgen, bedarf es keiner Sonderforschungsbereiche, Exzellenz- und Flaggschiff-Initiativen – nur Nachdenklichkeit, Stille, Konzentration und Zeit. Ein „wahrhafter Philosoph“, so befand einst Platon (427-347 v. Chr.), könne man frühestens ab Fünfzig sein. Erst dann verfüge man nämlich über die nötige Lebenserfahrung und eine gewisse Weisheit. (10) Die Psychologie, die damals noch längst kein eigenes Zuhause hatte, sondern unter dem Dach der Philosophie wohnte, hätte der große Denker darin einbezogen. Lag er völlig daneben? Ich bin Sechzig. Schon lange vor meinem Abi stand für mich fest, dass ich Psychologie studieren will. Ganz bestimmt hätte ich mich weder drei Jahrzehnte geduldet, um mich erst an einer Senioren-Uni dafür einzuschreiben, noch ein Studium begonnen, das frühestens nach sechzig Semestern zum Diplom führt. Aber erst heute ist mir richtig klar, woran es liegt, dass ich einen Großteil meiner Mitmenschen verstehen und ihnen mitunter helfen kann, wenn sie in seelische Nöte geraten sind: aus demselbem Grund, aus dem Laien akademisch geschulten Psychoprofis häufig überlegen sind. Wir verdanken es einem langen Dasein in Gesellschaft, in dem wir Empathie entwickeln, reichlich Erfahrung mit ihrer Anwendung sammeln und sie besonnen einsetzen, wenn es darauf ankommt. Der Schule des Lebens dabei mehr zu vertrauen als den Lektionen der Hochschule, ist überaus weise. Manche müssen mindestens Fünfzig werden, um das zu begreifen. Liefern sie sich vorher in allzu blindem Vertrauen einem Psychoprofi aus, blüht ihnen, wovor Nietzsche warnte: „Das Tragische an jeder Erfahrung ist, dass man sie erst macht, nachdem man sie gebraucht hätte.“ Dieser Text stammt aus der 10-bändigen Schriftenreihe von Harald Wiesendanger: Psycholügen, Band 1: Neue Heimat Psycholand – Woher unser Vertrauen in Seelenprofis rührt (2017). Anmerkungen (1) Daniel Kahneman: Schnelles Denken, langsames Denken, München 2012, Abschnitt „Kompetenz und Gültigkeit“. (2) Kahneman, a.a.O. (3) Eine begriffliche Kreation des gewitzten Meisters der Wortspitzenklöppelei, des 2015 verstorbenen Philosophen Odo Marquard. (4) Aus Justus von Liebig: Chemische Briefe, Leipzig/Heidelberg, 3. Aufl. 1851. (5) Jacob Burckhardt: Werke. Kritische Gesamtausgabe, Band 21: Griechische Culturgeschichte III, München/ Basel 2002, S. 309. (6) Thomas S. Kuhn: „Logik der Forschung oder Psychologie der wissenschaftlichen Arbeit?“, in Imre Lakatos/Alan Musgrave (Hrsg.): Kritik und Erkenntnisfortschritt, Braunschweig 1974, S. 1-24, dort S. 8 f. (7) Sigmund Koch: Psychology: A Study of a Science, New York 1959-1963. (8) Sigmund Koch: “Psychology as Science”, in S. C. Brown (Hrsg.): Philosophy of Psychology, London 1974, S. 3-40, dort S. 27. (9) Peter Bieri: „Wie wäre es, gebildet zu sein?“, Festrede an der Pädagogischen Hochschule Bern, 4.11.2005. (10) Platon: Der Staat. Politeia, Düsseldorf/Zürich 2000, 535a-541b.

  • Big Pharma: Wegbereiter der Psychokultur

    Der bedeutendste Wegbereiter der psychologischen Gesellschaft, die treibende Kraft hinter dem Zeitgeistphänomen, seelisches Unwohlsein in eine therapiebedürftige Krankheit zu verwandeln, ist: die pharmazeutische Industrie. Mit einem Jahresumsatz von über einer Billion US-Dollar (1) wächst der Arzneimittelbranche weltbewegende Macht zu, die sie zu ihrem Vorteil zu nutzen versucht – was denn sonst? Nur Träumer können allen Ernstes meinen, diese Branche sei die einzige, die sich aus Gewissensgründen dagegen sträubt, sich den Regeln der freien Marktwirtschaft zu unterwerfen, weil ihr vollauf bewusst sei, dass sie mit unserem höchsten Gut zu tun hat: unserer Gesundheit. Ebensowenig sind moralische Skrupel in der Rüstungsindustrie besonders ausgeprägt, weil ihre Produkte töten können. Im entfesselten Kapitalismus regiert, soweit er nicht staatlich im Zaum gehalten wird, unersättliche Gier; ethische Bedenken lässt sie nur in dem Maße zu, wie sie zu einem verkaufsförderlichen Image beitragen, ohne Profite zu schmälern. Ist es Zufall, dass das Zeitalter der psychologischen Gesellschaft einsetzte, als in den fünfziger Jahren die ersten Psychopharmaka auf den Markt kamen: synthetische Werk­- zeuge, auf Geist und Seele Einfluss zu nehmen, indem die Biochemie des Gehirns verändert wird? Haben Chlorpromazin, Imipramin und Haloperidol diese neue Ära letztlich nicht stärker geprägt als Freud, Jung und Adler? Anfangs beschränkte sich ihr Einsatzbereich auf „Nervenheilanstalten“. Dort bewährten sie sich prächtig, weshalb sie neurochirurgische und Elektroschockfolter allmählich verdrängten: Zwar heilten sie nicht, aber sie stellten zuverlässig ruhig, entlasteten Personal, und obendrein muteten sie sanft an. Doch die Zielgruppe der „Irren“ war auf Dauer viel zu klein fürs große Geschäft. Wie war sie zu erweitern, wie werden möglichst große Teile der Bevölkerung zu Abnehmern? Darum geht es bei jedem neu eingeführten Produkt: Wie gewinnt man eine maximale Anzahl von Käufern dafür? Stets besteht die Lösung in Überzeugungsarbeit, der hohen Kunst der Überredung: „Dir fehlt etwas, wovon du bisher nichts ahntest. Von uns kriegst du es.“ Das neue Waschmittel wird so beworben („Bisher bist du mit sauberen Hemden zufrieden – aber sie sind nicht rein“), die neue Milchspeise („Du isst gerne Joghurt – aber du ahnst nicht, wieviel besser er dir schmecken würde, wenn du unseren nimmst“), das neue Parfum („Du willst gut riechen – aber erst mit unserer Duftnote wirst du betören“) – und ebenso das neue Medikament: „Du hast ein Problem. Wir haben die Lösung dafür: eine Pille.“ Gesunde schlucken keine Arzneimittel. Also muss bei ihnen zuallererst das nötige Problembewusstsein geweckt und geschärft werden. Welches Problem könnte größer sein als eine Krankheit, von der man bisher nichts ahnte? Je mehr unerwünschte, abweichende Verhaltensweisen und belastende Gemütslagen als krankhaft gelten – Trauer als Depression, Besorgnis und Furcht als Angststörung, Erschütterung als posttraumatische Belastungsstörung, Erschöpfung als CFS, Unaufmerksamkeit und Zappeligkeit als ADHS, launische Unausgeglichenheit, die sprichwörtlich „himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“ macht, zur bipolaren Störung -, desto häufiger können sie diagnostiziert werden, und desto mehr Abnehmer finden sich. Wie erreicht ein cleverer Verkäufer, dass der Konsument mitspielt? Indem er Hoffnungen weckt: Vorzüge hervorhebt und überbetont; Nachteile herunterspielt und verschweigt. Solange Direktwerbung verboten oder stark eingeschränkt, das Produkt nur auf Rezept erhältlich ist, muss derjenige Personenkreis umgarnt und gewonnen werden, der die Bezugsscheine ausstellt: die Ärzteschaft. Wie gewinnt man sie? Durch notfalls frisierte Forschungsergebnisse, die sie beeindrucken; durch Handlungsvorgaben in Nachschlagewerken, Klassifikationssystemen und Leitlinien, an denen sie sich orientieren; durch vorteilhafte Informationen aus Quellen, denen sie am ehesten vertrauen: den Meinungsführern ihrer Zunft, ihren Fachzeitschriften, ihren Fachgesellschaften, ihren Aus- und Fortbildern. Die Marketingbudgets der Pharmariesen sind groß genug, all dies mit schwindelerregenden Geldflüssen sicherzustellen. Vor diesem Hintergrund entwickelte unser Gesundheitswesen mafiöse, von umfassender Korruption geprägte Strukturen. Und deren Entwicklung wird weitergehen. Die nächsten gewaltigen Umsatzsprünge, welche die Aktienkurse von Pfizer, Merck, Lilly & Co. durch die Decke treiben werden, verspricht eine weitere Verschärfung des öffentlichen Risikobewusstseins: „Zwar hast du noch kein Problem. Aber du könntest bald eines bekommen.“ Aus Herstellersicht ist der optimale Absatzmarkt immer der größtmögliche, im Idealfall wir alle. Dazu muss es gelingen, uns nicht bloß vor unterlassener oder Unterbehandlung einer schon bestehenden „Störung“ das Fürchten zu lehren. Nein, darüber hinaus gilt es, uns für das allgegenwärtige Risiko einer Erkrankung zu sensibilisieren, uns über ihre unterschätzten Vorboten, ihre leicht zu übersehenden Alarmsignale aufzuklären. Supertanker Big Pharma Gefährdet zu sein, beunruhigt uns. Wer will nicht verhindern, krank zu werden? Ist nicht Vorbeugen besser als Heilen, wie der Volksmund sagt? Wem treibt die Aussicht, das eigene Kind könnte sich etwas antun oder man selbst dem Wahnsinn verfallen, nicht Angstschweiß auf die Stirn? Wer möchte nicht vorsorglich das Richtige tun, um Schlimmes abzuwenden? Und was könnte richtiger sein als der Griff zur innovativen Pille, die der Doktor verschreibt, das „Wirksam-sicher-und-gut-verträglich“-Mantra anstimmend? Deshalb muss der Pharmaindustrie daran gelegen sein, in Fragen der gesundheitlichen Prävention ein gewichtiges Wort mitzureden, auf Massenmedien und politische Entscheidungsträger größtmöglichen Einfluss zu nehmen. Am Ziel ihrer Träume wäre sie, wenn im Gewand mildtätiger Fürsorge kostenlose Screenings von ganzen Bevölkerungsgruppen, noch besser von sämtlichen Bürgern stattfänden – nach dem Vorbild des „TeenScreens“ bei US-amerikanischen Schülern, um eine vermeintliche Selbstmordgefährdung frühzeitig zu erkennen; der schon routinemäßigen Psychochecks bei Pflegekindern, im Militärdienst und weiten Teilen der Arbeitswelt. Am besten, neue Gesetze stellen sicher, dass Psychopharmaka flächendeckend verabreicht werden können, ja müssen, zum Wohle der Volksgesundheit. Entsprechende Bestrebungen gibt es längst, und zumindest in den USA finden sie unter pharmanahen Ärzten und Wissenschaftlern zunehmend Fürsprecher, unter Politikern bestürzenden Anklang. Erst wenn wir alle dazu gebracht würden, unsere Gesundheit, die psychische nicht minder wie die physische, von Kindesbeinen an bis zum letzten Atemzug medikamentös zu sichern und zu optimieren, wäre der Markt wahrlich gesättigt. Eher werden die Krankheitserfinder und Pillendreher keine Ruhe geben. Im Kielwasser des Supertankers Big Pharma schwimmt die Zunft der beratenden Psychologen und Psychotherapeuten. Sie fahren gut damit, den Denkweisen und Werbestrategien der Arzneimittelhersteller nachzueifern. Lediglich auf die Frage, wie mit „psychischen Erkrankungen“ umgegangen werden soll, geben sie, im eigenen Interesse, eine andere, nichtpharmazeutische Antwort. Ansonsten geht es hier wie dort ums Verkaufen, sind Gesundheit und Selbsthilfe geschäftsschädigend. Kurzum: Die psychologische Gesellschaft ist weitgehend ein Industrieprodukt. Ihre Auswüchse kommen Herstellern und Dienstleistern fabelhaft zupass. Der verführte Patient spielt mit. Dieser Text stammt aus der 10-bändigen Schriftenreihe von Harald Wiesendanger: Psycholügen, Band 1: Neue Heimat Psycholand – Woher unser Vertrauen in Seelenprofis rührt (2017). Anmerkung (1) 954 Milliarden US-Dollar waren es im Jahr 2015. Nach http://de.statista.com/statistik/daten/studie/72992/umfrage/umsatz-auf-dem-weltweiten-pharamamarkt-seit-2004

  • Psycholügen – Woher rührt unser Vertrauen in Seelenprofis?

    Weshalb trauen wir berufsmäßigen Seelenhelfern weitaus mehr zu als unsereinem? Warum gehen wir wie selbstverständlich davon aus, dass Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiater viel mehr wissen und können als wir, wenn es um unser Innenleben geht? Unsere Expertengläubigkeit hat drei Hauptgründe: ein unbefriedigtes Bedürfnis nach Orientierung, nachdem Traditionen an Bedeutung verloren; die Hypersensibilität von materiell Sorgenfreien in einer Wohlstandsgesellschaft, das „Prinzessin-auf-der-Erbse“-Syndrom; und vor allem die weltbewegende Macht der pharmazeutischen Industrie: ihren Marketingstrategen ist es gelungen, einen erweiterten Krankheitsbegriff durchzusetzen - und uns vor immer neuen „Störungen“ das Fürchten zu lehren. Was wissen und können professionelle Seelenhelfer besser als unsereins? Wieviel trauen wir Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiatern zu? In Meinungsumfragen würden wohl die meisten von uns, und erst recht die Profis selbst, den folgenden Ansichten beipflichten: „Es gibt psychische Krankheiten, genauso wie körperliche. Immer mehr Menschen sind davon betroffen.“ „Psychoprofis können solche Störungen zuverlässig erkennen, wirksam behandeln, plausibel erklären und recht genau voraussehen.“ „Ein Hochschulstudium vermittelt die nötigen Fähigkeiten dazu.“ „Laien hängen einer naiven Küchenpsychologie an. Der wissenschaftliche Erkenntnisfortschritt wird über sie hinweggehen.“ Die ersten Semester meines Psychologiestudiums verliefen unbelastet von Zweifeln an alledem. Zwar ächzte ich, wie die meisten meiner Kommilitonen, unter den Vertracktheiten von Statistik und Methodenlehre. Aber war die Tortur nicht der angemessene Preis, den ich dafür zahlen musste, mich endlich aus den Denkfallen der Laienpsychologie zu befreien, indem ich die Rätsel von Geist und Seele wissenschaftlich angehen lernte? Tat ich in meiner persönlichen Entwicklung dabei nicht einen gewaltigen Entwicklungsschritt, mit dem auf höherem intellektuellem Niveau Phase Zwei meines Lebens begann, ein Zeitalter der Aufklärung innerhalb meiner Biografie? War es nicht großartig, dass ich mich beim Erklären und Vorhersagen, wie Menschen sich verhalten, von nun an auf systematisches Beobachten objektiver Sachverhalte, auf hochwertige Erkenntnismethoden wie Tests und Experimente, auf daraus gewonnene Theorien stützen konnte? War es nicht redlich und für einen akademisch Gebildeten alternativlos, dass ich mich künftig darauf beschränkte? So hörte ich es von meinen Professoren, so las ich es in Lehrbüchern. Und es leuchtete mir ein, zumal ich nun eine Vielzahl von spannenden, aufschlussreichen Untersuchungen kennenlernte, die darauf beruhten, wissenschaftliche Forschungsregeln konsequent anzuwenden. Zwar ergaben sie kaum je psychologische Gesetzmäßigkeiten, sondern bloß mehr oder minder ausgeprägte Wahrscheinlichkeiten. Doch immerhin widerlegten sie verbreitete Vorurteile. Sie machten auf Überraschungen gefasst, die dem keineswegs gesunden Menschenverstand zuwiderliefen. Und sie begründeten Erwartungen, wie eine Vielzahl von Menschen, oder einzelne Gruppen von Menschen mit bestimmten Merkmalen, unter bestimmten Umständen wahrnehmen und fühlen, denken und handeln. Sollte das für einen Psychologen nicht genügen, um stolz auf sich und sein Fach zu sein – und selbstbewusst davon auszugehen, dass er weitaus mehr weiß und kann als ein hochschulferner Amateur? „Allerdings!“, hätte ich nach fünf Studienjahren auf solche Fragen mit Nachdruck geantwortet. Zum Umdenken haben mich erst die vier anschließenden Jahrzehnte bewegt - ganz besonders Erfahrungen, die ich einer Stiftung namens „Auswege“ für chronisch Kranke verdanke, welche ich 2005 ins Leben rief. Bis Ende 2021 lernte ich in 34 Therapiecamps dieser Einrichtung Hunderte von psychisch Belasteten kennen, deren Vertrauen in eine wissenschaftlich begründete Psychotherapie und Psychiatrie bitter enttäuscht wurde – jahrelang, vereinzelt seit Jahrzehnten. Jeder vierte Hilfesuchende brachte in die „Auswege“-Camps die Diagnose einer psychischen Erkrankung mit: von Autismus, ADHS und anderen Verhaltensstörungen über Depressionen und Phobien bis hin zu Zwängen. Es fanden Angstgeplagte, Ausgebrannte und Traumatisierte dorthin, gelegentlich sogar mutmaßlich Schizophrene. Und wenngleich bei den übrigen Teilnehmern körperliche Beschwerden im Vordergrund standen, kamen auch sie zumeist seelisch schwer angeschlagen an. In den bis zu 20-köpfigen Helferteams, die sich ehrenamtlich um diese Menschen kümmerten, begegnete ich bemerkenswerten Persönlichkeiten, die in solchen Fällen verblüffend erfolgreich arbeiteten: Nach siebeneinhalb Behandlungstagen ging es über 90 Prozent der Patienten psychisch besser als je zuvor in der Obhut von ausgebildeten Seelenheilkundigen. Keinerlei Psychopharmaka kamen zum Einsatz. Erstaunlich oft hielten die erzielten Besserungen an. Ist es abwegig zu vermuten, dass sogar noch deutlich mehr zu erreichen gewesen wäre - und Erreichtes noch stabiler fortbestanden hätte -, wenn die Campteilnehmer nicht nach gut einer Woche hätten heimgeschickt werden müssen? Dabei handelte es sich bei den Helfern fast ausnahmslos um Amateure, ohne medizinisch-psychologische Ausbildung, mit erlernten Berufen wie Dreher, Steuerfachgehilfin, Arzthelferin, Deutschlehrer, Finanzberater oder Wirtschaftsingenieur. Trotzdem bewirkten sie offenkundig mehr als jeder Psycho-Profi vor ihnen. Wie ist das möglich? Was lehren die Therapiecamps der Stiftung Auswege darüber, wie wertvoll und unverzichtbar professionelle Seelenkunde ist, wie überlegen deren akademisch graduierten Anwender? Heute würde ich darauf antworten: Im Bestreben, objektive Wissenschaft zu sein, haben Psychologie und Psychiatrie Subjekte aus den Augen verloren - Personen mit Bewusstsein, einer einmaligen Erlebnisperspektive und einer einzigartigen Geschichte, in immer besonderen Lebensumständen. Die Verhaltenswahrscheinlichkeiten, mit denen Fachzeitschriften, Lehrbücher und Ratgeber voll sind, bringen uns bestenfalls den Menschen im allgemeinen ein wenig näher – aber sie tragen wenig bis nichts dazu bei, diesen Menschen zu verstehen und ihm zu helfen. Wann immer es um ein einzelnes Ich geht, erweist sich Wissenschaft als weitgehend nutzlos: sei es für Eltern und Lehrer; für Freunde, Lebensgefährten und Arbeitgeber; für Sachbearbeiter in Jugend- und Sozialämtern; für Strafverfolger und Richter, Vollzugsbeamte und Bewährungshelfer; für Sozialarbeiter und Pflegekräfte; für Seelsorger, Lebensberater - und nicht zuletzt für Psychotherapeuten. Wer von ihr mehr erwartet, überfordert sie. Wenn sie mehr verspricht, lügt sie. Denn Wissenschaft ist eine Lebensform, die für den Einzelfall blind macht - und stolz darauf, ihn zu verachten. Wo Individuen einander begegnen, versagt ihre Zugangsweise, kläglich und unvermeidlich. Es gibt angemessenere und ergiebigere, und über diese verfügen Laien oftmals in höherem Maße: Lebenserfahrung, Bildung, kommunikative Kompetenz, Achtsamkeit, Intuition, vor allem die Fähigkeit, sich in ein Gegenüber hineinzuversetzen. Insofern könnten Amateure es sich leisten, dem Psychoprofi mit einem Selbstbewusstsein entgegenzutreten, das gegenüber einem Physiker, einem Chemiker oder Biologen mehr als vermessen wäre. Sie wissen nämlich nicht nichts oder zuwenig. Sie wissen zuviel - wenngleich im allgemeinen auf ziemlich ungeordnete und selten bedachte Weise –, jedenfalls weitaus mehr, als naturwissenschaftlich ausgerichtete Psychoforscher jemals über sie herausfinden können. Soweit Wissenschaft ist, was Wissen schafft, könnten sie mithalten. Denn Sachverständige sind Schwachverständige, sobald die Sache kein bloßes Ding ist. Der verstehende Laie und die fliegende Hummel haben eines gemeinsam: Der Experte beweist eindrucksvoll, dass sie unmöglich können, was sie trotzdem tun. Und so werben etliche KLARTEXT-Beiträge, ausgehend von Einzelschicksalen aus den Therapiecamps meiner Stiftung Auswege, für einen respektlosen, geradezu ketzerischen Standpunkt: Es wird Zeit, die Expertokratie akademischer Seelenkundler, die unser Gesundheitswesen wie naturnotwendig durchdringt, zu beenden. Ihr fragwürdiger Nutzen erweist sich an der belämmernden Unergiebigkeit moderner Psychotherapie und Psychiatrie, soweit diese sich auf sie stützen. Setzen wir ihren Lügen ein Ende. Stärken wir unsere Widerstandskraft gegen Versuchungen, ihnen auf den Leim zu gehen. Dieser Text stammt aus der 10-bändigen Schriftenreihe von Harald Wiesendanger: Psycholügen, Band 1: Neue Heimat Psycholand – Woher unser Vertrauen in Seelenprofis rührt (2017).

  • Gröhes lächerliches „Gesamtkunstwerk“: Preisbremse vom Tisch

    Wie gehabt: Was Reformen im Gesundheitswesen zuverlässig verbessern, ist allenfalls das Wohlbefinden seiner Profiteure – zu Lasten von Patienten. Mit reichlich Trara hatte die Bundesregierung im Herbst 2016 eine längst überfällige „Preisbremse“ für neue Arzneimittel angekündigt. Aus dem soeben verabschiedeten Pharma-Gesetz wurde sie nun kurzerhand gestrichen. Drei Wochen vor dem 1.4. feierte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe diese neuerliche Missgeburt allen Ernstes als „Gesamtkunstwerk“. Die Vorgeschich­te des verfrühten Aprilscherzes lehrt, warum Einrichtungen wie meine Stiftung Auswege gegen Windmühlen kämpfen, wenn sie für eine Medizin eintreten, die alle bewährten Mittel und Maßnahmen nutzt, um unsere Gesundheit zu erhalten und wiederherzustellen. Warum Gesundheitsminister einen gewissen Shkreli kennenlernen sollten Falls Gummibärchen ab morgen 750 Euro pro Stück kosten, könnte selbst die fruchtgummi­süchtigste Naschkatze einen Konsumverzicht verschmerzen, während sich der Verkäufer umgehend ruinieren würde. Da zeigt sich der freie Markt von seiner besten Seite: Wettbewerb verhindert Preistreiberei. Abzocker bleiben auf ihren Produkten sitzen. Wer allen Ernstes meint, so ähnlich reguliere sich der Arzneimittelmarkt von ganz alleine, weshalb der Staat ihn getrost sich selbst überlassen könne, sollte einen gewissen Martin Shkreli kennen­lernen: einen ehemaligen Hedgefonds-Spekulanten, der branchenintern dafür gepriesen wird, das Geschäft mit Medikamenten „revolutioniert“ zu haben. Sein unschlagbar schlichtes Erfolgsrezept: auf Forschung weitestgehend verzichten, Preise höchstmöglich anziehen. Dieses Businessmodell hat sich in der Pharmaindustrie mittlerweile epidemisch verbreitet wie ein ansteckendes Virus. Wie man es kaltschnäuzig umsetzt, führte Shkreli Anfang 2015 vor: Damals gründete er ein eigenes Pharmaunter­nehmen namens Turing, wobei er großspurig ankündigte, „bahnbrechende“ neue Medikamente zu entwickeln. Stattdessen erwarb er die Rechte an einem 62 Jahre alten Mittel namens Daraprim – und erhöhte dessen Preis buchstäblich über Nacht um obszöne 5500 Prozent, von 13,50 auf 750 Dollar pro Pille. Damit wurde der pfiffige Spross albanisch-kroatischer Einwanderer, aufgewachsen in einem Arbeiterviertel von Brooklyn, mit 32 Jahren zum Herrn über Leben und Tod. Denn Daraprim bekämpft wirksam Toxoplasmose, eine Infektions­krankheit, die bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem wie etwa bei HIV-Infizierten, aber auch bei Ungeborenen im Mutterleib zu schwersten Komplikationen führen kann, schlimmstenfalls zum Tod. Shkrelis Preistreiberei führte dazu, dass die Behandlungskosten pro Patient auf bis zu 635.000 Dollar jährlich hochschnellten. Proteste lassen ihn kalt: „Wir leben im Kapitalismus, meine Investoren erwarten, dass ich den Profit maximiere“, erklärt er. Arthur Caplan, Medizinethiker an der Universität New York, wundert sich überhaupt nicht darüber: „Die Empörung über Shkreli lenkt davon ab, dass es längst alle machen.“ Ritter von der traurigen Gestalt Damit das aufhört, ist der Staat gefordert. Doch wann immer Gesundheitspolitiker mit der Preis­entwicklung auf dem Arzneimittelmarkt befasst sind, geben sie ein Bild des Jammers ab. An vorderster Front werkeln, über jeden Kompetenzverdacht erhaben und allzeit zum Rückzug bereit, verdiente Partei-Ritter von der traurigen Gestalt, bestens vernetzte Polit-Karrieristen – momentan ein gelernter Jurist, der Ende 2013 zu seinem Amt kam wie die Jungfrau zum Kinde, nachdem der heißesten Anwärterin dafür, der CDU-„Kronprinzessin“ und allseits berüchtigten Militärexpertin Ursula von der Leyen, zur allgemeinen Verblüffung das Verteidigungsressort zugeschustert wurde. Als Gesundheitsminister liegt Gröhe arg daran, „Wege zur Stärkung des Pharma-Standortes Deutschland“ zu finden, wozu er Branchenvertreter zu trauten „Dialogrunden“ einlädt. Auch ihm müsste glasklar sein: Längst sind die Medikamentenpreise aus dem Ruder laufen, ihre Explosion bedroht die Solidargemeinschaft, bringt die Gesundheitssysteme an den Rand des Kollaps, überfordert Krankenkassen und Beitragszahler heillos, verschlingt Mittel, die dringend anderweitig benötigt würden. Wichtige, mitunter lebensrettende Arzneien sind so horrend teuer, dass sie nur Wenigen zur Verfügung stehen. Etliche Medikamente gegen Krebs, Multiple Sklerose oder Hepatitis kosten bis zu 100.000 Euro pro Patient und Behandlungszyklus. Da schlägt entfesselter Kapitalismus zu: Man nimmt halt, was der Markt hergibt. Damit die Profitmaximierung nicht ungezügelt weitergeht, helfen einzig und allein: rigorose Preisobergrenzen. Wo bleiben sie? Wieso dürfen die Hersteller nach eigenem Gutdünken bestimmen, wie teuer ihre Mittel sind? Wieso gewährt ihnen der Staat einen Freibrief für Mondpreise? Sechzehn sogenannte „Gesundheitsreformen“ zwischen 1976 und 2007 hatten dieses Privileg unangetastet gelassen. Um eine gehätschelte Schlüsselindustrie zu schonen, zielten sie allesamt darauf ab, anderweitig zu sparen: Für immer höhere Beiträge, Zuzahlungen und Selbstbeteiligungen erhielten gesetzlich Kranken­versi­cherte immer weniger Leistungen. Jeder solche Anlauf scheiterte kläglich: Zunächst flachte die Kostenkurve kurzfristig ab, um bald darauf erneut steil anzusteigen – jedesmal fanden Anbieter neue Wege, die kostendämpfen­den Regelungen zum eigenen Vorteil zu umgehen. Mitschuld haben alle, die in unserem Gesundheitswesen einen Selbstbereicherungsautomaten sehen, der ihnen die Taschen füllen soll: seien es niedergelassene und Klinikärzte, Apotheker und Großhändler, nicht zu vergessen Finanzminister, die sich nicht zieren, üppige Mehrwertsteuern einzustreichen. Hauptursache der Kostenexplosion jedoch, darin sind sich Gesundheitsexperten einig, ist nicht die alternde, bewegungsfaule, ungesund essende Gesellschaft, sondern: die Preispolitik der Pharmaindustrie – vor allem bei patentgeschützten Arzneimitteln -, die fehlende gesetzliche Preisbremse und die unverantwortliche Verordnungspraxis vieler Ärzte, die sich von einer monströsen Marketingmaschine blenden oder korrumpieren lassen. Eine Missgeburt namens AMNOG Erst im 17. Anlauf, mit dem „Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarkts“ (AMNOG) 2011, traute sich der Staat – zaghaft, aber immerhin - endlich an die tiefste Wurzel des Übels: den schamlosen Wucher mit Arzneimitteln. Seither dürfen Pharmaunternehmen den Preis eines neuen Arzneimittels nur noch im ersten Jahr nach Zulassung gestalten, wie ihnen beliebt. Das Gesetz verpflichtete sie dazu, innerhalb dieses Zeitraums mit den Krankenkassen auszuhandeln, wieviel es anschließend kosten soll. Als Entscheidungsgrundlage sollte ein Vergleich dienen: Nützt das neue Mittel wirklich mehr als jene, die schon auf dem Markt sind? Nur wenn es dem Patienten tatsächlich mehr bringt als bisherige, darf es auch ab dem zweiten Jahr so teuer bleiben wie zuvor. Und wenn keine Einigung zustande kommt? Dann entscheidet eine zentrale Schiedsstelle. Sie kann zwei unabhängige Instanzen damit beauftragen, den mutmaßlichen Zusatznutzen abzu­schätzen: das 2004 eingerichtete Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in Berlin, das den aktuellen medizinischen Wissensstand bewerten soll; und den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland, das sicherstellen soll, dass Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherung „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich“ sind. Misslingt der Nachweis eines Zusatznutzens, so ordnet der G-BA das Medikament einer Festbetragsgruppe zu, für die bundesweit verbindliche Höchstgrenzen gelten. Die sichern Pharmakonzernen zwar immer noch stattliche Gewinne, aber nicht mehr ganz so üppige. Dass mit AMNOG eine neuerliche Fehlkonstruktion in die Welt kam, war von vornherein absehbar und erwies sich alsbald. Indem das Gesetz das Preisdiktat der Pharma­branche erst vom zweiten Jahr an einschränkte, lud es sie förmlich dazu ein, in den ersten zwölf Monaten brutalst­möglich zuzuschlagen – und Ärzte durch intensives Marketing dazu zu verleiten, das neue Mittel anstelle von bewährten und billigeren bisherigen zu verschreiben, unabhängig davon, ob es wirklich besser hilft. Von diesem Freibrief machte sie weidlich Gebrauch, insbesondere bei Medikamenten gegen Krebs, gegen Autoimmunerkran­kungen wie Rheuma und Multiple Sklerose, gegen Hepatitis C und Alzheimer. Für eine Packung des Krebsmittels Taxol etwa, ausreichend für eine einzige Infusion, sind 676,70 Euro zu berappen – für ein Wirkstoffportiönchen, dessen Produktion den Hersteller rund einen Euro kostet. In einem einzigen Infusionsbeutel für die zweiwöchentliche Immuntherapie eines 80 Kilo schweren Tumorpatienten mit 240 Milligramm „Opdivo“ (Nivolumab) sind über 4000 Euro gelöst – die wohl teuerste Flüssigkeit der Welt, die ein Behandlungsjahr mit rund 100.000 Euro zu Buche schlagen lässt. 180 Milligramm des im Juli 2015 auf den Markt gekommenen „Keytruda“ (Pembrolizumab), gegen bestimmte Arten von Bronchialkarzinomen und Hautkrebs, bekommen Patienten per Tropf alle drei Wochen; eine einzige Dosis kostet 8000 Euro. Hepatitis-C-Infizierte schlucken eine „Sovaldi“-Pille (Sofosbuvir) pro Tag, zwölf Wochen lang; eine einzige verschlingt 637 Euro – macht knapp 54.000 pro Behandlung. Für eine halbfingergroße Ampulle des Gentherapeutikums „Glybera“, eingesetzt bei einer ererbten Stoffwechselerkrankung, wird der sagenhafte Stückpreis von 54.000 Euro fällig. Bis 2014 verlangte der französische Pharmahersteller Sanofi für ein Milligramm des Wirkstoffs Alemtuzumab 21 Euro – dann, mit neuer Verpackung, neuem Anwendungsbereich und neuem Namen, „Lemtrada“ statt „MabCampath“, vervierzigfachte sich der Preis auf 888 Euro. Damit verteuerte sich die durchschnittliche Therapie eines MS-Patienten von rund 2150 auf über 85.000 Euro. Im Jahr 2005 kostete eine Zweierpackung der Adrenalinspritze Epipen, die für Allergiker im Notfall lebensrettend sein kann, noch 93 Euro, 2011 schon 153 – und seit 2016 bereits 558 Euro. Nicht nur, aber vor allem an solchen Wahnsinnssummen lag es, dass die Arzneimittelkosten trotz AMNOG weiter anstiegen: 2012, im ersten Geltungsjahr des neuen Gesetzes, auf 29,4 Milliarden Euro, 2013 auf 30,3 Milliarden, 2014 auf 33,4 Milliarden, 2015 auf 34,8 Milliarden. Damit blieben Medikamente, gleichauf mit ärztlicher Behandlung (2015: 34,9 Milliarden), weiterhin der zweit­höchste Ausgabenposten im Gesundheitswesen, hinter dem Spitzenreiter Krankenhausbehand­lung (70,3 Milliarden). (1) Zwar half AMNOG im Jahr 2015 den gesetzlichen Kassen, immerhin rund 925 Millionen Euro einzusparen (2) – aber das entsprach gerade mal 2,7 Prozent der Gesamtaus­gaben. Vom Ein- und Ausbau eines Bremschens Was tun? Um Abhilfe zu schaffen, bediente sich Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe im September 2015 eines altbekannten Rituals: Er berief ein neuerliches Hinterzimmergemauschel namens „Pharmadialog“ über die Zukunft der Arzneimittelversorgung ein. Zu diesen vertraulichen Gesprächsrunden lud er weder andere Abgeordnete noch unabhängige Gesundheitsökonomen noch Krankenkassen noch Patientenvertreter ein. Mit am Tisch sitzen durften: mehrere Pharma­verbände, die seit eh und je hochkooperativ jede mutige Reform begrüßen und mittragen, solange sie den Profit ihrer Mitgliedsunternehmen unangetastet lässt, unter ihnen der mächtige Verband deutscher Arzneimittelhersteller (vfa); die IG Bergbau-Chemie-Energie (IG BGE), für deren Mitglieder Arbeitsplätze, Lohn- und Gehaltssteigerungen umso sicherer sind, je besser Konzerne verdienen; sowie „Vertreter der Wissenschaft“, deren Pharmadistanz teilweise eher im Nano­meter­­bereich liegt. Angesichts von Gröhes Gästeliste war jene Karikatur eines Reförmchens absehbar, die der Minister ein knappes Jahr später, im August 2016, vollmundig anzukündigen hatte: Bald werde es eine Preis­bremse von Anfang an geben. Schlagzeilen wie „Pharmaindustrie drohen Umsatzgrenzen“ sorgten für Aufsehen. (3) Oha, Berlin tut was, so schien es. Endlich. Schonungslos. Nun ja, zumindest ein kleines bisschen. Ein erster Gesetzesentwurf, vom Kabinett im Oktober 2016 verabschiedet, sah eine Umsatzschwelle von 250 Millionen Euro vor. Verdient ein Unternehmen an einem neuen Medika­ment innerhalb des ersten Jahres mehr als diesen Betrag, erhält es anschließend nur noch den mit den Kassen ausgehandelten günstigeren Preis. Wieso eigentlich erst ab einer Viertelmilliarde? Weshalb nicht schon ab 100 Millionen, oder 25? Und warum nicht schon vom allerersten Verkaufs­tag an? Dass die dadurch zu erzielenden Einsparungen weniger als ein Tropfen auf den heißen Stein wären, rechnete dem Minister der namhafte Pharmakologe Ulrich Schwabe vor, Hauptautor des in Branchenkreisen gefürchteten Arzneiverordnungsreports der gesetzlichen Krankenkassen, der seit 1984 eine multimilliardenfache Verschwendung anprangert. Nach Inkrafttreten von AMNOG 2011 waren 95 neue Medikamente auf den deutschen Markt gekommen. Mit ihnen erzielten die Pharmaunternehmen einen Umsatz von 3,5 Milliarden Euro. Die vorgesehene 250-Millionen-Euro-Hürde nahmen freilich bloß drei dieser Mittel: das MS-Medikament Tecfidera und die beiden Hepatitis-C-Mittel Sovaldi und Harvoni. Hätten die Kassen von diesem Moment an nur noch die ausgehandelten Preise erstattet, so hätten sie gerade mal 141 Millionen Euro eingespart – kaum mehr als drei Prozent des Gesamtaufwands. Und so sprach sich Schwabe, als er im Juli 2016 als Sachverständiger im Bundestag geladen war, für eine härtere Lösung aus: Die mit den Kassen ausgehandelten Preise sollten rückwirkend gelten, für das gesamte erste Jahr: Was die Unter­nehmen zuviel einstrichen, müssten sie zurückerstatten. Allein im Jahr 2011 wären das immerhin über 737 Millionen Euro gewesen. Schwabes Appell, die eindringlichen Mahnungen der Krankenkassen - sie verhallten ungehört. Schlimmer noch: das Rad wurde zurückgedreht. Am 9. März verabschiedete der Bundestag ein neues „GKV-Arzneimittel-Versorgungsstärkungsgesetz“ (AMVSG), aus dem die geplante Preisbremse vollständig verschwunden war. Einen Tag zuvor hatte der Gesundheitsausschuss sie in einem Last-Minute-Manöver aus dem Entwurfstext entfernt, nur die Vertreter der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen stimmten dagegen. Welchen Schutz vor Mondpreisen bringt das Gesetz denn nun eigentlich? Nun ja, räumte Gröhe ein, eigentlich keinen. Man müsse es aber als „Gesamtkunstwerk“ betrachten: Immerhin sei es „innovationsfreundlich“ und sichere Arbeitsplätze. Zudem sei es im Gegenzug gelungen, der Pharmaindustrie ein anderes Herzensanliegen zu versagen: dass die für Deutschland ausgehandelten Rabatte strikt vertraulich behandelt werden, um Preisverhandlungen in anderen Ländern nicht zu beeinträchtigen. Zudem enthalte es neue Anreize, Medikamente gegen seltene Krankheiten, Kinderarzneimittel und Antibiotika zu entwickeln – an denen dann ebenfalls ungebremst weiterverdient werden darf. Außerdem bringe es ein „Informationssystem“ auf den Weg, das Ärzte schneller und genauer über den Nutzen neuer Medikamente ins Bild setze – „damit innovative Präparate rascher beim Patienten ankommen“. Und woher, bitteschön, stammen die Daten, mit denen die Praxissoftware gefüttert wird? Vornehmlich aus pharmafinanzierten Studien, mit denen die Hersteller den Nutzen schön­rechnen, aber gewiss nicht aus jenen, die sie wegen missliebiger Ergebnisse stillschweigend unter den Teppich kehren. Wo die Schampuskorken knallen Und so wird Deutschlands Arzneimittelherstellern auch künftig freie Hand gelassen, wie teuer sie ihre vorgebli­chen Produktneuheiten vermarkten. Der Verzicht auf die Rückwirkung der ausgehandelten Preise bedeute, dass „Arzneimittelhersteller für ein neues Medikament im ersten Jahr weiterhin astronomische Phantasiepreise von den Kassen verlangen können, unabhängig vom Nutzen ihres Produktes für die Patienten“, kommentierte der Vorsitzen­de der Kaufmännischen Krankenkasse, Ingo Kailuweit, Gröhes Machwerk. „Bei der Pharma-Lobby dürften jetzt die Champagner-Korken knallen.“4 Und die paar lästigen Kritiker, die nicht daran denken, die Klappe zu halten? Wäre einer wie Shkreli beim Entkorken dabei gewesen, hätte er die feucht-fröhliche Runde mit ein paar deftigen Anregungen erheitern können, die er selbst schon vergnügt umgesetzt hat: Wer an seinem Preisdiktat herummeckert, den kanzelt er unverblümt als „Trottel“ („moron“) ab und twittert ihm ein Stinkefinger-Zitat aus einem Song des US-Rappers Eminem entgegen, zeitökonomisch auch ein abschätziges „lol“, die beliebte Internet-Abkürzung für „laughing out loud“. (5) Aber wäre mit der „Preisbremse“, hätte es sie gegeben, alles gut geworden? Wäre es vorbei gewesen mit der Kostenexplosion im Arzneimittelsektor, wenn sich Schwabe mit seiner „härteren“ Lösung Gehör verschafft hätte? Mitnichten. Gut war lediglich der Grundgedanke: Auf den Markt kommen sollten bloß Heilmittel, die mehr nützen als andere, schon vorhandene. Aber wieso beschränken sich solche Vergleiche bloß auf neue Medikamente – weshalb kommen nicht alle auf den Prüfstand, der gesamte Bestand? Wozu muss der deutsche Arzneimittelmarkt 86.000 Artikel umfassen, aber bloß 2750 Wirksubstanzen? (6) Wie unabhängig sind eine „Schiedsstelle“, ein IQWiG und ein G-BA, deren Nutzenbewertungen nicht auf eigenen Untersuchungen beruht, sondern auf Dossiers, welche der Hersteller ihnen einreicht – und damit auf pharmafinanzierten, notorisch fälschungsanfälligen Studien, über welche hinaus er ihnen vermutlich etliche weitere verschweigt, die er mangels Erfolgsnachweis gar nicht erst publik werden ließ? Und wieso werden neue Chemikalien lediglich mit alten verglichen – anstatt mit allen verfügbaren Mitteln, Leiden zu lindern und zu beseitigen? Würden Antidepressiva oder Neuroleptika („Antipsychotika“) nicht bloß aneinander gemessen, sondern an Psychotherapie, sozialer Unterstützung und Selbsthilfe, so ergäbe sich aus Hunderten vorliegender Vergleichsstudien: Von wenigen Ausnahmen abgesehen, würden psychisch schwer Belastete besser und unsere Kassen billiger fahren, wenn alle pillenverschreibenden Psychiater beurlaubt und sämtliche Psychopharmaka ins Meer gekippt würden. Nur den Fischen ginge es voraussichtlich schlechter. Grundfragen links liegengelassen Und was ist mit den grundlegenden Fragen, die unser krankes Gesundheitswesen aufwirft? Im 18. Reformanlauf wurden sie ebenso beharrlich umgangen, wie sie bei allen bisherigen unter den Tisch gefallen waren. Die eine oder andere Gesetzesänderung tat den Herstellern zwar ein bisschen weh – an entscheidende Strukturen, Weichen­stellungen und Werte traute sich indes keine einzige heran, nicht einmal ansatzweise. Durchweg handelte es sich um Notwehrreaktionen auf äußerste monetäre Engpässe: leere öffentliche Kassen, malade gesetzliche Krankenversiche­rungen, überforderte Beitragszahler. Soweit Bundesregierungen in Versorgung und Regulierung eingriffen, ging es ausnahmslos darum, Kosten zu dämpfen und finanzielle Lasten umzuverteilen – um Themen wie Beitragshöhe, Arbeitgeberzuschüsse, Einschränkung von Leistungen, Vergü­tung der Leistungserbringer, Praxisgebühren, Zuzahlungen zu Arzneimitteln, Selbstbeteiligung, Ausgabenbudgets, Preisgestaltung, Festbeträge, Rationalisierung. Niemals nahm der Staat echte, dringend notwendige Reformvorhaben in Angriff: · Warum schiebt er der routinemäßigen Studientrickserei von Industrieseite nicht einen Riegel vor, legt Forschung und Entwicklung nicht ganz in die öffentliche Hand oder unterwirft sie zumindest strikter Aufsicht? · Wann überarbeitet er nicht endlich das Patentrecht, um seinem dreisten Missbrauch durch pharmazeutische Scheininnovationen einzudämmen, die einen einzigen Zweck verfolgen: Vermarktungsmonopole aufrechtzuerhalten? · Weshalb setzt er dreister Preistreiberei nicht mit Obergrenzen ein rigoroses Ende? · Wo bleibt die seit Jahrzehnten angekündigte „Positivliste“, die Ärzten und Verbrauchern vorgibt, welche Arzneimittel wirklich hilfreich, nötig und preiswert sind? · Wann endlich verpflichtet der Staat die gesetzlichen Kassen dazu, nicht mehr für teure Originale aufzukommen, wenn mindestens ebenso wirksame, längst bewährte ältere Mittel oder Nachahmerpräparate, Generika, zu einem Bruchteil des Preises erhältlich wären? · Wieso verschärft er Haftungsrecht, Antikorruptions- und Transparenzgesetze nicht drastisch? · Wieso baut er kein unabhängiges öffentliches Informationssystem auf, finanziert aus möglichen Milliardeneinsparungen im Arzneimittelsektor und dem prallgefüllten Marketingtopf der Konzerne? · Weshalb fördert er so gut wie gar nicht die Erforschung chemiefreier Behandlungsansätze, hilfreicher psychosozialer Projekte sowie selbstverantwortlicher Gesundheitsfürsorge? · Wann bläst er endlich das kläglich gescheiterte Experiment der „Selbstverwaltung“ im Gesundheitswesen ab, die seit Jahr und Tag auf die gemeinschaftliche Selbstbereicherung der beteiligten Interessengruppen hinausläuft? · Wenn Pharmazie ein Multimilliardengeschäft ist, für das staatliche Institute ohnehin einen Großteil der Grundlagenforschung leisten – weshalb macht er dieses Geschäft nicht besser gleich selbst, statt bei den Selbstbereicherungsorgien von Managern, Investoren und Aktionären tatenlos zuzusehen? Und niemals ging es bislang um brennende Grundsatzfragen wie: Worin besteht Gesundheit eigentlich? Was bedeutet Heilung? Was erhöht und sichert Wohlbefinden und Lebensqualität? Was motiviert Patienten über finanzielle Anreize hinaus, Verantwortung für das eigene Wohl­ergehen zu übernehmen, zu ihrer Genesung aktiv beizutragen? Welche präventiven Ansätze können dafür sorgen, dass Krankheiten erst gar nicht entstehen? Gibt es zu Pharmazeutika preiswertere, nebenwirkungsärmere, patientenfreundlichere Alternativen? Wie fördern und gestalten wir eine integrative Medizin, die das Beste aus unterschiedlichen Heiltraditionen und Therapierichtungen verbindet? Wie wird Humanmedizin humaner, wie befriedigt sie grundlegende menschliche Bedürfnisse? Beeindruckt von der 2,9-Milliarden-Lüge Den Dauereinflüsterungen von Lobbyarbeitern ausgesetzt, beeindruckt zaudernde Politiker die übliche Leier aus der Pharmabranche: Horrende Gewinne seien nötig, um die gewaltigen Ausgaben für Forschung und Entwicklung „innovativer“ Heilmittel zu schultern. Weshalb traut sich da keiner zu widersprechen, gestützt auf allseits zugängliche Studien? Im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) untersuchten Wissenschaftler der Universität Bremen die 23 Medikamente, die 2013 neu auf den Markt kamen. (7) Ein einziges Präparat – Pertuzumab („Perjeta“) gegen HER2-positiven Brustkrebs – erwies sich als wirklich „innovativ“, neun waren dies nur „begrenzt“, zehn überhaupt nicht. Unzweifelhaft nützlich waren die Scheininnovationen hingegen für die Bilanzen der Hersteller: Im Vergleich zum Vorjahr verdoppelte sich der durchschnittliche Preis der neuen Medikamente von 670 auf 1418 Euro. Nicht von ungefähr handelte es sich bei neun der 23 angeblichen „Neuheiten“ um Onkologika: In der Krebsmedizin lässt sich mit Pharmazie besonders viel verdienen. Dabei bedeutet „neu“ selten „innovativ“: So preisen Hersteller nicht nur Arzneistoffe mit tatsächlich neuartiger chemischer Struktur oder Wirkweise an, sondern auch geringfügige Änderungen der Molekülstruktur, Analog- oder „me too“-Präparate („ich auch“) genannt. 20 bis 30 Prozent aller Krankenkassenausgaben entfallen auf sie. (8) Für solche Pseudoneuheiten, die kaum bis gar keinen therapeutischen Zusatznutzen bringen, sollten Kassen keinen Cent zahlen müssen. Sie sind entbehrlich. Dass Ärzte sie überhaupt verordnen, ist skandalös. Bei einem Jahresumsatz von über einer Billion US-Dollar weltweit liegt der durchschnittliche Gewinn branchenweit bei 20 bis 30 Prozent, bei einzelnen Giganten sogar über 40 Prozent. Kein anderer Industriezweig erzielt stattlichere Überschüsse. Dass er im Schnitt über 800 Millionen, neuerdings sogar 2,9 Milliarden Euro aufwendet, um ein neues Medikament auf den Markt zu bringen, ist ein hanebüchenes Märchen, in die Welt gesetzt von einem berüchtigten Pharmalobbyisten an einer pharmafinanzierten amerikanischen Privatuniversität. (9) Die Wahrheit ist: In Forschung und Entwicklung investieren Pharmakonzerne im Schnitt maximal 15 Prozent des Umsatzes - abzüglich der verkappten Werbemittel „Anwendungsbeobachtung“ und „therapeu­tischer Zirkel“, legaler Formen der Korruption, vermutlich weniger als ein Zehntel. Marketing lassen sie sich hingegen mehr als das Dreifache kosten, 50 bis 55 Prozent; dazu zählen Bestechungsgelder an die gebauchpinselten „Meinungsführer“ der Ärzteschaft in Form von Vortrags-, Autoren- und „Berater“honoraren, Hunderte von Millionen für emsige Lobbyarbeiter im und ums Parlament und Ministerien, saftige Provisionen an rund 20.000 Pharmavertreter, die Arztpraxen und Kliniken beharrlich die Türen einrennen. Sänken die Preise, stünde es den Konzernen frei, an Werbung zu sparen, an den irrwitzigen Gehältern, Boni und Abfindungen ihrer Manager, an Ausschüttungen für ihre Aktionäre, an Schmiermitteln für die Hauptakteure des medizinischen Versorgungssystems. Der frühere Pharma-Geschäftsführer John Virapen, ein geläuterter Whistleblower, geißelt die wahren Verhältnisse: Im wesentlichen „bestehen Arznei­mittelfirmen aus zwei Abteilungen: Juristen und Marketingleuten; Forscher und Forschungsergeb­nisse werden nach Bedarf zugekauft. Das Marketing aber muss immer laufen, ganz unten die Vertreter. Für Gesetzesübertretungen, für zerbrochenes Porzellan und unangenehme Blutspuren hecheln die Juristen ihnen mit dem Spitzfindigkeitsbesen hinterher und machen sauber.“ Nichts zwänge die Konzerne, künftig weniger zu forschen – warum schichten sie Budgets nicht einfach um? Oder sie könnten sich mit weniger üppigem, aber immer noch prächtigem Reibach begnügen. Wann, Herr Gröhe, gedenken Sie ein „Kunstwerk“ in Angriff zu nehmen, das diesen Fakten Rechnung trägt? Welches Gesundheitssystem möchten Sie Ihren vier Kindern hinterlassen? „Der Glaube an Jesus Christus“, erklärte der bekennende Protestant, 13 Jahre lang Ratsmitglied der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), „gibt mir Halt im Leben“. Heilte Jesus nicht pharmaziefrei? Unwort der Nachkriegszeit Bei der seit Anfang der Neunziger stattfindenden Kür des „Unworts des Jahres“ hatte der bis zur Kotzgrenze überstrapazierte Begriff „Gesundheitsreform“ 1996 auf der Kandidatenliste weit oben gestanden. Es wird Zeit, dass er endlich als „Unwort der Nachkriegszeit“ zu bleibenden Ehren kommt. Was eine unfähige politische Elite, weitgehend im Griff eines der mächtigsten Industrie­zweige auf unserem Planeten, unter diesem absurden Schwindeletikett seit Jahrzehnten „reformiert“, ist fürwahr nicht das Gesundheitswesen, sondern unsere Gesundheit: Wir haben sie als einen stets gefährdeten Zustand aufzufassen, den wir nur begreifen, bewahren und wieder­erlangen können, wenn wir uneingeschränkt ergeben, „kompliant“, hinnehmen und schlucken, was die Pillenmedizin uns vorsetzt. Welch maximalen Schaden bei minimalem Nutzen beispiels­weise Psychopharmaka anrichten, führen der Stiftung Auswege in jedem Therapiecamp unfassbare Patienten­schicksale vor Augen. Was ihnen dort weiterhilft als jede Hirnpille zuvor, sind Empathie, Geduld und Wertschätzung, eingehende Gespräche und liebevolle Zuwendung, die ihnen unsere Helferteams schenken. Eine Tüte Haribo zwischen den Heilsitzungen, zum Stückpreis von unter einem Cent pro Gummibärchen, bekäme ihnen garantiert besser als jede Schachtel voller synthetischer Chemie, an der „wirksam, sicher und gut verträglich“ nur die Hersteller genesen. Zu den unveräußerlichen Aufgaben des Staates gehört es, Leib und Leben seiner Bürger zu schützen. Wie haarsträubend er diese Funktion im Gesundheitswesen seit jeher vernachlässigt, wäre längst ein Fall fürs Bundesverfassungsgericht und den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. 80 Millionen Krankenversicherte einer inhumanen, technophilen und chemielastigen Verkümmerung wahrer Heilkunst auszuliefern, die chronische Erkrankungen eher erzeugt und verstetigt als lindert und heilt, ist nämlich nichts geringeres als: ein Verbrechen. (Harald Wiesendanger) Anmerkungen 1 Zahlen nach www.gkv-spitzenverband.de, „Zahlen und Grafiken“/“Kennzahlen“. 2 Nach Handelsblatt, 27.9.2016: „Arzneikosten in Deutschland steigen auf Rekordniveau“. 3 Deutsche Apotheker Zeitung, 8.4.2016. 4 Zit. nach Handelsblatt, 7.3.2017. 5 Nach Manager-Magazin, 23.9.2015: „Wie dieser Pharma-CEO zum meistgehassten Mann der USA wurde“; Welt/N24, 9.1.2017: „Twitter wirft den ‚meistgehassten Mann des Internets‘ raus“. 6 Nach InsightHealth, vfa, www.vfa.de/download/kap2-arzneimittelzahl.pdf, abgerufen am 22.10.2016. 7 „Innovationsreport 2016“, s. www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/arzneimittelpolitik/article/918799/tk-innovationsreport-neue-arzneimittel-oft-einfach-nur-teuer.html. 8 Rolf-Ulrich Schlenker, Vizechef der Barmer GEK, zit. nach Der Tagesspiegel, 29.5.2014: „Wie Scheininnovationen die Preise nach oben treiben“. 9 Siehe Marcia Angell: Der Pharma-Bluff – Wie innovativ die Pillenindustrie wirklich ist, Bonn 2005, S. 59 ff.; Washington Post, 18.11.2014: „Does it really cost $ 2.6 billion to develop a new drug?“; New York Times, 18.11.2014: „$ 2.6 Billion to Develop a Drug? New Estimate Makes Questionable Assumptions“; Jerry Avorn: „The $2.6 Billion Pill – Methodologic and Policy Considerations“, New England Journal of Medicine 372/2015, S. 1877-1879.

  • Fake Hunting: die jüngste Bedrohung der Anderen Medizin

    Im Zeitalter der „Fake News“ wächst die öffent­liche Sehnsucht nach einer Einrichtung, die gezielte Unwahrheiten zuverlässig entlarvt. Die Wenigsten rechnen damit, dass sie sich dabei ein Zensur­monster einhandeln können, das miss­liebige, vom akademischen Mainstream abweichende Stand­punkte verunglimpft, vorgeblich im Namen der Wahrheit – beispiels­weise unkonventionelle Heilweisen und Kritik an der vorherrschenden Medizin. Gelogen wird, seit der Mensch Behauptungen aufstellt. Das tut er, seit er sprechen kann, also vermutlich seit 60.000 bis 100.000 Jahren. Insofern sind Fake News ein uralter Hut. Doch erst das Internetzeitalter hat ihre angestamm­ten Resonanzräume radikal entgrenzt. Was einst bloß auf Wochenmärkten, in geselligen Runden, Friseursalons und Tante-Emma-Läden, in der Kantine oder am Stammtisch die Runde machte, verbreiten soziale Medien über Klicks, Likes und Links in Windeseile nunmehr innerhalb ganzer Gesellschaften. Gezielte Unwahrheiten sind allgegenwärtig. Und wer überall mit ihnen rechnen muss, glaubt am Ende nicht alles, sondern gar nichts mehr. Wem kann man überhaupt noch trauen? Umso sehnlicher wünschen sich verunsicherte Bürger neutrale Instanzen herbei, die Fakes entlarven und ausmerzen, möglichst viele, möglichst rasch. Sie hoffen auf verlässliche Einrichtungen, die Gerüchten systematisch nach­gehen, sie mit allen verfügbaren Quellen abgleichen, ihre Substanzlosigkeit enthüllen, sie unerbittlich anprangern und eindringlich davor warnen, ihnen auf den Leim zu gehen. Doch den Wenigsten ist klar: Dabei droht ihnen ein Zensurapparat, der dem „Wahrheitsministerium“ in George Orwells düsterer Utopie „1984“ kaum nachsteht. Diese Gefahr sieht zumindest ein junger französischer Journalist der Tageszeitung Le Monde, der als „Fake Hunter“ Pionierarbeit geleistet hat: 2010 richtete Samuel Laurent, damals gerade 30, einen kleinen Aufklärungsblog „Les Décodeurs“ ein, der nüchtern, unparteiisch, frei von Polemik Gerüchte auf ihre Glaubwürdigkeit hin durch­leuchtet; inzwischen gliederte Le Monde ihn in ihren Internetauftritt ein. Im Februar 2017 stellte sie ergänzend ein Tool namens „Le Décodéx“ ins Netz: Gibt man in eine Suchmaske eine Internetadresse ein, so leuchtet ein roter, oranger oder grüner Button auf. Grün steht für vertrauenswürdig, Orange für verdächtig, Rot für unglaubwürdig. Eine ähnliche digitale Rechercheredaktion mit dem treffenden Namen „Desintox“ – Entzug, Entgiftung – unterhält neuerdings auch die linksliberale französische Tageszeitung Libération. Was geschieht, wenn man Le Monde seinerseits mittels „Décodéx“ checkt? Die Zeitung, die mehreren Großindustriellen gehört, gilt als tendenziöses Sprachrohr der Befürworter von Martktliberalismus, Freihandel und Globalisierung. Aber natürlich verpasst ihm das Tool ein grünes Gütesiegel. Sein Ampelsystem ahmt jenes nach, dessen sich das obskure Web of Trust (WOT, „Netz des Vertrauens“) bedient. (1) Über 26 Millionen Websites will es bereits bewertet haben, davon 24 Millionen negativ. Die WOT-Software für „sicheres Surfen“ (Safe Browsing) haben sich weltweit schon 140 Millionen Menschen arglos auf ihre PCs und Notebooks, Smartphones und Tablets heruntergeladen. Zu ihrem Schutz legt sich ein „Warning!“-Popup über „gefährliche“ Webseiten, sobald sie im Browser aufgerufen werden, und macht sie unkenntlich. Wie das weltgrößte Internet-Lexikon Wikipedia, so baut WOT dabei auf die „Schwarmintelligenz“ der weltweiten Internet-Community. Die Ratings beruhen auf Bewertungen durch angemeldete User, die anonym bleiben dürfen; dabei haben die Noten einer Minderheit, die besonders eifrig votiert, ein bis zu tausendfach höheres Gewicht als die Stimmen von einmaligen oder seltenen Juroren. Weil zu den fleißigsten Schnüfflern hyper­aggressive Skeptiker zählen, warnt WOT die Web-Community beispielsweise vor den Fakes meiner Stiftung Auswege: Obwohl vier Fünftel der abgegebenen Einschätzungen positiv ausfielen, lag unsere „Vertrauenswürdigkeit“ (trustworthiness) Mitte März 2017 bei gerade mal 42 Prozent (Orange), die „Kindersicherheit“ (child safety) sogar bloß bei 12 Prozent (Rot). Vermutlich schneiden nur islamistische Fanatiker, Neonazis und Anbieter von Hardcore-Pornos noch katastrophaler ab. In Deutschland beließ es der Gesetzgeber knapp zwei Jahre lang bei runden Tischen, Arbeits­gruppen, Expertenanhörungen und Selbstverpflichtungen. Dann schaltete Bundesjustizminister Heiko Maas in den Zupackmodus. Alarmiert vom Siegeszug des Populismus, russischen Troll-Armeen und einem US-Präsidenten, der mit „alternativen Fakten“ regiert, stellte er im März 2017 den Entwurf eines „Gesetzes zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken“ (2) vor. Betreiber von Social Media wie Facebook, von Suchmaschinen wie Google soll es zwingen, gegen Lügen und Hassbotschaften vorzugehen. Vollautomatisch, bloß mit raffinierteren Algorithmen, ist das schwerlich hinzukriegen, bei Fakes noch weniger als bei Hetze. Denn es geht um Inhalte, nicht bloß um formale Textmerkmale. Doch weit und breit ist kein „Content-Filter“ in Sicht, der sie massenhaft aussieben könnte wie Hate Speech anhand des bevorzugten Wortschatzes von Schmähern, Beschimpfern und Pöblern. Da ist mühselige Hand- und Kopfarbeit gefragt. Google lässt dies seine weltweit 10.000 Prüfteams erledigen, welche die „Qualität“ von Suchergebnissen beurteilen. An sie alle versandte er soeben rund 200 Seiten umfassende „Richtlinien“, nach denen sie „verstörende“ (upsetting), beleidigende und rassistische Inhalte zu identifizieren haben. In den Google-Suchalgorithmus eingespeist, führen ihre Bewertungen dazu, dass nicht „vertrauenswürdige“ Inhalte in den Suchergebnissen weiter nach hinten geschoben werden. (3) Zum selben Zweck schaltete Facebook in den USA die Webseiten Politifact und Snopes ein. In Deutschland beauftragte es das 2014 gegründete Pressebüro „Correctiv“ in Essen und Berlin, dessen 20-köpfiges Team „investigativen, aufklärenden Journalismus“ verspricht – in einer „Wächterfunktion“. (3) Senken „Wächter“ über eine Geschichte den Daumen, so will Facebook sie künftig zwar nicht löschen, aber mit einem Warnhin­weis versehen, der sie als „disputed“, umstritten, brandmarkt: Die betreffende Nachricht werde „von unabhängiger Seite angezweifelt“, belegt mit einem Link zu einem Text, der „dem verfälschenden Beitrag die Fakten gegenüber­stellen“ soll. „Das Posting an sich verschwindet nicht auf der Plattform, wir verstecken es nicht, Leute können es weiterhin teilen“, erläutert ein zuständiger Facebook-Manager. Der Warnhinweis bleibe aber bei der Weiterverbreitung angeheftet. "Es kann auch sein, dass wir bei unglaubwürdi­gen Artikeln die Sichtbarkeit reduzieren." (5) Wer soll uns da vor Lug und Trug bewahren, vor „verstörenden“, „umstrittenen“, „unglaubwürdigen“ Meinungen? Geleitet wird „Correctiv“ von dem Journalisten David Schraven als Geschäftsführer. Eben dieser Schraven begründete 2007, gemeinsam mit dem Bochumer Berufskollegen Stefan Laurin, die „Ruhrbarone“ (6), dessen linkslastigem Autorenteam er weiterhin angehört: eines von über 200.000 aktiven Webjournalen („Blogs“) allein in Deutschland (7). Vordergründig berichtet es über Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissen und Sport in Nordrhein-Westfalen, lässt tatsächlich aber keine Gelegenheit aus, über querdenken­de Wissenschaftler und unkonventionelle Mediziner herzufallen. Laurin, mittlerweile alleinverant­wortlich, tut sich als Spezialist für Antisemitismusvorwürfe und Nazivergleiche hervor; eine Gesundheitsministerin bezeichnet er als „Volkserzieherin“, das Umweltbundesamt als „Reichsumweltkammer“. (8) Um imageförderlich unter das hochgelobte „Correctiv“-Dach zu schlüpfen, benannten sich die „Ruhrbarone“ kürzlich um in „Correctiv.Ruhr“. Bei Wikipedia scheinen sie insgeheim auf oberster „Administratoren“-Ebene mitzuwerkeln: Mehrere hundert Male linkt es auf die „Ruhrbarone“, womit es seine eigene Relevanzregel für Quellenangaben krass verletzt. Zu den unadligen „Ruhrbaronen“, die mit dem legendären Geschichtenerzähler Münchhausen mehr als nur den Titel teilen, zählt der Psychologe Sebastian Bartoschek, rühriges Mitglied einer unsäglichen atheistisch-naturalistischen Sekte namens „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ (GWUP), der es seit drei Jahrzehnten gelingt, blind­wütigen Skeptizismus mit gesunder Skepsis zu verwechseln. (9) Wie Laurin gelten Bartoschek und weitere GWUP-Mitglieder als Chefdenunzianten beim berüchtigten Internetpranger „Psiram“, vormals „Esowatch“. (10) Dessen anonyme Verfasser hetzen ungestraft gegen jeder­mann, dessen Auffassungen ihrem kastrierten Wissenschaftsbegriff zuwiderlaufen. Über tausend Menschen, unter ihnen Hochschulprofessoren und ganzheitlich arbeitende Ärzte, sind bereits Opfer von „Psirams“ infamen Verleumdungen und üblen Nachreden geworden. Als Scharlatane, Betrüger, Pseudogelehrte werden sie dort verun­glimpft. Juristische Gegenwehr ist aussichtslos: Das gesetzlich vorgeschriebene Impressum fehlt, der Server steht im Ausland. Deutschlands aktivste Online-Dreckschleuder, deren Finanziers im Dunkeln bleiben, geht buchstäblich über Leichen: Von Psiram-Eiferern übelst gemobbt, nahm sich der Journalist Claus Fritzsche im Frühjahr 2014 das Leben. (11) Das Problem war wohl, dass er schon volljährig war: Denn die „Kindersicherheit“ von „Psiram.com“, so bescheinigt ihm das „Web of Trust“ (WOT) mit dem grünsten aller Grüns, liegt bei grandiosen 93 Prozent. Exakt genauso hoch veranschlagt es Psirams „Vertrauenswürdig­keit“.Lediglich einen Prozentpunkt niedriger performt GWUP.org. (12) Daneben mischt Bartoschek beim „skeptischen“ Podcast Hoaxilla (13) mit, der jegliche Impfgegner und Pharmakritiker als bekloppte Verschwörungstheoretiker verhöhnt, auf einer Stufe mit Verwirrten, die Elvis für quicklebendig, die Mondlandung für einen Hollywood-Inszenierung und Angela Merkel für ein außerirdisches Reptil halten. Sind uns selbsternannte „Wächter“ aus diesem Ideologensumpf wirklich als oberste Fakten­checker der Nation recht? Wollen wir zulassen, dass sie Aussagen wie „Pharmakonzerne korrumpieren Ärzte“, „Wer sein Kind impfen lässt, riskiert irreparable körperliche und geistige Schäden“, „Neuroleptika führen zu Hirnschwund“ , „Glyphosat könnte Krebs erregen“ oder „Der Infraschall von Windkraftanlagen belastet die Gesundheit von Anwohnern“ zu Fakes erklären, mit Alarmrot einfärben oder gar löschen? Da rückt Orwells Dystopie näher: Lügner werden autorisiert, das Volk im Gewand von Tatsachen­prüfern darüber „aufzuklären“, was Lüge und was Wahrheit ist. Maas´ Gesetz befördert private Netzwerke „zu Ermittlern, Richtern und Henkern über die Meinungs­freiheit“, warnt netzpolitik.org, eine Online-Plattform für digitale Freiheitsrechte. Eine staatliche Lizenz, missliebige Inhalte zu unterdrücken, oder gar ein gesetzlicher Auftrag dazu: das käme den Betonköpfen der „evidenz­basierten“ Schulmedizin, den Marketingprofis von Big Pharma und ihren Erfüllungsgehilfen gerade recht. Solcher Meinungsmache Tür und Tor öffnet der gefährlichste aller Fakes in der aufgeregten Debatte um ihre dringendst gebotene Enttarnung: die schwarz-weiße Vorstellung, sämtliche Tatsachenbehauptungen ließen sich fein säuberlich in wahre oder falsche sortieren. „Fake News“ ist ein verschwommener Sammelbegriff, dem es an der nötigen Trennschärfe mangelt. „Echte“, eindeutig widerlegbare Falschmeldungen wie „Den Holocaust gab es nicht“, „Obama ist ein Moslem aus Kenia“ oder „Hillary Clinton betreibt von einer New Yorker Pizzeria aus einen Kinderpornoring“ machen sich rar. Viel häufiger sind sie Ansichtssache, gestützt auf diskutable Gründe, gedeckt durch das Grundrecht auf Meinungs- und Glaubensfreiheit. Oder müssen Bibelzitate als Fake News aus dem digitalen Verkehr gezogen werden? Selbst die seriösesten Medien berichten nicht nur zweifelsfrei „Bewiesenes“. Oft bleibt ihnen vorerst nichts anderes übrig, als widersprüchliche Anhaltspunkte zu gewichten, aus Indizien zu schließen, Gerüchte aufzu­greifen, sich auf anonyme Informanten und Leaks zu verlassen. Verzichteten sie darauf, bis sich mutmaßliche Wahrheiten zweifelsfrei erwiesen haben, so flögen die wenigsten politischen Skandale und Wirtschaftsverbrechen jemals auf. „Verstörende“ Whistleblower wie Edward Snowden würden von Wahrheitswächtern mundtot gemacht. Wollen wir das? (Harald Wiesendanger) Anmerkungen 1 https://www.mywot.com/en/community. 2 Nachzulesen bei www.zeit.de/digital/internet/2017-03/netzdg.pdf. 3 http://searchengineland.com/google-flag-upsetting-offensive-content-271119. 4 https://correctiv.org/correctiv. 5 Nach www.spiegel.de/netzwelt/web/facebook-correctiv-soll-fake-news-richtigstellen-a-1130014-druck.html. 6 www.ruhrbarone.de 7 Statistik nach https://buggisch.files.wordpress.com/2016/02/infografik-wie-viele-blogs-gibt-es-in-deutschland.png. 8 http://de.pluspedia.org/wiki/Stefan_Laurin 9 http://de.pluspedia.org/wiki/GWUP 10 http://de.pluspedia.org/wiki/Psiram; http://de.wikimannia.org/Psiram. 11 http://de.pluspedia.org/wiki/Claus_Fritzsche. 12 https://www.mywot.com/en/scorecard/www.psiram.com, abgerufen am 18.3.2017. 13 https://www.hoaxilla.com.

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