• Dr. Harald Wiesendanger

Besser einmal als nie: „Bild“ sorgt für Aha-Erlebnis

Aktualisiert: Mai 1

Fällt der Groschen nun auch bei einigen der 8,6 Millionen Leser von „Bild“? Das Blatt mit den übergroßen Buchstaben machte am 7. September mit einer Schlagzeile auf der Titelseite auf, die dem politischen Berlin ganz und gar nicht passen dürfte: „Die Corona-Zahlen, die Sie WIRKLICH kennen müssen“.



Und auf welche Corona-Zahlen kommt es Deutschlands auflagenstärkster Tageszeitung zufolge an? „Immer weniger Schwerkranke, Todesfälle und belegte Intensivbetten.“

So ist es.


Im Innenteil folgt, besser spät als nie, die kluge Frage: „Sind die Infektionszahlen wirklich der einzige Gradmesser für die Corona-Gefahrenlage?“


Nein, sagt Bild. Wieso? Erstaunlicherweise traut die Redaktion ihren Lesern zu, vier Kurven in zwei Grafiken zu kapieren - siehe unten - und daraus naheliegende Schlüsse zu ziehen.


Auf heftigen Konfrontationskurs zu Bangemachern geht Bild auch im Kommentar des Tages. „Es ist die wichtigste Frage für Deutschland“, so beginnt er: „Wie gefährlich ist die Corona-Lage in unserem Land wirklich? (…) Lässt sich noch von einer Notlage sprechen, wenn die Intensivstationen leer sind und – zum Glück – kaum jemand noch an Corona stirbt? Wenn die Bundesregierung sich weiterhin an den Infektionszahlen festbeißt, erweckt sie vor allem den Eindruck: dass sie nur die Zahlen benutzt, die gerade zur politischen Agenda passen.“


Wie die Faust aufs Auge passt da die Kernaussage von Gesundheitsminister Jens Spahn im Interview derselben Bild-Ausgabe: „Das VIRUS ist der Spielverderber – nicht ich!“


Wahrlich, aberwitzige Zeiten sind angebrochen. Dass ich mir jemals eine Ausgabe der Bild kaufen und ihr sämtliche Mitbürger als Leser wünschen würde, hätte ich mir noch Anfang dieses Jahres nicht träumen lassen.


Harald Wiesendanger

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Pekings Eigentor

Knoten im Kopf