Geflexnert: Wie ein Report die Heilkunst hinrichtete
- Dr. Harald Wiesendanger
- vor 6 Tagen
- 20 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 33 Minuten
Der berüchtigte „Flexner Report“ brachte im Jahre 1910 die westliche Heilkunst auf Linie – und verstümmelte sie dabei. Was heutige Medizinstudenten als historischen Triumph von Wissenschaft über Quacksalberei bewundern lernen, bedeutete in Wahrheit: Therapeutische Vielfalt ging verloren, das Gesundheitssystem wurde auf ein kapitalintensives, pharmalastiges Paradigma ausgerichtet, das Patienten auf reparaturbedürftige Biomaschinen reduziert.

Ihm gehörten 90 Prozent aller Ölraffinerien seines Landes. Er war Amerikas erster Milliardär (1). Und zeitlebens ließ er sich von Homöopathen behandeln: John D. Rockefeller (1839-1937). Doch ausgerechnet dieser Magnat setzte sein Vermögen dafür ein, eben jene Homöopathie, der er sein eigenes langes Leben anvertraute, aus dem amerikanischen Gesundheitswesen zu tilgen. Unfassbar? Willkommen in der Gründungsgeschichte der modernen Medizin. Makellos ist sie nicht. Und weniger erbaulich, als ihr offizieller Ursprungsmythos uns weismachen will. Dafür lehrreicher. Es ist die Geschichte eines sauber inszenierten Meuchelmords. Im Namen der Wissenschaft oder was man dafür hält.
Der Name, der über dieser Geschichte schwebt, ist ein anderer: Abraham Flexner (1866-1959), ein arbeitsloser Schulmeister aus Louisville ohne einen einzigen Tag medizinischer Ausbildung. (2) Sein „Report" von 1910 gilt als Gründungsdokument der wissenschaftlich reformierten Medizin. Ihn so einzuordnen, ist nicht falsch, greift aber zu kurz.
Der Ausgangspunkt: Ein bunter Markt, der bereinigt werden sollte
Um den Flexner-Report zu verstehen, muss man sich klarmachen, was er wegräumen sollte. Die amerikanische Medizin um 1900 bestand keineswegs nur aus Aderlass und Quacksalberei. Sie war vielfältig und unübersichtlich, geprägt von einem knallharten Wettbewerb der Schulen, die einander die Patienten abjagten. Neben der „regulären" Medizin existierten bis zu 15.000 Homöopathen, 1.000 bis 2.500 Osteopathen und bis zu 2000 „Naturopathen“: Heilpraktiker, die auf die Selbstheilungskräfte des Körpers setzten, statt lediglich Symptome zu unterdrücken. Hinzu kamen 1000 bis 2000 „Botanische Praktiker“ (botanical prcticioners): Ärzte und Heiler, die vorrangig oder ausschließlich mit Heilpflanzen arbeiteten. Sie standen in der volksheilkundlichen, laienmedizinischen Tradition der Thomsonian-Bewegung: einer von dem Kräuterkundler und Botaniker Samuel Thomson im frühen 19. Jahrhundert begründeten Selbsthilfeinitiative, die ausgesprochen antielitär, gegen die studierte Ärzteschaft gerichtet auftrat. Thomson verkaufte „Familienrechte" an seinem Heilsystem, damit jeder Haushalt sich selbst mit einem festen Repertoire pflanzlicher Mittel behandeln konnte, ohne einen Arzt aufsuchen zu müssen.
Aus diesem Milieu gingen später die sogenannten „Eklektiker“ (eclectic physicians) hervor. Der Name kommt vom griechischen eklegein („auswählen") — und bringt das Programm der rund 10.000 approbierten „eklektischen“ Ärzte jener Zeit auf den Punkt: Aus allen verfügbaren Heilmethoden wollten sie sich das jeweils Beste heraussuchen, statt sich einer einzigen Doktrin zu unterwerfen. Rosinenpicker der Heilkunde, im besten Sinne. Konventionelle Behandlungen verbanden sie mit pflanzlicher Medizin und homöopathischen Mitteln. Ihre Medical Colleges lehrten diese Kombination ausdrücklich. In der Praxis nutzten viele Ärzte, die man „homöopathisch" nannte, tatsächlich diesen eklektischen Mischansatz — Homöopathie als Hauptmethode, ergänzt durch orthodoxe und Kräuterheilkunde. Die damals gängige „heroische" Schulmedizin — massiver Aderlass, Quecksilber- und Arsenkuren — lehnten sie entschieden ab.
Und welchen Status hatte seinerzeit die Homöopathie? War sie beschränkt auf bildungsferne Randgruppen? Von wegen. Mit 12.000 bis 15.000 approbierten Ärzten war sie die Medizin der amerikanischen Elite. Über 100 homöopathische Krankenhäuser, rund 1000 homöopathische Apotheken und 22 homöopathische Medizinfakultäten bestanden – unter anderem an der Boston University, der University of Michigan, der University of Minnesota und der University of Iowa. (3) Um 1900 war sie die mit Abstand stärkste, angesehenste und am besten organisierte alternative Heilrichtung in den USA. Ihre Anhängerschaft reichte damit weit in die kulturelle und wirtschaftliche Elite des 19. Jahrhunderts hinein. Zu ihr zählten der Romancier Henry James; sein älterer Bruder, der große Philosoph und Psychologe William James; die Romanautoren Louisa May Alcott und Harriet Beecher Stowe; die Lyriker Emily Dickinson und Henry Wadsworth Longfellow, zwei der bedeutendsten Dichter der amerikanischen Literaturgeschichte; dazu Industrielle wie George Westinghouse, Henry J. Heinz, George Eastman und Joseph Wharton. (4) Eine Liste, die sich liest wie Amerikas Who's who des 19. Jahrhunderts.
Wie der Medizinhistoriker William Rothstein konstatierte, waren die frühen amerikanischen Homöopathen „durchweg gut ausgebildete und kultivierte Ärzte"; sie legten eine „Gelehrsamkeit" an den Tag, wie man sie in den regulären Fachjournalen jener Zeit selten fand. (5) Warum die Homöopathie damals so attraktiv war, wundert den Medizinhistoriker Paul Starr - sein Topseller Social Transformation of American Medicine gewann den Pulitzer-Preis - nicht im geringsten: Weil sie „gleichzeitig philosophisch und experimentell" gewesen sei, „fanden viele Menschen sie mehr statt weniger wissenschaftlich als die orthodoxe Medizin" (6)
Lästige Konkurrenz loswerden
Eben dieser Punkt ist es, den die spätere Siegergeschichte unterschlägt: Die Homöopathie wurde nicht deshalb bekämpft, weil sie unwissenschaftlich war. Sie wurde bekämpft, weil sie Konkurrenz war. Ihr Gründer Samuel Hahnemann hatte den heroischen Aderlass, das Quecksilber und die Arsen-Kuren der Schulmedizin scharf kritisiert – Kritik, deren Berechtigung selbst konservative Medizinhistoriker heute einräumen. (7) Zugleich verschrieb er niedrige Dosen und meist ein einziges Mittel. Für die Apotheker, die an Menge und Zahl der verordneten Substanzen verdienten, war das eine wirtschaftliche Bedrohung. 23 Umzüge in 15 Jahren: So oft trieben Hahnemann die Behörden weiter, angestachelt von den Apothekern. (8) Heilen oder verkaufen — dieser Konflikt ist keine Erfindung der Gegenwart. Er ist nur älter geworden.
In Amerika entsprang diesem Konflikt eine Organisation, die heute als Inbegriff seriöser Medizin gilt: die American Medical Association (AMA), Standesvertretung von rund 80.000 „Regulars“, Schulmedizinern. Gegründet wurde sie 1847 – zwei Jahre nach dem American Institute of Homeopathy, um dessen Wachstum einzudämmen, wie ihre eigene Charta festhält. (9) Ihre schärfste Waffe war die berüchtigte „consultation clause": Wer als regulärer Arzt auch nur einen Homöopathen konsultierte, verlor die AMA-Mitgliedschaft – in manchen Bundesstaaten damit zugleich die Approbation. Ein Arzt in Connecticut wurde ausgeschlossen, weil er eine Homöopathin zu Rate zog: seine eigene Frau. Ein New Yorker Arzt flog raus, weil er Milchzucker gekauft hatte. Milchzucker. In der falschen Apotheke, einer homöopathischen. (9) Die New York Times spitzte die AMA-Haltung damals sarkastisch zu: Könne ein Patient nur gerettet werden, indem man einen Homöopathen hinzuzieht, dann müsse er eben sterben. (10)
So ähnlich klingt der Grundton, der dem unvoreingenommenen Leser aus beinahe jeder Zeile des Flexner-Reports entgegendröhnt.
„Unabhängiges" Gutachten mit vorgeschriebenem Ergebnis
Die Choreografie war eine Meisterleistung — nicht der Wissenschaft, sondern der Tarnung. Die AMA hatte über ihr Council on Medical Education längst begonnen, „sektiererische“ Medical Colleges zu bewerten – konnte aber nicht offen als Richterin in eigener Sache auftreten. Also wählte sie einen cleveren Umweg: Sie ließ die Erhebung über eine ihr nahestehende Stiftung organisieren. Henry Pritchett, Chef der Carnegie Foundation for the Advancement of Teaching (11), traf sich mit Arthur Bevan vom AMA-Council. Man kam überein: Die Carnegie-Stiftung würde die Erhebung „sponsern", damit die AMA „ihre Ziele erreichen konnte, ohne den Anschein zu erwecken, den Report zu finanzieren". (12)
Als ausführendes Organ wählte man Abraham Flexner, der – welch Zufall - seit 1908 für die Carnegie-Stiftung arbeitete. Seine wichtigste Qualifikation: keine. Er hatte keine medizinische Ausbildung, keinen medizinischen Hintergrund, und – das war der eigentliche Vorzug – er hatte sich zu keiner der konkurrierenden Schulen öffentlich bekannt. Damit galt er als „unparteiisch". (13) Übersehen wurde geflissentlich, dass sein Bruder Simon Flexner der erste Direktor des Rockefeller Institute for Medical Research war – ein erklärter Verfechter der scientific medicine und Gegner alles „Sektiererischen", die Homöopathie eingeschlossen. (14)
Die angebliche Unabhängigkeit war eine durchsichtige Inszenierung. Unabhängig wovon eigentlich? Von der AMA, mit deren Führung er sich laufend beriet? Von deren Sekretär Nathan Colwell, mit dem er gemeinsam die Colleges bereiste? Von seinem Bruder, der das Rockefeller Institute leitete? (15) So unabhängig wäre ein Schiedsrichter, der im Trikot einer der beiden Mannschaften aufläuft. Mit Vertretern der Homöopathie pflegte Flexner keine vergleichbaren Kontakte; das American Institute of Homeopathy bemühte sich um ein Treffen, ehe Flexners Erhebung begann – es kam nie zustande. (16)
„Munition in Ihren Händen“
Sechs Monate vor der Veröffentlichung schrieb Pritchett einen Brief, den man in einem Kriminalfall als smoking gun zu den Akten nehmen würde. Bemerkenswert offen formulierte er, welchen Nutzen die AMA aus dem Report ziehen sollte:
„Bei dieser ganzen Arbeit der Prüfung der medizinischen Schulen waren wir mit Ihnen und Ihrem Komitee eng verbunden. Wenn unser Report erscheint, wird er Munition in Ihren Händen sein. Es ist daher wünschenswert, in der Zwischenzeit eine Haltung zu wahren, die keine unmittelbare Verbindung zwischen unseren beiden Bemühungen andeutet." (17)
Munition. In Ihren Händen. Eine spätere AMA-Publikation prahlte offen damit, Colwell habe „weit mehr Anleitung zu dieser berühmten Erhebung geliefert, als allgemein bekannt ist". (18) Manche Historiker formulieren es unverblümt: Die AMA habe diesen Report „konstruiert". (19)
Und der Aufwand für diese pseudowissenschaftliche Erhebung, auf die sich ein Jahrhundert Medizingeschichte stützt? Stippvisiten bei 155 Colleges und 12 Aufbauschulen in 16 Monaten. Rechnerisch weniger als ein Tag pro Schule, An- und Abreise inklusive. (20) Wer je einen fremden Betrieb an einem Vormittag durchschaut hat, möge sich melden.
Inhaltlich verordnete der Report das Modell der Johns Hopkins School of Medicine: rigoros laborwissenschaftlich, am deutschen Universitätsvorbild orientiert, mit Vollzeitprofessuren statt praktizierender Ärzte in der Lehre. (21) Das „Sektiererische" – Homöopathie, Eklektik, Chiropraktik, Naturheilkunde – erklärte Flexner für erledigt. Über die Homöopathie schrieb er den vielzitierten Satz: „Die schwindende Vitalität homöopathischer Schulen ist eine eindrückliche Demonstration der Unvereinbarkeit von Wissenschaft und Dogma." (22) Chiropraktiker nannte er „gewissenlose Quacksalber". Eklektiker beschimpfte er als „drogenverrückt" (drug mad). (23)
Was ist dem Report zugutezuhalten?
Wer im Flexner-Report bloß ein Kapitalverbrechen sieht, macht es sich zu leicht. Und liegt daneben. Die amerikanische Medizin hatte durchaus ein echtes Problem, und Teile davon hat der Report tatsächlich gelöst.
Der Markt der Medical Colleges war von gewinnorientierten „Diplommühlen" durchsetzt, die ohne Labor, ohne Klinik und praktisch ohne Aufnahmeprüfung Ärzte am Fließband produzierten. Die ärztliche Ausbildung an Universitäten zu verankern, sie auf verbindliche naturwissenschaftliche Grundlagen zu stellen und an Lehrkrankenhäuser anzubinden: all dies brachte durchaus Fortschritte mit sich. In seiner kritischen 100-Jahre-Bilanz hält Thomas Duffy ausdrücklich fest: Der Erfolg der reorganisierten Ausbildung sei „in Breite und Tiefe des Verständnisses und der Entdeckungen ehrfurchtgebietend" gewesen. (24) Und selbst die AAMC, die 2020 Flexners Namen von ihrem Ehrenpreis strich, räumt ein, der Report habe „wertvolle Veränderungen in der medizinischen Ausbildung empfohlen, von denen viele bis heute positiv wirken". (25)
Die Medizin auf naturwissenschaftliche Füße stellen, die Bakteriologie ernstnehmen, die Lehrpläne vereinheitlichen: all das war überfällig. Das Manko des Flexner-Reports besteht nicht darin, dass er Wissenschaftlichkeit forderte. Kritikwürdig ist die Reichweite der Ausgrenzung, die unter diesem Anspruch stattfand. Und in wessen Kasse es am Ende klingelte.
Abrissbirne aus Papier
Denn der Report blieb nicht folgenlos. Er wurde zur Abrissbirne – und die Trümmer lassen sich beziffern.
Von ursprünglich 155 Schulen gaben innerhalb von 15 Jahren 89 auf. (26) Die 22 homöopathischen Medical Colleges, die 1900 noch bestanden, schrumpften bis 1923 auf zwei; um 1950 lehrte keine einzige Schule mehr Homöopathie. (27)
Auch den „Eklektikern“ versetzte Flexner den Todesstoß - obwohl gerade sie, anders als die homöopathischen Puristen, viele konventionelle Behandlungen in ihre Praxis integrierten. Trotzdem traf sie derselbe Kahlschlag: Auf den Flexner-Report hin wurden ihre Schulen ebenso geschlossen wie die homöopathischen und naturheilkundlichen; ihr letztes College, in Cincinnati, musste 1939 dichtmachen. Sang- und klanglos verschwand die Eclectic Medicine aus den USA — fast rückstandslos, und ohne dass ihr jemand einen Nachruf schrieb.
Besonders übel wirkten sich Rassismus und Sexismus des Reports aus. Flexner empfahl, sämtliche Medical Colleges für weibliche Studenten zu schließen – kurz darauf war bloß noch eines übrig. (28) Frauen, da war Flexner sicher, seien den geistigen Strapazen des Arztberufs schwerlich gewachsen; sie taugten mehr zur Patientin als zur Ärztin. (29)
Von den sieben Medical Colleges, die schwarze Ärzte ausbildeten, schlossen fünf. (30) Was das kostete, hat eine Studie im JAMA Network Open 2020 hochgerechnet: Wären die geschlossenen historisch-schwarzen Schulen offengeblieben, hätten sie bis 2019 schätzungsweise 35.315 zusätzliche schwarze Ärzte hervorgebracht – allein für 2019 hätte das einen Zuwachs von 29 Prozent bei den schwarzen Medizinabsolventen bedeutet. (31) Die Folgen reichen bis in die Gegenwart: Noch 2018 waren lediglich fünf Prozent der US-Ärzte schwarz, obwohl Schwarze 13,4 Prozent der Bevölkerung stellten. (32) Ein Jahrhundert später zahlt eine ganze Bevölkerungsgruppe noch immer den Preis für einen Bericht, den ein fachfremder Mann, Marionette an den Fäden mächtiger Institutionen, binnen 16 Monaten zusammenschrieb.
Inzwischen räumt die AAMC selbst ein: Der Flexner-Report habe „den systemischen Rassismus in der Medizin verschärft". (33)
Wer das Geld gab, bestimmte die Medizin
Ein Report allein schließt keine Schule. Was dem Flexner-Papier seine unwiderstehliche Macht verlieh, war das Geld dahinter – und hier betritt John D. Rockefeller die Bühne, in einer besonders widersprüchlichen, geradezu grotesken Rolle, die kein Drehbuchautor sich zu schreiben getraut hätte.
Rockefeller wurde 97 Jahre alt. Die letzten fünfzig Jahre seines Lebens ließ er sich von Homöopathen behandeln. (34) Als er Ende der 1880er unter Erschöpfung und Depression litt, war es sein homöopathischer Arzt und Golfpartner Hamilton Fisk Biggar, der ihn wieder auf die Beine brachte – mit homöopathischen Mitteln und mehr Urlaub. Rockefeller lebte danach noch 48 weitere Jahre. (35) 1916 hielt er schriftlich fest: „Ich bin Homöopath. Ich wünsche mir, dass Homöopathen fair, höflich und großzügig behandelt werden." (36) Und 1919, bei der Zuwendung von 45 Millionen Dollar an das General Education Board, wies er an: „Homöopathische Lehre sollte nicht ausgeschlossen werden; sie sollte vorgesehen sein, genauso wie die allopathische." (37)
Von diesem Wunsch blieb: nichts. Keine einzige homöopathische Institution erhielt im gesamten 20. Jahrhundert auch nur einen Cent aus Rockefellers Stiftungen – bei philanthropischen Zuwendungen von 500 Millionen bis 1 Milliarde Dollar an medizinische Einrichtungen. (38) Wie konnte das geschehen?
Dafür sorgte ein Mann, den Rockefeller selbst eingesetzt hatte: Frederick T. Gates, sein baptistischer Berater. Gates, selber kein Mediziner, verachtete die Homöopathie – Hahnemann sei „ein bisschen weniger als ein Verrückter" („a little less than a lunatic"). Und so lenkte er die Stiftungsmittel konsequent auf die Konten der orthodoxen Institutionen, während er seine eigene Parteinahme gegenüber Rockefeller verschleierte. (39) Zudem wählte er persönlich Schlüsselpersonal für Rockefellers Stiftungen und Institutionen aus, das seine ausgeprägte Aversion gegen Homöopathie teilte. Bekannt dafür, seinen Stiftungen freie Hand zu lassen, bemerkte Rockefeller es nicht oder ließ es geschehen. Sein Biograf Ron Chernow bringt Gates' „eigentliches Ziel" auf den Punkt: den Homöopathen „einen tödlichen Schlag" zu versetzen – ihre Schulen zu schließen, sie aus den Ärztegesellschaften zu vertreiben, ihnen die Klinikprivilegien zu nehmen, „um das Feld für die scientific medicine zu räumen". (40)
Und hier schließt sich der Kreis zu Abraham Flexner. 1912, kurz nach Erscheinen des Reports, wurde er in Rockefellers General Education Board berufen, zunachst als „Assistant Secretary“, ab 1914 als Vorstandsmitglied. Dort arbeitete er bis 1928 daran, die Forderungen seines eigenen Reports durchzusetzen. (41) Zwischen 1910 und 1930 flossen hierfür mindestens 180 Millionen Dollar; jedoch fehlt ein Nachweis, dass jemals ein homöopathisches College oder Krankenhaus davon etwas erhielt. (42) Der Verfasser eines Gutachtens durfte zum Vollstrecker seiner eigenen Empfehlungen werden, mit dem Scheckbuch des reichsten Mannes der Welt in der Tasche. Der Report setzte den Rahmen, Rockefellers Geld verschaffte ihm Wirkung. (43)
Die ärztliche Ausbildung verlagerte sich in die Universitäten, die sie monopolisierten. Approbiert wurde nur, wer dort studierte – unterrichtet von Vollzeit-Professoren, die im Labor forschten, statt zu praktizieren. Ausgerechnet der von Flexner hochgeschätzte Sir William Osler, einer der vier Gründungsprofessoren der Johns Hopkins-Universität, wandte sich scharf gegen dieses System (44): Es werde eine Generation „klinischer Pedanten" (clinical prigs) hervorbringen – Ärzte, die von den Lebenswirklichkeiten ihrer Patienten abgeschnitten seien. In einem Brief an den Hopkins-Präsidenten schrieb Osler 1911, er könne sich „nichts Umstürzlerischeres für das höchste Ideal der klinischen Schule vorstellen, als unsere jungen Männer einer Gruppe von Lehrern zu überantworten, die ex officio den Bedingungen entrückt sind, unter denen diese jungen Männer leben werden".
Über Flexners fachliche Kompetenz fällte Osler ein vernichtendes Urteil: Dieser habe einen „sehr schwachen Griff auf die Medizin" (very feeble grasp of medicine); der Report enthalte so viele Fehler, dass er nicht entscheiden könne, ob „Unfairness oder Unwissenheit" überwiege.
Na und? Flexners „wundersame Anziehungskraft auf Geld“, bissig festgestellt vom TIME Magazine, glich haarsträubende Qualitätsmängel ohne weiteres aus. Sein Geldbeschaffungstalent war legendär. George Eastman, Gründer der Eastman Kodak Company, lobte Flexner als „den besten Verkäufer, den ich je gesehen habe”.
Woran es seinem Report mangelt, fasste der Medizinhistoriker Thomas P. Duffy so zusammen: Zwar werde Flexner zurecht zugeschrieben, mehr Wissenschaft in die medizinische Ausbildung gebracht zu haben. Aber gerade weil Flexner kein Arzt war und seine Unterstützer keine Kliniker waren, enthalte sein Report einen Fehler, der die medizinische Ausbildung bis heute verzerre. Ein „hyperrationales System" habe „ein Ungleichgewicht zwischen der Kunst und der Wissenschaft der Medizin" geschaffen. Indem der Report den Praktiker verbannte und die Ausbildung besoldeten Forschern überließ, habe Flexner den Berufsstand gespalten und zu seinem Ansehensverlust in der Öffentlichkeit beigetragen; viele Menschen sähen Ärzte heute als mehr an der Wissenschaft der Medizin interessiert als an den Patienten selbst – ein Grund, warum Millionen sich der alternativen Versorgung zuwenden. Ist es heute anders?
2011 zog Duffy eine bittere Bilanz: Stimmen der wenigen namhaften Kritiker – allen voran William Osler und der Neurochirurg Harvey Cushing – seien „durch die unwiderstehliche Verführung großer Geldsummen zum Schweigen gebracht" worden. (45) Deutlicher lässt sich der Übergang von der heilkundlichen zur ökonomischen Logik kaum fassen.
Dieser Übergang machte die Medizin zugleich anmaßender, intoleranter, dogmatischer. Wie der Naturheilkunde-Pionier Benedict Lust ihr vorwarf, gebärde sie sich wie eine „Nationale Staatskirche“, die sich dazu ermächtigt fühlt, „Dissens auszumerzen" durch „harsche und rachsüchtige Maßnahmen". (46)
Auch Teile der Fachpresse reagierten scharf. Zeitschriften wie die Medical Sentinel, American Medical Compound, Therapeutic Gazette und Hospital Bulletin nannten den Report „hastig", „voller Fehler", „ein monumentales Stück Unverschämtheit" und „unfair gegenüber kleinen und würdigen Schulen". (47)
Doch irgendwann verstummten auch sie. Im neuen, flexnerisierten Mainstream mitzuschwimmen, wurde für die medizinische Fachpresse mehr und mehr zur Überlebensfrage. (48)
Gekauft, geherzt, geheiratet: Die Lovestory von AMA und Pharma
Ein weiterer Teil der Geschichte betrifft die Finanzierung der AMA und führt zu ihrem Generalsekretär und JAMA-Herausgeber George H. Simmons. Der AMA-Generalsekretär und JAMA-Herausgeber – der, Ironie der Geschichte, selbst zehn Jahre lang als Homöopath praktiziert hatte (49) – erfand ein Geschäftsmodell, das die AMA und die Pharmaindustrie auf Jahrzehnte miteinander verbandelte. Jede Anzeige in der JAMA sollte fortan die „Zustimmung" der AMA zum beworbenen Präparat implizieren – was höhere Anzeigenpreise rechtfertigte. (50) Einen Nachweis, dass das Mittel wirkte oder wenigstens niemandem schadete, verlangte niemand. Das Ergebnis: JAMAs Anzeigenerlöse vervielfachten sich, die Mitgliederzahl der AMA ebenfalls. (51)
Aus einer Standesorganisation wurde eine Institution, deren Einnahmen strukturell von der Pharmaindustrie abhingen. Simmons selbst warnte seinen Nachfolger, das Geschäft mit den Arzneimittelherstellern sei „ungefähr so, wie wenn Faust versucht, einen Handel mit Mephistopheles abzuschließen". (52) Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um in dieser Metapher eine Diagnose zu erkennen. Gestellt hat sie Simmons selbst.
Was übrig blieb: Eine ölfinanzierte Reparaturmedizin
Fügt man die drei Stränge zusammen – den weltanschaulich einseitigen Report, die Fördermilliarde als Durchsetzungsinstrument, die pharmafinanzierte Standesorganisation –, ergibt sich das Fundament dessen, was wir „westliche Medizin" nennen. Es ist ein Fundament mit erstaunlichen Leistungen: Antibiotika, Chirurgie, Notfallmedizin, die Bakteriologie. Nichts davon sollte kleingeredet werden.
Aber die Konsolidierung hatte ihren Preis: die Vielfalt. Die Medizin wurde homogener, wohlhabender, weißer, männlicher – und einseitiger in ihrem Denken. Sie definierte „wissenschaftlich" nicht als „empirisch offen", sondern als „laborzentriert und patentierbar". Ansätze, die auf Ernährung, Lebensführung, Selbstheilungskräfte und Prävention setzten, wurden nicht widerlegt. Sie wurden entfinanziert. Ein Unterschied, den Wissenschaftshistoriker gern verwischen. Wer die Kritik der Homöopathie an Aderlass und Quecksilber überaus angebracht findet, muss anerkennen: Zuweilen predigten die „Regulären" das Dogma, während die „Sektierer" die Empirie einforderten. (53)
Entscheidend ist: Die wichtigsten Institutionen, die Flexners Reformprogramm durchsetzen halfen, finanzierten sich aus dem Standard-Oil-Vermögen. Und so triumphierte eine Medizin "auf Öl-Basis": Das Geld, das die Diplommühlen schließen, die homöopathischen Colleges austrocknen und universitäre Vollzeitprofessuren ausbauen half, stammte aus Petroleum-Raffinerien.
Die populäre Erzählung vom „Rockefeller, der die Naturheilkunde ermordete" ist trotzdem zu plump, zu monokausal, zu sehr auf einen einzelnen Bösewicht zugeschnitten. (54) Die Wahrheit ist zugleich banaler und beunruhigender: Es bedurfte keines finsteren Masterplans. Vielmehr genügten ein tatsächlicher Reformbedarf, ein einseitiges Gutachten, eine verschwiegene Kollusion zwischen Stiftung und Standesorganisation, ein inkompetenter Berater mit Scheuklappen. Und sehr, sehr viel Geld.
Dazu war keine Verschwörung nötig. Institutionelle Abhängigkeiten und gezielte Förderung reichten aus.
Und hierin liegt die eigentliche, unbequeme Lektion des Flexner-Reports – eine, die weit über die Homöopathie hinausreicht. Wenn diejenigen, die eine Wissenschaft finanzieren, zugleich bestimmen, welche ihrer Fragen überhaupt gestellt werden dürfen, dann bekommt man am Ende keine neutrale Wissenschaft, sondern eine, die sich den Interessen ihrer Geldgeber fügt. Sie wird zum Bordell, die Prostituierten tragen weiße Kittel. Der Flexner-Report ist nicht deshalb ein Warnsignal, weil die Homöopathie vollauf recht gehabt hätte. Er ist ein Warnsignal, weil er zeigt, wie mühelos sich das Etikett „wissenschaftlich" an eine ökonomische Entscheidung heften lässt – und wie lange dieses Etikett kleben bleibt.
Seit über einem Jahrhundert. Und es klebt immer noch.
Anmerkungen
(1) New York Times, 29. September 1916.
(2) Dana Ullman: Rockefeller, the Flexner Report, and the American Medical Association: The Contentious Relationship Between Conventional Medicine and Homeopathy in America. In: Cureus. Journal of Medical Science 17 (2025), Heft 7, Artikel e87291, DOI 10.7759/cureus.87291, Abschnitt „The Carnegie Foundation's Flexner Report and Its Impact on Medical Education".Volltext: https://www.cureus.com/articles/370572 sowie https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC12318542/
(3) Ullman (2025), Abschnitt „The contentious relationship between homeopathy and allopathy in the 19th century", unter Verweis auf Dana Ullman: The Homeopathic Revolution: Why Famous People and Cultural Heroes Choose Homeopathy. Berkeley, CA: North Atlantic Books, 2007, S. 63–74.
(4) Ebd., unter Verweis auf Ullman: The Homeopathic Revolution (2007), S. 229–251.
(5) William G. Rothstein: American Physicians in the Nineteenth Century. From Sects to Science. Baltimore/London: Johns Hopkins University Press, 1972, S. 160, zitiert nach Ullman (2025).
(6) Paul Starr: The Social Transformation of American Medicine. New York: Basic Books, 1982, S. 97, zitiert nach Ullman (2025). Das Werk wurde 1984 mit dem Pulitzer-Preis (Sachbuch) und dem Bancroft-Preis ausgezeichnet. Übersicht: https://en.wikipedia.org/wiki/The_Social_Transformation_of_American_Medicine
(7) Ullman (2025), unter Verweis auf Harris L. Coulter: Divided Legacy: The Conflict Between Homoeopathy and the American Medical Association (= Divided Legacy, Bd. III). Washington, D.C.: Wehawken Book Co., 1973 (Neuausgabe Berkeley, CA: North Atlantic Books), S. 101–139, sowie Rothstein (1972), S. 170.
(8) Ullman (2025), Abschnitt zu Hahnemann und den Apothekern (23 Wohnsitzwechsel in 15 Jahren).
(9) Rothstein (1972), S. 170, zitiert nach Ullman (2025); Gründung der AMA 1847, zwei Jahre nach dem American Institute of Homeopathy (1844).
(10) Ullman (2025), Abschnitt zur „consultation clause", unter Verweis auf Coulter: Divided Legacy, Bd. III (1973), S. 208.
(11) Die Carnegie Foundation war 1905 offiziell als Pensionsfonds für Hochschullehrer gegründet worden. Doch daraus erwuchs zwangsläufig ein viel größeres Programm: Um zu entscheiden, welche Institutionen als „echte" Hochschule galten und welche Fakultätsmitglieder pensionsberechtigt waren, musste die Foundation Zulassungskriterien entwickeln – und diese Kriterien wurden zur meistgenutzten Grundlage für Zulassungsvoraussetzungen und Unterrichtsrichtlinien amerikanischer Hochschulen insgesamt.
(12) The New York Times, zitiert nach Coulter: Divided Legacy, Bd. III (1973), S. 314, wiedergegeben bei Ullman (2025); Ullman (2025), Abschnitt „The Carnegie Foundation's Flexner Report" (Absprache zwischen Henry S. Pritchett und Arthur Bevan; Carnegie Foundation for the Advancement of Teaching als vorgeschobener Träger).
(13) Ebd.
(14) Ebd.; zu Simon Flexner als erstem Direktor des Rockefeller Institute for Medical Research und Gegner der „sectarian medicine".
(15) Ebd. (gemeinsame Besuche mit Nathan Colwell, Sekretär des AMA Council on Medical Education).
(16) Ebd. (kein verzeichnetes Treffen mit dem American Institute of Homeopathy).
(17) Henry S. Pritchett an Arthur Bevan, sechs Monate vor Veröffentlichung, zitiert nach Ullman (2025) („When our report comes out, it is going to be ammunition in your hands …").
(18) AMA-Publikation über Nathan Colwell („provided far more guidance in this famous survey than is generally known"), zitiert nach Coulter: Divided Legacy, Bd. III (1973), S. 446, wiedergegeben bei Ullman (2025).
(19) Ullman (2025) („Some historians simply and directly assert that the AMA 'engineered' this report").
(20) Ebd. Vgl. zur zeitgenössischen Kritik auch Robert P. Hiatt / [J. S. Hiatt]: Around the continent in 180 days: the controversial journey of Abraham Flexner. In: The Pharos of Alpha Omega Alpha Honor Medical Society 62 (1999), S. 18–24 (dort S. 73–87 der von Ullman zitierten Ausgabe).
(21) Thomas P. Duffy: The Flexner Report – 100 Years Later. In: The Yale Journal of Biology and Medicine 84 (2011), Heft 3, S. 269–276, PMCID PMC3178858, zum deutschen Universitäts- und Johns-Hopkins-Vorbild sowie zum „full-time system"; vgl. Ullman (2025) zu William Oslers Kritik am Vollzeit-Modell. Volltext: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3178858/
(22) Abraham Flexner: Medical Education in the United States and Canada. A Report to the Carnegie Foundation for the Advancement of Teaching (= Bulletin Number Four). New York: Carnegie Foundation for the Advancement of Teaching, 1910, zitiert nach Ullman (2025) („The ebbing vitality of homeopathic schools is a striking demonstration of the incompatibility of science and dogma").
(23) Ullman (2025) (Flexner über Chiropraktiker als „unconscionable quacks", über Eklektiker als „drug mad").
(24) Duffy (2011), Abschnitt „The Flexner Report – The Path Not Taken" („The success of the reorganized medical training has been awesome in the breadth and depth of understanding and discovery").
(25) David J. Skorton (Präsident und CEO der AAMC), zitiert in: AAMC renames prestigious Abraham Flexner award in light of racist and sexist writings. Association of American Medical Colleges (AAMC News), Washington, D.C., 2020/2021. https://www.aamc.org/news/aamc-renames-prestigious-abraham-flexner-award-light-racist-and-sexist-writings
(26) Ebd. („within 15 years, 89 of the original 155 schools had closed"); vgl. Duffy (2011).
(27) Ullman (2025)
(28) Ebd. (Schließung fast aller Frauen-Colleges nach dem Report).
(29) E. Richard Brown: Rockefeller Medicine Men: Medicine and Capitalism in America. Berkeley, CA: University of California Press, 1979, S. 149, zitiert nach Ullman (2025) (Flexner zu Frauen im Arztberuf). Digitalisat: https://digitalcommons.rockefeller.edu/the-rockefellers/37/
(30) AAMC (2020/2021) sowie Ullman (2025): fünf von sieben historisch-schwarzen Colleges geschlossen; nur Howard und Meharry als erhaltenswert eingestuft.
(31) Kendall M. Campbell / Irma Corral / Jhojana L. Infante Linares / Dmitry Tumin: Projected Estimates of African American Medical Graduates of Closed Historically Black Medical Schools. In: JAMA Network Open 3 (2020), Heft 8, Artikel e2015220, DOI 10.1001/jamanetworkopen.2020.15220 (geschätzte 35.315 zusätzliche Absolventinnen und Absolventen bis 2019; +29 % allein für 2019). Volltext: https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2769569 — Hinweis zur Quellenangabe: Die in der Anfrage genannte DOI 10.1001/jamanetworkopen.2020.12833 verweist nicht auf diese Studie; die korrekte DOI lautet 10.1001/jamanetworkopen.2020.15220. Zur kritischen Einordnung der Modellannahmen (Steady- und Rapid-Expansion-Modell) vgl. gegenläufige Stimmen, etwa Physician Outlook (2022), https://physicianoutlook.com/2022/06/15/was-flexner-a-misogynistic-racist/
(32) AAMC (2020/2021)
(33) Ebd. („The Flexner report exacerbated systemic racism in medicine").
(34) Ullman (2025), Einleitung „Rockefeller's use of and advocacy for homeopathy"
(35) Ebd., unter Verweis auf Ron Chernow: Titan: The Life of John D. Rockefeller, Sr. New York: Random House, 1998, S. 319 und 321.
(36) John D. Rockefeller 1916 („I am a homeopathist. I desire that homeopathists should have fair, courteous, and liberal treatment …"), zitiert nach Coulter: Divided Legacy, Bd. III (1973), S. 314, wiedergegeben bei Ullman (2025).
(37) John D. Rockefeller 1919 zum General Education Board („Homeopathic teaching should not be excluded; it should be provided for, the same as Allopathic"), ebd.
(38) Ullman (2025)
(39) Ebd., unter Verweis auf Chernow: Titan (1998), S. 566.
(40) Chernow: Titan (1998), S. 478–479, zitiert nach Ullman (2025) (Gates' „real aim … to deliver a mortal blow to homeopaths – to shut their medical schools, expel them from medical societies, and strip them of hospital privileges – so as to clear the field for scientific medicine").
(41) Ullman (2025), unter Verweis auf Chernow: Titan (1998), S. 404 (Abraham Flexner am General Education Board von 1912 bis 1928).
(42) Charles S. Bryan / M. Shawn Stinson: The Choice: Lewellys F. Barker and the Full-Time Plan. In: Annals of Internal Medicine 137 (2002), Heft 6, S. 521–525. DOI 10.7326/0003-4819-137-6-200209170-00013.
(43) Zur Rolle der Stiftungen in dieser Ära vgl. Howard S. Berliner: A System of Scientific Medicine: Philanthropic Foundations in the Flexner Era. New York/London: Tavistock, 1985. Katalognachweis: https://wellcomecollection.org/works/kax2jk5p
(44) Harvey Cushing: The Life of Sir William Osler. 2 Bde. Oxford: Clarendon Press, 1925 (Pulitzer-Preis 1926)
(45) Thomas P. Duffy: The Flexner Report – 100 Years Later. In: The Yale Journal of Biology and Medicine 84 (2011), Heft 3, S. 269–276, https://www.researchgate.net/publication/51687172_The_Flexner_Report_-_100_Years_Later („Their voices were hushed by the irresistible seduction of large sums of money tied to implementation of the full-time system"); zu Oslers Urteil über Flexners „very feeble grasp of medicine" vgl. Ullman (2025) unter Verweis auf Hiatt: Around the continent in 180 days, Pharos 62 (1999), S. 18–24 (dort S. 19).
(46) Nach Ernest R. Booth: History of Osteopathy and Twentieth-Century Medical Practice. 2. Auflage, Cincinnati, OH: Jennings and Graham, 1905, S. 213–214; James C. Whorton: From Cultism to CAM: The Flexner Report Reconsidered. In: Complementary Health Practice Review 6 (2001), Heft 2, S. 113–125. DOI 10.1177/153321010100600202 — Volltext (PDF): https://journals.sagepub.com/doi/pdf/10.1177/153321010100600202)
(47) Dana Ullman: Rockefeller, the Flexner Report, and the American Medical Association. In: Cureus 17 (2025), Heft 7, Artikel e87291, https://www.cureus.com/articles/370572, https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12318542/
(48) Siehe dazu Harald Wiesendanger: Das Gesundheitsunwesen - Wie wir es durchschauen, überleben und verwandeln (2019), Kap. 5, S. 173-188.
(49) Ullman (2025), Abschnitt „George H. Simmons, MD, and the New AMA" (Simmons' zehnjährige homöopathische Praxis vor seiner AMA-Laufbahn).
(50) Ebd., unter Verweis auf Peter A. Swenson: Disorder: A History of Reform, Reaction, and Money in American Medicine. New Haven, CT: Yale University Press, 2021, S. 61 (Anzeige in der JAMA als implizite AMA-Zustimmung → höhere Anzeigenpreise).
(51) Ebd.; Anzeigenerlöse der JAMA nach Starr: Social Transformation (1982), S. 134 (33.760 $ im Jahr 1899, 150.000 $ im Jahr 1909); Mitgliederzahlen der AMA 8.000 (1900) auf über 70.000 (1910).
(52) George H. Simmons an seinen Nachfolger Morris Fishbein, zitiert nach Swenson: Disorder (2021), S. 432–433, wiedergegeben bei Ullman (2025) (Vergleich mit „Faust trying to make a deal with Mephistopheles").
(53) Ullman (2025), abschließende Bewertung, wonach die meisten Homöopathen tatsächlich eklektisch arbeiteten und der Dogmatismus-Vorwurf ebenso die „Regulären" traf. Diese Wertung ist die des zitierten (homöopathie-nahen) Autors und wird hier als solche kenntlich gemacht.
(54) Vgl. die populäre Rockefeller-Erzählung bei Chris Kanthan: How Rockefeller Founded Modern Medicine and Killed Natural Cures. Global Research, 9. März 2023 (Erstveröffentlichung Oktober 2015), https://www.globalresearch.ca/how-rockefeller-founded-modern-medicine-killed-natural-cures/5711818, sowie Joseph Mercola: How Medicine Was Corrupted: Difficult Times Ahead – How to Break Free From the System. Global Research, 29. Juli 2022, https://www.globalresearch.ca/how-medicine-corrupted-difficult-times-ahead-how-break-free-from-system/5788215.
Wissenschaftliche Aufsätze und Berichte
● Kendall M. Campbell / Irma Corral / Jhojana L. Infante Linares / Dmitry Tumin: Projected Estimates of African American Medical Graduates of Closed Historically Black Medical Schools. In: JAMA Network Open 3 (2020), Heft 8, Artikel e2015220. DOI 10.1001/jamanetworkopen.2020.15220. — https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2769569
● Thomas P. Duffy: The Flexner Report – 100 Years Later. In: The Yale Journal of Biology and Medicine 84 (2011), Heft 3, S. 269–276. PMCID PMC3178858. — https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3178858/
● Robert P. Hiatt: Around the continent in 180 days: the controversial journey of Abraham Flexner. In: The Pharos of Alpha Omega Alpha Honor Medical Society 62 (1999), S. 18–24.
● Dana Ullman: Rockefeller, the Flexner Report, and the American Medical Association: The Contentious Relationship Between Conventional Medicine and Homeopathy in America. In: Cureus. Journal of Medical Science 17 (2025), Heft 7, Artikel e87291. DOI 10.7759/cureus.87291. — https://www.cureus.com/articles/370572 · https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC12318542/
Monographien
● Howard S. Berliner: A System of Scientific Medicine: Philanthropic Foundations in the Flexner Era. New York/London: Tavistock, 1985. — https://wellcomecollection.org/works/kax2jk5p
● E. Richard Brown: Rockefeller Medicine Men: Medicine and Capitalism in America. Berkeley, CA: University of California Press, 1979. — https://digitalcommons.rockefeller.edu/the-rockefellers/37/
● Ron Chernow: Titan: The Life of John D. Rockefeller, Sr. New York: Random House, 1998.
● Harris L. Coulter: Divided Legacy: The Conflict Between Homoeopathy and the American Medical Association (= Divided Legacy, Bd. III). Washington, D.C.: Wehawken Book Co., 1973 (Neuausgabe Berkeley, CA: North Atlantic Books).
● Abraham Flexner: Medical Education in the United States and Canada. A Report to the Carnegie Foundation for the Advancement of Teaching (= Bulletin Number Four). New York: Carnegie Foundation for the Advancement of Teaching, 1910.
● Martin Kaufman: Homeopathy in America: The Rise and Fall of a Medical Heresy. Baltimore: Johns Hopkins Press, 1971.
● William G. Rothstein: American Physicians in the Nineteenth Century. From Sects to Science. Baltimore/London: Johns Hopkins University Press, 1972.
● Paul Starr: The Social Transformation of American Medicine. New York: Basic Books, 1982. — https://en.wikipedia.org/wiki/The_Social_Transformation_of_American_Medicine
● Peter A. Swenson: Disorder: A History of Reform, Reaction, and Money in American Medicine. New Haven, CT: Yale University Press, 2021.
Sonstige
● Association of American Medical Colleges (AAMC): AAMC renames prestigious Abraham Flexner award in light of racist and sexist writings. AAMC News, Washington, D.C., 2020/2021. — https://www.aamc.org/news/aamc-renames-prestigious-abraham-flexner-award-light-racist-and-sexist-writings
● Chris Kanthan: How Rockefeller Founded Modern Medicine and Killed Natural Cures. Global Research, 9. März 2023 (zuerst Oktober 2015). — https://www.globalresearch.ca/how-rockefeller-founded-modern-medicine-killed-natural-cures/5711818
● Joseph Mercola: How Medicine Was Corrupted: Difficult Times Ahead – How to Break Free From the System. Global Research, 29. Juli 2022. — https://www.globalresearch.ca/how-medicine-corrupted-difficult-times-ahead-how-break-free-from-system/5788215
