• Dr. Harald Wiesendanger

Nie war Fürsorge herzloser

Aktualisiert: Mai 1

Der Hygienestaat hat Hunderttausende von Senioren ungefragt in Schutzhaft genommen. Weggesperrt in Heimen, die sich in Gefängnisse verwandelten, mussten sie völlige Isolation hinnehmen – selbst von Mitbewohnern und engsten Angehörigen. Über ihre Wünsche, ihre Bedürfnisse, ihre Risikobereitschaft, ihre Grundrechte geht diese Tyrannei rücksichtslos hinweg. Und sie dauert an, obwohl inzwischen fast alle durchgeimpft sind. Ihrer Würde beraubt, verfällt ein Großteil in Depression und Apathie. Körperlich und geistig bauen sie erschreckend ab. AHA-betreut von gesichtslos Maskierten, leiden und sterben sie einsam.

Wenn man alte Menschen einsperrt, was bleibt ihnen dann noch vom Leben? Keine Fürsorge könnte herzloser sein, kein vorgeblicher Akt der Humanität unmenschlicher. Wer wird diese Heuchelei am „Corona-Gedenktag“ ansprechen?



Wie rasch sich im Namen der Humanität völlig inhumane Regelungen durchsetzen lassen, wird seit einem Jahr nirgendwo deutlicher als in den allermeisten der 12.000 Pflegeheime in Deutschland. Obwohl von den 900.000 Bewohnern bis Ende März über 95 Prozent eine Erstimpfung erhalten haben und rund drei Viertel eine zweite, herrschen weiterhin strenge Kontaktbeschränkungen. Das allgegenwärtige Süßholzgeraspel vom „Gut-aufeinander-aufpassen“ entpuppt sich als Anstiftung zu schier unerträglicher Unmenschlichkeit.


Nur wenige Senioren haben sich so viel Lebenskraft, geistige Klarheit und Selbstachtung bewahrt, um dagegen aufzubegehren. Zu ihnen zählt der Ex-Staatssekretär Ulrich Thurmann, studierter Jurist und einst leitender Beamter unter vierzehn Ministern. In einem bewegenden Appell fordert der inzwischen 84-Jährige die staatlichen Infektionsschützer auf, das Bevormunden und Gängeln der Alten einzustellen: „Hört endlich auf, mich zu retten! (…) Ich erkläre hiermit ausdrücklich, dass ich als ‚Schutzgut sehr alter Mensch‘ nicht durch diese Politiker geschützt werden möchte, die besser wissen als ich, was für mich gut ist.“


„Hört endlich auf, mich zu retten!“


„Wie fühle ich mich angesichts der Anstrengungen, die die derzeit Regierenden zu meiner Rettung unternehmen?", fragt der Greis. "Ich fühle mich beschissen. Ich sehe nicht, dass meinetwegen die Welt stillstehen muss. Ich gehöre zu den Höchstgefährdeten mit meinen 84 Jahren. Gefährdet bin ich aber nicht nur durch Corona, sondern aufgrund meines Alters schon ganz allgemein durch etwas, das sich Tod nennt. In meinem Alter denkt man an den Tod als etwas Normales, Tägliches, das jederzeit geschehen kann. Ich kenne Altersgenossen, die sich aus Angst, einige Monate oder Jahre früher zu sterben als sowieso zu erwarten, in ihren Wohnungen einschließen und sich das Essen bringen lassen. Sie hören aus Angst vor dem Tod auf zu leben.“


„Der Tod ist in meinem Alter nichts Abstraktes mehr, wie noch in der Jugend. Ich habe sehr viele Menschen gekannt. Fast alle diese Menschen sind tot – auch ohne Corona: nach schwerer Krankheit, durch Unfälle, durch Selbstmorde (erstaunlich viele), durch Alter oder auch einfach so."


„Ich bin völlig zufrieden, meinen Weg zu Ende zu gehen und im Krankheitsfall auf die Menschen und Einrichtungen zu vertrauen, die ich kenne und die sich auskennen. Wenn es dann trotzdem zum Ende geht, kann ich sterben in der Gewissheit, dass meinetwegen keine Vielzahl von Menschen leiden muss.“


„Ich habe das alles nicht gewollt.“


Näheres im KLARTEXT „In Schutzhaft“.

Harald Wiesendanger

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