• Dr. Harald Wiesendanger

Zu früh pensioniert: Drostens Vorgänger

Aktualisiert: Mai 1

Wie sähe Infektionsschutz in Deutschland aus, wenn dieser Mann seinen Arbeitsplatz vier Jahre später geräumt hätte? Professor Detlev Krüger, von 1989 bis 2016 Direktor des Institutes für Virologie an der Charité in Berlin, bewertet die Corona-Krise erheblich unaufgeregter als sein Amtsnachfolger, der Alarmist Christian Drosten.


Was Professor Krüger einer Angela Merkel, einem Jens Spahn geraten hätte, lässt ein Interview erahnen, das im April 2020 online erschien.


Darf man Corona- und Grippewellen nicht vergleichen? „In vieler Hinsicht“, stellt Drostens Vorgänger klar, „kann man das durchaus vergleichen, sowohl bei der Übertragungsweise der Viren als auch bei den Risikogruppen, wobei bei der Grippe noch Schwangere und Kinder hinzukommen. Und es ist nun mal so, dass wir jedes Jahr durchschnittlich mehr Tote durch Grippe haben, als dies zumindest bis heute durch das neue Coronavirus der Fall ist, jedenfalls in Deutschland.“


Müssen unsere Alten zu ihrem eigenen Schutz weggesperrt werden? Dass sich Deutschlands Heime per Lockdown in Haftanstalten verwandelt haben, kritisiert Prof. Krüger mit deutlichen Worten: „Es gibt keinerlei rechtliche oder moralische Berechtigung, die Rechte der älteren Mitbürger gezielt zu beschneiden. Ich meine, auch hier sollte man eine Abwägung treffen zwischen den möglichen Schäden durch die Infektion und den möglichen Schäden durch die Maßnahmen, die gerade laufen.“ Momentan „gehen alte Leute nicht mehr zum Arzt, weil in der Klinik alles auf Corona eingestellt ist oder eben, weil sie Angst haben, sich zu infizieren. Ein Problem ist auch, wenn die Alten durch die Isolation vereinsamen und depressiv und suizidal werden. Und selbst der Fakt, dass die vielen Altenpfleger aus Osteuropa jetzt nicht einreisen dürfen, ist ein Problem. Dies alles könnte zu massiven Kollateralschäden führen gerade bei dieser Gruppe, die eigentlich geschützt werden soll. Übrigens, Sie kennen das Durchschnittsalter der Corona-Toten in Deutschland? Das ist um die 80. Und die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland liegt ebenfalls um die 80. Das finde ich einen durchaus interessanten Aspekt, der doch viele Maßnahmen relativiert.“ Aber bringen Kontakte mit Kindern und Enkeln unsere Senioren nicht in Gefahr? „Wenn die Großeltern bereit sind, die normalen Hygieneregeln einzuhalten und dieses Restrisiko zu tragen, sehe ich nicht, warum man die Großeltern zu deren vermeintlichem Schutz aus der Familie ausschließen sollte.“


Ebensowenig hält Prof. Krüger von aufgezwungener Atemschutzmaskerade. „Das jetzt plötzlich von der Politik entdeckte Tragen von „Mund-Nasen-Schutz“ halte ich dagegen für Aktionismus. Es sollte klar sein, dass man sich damit nicht schützen kann, weil man weiter die Umgebungsluft ungefiltert atmet. Es gibt hierbei lediglich einen gewissen Effekt, wenn man selbst infiziert und damit Virusausscheider ist. Der „Mund-Nasen-Schutz“ gaukelt eine Sicherheit vor, die nicht existiert und er ist eher eine „Keimschleuder“ für verschiedenste Krankheitserreger, wenn er unsauber wird.“ Im übrigen, so gibt Prof. Krüger zu bedenken, „leben wir doch schon unser ganzes Leben mit respiratorischen Infektionen. Wir wissen doch alle, wie man sich davor schützt: nicht anniesen und anhusten, nicht dieselbe Luft mit Infizierten in einem schlecht belüfteten Raum teilen, Händewaschen - also all die grundlegenden Hygieneregeln, die eigentlich schon in Fleisch und Blut übergegangen sein sollten.“


Befürchtete auch Drostens Vorgänger eine „zweite Welle“? „Dass wir auch in Zukunft mit dem neuen Coronavirus leben müssten, wird von Politik und Medien meist wie eine Drohung kolportiert. Aber alle Viren beschäftigen uns ein Leben lang. Vieles wird jetzt plötzlich so dargestellt, als ob das alles Neuland wäre. Natürlich wird das Virus wahrscheinlich nicht mehr aus unserer Umwelt verschwinden. Aber es gibt viele andere gefährliche und sogar noch gefährlichere Viren, mit denen wir auch zu leben gelernt haben oder die wir erfolgreich bekämpfen können.“


Auch wenn Krüger über seinen Nachfolger nichts Schlechtes sagen will, bemängelt er grundsätzlich dessen Schlüsselrolle in der Corona-Krise. „Hier spielen gesamtgesellschaftlich so viele sich überschneidende Faktoren eine Rolle, dass man natürlich Entscheidungen auf einer viel breiteren Basis aus den verschiedensten Bereichen von Wissenschaft und Gesamtgesellschaft treffen muss, als nur aufgrund des Rats einzelner Virologen. So würde, ich - um allein bei der Medizin zu bleiben - hier auch mehr Infektions- und Intensivmediziner an Bord holen. Und wir haben gerade gelernt, dass auch Rechtsmediziner und Pathologen äußerst wichtige Einsichten vermitteln könnten.“


Detlev Krüger, Jahrgang 1950, studierte in Ost-Berlin Medizin. 1981 habilitierte er sich im Gebiet der Virologie und Molekulargenetik. 1982 erhielt er den Rudolf-Virchow-Preis und 1984 die Carl-Correns-Medaille, zwei der bedeutendsten Auszeichnungen auf seinem Fachgebiet.


Harald Wiesendanger

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