• Dr. Harald Wiesendanger

Angstlust am „Killerkeim“

Aktualisiert: Mai 1

Gruselstories statt Fakten: Wie Medien den Corona-Hype anheizen und verlängern



Schauergeschichte gefällig? Weil sich seriöse wissenschaftliche Belege für die außerordentliche Gefährlichkeit des Corona-„Killerkeims“ weiterhin rar machen, setzen viele Medien vorzugsweise auf gruselige Anekdoten und Horrorszenarien, um die Angst in der Bevölkerung aufrechtzuerhalten.


Für reichlich Schlagzeilen sorgen Kinder, die angeblich völlig gesund waren, ehe sie an Covid-19 verstorben sein sollen. Später stellt sich meist heraus, dass die Todesursache eine andere war oder die Betroffenen schwer vorerkrankt waren. So war es etwa bei dem vermeintlich „jüngsten Coronavirus-Opfer der Welt“, einem sechs Wochen alten Baby aus Hartford, USA. Zwar lag ein positives Virentest-Ergebnis vor – doch in Wahrheit hielten es die beteiligten Ärzte für nicht minder wahrscheinlich, dass der Säugling einem „plötzlichen Kindstod“ (SIDS/Sudden Infant Death Syndrome“), Nachwirkungen von Geburtskomplikationen oder einer „Positionalen Asphyxie“ zum Opfer fiel, d.h. lagebedingt erstickt war. „Ehe wir eine Autopsie vorgenommen haben, können wir über die wahre Todesursache nichts sagen“, erklärte die Klinik – womit sie aber kaum irgendwo zitiert wurde.


Anfang April 2020 meldeten Behörden in Louisiana, ein in der 22. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommenes Frühchen sei einen Tag nach seiner Geburt an Komplikationen „aufgrund von Covid-19“ gestorben. In Wahrheit hatte man nicht das Baby, sondern bloß seine Mutter auf SARS-CoV-2 getestet. Aus deren positivem Befund schloss man kurzerhand spekulativ auf die angebliche Todesursache.

In Großbritannien sorgte ein 18-jähriges „Corona-Opfer“ für Schlagzeilen. Tatsächlich war der Teenager schwer vorerkrankt – was das Gesundheitsamt verschwieg.


In Spanien erlangte der 21-jährige Francisco Garcia traurige Berühmtheit: Der Fußballcoach, scheinbar topfit, verstarb Mitte März nach einer Infektion mit dem Corona-Virus. Aber starb er DESWEGEN? Nachdem er mit Atembeschwerden ins Spital eingeliefert worden war, stellten die Ärzte bei ihm nebst Covid-19 auch eine Leukämie fest.


Schweizer schockierte im April 2020 die Nachricht, ein neunjähriges Mädchen sei an den Folgen einer Covid-19-Infektion gestorben. Inzwischen korrigierte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Altersangabe: Das Opfer sei in Wahrheit 109 Jahre alt gewesen. „Bei der Erfassung des Falles haben wir das Geburtsdatum versehentlich auf 2011 statt 1911 gesetzt.“


Einem Bericht des Schweizer „Tagesanzeigers“ zufolge blieb es nicht bei dieser einen Datenpanne. Ein anderes Corona-Todesopfer sei in Wahrheit 87 statt der angegebenen 27 Jahre alt gewesen. Der Fehler habe sich beim Übertragen des Geburtsdatums eingeschlichen; es wurde mit 1992 statt 1932 angegeben.


Österreichische Medien berichteten von mehreren Tauchern, die anderthalb Monate nach einer Covid-19-Erkrankung mit Lungenbeteiligung weiterhin verminderte Leistungswerte und ein auffälliges Röntgenbild aufwiesen. Eine Artikelüberschrift behauptete eine „dauerhafte Schädigung“, wohingegen ein darauffolgender Abschnitt immerhin einräumte, dies sei „unklar und spekulativ“. Ausgiebig zitiert wurde ein Oberarzt der Universitätsklinik Innsbruck, der einen solchen Fall angeblich noch nie erlebt hatte: „Das ist schockierend, wir verstehen nicht, was hier gerade passiert. Sie sind wahrscheinlich lebenslang Patienten. (…) Als Notfallmediziner mit 20 Jahren Erfahrung schluckt man, wenn man so etwas sieht." Unerwähnt blieb, dass Taucher nach einer Lungenentzündung generell eine Pause von sechs bis zwölf Monaten einlegen sollten.


Häufig werden auch neurologische Effekte wie der zeitweilige Verlust des Geruchs- oder Geschmackssinnes angeführt – angeblich ein typisches Covid-19-Symptom. Unter den Tisch fällt dabei, dass dies eine längst bekannte Begleiterscheinung von starken Erkältungen und Grippe ist.


Andere Berichte heben mögliche Auswirkungen auf verschiedene Organe wie Nieren, Leber oder Gehirn hervor. Unerwähnt lassen sie, dass viele der betroffenen Patienten bereits sehr alt und schwer chronisch vorerkrankt waren.


Auch geistern Schreckensnachrichten über eine „mysteriöse Erkrankung bei Kindern“ umher, die in Zusammenhang mit dem Coronavirus stehen sollen. (1) Die Symptome ähneln stark denen von Patienten, die am sogenannten Kawasaki-Syndrom leiden. Dabei entzünden sich die Blutgefäße im gesamten Körper, einschließlich der Herzkranzgefäße. Hautausschlag, Erbrechen, Durchfall und Fieber treten auf. Laut einem Bericht der „New York Times“ soll bei den meisten Betroffenen das Coronavirus oder zumindest Corona-Antikörper nachgewiesen worden sein. „Ärzte vermuten deshalb, dass ein Zusammenhang zwischen den schweren Symptomen und dem Coronavirus besteht – und es insofern auch zu schwereren Krankheitsverläufen bei Kindern kommen kann“, berichtet das Nachrichtenmagazin Focus.


Dieser Alarmismus verwundert indes die britische Kawasaki Disease Foundation. Wie sie in einer Pressemitteilung klarstellt, werden zur Zeit nicht mehr, sondern WENIGER Kawasaki-Fälle als üblich gemeldet; von diesen seien nur rund die Hälfte überhaupt positiv auf Coronaviren getestet worden.


Kein Journalist, der dem Kawasaki-Horror zu Schlagzeilen verhalf, ging einem Verdacht nach, den Ärzte ungern erwägen: Wurden die „mysteriös“ erkrankten Kinder kurz zuvor geimpft? Wenn ja, was wurde ihnen gespritzt? Das Kawasaki-Syndrom zählt zu den gefährlichsten Nebenwirkungen der umstrittenen Impfungen gegen das Rotavirus – davor warnen manche, aber keineswegs alle Beipackzettel im Kleingedruckten. (2) In den USA finden solche Impfungen routinemäßig zwischen zwei und sechs Monaten nach der Geburt statt. Die WHO empfiehlt sie „für alle Regionen der Welt“. (3)

Als Spätfolgen einer Corona-Ansteckung drohen angeblich schwere Lungenschäden. Verschwiegen wird, dass solche Schäden bei SARS-CoV-2-Infizierten insbesondere auftreten, wenn sie invasiv künstlich beatmet werden. Auch gefährliche Infektionen können sie sich dabei einhandeln.


Zum Griff in die Gruselkiste lud unabsichtlich auch das Institut für Rechtsmedizin der Uniklinik Hamburg-Eppendorf ein: Bei 7 von 12 obduzierten Covid-19-Opfern seien Thrombosen und Embolien in Herz, Gehirn oder Lunge entdeckt worden. (4) Daraus zieht die Journaille prompt schauderhafte Kurzschlüsse: Also wütet der „Killerkeim“ aus Fernost im Körper von mehr als jedem zweiten Infizierten, indem er Blutgefäße tödlich verstopft? Schon im April 2020 hatte der damalige, inzwischen pensionierte Institutsdirektor Prof. Klaus Püschel festgestellt: So gut wie alle verstorbenen Corona-Patienten, deren Leichen er untersuchte, litten an mehreren schweren Vorerkrankungen an Herz, Lungen und Nieren, an gravierenden Stoffwechselstörungen wie Diabetes oder Krebs, denen sie in nächster Zeit ohnehin erlegen wären. Erhalten sie frühzeitig Blutverdünner, so mag ihr spezielles Risiko, an Gefäßverschlüssen zu sterben, deutlich sinken – ihr Sterberisiko insgesamt aber kaum verbessern.


Auch mit Mehrfachinfektionen und „Reaktivierungen“ des Virus wird uns Angst gemacht: Selbst nach überstandener Covid-19-Erkrankung bleibe, womöglich lebenslang, ein Risiko, sich erneut anzustecken. Oder vielleicht „schlummert“ das Virus bloß in uns, um irgendwann, einer tickenden Zeitbombe gleich, erneut zu explodieren? Bei 290 Menschen in Südkorea konnte nach überstandener Coronavirus-Infektion der Krankheitserreger angeblich erneut nachgewiesen werden. (5) Nicht bedacht wurden zwei weniger besorgniserregende Erklärungen: Zum einen könnten die betroffenen Patienten zunächst falsch-negativ getestet worden sein. Zum anderen werden Virusgenome, das heißt das Erbgut des Virus, auch noch lange nach überstandener Infektion ausgeschieden. Ende April 2020 vollzog die koreanische Forschergruppe kleinlaut eine peinliche Rolle rückwärts: Man müsse Messfehler einräumen, so gaben sie zu: „Nicht-infektiöse Virenfragmente“ hätten für falsch-positive Testergebnisse gesorgt. (6) Dieses peinliche Eingeständnis wirft nebenbei ein Schlaglicht auf die bekannte Unzuverlässigkeit der Virentests.


Auch diese Gruselmeldung hat es in sich: US-Wissenschaftler vom National Laboratory von Los Alamos in New Mexico wollen einen Mutanten „D614G“ des Coronavirus entdeckt haben, der noch ansteckender sein soll als der ursprüngliche Erreger. In manchen Ländern habe er den ursprünglichen Virenstamm bereits vollständig verdrängt. (7) Doch selbst wenn er für höhere Infektionsraten sorgen würde, besagt dies noch nichts darüber, wie gefährlich er ist. Einen Einfluss auf die Schwere der Krankheit habe die womöglich beschleunigte Ausbreitung nicht, so stellt Friedemann Weber klar, Direktor des Instituts für Virologie an der Universität Gießen. (8) Und allein die Tatsache, dass ein Virus mutiert, ist alles andere als spektakulär. Influenzaviren gelang dies immer schon – andernfalls gäbe es keine alljährlichen Grippewellen.


Ebenfalls Entwarnung gibt eine Studie der Universität Glasgow nach Analyse von 7237 registrierten Mutationen des Virus: Die meisten davon haben anscheinend keinen Einfluss darauf, wie schwer Covid-19 verläuft. Im Vergleich zu anderen RNA-Viren mutiere SARS-CoV-2 zudem eher langsam. "Es ist wichtig, dass sich die Leute keine Sorgen machen über Virusmutationen“, so beruhigt Studienleiter Oscar MacLean. „Mutationen sind normal und man muss mit ihnen rechnen, wenn sich ein Virus durch eine Population bewegt."


Lange VOR dem törichten Staatsharakiri namens „Lockdown“ waren alle wichtigen Covid-19-Kennzahlen bereits auf jahreszeitliches Normalniveau geschrumpft, teilweise sogar darunter: Bereits in der ersten Märzhälfte gingen Menschen nicht häufiger als sonst wegen Atembeschwerden zum Arzt; nicht häufiger wurde ein schweres akutes Atemwegssyndrom (SARS) diagnostiziert; nicht häufiger belegten solche Patienten Krankenhausbetten; nicht häufiger starben sie. Was zunahm, war lediglich die Anzahl festgestellter SARS-CoV-2-Infektionen; doch diese hingen von der Zahl der durchgeführten Tests ab, sie waren klinisch bedeutungslos, weil sie nichts über die Gefährlichkeit aussagen. Schon vor dem Lockdown war die Pandemie also in dem Sinne, auf den es ankommt, auf dem Rückzug, inzwischen ist sie vorbei. TROTZDEM machen unsere Regierung und der Expertenzirkel, auf den sie exklusiv hört, uns weiterhin gebetsmühlenhaft weiß: Wir stehen erst am Anfang der Epidemie, weitere Wellen drohen, die Seuche wird mindestens noch bis zum kommenden Jahr weiterwüten, womöglich bleibt sie für immer. Na und? Auch die Influenza-Familie kam, um zu bleiben, ebenso wie 3500 weitere Virenarten auf diesem Planeten. Der Mensch überlebt sie alle und koexistiert mit ihnen. Denn er ist ihnen ungeimpft nicht schutzlos ausgeliefert, sondern verfügt über ein Immunsystem, das seit Hunderttausenden von Jahren darauf trainiert ist, Erreger unschädlich zu machen. Nicht peinlichst befolgte Masken- und Abstandspflicht, sondern die beharrliche Stärkung unserer körpereigenen Abwehrkräfte durch eine gesunde Lebensweise wappnet uns am besten gegen Krankheitserreger.


Medien erfinden Corona-Schauergeschichten am Fließband, weil Horrorstories generell „ziehen“, sie sichern Auflagen und Einschaltquoten. Warum ist das so? „Der unersättliche Appetit auf Katastropheninformationen ist psychologisch verständlich - und politisch gefährlich“, schreibt Simon Cottee, ein britischer Kriminologe von der Universität Kent, in einem Beitrag mit dem Titel „Die Welt ist süchtig nach Pandemie-Pornos“ im Online-Magazin FP/Foreign Policy. „Die Coronavirus-Pandemie ist eine globale Katastrophe, die Zehntausende von Menschen getötet und vielen weiteren Menschen Leid und Schmerz gebracht hat, auch denen, die jetzt unter Hausarrest und Ausgangssperre stehen. Aber als öffentliches Spektakel gibt es viele Beweise dafür, dass die Menschen es fesselnd finden. (…) Die Coronavirus-Pandemie hat uns ein neues, überlebensgroßes Monster beschert, (…) ein globales Spektakel, das sonstiges Reality-TV im Vergleich dazu überflüssig und oberflächlich erscheinen lässt. Das ist echtes Drama, da geht es wahrhaftig um Leben und Tod. Und es spielt in Echtzeit, ohne Bearbeitungen. (…) Wie bei allen Ungeheuern wollen viele Menschen die Bestie unbedingt sehen, aber nur aus sicherer Entfernung. Deshalb schalten sie sich täglich ein, um den verheerenden Verlauf der Pandemie zu verfolgen. Sie fixieren sich auf die ‚Kurve‘ seines ‚exponentiellen‘ Bösen. Wie viele hat es dort getötet und infiziert? Wann wird es hier ankommen? (…) Einige von denen, die die Bestie aus nächster Nähe gesehen oder sogar ihre Verwüstungen überlebt haben, sind nur allzu begierig darauf, ihre Erfahrungen an Journalisten oder in Social-Media-Beiträgen weiterzugeben. Und viele von uns sind nur allzu glücklich, in diese Schrecken einzutauchen.“


Die Persönlichkeitspsychologie kennt für das Phänomen einen Fachbegriff: „Angstlust“. Er meint eine zwiespältige Gefühlslage, bei der aus einer bedrückenden Angstphase selbst oder daraus, sie erfolgreich zu überstehen und zu bewältigen, ein lustvolles Erlebnis erwächst. Der Psychologe Siegbert A. Warwitz (9) unterscheidet zwischen dem „Live-Thrill“, bei dem die authentische Angstlust-Erfahrung persönlich und physisch gesucht wird – etwa beim Extrembergsteigen, beim Gleitschirmfliegen, beim Bungee- oder Fallschirmspringen -, und dem „Medialen Thrill“: Hier vermitteln Medien die gewünschten Spannungserlebnisse, aus sicherer Distanz auf vorrangig psychischer Ebene.


Einer der größten Spielverderber von Angstlüsternen ist: Aufklärung. Liegt es daran, dass 80 bis 90 % der Bundesbürger die wissenschaftlichen Evidenzen noch immer nicht wahrhaben wollen, welche die „Jahrhundert-Pandemie“ zur besonders ausgeprägten Grippewelle schrumpfen lassen?


Harald Wiesendanger


Anmerkungen


(1) https://www.nytimes.com/2020/05/05/nyregion/kawasaki-disease-coronavirus.html; https://www.n-tv.de/panorama/Mysterioese-Krankheit-bei-Kindern-in-New-York-article21760802.html

(2) https://www.arznei-telegramm.de/html/2012_10/1210088_02.html; https://www.impfkritik.de/upload/pdf/rotavirus/rotavirus_ira103.pdf

(3) https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/325771/WHO-MVP-EMP-IAU-2019.06-eng.pdf?ua=1, S. 49.

(4) https://annals.org/aim/fullarticle/2765934/autopsy-findings-venous-thromboembolism-patients-covid-19-prospective-cohort-study; https://nachrichten.idw-online.de/2020/05/08/uke-studie-zeigt-erhoehte-rate-von-thrombosen-und-lungenembolien-bei-covid-19-patienten/

(5) https://www.bloomberg.com/news/articles/2020-04-09/coronavirus-may-reactivate-in-cured-patients-korean-cdc-says; https://www.focus.de/gesundheit/news/aerzte-in-suedkorea-schlagen-alarm-coronavirus-neue-studie-liefert-beunruhigende-erkenntnisse-reaktivierung-moeglich_id_11870900.html

(6) https://news.sky.com/story/coronavirus-scientists-conclude-people-cannot-be-infected-twice-11981721; https://www.focus.de/gesundheit/news/studien-aus-suedkorea-wissenschaftler-korrigieren-ihre-these-frage-nach-erneuter-corona-infektion-geklaert_id_11946532.html

(7) https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.04.29.069054v1.full.pdf

(8) https://www.focus.de/gesundheit/news/friedemann-weber-im-gespraech-ist-neuer-aggressiver-sars-cov-2-mutant-im-umlauf-virologe-zerlegt-us-studie_id_11962094.html; https://www.focus.de/gesundheit/news/friedemann-weber-im-gespraech-virologe-zu-mutation-sars-cov-2-wird-sich-nicht-veraendern-solange-wir-nicht-immun-sind_id_11953330.html

(9) Siegbert A. Warwitz: „Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Erklärungsversuche für grenzüberschreitendes Verhalten“, 2., erw. Auflage 2016

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