• Dr. Harald Wiesendanger

Na endlich: Fernsehen entschuldigt sich

Aktualisiert: Mai 1

„Unsere Mitverantwortung an der Krise konstatieren wir mit tiefer Betroffenheit“, sagt ein Sprecher vor laufender Kamera. KLARTEXT bittet um Weiterleitung an die Intendanten und Nachrichtenredaktionen von ARD und ZDF.


Millionen Bürger trauten ihren Ohren nicht recht, als ein Sprecher in der Hauptnachrichtensendung des deutschen Fernsehens die folgende offizielle Entschuldigung verlas:


„Unsere Mitverantwortung an der entstandenen Krisensituation konstatieren wir mit tiefer Betroffenheit. Wir haben es zugelassen, dass unser Medium durch dirigistische Eingriffe missbraucht wurde. Dadurch wurde das Vertrauen vieler Zuschauer und nicht zuletzt zahlreicher Mitarbeiter in das (…) Fernsehen erschüttert. Dafür bitten wir hiermit um Entschuldigung.“


Der erbärmlichen Rolle als Hofberichterstatter, die TV-Sender, öffentlich-rechtliche ebenso wie private, in der Corona-Krise von Anfang an spielten, wäre ein solches Eingeständnis längst mehr als angemessen.


Tatsächlich ist der verlesene Text schon über 30 Jahre alt. Er stammt aus der „Aktuellen Kamera“ („AK Zwo“) des DDR-Fernsehens vom 3. November 1989, zwei Wochen nach dem Rücktritt Erich Honeckers, sechs Tage vor Öffnung der Berliner Mauer


Unsere Leitmedien verraten elementarste Grundsätze journalistischer Standesethik, indem sie daran mitwirken, Massenpanik anzuheizen und aufrechtzuerhalten; belanglose Horrorstatistiken kritiklos weiterzureichen; zu verspäteten, nutzlosen, kontraproduktiven Seuchenschutzmaßnahmen zu schweigen; die Hygienediktatur zu hofieren; vor ihren Einflüsterern zu buckeln, wenn sie mit Professorentiteln daherkommen. Anstatt die unverhältnismäßigen Zumutungen von "Lockdowns“, deren immer dramatischere Folgeschäden distanziert zu beleuchten, inszenieren sie in Endlosschleife das Rührstück „Wir bleiben zu Hause“, mit Anleitungen zur Genussoptimierung der seuchenbehördlich überwachten Quarantäne, zum Selberbasteln von Atemschutzmasken. Die vielbeschworenene Vierte Gewalt ist zur Handlangerin, Nachplapperin und Vollzugshelferin der Ersten und Zweiten geworden. „Dirigistische Eingriffe“ waren dazu überflüssig. Auch ohne sie funktioniert in der Expertokratie die Schere im Kopf der Journaille wie frisch geschliffen und geölt, sobald sie sich dem unterwirft, was sie mit „Wissenschaft“ verwechselt.


Auf die überfällige Entschuldigung warten wir jedoch weiterhin. Tatsächlich ist der verlesene Text schon über 30 Jahre alt. Er stammt aus der „Aktuellen Kamera“ („AK Zwo“) des DDR-Fernsehens vom 3. November 1989, zwei Wochen nach dem Rücktritt Erich Honeckers, sechs Tage vor Öffnung der Berliner Mauer.


Wahrlich, ein verblüffendes Déjà-vu. Eignen sich diese 24 Sekunden nicht ganz hervorragend für die nächste „Tagesschau“ und die „heute nachrichten?“


Harald Wiesendanger

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