MEHA !
- Dr. Harald Wiesendanger

- vor 7 Tagen
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Aktualisiert: vor 2 Tagen
Es wurde Zeit: Angeregt durch die MAHA-Kampagne des US-Gesundheitsreformers Robert F. Kennedy Jr., entstand auf dem alten Kontinent nun eine gleichgerichtete Initiative: “Make Europe Healthy Again”. Bei der Gründungsveranstaltung im Europaparlament überwogen flammende Appelle und eindringliche Warnungen. Bislang stoßen sie auf taube Ohren.

Eine Epidemie chronischer Krankheiten grassiert keineswegs bloß in den Vereinigten Staaten. Auch diesseits des Großen Teichs sind Gesundheitssysteme längst dabei, unter ihrem Kostendruck zusammenzubrechen. Seit 2010 stiegen die Krebsraten um 20 %; Stoffwechselstörungen betreffen jeden dritten Erwachsenen. Fast zwei Drittel - und schon ein Viertel aller Kinder - sind übergewichtig oder gar adipös. Seit der Jahrtausendwende hat sich die Anzahl der Diabetesfälle nahezu verdreifacht. 60 % der über 65-Jährigen belastet mindestens eine lang andauernde Gesundheitsstörung; zwei Drittel sind multimorbid.
Haarsträubend.
Deshalb lag nahe, was am 15. Oktober 2025 in Brüssel geschah: Abgeordnete des Europaparlaments riefen gemeinsam mit Ärzten, Wissenschaftlern und Bürgerrechtlern die MEHA-Initiative ins Leben: Make Europe Healthy Again! Ihrer Website zufolge orientiert sich MEHA an sieben Grundprinzipien. Dazu zählen das Recht jedes Menschen auf Selbstbestimmung über seine Gesundheit, die Souveränität von Nationen und Gruppen “gegenüber nichtgewählten Mächten und Profiteuren”, Integrität und Transparenz von Wissenschaft, das Verständnis von Gesundheit als harmonisches Ganzes von Körper, Geist und Seele.
Inspirieren ließ sich MEHA von der Kampagne “Make America Healthy Again” (MAHA), dem ambitionierten Herzensprojekt des US-Gesundheitsministers Robert F. Kennedy Jr.: eine von Präsident Trump per Executive Order 14212 vom 13. Februar 2025 gestartete, ressortübergreifende Agenda, die nicht weniger als 120 Vorhaben umfasst. Eine dazu eingerichtete Kommission soll staatliche Maßnahmen in den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Landwirtschaft, Bildung und Umwelt koordinieren und bisherige, offenkundig ungenügende Public-Health-Politik grundlegend reformieren, um die Ursachen der „chronic disease epidemic“ anzugehen: unter anderem schlechte Ernährung, Chemikalienexposition, Bewegungsmangel, Stress und Übermedikalisierung.
Es geht um Selbstbestimmung
Bei der Auftaktveranstaltung von MEHA erklärte Dr. Robert W. Malone – Arzt, Wissenschaftler und Biochemiker, der den Vorsitz eines Beratungsausschusses für Impfpraktiken (ACIP) der US-Seuchenschutzbehörde CDC innehat: „Wenn wir nicht über unseren eigenen Körper und die medizinischen Behandlungen, denen wir uns unterziehen, bestimmen dürfen, kann es keine persönliche Freiheit und keine Verhältnismäßigkeit geben. Der Grundstein dieser ethischen Struktur ist das Prinzip der informierten Einwilligung des Patienten, das während COVID weitreichend verletzt wurde.“
Laut Louis Fouché - Anästhesist, Mitglied des Lenkungsausschusses von MEHA und Leiter der französischen Sektion – “strebt MEHA danach, die Wissenschaft zu entpolitisieren, die Einflussnahme von Unternehmen auf Gesundheitsbehörden zu beseitigen und die medizinische Praxis auf fundierte Erkenntnisse zu stützen, die mit traditionellen und ergänzenden Ansätzen kombiniert werden. (…) Beide Bewegungen zielen auf die Ursachen ab – wie hochverarbeitete Lebensmittel, Pestizide und Umweltgifte – und setzen sich gleichzeitig für Präventionsstrategien anstelle von reaktiven Maßnahmen ein.“
Die Idee, MEHA zu gründen, sei aus der COVID-19-Pandemie entstanden, „die tiefgreifende systemische Versäumnisse offenbart hat: ein Gesundheitssystem, das sich zu einer gewinnorientierten ‚Krankheitsindustrie‘ gewandelt hat, in der die Wissenschaft politisiert wurde, Unternehmen öffentliche Einrichtungen übernommen haben und Anbieter an vorderster Front mit repressiven Vorschriften wie Einschränkungen der freien Rede und Verschreibungsbeschränkungen konfrontiert waren“, sagte Fouché. „MEHA entstand als Reaktion darauf – als Aufruf, Institutionen zu heilen, strenge Wissenschaft wiederherzustellen, moderne und traditionelle Medizin zu integrieren und systemische Prävention gegenüber Behandlung zu priorisieren.“
Die fatale Rolle der Europäischen Kommission
Wie die österreichische Hausärztin Dr. Maria Hubmer-Mogg, ein weiteres Gründungsmitglied von MEHA, bei der Auftaktveranstaltung vortrug, spielt die Europäische Kommision eine fatale Rolle: Als nicht gewählte Exekutive kontrolliert sie die Gesundheitspolitik der gesamten EU; ihre Vorschriften beeinflussen die nationalen Gesundheitssysteme enorm. „Die Bürger sollten sich bewusst sein, dass 80 % der Politik ihres Landes aus der EU stammt. Die Europäische Arzneimittelagentur ist eng mit der Kommission verbunden und keine unabhängige Arzneimittelbehörde. Mit über 85 % ihrer Einnahmen aus Industriegebühren ist die Agentur finanziell von genau den Unternehmen abhängig, deren Produkte sie eigentlich regulieren soll.“
Der britische Kardiologe Dr. Aseem Malhotra, MAHA-Berater und Mitglied des MEHA-Vorstands, sieht den Schlüssel zum Erfolg beider Bewegungen diesseits wie jenseits des Atlantiks darin, den Einfluss von Konzernen einzudämmen: „Wenn wir Europa wie auch Amerika wieder gesund machen wollen, muss die Macht der Unternehmen eine Priorität für die öffentliche Gesundheit sein. Ich bin für einen freien Markt, aber ich bin nicht für die Freiheit, den Markt zu täuschen.“ Die Vereinnahmung von Institutionen durch Unternehmen habe „eine Kombination aus biologischen, sozialen, ökologischen und psychologischen Faktoren“ geschaffen, welche die Krise der chronischen Krankheiten sowohl in Europa als auch in den USA aufrechterhalte. Diese Vereinnahmung, so warnte der Arzt Dr. David Bell, sei „das unvermeidliche Ergebnis einer veralteten Bürokratie in Verbindung mit kommerzieller Gier“. Ermutigend seien „Anzeichen eines Widerstands gegen den administrativen Nanny-Staat und die zunehmende Ausbreitung des Globalismus in unseren staatlichen Zuständigkeitsbereichen wie dem Gesundheitswesen“.
Auf dem Spiel stehen Grundrechte
Vor immer dreisteren Angriffen auf unsere Grundrecht auf natürliche Ernährung warnte der niederländische EU-Abgeordnete Rob Roos. „Unter dem Deckmantel des Klimaschutzes werden traditionelle Lebensmittel diskreditiert.“ Stattdessen setze man uns einen dystopischen Teller mit Laborfleisch, Insekten und hochverarbeiteten Ersatzprodukten vor. Das sei keine Innovation, sondern die Entmenschlichung unserer grundlegendsten Nahrungsquellen.
Roos sieht einen Teufelskreis am Werk: Industrien erzielen gigantische Profite mit Lebensmitteln, die uns krank machen, indem sie zu Fettleibigkeit, Diabetes und Herzerkrankungen führen. Noch üppigere Gewinne streichen dann Pharmafirmen ein, die diese Zustände behandeln, aber nicht heilen. Ihnen geht es nicht um Gesundheit, sondern um lebenslange Abhängigkeit. Je früher, je länger es uns schlecht geht, umso besser fürs Geschäft.
Roos erinnerte an den schändlichen Missbrauch des Covid-Mantras „Trust the Science“ als politische Waffe, um Gegenstimmen zum Schweigen zu bringen. Dieser Skandal habe uns eine schmerzhafte Wahrheit vor Augen geführt: Wissenschaft ist käuflich. Sie kennzeichnen Debatte und Dissens, nicht Zensur und vermeintlich in Stein gemeißelte, eminenz- statt evidenzbasierte Meinungen.
Projekt verwirrter „Verschwörungstheoretiker“?
Kommentare deutscher Politiker zu diesem parteiübergreifenden, transatlantisch not-wendigen Gesundheitsprogramm? Abgesehen von AfD-Vertretern: Fehlanzeige. Und erwartungsgemäß kehrten so gut wie alle Mainstream-Medien das Brüsseler Event unter den Teppich. Gingen sie ausnahmsweise darauf ein, so „entlarvten“ sie die medizinische Initiative als politisches Projekt von Impfkritikern, „Verschwörungstheoretikern“ und sonstigen Verwirrten des rechten Spektrums, das die in den Corona-Jahren gewachsene Skepsis gegenüber etablierten Institutionen ausnutze. Hier hallt das amerikanische Medien-Echo auf Kennedys MAHA-Agenda nach: Die Bewegung muss sich als „Sekte“ verunglimpfen lassen, geleitet von einem „Glaubensheiler, der nicht kritisiert werden darf“. (1) Associated Press, größte Nachrichtenagentur der Welt mit 263 Büros in 106 Ländern, prangert MAHA als „wissenschaftsfeindlich“ an. Das Projekt werde „angetrieben von einem Netzwerk gut finanzierter nationaler Gruppen, die von Menschen angeführt werden, die – finanziell und anderweitig – davon profitiert haben, Misstrauen gegenüber Medizin und Wissenschaft zu säen“.
Zweifellos schadet es dem Image von MEHA gewaltig, dass es an ein von Trump propagiertes Vorhaben anknüpft. Je widersprüchlicher, narzisstischer, verwirrter, unglaubwürdiger der starke Mann im Weißen Haus auftritt, desto leichter wird sich das MAHA-Programm samt MAGA in die Tonne treten lassen, sobald GOAT Donald, „Greatest Of All Times“, mehr oder minder unfreiwillig abtritt und kein linientreuer Republikaner ihm nachfolgt. Wahrscheinlich fände dann eine zügige Rückkehr zu business as usual statt – und der Kennedy-Impuls bliebe ein folgenloses Kuriosum amerikanischer Gesundheitspolitik, so irre wie eine US-Annexion Grönlands.
Anmerkung









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