Der große Blutdruck-Schwindel
- Dr. Harald Wiesendanger

- vor 2 Tagen
- 13 Min. Lesezeit
Bluthochdruck gilt als „stiller Killer“: Oft ohne ihn zu bemerken, lebt angeblich fast jeder dritte Erwachsene in Industrieländern mit ihm. Er schädigt Herz und Arterien, führt zu Infarkten, Schlaganfällen und vorzeitigem Tod. Deshalb müsse er aggressiv mit Medikamenten gesenkt werden – so zumindest die gängige Lehrmeinung. Doch hinter dieser scheinbaren Gewissheit verbergen sich fragwürdige Grenzwerte, finanzielle Interessen sowie eine fatale Verwechslung von Ursache und Wirkung. Höchste Zeit, ein Dogma zu hinterfragen.

Wie wird man über Nacht krank, ohne dass sich das körperliche Befinden im geringsten ändert? Man übertrifft abgesenkte Grenzwerte. Über Jahrzehnte hinweg wurde die Schwelle, ab der ein Mensch als „hypertensiv“ gilt, immer weiter nach unten korrigiert. Während 1977 erst Werte ab 160/95 mmHg als behandlungsbedürftig galten, sank dieser Schwellenwert 2017 auf 130/80 mmHg. Mit jedem Strich, den Experten auf dem Papier nach unten ziehen, entstehen Millionen neue Patienten – und ein erweiterter Milliardenmarkt für Blutdrucksenker. So stieg mit der 2017er US-Leitlinie der Anteil der Erwachsenen, deren Werte als „zu hoch“ gelten, in den USA schlagartig von etwa einem Drittel auf fast die Hälfte. Weltweit hat es Bluthochdruck offiziell zur häufigsten chronischen Erkrankung gebracht. In der Altersklasse zwischen 30 und 80 müssen sich, laut WHO, 1,4 Milliarden Erdbewohner deswegen Sorgen machen – angeblich.
Demselben klassischen Muster der Medikalisierung folgt die Schulmedizin beim Cholesterin: Sobald sich ein Laborwert pharmakologisch recht gut drücken lässt, bewegt sich die akzeptable Obergrenze gen Süden – und der Markt wächst.
Die Messfalle: Wenn ein weißer Kittel den Blutdruck treibt
Stimmt der Befund überhaupt? Schätzungen zufolge ist mindestens jede vierte Bluthochdruck-Diagnose falsch, weil sie auf unzuverlässigen Messungen beruht. Besonders häufig liegt „Weißkittel-Hypertonie“ vor: Der Stress beim Arztbesuch lässt den Blutdruck kurzfristig in die Höhe schnellen, während er zu Hause völlig normal wäre. Auch technische Fehler, wie eine zu kleine Blutdruckmanschette an einem kräftigen Arm, führen regelmäßig zu künstlich überhöhten Werten. Außerdem weisen Patienten häufig deutlich unterschiedliche Blutdruckwerte im linken und rechten Arm auf. Auch Messungen morgens und abends, vor oder nach Kaffee, vor oder nach einem Spaziergang, liegend oder sitzend sorgen für Schwankungen. Bis zu 65 % der Menschen, die beim Arztbesuch als „hyperton“ auffallen, liegen im Normalbereich, wenn die Messung wiederholt wird oder außerhalb der Praxis stattfindet.
Hinzu kommt ein physiologisches Missverständnis: Der am Arm gemessene „periphere“ Blutdruck sagt nicht immer zuverlässig, wie hoch der Druck zentral in der Aorta ist; mit der Wahrscheinlichkeit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung korreliert der Aortendruck aber viel stärker.
Dennoch verlassen viele Patienten die Praxis unbedarft mit einem Rezept, das sie zu Pillenschluckern macht – oft für den Rest ihres Lebens.
Ursache oder Wirkung? Ein Paradigmenwechsel
Die herkömmliche Kardiologie betrachtet Bluthochdruck als die Ursache von Gefäßschäden. Neue Erklärungsansätze wie das „Clotting Model“ des schottischen Arztes Dr. Malcolm Kendrick (1) kehren diese Logik um: Mit erhöhtem Blutdruck reagiert der Körper auf bereits bestehende Schäden an den Gefäßwänden – eine Kompensation, damit trotz steifer, verengter oder entzündeter Gefäße noch genug Blut dort ankommt, wo es benötigt wird. Senkt man den Druck auf Teufel komm raus, verschlechtert man die Durchblutung womöglich – besonders bei älteren Menschen mit arteriosklerotisch „verkalkten“ Gefäßen, bei denen das Gehirn auf höheren Druck angewiesen ist.
Das ist keine Einladung zur Selbstmedikation im Sinne von „Tabletten weg“, sondern ein Warnhinweis: Das Dogma „je niedriger, desto besser“ kann eine Falltür öffnen.
Stellen wir uns ein Rohrleitungssystem vor, in dem sich Ablagerungen gebildet haben. Um die gleiche Menge Wasser durch die verengten Stellen zu pressen, muss die Pumpe den Druck erhöhen. Senkt man nun künstlich den Druck, ohne die Verengung zu beseitigen, kommt am Ende nicht mehr genug Wasser - oder in unserem Fall: Blut und Sauerstoff - in den Organen an. Der Körper erhöht den Blutdruck also oft aus einer Notwendigkeit heraus, um die Durchblutung sicherzustellen. Den Blutdruck aggressiv zu senken, gleicht dem Versuch, ein Feuer zu löschen, indem man den Rauchmelder ausschaltet.
Folgt daraus etwa, man müsse chronisch erhöhten Blutdruck unbehandelt lassen, weil er „benötigt“ wird? Natürlich nicht. Vielmehr gilt es, konsequent dessen Hauptursache anzugehen: einen jahr(zehnt)elangen ungesunden Lebensstil, der Blutgefäße gefährlich versteift und verengt. (Siehe KLARTEXT „Die große Cholesterin-Lüge“.) Patienten darüber aufzuklären und ausreichend zu motivieren, kostet einen Arzt halt erheblich mehr Zeit und Nerven, als kurzerhand zum Rezeptblock zu greifen. „Weichfaktoren“ wie Fürsorge, Empathie, Geduld und ausführliches Erklären finanziell zu belohnen, ist in der Gebührenordnung kaum vorgesehen – Beratung bringt maximal 45 Euro (GOÄ 4, Höchstsatz), pro Patient im Quartal höchstens 50 bis 100 Euro.
Die üble Kehrseite der Blutdrucksenker
„Den“ Blutdrucksenker gibt es nicht. Zum Einsatz kommen fünf Hauptgruppen, jede mit unterschiedlichen Wirkprinzipien und Nebenwirkungsprofilen:
· ACE-Hemmer, z.B. Ramipril und Lisinopril, blockieren ein Enzym, das ein gefäßverengendes Hormon - Angiotensin II - bildet. Daraufhin entspannen sich die Gefäße.
· Sartane (ARBs) wie Candesartan, Losartan und Valsartan blockieren direkt die Rezeptoren für Angiotensin II.
· Alpha- und Betablocker, z. B. Doxazosin bzw. Bisoprolol, schirmen das Herz gegen Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin ab.
· Calcium-Antagonisten wie Amlodipin und Verapamil verhindern, dass Calcium in die Gefäßmuskelzellen einströmt. Die Arterien weiten sich.
· Diuretika, z. B. HCT und Furosemid, fördern die Ausscheidung von Salz und Wasser über die Nieren. Das Blutvolumen sinkt.
Aber egal welche Pille man schluckt: Auf keiner steht eine Adresse. Ein Medikament wirkt nie bloß am Zielorgan, sondern systemisch. Das gilt auch für Blutdrucksenker - sie sind alles andere als harmlos. Für einen vermeintlich unbedenklichen Laborwert eines Surrogatmarkers auf Papier nehmen viele zum „Patient“ Etikettierte reale Risiken und Nebenwirkungen in Kauf, bei begrenztem bis ausbleibendem Nutzen. ACE-Hemmer sorgen für allgegenwärtigen Reizhusten, bis hin zu Asthmaanfällen. Sartane machen müde und schwindlig. Betablocker tun dies ebenfalls, lassen außerdem Hände und Füße kalt werden, sorgen für Potenzstörungen. Calcium-Antagonisten führen zu Wassereinlagerungen (Ödemen), vor allem im Hals und Schleimhäuten, plötzlicher Gesichtsrötung („Flush“) und Kopfschmerzen. Diuretika machen sich durch häufigen Harndrang und Muskelkrämpfe bemerkbar. Und das sind nur die häufigsten unangenehmen Begleiterscheinungen.
Bei solchen eher akuten Beschwerden bleibt es nicht. Wie tief Blutdrucksenker in die Biochemie des Körpers eingreifen, lassen auch folgende Forschungsergebnisse erahnen:
· Frauen, die ACE-Hemmer einnehmen, tragen ein erheblich höheres Risiko, nach Brustkrebs einen Rückfall zu erleiden. Diese Medikamente beeinflussen Entzündungswege, welche die Ausbreitung von Tumorzellen fördern können. (2)
· Bestimmte ACE-Hemmer werden mit einem um 19 % erhöhten Risiko für Lungenkrebs in Verbindung gebracht.
· Auch das Risiko einer Makuladegeneration, häufigste Ursache einer Erblindung in höherem Alter, steigt bei manchen Blutdrucksenkern erheblich.
· ACE-Hemmer und Sartane hemmen die Kaliumausscheidung in den Nieren, besonders bei eingeschränkter Nierenfunktion. Das führt zu Hyperkaliämie, einer Elektrolytstörung mit erhöhtem Kaliumspiegel im Blutserum. Sie verursacht häufig Muskelschwäche, Parästhesien (Kribbeln), Übelkeit oder Herzrhythmusstörungen bis hin zu lebensbedrohlichen Arrhythmien.
· Ein künstlich gesenkter Blutdruck kann dazu führen, dass das Gehirn und die Nieren chronisch unterversorgt werden, was kognitiven Abbau und Nierenversagen begünstigt.
Welche Medikamente sind die besten? Überwiegend industriefinanzierte Vergleiche favorisieren verdächtig oft die neuesten und teuersten. Ein anderes Bild vermittelt die unabhängige ALLHAT-Studie, mit über 33.000 Patienten die größte Bluthochdruckstudie aller Zeiten: Sie erwies das billigste von vier getesteten Medikamenten, ein Diuretikum, als das beste. Der Studienleiter von ALLHAT schätzte die Mehrkosten für die teuren Kalziumkanalblocker und ACE-Hemmer auf über acht bis zehn Milliarden Dollar, ohne dass sie den Patienten nützten. Minderwertige Produkte, die bis zu 20-mal teurer waren, führten bei 40.000 US-Amerikanern zu Herzversagen.
Schweren Bluthochdruck medikamentös zu behandeln, kann Leben retten, keine Frage; in solchen Fällen wiegen Nebenwirkungen weniger schwer, man nimmt sie als notwendiges Übel in Kauf. An den gleichen Nebenwirkungen leiden aber auch Patienten, deren Bluthochdruck eher bloß leicht erhöht ist und sich nichtmedikamentös in den Griff bekommen ließe. Dann überwiegt der Schaden den Nutzen.
Um darüber hinwegzutäuschen, ist Herstellern so gut wie jedes Mittel recht. Der dänische Medizinprofessor Peter Gøtzsche, selber acht Jahre lang in Diensten der Pharmaindustrie, erinnert sich an eine Frau, die ihn nach einem Vortrag ansprach: „Früher hatte sie für ein Pharmaunternehmen gearbeitet. Ihr Chef hatte sie gebeten, mit einem Stapel brauner Umschläge nach Skandinavien zu reisen und sie Ärzten zu übergeben, die an einer Studie über Bluthochdruck teilnahmen. Das kann ihr sonderbar vor, daher fragte sie, was die Umschläge enthielten. Dollarnoten. Dann fragte sie, warum das Unternehmen das Geld nicht einfach online überwies. Daraufhin erklärte man ihr, sie könne kündigen, wenn sie weiter Fragen stelle. Sie weigerte sich, die Umschläge auszuhändigen, und verließ die Firma.“ (3) „Einem bekannten Wissenschaftler”, so Gøtzsche weiter, “bot (der Pharmariese) Sandoz 30.000 Dollar Beratungshonorar pro Jahr an, um ihn zu einer vorteilhaften Interpretation einer Studie zu bewegen, obwohl das Medikament des Unternehmens, ein Kalziumkanalblocker gegen Bluthochdruck, mehr Komplikationen verursachte als das Vergleichsmittel.“ (4)
Solche skandalösen Vorkommnisse stellen nach Gøtzsches Recherchen bloß die winzige Spitze des monströsesten Eisbergs aller Zeiten dar: “Die Pharmaindustrie steigert ihre Profite, indem sie Medikamente an Gesunde verkauft, die sie nicht brauchen und ohne die es ihnen besser ginge. Diese Praxis breitet sich seit vielen Jahren wie ein Krebsgeschwür in der Gesellschaft aus. In Gang gehalten wird sie von organisiertem Verbrechen, wissenschaftlicher Unehrlichkeit, offenen Lügen und Bestechung. Dem müssen wir ein Ende machen.” (5)
Retten Blutdrucksenker wirklich Leben?
Bemerkenswerterweise mangelt es bis heute an überzeugenden wissenschaftlichen Belegen, dass sich die Sterbewahrscheinlichkeit tatsächlich nennenswert verringert, wenn mäßig erhöhte Blutdruckwerte unter die festgelegten Schwellenwerte sinken. Die Probe aufs Exempel fand schon 1973 statt, in Form einer groß angelegten, rund fünfeinhalb Jahre dauernden öffentlichen Studie. 17.354 Patienten von Hausarztpraxen – zwischen 35 und 64 Jahre alt, mit einem diastolischen Blutdruck zwischen 90 und 109 mmHg – nahmen dabei einen Betablocker, ein Diuretikum oder ein Placebo ein. Was kam dabei heraus? Die Behandlung wirkte sich kaum auf die Wahrscheinlichkeit eines koronaren Ereignisses wie z. B. eines Herzinfarkts aus: Die Rate sank lediglich von 5,9 auf 5,8 pro 1000 Patientenjahre. Ebensowenig zeigte sich ein Unterschied in der Sterblichkeitsrate: 253 gegenüber 248 Todesfälle entspricht einer Verringerung der Sterbewahrscheinlichkeit um gerade mal 0,0288 %. (6)
Lohnt es sich für solche statistischen Nichtigkeiten wirklich, eine berüchtigt breite Palette von üblen Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen, womöglich bis ans Lebensende – zumal in Anbetracht natürlicher Alternativen, überhöhten Blutdruck zu normalisieren?
Hingegen kann eine aggressive Behandlung das Sterberisiko sogar erhöhen, weil sie den Körper daran hindert, lebenswichtige Organe ausreichend mit Blut zu versorgen.
Pharmazeutische Sterbehilfe für Senioren
Von den 153 Millionen Packungen Blutdrucksenker, die im Jahr 2020 verschrieben wurden, entfiel der Großteil auf Senioren. Mit der Diagnose „Bluthochdruck“ leben drei Viertel von ihnen. Ebensoviele nehmen Medikamente dagegen ein.
Die Folgen? Besonders bei Senioren häufen sich Fälle von Gleichgewichtsstörungen und Ohnmacht, die auf „schlechte Perfusion“ hindeuten, d.h. auf unzureichend durchblutete Organe, Gewebe oder Körperregionen. Eine Studie mit 4.961 über 70-Jährigen belegt, dass intensivere Antihypertensiva-Therapie mit häufigeren schweren Sturzverletzungen einhergehen kann. Mit Beginn der Medikation steigt das Risiko, sich die Hüfte zu brechen, um 43 %; jeder vierte Betroffene stirbt innerhalb eines Jahres. (7)
Sehr niedrige Blutdruckwerte bei Älteren gehen mit höherer Sterblichkeit einher.
Medikamente als Blutdruck-Treiber
Ein Großteil des „Bluthochdrucks“ ist iatrogen, also mitverursacht durch andere Medikamente. Einer von fünf Patienten nimmt Arzneimittel ein, welche nebenbei den Blutdruck in die Höhe treiben, besonders bei längerfristiger Anwendung oder höheren Dosierungen. Dazu gehören:
· Schmerzmittel (NSAIDs) wie Ibuprofen
· Glukokortikoide wie Cortison, verordnet bei Asthma, Rheuma, schweren Allergien oder Hautausschlägen
· Abschwellende Nasensprays
· Bei jüngeren Frauen ist die Antibabypille eine häufige, oft übersehene Ursache für steigende Werte.
Würden bloß die blutdrucksteigernden Begleitmedikamente abgesetzt, so könnten zwischen 0,56 und 2,2 Millionen US-Patienten ohne zusätzliche Blutdrucksenker wieder in einen „gesunden“ Bereich geraten. Dies schließt der US-Internist Dr. John Vitarello aus einer Analyse der Daten von 27.599 Patienten.
Stattdessen dreht sich ein lukrativer Teufelskreis: Ein Medikament verursacht ein Symptom, das dann mit einem weiteren Medikament – dem Blutdrucksenker – bekämpft wird. Dieses bringt seinerseits Symptome mit sich, wogegen zusätzliche Arzneimittel helfen sollen undsoweiter undsofort. Manches, was wie „Therapie“ aussieht, ist in Wahrheit das Management einer Nebenwirkungskaskade.
Unmündige, denkfaule, intellektuell überforderte Patienten nehmen solche Polypharmazie ahnungslos hin, statt aufzumucken. Nicht einmal jeder zweite Senior kann angeben, wozu er seine Medikamente überhaupt schluckt. (8) Der Doktor wird´s schon wissen.
Zellular-Medizin: Den Ursachen auf den Grund gehen
Einen völlig anderen Ansatz als die herkömmliche Kardiologie verfolgt die Zellular-Medizin nach Dr. Matthias Rath. Sie betrachtet Bluthochdruck nicht als Schicksal oder Defekt eines „Regelkreises“, sondern wesentlich mitbedingt durch einen chronischen Mikronährstoffmangel in den Zellen der Gefäßwände. Diese bestehen aus Muskelzellen, die sich entspannen müssen, um den Blutfluss zu erleichtern. Damit dies reibungslos funktioniert, benötigt der Körper spezifische „Zell-Vitalstoffe“:
• Vitamin C: Unverzichtbar für die Kollagenproduktion, die den Gefäßen Stabilität und Elastizität verleiht.
• Arginin: Diese Aminosäure fördert die Produktion von Stickstoffmonoxid (NO) - des Signalmoleküls, das die Arterien veranlasst, sich zu entspannen und weit zu stellen.
• Magnesium, Kalium und Vitamin B6: wichtige Regulatoren für den Spannungszustand der Gefäßmuskulatur.
Wie Studien des Dr. Rath-Forschungsinstituts zeigen, kann eine gezielte Kombination dieser und weiterer Mikronährstoffe die Produktion von NO in Aortenzellen deutlich erhöhen und so dazu beitragen, den Blutdruck zu normalisieren. (9)
Rezeptfrei: So wird man sein eigener Blutdrucksenker
Viele schlucken Antihypertonika, weil ein schlecht informierter, verantwortungsloser Arzt ihnen versichert hat, dies sei der einzige Weg, ihren Blutdruck zu senken. Bevor man sich der chemischen Keule verschreibt, bietet der eigene Lebensstil mächtige Hebel.
Eine naturbelassene, pflanzenbasierte Ernährung – reich an Kalium, Magnesium und Calcium, oft als DASH-Diät bezeichnet - wirkt häufig regelrechte Wunder. Sie setzt auf viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und Nüsse: alles Lebensmittel, die unser Körper basisch verstoffwechselt. (10)
Allein schon regelmäßiger Joghurtkonsum, der mindestens 2 % zur täglichen Kalorienzufuhr beiträgt, kann das Risiko für Bluthochdruck um fast ein Drittel senken. Rote Bete liefert reichlich Nitrate, die der Körper zu gefäßerweiterndem Stickstoffmonoxid umwandelt; täglich ein Glas Saft kann den systolischen Wert um ca. 5 bis 10 mmHg verringern. Drei Tassen Hibiskustee wirken ähnlich stark wie milde Entwässerungsmittel. Täglich 30 Gramm geschrotete Leinsamen senken dank ihrer Alpha-Linolensäure den Blutdruck ebenfalls signifikant. Die Flavanole in dunkler Schokolade, mit mindestens 70 % Kakaoanteil, machen Arterien elastischer. Knoblauch wirkt leicht gefäßerweiternd, allerdings erst in höheren Dosen; effektiver und geruchsneutraler ist Extrakt. Auch Omega-3-Fettsäuren, Walnüsse/Walnussöl, Granatapfelsaft und Grüner Tee helfen mit.
Körperliche Aktivität verbessert die Herzfunktion und verringert den mechanischen Druck auf die Arterien. Die Deutschen Hochdruckliga und die European Society of Cardiology (ESC) sehen in ihr die effektivste nicht-medikamentöse Maßnahme gegen Bluthochdruck – belegt durch eine riesige Meta-Analyse von 270 Studien mit zusammengerechnet über 15.000 Teilnehmern. Aktuelle Leitlinien empfehlen Ausdauersport: Wer an fünf Wochentagen eine halbe Stunde lang zügig geht, Rad fährt oder schwimmt, senkt den systolischen Druck um ca. 5 bis 8 mmHg. Moderates Training mit Gewichten, 2- bis 3-mal pro Woche, bringen immerhin 4 bis 5 mmHg weniger. (11) Besonders effektiv sind statische isometrische Übungen: Krafttraining, bei dem man die Muskeln ohne Bewegung anspannt, wie etwa bei der Skihocke oder dem Wandsitz.
Es gilt Stress abzubauen – einen der Hauptfaktoren für chronisch hohen Blutdruck. Wann immer wir gestresst sind, schaltet das Gehirn auf das sympathische Nervensystem (Fight-or-Flight) um. Es werden Hormone wie Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet. Daeaufhin verengen sich die Blutgefäße, der Herzschlag beschleunigt sich, weil das Herz gegen den höheren Widerstand mehr Blut pumpt. Durch Stressreduktion aktivieren wir den Gegenspieler, den Parasympathikus (Rest-and-Digest). Stickstoffmonoxid wird freigesetzt, was die Gefäßmuskulatur entspannt und den Widerstand senkt. Wie Studien belegen, können Entspannungstechniken wie Achtsamkeitsmeditation, Yoga, Tai Chi, Progressive Muskelentspannung und Biofeedback den systolischen Blutdruck um 5 bis 10 mmHg verringern. Bloß fünf Minuten tiefes, bewusstes Atmen pro Tag senkt ihn nach sechs Wochen um ewa 9 mmHg.
Auch auf ausreichend Schlaf kommt es an. Eine einzige Nacht mit teilweisem Schlafentzug kann den systolischen Blutdruck um 4,5 bis 6 mmHg erhöhen. (12)
Eine breite Palette weiterer Maßnahmen kann mithelfen, den Blutdruck zu normalisieren, von Alkoholverzicht über „Entsäuerung“ bis zu Kneipp´schen Wechselduschen. Für Gewichtsreduktion gilt als Faustformel: Jedes verlorene Kilo senkt den Blutdruck um etwa 1 bis 2 mmHg.
Die pauschale Empfehlung für Hypertoniker, Salz zu meiden, ist umstritten. In Wahrheit ist es viel leichter und gefährlicher, zuwenig Salz zu sich zu nehmen als zuviel. Ein zu geringer Natriumspiegel kann nicht bloß zu Müdigkeit und Schlaflosigkeit, zu Kopf- und Muskelschmerzen, zu Konzentrationsstörungen und Verwirrtheitszuständen führen – er erhöht das Risiko für eine Insulinresistenz, Herzinfarkte und Schlaganfälle.
Der Knackpunkt
Worin besteht also der „Große Blutdruck-Schwindel“? Er reduziert eine komplexe biologische Anpassungsreaktion des Körpers auf eine bloße Zahl, die es mittels Tabletten zu korrigieren gilt. Stattdessen müssen wir lernen, Bluthochdruck als ein Warnsignal zu verstehen – wie die Öllampe im Auto. Man löst das Problem nicht, indem man das Kontrolllämpchen schwächer leuchten lässt, sondern indem man Öl nachfüllt – in Form von gesunder Lebensweise, mehr Bewegung, Stressabbau und einer optimalen Versorgung der Zellen mit Mikronährstoffen.
Starke sexuelle Erregung lässt den systolischen Blutdruck auf 170mmHg hochschnellen, in seltenen Fällen sogar auf kritische 200 mmHg und mehr. Manager von Pharmakonzernen, die Blutdrucksenker herstellen, leben insofern gefährlich, zumindest bei kardiologischer Vorbelastung: Wer mit ihren Augen die atemberaubenden Verkaufszahlen auf sich wirken lässt, dürfte sich Tag für Tag multipler Orgasmen erfreuen. Kann Sex besser sein? Mit Blutdrucksenkern ließ sich im Jahr 2025 ein globaler Umsatz zwischen 26 und 30 Milliarden US-Dollar erzielen. Allein 2021 wurden von diesen Kassenschlagern weltweit 50 bis 70 Milliarden Tagesdosen verkauft. (13) Bis 2035 prognostizieren Marktforscher einen Umsatz nahe 40 Milliarden Dollar. (14)
Von Marketingprofis ausgeheckt, dient eine infame „Vorsorge“-Propaganda dazu, diese Goldgrube beharrlich zu erweitern. Wer noch nicht krank ist, sollte zumindest schon mal mächtig Angst davor haben, es irgendwann zu werden – und sich am besten schon heute präventiv behandeln zu lassen, sicher ist sicher. Dazu finden pharmagesponserte Konferenzen über “Prä-Hypertonie” oder “hochnormaler Blutdruck” (15) statt, der beginnt, wenn der diastolische Blutdruck über 80 mmHg steigt, der systolische über 120. Die American Heart Association (AHA) empfiehlt allen Ernstes, schon Kinder ab drei Jahren auf Hypertonie untersuchen zu lassen (16) – obwohl Analysen längst belegen, dass Vorsorgeuntersuchungen auf Bluthochdruck in jedem Alter viel weniger bringen als behauptet. (17)
„Glauben Sie allen Ernstes, die Pharmaindustrie wolle Sie heilen?”, fragt der ehemalige Pharma-Manager John Virapen rhetorisch in seinem Enthüllungsbuch Nebenwirkung Tod (2008). (18) “Vergessen Sie’s. Nur ein kranker Kunde ist ein guter Kunde.”
Anmerkungen
(1) In seinem brillanten Buch The Clot Thickens: The Enduring Mystery of Heart Disease (2021) zerpflückt Dr. Kendrick die orthodoxe Lehrmeinung, dass Cholesterin krank macht, indem es sich an den Innenwänden von Blutgefäßen ablagert. Bei den Plaques handelt es sich vielmehr um Reparaturschichten nach wiederholter Endothelschädigung.
(2) PA Ganz PA et al.: „Examining the influence of beta blockers and ACE inhibitors on the risk for breast cancer recurrence“, Breast Cancer Research and Treatment 2011; G. Zheng et al.: „Beta-Blockers Use and Risk of Breast Cancer in Women with Hypertension“, Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention 2021,
(3) Peter C. Gøtzsche: Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität: Wie die Pharmaindustrie unser Gesundheitswesen korrumpiert. München 2014, S. 122.
(4) John Abramson: Overdo$ed America: The Broken Promise of American Medicine (2008); William B. Applegate/Curt D. Furberg/Robert P. Byington: „The Multicenter Isradipine Diuretic Atherosclerosis Study (MIDAS)“, JAMA 277 (4) 1997, doi:10.1001/jama.1997.03540280035025.
(5) Peter C. Gøtzsche: Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität, a.a.O., S. 388, 391. (Zu bestellen bei Ihrem örtlichen Buchhändler – er ist auf Ihren Kauf eher angewiesen als Jeff Bezos.)
(6) Hingegen kamen in der Medikamentengruppe Schlaganfälle tatsächlich ein wenig seltener vor: 60, gegenüber 109 unter Placebo. (Das „altmodische“ Diuretikum schützte dabei etwas besser als der „moderne“ Betablocker.) Pro Jahr entspräche dies 1,4 Schlaganfällen unter 1000 Behandelten, gegenüber 2,6 Schlaganfällen unter 1000 Placebo-Konsumenten. Um einen einzigen Schlaganfall zu verhindern, müsste man rund 150 Menschen 5-6 Jahre lang behandeln.
(7) Abramson: Overdo$ed America, a.a.O.
(8) Siehe „Auswege Infos“ Nr. 57 / Dezember 2018, Meldung „Nicht einmal jeder zweite Senior weiß, wozu er seine Medikamente schluckt“.
(9) Dr. Rath Health Foundation: Mikronährstoffe bei Bluthochdruck (2024); V. Ivanov u.a.: „Bioflavonoids Effectively Inhibit Smooth Muscle Cell-Mediated Contraction“, Journal of Cardiovascular Pharmacology 2005;46(5):570-576; JC Cha u.a.: „Nutritional improvement of metabolic syndrome parameters in immature fructose-fed wild-type mice“, Molecular Medicine Reports 2011;4(6):1053-1059. doi:10.3892/mmr.2011.562; M. Rath u.a.: „Cellular Nutrients in High Blood Pressure“, Cellular Health Communications 2001 (PDF)
(10) https://www.nhlbi.nih.gov/education/dash-eating-plan, https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJM199704173361601; https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/1832195
(11) https://www.herzstiftung.de/ihre-herzgesundheit/gesund-bleiben/bluthochdruck/sport; https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/hypertonie/sport-bei-bluthochdruck; https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/high-blood-pressure/in-depth/high-blood-pressure/art-20045204
(12) https://www.ahajournals.org/doi/full/10.1161/01.HYP.27.6.1318, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8641742/
(13) Diese Schätzung beruht auf früheren WHO-Daten (ca. 2010–2020) und Extrapolationen aus Marktumsätzen (25–30 Mrd. USD jährlich). Sie ergibt sich aus ca. 1,3 Mrd. Hypertonie-Betroffenen, von denen 30–40% (ca. 400–500 Mio.) medikamentös behandelt werden, bei durchschnittlich 300–400 Tagesdosen pro Patient/Jahr.
(14) https://www.researchnester.com/de/reports/anti-hypertensive-drugs-market/7280, https://www.imarcgroup.com/antihypertensive-drugs-market, https://www.precedenceresearch.com/antihypertensive-drugs-market
(15) http://www.prehypertension.org/; https://www.eshonline.org/, https://ish-world.com/, https://www.hochdruckliga.de/
(16) Ray Moynihan/Alan Cassels: Selling Sickness – How the World´s Biggest Pharmaceutical Companies are turning us all into Patients (2005)
(17) Lasse T Krogsbøll/Karsten Juhl Jørgensen/Christian Grønhøj Larsen/Peter C. Gøtzsche: “General health checks in adults for reducing morbidity and mortality from disease”, Cochrane Database Systematic Reviews 17. Oktober 2012, doi: 10.1002/14651858.CD009009.pub2 (18) Zu bestellen bei Ihrem örtlichen Buchhändler – er ist auf Ihren Kauf eher angewiesen als Jeff Bezos.




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